Die Bunte Stadt
| Vorlage: | 2024/0856 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 25.07.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Daxlanden, Oberreut |
Beratungen
- Kulturausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 10.10.2024
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/0856 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Die Bunte Stadt Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Kulturausschuss 10.10.2024 6 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Die Bunte Stadt ist eines von zwei weiteren Leitprojekten innerhalb des Korridorprojekts Soziale Stadt im Rahmen der IQ-Arbeitsweise. Das Projekt hat zum Ziel, Teilhabe und kulturelle Vielfalt mit Mitteln und Methoden aus Kunst und Kultur zu stärken und sichtbar zu machen. Die im Rahmen der STEK- Prozesse (Stadtteilentwicklungskonzept) in Oberreut und Daxlanden durchgeführten Kulturprojekte stehen auch exemplarisch für künftige Planungen in weiteren Stadtteilen. Der Kulturausschuss nimmt die Ausführungen und den Sachstand zum Leitprojekt „Bunte Stadt“ zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die aktuellen ökonomischen und sozialen Herausforderungen wie der demografische Wandel, weltweite Migrationsbewegungen, das Erstarken antidemokratischer Kräfte sowie eine zunehmende Zersplitterung der Gesellschaft machen einen umfassenden Perspektivwechsel notwendig. Um sozialen Frieden langfristig zu gewährleisten und zunehmender Verunsicherung zu begegnen, müssen Strategien entwickelt werden, die die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen sowie die der unterschiedlichen Lebensmilieus berücksichtigen. Um eine integrative Gesellschaft zu fördern und eine gesellschaftlich notwendige Transformation zu unterstützen, müssen Kommunen beziehungsweise die öffentliche Hand gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft neue Wege finden, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Die Stärkung des sozialen Zusammenhalts muss auf den Prinzipien von Solidarität, Gerechtigkeit und Teilhabe basieren, Chancengleichheit für alle Menschen ist dabei erklärtes Ziel, dies ungeachtet deren lokaler, kultureller, sozialer oder ökologischer Herkunft. Es geht um nicht weniger als um einen neuen Gesellschaftsvertrag, bei dessen Ausgestaltung die öffentliche Hand eine aktiv steuernde Rolle einnehmen muss. Eine wichtige Rolle beim Erreichen dieser Ziele nimmt dabei die Kultur ein. Insbesondere partizipative Kulturprojekte, die in Dialog und Austausch treten mit den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Generationen, mit den Communities vor Ort, sind in höchstem Maße dazu prädestiniert, gerade den so genannten „Stillen Gruppen“ Stimme und Ausdruck zu geben. Begriffe wie Sozialräumlichkeit, Outreach, kulturelle Stadtteilarbeit oder Lokalisierung, sie alle haben einen wesentlichen Grundsatz gemeinsam: Die Notwendigkeit des Aufsuchens der Menschen in ihrer Lebenswelt, an ihren vertrauten Orten, in ihrem Stadtteil, ihrem Quartier. Kulturelle Quartiersarbeit agiert dabei auf Augenhöhe. Sie bindet Partnerinnen und Partner aus bestehenden Netzwerken, aus Schulen, Bürgervereinen, Vereinen und Initiativen, aus Kirchen und Verbänden von vornherein in Planung und Konzeption ein, sie setzt an bestehenden Interessen an und agiert verbindlich, auf Augenhöhe und zuverlässig. Sie fokussiert eine Mobilisierung des Ehrenamts – „Hilfe zur Selbsthilfe – und konzipiert somit nachhaltig. Kulturelle Stadtteilarbeit fördert nicht nur das Zusammenleben im Quartier, sie versteht sich als aktive Stärkung des Ehrenamts vor Ort, als Empowerment der Bewohnenden, als identitätsstiftendes Moment, und nicht zuletzt erreicht sie Menschen, die bislang vom traditionellen Kulturangebot in den Zentren nicht erreicht wurden. Der etablierten und bis heute oftmals als alternativlos geltenden Kommstruktur klassischer Einrichtungen setzt die kulturelle Stadtteilarbeit eine Gehstruktur entgegen. Dies im Wissen, dass vor allem im Aufsuchen die Chance steckt, bislang nicht erreichte Menschen zu erreichen, sie zu motivieren, ihnen neue Erlebnisräume zu erschließen und somit die Lebensqualität und den sozialen Frieden im Quartier zu sichern. Durch die durchweg positiven Erfahrungen des Projekts Bunte Stadt versteht sich das Kulturamt in zunehmendem Maße als Motor und verankert die aufsuchende Kulturarbeit in seinen eigenen Richtlinien. Darüber hinaus gilt es, den Gedanken auch weiterzutragen und Kultureinrichtungen und Kulturschaffende zu motivieren, verstärkt „raus zu gehen“. Projektbeispiele aus der bisherigen Arbeit der Bunten Stadt: • Willkommensfest für Neuzugezogene im Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut am 23. Oktober 2021 in Kooperation mit dem Amt für Stadtentwicklung, der Volkswohnung, der Stadtteilgruppe Kultur und dem Bürgerverein Oberreut. • Quartierskino Oberreut 2021 und 2022, in Kooperation mit der Kinemathek Karlsruhe und der Stadtteilgruppe Kultur Oberreut. 2023 fand das Quartierskino auch in Daxlanden statt. – 3 – • Oberreut DeLuxe 2021 und 2022, ein temporäres Kunst- und Begegnungsprojekt auf dem Grünstreifen in Oberreut durch die Kunstvermittlungsgruppe fort-da, in Kooperation mit der Anne Frank-Schule • Ausstellung des Karlsruher Stadtarchivs „Alle nach Oberreut“ im Rahmen der Europäischen Kulturtage im Mai 2021, in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für Politische Bildung, der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sowie Oberreuter Bürgerinnen und Bürgern • Lesung im Rahmen der Karlsruher Literaturtage (2021, 2022, 2024) im Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut, eine Kooperation mit dem Literaturmuseum Karlsruhe • Aufführung der „Raumforscher*innnen in Kooperation mit dem Badischen Staatstheater und Werkraum Karlsruhe • Mitmachangebot des Kinderzirkus Maccaroni an vier Wochenenden im Juni 2022 sowie im Frühjahr 2024 auf dem Grünstreifen Oberreut, in Kooperation mit dem Stadtjugendausschuss Karlsruhe • Teilnahme am Europäischen Filmfestival der Generationen 2022, 2023 und 2024, Kooperation mit der Sozial- und Jugendbehörde • Realisierung des Musicals „Jenny aus Oberreut“ durch die Stadtteilgruppe Kultur Oberreut mit über 100 Beteiligten aus dem Stadtteil. Das Projekt wurde 2023 finanziell gefördert durch das Bundesprogramm „Partnerschaften für Demokratie“ sowie durch die Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe (2024). • Projekt „Grenzenlose Theaterkunst“, bei dem die Federführung bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland liegt. 2022: Oberreut, seit 2023: Daxlanden • Kooperation mit dem Jungen Staatstheater 2023 sowie 2024 in Daxlanden • Kooperation mit Tiyatro Dialog in Daxlanden (2024) Ausblick: Die aus den Erfahrungen der Bunten Stadt resultierende Arbeit, die mit Kultur der Sozialräumlichkeit am treffendsten zu bezeichnen wäre, stellt ein zeitgemäßes wie notwendiges Tätigkeitsfeld dar, das noch vor 10 Jahren keine Notwendigkeit beanspruchte. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung, der notwendigen Förderung des Zusammenhalts sowie der Nutzung der Kultur als Vehikel und Fundament eines neuen Gesellschaftsvertrags für Karlsruhe, fallen hier neue Aufgaben an. Aus diesen Gründen ist es notwendig, vor dem Hintergrund eines neuen Gesellschaftsvertrags die Erfahrungen und Erkenntnisse des Projekts Bunte Stadt über dessen Ende im Juni 2025 hinaus in die allgemeine Förderarbeit des Kulturamtes zu übernehmen. Seit 1. Juli 2019 ist eine Mitarbeiterin des Kulturbüros mit einer eigens eingerichteten Projektstelle (Stellenumfang 75 % einer Vollzeitstelle) für das Projekt Bunte Stadt aktiv. Eine Verstetigung der Stelle ist notwendig. Nur mit dieser können die arbeits- und zeitintensiven Schritte und Maßnahmen zur Förderung kultureller Teilhabe, zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und zur Überwindung von sozialen Ungleichheiten konsequent betrieben werden. Sozialräumlichkeit, das Aufsuchen der Menschen in ihrer Umgebung unter Einbeziehung bekannter Orte, Strukturen, und Schlüsselpersonen sind ausschlaggebend für den Erfolg von Partizipation. Es ist an der Zeit, aus diesem wegweisenden Projekt eine konsequente Vorgehensweise der Stadt zu entwickeln und als dauerhaften Bestandteil der städtischen Kultur- und Sozialpolitik zu etablieren. Im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens 2025 soll eine Stelle im Umfang von 50% für die Fortführung der Bunten Stadt und Übernahme der Themen der Sozialräumlichkeit in die gesamte Kulturförderung geschaffen werden. 2025 wird die Fortführung und die Umsetzung der Arbeit in der Kulturförderung evaluiert. Ziel dieser Evaluation soll unter anderem auch die Stellenbemessung sein. Sollte sich daraus ein weiterer Stellenbedarf ergeben, wäre eine Aufstockung der Stelle im Stellenschaffungsverfahren 2026 zu prüfen.