Anpassung der forstlichen Planung an die veränderten klimatischen Bedingungen und Bericht der Zwischenrevision zur Forsteinrichtung

Vorlage: 2024/0296
Art: Beschlussvorlage
Datum: 19.03.2024
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Forstamt
Erwähnte Stadtteile: Grötzingen, Hagsfeld, Knielingen, Neureut, Oberreut, Stupferich

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 23.04.2024

    TOP: 13

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

  • Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 16.04.2024

    TOP: 3

    Rolle: Vorberatung

    Ergebnis: Zustimmung

Zusätzliche Dateien

  • Beschlussvorlage
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/0296 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: Forstamt Anpassung der forstlichen Planung an die veränderten klimatischen Bedingungen und Bericht der Zwischenrevision zur Forsteinrichtung Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 16.04.2024 3 Ö Vorberatung Gemeinderat 23.04.2024 13 Ö Entscheidung Kurzfassung Der Klimawandel in Karlsruhe zeigt sich durch im Mittel höhere Temperaturen mit vermehrten Hitze- und Sommertagen. Die Niederschläge zeigen im Jahresmittel in den jüngeren Dekaden eine Abnahme, was vor allem seit der Vegetationsperiode 2018 zu vermehrtem Trockenstress im gesamten Baumbestand führt. Die forstbetriebliche Planung (Forsteinrichtung) wurde vor 2018 und damit vor Beginn der letzten Trockenjahre erstellt. Seit 2018 wurden daher die Nutzungsmengen durch eine Reduktion von 30 % an die stark veränderten klimatischen Rahmenbedingungen angepasst. An Stelle flächiger Maßnahmen rücken zunehmend Maßnahmen der Verkehrssicherung. Insgesamt ergibt sich ein neuer Hiebsatz von 101.200 Festmeter für den Forsteinrichtungszeitraum von 2018 bis 2027 mit einer Reduktion um ca. 41.000 Festmeter bzw. um 30% im Vergleich zur Planung von 2017. Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen der Anpassung der Nutzungsmenge an die klimatischen Gegebenheiten entsprechend der Empfehlung des Zwischenrevisionsberichtes der Forsteinrichtung zu. Erläuterungen Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☒ negativ ☐ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Die umfangreichen Ergebnisse der durch das Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung Forstdirektion durchgeführten Zwischenrevision sind in beigefügtem Bericht (Anlage 1) zusammengefasst. Das Forstamt war mit den Revierleitungen, der Fachkraft für Waldökologie sowie der Verwaltungs- und Amtsleitung bei der Zwischenrevision zur Forsteinrichtung intensiv beteiligt. Der amtliche und ehrenamtliche Naturschutz wurde ebenfalls eingebunden. Dies ist im Forsteinrichtungsverfahren formal nicht vorgesehen, erschien dem Forstamt jedoch aufgrund der hohen Bedeutung von Natur- und Artenschutz im Stadtwald als sehr wichtig. Die vorgelegten Ergebnisse der Zwischenrevision zur Forsteinrichtung für die Jahre 2018 – 2027 sind aus fachlicher Sicht des Forstamtes plausibel, nachvollziehbar und ausgewogen. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Ergebnisse der klassischen forstlichen Waldentwicklung grundlegend im Vergleich zum Vorhaushalt 2022/2023 verändern. Das Forstamt empfiehlt die Zustimmung der Stadt als Waldbesitzerin. Die großen Herausforderungen bei der Anpassung von Waldbeständen sind die extrem langen Entwicklungszeiten. Es werden starke und schnelle Veränderung erwartet, so dass Waldökosysteme nicht genügend Zeit für eine natürliche Anpassungen haben. Daher muss die Waldentwicklung aktiv in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Dabei muss eine Strategie gewählt werden, die Veränderungen in der Walddynamik frühzeitig erkennen lässt, damit eine rechtzeitige Anpassung möglich wird. In der waldbaulichen Praxis erfolgt die Planung und Ausrichtung in den Waldbeständen in erster Linie im Rahmen der Planungsbegänge in enger Zusammenarbeit mit der Forsteinrichtung. Dabei werden die Maßnahmen der Waldentwicklung hergeleitet, besprochen und festgelegt. Hier wird ein Großteil der Entscheidungen hinsichtlich der umzusetzenden Maßnahmen gefällt. Die Forsteinrichtung und diese Zwischenprüfung sind dabei zentrale Instrumente zur fachlichen Prüfung der Umsetzung der Eigentümerzielsetzung und um gegebenenfalls auch langfristige Veränderungen im Umgang mit dem Stadtwald und der dauerhaft nachhaltigen Waldentwicklung zu bewirken. Zu den Details: Der Klimawandel ist in Karlsruhe angekommen und zeigt sich durch im Mittel höhere Temperaturen mit vermehrten Hitze- und Sommertagen. Die Niederschläge zeigen im Jahresmittel in den jüngeren Dekaden eine Abnahme, welche zu großer Trockenheit vor allem während der Vegetationsperiode seit 2018 beigetragen hat. Der Wald zeigt vermehrt Trockenstress und Bäume fallen aus. Karlsruhe zählt durch seine Lage in der Rheinebene hinsichtlich der Verwundbarkeit gegenüber Klimawandelfolgen zu den vulnerabelsten Regionen Deutschlands. Wälder sind aufgrund ihrer langen Lebensdauer von Klimaveränderungen besonders betroffen. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz. Darüber hinaus gibt es vielfältige gesellschaftliche Ansprüche an den Wald, wie Erhalt der Biodiversität, Schutz vor Erosion, Wasserrückhalt, Sicherung einer guten Trinkwasserqualität und nicht zuletzt besonders bei uns im urbanen Raum die Erholungsnutzung. Die Vielzahl an Ökosystemdienstleistungen können nur durch vitale, intakte und langfristig klimastabile Wälder erfüllt werden. Die forstbetriebliche Planung (Forsteinrichtung) wurde vor 2018 und damit vor Beginn der Trockenjahre erstellt. In den letzten Jahren wurden die Nutzungsmengen bereits durch eine Reduktion von 30 % an diese sich stark veränderten klimatischen Rahmenbedingungen angepasst. An Stelle flächiger Maßnahmen rücken zunehmend über das gesamte Stadtgebiet verteilte Maßnahmen der Verkehrssicherung, die deutlich aufwändiger, gefährlicher und selten planbar sind. Meist gehen hiermit auch geringere Nutzungsmengen einher. – 3 – Der Hiebsatz wird wie folgt reduziert: • Vornutzungen: 10.000 Festmeter • Hauptnutzungen Pappel: 12.000 Festmeter • Dauerwaldnutzung: 8.000 Festmeter • Buntlaubbäume: 8.000 Festmeter. Insgesamt ergibt sich ein neuer Hiebsatz von 101.200 Festmeter für den Forsteinrichtungszeitraum von 2018 bis 2027 mit einer Reduktion um ca. 41.000 Festmeter bzw. um 30% im Vergleich zur Planung von 2017. Der Klimawandel stellt für die Waldentwicklung mit der Bindung der Bäume an die Standortverhältnisse und den langen Produktionszeiträumen, eine besondere Herausforderung dar. Es wird erwartet, dass das Ausmaß, die räumliche und zeitliche Verteilung sowie die Geschwindigkeit des Klimawandels vielerorts die Anpassungsfähigkeit unserer Baumarten überschreiten. In dieser unsicheren Situation sind robuste Waldentwicklungsstrategien gefragt, die unter verschiedenen Szenarien der Klimaentwicklung die Sicherstellung der Waldleistungen ermöglichen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Prinzipien, die zu einer Verminderung von Risiken beitragen. Hierbei lassen sich für den Stadtwald drei grundsätzliche Richtungen unterscheiden: 1. Adaption zielt darauf ab, die Resistenz des Waldes gegenüber Störung, deren Resilienz nach Störungen oder deren Anpassungsfähigkeit in einem sich ändernden Klima zu erhöhen. 2. Die Resistenzerhöhung soll die Widerstandsfähigkeit des Waldes gegen Auswirkungen des Klimawandels verbessern und schließt auch die Vermeidung von Schäden am Wald ein. 3. Die Resilienzerhöhung soll die Fähigkeit des Waldes fördern, nach Störungen zu erwünschten Zuständen zurückzukehren, und die Erhöhung der Anpassungsfähigkeit des Waldes soll den Übergang in einen neuen Waldzustand erleichtern. Zur Umsetzung der drei strategischen Stoßrichtungen bei den Waldentwicklungsmaßnahmen für den Stadtwald Karlsruhe wurden vier Adaptionsprinzipien entwickelt: • Erhöhung der Baumartenvielfalt • Erhöhung der Strukturvielfalt • Erhöhung der genetischen Vielfalt • Erhöhung der Störungsresistenz der Einzelbäume Diese vier Adaptionsprinzipien sind kein allgemeingültiges Rezept für den Stadtwald, vielmehr bedarf es im einzelnen Waldbestand einer gründlichen Auseinandersetzung mit der Ausgangslage (Standortverhältnissen und vorhandene Baumarten) und einer kritischen Beurteilung der möglichen Wege in die Zukunft. Grundsatz bleibt auch hier der naturnahe Waldbau mit standortgerechten Baumarten, vertikal und horizontal strukturierten Mischbeständen und einem hohen Naturverjüngungsanteil. In einigen verpachteten Jagdrevieren sind hohe Schäden an der Naturverjüngung zu erkennen. Selbst Hauptbaumarten lassen sich hier nicht natürlich verjüngen, insbesondere nicht die im Klimawandel gewünschte Baumart Eiche. Dies entspricht nicht der Eigentümerzielsetzung und den Vorgaben der PEFC-Zertifizierung. Für das Forstamt wird in den kommenden Jahren neben umfangreichen anhaltenden Verkehrssicherungsarbeiten die Pflege von Naturverjüngungsflächen, von gepflanzten Kulturflächen sowie die Entfernung bzw. der Rückschnitt von abgestorbenen Bäumen einen Schwerpunkt bilden. – 4 – Der Forstbetrieb muss in der Lage sein, seine Aufgaben aufgrund seiner Organisationsstruktur, des eingesetzten Personals sowie seiner gerätetechnischen und sonstigen Ausstattung selbstständig, unterstützt durch Fachfirmen vollumfänglich wahrzunehmen. Dies gilt bei der aktuellen Waldschadenssituation besonders für die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht. Zusätzliche Investitionen werden dringend für die Anpassung und Instandsetzung der Infrastruktur und Erholungseinrichtungen, der Ertüchtigung bzw. Verlagerung der forstlichen Betriebshöfe sowie der Anpassung des Stadtwaldes hin zu einem klimastabilen Zukunftswald benötigt. Darüber hinaus muss die Ausstattung, begonnen bei der Sicherheitsausrüstung der Forstwirte bis hin zur Maschinenausstattung durch Forstspezialfahrzeuge und dringend erforderliche bodenschonendere Holzerntetechniken ergänzt werden. Die Anforderungen an den Forstbetrieb durch die klimatischen Veränderungen (z.B. Verkehrssicherung, klimastabile Waldentwicklung, Aufrechterhaltung der Erholungsfürsorge) sind enorm. Nur durch eigenes, gut ausgebildetes Fachpersonal sowie durch eine passende Personal- und Maschinenausstattung sind diese Herausforderungen zu stemmen. Fazit der Zwischenprüfung: • Der Wald der Stadt Karlsruhe ist bei den Verantwortlichen in guten Händen. • Insbesondere die Lage im stadtnahen Bereich erfordert einen sehr hohen Aufwand im Bereich Verkehrssicherung, Waldpädagogik, Bürger*inneninformation, Bürger*innenprojekte und zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit. • Die aktuelle Waldschadenssituation stellt das städtische Forstamt in allen Bereichen vor enorme Herausforderungen. • Die Bewirtschaftung durch sämtliche Mitarbeitende des städtischen Forstamtes erfolgt mit viel Engagement, fachlich fundiert und waldbaulich ambitioniert. Beschluss: Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen der Anpassung der Nutzungsmenge an die klimatischen Gegebenheiten entsprechend der Empfehlung des Zwischenrevisionsberichtes zur Forsteinrichtung zu.

  • Anlage 1: Bericht Zwischenrevision Karlsruhe
    Extrahierter Text

    FE 11 b 1 Niederschrift zur Zwischenprüfung Stadt Karlsruhe Termin für die Zwischenprüfung: 30.05.2023 Teilnehmer:  Herren Köllner, Sturm, Prinz RP Freiburg, Abt. Forstdirektion  Herr Ott, Verwaltungsleitung  Herren Struck, Hotz, Wehrle, Revierleiter 1. Allgemeines zum Wald Klimatische Entwicklung Der Klimawandel ist in Karlsruhe längst angekommen und zeigt sich durch im Mittel hö- here Temperaturen mit vermehrten Hitze- und Sommertagen. Die Niederschläge zeigen sowohl im Jahresmittel als auch für die Vegetationsperiode insbesondere in den jüngeren Dekaden eine Abnahme, welche zu großer Trockenheit während der Vegetationsperiode in der Region seit 2018 beigetragen hat. Der Wald und die Stadtbäume zeigen vermehrt Trockenstress und fallen aus. Karlsruhe zählt, in der Rheineben gelegen, hinsichtlich der Klimawandelfolgen zu den vulnerabelsten Regionen Deutschlands. Die Wälder sind aufgrund ihrer langen Lebensdauer von Klimaveränderungen besonders betroffen. Gleichzeitig leisten unsere Wälder einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz, indem sie CO2 binden und speichern. Darüber hinaus gibt es vielfältige gesellschaftliche Ansprüche an den Wald, wie Erhalt der Biodiversität, Schutz vor Erosion, Wasserrück- halt, Sicherung einer guten Trinkwasserqualität und nicht zuletzt besonders bei uns im urbanen Raum die Erholungsnutzung. Die Vielzahl an Ökosystemdienstleistungen kön- nen nur durch vitale, intakte und langfristig klimastabile Wälder erfüllt werden. Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der kranken Bäume seit dem Extremwetterjahr 2018. In den vergangenen Jahren hat der allgegenwärtige Klimawandel von 2018 bis 2020 zu drei aufeinanderfolgenden Sommern geführt, die von extremer Hitze und Trockenheit ge- prägt waren. Der statistisch betrachtet "normale" Sommer 2021 hat kaum Entlastung ge- bracht. Dies hat sich sehr negativ auf den Zustand unserer Bäume, insbesondere auch unserer Waldbäume, ausgewirkt, sei es in Form der Buchenkomplexkrankheit, des Eschentriebsterbens oder der stark zunehmenden Wurzelfäulen. Dass der Stadtwald Karlsruhe bisher im Vergleich zu anderen Wäldern glimpflich davon- gekommen ist, hat mit seiner Struktur und naturnahen vorausschauenden Pflege zu tun. In vielen Teilen sind stark strukturierte naturnahe Mischwälder mit einer Vielzahl an Baumarten vorhanden. Die Erhaltung und Stärkung der Resilienz der Wälder ist oberstes Ziel des Forstamtes. Mit Resilienz verbindet das Forstamt die Fähigkeit, Funktionen und Leistungen nach Stö- rungen aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Eng damit verknüpft ist größtmögli- che biologische Vielfalt. Neben der Vielfalt an Waldgesellschaften tragen die Baumarten- vielfalt und die genetische Vielfalt dazu bei, dass Organismen sich anpassen können und Untere ForstbehördeBetriebHolzbodenflächeFE-Zeitraum Nr. 212, Karlsruhe StadtkreisNr. 111975,4 haH2018 - 2027 FE 11 b 2 Ökosysteme funktionsfähig bleiben. Mit den zu erwartenden klimatischen Entwicklungen sind unter anderem vielfältige Veränderungen der Böden, Mikroorganismen, Insekten, Begleitarten und natürlichen Gegenspieler verbunden. Daher muss die Anpassung an den Klimawandel auf die Stärkung des gesamten Ökosystems Wald abzielen. Insofern sind die Förderung anpassungsfähiger Baumarten und die künftige Baumartenzusam- mensetzung zwar bedeutsame Gestaltungsgrößen, aber nicht die einzigen bestimmen- den Einflussfaktoren. Die große Herausforderung besteht darin, dass Baumarten sowohl mit den heutigen als auch den künftigen klimatischen Bedingungen zurechtkommen müs- sen. Wichtige Ziele für den Stadtwald (Ausschnitt aus dem vom Gemeinderat beschlos- senen Grundsatzpapier):  Der Stadtwald Karlsruhe ist unverzichtbarer Teil der „Grünen Stadt Karlsruhe“ und dient dem Wohl der Bevölkerung in besonderem Maß.  Der Stadtwald Karlsruhe hat umfangreiche multifunktionale Aufgaben; der integ- rative Ansatz bei der Waldbewirtschaftung und die Prinzipien der naturnahen Waldbewirtschaftung werden deshalb beibehalten.  Die praktische Umsetzung der Waldbewirtschaftung bedeutet immer einen Aus- gleich zwischen unterschiedlichen Zielen, Interessen und Ansprüchen.  In bestimmten Waldflächen und bei Zielkonflikten sind die Gemeinwohl-Bereiche (Schutz- und Erholungsfunktion) vorrangig.  Ökologie und Soziales sind eigenständige Zieldimensionen und nicht „nur“ die Leitplanken der Waldbewirtschaftung.  Der Waldbau wird ausgerichtet auf die Schaffung standortsgemäßer, naturnaher, vielfältiger und stabiler Wälder. Von besonderer Bedeutung für den Stadtwald ist die Erholungsfunktion. Durch die inten- siv von Erholungssuchenden genutzten Wälder, die großflächig vorhandene Naturschutz- funktion und den dabei möglichst langen Baumerhalt aus ökologischen Gründen sowie durch die vielen kleinen Waldflächen eingerahmt von Siedlungen und Infrastrukturein- richtungen spielt die Erfüllung der gesetzlichen Verkehrssicherung eine zentrale und ste- tig zunehmende Rolle. FE 11 b 3 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 BLIaIbIIIIIIVVVIVIIVIII ffJWVP FiDglKieELäsNb *1 BuREiEiBAhSAh EsRErHPaHBuLi Baumartenverteilung: Der Stadtwald liegt in 4 verschiedenen Naturräumen:  Rheinaue: Distrikte Burgau (14), Rappenwört (15), Großgrund (16), Unterwald (17)  Hardt: Distrikte Hardt (13), Weiherwald (19), Reitschulschlag (20)  Flussaue (Kinzig-Murg-Rinne): Distrikte Elfmorgenbruch (1), Vokkenau (2), Weid- bruch (3), Bruchwald (4), Oberwald (11), Rissnert (12)  Bergwald (Vorbergzone Schwarzwald und Pfinzgau): Großer Wald (5), Turmberg (6), Stupfericher Wald (7), Bergwald (8), Wolfartsweierer Wald (9), Grünwetters- bacher Wald (10) Bu 18% BAh 10% Es 9% Ei 8% REr 7% REi 6% sLb 30% sNb 12% Baumartenanteile FE 11 b 4 Auf Grund der verschiedenen Naturräume und der großen Standortbreite weist der Stadt- wald Karlsruhe eine enorme Baumartenvielfalt auf. Abhängig von den Standortsverhält- nissen zeigen die Baumarten daher auch eine unterschiedliche Wuchsdynamik. Waldschutz  Pilze: Pilzkrankheiten haben sich stark ausgebreitet und verursachen große Probleme, vor allem hinsichtlich der Verkehrssicherheit der Bestände. Das Eschentriebsterben hat mittlerweile nahezu alle Eschenbestände erfasst, die betroffenen Bäume sind dadurch stark geschwächt und extrem anfällig für den Hallimasch. Die dadurch verursachten Stamm- und Wurzelfäulen destabilisieren gesamte Bestände, die Standsicherheit ist in vielen Fällen nicht mehr gewährleis- tet, was vor allem in verkehrssicherungskritischen Bereichen zu erheblichen Prob- lemen führt. Der Bergahorn wird vor allem in wechselfeuchten Bereichen durch die Rußrin- denkrankheit befallen und stirbt ab. Das Holz ist zumeist nicht mehr vermarktbar und muss im Wald verbleiben. Die durch die Sporen ausgehende Gesundheitsge- fahr erschwert zudem die Aufarbeitung enorm. Insgesamt nimmt die Zersetzungsgeschwindigkeit deutlich zu und führt zu einer schnelleren Absterbedynamik. Vor allem an den Wurzeln geschwächter alter Ei- chen führt dies vermehrt zum Umstürzen und dadurch zu extrem gefährlichen Si- tuationen. Hitze- und Dürreperioden führen an Buche dazu, dass latent vorhandene Krank- heitserreger, welche in der Rinde und im Holz der Bäume leben, ihr Schadpoten- zial entwickeln können und primär werden. Zu diesem Erreger zählt unter anderem auch die Pilz-Gattung Biscogniauxia. Diese Art gehört in Baden-Württemberg zu den am häufigsten isolierten Pilzarten aus erkranktem Buchengewebe. Der Pilz verursacht Rindennekrosen und Fäulen im Holz, die zu Astbrüchen und Stabili- tätsverlusten der Bäume führen. Insgesamt verstärken Pilz- und Käferbefall die ohnehin bestehenden trockenheits- bedingten Schwächungen der Buchen, so dass sich diese nicht als resilient erwei- sen. Phytophtora wirkt sich vor allem in wechselfeuchten und sonnenexponierten Be- reichen als Schaderreger an Erlen und Roteichen aus.  Insekten: Im Bereich der südlichen Hardt bereitet der Engerlingsfraß des Waldmaikäfers Schwierigkeiten bei der Kulturbegründung. Gelegentlich ist an Buchen und Eichen Prachtkäferbefall zu finden, der aber nicht in größerem Ausmaß schadensrelevant ist. Altersaufbau:  Insgesamt sind im Stadtwald alle Altersstufen, von der Verjüngung neuer Waldbe- stände bis hin zum natürlichen altersbedingten Zerfall, vertreten.  Einige Buchen-Altbestände wurden bei der letzten Forsteinrichtung als Dauerwald ausgewiesen. FE 11 b 5  Häufig gleichaltrige und sehr vorratsreiche Pappelbestände sind auf größeren Flä- chen vorhanden. Einige haben den idealen Erntezeitpunkt bereits seit Jahren überschritten. Holzvorrat, Zuwachs und Nutzung:  Der Holzvorrat im Stadtwald lag bei der Inventur 2017 bei 331 Festmeter je Hektar und damit auf einem durchschnittlichen Niveau, nach dem er über viele Jahrzehnte kontinuierlich angestiegen war.  Der Hiebsatz wurde bei der Aufstellung der Forsteinrichtung 2018 mit 7,2 Ernte- festmeter je Jahr und Hektar über dem erwarteten Zuwachs (6,2 Erntefestmeter je Jahr und Hektar) festgesetzt.  Ein Schwerpunkt wurde in der Nutzung von Altpappelbeständen gesetzt. Darüber hinaus wurden erwartete Zwangsnutzungen bei der Esche mitberücksichtigt. Naturverjüngung unter dem Schirm der Altbestände – der Wald von Morgen Naturverjüngung war bei der Betriebsinventur 2017 auf 59% der Bestandesflächen älterer Bestände vorhanden. Allerdings bestand die Verjüngung zu diesem Zeitpunkt zu rund 30% aus Straucharten, zu 6% aus Esche und zu 22% aus Bergahorn, der nicht auf allen Standorten gut zurechtkommt. Mittlerweile stellt sich die Situation differenzierter dar. Ins- besondere in den buchenreichen Beständen stellt sich meist in den waldschadensbe- dingten Lücken eine starke Buchenverjüngung ein. Dort, wo der Wilddruck es durch eine angepasste Bejagung zulässt und ausreichend Licht im sich öffnenden Altbestand vor- handen ist, verjüngt sich auch die Eiche (z. B. Oberwald und Stupferich). Durch die kli- mabedingte Waldschadenssituation wird es in Abhängigkeit von der Verbisssituation bei der Verjüngung deutliche Veränderungen geben. Verbiss, Jagdverpachtung:  Die Jagd im Stadtkreis ist mit Ausnahme der Distrikte Oberwald und Rissnert ver- pachtet. In einigen verpachteten Jagdrevieren sind hohe Schäden an der Natur- verjüngung zu erkennen. Selbst Hauptbaumarten lassen sich hier nicht natürlich verjüngen, insbesondere nicht die im Klimawandel gewünschte Baumart Eiche. Dies entspricht nicht der Eigentümerzielsetzung und den Vorgaben der PEFC-Zer- tifizierung.  Die Bejagung im urbanen Raum ist durch den hohen Druck an Erholungssuchen- den herausfordernd. Trotzdem bleibt es das Ziel des Eigentümers und der Zertifi- zierung, die Wildbestände so anzupassen, dass ein vitaler und gesunder, dem Lebensraum entsprechender Wildbestand vorhanden ist und sich klimastabile Lichtbaumarten ohne Wildschutz etablieren können. Dies ist essentiell, um den Stadtwald an die enormen klimatischen Herausforderungen mit naturnahen Me- chanismen anzupassen und auch mittelfristig seine Funktionen erhalten zu kön- nen. Nachfolgend sind die Jagdreviere mit Waldanteil mit entsprechender naturräumlicher Zu- ordnung aufgeführt: FE 11 b 6  Die Jagdreviere entlang des Rheins (Neureut, Knielingen, Burgau, Rappenwört) wurden seit der letzten Verpachtung intensiv bejagt, hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Verbissbelastung durch aufkommende Naturverjüngung.  In den Jagdrevieren entlang der Kinzig Murg Rinne (Elfmorgenbruch, Hagsfeld, Grötzingen westl. B3) ist die Verbissbelastung mit Ausnahme von zwei Distrikten (Vockenau und Elfmorgenbruch) hoch. Dies zeigt sich vor allem bei den Licht- baumarten, die bevorzugt verbissen werden und ohne Wildschutz keine Chance haben.  Die Verbissbelastung in den Jagdrevieren in den Bergwäldern (Bergwald, Wet- tersbach, Stupferich, Grötzingen östl. B3) mit Ausnahme von Stupferich ist hoch. Die Weißtanne und Lichtbaumarten weisen hohe Verbissschäden auf.  Die Distrikte Oberwald und Rissnert werden in Regie bejagt, die Rehwilddichte ist gering, was sich positiv auf die Naturverjüngung auswirkt. Eine Verjüngung der Lichtbaumarten ist dort ohne Schutz möglich.  In der kommenden Verpachtungsperiode 04/2024 bis 03/2029 wird zusätzlich der Jagdbogen Oberreut in Regie bejagt, da auf dieser Fläche klimabedingt enorme Herausforderungen für die Waldverjüngung und Waldentwicklung bestehen, die eine kontinuierliche, der Situation angepasste Rehwildbejagung erfordern.  2024 erfolgt die Neuverpachtung bzw. Verlängerung der bestehenden Pachten. Änderungsvorschläge zum künftigen Jagdpachtvertrag hat das Forstamt dem Lie- genschaftsamt, als zuständigem Verpächter, unterbreitet. Ziel ist es, die Wildschä- den im Wald, in den notwendigen Bereichen zu verringern und eine zertifizierungs- konforme Jagdausübung und tierschutzgerechte Hege eines gesunden tragfähigen Rehwildbestandes zu erreichen. Zentrales Element ist dabei ein, wenn notwendig, verpflichtender gemeinsamer Waldbegang mit den Pachtenden und dem Forstamt sowie der unteren Jagdbehörde zur Besprechung notwendiger Maßnahmen. Darüber hinaus wird in der kommenden Verpachtungsperiode ver- stärkt auf die Einhaltung der Abschussziele geachtet. Durch Einführung eines Bo- nus-Malus-Systemssollen entsprechende Anreize zur Einhaltung der Ziele ge- schaffen und mit einer Wildschadensverhütungspauschale die Kosten für den notwendigen Wildschutz für die Pachtenden auf Grund der umfangreichen zukünf- tigen kleinflächigen Kulturen kalkulierbar gemacht werden. Weiterhin werden die Pachtenden dazu verpflichtet, jährlich eine Bewegungsjagd auf Schalenwild durchzuführen. Entsprechende Ergänzungen im Vertrag wurde zwischenzeitlich von der Jagdgenossenschaftsversammlung einstimmig beschlossen. FE 11 b 7 Ökologie Gut zwei Drittel des Stadtwaldes liegen inner- halb von Natura-2000 Gebieten.  Rheinniederung von Karlsruhe bis Phi- lippsburg  Rheinniederung zwischen Wintersdorf und Karlsruhe  Hardtwald zwischen Karlsruhe und Gra- ben  Hardtwald zwischen Karlsruhe und Mug- gensturm  Kinzig-Murg-Rinne zwischen Bruchsal und Karlsruhe  Pfinzgau-West  Oberwald und Alb Nahezu alle Waldflächen liegen ergänzend in Landschaftsschutz-, Naturschutz- oder Waldschutzgebieten. Der Stadtwald ist auf gesamter Fläche in hohem Maß bedeutsam für zahlreiche Arten. Leitarten sind der Eichen-Heldbock, der Hirschkäfer, verschiedene Fledermausarten, Spechte, Amphibien u.a.. Die Artvorkommen sind weitgehend bekannt und kartiert. Die Stadt hat sich bereits 2009 für die Anwendung eines Alt- und Totholz- konzeptes in Anlehnung an ForstBW entschieden. Der Wald hat also eine herausragende Rolle für den Landschafts-, Biotop- und Artenschutz. Wesentliche Gestaltungspunkte des Waldnaturschutzes:  Erhaltung und Förderung der Wald-Lebensraumtypen und Waldbiotope durch an- gepasste ökologische Pflegemaßnahmen.  Erhaltung und Förderung der Eiche durch Anlage von Eichenkulturen und baum- erhaltenden Pflegemaßnahmen an Alteichen.  Artenschutzmaßnahmen z. B. Bau von Hochsitzen mit Fledermausquartieren, Maßnahmen zur Verbesserung von Salamanderlebensräumen.  Erhaltung/Förderung der Lebensstätten von Arten z. B. Freistellung und Pflege- schnitt an Heldbockeichen, Erhaltung von Fledermausquartieren und stehendem Totholz in nicht verkehrssicherungspflichtigen Bereichen.  Verbesserung der Wasserrückhaltefähigkeit und des Wasserhaushalts im Wald z. B. durch Anlage von Tümpeln für Gelbbauchunke und andere Amphibien, Schließen von Entwässerungsgräben, Anlage von Abschlägen, die das Wasser in den Wald zurückführen.  Reduzierung invasiver Neophyten: Problematisch im Stadtkreis Karlsruhe sind vor allem Spätblühende Traubenkirsche, Kermesbeere, Staudenknöterich und Kirsch- lorbeer. Besonders der Kirschlorbeer breitet sich in einzelnen Waldgebieten mas- siv aus und verdrängt die heimische Vegetation und die Naturverjüngung. Der FE 11 b 8 Staudenknöterich beeinträchtigt hauptsächlich die Saumvegetation und Wald- randbereiche. Eine Bekämpfung findet nur dann statt, wenn die Chance besteht, dass die heimische Vegetation sich erfolgreich wieder etablieren kann. Die Maß- nahmen werden meist im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt.  Waldrandgestaltung: Seit 2018 wurden 7,7 km Waldrand gepflegt. Hauptaugen- merk liegt hierbei auf der Förderung des Strukturreichtums und der Artenvielfalt sowie auf dem Beitrag zur Biotopvernetzung. Ziel ist der Aufbau eines stufigen, strauchreichen Waldrandes mit einzelnen herausragenden Solitärbäumen und Bäumen zweiter Ordnung.  Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes: Im Rahmen der 10-jährigen Forstein- richtungsplanung zum Stichtag 1.1.2018 wurden in Abstimmung mit dem amtli- chen und nicht-amtlichen Naturschutz 20 Waldrefugien mit einer Gesamtfläche von rund 46 Hektar ausgewiesen, das sind 2,3% der forstlichen Betriebsfläche des Stadtwaldes. Die Waldrefugien im Stadtwald sind im Durchschnitt 2,2 Hektar groß. Die kleinste Fläche ist 1,2 Hektar groß und befindet sich im Naturschutzgebiet Grötzinger Bruchwald, die größte Fläche mit 4,5 Hektar befindet sich im Natur- schutzgebiet Burgau. Die Waldrefugien werden durch Habitatbaumgruppen (HBG) ergänzt. Seit 2016 ist die Anzahl der HBG von 34 auf 115 gestiegen. Die durchschnittliche Baumanzahl pro HBG beträgt im Stadtwald 12 Bäume, 23% der Bäume sind über 140 Jahre alt. 58% der Bäume haben in 1,30 Meter Höhe einen Stammdurchmesser von über 50 cm. 51% der markierten Bäume haben besonders wertvolle Habitatstrukturen, z. B. Spechthöhlen, abgebrochene Kronen oder Rindentaschen.  Förderung und Pflege von Strukturen zur Biotopvernetzung durch ökologisch op- timierte Saumpflege- und Waldrandpflegemaßnahmen. Seit Beginn des Forsteinrichtungszeitraums wurden mehrere Konzepte zur Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Waldzustands erstellt und umgesetzt.  Handlungsleitfaden Bodenschutz für den Stadtwald Karlsruhe: Ziele sind die Do- kumentation der Entscheidungsgrundlagen für die Wahl der Arbeitsverfahren bei der Pflege und Bewirtschaftung des Stadtwaldes, die Optimierung von Arbeitsver- fahren und Arbeitsorganisation zur Minimierung von Schäden am bestehenden Feinerschließungsnetz, die laufende Anpassung an aktuelle Verfahren und Quali- tätskriterien, Optimierung und Etablierung neuer, bodenschonender Waldpflege- verfahren, Festlegung von Rahmenbedingungen für die Nutzung neuer techni- scher Möglichkeiten und Arbeitsverfahren, Dokumentation des bestehenden Feinerschließungsnetzes und dessen Zustand.  Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe: Ziel sind stabile, stand- ortsgerechte und klimaanpassungsfähige Mischwälder, die die standortspezifi- sche Artenvielfalt einbeziehen, ein waldtypisches Bestandesinnenklima bilden, die Kohlenstoffspeicherung durch Holzzuwachs weiter gewährleisten und die insbe- sondere den erwarteten gesellschaftlichen Nutzen leisten können. Die Klimaan- passung des Stadtwaldes ist ein dauerhafter, komplexer und einem ständigen Wandel unterliegender Prozess. FE 11 b 9  Pflegekonzept für Wegsäume im Stadtwald Karlsruhe: Ziel des Konzeptes ist es, die Pflege der Wegsäume so verträglich wie möglich zu gestalten und dabei wert- volle Saumstrukturen zu erhalten und zu fördern. Gleichzeitig werden die Arbeiten organisatorisch und jahreszeitlich so angepasst, dass die technische Befahrbar- keit der Wege und die Erholungsnutzung nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Erschließung und Erholungseinrichtungen Die Nutzung als Erholungs-, Sport- und Freizeitraum ist in der weiterwachsenden Stadt Karlsruhe von zentraler Bedeutung. Von besonderer Wichtigkeit sind dabei ein guter We- gezustand, intakte Infrastruktureinrichtungen und gute Orientierungshilfen. Diese gewin- nen als Maßnahmen zur Besucherlenkung verstärkt an Bedeutung und werden zuneh- mend nachgefragt. Das Forstamt unterhält unzählige kleine und große Erholungseinrichtungen von der Beschilderung über Sitzbänke/Sitzgruppen, Wildge- hege, Waldspielräume und Grillplätze. Die Erschließungssituation im Stadtwald Karls- ruhe ist sehr gut. Die Ansprüche an die Wegequalität und den Wegezustand sind vor allem durch die intensive Erholungsnutzung anhaltend sehr hoch. Hiervon sind insbeson- dere die von Radpendlern stark frequentierten Strecken betroffen. Als zentrale Infrastruktureinrichtung müssen die Waldwege und besonders die von Radpendlern intensiv genutzten Wege kontinuierlich an die sich verändernden klimati- schen Bedingungen angepasst und instandgesetzt werden. Hierzu zählt auch die Ertüch- tigung der Wegeinfrastruktur und deren Schutz vor Starkregenereignissen. Auch alle an- deren Erholungseinrichtungen müssen kontrolliert, gepflegt und unterhalten werden, in Teilen sind sie dringend renovierungsbedürftig (z. B. Spielplatz Affenplätzle). Aufgrund der durch die trocken-heißen Sommer erhöhten Waldbrandgefahr sind die Grillplätze bei weiterem Fortbestand mit Grillstellen auszustatten, die bei Trockenheit ein Ausbreiten von Feuer sicher ausschließen. Aufgrund der hohen Nutzungsfrequenz im Erholungswald besteht ein sehr großer Infor- mations- und Kommunikationsbedarf für die Bevölkerung, die Ortschaftsräte und den Ge- meinderat sowie für Interessensgruppen und Vereinen. Eine intensive Information vor Ort vor der Durchführung von Holzerntemaßnahmen verringert Rückfragen von Bürger*innen deutlich. Vereinzelt kommt es dennoch zu Beschwerden bei gesperrten, verschmutzten oder beschädigten Waldwegen. FE 11 b 10 2. Zwischenprüfung Nutzungen FE-Planung 10 Jahre Soll für Restjahre 2023-2027 FE-Plan neu 2018-2027 Gesamtnutzung 142.193 FmE 36% 50.000 FmE 101.200 FmE FmE/Jahr/haH 7,2 72% 5,1 5,1 davon zufällig ----- 17.330 FmE 34% ----- ----- ----- Vornutzung 47.398 FmE 43% 17.000 FmE 37.400 FmE davon zufällig ----- 6.991 FmE 34% ----- ----- ----- Arbeitsfläche 1.004 ha 58% 680 ha 1.267 ha Eingriffstärke 47 FmE/ha 49% 25 FmE/ha 30 FmE/ha Haupt-,Sonstige Nutzung 67.339 FmE 33% 22.200 FmE 44.300 FmE davon zufällig ----- 6.955 FmE 31% ----- ----- ----- Arbeitsfläche 621 ha 396 ha 64% 317 ha 713 ha Eingriffstärke 108 FmE/ha 38 FmE/ha 35% 70 FmE/ha 62 FmE/ha Dauerwald- Nutzung 27.457 FmE 32% 10.800 FmE 19.500 FmE davon zufällig ----- 3.384 FmE 39% ----- ----- ----- Arbeitsfläche 509 ha 282 ha 55% 216 ha 498 ha Eingriffstärke 54 FmE/ha 19 FmE/ha 35% 50 FmE/ha 39 FmE/ha Vollzug in Jahren 2018 - 2022 51.226 FmE 5,2 23 FmE/ha 20.437 FmE 8.682 FmE 22.107 FmE 587 ha FE 11 b 11 Zwangsnutzungen nach Baumarten (in m³ je Jahr) Gesamtnutzung, Vornutzung, Hauptnutzung, Dauerwaldnutzung: Gesamtnutzung  Die bisherige Nutzung liegt bei 35% der Planung von 2018. Klimawandelbedingt abgestorbene, im Bestand verbliebene Bäume sind hierbei ebenso wenig berück- sichtigt, wie der auf Grund der Waldschadenssituation reduzierte Hiebsatz .  Der Anteil an zufälligen Nutzungen beträgt 34% (22.000 Festmeter). Der Wert be- rücksichtigt nicht die im Bestand verbliebenen, abgestorbenen aber nicht aufgear- beiteten Bäume (Totholz), da diese nicht verbucht werden. Diese nehmen einen zunehmend höheren Anteil ein.  Von den zufälligen Nutzungen entfallen 40%auf Pilze, 30% auf Dürre; 9% auf Sturm und 15% auf Insekten.  Der Gesamteinschlag wurde ab 2019 – insbesondere in den Revieren 12 und 13 – aus den folgenden Gründen deutlich verringert: o Nach mehreren Dürrejahren in Folge und den daraus resultierenden Tro- ckenschäden in den Wäldern wurden die Nutzungen reduziert. Fichte und Esche wurden durch ein Sturmereignis 2020 geschädigt; die Esche wurde zudem Opfer des Eschentriebsterbens. Hinzukommt eine rapide Zunahme bei sich schnell entwickelnden Wurzelfäulen. o Sehr aufwändig sind die erforderlichen Verkehrssicherungskontrollen. Auf 357 ha verkehrssicherungsrelevanter Fläche werden dabei rund 360.000 Einzelbäume kontrolliert. Anschließend müssen diese Gefährdungssituati- onen beseitigt werden. 0,0 1.000,0 2.000,0 3.000,0 4.000,0 5.000,0 6.000,0 201820192020202120222023 MENGEVOLLZUG BUCHUNGSJAHR Ul Erl aNadel Pap aLaubW Ta REi Li Lä Kie Fi Es Ei Dgl Bu aLaubH FE 11 b 12 Ergebnisse/Anpassungen im Rahmen der Zwischenprüfung Nutzung:  Vornutzung o Insgesamt ist die geplante Vornutzungsmenge zu 40% erfüllt. Der Flächen- vollzug von 57% ist zu hoch verbucht, da die zufälligen Nutzungen im Re- vier 11 in den letzten Jahren jeweils auf die volle Bestandesfläche gebucht wurden. o Die Nutzung ist aktuell im Wesentlichen durch Verkehrssicherungsmaßnah- men sowie zufällige Nutzungen geprägt. Planmäßige Maßnahmen sind in vielen Teilen auf Grund der klimabedingt geschädigten Bestände zurück- gestellt. o Insgesamt sind die frühen Vornutzungen sehr wichtig. Durch sie werden die Einzelbäume durch gut ausgeformte Kronen besonders klimastabil. Diese Pflegemaßnahmen sind zudem entscheidend für den Erhalt wuchsunterle- gener Mischbaumarten und zur Förderung von Resilienz und Stabilität der jeweiligen Waldbestände. o Die hohe Ausfallrate vieler Baumarten erschwert jedoch bei den besonders von den klimatischen Veränderungen betroffenen Baumarten die Auswahl von geeigneten Zukunftsbäumen und die damit verbundene konsequente Freistellung. Die dadurch in Teilen geringere Eingriffsstärke bei der jeweili- gen Maßnahme muss durch eine häufigere Wiederholung der Maßnahmen kompensiert werden.  Hauptnutzung o Auch die Hauptnutzung ist aktuell im Wesentlichen durch Verkehrssiche- rungsmaßnahmen sowie zufällige Nutzungen geprägt. Planmäßige Maß- nahmen sind in vielen Bereichen zurückgestellt und in sich auflösenden Be- reichen gestrichen worden. FE 11 b 13 o Gemäß Vorlagebericht des Forstamts soll die Nutzung nicht über dem Zu- wachs liegen. Da die über dem Zuwachs liegende ursprüngliche Planung aus 2018 hauptsächlich auf die ambitionierte Nutzung älterer Pappelbe- stände und erkrankter Eschen beruht, bedeutet dies, dass Teile der ur- sprünglichen Planung im Forsteinrichtungszeitraum nicht mehr umgesetzt werden können.  Dauerwaldnutzung o Die Nutzung ist aktuell im Wesentlichen durch Verkehrssicherungsmaßnah- men sowie zufällige Nutzungen geprägt. Planmäßige nicht unbedingt not- wendige Maßnahmen, wie zum Beispiel die Holzernte in der Buche, sind aktuell überwiegend zugunsten der Bearbeitung von Zwangsnutzungen und der Durchführung von Pflege und Verkehrssicherung zurückgestellt.  Hiebsatzanpassung o Es wird vorgeschlagen, auf Grund der veränderten klimatischen Rahmen- bedingungen und deren Auswirkungen auf die Walbestände, den Hiebsatz insgesamt folgendermaßen zu reduzieren:  Vornutzungen: 10.000 Festmeter (Eingriffstärke nicht steigerbar, ein höherer Turnus ist in den kommenden vier Jahren nicht erreichbar)  Hauptnutzungen Pappel: 12.000 Festmeter (eine Verdopplung ge- genüber bisher nicht möglich).  Dauerwaldnutzung: 8.000 Festmeter (bisherige Mindermenge nicht mehr nachholbar).  WET Buntlaubbäume: 8.000 Festmeter. o Für das städtische Forstamt wird in den kommenden Jahre neben umfang- reichen anhaltenden Verkehrssicherungsarbeiten die Pflege von Naturver- jüngungsflächen, von gepflanzten Kulturflächen sowie die Entfernung bzw. der Rückschnitt von abgestorbenen Bäumen einen Schwerpunkt bilden. Je nach der Entwicklung der Waldschadenssituation und der Witterung, müs- sen die geplanten Maßnahmen erneut zugunsten eines Schadensmanage- ments und notwendiger Verkehrssicherungsaufgaben zurückgestellt wer- den. Da es sich dabei meist um verstreute Einzelbäume handelt, ist der mit ihrer Ernte verbundene Zeitaufwand um ein Vielfaches höher, als bei plan- mäßigen räumlich konzentrierten Holzerntemaßnahmen. o Insgesamt ergibt sich ein neuer Hiebsatz von 101.200 Festmeter (Reduk- tion um ca. 41.000 Festmeter bzw. um 30%). o Da sich der Hiebsatz um mehr als 10% ändert, ist über die Änderung ein förmlicher Beschluss des Waldbesitzers herbeizuführen. FE 11 b 14 3. Zwischenprüfung Biologische Produktion Einheit FE- Planung 10 Jahre Vollzug 2018 - 2022 Vollzug in % 2018 - 2027 Soll für Restjahre 2023-2027 FE-Plan neu 2018- 2027 Kulturvorbereitungha----24,2------------ Anbauha110,229,226%30,059,2 Vorbauha10,40,00%2,02,0 Kultursicherungha----77,2------------ PflanzenStck----73.600------------ Nachbesserungsanteil%----27%------------ Zaunneubauha21,33,416%3,06,4 WuchshüllenStck----17.400------------ Einzelschutzha----0,6------------ Schlagpflegeha----62,4------------ Jungbestandespflegeha126,899,078%70,0169,0 Jungbestandspl. u. Schirmha58,014,024%20,034,0 Ästung (>=2,5 - 5 m)Stck121018816%600788 Ästung (>=5 m)Stck0364---0364 FE 11 b 15 Verjüngung:  In den ersten Jahren wurden Kulturen auf insgesamt 29,2 Hektar bzw. 26% der für das Jahrzehnt geplanten Pflanzfläche von 110,2 Hektar vollzogen. Die Buchungen sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht vollständig.  Angebaut wurden insgesamt 73.600 Pflanzen, davon rund die Hälfte Stieleichen. Des Weiteren wurden ca. 25 weiteren Baumarten in geringerer Stückzahl ge- pflanzt.  Die Planung wird dahingehend angepasst, dass in durch ausfallende Bäume ent- stehende Lücken in Trupps, Gruppen oder kleinflächig klimastabile Mischbaumar- ten durch Pflanzung oder dort, wo geeignet, auch durch Saat eingebracht werden. Dies betrifft alle Bestände, in denen klimastabile Mischbaumarten fehlen. Die Baumartenwahl erfolgt dabei standortsabhängig entsprechend der Baumarteneig- nungskarten und Empfehlungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Grundsätzlich hat sich damit seit der Planung von 2018 der Schwerpunkt durch die klimabedingten Auswirkungen deutlich verschoben.  Auf Anbauten von Kiefer, Buche, Douglasie, Hainbuche und weiteren im Klima- wandel mittlerweile als ungeeignet eingestufte Baumarten muss aufgrund der deutlichen klimatischen Veränderung und den an den Baumarten erkennbaren Schädigungen verzichtet werden.  Durch die starke Bindung hoher Anteile betrieblicher Ressourcen für die gesetzlich verpflichtende Verkehrssicherung, fehlt aktuell die ausreichende Personalausstat- tung, um den Wald durch die Pflanzung und Saat neuer klimageeigneter Baumar- ten an die sich stark verändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. Hierzu werden dringend dauerhaft zusätzliche Ressourcen für das Forstamt benötigt. Ergebnisse/Anpassungen im Rahmen der Zwischenprüfung Verjüngung:  Da die planmäßigen Nutzungen seit Beginn des Forsteinrichtungszeitraums auf Grund der klimatischen Veränderungen reduziert wurden und der Holzanfall im Rahmen der Verkehrssicherungsmaßnahmen überwiegend punktuell weit ver- streut über das gesamte Stadtgebiet erfolgt, entstehen weniger Verjüngungsflä- chen als in der Planung vorgesehen.  Einzelschutz der gepflanzten Bäume und bei größeren Flächen auch Zaun ist auf- grund des Wildverbisses in einigen Waldteilen noch immer erforderlich. Das lang- fristige Ziel bleibt weiterhin, durch entsprechend regulierte Wildbestände ohne bzw. weitgehend ohne Schutzmaßnahmen auszukommen.  Im Dauerwald ist die Anbaufläche als Vorbau geplant. Mit der Wiederaufnahme der Nutzungen bzw. beim Ausfall weiterer Bäume und der hierdurch bedingten Entstehung von Lücken, ist hier ein Teil der geplanten Verjüngungsfläche noch zu bearbeiten.  Insgesamt wird aus den oben genannten Gründen eine im Vergleich zur Planung geringere Anbaufläche von geschätzt etwa 60 statt 110 Hektar entstehen. Jungbestandspflege:  Die Jungbestandspflege hat das Ziel, die Baumartenvielfalt zu erhöhen und lang- samer wachsenden Baumarten zu helfen. Die Planung von 185 Hektar (davon 58 Hektar im Dauerwald bzw. unter Schirm) ist mit 113 Hektar bzw. 61% erfüllt. FE 11 b 16 Anpassungen im Rahmen der Zwischenprüfung Jungbestandspflege:  Die Jungbestandspflege liegt deutlich über dem Plan. Diese muss so weiter fort- gesetzt werden.  Die letzten Trockenjahre zeigen deutlich, dass großkronige Bäume unabhängig von der Baumart deutlich vitaler sind und besser durch die Trockenjahre kommen, als kleinkronige Bäume. Aus diesem Grund ist es für uns enorm wichtig, großkro- nige, vitale und klimastabile Waldbäume zu entwickeln. Um dies zu erreichen, sind von Beginn der Begründung eines Waldbestandes an kontinuierliche Pflegemaß- nahmen notwendig. Diese haben zum Ziel, in den zukünftig bunt gemischten Be- ständen einerseits langsam wachsende Baumarten gegenüber im Wachstum überlegenen Baumarten zu fördern und anderseits durch eine frühe und kontinu- ierliche Pflege die Ausformung einer großen vitalen Krone zu ermöglichen. 4. Zwischenprüfung Sonstiges Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Stadtwald haben auch Folgen für die Wald- leistungen. Besonders einschneidend sind dabei die aktuellen Störungsereignisse. Diese können den Wald als Erholungsraum längerfristig gefährden und zudem seine Schutz- wirkung gegen Naturgefahren oder die Filterwirkung für Trinkwasser reduzieren. Zwar erhöhen solche Störungsereignisse durch die Schaffung einer größeren Strukturvielfalt in der Regel die biologische Vielfalt, können aber auch wertvolle Biotope und Altholzin- seln zerstören oder durch die Auflichtung der Bestände die Einwanderung invasiver Ar- ten, wie zum Beispiel der Spätblühenden Traubenkirsche, begünstigen. FE 11 b 17 Elemente der Anpassung der Waldentwicklungsstrategie Die klimatische Entwicklung stellt das Forstamt vor die Herausforderung, den Stadtwald so weiter zu entwickeln, dass die Waldleistungen in bisherigem Umfang auch weiterhin erbracht werden können. Die tatsächliche klimatische Entwicklung ist dabei nicht genau bestimmbar, da sie stark von den zukünftigen Emissionen abhängt. In dieser unsicheren Situation sind robuste Waldentwicklungsstrategien gefragt, die unter verschiedenen Sze- narien der Klimaentwicklung die Sicherstellung der Waldleistungen ermöglichen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Prinzipien, die zu einer Verminderung von Risiken beitragen. Hierbei lassen sich drei grundsätzliche Richtungen unterscheiden: 1. Adaption zielt darauf ab, die Resistenz des Waldes gegenüber Störung, deren Resilienz nach Störungen oder deren Anpassungsfähigkeit in einem sich ändern- den Klima zu erhöhen. 2. Die Resistenzerhöhung soll die Widerstandsfähigkeit des Waldes gegen Auswir- kungen des Klimawandels verbessern und schließt auch die Vermeidung von Schäden am Wald ein. 3. Die Resilienzerhöhung soll die Fähigkeit des Waldes fördern, nach Störungen zu erwünschten Zuständen zurückzukehren, und die Erhöhung der Anpassungsfä- higkeit des Waldes soll den Übergang in einen neuen Waldzustand erleichtern. Zur Umsetzung der drei strategischen Stoßrichtungen in Waldentwicklungsmaßnahmen für den Stadtwald Karlsruhe wurden vier Adaptionsprinzipien entwickelt: 1. Erhöhung der Baumartenvielfalt 2. Erhöhung der Strukturvielfalt 3. Erhöhung der genetischen Vielfalt 4. Erhöhung der Störungsresistenz der Einzelbäume Die vier Adaptionsprinzipien sind kein allgemeingültiges Rezept für den Stadtwald, viel- mehr bedarf es im einzelnen Waldbestand einer gründlichen Auseinandersetzung mit der Ausgangslage (Standortverhältnissen und vorhandene Baumarten) und einer kritischen Beurteilung der möglichen Wege in die Zukunft. Allgemein gilt, dass kostspielige Adapti- onsmaßnahmen, die langfristige Risiken für die Waldleistung mindern sollen, eher reali- siert werden, wenn wichtige Ziele und ortsgebundene Waldleistungen sichergestellt wer- den müssen. Dies ist insbesondere in den Wäldern in Karlsruhe der Fall, die Menschen und wichtige Infrastruktur vor Naturgefahren schützen. Grundsatz bleibt auch hier der naturnahe Waldbau mit standortgerechten Baumarten, vertikal und horizontal strukturier- ten Mischbeständen und einem hohen Naturverjüngungsanteil. Die großen Herausforderungen bei der Anpassung von Waldbeständen sind die extrem langen Entwicklungszeiten. Es werden starke und schnelle Veränderung erwartet, so dass Waldsysteme nicht genügend Zeit für natürliche Anpassungen haben. Das bedeu- tet, dass die unter heutigen Bedingungen etablierte Waldverjüngung als ausgewachsener Baumbestand im zukünftigen Klima bestehen muss. Darum muss die Waldentwicklung aktiv in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Dabei muss eine Strategie gewählt werden, die Veränderungen in der Walddynamik frühzeitig erkennen lässt, damit eine rechtzeitige Anpassung möglich wird. FE 11 b 18 In der waldbaulichen Praxis erfolgt die Planung und Ausrichtung in den Waldbeständen in erster Linie im Rahmen der Planungsbegänge in enger Zusammenarbeit mit der Fors- teinrichtung. Dabei werden die Maßnahmen der Waldentwicklung hergeleitet, bespro- chen und festgelegt. Hier wird ein Großteil der Entscheidungen hinsichtlich der umzuset- zenden Maßnahmen gefällt. Die Forsteinrichtung und diese Zwischenprüfung sind dabei zentrale Instrumente zur fachlichen Prüfung der Umsetzung der Eigentümerzielsetzung und um gegebenenfalls auch langfristige Veränderungen im Umgang mit dem Stadtwald und der dauerhaft nachhaltigen Waldentwicklung zu bewirken. Betriebswirtschaftliches Ergebnis:  Die rein betriebswirtschaftliche Bilanz des Stadtwaldes Karlsruhe ist negativ und unter den gegebenen Rahmenbedingungen kaum zu verbessern. Allerdings liegt die wesentliche Bedeutung des Stadtwaldes in seinen Ökosystem- und Infrastruk- turleistungen für die Stadt und ihre Bürger*innen insbesondere in den Bereichen Wasser-, Immissions- und Klimaschutz sowie Erholung, Sport, Erlebnis- und Na- turraum. Die Bedeutung des Waldes als „Ersatzwildnisraum“ für Stadtbewoh- ner*innen, die ihre städtische Umwelt als zunehmend naturfern erleben, gewinnt verstärkt an Bedeutung. Während die Ausgaben für diese Bereiche in der betriebs- wirtschaftlichen Bilanzierung sichtbar werden, stehen dem bisher keine ausgewie- senen Einnahmen für diese zusätzlichen Ökosystemdienstleistungen gegenüber. Eine rein betriebswirtschaftliche Steuerung des Stadtwaldes ist nicht sinnvoll, weil dabei wesentliche Zielgrößen nicht berücksichtigt werden können.  Das betriebswirtschaftliche Ergebnis (siehe Tabelle und Grafik) ist darüber hinaus im Wesentlichen durch die starken klimatischen Veränderungen geprägt. Trocken- heitsbedingt sind viele Waldbäume ausgefallen. Die aufwändige Aufarbeitung im Rahmen von Verkehrssicherungsarbeiten, zufällige Nutzungen sowie die starken Kostensteigerungen beim Einsatz von Unternehmern bestimmen dieses Ergebnis.  Hinzu kommen die hohen Kosten durch die Klimaanpassung des Stadtwaldes. Diese machen sich direkt durch die Pflanzungen, deren Schutz vor Wildverbiss sowie die Kosten für die notwendige Bewässerung während der heißen Sommer- monate bemerkbar.  Vor dem Hintergrund hoher, über das gesamte Stadtgebiet verteilter klimawandel- bedingter zufälliger Nutzungen einzelner Bäume entlang von Infrastruktureinrich- tungen durch die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht sowie aktuell stark stei- gender Kosten beim Unternehmereinsatz, ist aktuell keine fundierte Prognose zum weiteren betriebswirtschaftlichen Ergebnis der kommenden Jahre möglich. Es ist Betriebswirtschaftliches Ergebnis abefghij EinheitØ20182019202020212022 Erlöse€522.590588.197609.138406.181485.190524.242 Kosten€862.595785.844911.664733.408895.105986.953 Ergebnis€-340.005-197.646-302.525-327.227-409.915-462.711 Ergebnis€/haH-172-100-153-166-208-234 Ergebnis€/FmE-33-15-31-34-49-45 FE 11 b 19 allerdings wahrscheinlich, dass sich das wirtschaftliche Ergebnis aus den oben dargestellten Gründen weiter verschlechtern wird. Änderungsnotwendigkeit Der Forstbetrieb muss in der Lage sein, seine Aufgaben aufgrund seiner Organisations- struktur, des eingesetzten Personals sowie seiner gerätetechnischen und sonstigen Aus- stattung selbstständig, unterstützt durch Unternehmer vollumfänglich wahrzunehmen. Dies gilt bei der aktuellen Waldschadenssituation besonders für die gesetzliche Verkehrs- sicherungspflicht. Unterbleiben notwendige verkehrssichernde und schadenverhütende Maßnahmen, weil die dafür notwendigen Haushalts- oder Betriebsmittel nicht zur Verfü- gung stehen, kann das zu einer Haftung aus Organisationsverschulden führen. Deshalb müssen sicherheitsrelevante Sparmaßnahmen unbedingt vermieden werden. Organisa- torische Maßnahmen zur Haftungsvermeidung im zivil- und strafrechtlichen Sinne müs- sen deshalb wesentlicher Bestandteil eines kommunalen Sicherheitsmanagements sein. Zusätzliche Investitionen werden auch in den nächsten Jahren dringend für die Anpas- sung und Instandsetzung der Infrastruktur und Erholungseinrichtungen, der Ertüchtigung bzw. Verlagerung der forstlichen Betriebshöfe sowie der kontinuierlichen systematischen Anpassung des Stadtwaldes hin zu einem klimastabilen Zukunftswald benötigt. Darüber hinaus muss die Ausstattung, begonnen bei der Sicherheitsausrüstung der Forstwirte bis hin zur Maschinenausstattung durch Forstspezialfahrzeuge und dringen erforderliche bo- denschonendere Holzerntetechniken ergänzt werden. Die Anforderungen an den Forst- betrieb, durch die klimatischen Veränderungen (z.B. Verkehrssicherung, klimastabile Waldentwicklung, Aufrechterhaltung der Erholungsfürsorge) sind enorm. Nur durch eige- nes, gut ausgebildetes Fachpersonal sowie durch eine passende Personal- und Maschi- nenausstattung sind diese Herausforderungen zu stemmen. Fazit der Zwischenprüfung  Der Wald der Stadt Karlsruhe ist bei den Verantwortlichen in guten Händen.  Insbesondere die Lage im stadtnahen Bereich erfordert einen sehr hohen Aufwand im Bereich Verkehrssicherung, Waldpädagogik, Bürger*inneninformation, Bür- ger*innenprojekten und zielgruppenspezifischer Öffentlichkeitsarbeit.  Die aktuelle Waldschadenssituation stellt das städtische Forstamt in allen Berei- chen vor enorme Herausforderungen.  Die Bewirtschaftung durch sämtliche Mitarbeitende des städtischen Forstamtes erfolgt mit viel Engagement, fachlich fundiert und waldbaulich ambitioniert. Datum: 14.12.2023 gez. Köllner gez. Dr. Wilhelm RP Freiburg, Abt. FD UFB Stadt Karlsruhe

  • Präsentation zu TOP 3 FA Bericht Zwischenrevision zur Fortseinrichtung
    Extrahierter Text

    Zwischenrevision zur Forsteinrichtung Stadtwald Karlsruhe Entwicklung Holznutzung und davon zufällige Nutzungen 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt2 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2008200920102011201220132014201520162017201820192020202120222023 Festmeter HolznutzungDavon zufällige Nutzungen Auswirkungen der Trockenheit 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt3 Holzverwendung 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt4 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2008200920102011201220132014201520162017201820192020202120222023 StammholzIndustrieholzEnergetische Nutzung Schwerpunkte und Anpassungsprinzipien für den Stadtwald Naturnahe Waldentwicklung – Orientierung am Einzelbaum 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt6 Resilienzerhöhungdurch Wahl geeigneter Baumarten 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt7 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt8 Erhöhung der Baumartenvielfalt – Ergänzung der Naturverjüngung 202218.025 Pflanzen Stieleiche (Quercus robur)Flatterulme (Ulmus laevis)Traubeneiche (Quercus petraea) Schwarznuss (Juglans nigra)Vogelkirsche (Prunus avium)Roteiche (Quercus rubra) Winterlinde (Tilia cordata)Wildapfel (Malus sylvestris)Wildbirne (Pyrus communis) Elsbeere (Sorbus torminalis)Rotbuche (Fagus sylvatica)Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) Hainbuche (Carpinus betulus)Speierling (Sorbus domestica)Schwarzerle (Alnus glutinosa) Spitzahorn (Acer platanoides)Feldahorn (Acer campestre)Hybridnuss (Juglans intermedia) Mehlbeere (Sorbus aria)Esskastanie (Castanea sativa)Baumhasel (Corylus colurna) Eibe (Taxus baccata)Felsenbirne (Amelanchier ovalis)Eberesche (Sorbus aucuparia) Erhöhung der Störungsresistenz der Einzelbäume 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt9 Forstamt Karlsruhe In Karlsruhe verwurzelt Naturnahe, nachhaltige Waldentwicklung 16.04.2024© Stadt Karlsruhe | Forstamt10

  • Abstimmungsergebnis TOP 13
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR 23.04.2024 TOP 13
    Extrahierter Text

    Niederschrift 63. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. April 2024, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 13 der Tagesordnung: Anpassung der forstlichen Planung an die veränderten klimatischen Bedingungen und Bericht der Zwischenrevision zur Forsteinrichtung Vorlage: 2024/0296 Beschluss: Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen der Anpassung der Nutzungsmenge an die klimatischen Gegebenheiten entsprechend der Empfehlung des Zwischenrevisionsberichtes zur Forsteinrichtung zu. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung (43 JA) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 13 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen am 16. April 2024. Ich bitte um Ihr Votum ab jetzt. – Auch einstimmig. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 15. Mai 2024