Open Library in den Stadtteilbibliotheken Durlach, Mühlburg und Waldstadt

Vorlage: 2024/0857
Art: Informationsvorlage
Datum: 25.07.2024
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Kulturamt
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Grötzingen, Mühlburg, Neureut, Waldstadt

Beratungen

  • Kulturausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 10.10.2024

    TOP: 8

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

  • Ortschaftsrat Durlach (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 16.10.2024

    TOP: 4

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/0857 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Open Library in den Stadtteilbibliotheken Durlach, Mühlburg und Waldstadt Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Kulturausschuss 10.10.2024 8 Ö Kenntnisnahme Ortschaftsrat Durlach 16.10.2024 4 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Zentrale Aspekte im Zukunftsprozess der Stadtbibliothek sind Offenheit und Beteiligung. Die Karlsruher Stadtteilbibliotheken erfüllen in diesem Sinne neben der Medien- und Informationsversorgung bereits jetzt wichtige Funktionen als unkommerzielle generationenübergreifende Treffpunkte. Ihre pädagogischen Angebote und kulturellen Veranstaltungen werden in allen Stadtteilen stark nachgefragt. Die Öffnungszeiten sind jedoch aufgrund der knappen Personalsituation kürzer bemessen als von den Anwohner*innen gewünscht und die Kapazitäten für die Veranstaltungs- und Bildungsarbeit begrenzt. Eine Lösung dieser Situation bietet das Konzept der Open Library. Eine Open Library kann – durch technische und organisatorische Maßnahmen – zeitweise personalunabhängig geöffnet werden. So sind die Bibliotheken außerhalb der personalbetreuten Servicezeiten für die Kund*innen der Stadtbibliothek zugänglich. Innerhalb der Servicezeiten kann das Personal sich verstärkt auf kulturelle und pädagogische Bereiche sowie auf den direkten Austausch konzentrieren. Mit dem Konzept der Open Library kann die Entwicklung der Stadtbibliothek als Dritter Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und vielfältigen Möglichkeiten der Mediennutzung, der Weiterbildung und der Begegnung auch in den Stadtteilen gestärkt werden. Die Stadtbibliothek Karlsruhe beabsichtigt, zunächst die Stadtteilbibliotheken Durlach, Mühlburg und Waldstadt stufenweise in Open Libraries umzuwandeln . Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☐ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die Stadtbibliothek Karlsruhe entwickelt sich mehr und mehr zum Dritten Ort. Verbesserte Zugänglichkeit, Niedrigschwelligkeit und Offenheit stellen zentrale Aspekte dieses Prozesses dar. Dieser Wandel findet nicht nur in der Zentrale im Ständehaus und der Kinder- und Jugendbibliothek statt, sondern auch in den Stadtteilbibliotheken sowie im Medienbus. Bibliotheken im Stadtteil erfüllen in diesem Sinne neben der Medienversorgung in ihren Quartieren wichtige Funktionen als konsumfreie und unkommerzielle Treffpunkte über die Generationen hinweg. Sie fördern insbesondere für Kinder und ältere Menschen die gesellschaftliche Teilhabe vor Ort, ermöglichen Chancengleichheit und tragen zu einer lebendigen Nachbarschaft bei. Bibliothekspädagogische Angebote für Kitas und Grundschulen sowie kulturelle Veranstaltungen werden stark nachgefragt. Bislang ist in Karlsruhe die Öffnung der Stadtteilbibliotheken sowie das Angebot von Bildungs- und Kulturveranstaltungen von der Anwesenheit des Fachpersonals abhängig und damit trotz hoher und stetiger Nachfrage aus der Bevölkerung eingeschränkt. Samstagsöffnungen können nicht oder nur sehr selten ermöglicht werden und auch unter der Woche kann nicht an allen Tagen geöffnet werden. Unterschiedlichen Lebenssituationen mit variierenden zeitlichen Bedürfnissen (Berufstätige, Eltern, Kinder, ältere Menschen etc.) können die Stadtteilbibliotheken so nur bedingt gerecht werden. Besuche von Kitagruppen und Klassenführungen sowie offene Veranstaltungen können nur angeboten werden, wenn das Personal nicht mit Ausleihe und Rückgabe zu den Öffnungszeiten beschäftigt ist. Eine Änderung der personellen Situation ist in Zeiten knapper Haushaltskassen und des Fachkräftemangels nicht absehbar. Eine Lösung für diese Herausforderung ist die zeitweise personalunabhängige Öffnung als sogenannte Open Library. Ermöglicht wird diese Öffnung durch technische und organisatorische Maßnahmen. In Folge gibt es servicefreie Öffnungsstunden sowie Zeiten mit Service und Beratung. Mit der Wandlung hin zu Open Libraries findet in der Bevölkerung in der Regel ein Wandel in der Wahrnehmung der Stadtteilbibliotheken hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit der Nutzenden sowie deren Partizipation statt. In den Zeiten, in denen Personal anwesend ist, stehen Beratung und Veranstaltungen im Vordergrund, in den servicefreien Zeiten stehen die individuelle Freizeit sowie die Begegnung der Menschen untereinander im Fokus. Zentral ist, dass sich in einer Open Library personalfreie Öffnungsstunden mit Zeiten inklusive Personal abwechseln. So bleibt durch die stetig erfolgende persönliche Begegnung die Bibliothek für die Kund*innen ein Ort mit Gesicht und das Fachpersonal eng an die Bedürfnisse der Nutzer*innen gebunden. Eine Open Library ist also eine Kombination aus erweiterten Öffnungszeiten, einem Mehr an Bildungs- und Veranstaltungsangeboten sowie einer gesteigerten Aufenthaltsqualität durch die Etablierung der Stadtteilbibliothek als Wohnzimmer des Viertels. Die weltweit erste personallose Bibliothek öffnete 2002 in Singapur, die skandinavischen Länder zogen im Laufe der 2010er nach. Die erste Open Library In Deutschland öffnete 2014 in Hamburg. Mittlerweile gibt es (Stand August 2024) in 50 Stadtbibliothekssystemen eine oder mehrere Open Libraries mit einer hohen Dichte in Nordrhein-Westfalen. Die erste nur mit einem Sicherheitsdienst geöffnete Bibliothek gab es im wissenschaftlichen Bereich bereits 2006 – in Karlsruhe. Vorteile der personallosen Öffnung und der damit ausgeweiteten Öffnungszeiten: • Öffnungsmöglichkeiten am Wochenende – besonders attraktiv für Familien und Berufstätige • Gewinnung neuer Nutzer*innengruppen aufgrund einer veränderten Angebotsstruktur und ausgeweiteten Öffnungszeiten • Steigerung der Attraktivität der Bibliothek als sozialer Treffpunkt • Erhöhte Einbindung der Bevölkerung in die Gestaltung „ihres Wohnzimmers“. – 3 – Vorteile der nahezu vollständig automatisierten Ausleihe und Rückgabe: • Mehr Zeit für den direkten Kontakt und Austausch mit den Nutzenden in den Servicezeiten • Mehr Zeit für Bildungs- und Veranstaltungsarbeit • Interessantere Aufgaben führen zu attraktiveren Stellen und damit zu einem Standortvorteil im Kampf um die besten Fachkräfte Voraussetzung für die personallose Öffnung ist die Ausstattung der Bibliothek mit • einer an die Bibliothekssoftware angeschlossenen zentralen Systemsteuerung, • automatisierten Selbstverbuchungs- und Rückgabemöglichkeiten, • Automatiktüren, die mittels Zutrittskontrolle über den Bibliotheksausweis den Zugang steuern, • Kameras mit Server zur Nachverfolgung bei Vandalismus oder Diebstahl, • Lautsprecher zur Benachrichtigung bei Schließung etc., • Automatisierte Lichtsteuerung, • Angepasstes Mobiliar (zum Beispiel verschließbare Schränke für Bibliothekstechnik und Wertgegenstände) Der Datenschutzbeauftragte, der Brandschutzbeauftragte, das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW) und die örtliche Haustechnik sowie andere im Gebäude ansässige Parteien werden von Beginn an in den Planungsprozess einbezogen. Befürchtungen hinsichtlich Vandalismus und Diebstahl kann die zwanzigjährige europaweite Erfahrung entgegengestellt werden. Entgegengewirkt werden kann solchen Vorkommnissen durch die kluge Wahl von Öffnungsstunden, eine intensive Einbindung von lokalen Gruppen und Vereinen sowie eine intensive und frühzeitige Kommunikation mit relevanten Stakeholdern innerhalb des Stadtteils. Geplant ist ein stufenweiser Prozess, der auch von der Finanzierbarkeit abhängig ist: • Stadtteilbibliothek Durlach: o Vorreiterrolle und Pilot im Osten o Technische Machbarkeit bereits mit der HGW Durlach geprüft o Zu Beginn Testphase zu Öffnungszeiten des Pfinzgaumuseums o aktuelle Öffnungsstunden pro Woche: 20 Stunden plus ein Samstag à 4 Stunden pro Monat • Stadtteilbibliothek Mühlburg o Treffpunkt im multikulturellen Stadtteil mit vielen Familien im Westen o Gebäude durch das Bürgerzentrum Mühlburg zu Zeiten außerhalb des Bibliotheksbetriebes geöffnet: Synergien o Standort mit besonders knappen Personalressourcen (aktuelle Öffnungsstunden pro Woche: 18 Stunden) • Stadtteilbibliothek Waldstadt o Stärkung der Ortsmitte eines bunt gemischten Stadtteils im Norden o Sehr ausleihstarker Standort mit hoher Nachfrage an bibliothekspädagogischen Angeboten – aktuelle Öffnungsstunden pro Woche: 23 Stunden o Kombiniert mit einer Erneuerung des Mobiliars (Anschaffung Mitte der 1980er Jahre) für die Etablierung des Wohnzimmer-Charakters (getrennte Haushaltsmittelanmeldung) Denkbar ist in allen drei Stadtteilbibliotheken eine stufenweise Ausdehnung der Öffnungszeiten mit zu Beginn 15 bis 20 zusätzlichen Stunden pro Woche. Damit wäre nahezu eine Verdopplung der aktuellen Öffnungszeiten möglich mit einem Fokus auf dem Wochenende. – 4 – Die Stadtteilbibliotheken Neureut und Grötzingen sowie die Amerikanische Bibliothek könnten in einem späteren Prozess nach Prüfung der Standorte und ihrer spezifischen Eigenschaften potenziell nachziehen. Es ist zudem zu prüfen, welche langfristige Lösung für die Medienbus-Stadtteile sowie die noch nichtabgedeckten Stadtteile gefunden werden kann, die neben der Literatur- und Medienversorgung den Prinzipien der leichten Zugänglichkeit und der Begegnung sowie dem Engagement in Bildungsarbeit und Veranstaltung entspricht. Der IT-Beirat hat 2024 das Projekt inhaltlich bereits freigegeben (Projektnummer 2024-017).