Monitoring Räumliches Leitbild
| Vorlage: | 2024/1051 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 17.09.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Stadtplanungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Grünwettersbach, Grünwinkel, Hagsfeld, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oststadt, Rintheim, Stupferich, Südstadt, Waldstadt, Weststadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 19.11.2024
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1051 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: Stadtplanungsamt Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Planungsausschuss 14.11.2024 7 N Vorberatung Gemeinderat 19.11.2024 16 Ö Entscheidung Kurzfassung Der Gemeinderat nimmt das 1. Monitoring zum Räumlichen Leitbild zur Kenntnis und befürwortet die Fortschreibung des Räumlichen Leitbilds in enger Abstimmung mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2040“ (ISEK 2040). Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Zukunft Innenstadt, Soziale Stadt, Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt, Grüne Stadt, Mobilität Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ abgestimmt mit KVVH, AVG/VBK – 2 – Hintergrund Das Räumliche Leitbild wurde nach einem vierjährigen Erarbeitungs- und Beteiligungsprozess im Jahr 2016 durch den Gemeinderat verabschiedet. Es hat folgende Ziele: • Räumliche Entwicklung der Stadt lenken und koordinieren, • Schwerpunkte und Prioritäten setzen, • Einzelprojekte im Gesamtzusammenhang einordnen, • Rahmen für Vorhaben und konkrete Projekte sowie für Wettbewerbe geben, • Grundlage für politische Entscheidungen, • Qualität der baulichen Entwicklung wie auch der Prozess- und Planungskultur sichern. Das Räumliche Leitbild besteht aus drei wesentlichen Bausteinen: • Die Stoßrichtungen formulieren die übergeordneten Zielrichtungen der räumlichen städtischen Entwicklungsstrategie. • Die Vorhaben generieren sich aus den Stoßrichtungen, sind aber schon stark umsetzungsorientiert und enthalten Aufgaben, die angegangen werden sollten. Sie decken immer Ziele mehrerer Stoßrichtungen ab, jedoch mit ganz unterschiedlicher Gewichtung. • Die Vertiefungsbereiche dienten im Bearbeitungsprozess bis 2016 in erster Linie als Gegenprobe für das Leitbild. Sie mussten unter Beweis stellen, dass die Stoßrichtungen und Vorhaben tatsächlich alle Aspekte der stadträumlichen Entwicklungsziele abdeckten und gleichzeitig ausgewogen sowie weitsichtig genug formuliert waren. Seit Beschluss des Leitbildes im Jahr 2016 haben sich politische und gesellschaftliche, aber auch finanzielle Rahmenbedingungen geändert und weiterentwickelt. Im Leitbild formulierte Ziele und Maßnahmen wurden mittlerweile teilweise erreicht, bestehen weiter fort oder wurden teilweise auch wieder verworfen. Im Juni 2022 wurde daher im Planungsausschuss ein Monitoring und eine Aktualisierung des Räumlichen Leitbilds beschlossen. Im Oktober 2023 wurde im Planungsausschuss zugestimmt, die Fortschreibung des Räumlichen Leitbilds eng mit der Erarbeitung des ISEK 2040 zu verknüpfen. Um den neu zusammengesetzten Gemeinderat frühzeitig über diese anstehenden Projekte zu informieren, wird ihm in der Klausurtagung das Monitoring erläutert und ein erstes Stimmungsbild dazu eingeholt. Inhalte des Monitorings Da sich die Stoßrichtungen in ihrer Grundausrichtung in der Praxis weitestgehend bewährt haben, wurden sie vorerst auch nicht überarbeitet. Die Arbeit an den Vertiefungsbereichen wird nicht weitergeführt, da sie 2016 ihre „Schuldigkeit als Prüfstein getan“ und wesentliche Impulse zur Ausformulierung der Vorhaben geliefert haben. Die Planungen und Maßnahmen, die aus heutiger Sicht weitergeführt und noch vertieft werden müssen, sind in die Vorhaben überführt worden und dort eingeflossen. Es zeigte sich, dass seit der Verabschiedung im Gemeinderat 2016 eine Fülle an Projekten angegangen oder fertiggestellt wurden, die im Sinne des Räumlichen Leitbilds entwickelt wurden. Um die konkreten Auswirkungen des doch recht abstrakten Planwerks einerseits zu veranschaulichen und andererseits auszuwerten, wird im Monitoring der Fokus auf die sechzehn Vorhaben gelegt. An ihnen kann nachverfolgt werden, wie sich das RL bewährt hat, und wie es mit ihm tatsächlich gelungen ist der städtebaulichen Entwicklung Karlsruhes einen roten Faden zu geben. Dabei wurden im Rahmen des Monitorings die umgesetzten, nur teilweise umgesetzten, aber auch die nicht umgesetzten Projekte ermittelt. Es konnten Aspekte identifiziert werden, die förderlich oder auch – 3 – hinderlich auf eine integrierte Stadtentwicklung wirkten. Diese Erkenntnisse führen zu Empfehlungen, wie und mit welchen Schwerpunkten in den nächsten Jahren die Ziele sinnvoll weiterverfolgt werden können. Vorgehen bei der Erstellung Um dieses Monitoring mit einem wissenschaftlichen Blick von außen breit aufzustellen, wurde im Herbst 2022 ein Expertengremium in die Diskussion eingebunden und aktuelle Fachdiskussionen ausgewertet. In zahlreichen ämterübergreifenden Werkstattgesprächen wurden die damals formulierten Ziele überprüft und um neue Impulse ergänzt. Expertengremium Das Expertengremium traf im Sommer 2022 zusammen und bestand aus externen Expertinnen und Experten der Fachrichtungen Städtebau, Verkehr und Architektur, Vertretungen aus Politik, Bürgermeister Daniel Fluhrer sowie Vertretungen städtischer Ämter. Das Gremium war sich einig, dass das Räumliche Leitbild weiterhin einen guten Rahmen für die Entwicklung Karlsruhes aufzeigt. Sowohl verwaltungsintern als auch in der Kommunikation mit Investoren oder im Hinblick auf andere thematische Rahmenpläne hilft das Räumliche Leitbild, den „roten Faden“ im Blick zu behalten und Fehlentwicklungen zu verhindern. Zudem wurde positiv hervorgehoben, dass schon 2016 viele zukünftige Entwicklungen mitbedacht wurden und die meisten Themen weiterhin Bestand hätten. Zusätzliche Themen, wie die Auswirkungen des sich verändernden Mobilitätsverhaltens, der Zunahme an Home-Office und hybridem Arbeiten (im Vergleich zu Vor-Corona) sowie dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wurden diskutiert, und aus diesen Themen Thesen für die zukünftige Entwicklung Karlsruhes formuliert. Bedauert wurde, dass die 2016 formulierten Ziele und Maßnahmen nicht schneller und wahrnehmbarer zu konkreten Veränderungen in der Stadt geführt hätten. Eine Empfehlung des Expertengremiums war daher, prioritäre Projekte möglichst schnell zur Umsetzung zu bringen – so könnten viele kleine Einzelbausteine in der Summe einen großen Effekt für die Quartiere oder die Stadt als Ganzes haben. Die Kommunikation nach außen sollte hierbei „bottom-up“ erfolgen: Dialoge mit der Öffentlichkeit in den Quartieren und anschließende Reallabore. Bei der Fortschreibung des Räumlichen Leitbild sollte dazu ein Kapitel zur schnellen Umsetzung (im Sinne von „Karlsruhe packt an“) ergänzt werden. Mitwirkung der Fachämter Zu jedem der 16 Vorhaben des Räumlichen Leitbilds wurde im Frühjahr 2024 ein Workshop-Termin mit Vertretungen aus allen relevanten Fachämtern durchgeführt. Es wurden die Anregungen aus dem Expertengremium sowie globale und lokale Trends und Entwicklungen diskutiert, die Inhalte des Vorhabens auf Aktualität überprüft und schließlich gemeinsam Vorschläge für Änderungen oder Ergänzungen der Inhalte festgehalten. Darüber hinaus wurden passende Beispiel-Projekte abgefragt und Ansprechpersonen in den zuständigen Ämtern vermittelt. Das Monitoring der Vorhaben ist das Ergebnis der verschiedenen Beteiligungsrunden sowie einer Auswertung aktueller Fachdiskussionen und -artikel. Die aufgeführten Beispiel-Projekte wurden zu großen Teilen von den zuständigen Personen in den Ämtern verfasst. – 4 – Zentrale Ergebnisse Ein wesentliches Ergebnis des Monitorings war, dass das RL grundsätzlich mit seinen Stoßrichtungen und Vorhaben weiterhin trägt und als städtebauliche Richtschnur dazu beiträgt, eine abgestimmte, gesamtstädtische, integrierte Planung zu verfolgen. Insbesondere hat sich die Entscheidung sich innerhalb der definierten Konturen mit der baulichen Entwicklung zu bewegen und somit die Schwerpunktsetzung auf die Innenentwicklung als zielführend bestätigt - sowohl bei der Deckung des nach wie vor hohen Wohnungsbedarfs als auch bei der konstant großen Nachfrage nach Gewerbeflächen. Die Verknüpfung beider Themen mit einem steten Blick auf die qualitätvolle Entwicklung der städtischen Freiräume und deren unmittelbaren Erreichbarkeit hat sich ebenfalls als zukunftsweisend herausgestellt. Das Thema Klimaanpassung hat sogar noch deutlich an Gewicht gewonnen und ist inzwischen aus keinem Vorhaben mehr wegzudenken. Im Bereich der Innenstadt hat die Fertigstellung der Kombilösung in Verknüpfung mit den Folgen von Online-Shopping, Corona-Pandemie und Home-Office-Tendenzen einen so starken Entwicklungsschub ausgelöst, so dass bei diesem Vorhaben besonders viele umgesetzte oder in der Umsetzung befindliche Maßnahmen und Projekte identifiziert werden konnten. Die Innenstadt erfährt eine Veränderung der Aufgabe und Funktion im gesamtstädtischen Kontext. Gleichzeitig hat sich die Stärkung der Quartiere als neue Herausforderung herauskristallisiert. Dies wurde insbesondere in den Vorhaben „Bestehende Quartiere weiterentwickeln“ und „Nachbarschaftszentren beleben“ aufgegriffen. Das Thema Energie ist neu in das Leitbild eingezogen und unterstreicht die Wichtigkeit, Zukunftsflächen für Unvorhergesehenes zu reservieren. Das Vorhaben „Langfristige Perspektiven denken“ hat mit Flächen, die an strategisch bedeutsamen Infrastrukturknoten liegen, in dem Zusammenhang eine neue Ausrichtung erhalten. Ausblick Da das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2040 (ISEK 2040) parallel erarbeitet werden soll, erscheint es mehr als sinnvoll, die strategisch räumlichen und städtebaulichen Vorstellungen des Räumlichen Leitbilds und die gesamtstädtischen Zielsetzungen des ISEK aufeinander abzustimmen. Der hier vorliegende Monitoring-Bericht stellt nicht nur das erste Monitoring des Räumlichen Leitbilds dar, sondern enthält auch wesentliche Impulse für die Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungs- konzepts 2040. Die Stoßrichtungen werden bei der Arbeit am ISEK 2040 nochmals auf den Prüfstein gestellt, mitdiskutiert und gegebenenfalls überarbeitet, so dass darauf aufbauend auch das Räumliche Leitbild fortgeschrieben werden kann. Die im Monitoring vorgeschlagenen Änderungen und Ergänzungen werden in die Betrachtung miteinbezogen. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Planungsausschuss 1. Der Gemeinderat nimmt das 1. Monitoring zum Räumlichen Leitbild zur Kenntnis. 2. Der Gemeinderat befürwortet die Fortschreibung des Räumlichen Leitbilds in enger Abstimmung mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2040“ (ISEK 2040).
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Räumliches Leitbild Karlsruhe Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt 1. Monitoring – Vorhaben und Maßnahmen 2 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Impressum Das vorliegende Dokument wurde mithilfe zahlreichender Mitwirkender verschiedener Ämter der Stadtverwaltung Karlsruhe verfasst. Copyright Stadt Karlsruhe Herausgegeben von Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Leiterin: Prof. Dr.-Ing. Anke Karmann-Woessner Projektleitung Stadt Karlsruhe Heike Dederer, Bereichsleiterin Generalplanung und Stadtsanierung, Stadtplanungsamt Text und Redaktion Fabian Fischer Tobias Rahn Titelbild Dr. Thomas Müller, Mess GbR Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand Oktober 2024 Stadtplanungsamt | 3 Räumliches Leitbild Karlsruhe 1. Monitoring – Vorhaben und Maßnahmen 4 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Inhalt Einführung in das Monitoring .....................................................................................................................................................7 Systematik und Inhalte des Räumlichen Leitbildes .......................................................................................................................8 Lesehilfe .................................................................................................................................................................................10 Vorhaben Karlsruhes Konturen ausbilden .................................................................................................................................................12 Stadteingänge inszenieren ........................................................................................................................................................16 Freiräume stärken ....................................................................................................................................................................20 Hardtwald behutsam nutzen ....................................................................................................................................................24 Zukunft Innenstadt angehen ....................................................................................................................................................28 Quartier Bahnhof weiterdenken................................................................................................................................................34 Bestehende Quartiere weiterentwickeln ....................................................................................................................................38 Neue Quartiere entwickeln .......................................................................................................................................................42 Klimaanpassung im Quartier umsetzen .....................................................................................................................................46 Vorhandene Gewerbegebiete optimieren ..................................................................................................................................50 Funktionen mischen .................................................................................................................................................................54 Cluster weiterentwickeln ..........................................................................................................................................................56 Langfristige Perspektiven denken ..............................................................................................................................................58 Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln ............................................................................................................................60 Mobilitätsstationen ausbauen ...................................................................................................................................................64 Nachbarschaftszentren beleben ................................................................................................................................................68 Maßnahmentabelle Monitoring der Maßnahmentabelle von 2016 ...........................................................................................................................72 Stadtplanungsamt | 5 In den Schlusssätzen meines Vorworts zum Räumlichen Leitbild habe ich vor acht Jahren geschrieben, dass ich darauf setze, dass die fruchtbare Zusammenarbeit und der Dialog, die in- nerhalb der Stadtverwaltung sowie mit der Kommunalpolitik und den Bürgerinnen und Bürgern in diesem Prozess etabliert wurden, fortgesetzt werden. Ich freue mich, dass sich mein Optimismus bestätigt hat. Zusammenarbeit, Dialog oder auch Teilhabe gehören zur Pla- nungskultur in Karlsruhe dazu. Und zwar nicht als Selbstzweck – sondern weil es uns zu den besseren Ergebnissen führt. Vieles, was wir uns in Karlsruhe vorgenommen haben, hat mit Planung im dicht besiedelten Bestand zu tun. Und wir wissen: Wo viele Menschen sind, da tritt man leicht jemandem auf die Füße. In komplexen Situationen kommen wir mit Standardver- fahren oft nur schleppend voran. Deshalb erproben wir wei- terhin neue Ansätze wie prozesshafte Planung und Reallabore, in denen wir Ideen und Konzepte unter realen Bedingungen testen, um ihre Auswirkungen vor der tatsächlichen Umset- zung zusammen mit der Öffentlichkeit zu überprüfen. Auch innerhalb der Verwaltung sind wir überzeugt, dass wir große Aufgaben wie die Neugestaltung der Innenstadt nur durch Zusammenarbeit über Fach- und Hierarchiegrenzen hinweg bewältigen können. Deshalb haben wir in Karlsruhe seit 2017 die IQ-Arbeitsweise (innovativ und quervernetzt) eingeführt, um priorisierte Stadtentwicklungsprojekte ressor- tübergreifend zu bearbeiten. Diese hat sich bewährt und wird auch bei der weiteren Verfolgung der Ziele des Räumlichen Leitbildes fortgeführt werden. Dies wird schon im nächsten Schritt bei der engen Verzahnung der Aktualisierung des Räumlichen Leitbildes mit dem Prozess zum Integrierten Stadt- entwicklungskonzept 2040 unter Beweis gestellt werden. Dr. Frank Mentrup Oberbürgermeister Die wohl bestverkaufte Postkarte der letzten Jahre aus Karls- ruhe zeigt ein Best-of der zahlreichen Baustellen dieser Stadt. Kein Wunder, denn unsere Stadt befindet sich mitten in einem dynamischen Veränderungsprozess: Mit der „Kombi-Lösung“ wurde die Grundlage für die Neugestaltung der Innenstadt geschaffen. Gleichzeitig wird dringend benötigter Wohnraum geschaffen, indem neue, nachhaltige Quartiere entstehen und bestehende Stadtteile zukunftsfähig gemacht werden. Die Umstrukturierung von Gewerbegebieten und große Baupro- jekte wie die Erweiterung des Staatstheaters oder der Neubau des Landratsamtes sind weitere Schwerpunkte. Zudem ist wei- terhin eine Vielzahl an Straßen aufgegraben, da Fernwärme verlegt und die Stadt für die Energiewende fit gemacht wird. Bei all den Entscheidungen, die es in diesem Zusammenhang zu treffen gilt, ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren. Dafür sorgt seit 2016 unser Räumliches Leitbild. Seine Stärken liegen in einer ganzheitlichen Perspektive. Es ordnet Einzelpro- jekte auf Grundlage von sieben Stoßrichtungen in einen grö- ßeren städtebaulichen Kontext ein und stellt die Belange ver- schiedener Aufgabenfelder wie Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität – in ihren vielfältigen und vielschichtigen Verflechtungen – gleichberechtigt gegenüber. Da das Leitbild auch weiterhin eine zukunftsorientierte und stabile Entscheidungsgrundlage bleiben soll, steht jetzt eine Aktualisierung an. Im aktuellen Monitoring wird dargestellt, welche der 2016 geplanten Maßnahmen umgesetzt wurden und welche Entwicklungen seitdem die formulierten Vorha- ben beeinflusst haben. Auch übergeordnete Einflüsse wie die Corona-Pandemie und neue Vorgaben von Bund und Land werden berücksichtigt. Daraus ergeben sich erste Empfehlun- gen, welche Inhalte des Leitbildes überarbeitet oder ergänzt werden sollten. Daniel Fluhrer Bürgermeister 6 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Stadtplanungsamt | 7 Einführung in das Monitoring Hintergrund Das Räumliche Leitbild, das 2016 nach einem vierjährigen Erarbeitungs- und Beteiligungsprozess durch den Gemeinderat verabschiedet wurde, hatte als wesentliche Ziele: Räumliche Entwicklung der Stadt lenken und koordinieren Schwerpunkte und Prioritäten setzen Einzelprojekte im Gesamtzusammenhang einordnen Rahmen für Vorhaben und konkrete Projekte sowie für Wett- bewerbe geben Grundlage für politische Entscheidungen Qualität der baulichen Entwicklung wie auch der Prozess- und Planungskultur sichern Die Inhalte des Leitbildes wurden nun überprüft. Nicht nur, weil ein regelmäßiges Monitoring im Leitbild als feste Aufgabe verankert ist, sondern, weil der Zeitpunkt passend erscheint. Denn seit dem Beschluss des Leitbildes im Jahr 2016 haben sich die politischen, gesellschaftlichen und finanziellen Rah- menbedingungen spürbar verändert. Einige Entwicklungen waren absehbar, doch Ereignisse wie die Corona-Pandemie und geopolitische Konflikte haben die Situation zusätzlich beeinflusst. Vor allem Themen wie Klimawandel, neue Mo- bilitätsanforderungen, Wohnraumknappheit und veränderte Arbeitsplatzanforderungen haben seitdem an Bedeutung ge- wonnen. Vorgehen beim Monitoring Die Stoßrichtungen formulieren die übergeordneten Zielrich- tungen der räumlichen städtischen Entwicklungsstrategie. Sie haben sich in ihrer Grundausrichtung in der Praxis weitestge- hend bewährt und wurden vorerst auch nicht überarbeitet. Mehr dazu findet sich im folgenden Kapitel „Systematik und Inhalte des Räumlichen Leitbildes“. Die Vertiefungsbereiche dienten im Bearbeitungsprozess bis 2016 als Test für die Praxistauglichkeit des Leitbildes. Sie lie- ferten dabei wichtige Impulse für die Ausformulierung der Vorhaben. Außerdem bewiesen sie, dass die Stoßrichtungen und Vorhaben tatsächlich alle Aspekte der stadträumlichen Entwicklungsziele abdeckten und gleichzeitig ausgewogen sowie weitsichtig genug formuliert waren. Die Planungen und Maßnahmen, die aus heutiger Sicht weitergeführt und noch vertieft werden müssen, wurden in die Vorhaben überführt. Zentraler Teil dieses Monitorings sind die sechzehn Vorhaben. Sie generieren sich aus den Stoßrichtungen, sind aber schon stark umsetzungsorientiert und enthalten Aufgaben, die an- gegangen werden sollten. Sie decken immer Ziele mehrerer Stoßrichtungen ab, jedoch mit ganz unterschiedlicher Ge- wichtung. Um die konkreten Auswirkungen des doch recht abstrakten Planwerks zu veranschaulichen, wird diesen im Monitoring ein breiter Raum eingeräumt. An den Vorhaben kann nachverfolgt werden, wie sich das Leitbild bewährt hat, und und in wie weit es mit ihm tatsächlich gelungen ist, der städtebaulichen Entwicklung Karlsruhes einen roten Faden zu geben. Seit der Beschlussfassung durch den Gemeinderat konnten viele Projekte im Sinne des Räumlichen Leitbilds erfolgreich ge- startet oder abgeschlossen werden. Der Blick auf die Maßnah- mentabelle von 2016 zeigt: 61 von 72 Projekten und zu erar- beitende Grundlagen wurden entweder vollständig umgesetzt, teilweise realisiert oder sind zu Daueraufgaben geworden Als Ausblick auf eine anstehende Aktualisierung des Räumli- chen Leitbildes wird dargestellt, welche der 2016 formulierten Ziele erreicht, sich in Umsetzung befinden, nicht weiterverfolgt werden oder nicht erreicht wurden. Zudem wurden Fragestel- lungen oder erste Empfehlungen darüber formuliert, welche Inhalte des Vorhabens in der Aktualisierung überarbeitet oder ergänzt werden sollten. Zentrale Ergebnisse Ein wesentliches Ergebnis des Monitorings ist: Die Stoßrichtun- gen und Vorhaben tragen weiterhin und ermöglichen als städ- tebauliche Richtschnur eine abgestimmte, integrierte Planung. Insbesondere hat sich die Entscheidung, klare Konturen als Stadtkante auszubilden und die bauliche Entwicklung auf Bereiche innerhalb dieser Kontur zu beschränken, als zu- kunftsweisend erwiesen. Dies gilt sowohl für die Deckung des Bedarfs nach mehr Wohnraum als auch für die stetige Nach- frage nach Gewerbeflächen. Auch die Verknüpfung beider Themen, mit stetem Blick auf die qualitativ hochwertige Ent- wicklung der städtischen Freiräume und deren Erreichbarkeit, hat sich als wegweisend herausgestellt. Zudem hat das Thema Klimaanpassung an Bedeutung gewonnen und sich von einer Kann- zur Pflichtaufgabe entwickelt. Im Bereich der Innenstadt hat die Fertigstellung der Kombi- lösung in Verknüpfung mit den Folgen von Online-Shopping, Corona-Pandemie und Homeoffice-Tendenzen einen so star- ken Entwicklungsschub ausgelöst, dass bei diesem Vorhaben besonders viele umgesetzte oder in der Umsetzung befindliche Maßnahmen und Projekte identifiziert werden konnten. Die Innenstadt erfährt eine Veränderung der Aufgabe und Funk- tion im gesamtstädtischen Kontext. Gleichzeitig hat sich die Stärkung der Quartiere als neue Herausforderung herauskri- stallisiert. Dies wurde insbesondere in den Vorhaben „Beste- hende Quartiere weiterentwickeln“ und „Nachbarschaftszen- tren stärken“ aufgegriffen. Das Thema Energie hingegen ist neu in das Leitbild eingezo- gen und unterstreicht die Wichtigkeit, Zukunftsflächen für Unvorhergesehenes zu reservieren. Das Vorhaben „Langfristi- ge Perspektiven denken“ mit den Flächen, die an strategisch bedeutsamen Infrastrukturknoten liegen, hat in dem Zusam- menhang eine neue Ausrichtung erhalten. Insgesamt hat das Räumliche Leitbild gezeigt, dass es flexibel genug ist, Transformationsprozesse zu begleiten und weiterhin einen Rahmen für eine geordnete, zukunftsweisende Stadtent- wicklung zu geben. 8 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Stoßrichtungen: Die übergeordneten Ziele Klare Konturen Wo Karlsruhe beginnt Durch bauliche oder landschaftliche Elemente die Übergänge zwischen Stadt und Landschaft durch klar ablesbare Raum- kanten ausbilden Das Wachstum der Stadt Karlsruhe auf Bereiche beschrän- ken, die innerhalb der Kontur liegen Die Übergänge zwischen den Stadtteilen funktional und ästhetisch aufwerten Wichtige Stadteingänge und leitende Korridore unverwech- selbar gestalten Grüne Adresse Koexistenz zwischen Stadt und Wald... und endlich am Rhein Ausgestaltung von Hardt- und Oberwald als Naherholungs- gebiete und Verbindungszonen zwischen den Stadtteilen. Die sozialen, ökonomischen und ökologischen Aufgaben der Landschaft sollen besser miteinander verknüpft werden. Weiterentwicklung des Rheinparks zu einem neuen Erho- lungs- und Bewegungsraum und Schaffung neuer Zugänge aus der Stadt zum Rhein. Starke Mitte Die Kernstadt als dichtes, gemischtes und repräsentatives Zentrum von Karlsruhe weiterdenken Die Innenstadt als Korridor nach Süden erweitern und die Kriegsstraße überwinden. Die „Boulevards von morgen” als repräsentative Elemente für grosstädtische Entwicklungen und Nutzungen ausbauen. Das „Bahnhofsviertel” als Stadteingang und Adresse für Gewerbe und Dienstleistungen städtebaulich entwickeln. Mehr Wohnen Quartiere mit lebendigen Nachbarschaften und innovative Lösungen für den Bevölkerungszuwachs Flächenpotentiale für die zukünftige Entwicklung von Wohnen in ganz Karlsruhe erkunden. Vorhandene Quartiere an moderne Anforderungen an Wohn- raum und Freiflächen anpassen. Bestehende Quartiere behutsam nachverdichten, auch im Hinblick auf die Klimaanpassung. Die Standortqualitäten für Freiräume, Infrastruktur und Mobilität nutzen. Neue und bestehende Quartiere rund um den Flugplatz und in Richtung Neureut gemeinsam mit urbanen Freiräumen entwickeln. Coole Quartiere Klimaanpassung ist Maßschneiderei Den öffentlichen Raum und die Aufenthaltsbereiche im Freien kühlen und verschatten. Bei Neubau und Nachverdichtung auf Klimaanpassung achten und entsprechende Maßnahmen in den Freiflächen umsetzen. Das innere Grünsystem durch Sicherung von Kaltluftleitbah- nen und Verbindung der Freiräume stärken. Bei der Entwicklung neuer Flächen auch neue Formen der Klimaanpassung einplanen. Eine neue Energieversorgung für die postfossile Zeit mitdenken. Die Fläche der MIRO als ‚Jokerfläche‘ freihalten. Dynamisches Band Neue Arbeitswelten an den Toren der Stadt Die bestehenden Flächen und Reserven aktiv entwickeln und Entwicklungsspielräume schaffen, auch hinsichtlich der Klimaanpassung. Potenziale an Stadteingängen und Verknüpfungspunkten der Mobilität für die Entwicklung von Wachstumspolen nutzen. Die S-Bahn mit multimodalen Knoten und Verknüpfungen zum Straßenbahnnetz als Entwicklungsmotor der Zukunft weiterdenken. Bauliche und räumliche Nischen erkennen und qualifizieren, um Kleingewerbe und Startups zu fördern. Gemeinsam mit der Region Adressen und Schwerpunkte für Forschungs-, Produktions-, und Logistikstandorte ausbilden. Urbane Nähe Erreichbarkeit als Maßstab der Mobilität- und Stadtentwicklung Ausbau der Fahrrad- und Fußwegenetze, so dass die De- ckung des täglichen Bedarfs erleichtert wird. ÖV-Halte mit Fahrrad- und Fußwegenetzen und zusätzlichen Mobilitätsformen wie Carsharing verbinden und Gestaltung wichtiger Verknüpfungspunkte als Orte der Begegnung und des Austausches fördern Verbindung von Orten der Nahversorgung und sozialen Inf- rastrukturen der Stadtteile mit den zentralen Verknüpfungs- punkten, um neue Treffpunkte im Quartier zu schaffen. Impulse nutzen, die von den Verknüpfungs-punkten für die Quartiersentwicklung ausgehen können. Systematik und Inhalte des Räumlichen Leitbildes Vorhaben: Der Link von abstrakten Stoßrichtungen zu praktischen Maßnahmen KonturenBestehende QuartiereLangfristige Perspektiven StadteingängeNeue QuartiereMobilitätskonzepte FreiräumeKlimaanpassungMobilitätsstationen HardtwaldGewerbegebieteNachbarschaftszentren InnenstadtFunktionen mischen BahnhofCluster 6 7 8 11 12 13 14 15 Stadtplanungsamt | 9 Bestehende Quartiere weiterentwickeln Neue Quartiere entwickeln Klimaanpassung im Quartier umsetzen Vorhandene Gewerbe- gebiete optimieren Funktionen mischen Cluster weiterentwickeln Karlsruhes Konturen ausbilden Stadteingänge inszenieren Freiräume stärken Hardtwald behutsam nutzen Zukunft Innenstadt angehen Quartier Bahnhof weiterdenken Langfristige Perspektiven denken Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln Mobilitätsstationen ausbauen Nachbarschaftszentren beleben Grüne Adresse Starke Mitte Dynamisches Band Mehr Wohnen Coole Quartiere Urbane Nähe Klare Konturen 7 Stoßrichtungen72 Maßnahmen Flughöhe 16 Vorhaben Umsetzungs- und querschnittsorientiert 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 1 2 3 4 5 9 10 16 1 2 5 6 6 7 7 3 3 4 4 1 2 5 10 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Lesehilfe für die kommenden Seiten Name des Vorhabens Unverändert aus dem Räumlichen Leitbild 2016 übernommen Foto / Visualisierung Macht das Thema greifbar und das Vorhaben leichter wiederzuerkennen Übersichtskarte Verortet die Inhalte des Vorhabens im Karlsruher Stadtgebiet Räumliches Leitbild 2016 („Grauer Kasten“) Zitiert die Beschreibung und Ziele (inklusive der stich- punktartigen „konkreten Ziele“) des Vorhabens aus dem Räumlichen Leitbild 2016 Ausblick auf Aktualisierung („Grüner Kasten“) Welche der 2016 formulierten Ziele erreicht wurden, sich in Umsetzung befinden, nicht weiterverfolgt werden oder nicht erreicht wurden – mit Erläute- rungen, Fragestellungen oder ersten Empfehlungen, welche Inhalte des Vorhabens in der Aktualisierung überarbeitet oder ergänzt werden sollten. Entwicklungen seit 2016 Relevante Entwicklungen, die Einfluss auf das Vorha- ben hatten, haben oder voraussichtlich haben werden, unterteilt in... „übergeordnete Entwicklungen“, zum Beispiel die Corona-Pandemie oder neue Vorgaben und Ziele des Landes oder des Bundes Maßnahmen, Untersuchungen oder Vorgaben der Stadt Karlsruhe, zum Beispiel beschlossene Pro- gramme, Konzepte oder Bauleitpläne.„Spinnennetz“ Ordnet das Vorhaben in die sieben Stoßrichtungen ein Ha lteste lle Spi el III IV IV IV Spie l TG Kar partenst rasse Schlesier Strasse Fiduciastrasse Steiermär ker Stra sse Sc hindwe g Im Säuterich Sc hlesi er St rasse Bundesstrasse 3 Qua rtiersplatz IV TG IV IV TG IV IV IV TG IV Wohnhof Wohn hof Wiese Liegewiese Urban garde ning TG III IV Wohnhof IV IV III III III IV III IV III IV III III Spiel TG TG TG TG II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III Ab enteuerspi elplatz Ret entionsflä che IV Reten tionsfläche IV III IV III IV III IV IV III IV IV IV IV IV IV TG Wohn hof Pfle geheim Kita + Woh nen Spi el IV IV E-Mobilität TG TG TG TG II II II II II Am oberen Säut erich Festpl atz Re tentionsfl äche K K III II II II II II Spie l IV IV Spiel TG Qua rtie rsplatz IV Spiel TG II-III II-III II-III II-III IV Pflegehe im Kita + Wohnen E-Mobilität Re tentionsf läche IV I I II I II I II I II I II II I II I II Rahmenplan Karlsruhe - "Oberer Säuterich"_28/05/2019K9 Architekten, faktorgruen, ModusConsult 3D Modellierung (Variante 01)3D Modellierung (Variante 02) Perspektive Quartiersplatz Perspektive Wohnhof Lageplan (Variante 02) 1:1000 Reihe mit 8 Winkelhäusern + Aufstockung der Kita (16 WE): 395 WE Lageplan (Variante 01_ca. 385 WE) 1:1000 12 | Räumliches Leitbild Karlsruhe - 1. Monitoring Projekte Zukunft Nord Für das 27,4 ha umfassende Areal zwischen der Erzberger Straße und dem Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ in der Nordstadt wurde 2022 der Bebauungsplan „Westlich der Erzbergerstraße zwischen New-York-Straße und Lilienthal- straße“ rechtskräftig. Um einen Übergang vom Naturschutzgebiet zu den Siedlungs- bereichen zu schaffen, wird ein Stadtteilpark als Randzone inszeniert sowie mit einer Promenade bespielt. Das Grün wird mittels „Parkfenstern“ in die Siedlungsbereiche weitergeführt. Die Bebauungsstruktur öffnet sich schrittweise nach Westen zu den Landschaftsflächen und wird kleinteiliger, sodass der westliche Siedlungsrand aus Punktstrukturen besteht, die viel- fältige Blickbeziehungen ermöglichen, aber einen deutlichen Siedlungsrand definieren. In der Regel wird das Quartier durch eine maximal vier- bis fünfgeschossige Bebauung am Sied- lungsrand zum Stadtpark geprägt sein. Die Gebäudehöhen werden im Süden des Plangebiets auf bis zu maximal zwei Geschosse reduziert, um auf die niedrigere Bestandsbebauung im südlichen Anschluss zu reagieren. Oberer Säuterich Aufbauend auf einem konkurrierenden Entwurfsverfahren und einem anschließenden Rahmenplan wird seit 2015 ein Bebau- ungsplan für ein vielfältiges Wohnquartier entwickelt, das den südlichen Abschluss von Durlach-Aue neu definiert. Die Offen- lage wird voraussichtlich 2025 erfolgen. Das freiräumliche Konzept fügt sich in die örtliche Situation ein und bildet einen harmonischen Abschluss des Siedlungs- raums. Entlang des begrünten Lärmschutzwalls zur B3 ent- steht ein naturnaher Grünraum mit Spiel- und Sportflächen sowie Potenzialflächen für „urban gardening“, Tümpel und Naturflächen. Hier finden auch große Teile der erforderlichen Ausgleichsflächen ihren Platz, mit Lebensräumen für Zaun- eidechsen und die Wechselkröte. Grüne Fugen sorgen für eine gute Durchlüftung des Quartiers, in Verbindung mit der Regenwasserrückhaltung entstehen Kaltluftschneisen, die zur Verbesserung des Kleinklimas beitragen. Nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens ist vorgesehen, gemeinsam mit der Öffentlichkeit Ideen zur Gestaltung des öffentlichen Raums, der Grün- und Freiflächen sowie der Spiel- flächen zu entwickeln. Zukunft Nord, Raumkante zum alten Flugplatz, Visualisierung: Machleidt/Sinai/SHP Städtebaulicher Rahmenplan Oberer Säuterich, Stand: 2017, K9 Architekten, faktorgruen, ModusConsult Stadtplanungsamt | 13 Zentrum III Aufbauend auf einem städtebaulichen Wettbewerb wurde ein Rahmenplan entwickelt und dieser vom Gemeinderat schließ- lich 2020 als Grundlage für die Einleitung eines Bebauungs- planverfahrens beschlossen. Im geplanten Wohnquartier „Neureut – Zentrum III“ soll eine klare Stadtkante zu den Grünräumen ausgebildet werden. Die bestehenden Quartiere werden entsprechend ihrer Struktur durch neue Teilquartiere ergänzt. Die bestehenden Grün- und Landschaftsräume werden in und durch das Gebiet hinein- und weitergeführt, sodass die neuen Teilquartiere klar ablesbar bleiben und gleichzeitig eine interne Grünverbindung sowie eine Verbindung zum offenen Landschaftsraum im Süden entsteht. Städtebaulicher Rahmenplan Zentrum III, Siedlungscluster und Grünräume Sportgelände in der Fritschlach nach Integration der zusätzlichen Sportflächen, Luftbild: Liegenschaftsamt, 2022 Sportgelände in der Fritschlach Für die Umsetzung des Baugebiets „August-Klingler-Areal“ (siehe „Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln“) wurden Sportflächen in ein vorhandenes Sportgelände in der Frit- schlach verlagert und bei geringstmöglichem Flächenverbrauch in dieses integriert. Im Zuge der Freiraumplanung, bearbeitet vom Landschaftsarchitekturbüro Elke Ukas, wurden die Anla- gen durch Schonung ökologisch wertvoller Nasswiesen, gezielt gesetzter Baumpflanzungen und Begrünung der Freiräume landschaftlich eingebunden. weitere ProjekteStandBeschreibung Waldrandpflege Theodor- Heuss-Allee DaueraufgabeUm den Waldrand entlang der Theodor-Heuss-Allee und L 560 ökologisch wertvoller zu gestalten, wurde der vorhandene Baumbestand aufgelichtet und dichte Saumvegetation sowie Sträucher ab- schnittsweise bodennah abgeschnitten, damit sie neu austreiben können. Die seit 2020 regelmä- ßig stattfindenden Pflegemaßnahmen haben bereits deutlich Wirkung gezeigt und den Übergang von der Waldstadt zum Hardtwald auch aus ästhetischer Sicht aufgewertet. Gewerbegebiet Gottesauer Feld im VerfahrenDas Plangebiet befindet sich im Norden von Neureut. Vorrangiges Ziel des Bebauungsplans ist, den Mangel an Gewerbeflächen in Karlsruhe abzumildern. Die Inanspruchnahme des Außenbereichs soll durch eine ambitionierte, qualitätsvolle Durch- und Eingrünung verträglich gestaltet werden. Ein durchgehender Grüngürtel umschließt das Gebiet auf der Nord- und Westseite. Hier sind mit dem Erhalt und der Neuentwicklung von Gehölzstrukturen sowie Magerwiesen wichtige Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen, die auch der Schaffung von Habitaten für Brutvögel und Zauneidechsen dienen. 8 8 9 9 Stadtplanungsamt | 11 Projekte Ausführliche Beschreibung ausgewählter Projekte (Konzepte, Rahmenpläne, Bebauungspläne, konkrete Bauvorhaben und Weitere), die seit 2016 angestoßen wurden, mittlerweile in Umsetzung sind oder fertig- gestellt wurden. weitere Projekte Tabelle mit kurzer Beschreibung weiterer Beispiel- projekte. Hinweise Die hier gelisteten Projekte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Projekte können übersehen oder aus ande- ren Gründen nicht aufgeführt worden sein. In Einzelfällen konnten Projekte aus Platzmangel nicht aufgenommen werden. Gleiche Projekte können in mehreren Vorhaben als Beispiele aufgeführt werden. In ihren Beschreibungen wird immer auf die Inhalte fokussiert, die relevant zum jeweiligen Vorhaben sind. Die Beschreibungen sind daher nie identisch. Zu 3 der 16 Vorhaben gibt es keine Beispielprojekte. Diese Vorhaben sind entweder zu allgemein und konzep- tionell („Langfristige Perspektiven denken“, „Funktionen mischen“) oder es gibt für sie zu wenige konkrete Beispiel- projekte, die nach 2016 angegangen wurden („Cluster weiterentwickeln“). Die „Maßnahmentabelle“ (Anhang im Räumlichen Leitbild) wird ebenfalls dezidiert behandelt. Wiederum als Anhang finden sich alle Projekte, die im Räumlichen Leitbild 2016 angedacht wurden. Auch solche, die nicht weiterverfolgt oder noch nicht angegangen wurden und somit im Moni- toring auch nicht als Beispielprojekte dienen konnten. 12 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Karlsruhes Konturen ausbilden Raumkante des Baugebiets „Zukunft Nord“ zum Alten Flughafen, Rahmenplan, Visualisierung: Machleidt/Sinai/SHP (2016) Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Klimawandel Gestiegene Temperaturen und veränderte Niederschlagsmen- gen sind bereits heute deutlich spürbar. Die Notwendigkeit für Anpassung ist im Bewusstsein der Bevölkerung und Politik und in der Planungspraxis angekommen. Bei der Ausbildung von Konturen wird zunehmend darauf geachtet, dass Kalt- beziehungsweise Frischluftschneisen erhalten bleiben oder geschaffen werden (durch Stellung und Kubatur der Gebäude und die Art der Eingrünung). Weitere Anpassungsmaßnahmen sind Versickerungs- oder Rententi- onsflächen sowie Bäume und Eingrünung zur Verschattung und Verdunstungskühlung. Netto Null beim Verbrauch neuer Flächen Im Koalitionsvertrag von 2021 bekräftigt die Landesregierung die Netto-Null bis 2035 erreichen zu wollen. Karlsruhe unter- stützt dieses Ziel und hat zum Beispiel auf die Meldung neuer Flächen bei der Fortschreibung des Regionalplans verzichtet. Multifunktionale Freiflächen (Äußere) Konturen werden heute meist eingegrünt. Wo immer möglich, werden sie derart ausgebildet, dass sie eine Vielzahl von Funktionen gleichzeitig übernehmen: Bewah- rung beziehungsweise Verbesserung des Landschaftsbilds, Versickerung oder Retention von Regenwasser, Verschattung und Kühlung, Naherholungsfläche, ökologischer Ausgleich... Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Als eines der wichtigsten Ergebnisse sind Karlsruhes „Klare Konturen“ aus dem Prozess des Räumlichen Leitbilds her- vorgegangen. Eine neue Raumkante soll den Übergang zwi- schen Stadt und Landschaft formen und sichern. In diesem Vorhaben geht es darum, Ränder zu definieren und ihnen landschaftliche sowie städtebauliche Qualitäten zu verleihen. Dies gilt nicht nur für die äußere Kontur zur Landschaft, sondern auch für die inneren Übergänge zwischen Frei- und Stadträumen. Ziele Die Lesbarkeit der Stadt in Bezug auf den Landschaftsraum soll wahrnehmbar sowie erfahrbar gestaltet und neue Siedlungspotenziale gefunden werden. Die Festlegung der Kontur und die Entwicklung eines Gestaltungskatalogs soll das Stadtwachstum nach innen lenken und landschaftliche sowie städtische Adressen nach innen und außen bilden. Freiräume in Form bisheriger Restflächen entlang der inneren Stadtränder sollen dabei eigene Qualitäten erhalten. Raumkante Karlsruhes räumlich klar festlegen und Wachs- tum nach innen lenken Äußere und innere Konturen gestalten und Identitäten der Stadtkante stärken Flächenreserven primär für Wohnen aufspüren Verflechtung von Siedlungs- und Landschaftsraum fördern S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Konturen Stadtplanungsamt | 13 Innere und äußere Konturen im StadtgebietEinbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Ränderscan (2016) Alle Karlsruher Stadtränder wurden auf die Möglichkeit für Arrondierungen, insbesondere für Wohnbauflächen, unter- sucht. Gefunden wurden allerdings nur wenige für Bebauung geeignete Flächen. Flächennutzungsplan 2030 (2021) Die zukünftige Kontur Karlsruhes wurde mit der Fortschrei- bung des Flächennutzungsplans festgelegt. Es wurden deutlich weniger Bauflächen neu dargestellt als rechtlich möglich gewesen wären und als in den Vertiefungsbereichen (Räumliches Leitbild 2016) vorgeschlagen wurden. Freiraumentwicklungsplan 2017 (2017) Das Planwerk kategorisiert verschiedene Arten von Konturen (Übergang von Bebauung zu landwirtschaftlicher Fläche, zu öffentlicher Grünfläche, zu Wald und so weiter) und verortet sie im Stadtraum. Fortschreibung Regionalplan (laufendes Verfahren) Für Karlsruhe waren in einem frühen Entwurfsstadium des Regionalplans neue Bereiche für Siedlungserweiterungen vor- gesehen. Diese wurden 2021 durch die Stadt abgelehnt. Die finale Flächenkulisse wurde 2024 – ohne zusätzliche Flächen für Karlsruhe – nochmals im Gemeinderat bestätigt. Neue Schutzgebiete (seit 2015) Es wurden einige flächenhafte Naturdenkmale sowie neue Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, zum Teil in Be- reichen, die im „Vertiefungsbereich Nord“ für Bebauung vorgeschlagen wurden. Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung wird inhaltlich weiterhin als aktuell ange- sehen. Ziele Das Ziel, die Konturen der Stadt in Bezug auf den Land- schaftsraum lesbar zu gestalten, ist eine Daueraufgabe, die bei jeder Aufstellung von Bebauungsplänen beachtet und somit sukzessive umgesetzt wird. Von der Erstellung eines Gestaltungskatalogs wurde jedoch abgerückt. Bei Planungen erfolgt stattdessen ein vorhaben- und projektbezogenes Herangehen, das individuelle Lösungen ermöglicht. Die Kontur der Stadt Karlsruhe ist durch die Fortschreibung des Flächennutzungsplans weitestgehend definiert; neue Bauflächen wurden gesucht und in überschaubarem Ausmaß gefunden. Die ursprünglich im Regionalplan vorgesehenen, über die FNP-Flächen hinausgehenden Bereiche für Sied- lungserweiterungen wurden durch den Gemeinderat abge- lehnt und stehen nicht mehr zur Diskussion. Ob das Ziel „Flächenreserven primär für Wohnen aufspüren“ über die aktuellen FNP-Flächen hinaus weiterverfolgt werden soll, ist politisch zu klären und wäre mit einem hohen Ver- waltungsaufwand verbunden (unter anderem Änderungsver- fahren auf Ebene Regionalplan und Flächennutzungsplan). Die Möglichkeit, Konturen vielfältig zu nutzen, wurde im Vorhaben bislang nicht behandelt. Es wird daher vorgeschla- gen, die multifunktionale Nutzung als neues Ziel aufzuneh- men. Hierzu ist bei Bebauungsplänen der Geltungsbereich ausreichend groß zu fassen. Durch den notwendigen Erwerb von zusätzlichen Grundstücken hat dies finanzielle Auswir- kungen. Haltestelle Spiel III IV IV IV Spiel TG Karpartenstrasse Schlesier Strasse Fiduciastrasse Steiermärker Strasse Schindweg Im Säuterich Schlesier Strasse Bundesstrasse 3 Quartiersplatz IV TG IV IV TG IV IV IV TG IV Wohnhof Wohnhof Wiese Liegewiese Urban gardening TG III IV Wohnhof IV IV III III III IV III IV III IV III III Spiel TG TG TG TG II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III II-III Abenteuerspielplatz Retentionsfläche IV Retentionsfläche IV III IV III IV III IV IV III IV IV IV IV IV IV TG Wohnhof Pflegeheim Kita + Wohnen Spiel IV IV E-Mobilität TG TG TG TG II II II II II Am oberen Säuterich Festplatz Retentionsfläche K K III II II II II II Spiel IV IV Spiel TG Quartiersplatz IV Spiel TG II-III II-III II-III II-III IV Pflegeheim Kita + Wohnen E-Mobilität Retentionsfläche IV I I II I II I II I II I II II I II I II Rahmenplan Karlsruhe - "Oberer Säuterich"_28/05/2019K9 Architekten, faktorgruen, ModusConsult 3D Modellierung (Variante 01)3D Modellierung (Variante 02) Perspektive Quartiersplatz Perspektive Wohnhof Lageplan (Variante 02) 1:1000 Reihe mit 8 Winkelhäusern + Aufstockung der Kita (16 WE): 395 WE Lageplan (Variante 01_ca. 385 WE) 1:1000 14 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Zukunft Nord Für das 27,4 Hektar umfassende Areal zwischen der Erzberger Straße und dem Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ in der Nordstadt wurde 2022 der Bebauungsplan „Westlich der Erzbergerstraße zwischen New-York-Straße und Lilienthal- straße“ rechtskräftig. Um einen Übergang vom Naturschutzgebiet zu den Siedlungs- bereichen zu schaffen, wird ein Stadtteilpark als Randzone inszeniert sowie mit einer Promenade bespielt. Das Grün wird mittels „Parkfenstern“ in die Siedlungsbereiche weitergeführt. Die Bebauungsstruktur öffnet sich schrittweise nach Westen zu den Landschaftsflächen. Entsteht entlang der Erzberger Straße eine Riegelstruktur mit eher geschlossenem Charakter, so besteht der westliche Siedlungsrand aus Punktstrukturen, die vielfältige Blickbeziehungen ermöglichen, aber dennoch einen deutlichen Siedlungsrand definieren. In der Regel wird das Quartier durch eine maximal vier- bis fünfgeschossige Bebauung am Siedlungsrand zum Stadtpark geprägt sein. Die Gebäudehöhen werden im Süden des Plangebiets auf bis zu maximal zwei Geschosse reduziert, um auf die niedrigere Be- standsbebauung im südlichen Anschluss zu reagieren. Oberer Säuterich Aufbauend auf einem konkurrierenden Entwurfsverfahren und einem anschließenden Rahmenplan wird seit 2015 ein Bebau- ungsplan für ein vielfältiges Wohnquartier entwickelt, das den südlichen Abschluss von Durlach-Aue neu definiert. Die Offen- lage wird voraussichtlich 2025 erfolgen. Das freiräumliche Konzept fügt sich in die örtliche Situation ein und bildet einen harmonischen Abschluss des Siedlungs- raums. Entlang des begrünten Lärmschutzwalls zur B3 ent- steht ein naturnaher Grünraum mit Spiel- und Sportflächen sowie Potenzialflächen für „urban gardening“, Tümpel und Naturflächen. Hier finden auch große Teile der erforderlichen Ausgleichsflächen ihren Platz, mit Lebensräumen für Zaun- eidechsen und die Wechselkröte. Grüne Fugen sorgen für eine gute Durchlüftung des Quartiers, in Verbindung mit der Regenwasserrückhaltung entstehen Kaltluftschneisen, die zur Verbesserung des Kleinklimas beitragen. Nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens ist vorgesehen, gemeinsam mit der Öffentlichkeit Ideen zur Gestaltung des öffentlichen Raums, der Grün- und Freiflächen sowie der Spiel- flächen zu entwickeln. Rahmenplan Zukunft Nord, Raumkante zum alten Flugplatz, Visualisierung: Matthias Grobe Städtebaulicher Rahmenplan Oberer Säuterich, Stand: 2017, K9 Architekten, faktorgruen, ModusConsult Stadtplanungsamt | 15 Zentrum III Aufbauend auf einem städtebaulichen Wettbewerb wurde ein Rahmenplan entwickelt und dieser vom Gemeinderat schließ- lich 2020 als Grundlage für die Einleitung eines Bebauungs- planverfahrens beschlossen. Im geplanten Wohnquartier „Neureut – Zentrum III“ soll eine klare Stadtkante zu den Grünräumen ausgebildet werden. Die bestehenden Quartiere werden entsprechend ihrer Struktur durch neue Teilquartiere ergänzt. Die bestehenden Grün- und Landschaftsräume werden in und durch das Gebiet hinein- und weitergeführt, sodass die neuen Teilquartiere klar ablesbar bleiben und gleichzeitig eine interne Grünverbindung sowie eine Verbindung zum offenen Landschaftsraum im Süden entsteht. Städtebaulicher Rahmenplan Zentrum III, Siedlungscluster und Grünräume Sportgelände in der Fritschlach nach Integration der zusätzlichen Sportflächen, Luftbild: Liegenschaftsamt, 2022 Sportgelände in der Fritschlach Für die Umsetzung des Baugebiets „August-Klingler-Areal“ (siehe „Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln“) wurden Sportflächen in ein vorhandenes Sportgelände in der Frit- schlach verlagert und bei geringstmöglichem Flächenverbrauch in dieses integriert. Im Zuge der Freiraumplanung, bearbeitet vom Landschaftsarchitekturbüro Elke Ukas, wurden die Anla- gen durch Schonung ökologisch wertvoller Nasswiesen, gezielt gesetzter Baumpflanzungen und Begrünung der Freiräume landschaftlich eingebunden. weitere ProjekteStandBeschreibung Waldrandpflege Theodor- Heuss-Allee DaueraufgabeUm den Waldrand entlang der Theodor-Heuss-Allee und L 560 ökologisch wertvoller zu gestalten, wurde der vorhandene Baumbestand aufgelichtet und dichte Saumvegetation sowie Sträucher ab- schnittsweise bodennah abgeschnitten, damit sie neu austreiben können. Die seit 2020 regelmä- ßig stattfindenden Pflegemaßnahmen haben bereits deutlich Wirkung gezeigt und den Übergang von der Waldstadt zum Hardtwald auch aus ästhetischer Sicht aufgewertet. Gewerbegebiet Gottesauer Feld im VerfahrenDas Plangebiet befindet sich im Norden von Neureut. Vorrangiges Ziel des Bebauungsplans ist, den Mangel an Gewerbeflächen in Karlsruhe abzumildern. Die Inanspruchnahme des Außenbereichs soll durch eine ambitionierte, qualitätsvolle Durch- und Eingrünung verträglich gestaltet werden. Ein durchgehender Grüngürtel umschließt das Gebiet auf der Nord- und Westseite. Hier sind mit dem Erhalt und der Neuentwicklung von Gehölzstrukturen sowie Magerwiesen wichtige Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen, die auch der Schaffung von Habitaten für Brutvögel und Zauneidechsen dienen. 16 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Stadteingänge inszenieren Blick entlang der Ludwig-Erhard-Allee in Richtung Innenstadt, Foto: Cyclomedia, 2023 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Verkehrswende Unter der Verkehrswende wird der Prozess bezeichnet, Ver- kehr und Mobilität auf nachhaltige Energieträger, Verkehrs- mittel des Umweltverbunds und eine Vernetzung verschie- dener Formen des Individualverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs umzustellen. In Karlsruhe werden und wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele beschlossen und umgesetzt. Radschnellverbindungen (Planungen seit 2020) Bei Radschnellverbindungen (Radschnellwegen) handelt es sich um extrabreite, gut beleuchtete und möglichst umweg- und kreuzungsfreie Wege, auf denen Radfahrende jeden Alters in eigenem Tempo direkt und sicher zum Ziel kommen. Das Land plant momentan zwei Verbindung mit Start/Ziel Karlsruhe: eine nach Ettlingen, eine nach Rastatt. Mit einem Baubeginn wird jedoch erst um das Jahr 2029 gerechnet. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Stadteingänge sind zentrale Elemente der Karlsruher Kon- turen, Willkommensgesten sowie Verknüpfungspunkte von Mobilitätsnetzen und verschiedener zentraler Nutzungen zu- gleich. Sie markieren ebenso Übergänge von der Landschaft in die Stadt. Ihre Gestaltung kann dabei wichtige Entwick- lungen in ihrem Umfeld anstoßen. Das Vorhaben soll klären, welche Rolle verschiedenen Stadteingängen zugeordnet und wie diese weiterentwickelt sowie gestaltet werden können. Dabei sind die unterschiedlichen „Begabungen“ der Stadt- eingänge in deren Gestaltung mit einzubeziehen. Ziele Zur Stärkung der Identität der Stadt und ihrer Stadtteile sollen Stadteingänge räumlich definiert und entwickelt werden. Ziel der Entwicklung ist zum einen die Gestaltung städtebaulich prägnanter Orte, zum anderen der Erhalt und die Aufwertung landschaftsräumlicher Qualitäten. Die Ent- wicklung der Stadteingänge erfolgt aus dem ortsspezifischen Kontext heraus. Sie soll mit der Gestaltung städtebaulicher Akzente und landschaftlicher Qualitäten sowie der Ansied- lung spezieller Funktionen verbunden werden. Repräsentative, städtebauliche, funktionale oder land- schaftliche Adressen ausbilden Erlebbarkeit der Stadt und ihrer Stadtteile verbessern Stadtansicht und Stadtsilhouette ortsspezifisch entwickeln Stadt- und landschaftsräumliche Qualitäten wechselwir- kend aufwerten S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Stadteingänge Stadtplanungsamt | 17 Äüßere Stadteingänge und -einfahrten In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Freiraumentwicklungsplan 2017 (2017) Für Stadteinfahrten wird empfohlen, die stadtgestalterischen und -klimatischen Anforderungen und die Aufenthaltsqua- lität noch konsequenter als bisher zu berücksichtigen (vor allem durch Baumpflanzungen), auch um die aktive Mobilität zu fördern. Konzept Höhenentwicklung (2020) Stadteingänge (punktuell) und -einfahrten (linear) werden als „Hinweise“ auf eine Eignung für höhere Gebäude gesehen und erleichtern dort den Bau von Hochpunkten. Karlsruhe als „Stadtlandschaft“ wird somit zukünftig weiter ausgebildet und das formulierte Ziel „Stadtansicht und Stadtsilhouette ortsspezifisch entwickeln“ sukzessive umgesetzt. Steuerungskonzept Vergnügungsstätten (2021) Das Konzept empfiehlt an Standorten, an denen auf das Stadtbild ein besonderer Wert gelegt wird – und damit auch an Stadteingängen – einen Ausschluss von Betriebsformen, die regelmäßig durch eine aufdringliche Gestaltung auffallen (unter anderem Spielhallen und Bordelle). Die Inhalte des Konzepts werden bei der Aufstellung von Bebauungsplänen berücksichtigt. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Zukünftig sollte in der Beschreibung deutlich gemacht werden, dass mit diesem Vorhaben verschiedenste Arten von Stadteingängen gemeint sind. Im Text wird nur der „Über- gang von der Landschaft in die Stadt“ genannt. Punktuelle Torsituationen Lineare Stadteinfahrten (zum Beispiel Ludwig-Erhard-Allee) ... von der Landschaft in die Stadt, aber auch innerstädtische Übergänge (zum Beispiel Ettlinger Tor) ... für Pkw, aber auch für Rad- und Fußverkehr Bahnhöfe Ziele Die bereits aufgeführten Ziele von 2016 sind weiterhin gültig. Bei ihnen handelt es sich um Daueraufgaben, die sukzessive umgesetzt werden. Bei einer Aufwertung eines „äußeren“ Stadteingangs sollte darauf geachtet werden, dass sowohl der Blick in Richtung der bebauten Stadt, als auch nach außen in die Landschaft beachtet und gegebenfalls aufgewertet wird. Die Entwicklung eines Konzepts und die Erstellung von Steckbriefen der unterschiedlichen Stadteingänge (im Räum- lichen Leitbild 2016 unter „Strategie und Handlungsempfeh- lungen“ und als „zu erarbeitende Grundlagen“ beschrieben) wird weiterhin als dringend notwendig angesehen und die Erstellung einer mit den Fachplanungen abgestimmten Über- sichtskarte über alle Stadteingänge in Karlsruhe empfohlen. 18 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Stadteinfahrten Durlacher Allee und Ludwig-Erhard-Allee Die Stadteinfahrt Durlacher Allee befindet sich seit einiger Zeit in einem Umbruch. Der 2015 beschlossene Rahmenplan „Ent- wicklungsachse Durlacher Allee“ zeigte verschiedene Möglich- keiten für eine Entwicklung auf, welche anschließend durch Bebauungsplanverfahren konkretisiert wurden und werden, unter anderem: Ansiedlung des IKEA (östlich des Ostrings) Neubauten an der Ecke Durlacher Allee - Tullastraße (ehemaliger VBK Betriebshof) Neues Baugebiet für ein urbanes, gemischt genutztes Quar- tier (nördlich Gleisbauhof) Juni 2024 wurde für das Baugebiet nördlich des Gleisbauhofs ein Aufstellungsbeschluss gefasst. Ein Ziel ist die Ausbildung eines repräsentativen Erscheinungsbilds zur Durlacher Allee. Mit Hilfe eines städtebaulichen Wettbewerbsverfahrens sollen in einem ersten Schritt die genaue Ausformung der Baufelder und die Nutzungen geklärt werden. Die Umgestaltung der Ludwig-Erhard-Allee zu einer Stadt- einfahrt ist mittlerweile nahezu abgeschlossen. Die Baufelder nördlich und südlich sind fast vollständig bebaut oder plane- risch gesichert. Für den letzten anstehenden Bebauungsplan „Ludwig-Erhard-Allee, Ostendstraße, Frühlingsstraße“ wurde im Juni 2024 der Umlegungsbeschluss gefasst. In der Wolfarts- weierer Straße, der Verlängerung der Ludwig-Erhard-Allee, konnte die Hauptfeuerwache prominent und verkehrlich gün- stig als Auftakt platziert werden. Innerer Stadteingang Ettlinger Tor Das Ettlinger Tor als Eingang zur Innenstadt ist eine der wich- tigen innerstädtischen Eingangssituationen und stellt den Beginn der Via Triumphalis dar. Die städtebauliche Entwick- lung und Ausformung dieses Bereichs zu einem attraktiven Stadteingang begann bereits 2005 mit der Eröffnung des Ein- kaufszentrums am Ettlinger Tor. Es folgte die Kombilösung mit dem Bau des Stadtbahntunnels und des Karoline-Luise-Tunnels sowie des neuen Stadtboulevards der Kriegsstraße. Einen weiteren Baustein stellt der Umbau des Staatstheaters (geplante Fertigstellung 2034) und seines Vorplatzes, des Hermann-Levi-Platzes dar. Mit dem „städtebaulichen Entwicklungskonzept zum Ettlinger Tor“ (SEKET, 2020) wurden weitere städtebauliche Weichen für den Stadteingang gestellt. Das Konzept gibt den Rahmen für den Neubau des Landratsamts und für das Areal des ehe- maligen Postgiroamts vor. Darauf aufbauend wurde 2021 ein Wettbewerb für den Neubau des Landratsamts durchgeführt, welches voraussichtlich 2028 fertiggestellt wird. Den vorerst letzten Baustein wird das Areal des ehemaligen Postgiroamts darstellen. Für dessen Bebauung soll 2024/2025 ein Wettbewerb ausgelobt werden. Blick auf die Ludwig-Erhard-Allee in Richtung Westen, Foto: Liegenschaftsamt, 2022 Wichtigste Erkenntnisse aus dem Werkstattverfahren zu SEKET, Grafik: Dezernat 6 Siegerentwurf für den Neubau des Landratsamts, Stand: 2021 Rendering: eesome | Architektur: wittfoht studio architekten GmbH Stadtplanungsamt | 19 Ausschnitt aus dem Neuordnungskonzept, SCHÖFFLER.stadtplaner.architekten Rahmenplan Grünwinkel, WestBahnHUB, Konzeptskizze: berchtoldkrass space&options Südlicher Vorplatz des Hauptbahnhofs, Foto: Presse- und Informationsamt, 2024 Bahnhöfe Bahnhöfe sind die wichtigsten Stadteingänge für Personen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Karlsruhe kommen. Die Eingangssituation des Karlsruher Hauptbahnhofs wurde in Richtung Süden durch die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes und die umrahmende Bebauung deutlich aufgewertet. Für den für das Image der Stadt außerordentlich bedeutsamen Bahnhofsplatz Nord erstellen die Verkehrsbetriebe derzeit Verkehrssimulationen, auf denen aufbauend eine technische Planung erarbeitet wird. Diese wird Grundlage für einen Wett- bewerb zur Neuordnung und -gestaltung des Platzes sein, der unter anderem Barrierefreiheit und klimatische Aspekte im Fokus haben soll. Der städtebauliche Rahmenplan Grünwinkel (2018) entwirft die Vision eines dichten, multifunktionalen Gewerbegebiets und sieht vor – da zukünftig deutlich mehr Bahnpendelnde zu erwarten sind – den Bahnhof Karlsruhe West zu einem an- sprechenden Stadteingang auszubilden. Vorgesehen sind ein baulicher Hochpunkt mit gastronomischen Angeboten im Erd- geschoss, ein neu gestalteter Vorplatz, klimafreundliche Boden- materialien, eine passende Möblierung, Angebote für Car- und Bike-Sharing sowie standortgerechte Bäume. Ende November 2024 wird eine Planungswerkstatt zur Entwicklung des soge- nannten „WestBahnHUB“ stattfinden, die unter anderem die Aufwertung des Westbahnhof als Stadteingang zum Ziel hat. Der Vorbereich des Bahnhof Durlach soll im Rahmen eines Stadterneuerungsprogramms (Sanierungsgebiet „Durlach Stadteingang“) vergrößert und aufgewertet werden. Eine ge- änderte Pkw- und Fußgängerführung, eine Redimensionierung des Busbahnhofs und gegebenenfalls ein baulicher Auftakt an der Position des heutigen Kiosks sollen den Vorbereich räum- lich fassen und zu einem ansprechenden Stadteingang für Bahnfahrende ausbilden. Der Vorplatz zur Untermühlsiedlung wird durch Aufenthalts- möglichkeiten sowie eine Neuordnung der Fahrradstellplätze aufgewertet; für die dunkle Treppenanlage soll ein Beleuch- tungskonzept entwickelt werden. Darüber hinaus wird die Untermühlsiedlung durch Aufzüge auf den Bahnsteigen 11 und 12 sowie einen ebenerdigen Übergang über die K9659 mittelfristig endlich barrierefrei erreichbar sein (Planung der VBK, nicht Teil des Sanierungsprogramms). Weitere ProjekteStandBeschreibung Stachus (Durlach)in BearbeitungDer „Stachus“, die Einmündung von sechs Straßen im Bereich Durlacher Allee/Pfinztalstraße, soll im Rahmen des Stadterneuerungsprogramms „Durlach Stadteingang“ erlebbar als Eingang zum Durlacher Stadtkern gestaltet werden. Ziele sind unter anderem eine Betonung der Raumkanten, eine verbesserte Orientierung für alle Verkehrsteilnehmenden und eine höhere Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität. Aufgrund der notwendigen Verkehrsflächen sowie der Infrastruktur im Untergrund sind die Gestaltungsmöglichkeiten jedoch begrenzt. 20 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Freiräume stärken Neu gepflanzte Bäume im Citypark (Südstadt Ost) zur klimatischen Aufwertung, Foto: Gartenbauamt, 2024 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Klimawandel Gestiegene Temperaturen und veränderte Niederschlagsmen- gen werden immer stärker spürbar: Pilzerkrankungen und Trockenstress nehmen zu und führen zu Schwächung und Tod verschiedener Baumarten, Starkregenereignisse werden häufiger und fallen stärker aus, nicht-heimische Tier- und Pflanzenarten breiten sich aus. Die Notwendigkeit für eine Anpassung ist im Bewusstsein der Bevölkerung, der Politik und in der Planungspraxis angekommen. Corona-Pandemie (2020 bis ~2022) Während der Pandemie kam es zu einem starken Nutzungs- anstieg und einer neuen Wertschätzung der öffentlichen Grünflächen, insbesondere der quartiernahen Grünflächen. Energiewende Das gewachsene Bewusstsein für die Notwendigkeit alter- nativer Energien, Gesetzesänderungen und (bei PV-Anlagen) deutlich gesunkene Kosten führen zu einer stärkeren Flächen- konkurenz zwischen „Landschaft“ und Windkraft- bezie- hungsweise Freiflächenphotovoltaikanlagen. Alternative Bestattungsformen Urnen- und Waldbestattungen nehmen zu, der Flächenbe- darf auf Friedhöfen ist rückläufig. Friedhofserweiterungsflä- chen werden voraussichtlich nicht im ursprünglich geplanten Ausmaß benötigt. Multifunktionale Freiflächen Freiflächen werden zunehmend derart geplant, dass sie viel- fältige Aufgaben gleichzeitig wahrnehmen: Erholungs- und Aufenthaltsfläche, Kühlung der Umgebung durch Beschat- tung und Verdunstung, Regenwasserrückhalt beziehungswei- se -versickerung, Kompensationsmaßnahmen, ... Dreifache Innenentwicklung Das Leitbild der „Dreifachen Innenenwicklung“ setzt sich bei Planungen durch: Im Rahmen von Bebauungsplan-Vorhaben wird neben einer baulichen Nachverdichtung regelmäßig der öffentliche Raum aufgewertet oder neue Freiräume angelegt, auch durch eine Neuordnung der Verkehrsflächen. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die bisherigen freiraumplanerischen Leitkonzepte, die im Grünsystem Karlsruhe und im Freiraumentwicklungsplan Karlsruhe 2015 dargestellt sind, sollen entsprechend den Ergebnissen aus der Leitbilddiskussion und den Anforderun- gen des Klimawandels weiter entwickelt und akzentuiert werden. Themenschwerpunkte werden dabei die Kontinuität des Grünverbundes, die Flexibilität für künftige Freizeit- und Erholungsanforderungen, die Stadtgestaltung und die stadt- ökologischen Anforderungen sein. Ein besonderer Fokus liegt auf den Freiraumbelangen in Quartieren, die einer ver- stärkten Innenentwicklung unterzogen werden. Ziele Das Karlsruher Grünsystem wird leistungsfähig weiter ent- wickelt. Gut vernetzte Freiräume sollen langfristig vielfältige Funktionen im Stadtgefüge wahrnehmen und damit die Lebensqualität der Stadt positiv prägen: Erholung, biologi- sche Vielfalt, klimatischer Ausgleich und Landnutzungen. Der Freiraumentwicklungsplan 2017 zeigt den strukturellen Rahmen der künftigen Entwicklungen und Grundzüge für erforderliche Maßnahmen auf. Kontinuierliche Weiterentwicklung des Grünsystems als differenzierter Handlungsrahmen auf Basis der Zusam- menhänge von Freiräumen im Landschaftsraum und in der Stadtstruktur Integration von Nutzungsformen der Naherholung sowie geeignete Formen der Land- und Waldbewirtschaftung Aufwertungen des Stadtgrüns und der Ränder als Kompen- sation von Eingriffen infolge neuer Siedlungsquartiere Aufwertung der städtischen Frei- und Grünräume als Bei- trag zur Klimaanpassung und zur Steigerung der Lebens- qualität in verdichteten Quartieren Karten mit Verortung des Vorhabens und relevantem Kontext S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Freiräume Stadtplanungsamt | 21 Parks, Grünanlagen, Wald und sonstige innere und äußere Freiräume In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Neue Schutzgebiete (2015/2018/2021) Landschaftsschutzgebiete wurden neu ausgewiesen und damit dauerhaft als Freiräume gesichert: Gießbachniederung- Im Brühl, Oberwald-Rißnert, Neureuter Feldflur (dort möglich durch Rücknahme der „Nordtangente“ aus dem Bundesver- kehrswegeplan, 2016). Freiraumentwicklungsplan 2017 (2017) Der Freiraumentwicklungsplan wurde 2017 angelehnt an die Leitbilddiskussion fertiggestellt. Er beinhaltet neben visio- nären Ausblicken konkrete Ziele und Maßnahmen für die kommenden Jahrzehnte. Er wird als Rahmenplan in Pla- nungs- und Entwicklungsprozesse eingebracht. Landschaftsplan 2030 (2021) Der Landschaftsplan wurde als Fachplan des Naturschut- zes und der LANDSCHAFTSPFLEGE parallel zum Flächen- nutzungsplan fortgeschrieben. Er beinhaltet neben einer schutzgutbezogenen Analyse ein Handlungsprogramm für die Freiraumstruktur, den Natur- und Landschaftsschutz sowie den Naturhaushalt. Inhaltliche Bezüge bestehen zum Karlsru- her Freiraumentwicklungsplan 2017. Kleingartenentwicklungsplan (2020) Der Plan verortet die Kleingartenflächen im Stadtgebiet und zeigt Perspek ti ven für die einzelnen Anlagen einschließ lich ih rer Bedeutung für das Stadtgrün auf. Verbreitet wird vorge- schlagen, die Kleingartenanlagen besser als Naherholungsflä- chen für die umliegenden Quartiere nutzbar zu machen (zum Beispiel Kleingartenpark Rheinstrandsiedlung). Temporäre Maßnahmen (seit 2020) Auf städtischen Plätzen oder Höfen sind dauerhafte und ausgeprägte Begrünungen nicht immer realisierbar (zum Beispiel Marktplatz, Kronenplatz, Passagehof). Hier för- dern gezielt eingesetzte temporäre Elemente wie Pflanzkübel, Sitzmöglichkeiten und Sonnenschirme die Gestaltung und Aufenthaltsqualität. In der Verwaltung sind organisatorische Voraussetzungen zu entwickeln und die Finanzierung zu sichern. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Mit der Fortschreibung des Freiraumentwicklungsplans 2017 wurden Aussagen zu allen in der Beschreibung genannten Punkten getroffen. Die Formulierung kann entsprechend fortgeschrieben werden. Ziele Bei den genannten Zielen handelt es sich um Daueraufga- ben, die sukzessive umgesetzt werden. Sie finden sich im Freiraumentwicklungsplan 2017 wieder und werden dort präzisiert. Es wird ferner empfohlen, als zusätzliches Ziel die langfristi- ge Sicherung von Pflege und Anpassung der Grünflächen und -strukturen im Kontext des Klimawandels aufzunehmen: Multifunktionale, resiliente Ausgestaltung von Grünflächen Rückhalt von Niederschlagswasser (Schwammstadtprinzip) Bewässerung von Grünflächen und Jungbäumen Mehraufwand bei der städtischen Baumpflege im Rahmen der Verkehrssicherung infolge Hitze-/Trockenstress Anpassung des Baumartenspektrums für Neupflanzungen Populationskontrolle invasiver Tier- und Pflanzenarten Um temporäre Maßnahmen zur Stärkung der innerstädti- schen „grauen“ Freiräume regelmäßig (beispielsweise jedes Jahr während der Sommermonate) und über einen längeren Zeitraum hinweg einsetzen zu können, bedarf es einer Rege- lung der Zuständigkeiten sowie entsprechender finanzieller und personeller Ressourcen (Pflege, Transport, Lagerflä- chen,...). 22 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Hermann-Meinzer-Park Die Neu– und Umgestaltung des ehemaligen Nordfriedhofs in Neureut in eine gestalterisch ansprechende und gut er- schlossene Parkanlage mit hoher Aufenthaltsqualität wurde 2022 abgeschlossen. Die Friedhofsnutzung war seit rund zehn Jahren ausgelaufen, Neureut verfügt über zwei andere Fried- hofsflächen. Teile des historischen Friedhofs, insbesondere Kriegsgräber, sind als Kulturdenkmal ausgewiesen und waren zu erhalten. Überlegungen für eine anteilige Bebauung wurden zugunsten der Weiterentwicklung dieser innerörtlichen Grünfläche ver- worfen. Das Planungskonzept vereinte den Erhalt der Kriegsgräber mit der Schaffung neuer, zeitgemäßer Aufenthaltsflächen unter Berücksichtigung der denkmalschutzrechtlichen Belange sowie eine Stärkung der Wegeverbindung zwischen Ortsmitte und Stadtbahn. Die Gesamtfläche beträgt 1,3 Hektar. Der gut entwickelte, prägende Altbaumbestand wurde erhal- ten, 42 Bäume wurden neu gepflanzt, Eine doppelte Baum- reihe aus neuen Säuleneichen und Amberbäumen entlang der Alten Friedrichstraße bildet die neue Raumkante des Parks. Die Begrünung der neuen Pflanzflächen besteht im Wesentlichen aus vielfältigen Staudenmischpflanzungen. Für extrem trocke- ne Wochen wurde zur Unterstützung der Pflege eine Bewässe- rungsanlage installiert. Gemeinschaftsgarten Ostring 2018 wurde seitens der Verwaltung erstmals die Zielset- zung formuliert, den Kernbereich des Grünzugs entlang des Ostrings nach und nach einer öffentlichen Nutzung zuzufüh- ren. Der Bebauungsplan 339 von 1967 sieht hier zwar eine gärtnerische Nutzung vor, diese war jedoch vorwiegend mit Lagerflächen der Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus und von Steinmetzbetrieben belegt. Nachdem ein Pachtvertrag für den Schaugarten eines Natursteinhandels im Januar 2022 auslief, ergab sich die Chance, das Gelände von über 5.700 m² den angrenzenden Quartieren als Ort für Begegnung, Kultur, Naturerfahrung und Biodiversität zur Verfügung zu stellen. Von Herbst 2022 bis Frühjahr 2023 wurden mehrere Ideen- und Planungswerkstätten durchgeführt, die jeweils eine sehr große Resonanz zeigten. Inzwischen hat sich eine feste Gruppe aus engagierten Personen mit unterschiedlichen Fer- tigkeiten und fachlichen Hintergründen gebildet und einen Verein, den „Mitmach-Garten Ostring e. V.“ gegründet. Synergien ergaben sich mit dem Forschungsprojekt „Green- GROWnership“: Fördermittel als „Aktionsfläche“ für Maß- nahmen der Begrünung konnten über das Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung für Aktionen der Gruppe bereitgestellt werden. Die Aktiven, die das Gelände inzwischen bewirtschaften, sind offen für neue Interessierte und möchten mit dem Garten auch Angebote für die Öffentlichkeit initiie- ren. Hermann-Meinzer-Park, Foto: Gartenbauamt, 2022 Erste Mahd mit der Sense im Mitmach-Garten, Foto: Gartenbauamt, 2023 Stadtplanungsamt | 23 Bernhardusplatz Der Bernhardusplatz am Durlacher Tor ist im Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung als Potenzialfläche für eine klimaoptimierte Gestaltung von Freiflächen ausgewiesen. Auf- grund dieser Prämisse wurde der ursprüngliche Entwurf von 2010 überarbeitet. Die zunächst mit einer wassergebundenen Decke geplante Fläche wurde stärker mit Grüninseln durch- setzt, wodurch auch die Aufenthaltsqualität und die Versicke- rung von Niederschlagswasser gefördert wird. Als wesentliche Elemente sind ein Baumhain mit knapp 30 neuen Bäumen sowie Wasserspiele geplant. So werden in den Sommermonaten Verschattung und Kühlung gefördert. Dazu trägt auch der Erhalt vorhandener Bäume bei. Nach Anpassungen der Ausführungsplanung und den laufen- den technischen Vorarbeiten erfolgt die Ausschreibung bis Ende 2024, so dass die Arbeiten zur Platzgestaltung 2025 be- ginnen und voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen werden können. Neu gepflanzer Baum im Citypark, Foto: Gartenbauamt, 2024 weitere ProjekteStandBeschreibung Kleingartenpark Rhein- strandsiedlung UmgesetztDie Kleingartenanlage Rheinstrandsiedlung in Karlsruhe-Daxlanden wurde 2022 in Zusammen- arbeit mit dem Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe e. V. und dem Kleingartenverein Rheinstrandsiedlung e. V. in einen modernen, öffentlich zugänglichen Kleingartenpark umgestaltet. Im Rahmen der Umgestaltung wurden Urban-Gardening-Möglichkeiten geschaffen und neue Sitzgelegenheiten, bunte Wiesenstreifen und ein neuer Kinderspielplatz angelegt. Die Anlage wurde so gestaltet, dass sie nicht nur den Kleingärtnern, sondern der gesamten Bevölkerung als grüner Erholungsraum dient. Der Kleingartenpark wurde 2022 beim Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Grünzug entlang der Hildapromenade in BearbeitungAls eine der wichtigsten öffentlichen Grünanlagen in Karlsruhe, dient der Grünzug als kühlendes grünes Band der Frischluftversorgung der westlichen Innenstadt. Geplant ist eine behutsame Sanierung und Aufwertung der Anlage. Hitze- und Trockenschäden am Baumbestand zu beseitigen und die Resilienz der Anlage hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen, ist Hauptziel des Projekts. Im Herbst 2024 soll dafür ein Gemeinderatsbeschluss eingeholt werden. Blick über den Bernhardusplatz in Richtung St. Bernhard, Visualisierung: METTLER Landschaftsarchitektur Weiterentwicklung des Cityparks Der Citypark in der Südstadt-Ost wurde in den letzten Jahren ökologisch und klimatisch aufgewertet. Dies wurde erreicht durch die Neuanlage von Lebensräumen für Wechselkröten und Mauereidechsen, ein angepasstes Mähkonzept für die Wiesen zur Stärkung der biologischen Vielfalt sowie die Neu- pflanzung von knapp 50, gegen Trockenheit besonders wider- standsfähigen Bäumen. Mit den Baumpflanzungen wird das Kleinklima entlang von Wegeachsen und Wiesenflächen langfristig verbessert. Schat- ten und Verdunstung fördern im Sommer die Aufenthaltsqua- lität. Die ursprüngliche Gestaltungsidee des Landschaftsarchi- tekten Bauer aus Karlsruhe wird dabei aufrecht erhalten. Darüber hinaus wurden zusätzliche „Bewegungs-Stationen“ eingerichtet, die insbesondere ältere Menschen zum Erhalt ihrer Beweglichkeit und Ausdauer animieren sollen. 24 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Hardtwald behutsam nutzen Abgestorbener, für den Erhalt der Verkehrssicherheit gefällter Baum im Hardtwald, Foto: Presse- und Informationsamt, 2023 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Klimawandel Der Erhalt des Waldes wird zunehmend anspruchsvoller. Pilzerkrankungen und Trockenstress nehmen zu und führen zu Schwächung und Tod verschiedener Baumarten und zu einer steigenden Waldbrandgefahr. Nicht-heimische Pflan- zenarten (Neophyten) nehmen zu, die aufwändig bekämpft werden müssen, um nicht bestehende Ökosysteme zu gefährden. Forstreform (2020) Mit der Forstreform ging die Bewirtschaftung des Hardtwalds (Pflege, Pflanzung, Fällung, Erholungsnutzung...) von der Stadt Karlsruhe auf den ForstBW über. Die Stadt Karlsruhe hat seitdem keinen direkten Einfluss mehr auf den Hardt- wald; eigene Maßnahmen sind nur mit der Zustimmung von ForstBW möglich. Die Frage der Finanzierung bei städtisch gewünschten Maßnahmen ist teilweise ungeklärt. Fortschreibung der Forsteinrichtung (2018) Das bis 2028 gültige Forsteinrichtungswerk unterteilt den Hardtwald in unterschiedliche räumliche Bereiche, beschreibt jeweils die Ausgangs- und die gewünschten Zielzustände und definiert die Maßnahmen mit konkreten Kennzahlen, die für die Zielerreichung notwendig sind. Die Ziele beziehen sich vor allem auf den Schutz und Erhalt des Waldes und geschützter Arten, wo relevant aber beispielsweise auch auf die Verkehrssicherung. Studie zur Freizeitnutzung des Hardtwalds (2021) Die Studie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg bestätigt die außerordentlich hohe Bedeutung des stadtnahen Hardtwaldes für die Karlsruher Bevölkerung. Die Ergebnisse der Studie werden in Form eines Fachbeitrags in die Forsteinrichtung integriert. Sie dienen als Werkzeug für die Maßnahmenplanung und Maßnahmenlen- kung durch die Revierleitenden vor Ort. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Der Hardtwald ist das größte zusammenhängende Wald- gebiet in Karlsruhe. Als Identifikationsort und stadtnaher Naturraum soll er für Aufgaben der Erholung, Ökologie und nachhaltiger Nutzung weiterentwickelt werden. Ein gemein- sames Konzept der Stadt Karlsruhe und des Landesbetriebs Forst Baden-Württemberg (Waldeigentümer) soll als Hand- lungsrahmen für konkrete Maßnahmen dienen. Ziele Wichtigstes Ziel ist die Walderhaltung und die Erhaltung der Vitalität vor dem Hintergrund des Klimawandels. Aus strate- gischen Überlegungen für die Anpassung der nachhaltigen forstlichen Nutzung sollen Vorschläge für die Bewirtschaf- tung entwickelt werden, die in die mittelfristige forstliche Fachplanung der Jahre 2017 und folgende einfließen können. Dabei soll geprüft werden, ob Vorrangbereiche für „urbane“ (Erholung), „ökologische“ (Natur- und Arten- schutz) und „produktive“ (Holzwirtschaft) Nutzungen defi- niert werden. Die Weiterentwicklung von Lichtungen oder lichten Wäldern, die Steigerung der Aufenthaltsqualität, eine bessere Orientierung sowie verbesserte Querverbindungen für den Fuß- und Radverkehr sind weitere Ziele. Wald vor Hintergrund des Klimawandels erhalten Vorrang-Bereiche für „urbane“, „ökologische“ und „produktive“ Nutzungen definieren Pflege, Bewirtschaftung und Nutzungen an vielfältige Aufgaben des Waldes anpassen Bestehende lichte Waldbereiche oder Lichtungen besser ausnutzen und weiterentwickeln Erlebbarkeit des Hardtwaldes verbessern Orientierung und Besucherlenkung verbessern Karten mit Verortung des Vorhabens und relevantem Kontext S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Hardtwald Stadtplanungsamt | 25 Der Hardtwald, ein „grüner Keil“ im Stadtgebiet In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Leitbild: „Hardwälder von Rastatt bis Mannheim“ (2023) Durch die AG Hardtwald (Mitglieder unter anderem ForstBW, Stadt Karlsruhe, Landkreis Karlsruhe) wurde ein Leitbild für die Zukunft des Hardtwalds ausgearbeitet. Oberstes Ziel ist der Erhalt des Waldes, auch um langfristig seine Erholungs- funktionen für den Menschen zu bewahren. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Das „gemeinsame Konzept als Handlungsrahmen für kon- krete Maßnahmen“ wurde zwischenzeitlich erstellt (Leitbild: „Hardtwälder von Rastatt bis Mannheim“). Es wird vorgeschlagen, die einzigartige Bedeutung des in- nenstadtnahen Hardtwalds als „Marke“ für Karlsruhe noch stärker hervorzuheben. Ziele Die meisten Ziele des Räumlichen Leitbilds 2016 sind Dauer- aufgaben, die aus Sicht der Verwaltung weiterhin bestehen bleiben. Die „forstliche Fachplanung“ (Forsteinrichtung) ist mittler- weile fortgeschrieben. Eine Unterteilung des Hardtwaldes in Vorrangbereiche wurde dabei nicht vorgenommen und wird auch nicht mehr als sinnvoll erachtet. Jeder Bereich des Waldes übernimmt eine Vielzahl von Funktionen gleichzeitig. Räumliche Bereiche, klar abgegrenzt nach Nutzung, sind nicht definierbar. Der Handlungsrahmen der Stadt Karlsruhe ist mit der Forst- reform stark eingeschränkt worden. Alle Maßnahmen und Ziele der Stadt Karlsruhe müssen seitdem eng mit dem Forst- BW abgestimmt werden. Die neue Aufgabenteilung zwischen ForstBW und Forstamt Karlsruhe hat zur Folge, dass dieses Vorhaben grundsätzlich mit dem ForstBW abgestimmt und Beschreibung und Ziele gegebenenfalls überarbeitet werden müssen. 26 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Waldpädagogik Die Waldpädagogik Karlsruhe ist als regionales Bildungszen- trum Ansprechpartner für die Bevölkerung im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt und wird unterstützt von den Projektträgern Forstamt Stadt und Landkreis Karlsruhe, der Forstverwaltung Baden-Württemberg (ForstBW) sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Sie setzt seit 1996 in den Wäldern im Stadt- und Land- kreis, rund um das Waldklassenzimmer und seit 2014 auch am Waldzentrum den im Waldgesetz von Baden-Württemberg festgelegten Bildungsauftrag um. Pro Jahr finden über 800 Veranstaltungen aller Art statt und ermöglichen allen Alters- gruppen den Wald aus den unterschiedlichsten Perspektiven kennen zu lernen. Die Waldpädagogik Karlsruhe ist außer- schulischer Lernort führt Veranstaltungen für alle Bevölke- rungsgruppen im Stadt- und Landkreis durch. Hierzu wurden zielgruppenspezifische Konzepte entwickelt, die dem Alter, dem Wissenstand und den Bedürfnissen der jeweiligen Ziel- gruppen entsprechen. Die Veranstaltungen sind inhaltlich an die Vorgaben des Bildungsplanes angepasst und fördern Kom- petenzen im Sinne der Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Ausgleichsmaßnahmen Wildparkstadion Als eine der Kompensationsmaßnahmen des Vollumbaus des Wildparkstadions in Karlsruhe sieht der Umweltbericht zum Bebauungsplan „Fußballstadion im Wildpark“ eine Aufwertung des FFH-Lebensraumtyps 9190 „Bodensaure Eichenwälder“ auf ausgewählten Flächen innerhalb des FFH-Gebiets Nr. 6916- 342 „Hardtwald zwischen Graben und Karlsruhe“ vor. Die zur Aufwertung vorgesehenen acht Maßnahmenflächen umfassen zusammen knapp 40 Hektar und befinden sich im Forstrevier „Wildpark“ im Bereich zwischen der Verlängerung der Rintheimer Querallee im Norden, dem Klosterweg im Osten, dem Ahaweg im Süden und der Eggensteiner Allee im Westen. Seit 2020 werden an den jeweiligen Waldbestand individuell angepasste Maßnahmen zur Aufwertung durchgeführt, zum Beispiel Freistellung von Eichennaturverjüngung, Nachpflan- zung junger Eichen und Pflege und Freistellung von älteren Eichen. Das Forstamt der Stadt Karlsruhe ist für die Betreuung und Durchführung der Maßnahmen verantwortlich. Die not- wendigen Maßnahmen werden jährlich mit den zuständigen Revierförstern von ForstBW abgestimmt. Zusätzlich erforderliche Ersatzaufforstungsmaßnahmen in Neureut und Durlach wurden mittlerweile erfolgreich umge- setzt. Fotos: Waldpädagogik Karlsruhe / Forstamt Lage der Ausgleichsmaßnahmen im FFH-Gebiet, Quelle: Forstamt Stadtplanungsamt | 27 Der Waldrand entlang der Theodor-Heuss-Alle war ein arten- armer, dunkler und unästhetischer Waldrand, der – um Licht- raumprofil herzustellen – regelmäßig mit der Heckenschere zu einer „grünen Wand“ zurückgeschnitten wurde. Ein ökologisch hochwertiger Waldrand zeichnet sich dadurch aus, dass er stufig aufgebaut und sowohl vertikal als auch horizontal reich strukturiert ist. Zusammengesetzt aus einer bunten Mischung von Baum- und Straucharten bietet er so vielfältigen Lebensraum für Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Reptilien. Im Rahmen des Bebauungsplans „Zukunft Nord“ wurden planexterne Kompensationsmaßnahmen entwickelt, um den Waldrand entlang der Theodor-Heuss-Allee und L 560 ökolo- gisch wertvoller zu gestalten. Die Aufwertung des Waldrandes erfolgt, indem der vorhandene Baumbestand aufgelichtet wird und so ein lichter, arten- und strukturreicher Waldrand ent- steht. Sehr große Bäume werden in Straßennähe entnommen, stabile und bedeutende Solitärbäume bleiben bestehen und dichte Saumvegetation sowie Sträucher werden abschnittswei- se bodennah abgeschnitten, damit sie neu austreiben können. Waldrand entlang Theodor-Heuss-Allee, Foto: Forstamt, 2024 Nichtheimische Pflanzen, die durch starke Ausbreitungsten- denzen und hohe Konkurrenzfähigkeit heimische Arten verdrängen, werden im Rahmen der Maßnahme zugunsten heimischer Vegetation zurückgedrängt. Die Gesamtlänge der Maßnahme beträgt rund 2 400 Meter. Im Rahmen eines Praxissemesters (Hochschule Nürtingen, Studiengang Landschaftsplanung und Naturschutz) wurde 2023/2024 eine Kartierung der Vegetation vorgenommen. Die Ergebnisse waren sehr vielversprechend, in manchen Abschnit- ten waren bis zu 13 verschiedene Straucharten vorhanden, zusätzlich noch eine artenreiche Krautschicht, die vorher auf- grund der mangelnden Lichtverhältnisse nur marginal ausge- prägt war. Die seit 2020 regelmäßig stattfindenden Pflegemaßnahmen haben somit bereits deutlich Wirkung gezeigt und den Wald- rand auch aus ästhetischer Sicht aufgewertet. Waldrandpflege Theodor-Heuss-Allee 28 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Zukunft Innenstadt angehen Blick auf den zentralen Marktplatz, Foto: Presse- und Informationsamt, 2024 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Online-Handel Der Online-Handel ist eine zunehmende Konkurrenz für den stationären Handel. Viele Filialisten sowie inhabergeführte Geschäfte in der Innenstadt gingen seit 2016 insolvent. Corona-Pandemie (~2020 bis 2022) Die Einschränkung des öffentlichen Lebens führte zu einer Insvolvenzwelle im filialisierten stationären Einzelhandel und zur Schließung von zahlreichen Gastronomiebetrieben. sinkende Mietpreise für Gewerbe Der Nachfragerückgang für Einzelhandelsflächen und Ände- rungen im Hinblick auf die benötigen Flächengrößen in der Innenstadt führten zu hohen Fluktuationen im Besatz und sinkenden Mietpreisen. Die Stadt begleitet entsprechende Veränderungsprozesse, bspw. durch die Unterstützung alter- nativer Nutzungen (insb. in der östlichen Kaiserstraße). Trading-Down-Effekt Der Rückgang von Einzelhandelsnutzungen (s. vorherige Punkte) führte in Teilen der Innenstadt zu einer Ansiedlung von Nutzungen, die nicht zur ursprünglichen Nachfrage und zum Angebot des Standortes passen – hierzu zählen unter anderem Ein-Euro-Shops, Handyläden, Imbisse und Vergnügungsstätten. Homeoffice Die Corona-Pandemie hat nachhaltig dazu geführt, dass bü- rofreies Arbeiten („Homeoffice“) zum festen Bestandteil des Arbeitslebens wurde. In einigen europäischen Innenstädten kam es zu einem Leerstand von Büroflächen. In Karlsruhe ist dieser Trend momentan nicht erkennbar. Digitalisierung Immer mehr Vorgänge, die vor wenigen Jahren noch vor Ort durchgeführt werden mussten (zum Beispiel Arzt-Konsultati- onen, Verwaltungsprozesse) werden online möglich. Klimawandel Die Folgen des Klimawandels werden immer stärker spürbar, in der Innenstadt insbesondere durch eine starke Aufheizung im Sommer (sog. Wärmeinseleffekt). Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die Innenstadt Karlsruhes als Identifikationsort und Publi- kumsmagnet für die Gesamtstadt und die Region steht vor grundlegenden Veränderungen. Um die Chancen der Kom- bilösung bestmöglich nutzen und die anstehenden neuen Aufgaben und Herausforderungen angehen zu können, soll ein integriertes und ämterübergreifendes Konzept zur Zu- kunft der Innenstadt erarbeitet werden. Der dafür notwendi- ge Prozess sieht eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Ziele Die Attraktivität der Innenstadt soll in ihrer Außen- und Innenwahrnehmung durch zukunftsfähige Einzelhandels- strukturen, ausgewogene Nutzungsmischung, hohe Aufent- haltsqualität im Straßenraum und ein gut gestaltetes Stadt- bild gestärkt werden. Ebenso soll auch eine Aufwertung der „zweiten Reihen“ – die Räume abseits der Kaiserstraße – erreicht werden. Vielfältige Nutzungsmischung anstreben und räumliche Schwerpunkte setzen Zukunftsfähige Einzelhandelsstruktur sicherstellen Eine gemischt genutzte, dichte Stadtstruktur inklusive Wohnen erhalten und ausbauen Erlebbarkeit und Aufenthaltsqualität der Innenstadt fördern Innenstadt enger mit dem Karlsruher Institut für Technolo- gie vernetzen Karten mit Verortung des Vorhabens und relevantem Kontext S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Innenstadt Stadtplanungsamt | 29 Die Innenstadt, das räumliche und kulturelle Zentrum Karlsruhes In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Aktionsplan City 2020-2026 (2019) Nach Abschluss des „Gutachten[s] zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030“ wurden die mit sämtlichen Akteuren der Innenstadt ausgearbeiteten Maßnahmenempfehlungen in den Aktionsplan überführt. Weite Teile des Aktionsplans werden im Zeitraum von 2022 bis 2025 über das Projekt „City-Transformation“ im Bundes- förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ umgesetzt. Ziel ist eine Stärkung der Attraktivität und Multi- funktionalität der Innenstadt. Kombilösung (2020) Mit Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels ist die Kaiserstraße zu einer echten Fußgängerzone geworden. Die Neugestal- tung erfolgt momentan. Konzept Höhenenwicklung (2020) Das Konzept weist die Blockrandbebauung der Innenstadt als „Identitätsgebiet“ aus. Um keine Konkurrenz zu den histori- schen Hochpunkten (Schlossturm, Kirchtürme, Rathausturm) zu erzeugen, soll eine Überschreitung der Regelbauweise dort nur in extremen Ausnahmefällen möglich gemacht werden. Steuerungskonzept Vergnügungsstätten (2021) Das Konzept empfiehlt dezidiert, welche Arten von Vergnü- gungsstätten wo zugelassen beziehungsweise ausgeschlossen werden sollten. Zur Regle men tie rung der Vergnü gungs stät ten wird derzeit ein Be bau ungs plan Vergnü gungs stät ten für die Innenstadt erarbeitet. Langfristig wird ein deutlicher Rück- gang von Vergnügungsstätten in der Innenstadt angestrebt. Auswahlentscheidung zu Spielhallen (2024) Die Verwaltung hat ein Konzept zur Präzisierung der Rahmengesetzgebung des Landes erarbeitet, nach dem entschieden wird, welche Spielhallen bestehen bleiben und welche zu schließen haben. In der Folge wird sich die Anzahl der Spielhallen in der Innenstadt von 30 auf voraussichtlich sieben reduzieren. Grünsatzungen (Aufstellungsbeschluss für Innenstadt 2024) Ein Bebauungsplan für die Innenstadt hat zum Ziel, vorhan- denes Grün zu sichern und neue Flächen zu begrünen. Es gilt der Bestandsschutz. Eine Begrünung erfolgt somit sukzessiv, bei Neu- oder Umbauten. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Titel Der Titel des Vorhabens ist überholt. An keinem Ort in Karls- ruhe wurden mehr Maßnahmen umgesetzt und gibt es mehr Planungen als für die Innenstadt. Ein neuer Titel könnte ganz einfach „Zukunft Innenstadt“ lauten (analog zum Kor- ridorthema). Beschreibung Das im Räumlichen Leitbild 2016 eingeforderte Konzept wurde mittlerweile erstellt („Öffentlicher Raum und Mobi- lität in der Innenstadt“, ÖRMI). Zukünftig sollte vertieft auf die Umsetzung des Konzepts eingegangen werden. Die Innenstadt befindet sich seit einigen Jahren im Umbruch. Die Art der Nutzung verändert sich weg von hochwertigem und spezialisiertem Einzelhandel hin zu „Erlebnis-Einkauf“. Die aktuellen Herausforderungen (Leerstand, Trading- Down...) sollten klar benannt werden. Ziele Die meisten Ziele von 2016 sind Daueraufgaben, die wei- terhin bestehen bleiben. In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl an sich ergänzenden Konzepten entwickelt. Für viele der genannten Ziele sind somit Maßnahmen benannt und befinden sich teilweise schon in der Umsetzung. Räumliche Schwerpunktebereiche wurden mit ÖRMI defi- niert. Im Rahmen des Bundesförderprogramms ZIZ (Zukunfts- fähige Innenstädte und Zentren) wurden pilothaft Projekte angestoßen, die nun in dauerhafte Strukturen überführt werden müssen. Die strategischen städtebaulichen Ziele des IQ-Korridorthe- mas Zukunft Innenstadt sind in das Räumliche Leitbild zu integrieren. 30 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Marktplatz Der Marktplatz ist Bestandteil der Neugestaltung der Fußgän- gerzone Kaiserstraße, die auf einem Wettbewerbsergebnis von 2010 basiert. Bis zur Realisierung des neuen Marktplatzes im Jahr 2020 hat die Gestaltung einen langen Planungsprozess durchlaufen und sich mehrfach weiterentwickelt. Entstanden ist ein Platz mit einem hellen hochwertigen Gra- nitstein und einem sogenannten „Zierband“ aus kleinteiligen Steinen in unterschiedlichen Farben. In die Platzfläche ist ein großes Wasserspiel integriert, das in den Sommermonaten zum Verweilen einlädt und zur klimatischen Aufwertung des Platzes beiträgt. Der Platz hat neue, für Alt und Jung geeignete Bänke, Abfall- behälter, Oleanderpflanzen und eine moderne, energieeffizi- ente LED-Beleuchtung erhalten. Darüber hinaus werden in den Sommermonaten mobile Schirme, Stühle und Pflanztröge mit Bäumen aufgestellt, um die Aufenthaltsqualität des Platzes weiter zu steigern. Gleichzeitig ermöglicht das temporäre Mo- biliar, dass der häufig als Veranstaltungsort genutzte Markt- platz sehr flexibel bespielt werden kann. Blick auf den neu gestalteten Marktplatz, Foto: Presse- und Informationsamt, 2024 ÖRMI, Visionsplan für die Zukunft Karlsruhes, Grafik: Gehl Architects ÖRMI, Lupenstandort Lammstraße, Visualisierung: Gehl Architects ÖRMI Das Ziel des IQ-Leitprojekts „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI) ist die Chancen und Herausforderungen für den öffentlichen Raum und die Mobilität der Innenstadt Karlsruhe integriert zu betrachten. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung zusammen mit der Bürgerschaft Karlsru- hes und der Bürogemeinschaft Gehl, Argus sowie Weeber und Partner eine Vision für die Zukunft der Innenstadt geschaffen. Das Gesamtkonzept ÖRMI beruht dabei auf drei übergeord- neten Potenzialen für die Innenstadt, die unter dem Leitsatz „Platz für mehr“ stehen: Platz für mehr Grün, Platz für mehr Leben und Platz für mehr gesunde Mobilität. „Mehr Grün“ ist der Wunsch der Karlsruher*innen, die In- nenstadt grüner zu gestalten und so zur Kühlung der Stadt beizutragen. Um Möglichkeiten für Aufenthalt, Begegnungen und gemeinsame Projekte zu schaffen, bedarf der Öffentliche Raum „mehr Leben“. Dazu müssen etwa die Funktionen und Hierarchien der verschiedenen öffentlichen Räume stärker definiert werden, um Erdgeschosse und Flächen der Innenstadt strategisch zu aktivieren. „Gesunde Mobilität“ bedeutet aktive Fortbewegung wie Radfahren, zu Fuß gehen oder die Nutzung des klimafreundlichen, öffentlichen Nahverkehrs. Durch die Bevorzugung dieser nachhaltigen Mobilitätsformen lassen sich zudem Lärmbelastungen, Luftverschmutzung und der CO 2 - Ausstoß in der Innenstadt reduzieren. An verschiedenen Standorten der Innenstadt, den „Lupen- standorten“, veranschaulicht ÖRMI die Handlungsempfehlun- gen, durch Verortung von konkreten Maßnahmen, Visualisie- rungen und beispielhaften Straßenquerschnitten. Das Gesamtkonzept besteht aber nicht nur auf Papier: Inner- halb der Reallabore des Passagehofs und der nördlichen Karl- straße konnten Elemente aus ÖRMI getestet und teils langfri- stig etabliert werden. Stadtplanungsamt | 31 Auftaktwochenende im Reallabor Passagehof mit „Swing in Karlsruhe e. V.“, Foto: Patrick Waldschmitt, Swing in Karlsruhe e. V., 2022 Abgrenzung der beiden Sanierungsgebiete Innenstadt Ost (oben) und Kaiserstraße-West (unten), Grafik: Stadtplanungsamt Reallabore Passagehof & Karlstraße 2022 wurden die Maßnahmen des Konzepts „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI) mittels zweier Reall- abore 1:1 getestet, sichtbar gemacht und mit einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Unter dem Motto „Platz für mehr“ wurden im Passagehof und der nördlichen Karlstraße über insgesamt 23 Wochen der Kfz-Verkehr stark beschränkt, Stell- plätze umgenutzt, Sitzmöbel und Pflanzkübel aufgestellt und viele Veranstaltungen, Formen der kulturellen Aneignung und Teilhabe finanziell und organisatorisch unterstützt. Gefördert wurden die Reallabore durch das Bundesförder- programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Die Hochschule Karlsruhe begleitete und evaluierte das Projekt mit seinen zahlreichen Beteiligungsformaten. Weil der Versuch so gut aufgenommen wurde, wurde der Passagehof per Gemeinderatsbeschluss bereits im Folgejahr (2023) zur Fußgängerzone umgewidmet. Darüber hinaus konnte eine private Spende für die Neugestaltung durch begrüntes Sitzmobiliar und Pflanzkübel sowie deren Pflege akquiriert werden. Im Mai 2024 erhielt der Passagehof zudem eine Bodenbemalung, die über einen künstlerischen Wettbe- werb unter öffentlicher Beteiligung ausgewählt und über das Bundesförderprogramm ZIZ (Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren) teilfinanziert wurde. Zwischenzeitlich hat sich ein reger Akteurszusammenschluss im Rahmen des Quartiersmanagements gebildet. Mit dem „Kaiserpassage-Hof-Fest“ (August 2024) wurde in Eigenregie eine beachtenswerte Aktion durchgeführt. Dass die Karlstraße im Bereich zwischen Amalien- und Stepha- nienstraße ebenfalls neu geordnet und umgestaltet werden soll, wurde im Gemeinderat 2023 mehrheitlich beschlossen. Nicht klar ist bislang, ob der Bereich zu einer Fußgängerzone oder zu einem verkehrsberuhigten Bereich entwickelt werden soll. Die Verwaltung erarbeitet daher derzeit zwei Varianten, die nach Einarbeitung aller relevanten Abhängigkeiten und Auswirkungen (Leitungen, mögliche Baumstandorte,...) erneut dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden sollen. Sanierungsgebiete Innenstadt Ost und Kaiserstraße-West Ziel von Sanierungsgebieten ist es, städtebauliche Missstände oder funktionelle Schwächen eines Stadtgebiets zu beheben. Zwischen den beiden Sanierungsgebieten in der Innenstadt gibt es gewisse Unterschiede. Viele der funktionalen Schwä- chen und auch der Sanierungszielsetzungen sind jedoch ähn- lich, unter anderem: Stärkung der Funktionsfähigkeit und Identität der Innenstadt. Um den Auswirkungen der rückläufigen Einzelhandelsent- wicklung entgegenzuwirken, sollen beispielsweise Leerstän- den durch neue Nutzungen aktiviert werden. Erhalt, Aufwertung und Weiterentwicklung des Wohnbe- stands, unter anderem durch Gebäudesanierungen, Umnut- zungen und Ak ti vie rung von leerste hen den Gebäuden oder Oberge schos sen, mit Fokus auf der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Verbes se rung des Woh num felds, zum Beispiel durch Hofent- siegelungs- und -umgestaltungsmaßnahmen oder auch durch eine ver bes serte Anbindung an nahelie gen de Freiräume. Aufwertung des öffent li chen Raums für mehr Aufenthalts- qualität und Barrierefreiheit, zum Beispiel durch Neuge stal- tung oder Qua li fi zie rung von Straßen- und Platz räu men. Ganzheitliche ökologische Erneuerung, unter anderem durch umfassende energetische Gebäudeerneuerungen und eine Verbesserung des Stadtklimas. Sicherung und Erhalt denkmalpflegerisch wertvoller Bausubs- tanz sowie stadt- und ortsbildprägender Gebäude. 32 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Blick vom Ettlinger Tor in Richtung Rondellplatz, Visualisierung: Staab Architekten, Berlin Blick über den Rondellplatz zum Markgräflichen Palais, Visualisierung: Staab Architekten, Berlin Markgräfliches Palais Das historische Markgräflich-Hochbergsche Palais am Rondell- platz wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den 1960er Jahren der Mittelbau unter Erhalt einzelner historischer Bauelemente in klassizistischer Form wiederaufgebaut und mit zeitgenössischen Seitenflügeln ergänzt. In 2021 hat die PSD Bank Karlsruhe-Neustadt eG die Immobilie erworben, um dort ihren Hauptgeschäftssitz zu etablieren. Der Eigentümerin wurde auferlegt ein Wettbewerbsverfahren zur Neuordnung des Areals des Markgräflich-Hochbergschen Palais durchzufüh- ren. Preisträger des Realisierungswettbewerbs (2022) ist das Büro Staab Architekten aus Berlin mit den Landschaftsarchitekten Levin Monsigny aus Berlin. Der Preisträgerentwurf hat pro- grammgemäß eine neue PSD Bank Filiale, Wohnen und eine gemischte, publikumsintensive Nutzung in den Erdgeschosszo- nen (Gastronomie, Einzelhandel) zur Belebung des öffentlichen Raumes sowie einen Veranstaltungssaal im repräsentativen Mittelbau, der auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann, sowie einen attraktiven Garten konzipiert. Mit der Wiederaufnahme der historischen Baufluchten setzt sich die Planung in besonderer Weise mit dem baukulturellen Erbe auseinander. Im Nachgang des Wettbewerbsverfahrens wurde der Preisträgerentwurf gemäß den Anregungen der Kritiker im Rahmen des Stadtbauforums (2023) modifiziert. Zudem werden insbesondere im Erdgeschoss weitere Flächen von Gastronomie und Veranstaltungen belegt. Die Verlegung der Gebäudeflanke auf nahezu die historische Bauflucht in der Karl-Friedrich-Straße wurde zum Anlass ge- nommen, den Straßenquerschnitt zur Verkehrsberuhigung zu verengen sowie die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum durch verbreiterte Vorfelder aufzuwerten, um damit auch die Achse der via triumphalis zu stärken. Ettlinger Tor: Landratsamt, Staatstheater, ehemaliges Postgiro Areal Mit dem Umbau des Staatstheaters und dem Neubau des Landratsamtes, die beide auf Wettbewerbsergebnissen basie- ren, werden am Ettlinger Tor neue städtebauliche Qualitäten entstehen. Dies bezieht auch die Freiraumgestaltung mit ein: Der Hermann-Levi-Platz am Staatstheater wird nach einem Wettbewerbsentwurf aus dem Jahr 2021 baumbestandene, polygonale Grüninseln mit Sitzgelegenheiten und ein Was- serspiel erhalten. Auch der gegenüberliegende neue Platz vor dem Landratsamt soll sich zukünftig als offene, mit großen Baumgruppen überstandene Freifläche präsentieren. Damit trägt die Gestaltung des öffentlichen Raums neben der Archi- tektur zur Attraktivierung des Ettlinger Tors bei. Noch ausstehend ist eine neue Bebauung am Standort des ehemaligen Postgiroamts. Der Grundstückseigentümer be- reitet derzeit in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung die Ausschreibung eines zweistufigen Wettbewerbsverfahrens unter Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Das Ergebnis des Wettbewerbs soll Grundlage für die weiteren Verfahrensschrit- te (städtebaulicher Vertrag, Bebauungsplanverfahren) sein. Im Fokus werden architektonische Qualitäten in Verbindung mit einem attraktiven Nutzungsmix aus Handel und Wohnen, aber auch freiraumplanerische Qualitäten stehen. Ab voraus- sichtlich Ende 2027 ist dort mit ersten Baumaßnahmen zu rechnen. Hermann-Levi-Platz mit Staatstheater, Visualisierung: bbz landschaftsarchitekten berlin gmbh Projekte 1003 Stadtplanungsamt | 33 Weitere ProjekteStandBeschreibung KronenplatzUmgesetztGemäß den Sanierungszielsetzungen (Sanierungsgebiet Innenstadt Ost) soll der Kronenplatz belebt werden. Die in 2021 auf dem nördlichen Kronenplatz aufgestellten 16 Interventionsmöbel „Enzis“ (Firma Enzi, Modell Viena) mit Begleitgrün in sieben Pflanzkübeln sprechen insbesondere die „Jungen Leute“ aus dem Umfeld an. Die in 2023 umgesetzte Effektbeleuchtung stellt einen weiteren Anziehungspunkt dar und verbessert die Beleuchtungssituation und das Sicherheitsgefühl erheblich. Auch das Engagement des KIT auf dem Platz sowie im Umfeld wirkt sich positiv auf den öffentlichen Raum aus. Eckgebäude am Europa- platz (ehem. Kaufhaus Schneider) UmgesetztUrsprünglich aus den frühen 1950er Jahren wurde das Gebäude im Jahr 2012 umgebaut und den seinerzeitigen Handelsnutzungsanforderungen mittels weitgehend geschlossener Fassaden angepasst. Nach einer intensiven Planungs- und Beratungsphase unter Beteiligung des Gestal- tungsbeirates wurde es 2020 erneut umgebaut und dient jetzt mit großzügigen Fensteröffnungen ausgestattet gemischten gewerblichen Nutzungen (dm, Woolworth, Boulderhalle, Büros etc.). Quartiersimpuls „Kleine Kirche“ UmgesetztZur Steigerung der Aufenthaltsqualität wird von April bis Oktober 2024 auf dem Platz und in der Kreuzstraße vor der „Kleinen Kirche“ Pflanzkübel und Sitzgelegenheiten installiert. Zusätzlich wird der Bereich durch kulturelle Veranstaltungen bespielt. Der Quartiersimpuls ist Teil des städtischen Projekts „City-Transformation“ im ZIZ-Programm. Friedrichsplatzin BearbeitungDer Friedrichsplatz soll umgestaltet und als „grüne Oase“ qualifiziert werden. Im Vorfeld sind die Rahmenbedingungen hinsichtlich der künftigen Nutzung und der Sanierungsnotwendigkeit der Tiefgarage auch im Hinblick auf statische Anforderungen zu klären. Die ursprünglich für 2024 vorgesehene Durchführung eines Wettbewerbs zur Umgestaltung wurde daher bis zur Klärung des Modernisierungsumfangs- und pflichtigen zurückgestellt. Peek & Cloppenburgin UmsetzungIm Zuge der Transformation der Handelsnutzungen in der Innenstadt fiel nach sorgfältiger Ab- wägung der Vor- und Nachteile die Entscheidung für einen Neubau des Gebäudes. Die Neukon- zeption sieht nur noch drei Handelsgeschosse und vier mit anderen gewerblichen Nutzungen vor. Dabei wurde das ehemalige Parkhaus aufgrund der verkehrsplanerisch ungünstigen Lage nicht neu gebaut, sondern das Grundstück in die Gesamtplanung integriert. St. Stephan mit in der Breite reduziertem Gemeindezentrum und neuem Pavillon, Lageplan: baumann.dürr Forum St. Stephan, Ständehaus Den von der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Karlsruhe ausgelobten Realisierungswettbewerb „Forum St. Stephan“ in 2022 gewann das Architekturbüro baurmann.dürr. Der Entwurf sieht ein neues Gemeindezentrum vor, welches sich zum öffentlichen Platzraum mit einem neuen eingeschossi- gen Pavillion sowie dem Pfarrgarten als grünem Platzelement öffnet. Der Blick auf das Ostportal der Kirche bleibt frei. Der ikonisches Zentralbau St. Stephan kann somit wieder in alle drei Richtungen in den Stadtraum „ausstrahlen“. Im Zuge der Neukonzeption der Flächen des Gemeindezen- trums wurde deutlich, dass die bisher genutzten Flächen nicht länger vollständig benötigt werden. Für das angrenzende Ständehaus ergibt sich somit die Chance, das Gebäude um rund 15 Meter auf Flächen des heutigen Gemeindezentrums zu erweitern. Eine 2024 durchgeführte Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass die bisher im Prinz-Max-Palais un- tergebrachte Kinder- und Jugendbibliothek auf diese Weise in das Ständehaus integriert werden können. Dies allerdings nur dann, wenn die Flächen multifunktional genutzt und Synergie- potenziale ausgeschöpft werden. Die Neukonzeption des Ständehaus schafft über das Biblio- theksangebot hinaus einen „Dritten Ort“ in zentraler Innen- stadtlage, für Begegnung, soziale Interaktion und Bildung, mit konsumfreien und flexibel nutzbaren Raumangeboten insbe- sondere für offene, partizipative Veranstaltungsformate sowie Arbeits- und Lernplätze. Im Zuge der Neustrukturierung können zudem technische und funktionale Veränderungen vorgenommen werden, die gemäß altersbedingtem Sanierungsbedarf ohnehin erforderlich sind. Darunter fallen die Erneuerung der technischen Anlagen sowie Modernisierungen im Bereich Sanitär und Elektronik. Die gesamten Maßnahmen sollen abschnittsweise im laufen- den Bibliotheksbetrieb stattfinden. Die Baumaßnahmen sollen im ersten Quartal 2027 starten und müssen Anfang 2032 fertiggestellt sein, um im Rahmen der Städtebauförderung im Sanierungsgebiet gefördert werden zu können. 34 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Quartier Bahnhof weiterdenken Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Ungünstige Rahmenbedingungen im Bausektor Eine Kombination verschiedener Faktoren wie zum Beispiel schwankende Konjunktur, hohen Baukosten und gestie- gene Zinsen hemmt deutschlandweit die Realisierung von Bauprojekten. Auch im Quartier sind diese Auswirkungen spürbar und die Realisierung geplanter Projekte wie des Schwarzwaldtrios oder des Hochhauses am Hauptbahnhof Süd verzögert sich. Klimawandel Die Folgen des Klimawandels werden immer stärker spürbar: In stark versiegelten Gebieten wie um den Hauptbahnhof insbesondere durch eine starke Aufheizung im Sommer. Darauf wurde zum Beispiel bei der Gestaltung des Bahnhof- vorplatzes Süd mit Baumquartieren und einem Fontänenfeld reagiert. Homeoffice Die Corona-Pandemie hat nachhaltig dazu geführt, dass bü- rofreies Arbeiten („Homeoffice“) zum festen Bestandteil des Arbeitslebens wurde. In einigen europäischen Städten kam es zu einem Leerstand von Büroflächen. In Karlsruhe ist dieser Trend momentan nicht erkennbar. Fernbusse in der Krise Nach der Liberalisierung des inländischen Fernbuslinienver- kehrs (2012) boomte die Branche. Seit Corona hat sich das geändert. Veränderte Gewohnheiten, das Deutschlandticket (das Bahnreisen attraktiver macht) und ein Imageproblem (Busse gelten nicht als umweltfreundlich) haben dazu ge- führt, dass sowohl die Zahl der Fahrgäste als auch der Linien deutlich zurückgegangen sind. Der Neubau eines großen Fernbusterminals wird erstmal zurückgestellt. Aktuell wird eine provisorische Verbesserung der Situation für die Fernbusreisenden am jetzigen Standort angestrebt. Die Südseite des Hauptbahnhofs steckt mitten in einem Veränderungsprozess, Foto: Stadtplanungsamt Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Das Bahnhofsumfeld ist ein bedeutender Stadteingang und damit prägend für die Wahrnehmung Karlsruhes. Gleichzei- tig stellt der südliche Teil eine der wichtigsten Flächenreser- ven für die Stadt dar. Mit einer integrierten und umfassen- den Gesamtplanung „Quartier Bahnhof“ soll das Bahnhofs- umfeld zu einem zentrumsnahen, verdichteten Stadtquartier entwickelt werden. Spielräume für weitere Entwicklungen sollen dabei offen gehalten werden. Ziele Die Gesamtplanung soll eine städtebauliche Strategie für den Stadteingang als identitätsstiftenden Ort verankern und ein innerstädtisches Entwicklungsgebiet mit hoher Dichte und Dynamik etablieren. Mit einem Rahmenplan für das Ge- samtgebiet sollen die verschiedenen Nutzungsaspekte und -wünsche sowie die Weiterentwicklungen des derzeit be- planten Teils erkundet und koordiniert werden. Die Vermark- tung der stadteigenen Flächen sowie die Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern sollte ebenso ein integraler Bestandteil der Gesamtplanung sein, wie auch die zukunftsweisende Weiterentwicklung der Infrastrukturen. Gemischtes Stadtquartier südlich des Bahnhofs entwickeln, mit Nutzungen, die von der Lage profitieren Stadteingang akzentuieren und gestalten Weiterentwicklung der übergeordneten Verkehrsfunktionen des Bahnhofs Spielräume für künftige Entwicklung offen halten S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Bahnhof Stadtplanungsamt | 35 Quartier Bahnhof und Stadteingang im gesamtstädtischen KontextEinbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt IQ Leitprojekt Entwicklungsquartier Hauptbahnhof Süd Seit 2017 hat die Stadtverwaltung Karlsruhe für priorisierte Projekte der Stadtentwicklung eine ressortübergreifende Vorgehensweise etabliert - die sogenannte IQ-Arbeitsweise (Innovativ und quervernetzt). Dabei wurden sechs zent- rale Korridorthemen identifiziert und Leitprojekte initiiert. Das Entwicklungsquartier Hauptbahnhof Süd ist eines der Leitprojekte des Korridorthemas Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt. Konzept Höhenentwicklung (2020) Das Konzept legt die Spielregeln dafür fest, wann und wo in Karlsruhe von der Regelbauweise abgewichen werden darf. Der Hauptbahnhof gehört dabei zu den strategischen Orten, an denen eine angemessene Häufung von Hochpunkten gewünscht ist. Perspektivflächen in städtischem Eigentum Dank strategischer Grundstückskäufe, sind die Stadt oder die Volkswohnung als städtische Tochtergesellschaft Eigentüme- rinnen von folgenden Flächen: Schwarzwaldstraße 78 – 80, Schwarzwaldstraße (ehemals Esso Tankstelle), Fautenbruch- straße, Rüppurrer Straße 89 (Postareal). Dadurch kann die Stadt die Entwicklungen im Quartier aktiv steuern. Aufwertung des öffentlichen Raumes Hier ist vor allem die Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes Süd von 2023 hervorzuheben. Bauliche Maßnahmen (umgesetzt) Diese Projekte wurden zum Beispiel in den letzten Jahren entwickelt und umgesetzt: Bebauung Hauptbahnhof Süd „Hinterm Hauptbahnhof 3 – 5“ (1&1 und DB), Büro- und Geschäftshaus KA 3/Victor-Gollancz-Straße 1 – 5, Fautenbruchstraße/Wasserturm Bauliche Maßnahmen (Planung) Diese Projekte befinden sich in der Planung, wurden aber noch nicht umgesetzt: Bebauung Hauptbahnhof Süd „Hochhausgrundstück und Optionsgrundstück“, Schwarz- waldstraße 81/81a „Schwarzwaldtrio“, Neugestaltung von Albtalbahnhof – Bahnhofsvorplatz (Nord). Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung wird inhaltlich weiterhin als aktuell ange- sehen. Ziele Die im Räumlichen Leitbild aufgeführten Ziele werden wei- terhin als aktuell angesehen. Der Fokus des Vorhabens lag bisher auf dem Süden des Hauptbahnhofs. Aufgrund der anstehenden neuen Aufga- ben wird aber zunehmend auch der Norden in den Blick genommen. Die Stadt ist bei der Umsetzung der formulierten Ziele auf einem guten Weg. Zahlreiche Maßnahmen und Projekte wurden beschlossen oder umgesetzt. 36 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Bebauung Hauptbahnhof Süd Das Areal Hauptbahnhof Süd hat sich in den letzten Jahren stark verändert und bietet nun vielversprechende Perspektiven für die städtische Entwicklung. Der Bebauungsplan hat das Ziel, ein Stadtquartier mit hoher Dichte und besucherintensi- ven Nutzungen zu entwickeln, um die verkehrsgünstige Lage am Hauptbahnhof optimal zu nutzen. Daneben soll die Funk- tion als Stadteingang in angemessener gestalterischer Qualität sichergestellt werden. Nach der „Initialzündung“ durch die Bürogebäude von 1&1/IONOS und der Fertigstellung des Bü- rogebäudes und des Hotels am Wasserturm sind weitere Bau- steine, insbesondere auch Hochhäuser mit bis zu 70 m Höhe in Planung. Hier sind auch besondere Wohnformen für ein lebendiges, urbanes Umfeld vorgesehen. Mit demselben Ziel hat die Stadt den Bahnhofplatz Süd nach einem erfolgreichen Wettbewerbsverfahren neugestaltet. Dabei liegt ein besonde- res Augenmerk auf Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung. Bahnhofplatz Süd Ergänzend zu den seitlich an den Platz angrenzenden Hoch- bauten wurde 2018/2019 eine Planungskonkurrenz zur Neu- gestaltung des Bahnhofplatzes Süd durchgeführt. Der Platz hat eine Fläche von circa 4 900 Quadratmeter. Nördlich wird er von der Tiefgarage unter den Bahngleisen begrenzt. Dort befindet sich auch der Zugang zur Bahnhofspassage. Die Neugestaltung bildet ein attraktives Entree für den südli- chen Eingang zum Hauptbahnhof und einen angemessenen Verknüpfungspunkt von Individualverkehr und Bahn. Eine besondere Herausforderung stellt die Raumbildung dar, welche durch die hohe angrenzende Bebauung bestimmt ist. Der „Klimahain“ aus verschiedenen Baumarten trägt dieser Situa- tion mit seiner Höhenentwicklung Rechnung. Die Beleuchtung unterstreicht die adressstiftende Besonderheit der Neugestal- tung: lange, aus den Proportionen der markanten Nachbar- schaft entwickelte Lichtstelen tanzen durch den Baumhain. Ihre Leuchtköpfe schwingen im Fahrtwind der durchfahrenden Züge und unterstreichen mit markanter Tag- wie Nachtwir- kung die neue Dynamik des Ortes. Für den kommerzfreien Aufenthalt werden unter den Bäumen Langbänke quer zu den Bewegungsabläufen angeboten. Sie laden je nach Positionie- rung zu zurückgezogenen Pausenzeiten oder unübersehbaren Treffpunkten ein. Blick auf das östliche 1&1 Gebäude, Foto: Stadtplanungsamt weitere ProjekteStandBeschreibung Hbf Süd: Westgrund- stück/Schwarzwaldtrio in BearbeitungAuf dem Grundstück ist eine Neubebauung mit einem Hochhaus und einem weiteren circa 5-geschossigen Gebäude im nördlichen Grundstücksteil vorgesehen. Diese sollen gewerbliche Nutzungen, besondere Wohnformen, Parkmöglichkeiten und Handel beinhalten. Hinzu kommt die Sanierung des im Bestand vorhandenen, denkmalgeschützten Wohngebäudes mit Umnutzung zu kulturellen Zwecken. Hbf Süd: Schwarzwald- straße78/Zivildienst- schule PotenzialflächeDie Fläche hat im Grundsatz ein erhebliches Potential als städtebauliche Entwicklungsfläche, ist aber auch von einigen Einschränkungen bezüglich der Erschließung und wegen ihrer teilweisen Bestimmung als ökologische Ausgleichsfläche geprägt. Die gegenwärtig schnell voranschreitende Entwicklung am Hauptbahnhof Süd stärkt die Fläche als Zukunftsoption für ähnliche Nutzungen und ähnliche bauliche Ausformungen. Darstellung aus dem Wettbewerb 2019 bauchplan (München) mit berchtoldkrass (Karlsruhe) und dwd Ingenieur GmbH (Fröhnd) Stadtplanungsamt | 37 Blick auf das neue Gebäudepaar, Foto: Stadtplaungsamt Fautenbruchstraße/Wasserturm An der Ecke Ettlinger Straße/ Fautenbruchstraße wurden neben dem denkmalgeschützten Wasserturm der Neubau eines Hotels und eines Verwaltungs-/Bürogebäudes realisiert. Zuvor war im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung die pla- nungsrechtliche Grundlage in Form eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans geschaffen worden. Die im Bebauungsplan „Hauptbahnhof Süd“ festgesetzte Bau- flucht wurde aufgenommen. Dies führt zu einem Baukörper für die Hotelnutzung, der nördlich des Turms bis zur Ettlinger Straße entlang der Bahntrasse liegt. Der Blick auf den Alten Wasserturm als Industriedenkmal und identitätsstiftendes Bau- werk wird freigehalten. Ein zweiter Gebäudetrakt östlich des Wasserturms beinhaltet ein Büro-/Verwaltungsgebäude ent- lang der Fautenbruchstraße. Die Freiflächengestaltung war Teil der Wettbewerbsaufgabe. Die Planung ordnet die separaten Gebäude mit einer vorge- lagerten Platzfläche an. Die Baumpflanzungen entlang der Fautenbruchstraße können im Erdreich wachsen und sind nicht zum Beispiel nur in Baumbeeten auf Tiefgaragen angeordnet. Büro- und Geschäftshaus KA 3, Foto: Stadtplanungsamt Büro- und Geschäftshaus KA 3 2016 wurde eine Mehrfachbeauftragung beauftragt, deren Siegerentwurf als Grundlage für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan dient, der Ende 2018 rechtskräftig wurde. Das „KA 3“ in der Victor-Gollancz-Straße 1 – 5 bildet den westlichen Abschluss des nördlichen Bahnhofsareals und steht kurz vor der Gesamtfertigstellung. Auf einem durchgehenden Sockelgeschoss sind drei unterschiedlich geformte, mäanderar- tige Hochpunkte angeordnet. Im östlichen Baukörper befindet sich das IntercityHotel, das 2023 eröffnet wurde. Die beiden anderen Hochpunkte sind für Büronutzung vorgesehen. In das Sockelgeschoss wird Gewerbe, unter anderem ein medi- zinisches Unternehmen, einziehen. Die denkmalgeschützte Sandsteinmauer entlang der nordöstlichen Grundstücksgrenze wurde erhalten. Das Gebäude stellt einen gestalterisch hoch- wertigen Stadtbaustein dar, der sich durch die Höfe und die Sichtachsen zwischen den Hochpunkten gelungen mit dem Umfeld vernetzt. weitere ProjekteStandBeschreibung Hbf Nord: Bahnhofvorplatz Nord und Albtalbahnhof in Bearbeitung2009 hatten daher die Verkehrsbetriebe zusammen mit der Stadt einen Wettbewerb zur Neuge- staltung des Platzes ausgelobt. Eine Umsetzung wurde damals aufgrund der Baumaßnahmen zur Kombi-Lösung zurückgestellt. Da sich die Rahmenbedingungen geändert haben, werden derzeit neue Verkehrssimulationen und technische Planungen erarbeitet, welche Grundlage für einen neuen Wettbewerb sein werden. Vorgesehen sind ein neues Fahrradparkhaus, die Herstellung der Barrierefreiheit, eine klimatische Aufwertung und eine attraktive Verbindung zum Albtalbahnhof. Hbf Nord: Bahnhofplatz 12 (ehemals AachenMün- chener) UmgesetztDas ehemalige Gebäude der AachenMünchener wurde 2019 in ein hochwertiges Bürogebäude für Coworking-Spaces, Konferenzräume und Büros umgebaut, was zur Aufwertung des Bahnhofplatzes beiträgt. Die Ziegelfassade blieb weitgehend erhalten. In diesem Zusammenhang wurde beschlos- sen, die planungsrechtliche Situation für den Block Schnetzler-, Bahnhofstraße, Bahnhofplatz, Klosestraße neu zu gestalten. Hbf Nord: Rüppurrer Straße 89/Postareal PotenzialflächeDas Grundstück Rüppurrer Straße 89 befindet sich im Eigentum der Volkswohnung GmbH. Es liegt östlich des Hauptbahnhofs und gehört zu den wenigen Entwicklungsflächen der inneren Stadtteile. Planerisch sind hier größere Dichten und/oder höhere Gebäude denkbar. 38 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Bestehende Quartiere weiterentwickeln Neu errichtetes „Stadtteilzentrum Mühlburg“ mit Bibliothek sowie renovierte Wohnhochhäuser, Foto: Stadtplanungsamt, 2019 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Verdrängungsprozesse Die Aufwertung bestehender Quartiere kann soziale Ver- drängungsprozesse zur Folge haben. Um diese abzuschwä- chen wurden zum Beispiel in Sanierungsgebieten Förder- maßnahmen an Verpflichtungen zur Mietpreisbindungen geknüpft oder die soziale Erhaltungssatzung „Alte Südstadt“ beschlossen. Sparsamer Umgang mit Ressourcen Aufgrund ökologischer aber auch ökonomischer Gründe spielt der sparsame Umgang mit Ressourcen eine immer größere Rolle. Beispiele dafür sind die Wiederverwertung von Materialen (Kreislaufwirtschaft) und die Nutzung grauer Energien (Sanierung statt Abriss). Energetische Sanierung und Klimaneutralität Karlsruhe verfolgt das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2040. Mit dem kommunalen Förderprogramm KlimaBonus unterstützt die Stadt die energetische Sanierung von Altbau- ten. Zudem bietet die Karlsruher Energie- und Klimaschutz- agentur (KEK) Hilfe bei praktischen Fragen an. Mangelnde Akzeptanz in Teilen der Bevölkerung Bauliche Entwicklungen treffen auf zahlreiche, unterschied- lich motivierte Widerstände, die – wenn überhaupt – nur mit viel Kommunikation, guten Argumenten und qualitativ hochwertiger Planung überwunden werden können. In der Innenentwicklung sind die Befindlichkeiten oft noch kleinteili- ger strukturiert als im Außenbereich. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Potenzialstudie innere Entwicklung Die Studie identifiziert Quartiere, die sich zur qualifizierten Innenentwicklung (wie mit Hilfe von Rahmenplänen) eignen. Rahmenplan Klimaanpassung Der Rahmenplan zeigt, wo Karlsruhe künftig von Stadtklima- veränderungen betroffen ist (Hotspots) und stellt Maßnah- men zur Minderung der Auswirkungen dar. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Durch eine innere Entwicklung und Sanierung des Bestands sollen die bestehenden Quartiere weiterentwickelt, neuer Wohnraum geschaffen sowie bestehende Qualitäten stabi- lisiert und aufgewertet werden. Durch die Ermittlung und Lokalisierung von Wohnbaupotenzialen sowie Gebäuden mit Sanierungsbedarf und Verdichtungsmöglichkeiten soll eine Grundlage zur Priorisierung von planerischen Impulsen und unterstützenden Maßnahmen geschaffen werden. Ziele Bestehende Quartiere sollen besonders in ihrem Wohnungs- bestand gesichert und aufgewertet werden, um die lokale Identität zu festigen und das Stadtbild weiterzuentwickeln. Dabei sollen die neuen Wohnflächen und alternative Wohn- formen für alle Lebensphasen und -modelle behutsam in die vorhandenen Baustrukturen integriert werden. Um die Qualität des Wohnumfelds bestehender Nachbarschaften zu verbessern, sollen die Stadtteilfunktionen der Nahversorgung und -mobilität gestärkt werden. Ebenso sind die bauliche Qualität, Anforderungen der Klimaanpassung, die Aufwer- tung bestehender Freiräume und die Integration einer ausrei- chenden Nutzungsvielfalt zu berücksichtigen. Hierfür müssen auch geeignete Prozesse entwickelt und getestet werden. Sicherung und Aufwertung des Wohnungsbestands (Ge- bäudeerneuerung) und des Stadtbilds Behutsame Integration neuer Wohnflächen in die vorhan- dene Baustruktur Integration alternativer Wohnformen (Wohnen für alle Lebensphasen/-modelle) Erhalt und Weiterentwicklung der lokalen Identität und bestehender Nachbarschaften Verbesserung der Wohnumfeldqualität (Freiraum, Mobilität) S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Bestehende Quartiere Stadtplanungsamt | 39 Sanierungsgebiete und Bebauungspläne im Innenbereich seit 2016Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Konzept Höhenentwicklung (2020) Bei baulichen Entwicklungen in die Höhe sind „Mehrwehrte“ für die Stadt oder das Quartier nachzuweisen, zum Beispiel die Entsiegelung und Begrünung ehemaliger Verkehrsflächen oder ein besonders hoher Anteil an Sozialwohnungen. Karlsruher Wohnpotenzialflächenatlas (KaWoPA) Herzstück des Atlas ist eine Datenbank, die lokalisiert, welche Flächen im Stadtgebiet minderbebaut und abweichend ge- nutzt sind oder Möglichkeiten zur Aufstockung bieten. Bebauungspläne Die städtebauliche Entwicklung wird durch Bebauungspläne gesichert. In Karlsruhe liegt der Fokus seit langem auf der Weiterentwicklung bestehender Gebiete. Von 37 Bebauungs- plänen, die in den letzten 15 Jahren Wohnraum geschaffen haben, liegen nur zwei im Außenbereich. Sanierungsgebiete Durch die Festlegung von Sanierungsgebieten kann die Stadt zeitlich begrenzt auf spezielles Städtebaurecht zurückgreifen, um städtebauliche Missstände zu beheben und Quartiere aufzuwerten. Dabei stehen auch Fördergelder für private und öffentliche Projekte zur Verfügung. In Karlsruhe werden derzeit acht Sanierungsgebiete bearbeitet (zum Beispiel „In- nenstadt Ost“ und „Kaiserstraße-West“). Rahmenpläne Bei der Erstellung von Rahmenplänen werden zum Beispiel Entwicklungsmöglichkeiten identifiziert, die als Orientierung für nachfolgende Planungen wie Bebauungspläne dienen. Ein Beispiel hierfür ist der Rahmenplan Nordweststadt, der die Weiterentwicklung eines bestehenden Quartiers unterstützt. Projektentwicklung und Umsetzung Die Volkswohnung agiert als städtische Tochter aktiv – und im Sinne der Allgemeinheit – auf dem Immobilienmarkt. Bis Ende 2026 sollen bis zu 800 Wohnungen fertiggestellt werden, ein großer Teil davon im Bestand. Grundstücksvergabekonzept Wohnen 2021 wurde das „Grundstücksvergabekonzept Wohnen“ zur Vergabe städtischer Flächen für den Geschosswohnungsbau beschlossen. Die wesentlichen Ziele sind, die Bereitstellung von Wohnbauflächen zu vertretbaren Preisen, die Sicherstel- lung und Gewährleistung von städtebaulichen, energetischen sowie sozialen Standards und die Vergabe an ausgewählte bauherrenrechtliche Zusammenschlüsse. Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Grundlagen zur Ermittlung und Lokalisierung von Poten- zialen und Einschätzung der Möglichkeiten wurden mittler- weile geschaffen (unter anderem Konzept Höhenentwick- lung, Karlsruher Wohnpotenzialflächenatlas). Die größte Herausforderung besteht im Weiteren darin, die Eigentümer*innen von Potenzialflächen zu aktivieren. Mög- liche Lösungen könnten in der Weiterentwicklung beste- hender Strategien und der Schaffung ämterübergreifender Strukturen liegen (einhergehend mit der Stärkung und Ver- stärkung entsprechender Verwaltungseinheiten). Ziele Die im Räumlichen Leitbild aufgeführten Ziele werden wei- terhin als aktuell angesehen. Dabei handelt es sich um Dau- eraufgaben, die sukzessive umgesetzt werden. Folgende Leitlinien der „Stadtentwicklungsstrategie 2035 Wohnen und Bauen“ sollte als Ziele aufgenommen werden: Wohnraumangebote sollen zielgruppen- beziehungsweise bedarfsorientiert sein. Für Haushalte mit spezifischen Problemlagen soll bezahlba- rer Wohnraum geschaffen und gesichert werden. Nachhaltigkeitsaspekte nehmen eine zentrale Rolle ein. Weitere Aspekte, die die Ziele ergänzen könnten: „Verbesserung der Wohnumfeldqualität“ um „Barrierefrei- heit“ erweitern. Konzepte des kooperativen Planens und Bauens entwickeln und integrieren (wie Baugruppen, Genossenschaften). 40 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Nancystraße Nachdem der Gemeinderat 2008 die Bebauungspläne für die geplante Wilhelm-Hausenstein-Allee aufgehoben hatte, konnte das ehemalige französische Kasernenareal an der Nan- cystraße zusammen mit der ehemaligen Straßentrasse entwik- kelt werden. Frühere Pläne für Wohnungsbau auf dem Gelän- de hinter den Studentenwohnheimen scheiterten an einer zu geringen Bebauungsdichte. Zwischen 2016 und 2018 wurde in einem Planungsprozess, der verschiedene Szenarien berücksichtigte, ein Rahmenplan mit höherer Bebauungsdichte entwickelt. Dieser wurde 2018 vom Gemeinderat beschlossen. Auf dieser Basis entsteht nun ein Bebauungsplan, der vor der öffentlichen Auslegung steht. Der Städtebau wurde im Laufe des Verfahrens gerinfügig überarbeitet. Zwei offene, annähernd dreieckige Blöcke mit fünf und sechs Vollgeschossen bilden geschützte Innenhöfe und eine städtebauliche Figur, die sich mit dem Umfeld ver- zahnt. Neben Wohnen sind hier beispielsweise auch soziale Nutzungen möglich. Die ehemalige Straßentrasse soll als soge- nanntes „Grünes Rückgrat“ landschaftsplanerisch aufgewertet werden. Insgesamt sollen rund 280 Wohneinheiten geschaffen werden. Rahmenplan Nordweststadt Abbildung: Büro MESS (Kaiserslautern) Rintheimer Feld Das Rintheimer Feld, eine Wohnsiedlung der Volkswohnung, wurde in den 1950er und 1970er Jahren gebaut. Rund 30 Mehrfamilien- und Hochhäuser prägen das 23 Hektar große Viertel mit über 2 000 Bewohner*innen am westlichen Rand von Rintheim. In den 2000er Jahren traten immer mehr städtebauliche und soziale Probleme auf, woraufhin der Gemeinderat einen um- fassenden Sanierungsprozess beschloss. Dafür wurden Förder- mittel bereitgestellt und eingeworben, zum Beispiel aus dem Programm „Soziale Stadt“ von Bund und Land. Seitdem konnte in enger Zusammenarbeit mit der Volkswoh- nung viel bewegt werden: Zuerst wurden die Gebäude mo- dernisiert und energetisch saniert sowie die Freiflächen, Wege sowie die öffentlichen Räume an den Übergängen zu Alt- Rintheim neu gestaltet. Danach folgte die behutsame Erwei- terung und Nachverdichtung der Bebauung. In der Forststraße entstanden Punkt- und Mehrfamilienhäusern mit 114 neuen Wohnungen, dazu ein Supermarkt und ein kleiner Stadtplatz, die ein neues Quartierszentrum bilden. 2023 war Baube- ginn für die Neugestaltung des Staudenplatzes, wo anstelle eines alten Garagenhofs und der in die Jahre gekommenen Ladenzeilen vier Gebäude mit über 100 Wohnungen gebaut werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2025 geplant. Bestandteil der Planungen war der stetige Austausch mit der Anwohnerschaft und Akteuren vor Ort wie zum Beispiel dem Bürgerverein. Die Angebote reichten von Umfragen, Zukunfts- werkstätten, Stadtteilspaziergängen und -konferenzen bis hin zum Sanierungsbüro im Quartier. Zudem wurden Projekte zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts gefördert und etabliert. Entwurf zur ergänzenden Bebauung am Staudenplatz Modellfoto: Volkswohnung Stadtplanungsamt | 41 weitere ProjekteStandBeschreibung Soziale Erhaltungs- satzung „Alte Südstadt“ in KraftAls städtebauliches Instrument gemäß § 172 BauGB soll die Soziale Erhaltungssatzung die Wohn- bevölkerung im Gebiet „Alte Südstadt“ vor Verdrängungsprozessen schützen. Rahmenplan WaldstadtBeschlossenDas Wohnge biet Waldstadt-Waldlage ist geprägt durch eine offene Bebauung, überwie gend Zeilen bau ten auf meist großen Grund stücken mit geringer Ausnutzung. Der städte bau li che Rahmen plan dient als Grundlage für die quali fi zier ten Steuerung der Entwick lung. Teile wurden bereits umgesetzt Rahmenplan Nordweststadt BeschlossenDie Nordwest stadt verfügt über großzügige Straßen- und Freiräume vor allem zwischen den größeren Geschoss woh nungs bau ten. Hier liegen die größten Potenziale für eine behutsame Innen- ent wick lung unter Berück sich ti gung der jeweiligen Typologie. Die Rahmenplanung von 2018 lotet Spielräume, Optionen aber auch Grenzen einer möglichen Weiterentwicklung des Stadtteils aus. Laufende Sanierungsgebiete Eine wesentliche Zielsetzung der laufenden Sanierungsgebiete ist es, bestehenden Wohnraum zu qualifizieren. Einmal im Hin- blick auf die energetische und bautechnische Gebäudesanie- rung sowie im Hinblick auf die Aufwertung und Differenzierung des Wohnraumangebots für unterschiedliche Nutzeransprüche oder Lebensphasen. Insbesondere durch die Neuentwicklung von Flächenpotenzialen wie zum Beispiel der angestrebten Neuordnung des ehem. Postgiroareals in der Innenstadt soll das innerstädtische Wohnen durch die Umsetzung von Wohnraum – auch für kostengünstiges Wohnen – gestärkt werden. In den Sanierungsgebieten gibt es die Möglichkeit, dass Private für eine umfassende Gebäudesanierung Fördermit- tel aus den jeweilig für die Sanierungsgebiete bewilligten Städtbauförderprogramm erhalten. Um hier einen „großen“ Effekt im Hinblick auf die Qualifizierung möglichst vieler Wohneinheiten (aber auch der energetischen Sanierung zur CO 2 -Einsparung) zu erzielen, wurde die Koordination mit den Projekten der Volkswohnung GmbH intensiviert. So konnten in den letzten Jahren unter anderem folgende Gebäudesanierun- gen und Bauprojekte gefördert werden: Wohnhochhäuser in der Weinbrennerstraße, rund 160 Wohneinheiten mit Stadtteilbibliothek sowie Freianlagen („Mühlburg“) Neubau an Forststraße: 114 WE, davon >60% geförderte Wohnungen Neuordnung am Staudenplatz, ca. 120 neue Wohneinheiten, davon >60% geförderte Wohnungen („Rintheimer Feld“) Gebäudesanierungen im Rintheimer Feld, insgesamt ca. 1 000 WE saniert durch VOWO, davon 96 WE bezuschusst durch Städtebauförderprogramm („Rintheimer Feld“) Hildebrandstraße 30, 25 Wohneinheiten („Durlach-Aue“) Wohnhaus Zähringer Straße 74, 60 Wohneinheiten („Innen- stadt Ost“) weitere sind anvisiert (zum Beispiel Blotter-Block/„Stadtein- gang Durlach“, Gebäudekomplexe in Kronen- und Adlerstra- ße/„Innenstadt Ost“) Nicht zuletzt erzielen aber auch einzelne private Maßnahmen – insbesondere in den dörflich geprägten Sanierungsgebieten – große Effekte für die Quartiersentwicklung. Im Fokus der Ge- biete steht immer auch die Identität der jeweiligen Stadtteile zu bewahren und weiterzuentwickeln sowie die Wohnumfeldquali- tät zu verbessern. 20 Durlach-Aue (2014-2023) 21 Grünwettersbach (2015-2024) 22 Alt Knielingen Ortskern (2017-2026) 23 Innenstadt Ost (2018-2027) 24 Grötzingen Ortsmitte (2020-2028) 25 Durlach Stadteingang 26 Gewerbegebiet Grünwinkel (2020-2029) 27 Kaiserstraße-West Übersichtsplan Sanierungsgebiete in Karlsruhe Abbildung: Stadtplanungsamt 42 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Neue Quartiere entwickeln Bauarbeiten zur Erschließung des Gebiets „Zukunft Nord“, Foto: Presse- und Informationsamt, 2024 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Netto Null beim Verbrauch neuer Flächen Im Koalitionsvertrag von 2021 bekräftigt die Landesregie- rung die Netto-Null bis 2035 erreichen zu wollen. Karlsruhe unterstützt dieses Ziel und hat auf die Meldung zusätzlicher Flächen bei der Fortschreibung des Regionalplans verzichtet. Ungünstige Rahmenbedingungen für Wohnungsbau Eine Kombination verschiedener Faktoren wie zum Beispiel schwankende Konjunktur, hohe Baukosten und gestiegene Zinsen hemmt deutschlandweit die Entwicklung neuer Bau- flächen. In Karlsruhe gab es 2023 einen Bauüberhang von 2 672 genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen. Seit langer Zeit stark angespannter Wohnungsmarkt Die Situation hat sich seit 2016 weiter zugespitzt. So ist zum Beispiel die durchschnittliche Miete für Erstbezugswohnungen in Karlsruhe von 2016 bis 2022 um 33 Prozent gestiegen. Nachhaltigkeit Nachhaltige Quartiersentwicklung wurde von der Kann- zur Pflichtaufgabe. Die Stadt Karlsruhe räumt diesen Belangen schon länger eine wichtige Rolle ein. So wurden zum Beispiel die Planungen zu „Zukunft Nord“ nach Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) zertifiziert. „Beschleunigtes Verfahren“ nach § 13b BauGB Nach § 13b BauGB konnten bestimmte Bebauungspläne in das beschleunigte Verfahren einbezogen werden. Diese Rege- lung wurde jedoch 2023 rechtlich gekippt. Davon betroffen ist zum Beispiel die Baufläche „Esslinger Straße“. Rechtliche Erleichterungen zur Aktivierung von Bauland Auf Bundes- und Landesebene wurden und werden recht- liche Erleichterungen für Kommunen zur Aktivierung von Bauland geprüft und zum Teil umgesetzt. Bislang konnte Karlsruhe davon noch nicht im großen Stil profitieren. Mähwiesen und Streuobstwiesen nach Biotopschutz geschützt Mähwiesen und Streuobstwiesen sind seit 2022 als gesetzlich geschützte Biotope anerkannt. Dadurch sind die Anforderun- gen an den Ausgleich gestiegen. Davon betroffen sind zum Beispiel die Bauflächen „Gänsberg“ und „Esslinger Straße“. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die wachsende Einwohnerzahl Karlsruhes macht die Suche nach neuen Bauflächen notwendig. Diese müssen gut er- schlossen sein und gleichzeitig neue Maßstäbe für innovative und lebenswerte Quartiere setzen. Mit Hilfe eines kontinu- ierlichen Flächenmanagements, Modellquartieren und dem Einbezug innovativer Lösungen für Klimaanpassung, Erschlie- ßung, Versorgung und Sozialverträglichkeit sollen attraktive Wohngebiete entstehen. Sie können auch als Beispiel für die Weiterentwicklung der bestehenden Stadtstruktur dienen. Ziele Neue Quartiere sollen in einer ressourcenschonenden Sied- lungsweise in die Umgebung integriert werden, um umlie- gende Quartiere und angrenzende Freiräume aufzuwerten. Die Festlegung auf eine hohe Qualität der Bauten soll dabei helfen, eine Identifikation mit neuen Quartieren zu ermög- lichen und die Akzeptanz der Planung in der Öffentlichkeit zu schaffen. Weitere Aspekte wie die Klimaanpassung, die Belange des Naturschutzes, die integrierte Verkehrsplanung (Umweltverbund) und die wirtschaftliche Auslastung der Infra- struktur neuer Quartiere müssen dabei berücksichtigt werden. Vorhandene Areale im Flächennutzungsplan mobilisieren. Identifikation und Sicherung von zusätzlich 85 Hektar gut erschlossenem Bauland innerhalb der Stadtgrenze Qualität und Baukultur sowie sozialgerechte und durch- mischte Entwicklung sicherstellen und fördern Ausgewogenes Verhältnis von Freiraum und Baumasse, kompakte und dichte Bauweise schaffen Integrierte Verkehrskonzepte und wirtschaftliche Auslas- tung von Infrastruktur im Quartier anstreben Verbesserungen auch für die umliegenden Quartiere ge- währleisten und lokale Identitäten schaffen S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Neue Quartiere Stadtplanungsamt | 43 Geplante Bauflächen zum Schaffen von Wohnraum im Flächennutzungsplan 2030Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Mangel an Ausgleichsflächen Bauliche Eingriffe in den Naturhaushalt müssen durch Aufwertungsmaßnahmen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Suche nach geeigneten und verfügbaren Flächen ist herausfordernd und zeitaufwendig. Schwierigkeiten/Verzögerung bei Gutachten Fachkräftemangel sorgt in laufenden Verfahren vermehrt für Verzögerungen bei extern vergebenen Gutachten. Andauernde Aushandlung: ökologische vs. soziale Belange Bereits in politischen Aushandlungsprozessen beschlossene Flächen des Flächennutzungsplanes 2030 werden bei der Umsetzung wieder auf den Prüfstand gestellt. Mangelnde Akzeptanz in Teilen der Bevölkerung Bauliche Entwicklungen treffen auf zahlreiche, unterschied- lich motivierte Widerstände, die - wenn überhaupt - nur mit viel Kommunikation, guten Argumenten und qualitativ hochwertiger Planung überwunden werden können. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Baurecht für neue Quartiere Derzeit befinden sich zwölf Bebauungspläne für neue Quartiere in verschiedenen Aufstellungsphasen, und sechs in Vorbereitung. Die größten sind „Zukunft Nord“ und „Zentrum III“. Fortschreibung Flächennutzungsplan 2030 Im Flächennutzungsplan 2030 wurden 2021 rund 60 Hektar an Flächen für Wohnen neu ausgewiesen. Das ist bei weitem nicht das, was laut Vorgaben des Landes möglich war. Dafür hat man sich dazu verpflichtet, dichter und vielfältiger zu bauen. Zudem kooperiert man mit Gemeinden im Umland, die über geeignete Flächen verfügen. Stadtentwicklungsstrategie 2035 Wohnen und Bauen 2021 wurde die Stadtentwicklungsstrategie 2035 Wohnen und Bauen beschlossen. Sie enthält Ziele, Leitlinien und Maßnahmen zur kommunalen Wohnraumförderung. Unter anderem wurde beschlossen das Szenario eines „langfristig moderat angespannten Wohnungsmarkts“ zu verfolgen. Ausblick Aktualisierung Beschreibung Neue Bauflächen sind notwendig, weil der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt. Die Einwohnerzahl wächst nur lang- sam, da in den letzten Jahren wenig Wohnraum geschaffen werden konnte. Auch wenn die Anzahl der gefundenen Flächen hinter der Menge an gesuchten Flächen zurückbleibt, ist die Suche nach neuen Bauflächen mit der Fortschreibung des Flächen- nutzungsplans 2030 abgeschlossen. Jetzt liegt der Fokus auf der Umsetzung der geplanten Flächen. Der Themenkomplex „Freiraumgestaltung“ (siehe zum Bei- spiel Vorhaben „Kontur“ und „Freiraumgestaltung“) wird bei der Entwicklung hochwertiger Quartiere immer wichti- ger. Er sollte daher auch in der Auflistung der gewünschten „innovativen Lösungen“ berücksichtigt werden. Ziele Das Ziel „Identifikation und Sicherung von zusätzlich 85 Hektar Bauland innerhalb der Stadtgrenze“ konnte zum Teil erreicht werden und muss somit nicht mehr erwähnt werden. Alle sonst aufgeführten Ziele werden weiterhin als aktuell angesehen. Bei ihnen handelt es sich um Dauerauf- gaben, die sukzessive umgesetzt werden. Folgende Leitlinien der „Stadtentwicklungsstrategie 2035 Wohnen und Bauen“ sollte als Ziele aufgenommen werden: Wohnraumangebote sollen zielgruppen- beziehungsweise bedarfsorientiert sein. Bezahlbarer Wohnraum soll für Haushalte mit spezifischen Problemlagen geschaffen und gesichert werden. Nachhaltigkeitsaspekte nehmen eine zentrale Rolle ein. 44 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs Abbildung: pesch partner architekten und Stadtplaner GmbH (Stuttgart) Projekte Oberer Säuterich Im Süden von Durlach-Aue, soll auf einer Fläche von circa 12,7 Hektar ein neues Wohnquartier für etwa 800 Einwohnende, mit einer Kindertagesstätte, einem Pflegeheim mit 75 Pflege- plätzen und attraktiven Grün- und Gartenräumen entstehen. Auf Grundlage eines konkurrierenden Entwurfsverfahrens (2016/2017) wurde die von einem Beteiligungsprozess beglei- tete (2017/2018) städtebauliche Rahmenplanung erstellt. Die Ergebnisse wurden in den Entwurf eines Bebauunsgplanes überführt. Geplant ist ein durchgrüntes Wohnquartier, mit unterschied- lichen Wohnungstypen und Wohnungsgrößen. Die offene Bauweise ermöglicht gute Durchlüftung und Blickbeziehungen zur angrenzenden Landschaft. Prägende Elemente sind grüne Fugen, die an vorhandene Wege und Grünstrukturen anknüp- fen, Wohnhöfe, die nachbarschaftliche Aufenthaltsqualitäten bieten und ein baumbestandener Quartiersplatz, als einladen- des Entrée zur Anbindung an die bestehende Bebauung von Durlach-Aue. Als nächster Verfahrensschritt des Bebauungsplans ist der Auslegungsbeschluss des Gemeinderates vorgesehen. Neureut – Zentrum III Im Norden von Karlsruhe, im Stadtteil Neureut, soll ein etwa 24 Hektar großes Areal zu einem neuen Wohnquartier mit den benötigten Infrastruktureinrichtungen für bis zu 3 800 Ein- wohnende entwickelt werden. Ziel ist ein qualitätsvolles und lebendiges Stadtquartier mit einem vielfältiges Angebot an Wohnbauflächen. Nach einem ersten Beteiligungsprozess (ab September 2016) und einem Städtebaulichen Wettbewerb (2017/2018) wurde ein städtebaulicher Rahmenplan entwickelt und vom Gemein- derat schließlich am 21. Juli 2020 als Grundlage für die Einlei- tung eines Bebauungsplan-Verfahrens beschlossen. Der Rahmenplan legt eine städtebauliche Struktur fest, die klare, abgegrenzte Siedlungscluster für das Wohnen sowie vernetzte, qualifizierte Grünräume schafft, die mit den angren- zenden Grünzügen und Landschaftsflächen verbunden sind. Ergänzende Infrastruktureinrichtungen bereichern das Quartier und stärken ganz Neureut. Für den Bebauungsplan wurde inzwischen die erste Beteili- gung der Träger öffentlicher Belange und die frühzeitige Bür- gerbeteiligung durchgeführt und ein erster Vorentwurf erstellt. Die erforderlichen Umweltgutachten werden derzeit erarbeitet, und die gewonnenen Erkenntnisse sowie Anregungen aus der Bürgerbeteiligung fließen in den Bebauungsplan-Entwurf ein. Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs Abbildung: K9 ARCHITEKTEN (Freiburg) Stadtplanungsamt | 45 Bebauungsplan „Westlich der Erzbergerstraße zwischen New-York-Straße und Lilienthalstraße“ Abbildung: Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Zukunft Nord Für das 27,4 Hektar umfassende Areal zwischen der Erzberger Straße und dem Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ in der Nordstadt wurde Ende des Jahres 2022 der Bebauungs- plan „Westlich der Erzbergerstraße zwischen New-York-Straße und Lilienthalstraße“ rechtskräftig. Auftakt der Planung des neuen Quartiers für circa 3 600 Ein- wohnende war 2015 der städtebauliche Ideenwettbewerb „Zukunft Nord“, deren Preisträger 2016 den Rahmenplan als Grundlage für die weitere Ausgestaltung des neuen Stadtteils entwickelten. Städtebauliche Verträge mit den Eigentümer*innen bilden in Zusammenhang mit der Erstellung eines umfangreichen Gestaltungshandbuchs die Grundlage einer umfassenden Qualitätssicherung im Quartier. Es soll ein breites Angebot an Wohnraum, insbesondere auch im bezahlbaren Segment, sowie Infrastruktur für den Stadtteil, insbesondere Nahversor- gung, geschaffen werden. Auf den städtischen Grundstücken wird Platz für alternative Wohnformen geschaffen. Zudem soll die Planung dem Aspekt der Nachhaltigkeit in besonderem Maße gerecht werden und als Modell für weitere Quarties- entwicklungen in der Stadt dienen. Weitere Ziele sind die Schaffung hochwertiger öffentlicher Räume, ein differenziertes Angebot an privaten Freiräumen, ein nachhaltiges Energie- und Entwässerungskonzept sowie die Förderung von innovati- ven Mobilitätsangeboten. Konkurrierende Verfahren für einzelne Baufelder wurden be- reits 2023 ausgelobt; auch die Gestaltungskommission zur Beratung geplanter Vorhaben hat bereits mehrfach getagt. Der erste Teilumlegungsplan ist Ende des Jahres 2023 in Kraft getreten. Erste Bauanträge für den nördlichen Abschnitt des Bebauungsplangebietes werden noch 2024 erwartet. Es ist vorgesehen, in den Prozess der Konzeptvergabe für Baugrup- pen Ende des Jahres 2024 einzusteigen. weitere ProjekteStandBeschreibung Esslinger Straßeim VerfahrenAn den bisher einseitig bebauten Straßen Esslinger Straße und Heidenheimer Straße in Grünwet- tersbach soll ein neues Wohnquartier mit 160 Wohneinheiten für circa 400 Einwohner*innen ent- stehen. Die Offenlage des Projektes fand im April 2023 statt. Durch den notwendigen Wechsel der Verfahrensart (Aufhebung des § 13b BauGB) steht das Projekt derzeit vor der erneuten Offenlage. Gänsbergin BearbeitungMit 8,6 Hektar ist der Gänsberg die drittgrößte Karlsruher Wohnbaufläche im Flächennutzungsplan 2030. Sie grenzt direkt an das Zentrum von Stupferich und bietet die Möglichkeit zur Neuge- staltung einer attraktiven und zeitgemäßen Ortsmitte. Im Juli 2021 beauftragte der Planungs- ausschuss die Verwaltung damit, die Fläche baulich zu entwickeln. Herausfordernd ist hierbei die Suche nach geeigneten Ausgleichsflächen für den Eingriff in Natur und Landschaft. August-Klingler-Arealin UmsetzungDie VOLKSWOHNUNG GmbH errichtet seit 2020 auf ehemaligen Sportflächen (circa 4 ha) in Dax- landen knapp 360 Wohnungen sowie sonstige Nutzungen wie eine Kita. General-Kammhuber- Kaserne in BearbeitungDas etwa 10 Hektar große Gelände der General-Kammhuber-Kaserne wurde nach der militärischen Nutzung Anfang der 2000er Jahre teilweise zivil genutzt, während andere Bereiche brachlagen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) plant nun eine langfristige Entwicklung des Geländes, um Bundesbehörden unterzubringen und Wohnraum zu schaffen. 2022 fand ein städ- tebaulicher Wettbewerb statt, dessen Siegerentwurf die Grundlage für den Bebauungsplan bildet. Geplant sind fünf- bis sechsgeschossige Gebäude, mit städtebaulichen Akzenten und einer Frei- raumgestaltung, die hohe Aufenthaltsqualität bietet. 46 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Klimaanpassung im Quartier umsetzen Wassersensible Stadtgestaltung: Versickerungsmulde mit Spielplatz in Knielingen, Foto: Cyclomedia, 2023 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Klimawandel Gestiegene Temperaturen und veränderte Niederschlagsmen- gen sind bereits heute gut spürbar, die Notwendigkeit für eine Anpassung ist im Bewusstsein von Politik und Bevölke- rung und in der Planungspraxis angekommen. Corona-Pandemie (2020 bis ~2022) Während der Pandemie kam es zu einem starken Nutzungs- anstieg und zu einer neuen Wertschätzung der öffentlichen Grünflächen. Bundes-Klimaanpassungsgesetz (2024) Das Gesetz weist die Länder an, dafür zu sorgen, dass alle Kommunen Klimaanpassungskonzepte vorweisen können. Die konkrete Umsetzung durch das Land Baden-Württem- berg steht noch aus. Es wird davon ausgegangen, dass be- stehende Konzepte (in Karlsruhe: Klimaanpassungsstrategie) ihre Gültigkeit bewahren. Dreifache Innenentwicklung Das Leitbild der „Dreifachen Innenenwicklung“ setzt sich bei Planungen durch: Im Rahmen von Bebauungsplan-Vorhaben wird neben einer baulichen Nachverdichtung regelmäßig der öffentliche Raum aufgewertet oder neue Freiräume angelegt, auch durch eine Neuordnung der Verkehrsflächen. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Konzept Höhenentwicklung (2020) Das Konzept formuliert ein Vorgehen, um die Zulässigkeit von hohen Gebäuden an die Schaffung von Mehrwerten für die Allgemeinheit zu koppeln. Eine Verbesserung des Stadtklimas durch Flächenentsiegelung, extensive Dachbe- grünung oder sonstige klimawirksame Maßnahmen kann als Argumentation für eine von der Regelbauweise abweichende Bauhöhe angebracht werden. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Als Grundlage für „Coole Quartiere“ in Karlsruhe zeigt der vom Gemeinderat beschlossene „Städtebauliche Rahmen- plan Klimaanpassung“ die notwendigen Handlungsoptionen auf. Er zeigt Maßnahmen gegen Überhitzung in den Quar- tieren, ein übergeordnetes Entlastungssystem und Potenziale für eine klimagerechte Bebauung und Freiflächenentwick- lungen auf. Diese Maßnahmen sollen beispielhaft umgesetzt werden, um die Klimaanpassung in der Planungskultur der Stadt wie auch in der Lebensweise ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu verankern. Ziele Nachhaltige Grundsätze zur Klimaanpassung müssen in die tägliche Planungspraxis übergehen. Ein wesentlicher Bau- stein für die erfolgreiche Integration der Klimaanpassung ist die Qualifizierung des öffentlichen Freiraums im Stadtgebiet. Ein Portfolio aus konkreten Handlungsoptionen, Modell- projekten und eine intensive Beteiligungskultur soll die Akzeptanz sowie den politischen Rückhalt für notwendige Maßnahmen stärken. Schrittweise Integration der Klimaanpassung in Planungs- recht und Planungspraxis Öffentliche Räume klimatisch aufwerten (Verschattung, Verdunstung fördern, Aufheizung mindern) Lösungen für kontroverse Problemlagen entwickeln (Leitun- gen, ruhender Verkehr, ...) Aspekte der Klimaanpassung mit Maßnahmen zur Nachver- dichtung abwägen Karten mit Verortung des Vorhabens und relevantem Kontext S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Klimaanpassung Stadtplanungsamt | 47 Grünflächen und ausgewählte klimawirksame Maßnahmen im bebauten Stadtgebiet Landschaftsplan (2021) Das Planwerk zeigt auf großem Maßstab Maßnahmen auf, die bei der Erstellung von Bebauungsplänen beachtet werden sollten, darunter erstmals „Verbesserung der klimatischen Bedingungen“ in besonders durch Hitze betroffenen Wohngebieten. Klimaanpassungsstrategie (erste Fortschreibung 2021) Die Fortschreibung der Klimaanpassungsstrategie gibt einen aktualisierten Überblick über die Handlungsfelder und Details zu allen Maßnahmen. Der Monitoringbericht aus dem Jahr 2023 dokumentiert neben der Entwicklung des Klimawandels und seinen Auswirkungen den aktuellen Umsetzungsstand der Anpassungsmaßnahmen. Öffentlichkeitsarbeit Über das „Förderprogramm zur Begrünung von Dächern, Fassaden und versiegelten Freiflächen“ werden Eigentümerin- nen und Eigentümer beraten und finanziell dabei unterstützt, Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Zusätzlich bietet die Stadt Informationsbroschüren zu Begrünungsthemen an, die online und als Faltblätter zur Verfügung stehen. Bebauungspläne zu Grünordnung und Klimaanpassung (seit 2024) Es werden zusätzliche Bebauungspläne (Arbeitstitel: „Grün- satzungen“) aufgestellt, die die Inhalte bereits geltender Bebauungsplänen ergänzen. Ihre Ziele sind, vorhandenes Grün zu sichern, weiterzuentwickeln und neue Flächen zu begrünen sowie eine klimaangepasste Umgestaltung des Bestandes in Hinblick auf die Regenwasserbewirtschaftung zu erreichen. Der Bestand wird dabei berücksichtigt (Bestands- schutz), somit erfolgt eine zusätzliche Begrünung sukzessiv bei Neu- oder Umbauten. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung ist nicht mehr aktuell, das Thema selbst jedoch aktueller als je zuvor. Maßnahmen zur Klimaanpas- sung sind mittlerweile Bestandteil jeder städtebaulichen Planung, die Umsetzung ist in Karlsruhe bereits weit über das „beispielhafte“ hinausgegangen. Der Rahmenplan Klimaanpassung, aber auch die mittlerweile fortgeschriebene Klimaanpassungsstrategie zeigen eine Viel- zahl von Handlungsmöglichkeiten auf. Das Vorhaben beschränkt sich auf die Anpassung an Hitze. Die Anpassung an Dürre und Starkregenereignisse sollte zukünftig unbedingt in die Beschreibung einfließen. Ziele Einige der konkret benannten Ziele bestehen weiter be- ziehungsweise sind Daueraufgaben, die meist im Einzelfall betrachtet werden müssen (beispielsweise Lösungen für Baumstandorte im Straßenraum). Die Anpassung an Dürren und Starkregenereignisse und die Entwicklung einer wassersensiblen Stadt sollte als Ziel auf- genommen werden. Ein Starkregenrisikomanagement mit Handlungskonzept wird momentan durch die Stadt erstellt. Ebenfalls wird vorgeschlagen, den Begriff der „dreifachen Innenentwicklung“ – bauliche Nachverdichtung bei gleich- zeitiger Aufwertung des Freiraums und Neuordnung der Verkehrs- und Mobilitätsflächen – als Ziel für Karlsruhe auf- zunehmen. Dies entspricht bereits dem Planungsalltag. Die Abwägung, welcher Belang wie hoch zu gewichten ist, muss dabei Projekt für Projekt unter Abwägung aller Belange im Einzelfall entschieden werden. 48 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte „Grünsatzung“ für Innenstadt Die schrittweise Integration von Maßnahmen gegen Über- hitzung in Planungsrecht erfolgt über Bebauungspläne, die auch den Arbeitstitel „Grünsatzung“ tragen. Der Geltungsbe- reich des ersten Bebauungsplans aus dem Jahr 2024 umfasst die sogenannten „Hot-Spot-Gebiete“ Innenstadt-West und Innenstadt-Ost. Ziel des Bebauungsplans ist die Sicherung, Entwicklung und Vermehrung von Grün sowie eine klimaan- gepasste Umgestaltung des Bestands in Hinblick auf die Re- genwasserbewirtschaftung. Dabei legen sich die Festsetzungen wie ein „Grüner Layer“ flächendeckend über die bestehenden Bebauungspläne. Die Eigentümer werden verpflichtet, auch die Freiflächen ihres Grundstücks zu betrachten. Sie sollen vorhandenes Grün sichern, neue Pflanzflächen mit Bäumen und Sträuchern anle- gen, die Befestigung des Grundstückes auf ein erforderliches Mindestmaß reduzieren und mit Tiefgaragen unterbaute Flächen sowie Fassaden und Dächer begrünen. Über diese Maßnahmen soll eine Kühlung durch Verdunstung von Boden und Pflanzen und durch Verschattung erreicht, der Regenwas- serrückhalt verbessert und insgesamt eine Reduzierung der Wärmebelastung erzielt werden. Die Festsetzungen führen nicht zu einer sofortigen Umset- zungspflicht im Bestand, sondern greifen bei Neubauvorhaben und bodenrechtlich relevanten Änderungen im Plangebiet. Dem einzelnen Eigentümer wird damit ein vertretbarer Auf- wand für die im Gesamtinteresse liegende Aufgabe auferlegt. Im Hinblick auf die Ausweitung der „Grünsatzung“ unter- sucht die Verwaltung aktuell das Stadtgebiet. Auf vorhandene Stadtstrukturen abgestimmt werden passende Regelungen zur Grünordnung und Klimaanpassung entwickelt. Beispiel eines gut durchgrünten Hinterhofs in der Weststadt, Foto: Gartenbauamt „Zentrum III“ Das circa 24 Hektar große Areal „Neureut-Zentrum III“ soll zu einem neuen Wohngebiet entwickelt werden. Grundlage ist der aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervorgegan- gene Siegerentwurf des Büros pesch partner architekten und stadtplaner GmbH (Stuttgart) in Arbeitsgemeinschaft mit Büro Helleckes Landschaftsarchitektur (Karlsruhe). Ein besonderer Fokus liegt auf den Freiflächen des Plangebiets. Die einzelnen Siedlungskörper werden direkt an Grün- und Freiflächen angebunden. Die Neureuter Feldflur wird als offene Landschaft zwischen Tiefgestade und Hardtwald sowie als Teil der großen Nord-Süd-Achse in Verlängerung des alten Flug- platzes zu einer hochwertigen inneren Landschaft weiter qua- lifiziert. Das innere Grünsystem nimmt bestehende Grünzüge auf, verbindet sie miteinander und sichert damit auch vorhan- dene Kaltluftbahnen. Um die Verdunstung zu fördern und die Aufheizung innerhalb des Quartiers zu mindern, sind die Wohngebäude um große, begrünte Innenhöfe gruppiert. Ebenso wie die (im gesamten Quartier) begrünten Flachdächer dienen diese der Regenwas- serrückhaltung und der Versickerung. Zusätzliche Pocket-Parks und reduzierte Erschließungsflächen tragen zur Klimaanpas- sung bei. Städtebaulicher Rahmenplan „Neureut-Zentrum III“, Entwässerungskonzept, pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Stadtplanungsamt | 49 Konversion Knielingen Die Konversion der ehemaligen US-Kaserne in Knielingen in ein neues Quartier mit Wohn-, Misch-, Gewerbe- und Sonderbauflächen wurde auf Grundlage eines Wettbewerbs (2003) und dem darauf aufbauenden Bebauungsplan (2009) umgesetzt. Nach zwei Anpassungen in zwei Teilbereichen des Bebauungsplans (2015 und 2017) ist das Gebiet nun nahezu vollständig bebaut. Die schon damals angedachten und in der Planung verankerten Klimaanpassungsmaßnahmen konnten seither vollständig umgesetzt werden: Das gesamte Regenwasser des Wohngebietes wird in die zen- trale Grünfläche/Versickerungsmulde geleitet, die das Gebiet von Südwest nach Nordost durchzieht. Gleichzeitig dient diese großzügige Grünfläche als Spiel- und Erholungsfläche sowie zur Abkühlung der angrenzenden Flächen. Darüber hinaus wurden Begrünungs- und Baumpflanzgebote sowie Dachbe- grünungen im Bebauungsplan festgesetzt und sind mittlerwei- le so auch umgesetzt. Luftbild der zentralen Grünfläche/Versickerungsmulde im Quartier, Foto: Liegenschaftsamt, 2022 Weitere ProjekteStatusBeschreibung Sanierungsgebiete Innenstadt Ost und Kaiserstraße-West in UmsetzungIn den beiden städtebaulichen Sanierungsgebieten wurde eine Vielzahl an Maßnahmen definiert, die auf eine klimatische Aufwertung abzielen oder diese zumindest zur Folge haben: Wasserspiel auf dem Marktplatz (Verdunstungskühlung), Pflasterung mit hoher Oberflächenalbedo (Reflexion von Sonnenlicht), Baumneupflanzungen (Verdunstungskühlung und Verschattung), Entsiegelung und Begrünung von Höfen (Verdunstungskühlung und Versickerung von Regenwasser)... Green GROWnershipFertiggestelltIm Projekt „Green GROWnership – rechtliche, planerische und motivierende Instrumente für mehr privates Grün“ wurde in Zusammenarbeit mit Studierenden der RPTU Kaiserslautern eine dreiteili- ge Strategie erarbeitet, um Grün im privaten Eigentum zu erhalten und neu zu schaffen (rechtliche Instrumente aus dem Baugesetzbuch zur Sicherung privaten Grüns, Leitlinien für textliche Festset- zungen in Bebauungsplänen, Kommunikationsstrategie). Das Projekt wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung gefördert. Förderprogramm zur Begrünung von Dächern, Fassaden und versiegel- ten Freiflächen BeschlossenDas seit über 35 Jahren bestehende städtische Förderprogramm wurde 2022 überarbeitet, finanzi- ell aufgestockt und der Geltungsbereich auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Die Förderung umfasst kostenlose Beratun gen für Anwesen im gesamten Stadt ge biet und finan zi el le Un ter stüt- zung. Auch die Umgestaltung von Schottergärten wurde in die förderfähigen Maßnahmen aufge- nommen. Bahnhofplatz SüdFertiggestelltDer südliche Bahnhofsvorplatz stellt einen grün geprägten Auftakt und klimafitten, urbanen Treff- punkt für das in der Entwicklung befindliche Quartier dar. Zwischen den beiden Neubauten wird im Besonderen der räumlichen und mikroklimatischen Situation Rechnung getragen: ein Klimahain bremst Fallwinde und spendet Schatten, ein Wasserfeld mildert auftretende Hitzespots. Die Bäume sind künstlich bewässert und mit einem optimalen Substrat für den Anwachsprozess am extremen Standort vorgerüstet. Zukunft Nordin UmsetzungDie unversiegelten Freiflächen im Plangebiet sind zusammen mit dem Schutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ für das Stadtklima von wichtiger Bedeutung. Die gute Durchgrünung des Plangebiets in Form von begrünten Dächern, Tiefgaragen und Fassaden schafft Möglichkeiten der nächtlichen Abkühlung. Neben einer CO 2 - reduzierten Energieversorgung wird auch ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser angestrebt. Regenwasser wird über dezentrale Mulden wie auch die beiden Landschaftsfenster versickert. Bernhardusplatzin UmsetzungMit zwei großzügig bemessenen Grüninseln, einem neuen Wasserspiel und knapp 30 Baumneu- pflanzungen wird der Platz zukünftig klimaoptimiert gestaltet und zur Verschattung und Kühlung des bisher stark versiegelten Durlacher Tors beitragen. Damit folgt die Gestaltung den Empfeh- lungen des städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpassung, der den Platz als Potenzialfläche aus- weist. Die Umbaumaßnahmen werden voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen sein. 50 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhandene Gewerbegebiete optimieren Straßenraum im Gewerbegebiet „An der Roßweid“, Foto: Cyclomedia, 2023 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Zunahme des Dienstleistungssektors Die Zahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor nimmt weiter zu und liegt mittlerweile in Deutschland bei über 73 Prozent. Besonders stark wachsen wissensintensive Dienstleis- tungen, insbesondere IT. Arbeitskräftemangel Arbeitskräftemangel führt volkswirtschaftlich zu Wohlstands- verlusten und auf Ebene der Betriebe zu Umsatzeinbußen. Das Arbeitsumfeld – Begrünung, Erreichbarkeit (ÖPNV), umgebende Infrastruktur – gewinnt für Unternehmen als Standortfaktor an Bedeutung. Künstliche Intelligenz Die Entwicklung befindet sich noch am Anfang. Es wird erwartet, dass in vielen Branchen deutliche Effizienzsteige- rungen möglich sind. Welche Auswirkungen KI auf Unter- nehmen und den Arbeitsmarkt haben werden, ist momentan noch nicht abzusehen. Homeoffice Die Corona-Pandemie hat nachhaltig dazu geführt, dass bürofreies Arbeiten zum festen Bestandteil des Arbeitslebens wurde. Dies hat in einigen europäischen Städten zu einem Leerstand von Büroflächen geführt. In Karlsruhe ist ein Trend momentan nicht erkennbar. Klimawandel Die Notwendigkeit für eine Anpassung ist im Bewusstsein der Gewerbetreibenden angekommen. Einer Anpassung (bei- spielsweise durch Entsiegelung von Verkehrsflächen) stehen jedoch häufig praktische Belange (Rangierfläche für Lkw) sowie finanzielle Interessen entgegen. Förder- und Informati- onsprogramme sind noch nicht ausreichend vorhanden. Netto Null beim Verbrauch neuer Flächen Im Koalitionsvertrag von 2021 bekräftigt die Landesregierung die Netto-Null bis 2035 erreichen zu wollen. Karlsruhe unter- stützt dieses Ziel und hat zum Beispiel auf die Meldung neuer Flächen bei der Fortschreibung des Regionalplans verzichtet. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die Gewerbegebiete in Karlsruhe müssen nach innen wach- sen. Beispielhaft können Masterkonzepte Möglichkeiten darstellen, wie mit den vorhandenen Flächen attraktive Standorte für bestehende und neue Wirtschaftsbetriebe geschaffen werden können. Dabei sollen die Eigentüme- rinnen und Eigentümer sowie Nutzerinnen und Nutzer im Quartier sensibilisiert werden. Gleichzeitig sollen Modelle für eine verdichtete Bauweise von Produktionsbetrieben und der überbetrieblichen Kooperation erprobt werden. Ziele Nach einer Priorisierung der zu entwickelnden Gewerbege- biete sollen Verdichtungs- und Transformationsstrategien erkundet werden. Sie sollen die Vernetzung von Einrichtun- gen in den Quartieren verbessern und die Nutzerinnen und Nutzer sowie Eigentümerinnen und Eigentümer zur Koope- ration ermutigen. Dadurch sollen attraktive Standorte für zukunftsweisende Unternehmen geschaffen werden. Außer- dem sollen die Herausforderungen der Integration von Ver- dichtungs- und Klimaanpassungszielen behandelt werden. Verdichtungs- und Transformationsstrategien erkunden Attraktive Adressen für Unternehmen schaffen Vernetzung von Einrichtungen im Quartier und Vernetzung mit anderen Quartieren verbessern Nutzer sensibilisieren und zur Kooperation ermuntern Karten mit Verortung des Vorhabens und relevantem Kontext S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Gewerbegebiete Stadtplanungsamt | 51 Gewerbegebiete und gewerblich geprägte Stadtbereiche Steigerung des Schienengüterverkehrs Ein Ziel der Bundesregierung ist es, zukünftig vermehrt Güter über die Schiene anstatt mit dem Lkw zu transportieren. Investitionen in die Schieneninfrastruktur wurden deutlich erhöht. Karlsruhe unterstützt das Ziel. Ein Ergebnis aus den Überlegungen zum „Metropolkonzept“ ist es, die Karlsruher Gewerbegebiete (wieder) an die Schiene anzubinden. Energieversorgung Stark gestiegene Energiepreise führen vor allem beim produzierenden Gewerbe zur Nachfrage nach alternativen, günstigen Energiequellen. Der weitere Ausbau Erneuerbarer Energien und die Möglichkeit diese zu speichern ist ein Kern- element für die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Für einzelne Wirtschaftszweige (Energieerzeugung/ produzierendes Ge- werbe), die nicht elektrifiziert werden können, ist Wasserstoff ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Flächennutzungsplan 2030 (2021) Im Prozess der Fortschreibung des Flächennutzungsplans (FNP) wurden deutlich weniger Gewerbeflächen neu darge- stellt als möglich gewesen wären. Zum Teil wurden sogar be- stehende Gewerbeflächen aus dem Plan herausgenommen. Konzept Höhenentwicklung (2020) Das Konzept sieht in Gewerbe-/Industriegebieten eine Höhe- nenwicklung bis zu 36 Metern als relativ unproblematisch an. Zu realisierende „Mehrwehrte“ können zum Beispiel durch eine Entsiegelung und Begrünung oder ein innovatives Raum- programm (zum Beispiel Stapelung von Nutzungen) nachge- wiesen werden. Innenentwicklung Die Stadt Karlsruhe setzt verstärkt auf die Innenentwicklung von Gewerbegebieten (siehe Projekt „StrIGeni“). Gewerbeflächengutachten (2021) Die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken überschreitet das Angebot bei weitem. Die Studie wies ein Defizit von knapp 39 Hektar Gewerbeflächen nach – selbst nach Entwicklung aller noch unbebauter Flächen im FNP und aller nach bishe- rigem Baurecht möglichen Innenentwicklungspotenzialen in vorhandenen Gewerbeflächen. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Der Begriff „Masterkonzepte“ führt leicht zu Missverständ- nissen und sollte ersetzt werden. Konzepte müssen spezi- fisch auf Quartiere zugeschnitten entwickelt werden. Eine Sensibilisierung der Stakeholder erfolgt Quartier für Quartier im Rahmen von StrIGeni (siehe Projekte). Ziele Konkrete Ziele sollten klarer benannt werden: Adressbildung und Aufwertung, Schaffung von Freiraumqualität Durchgrünung und Einbindung in die Landschaft Klimaneutrale Energieversorgung Klimaanpassung Eine intensive Betreuung aller relevanten Gewerbegebiete ist mit den vorhandenen personellen Ressourcen nicht in der gewünschten Zeit zu bewältigen. Die intensive Betreu- ung von Gewerbegebieten ist eine Daueraufgabe, für die entsprechende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen. Derzeit werden schwerpunktmäßig einzelne Ge- werbegebiete betreut, was durch gezielte Grundstückskäufe ganz erheblich unterstützt wird. Der Grundstückserwerb sowie die Fluktuation in bestehen- den Gewerbegebieten erschwert die „Priorisierung der zu entwickelnden Gewerbegebiete“. WestBahnHUB Westbahnhof Alte Tabakfabrik Areal Birkenweg B-Plan westlich der Hardeckstraße Lückenschluss Radwege 52 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Gewerbegebiet Grünwinkel Auf Grundlage des im Projekt REGEKO erstellten Masterplans (2015) wurde der städtebauliche Rahmenplan Grünwinkel ent- wickelt und 2018 veröffentlicht. Der Rahmenplan entwirft die Vision eines dichten, multifunktionalen Gewerbegebiets, das in die Höhe wächst und dabei gleichzeitig Flächen entsiegelt, eine hohe Aufenthaltsqualität schafft und die Vernetzung und Erreichbarkeit für den Fuß- und Radverkehr verbessert. Der Rahmenplan konzentriert sich ausschließlich auf die gewerbli- chen Flächen in Grünwinkel. Entsprechend ihrer bestehenden Struktur werden für vier unterschiedliche Bereiche spezifische Dichten und Nutzungen vorgeschlagen. Aufbauend auf dem Rahmenplan wurde 2020 ein Sanierungs- gebiet festgesetzt, welches als Grundlage für die Planung und Umsetzung konkreter Projekte und Maßnahmen dient. Momentan laufende Projekte (Auswahl): Bebauungsplan „westlich der Hardeckstraße“ Mit dem Bebauungsplan wird der rechtliche Rahmen für eine Steigerung der Bauhöhe und einen höheren Grünanteil geschaffen. Er soll 2025 in die Offenlage gehen. WestBahnHUB Mit dem Projekt wird die im Rahmenplan vorgeschlagene „Neue Mitte“ realisiert und der Vorplatz des Westbahnhofs zu einem Stadteingang für Pendelnde umgestaltet. Umnutzung von erworbenen Gewerbeflächen Die „Alte Tabakfabrik“ wird aufwendig saniert und soll zukünftig verschiedenste kleinteilige Gewerbe- und Kulturbe- triebe unterbringen. Die Gebäude auf dem „Areal Birken- weg“ werden abgebrochen und das Gelände einer neuen gewerblichen Nutzung zugeführt. Die im städtebaulichen Rahmenplan vorgeschlagenen Ring- straßen, neuen Brücken über die Gleise sowie die Südtangente und weitere Straßenverbindungen wurden neu bewertet und zunächst zurückgestellt. Städtebaulicher Rahmenplan Grünwinkel, Grafik: berchtoldkrass space&options Technologiepark Karlsruhe, Luftbild: Liegenschaftsamt, 2022 Aktuelle Projekte im Gewerbegebiet Grünwinkel, Luftbild: Liegenschaftsamt Technologiepark Der etwa 31 Hektar große Technologiepark (TKP) bildet die letzte zusammenhängende Fläche für großflächige Neuansied- lungen von Firmen im Technologiesektor. Innerhalb des Ge- bietes sind Unternehmen hauptsächlich aus den Bereichen IT, Technologie und dem High-Tech Sektor ansässig, davon sehr viele international tätige Unternehmen. Haupteigentümerin der unbebauten Flächen ist die Stadt Karlsruhe. Mit dem Rahmenplan „Technologiepark Karlsruhe Reload“ (2016) wurde in enger Abstimmung mit den derzeitigen Nut- zern die Konzeption für den Technologiepark Karlsruhe von 1993 überarbeitet, um den heutigen und zukünftigen Bedürf- nissen gerecht zu werden. Der Bebauungsplan (2019) setzt die bisherige Konzeption für hochwertiges Gewerbe im Techno- logiepark fort, lässt aber ein höheres Maß an baulicher Dichte und Höhe zu. Der Bebauungsplan soll größere Flexibilität er- möglichen, ohne den hohen Gestaltungsanspruch aufzugeben, welcher prägend für den Technologiepark ist. Stadtplanungsamt | 53 An der Roßweid Im ersten Schwerpunktgewerbegebiet „An der Roßweid“ kontaktierte das StrIGeni-Team als Erstes relevante Schlüssel- akteure. Zahlreiche persönliche Gespräche mit den beteiligten Unternehmen lieferten wertvolle Impulse aus dem Gebiet. Dabei konnten wichtige Denkanstöße zur Weiterentwicklung der Flächen – auch in die dritte Dimension – sowie zur grund- sätzlichen Verbesserung des Gebiets platziert werden. StrIGeni, Auftaktveranstaltung mit Gewerbetreibenden des Gebiets „An der Roßweid“, Foto: Stadtplanungsamt, 2024 Weitere ProjekteStatusBeschreibung ehemaliges BMD-Gelände in BearbeitungDas Gelände der ehemaligen Badischen Maschinenfabrik Durlach (BMD) am westlichen Stadtein- gang von Durlach soll einer neuen gemischten Nutzung zugeführt werden. Um einen lebendigen, vielschichtigen öffentlichen Raum zu generieren, wird für das Areal ein breites Nutzerprofil ange- strebt. Hierzu zählen kleinteilige Gewerbenutzungen, Gastronomie und Einzelhandel. Im Bereich des Wohnungsbaus bildet ein vielfältiges Angebot unterschiedlicher Wohnungen einen breiten gesellschaftlichen Querschnitt ab. Durch die gemischte Anordnung sowohl frei finanzierter als auch geförderter Wohnungen soll eine soziale Durchmischung erreicht werden. Um die wirtschaftliche Dynamik des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe zu erhalten und einer klima- und ressourcenscho- nenden Stadtentwicklung Rechnung zu tragen, setzt die Stadt Karlsruhe mit dem Projekt „Strategische Innenentwicklung von Gewerbegebieten – nachhaltig und innovativ“ (StrIGeni) in- nerhalb des Korridorthemas „Wirtschafts- und Wissenschafts- stadt“ verstärkt auf die Revitalisierung von Gewerbegebieten. Seit seiner Gründung 2020 verfolgt das Team StrIGeni diese Aufgabe als dezernats- und ämterübergreifende Projektgruppe (Stadtplanungsamt, Umwelt- und Arbeitsschutz, Wirtschafts- förderung). In direkter Ansprache der ansässigen Unterneh- men wie auch der Grundstückseigentümer*innen, versucht das Team sowohl zur intensiveren Ausnutzung der Grundstük- ke als auch zu verstärkten Klimaschutz- sowie Klimaanpas- sungsmaßnahmen zu motivieren. Das Team übernimmt hierbei innerhalb der Verwaltung eine Schnittstellenfunktion. Es informiert über Förder- und Unter- stützungsmöglichkeiten, um Gewerbetreibende bei der Umset- zung ihrer Vorhaben zu unterstützen. Neben dem übergeordneten Ziel, die Stadt Karlsruhe als innovativen und wirtschaftlich wachsenden Standort weiter- zuentwickeln, stehen Entwicklungskonzepte für alle Gewerbe- gebiete auf der Agenda. Zu sämtlichen Gewerbegebieten in Karlsruhe wurden detaillierte Steckbriefe erstellt, um die Flä- chenpotenziale zu ermitteln. Durch eine Luftbildanalyse konn- ten unbebaute oder untergenutzte Flächen sowie Parkplätze innerhalb der Gewerbegebiete identifiziert werden. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu den Themen Stapeln und Bauen, Klimaanpassung und -schutz sowie Mobilität und Fachkräftemangel, wurde gemeinsam mit den ansässigen Un- ternehmen das Ziel eines zukunftsfähigen Gewerbequartiers mit hoher Aufenthaltsqualität erarbeitet und Impulse zum weiteren Vorgehen vor Ort aufgenommen. Strategische Innenentwicklung von Gewerbegebieten (StrIGeni) 31Städtebauliches Konzept „Dynamisches Band Karlsruhe“ deckstraße, die südlich an die Grünbereiche und Aus- läufer des Hardtwalds anschließt. Durch dieses neue Grünsystem entsteht eine neue Qualität öffentlicher Räume im Quartier, außerdem werden das bioklima- tische Entlastungssystem mit verschatteten Wegen und Trittsteinen auf diese Weise hergestellt und wichtige Fuß- und Radwegebeziehungen zwischen den Südquartieren erheblich aufgewertet. In Verbindung mit der geplanten Pulverhausstraßen-Tram erhält das Freiraumsystem zusätzlich eine große Wertigkeit. GESAMTEINSCHÄTZUNG Im Teilraum 03 „Mixed Zone“ kann etwas wirklich Neues entstehen, das dies über viele Jahrzehnte gewachsene Quartier bislang gar nicht entwickeln konnte, da wesentliche Im- pulse fehlten. Mit dem Räumlichen Leitbild und dem innovativen REGEKO-Prozess kann der Wandel nun gemeinsam mit den Unternehmen, Anwohnern und Betroffenen angestoßen werden, was eine erhebliche Chance für das gesamte Quartier und seine Einbin- dung ins Umfeld darstellt. Nicht nur die Mixed Zone wird von den Veränderungen am Westbahnhof und im Freiraum- und Langsamverkehrssystem profitieren, sondern auch der gesamte südwestliche Stadtraum in Grünwinkel. Am Westbahnhof wird – 4 Minuten vom Hauptbahnhof – ein neuer Stadteingang geschaffen, der sowohl vor Ort als auch für die Gesamtstadt we- sentliche Impulse setzt. VORHABEN >Mobilitätsstationen ausbauen<, >Vor- handene Gewerbegebiete optimieren<, >Funktionen mischen<, >Stadteingänge inszenieren<, >Freiräume stärken<, >Karlsruhes Konturen ausbilden<, >Klimaan- passung im Quartier umsetzen<, >Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln< Teilraum 03 · „Mixed Zone“ - Level 2 54 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Funktionen mischen Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Urbanes Gebiet (2017) Mit der Planungsrechtsnovelle 2017 wurde das „Urbane Gebiet“ in die Baunutzungsverordnung aufgenommen. Die neue Gebietskategorie erlaubt eine räumliche Nähe von Funktionen, wie Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur und Sport. Anders als in Mischgebieten muss die Nutzungsmischung nicht gleichgewichtig ausfallen, es erlaubt eine höhere Dichte und hat tagsüber etwas höhere („lau- tere“) Lärmgrenzwerte einzuhalten. Da das Baugebiet auf einen hohen Grad an Durchmischung abzielt, ist es allerdings auch weniger gut zu kontrollieren. Ein gezielter Ausschluss von Einzelhandel beispielsweise ist nicht möglich. In Karlsruhe wird das Urbane Gebiet bereits in zahlreichen Bebauungsplänen zur Schaffung von dichten, gemischten Quartieren mit städtischem Charakter genutzt. Homeoffice Die Corona-Pandemie hat nachhaltig dazu geführt, dass mobiles Arbeiten sowie das Arbeiten von zu Hause („Home- office“) zum festen Bestandteil des Arbeitslebens wurden. Knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeitete 2023 von zu Hause aus, davon mehr als jede zweite Person mindestens die Hälfe der Arbeitszeit. Es kam somit in den letzten Jahren zu einem Mischen der Funktionen „(Büro-) Arbeiten“ mit „Wohnen“ – ohne jede stadtplanerischen Eingriffe. Der Anstieg an Homeoffice hat auch Veränderungen im direkten Wohnumfeld mit sich gebracht, die durchaus positiv gesehen werden: Einkäufe werden häufiger im Wohnum- feld getätigt, Gastronomie und Dienstleistungen näher zum Wohnort aufgesucht, quartiersnahe Freiflächen gewinnen an Bedeutung, es wird weniger Pendel-Verkehr erzeugt und Privat-Pkw verlieren gegenüber Sharing-Angeboten an Attraktivität. Insgesamt wird erwartet, dass durch die Entwicklung die Nutzungsmischung in Wohnquartieren zunehmen wird. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Um Karlsruhes Flächen besser zu nutzen und lebendige Quartiere zu erhalten, muss nach Möglichkeiten gesucht werden, wo und wie die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung künftig besser miteinander kombiniert werden können. Dabei soll erkundet werden, welche inno- vativen Lösungen für die Aufwertung von Quartieren beste- hen, wo Mischungen sinnvoll sind und welche Nutzungen wo vermieden werden sollten. Ziele Es sollen Handlungsspielräume für die Integration möglicher neuer oder den Erhalt bestehender Nutzungen für typische Quartiere ermittelt werden, welche zu mehr Attraktivität führen können. Dabei geht es nicht nur um innovative kon- zeptionelle Beiträge, sondern auch um Möglichkeiten der Anpassung bestehender Gesetze und Verordnungen, um neue Formen des Mischens implementieren zu können ohne bestehende Nutzungen zu verdrängen. Karlsruhe als Standort attraktiver Arbeits- und Lebenswel- ten profilieren Potenziale für weiteres Wachstum bei begrenztem Flächen- angebot ausloten Innovative Möglichkeiten für die Mischung von Nutzun- gen und Funktionen erkunden und deren Realisierung vorantreiben Mixed Zone in Grünwinkel – Entwicklungsziele aus den Vertifungsbereichen des Räumlichen Leitbilds 2016, Quelle: berchtoldkrass, UC STUDIO, S.US S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Funktionen mischen Stadtplanungsamt | 55 Bereiche die in Bebauungsplänen für eine gemischte Nutzung vorgesehen sindEinbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Ganzheitliche Wohnquartiersentwicklung Die Planung von Wohnquartieren erfolgt bereits seit einigen Jahren immer integriert mit Infrastruktur und begleitenden Nutzungen, zum Beispiel Dienstleistungen, Nahversorgung, Gastronomie, Kinderbetreuung und Freiflächen. Gewerbeflä- chen werden aufgrund des großen Wohnungsdrucks jedoch nur sehr selten in (vorwiegenden) Wohngebieten geplant. Ganzheitliche Gewerbeflächenentwicklung Auch die Gewerbeflächen werden stärker durchmischt geplant, vor allem mit dienender Infrastruktur, wie Kantinen, Gaststätten, Sporteinrichtungen oder Kinderbetreuung. Eine Wohnnutzung wird in Gewerbegebieten generell nicht angedacht, um die ansässigen Gewerbebetriebe nicht mit zusätzlichen Auflagen (vor allem Lärm) einzuschränken. Konzept Höhenentwicklung (2020) Bei baulichen Entwicklungen in die Höhe sind „Mehrwehrte“ nachzuweisen, die häufig mit einer Aufwertung der Freiflä- chen oder einer Nutzungsmischung einhergehen: eine Entsie- gelung und Begrünung von ehemaligen Verkehrsflächen, ein innovatives Raumprogramm (zum Beispiel eine Stapelung von Nutzungen) oder auch eine öffentlich zugängliche Kantine oder Rooftop-Bar. Steuerungskonzept Vergnügungsstätten (2021) Das Konzept empfiehlt dezidiert, welche Arten von Vergnü- gungsstätten wo zugelassen beziehungsweise ausgeschlos- sen werden sollten. Um eine rechtsverbindliche Wirkung zu bekommen, müssen die Inhalte über Bebauungspläne festgesetzt werden. Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung wird inhaltlich weiterhin als aktuell ange- sehen. Ziele Name, Beschreibung und Inhalte des Vorhabens zielen auf die räumliche Nähe verschiedener Nutzungen ab. Darüber hinaus werden die Leitbilder der „Stadt der kurzen Wege“ und der „verdichteten und durchmischten Stadt“ in der Einführung des Räumlichen Leitbilds zitiert. Die Förderung der kurzen Wege sollte daher auch in diesem Vorhaben als oberstes Ziel genannt werden. Das „Urbane Gebiet“ ermöglicht die „neuen Formen des Mischens“, die im Kapitel angesprochen werden. Die Formu- lierung sollte dahingehend überarbeitet werden. Wohn- und Gewerbegebiete werden in Karlsruhe generell mit unterstützender Infrastruktur geplant. Eine Mischung von Wohnen und Gewerbe (vor allem produzierendes Ge- werbe) wird jedoch kritisch gesehen, da die gesetzlichen Vorgaben zu Lärm und Geruchsimissionen bei Wohngebäu- den nur in den seltensten Fällen mit derartigen Nutzungen vereinbar sind. 56 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Cluster weiterentwickeln Blick nach Süden auf den Technologiepark Karlsruhe, Luftbild: Liegenschaftsamt, 2022 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Zunahme des Dienstleistungssektors Die Zahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor ist weiter zunehmend und liegt mittlerweile in Deutschland bei über 73 Prozent. Besonders stark wachsen wissensintensive Dienstleistungen, insbesondere IT. Digitalisierung Die Vernetzung von Unternehmen findet zunehmend im virtuellen Raum statt. Thematische Cluster (zum Beispiel „Technologieregion“), werden insbesondere für Hochtechno- logie-Unternehmen immer wichtiger. Eine räumliche Nähe ist für diese „nice to have“, aber nicht zwingend erforderlich. Arbeitskräftemangel Arbeitskräftemangel führt volkswirtschaftlich zu Wohlstands- verlusten und auf Ebene der Betriebe zu Umsatzeinbußen. Das Arbeitsumfeld – Begrünung, Erreichbarkeit (ÖPNV), umgebende Infrastruktur – gewinnt für Unternehmen als Standortfaktor an Bedeutung. Netto Null beim Verbrauch neuer Flächen Im Koalitionsvertrag von 2021 bekräftigt die Landesregie- rung die Netto-Null bis 2035 erreichen zu wollen. Karlsruhe unterstützt dieses Ziel. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Technologiepark Karlsruhe Reload Mit dem Rahmenplan „Technologiepark Karlsruhe Reload“ (2016) wurde in enger Abstimmung mit den derzeitigen Nutzern die Konzeption für den Technologiepark Karlsruhe von 1993 überarbeitet, um den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Bebauungsplan (2019) setzt die bisherige Konzeption für hochwertiges Gewerbe im Technologiepark fort, lässt aber ein höheres Maß an baulicher Dichte und Höhe zu und setzt hohe Anforderungen an die Freiraumgestaltung. Der Bebauungsplan soll größere Flexi- bilität ermöglichen, ohne den hohen Gestaltungsanspruch aufzugeben, welcher prägend für den Technologiepark ist. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Wirtschafts- und Technologiecluster haben unbestrittene Vorteile, sowohl für die angesiedelten Unternehmen als auch für Karlsruhe als Standort. Deswegen ist zu prüfen, welche möglichen neuen Cluster in Karlsruhe gebildet werden könnten und wo vorhandene Cluster an die heutigen An- forderungen angepasst werden müssen. Dabei geht es nicht nur um rein wirtschaftliche Interessen, sondern auch um die Frage, welche städtischen Funktionen solche Cluster für die Unternehmen und die umliegenden Nachbarschaften erfül- len können. Ziele Es gilt zu begründen, ob und wo neue Cluster sinnvoll sind. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Weiterent- wicklung bestehender Cluster und flankierende Maßnahmen sollen parallel den Austausch fördern und städtebauliche sowie wirtschaftliche Impulse ermöglichen. Ansiedlungschancen für Unternehmen aus den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Produktion erhöhen Profilierung als Wissenschaftsstadt und High-Tech-Standort schärfen Entwicklungspotenziale vorhandener Cluster überprüfen Möglichkeiten zur Bildung neuer Cluster erkunden S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Cluster Stadtplanungsamt | 57 Die vorhandenen „großen“ räumliche Cluster im Stadtgebiet Konzept Höhenentwicklung (2020) „Institutionelle Großstrukturen“ (im Konzept fallen hierunter zum Beispiel der KIT Campus Ost und der Technologiepark) werden als Hinweis auf Eignung für hohe Gebäude, zum Teil auch für eine moderate Häufung von Hochpunkten genannt. Gewerbeflächengutachten 2021 Es wird ein hoher Bedarf an Gewerbeflächen bestätigt. Eine Bildung/Stärkung von Gewerbeclustern wird nicht als Emp- fehlung genannt. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Titel Der Titel sollte auf „Cluster weiterentwickeln und weiterden- ken“ erweitert werden. Beschreibung Es wurden in den letzten Jahren bereits verschiedene räum- liche Cluster erfolgreich implementiert, die auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Hierzu zählen insbesondere der Technologiepark oder der Kreativpark Alter Schlachthof. Diese bieten zum Teil noch Entwicklungsmöglichkeiten, die angepasst an veränderte Rahmenbedingungen, ausge- schöpft werden. Auch künftig werden, wo es sinnvoll ist, die aktuell bundesweit intensiv diskutierten Entwicklungen, wie z. B. das Thema Energie, KI, Handwerk und Logistik auch in Karlsruhe räumlich abzubilden sein. Im Rahmen der stetigen Weiterentwicklung der Themen wird ein intensiver Austausch zwischen den mit den aktuellen Themen befas- sten Dienststellen erforderlich sein, um sich bei räumlichen Clustern zukunftsfähig aufzustellen. Das Thema wird also auch weiterhin auf städtischen und privaten Flächen relevant sein. Ziele Zukünftige Entwicklungen müssen rechtzeitig identifiziert und bei Bedarf räumlich verortet werden. Entscheidend ist dabei den Entwicklungen nicht hinterher zu laufen, sondern vorausschauend Cluster weiter zu denken und in räumliche Planungen einzubeziehen. 58 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Langfristige Perspektiven denken Rheinhafendampfkraftwerk mit Kohlelager, Foto: Presse- und Informationsamt, 2023 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Steigerung des Bahnverkehrs Ziel der Bundes- und der Landesregierung ist es, den Perso- nen- und Güterverkehr soweit möglich von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die Investitionen in die Schienen- Infrastruktur wurde deutlich erhöht. Planungen der DB zum Ausbau der überlasteten Strecke Mannheim-Karlsruhe laufen momentan. Karlsruhe unterstützt das Ziel. Eine Untersuchung zum (Wieder-) Anschluss von Gewerbegebieten an das Gleis- netz wird momentan durch die Verwaltung vorbereitet. Die AVG untersucht unter anderem eine Reaktivierung stillgeleg- ter Gleise. Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Mit einer Aufgabe der in Karlsruhe vorhandenen Flächen der Bundeswehr kann auch langfristig nicht gerechnet werden. Abgebrochene Gaslieferungen sowie der Anschlag auf die Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 führten die energetische Abhängigkeit Deutschlands von Russland vor Augen. Erneuerbare Energien Bis 2030 sollen in Deutschland mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Hierzu müssen Erneuerbare Energien in großem Stil ausgebaut werden. Der Oberrheingraben, in dem sich Karlsruhe befindet, eignet sich gut für eine Stromerzeugung durch Photovoltaik, aber auch in besonderem Maße für Tiefengeothermie. Diese bietet die Möglichkeit, unabhängig äußerer Bedingungen sowohl Strom als auch Wärme zu erzeugen (und gegebenenfalls zusätzlich zur Gewinnung von Lithium, welches für Batterien benötigt wird). Probebohrun- gen in Karlsruhe und dem Umland werden momentan durch verschiedene Unternehmen durchgeführt oder vorbereitet. Dekarbonisierung und Klimaneutralität Bis 2045 will Deutschland vollständig klimaneutral werden (Karlsruhe sogar bis 2040). Dies wird seit dem Ukraine-Krieg noch nachdrücklicher verfolgt. Das Karlsruher Rheinhafen- Dampfkraftwerk will bis 2030 von einer Kohleverstromung auf eine Stromerzeugung mit Erdgas und Wasserstoff Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Das Vorhaben soll überprüfen, welche Entwicklungsmöglich- keiten in Karlsruhe zukünftig als langfristige Perspektiven bestehen könnten. Unter anderem sollen dadurch auch für Bereiche im Umfeld solcher „Perspektivflächen“ die Weichen schon frühzeitig vorausschauend und umsichtig gestellt oder offen gehalten werden. Ziele Karlsruhe sollte sich die Spielräume für eine langfristige Nutzung auf derzeit großen monostrukturierten Flächen erhalten. Dazu ist ein Austausch mit den Eigentümern sowie dort tätigen Akteuren und der Einbezug überregionaler Strategien notwendig. Im Falle des Güterbahnhofs soll der Dialog durch eigene Überlegungen zur Verlagerung noch benötigter Funktionen sowie möglicher Nutzungen freiwer- dender Areale unterstützt werden. Insbesondere sind Pla- nungen im Umfeld der Perspektivflächen so anzulegen, dass sie deren Entwicklungsoptionen nicht vorschnell und unnötig einschränken. Entwicklungsspielräume für künftige Nutzungen sichern Fläche gewinnen ohne Karlsruhe als trimodalen Logistik- standort einzuschränken Initiative ergreifen und Perspektiven diskutieren S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Langfristige Perspektiven Stadtplanungsamt | 59 umstellen. Die MiRO will sich im Zuge der Dekarbonisierung der Wirtschaft nach aktuellen Planungen auf die Herstellung von chemischen Grundstoffen fokussieren, die zum Beispiel dringend bei der BASF benötigt werden. Wasserstoff als Energieträger Nachhaltig erzeugter Wasserstoff soll in ausgewählten Berei- chen bis spätestens 2035 als Ersatz für Erdgas dienen, zum Teil zur Verstromung bei Dunkelflauten, vor allem aber bei industriellen Prozessen. Aktuelle Planungen des Bundesminis- teriums für Wirtschaft und Klimaschutz sehen vor, Karlsruhe bis 2032 an das Wasserstoff-Kernnetz anzuschließen. Im Rahmen des Projekts „H2iportKA“ wurde 2024 die Model- lierung einer Wasserstoff-Infrastruktur vorgenommen. Der Rheinhafen Karlsruhe sowie weitere Industriepartner aus der Region werben für den Aufbau eines Wasserstoffimport-Hubs im Hafen. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Klimaschutzkonzept 2030 (2020) Das Klimaschutzkonzept setzt Maßnahmen fest, die die Stadt Karlsruhe bis 2030 auf ihrem Weg zur Klimaneutralität ent- scheidend voranbringen sollen. Die Maßnahmen reichen vom Ausbau des Fernwärmenetzes bis hin zur Förderung für die energetische Sanierung von privaten Wohngebäuden. Energieleitplan (2023) Der Energieleitplan der Stadt Karlsruhe betrachtet sowohl den Bereich Wärme als auch Strom. Er zeigt Potenziale auf, die genutzt werden müssen, um Karlsruhe klimaneutral zu machen, benennt Maßnahmen und priorisiert sie. Projekt „CRANE“ – Climate Resilience and Adaptation for upper rhiNE ports Die Rheinhäfen Karlsruhe, Straßburg, Kehl, Mannheim, Ludwigshafen, Mulhouse und Basel haben sich zusammen- geschlossen, um gemeinsam die Klimarisiken der Zukunft für die Hafenaktivitäten am Oberrhein zu untersuchen und geeignete Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Ziele Das Vorhaben fokussiert bisher stark auf „große mono- strukturierte Flächen“ in Karlsruhe und deren zukünftige Nutzung: Hierunter fallen der Güterbahnhof und der Gleis- bauhof der DB, die verbliebenen großen Einrichtungen der Bundeswehr (Kirchfeld-Kaserne und Materiallager) sowie die MiRO. Ein Grundsatzpapier des Bundes untersagt es der DB, Flächen zu veräußern. Auch inhaltlich wird von Verwaltung und Politik mittlerweile von einer Bebauung der heutigen Bahnflächen abgerückt (Stärkung des Bahnverkehrs). Es muss davon ausgegangen werden, dass die verbliebe- nen Bundeswehrflächen in Karlsruhe auch langfristig nicht aufgegeben werden. Die MiRO will sich auf die Herstellung von chemischen Grundstoffen fokussieren. Von einer Flächenreduktion kann momentan nicht ausgegangen werden. Es wird daher empfohlen, die Zielrichtung des Vorhabens zu ändern: von einer Umwandlung eventuell zukünftig zur Ver- fügung stehender Flächen hin zur besseren Ausnutzung und Stärkung von Flächen, die in bester Lage in den Verkehrs- und Energienetzen liegen. Ziele hierfür könnten sein: Stärkung des Rheinhafens als trimodal erschlossene Logistikdrehscheibe für Industrie- und Energie-Cluster sowie Unterstützung beim Aufbau eines Wasserstoff-Hubs. Unterstützung des Aufbaus/Ausbaus einer nachhaltigen Energieinfrastruktur Unterstützung der Neubau-/Ausbauvorhaben der Schienenverkehrsträger Unterstützung von Unternehmen und Institutionen bei Transformationsprozessen zur Dekarbonisierung 60 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Demografischer Wandel Um in einer alternden Gesellschaft die Mobilität für Alle zu gewährleisten, werden eine barrierefreie Infrastruktur, zum Beispiel bei öffentlichen Verkehrsmittel und für sichere Fuß- wege benötigt. Verkehrswende Es gibt einen klaren Trend hin zu umweltfreundlicheren Transportmöglichkeiten. Ziel der Bundes- und Landesregie- rung und auch der Stadt Karlsruhe ist es, die Verkehrsarten des Umweltverbundes (vor allem ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) zu stärken. Elektromobilität Die Umstellung auf nicht fossil angetriebene Fahrzeuge ist in vollem Gange. Den strategischen Umgang mit notwendiger E-Ladeinfrastruktur hat Karlsruhe seit 2021 in einem Rah- menkonzept geregelt: Der Flächenverbrauch im öffentlichen Raum soll gesteuert werden. Der Fokus liegt auf Schnelllade- Hubs rund um das Stadtgebiet, die wie Tankstellen angefah- ren werden können. Sharing-Modelle Carsharing, Bike-Sharing und E-Scooter-Verleih sind in Städ- ten immer beliebter geworden, da sie flexible Mobilität ohne eigenen Fahrzeugbesitz ermöglichen. Nach § 16a StrG „Son- dernutzung durch Carsharing“ haben Kommunen in BW seit 2019 einen einheitlichen rechtlichen Rahmen zur Ausweisung stationsbasierter CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Stra- ßenraum. Um das neue E-Scooter-Angebot in das Stadtbild zu integrieren und die Verkehrssicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat die Stadt sich zusammen mit den Anbietern auf Regelungen zur Nutzung geeinigt. Online-Handel Einkäufe werden immer häufiger über Online-Plattformen getätigt, was zu einer Zunahme des Lieferverkehrs geführt hat. Es wird erwartet, dass sich der Trend fortsetzen und auch im Lebensmitteleinzelhandel an Relevanz gewinnen wird. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die Quartiere in Karlsruhe sollen als Orte des Zusammenle- bens strukturell gestärkt und ortsspezifisch weiterentwickelt werden. Dabei spielt die Aufwertung des öffentlichen Raums als Aufenthaltsort eine zentrale Rolle. Durch die Entwicklung stadtverträglicher Mobilitätskonzepte in bestehenden und neuen Quartieren kann die beabsichtigte Steigerung der Aufenthalts- und Lebensqualität sowie die Förderung des Umweltverbunds vorangetrieben werden. Ziele Das Vorhaben soll Maßnahmen für autoarme Quartiere und öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität erkunden und umsetzen. Um diese Aufenthaltsqualität zu erreichen, müssen alternative Mobiltätsangebote für Fußgänger- und Radverkehr, öffentlichen Personennahverkehr sowie Car- und Bikesharing ausgebaut werden. Voraussetzung für deren Erfolg ist eine ausreichende bauliche Dichte und die Nut- zungsmischung in den Quartieren. Ziele und Leitprojekte des Verkehrsentwicklungsplans auf Quartiersebene integrieren und konkretisieren Flächendeckende Mobilitätsnetze sichern Autoarme Verhältnisse innerhalb der Quartiere fördern Hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ermöglichen Autoarme Quartiere, Quelle: Stadtplanungsamt S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Mobilitätskonzepte Stadtplanungsamt | 61 Geplante Bauflächen müssen bestmöglich an die bestehenden Mobilitätsnetze angebunden sein Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen City Logistik und letzte Meile Nachhaltige und effiziente Warenauslieferung in Städten – ob an Einzelhändler oder direkt an Endkunden – setzt auf umweltfreundliche Transportmittel wie Lastenfahrräder und Elektrofahrzeuge. Machbarkeitsstudien für die Verteilung auf der letzten Meile zum Beispiel mit dem ÖPNV müssen auch wirtschaftliche Aspekte abdecken. Autonomes Fahren Fortschritte in der KI haben die Entwicklung selbstfahrender Autos beschleunigt, auch wenn vollständig autonome Fahr- zeuge noch nicht im Alltag angekommen sind. Die Stadt Karlsruhe ist Partner des Projekts „Elektrische, ver- netzte und autonom fahrende Elektro-Mini-Busse im ÖPNV“, kurz EVA-Shuttle. Das Ziel: Die Entwicklung einer Mobilitäts- lösung für die erste und letzte Meile von der Haltestelle bis zur Haustür. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Kombilösung (2020) Mit Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels ist die Kaiserstraße zu einer echten Fußgängerzone geworden. Die Trennwirkung der Kriegsstraße wurde erheblich reduziert. Netzkonzeption 2020/2030 (VBK/AVG/KVV, 2022) Die Konzeption sieht unter anderem Streckenneubauten und -reaktivierungen vor, aber auch Attraktivitätssteigerungen im bestehenden Netz. Sie soll den politischen Entscheidern in Stadt und Region künftig als eine fundierte Diskussions- grundlage für die Weichenstellungen der kommenden Jahre dienen. Verkehrsversuche Bei Verkehrsversuchen werden für einen begrenzten Zeitraum Verkehrsführungen oder Flächenaufteilungen im öffentlichen Raum geändert. Dies ermöglicht es, ohne größeren baulichen Aufwand die Auswirkungen vorab zu testen und eventuelle Probleme zu identifizieren, die dann bei einer dauerhaften Maßnahme berücksichtigt werden können. Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung wird inhaltlich weiterhin als aktuell ange- sehen. Ziele Alle aufgeführten Ziele werden weiterhin als aktuell angese- hen. Bei ihnen handelt es sich um Daueraufgaben, die suk- zessive umgesetzt werden. Der Verkehrsentwicklungsplan 2030 hat für dieses Vorhaben den übergeordneten Rahmen gesetzt. Er hat als nachhaltiges und integriertes Konzept mit der Betrachtung aller Verkehrs- arten die Leitlinien und Maßnahmen nicht nur für die quar- tiersbezogenen Mobilitätskonzepte gegeben sondern trägt auch für die gesamtstädtischen begleitenden Maßnahmen weit über den engeren Betrachtungsraum hinaus. Wenn er zu einem Klimamobilitätskonzept nach den Vorgaben des Landes Ba-Wü weiterentwickelt werden wird, was städti- sches Ziel ist, wird er die Idee der Mobilitätskonzepte eher noch unterstreichen und deren Umsetzung weiter befördern. Dies entspricht den Leitlinien der von der Europäischen Kom- mission entwickelten „Sustainable Urban Mobility Plans“ (SUMPs). S S S S S S S S U U U U U U U Kaiserstraße Schlossplatz Karlstraße Bismarckstraße Kriegsstraße Karl-Friedrich-Straße Waldhornstraße Lammstraße Reinhold-Frank-Straße Hirschstraße Amalienstraße Stephanienstraße Waldstraße Adenauerring Adenauerring Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fuß- und Radverkehrsquerung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-Flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich Langfristig: Sperrung des Tunnels für Kfz-Durchgangsverkehr Legende Kaiserplatz Friedrichs- platz Marktplatz KIT-Campus PH HS Berliner Platz Platz für mehr gesunde Mobilität Prioritäten-Netz für Karlsruhe Karlsruhe ÖRMI S S S S S S S S U U U U U U U Kaiserstraße Schlossplatz Karlstraße Bismarckstraße Kriegsstraße Karl-Friedrich-Straße Waldhornstraße Lammstraße Reinhold-Frank-Straße Hirschstraße Amalienstraße Stephanienstraße Waldstraße Adenauerring Adenauerring Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Legende Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fußgängerverbindung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich S U Priorisierung des Fußverkehrs Priorisierung des Radverkehrs Nachbarschaftsstraße Kfz-Verkehrsflächen Parkhaus Kfz inkl. Zufahrten Fuß- und Radverkehrsquerung Routen des Busverkehrs Straßen- und Stadtbahn oberirdisch Straßen- und Stadtbahn unterirdisch Eingeschränkte Fahrtrichtung für Kfz Kfz-Flächenreduzierung Sperrung für Kfz in diesem Bereich Langfristig: Sperrung des Tunnels für Kfz-Durchgangsverkehr Legende Kaiserplatz Friedrichs- platz Marktplatz KIT-Campus PH HS Berliner Platz Platz für mehr gesunde Mobilität Prioritäten-Netz für Karlsruhe Karlsruhe ÖRMI 62 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Zukunft Nord Aus dem als Rahmenplan gestarteten Baugebiet „Zukunft Nord“ wurde zwischenzeitlich ein Bebauungsplan entwickelt, der Wohnraum für über 3 000 Personen schaffen soll. Zukunft Nord wurde als „Nachhaltig mobiler Stadtteil“ ge- plant, die Aspekte der Stadt- und Verkehrsplanung wurden integriert betrachtet. Im Bebauungsplan wurde eine hohe Nut- zungsmischung festgelegt, die dem Leitbild einer Stadt-der- kurzen-Wege entspricht: Neben Wohnen werden im Quartier auch Flächen für Arbeiten, Einkaufen, Bildung/Schulen und so weiter geschaffen. Gleichzeitig wird ein attraktives Angebot der Verkehrsmittel des Umweltverbunds gewährleistet. Als wichtiges Rückgrat sind die bereits vorhandenen Haltestellen der Tramlinie zu sehen. Zudem wird ein engmaschiges Netz für den Rad- und Fußverkehr entstehen. In Summe führt dies dazu, dass man sich sowohl innerhalb als auch zu beziehungsweise von dem Quartier gut mit dem Um- weltverbund fortbewegen kann. Dadurch werden Kfz-Fahrten und auch der Kfz-Besitz vermindert und es entsteht ein attrak- tives Wohnumfeld mit geringen Umfeldbelastungen. Eine maßgebliche Stellschraube für die Nutzung des Autos ist die Anzahl und Lage der Stellplätze im Quartier. Die Anzahl der Stellplätze wird über eine örtl. Bauvorschrift geregelt, worüber die Möglichkeit geschaffen wird, von der Herstel- lungspflicht von 1,0 Stellplätzen pro Wohnung abzuweichen. Zudem ist die Lage der Stellplätze geregelt. Die privaten Stell- plätze dürfen nicht ebenerdig auf dem Baugrundstück herge- stellt werden und sind i.d.R. in Tiefgaragen nachzuweisen. Die privaten Stellplätze sind somit im Freiraum nicht sichtbar, was zu einer hohen Aufenthaltsqualität führt. Prioritäten-Netz Innenstadt Ein Fokus des IQ-Leitprojekts „Öffentlicher Raum und Mo- bilität Innenstadt“ (ÖRMI) lag auf den Verkehrsnetzen der Innenstadt. In der komplexen Situation kommen die üblichen sektoralen Betrachtungen der Verkehrsnetze aufgrund der viel- fältigen verkehrlichen Belange an ihre Grenzen. Um die einzel- nen Stränge in der Gesamtheit verdeutlichen zu können und Lösungen zu finden, wurde das Prioritätennetz erstellt, das die Zielnetze aller Verkehrsträger vereint und so als Leitplanke und Orientierungshilfe dient. Das so erstellte Netz definiert Prioritäten und dient als Grundlage für eine Überprüfung der Straßenräume sowie für die Definition konkreter Maßnahmen in der Karlsruher Innenstadt. Die „Priorität“ zeigt dabei an, dass in einzelnen Straßenräu- men ein oder gegebenenfalls zwei Verkehrsträger bevorzugt werden sollen. Das bedeutet, dass der Straßenraum vorrangig für den priorisierten Verkehrsträger gestaltet wird. Nutzungen durch die übrigen Verkehrsträger sind untergeordnet zugelas- sen. Auf Straßen, die als Prioritäten-Netz für den Fußverkehr gekennzeichnet sind, dürfen beispielsweise auch private Kfz verkehren, um private Garagen zu erreichen. Sowohl für Ret- tungsfahrzeuge als auch für Müllabfuhr, Fahrzeuge zum Trans- port mobilitätseingeschränkter Personen oder Lieferverkehre ist eine Befahrung unabhängig von der Priorität – für letztere gegebenenfalls zeitlich eingeschränkt – möglich. Erschließungskonzept des Bebauungsplans Prioritäten-Netz Innenstadt (Ausschnitt aus der Kartengrafik) Stadtplanungsamt | 63 August-Klingler-Areal Die VOLKSWOHNUNG GmbH errichtet seit 2020 auf ehema- ligen Sportflächen (circa 4 ha) in Daxlanden knapp 360 Woh- nungen sowie sonstige Nutzungen wie eine Kita. Im Rahmen des vorhabenbezogenen Bebauungsplans ließ sie ein Mobi- litätskonzept erstellen, das eng mit verschiedenen Akteuren und der Politik abgestimmt wurde. Für das Konzept wurde nicht nur die vorhandene Infrastruktur- ausstattung, sondern auch die zu erwartenden Zielgruppen mit ihrem Mobilitätsverhalten in den Blick genommen. Darauf aufbauend wurde ein auf den Ort abgestimmtes Maßnahmen- bündel entwickelt, das unterschiedliche Mobilitätsangebote und -formen kombiniert (zum Beispiel gute ÖPNV- und Radwegean- bindung, KVV-Mieterticket, Carsharing-Schnupperpaket) und bei den Bewohner*innen von Anfang an beworben werden soll. Auf Grundlage des Mobilitätskonzepts konnte im Bebauungs- plan der bislang geltende Stellplatzschlüssel von 1,0 auf 0,8 reduziert werden. Die zusätzlichen Mobilitätsangebote (zum Beispiel Kooperationsvereinbarung mit Carsharing-Anbieter) wurden im Durchführungsvertrag gesichert. Das Mobilitäts- konzept und die damit verbundene Minderung der Stellplatz- zahl tragen zu einer Vielzahl wichtiger städtischer Ziele bei. Programm für aktive Mobilität (2021) Mit einem BYPAD-Verfahren (Bicycle Policy Audit) hat die Stadt Karlsruhe 2021 ihr bisheriges Programm zur Förderung des Radverkehrs aus dem Jahre 2005 weiterentwickelt und um die Aspekte des Fußverkehrs ergänzt. Als Grundlage dienten das Karlsruher Klimaschutzkonzept und der Verkehrsentwicklungs- plan. In Zusammenarbeit von Fraktionen, Verwaltung, Interes- sensverbänden und Wissenschaft wurden die verkehrspoliti- schen Ziele Karlsruhes für die Jahre 2030 und 2035 festgelegt. Auch die Bürgerinnen und Bürger konnten im Rahmen eines Stadtbauforums und über das Bürgerbeteiligungsportal ihre Ideen und Anregungen einbringen. Karlsruhe möchte als Stadt der Mobilitätswende den Rad- und Fußverkehr systematisch und umfangreich fördern und damit deutlich zu einer CO 2 -Reduzierung beitragen. Durch eine Um- verteilung des Verkehrsraums wird der stadtverträgliche Ver- kehr und die Aufenthaltsqualität gestärkt und gefördert. Mit einer verkehrsvermeidenden Stadt- und Raumplanung soll bis 2035 der Anteil der aktiven Mobilität durch Fuß- und Rad- verkehr auf 70 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen (Modal Split) zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs steigen. weitere ProjekteStandBeschreibung Bebauungsplan Staudenplatz UmgesetztVorgehen ähnlich August-Klingler-Areal: Kombination verschiedener Mobilitätsangbote und -formen, Reduktion des Stellplatzschlüssels. Stellplatzsatzungin BearbeitungEine kommunale Stellplatzsatzung soll erlassen werden, damit Kfz-Stellplätze generell und nicht bloß im Bereich von Bebauungsplänen entsprechend dem zu erwartenden Bedarf errichtet werden können. Mit der Satzung soll ein Überangebot an Kfz- und ein Mangel an Fahrradstellplätzen im Wohnungsneubau vermieden werden. Die guten verkehrlichen und städtebaulichen Gegebenheiten in großen Teilen der Stadt rechtfertigen auch ohne Umsetzung eines vorhabenspezifischen Mobili- tätskonzepts zumindest eine gewisse Reduzierung der Kfz-Stellplatzzahlen. Außerdem sollen nach derzeitigem Stand Verbesserungen beim Fahrradparken gefordert werden. Luftbild des Baugebiets, Foto: Volkswohnung, 2023 Kreuzung Sophienstraße-Lessingstraße, Foto: Stadtplanungsamt, 2023 64 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Mobilitätsstationen ausbauen Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Stärkung der Schiene Die Stärkung der Schiene ist einer der zentralen Bausteine zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele auf Bundes- und Landesebene. Entsprechende Maßnahmen sind zum Beispiel Investitionen in die Infrastruktur, aber auch die Einführung des Deutschlandtickets. Die 2022 veröffentlichten „Netzkonzeption 2020/2030“ von VBK, AVG und KVV stellt konkrete Ziele und Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNV in Karlsruhe dar: Neben dem Ausbau des Netzes zum Beispiel auch die Neugestaltung des Bereichs Albtalbahnhof – Bahn- hofsvorplatz (Nord) oder das Schaffen von Zugangs- und Verknüpfungspunkten zu anderen – möglichst klimafreundli- chen – Verkehrsmitteln (siehe regiomove). Aktive Mobilität Nur mit einem deutlichen Anstieg des Anteils des Zufußge- hens und des Radfahrens ist das Ziel einer klimaverträglichen Mobilität zu erreichen. 2021 wurde das Karlsruher Programm für Aktive Mobilität entwickelt. Damit fasst die Stadt den Grundsatz, Fuß- und Radverkehr systematisch und umfassend zu fördern. Mobilitätsstationen gehören dabei zu den be- deutsamen Zielen, deren Anschluss an das Fuß und Radwe- genetz mit besonderer Sorgfalt gestaltet wird (zum Beispiel Wegeführung, Aufenthaltsqualität, Abstellanlagen oder Bike & Ride-Angebot). Erweiterung von Sharing Angeboten In Karlsruhe gibt es eine große Auswahl an Sharing Angebo- ten – neben etablierten Fahrrad- und Car-Sharing Leihsyste- men, seit 2019 auch E-Scooter-Sharing. Genutzt wird dies hauptsächlich für kurze Distanzen („letzte Meile“). Um das neue Angebot in das Stadtbild zu integrieren und die Ver- kehrssicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat die Stadt sich zusammen mit den Anbietern auf Spielregeln zur Nutzung geeinigt. So gibt es zum Beispiel seit 2024 feste „Parkplätze“ für E-Scooter am Hauptbahnhof. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Die Bahnhöfe sind als Zugangspunkte zum Fern- und Regio- nalverkehr wichtige Elemente des Karlsruher Mobilitätskon- zepts. Ihre Funktion als Umsteigeknoten zu den städtischen Verkehrsmitteln macht sie aber erst zu Keimzellen einer integrierten Stadt- und Mobiltätsentwicklung. Mit der Stär- kung ihrer Rolle als Mobilitätsstationen können sie zu Im- pulsgebern für die Entwicklung des Mobilitätsverhaltens und ihres Umfelds werden. Ziele Die Bahnhöfe Karlsruhes und ihr direktes Umfeld sollen im Hinblick auf ihre Funktion im Gesamtverkehrskonzept über- prüft und verbessert werden. Mit zusätzlichen Mobilitäts- angeboten, innovativer Informationstechnologie und einer attraktiven Gestaltung soll damit ihre Rolle als Treiber nach- haltiger Mobilität gestärkt werden. Auf diese Weise können sie auch die Entwicklung attraktiver Standorte für Wohnen und Arbeiten unterstützen. Aufwertung der Bahnhöfe als Stadteingänge und Mobilitätsstationen Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln und Mobilitätsan- geboten, insbesondere des Umweltverbunds Verbesserung der digitalen Unterstützung für nachhaltiges Mobilitätsverhalten Setzen von städtebaulichen Akzenten und Gestaltung des öffentlichen Freiraums im Bahnhofsumfeld Beispiel einer Mobilitätsstation über einem S-Bahn-Haltepunkt, Quelle: Dr. Markus Nollert Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Beschreibung wird inhaltlich weiterhin als aktuell ange- sehen. Ziele Die im Räumlichen Leitbild aufgeführten Ziele sind weiterhin gültig. Die Verwaltung sieht die Stadt bei der Umsetzung der for- mulierten Ziele auf einem guten Weg. Zahlreiche Maßnah- men und Projekte wurden beschlossen oder umgesetzt. S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Mobilitätsstationen Stadtplanungsamt | 65 Die Bahnhöfe gehören zu den am stärksten frequentierten Mobilitätsstationen im StadtgebietEinbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Etablierung der E-Mobilität Der Anteil der E-Mobilität steigt. Unterstützt wird diese Entwicklung durch politische Ziele auf Bundes- und Lan- desebene. Den strategischen Umgang mit notwendiger E-Ladeinfrastruktur hat Karlsruhe 2021 in einem Rahmen- konzept geregelt. Dort heißt es: Der Flächenverbrauch im öf- fentlichen Raum soll so gering wie möglich gehalten werden. Der Fokus liegt stattdessen auf Schnelllade-Hubs rund um das Stadtgebiet, die wie Tankstellen angefahren werden können. In diesem Sinne wird die Stadt keinen Bau von E-Ladeinfra- struktur auf öffentlichen Flächen rund um Mobilitätsstationen forcieren. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Digitale und räumliche Vernetzung von Mobilitätsangeboten Regiomove bündelt die Angebote von Bus, Bahn sowie Car-, Bike- oder E-Scooter Sharing: Zum einen digital in einer App, in der eine Reiseroute mit mehreren Verkehrsmitteln geplant und gebucht werden kann – zum anderen räumlich an sogenannte Ports, die an sieben Standorten in der Region Mittlerer Oberrhein modellhaft eingerichtet und gestaltet wurden. Am Standort Karlsruhe wurde der Bahnhof Hagsfeld für die Umsetzung ausgewählt und 2022 realisiert. Weiterentwicklung bestehender Mobilitätsstationen Das Umfeld der beiden großen Karlsruher Bahnhöfe befindet sich gerade in dynamischen Veränderungsprozessen. Vor allem rund um den Hauptbahnhof entstanden und entstehen mehrere bauliche Maßnahmen mit Strahlkraft (zum Beispiel Bebauung Hauptbahnhof Süd, Büro- und Geschäftshaus KA 3, Schwarzwaldtrio) einhergehend mit der Aufwertung des öffentlichen Raumes (zum Beispiel Bahnhofsvorplatz Süd und Bahnhofvorplatz Nord). Angrenzende Potenzialflächen in städtischer Hand bieten Raum für weitere Entwicklungen (zum Beispiel Schwarzwaldstraße, Fautenbruchstraße und Rüppurrer Straße 89/Postareal) Entwicklung neuer Mobilitätsstationen Das Areal um den Westbahnhof wird im Rahmen von Sanie- rungsmaßnahmen neugestaltet und aufgewertet werden. 66 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Projekte Weiterentwicklung Hauptbahnhof Karlsruhe Der Karlsruher Hauptbahnhof ist integriert mit den städte- baulichen Entwicklungen im Umfeld zu betrachtet (vgl. Teil 5 Vertiefungsbereiche). Er ist der wichtigste Zugangspunkt zum Fern- und Regionalverkehr und der größte Umsteigeknoten für die Verteilung in das städtische Verkehrsnetz. Hier liegen die Haltepunkte der Deutschen Bahn, zudem ist der Fernbusbahnhof auf der Südseite des Bahnhofes verortet. Um- fangreiche Angebote zur Verteilung in das städtische Verkehrs- netz sind auf den Vorplätzen der Nord- und Südseite zu finden zum Beispiel neun Regional- und S-Bahnen, sechs Stadtbahn- und Tramlinien, sieben Buslinien, Taxi-Stände, Leihfahrrädern, Fahrradparkhaus, Fahrrad-Stellplätze, Carsharing-Stationen, E-Scooter, Kfz-Parkhaus, Parkplätze-Konzept Fautenbruchstraße. Die Bahnhof-Südseite wurde 2022/2023 durch eine umfassen- de Neugestaltung des bisher mit Asphalt versiegelten Platzes attraktiviert und die Fläche an die neuen Büro- und Hotelge- bäude angepasst. Die Bedeutung des Bahnhof-Entrees wurde betont, indem die Aufenthaltsqualität gestärkt und die Nut- zungen neu angeordnet wurden. Durch Baumquartiere und ein Fontänenfeld wurden Verbesserungen für das Mikroklima integriert (sog. Schwammstadt). Regiomoveport Hagsfeld Im Rahmen des Projekts „regiomove“ (Regionaler-Mobilitäts- Verbund) wurden neben der Entwicklung einer mobilen regiomove-App an sieben Standorten in der Region Mittlerer Oberrhein modellhaft Mobilitätsstationen, sogenannte Ports, eingerichtet, mit dem Ziel multimodales Verhalten leichter zu leben. Am Standort Karlsruhe wurde der Bahnhof Hagsfeld für die Umsetzung einer Mobilitätsstation ausgewählt, um das beste- hende Mobilitätsangebot auszubauen und insbesondere die sehr dezentral gelegenen Angebote besser miteinander zu verknüpfen. Das Port-Design, das 2019 über ein Wettbewerbsverfahren erarbeitet wurde, erleichtert dabei das Auffinden der Angebo- te und bringt damit das Thema der multimodalen Modalität stärker in das Bewusstsein. Die Realisierung der sieben Mobilitätsstation erfolgte ab 2021. Der Standort Hagsfeld wurde 2022 fertiggestellt. Ein digitaler Info-Terminal unterstützt die Verknüpfung der Mobilitätsan- gebote. Der Terminal stellt die Vernetzung von realem Port und digitalem Inhalt dar. Darüber hinaus bringen zusätzliche Service-Angebote beziehungsweise Ausstattungselemente, wie eine überdachte Bike & Ride-Anlage, Fahrradboxen oder eine Fahrradreparaturstation einen Mehrwert für den Standort Hagsfeld mit sich. Fontänenfeld an der Südseite des Hauptbahnhofs Foto: Stadtplanungsamt Die Stärke von Regiomove liegt in der Verknüpfung der digitalen Mittel (App und online) mit den analogen Mitteln (Ports und ihre Ausstattung). Illustration: Natalia Echeverri (unit-design) Stadtplanungsamt | 67 Gesamtverkehrskonzept, städtebaulicher Rahmenplan Grünwinkel, Abbildung: berchtoldkrass space&options Westbahnhof, Projekt WestBahnHUB Das Projekt WestBahnHUB in Grünwinkel hat unter anderem das Ziel, die Haltestelle Karlsruhe West zu optimieren und entscheidende Impulse für dessen Weiterentwicklung zu einer attraktiven Mobilitätsstation zu setzen. Die ersten Grundlagen sind bereits gegeben, da zwei Buslinien den Haltepunkt anfahren und dieser zudem an das Regionalbahnnetz angebunden ist. Allerdings besteht bei der Taktung der Regionalbahn noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Zusätzlich ist eines der beiden Gleise derzeit nur über die Zeppelinbrücke und angeschlossenen Treppentürme erreichbar. Die Haltestelle selbst weist zudem eine wenig ansprechende Gestaltung auf. Eine Planungswerkstatt Ende November 2024 soll diese Schwächen beheben. Die Planung eines Vorplatzes am bau- lichen Hochpunkt WestBahnHUB hat zum Ziel, die bauliche Attraktivität der Haltestelle zu erhöhen und Impulse für eine Sanierung des Haltepunkt zu setzen. Zusätzlich sind Flächen für Car- und Bike-Sharing geplant, um neue Mobilitätsange- bote zu etablieren. Darüber hinaus ist die Ausstattung mit Regio-Move-Mobiliar vorgesehen und durch den geplanten Lückenschluss der „Rad-Südtangente“ entlang der Bahnschie- nen soll der Haltepunkt besser an den Radverkehr angebun- den werden. weitere ProjekteStandBeschreibung Weiterentwicklung Bahnhof Durlach in BearbeitungVorgesehen ist eine Vergrößerung des Vorbereichs des Bahnhofs und im Zuge dessen eine Verän- derung der Verkehrsführung sowie eine verbesserte Leitung der ankommenden Besucherinnen und Besucher. Durch eine Redimensionierung des Busbahnhofs und einer möglichen Umsetzung des bestehenden Baurechts soll der Stadteingang räumlich gefasst werden. Zudem soll der, an das im Neuordnungskonzept dargestellte Baufenster, angrenzende Willmar-Schwabe-Park als Aufenthalts- bereich aufgewertet werden. 68 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Nachbarschaftszentren beleben Blick über den Gutenbergplatz in der Karlsruher Weststadt, Foto: Presse- und Informationsamt, 2020 Entwicklungen seit 2016 Von global bis lokal Urbanes Gebiet (2017) Als neue Gebietskategorie in der Baunutzungsverordnung erlaubt das Urbane Gebiet eine räumliche Nähe von Funkti- onen, wie Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur und Sport. Anders als in Mischgebieten muss die Nutzungs- mischung nicht gleichgewichtig ausfallen, es erlaubt eine höhere Dichte und hat tagsüber etwas höhere („lautere“) Lärmgrenzwerte einzuhalten. In Karlsruhe wird das Urbane Gebiet bereits häufig bei neuen Bauquartieren zur Schaffung von dichten, gemischten Nach- barschaften genutzt. Homeoffice, demografischer Wandel Die Corona-Pandemie hat nachhaltig dazu geführt, dass mobiles Arbeiten sowie das Arbeiten von zu Hause („Home- office“) zum festen Bestandteil des Arbeitslebens wurden. Die Fachwelt geht davon aus, dass Quartiere aus der Entwick- lung gestärkt hervorgehen werden: Einkäufe werden häufiger im Wohnumfeld getätigt, Gastronomie und Dienstleistungen näher zum Wohnort aufgesucht und quartiersnahe Freiflä- chen gewinnen an Bedeutung. Da ältere Menschen gewöhnlich einen geringeren Bewe- gungsradius haben, gewinnen Quartiere durch den demogra- fischen Wandel zusätzlich an Bedeutung. Online-Handel Es wird erwartet, dass sich der Trend zum Online-Handel weiter fortsetzen und auch im Lebensmitteleinzelhandel an Relevanz gewinnen wird. Mittel- bis langfristig werden sich hierdurch die Quartiersstrukturen verändern. Einzelhandel trägt zu gut funktionierenden Nachbarschaftszentren bei und sollte gestärkt werden. Räumliches Leitbild 2016 Beschreibung Attraktive und lebendige Nachbarschaftszentren sind An- kerpunkte des täglichen Lebens und Katalysatoren für die Stadtentwicklung. Um diese Funktion für die Zukunft zu stärken, sollen Einrichtungen des täglichen Bedarfs und inte- grierte Mobilitätsangebote noch besser miteinander verbun- den und mit einer attraktiven Gestaltung der öffentlichen Räume zu Orten mit hoher Aufenthalts- und Versorgungs- qualität entwickelt werden. Ziele Die Zentren der Nachbarschaften sollen durch eine regel- mäßige Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Personennah- verkehr sowie eine hohe Funktionsdichte und -mischung in ihrer Bedeutung gefördert werden. Die Vernetzung von integrierter Verkehrsplanung, einer hohen Qualität des öf- fentlichen Raums und der architektonischen Gestaltung ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Dort, wo nötig und möglich, sollen neue Nutzungen angesiedelt oder neue Mo- bilitätsangebote in bestehende Zentren integriert werden. Förderung von Nutzungs- und Funktionsmischung in den jeweiligen Quartieren Schaffung attraktiver Nachbarschaftszentren als Anker- punkte des täglichen Lebens und Katalysatoren für die Stadtentwicklung Ausbau von Verknüpfungsstellen der Mobilität S t a r k e M i t t e G r ü n e A d r e s s e K l a r e K o n t u r e n M e h r W o h n e n C o o l e Q u a r t i e r e U r b a n e N ä h e D y n a m i s c h e s B a n d Nachbarschaftszentren Stadtplanungsamt | 69 Zentren und zentrale Orte im Stadtgebiet Klimawandel Die Folgen des Klimawandels werden immer stärker spürbar, Die klimatische Aufwertung von Freiräumen (Hitzeanpas- sung, Starkregen) gewinnt an Bedeutung, insbesondere dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Aufgrund wärmerer Übergangsjahreszeiten (Herbst / Frühling) werden sich die Menschen perspektivisch voraussichtlich häufiger im Freien aufhalten – das ändert evtl. auch die Anforderungen an die Freiraumplanung. Verkehrswende Unter der Verkehrswende wird der Prozess bezeichnet, Ver- kehr und Mobilität auf nachhaltige Energieträger, Verkehrs- mittel des Umweltverbunds und eine Vernetzung verschie- dener Formen des Individualverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs umzustellen. In Karlsruhe werden und wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele beschlossen und umgesetzt, was zur Stärkung der Nachbarschaftszentren beiträgt. In Karlsruhe beschlossen oder umgesetzt Sanierungsgebiete Ziel von Sanierungsgebieten ist es, städtebauliche Missstände oder funktionelle Schwächen eines Stadtgebiets zu beheben. Meist werden hierzu vielfältige Maßnahmen im öffentlichen Raum vorgesehen, darunter auch die Aufwertung oder Umgestaltung öffentlicher Plätze oder anderer Arten von Nachbarschaftszentren. Programm für aktive Mobilität Karlsruhe möchte den Rad- und Fußverkehr systematisch und umfangreich fördern, unter anderem durch eine Um- verteilung des Verkehrsraums. Hierdurch wird sowohl die Erreichbarkeit von Nachbarschaftszentren für das umgebende Quartier als auch deren Aufenthaltsqualität erhöht. Einbettung des Vorhabens in die sieben Stoßrichtungen Ausblick Aktualisierung Beschreibung Die Bedeutung von Nachbarschaftszentren als (kommerz- freie) Begegnungsorte sollte in die Beschreibung aufgenom- men werden. Ziele Nachbarschaftszentren sollen insbesondere für das unmittel- bare Quartier die genannten Funktionen (Ankerpunkte des täglichen Lebens, Katalysatoren für die Stadtentwicklung, Begegnungsorte) übernehmen. Die Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Fahrrad ist daher mindestens ebenso wichtig wie die mit dem ÖPNV. Daher wird empfohlen, die Zielfor- mulierung „regelmäßige Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Personnennahverkehr“ in „gute Erreichbarkeit mit Verkehrs- mitteln des Umweltverbunds“ zu ändern. Hierunter fällt auch eine möglichst barrierefreie Ausbildung der Nachbar- schaftszentren sowie der Zuwege. Den Nachbarschaftszentren kommt gerade im Sommer eine hohe Bedeutung als Treffpunkt und Aufenthaltsfläche zu. Klimatische Aspekte sind daher besonders zu berücksichti- gen, zum Beispiel Begrünung und Verschattung. Zu berücksichtigen ist außerdem der Umgang mit (nächtli- chem) Lärm, der häufig als negative Begleiterscheinung von gut angenommenen Nachbarschaftszentren auftritt. Nachbarschaftszentren beschränken sich nicht auf die Zen- tren, wie sie unter anderem im „Einzelhandelsgutachten und Zentrenkonzept für die Stadt Karlsruhe“ (2007) beschrieben und grob verortet werden. In ihren Funktionen gehen sie auch deutlich über die (Nah-)Versorgung hinaus. Das Erstel- len einer mit allen relevanten Fachämtern abgestimmten Übersichtskarte der Nachbarschaftszentren in Karlsruhe, Analysen ihrer Stärken und Schwächen sowie Vorschläge zur Aufwertung, werden daher als wichtig angesehen. 70 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Sanierungsgebiet „Grötzingen Ortsmitte“ Das Sanierungsgebiet „Grötzingen Ortsmitte“, welches 2019 förmlich festgelegt wurde, umfasst den historischen Ortskern mit dörflichem Charakter, Siedlungserweiterungsflächen sowie jüngere Geschosswohnungsbauten. Im Rahmen des Sanie- rungsverfahrens wurden verschiedene Sanierungsziele formu- liert, um eine lebendige Ortsmitte in Grötzingen mit adäquater Infrastruktur zu schaffen. Mit der Fertigstellung des Mühlgrabenumbaus konnte 2024 eine fußläufige und grüne Erschließung des Ortskerns ent- wickelt werden. Zukünftig erfolgt die Neugestaltung des Niddaplatzes. Hierzu soll der Platz in seiner multifunktionalen Aufgabe gestärkt, die Aufenthaltsqualität gesteigert und die Parkierung – im Einklang mit dem ausgearbeiteten Verkehrs- konzept – neu geordnet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Bahnhofsareal. Hier soll die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden erhöht, die Bushalte- stellen barrierefrei ausgebaut und im Zuge der Straßenraum- gestaltung ein ansprechendes Gesamtbild erzeugt werden. Zentraler Ausschnitt aus dem Maßnahmenplan des Sanierungsgebiets, blau: geplante Maßnahmen, grün: Teil des bereits realisierten Mühlgrabenumbaus Projekte Sanierungsgebiet „Rintheimer Feld“ Im Sanierungsgebiet „Rintheimer Feld“ (2010 bis 2022) hat die Volkswohnung GmbH als überwiegende Immobilienei- gentümerin im Gebiet mit finanzieller Unterstützung aus dem Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ circa 30 Wohnge- bäude saniert – Zeilenbauten der 1950er sowie Punkt- und Hochhäuser der 1970er Jahre. Südlich angrenzend in der Forststraße wurde neues Wohnen in Punkt- und Mehrfamilien- häusern (114 Wohneinheiten) mit einem Versorgungszentrum (CAP-Markt) entwickelt. Letzteres ist ein wesentlicher Baustein zur Versorgung des Gebiets. Parallel wurden die Freiflächen qualifiziert. Fußwegeverbindun- gen und Grünflächen wurden barrierefrei neugestaltet und Quartiersspielplätze für unterschiedliche Altersgruppen inte- griert. Das Landschaftsarchitekturbüro Elke Ukas wurde für die hochwertige Freiraumausgestaltung ausgezeichnet. Den in die Jahre gekommenen Staudenplatz mit flankierenden teils leerstehenden Gewerbeeinheiten hat die Volkswohnung neu geordnet. Er soll zusammen mit dem nördlich angren- zenden Bereich, mit der Zielsetzung „Mehr Wohnen in der Mitte“, behutsam nachverdichtet und zu einem attraktiven Treffpunkt für das Quartier umgestaltet werden. Grundlage für die Entwicklung war das Ergebnis einer Planungskonkurrenz mit vier teilnehmenden Planungsbüros im Oktober 2016. Die Umsetzung erfolgt in Abschnitten auf Basis des städtebau- lichen Konzepts des Planungsbüros Lehen Drei I Architektur Stadtplanung aus Stuttgart. Der Bebauungsplan wurde mittlerweile erstellt und die schwie- rigen Eigentumsverhältnisse geklärt. In 2025 sollen hier in einem ersten Bauabschnitt 106 neue familienfreundliche Woh- nungen bezogen werden können. Neugestaltete zentrale Fußgängerverbindung zwischen Heilbronner und Forststraße, Foto: Stadtplanungsamt, 2017 Stadtplanungsamt | 71 Sanierungsgebiet „Mühlburg“ Festgestellte städtebauliche Missstände konnten im Rahmen des Sanierungsverfahrens (2007 bis 2021) behoben werden. Hierzu wurde innerhalb des Sanierungszeitraums eine Vielzahl von größeren und kleineren Maßnahmen realisiert, unter an- derem: Neugestaltung der gesamten Rheinstraße, mit ihren divergie- renden Straßenbreiten und Nutzungsanforderungen Etablierung von mehr Grün durch die Einbringung von Ra- sengleisen und die Neuanlage von Grünanlagen Neuanlage von Spielplätzen Aufwertung des Linden-, des Lamey- und des Fliederplatzes Auch soziale und identitätsstiftende Projekte, wie die Neu- errichtung eines Bürgerzentrums in Kombination mit der Stadtteilbibliothek wurden durchgeführt und haben mit zur zukunftsfähigen Entwicklung des Stadtteils beigetragen. „Neue Mitte Grünwinkel“ Mit dem Projekt „WestBahnHUB“ (Projektstart 2023) wird im Gewerbegebiet auch ein lebendiges Nachbarschaftszentrum entstehen, das sich insbesondere an Gewerbetreibende und Angestellte richtet. Folgende Maßnahmen und Projekte bilden hierfür eine gute Grundlage: Neuer baulicher Hochpunkt mit Versorgungseinrichtungen und Gastronomie im Erdgeschoss Schaffung eines Vorplatzes zur Haltestelle Karlsruhe West, mit passender Möblierung sowie standortgerechten Bäumen Angebote für Car- und Bike-Sharing Lückenschluss der „Fahrrad-Südtangente“ entlang der Gleise in direkter Verbindung zum WestBahnHUB Neue gewerbliche Ansiedlungen im Umfeld durch den baulichen Hochpunkt, die Umnutzung der Alten Tabakfabrik, die Neuentwicklung des Areals Birkenweg und den B-Plan Westlich der Hardeckstraße Baulich-qualitative Aufwertung der Haltestelle Karlsruhe West und Erhöhung der Zug-Taktung (Absprachen mit der DB laufen momentan) Neugestaltung der Rheinstraße zwischen Peter- und Paul-Platz und Am Entenfang Foto: Stadtplanungsamt, 2016 Skizze zur Neugestaltung des „WestBahnHUB“, städtebaulicher Rahmenplan Grünwinkel, Grafik: berchtoldkrass space&options weitere ProjekteStandBeschreibung Zentrum IIIin BearbeitungIm geplanten Wohngebiet „Neureut-Zentrum III“ werden in jedem Teil-Quartier ein kleiner Platz und ergänzende öffentliche Nutzungen vorgesehen. Darüber hinaus soll im zentralen Bereich des Baugebiets ein größerer Stadtteilplatz entstehen, um den herum wichtige soziale Infrastrukturen (Pflege- und Servicewohnen, große Kindertagesstätte) sowie Dienstleistungsnutzungen, Einzelhan- del und Gastronomie angesiedelt werden. Auch die neue zentrale Haltestelle der durch das Gebiet verlaufenden (verlängerten) Straßenbahnlinie wird zur Belebung beitragen. Zukunft Nordin UmsetzungDer autofrei gestaltete Quartiersplatz hat eine zentrale Funktion über das Gebiet hinaus: Er bildet eine neue Quartiersmitte für die gesamte Nordstadt aus. Er soll Aufenthaltsqualität bieten und zum lebendigen und vielfältig nutzbaren Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger werden. Die Ge- bäude um den Platz herum werden mit Arkaden versehen und in ihren Erdgeschossen ausschließ- lich öffentliche Nutzungen, wie ein Nahversorger, Einzelhandel und Gastronomie untergebracht. 72 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Monitoring der Maßnahmentabelle von 2016 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Karlsruhes Konturen ausbilden Federführung ämterüber- greifend: Stadtplanungsamt, Gartenbauamt, Amt für Stadt- entwicklung Zu beteiligen: Liegenschaftsamt, Umwelt- und Arbeitsschutz, Forstamt, Grundeigentüme- rinnen und Grundeigentümer, Anwohnerinnen und Anwohner, Landwirtschaft und Natur- schutzverbände Kirchfeld NordDas Wohnquartiert ist aufgesiedelt, die Gewerbflächen sind zum Teil noch in der Entwicklung. Ja Entwicklung beispielhafter Ränder und Randtypologien Der Freiraumentwicklungsplan 2017 trifft Aussagen zum Umgang mit verschiedenartigen inneren und äußeren Rän- dern. Ja Übersichtskarte der äußeren und inneren Konturen mit land- schaftlichen und städtebaulichen Qualitäten Der Maßnahmenkatalog des Freiraumentwicklungsplanes 2017 enthält Aussagen hierzu. Ja Gestaltungskatalog und -kriterien für landschaftliche und städtebauliche Aufwertungsmög- lichkeiten Der Maßnahmenkatalog des Freiraumentwicklungsplanes 2017 enthält Aussagen hierzu. Ja Stadteingänge inszenieren Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Gartenbauamt, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer Durlacher Allee (Zukünftig: Um- setzung Messplatz, Gleisbauhof) Durlacher Allee: Die städtebauliche Gestaltung der Nordseite mit der Neuansiedlung von IKEA, dem VBK-Betriebshof und dem Finanzamt ist abgeschlossen. Für den südlichen Teil, ehemals ESG Frankonia und Kleingärten, wurde 2024 ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst. Messplatz: Der Gemeinderat hat einer Verlagerung des Messplatzes nicht zugestimmt, daher wird das Projekt aktuell nicht weiterverfolgt. Gleisbauhof: Der Gleisbauhof bleibt langfristig im Besitz der Deutschen Bahn und wird weiterhin als solcher genutzt. Im Sommer 2024 wurde ein Aufstellungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren „Durlacher Allee, Güterumgehungs- bahn Karlsruhe 4210, Durlacher Allee 106 (Alter Gleisbauhof) und Ostring“ gefasst. Ein Ziel ist die Gestaltung eines reprä- sentativen Erscheinungsbilds zur Durlacher Allee. Zum Teil Nein Zum Teil Ettlinger Allee/BahnhofEine Ausformung des (Innen-)Stadteingangs Ettlinger Allee wird mittelfristig nicht weiterverfolgt. Der Bahnhofsbereich Südseite wurde inklusive Platzfläche im zentralen Bereich realisiert. Weitere Bereiche befinden sich noch in der Projek- tierung. Zum Teil Wolfartsweierer Straße/ Ludwig-Erhard-Allee Nordseite: Baufelder Lohfeld werden nach und nach umge- setzt, Bebauungsplan Ludwig-Erhard-Allee, Ostendstraße, Frühlingsstraße, Sommerstraße (in Bearbeitung) Südseite: Bebauung abgeschlossen Zum Teil Ja Weiterentwicklung der Konzept- skizze und Steckbriefe potenziel- ler Stadteingänge Im Rahmen des Höhenentwicklungskonzepts wurden weitere Stadteingänge identifiziert. Steckbriefe wurden nicht erstellt und sind auch langfristig nicht vorgesehen. Bei baulichen Planungen an Stadteingängen wird das Konzept angewendet. Ergänzende Ansätze bietet der Freiraumentwicklungsplan von 2017. Eine Übersichtskarte aller Stadteingänge in Karlsruhe, abgestimmt mit den relevanten Fachämtern, wird als sinnvoll erachtet und muss noch erstellt werden. Zum Teil Stadtplanungsamt | 73 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Definitionen und Kriterien ver- schiedener Arten von „Stadtein- gängen“ für Karlsruhe Bei einem künftigen Abstimmungsprozess zur Übersichtskarte über alle Stadteingänge in Karlsruhe sollten auch die Begriffe für die verschiedenen Arten von Stadteingängen geklärt werden. Nein Erarbeitung HochhauskonzeptDas Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe wurde 2020 be- schlossen. Es trifft Aussagen zu allen Bereichen der Stadt, sobald ein Gebäude von der Regelbauweise nach oben ab- weichen soll. Ja Freiräume stärken Federführung: Gartenbauamt Zu beteiligen: Stadtplanungs- amt, Amt für Stadtentwicklung, Umwelt- und Arbeitsschutz, Forstamt, Liegenschaftsamt, Stadtjugendausschuss, Tief- bauamt, Schul- und Sportamt, Ortsverwaltungen Landschaftspark Rhein (Zukünftig: Hafenbrücke) Landschaftspark Rhein: Der Landschaftspark Maxau, die Ba- stion am Pionierhafen sowie die Rad- und Grünverbindungen von Mühlburg und Knielingen zum Rhein wurden seit 2015 fertiggestellt. Ziel der Planung war, eine zusammenhängende Naherholungslandschaft im Kontext der Rheinauen zu ent- wickeln und diese durch Grünverbindungen an das Stadtge- biet anzubinden. Hafenbrücke: Projektstudien und Entwurfsskizzen liegen vor (siehe auch Freiraumentwicklungsplan 2017). Ziel ist der Bau einer Brücke für den Rad- und Fußverkehr am Rheinhafenein- gang. Diese soll eine attraktive und überregional bedeutsame Verbindung zwischen den nördlich und südlich gelegenen Landschafts- und Erholungsräumen schaffen. Ja Zum Teil Grüne Nordspange–WestDas Ziel ist ein durchgängig erlebbarer Freiraum mit hohen landschaftlichen Qualitäten zu schaffen, der von Bebauung freigehalten wird. Der westlicher Abschnitt reicht von Knielin- gen zwischen Neureut und Nordweststadt zum Hardtwald. Im Freiraumentwicklungsplan 2017 wurde der erste Strukturplan (2015) aufgegriffen und ergänzt. Landschafts- und Flächen- nutzungsplan 2030 beinhalten die Darstellung der Grün-/ Freiflächen und definieren angrenzende Bebauungsgebiete. Die vormals geplante Straßentrasse der Nordtangente wurde herausgenommen. Schutzgebiete (LSG und FND) sind inzwi- schen rechtskräftig ausgewiesen. Die Konzeptphase für die weitere Ausgestaltung hat begonnen und wird mit der Ein- bindung städtischer Dienststellen weitergeführt und inhaltlich vertieft. Zentrale Leitthemen beziehungsweise Handlungsfel- der sind Landnutzung, biologische Vielfalt, Landschaftserle- ben/Bewegung sowie Erschließung/Wegenetz. Zum Teil Vom Turmberg zum Rhein (Abschnitt Gleisbauhof) Geschaffen werden soll eine Grünspange südlich des Stadt- zentrums zur Verknüfung der Vorbergzone mit den Rheinau- en. Lückenschluss zwischen Ostring und Mastweidenweg am Gleisbauhof ist abhänging von Grundstücksverfügbarkeit (DB-Liegenschaft). Nein Flächenkonzept: Übersicht, Be- standserfassungen und Bewer- tungen prioritär zu behandelnder Freiräume Der Freiraumentwicklungsplan wurde 2017 vom Gemein- derat beschlossen und anschließend veröffentlicht (Text und Karten). Er beinhaltet eine Übersicht der Bestandser- fassungen und der Bewertungen prioritär zu behandelnder Freiräume. Ja 74 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Hardtwald behutsam nutzen Federführung: ForstBW Zu beteiligen: Forstamt, Garten- bauamt, Stadtplanungsamt Forschungsprojekt „Urbane Waldwirtschaft“ Das Projekt wurde 2019 abgeschlossen. Durch die Forstre- form zum 1. Januar 2020 wurde der Hardtwald (nördlich Schlossgarten) im Eigentum des Landes (Staatswald) in den neu gegründeten Landesbetrieb ForstBW als Anstalt des öf- fentlichen Rechts aus der bisherigen Einheitsforstverwaltung ausgegliedert. Die Stadt hat damit keinen direkten Einfluß mehr auf die Bewirtschaftung dieses stadtnahen Waldes. Das städt. Forstamt ist aber weiterhin als untere Forstbehörde für den Staatswald, damit auch für den Hardtwald zuständig. Ja Nutzungsanalyse HardtwaldDer Landesbetrieb ForstBW hat 2021 die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt mit einem Projekt zur räumlichen Analyse des Nutzungsaufkommens und der Nutzungskonflik- te beauftragt. Dazu wurde unter anderem eine Online-Befra- gung mit dem Titel „Meine Waldzeit“ durchgeführt. ForstBW AöR möchte Bürgerinnen und Bürger sowie Interessengrup- pen in den urbanen Regionen in die forstliche Planung des Staatswaldes einbeziehen. Die Ergebniskarten werden als Fachbeitrag in die Forsteinrichtung für den Staatswald inte- griert. Sie dienen den Einrichtenden und Revierleitenden vor Ort als Werkzeug für die Maßnahmenplanung und -lenkung. Zudem bilden sie eine Arbeitsgrundlage für die Besucherlen- kung, Ressourcensteuerung, Erarbeitung von Konfliktlösungen und Priorisierung von Managementzielen. Ja Umsetzung der Waldnaturschutzstrategie Das städtische Forstamt geht davon aus, dass im Hardtwald (Staatswald) weiterhin eine Waldnaturschutzstrategie umge- setzt wird. Ja Fortschreibung Forsteinrichtungsplan Der Stichtag der letzten Forsteinrichtung lag am 1. Januar 2018. Die nächste Forsteinrichtung wird dann wieder zum Stichtag 1. Januar 2028 stattfinden. Ja Zukunft Innenstadt angehen Federführung: Dezernat 1 (Ober- bürgermeister) Koordination: Karlsruher Fächer GmbH Kooperation: Stadtplanungsamt, Wirtschaftsförderung, Amt für Stadtentwicklung, Karlsruher Schieneninfrastrukturgesell- schaft mbH Sanierungsgebiet Innenstadt-OstIn der Innenstadt Ost von Karlsruhe sind seit Jahren städ- tebauliche Missstände erkennbar, geprägt von Billigläden, Leerständen und mangelnder Aufenthaltsqualität. Ein Rück- gang des Einzelhandels und fehlendes attraktives Wohnange- bot verstärken die Probleme. Der Gemeinderat hat 2018 ein Sanierungsgebiet festgelegt, um die Missstände zu beheben. Das Gebiet wurde in das Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ (ASP) aufgenommen, und eine Anschubfinanzierung von 4,2 Mio. Euro wurde bewilligt. An- schließend wurden in einem Bürgerdialog und mit der Politik Maßnahmen erarbeitet, die nun in den nächsten 12 Jahren umgesetzt werden sollen. Die Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich aktiv am Erneuerungsprozess des Quartiers zu beteiligen. Erste Maßnahmen, wie der Abriss der Elefan- tenhalle, sind bereits erfolgt. Zum Teil Ettlinger Tor/Staatstheater – Kriegsstraße – Festplatz/Stadt- garten Mit dem Umbau des Staatstheaters und dem Neubau des Landratsamtes entstehen am Ettlinger Tor neue städtebauli- che Qualitäten, einschließlich einer attraktiven Freiraumge- staltung. Der Hermann-Levi-Platz am Staatstheater wird nach einem Wettbewerbsentwurf von 2021 mit baumbestandenen Grüninseln, Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel ausge- stattet. Auch der neue Platz vor dem Landratsamt wird als offene Freifläche mit großen Baumgruppen gestaltet. Zum Teil Stadtplanungsamt | 75 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Eine Bebauung am Standort des ehemaligen Postgiroamts steht noch aus. Der Grundstückseigentümer plant in Ab- stimmung mit der Stadt einen zweistufigen Wettbewerb mit öffentlicher Beteiligung. Das Ergebnis wird die Grundlage für den städtebaulichen Vertrag und das Bebauungsplanverfah- ren sein. Im Fokus stehen architektonische Qualitäten, ein Nutzungsmix aus Handel und Wohnen sowie freiraumplane- rische Aspekte. Erste Baumaßnahmen sind ab Ende 2027 zu erwarten. Einzelhandelskonzept als flankie- rendes Fachgutachten „Aktionsplan City 2020-2026“ (2019): Auf Grundlage des „Gutachten[s] zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030“ wurden die mit sämtlichen Akteuren der Innenstadt ausgearbeiteten Maßnahmenemp- fehlungen für eine zukunftsfähige Ausrichtung der Karlsruher Innenstadt in den Aktionsplan überführt. Ziel ist eine Stär- kung der Attraktivität und Multifunktionalität der Innenstadt. Ja Räumliche Ist-Zustandsanalyse und Voruntersuchungen „Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030“ (2018): Die Analyse ergab sechs Citybereiche mit unterschiedlichen Lageprofilen für die Strategien und Empfehlungen erarbeitet wurden. Ja Umfragen zur Innenstadt„Umfragen zur Karlsruher City 2022“ (2022): Im Rahmen der jährlichen Bürgerumfrage und der dreijährlich stattfin- denden Regionsumfrage wurden Fragen zur Entwicklung der Innenstadt gestellt. Zusätzlich beteiligte sich die Stadt an der bundesweiten Passantenumfrage „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln. Die Karlsruher Bevölkerung, Passantinnen und Passanten in der Innenstadt sowie die Bevölkerung im Umland wurden zu ihrem Besuchs- verhalten, der Wahrnehmung der Angebote und ihren Wün- schen zur Entwicklung der Innenstadt befragt. Zum Einsatz kamen eine Onlineumfrage mit Papieroption, Face-to-face- Befragungen in der Innenstadt und telefonische Interviews im Umland. Ja Quartier Bahnhof weiterdenken Federführung: Wirtschaftsförde- rung, Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Amt für Stadt- entwicklung, Deutsche Bahn AG, Verkehrsbetriebe Karlsruhe, Liegenschaftsamt, Kulturamt, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, Untere Denk- malschutzbehörde Entwicklung Hauptbahnhof Süd und Fernbusterminal Projekt befindet sich in Umsetzung. Die verschiedenen Bau- steine werden nacheinander beziehungsweise teilweise par- allel in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt und weiteren Akteuren bearbeitet. Die Realisierung eines Fernbusterminals ist vorerst zurückgestellt. Zum Teil Übersicht/Raumbeobachtung für das Gesamtquartier inklusive bestehender Nutzungswünsche Wird schrittweise und korrespondierend mit den einzelnen Bausteinen erstellt. Seit 2017 hat die Stadtverwaltung Karls- ruhe für priorisierte Projekte der Stadtentwicklung eine res- sortübergreifende Vorgehensweise etabliert – die sogenannte IQ-Arbeitsweise (Innovativ und quervernetzt). Dabei wurden sechs zentrale Korridorthemen identifiziert und Leitprojekte initiiert. Das Entwicklungsquartier Hauptbahnhof Süd ist eines der Leitprojekte des Korridorthemas Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt und wird intensiv begleitet. Zum Teil 76 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Bestehende Quartiere weiterentwickeln Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Amt für Stadt- entwicklung, Wirtschaftsförde- rung, Liegenschaftsamt, Garten- bauamt, Tiefbauamt, Sozial- und Jugend behörde, Umwelt- und Arbeitsschutz, Zentraler Juristi- scher Dienst Rahmenplan WaldstadtRahmenplan: Der städte bau li che Rahmen plan dient als Grundlage für die quali fi zier ten Steuerung der inneren Entwick lung der Waldstadt und wurde 2015 vom Gemeinde- rat beschlossen. Umsetzung Flächenpotenziale aus dem Rahmenplan: Einige Entwicklungsmöglichkeiten im bestehenden B-Plan wurden umgesetzt beziehungsweise angestossen (Aufstockungen von Wohnzeilen). Der Vorhabenbzogene Bebauungsplan Inster- burger (Umnutzung ehem. Garagenhof in Wohnen +Kita) ist abgeschlossen, das Vorhaben ist in der Vermarktung. Weitere Bebauungspläne zur Schaffung von Wohnraum sind in Bearbeitung (Insterburger Straße (Wohnen + Kita), sowie im Bereich der Königsbergestraße (Königsbergersraße West – Wohnbauentwicklung der Volkswohnung. Die Dynamik der Umsetzung wurde allerdings durch Wiederstände aus der Bevölkerung (Bürgerinitiative) und der steigenden Kosten im Bausektor eingebremst. Ja Zum Teil Rahmenplan NordweststadtRahmenplan: Die Rahmenplanung lotet Spielräume, Optionen aber auch Grenzen einer möglichen Weiterentwicklung des Stadtteils aus und wurde 1018 vom Gemeinderat beschlos- sen. Umsetzung Flächenpotenziale aus dem Rahmenplan: Für den Bereich der August- Bebel. Straße hat die Volkswohnung ein Rahmenkonzept zum Ausbau und Sanierung ihrer Bestände vorgelegt. Das Vorhaben wurde aufgrund der steigenden Kosten im Bausektor und reduzierten Fördermöglichkeiten für Neubau auf Eis gelegt. Schwerpunkt liegt nun auf der Sanie- rung der vorhandenen Bebebauung. Weitere Maßnahmen in der Nordweststadt sind in Vorbereitung, unter anderem kann mit Verlagerung der Siemenschule entsteht ein Flächenpo- tenzial an der Landauer Straße. Der Bebauungsplan Nancy- Straße (Schaffung Wohnraum, Kita und Pflegeheim) wird nun in Priorität 1 vorangetrieben Ja Zum Teil Grünwinkel - Hardecksiedlung und Grünwinkel - Heidenstücker- siedlung Neue Rahmenbedingungen: Das Bundeskabinett hat am 4.9.2024 den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der integrierten Stadtentwicklung (Baugesetzbuchnovelle) beschlossen. Es ist zu prüfen, inwiedern die neuen Rahmen- bedingungen gewünschte bauliche Entwicklung auch ohne Bebauungsplanverfahren ermöglichen. Nein Flächenreserven an Verkehrs- straßen Die spezifische Fragestellung wurde zum Teil in das Projekt des Karlsruher Wohnflächenpotenzialatlas integriert. Dieser bietet eine Übersicht über alle Wohnbaupotenziale im Innen- bereich und dient als Grundlage für ein aktives Flächen- management. Innovative Lösungsansätze, um bisher verborgene Potenziale zu aktivieren oder schwer realisierbare Flächen nutzbar zu machen werden weiterhin geprüft und verfolgt. Ja Dauer- aufgabe Stadtplanungsamt | 77 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Bewertung und Priorisierung der Vertiefungsbereiche Seit 2016 gab es bereits mehrere Durchläufe zur Bewertung und Priorisierung der identifizierten Vertiefungsbereiche. Diese werden als Daueraufgabe in unregelmäßigen Abstän- den fortgeführt. Ergänzend dazu ist es wichtig, über die notwendigen Ressourcen zu verfügen, um flexibel reagieren und bestehende Chancen wahrnehmen zu können. Dauer- aufgabe Perspektivplan Sanierungsgebiete Aufgabe wird als Daueraufgabe fortgeführt.Dauer- aufgabe Zeitliche Verfügbarkeit von Flächen Aufgabe hat sich als nicht praktikabel erwiesen.Nein Weiterentwicklung Dichtemodell zu Bauhöhenplan Das Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe wurde 2020 be- schlossen. Es trifft Aussagen zu allen Bereichen der Stadt, sobald ein Gebäude von der Regelbauweise nach oben ab- weichen soll. Bei baulichen Entwicklungen in die Höhe sind „Mehrwehrte“ für die Stadt oder das Quartier nachzuweisen, zum Beispiel die Entsiegelung und Begrünung ehemaliger Verkehrsflächen oder ein besonders hoher Anteil an Sozial- wohnungen. Ja Gesamtstädtische Untersuchung Projekt „Stadtstraßen“ „Im Verkehrsentwicklungsplan werden Straßen mit Umgestal- tungspotential aufgeführt: Herrenalber Straße (in Planung), B10 alt (Rückbau von Fahrstreifen und Einrichtung eine P&R-Platzes für den Bahnhof Durlach ist erfolgt), Pulverh- ausstraße (Gestaltungspotential wird mit einer möglichen Straßenbahnlinie gesehen), Rheinbrückenstraße (Gestaltungs- potential wird mit Entlastungseffekten bei Bau der Querspan- ge gesehen). Zudem werden anlassbezogen insbesondere an Straßen, die nicht zum Hautpnetz des Kfz-Verkehrs gehören, Umgestaltungspotentiale zur Förderung der aktiven Mobilität geprüft zum Beispiel Fahrradstraßen, verkehrsberuhigte Berei- che, Querungsstellen“ Ja Neue Quartiere entwickeln Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Liegenschaftsamt, Gartenbauamt, Umwelt- und Arbeitsschutz „Zukunft Nord“Rahmenplan: Auftakt der Planung des neuen Quartiers für circa 3 600 Einwohnende war 2015 der städtebauliche Ide- enwettbewerb „Zukunft Nord“, deren Preisträger 2016 den Rahmenplan als Grundlage für die weitere Ausgestaltung des neuen Stadtteils entwickelten. Bebauungsplan: Für das 27,4 Hektar umfassende Areal zwischen der Erzberger Straße und dem Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ in der Nordstadt wurde Ende des Jahres 2022 der Bebauungsplan „Westlich der Erzber- gerstraße zwischen New-York-Straße und Lilienthalstraße“ rechtskräftig. Realisierung: Erste Wettbewerbe für einzelne Baufelder wurden bereits 2023 ausgelobt; auch die Gestaltungskom- mission zur Beratung geplanter Vorhaben hat bereits mehr- fach getagt. Der erste Teilumlegungsplan ist Ende des Jahres 2023 in Kraft getreten. Erste Bauanträge für den nördlichen Abschnitt des Bebauungsplangebietes werden noch 2024 erwartet. Es ist vorgesehen, in den Prozess der Konzeptverga- be für Baugruppen Ende des Jahres 2024 einzusteigen. Ja Ja Zum Teil 78 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Mehr Wohnen in Neureut („Zentrum III“) Rahmenplan: Im Norden von Karlsruhe, im Stadtteil Neureut, soll ein etwa 24 Hektar großes Areal zu einem neuen Wohn- quartier mit den benötigten Infrastruktureinrichtungen für bis zu 3 800 Einwohnende entwickelt werden. Nach einem ersten Beteiligungsprozess (ab September 2016) und einem Städtebaulichen Wettbewerb (2017/2018) wurde ein städ- tebaulicher Rahmenplan entwickelt und vom Gemeinderat schließlich am 21. Juli 2020 als Grundlage für die Einleitung eines Bebauungsplan-Verfahrens beschlossen. Bebauungsplan: Inzwischen wurde die erste Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und die frühzeitige Bürgerbetei- ligung durchgeführt und ein erster Vorentwurf erstellt. Die erforderlichen Umweltgutachten werden derzeit erarbeitet, und die gewonnenen Erkenntnisse sowie Anregungen aus der Bürgerbeteiligung fließen in den Bebauungsplan-Entwurf ein. Ja Zum Teil Unten am Grötzinger Weg/ Durlach Die dort bestehenden Sportplätze sollen in die Untere Hub verlagert werden, um Platz für neue Wohnbauflächen zu schaffen. Um die baurechtlichen Voraussetzungen für die Planung zu schaffen, wurde der Flächennutzungsplan be- reits entsprechend geändert – der Bebauungsplan befindet sich derzeit im Verfahren. Da sich der Kauf einiger weniger Grundstücke für die neuen Sportflächen als schwierig erweist, kann jedoch kein konkreter Zeitplan genannt werden. Zum Teil Wohnungsstrategie: erwünsch- ter/benötigter Wohnungsmix, Anzahl Wohneinheiten/Jahr, zeit- liche Verfügbarkeit von Potenzi- alen, Umsetzungsmöglichkeiten „Stadtentwicklungsstrategie 2035 Wohnen und Bauen“ (2021): Im Juli 2021 hat der Gemeinderat die „Stadtentwick- lungsstrategie 2035 – Wohnen und Bauen“ beschlossen. Aufbauend auf einer umfassenden Analyse des Wohnungs- marktgeschehens in Karlsruhe leitet die Stadtentwicklungs- strategie Zielsetzungen, Leitlinien und weiterentwickelte oder neue Maßnahmen zur quantitativen und qualitativen Ertüch- tigung der Wohnbautätigkeit im Stadtgebiet ab. Ziel ist die Erreichung eines langfristig nur noch moderat angespannten Wohnungsmarkts in der Fächerstadt mit rund 10 300 reali- sierten Wohneinheiten bis 2035. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Wohnungsmarktsegmenten, die geeignet sind, Haushalte mit Versorgungsschwierigkeiten am Wohnungs- markt zielgerichtet zu unterstützen. Konkret werden in den Bereichen Sozialmietwohnungsbau, genossenschaftliches/ preisgedämpftes Wohnen, studentisches sowie familientaug- liches Wohnen messbare Ziele (Anzahl neuer Wohneinheiten) bis zum Jahr 2035 angestrebt. Ja Stadtplanungsamt | 79 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Klimaanpassung im Quartier umsetzen Federführung: Stadtplanungs- amt, Umwelt- und Arbeits- schutz, Gartenbauamt Zu beteiligen: Tiefbauamt, Bau- ordnungsamt, Liegenschaftsamt REGEKO GrünwinkelDas Projekt REGEKO ist abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts wurde in einem Fachforum über Maßnahmen der Klimaanpassung informiert. Im Mittelpunkt der Expertenvor- träge standen Themen wie Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserversickerung und Überflutungsschutz. Zur Verdeutlichung wurden Best-Practice-Beispiele aus einem Gewerbegebiet vorgestellt. Zudem wurden nützliche Kontakte vermittelt. Dabei wurde hervorgehoben, wie wichtig das Bewusstsein für die Risiken von Starkregen und Überflutung ist, da diese erhebliche Schäden verursachen können – viele Unternehmen sind sich dieser Gefahren nicht ausreichend bewusst. Sanierungsgebiet Innenstadt-OstAufgrund von Blockrandbebauungen mit häufig geschlos- senen Innenhöfen und unzureichender Frischluftschneisen ist die Innenstadt Ost ein Karlsruher Hitze-Hotspot. Mit der Sanierung sollen die klimatischen Bedingungen für die Men- schen im Quartier verbessert werden. Dafür setzt die Stadt auf das Sanieren von Gebäuden, das Entsiegeln von Flächen und die Begrünung öffentlicher Räume sowie die Begrünung von Blockinnenbereichen oder privater Höfe. Zum Teil Zukunft InnenstadtDer Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West“ befindet sich im Frühjahr 2024 in der öffentlichen Auslegung. Die Planung zielt darauf ab, Grünflächen zu sichern, weiterzu- entwickeln und zu vermehren sowie den Bestand klimaange- passt umzugestalten, insbesondere in Bezug auf die Regen- wasserbewirtschaftung. Zum Teil „Grüne Stadt“Karlsruhe hat sich „Grüne Stadt Karlsruhe“ als so genanntes Korridorthema gesetzt. Es ist damit eines von sechs Schwer- punktthemen der zukünftigen Stadtpolitik und bündelt die Handlungsfelder Klima, Gesundheit und Natur mit dem Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Innerhalb dieses Kor- ridorthemas Grüne Stadt wurden vier Leitprojekte definiert. Mit den Leitprojekten „Urbanes Grün“ und „Stadt der Biolo- gischen Vielfalt“ stehen die Weiterentwicklung einer grünen und gesundheitsfördernden Umgebung sowie der Schutz der natürlichen Ressourcen und der biologischen Vielfalt unseres Stadtgebietes im Fokus. Klimaschutz und Klimaanpassung sind in den Projekten „Klimaneutrales Karlsruhe“ und „Stadt im Klimawandel“ vertreten. Zum Teil Flankierende AnalysenAufgabe wird als Daueraufgabe etabliert. Ausgestaltung erfolgt individuell, je nach Projekt. Dauer- aufgabe Wirkungsanalyse von Anpas- sungsmaßnahmen für geplante Sanierungsgebiete Die Stadt Karlsruhe hat sich 2024 gemeinsam mit dem For- schungszentrum Informatik um Fördermittel für den Aufbau eines digitalen Klima-Zwillings beworben. Ziel ist es, künftig die klimatischen Auswirkungen baulicher Maßnahmen im 3D-Stadtmodell vorab zu simulieren. Zum Teil Zeitliche Übersicht geplanter Sanierungsmaßnahmen im Stra- ßenraum Liegt für die einzelnen Sanierungsgebiete vor. Wird zukünftig zentral erfasst, um diese auch mit dem Bau und der Sanie- rung der technischen Straßeninfrastruktur (Kanäle, Leitun- gen...) zu koordinieren. Zum Teil 80 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Vorhandene Gewerbe- gebiete optimieren Federführung: Wirtschaftsförde- rung, Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Unternehmen, Amt für Stadtentwicklung, Gartenbauamt, Umweltamt, Stadtwerke Karlsruhe, Karlsruher Energie- und Klimaschutzagen- tur gGmbH, Tiefbauamt, Ord- nungs- und Bürgeramt, Karlsru- her Fächer GmbH REGEKO Grünwinkel (Zukünftig: Erweiterung nach Osten) Das Projekt REGEKO ist abgeschlossen. Im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg geförderten Programms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wurde im ersten Bau- stein ein Maßnahmenplan zur Optimierung und Reaktivierung von Flächen entwickelt. Der zweite Baustein konzentrierte sich auf die Verstetigung dieser Entwicklungen, insbesondere durch einen intensiven Beteiligungsprozess. Durch die Akti- vierung und Vernetzung der Akteure sowie kontinuierliche Wissensvermittlung sollten Impulse zur Behebung städtebau- licher und funktionaler Defizite gegeben werden, mit dem Ziel, ein Modellquartier für flächensparendes, innovatives und ressourcenschonendes Wirtschaften zu schaffen. Im Zuge des Prozesses wurde zudem ein städtebaulicher Rahmenplan er- arbeitet, der konkrete Aussagen zur städtebaulichen Erneue- rung des Gebiets, zur Neuordnung der Verkehrsinfrastruktur, zur Gestaltung wichtiger Räume und zur besseren Ausnut- zung der Grundstücke liefert. Darauf aufbauend bearbeitet ein ämterübergreifendes Team auf gesamtstädtischer Ebene das Projekt „Strategische Innenentwicklung von Gewerbeflä- chen - nachhaltig und innovativ“ (kurz: StrIGeni). Ja Südband (Ottostraße/Wachhausstraße) Im Rahmen des Projekts „Strategische Innenentwicklung von Gewerbeflächen – nachhaltig und innovativ“ (kurz: StrIGeni) wurde eine Potenzialkarte erstellt. Momentan ruht die Pla- nung. Zum Teil Daimlerstraße/Gablonzer StraßeWird im Rahmen des Projekts „Strategische Innenentwick- lung von Gewerbeflächen – nachhaltig und innovativ“ (kurz: StrIGeni) bearbeitet. Die Priorität ist noch nicht bestimmt. Zum Teil Vertiefte Bestandsaufnahme, Überarbeitung der gesamtstädti- schen Gewerbeflächenstudie Der Abschlussbericht der gesamtstädtischen Gewerbeflächen- studie wurde September 2021 fertiggestellt und anschließend den Gremien vorgestellt. Die Nachfrage nach Gewerbegrund- stücken überschreitet das Angebot bei weitem. Die Studie wies ein Bedarf von knapp 39 Hektar Gewerbeflächen nach- selbst unter Berücksichtigung aller noch unbebauten Flächen im Flächennutzungsplan und aller vorhandenen Potenziale zur Innenentwicklung auf bereits ausgewiesenen Gewerbeflä- chen gemäß dem bisherigen Baurecht. Ja Entwicklung eines Maßnah- menkatalogs im Hinblick auf die Veränderungspotenziale der Gebiete Wird im Rahmen des Projekts „Strategische Innenentwick- lung von Gewerbeflächen – nachhaltig und innovativ“ (kurz: StrIGeni) erstellt. Zum Teil Funktionen mischen Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Wirtschaftsförde- rung, Gartenbauamt, Liegen- schaftsamt Quartier Zukunft (Zukünftig: Oststadt Plus) Das „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ ist ein Forschungspro- jekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), das seit 2012 ein Stadtquartier gemeinsam mit Bürgerschaft, Wis- senschaft, Politik und Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt. Seit 2013 ist es im Stadtquartier Oststadt aktiv. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen KIT und Stadtge- sellschaft zu stärken. Dabei bringt das KIT sein Wissen in die Region ein, während die Bürgerinnen und Bürger wichtige Impulse aus der Praxis liefern. Das wissenschaftliche Team koordiniert und begleitet die Nachhaltigkeitsarbeit im Quar- tier. Zum Teil Stadtplanungsamt | 81 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Kammhuber-KaserneDas etwa 10 Hektar große Gelände der General-Kammhuber- Kaserne wurde nach der militärischen Nutzung Anfang der 2000er Jahre teilweise zivil genutzt, während andere Berei- che brachlagen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) plant nun eine langfristige Entwicklung des Geländes, um Bundesbehörden unterzubringen und Wohnraum zu schaffen. 2022 fand ein städtebaulicher Wettbewerb statt, dessen Siegerentwurf die Grundlage für den Bebauungsplan bildet. Geplant sind fünf- bis sechsgeschossige Gebäude, mit städtebaulichen Akzenten und einer Freiraumgestaltung, die hohe Aufenthaltsqualität bietet. Zum Teil Mischgebietsatlas: Potenzial- und Ausschussgebiete mit Steck- briefen Wird momentan nicht weiterverfolgt.Nein Rechtliche Lösungen für Mischgebiete mit Wohnen und Gewerbe „Urbanes Gebiet“ als zusätzliche Nutzungsart in Baunut- zungsverordnung aufgenommen. Räumliche Nähe von (pro- duzierendem) Gewerbe und Wohnen wird momentan nicht verfolgt. Nein Cluster weiterentwickeln Federführung: Stadtplanungs- amt, Wirtschaftsförderung, Zu beteiligen: Gartenbauamt, Liegenschaftsamt, Investorinnen und Investoren, Grundeigentü- merinnen und Grundeigentümer, Regional verband Mittlerer Oberrhein Schlachthof-Areal (Zukünftig: Erweiterung in Rich- tung Oststadt, unter anderem Straßenbahn-Depot) Auf dem rund sieben Hektar großen ehemaligen Schlachthof- Areal ist mittlerweile eines der wichtigsten Quartiere für die Kreativbranche im Südwesten entstanden. Die Flächen der VBK im Norden des Areals sind zwischenzeiltich entwickelt. Richtung Messplatz gibt es keinen neuen Sachstand. Ja Wissenschaftscluster vom Karlsruher Institut für Techno- logie zum Technologiepark (KIT Campus Süd–Ost, Mackensen- Kaserne) Wettbewerbsergebnis liegt vor mit neuer, vielfältiger Nut- zungsmischung. Erweiterung des Technologieparks ist dabei mitgedacht. Der Bebauungsplan ist in Bearbeitung. Zum Teil Analyse und Prüfung Cluster im Bereich Produktion und Techno- logie, Forschung und Entwick- lung, Logistik und Industrie, Lehre und Forschung, Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft und Energieproduktion Mitelfristig keine Flächen, um zusätzliche räumliche Cluster auszubilden. (Digitale) Vernetzung thematischer Cluster wird durch die Stadt unterstützt. zum Teil Langfristige Perspektiven denken Federführung: Stadtplanungs- amt, Außenbeziehungen, Wirtschafts förderung, Zu beteiligen: Deutsche Bahn AG, Rheinhafen Karlsruhe, Region, Nachbarschaftsver- band Karlsruhe, Magistrale für Europa, Corridor Development Rotterdam-Genua (Code24), Regionalverband Gleisbauhof SüdDie Stadt ist mit der DB im regelmäßigen Austausch. Fläche wird weiterhin von der DB genutzt und steht auch langfristig nicht zur Verfügung. Nein Drehkreuz Logistik Güterbahn- hof/Rheinhafen Die Stadt ist mit der Betreibergesellschaft des Hafen und der DB im regelmäßigen Austausch. Der Hafen bemüht sich um den Aufbau eines Wasserstoff-Hubs. Flächen stehen auch langfristig nicht für Siedlungsentwicklung zur Verfügung. Nein Übersicht über mögliche Ent- wicklungen auf den „Perspektiv- flächen“ und in ihrem Umfeld Auch langfristig wird keine der Perspektivflächen zur Sied- lungsflentwicklung zur Verfügung stehen. Im Hafen steht die Entwicklung einer Zukunftsgerichteten Energieinfrastruktur im Fokus. Nein Langfristige regionale/nationale Energie- und Logistikkonzepte Der Hafen wird an das Wasserstoff-Kernnetz angebunden und bemüht sich um den Aufbau eines Wasserstoff-Hubs. Zum Teil 82 | Räumliches Leitbild Karlsruhe – 1. Monitoring Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt Mobilitätskonzepte für Quartiere entwickeln Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Karlsruher Verkehrs verbund, Tiefbauamt, Ordnungs- und Bürgeramt, stadtmobil Carsharing GmbH & Co. KG Mobilitätskonzept Zukunft NordZukunft Nord wird als IQ-Projekt „nachhaltig mobiler Stadt- teil“ entwickelt. Ziel ist, den zukünftigen Bewohner*innen und Nutzenden des Quartiers eine nachhaltige Mobitität zu ermöglichen. Die Grundlage ist ideal, da bereits ein ÖPNV- Anschluss mit der Nordstadtbahn besteht. Zudem werden Voraussetzungen geschaffen, die den Verzicht auf die Auto- nutzung und -besitz fördern. Ja Mobilitätskonzept Innenstadt Ein Fokus des IQ-Leitprojekts „Öffentlicher Raum und Mo- bilität Innenstadt“ (ÖRMI), das 2022 dem Gemeinderat vorgestellt wurde, lag auf den Verkehrsnetzen der Innenstadt. Um die einzelnen Stränge in der Gesamtheit verdeutlichen zu können und Lösungen zu finden, wurde das sogenannte Prioritätennetz erstellt, das die Zielnetze aller Verkehrsträger vereint und so als Leitplanke und Orientierungshilfe dient. Ja Ineinandergreifende Stadtteil- und Mobilitätskonzepte Ein Grundsatz für Nachhaltigkeit ist eine Siedlungs- und Mobilitätsplanung, was in Karlsruhe mit dem Verkehrsent- wicklungsplan Karlsruhe seit langem verfolgt wird. Dieses Planungsprinzip wird aufbauend auf dem Verkehrsentwick- lungsplan auch auf Stadtteil- und Quartiersebene verfeinert zum Beispiel durch Rahmenpläne, integrierte Stadtteilkonzep- te, Sanierungsgebiete, Bebauungspläne. Dauer- aufgabe FußgängerkonzeptMit einem BYPAD-Verfahren (Bicycle Policy Audit) hat die Stadt Karlsruhe 2021 ihr bisheriges Programm zur Förderung des Radverkehrs aus dem Jahre 2005 weiterentwickelt und um die Aspekte des Fußverkehrs ergänzt. Als Grundlage dienten das Karlsruher Klimaschutzkonzept und der Verkehrs- entwicklungsplan. In Zusammenarbeit von Fraktionen, Ver- waltung, Interessensverbänden und Wissenschaft wurden die verkehrspolitischen Ziele Karlsruhes für die Jahre 2030 und 2035 festgelegt. Auch die Bürgerinnen und Bürger konnten im Rahmen eines Stadtbauforums und über das Bürgerbeteili- gungsportal ihre Ideen und Anregungen einbringen. Als einer der ersten Bausteine des Fußgängerkonzepts ist die Umset- zung von „Fairem Parken/Gehwegparken“ zu sehen. Ja Mobilitätsstationen ausbauen Federführung: Stadtplanungsamt Zu beteiligen: Karlsruher Verkehrs verbund, Deutsche Bahn AG, stadtmobil Carsharing GmbH & Co. KG Bahnhof DurlachIm Zuge des Sanierungsgebietes wird die Umgestaltung des Bahnhofs Durlach und seines Umfelds, sowie der Einsatz von regiomove-Elementen, geprüft. Vorgesehen ist eine Vergrößerung des Vorbereichs des Bahnhofs und im Zuge dessen eine Veränderung der Verkehrsführung sowie eine verbesserte Leitung der ankommenden Besucherinnen und Besucher. Durch eine Redimensionierung des Busbahnhofs und einer möglichen Umsetzung des bestehenden Baurechts soll der Stadteingang räumlich gefasst werden. Zudem soll der, an das im Neuordnungskonzept dargestellte Baufenster, angrenzende Willmar-Schwabe-Park als Aufenthaltsbereich aufgewertet werden. Zum Teil Stadtplanungsamt | 83 Vorhaben und Zuständigkeit Projekte und zu erarbeitende Grundlagen ErläuterungenUmgesetzt WestbahnhofDas Projekt WestBahnHUB in Grünwinkel zielt darauf ab, die Haltestelle Karlsruhe West zu optimieren und als attraktive Mobilitätsstation weiterzuentwickeln. Obwohl zwei Buslinien und das Regionalbahnnetz bereits an den Haltepunkt ange- bunden sind, gibt es Verbesserungsbedarf, insbesondere bei der Taktung der Regionalbahn. Zudem ist eines der beiden Gleise nur über die Zeppelinbrücke mit Treppentürmen zugänglich, und die Gestaltung der Haltestelle ist wenig ansprechend. Eine Planungswerkstatt im November 2024 soll diese Schwächen angehen. Geplant sind die Gestaltung eines Vorplatzes, Flächen für Car- und Bike-Sharing sowie die Ausstattung mit Regio-Move-Mobiliar. Außerdem soll durch den Ausbau der „Rad-Südtangente“ eine bessere Anbindung an den Radverkehr erreicht werden. Zum Teil Haltepunkt Hardecksiedlung Pulverhausstraße Die Verkehrsbetriebe haben die Planungen gemäß Nah- verkehrplan begonnen. Ein Planfeststellungsverfahren ist erforderlich. Zum Teil Steckbriefe über Veränderungs- poten ziale bestehender und mög licher neuer Bahnhöfe in Karlsruhe Ein Gestaltunghandbuch für regiomove-Ports wurde erstellt (2020), welches als Grundlage für alle Gemeinden und Mo- bilitätsbetreiber dient, die einen regiomove-Port erstellen. Im Gestaltungshandbuch wird die Planung konkreter Mobilitäts- stationen als regiomove-Port beschrieben sowie Farb-, Ma- terial- und Gestaltungsvorgaben aufgeführt mit technischen Unterlagen zu den Modultypen. Ja Nachbarschaftszentren beleben Federführung: Stadtplanungs- amt, Wirtschaftsförderung, Amt für Stadtentwicklung, Garten- bauamt, Liegenschaftsamt Zu beteiligen: Verkehrsbe- triebe Karlsruhe, Investoren (beispielsweise Volkswoh- nung GmbH, Wohnungsbau- genossenschaften) Kriterien eines Nachbarschafts- zentrums definieren Datenmaterial liegt zum Beispiel in der Studie „Nahversor- gung in den Stadtteilen – 2016 bis 2022“ vor. Nachbar- schaftszentren haben jedoch weitere Funktionen. Eine allge- mein akzeptierte Definition existiert bisher nicht. Zum Teil Steckbriefe Nachbarschafts- zentren (Versorgung, Anbindung, Gestaltung, Potenziale) Steckbriefe für Nachbarschaftszentren wurden nicht erstellt. Es existiert bislang auch keine Übersicht über alle (zukünfti- gen) Nachbarschaftszentren. Nein Fortschreibung Studie „Einkau- fen und Nahversorgung in Karls- ruhe 2017“ Die Fortschreibung ist 2023 mit der Studie „Nahversorgung in den Stadtteilen – 2016 bis 2022“erfolgt. Ja
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Niederschrift 4. Plenarsitzung des Gemeinderates 19. November 2024, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 16 der Tagesordnung: Monitoring Räumliches Leitbild Vorlage: 2024/1051 Beschluss: 1. Der Gemeinderat nimmt das 1. Monitoring zum Räumlichen Leitbild zur Kenntnis. 2. Der Gemeinderat befürwortet die Fortschreibung des Räumlichen Leitbilds in enger Ab- stimmung mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2040“ (ISEK 2040). Abstimmungsergebnis: Mehrheitliche Zustimmung (38 JA-Stimmen, 5 Nein-Stimmen) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgte Vorberatung im Planungsausschuss am 14. November 2024. Stadträtin Dr. Heynen (GRÜNE): Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich im Namen unserer Fraktion für das Monitoring, für den herausragenden Bericht und auch für die Zukunftsperspektive, die damit verbunden ist, bedanken. In dem Leitbild stecken viele Zukunftsaufgaben im Hinblick auch auf eine multifunktionale Nutzung der Flächen und auf eine soziale, ökologische und ökonomische Transformation. Ich möchte das hier noch einmal ein bisschen ausführen, weil wenn man den Bericht querliest, dann versteht man, wie das Soziale mit den ökologischen und ökonomischen Bedingungen zu- sammenhängt. Wenn der öffentliche Raum gut gestaltet wird, sodass Menschen sich da begegnen können, Kinder und Jugendliche sich bewegen, der Wohnungsbau weiterentwi- ckelt wird und meine Perspektive ist auch ein bisschen immer auf die benachteiligten Kin- der und Jugendlichen, die gut aufwachsen können, dann hat das Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung der Stadt, auf die Fachkräftegewinnung, das, was sie beschrie- ben haben, die Ansiedlung von Unternehmen und Unterstützung mit Zukunftstechnolo- gien und die Attraktivität der Stadt auch als Wirtschaftsfaktor für uns, die wir in unserer Stadt Geld ausgeben und für die, die in diese Stadt kommen. Und dann ist noch die ökolo- gische Transformation, die in dem Leitbild ja auch sehr deutlich beschrieben ist, dass wir Klimaanpassungs- und Schutzstrategien brauchen. – 2 – Und dann, also ich habe jetzt noch einmal nachgeguckt, in Spanien geht es ja gerade wei- ter mit dem Starkregen und den Belastungen. Und da stecken in diesem Leitbild viele Stra- tegien, um dem auch entgegenzuwirken, dass wir uns gut schützen und anpassen können. Das hatte ich im Planungsausschuss schon gesagt. Was in dem Leitbild ja auch drinsteckt, ist diese ämterübergreifende Zusammenarbeit und die Verbindung mit dem ISEK, was drin- gend notwendig ist, damit wir wirklich gemeinsam verzahnt diese Stadt weiterentwickeln können und auch mit einer guten Kommunikation mit der Bevölkerung, also vielen Dank. Ich freue mich persönlich sehr auf die Weiterentwicklung des Leitbilds und des ISEKs. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Die CDU-Fraktion unterstützt die Idee und Planung auf der Grundlage eines räumlichen Leitbildes. Ausgangspunkt war ja, dass wir verschiedene Pla- nungsgrundlagen übereinander gelegt haben, die wir in ein Planwerk, wenn man so will, integrieren wollten. Das war damals ein sehr, sehr spannender und wichtiger Ursprungs- prozess, will ich nicht vergessen. Und das müssen wir sicherlich weiterführen, aber für un- sere Alltagsarbeit, das ist an anderer Stelle schon einmal angemerkt worden, ist das räumli- che Leitbild noch zu wenig bedeutsam einbezogen. Wir regen an, dass das in die Projekte noch deutlicher in Bezug genommen wird, auch in der Zukunft. Die bisherigen Überlegun- gen zu dem Monitoring sind leider aber ein Verwaltungsinternum eher, das jetzt so ein bisschen aufgedeckt wird durch die jetzige Vorlage, aber auch da muss man noch einmal drüber nachdenken. Die Einbindung des räumlichen Leitbilds in den ISEK-Prozess ist noch nicht so ganz abschließend durchdacht, denke ich, denn es soll ja aus dem ISEK aufbauend dann wieder ein neues räumliches Leitbild entwickelt werden. Das halte ich jetzt nicht für so ganz zwingend, wenn ich die Vorlage richtig verstanden habe. Widersprüchlich ist auch ein anderer Punkt, der uns sehr wichtig ist. Das ist die Betonung auf Wohnraum. Da können wir nur recht geben. Wohnraum wird das Problem der Zukunft dieser Stadt sein, ohne dass wir riesig Gelder einbringen können, aber dann muss man die Zahlengrundlagen zur Kenntnis nehmen. Auch der Oberbürgermeister hat es einmal an an- derer Stelle in unserem Sinne auch richtig gesagt. Wir müssen schauen, dass die Potenziale der Innenentwicklung begrenzt sind. Nur will das mancher hier im Haus nicht zur Kenntnis nehmen und führt das immer wieder als Allzwecklösung auf. Wenn ich jetzt aber sage, okay, Wohnraum ist unser wesentliches Bild oder ein wesentlicher Punkt, der im räumli- chen Leitbild weiterentwickelt werden muss, aber gleichzeitig apodiktisch sage, die Gren- zen dieser Stadt dürfen nicht ausgedehnt werden, dann kommen wir irgendwann einmal in einen Widerspruch, wenn wir wirklich Wohnraum ernsthaft fördern wollen, was, glaube ich, alle einsehen, dass wir es müssen. Stadträtin Uysal (SPD): Das räumliche Leitbild ist ein zentraler Kompass für die zukünftige Entwicklung unserer Stadt. Es definiert nicht nur die räumlichen Schwerpunkte unserer Stadtplanung, sondern auch die Leitlinien, die wir für eine nachhaltige, soziale und wirt- schaftlich starke Stadtentwicklung verfolgen wollen. Das vorliegende erste Monitoring zeigt uns klar, wie wichtig es ist, die Umsetzung des räumlichen Leitbilds kontinuierlich zu überprüfen und anzupassen. Denn nur so können wir sicherstellen, dass unsere Planungen auf aktuelle Herausforderungen und Chancen reagieren. Mein Vorredner hat es ja bereits schon angekündigt, dass wir zum Beispiel auch den Wohnraum im Blick haben, aber auch den Klimawandel, den gesellschaftlichen Wandel, aber auch natürlich die ganzen Bedürf- nisse der Bürgerinnen und Bürger. Es ist richtig und wichtig, dass es mit ISEK 2040 eng ver- knüpft wird. Das halten wir für unverzichtbar und begrüßen sie auch, denn strategisch werden wir uns da sicherlich besser aufstellen. Das Leitbild zeigt uns eigentlich, dass es – 3 – kein statisches Leitbild ist, sondern dynamisch. Das heißt, wir werden das weiterentwickeln. Und bei den Weiterentwicklungen ist uns sehr wichtig, dass wir weiterhin eine transpa- rente und frühzeitige Einbindung der Bürgerschaft wollen, denn nur so können wir eigent- lich eine erfolgreiche Stadtentwicklung betreiben, denn das Engagement und die Mitge- staltung der Bürgerinnen und Bürger ist hier vor Ort sehr zentral für unser Leitbild. Deswe- gen ist es unser Anliegen, das weiterhin mit zu berücksichtigen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wir nehmen das Monitoring zum räumlichen Leitbild gerne zur Kenntnis, aber wir hätten gerne eine getrennte Abstimmung, weil wir befürworten nicht, wie es unter 2 abgefragt wird, dass das räumliche Leitbild in enger Abstimmung mit dem parallel zu erarbeitenden integrierten Stadtentwicklungskonzept 2040 weiterentwickelt werden soll. Also wir sehen schon die Notwendigkeit, das räumliche Leitbild weiterzuent- wickeln, aber wir wissen auch, wie die Verwaltung arbeitet. Wenn wir das jetzt so beschlie- ßen, dann kriegen wir das in Zukunft von der Verwaltung so vorgegeben. Ihr habt ja da- mals beschlossen, das soll parallel zum ISEK passieren, und die Punkte aus dem ISEK sollen da einfließen, und wir haben die Befürchtung, dass wir dann als Gemeinderat keine Kon- trolle mehr haben, was da jetzt wirklich passiert. Wir haben ja vorhin gesagt, ISEK aus un- serer Sicht sollte noch ein bisschen warten, weil wir erst mal wissen müssen, welche Optio- nen uns überhaupt zur Verfügung stehen aufgrund der finanziellen Randbedingungen. Wir sind der Meinung, wenn wir das dann erarbeitet haben, und wenn wir da ein Stück weiter sind, dann kann man beschließen, wie man das Leitbild ändern möchte. Wir sind jetzt nicht bereit, der Verwaltung hier jetzt volle Handlungsvollmacht zu geben, indem wir sagen, ja, macht einmal. Nein, wir wollen erst wissen, wohin soll die Reise gehen, und deswegen werden wir bei Punkt 2 dagegen stimmen. Stadträtin Lorenz (FDP/FW): Eine geordnete, zukunftsweisende Stadtentwicklung, dass wir uns die als Ziel vor Augen führen, das ist sicherlich richtig und wichtig, und da sind wir in Karlsruhe, das haben wir auch nicht erfunden und da sind wir nicht die einzigen, das muss auf jeden Fall sein. Genauso muss aber auch sein, dass wir flexibel genug bleiben und auch Transformationsprozesse begleiten können und auf diese eingehen. Ich möchte noch einmal auch das Thema, wie der Kollege Pfannkuch schon, das Thema Wohnen ausgreifen. Das hat ja in unserer Stadtratsklausur und auch bei der Bürgerbefra- gung die meisten Punkte erhalten. Und da glaube ich, stehen wir vor der Quadratur des Kreises. Wir haben uns selbst einen Gürtel um unsere Stadt herumgezogen und haben ge- sagt, okay, wir schauen einmal, wo wir innen noch nachverdichten, wo wir noch bauen können, und stoßen zum Teil ja auch auf ziemlich Widerstand in der Bevölkerung, was ich in weiten Teilen auch nachvollziehen kann. In der Regel ist es immer so, wenn es mich nicht selbst betrifft, kann man schön zusagen, ja, ich möchte innen verdichten und nach- verdichten. Wenn es dann aber direkt in meinem Hausgrundstück, an meiner Hausgrenze passiert, dann möchte ich es lieber nicht und vor allem nicht in diesem Ausmaß. Es gibt aber noch zwei weitere Probleme. Ich glaube, Corona hat uns gezeigt, dass diese Innenverdichtung auch an ihre Grenzen kommt, weil wir Freiräume brauchen und auch aus klimatischen Bedingungen. Wir brauchen diese Frischluftschneisen, und ich sehe das wie der Kollege Pfannkuch. Wie es in dem Bericht auch so schön steht, das sind ja solche fle- xiblen Vokabulare mit dieser, ich glaube, maßvollen Nachverdichtung, was immer auch maßvoll sein mag. Es ist schwierig, da fasst bestimmt jeder etwas anderes darunter auf. Wenn wir mit dieser Nachverdichtung dann irgendwann am Ende sind, dann werden wir – 4 – uns überlegen müssen, ob wir in Karlsruhe noch weiter wachsen wollen, dann werden wir eben auch nicht umhinkommen, neue Flächen zu erschließen oder ob wir sagen, okay, das Wachstum einer Stadt ist irgendwo begrenzt. Wir haben den Bericht zur Kenntnis genom- men, der ist gut, und wir sind auch sicher oder haben da Vertrauen in die Stadtverwaltung, dass er den jeweiligen Gegebenheiten, wie jetzt zum Beispiel auch Extremwetterereignis- sen, jeweils evaluiert und angepasst wird, und wir stimmen auf jeden Fall der Fortführung zu. Der Vorsitzende: Mir ist noch einmal ganz wichtig, hier entsteht manchmal der Eindruck, wir hätten jede Weiterentwicklung im Boden sozusagen ausgeschlossen. Wir haben nach wie vor ja in der Vorbereitung den Oberen Säuterich, wir haben Neureut-Mitte. Also es ist ja nicht so, dass wir jetzt keine neuen Gebiete auch dem Boden zuführen würden. Wir ha- ben nur dann gesagt, darüber hinaus, da haben wir erst einmal sozusagen Ende Gelände in doppelter Hinsicht, und jetzt lassen Sie uns erst einmal das abarbeiten, und dann haben wir noch ausreichend Zeit, auch noch Weiteres zu diskutieren. Wir kommen damit zur Abstimmung. Herr Stadtrat Dr. Schmidt, Sie werden einig sein, dass wir das alles schon zur Kenntnis genommen haben, darüber brauchen wir ja gar nicht ab- zustimmen. Deswegen nehme ich jetzt nur den zweiten Punkt, dass Sie die Fortschreibung befürworten, und das stelle ich jetzt hier zur Abstimmung und bitte um Ihr Votum ab jetzt. – Das ist eine mehrheitliche Zustimmung, besten Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 6. Dezember 2024