Pflege-Monitor 2024 der Stadt Karlsruhe

Vorlage: 2024/0913
Art: Informationsvorlage
Datum: 13.08.2024
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Grünwinkel, Rüppurr, Waldstadt

Beratungen

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 02.10.2024

    TOP: 3

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/0913 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Pflege-Monitor 2024 der Stadt Karlsruhe Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Sozialausschuss 02.10.2024 3 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Sozialausschuss nimmt den in der Anlage dargestellten Pflege-Monitor 2024 der Stadt Karlsruhe zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die Verwaltung greift mit der Informationsvorlage die Gemeinderatsanträge „Versorgung im Bereich der stationären Pflege für Senior*innen - aktuelle Situationen und Schlussfolgerungen“ (Vorlagen-Nr. 2022/0822) und „Entwicklung der stationären Pflegeplätze in Karlsruhe“ (Vorlagen-Nr. 2023/0434) auf. Im Rahmen der Gremiensitzungen des Arbeitsausschusses Ältere Generation im Jahr 2023 hat die Verwaltung gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern aus den Gemeinderatsfraktionen, dem Gesundheitsbereich, dem ambulanten sowie stationären Bereich, der Pflegekasse AOK, dem Stadtseniorenrat sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren die Inhalte des Pflege-Monitors erarbeitet, diskutiert und abgestimmt. Der Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe beinhaltet die Pflege- und Strukturdaten der älteren Generation sowie die Unterstützungs- und Beratungsstruktur anhand der „Sozialräumlichen Versorgungskette“ zur Verdeutlichung der bestehenden Karlsruher Altenhilfestrukturen. Darüber hinaus wurde das Schwerpunktthema „Poststationäre Versorgung“ mit Hilfe der Leitung Pflegedirektion und der Leitung Patientenberatungsdienst/Sozialdienst des Städtischen Klinikums Karlsruhe erarbeitet. Der Pflege-Monitor bietet sich zur regelmäßigen Fortschreibung an.

  • Anlage
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Pflege-Monitor 2024 der Stadt Karlsruhe Anlage SozA 02.10.2024, TOP 3 2 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ............................................................................................................................................. 3 2. Pflegekennzahlen ................................................................................................................................. 3 3. Prognosekennzahlen Pflegebedürftige ................................................................................................... 6 4. Strukturkennzahlen Bevölkerung ........................................................................................................... 7 5. Sozialräumliche Versorgungskette ....................................................................................................... 10 6. Kennzahlen der Versorgung 2024 ....................................................................................................... 11 6.1. Ambulante Versorgungsangebote ........................................................................................................ 11 6.2. Ambulant betreute Wohngemeinschaften ......................................................................................... 12 6.3. Teilstationäre Versorgungsangebote..................................................................................................... 12 6.4. Stationäre Versorgungsangebote ......................................................................................................... 12 6.5. Poststationäre Versorgung ................................................................................................................... 13 6.6. Service-Wohnen für Seniorinnen und Senioren .................................................................................. 14 7. Kennzahlen der Unterstützungs- und Beratungsangebote 2024 ............................................................ 15 7.1. Unterstützungsangebote 2024 .......................................................................................................... 16 7.2. Beratungsangebote 2024 .................................................................................................................. 17 .................................................................................................................................................................. 19 Impressum .................................................................................................................................................. 19 Sozial- und Jugendbehörde | 3 1. Einleitung Mit dem Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe greift die Sozialplanung der Sozial- und Jugendbehörde die Gemeinderatsanträge 2022/0822 und 2023/0434 auf. Neben den Pflege- und Strukturkennzahlen der Stadt Karlsruhe (Kapitel 2 bis Kapitel 4) stellt der Monitor anhand der „Sozialräumlichen Versorgungkette“ die Versorgungsstrukturen der Altenhilfe dar (Kapitel 5 bis Kapitel 7). Die Inhalte und Kennzahlen des Monitors wurden im Jahr 2023 mit dem Gremium des Arbeitsausschusses Ältere Generation erarbeitet und abgestimmt. Bei den folgenden Darstellungen der unterschiedlichen Kennzahlen ist der Blick auf die Jahreszahlen entscheidend. Pflegekennzahlen werden in einem Rhythmus von zwei Jahren rückwirkend durch das Statistische Landesamt veröffentlicht. Prognosekennzahlen der Pflegebedürftigen lehnen sich an die jeweiligen Bevölkerungsvorausberechnungen an und haben ein spezifisches Ausgangsjahr. Strukturdaten werden im einjährigen Rhythmus rückwirkend durch das Amt für Stadtentwicklung im Karlsruher Statistikatlas veröffentlicht. Die Versorgungskennzahlen werden durch die Sozialplanung mit Unterstützung des Fachbereichs Soziales und Teilhabe sowie des Fachbereichs Beratung und Prävention fortlaufend erhoben. 2. Pflegekennzahlen Im Folgenden sind die aktuellen Daten der Pflegestatistik für die Stadt Karlsruhe dargestellt, gefolgt von der Entwicklung der Pflegebedürftigen seit 2015. Dies geschieht anhand der Unterteilung nach „vollstationärer Versorgung“ und „vorwiegend daheim versorgt“. Pflegebedürftige, die „vorwiegend daheim versorgt“ werden, können unterschiedliche Leistungen beziehen, unter anderem haben sie die Möglichkeit, ▪ sich Unterstützung durch einen ambulanten Dienst „einzukaufen“ oder ▪ das ihnen zur Verfügung stehende Pflegegeld für Unterstützung durch einen An- oder Zugehörigen zu nutzen oder ▪ als Person mit Pflegegrad 1, die im Alltag ausschließlich landesrechtliche Unterstützungsleistungen in Anspruch zu nehmen bzw. ohne Leistungen der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste oder der Pflegeheime auszukommen (im Folgenden: Sonstige). Insbesondere die letzte Personengruppe wird erst seit 2017, mit Einführung der Pflegegrade, aufgezeichnet und wurde erstmals 2019 statistisch erfasst. Wie die Abbildung 1 verdeutlicht, lebten in der Stadt Karlsruhe im Jahr 2021 13.634 pflegebedürftige Personen. Davon wurden 81,1 Prozent vorwiegend daheim versorgt und 18,9 Prozent in einer vollstationären Einrichtung. 1 Abbildung 1: Eckdaten der Pflegestatistik der Stadt Karlsruhe 2021 Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde 1 https://www.statistik-bw.de/SozSicherung/Pflege/1516302x.tab?R=KR212 Pflegebedürftige Personen insgesamt 2021 13.634 Personen (100 %) Vollstationäre Versorgung 2.580 Personen (18,9 %) Vorwiegend daheim versorgt 11.054 Personen (81,1 %) Sonstige 1.658 Personen (15 %) Pflegegeld 7.028 Personen (63,6 %) Ambulanter Dienst 2.368 Personen (21,4 %) 4 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Pflegebedürftigen insgesamt in der Stadt Karlsruhe, aufgeteilt nach den Versorgungsarten „vorwiegend daheim versorgt“ und „vollstationär versorgt“ seit dem Jahr 2015. In der prozentualen Veränderung über die Jahre folgt die Stadt Karlsruhe dem baden-württembergischen Trend nur teilweise. So stieg die Gesamtzahl an Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg von 2015 bis 2021 um 64,6 Prozent (Stadt Karlsruhe 57,2 Prozent), die Zahlen der vorwiegend daheim versorgten Pflegebedürftigen um 89,9 Prozent (Stadt Karlsruhe 96,7 Prozent) und die Anzahl der vollstationären Pflegebedürftigen sank um 0,3 Prozent (Stadt Karlsruhe 15,4 Prozent). Abbildung 2: Eckdaten der Pflegestatistik der Stadt Karlsruhe 2015 bis 2021 mit Trendlinien Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde In der folgenden Abbildung 3 werden die pflegebedürftigen Personen der Stadt Karlsruhe anhand ihrer prozentualen Verteilung nach Pflegegraden dargestellt. Die Verteilung der Pflegegrade ist in ihren Ausprägungen nahezu gleichgeblieben. Lediglich die 2021 erfolgte Zunahme im Pflegegrad 1 spiegelt die verbesserte statistische Erfassung von Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 nach der Einführung des neuen Begutachtungsverfahrens im Jahr 2017 wieder. Sozial- und Jugendbehörde | 5 Abbildung 3: Prozentuale Verteilung pflegebedürftiger Personen nach Pflegegrad in der Stadt Karlsruhe 2019 und 2021 Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde „Hilfe zur Pflege“ ist eine Leistung der Sozialhilfe im Sinne des Sozialgesetzbuches SGB XII und kann ergänzend zu den Leistungen der Pflegversicherung gewährt werden. Im Jahr 2021 lebten in Karlsruhe 13.634 pflegebedürftige Personen, 9,1 Prozent davon bezogen neben den Pflegeversicherungsleistungen auch Leistungen der Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII. Der prozentuale Anteil der Leistungsempfänger*innen an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen nimmt über die Jahre aufgrund der Einführung der Pflegegrade durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) im Jahr 2017 ab. Die Einführung der Pflegegrade durch das PSG II hat dazu beigetragen, dass mehr Menschen Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen können, was den Bedarf an der ergänzenden "Hilfe zur Pflege" verringert hat und somit den prozentualen Anteil der "Hilfe zur Pflege"-Empfänger*innen von der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen senkte. Pflegegrad 1 7,9% Pflegegrad 2 40,5% Pflegegrad 3 31,3% Pflegegrad 4 14,4% Pflegegrad 5 5,9% 2019 Pflegegrad 1 14,4% Pflegegrad 2 36,8% Pflegegrad 3 29,9% Pflegegrad 4 13,8% Pflegegrad 5 5,2% 2021 6 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Tabelle 1: Entwicklung der Leistungen Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII der Stadt Karlsruhe 2 Jahr 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Pflegebedürftige insgesamt 8.671 --- 9.970 --- 11.474 --- 13.634 --- Leistungsempfänger*innen Hilfe zur Pflege SGB XII insgesamt (Prozent-Anteil an Pflegebedürftigen insgesamt) 1.658 (19,1) 1.630 1.328 (13,3) 1.352 1.338 (11,7) 1.498 1.246 3 (9,1) 1.464 3. Prognosekennzahlen Pflegebedürftige Das Amt für Stadtentwicklung hat im Juni 2024 die Ergebnisse der neuen Bevölkerungsprognose der Stadt Karlsruhe für den Zeitraum bis 2040 vorgelegt, die als Basis für die Prognose der Pflegebedürften dient. Demnach wird die Zahl der Bewohner*innen mit Hauptwohnsitz in der Fächerstadt bis 2040 um knapp 40.000 Personen auf dann 340.000 ansteigen. 4 Um die Zahl der Pflegebedürften zu prognostizieren, wurden das alters- und geschlechtsspezifische Pflegerisiko beziehungsweise die Pflegehäufigkeiten aus der amtlichen Pflegestatistik zum Stichtag 15. Dezember 2021 und dem Bevölkerungsbestand zum 31. Dezember 2021 errechnet. 5 Für die Prognose werden diese für 2021 errechneten Pflegequoten über den Prognosezeitraum hinweg als konstant angenommen (Status-quo-Prognose). Um Aussagen über die künftige Zahl der Pflegebedürftigen in Karlsruhe treffen zu können, wurden die errechneten alters- und geschlechtsspezifischen Pflegequoten für das Jahr 2021 mit den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsprognose verschnitten. Die Ergebnisse sind in der folgenden Abbildung 4 dargestellt. 2 eigene Zusammenstellung anhand der Daten aus den Statistischen Jahrbüchern der Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung, Kommunale Statistikstelle 3 Auffällig ist die im Jahr 2021 untypisch niedrige Zahl an Bedarfsgemeinschaften in der Hilfe zur Pflege. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Daten-Ausreißer handelt. Bildet man den Mittelwert der Jahre 2015 bis 2021 (= 1.435 Bedarfsgemeinschaften) ergibt sich für 2021 ein realistischer Anteil von 10,5 Prozent von Hilfe zur Pflege-Empfänger*innen auf alle Pflegebedürftigen betrachtet. 4 Weitere Informationen zur Methodik, den Annahmen und den Ergebnissen der Bevölkerungsprognose KA 2040 finden Sie unter: https://web1.karlsruhe.de/ris/oparl/bodies/0001/downloadfiles/00658510.pdf 5 Quelle: kommunales Einwohnermelderegister; Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung ohne Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge Sozial- und Jugendbehörde | 7 Abbildung 4: Pflegebedürftige Personen in der Stadt Karlsruhe 2001 bis 2021 inklusive der Prognosezahlen 2025, 2030, 2035, 2040 6 Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig an. Besonders ab 2011 ist ein signifikanter Anstieg zu beobachten, der sich bis 2021 fortsetzt. Es wird prognostiziert, dass die Zahl der pflegebedürftigen Personen weiterhin steigen wird und im Jahr 2040 einen Wert von über 16.000 Pflegebedürftigen erreicht. 7 Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung der Pflege und die Notwendigkeit, entsprechende Ressourcen und Infrastruktur für die steigende Zahl der Pflegebedürftigen bereitzustellen. Tabelle 2: Prognosekennzahlen Pflegebedürftige in der Stadt Karlsruhe 8 Jahr 2025 2030 2035 2040 Pflegebedürftige insgesamt 14.147 14.616 15.171 16.022 davon in der vollstationären Versorgung 2.712 2.824 2.906 3.072 davon überwiegend daheim versorgt 9 11.435 11.793 12.265 12.950 davon Männer 5.444 5.708 5.986 6.361 davon Frauen 8.703 8.908 9.185 9.661 4. Strukturkennzahlen Bevölkerung Im folgenden Kapitel werden ausgewählte Daten der Sozialstruktur im Hinblick auf die ältere Bevölkerung der Stadt Karlsruhe dargestellt. Die Analyse der Sozialstruktur-Daten hilft, die Lebensbedingungen und Bedürfnisse unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen zu verstehen. 6 eigene Darstellung anhand der Daten aus den Statistischen Jahrbüchern der Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung, Kommunale Statistikstelle sowie der Prognose vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtentwicklung 7 Amt für Stadtentwicklung, Stadtentwicklung 8 eigene Darstellung anhand der Daten vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtentwicklung 9 Überwiegend daheim versorgt = in Anlehnung an die Unterteilung Abbildung 1 8 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Anhand der Bevölkerungspyramide lässt sich die Altersstruktur der Karlsruher Bevölkerung im Jahr 2023 gut erkennen: Abbildung 5: Bevölkerungspyramide der Stadt Karlsruhe 2023 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung 10 Tabelle 3: Bevölkerung der Stadt Karlsruhe nach Altersgruppen 2023 2023 Absolute Zahl Prozent-Anteil an der Gesamtbevölkerung Bevölkerung insgesamt 304.937 100,0 davon: unter 6-Jährige 14.852 4,9 6 bis unter 25-Jährige 60.677 19,9 25 bis unter 45-Jährige 92.176 30,2 45 bis unter 65-Jährige 78.577 25,8 65 bis unter 85-Jährige 49.023 16,1 über 85-Jährige 9.632 3,1 10 https://web6.karlsruhe.de/Stadtentwicklung/statistik/gizeh/index.html?indicator=i202&select=Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde | 9 Abbildung 6: Personen im Alter von 65 Jahren und älter | im Alter von 85 Jahren und älter in der Stadt Karlsruhe von 2013 bis 2023 11 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung Die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter ist in den letzten zehn Jahren um 4,3 Prozent angestiegen. Die Bevölkerung im Alter von 85 Jahren und älter nimmt über die Jahre kontinuierlich zu, was auf eine zunehmende Lebenserwartung und auf größere Kohorten hinweist, die dieses Alter erreichen. Insgesamt ist die Altersgruppe in den Jahren 2013 bis 2023 um 21,5 Prozent gewachsen. Eine wesentliche Strukturkennzahl im Hinblick auf die ältere Generation ist die Zahl der Einpersonenhaushalte (im Folgenden: EP-HH). Allgemein lässt sich festhalten, dass Personen, die gemeinsam wohnen und wirtschaften, einen Haushalt bilden. Wer alleine wirtschaftet, bildet einen Einpersonenhaushalt – auch wenn er mit anderen Personen eine gemeinsame Wohnung bewohnt (beispielsweise in einer Wohngemeinschaft). 12 Im Jahr 2023 lebten in der Stadt Karlsruhe 304.937 Personen 13 in 173.825 Haushalten, von denen 56 Prozent EP-HH (97.356) waren. Die Zahl der EP-HH von Menschen im Alter von 60 Jahren und älter betrug absolut 30.191 EP-HH, was einem Anteil von 31 Prozent an allen EP-HH entspricht. Das heißt, dass fast ein Drittel aller EP-HH in Karlsruhe Menschen im Alter von 60 Jahren und älter sind. In der Entwicklung der letzten 10 Jahre (siehe Abbildung 7) zeigt sich eine signifikante Zunahme um 22 Prozent der Einpersonenhaushalte bei Menschen über 60 Jahren. 11 eigene Darstellung in Anlehnung an Statistikatlas, Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 12 Statistikatlas, Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 13 Wohnberechtigte Bevölkerung, die in der Gemeinde eine Wohnung haben (gemeldet sind), unabhängig davon, ob es sich um eine Hauptwohnung oder eine Nebenwohnung handelt. Einschließlich meldepflichtiger Personen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA). 10 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Abbildung 7: Einpersonenhaushalte 60 Jahre und älter 14 Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde 5. Sozialräumliche Versorgungskette Der 7. Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland konzentrierte sich hauptsächlich auf die Themen Sorge und Mitverantwortung innerhalb der Gemeinde. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf den Aufbau und die Sicherung nachhaltiger Gemeinschaften gelegt, mit einer Ausrichtung auf die Vernetzung mit dem sozialen Umfeld und die Nutzung von Unterstützungsressourcen, die über die eigenen familiären Grenzen hinausgehen. 15 Mit Beschluss des Gemeinderates der Stadt Karlsruhe im Jahr 2018 verfolgt die Sozial- und Jugendbehörde diese Ziele mit dem Konzept der Sozialen Quartiersentwicklung. Die Sozialplanung der Sozial- und Jugendbehörde folgt inhaltlich dem Grundsatz, dass ein gelingendes Altern im Sozialraum und im Quartier basierend auf der Logik von Community Care bei steigendem Hilfe- und Unterstützungsbedarf auf diese Ressourcen, die in lebendigen Nachbarschaften vorhanden sind, zurückgreifen muss. 16 Daher wird bei der Betrachtung der Versorgungssituation der älteren Generation in Karlsruhe die sogenannte „sozialräumliche Versorgungskette“ (siehe Abbildung 8) zugrunde gelegt. Abbildung 8 zeigt die „Sozialräumliche Versorgungskette Karlsruhe“ und beschreibt die Versorgungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für ältere Menschen im Sozialraum, eingebettet in das Konzept der „Caring Community“. Kernelement ist dabei eine gut vernetzte und integrierte Struktur von Dienstleistungen und Unterstützungsangeboten, die von barrierefreien Wohnungen bis hin zu stationären Einrichtungen reicht. Der zentrale Ort für Kommunikation und Begegnung im Quartier wird hervorgehoben, was die Bedeutung sozialer Interaktion und Vernetzung im Alter betont. Es wird ein breites Spektrum an Hilfen und Dienstleistungen angeboten, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der älteren Generation zugeschnitten sind, von hauswirtschaftlichen Hilfen bis hin zu spezialisierten Pflegeangeboten. Der Ansatz der „Caring Community“ wird deutlich, indem auf nachbarschaftliche und ehrenamtliche Unterstützung gesetzt wird, um die Lebensqualität und Selbständigkeit der älteren Menschen zu fördern. Alles in allem veranschaulicht die Abbildung somit eine umfassende und integrative Strategie zur Unterstützung älterer Menschen in Karlsruhe, die auf Gemeinschaft, Vernetzung und vielfältigen Hilfsangeboten basiert. 14 eigene Darstellung in Anlehnung an Statistikatlas, Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 15 Deutscher Bundestag (2016), Siebter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften. BT-Drucksache 18/10210. Unter: https://www.siebter- altenbericht.de/fileadmin/altenbericht/pdf/Der_Siebte_Altenbericht.pdf 16 Cornelia Kricheldorff: „Autonomie und Selbstbestimmung im Kontext von Community Care – die Bedeutung des sozialen Raums und technischer Assistenzsysteme“, in Franz Waldenberger, Gerd Naegele, Hiroko Kudo, Tomoo Matsuda Hrsg.: Dortmunder Beiträge zur Sozialforschung - Alterung und Pflege als kommunale Aufgabe, Deutsche und japanische Ansätze und Erfahrungen, Wiesbaden, Springer VS, 2022, Seite 273-292. Sozial- und Jugendbehörde | 11 Abbildung 8: Sozialräumliche Versorgungskette Karlsruhe Versorgungssicherung im Sozialraum mit der Caring Community Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde 6. Kennzahlen der Versorgung 2024 Die Kennzahlen der Versorgung richten sich an der „Sozialräumlichen Versorgungskette“ aus. Die Anzahl der Versorgungsangebote bezieht sich auf das Berichtsjahr 2024. Dabei werden die gängigen Versorgungs-, Unterstützungs- und Beratungsformen aus dem ambulanten, teilstationären und stationären Bereich aufgegriffen und in ihrer Anzahl dargestellt. 6.1. Ambulante Versorgungsangebote Ambulante Pflegedienste und Sozialstationen unterstützen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Pflege zu Hause. Das Leistungsangebot der Pflegedienste umfasst verschiedene Bereiche, wie zum Beispiel Hilfe bei der Körperpflege, pflegerische Betreuung, häusliche Krankenpflege (Behandlungspflege) sowie hauswirtschaftliche Versorgung und Unterstützung von Angehörigen durch Beratung und Schulungen. Einen speziellen Schwerpunkt in der ambulanten Versorgung stellt die Palliativmedizin dar mit der ganzheitlichen Behandlung von Menschen mit schweren fortschreitenden Erkrankungen. Tabelle 4: Ambulante Versorgungsangebote Versorgungsangebot Anzahl Ambulante Pflegedienste 53 Hospizdienste 4 12 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe 6.2. Ambulant betreute Wohngemeinschaften Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind kleinteilige Wohnformen für volljährige Menschen, die im Alltag auf Assistenz- und Unterstützungsleistungen angewiesen sind. Sie ermöglichen Menschen mit Behinderungen und/oder Pflegebedarf ein Leben in Gemeinschaft bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit. Wie beim privaten Wohnen stehen Häuslichkeit und das gemeinsame Alltagsleben der Bewohner*innen im Vordergrund. Tabelle 5: Ambulant betreute Wohngemeinschaften Versorgungsangebot Anzahl Platzzahl Ambulant betreute Wohngemeinschaften 13 89 6.3. Teilstationäre Versorgungsangebote Die Tages- und die Nachtpflege sind ergänzende teilstationäre Angebote zur häuslichen Betreuung und Pflege. Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 erhalten in der Tagespflegeeinrichtung pflegerische Betreuung und Aktivierung. Sie werden morgens von einem Fahrdienst zuhause abgeholt und nachmittags wieder zurückgebracht. Tabelle 6: Teilstationäre Versorgungsangebote Versorgungsangebot Einrichtungen Platzzahl Tagespflege 14 205 Nachtpflege 0 0 6.4. Stationäre Versorgungsangebote Pflegeheime sind stationäre Versorgungsangebote, in denen Menschen mit Pflegebedarf dauerhaft leben. Eine vollstationäre Aufnahme im Pflegeheim setzt einen Pflegegrad voraus, der bei der Pflegekasse beantragt werden muss. Tabelle 7: Stationäre Versorgungsangebote Versorgungsangebot Einrichtungen Platzzahl Pflegeheim 35 2.572 davon mit geschlossenem Wohnbereich 4 129 davon mit geschütztem Wohnbereich 7 156 davon mit eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen 33 110 davon mit buchbaren Kurzzeitpflegeplätzen 4 14 davon solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtungen 1 38 davon mit „junger Pflege“ 4 50 davon mit Pflege-Oase 1 6 Der Träger eines Pflegeheims ist die Organisation oder Institution, die das Pflegeheim betreibt und für dessen Verwaltung, Finanzierung und für die Qualität der Pflege verantwortlich ist. Er ist für die Einstellung des Personals, die Pflegequalität, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und für die Preisgestaltung verantwortlich. Es gibt verschiedene Arten von Trägern, die ein Pflegeheim betreiben können. In der Stadt Karlsruhe finden sich zum einen freie gemeinnützige Träger: Dies sind Organisationen wie Wohlfahrtsverbände, religiöse Institutionen, Stiftungen oder gemeinnützige Vereine. Diese Träger sind nicht gewinnorientiert und reinvestieren Überschüsse in ihre sozialen Aufgaben. Zum anderen finden sich in der Stadt Karlsruhe auch private Träger. Dies sind private Unternehmen, die ein Pflegeheim gewinnorientiert betreiben. Diese Unternehmen können entweder als einzelne Pflegeheime oder als Teil einer größeren Kette agieren. Tabelle 8 zeigt die Trägerschaft, die Anzahl der Einrichtungen und die dazugehörige Platzzahl. Sozial- und Jugendbehörde | 13 Tabelle 8: Stationäre Versorgungsangebote nach Trägerschaften Trägerschaft der Einrichtung / betrieben durch Einrichtungen Platzzahl AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. 5 381 Ev. Verein für Stadtmission in Karlsruhe e. V. 5 283 Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg e. V. Region Karlsruhe 4 237 Heimstiftung Karlsruhe / hsk 3 279 Badischer Landesverein für Innere Mission KdöR 3 270 Caritasverband Karlsruhe e. V. 3 188 Wohnstift e. V. 2 54 Karl-, Friedrich-, Leopold und Sophienstiftung 1 67 SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH 1 46 Curatio Karlsruhe GmbH 1 68 Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul 1 120 Elisabeth von Offensandt-Berckholtz-Stiftung 1 93 Badische Schwesternschaft vom Roten Kreuz e. V. 1 75 Baghira GmbH 1 80 Evangelische Diakonissenanstalt Karlsruhe-Rüppurr 1 90 Senioren- und Pflegeheim Schmitz gemeinnützige GmbH 1 121 Haus Aaron Betriebs GmbH & Co. KG 1 120 Gesamt 35 2.572 6.5. Poststationäre Versorgung Eine poststationäre Versorgung bezieht sich auf die medizinische und pflegerische Betreuung von Patient*innen nach einem stationären Krankenhausaufenthalt. Diese Art der Versorgung zielt darauf ab, die Genesung und Rehabilitation der Patientinnen und Patienten zu unterstützen, die Kontinuität der Pflege sicherzustellen und eine erneute Krankenhauseinweisung zu vermeiden. Poststationäre Versorgung kann verschiedene Formen annehmen, darunter: ▪ Ambulante Nachsorge: Patientinnen und Patienten besuchen regelmäßig ambulante Einrichtungen wie Arztpraxen, Spezialkliniken oder Rehabilitationszentren für Nachsorgetermine und Behandlungen. ▪ Pflegedienste zu Hause: Speziell geschulte Pflegekräfte kommen zu den Patientinnen und Patienten nach Hause, um medizinische und pflegerische Leistungen zu erbringen, beispielsweise Wundversorgung. ▪ Rehabilitationsmaßnahmen: Nach einem Krankenhausaufenthalt können Patientinnen und Patienten in eine Rehabilitationseinrichtung überführt werden, wo sie physikalische, psychologische und soziale Unterstützung erhalten. ▪ Soziale Unterstützung: Diese kann Beratungsdienste, Hilfe bei der Anpassung des Wohnumfelds oder Unterstützung bei der Rückkehr in das Alltagsleben umfassen. ▪ Pflegeheim: Die Überführung eines Patienten / einer Patientin nach einem Krankenhausaufenthalt in eine Pflegeheimeinrichtung dient der fortlaufenden Betreuung und medizinischen Versorgung des Patienten / der Patientin. Diese Form der poststationären Versorgung ist besonders für ältere oder chronisch kranke Menschen wichtig, die nach dem Krankenhausaufenthalt intensive Pflege und Unterstützung benötigen, die sie zu Hause nicht erhalten können. Ziel der poststationären Versorgung ist es, den Übergang vom Krankenhaus zurück ins normale Leben möglichst reibungslos zu gestalten, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und die Gesamtbelastung des Gesundheitssystems zu reduzieren. Die folgenden Daten wurden durch das Städtische Klinikum Karlsruhe gGmbH, insbesondere die Leitung des Geschäftsbereich Pflegedirektion und die Leitung des Patientenberatungsdienstes/Sozialdienstes, zur Verfügung gestellt. Dem Klinik-Sozialdienst obliegt der Prozess der poststationären Unterbringung in Form des sogenannten Entlassmanagements, festgehalten im § 39 Absatz 1a des fünften Sozialgesetzbuchs. Bei den Daten handelt es sich um eine interne Erhebung des Sozialdienstes. 14 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Die Erhebung fand vom 1. Oktober 2023 bis 31. Dezember 2023 statt und umfasst somit drei Monate (Basiswert). Ausgehend vom Basiswert wurden weitere Daten arithmetisch ermittelt. Der Basiswert beschreibt die Anzahl an Personen, die im Zeitraum von drei Monaten durch eine Station des Städtischen Klinikums beim Klinik-Sozialdienst für eine der unterschiedlichen Versorgungsformen angemeldet wurden. Die Station, auf welcher der Patient behandelt wird, meldet nach einer fachlichen Einschätzung (Screening) dem Klinik- Sozialdienst welche Form der Anschlussversorgung (Kurzzeitpflegeplatz, Dauerpflegeplatz, ambulanter Pflegedienst) für den Patienten/die Patientin nach der Entlassung aus dem Krankenhaus notwendig ist. Tabelle 9: Anmeldungen beim Klinik-Sozialdienst für die poststationäre Versorgung Form der Versorgung Arithmetisch – 1 Monat Basiswert – 3 Monate Arithmetisch – 12 Monate Ambulanter Pflegedienst 105 315 1.260 Kurzzeitpflege 54 161 644 Dauerpflege 9 27 108 Stationäre Unterbringung insgesamt 63 188 752 Im Erfassungszeitraum (Basiswert) wurden dem Klinik-Sozialdienst durch die Stationen des städtischen Klinikums insgesamt 188 Personen für eine stationäre Unterbringung angemeldet. Davon hatten 161 Patienten den Bedarf für einen Kurzzeitpflegeplatz, und 27 Patienten hatten den Bedarf für einen (Dauer-)Pflegeplatz. Für 315 Patienten wurde der Bedarf eines ambulanten Pflegedienstes für die poststationäre Versorgung beim Klinik- Sozialdienst angemeldet. Von den 188 Patienten, welche zur stationären Unterbringung angemeldet waren, konnte der Klinik-Sozialdienst 68 Prozent aufgrund fehlender Anschlussunterbringung nicht zum geplanten Entlasstermin entlassen. 32 Prozent wurden zeitgerecht entlassen. Die Verweildauer über das voraussichtliche Entlassdatum hinaus spiegelt sich in folgender Tabelle 10 wieder. Tabelle 10: Verweildauer über voraussichtlichem Entlassdatum bzw. zeitgerecht Verweildauer 1 – 7 Tage 8 – 14 Tage 15 – 21 Tage Mehr als 21 Tage Zeitgerecht %-Anteil 32,5 17,5 5,8 12,2 32 Im Nachgang der Erhebung wurden die Daten der Patientinnen/Patienten, welche für einen stationäre Unterbringung angemeldet waren, hinsichtlich der Altersstruktur und des Pflegebedarfs analysiert. Tabellen 11 und 12 zeigen den Prozentualen Anteil in den unterschiedlichen Altersgruppen und Pflegebedarfen. Tabelle 11: Altersstruktur der stationär versorgten Patientinnen/Patienten Alter <60 Jahre 60 – 69 Jahre 70 – 79 Jahre 80 – 89 Jahre >90 Jahre %-Anteil 3,7 13,8 17,6 44,5 20,4 Tabelle 12: Pflegebedarf der stationär versorgten Patientinnen/Patienten nach Pflegegraden Pflegebedarf PG 2 PG 3 PG 4 PG 5 Eileinstufung Ohne Pflegegrad %-Anteil 34,3 32,5 11,2 0 20,4 1,6 6.6. Service-Wohnen für Seniorinnen und Senioren Das Service-Wohnen (bekannt als betreutes Wohnen) verbindet die Ausstattung einer altersgerechten Wohnung mit unterschiedlichen Serviceangeboten und Gelegenheiten für soziale Kontakte. Den Bewohnerinnen und Bewohnern bietet es eine abgeschlossene, barrierearme Wohnung. So ist es möglich, sich auch bei einer Gehbehinderung oder sonstigen körperlichen Einschränkungen dort leicht zu bewegen und länger selbständig leben zu können. Anders als im Pflegeheim bietet Service-Wohnen keine umfassende pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung. Die Besonderheit beim Service-Wohnen besteht darin, dass ein sogenannter Grundservice verpflichtend vorgegeben ist. Dieser Grundservice wird mit einer monatlichen Pauschale bezahlt und ist im Betreuungsvertrag konkret festgelegt. Sozial- und Jugendbehörde | 15 Tabelle 13: Service-Wohnen für Seniorinnen und Senioren Versorgungsangebot Anlagen Wohnungen Service-Wohnen 33 1.771 Das Spektrum der Wohnmöglichkeiten im Alter verändert sich. Immer mehr ältere Menschen interessieren sich anstelle des Service-Wohnen für alternative Wohnformen: Hierunter sind gemeinschaftliche Wohnprojekte zu verstehen, die entweder nur von älteren Menschen oder von Menschen unterschiedlicher Generationen bewohnt werden. Die Projekte zeichnet aus, dass sie in der Gruppe angeregt, geplant, organisiert und getragen werden. Das Besondere daran ist, dass das Zusammenleben der verschiedenen Generationen über den nachbarschaftlichen Kontakt hinausgeht. Die Kontakte unter den Bewohnerinnen und Bewohnern werden schon vor dem Einzug gepflegt und es wird ein gemeinsames Konzept erstellt, wie das spätere Zusammenleben aussehen soll. Darüber hinaus gibt es weitere, zum Beispiel von Trägern initiierte und/oder begleitete alternative Wohnformen. Angebote von alternativen Wohnformen in der Stadt Karlsruhe sind beispielsweise: ▪ ZAG Zukunft alternativ gestalten – www.zag-karlsruhe.de ▪ Sophia Karlsruhe e. V. – gemeinsam Leben in der Waldstadt – www.sophia-karlsruhe.de ▪ Albgrün-Verein e. V. – Mehrgenerationenwohnen Karlsruhe Grünwinkel – www.am-albgruen.de ▪ Mika – MieterInneninitiative Karlsruhe e. G. – www.mika-eg.de ▪ Ökosiedlung Geroldsäcker ▪ Wohnen für Hilfe – Wohnpartnerschaften zwischen älteren Menschen und Studierenden (Parität) ▪ Wohnen im Quartier – Rintheimer Feld – AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. Weitere Wohnangebote für die ältere Generation werden unter anderem durch die Wohnungsbaugesellschaft Volkswohnung Karlsruhe, mit fast 13.500 Wohnungen drittgrößte kommunale Wohnungsbaugesellschaft Baden-Württembergs, zur Verfügung gestellt. So verfügt die Volkswohnung laut ihrem Sozialbericht 2020/2021 über 31 rollstuhlgerechte, 224 barrierefreie, 703 schwellenarm erreichbare und 2.055 schwellenfreie Wohnungen. 17 7. Kennzahlen der Unterstützungs- und Beratungsangebote 2024 Unterstützungs- und Beratungsangebote tragen wesentlich dazu bei, dass ältere Menschen ein würdiges, erfülltes und selbstbestimmtes Leben führen können, daher kommt ihnen eine große Bedeutung zu. Sie ▪ fördern die Selbstständigkeit und Lebensqualität, ▪ wirken präventiv gegen Isolation und Einsamkeit, ▪ unterstützen bei der Bewältigung von Gesundheitsproblemen, ▪ entlasten pflegende An- und Zugehörige, ▪ klären auf über rechtliche, soziale und finanzielle Fragen und ▪ fördern die Gesundheitsvorsorge. Wenn Hilfe im Alltag benötigt wird, können neben familiärer, privater oder nachbarschaftlicher Unterstützung verschiedene Anbieter Hilfe leisten. Pflegedienste, anerkannte Unterstützungsanbieter und organisierte Nachbarschaftshilfen bieten Betreuung, Begleitung zu Einkäufen, Ärzten und Spaziergängen aber auch Unterstützung im Haushalt an. Beratungsstellen, die umfassende Informationen, Beratung und Unterstützung rund um das Thema Pflege bieten, wurden deutschlandweit eingerichtet. Auch in der Stadt Karlsruhe werden zentrale Anlaufstellen geboten, die Pflegebedürftigen und ihren An- und Zugehörigen Informationen über das komplexe System der Pflegeleistungen bieten, bei dessen Inanspruchnahme unterstützen und darüber hinaus viele Lebensbereiche im Alter aufgreifen. Neben den unten aufgeführten Beratungsangeboten stehen eine weitere Vielzahl an Beratungsstellen in der Stadt Karlsruhe zu den unterschiedlichsten thematischen Schwerpunkten zur Verfügung. Unter anderem finden sich Beratungsstellen zum Thema Soziales, Schulden, Erkrankungen, Sucht und Teilhabe. Aber auch ehrenamtliche Beratung rund um das Thema Smartphone, Tablet und PC für Seniorinnen und Senioren werden 17 Volkswohnung GmbH: Sozialbericht 2020/2021; https://berichte.volkswohnung.de/wp-content/uploads/2023/10/Sozialbericht_2020_2021_Volkswohnung.pdf 16 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe in der Stadt Karlsruhe angeboten. Für eine vollständige Darstellung kann aufgrund der dynamischen Entwicklungen auf dem Angebotsmarkt keine Garantie übernommen werden. 7.1. Unterstützungsangebote 2024 Tabelle 14: Übersicht Unterstützungsangebote 2024 Unterstützungsangebot Anzahl der Anbieter Nachbarschaftliche Hilfen Die Nachbarschaftshilfe ist ein Angebot im Bereich Betreuung, Begleitung und Haushalt (zum Beispiel Einkauf, gemeinsamer Spaziergang, Gespräche), meist erbracht von ehrenamtlich Engagierten und professionell Organisierten. 4 große Anbieter etwa 30 bis 35 unterschiedliche Angebote Hausnotruf Hausnotrufgeräte stellen im Notfall eine sofortige Verbindung von der Privatwohnung zur Notrufzentrale her. Diese kann sofort auf die zuvor hinterlegten Kontaktdaten und Informationen zurückgreifen und beispielsweise nach einem Sturz für schnelle Hilfe sorgen. 4 Anbieter Mahlzeitendienste Mobile Mahlzeiten-Dienste bieten warmes Mittagessen für Menschen, die sich ihre Mahlzeit nicht selbst zubereiten können oder möchten. Die Auswahl an verschiedenen Menüs ist groß und berücksichtigt auch besondere Ernährungswünsche und -bedarfe. 7 Anbieter Hauswirtschaftliche Hilfen Hauswirtschaftliche Dienste bieten Unterstützung im Alltag an, um Lebensqualität zu verbessern und es zu ermöglichen, möglichst lange selbstständig im eigenen Zuhause zu leben. Diese Dienste umfassen eine Vielzahl von Aufgaben, die den Alltag erleichtern: Reinigung und Haushaltspflege, Einkäufe, Begleitung zu Terminen, Gartenarbeit, und so weiter. 9 Anbieter Entlastungsangebote für pflegende An- und Zugehörige Verschiedene Entlastungsangebote bieten die Möglichkeit, sich vertraulich und individuell umfassend über Hilfemöglichkeiten zu beraten. Austauschmöglichkeiten mit anderen Angehörigen können stärkend und entlastend wirken. Hierfür gibt es in Karlsruhe verschiedene Angebote wie Gesprächskreise, Kurse und Treffmöglichkeiten für pflegende Angehörige. Gesprächskreise und -gruppen: 6 Anbieter Kurs- und Schulungsangebote: 5 Anbieter Stadt_Karlsruhe_Br oschuere_Pflegende_Angehoerige.pdf Unterstützung zu Hause Von der Aktivierung, Betreuung, Begleitung und Unterstützung in der häuslichen Umgebung bis zu gemeinsamen sportlichen oder kreativen Aktivitäten. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden der Menschen zu erhalten und ihnen ein würdevolles Leben in ihrem vertrauten Umfeld zu ermöglichen. 7 Anbieter Gruppenangebote Durch verschiedene Anregungen werden die persönlichen Ressourcen gestärkt und die Sinne aktiviert. Erhalt und Verbesserung von Mobilität und Alltagskompetenzen sowie das Erleben und Pflegen von sozialen Kontakten. Einzelne Angebote sind spezifisch für Menschen mit Demenz. 7 Anbieter Urlaub ohne Koffer 1 Anbieter Sozial- und Jugendbehörde | 17 Tages-, oder Wochenendfreizeiten - Urlaub ohne Koffer ist ideal für Seniorinnen und Senioren, die in Karlsruhe Erholung, Abwechslung und Gemeinschaft suchen. Pflegebegleitung Unterstützung für pflegende Angehörige im häuslichen Bereich, bei der Gestaltung des Pflegealltags. 2 Anbieter Besuchsdienst Eine Ehrenamtliche oder ein Ehrenamtlicher kommt regelmäßig in die Häuslichkeit für gemeinsame Gespräche, Aktivitäten oder Begleitung zu Veranstaltungen. 3 Anbieter 7.2. Beratungsangebote 2024 Tabelle 15: Übersicht Beratungsangebote 2024 Beratungsangebote Anzahl der Anbieter Pflegestützpunkt / compass private pflegeberatung GmbH / Pflegeberatung der gesetzlichen Pflegekassen Menschen jeden Alters erhalten umfassende und kostenfreie Information und Beratung rund um das Thema Pflege. Die Beratungsangebote richtet sich an Versicherte mit Pflegebedarf und an deren Angehörige. verschiedene Anbieter Pflegeheimberatung Die Beratung erfolgt bei einer möglichen Heimaufnahme, wenn voraussichtlich ein Anspruch auf Leistungen der Sozialhilfe besteht. 1 Anbieter Seniorenbüro und Stadtteilkoordination Das Seniorenbüro ist die kommunale Informationsstelle zum Thema Älterwerden und bietet Informationen und Formate zu Themen wie Engagement im Alter oder Wohnen im Alter. 1 Anbieter Betreuungsbehörde und -vereine Beratung und Informationen rund um das Thema rechtliche Betreuung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung 3 Anbieter Wohnberatung – Wohnraumanpassung Wenn sich mit zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit Bedürfnisse im Bereich „Wohnen" verändern, kann es notwendig werden, die Wohnung der neuen Lebenslage anzupassen. Oft ist es durch relativ kleine Veränderungen möglich, weiterhin selbständig und sicher in den vertrauten vier Wänden zu leben. 1 Anbieter Präventive Hausbesuche Bis ins hohe Alter in der eigenen Wohnung zu leben, ist der Wunsch vieler Karlsruher Seniorinnen und Senioren. Eine selbstständige Lebensführung im Alter und Teilhabe können durch frühzeitige Information und Beratung gefördert werden. 1 Anbieter Wohnen und Technik Beratung Moderne Technik und intelligente Assistenzsysteme können das Leben im Alltag erleichtern. Sie können gegebenenfalls auch einen Umzug in ein Pflegeheim hinauszögern. Die Hilfen erstrecken sich auf vielerlei Produkte in den Bereichen Kommunikation, Gesundheit, Mobilität, Wohnen, Versorgen, Sicherheit und Pflege. 2 Anbieter 18 | Pflege-Monitor der Stadt Karlsruhe Fachstelle Leben im Alter Die Schwerpunkte der Fachstelle sind Seelsorge, Bildung und Projekte. In Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen in der Stadt Karlsruhe werden Angebote gebündelt und vernetzt. Weiterhin werden Ehrenamtliche geschult und gefördert sowie Modellprojekte von Gemeinden, Interessensgruppen und Einzelpersonen begleitet. 1 Anbieter Fachstelle für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Die Fachstelle für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen möchte Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen eine kontinuierliche und individuelle Unterstützung anbieten. 1 Anbieter Abschließend lässt sich festhalten, dass die Kommune trotz begrenzter Steuerungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle in der Gestaltung der Pflege vor Ort spielt. Die Einflussmöglichkeiten liegen insbesondere in der Schaffung und Unterstützung von Netzwerken, der Förderung von präventiven Maßnahmen und der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Infrastruktur. Gleichzeitig stößt die Kommune in der Finanzierung von Pflege an klare Grenzen, da diese maßgeblich durch Mittel der Pflege- und Krankenkassen bestimmt und durch Bundes- und Landesgesetzte gesteuert wird. Aufgabe der Kommune ist, innerhalb dieser Rahmenbedingungen innovative Ansätze zu entwickeln und in enger Partnerschaft mit allen Akteurinnen und Akteuren zusammenzuarbeiten, um die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen in der Stadt nachhaltig zu verbessern. Sozial- und Jugendbehörde | 19 Impressum Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Layout: Vorreiter Druck: Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand: August 2024