Entwicklung der Versorgung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) 2023
| Vorlage: | 2024/0058 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 15.01.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 21.02.2024
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/0058 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Entwicklung der Versorgung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) 2023 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Jugendhilfeausschuss 21.02.2024 1 ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Jugendhilfeausschuss nimmt den Bericht zur Entwicklung der Versorgung und Betreuung von un- begleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) 2023 zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die Versorgung von geflüchteten, unbegleiteten Kindern und Jugendlichen ist für die Kinder- und Ju- gendhilfe der Stadt Karlsruhe weiterhin eine große Herausforderung. Zuletzt wurde im Jugendhil- feausschuss am 24. Mai 2023 ausführlich über die Situation der unbegleiteten minderjährigen Auslän- der (UMA) berichtet (Vorlage Nr. 2023/0358). Im Rahmen des Jugendhilfemonitors wurden im Jugend- hilfeausschuss am 18. Oktober 2023 aktualisierte Zahlen vorgelegt (Vorlage Nr. 2023/0817). Entwicklung im Jahr 2023 Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde Die Dynamik der stark steigenden Zahlen hat sich im Jahr 2023 ungebremst fortgesetzt. Gleichzeitig hat die Schwankungsbreite in den monatlichen Zugangszahlen stark zugenommen. Insgesamt zeigt sich ein Anstieg um 154% vom Jahr 2021 zum Jahr 2022 und eine nochmalige Steigerung um 66 % im Jahr 2023 gegenüber 2022. Im Jahr 2023 lag der Median der Zugangszahlen bei 90 Personen, die größten Abweichungen zeigen die Monate Februar und September. Während der Februar 48 unter dem Median lag, zeigte der September eine Abweichung (142 über dem Median). Dies erzeugt erheb- liche Schwierigkeiten bei der Planung und Realisierung einer angemessenen Versorgung. Im Jahr 2023 lag der Anteil der Minderjährigen nach Abschluss der Altersschätzung bei ca. 55%. Ein Großteil der Jugendlichen wird weiterhin zur bundes- bzw. landesweiten Verteilung angemeldet und verbleibt nicht dauerhaft in Karlsruhe. Aufgrund von Verteilhindernissen, beispielsweise wenn es Ver- wandte in Karlsruhe gibt, sind in 2023 etwa 30 Jugendliche in der Stadt Karlsruhe verblieben. Quelle: Stadt Karlsruhe | Sozial- und Jugendbehörde 81 42 47 53 74 95 153 186 232 175 90 90* 0 50 100 150 200 250 JanFebMärzAprilMaiJuniJuliAugSeptOktNovDez. Monatliche Altersfestsetzungen UMA in Karlsruhe 2021 bis 2023 202120222023 * Dezember 2023 Schätzung 39,9%12,6%9,0%7,7%4,2%26,6% 0%10%20%30%40%50%60%70%80%90%100% UMA Herkunftsländer 2023 AfghanistanSyrienTürkeiNordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien)Ukraineandere Länder – 3 – Errichtung eines gemeinsamen Dienstes zur Begleitung und Übergabe von UMA Zukünftig wird der Kommunalverband für Jugend- und Soziales (KVJS) durch die Errichtung eines ge- meinsamen Dienstes zur Begleitung und Übergabe von UMA im Verteilverfahren die Jugendämter in Baden-Württemberg im Verteilmanagement entlasten können. Bislang lag es in der Verantwortung des abgebenden Jugendamts, den Transport und die Begleitung zum aufnehmenden Jugendamt si- cherzustellen. Je nach Distanz war dies mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden. Durch die Bündelung nicht nur der Verteilentscheidung, sondern auch des Verteilmanagements beim KVJS werden wichtige Synergien im Umgang mit der aktuell angespannten Versorgungssituation er- schlossen. Die neu zu errichtende Geschäftsstelle beim KVJS wird im Falle der landes- und bundesweiten Vertei- lung insbesondere die Koordination und Übergabe der UMA sowie die hierfür erforderlichen vorberei- tenden und ausführenden Handlungen sowie die Abwicklung und Abrechnung übernehmen. Drehscheibe Ebertstraße Die Strategie der Zentralisierung in einer größeren Einrichtung konnte mit Inbetriebnahme der Dreh- scheibe Ebertstraße sehr gut umgesetzt werden. Seit Anfang Juni sind zwei Gruppen mit jeweils 17 Plätzen dort untergebracht. Zusätzlich wurde im September eine weitere Notgruppe mit ebenfalls 17 Plätzen eingerichtet. Zum 1. März 2024 soll diese Gruppe in eine reguläre Gruppe, wie die beiden an- deren Gruppen, nach dem Eckpunktepapier des KVJS umgewandelt werden. Das Eckpunktepapier be- inhaltet neben anderen Standardabsenkungen als wesentliche Erleichterung den Einsatz von Sicher- heitspersonal anstelle von pädagogischen Fachkräften in der Nacht. Dieses Vorgehen hat sich in der Praxis bewährt. Somit sind in der Ebertstraße im Jahr 2023 für die Zielgruppe der geflüchteten, unbegleiteten Kinder und Jugendlichen 51 neue Plätze geschaffen worden. Dynamische Fluchtbewegungen Die hohe Dynamik der Fluchtbewegungen mit stark ansteigenden Zahlen bis einschließlich September 2023 und hiernach stark fallenden Zahlen fordert die Planung und den Erhalt von Kapazitäten enorm heraus. In der stationären Kinder- und Jugendhilfe ist es in der Regel üblich, einen wirtschaftlichen Be- trieb einer Einrichtung mit einem Auslastungsgrad von 95% zu kalkulieren. Für die Versorgung von UMA werden, aufgrund der hohen Schwankungen, bereits Staffelsätze bis zu einer Auslastung von 60% verhandelt. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Träger auch bei geringerer Auslastung in der Lage sind, ihre dauerhaften Verpflichtungen wie beispielsweise Personal- und Mietkosten zu erfüllen. Die Schwankungen im Jahr 2023 zeigen, dass selbst diese Flexibilität in vielen Monaten nicht aus- reicht. So lag die Anzahl der Altersfestsetzungen im Februar bei 42 Personen und im Oktober bei 232 Personen, das entspricht einer Schwankungsbreite in etwa des Faktors fünf innerhalb des Jahres 2023. Um die aufgebaute Infrastruktur vor sinkenden Zahlen zu „schützen“, wurden mit angrenzenden Städten Absprachen zur Belegung getroffen. Ohne eine erweiterte Steuerung über die Stadtgrenzen hinaus ist die Kinder- und Jugendhilfe nicht in der Lage, mit den enormen Monatsschwankungen um- zugehen. Ressourcenorientierung in der Versorgung Mit der Etablierung der Drehscheibe Ebertstraße wurde in 2023 eine solide Grundversorgung für die Stadt Karlsruhe geschaffen. Gleichzeitig bleibt der große Fachkräftemangel in der Kinder- und Ju- gendhilfe bestehen, der auch immer wieder die Versorgungsfähigkeit insbesondere in der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Frage stellen wird. Für eine erfolgreiche Versorgung wird es in Zukunft noch wichtiger werden, ressourcenorientierte Lösungen zu entwickeln, um bedarfsgerecht auch Lö- sungen neben bislang etablierten Standards finden zu können. Die soziale Infrastruktur sollte daher im besten Fall den Bedarfen und Ressourcen der Jugendlichen folgen.