Klimaanpassungsstrategie - Monitoringbericht 2023
| Vorlage: | 2023/1427 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 21.12.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Umwelt- und Arbeitsschutz |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grötzingen, Grünwinkel, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Neureut, Stupferich, Südweststadt, Waldstadt |
Beratungen
- Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 24.01.2024
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz Klimaanpassungs-strate- gie als Monitoringbericht 2023 2 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Inhaltsverzeichnis Das Wichtigste in Kürze ................................................................................................................................. 4 1. Einführung ........................................................................................................................................... 4 2. Grundlagen, Organisation, Personal und Finanzausstattung .................................................................... 5 3. Stand und Herausforderungen der Maßnahmenumsetzung der Klimaanpassungsstrategie ....................... 7 4. Der Klimawandel in Karlsruhe (State-Indikatoren) ................................................................................. 11 4.1 Temperatur ........................................................................................................................................ 11 4.2 Niederschlag ...................................................................................................................................... 12 5. Auswirkungen des Klimawandels in Karlsruhe (Impact-Indikatoren) ....................................................... 13 5.1 Grundwasserstände (Handlungsfeld Grundwasserbewirtschaftung und Trinkwasserversorgung) ........ 13 5.2 Vegetationsperiode (Handlungsfeld Landwirtschaft) .......................................................................... 13 5.3 Invasive Arten (Handlungsfeld Gesundheit) ........................................................................................ 14 5.3.1 Ambrosien ................................................................................................................................ 14 5.3.2 Tigermücken ............................................................................................................................. 15 5.4 Schäden durch Extremwetterereignisse (Handlungsfelder Bevölkerungsschutz, Forstwirtschaft und Stadtgrün) .................................................................................................................................................... 15 5.4.1 Hitzewarnungen........................................................................................................................ 15 5.4.2 Wetterbedingte Einsätze der Feuerwehr .................................................................................... 16 5.4.3 Schadensbedingte Holzmengen ................................................................................................ 17 5.4.4 Trockenheitsbedingte Fällungen von Stadtbäumen .................................................................... 18 6. Anpassungsindikatoren (Response-Indikatoren) .................................................................................... 19 6.1 Index „Kommunale Klimaanpassung“ ............................................................................................... 19 6.2 Trinkwasserspender in Schulen (Handlungsfeld Gesundheit) .............................................................. 20 6.3 Baumpflanzungen (Handlungsfeld Stadtgrün) .................................................................................... 20 6.4 Begrünungsstandards in Bebauungsplänen (Handlungsfeld Stadtplanung und Städtebau) ................. 21 6.5 Klimatisierung im ÖPNV (Handlungsfeld Verkehr) .............................................................................. 22 6. Einblicke in aktuelle Projekte und Maßnahmen ..................................................................................... 23 6.1 Hitzeaktionsplan (Handlungsfeld Gesundheit, Maßnahmen GE-3 Hitzebewältigung: Bedarfserhebung, Angebotsabfrage und Vernetzung mit Multiplikatoren und GE-8 Konzeption und Erstellung eines Hitzeaktionsplans) ......................................................................................................................................... 23 6.2 Stadtplan für heiße Tage (Handlungsfeld Übergreifendes, Maßnahme Ü-5: Neue Informationsformate zu Themen der Klimaanpassung vor Ort) ...................................................................................................... 25 6.3 Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ (Handlungsfeld Stadtgrün, Maßnahme SG-6 Grünsatzung (ehemaliger Arbeitstitel)................................................................................ 28 6.4 Starkregenrisikomanagement (Handlungsfeld Stadtentwässerung, Maßnahme EW-4: Stadtweite Ermittlung der potenziellen Überflutungsgefährdung im Falle extremer Starkniederschläge) ......................... 30 6.5 Der Karlsruher Stadtwald im Klimawandel (Maßnahme W-1: Umsetzung des Konzepts zur Klimaanpassung für den Stadtwald) .............................................................................................................. 32 7. Fazit ................................................................................................................................................... 34 Anhang: Steckbriefe aller Maßnahmen ......................................................................................................... 36 Übergreifendes ............................................................................................................................................. 36 Gesundheit ................................................................................................................................................... 40 Landwirtschaft .............................................................................................................................................. 43 Umwelt- und Arbeitsschutz | 3 Wald und Forstwirtschaft .............................................................................................................................. 43 Boden ........................................................................................................................................................... 44 Stadtplanung und Städtebau ........................................................................................................................ 45 Gebäude ....................................................................................................................................................... 49 Stadtgrün ..................................................................................................................................................... 51 Naturschutz und Erhaltung und Förderung der Biologischen Vielfalt ............................................................. 56 Oberflächengewässer ................................................................................................................................... 59 Grundwasserbewirtschaftung und Trinkwasserversorgung ............................................................................ 60 Stadtentwässerung ....................................................................................................................................... 61 Energieversorgung ........................................................................................................................................ 63 Verkehr ......................................................................................................................................................... 63 Wirtschaft und Arbeitsleben ......................................................................................................................... 66 Bevölkerungsschutz ...................................................................................................................................... 66 4 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Das Wichtigste in Kürze Die Auswirkungen des Klimawandels in Karlsruhe sehen wir deutlich und immer stärker – sei es an trockenen Grünflächen, dem Schadholz im Wald und an den Stadtbäumen oder an der unter hohen Temperaturen leiden- den Bevölkerung. Die Anpassung an den Klimawandel – neben dem weiterhin notwendigen Klimaschutz – ge- winnt also weiter an Bedeutung und Dringlichkeit. Mit dem Beschluss der Klimaanpassungsstrategie im Juli 2021 wurde die Verwaltung beauftragt, die beschlosse- nen Maßnahmen weiter auszuarbeiten und im Rahmen der zur Verfügung gestellten Ressourcen umzusetzen. Ebenfalls erging der Auftrag, den Gemeinderat alle zwei Jahre über den Grad der Zielerfüllung und umgesetzte Maßnahmen zu informieren. Der vorliegende Monitoringbericht kommt diesem Auftrag nach und zeigt den Stand der Maßnahmenumsetzung für alle 85 Maßnahmen der Strategie auf. Die wichtigsten Ergebnisse lauten: - Klimaanpassung ist dringender denn je. Karlsruhe ist von den negativen Auswirkungen des Klimawan- dels sehr stark betroffen, wie viele Indikatoren im Bericht belegen. - Die Verwaltung hat das notwendige Wissen und treibt Klimaanpassungsmaßnahmen engagiert und mo- tiviert voran. Klimaanpassung wird in vielen Bereichen frühzeitig mitgedacht. So können Maßnahmen häufig erfolgreich in Daueraufgaben überführt werden. - Eine beschleunigte Umsetzung von Maßnahmen der Klimaanpassungsstrategie würde den Einsatz zu- sätzlicher Finanz- und Personalressourcen erfordern. Insbesondere die personalintensiven Maßnahmen im Aufgabenkomplex Stadtgrün und Stadtwald sind hiervon betroffen, aber auch andere Handlungsfel- der und Dienststellen. Um schrittweise eine Verstetigung der Finanzierung von Klimaanpassungsmaß- nahmen zu erreichen, wurde im Doppelhaushalt 2024/2025 ein erster Sammelansatz von 1,1 Millionen Euro jährlich für den Ergebnishaushalt und 1,0 Millionen Euro für den Finanzhaushalt eingeplant. Wei- tere Mittel, insbesondere von Bund und Land, müssen in den Folgejahren hinzukommen, um eine kon- sequente Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zu gewährleisten. - Weitere wichtige Herausforderungen sind die oftmals fehlende Rechtsverbindlichkeit von Klimaanpas- sung und die Zielkonflikte mit anderen öffentlichen Belangen. 1. Einführung Die Anpassung an den Klimawandel gewinnt weiter an Dringlichkeit als zweitem Handlungsstrang neben dem Klimaschutz. Denn selbst bei einem angenommenen Erreichen der ambitionierten Klimaschutzziele weltweit wäre der Klimawandel nicht sofort gestoppt – Karlsruhe wird den bereits aufgetretenen und zukünftig nicht mehr vermeidbaren Folgen begegnen müssen. Bei der Klimaanpassung wirken die Maßnahmen lokal. Die Wir- kung von Anpassungsmaßnahmen ist, anders als beim Klimaschutz, nicht vom Handeln anderer Städte oder Staaten abhängig. Dies eröffnet auf der kommunalen Ebene einen weiten Handlungsspielraum und adressiert direkt die Bürgerinnen und Bürger. Klimaanpassung gewinnt in der öffentlichen und politischen Diskussion an Bedeutung. In der Berichterstattung der lokalen Medien werden Klimaanpassungsthemen häufiger. In der Arbeit der Stadtverwaltung hat sich die Anzahl der Anfragen aus Presse, von Bürgerinnen und Bürgern und Initiativen sowie der Lokalpolitik deutlich er- höht. Ebenfalls ausgeweitet wurde die proaktive Berichterstattung über Pressemitteilungen, soziale Medien und die Karlsruhe-App sowie Vorträge für Fachpublikum und die breite Öffentlichkeit. Mit dem Beschluss der Klimaanpassungsstrategie – Monitoringbericht und 1. Fortschreibung im Juli 2021 wurde die Verwaltung beauftragt, die in der Klimaanpassungsstrategie 2021 genannten Maßnahmen weiter auszuar- beiten und im Rahmen der jeweils zur Verfügung gestellten Ressourcen umzusetzen. Ebenfalls erging der Auf- trag, den Gemeinderat alle zwei Jahre über den Grad der Zielerfüllung und umgesetzte Maßnahmen zu infor- mieren. Der vorliegende Monitoringbericht kommt diesem Auftrag nach. Das Monitoring bezieht sich vornehm- lich auf die Jahre 2021 und 2022 und bezieht bei Datenverfügbarkeit den Zeitraum bis Mitte 2023 ein. Umwelt- und Arbeitsschutz | 5 Die Klimaanpassungsstrategie umfasst 85 Maßnahmen in 16 Handlungsfeldern (siehe Abbildung 1). 1 Zu diesen sind in den letzten beiden Jahren bereits weitere Themen dazugekommen, beispielsweise die Themen Klima- sensoren oder Trinkwasserbrunnen. Diese waren in der Klimaanpassungsstrategie 2021 noch nicht enthalten, werden aber zukünftig als Teil der Klimaanpassungsstrategie behandelt. Abbildung 1: Handlungsfelder der Karlsruher Klimaanpassungsstrategie. Quelle: Umwelt- und Arbeitsschutz. Im Folgenden wird zunächst auf die Rahmenbedingungen der Klimaanpassung in der Stadtverwaltung eingegan- gen und ein Überblick über den Umsetzungsstand und Herausforderungen bei der Maßnahmenumsetzung ge- geben. Anhand von drei Arten von Indikatoren werden der Klimawandel (so genannte State-Indikatoren), seine Auswirkungen (Impact-Indikatoren) sowie der Fortschritt der Anpassung (Response-Indikatoren) beschrieben. Einige Indikatoren wurden bereits im Monitoring der Klimaanpassungsstrategie 2021 dargestellt, so dass die Fortführung der Datenreihe einen Aufschluss über die Entwicklung gibt. Daneben werden einige Indikatoren neu erfasst und präsentiert, die teilweise auch längere Zeitreihen abbilden. Zusätzlich sind in den Streckbriefen der einzelnen Maßnahmen zahlreiche spezifische Kennzahlen dargestellt. Die bestehenden und zukünftig dazu wei- tergeführten Zeitreihen dokumentieren den Fortschritt der konkreten Aktivitäten. 2. Grundlagen, Organisation, Personal und Finanzausstattung Inhaltlich kann die Klimaanpassung in Karlsruhe auf fundierte Datensätze und konzeptionelle Grundlagen zu- rückgreifen, die in den Vorjahren erarbeitet wurden. Beispielhaft dafür sind zu nennen: - die Klimafunktionskarte des Nachbarschaftsverbandes Karlsruhe, die die Kaltluftströme im Stadtgebiet und die bioklimatische Belastung der einzelnen Stadtbereiche darstellt - die 2013 veröffentlichte erste Klimaanpassungsstrategie mit einer umfangreichen Erhebung der Klima- folgen für die einzelnen Handlungsfelder - der städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung aus dem Jahr 2015 mit einer Vulnerabilitätsanalyse für das gesamte Stadtgebiet und einem umfangreichen Maßnahmenkatalog von Klimaanpassungsmaßnah- men für die unterschiedlichen Stadtstrukturtypen mit räumlicher Verortung der Empfehlungen - die Klimaanpassungsstrategie 2021 mit einem ersten Monitoring von Klimadaten (Temperatur und Nie- derschlag), Daten zu Klimafolgen und Daten zum Fortschritt der Klimaanpassungsmaßnahmen - Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald von 2020 (siehe Maßnahme W-1) - Trinkbrunnenkonzept (2021) - Erkenntnisse aus der Beteiligung an zahlreichen Forschungsvorhaben (siehe Maßnahme Ü-2) 1 Das Handlungsfeld Energiewirtschaft steht in Klammern, weil die einzige Maßnahme in diesem Handlungsfeld 2020 ins Klimaschutzkonzept der Stadt Karlsruhe übergeleitet wurde. Der vorliegende Bericht beinhaltet daher keine detaillierten Informationen zum Handlungsfeld Energiewirtschaft. 6 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Die Grundlagen und das Wissen für gute Anpassung sind damit vorhanden. Begrenzender Faktor für eine be- schleunigte Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen sind die limitierten personellen und finanziellen Res- sourcen. Klimaanpassung ist hochgradig interdisziplinär, zum einen, weil die vielfältigen Folgen des Klimawan- dels ganz unterschiedliche Bereiche der Stadtverwaltung betreffen. Zum anderen braucht auch die Maßnah- menumsetzung in den meisten Fällen die Beteiligung zahlreicher Dienststellen und Gesellschaften, weil sowohl planerische und technische als auch Maßnahmen im sozialen Bereich viele Berührungspunkte mit sich bringen. Die Stadt Karlsruhe hat das Thema „Grüne Stadt“ als sogenanntes Korridorthema, das heißt als eines der Leit- themen der zukünftigen Stadtentwicklung, definiert und durch den Gemeinderat beschlossen. Die „Grüne Stadt Karlsruhe“ geht dabei weit über das Thema Grünflächen hinaus. Sie bündelt die Themen Klima, Gesundheit und Natur. Eines der vier Leitprojekte ist die „Stadt im Klimawandel“. Das Leitprojekt beinhaltet unter anderem zwei Teilprojekte: a) die Fortschreibung der Klimaanpassungsstrategie (2021 fertiggestellt) und b) Erstellung eines Hit- zeaktionsplans für Karlsruhe (in Erarbeitung). An der Umsetzung der 85 Maßnahmen der Klimaanpassungsstrategie 2021 und der Erstellung dieses Monito- ringberichts sind zwölf Dienststellen und zwei städtische Gesellschaften beteiligt. Für die stadtweite Koordination der Klimaanpassung gibt es eine dauerhafte Personalstelle für Stadtklima, Klimaanpassung und Luftqualität beim Umwelt- und Arbeitsschutz. Weitere Projektstellen beim Umwelt- und Arbeitsschutz konnten über eingeworbene Fördermittel der EU und des Bundes befristet auf zwei beziehungsweise drei Jahre geschaffen werden. Diese be- arbeiten konkrete Projekte (1,0-Stelle für die Konzeption des Hitzeaktionsplans, 0,5-Stelle im EU-geförderten Projekt CityCLIM zu Stadtklimafragen). Darüber hinaus ist ab Herbst 2023 die Stelle einer Klimaanpassungsma- nager*in durch eine Bundesförderung über drei Jahre bewilligt worden, die explizit die Umsetzung von Anpas- sungsmaßnahmen im Zuständigkeitsbereich des Umwelt- und Arbeitsschutzes (zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit) vorantreiben kann. Im Gartenbauamt konnten durch zwei Förderprojekte weitere zeitlich befristete Stellenanteile eingeworben werden (im Jahr 2022: ca. 0,95 Stellen, im Jahr 2023: ca. 0,7 Stellen). In anderen Ämtern, die Klimapassungsmaßnahmen umsetzen, stehen keine gesonderten Personalstellen zur Ver- fügung. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt im „laufenden Geschäft“. Dies stellt teilweise ein bedeutendes Hemmnis für die beschleunigte Umsetzung der Anpassungsstrategie dar (siehe auch Kapitel 7). Im Rahmen der finanziellen Ausstattung im Korridorthema „Grüne Stadt“ stehen 16.000 Euro jährlich für Öf- fentlichkeitsarbeit zu Klimaanpassungsthemen zur Verfügung. Darüber hinaus ist im Haushalt 2022/2023 kein gesondertes Budget für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen eingestellt worden. Um die Maßnah- menumsetzung trotzdem vorantreiben zu können, hat die Stadtverwaltung Fördermittel von insgesamt 715.000 Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln für die Jahre 2019-2024 eingeworben (siehe Tabelle 1). Zudem gab es im Jahr 2023 eine großzügige private Spende, die für Klimaanpassung in Karlsruhe verwendet werden konnte. Um schrittweise eine Verstetigung der Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen zu erreichen, wurde im Haushalt 2024/2025 mit mittelfristiger Finanzplanung bis 2028 ein Sammelansatz von 1,1 Millionen Euro jährlich für den Ergebnishaushalt und 1,0 Millionen Euro für den Finanzhaushalt eingeplant. Weitere Mittel, insbeson- dere von Bund und Land, müssen in den Folgejahren hinzukommen, um eine konsequente Umsetzung der erfor- derlichen Maßnahmen zu gewährleisten. Tabelle 1: Eingeworbene Fördermittel für Anpassungsprojekte Projektname Eingeworbene Förder- mittel (ca., in €) Laufzeit Koordinierendes Amt Weitere Informationen Hitzeaktionsplan Plan °C 102.000 2022-2025 Umwelt- und Arbeitsschutz Kapitel 6.1 Starkregenrisikomanage- ment 145.000 ab 2022 Tiefbauamt Kapitel 6.4 Green GROWnership 100.000 2021-2023 Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmenkatalog Ü-2 CityCLIM 155.000 2021-2024 Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmenkatalog Ü-2 NaMaRes 53.000 2019-2023 Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmenkatalog Ü-2 Stadtgrün wertschätzen II 40.000 2020-2022 Gartenbauamt Maßnahmenkatalog Ü-2 Grüne Lunge 2.0 120.000 2021-2024 Gartenbauamt Maßnahmenkatalog Ü-2 Umwelt- und Arbeitsschutz | 7 3. Stand und Herausforderungen der Maßnahmenumsetzung der Klimaanpassungsstrategie Im Rahmen dieses Monitoringberichts wurden die verschiedenen Dienststellen mittels eines standardisierten Fra- gebogens nach Informationen zu den Anpassungsmaßnahmen in ihrer Zuständigkeit befragt. Von den 85 Maß- nahmen aus der Klimaanpassungsstrategie von 2021 wurden für 76 Maßnahmen aktualisierte Daten geliefert. Die restlichen Maßnahmen sind entweder abgeschlossen oder wurden in andere Kontexte überführt, wie zum Beispiel vereinzelt ins Karlsruher Klimaschutzkonzept. In zukünftigen Monitoringberichten zur Klimaanpassung wird über diese neun Maßnahmen nicht mehr berichtet werden (siehe Tabelle 2). Von den 76 aktuellen Maßnah- men wurden elf (14%) als zeitlich befristetes Projekt klassifiziert und 65 (86%) als Daueraufgabe. Eine wichtige Kennzahl ist der berichtete Umsetzungsstand der Anpassungsmaßnahmen. Im Fragebogen konnte hierfür aus fünf Kategorien ausgewählt werden: 1. Maßnahme ist noch nicht (konkret) geplant 2. Maßnahme ist geplant 3. Umsetzungsphase hat begonnen 4. Umsetzung ist fortgeschritten 5. Maßnahme wurde erfolgreich abgeschlossen und/oder als Daueraufgabe etabliert Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse dieser Abfrage. Die Daten verdeutlichen, dass ein Großteil der Maßnahmen (43%) nach Einschätzung der zuständigen Sachbearbeiter*innen entweder als abgeschlossene Projekte oder dauerhaft etablierte Maßnahmen eingeschätzt werden. Nur wenige Maßnahmen oder Projekte (12%) sind bis- her nicht in der Umsetzungsphase. Abbildung 2: Berichteter Umsetzungsstand von 76 Maßnahmen. Quelle: Eigene Befragung. Allerdings zeigt eine genauere Analyse auch: Die Maßnahmen, die bereits weit in der Umsetzung sind, sind oft- mals sogenannte „ohnehin-Maßnahmen“ – also solche Projekte oder Aufgaben, bei denen sich die Klimaanpas- sung als zusätzlicher Aspekt in das Aufgabenspektrum der Dienststellen integrieren lässt. Beispiele hierfür sind Maßnahmen im Bereich des Hochwasserschutzes, des Naturschutzes (zum Beispiel Ausweitung der Schutzge- bietskulisse) oder des Bevölkerungsschutzes. Neue Maßnahmen, die einen wesentlichen Beitrag zur Minderung von Klimafolgen leisten könnten, aber zusätzlich zum bisherigen Aufgabenspektrum umgesetzt werden müssen, sind dagegen teilweise wenig fortgeschritten. Ein zentrales Beispiel für solche Maßnahmen aufgrund neu aufge- tretener Herausforderungen umfasst den Aufgabenkomplex rund um die Entwicklung und Pflege von Stadtgrün und den Erhalt des Stadtwalds. Der Erhalt und die Entwicklung von hochwertigen Grünflächen sind entschei- dende Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzebelastung in der Innenstadt, zur Schaffung von kühlen Oasen und entsiegelter Fläche und damit letztlich der zentrale Baustein für ein klimaangepasstes Karlsruhe. Zudem haben Stadtgrün und Stadtwald positive Effekte auf Luftreinhaltung, Lärmschutz und Klimaschutz. Andererseits sind Stadtgrün und Stadtwald auch stark von Klimafolgen betroffen, insbesondere durch Trockenheitsschäden (siehe beispielsweise Kapitel 5.4.3 und 5.4.4). Die Frage nach dem Umsetzungsstand lässt sich grundsätzlich auch getrennt für die Handlungsfelder auswerten, jedoch ist die Anzahl der Maßnahmen in den meisten Handlungsfeldern für eine sinnvolle Auswertung zu gering. erfolgreich abgeschlossen / als Daueraufgabe etabliert Umsetzung ist fortgeschritten Umsetzungsphase hat begonnen Maßnahme ist geplant Maßnahme ist noch nicht (konkret) geplant 8 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Daher werden im Folgenden die Maßnahmen anhand der adressierten Naturgefahren kategorisiert. Dafür wer- den drei grobe Kategorien verwendet: Temperatur (inklusive Hitze), Wasser (inklusive Hochwasser, Starkregen, und Wassermangel), und die Bedrohung der Biodiversität. Einige Maßnahmen werden mehr als einer Naturge- fahr zugeordnet (beispielsweise die verstärkte Information der Bevölkerung über Vorsorge- und Selbstschutz- maßnahmen, die sich auf Hitze- und Starkregenvorsorge beziehen kann). Übergreifende Maßnahmen ohne ein- deutige Zuordnung zu einer Naturgefahr wurden für diese Auswertung ausgeklammert. Die Ergebnisse sind in Abbildung 3 illustriert. Tendenziell lässt sich daraus ableiten, dass die 21 Maßnahmen, die dem Bereich Wasser zugeordnet werden, nach Auskunft der zuständigen Mitarbeitenden am weitesten fortge- schritten sind. Im Bereich Biodiversität dagegen (19 Maßnahmen) ist der Anteil der fortgeschrittenen und abge- schlossenen Maßnahmen am geringsten. Abbildung 3: Umsetzungsstand der Maßnahmen nach adressierten Naturgefahren (Temperatur, Wasser (beinhaltet Hochwasser, Starkrege und Wassermangel), und Biodiversität). Anzahl der Maßnahmen in den Rubriken: Temperatur 43, Wasser 22, Biodiversität 20. Quelle: Eigene Befra- gung. 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% TemperaturWasserBiodiversität Maßnahme ist noch nicht (konkret) geplant Maßnahme ist geplant Umsetzungsphase hat begonnen Umsetzung ist fortgeschritten erfolgreich abgeschlossen / als Daueraufgabe etabliert Umwelt- und Arbeitsschutz | 9 Tabelle 2: Maßnahmen die im nächsten Monitoringbericht nicht mehr fortgeschrieben werden Maßnahme Handlungsfeld Grund für Ausscheiden Ü-4 Durchführung einer Kooperationsbörse Klima- wandel Übergreifendes Maßnahme ist abgeschlossen. GE-1 Ausbau der Hitzewarnsysteme, breitere Bevöl- kerungsansprache Gesundheit Maßnahme wurde in Hitzeaktionsplan (Maßnahme GE-8) übergeleitet. GE-3 Hitzebewältigung: Bedarfserhebung, Angebots- abfrage und Vernetzung mit Multiplikatoren Gesundheit Maßnahme wurde in Hitzeaktionsplan (Maßnahme GE-8) übergeleitet. W-2 Grüne-Stadt-Anpacker-Projekt Naturfriedhof Heidenstücker Wald- und Forst- wirtschaft Maßnahme ist abgeschlossen. GB-1 Bestandsanalyse von städtischen Gebäuden mit Risiko einer hohen und steigenden Wärmebelastung Gebäude Maßnahme ist abgeschlossen. GB-4 Erhöhung der Sanierungsquote im privaten Ge- bäudebestand durch geeignete Unterstützungsmaß- nahmen Gebäude Maßnahme wurde in das Klimaschutzkonzept über- geleitet (siehe Handlungsfeld B, Bauen und Sanie- ren). GB-5 Wettbewerb „Klimawandelangepasstes Planen & Bauen im Bestand“ Gebäude Maßnahme ist abgeschlossen. EW-6 Flächendeckende Ausweitung der gesplitteten Abwassergebühr auf alle Grundstücke Stadtentwässe- rung Maßnahme ist abgeschlossen. E-1 Ausweitung der energieeffizienten, klimafreundli- chen Klimatisierung Energieversor- gung Maßnahme wurde in das Klimaschutzkonzept über- geleitet (siehe Handlungsfeld B, Bauen und Sanie- ren). Zugleich sind in den letzten Jahren neue Themen und Maßnahmen initiiert worden. Konkret sind hier die Umset- zung eines Trinkwasserbrunnenkonzepts und der Aufbau eines Klimasensornetzwerks zu nennen. Trinkwasserbrunnen sind wichtige Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsvorsorge bei Hitze, beleben das Stadtbild und stellen einen Baustein zur lebenswerten Stadt auch bei hohen Temperaturen dar. Die Stadt Karls- ruhe hat 2021 ein Konzept für die Kenntlichmachung, Ertüchtigung und Unterhaltung der als geeignet festge- stellten Bestandsbrunnen und die Installation neuer Trinkwasserbrunnen erstellt, das unter Federführung des Gartenbauamtes umgesetzt wird. Klimasensoren können bei der Umsetzung der Karlsruher Klimaanpassungsstrategie einen wichtigen Beitrag leis- ten. Die Messdaten können beispielsweise für den Antrieb eines Stadtklimamodells mit höherer Vorhersagequali- tät genutzt werden. Die aufbereiteten Messdaten werden eine Informationsquelle für Bürger*Innen sein. Die Stadt Karlsruhe plant unter Federführung von IT-Amt und Umwelt- und Arbeitsschutz sukzessive ein Netz- werk aus Temperatursensoren aufzubauen, die in den Stadtteilen in unterschiedlichen räumlichen Situationen (z.B. mit/ohne Begrünung in der Umgebung) installiert werden können. Damit können Echtzeitdaten der Tempe- ratur an vielen Orten in der Stadt erhoben werden. Der Maßnahmenkatalog der Klimaanpassungsstrategie ist nicht als abschließend zu verstehen, da die Dynamik der Klimawandelfolgen zusätzliche Maßnahmen oder Weiterentwicklungen bestehender erfordert. Daher wer- den auch neu hinzugekommenen Themen zukünftig als Teil der Klimaanpassungsstrategie betrachtet. Entspre- chend wird in zukünftigen Monitoringberichten über die Fortschritte bei der Umsetzung des Trinkbrunnenkon- zepts und beim Aufbau eines Klimasensoren-Netzwerks berichtet werden. In der Befragung der zuständigen Dienststellen zum derzeitigen Umsetzungsstand der Maßnahmen konnten die Antwortenden einen freien Text über eventuelle Hindernisse bei der Umsetzung der Anpassungsmaßnahmen formulieren. 36 von 76 Antwortenden haben von dieser Option Gebrauch gemacht und haben die aus ihrer Sicht wichtigsten Herausforderungen beschrieben. Aus den frei formulierten Antworten ergeben sich einige klare Schwerpunkte: begrenzte personelle Ressourcen, begrenzte finanzielle Ressourcen, fehlende Rechtsverbindlich- keit und unsicheres Wissen. Von den 36 Antworten konnten 29 zu mindestens einem dieser Themencluster zu- geordnet werden (siehe Abbildung 4). 10 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 4: Häufigkeit der Nennung von Herausforderungen für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen. Quelle: Eigene Befragung. Im Folgenden werden diese Schwerpunktthemen kurz beschrieben: • Begrenzte personelle Ressourcen Das am häufigsten genannte Thema ist das begrenzte Personal für die beschleunigte Maßnahmenum- setzung. Dies betrifft insbesondere auch solche Maßnahmen, die potentiell eine große Hebelwirkung für weitere Anpassungsmaßnahmen haben, wie zum Beispiel die sogenannte Grünsatzung (Maßnahme SG- 6), die Umsetzung des Anpassungskonzepts für den Stadtwald (W-1) und die Beratung von Eigentü- mer*innen zur Klimaanpassung (EW-7 und SP-8). Zudem gibt es teilweise Daueraufgaben, die von be- fristet eingestelltem Personal bearbeitet werden. Hier besteht grundsätzlich Bedarf für eine langfristige Perspektive. Beispiele hierfür sind das öffentlichkeitswirksame Urban Gardening Projekt (siehe Maß- nahme SG-8) sowie der Hitzeaktionsplan (siehe Maßnahme GE-8). • Begrenzte finanzielle Ausstattung Bis 2023 gab es kein gesondertes Budget für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Das Budget, das der Verwaltung für ihre Pflichtaufgaben zur Verfügung steht, reicht in vielen Fällen nicht aus, den finanziellen Mehraufwand, der sich aus den klimatisch bedingten Veränderungen ergibt, zu decken (z.B. Mehraufwand bei der Verkehrssicherung von Bäumen entlang von Straßen, Wegen, öffent- lichem Grün). Weitere Beispiele für kostenintensive Klimaanpassungsmaßnahmen sind die Unterhaltung von Wasser-, Verschattungs- oder Grünelementen wie Brunnen, Hochbeete, mobiles Grün – wo keine Baumpflanzungen möglich sind –, Schirme, Sonnensegel, oder die finanzielle Ausstattung von Förder- programmen. Auch im Handlungsfeld Wald und Forstwirtschaft ist der finanzielle Spielraum für zu- kunftsorientierte Maßnahmen derzeit nicht vorhanden, weil viele Ressourcen in die dringend notwen- dige Schadensbegrenzung und Verkehrssicherung gehen. Auf der anderen Seite hat die Stadtverwal- tung in großem Umfang externe Fördermittel von EU, Bund und Land eingeworben, um Einzelprojekte für einen befristeten Zeitraum durchführen zu können. Um schrittweise eine Verstetigung der Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen zu erreichen, wurde im Doppelhaushalt 2024/2025 und in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2028 ein Sammelan- satz von 1,1 Millionen Euro jährlich für den Ergebnishaushalt und 1,0 Millionen Euro für den Finanz- haushalt eingeplant und zwischenzeitlich vom Gemeinderat beschlossen. Weitere Mittel, insbesondere von Bund und Land müssen in den Folgejahren hinzukommen, um eine konsequente Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zu gewährleisten. • Klimaanpassung in Konflikt zu anderen öffentlichen Belangen Bei stadtplanerischen Entscheidungen (Aufstellung von Bebauungsplänen, städtebauliche Wettbewerbe, Rahmenplänen etc.) ist Klimaanpassung Bestandteil der Abwägung öffentlicher Belange. In den Ent- scheidungen werden Belange der Klimaanpassung nicht immer vollumfänglich berücksichtigt. So steht eine Ausdehnung von Grünflächen oder die Pflanzung von Bäumen in der Stadt beispielsweise im Kon- flikt mit anderen Flächennutzungen (Bebauung, Parkierungsflächen, Leitungen im Untergrund u.a.). • Unzureichende Rechtsgrundlagen, fehlende Verbindlichkeit In mehreren Bereichen fehlen Rechtsgrundlagen, um Klimaanpassung verbindlich vorzuschreiben. Ein Beispiel ist, dass für große Teil der Stadt liegen keine Bebauungspläne vorliegen, die die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen vorschreiben könnten. In diesen Gebieten darf nach §34 Baugesetzbuch gebaut werden. Das heißt, dass ein Baurecht besteht und sich die Gestaltung am Bestand in der direk- ten Umgebung orientiert. Gerade im eng bebauten Innenstadtbereich führt dies dazu, dass 0 5 10 15 20 25 begrenzte personelle Ressourcen begrenzte finanzielle Ressourcen unsicheres Wissenfehlende Rechtsverbindlichkeit Umwelt- und Arbeitsschutz | 11 Klimaanpassung bei Bauvorhaben nicht betrachtet werden muss. Da es im Baugesetzbuch bislang keine Rechtsgrundlage gibt, um bei Bauvorhaben Klimaanpassungsmaßnahmen vorzuschreiben oder Bauan- träge aus klimatischen Gründen abzulehnen, beschränkt sich der Handlungsspielraum der Stadt auf Be- ratung, Motivation und Förderung. Die Bereitschaft von Bauwilligen, Mehrkosten in Kauf zu nehmen oder auf Baurechte zu verzichten, ist allerdings häufig trotz Beratung gering. Auch aus informellen städtebaulichen Rahmenplänen ergibt sich keine Verbindlichkeit. Zum Teil hat es sich als schwierig erwiesen, die weitreichenden Absichtserklärungen in Rahmenplänen rechtssicher in Bebauungspläne zu übertragen. Dies kann an rechtliche Grenzen stoßen (z.B. keine ausreichende städ- tebauliche Begründung möglich, Zielkonflikte mit anderen Belangen). Der Handlungsspielraum der Stadt ist häufig auf Beratung, Motivation und Förderung beschränkt. In diesem Zusammenhang versucht die Stadtverwaltung, die privaten Eigentümer*innen zum Beispiel durch Informations- und Motivationskampagnen sowie durch Förderprogramme zur Begrünung privater Flächen zu bewegen. Der im Verfahren befindliche Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ (Arbeitstitel „Grünsatzung“) schreibt für die besonders betroffene Innenstadt Begrü- nungsmaßnahmen vor, wenn ein genehmigungspflichtiger Eingriff ansteht. Dieser Bebauungsplan zählt daher zu den zentralen und dringlichen Maßnahmen. Trotz der oben beschriebenen Herausforderungen hat die Stadtverwaltung Anpassungsmaßnahmen in zentralen Handlungsfeldern weiter vorangetrieben oder neu initiiert, wie in den folgenden Abschnitten und im Kapitel 6 anhand verschiedener Beispiele detailliert berichtet wird. Im Folgenden wird anhand konkreter Indikatoren die Entwicklung des Klimawandels und der Klimaanpassung in Karlsruhe dargestellt. 4. Der Klimawandel in Karlsruhe (State-Indikatoren) 4.1 Temperatur Der globale Klimawandel ist in Karlsruhe inzwischen deutlich spürbar. Das zunächst subjektive Gefühl, dass es immer wärmer wird, spiegelt sich auch in den gemessenen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wider. Wie in Abbildung 5 ersichtlich, ist die Jahresmitteltemperatur im Gebiet des Stadtkreises Karlsruhe in den letzten Jahrzehnten signifikant angestiegen und hat im Jahr 2022 einen neuen Höchststand erreicht. Abbildung 5: Jahresmitteltemperatur in Karlsruhe, 1875-2022. Quelle: DWD. Die Jahresmitteltemperatur in Karlsruhe bewegt sich also ungefähr zwischen 10 bis 12 °C. Doch was bedeutet das für das Wohlbefinden und die Gesundheitsbelastung im Sommer? Für diese Frage ist eine andere Statistik aussagekräftiger, nämlich die Anzahl der „heißen Tage“ oder „sehr heißen Tage“. Heiße Tage sind Tage, an de- nen die Lufttemperatur die 30°C-Marke erreicht oder überschreitet. An sehr heißen Tagen steigt die Temperatur über 35°C. Abbildung 6 zeigt, dass diese Hitzeereignisse im Laufe der letzten Jahre tendenziell immer häufiger aufgetreten sind. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die menschliche Gesundheit und Leis- tungsfähigkeit. Aber auch die technische Infrastruktur und die natürliche Umwelt leiden unter heißen und tro- ckenen Tagen. 12 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 6: Anzahl der heißen und sehr heißen Tage in Karlsruhe, 1875-2022. Quelle: DWD. 4.2 Niederschlag Neben der Temperatur kann auch das Niederschlagsgeschehen vom Klimawandel beeinflusst werden. Laut ver- schiedener Klimamodelle wird für Deutschland tendenziell eine Abnahme der Niederschlagssummen im Sommer und eine Zunahme im Winterhalbjahr erwartet (siehe zum Beispiel Deutscher Klimaatlas des DWD). In der Ver- gangenheit zeigt sich zumindest in den Jahresdaten keine eindeutige Tendenz im Karlsruher Gebiet (siehe Abbil- dung 7). 2 Die jährliche Niederschlagssumme schwankt stark (zwischen ca. 500 und 1000 mm), aber es gibt kei- nen eindeutigen Trend. Auch die Anzahl der Tage mit verhältnismäßig starkem Niederschlag (hier: über 20 mm pro Tag) folgt keiner klaren Entwicklung. Durchschnittlich gibt es in Karlsruhe zwischen 4 und 8 solcher Tage pro Jahr. Trotzdem sollte hier Vorsicht geboten sein: Auf Basis mehrerer Klimamodelle wird erwartet, dass die Gefahr durch Starkregenereignisse in Zukunft tendenziell zunimmt (siehe zum Beispiel Klimaausblick für Karlsruhe und angrenzende Landkreise des GERICS). 2 Die Daten in Abbildung 7 und Abbildung 9 basieren auf gewichteten Messdaten von mehreren DWD-Wetterstationen aus Karlsruhe und dem Umland. Für diese Analyse wurde für das Gebiet des Stadtkreises Karlsruhe ein Mittelwert gebildet. 0 200 400 600 800 1000 1200 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 19711973197519771979198119831985198719891991199319951997199920012003200520072009201120132015201720192021 Anzahl der Tage mit Niederschlag > 20 mm, linke Achse Niederschlagssumme pro Jahr in mm, rechte Achse Umwelt- und Arbeitsschutz | 13 Abbildung 7: Anzahl der Tage mit Niederschlagssumme > 20mm und gesamte Jahresniederschlagssumme in mm im Stadtkreis Karlsruhe, 1971- 2022. Quelle: DWD und LUBW. 5. Auswirkungen des Klimawandels in Karlsruhe (Impact-Indika- toren) In diesem Kapitel werden Indikatoren präsentiert, die einige der Auswirkungen (Impacts) des Klimawandels in Karlsruhe beispielhaft aufzeigen. 5.1 Grundwasserstände (Handlungsfeld Grundwasserbewirtschaftung und Trink- wasserversorgung) Die Zeitreihe des Grundwasserstandes an verschiedenen Messtellen in Karlsruhe zeigt starke Schwankungen zwi- schen einzelnen Jahren sowie Perioden mit höheren oder niedrigeren Grundwasserständen (Abbildung 8). Der Grundwasserstand ist im Wesentlichen vom Niederschlag abhängig. Anfang der 1960er und in den 1970er Jah- ren wurden die bisher niedrigsten gemessenen Grundwasserstände im Raum Karlsruhe beobachtet. Aufgrund von wenig Niederschlag in diesen Jahren fand wenig Grundwasserneubildung statt. Die Grundwasserstände wa- ren insbesondere in den 1970er Jahren deutlich niedriger als jetzt. Trotz sinkender Grundwasserneubildung aus Niederschlag ist der Grundwasserstand seit 1970 nicht absinkend. Allerdings wurden in den letzten 15 Jahren vor allem mittlere bis niedrige Grundwasserstände gemessen. 2021 und 2022 bewegten sich die Grundwasser- stände auf moderat niedrigem Niveau. Abbildung 8: Ausgewählte Grundwasserpegel im Stadtgebiet Karlsruhe (Höhe des Grundwasserstands), in m über NN. Quelle: Tiefbauamt. 5.2 Vegetationsperiode (Handlungsfeld Landwirtschaft) Abbildung 9 zeigt zunächst die Auswirkungen der Temperaturerhöhung auf die Vegetationsperiode im Gebiet des Stadtkreises Karlsruhe. Der Vegetationsbeginn (untere Begrenzung der Fläche in Abbildung 9) ist gerade in den letzten Jahren immer früher im Jahresverlauf eingetreten. Das Vegetationsende (obere Begrenzung der Flä- che im Diagramm) trat in den letzten Jahren eher etwas später auf, hier zeigt sich allerdings in der relativ kurzen Zeitreihe (ab 1992) kein eindeutiger Trend. Eine längere Vegetationsperiode kann unter anderem dazu führen, dass Allergie-Belastungen durch blühende Pflanzen früher im Jahr beginnen und später enden. 105,00 106,00 107,00 108,00 109,00 110,00 111,00 112,00 113,00 114,00 115,00 19561959196219651968197119741977198019831986198919921995199820012004200720102013201620192022 Heilbronner Str.MaxburgwegErzbergerstr.StaufenbergwegGrazer Str.Tulpenstr. 14 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 9: Vegetationsperiode im Stadtkreis Karlsruhe, 1992-2022. Der eingefärbte Bereich ist die Zeit zwischen Beginn der Vegetationsperiode (untere Begrenzung) und dem Ende der Vegetationsperiode (obere Begrenzung). Quelle: DWD und LUBW. 5.3 Invasive Arten (Handlungsfeld Gesundheit) 5.3.1 Ambrosien Eine der wärmeliebenden Pflanzen, die unter anderem von einer längeren Vegetationsperiode profitieren könn- ten, sind die Hohe Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) und die Ausdauernde Ambrosie (Ambrosia psilostachya). Die Ambrosie ist eine Pflanze mit einem hohen Allergiepotenzial und wird daher aktiv bekämpft (siehe Maß- nahme GE-6). Seit 2007 werden die Vorkommen in Karlsruhe durch den Umwelt- und Arbeitsschutz dokumen- tiert (Tabelle 3). Drei große Vorkommen waren etabliert (Wildacker im Hardtwald, Linkenheimer Landstraße in Neureut, Rheinstrandsiedlung Nussbaumweg mit Ambrosia psilostachya). In den letzten drei Jahren war das Wachstum der Ambrosien wegen großer Trockenheit eher gering, es wurden daher keine Zupftermine oder Info- stände veranstaltet. Stattdessen wurden während der "Saison" die Informationen zur Ambrosie in einer sieben- teiligen SocialMedia-Reihe über die städtischen Kanäle verbreitet. In 2023 waren insgesamt nur noch wenige Pflanzen auffindbar. Insbesondere scheint der Bestand am ehemaligen Schwerpunkt Linkenheimer Landstraße durch die Bekämpfungsmaßnahmen in den letzten Jahren erfolgreich reduziert worden zu sein. Die Flächen wer- den weiterhin beobachtet, um ein erneutes großflächiges Ansiedeln der Pflanze zu verhindern. Weitere konzer- tierte Aktionen (mit Beteiligung Freiwilliger) sind derzeit aufgrund des geringen Vorkommens nicht geplant. Diese Entwicklung zeigt, dass konsequentes Handeln bei der Bekämpfung von invasiven Arten zum Erfolg führen kann. 0 50 100 150 200 250 300 350 1992199419961998200020022004200620082010201220142016201820202022 Kalendertage Umwelt- und Arbeitsschutz | 15 Tabelle 3: Bekannte Vorkommen der Ambrosie in Karlsruhe. Angegeben ist die Anzahl der Pflanzen im jeweiligen Bestand. Quelle: Umwelt- und Arbeitsschutz. Jahr Wildacker im Hardtwald Linkenheimer Landstraße Rheinstrandsiedlung Nußbaumweg (Ambrosia coronopifolia) 2007 2.000 zwischen 100 und 1.000 keine Daten verfügbar 2008 keine Daten verfügbar 3.400 keine Daten verfügbar 2009 keine Daten verfügbar 7.500 2.500 2010 >20.000 30.000 800 2016 zwischen 100 und 1.000 >10.000 >1.000 2017 >10.000 >10.000 zwischen 100 und 1.000 2022 keine Daten verfügbar zwischen 100 und 1.000 weniger als 100 2023 keine Daten verfügbar zwischen 100 und 1.000 weniger als 100 5.3.2 Tigermücken In Karlsruhe wurde im September 2017 erstmals eine Tigermücke (Aedes albopictus) gesichtet. Seit 2018 wird ein systematisches Monitoring durchgeführt. Dieses bezieht sich auf das Gebiet, in dem als Erstes beziehungs- weise in der Folgezeit Tigermücken aufgetreten sind (Gebiet Ottostraße). Im Jahr 2020 wurde im Gebiet des Zo- ologischen Stadtgartens ein weiteres Vorkommen erkannt. In diesen beiden Gebieten werden seitdem Fallen aufgestellt und das Vorkommen dokumentiert (Tabelle 4) und bekämpft (siehe Maßnahme GE-7). Es ist durchaus positiv zu bewerten, dass der kleine Anfangsbestand im Zoologischen Stadtgarten anscheinend erfolgreich eliminiert werden konnte. Auch im Gebiet an der Ottostraße zahlen sich die verstärkten Bekämp- fungsaktionen aus. Tabelle 4: Ergebnisse des Tigermücken-Monitorings. Quelle: Jahresberichte der KABS e.V. zur Tigermückenbekämpfung in Karlsruhe. 2018 2019 2020 2021 2022 Fallen, die mindestens einmal positiv beprobt wurden im Gebiet Ottostraße 7 von 15 (47%) 6 von 26 (23%) 11 von 40 (28%) 18 von 50 (36%) 9 von 25 (36%) Anzahl Eier (Gebiet Ottostraße) k.A. 81 813 1968 412 Anzahl Mückenfunde im Zoo - - 4 0 0 5.4 Schäden durch Extremwetterereignisse (Handlungsfelder Bevölkerungsschutz, Forstwirtschaft und Stadtgrün) 5.4.1 Hitzewarnungen Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erstellt nach wissenschaftlich fundierten Methoden Hitzewarnungen auf Landkreisebene. Die Hitzewarnungen werden herausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung für mindes- tens zwei Tage in Folge vorhergesagt wird. Als weiteres Kriterium einer Warnung wird die nächtliche Abkühlung herangezogen. Denn bleibt die Nacht zu warm, verschlechtert sich die Schlafqualität. Durch diese zusätzliche Belastung wird die Hitze tagsüber schlechter verkraftet. Es gibt zwei Warnstufen: Eine Warnung vor einer starken Wärmebelastung wird dann herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag bei etwa 32 °C oder darüber liegt. Aufgrund eines Akklimatisations- effektes kann dieser Schwellenwert früh im Sommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen. Überschreitet die Gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen Wert von 38 °C, so wird vor einer extremen Wärmebelastung gewarnt. 3 3 Siehe auch https://www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzewarnung.html (Zugriff am 11. September 2023). 16 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Die Methodik für die Ermittlung der gefühlten Temperatur sowie die Warnschwellen hat sich im Laufe der letz- ten Jahre geändert, daher ist die Darstellung einer mehrjährigen Zeitreihe der Anzahl von DWD-Hitzewarnungen nicht sinnvoll. Trotzdem seien hier die Anzahl der Warnungen für den Stadtkreis Karlsruhe in den letzten zwei Jahren erwähnt (Tabelle 5): Tabelle 5: DWD-Hitzewarnungen für Karlsruhe Jahr Anzahl DWD Hitzewarnun- gen für Karlsruhe davon Warnungen vor extremer Hitze 2021 4 1 2022 8 0 5.4.2 Wetterbedingte Einsätze der Feuerwehr Neben den allmählichen Änderungen des Klimas (Temperaturerhöhung, Änderung des Grundwasserhaushalts) sind die Extremwetterereignisse von zentraler Bedeutung, wenn es um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft geht. Darunter fallen Hitzeperioden, Starkregen- und Hochwasserereignisse, sowie Stürme. In Karlsruhe ist die Branddirektion die zuständige öffentliche Stelle für die Verkehrssicherung und Schadenbegren- zung bei solchen extremen Wetterereignissen. Abbildung 10 illustriert den Zeitverlauf der Einsatzzahlen in der Branddirektion Karlsruhe für Einsätze, die unter anderem durch Wetterextreme (mit-)versursacht sein können. Diese Zeitreihen von April 2017 bis Juli 2023 erlauben zwar keine Aussagen über einen eventuellen zeitlichen Trend, es zeigt sich jedoch, dass in den letzten fünf Jahren immer wieder Einsatzhäufungen zu beobachten sind, die auf markantes oder extremes Wetter zurückzuführen sind. So gab es im März 2019 und Februar 2020 starke Sturmtiefs, die über Karlsruhe gezogen sind („Eberhard“ und „Sabine“), und die eine große Anzahl an Einsätzen zur Verkehrssicherung wegen gefallener Bäume oder loser Dachteile zur Folge hatten. Im August 2022 gab es ein Starkregenereignis, das zu vielen vollgelaufenen Kellern geführt hat. Gleichzeitig war der August 2022 ge- prägt von vielen kleinen Vegetationsbränden auf dem Stadtgebiet bis hin zu mehreren Waldbränden, die be- kämpft werden mussten. Umwelt- und Arbeitsschutz | 17 Abbildung 10: Einsatzzahlen für Einsätze der Branddirektion Karlsruhe für verschiedene Einsatztypen, die von Extremwetter mitverursacht sein können. Quelle: Branddirektion Karlsruhe. 5.4.3 Schadensbedingte Holzmengen Folgen von Hitze und Trockenheit an Bäumen in Stadt und Wald können noch Jahre nachwirken, sowohl infolge von Insektenvermehrung als auch in Form des Absterbens alter wie auch neu gepflanzter Bäume. Bei einem mehrfachen Auftreten von heißen und trockenen Sommern ist zudem die notwendige Erholungszeit für die Bäume nicht mehr gegeben. Indizien für das Schadensausmaß im Wald sind die verbuchten Holzmengen, die nicht als Ergebnis von geplanten forstlichen Maßnahmen angefallen sind, sondern wegen verschiedener Scha- densursachen „zufällig“ genutzt werden mussten (Abbildung 11). 0 5 10 15 20 25 30 Apr 17 Jul 17 Okt 17 Jan 18 Apr 18 Jul 18 Okt 18 Jan 19 Apr 19 Jul 19 Okt 19 Jan 20 Apr 20 Jul 20 Okt 20 Jan 21 Apr 21 Jul 21 Okt 21 Jan 22 Apr 22 Jul 22 Okt 22 Jan 23 Apr 23 Jul 23 Vegetationsbrand 0 5 10 15 20 25 30 Apr 17 Jul 17 Okt 17 Jan 18 Apr 18 Jul 18 Okt 18 Jan 19 Apr 19 Jul 19 Okt 19 Jan 20 Apr 20 Jul 20 Okt 20 Jan 21 Apr 21 Jul 21 Okt 21 Jan 22 Apr 22 Jul 22 Okt 22 Jan 23 Apr 23 Jul 23 Hochwasser 0 20 40 60 80 100 120 Apr 17 Jul 17 Okt 17 Jan 18 Apr 18 Jul 18 Okt 18 Jan 19 Apr 19 Jul 19 Okt 19 Jan 20 Apr 20 Jul 20 Okt 20 Jan 21 Apr 21 Jul 21 Okt 21 Jan 22 Apr 22 Jul 22 Okt 22 Jan 23 Apr 23 Jul 23 Baumschaden / Sturm 18 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 11: Nutzungsmengen Holz im Stadtwald Karlsruhe (in m³). Quelle: Forstamt. Wie aus Abbildung 11 ersichtlich, hat der Anteil der schadensbedingten Holznutzung in den letzten Jahren stark zugenommen. Abbildung 12 gibt Einblick in die konkreten Ursachen der schadensbedingten Nutzung. Es zeigt sich, dass in den letzten beiden Jahren oftmals ein Pilzbefall ausschlaggebend für die meisten erfassten Baum- schäden war. Dieser kann eine Folge des großen Trockenstress aus den Vorjahren sein. Abbildung 12: Schadensbedingte Holznutzung und deren Ursachen, in m³. Quelle: Forstamt 5.4.4 Trockenheitsbedingte Fällungen von Stadtbäumen Neben dem Baumbestand im Stadtwald gibt es den Baumbestand auf Straßen und Plätzen der Stadt, die soge- nannten Stadtbäume. Seit 2016 führt das Gartenbauamt eine Statistik zu Baumfällungen von Stadtbäumen (siehe rote Balken in Abbildung 14, Seite 21). Seit 2019 wurden deutlich mehr Bäume gefällt als im Durchschnitt der sonstigen Jahre. Das ist auf die extreme Trockenheit in den letzten Jahren und auf die hieraus resultierenden Baumschäden und Baumkrankheiten zu- rückzuführen. Seit der Fortschreibung der Klimaanpassungsstrategie wurden 2.806 Stück gefällt (Stand Mitte August 2023). Ein großes Problem zeigt sich mittlerweile auch darin, dass vermehrt Äste abbrechen können. Das Gartenbauamt verzeichnet in diesem Jahr eine deutliche Zunahme an Starkastausbrüchen (Grünbrüche). Die Ge- währleistung der Verkehrssicherheit stellt vor diesem Hintergrund eine zunehmende Herausforderung dar. 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 20152016201720182019202020212022bis August 2023 davon planmäßig genutztdavon schadensbedingt 0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 20152016201720182019202020212022bis August 2023 SturmInsektenDürrePilz Umwelt- und Arbeitsschutz | 19 6. Anpassungsindikatoren (Response-Indikatoren) Die folgenden Kennzahlen beleuchten den Klimaanpassungsprozess in Karlsruhe und zeigen auf, welche Fort- schritte in Bezug auf die Klimaanpassung allgemein und konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen in den vergan- genen beiden Jahren erzielt wurden. 6.1 Index „Kommunale Klimaanpassung“ Der Index „Kommunale Klimaanpassung“ beleuchtet den Klimaanpassungsprozess in Karlsruhe als Ganzes. Eines der 16 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDG) ist „Maßnahmen zum Klimaschutz“, wozu in deren Definition auch die Klimaanpassung gehört. Die Nachhaltigkeitsziele wurden mit Indikatoren unterlegt, die zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kommunen konzipiert sind. Der Indikator „Kommunale Klimaanpassung“ erhebt den Anteil umgesetzter Klimaanpassungsmaßnahmen als Summenindex aus zehn dichotomen Variablen, basierend auf einem standardisierten Fragebogen. Für Karlsruhe ergibt sich, dass die im Index erhobenen Klimaanpassungsmaßnahmen zu 80 Prozent umgesetzt werden (Tabelle 6). Dieser Wert hat sich seit dem letzten Monitoringbericht von 2021 nicht verändert. Tabelle 6: Index "Kommunale Klimaanpassung aus zehn Ja/Nein-Fragen (Wert 0 bis 10). Der Fragebogen wurde aus dem Handbuch „SGD-Indika- toren für Kommunen“ 4 übernommen. Frage Indikator 2021 Indikator 2023 1 Sind eine Klimaanalyse und Klimagefahrenkarte für Ihre Kommune erstellt worden? Ja Ja 2 Gibt es einen politischen Beschluss zur Klimaanpassung? Ja Ja 3 Ist ein Konzept vorhanden, das sich mit den Auswirkungen des Klimawandels in der Kommune auseinandersetzt, dabei die spezifische kommunale Betrof- fenheit und Gefährdung betrachtet und daraus eine lokale Strategie mit ge- eigneten Anpassungsmaßnahmen entwickelt (Klimaanpassungskonzept)? Ja Ja 4 Wurde dieses Klimaanpassungskonzept beschlossen? Ja Ja 5 Findet die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Schutz vor Überflu- tung, Hitze, Trockenheit, Sturmschäden, etc.) in der Stadtplanung und -ent- wicklung Beachtung? Ja Ja 6 Wurden/Werden Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels bei öffentlichen Vorhaben/Gebäuden/Flächen (z. B. Dach- und Fassadengrün, Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen auf Plätzen, Retentionsflächen und vieles mehr) bereits umgesetzt? Ja Ja 7 Ist eine fach-/ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Klimaanpassung“ in Ihrer Kommune vorhanden? Nein Nein 8 Ist ein kommunaler Hitzeaktionsplan oder ein ähnliches Instrument zur Hitze- vorsorge vorhanden? Nein Nein (in Erarbei- tung) 9 Existieren Angebote zur Sensibilisierung und Information der Bürger:innen zu Klimawandel und -anpassung? Ja Ja 10 Gibt es kommunale Förderprogramme für private Klimaanpassungsmaßnah- men und Eigenvorsorge für Akteure in der Stadtgesellschaft? Ja Ja Summe 8 8 4 Bertelsmann Stiftung, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Deutscher Landkreistag, Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutsches Institut für Urbanistik, Engagement Global (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt,) Rat der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion (Her- ausgeber) (2020): SGD-Indikatoren für Kommunen: Indikatoren zur Abbildung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen in deutschen Kommunen, Indikator Nr. 86 „Kommunale Klimaanpassung“. 20 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie 6.2 Trinkwasserspender in Schulen (Handlungsfeld Gesundheit) Eine der Anpassungsmaßnahmen im Handlungsfeld Gesundheit hat zum Ziel, die Trinkwasserversorgung an den Schulen in Karlsruhe zu verbessern und auf positive Art und Weise zum bewussten und regelmäßigen Trinken zu animieren. Hierfür werden die Schulen im Stadtgebiet mit Trinkwasserspendern ausgestattet. Abbildung 13 zeigt die Anzahl der bisher installierten Trinkwasserspender. In 2021 konnte keine zusätzliche Anlage installiert wer- den, da wichtige Bauteile wegen pandemiebedingten Lieferengpässen nicht geliefert werden konnten. Abbildung 13: Anzahl der in den Karlsruher Schulen installierten Trinkwasserspender. 6.3 Baumpflanzungen (Handlungsfeld Stadtgrün) Eine nachhaltige Begrünung – vor allem in Form von klimaangepassten Bäumen – ist von entscheidender Bedeu- tung für die Klimaanpassung in der Karlsruher Innenstadt. Insbesondere während der besonders belastenden Hitzeperioden wirken Bäume kühlend auf die Umgebung und haben in der Summe deutlich messbare Effekte auf das Stadtklima. Bäume sind auch für die Erhaltung der Biodiversität und die Luftreinhaltung in der Stadt be- sonders wichtig. Wie im Kapitel 4.4 beschrieben, haben die Stadtbäume unter der Trockenheit der letzten Jahre sehr stark gelit- ten und es mussten ungewöhnlich viele Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Die Zahl der Neupflan- zungen von jungen Stadtbäumen ist dieser Entwicklung nicht mit gleicher Geschwindigkeit gefolgt, war in den letzten Jahren sogar unter der entsprechenden Zahl der Fällungen (siehe Abbildung 14). Es wurden seit 2013 durch das Gartenbauamt 6.879 Bäume gepflanzt, von 2021 bis Mitte 2023 insgesamt 1.414 Bäume. Circa die Hälfte der Neupflanzungen erfolgten an Standorten, an denen zuvor Bäume gefällt wer- den mussten. Weitere Neupflanzungen für die in den letzten Jahren gefällten Bäume sind vorgesehen, konnten aufgrund hoher Arbeitsbelastung im Regiebetrieb jedoch noch nicht vollständig umgesetzt werden. 2019 muss- ten auch zahlreiche Fällungen in geschlossenen Baumbeständen wie in der Waldstadt vorgenommen werden. Aufgrund der gewollten Naturverjüngung in der Waldstadt wurde nur ein Teil der gefällten Bäume nachge- pflanzt. Hier wurde bis auf die Pflanzung von wenigen Solitärbäumen auf die Nachpflanzung von Einzelbäumen verzichtet, da sich gezeigt hat, dass mit der Naturverjüngung eine gute Basis für die Entwicklung zukunftsfähiger Gehölzbestände gelegt ist. Weiterhin wurden die großen Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen (Kriegsstraße, Lud- wig-Erhard-Allee) mit der hohen Anzahl von Neupflanzungen in der Zeit bis 2022 umgesetzt. Die Anzahl der künftigen Neupflanzungen hängt u.a. von Art und Umfang der Umsetzung von Bebauungsplä- nen und von Neubaumaßnahmen der Stadt ab. Darüber hinaus wird angestrebt, krankheitsbedingt gefällte Bäume durch Neupflanzungen zu ersetzen, um den Baumbestand insgesamt auf einem konstanten Niveau zu erhalten. Bei Neupflanzungen ist zu berücksichtigen, dass ausreichend personelle Ressourcen für Baumpflan- zung, Baumpflege, Bewässerung und Kontrolle zur Verfügung stehen müssen. Dies ist aufgrund der hohen kli- mawandelbedingten Zusatzaufwände im Bereich Baumpflege/ Baumkontrolle derzeit nicht immer durchgängig gewährleistet. Da derzeit die Zahl der Fällungen die der Pflanzungen überschreitet, geht der Bestand an Straßenbäumen aktuell zurück. Die Stadtverwaltung verfolgt das Ziel, diesem Trend im Rahmen vorhandener Ressourcen durch ver- mehrte Pflanzung von Zukunftsbäumen zu begegnen und den Baumbestand auf stabilem Niveau zu halten. 0 20 40 60 80 100 2010201120122013201420152016201720182019202020212022 Umwelt- und Arbeitsschutz | 21 Abbildung 14: Anzahl der Baumpflanzungen und Baumfällungen (nur seit 2016) im Stadtgebiet Karlsruhe. Quelle: Gartenbauamt. 6.4 Begrünungsstandards in Bebauungsplänen (Handlungsfeld Stadtplanung und Städtebau) Ein zentrales Handlungsfeld der Klimaanpassung in Karlsruhe ist das Thema Stadtplanung und Städtebau. Die meisten Maßnahmen, die in diesem Handlungsfeld in der Anpassungsstrategie definiert sind, sind nur schwer in Form von quantitativen Indikatoren zu erfassen. Eine Ausnahme (mit Einschränkungen) ist die Maßnahme „SP-2: Stadtklimatische Aspekte bei Bebauungsplänen“. In einer Auswertung des Gartenbauamts Karlsruhe wurden alle derzeit gültigen Bebauungspläne im Stadtgebiet gemäß ihren Festsetzungen bezüglich Begrünungsstandards beurteilt und in eine von drei Kategorien eingeord- net (Abbildung 15): • Geringe Qualität von Begrünungsstandards: Bebauungspläne ohne konkrete Anforderungen an Begrü- nung • Mittlere Qualität von Begrünungsstandards: Bebauungspläne mit geringfügigen Anforderungen an Be- grünung – meist nur Vorgartendarstellung, ansonsten unbestimmte Grünfestsetzungen • Hohe Qualität von Begrünungsstandards: Bebauungspläne mit einschlägigen Festsetzungen zur Begrü- nung (Fassadenbegrünung, Dachbegrünung, Grünflächen und versickerungsoffene Befestigungen etc.) Abbildung 15: Einstufung der Qualität der Bebauungspläne bezüglich ihrer Festsetzungen zur Grünordnung. Quelle: Gartenbauamt. Anhand des Datums des Inkrafttretens und der jeweiligen Geltungsflächen der derzeit gültigen Bebauungspläne wurde Abbildung 16 erstellt. Für jedes Jahrzehnt (seit 1880) sind die Flächen der in Kraft getretenen (und heute noch gültigen) Bebauungspläne in allen drei genannten Kategorien abgetragen. Aus dieser Auswertung sind fol- gende Schlussfolgerungen möglich: 0 500 1000 1500 2000 2013201420152016201720182019202020212022 BaumpflanzungenBaumfällungen 22 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie 1. Der größte Teil der mit Bebauungsplänen belegten Fläche in Karlsruhe unterliegt Plänen aus den Jahren vor 1980. In den letzten Jahrzehnten wurden weniger Flächen mit Bebauungsplänen geplant als in den 1960ern und 1970ern. 2. Die Begrünungsstandards (aus heutiger Sicht) spielen in den Bebauungsplänen von vor 1970 praktisch keine Rolle. 3. Der Anteil der hochwertigen Bebauungspläne steigt in den letzten Jahren an. Seit den 2010er Jahren sind praktisch nur noch hochwertige Begrünungsstandards in den Bebauungsplänen vorhanden. 4. Die großen Flächen der „alten“ und weiterhin geltenden Bebauungspläne führen aber dazu, dass im Großteil der Siedlungsfläche in Karlsruhe keine Begrünungsstandards aus Bebauungsplänen gelten. Der Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ (Arbeitstitel „Grünsatzung“) ist in dieser Auswertung noch nicht berücksichtigt, da er noch nicht rechtskräftig ist. Bei Inkrafttreten dieses Bebau- ungsplans, der wie ein „grüner Layer“ über die gesamte Innenstadt gelegt werden wird, wird die Fläche der Be- bauungspläne mit qualitativ hochwertigen Begrünungsstandards ungefähr um weitere 200 ha zunehmen. Siehe dazu auch das ausführliche Kapitel in diesem Monitoringbericht (ab Seite 28). Abbildung 16: Fläche der Bebauungspläne die in den jeweiligen Jahrzehnten rechtskräftig wurden (in ha), eingeordnet in Bezug auf Qualität der Festsetzungen zur Grünordnung (drei Stufen). Quelle: Gartenbauamt Karlsruhe. 6.5 Klimatisierung im ÖPNV (Handlungsfeld Verkehr) Im Handlungsfeld Verkehr wird angestrebt, den Anteil der Fahrzeuge im ÖPNV mit Klimatisierung stetig zu erhö- hen (Maßnahme V-1). Abbildung 17 zeigt daher die Anzahl der in Betrieb befindlichen Straßenbahnfahrzeuge pro Jahr (ab 2023 als Planzahlen). Zurzeit (2023) sind knapp die Hälfte der Fahrzeuge im Fahrgastbereich klimati- siert (44%). Die letzten nicht klimatisierten Fahrzeuge werden planmäßig im Jahr 2035 ausgemustert. 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 188018901900191019201930194019501960197019801990200020102020 Fläche der rechtskräftig gewordenen Bebauungspläne in ha Qualität der Festsetzungen zur Grünordnung geringmittelhoch Umwelt- und Arbeitsschutz | 23 Abbildung 17: Anzahl der in Betrieb befindlichen Straßenbahnfahrzeuge (ab 2023 Prognose). In grün eingefärbte Fahrzeugtypen sind im gesamten Fahrgastbereich klimatisiert. Quelle: VBK. 6. Einblicke in aktuelle Projekte und Maßnahmen Im Folgenden werden einzelne Maßnahmen und Projekte detailliert vorgestellt, die beispielhaft für die wichtigs- ten Handlungsfelder der Klimaanpassungsstrategie sind. Die Auswahl der Maßnahmen spiegelt auch wider, wel- che Dienststellen und Ämter schwerpunktmäßig mit den Folgen des Klimawandels und Anpassungsthemen be- fasst sind. Eine steckbriefartige Vorstellung aller Maßnahmen aus der Anpassungsstrategie ist im Anhang zusam- mengestellt. Wichtige Themen sind Hitzevorsorge, Starkregenschutz, Umgang mit Trockenheit. Trotz der beschriebenen Maß- nahmen wird es nicht möglich sein, heiße Orte in der Stadt gänzlich zu vermeiden. Daher sieht die Stadtverwal- tung auch im Umgang mit Hitze eine wichtige Aufgabe. Hier sind vor allem der Hitzeaktionsplan und der „Stadt- plan für heiße Tage“ zu nennen. 6.1 Hitzeaktionsplan (Handlungsfeld Gesundheit, Maßnahmen GE-3 Hitzebewälti- gung: Bedarfserhebung, Angebotsabfrage und Vernetzung mit Multiplikato- ren und GE-8 Konzeption und Erstellung eines Hitzeaktionsplans) Die mit dem Klimawandel einhergehende Zunahme von hei- ßen Tagen, Tropennächten und Hitzeperioden stellt ein Ge- sundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Um die menschliche Gesundheit zu schützen, müssen auf kommunaler Ebene ent- sprechende Präventionsmaßnahmen vorgesehen werden. Diese umfassen unter anderem die Information und Aufklärung der Bevölkerung, den besonderen Schutz vul- nerabler Gruppen in akuten Hitzeperioden, den Ausbau von Trinkwasserangeboten im öffentlichen Raum oder die Nutzung und Kommunikation des Hitzewarnsystems des DWD. Die Maßnahmen werden in einem Hitzeakti- onsplan zusammengefasst, dessen Konzeption und Umsetzung die übergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung und mit vielen weiteren kommunalen Akteur*innen erfordert. Die Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit der Bund/Länder Ad-Hoc-Ar- beitsgruppe „Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ bieten dabei die konzeptionelle An- leitung. Die Idee eines Hitzeaktionsplans für Karlsruhe entstand bereits im Sommer 2018 aus dem Austausch der Ge- meinderät*innen von Karlsruhe und Nancy. Nach der Beratung in mehreren Ausschüssen wurde die Beantra- gung einer Projektförderung von Bund oder Land befürwortet, da die Konzeption und Umsetzung eines Hitzeak- tionsplans zusätzliche personelle und finanzielle Kapazitäten erfordert. Daher bemühte sich der Umwelt- und Arbeitsschutz 2020 um passende Projektpartner*innen und eine Projektfinanzierung im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie. Ergänzend wurden in der Fortschreibung der Klimaanpassungsstrategie 2021 im Handlungsfeld: Gesundheit Federführend: Umwelt- und Arbeitsschutz Beteiligt: zahlreiche Dienststellen 24 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Handlungsfeld Gesundheit (GE) die Maßnahmen „GE-3 Hitzebewältigung: Bedarfserhebung, Angebotsabfrage und Vernetzung mit Multiplikatoren“ und „GE-8 Konzeption und Erstellung eines Hitzeaktionsplans“ eingefügt. Die Förderung durch den Bund wurde nach zweijähriger Antragsbegutachtung 2022 bewilligt, so dass im No- vember 2022 das Projekt „Plan °C (Verbund - DAS: Anwendung der Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen in der kommunalen Praxis)“ starten konnte. Die inhaltliche Projektarbeit begann im Feb- ruar 2023 (Foto vom Auftaktworkshop siehe Abbildung 18). Der Projektname Plan °C nimmt zum einen Bezug auf die französische Hitzeaktionsplanung, den „Plan Cani- cule“. Zum anderen verweist das Grad Celsius Zeichen °C auf die Hitzethematik. Plan °C ist ein Verbundprojekt der Stadt Karlsruhe gemeinsam mit der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Die beiden Städte erarbeiten jeweils einen eigenen passgenauen kommunalen Hitzeaktionsplan inklusive Festlegung von Zuständigkeiten, Kommunikations- und Organisationsabläufen und Auslösekriterien (vor dem Sommer, vor und während einer Hitzewelle). Das Difu begleitet die Prozesse und ist vor allem für den Transfer der Erkenntnisse in andere Kommunen zuständig. Abbildung 18: Logo des Projekts Plan °C sowie Eindruck vom Auftaktworkshop des Projekts Plan °C. Quelle: Umwelt- und Arbeitsschutz. Die Arbeit in Karlsruhe gliedert sich in drei Projektphasen: die Sammlung von Akteur*innen und bestehenden Aktivitäten in der Hitzevorsorge in Karlsruhe, aus denen dann Bedarfe und Lücken abgeleitet werden, um in der dritten Phase zielgerichtet Maßnahmen für den Hitzeaktionsplan entwickeln zu können. Die Projektförderung läuft unter dem Begriff „kommunales Leuchtturmprojekt“ der Deutschen Anpassungsstra- tegie, was die innovativen Ansätze hervorhebt. Bislang erfolgt die Hitzeaktionsplanung in Deutschland aus- schließlich auf Eigeninitiative der Städte. Wichtiges Element des Projekts Plan °C ist daher der Austausch mit an- deren Städten in Deutschland, um von bestehenden Erfahrungen zu lernen. Darüber hinaus wird der Blick nach Frankreich gerichtet, wo seit der Hitzewelle 2003 eine zentral organisierte Hitzeaktionsplanung existiert. Innerhalb der Stadtverwaltung Karlsruhe werden unter anderem folgende Stellen zur Erstellung des Karlsruher Hitzeaktionsplans eingebunden: Umwelt- und Arbeitsschutz (Fachbereich Klima, Fachbereich Umweltpädagogik, Kommunale Gesundheitsförderung), Sozial- und Jugendbehörde (Kitas, Kinderbüro, Seniorenbüro, Stadtteilkoor- dination, Sozialer Dienst), Schul- und Sportamt, Ordnungsamt (Heimaufsicht), Branddirektion (Katastrophen- schutz), Stadtwerke Karlsruhe (Trinkwasser). Außerhalb der Stadtverwaltung Karlsruhe werden neben dem Gesundheitsamt des Stadt- und Landkreises Karls- ruhe ehrenamtliche Gruppen wie die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine oder Health for Future/ Klug e.V. vor allem Akteur*innen aus dem Sektor der Sozial-, Pflege- und Wohlfahrtsverbände eingebunden. Darüber hinaus wurden der Arbeitsausschuss Ältere Generationen, der Stadtseniorenrat und weitere Gremien informiert und Feedback zum aktuellen Sachstand des Projekts eingeholt. Die konkrete Maßnahmenentwicklung und Umsetzung derselben wird die Mitarbeit zahlreicher Dienststellen be- nötigen und muss entsprechend mit personellen und finanziellen Ressourcen hinterlegt werden, um eine umfas- sende Hitzevorsorge für die Karlsruher Bevölkerung leisten zu können. Umwelt- und Arbeitsschutz | 25 6.2 Stadtplan für heiße Tage (Handlungsfeld Übergreifendes, Maßnahme Ü-5: Neue Informationsformate zu Themen der Klimaanpassung vor Ort) Trotz aller Bemühungen, Hitzebelastungen in der Stadt zu mi- nimieren, wird es nicht möglich sein, in einer baulich verdich- teten und wachsenden Stadt alle öffentlichen Räume bei ho- hen Außentemperaturen ausreichend kühl zu halten. Daher ist es an heißen Tagen besonders wichtig, auf Orte in der Stadt hinzuweisen, an denen der Aufenthalt auch bei Hitze angenehm bleibt und weitere Tipps zum hitzeangepassten Verhalten im Alltag zu geben. Dafür hat der Umwelt- und Arbeitsschutz gemeinsam mit anderen Dienststellen der Stadt Karlsruhe im Sommer 2021 den „Stadtplan für heiße Tage“ erstellt. Der Stadtplan zeigt attraktive Orte in Karlsruhe, die an heißen Tagen Abkühlung bieten und vermittelt auf positive und aktivierende Art und Weise Informationen und Handlungsempfehlungen zum Verhalten während einer Hitzeperiode. Der Stadtplan zeigt die Standorte von folgenden Orten und Einrichtungen im Stadtgebiet Karlsruhe: Grünflä- chen, Waldflächen, Spielplätze, Bänke und Bäume (nur online, beim hineinzoomen), Schwimmbäder, Wasser- spiele und Brunnen, Trinkwasserbrunnen, Refill-Stationen, 5 Kirchen, Museen, Bibliotheken, „nette Toiletten“. 6 Diese Orte zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus: • sie bieten an heißen Tagen Abkühlung oder Wasser • sie sind öffentlich und fast alle kostenlos erlebbar • sie sind in ausreichender Anzahl in der Stadt vorhanden • ihre Geodaten sind der Stadt bekannt Diese Auswahl zeigt eine breite Palette von Möglichkeiten, wie man sich auch an heißen Tagen in der Stadt Karlsruhe hitzeangepasst verhalten kann. Neben der Stadtkarte mit den kühlen Orten enthält der Stadtplan für heiße Tage aber auch hilfreiche Tipps und Handlungsempfehlungen für gesundheitsbewusstes Verhalten im All- tag während einer Hitzeperiode. Hier wird besonderer Wert auf das Thema Trinken gelegt und auf das ausge- zeichnete und klimaneutrale Karlsruher Trinkwasser hingewiesen. Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, der Karlsruher Bevölkerung und den Besucher*innen der Stadt zu zeigen, dass es einfach und angenehm sein kann, sich hitzeangepasst zu verhalten und dass die Stadt auch in der heißen Jahreszeit attraktive Orte zu bieten hat. Als Zielgruppe werden vor allem die folgenden Personengruppen gese- hen: • die ältere Generation • Familien mit Kindern/Kleinkindern • Menschen, die regelmäßig (zum Beispiel beruflich) viel draußen unterwegs sind • Menschen, die gerne in der Innenstadt verweilen (für Spaziergänge, Einkaufsbummel, ...) • Tourist*innen und Besucher*innen • Einwohner*innen, die kühle Orte in der Umgebung ihres Wohn- oder Arbeitsortes suchen Der Stadtplan ist auf diversen Kanälen verfügbar - sowohl als ansprechende online-Storymap beispielsweise für mobile Endgeräte, als auch seit Sommer 2023 in klassischer Papierform (siehe Abbildung 19). Gerade in Hinblick auf die Zielgruppe (ältere Generation und Tourist*innen) ist die Papierversion von großer Bedeutung. Eine zu- sätzliche Version in Leichter Sprache wird derzeit erstellt. 5 Refill-Stationen sind Geschäfte, Cafés oder Restaurants, die bereit sind, Trinkwasserflaschen kostenlos aufzufüllen. Aus rechtlichen Gründen sind diese Orte nicht direkt in der Karte enthalten. Sie werden aber im Text erklärt und die Standorte werden über eine externe Seite angezeigt. 6 „Nette Toiletten“ sind öffentlich zugängliche Stellen wie Cafés oder Restaurants, an denen eine Toilette der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Sie sind auch am Logo der „Netten Toilette“ in der Nähe des Eingangs erkennbar. Toiletten sind deswegen enthalten, weil im Stadtplan an verschiedenen Stellen dazu aufgefordert wird, viel zu trinken. Gerade ältere Menschen trinken aber bei Ausflügen in die Stadt oft nicht ausreichend, weil sie befürchten, keine saubere Toilette zu finden. Handlungsfeld: Übergreifendes Federführend: Umwelt- und Arbeitsschutz Beteiligt: Liegenschaftsamt Amt für Informationstechnik und Digitalisierung 26 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 19: Stadtplan für heiße Tage als Print-Version Der Faltplan wurde im Sommer 2023 in Bürgerbüros, Rathäusern, Touristinformationen und anderen relevanten Stellen ausgelegt und aktiv an die Zielgruppe verteilt. Zum Beispiel war der Umwelt- und Arbeitsschutz beim FEST 2023 mit einem Stand vertreten und hat dort unter anderem Stadtpläne für heiße Tage verteilt. Ein Informationsangebot wie der Stadtplan für heiße Tage funktioniert vor allem dann, wenn es gut bekannt ist. Die Stadtverwaltung versucht daher, insbesondere an heißen Tagen den Stadtplan möglichst großflächig be- kannt zu machen. Dazu wurden und werden die folgenden Aktionen durchgeführt: • Erstellung eines zweiminütigen Films, Veröffentlichung auf karlsruhe.de („Was tun an heißen Tagen?“) und Youtube (Screenshots siehe Abbildung 21). • Kurz-Werbespot im Fahrgast-TV der Karlsruher Stadtbahnen in den Sommermonaten. Der Spot basiert auf einer gekürzten Fassung des Films. • Temperaturabhängige, großflächige digitale Displays in den U-Bahnhöfen der Innenstadt: Wenn die Ta- gestemperatur über 28°C steigt, wurde im Sommer 2023 an zentralen U-Bahnhöfen der Stadtbahnen ein großformatiges Werbedisplay eingeblendet. • Erstellung und Verteilung von Visitenkarten mit dem QR-Code zum online-Stadtplan. Die Karten werden bei diversen Veranstaltungen zum Thema Gesundheit, Klimawandel oder Trinken verteilt. • Verlinkung auf den Internetseiten von karlsruhe.de • Pressemitteilungen am Anfang des Sommers • Verteilung der Print-Version des Stadtplans auf dem FEST 2023 Im Sommer 2022 haben diese Maßnahmen dazu geführt, dass die Storymap bis zu 1100 mal pro Monat aufge- rufen wurde. Im Sommer 2023 waren die monatlichen Zugriffszahlen sogar noch höher, mit über 1300 Nut- zer*innen im Juli 2023 (Abbildung 20). Im Sommer 2023 wurden zudem über 1300 Stadtpläne in der Print-Ver- sion kostenlos an Bürgerinnen und Bürger verteilt. Umwelt- und Arbeitsschutz | 27 Abbildung 20: Stadtplan für heiße Tage: Anzahl der eindeutigen Zugriffe auf die online-Version (karlsruhe.de/kuehle-orte). Quelle: Liegenschafts- amt Karlsruhe. Abbildung 21: Stadtplan für heiße Tage: Screenshots aus dem 2-minütigen Werbefilm. Quelle: Stadt Karlsruhe. 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 Mai 22 Jun 22 Jul 22 Aug 22 Sep 22 Okt 22 Nov 22 Dez 22 Jan 23 Feb 23 Mrz 23 Apr 23 Mai 23 Jun 23 Jul 23 Anzahl eindeutiger Zugriffe Stadtplan für heiße Tage (online) 28 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie 6.3 Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ (Handlungsfeld Stadtgrün, Maßnahme SG-6 Grünsatzung (ehemaliger Ar- beitstitel) Grünstrukturen stellen bedeutende Elemente einer klimaange- passten Stadtentwicklung dar. Ein wichtiges Anliegen ist da- her die nachhaltige Sicherung, Weiterentwicklung und Neu- schaffung von Frei- und Grünräumen als kühlende Inseln in ei- ner überwärmten Stadt. Abbildung 22: Beispiel für Hofbegrünung. Quelle: Gartenbauamt. Unter dem Arbeitstitel „Grünsatzung“ bilden Bebauungspläne zur Grünordnung und Klimaanpassung einen Baustein in der Klimaanpassungsstrategie der Stadt Karlsruhe. Sie wurden aus dem Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung (Maßnahme SP-4) abgeleitet. Das Ziel ist, die Hitzebelastung im Sommer bei einer weiter stei- genden Erwärmung zu reduzieren und damit erträglich zu halten. Mit dem Instrument des Bebauungsplanes werden Maßnahmen zur Begrünung und Entsiegelung auf privaten Grundstücken geregelt. Planungsziele Der Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung" soll Grünstrukturen sichern, entwickeln und vermeh- ren. Stadtgrün kühlt durch Verschattung und durch Verdunstung des in den Pflanzen gespeicherten Wassers. Vor dem Hintergrund der wahrscheinlich zunehmenden Starkregenereignisse ist ein weiteres Ziel der verbesserte Rückhalt von Regenwasser. Durch die Ausweitung von Versickerungsflächen soll die Stadt widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels werden. Über den Bebauungsplan greifen folgende Maßnahmen bei Neuanlagen und Sanierungen: • Fassaden- und Dachbegrünung sowie Begrünung von Nebengebäuden, unterbauten Flächen und Tief- garagen • Gebot der Minimierung der Inanspruchnahme von Flächen und Minimierung der Bodenversiegelung • Begrünungs- und Pflanzgebote auf den nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke Handlungsfeld: Stadtplanung Federführend: Stadtplanungsamt Beteiligt: Gartenbauamt Umwelt- und Arbeitsschutz Umwelt- und Arbeitsschutz | 29 Abbildung 23: Beispiel für Fassadenbegrünung. Quelle: Gartenbauamt. Verpflichtungen aus dem Bebauungsplan Die Maßnahmen zur Begrünung und Entsiegelung werden mit dem Instrument des Bebauungsplans geregelt. Sie gelten für die Grundstücke, auf denen Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Eigentü- merinnen und Eigentümer werden damit verpflichtet, die Freiflächen ihres Grundstücks entsprechend der Rege- lungen des Bebauungsplanes zu gestalten. Sie sollen vorhandenes Grün sichern, neue Pflanzflächen mit Bäumen und Sträuchern anlegen, die Befestigung des Grundstückes auf ein erforderliches Mindestmaß reduzieren und diese wasserdurchlässig gestalten. Außerdem müssen die Fassaden (Fassadenbegrünung siehe Abbildung 23) und geeignete Dächer der Gebäude (Dachbegrünung siehe Abbildung 24) und Nebenanlagen (Hofbegrünung siehe Abbildung 22) begrünt werden. Abbildung 24: Beispiel für Dachbegrünung mit Photovoltaik. Quelle: Gartenbauamt. Das Planverfahren Mit dem Titel „Grünordnung und Klimaanpassung für die Innenstadt-West und die Innenstadt-Ost“ ist der erste Bebauungsplanentwurf in die Beteiligung der Öffentlichkeit gegangen. Die Karlsruher Innenstadt mit ihren dicht bebauten und stark versiegelten Quartieren dient als Pilot (siehe Abbildung 25, die Fläche des beplanten Gebiets beträgt ca. 200 ha). Hier besteht ein erheblicher Bedarf, da der sogenannte Wärmeinseleffekt besonders stark ausgeprägt ist und kühlende Grünstrukturen kaum vorhanden sind. Der Bebauungsplan wird ergänzend zu den bestehenden Bebauungsplänen aufgestellt. Er liegt wie ein „grüner Layer“ über den bestehenden Regelungen. Mit seinen Anforderungen gilt er auch in Gebieten, für die keine Be- bauungspläne vorhanden sind. In diesen Gebieten gab es bisher keine konkreten Regelungen zur Ausgestaltung der Grundstücke. Ergänzungen von Gebäuden mussten sich bisher lediglich in „die Eigenart der umgebenden Gebäude einfügen“, also sich an die bestehende Art und das Maß der Nutzung sowie die vorhandene Bauweise anlehnen. 30 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Abbildung 25: Geltungsbereich Bebauungsplan. Quelle: Stadtplanungsamt. Ausblick Nach Auswertung der Erfahrungen aus dem Verfahren sollen weitere Stadtteile und mittelfristig die ganze Stadt entsprechend des Bebauungsplanes „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ überplant werden. Bereiche, in denen besonders hochwertige Grünstrukturen gesichert werden müssen, sollen über separate klein- flächige Bebauungspläne ausgewiesen werden. 6.4 Starkregenrisikomanagement (Handlungsfeld Stadtentwässerung, Maßnahme EW-4: Stadtweite Ermittlung der potenziellen Überflutungsgefährdung im Falle extremer Starkniederschläge) Der Klimawandel und daraus resultierende extreme Wetterer- eignisse sind in den letzten Jahren immer mehr in das Be- wusstsein der Öffentlichkeit getreten. Vor allem die schockie- renden Nachrichten über die Hochwasserkatastrophe in Rhein- land-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vom Juli 2021 haben deutlich gemacht, dass der Hochwasserschutz und Umgang mit Starkregenereignissen zu den zentralen Aufgaben von Kommunen zählen. Die Stadt Karlsruhe stellt sich schon seit vielen Jahren dieser Herausforderung. Zahlreiche Projekte wur- den bereits umgesetzt, doch es gibt auch in Zukunft noch ei- niges zu tun. Schutz und Vorsorge bleiben Daueraufgaben. Dies betrifft sowohl den Hochwasserschutz an den Fließge- wässern Rhein und Alb als auch die Vorsorgemaßnahmen ge- gen lokale Starkregenereignisse. Der Hochwasserschutz an der Alb spielt für Karlsruhe eine be- sondere Rolle. Im Zuge der Aktualisierung der Hochwasserstatistik und fortschreitender klimatischer Veränderun- gen wurde deutlich, dass das in den 1980er Jahren errichtete Hochwasserschutzsystem der Alb heute nicht mehr ausreichend ist. Daher planen die Städte Ettlingen und Karlsruhe seit mehreren Jahren gemeinsam die Wieder- herstellung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes an der Alb. Unter anderem wurde entschieden, ein Rückhal- tebecken oberhalb von Ettlingen inklusive kleinerer Anpassungsmaßnahmen bei den Zuleitungen und Rückhalte- räumen auf der Gemarkung Karlsruhe am Erlengraben und im Weiherwald zu bauen. Der Planfeststellungsan- trag wurde im September 2022 beim Landratsamt eingereicht. Zur Information und Aufklärung der Bevölkerung gibt es für Flusshochwasser Hochwassergefahren, die auf den Webseiten der Stadt einsehbar sind (Beispiel siehe Abbildung 26). Handlungsfeld: Stadtentwässerung Federführend: Tiefbauamt Beteiligt: Umwelt- und Arbeitsschutz Zentraler Juristischer Dienst Stadtplanungsamt Hochbau und Gebäude- wirtschaft Stadtwerke Ordnungsamt Forstamt Branddirektion Liegenschaftsamt ... und andere Umwelt- und Arbeitsschutz | 31 Abbildung 26: Hochwassergefahrenkarte (Ausschnitt vom Bereich Grötzingen). Quelle: Hochwassergefahrenkarte Karlsruhe, https://geopor- tal.karlsruhe.de/buergergis/index.html?webmap=d831335164d64eceb57d73319ce063c0. Neben den Hochwasserereignissen an den Fließgewässern sind die Starkregenereignisse eine besondere Heraus- forderung. Erstens, weil sie praktisch jedes Grundstück treffen können und nicht nur in der Nähe von Flüssen oder Bächen auftreten können – und zweitens, weil sie nur sehr schwer vorhersehbar sind. Die Vorwarnzeit kann unter Umständen sehr gering sein – etwa wenn eine große Gewitterzelle über der Stadt steht und in kurzer Zeit hohe Niederschlagsmengen auf stark versiegelte Flächen niedergehen. In diesen Fällen sind oft sehr kleinteilige Geländestrukturen für die lokale Überflutungsgefahr entscheidend. Das ist einer der Gründe, warum es bisher keine öffentliche Gefahrenkarte für die Gefahr durch Starkregen gibt. Das Land Baden‐Württemberg hat sich daher zum Ziel gesetzt, dass landesweit durch die vom Land geförderten Kommunen einheitliche Handlungskonzepte für ein Starkregenrisikomanagement (SRRM) erstellt werden. Vo- raussetzung für die Landesförderung ist eine Umsetzung nach Vorgaben des Landes auf Basis eines hierfür er- stellten Leitfadens. Der Leitfaden „Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden‐Württemberg“ hat das Ziel, den verantwortlichen Entscheidungsträger*innen der Kommunalverwaltung ein landesweit einheitliches Verfahren zur Verfügung zu stellen. Der Leitfaden enthält Informationen und Anleitungen zur Durchführung ei- ner Gefährdungs‐ und Risikoanalyse in Bezug auf Starkregen und bildet damit die Grundlage für eine effektive Schadensreduzierung. Das Starkregenrisikomanagement ist ein wichtiges und effektives Instrument, um Vorsorgemaßnahmen zu pla- nen und umzusetzen. Das können z. B. bauliche Maßnahmen sein, die Wasser außerhalb von Ortschaften zu- rückhalten oder einen zügigen, möglichst schadensfreien Abfluss innerorts ermöglichen, oder auch der Schutz von Gebäuden durch bauliche Veränderungen. Zu einem integrativen Managementkonzept gehören außerdem Maßnahmen zur Verbesserung des Risikobewusstseins, die umfassende Information und Beratung der potenziell betroffenen Bürger sowie die Anpassung und Verbesserung der Einsatzplanung im Ernstfall. Auf dieser Basis hat die Stadtverwaltung Karlsruhe im Jahr 2022 die Arbeiten im SRRM nach dem Leitfaden be- gonnen. Zunächst wird eine qualifizierte Grundlage zur Bewertung der starkregenbedingten Überflutungsgefah- ren und des Überflutungsrisikos erarbeitet. Darauf aufbauend wird ein ganzheitliches kommunales Handlungs- konzept zur Minderung von Überflutungsschäden durch Starkregen erstellt werden. Die Arbeiten werden gemäß dem Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden‐Württemberg und den darin vorgegebenen methodischen Standards durchgeführt. Die Entwicklung des kommunalen Starkregenrisikomanagementkonzepts vollzieht sich hiernach in drei Stufen: 1. Hydraulische Gefährdungsanalyse: Ergebnis sind die veröffentlichten Starkregengefahrenkarten 2. Risikoanalyse 3. Handlungskonzept zum Starkregenrisikomanagement Im Februar 2022 wurde eine dauerhafte kommunale Lenkungsgruppe Starkregen innerhalb der Stadtverwaltung gebildet. Zunächst lagen die Schwerpunkte in der Ausschreibung und Vergabe der Ingenieurleistungen für ein 32 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie vollständiges und flächendeckendes SRRM. Zwischenzeitlich wurde der Auftrag vergeben und die Arbeiten an der Gefährdungsanalyse haben begonnen. 6.5 Der Karlsruher Stadtwald im Klimawandel (Maßnahme W-1: Umsetzung des Konzepts zur Klimaanpassung für den Stadtwald) Stadtwald im Klimawandel Viele Bäume zeigen nach den vergangenen Jahren mit bestän- digen und ungewöhnlichen Hitze- und Dürreperioden auffäl- lige Laubverluste, Blattverfärbungen, abgestorbene Äste oder Kronenteile, beispielsweise am Turmberg. Einzelne Bäume sind bereits abgestorben. Die Buche ist besonders betroffen. Bei vielen Buchen ist unab- hängig vom Alter der Bäume eine geringere Belaubung festzustellen. Die Kronenstruktur der Buche kann nach einem Blattverlust, wie zum Beispiel im Hitzesommer 2022, nicht schnell neu nachgebildet werden und führt damit auch längerfristig zu einer verringerten Belaubung und abgestorbenen Ästen im Kronenraum, die häufig deutlich und weit sichtbar sind. Absterbende Kronen, nicht ausreichend belaubte Äste, abgeplatzte Rinde oder Schleimfluss (Sonnenbrand) – auch Insektenbefall und Pilze setzt den Buchen erheblich zu. Von Dürre geschwächte Bäume werden leicht Opfer vom Kleinen Buchenborkenkäfer oder Buchenprachtkäfer, wovon sie sich oft kaum erholen können. Neben der Dürre kann auch Blattfraß, etwa durch Raupen verschiedener Schmetterlingsarten wie Schwammspinner und Frostspanner, oder durch Rüsselkäfer wie der Springrüssler, die Buchen für einen Befall rindenbrütender Käfer anfällig machen. Insgesamt verstärken Pilz- und Käferbefall den ohnehin trockenheitsbe- dingten Schaden der Buchen. Krankheitserreger, welche in der Rinde und im Holz der Bäume leben, können ihr Schadpotenzial dadurch besser entwickeln, da dem geschwächten Baum die Widerstandskräfte fehlen. Die Schäden führen kurzfristig zu einer Schwächung des Baumes und mittel- und langfristig immer häufiger auch zu einem Absterben der Buche. Absterbende Äste und Kronenteile brechen aus der Krone und können damit ebenso wie absterbende Bäume an Straßen und Erholungseinrichtungen auch weitere Schäden verursachen. Nicht zuletzt stellen sie eine Gefährdung für Waldbesuchende dar. Naturverjüngung vertrocknet – eine Verschiebung der Lebensräume Seit 2018 sind verstärkt Absterbeerscheinungen infolge von Trockenheit auch in natürlich verjüngten Buchen zu beobachten. Nach langer Sommertrockenheit kann reichlich gefallener Niederschlag wieder zu günstigen Wachs- tumsbedingungen und so zu erneuten Triebbildungen führen, aber diese sind sehr frostanfällig. Der Lebensraum der Baumarten wird überwiegend durch Temperatur, Niederschlag und dessen zeitliche Verteilung bestimmt. Mit der Erwärmung und dem vermehrt ausbleibenden Niederschlag insbesondere der letzten Jahre wird es für Buche in Karlsruhe zunehmend zu trocken. Die im Stadtwald zu beobachtenden Absterbeerscheinungen sind auf die anhaltenden und wiederkehrenden klimatischen Extrema und einem für die Buche zunehmend ungünstiger wer- denden Lebensraum zurückzuführen. Bäume wandern und verlassen damit ihr angestammtes Verbreitungsgebiet. Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.500 Jahren sind die heutigen Bäume sehr langsam eingewandert. Die Wanderung erfolgt durch die Ver- breitung ihrer Früchte und Samen. Baumarten mit schweren Samen, wie Buche oder Eiche wandern sehr langsam, während Fichte, Lärche, Tanne oder Birke dank leichter und flugfähiger Samen größere Distanzen im selben Zeit- raum zurücklegen können. Dies ist ein Vorteil, wenn aufgrund des Klimawandels der aktuelle Standort zu trocken und zu heiß wird. Die Umweltbedingungen verändern sich aktuell jedoch so schnell, dass die natürliche Wande- rungsbewegung von Bäumen viel zu langsam abläuft, um mit der Verschiebung der klimatischen Lebensräume nach Norden Schritt zu halten. Klimaanpassung – Wie können wir die Entwicklung eines klimafitten Stadtwaldes unterstützen? Die Richtung der Klimaänderung wird seit dem Jahr 2018 besonders deutlich. Sommerliche Hitze- und Trocken- perioden treten immer öfter auf und fallen zunehmend intensiver aus. Die aktuellen Schadereignisse sind daher erst der Anfang einer kontinuierlichen andauernden Entwicklung. Auch einzelne feuchtere Phasen in einzelnen Jahren verändern den grundlegenden Trend nicht. Handlungsfeld: Wald und Forstwirtschaft Federführend: Forstamt Beteiligt: Umwelt- und Arbeitsschutz ... und andere Umwelt- und Arbeitsschutz | 33 Daher sind aktive Maßnahmen zur Anpassung des Stadtwaldes an die sich verändernden naturräumlichen Gege- benheiten zur Erhaltung der Leistungen des Waldes dringend notwendig. Welche Bäume kommen mit dem Kli- mawandel zurecht? Welche Rolle spielen verschiedene Herkünfte einer Baumart? Und woher können wir zukunfts- fähiges Saatgut beziehen? Dies sind zentrale Fragen bei der Anpassung des Karlsruher Stadtwaldes. Genetische Vielfalt ist die Grundlage für die Anpassungsfähigkeit von Pflanzen. Diese Anpassungsfähigkeit wiede- rum ist ein ganz entscheidender Faktor für Waldbäume, zumal beim aktuellen Tempo des Klimawandels. Es reicht daher nicht, ausschließlich die Frage der Baumarteneignung zu klären. Denn auch innerhalb der Arten gibt es eine große Vielfalt, die durch die Anpassung an verschiedene Standorte zustande kam. Ein gutes Beispiel dafür sind Eichen – europaweit, aber auch in Karlsruhe gibt es Eichen auf ganz unterschiedlichen Standorten mit entspre- chend unterschiedlichen Eigenschaften. Einige davon kommen in den aktuellen Hitzephasen besser zurecht als andere, was im Stadtwald deutlich sichtbar ist. Wichtig sind daher Saatgutquellen für einen klimafitten Stadtwald der Zukunft. Bei Eichen beispielsweise kann es bis zu 100 Jahren dauern, bis diese mit der Fruchtbildung beginnen und zu einer natürlichen Verjüngung einer neuen Waldgeneration beitragen können. Samenbäume klimastabiler Arten sind daher zu erhalten, in ihrer Kro- nenausbildung zu fördern und bis zu ihrem natürlichen Zerfall in den Waldbeständen zu erhalten. Fehlt die ge- wünschte Diversität in der Verjüngung, werden zukunftsfähige Samenbäume auch gepflanzt oder gesät. Seltene Baumarten oder Alternativbaumarten wie Spitzahorn, Feldahorn, Sommerlinde, Flatterulme, Hainbuche, Flaumeiche oder Zerreiche, deren Bedeutung im Klimawandel zunehmen wird, werden in kleinen Gruppen auf geeigneten Standorten im Stadtwald aktiv durch Pflanzung oder Saat eingebracht. Auch nichtheimische Baumar- ten und ihre Entwicklung und Anpassung an die sich verändernden Temperaturen und Niederschläge, wie zum Beispiel die Roteiche, die bereits seit über zwei Jahrhunderten in unseren Wäldern wachsen, werden intensiv beo- bachtet und ihre natürliche Ausbreitung und Konkurrenz zu heimischen Arten analysiert, genauso wie die Toleranz gegen Pathogene, zum Beispiel beim Eschentriebsterben. Maßnahmen im Dauerwald Bereits seit vielen Jahrzehnten lassen sich die Förster*innen des Forstamtes der Stadt Karlsruhe in vielen Waldbe- ständen von den Handlungsprinzipien der naturnahen Waldentwicklung leiten, um Risiken zu reduzieren. So wird beispielsweise auf eine standortgerechte Baumartenzusammensetzung, auf Naturverjüngung und auf vielfältige Waldstrukturen gesetzt. Dabei zielten diese Handlungsprinzipien darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Störungen (Resistenz) zu erhöhen, wie auch ihre Fähigkeit, nach Störungen rasch wieder zum er- wünschten Zustand zurückzukehren (Resilienz). Angesichts der sich rasch verändernden klimatischen Rahmenbe- dingungen kommt seit einigen Jahren verstärkt auch die Förderung der Anpassungsfähigkeit an das sich ändernde Klima hinzu. Im Dauerwald werden Bäume einzeln oder in kleinen Gruppen geerntet, was zu einer ungleichförmigen Wald- struktur und zur steten Walderneuerung auf kleiner Fläche führt. Die Erhöhung der Baumartenvielfalt mit zu- kunftsfähigen Arten steht auch im Dauerwald verstärkt im Fokus, da diese Art der Waldentwicklung in Karlsruhe besonders die Schatten- und Halbschattenbaumarten Buche und Tanne fördert, für die das Klima in Karlsruhe zunehmend ungünstiger wird. Die Baumartenvielfalt lässt sich im Dauerwald erhöhen, wenn sich dichte, dunkle Partien mit lichten Lücken abwechseln, in denen klimastabilere Lichtbaumarten, wie zum Beispiel Eichen sich ent- wickeln. Dies wird mit einer räumlichen Variation von Maßnahmen erreicht. Dazu zählen: 1. Erhöhung der Baumartenvielfalt mit zukunftsfähigen Arten, da Mischbestände störungs- und stressresis- tenter sind, sich nach Störungen rascher erholen und gegen ungewisse zukünftige Bedingungen besser abgesichert sind als Reinbestände; 2. Erhöhung der Strukturvielfalt, da reich strukturierte Wälder weniger störungsanfällig sind und sich dank vorhandener Vorverjüngung mit vielen verschiedenen Baum- und Straucharten rascher von Störungen erholen; 3. Erhöhung der genetischen Vielfalt, da sie die Anpassungsfähigkeit der jeweiligen Baumart an das sich verändernde Klima fördert; 4. Erhöhung der Stabilität der Einzelbäume, da großkronige stabile Bäume weniger anfällig sind und Tro- ckenphasen besser überstehen als gleichaltrige kleinkronige Bäume. Die Vielfalt der Ausgangssituationen – Standorte, Baumarten, Bestandsstruktur, erwartete Waldleistung (Erholung, Schutz und auch mit nachrangiger Bedeutung Holznutzung) usw. – erfordert maßgeschneiderte Anpassungsmaß- nahmen für jeden einzelnen Bestand. Nur so bestehen trotz aller Unsicherheit gute Aussichten, die sich aus dem Klimawandel ergebenden Risiken für die Waldleistungen zu verteilen und zu mindern und sich bietende Chancen zu nutzen. Die Anpassung des Stadtwaldes, um diesen fit für die Zukunft zu machen, wird langwierig, aufwändig und teuer – eine Generationenaufgabe, die heute beginnen muss, um den Wald von übermorgen aktiv zu gestalten. Diese 34 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie neue Zusatzaufgabe ist aber ebenso wichtig, wie die im Umfang stark zugenommene Klimaschadensbeseitigung im Rahmen der Verkehrssicherung. 7. Fazit Der vorliegende Monitoringbericht gibt einen detaillierten Einblick in die Entwicklung und Auswirkungen des Kli- mawandels in der Stadt Karlsruhe, sowie in den aktuellen Stand der Umsetzung der Karlsruher Klimaanpassungs- strategie. Die Betroffenheit durch den Klimawandel ist in der Stadt inzwischen immer stärker sichtbar und beispielsweise in Form von häufigen, ausgedehnten und extremen Hitzewellen sowie langen Trockenperioden für alle Bewohne- rinnen und Bewohner deutlich spürbar. Doch nicht nur die subjektive Wahrnehmung legt nahe, dass die Stadt immer stärker vom Klimawandel betroffen ist. Die messbaren Daten über Temperaturentwicklung, trockenheits- bedingte Baumschäden, Einsätze der Feuerwehr wegen Extremwetterlagen und andere Phänomene sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Die bereits im Monitoringbericht der Klimaanpassungsstrategie 2021 aufge- zeigten Entwicklungen haben sich dabei fortgesetzt. Die bereits eingetretenen Schäden und Kosten durch den Klimawandel sowie die zu erwartenden Effekte verdeutlichen, dass Anpassung an die Folgen des Klimawandels in allen Handlungsfeldern sehr dringend und unabdingbar ist, um die Auswirkungen beherrschbar zu halten. Die lokale Anpassung ist dabei der Schlüssel. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stadtverwaltung in Bezug auf Wissensgrundlagen und organisatori- sche Strukturen in den meisten Fällen gut bis sehr gut aufgestellt ist, um die Herausforderung Klimaanpassung anzugehen. Zudem zeigt sich innerhalb der Verwaltung ein hohes Maß an Engagement, die Aufgabe der Klima- anpassung im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten zu bewältigen und zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen einzuwerben, auch wenn diese zeitlich befristet sind. Bei der Gesamtbetrachtung des aktuellen Umsetzungsstandes der 76 Maßnahmen sind folgende Schlussfolge- rungen zu ziehen: Die Verwaltung setzt die Anpassungsstrategie kontinuierlich in zahlreichen Bereichen um. Seit 2021 wurden für viele Maßnahmen Fortschritte erzielt, wie die Steckbriefe der einzelnen Maßnahmen zeigen. Der Umsetzungs- stand der Einzelmaßnahmen hat sich in der Summe gegenüber 2021 deutlich verbessert. Mitarbeitende in ver- schiedenen Dienststellen haben Drittmittel in beträchtlichem Umfang eingeworben, um innovative Anpassungs- projekte zu starten. Viele weitere Maßnahmen laufen implizit „im Tagesgeschäft“, ohne gesondert mit „Klima- anpassungsmaßnahme“ tituliert zu sein. Zentrale Maßnahmen, die in den letzten beiden Jahren erfolgreich umgesetzt oder initiiert wurden, sind bei- spielsweise der Start des Hitzeaktionsplans, die Arbeit am Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“, die öffentlichkeitswirksame Informationen zum Umgang mit Hitze, und das Starkregenrisikoma- nagement. Der Großteil der untersuchten Maßnahmen ist gemäß der Selbstauskunft der zuständigen Dienststellen entwe- der vollständig umgesetzt, als Daueraufgabe fest etabliert oder in der Umsetzung weit fortgeschritten. Nur ein geringer Anteil der beschlossenen Maßnahmen wurde bisher nicht gestartet. Allerdings zeigt eine genauere Ana- lyse auch: Die Maßnahmen, die bereits weit in der Umsetzung sind, sind oftmals sogenannte „ohnehin-Maßnah- men“ – also solche Projekte oder Aufgaben, bei denen sich die Klimaanpassung als zusätzlicher Aspekt in das Aufgabenspektrum der Dienststellen integrieren lässt. Neue Maßnahmen, die einen wesentlichen Beitrag zur Minderung von Klimafolgen leisten könnten, aber zusätzlich zum bisherigen Aufgabenspektrum umgesetzt wer- den müssen, sind dagegen teilweise wenig fortgeschritten. Ein zentrales Beispiel für solche Maßnahmen auf- grund neu aufgetretener Herausforderungen umfasst den Aufgabenkomplex rund um die Ausweitung und Pflege von Stadtgrün und den Erhalt des Stadtwalds. Es gibt vielfältige Herausforderungen bei der Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie. Die Auswertung der Rückmeldungen aus den zuständigen Dienststellen hat insbesondere folgende Schwerpunkte ergeben: be- grenzte personelle Ressourcen, begrenzte finanzielle Ressourcen, fehlende Rechtsverbindlichkeit und unsicheres Wissen. Auch innerhalb dieser Schwerpunktthemen gibt es eine klare Tendenz: Das am häufigsten genannte Thema ist das begrenzte Personal für die beschleunigte Maßnahmenumsetzung. Dies betrifft insbesondere auch solche Maßnahmen, die potentiell eine große Hebelwirkung für weitere Anpassungsmaßnahmen haben. Zudem gibt es teilweise Daueraufgaben, die von befristet eingestelltem Personal bearbeitet werden. Hier besteht grund- sätzlich Bedarf für eine langfristige Perspektive. Die anderen genannten Herausforderungen sind unter Umwelt- und Arbeitsschutz | 35 Umständen bei einzelnen Maßnahmen bedeutsam (zum Beispiel die fehlende Rechtsverbindlichkeit bei der kli- maangepassten Stadtplanung). Durch den Beschluss des Doppelhaushalts 2024/25 mit insgesamt 2,1 Mio. € pro Jahr für Klimaanpassungsmaßnahmen ist eine wichtige finanzielle Grundlage zur weiteren Umsetzung der Klima- anpassungsstrategie geschaffen worden. . 36 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Anhang: Steckbriefe aller Maßnahmen Übergreifendes Ü-1 Stärkere Berücksichtigung des Klimawandels in der Öffentlichkeitsarbeit Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Beim Umwelt- und Arbeitsschutz als koordinierende Stelle gab es verschiedene Pressenanfragen und - berichte (u.a. RTL, focus, dpa, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, BNN). Außerdem wurden Vorträge zum Themenkomplex Klimawandel und Klimaanpassung gehalten: 8 in 2021, 4 in 2022, 11 in 2023 (Stand Ende August). Der Umwelt- und Arbeitsschutz sowie auch andere Dienststellen berücksichtigt das Thema Klimawan- del zudem im Jahresverlauf anlassbezogen bei eigenen Pressemeldungen. Dabei sind die Dienststellen darum bemüht, inhaltliche Verknüpfungen herzustellen, um komplexe Zusammenhänge alltagsnah ver- ständlich zu machen (z.B. zu den Themen Trockenstress im Hardtwald, Verhaltenstipps an Hitzetagen, Klimaschutzbemühungen der Karlsruher Unternehmen sowie auch Veranstaltungshinweisen). Ü-2 Weitere Beteiligung an Förderprojekten/Forschungsprogrammen Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz, Stadtwerke, Gartenbauamt, andere Maßnahmentyp Projekte Umsetzungsstand Projektabhängig Aktueller Stand Aktuell laufende Projekte: Das Projekt "Wasser-Quartier Karlsruhe" läuft überwiegend im Ehrenamt von a tip tap (https://atip- tap.org/). Die Stadtwerke unterstützen auf Anfrage im Rahmen von Spezialveranstaltungen. Sinnvoller- weise sollten sich die Stadtwerke und die Stadt auf eine finanzielle Unterstützung des Wasser-Quartier- Karlsruhe verständigen. Bei dem Projekt „Grüne Lunge 2.0“ geht es um die Umsetzungs- und Verstetigungsphase der Ergeb- nisse aus „Grüne Lunge 1“. Hierbei werden diverse Öffentlichkeitsveranstaltungen zur Bedeutung von Bäumen durchgeführt, sowie Bäume aus dem ersten Projekt im Stadtgebiet nachgepflanzt. Zusätzlich werden weitere Messwerte auf der Grundlage der Informationen aus dem Baumkataster gesammelt, um noch umfangreichere Aussagen zu unserem städtischen Baumbestand treffen zu können und die- sen resilienter zu machen. Im laufenden Projekt „Green GROWnership: rechtliche, planerische und motivierende Instrumente für mehr privates Grün“ (Laufzeit 10/2021 - 09/2024, https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/stadt- gruen-wald/gebaeudebezogenes-gruen/projekt-green-grownership) wird eine Strategie erarbeitet, um privates Grün in Karlsruhe zu erhalten und neu zu schaffen. Die Projektarbeit gliedert sich dafür in drei Module: In Modul 1 geht es um die Entwicklung möglicher rechtlicher Instrumente, um Grünflächen auf privaten Grundstücken planungsrechtlich zu sichern, zum Beispiel durch spezielle Bebauungspläne, die so genannte Grünsatzung. In Modul 2 werden planerische Instrumente zur Förderung von privatem Grün (weiter)entwickelt. Damit soll unter anderem sichergestellt werden, dass Hitze- und Starkregen- schutz als wichtige Kriterien frühzeitig in städtische Planungen eingebracht werden. In Modul 3 wird schließlich eine Kommunikationsstrategie erarbeitet, die Eigentümerinnen und Eigentümer Begrünung ihrer privaten Flächen motivieren soll. Zur Kommunikationsstrategie zählen Informationsveranstaltun- gen, ein digitaler Leitfaden für die Planung und Durchführung von Begrünungsmaßnahmen auf den Seiten der Stadt Karlsruhe und öffentliche Wettbewerbe für Begrünungsaktionen. Darüber hinaus wurde das Förderprogramm zur Begrünung von Dächern, Fassaden und versiegelten Freiflächen der Stadt Karlsruhe weiterentwickelt und ausgeweitet. Im Rahmen des Projekts soll für die Anwendung des Programms geworben werden. Umwelt- und Arbeitsschutz | 37 Das von der EU geförderte Projekt „CityClim“ („Städtische Klimadienste der nächsten Generation unter Verwendung moderner Wettermodelle und neuer Datenquellen“, Laufzeit 10/2021 - 09/2024, https://www.cityclim.eu/de) hat zum Ziel, klimatologische Informationen und Dienstleistungen für die Bürgerschaft und für die Karlsruher Stadtverwaltung bereitzustellen. Für die Bürgerschaft sind das zum Beispiel Hitzeinformation und Mitmachaktionen. Für die Stadtverwaltung sollen beispielsweise Mög- lichkeiten geschaffen werden, Szenarien zu rechnen und die Auswirkungen von größeren Neubauten auf das Stadtklima modellieren zu können. Dafür werden ein hochaufgelöstes Wettermodell, Satelliten- daten und Messdaten in der Stadt genutzt. Der Hitzeaktionsplan (Plan°C, Anwendung der Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeak- tionsplänen in der kommunalen Praxis, siehe Maßnahme GE-8 und Kapitel 6.1) ist ebenfalls ein geför- dertes, zeitlich befristetes Projekt (Laufzeit 11/2022 - 4/2025). Das Forschungsprojekt KliReGeM (DAS: Klimaresilientes Gebäude-Management für die Stadt Karlsruhe, Laufzeit 10/2022 - 9/2025) thematisiert den Ressourcenverbrauch von Klimaanpassungstechnologien und -maßnahmen im Bereich der Gebäudewirtschaft. Gängige bauliche Maßnahmen wie verbesserte Wand- und Dachisolierungen, intelligente Belüftungssysteme oder Klimaanlagen können mit steigen- den Rohstoffverbräuchen einhergehen und damit die Ursache des Problems – den Klimawandel – indi- rekt sogar verschärfen. Um solche Verlagerungs- bis hin zu Reboundeffekten zu vermeiden, müssen Maßnahmen für klimaresilientes Gebäudemanagement einer umfassenden ökologischen Bewertung unterzogen werden, die den gesamten Lebenszyklus sowie Auswirkungen auf die verschiedenen plane- taren Grenzen berücksichtigt. Im Projekt KliReGeM werden daher ausgehend von der ökobilanziellen Bewertung konkreter Klimaanpassungs-Maßnahmen im Kontext typischer städtischer Bauaufgaben im Bereich der Nichtwohngebäude (Neubau, Sanierung, Instandsetzung) Handlungs-Leitlinien für klimaan- gepasstes und ressourcenschonendes Gebäudemanagement entwickelt. Als wissenschaftlich fundierte Entscheidungs-Heuristiken reduzieren diese Leitlinien die Komplexität der Thematik (indirekte Wirkun- gen von Maßnahmen; unterschiedliche Planungsebenen) und tragen so dazu bei, Klimaanpassung und Klimaschutz frühzeitiger und effektiver als heute üblich in der Projektentwicklung des städtischen Ge- bäudemanagements zu verankern. Das Projekt wird von der Hochschule Pforzheim, Institut für Indust- rial Ecology (INEC) durchgeführt. Das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft ist als Kooperations- partner (ohne finanzielles Budget) aktiv beteiligt. Abgeschlossene Projekte: Das Projekt "trinkfair" wurde etabliert und im Rahmen der Kooperation Fairantwortung, Stadtwerke KA, Stadtwerke Ettlingen abgeschlossen. Mehr Informationen unter https://www.trinkfair.de/. Das Projekt „Stadtgrün wertschätzen“ wurde am 31. Oktober 2022 abgeschlossen. Am 1. Juli 2022 fand die Fachkonferenz: „Stadtgrün ist Mehrwert: ein Tool zur Bewertung von urbanem Grün“ in Leipzig und online statt, dazu kamen eine ganze Reihe von Städteworkshops in den Praxisstädten. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden darüber hinaus in verschiedenen Fachkonferenzen, z.B. beim Netzwerktreffen des BBSR Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ oder beim Difu Fachseminar „Klimaanpassung - grün und wirksam??“ vorgestellt. Mehr Informationen und das Stadtgrün-Bewertungstool sind hier verfügbar: https://www.stadtgruen-wertschaet- zen.de/app/stadtgruenapp Das Projekt „NaMaRes“ („Bewertung der Ökologie, Wirtschaftlichkeit und sozialen Effekte von res- sourceneffizienzsteigernden Maßnahmen auf Quartiersebene von der volkswirtschaftlichen zur akteurs- spezifischen Perspektive“, https://ressourceneffiziente-stadtquartiere.de/?page_id=262&lang=de) wurde im Juni 2022 abgeschlossen. Es wurde ein Tool entwickelt, das eine Berechnung von quartiers- bezogenen Ressourceneffizienzindikatoren zur Abschätzung der Folgen von Maßnahmen in Quartieren erlaubt. Durch die Möglichkeit, im Dashboard verschiedene Kombinationen, beispielsweise für die Er- höhung oder Verringerung des Versiegelungsgrades auszutesten, kann die Auswirkung einzelner klar verorteter Maßnahmen, zum Beispiel in einzelnen Baublöcken, direkt sichtbar gemacht werden. Dies illustriert für Planungsentscheidungen im betrachteten Sanierungsgebiet Innenstadt-Ost die Potentiale im Bestand. 38 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Hindernisse • Finanzielle Rahmenbedingungen, fehlende Budgets zur Unterstützung von Projekten. • Die Projektbegleitung von Stadtseite gestaltet sich oft wegen personeller Kapazitäten schwierig, insbesondere wenn keine geförderten Personalressourcen bei den beteiligten Äm- tern enthalten sind. • Der Transfer der Projektergebnisse in die Verwaltungspraxis ist oft nicht gesichert. • Manche Projektergebnisse (zum Beispiel ein Digitales Tool für Ressourcenmanagement im Quartier, Projekt NaMaRes) konnten aus Datenschutzgründen nicht der Öffentlichkeit zu- gänglich gemacht werden. Indikator Anzahl der aktuell laufenden Projekte mit Beteiligung der Stadt im Themenbereich Anpassung: 6 Ü-3 Ausbau der regionalen Vernetzung zum Thema Klimawandel Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand • Vernetzung mit anderen baden-württembergischen Städten im Rahmen des Arbeitskreises Klimawandel und Klimafolgenanpassung des Städtetags Baden-Württemberg (stellvertreten- der Vorsitz der Stadt Karlsruhe) • Vernetzung mit anderen Kommunen (deutschlandweit) zum Thema Klimaanpassung in infor- mellen Netzwerken mit regelmäßigen online-Treffen • Vernetzung mit dem Karlsruher Institut für Technologie über Vorträge, unter anderem im Rahmen des Studium Generale und informelle, anlassbezogene Zusammenarbeit, zum Bei- spiel Unterstützung einer Hitzeumfrage, und im Rahmen von Projekten • Zusammenarbeit im Rahmen von Projekten, unter anderem mit der Technischen Universität Kaiserslautern, Lehrstuhl für Öffentliches Recht (Green GROWnership), Stadt Düsseldorf, Deutsches Institut für Urbanistik (difu) (Projekt Plan °C / Hitzeaktionsplan) Ü-4 Durchführung einer Kooperationsbörse Klimawandel Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Hinweis: Da die Maßnahme Ü-4 abgeschlossen ist, wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung der Maßnahme erfolgen. Umwelt- und Arbeitsschutz | 39 Ü-5 Neue Informationsformate zu Themen der Klimaanpassung vor Ort Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Der „Stadtplan für heiße Tage“ wurde digital regelmäßig überarbeitet und aktualisiert, eine Papierver- sion für die Innenstadt wurde erstellt und großflächig verteilt, eine Übersetzung in Leichte Sprache ist in Arbeit. Der Stadtplan wurde beworben über Vorträge, Fahrgast TV, CityLights, Bürgerversammlun- gen, Presseartikel, KA-App. Mehr Informationen zum Stadtplan für heiße Tage sind im Kapitel oben zusammengefasst. Im Projekt „Urban Gardening“ werden ebenfalls verschiedene Informations- und Beteiligungsformate erprobt und genutzt. Das Gartenbauamt hat eine eigene Stelle zur Betreuung der Gruppen, weitere Gärten werden eingerichtet. Siehe auch Maßnahme SG-8: Förderung bürgerschaftlichen Engagements (Baumpatenschaften, Urban Gardening). Es werden Spaziergänge zu spezifischen Hitzethemen angeboten. Indikator Abbildung 27: Anzahl der eindeutigen Zugriffe auf die online-Version des „Stadtplans für heiße Tage“ (karls- ruhe.de/kuehle-orte) (identisch zu Abbildung 20) Ü-6 Strukturelle Verankerung des Themas Anpassung an den Klimawandel in Stadtverwaltung und Stadt- politik Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Es gab in den letzten Jahren regelmäßig Gemeinderats-Anträge und -Anfragen zum Thema Klimaan- passung - gerade im Zuge der Umbauarbeiten der Kaiserstraße und des Landratsamts. Das Thema ist konstant in der Diskussion geblieben. Dazu hat vermutlich auch der sehr heiße und trockene Sommer 2022 beigetragen, der die Dringlichkeit der Anpassung an Hitze in der Stadt erneut deutlich gemacht hat. Innerhalb der Verwaltung gab es regelmäßige Treffen zum Korridorthema Grüne Stadt, in denen auch Maßnahmen zum Leitprojekt „Stadt im Klimawandel“ besprochen wurden. In die Haushaltsver- handlungen für den DHH 2024/25 wurde ein Sammelansatz für Klimaanpassungsmaßnahmen in Höhe von 2,1 Mio. € p.a. eingebracht. Im Sommer 2023 wurde eine weitere Vollzeitstelle im Umwelt- und Arbeitsschutz auf Projektbasis für drei Jahre genehmigt. Die mit Fördermitteln des Bundes eingerichtete Stelle zum Klimaanpassungsma- nagement dient der weiteren Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie. Hindernisse Während in der Stadtverwaltung die Maßnahmen zur Klimaschutz und Klimaanpassung separat ver- folgt werden, vermischen sich die Themen in der öffentlichen Diskussion, sodass Klimaanpassungsthe- men fälschlicherweise unter dem Titel Klimaschutz vermeintlich subsummiert werden. Statt auf „ent- weder-oder“ sollte der Fokus auf den Synergien liegen. 0 500 1000 1500 Mai 22 Jun 22 Jul 22 Aug 22 Sep 22 Okt 22 Nov 22 Dez 22 Jan 23 Feb 23 Mrz 23 Apr 23 Mai 23 Jun 23 Jul 23 Anzahl eindeutiger Zugriffe Stadtplan für heiße Tage (online) 40 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Gesundheit GE-1 Ausbau der Hitzewarnsysteme, breitere Bevölkerungsansprache Aktueller Stand Diese Maßnahme wurde in Maßnahme GE-8 (Konzeption und Aufstellung eines Hitzeaktionsplans) übergeleitet. Hinweis: Zur Maßnahme GE-1 wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung erfolgen. GE-2 Neue Modelle zur Vorbeugung von Hyperthermie-Erkrankungen Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz, Seniorenbüro Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Der „Stadtplan für heiße Tage“ als Teil dieser Maßnahme wird ausführlich im ersten Teil dieses Be- richts vorgestellt. Informationsvorträge zum bewussten Trinken bei Hitze werden weiterhin angeboten (Stadtbibliothek, Sportverein, Kirchengemeinden). Das Projekt des Seniorenbüros „Karlsruher Hausbesuch“ läuft weiterhin. Hier werden Senior*innen ab dem 75./80./85. Geburtstag ein Gespräch angeboten, in dem auch angepasstes Verhalten bei Hitze besprochen und Flyer ausgegeben werden. GE-3 Hitzebewältigung: Bedarfserhebung, Angebotsabfrage und Vernetzung mit Multiplikatoren Aktueller Stand Diese Maßnahme wurde in Maßnahme GE-8 (Konzeption und Aufstellung eines Hitzeaktionsplans) übergeleitet. Hinweis: Zur Maßnahme GE-3 wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung erfolgen. Umwelt- und Arbeitsschutz | 41 GE-4 Weitere Installation von öffentlich zugänglichen Trinkwasserspendern Verantwortliche Stelle Stadtwerke, Schul- und Sportamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Es erfolgt jährlich eine Bedarfsabfrage bei allen schulischen Einrichtungen und im Rahmen der verfüg- baren Mittel und Geräte werden dann in einer Kooperation mit den Stadtwerken von dort aufbereitete gebrauchte Trinkwasserspender aufgestellt. Dabei wird ein Teil der Geräte von den Stadtwerken im Rahmen eines Sponsorings kostenlos zur Verfügung gestellt. Zusätzlich werden bei allen Mensaneu- baumaßnahmen Trinkwasserspender eingeplant. Für alle bereits installierten Trinkwasserspender trägt das Schul- und Sportamt unabhängig von der Anschaffung die Kosten für Wartung und Reparaturen. Aktuell gibt es 89 Trinkwasserspender an 76 verschiedenen Schulen. Davon wurden 35 vom Schul- und Sportamt angeschafft, 40 von den Stadtwerken gesponsert, die Kosten für die übrigen Geräte wurden von anderen Stellen wie beispielsweise Fördervereinen übernommen. Hindernisse Die aus hygienischen Gründen eingeschränkte Nutzbarkeit während der Corona-Pandemie und die ak- tuell eingeschränkte Verfügbarkeit von Altgeräten hat die Umsetzbarkeit der Planung in den letzten Jahren stark eingeschränkt. Aktuell wird deshalb auch die alternative Anschaffung teurerer neuer Ge- räte zur Bedarfsdeckung in Erwägung gezogen. Indikator Anzahl installierter Trinkwasserspender: 89. Zeitreihe der vorhandenen Trinkwasserspender in den Schulen: Siehe Grafik: Abbildung 28: Anzahl der in den Karlsruher Schulen installierten Trinkwasserspender. Quelle: Schul- und Sportamt. Identisch zu Abbildung 13. GE-5 Weiterführung der Schnakenbekämpfung im Rahmen der KABS Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bekämpfungsmaßnahmen der KABS e.V. wurden weiterhin durchgeführt. Den Bürger*innen ist es möglich, für die Stechmückenbekämpfung im eigenen Garten oder Haus Culinex Tabletten bei den Ausgabestellen der Stadt abzuholen. Kosten ca. 150.000 € pro Jahr Weitere Informationen https://www.kabsev.de/ oder https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/gewaesser-stadtentwaesse- rung/stechmueckenbekaempfung 0 20 40 60 80 100 2010201120122013201420152016201720182019202020212022 42 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie GE-6 Optimierung der Bekämpfungsstrategie von Pflanzenarten mit hohem Allergiepotenzial (Ambrosia ar- temisiifolia) Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Das Wachstum der Ambrosien war in den letzten Jahren wegen großer Trockenheit war eher gering, es wurden keine Zupftermine oder Infostände veranstaltet. Stattdessen wurden während der "Saison" die Informationen zur Ambrosie in einer siebenteiligen SocialMedia-Reihe über die städtischen Kanäle ver- breitet. In 2023 waren fast keine Pflanzen mehr auffindbar. Insbesondere scheint der Bestand am ehe- maligen Schwerpunkt Linkenheimer Landstraße durch die Bekämpfungsmaßnahmen in den letzten Jah- ren erfolgreich eliminiert worden zu sein. Die Flächen werden weiterhin beobachtet, um ein erneutes Ansiedeln der Pflanze zu verhindern. Weitere konzertierte Aktionen (mit Beteiligung Freiwilliger) sind derzeit aufgrund des geringen Vorkommens nicht geplant. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/stadt-rathaus/aktuelles/meldungen/ambrosien-erfolgreich-zurueckgedraengt GE-7 Bekämpfung der Tigermücke (Aedes albopictus) Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand 2022 wurde die Tigermückenbekämpfung in Karlsruhe erneut in zwei voneinander unabhängigen Ge- bieten durchgeführt. Zu der seit 2017 bekannten Population in der „Ottostraße“ (Gewerbegebiet Killis- feld, Karlsruhe-Durlach) kam 2020 eine weitere im Zoologischen Stadtgarten (Karlsruhe-Südweststadt) hinzu (Lehner and Steinmetz 2020). Es wurden an beiden Standorten weiterhin Monitoring und Be- kämpfungsmaßnahmen gegen die Tigermücke durchgeführt. Indikator Fläche des Bekämpfungsgebiets: 2018: ca. 50 ha 2019: ca. 50 ha 2020: ca. 53 ha 2021: ca. 60 ha 2022: ca. 62 ha Weitere Informationen https://www.kabsev.de/1/1_8/Grundlagen.php GE-8 Konzeption und Aufstellung eines Hitzeaktionsplans Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Diese Maßnahme wurde ausführlich in ersten Teil dieses Berichts vorgestellt. Indikator Hitzeaktionsplan vom Gemeinderat beschlossen? Nein Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/klimaschutz-klimawandel/klimawandelanpassung/hitzeakti- onsplan Umwelt- und Arbeitsschutz | 43 Landwirtschaft LW-1 Aktive Begleitung von Forschungsvorhaben auf städtischen Pachtflächen Verantwortliche Stelle Liegenschaftsamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand noch nicht geplant Aktueller Stand Derzeit laufen keine Forschungsvorhaben auf städtischen Pachtflächen, es sind auch keine konkreten Projekte geplant. Indikator Anzahl der aktuell laufenden Forschungsvorhaben auf städtischen Pachtflächen: 0 LW-2 Ausbau des integrierten und des ökologischen Landbaus auf städtischen Pachtflächen Verantwortliche Stelle Liegenschaftsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Die Förderung des ökologischen Landbaus geht auf einen Beschluss des Gemeinderats zurück. So wer- den städtische Flächen bevorzugt an ökologisch wirtschaftende Betriebe verpachtet, sofern keine ag- rarstrukurellen Belange dagegen sprechen. Auch die Pachtzeit wird deutlich erhöht, um eine Planung für den Betrieb zu ermöglichen. Da derzeit alle Flächen der Stadt verpachtet sind, findet die Neueintei- lung der Flächen erst statt, wenn Flächen an die Stadt zurückgegeben werden. Dies ist bisher noch nicht der Fall. Indikator Prozent des ökologischen Landbaus an allen verpachteten Flächen: Diese Erhebung ist laut Auskunft des Liegenschaftsamt aus Kapazitätsgründen derzeit nicht möglich. Wald und Forstwirtschaft W-1 Umsetzung des Konzepts zur Klimaanpassung für den Stadtwald Verantwortliche Stelle Forstamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Es wurden folgende Maßnahmen durchgeführt: Baumpflanzaktionen, Maßnahmen zur Schadensbewäl- tigung (Klimafolgenschäden), Waldpflegemaßnahmen zur Förderung klimastabiler Baumarten, Wald- randpflege zur Erhöhung der Biodiversität. Weitere Maßnahmen sind notwendig: Intensivierung der Pflanzungen, Pflege von im Wachstum unter- legenen Baumarten, Saat von klimastabilen Baumarten, Verwendung von Herkünften heimischer Baumarten aus zukünftig geeigneten klimatischen Lebensräumen (z.B. Südfrankreich), kontinuierliche Bewältigung der Klimafolgenschäden, Maßnahmen zur Vernässung / Wiedervernässung und Wasser- rückhaltung im Wald, Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität im Stadtwald (z.B. Waldrandgestal- tung). Hindernisse Hindernisse sind die mangelnden Kenntnisse über die tatsächliche Entwicklung von Wetter und Klima in Verbindung mit der Langfristigkeit von Wachstumsprozessen in Wäldern. Es gibt Konflikte um die Nutzung heimischer Waldbäume versus nicht-heimische Baumarten. Beispielsweise kann es aus Klima- anpassungssicht sinnvoll sein, neue (trockenresistente) Baumarten aus wärmeren Regionen einzufüh- ren. Dies hat jedoch unter Umständen ungewollte Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht und die heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Zudem sind die personellen Ressourcen stark in die akute Schadensbewältigung und Verkehrssicherung eingebunden und stehen dadurch für die oben genann- ten notwendigen Anpassungsmaßnahmen nur begrenzt zur Verfügung. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/stadtgruen-wald/stadtwald/oekosystem 44 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie W-2 Grüne-Stadt-Anpacker-Projekt Naturfriedhof Heidenstücker Verantwortliche Stelle Forstamt, Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Das Projekt wurde bei der Ideenwerkstatt 2016 vom Bürgerverein Grünwinkel als Anpacker-Projekt eingebracht und in gemeinsamer Verantwortung von Forstamt und Friedhofs- und Bestattungsamt um- gesetzt. Der Wunsch des Bürgervereins nach Pflanzaktionen unter Beteiligung der Stadtteilbevölkerung und insbesondere der Schulen konnte umgesetzt werden. Hindernisse Größtes Hindernis war die Bereitstellung einer geeigneten Fläche. Dies war nur durch den glücklichen Umstand zu lösen, dass dem Friedhofs- und Bestattungsamt eine Friedhofserweiterungsfläche im Stadtteil zur Verfügung stand, die aktuell nicht benötigt wird und zur Nutzung als späterer Friedwald nun mit Bäumen bepflanzt werden konnte. Weitere Hindernisse waren die klimatische Entwicklung, Trockenheit und Hitze, Anwuchsherausforde- rung bei den Baumarten, Wildkaninchen, Vandalismus beim Einzelschutz der Pflanzen. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/stadt-rathaus/so-ist-karlsruhe/innovativ-und-quer/gruene-stadt/mitmachen Hinweis: Da die Maßnahme W-2 abgeschlossen ist, wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung der Maßnahme erfolgen. W-3 Optimierung des Waldes und der Erholungseinrichtungen in Hinblick auf Hitzeperioden Verantwortliche Stelle Forstamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Die Abstimmungen mit anderen Dienststellen und Ideenaustausch sind erfolgt. Es erfolgte die Anlage von Sportpfaden im Wald unter geschütztem Kronendach. Weitere Möglichkeiten sind die Anpassung von Kinderspielplätzen mit Wasserangeboten unter schüt- zendem Kronendach, zum Beispiel Affenplätzle beim Tierpark Oberwald. Hindernisse Fehlende finanzielle und personelle Ressourcen für die Konzeptentwicklung und Umsetzung. Vandalis- mus bei bereits erstellten Angeboten. Durch Klimafolgenschäden stark zunehmender Aufwand bei Kon- trollen und anschließenden Verkehrssicherungsmaßnahmen. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/stadtgruen-wald/stadtwald/erholungsort/waldpfade Boden BO-1 Renaturierungsprojekte für Böden mit hohem organischem Anteil Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Die Umsetzung soll in Zukunft im Rahmen der Eingriffsregelung auf Planfeststellungs- und Bebauungs- planebene erfolgen. Konkrete Maßnahmen konnten bislang nicht umgesetzt werden. Die Umsetzung erfordert den Zugriff auf geeignete Flächen. Hindernisse Fehlende verfügbare Flächen Indikator Anzahl umgesetzte oder laufende Renaturierungsprojekte: 0 BO-2 Verstärkte bodenkundliche Baubegleitung bei Baumaßnahmen Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umwelt- und Arbeitsschutz | 45 Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Die bodenkundliche Baubegleitung ist eine gesetzliche Vorgabe zum Schutz des Bodens vor nachteili- gen Auswirkungen während der Bautätigkeiten. BO-3 Sicherung von neu entstandenem Grünland nach Ablauf der Extensivierungsverträge Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Alle Extensivierungsverträge nach der Landschaftspflegerichtline wurden für die nächsten 5 Jahre ver- längert. Die biodiversitätsfördernde Pflege ist gewährleistet. BO-4 Überarbeitung des Konzepts der bodenschonenden Waldbehandlung Verantwortliche Stelle Forstamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Der Handlungsleitfaden Bodenschutz für den Karlsruher Stadtwald wurde überarbeitet und am 5. Juli 2022 dem Ausschuss für Umwelt und Gesundheit mit Naturschutzbeirat vorgestellt. Stadtplanung und Städtebau SP-1 Stadtklimatische Aspekte in Flächennutzungs- und Landschaftsplan Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Der Flächennutzungsplan (als Beispiel für die Berücksichtigung stadtklimatischer Aspekte) wurde durch das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt und ist seit Juli 2021 wirksam. 46 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie SP-2 Stadtklimatische Aspekte bei Bebauungsplänen Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Im Dezember 2022 erlangte der Bebauungsplan „Westlich der Erzbergerstraße zwischen New-York- Straße und Lilienthalstraße“ (Zukunft Nord) Rechtskraft (ca. 27 ha). Umfangreiche Festsetzungen zur Anpassung an den Klimawandel wurden damit rechtskräftig: zum Beispiel Erhaltung und Neupflanzung vieler Bäume, Begrünung von Dächern und Fassaden, weitgehende Einschränkung von Nebenanlagen in den Freiflächen, Verbot von Dachterrassen auf obersten Geschossen zugunsten mehr begrünter Dachflächen. Das Entwässerungskonzept, das große Versickerungsflächen im neuen Park vorsieht, wurde planungsrechtlich abgesichert. In einem städtebaulichen Vertrag wurden darüber hinaus weitere Maßnahmen zur Klimaanpassung vereinbart. Im Rahmen von GreenGROWnership hat das Stadtpla- nungsamt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Arbeitsschutz, dem Gartenbauamt und dem Tiefbauamt als „AG Textbausteine“ unter anderem die Formulierung von grünordnerischen Fest- setzungen und örtlichen Bauvorschriften weiterentwickelt. Hindernisse Klimaanpassungsmaßnahmen standen zum Teil im Zielkonflikt mit anderen Belangen. Wegen der Dringlichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müssen auch immer die dadurch verursachten Kos- ten mitbedacht und abgewogen werden. Geschlossene Baustrukturen, die aus städtebaulicher Sicht zur Schaffung ruhiger Wohnbereiche im Blockinnern bevorzugt werden, standen teilweise im Widerspruch zu einer aus stadtklimatischer Sicht gewünschten offenen Baustruktur, die die Frischluftzufuhr und Durchlüftung begünstigt. Weitere Informationen Alle Bebauungspläne sind hier abrufbar: https://geoportal.karlsruhe.de/bplan/ Zukunft Nord: https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/bebauungsplanung/bpl- westlich-der-erzbergerstrasse-zwischen-new-york-strasse-und-lilienthalstrasse Indikator Anteil der Fläche mit klimaangepassten Bebauungsplänen am Anteil der Siedlungsfläche: Siehe Abbil- dung 16 auf Seite 22. SP-3 Stadtklimatische Aspekte bei städtebaulichen Wettbewerben Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Grundsätzlich werden klimatische Aspekte und die damit verbundenen Anforderungen in die Aufga- benstellung eines städtebaulichen Wettbewerbs mit aufgenommen und mit allen beteiligten Ämtern abgestimmt. Im Jahr 2022 wurde kein städtebaulicher Wettbewerb vom Stadtplanungsamt durchge- führt. Umwelt- und Arbeitsschutz | 47 SP-4 Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Der Gemeinderat hat am 24. März 2015 den städtebaulichen Rahmenplan „Klimaanpassung“ als "sonstige städtebauliche Planung" nach § 1 (6) Nr. 11 BauGB beschlossen. Der Plan wird bei der Er- stellung/Ausschreibung von Rahmenplänen und bei Bebauungsplanverfahren laufend berücksichtigt und wird beispielsweise als wissenschaftliche Basis für Empfehlungen und Festsetzungen herangezo- gen. Hindernisse Aus informellen Rahmenplänen ergibt sich keine Verbindlichkeit. Zum Teil hat es sich als schwierig er- wiesen, die weitreichenden Absichtserklärungen in Rahmenplänen rechtssicher in Bebauungspläne zu übertragen. Dies kann an rechtliche Grenzen stoßen (z.B. keine ausreichende städtebauliche Begrün- dung möglich, Zielkonflikte mit anderen Belangen). Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/staedtebauliche-projekte/klimaanpas- sungsplan Indikator Städtebaulicher Rahmenplan Anpassung vorhanden und als "sonstige städtebauliche Planung" nach § 1 (6) Nr. 11 BauGB beschlossen : Ja SP-5 Klimatische Entlastung hitzebelasteter Stadtquartiere, Sanierungsgebiete Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Im Rahmen des im Jahre 2018 beschlossenen Sanierungsgebiets „Innenstadt Ost“ wurde als klimati- sche Maßnahme eine Hofentsiegelung bezuschusst. Im Oktober 2022 wurde das zweite innerstädti- sche Sanierungsgebiet "Kaiserstraße-West" beschlossen. Seit der Auftaktveranstaltung im Februar 2023 wurden fünf Beratungsgespräche mit Gebäudeeigentümer*innen geführt (Stand Mai 2023), die Interesse an einer Gebäudesanierung und Bezuschussung der Maßnahmen haben. In 2022 wurden keine baulichen Maßnahmen in den innerstädtischen Sanierungsgebieten mit Hilfe von Städtebauför- dermitteln umgesetzt. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/sanierung/sanierungsgebiete Indikator Anzahl der bezuschussten baulichen Maßnahmen die zur Klimaanpassung beitragen: 1 48 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie SP-6 Stadtklimatische Aspekte bei Rahmenplänen Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Im Jahr 2022 wurde im Stadtplanungsamt kein neuer Rahmenplan fertiggestellt. Auf Grundlage der Rahmenpläne für Zentrum III in Neureut und Oberer Säuterich in Durlach-Aue wurden die Bebauungs- planverfahren weiter vorangetrieben. Das Gestaltungshandbuch, das für das Neubaugebiet Zukunft Nord erstellt wird und auch umfangreiche Empfehlungen im Hinblick auf die Klimaanpassung beinhal- tet, wurde fertig gestellt. Im Stadtplanungsamt wird derzeit das Entwicklungskonzept Stupferich erarbeitet und dabei werden perspektivisch auch neue Bauflächen berücksichtigt. Aspekte der Klimaanpassung spielen dabei eine wichtige Rolle. Schwerpunkte liegen nach derzeitigem Arbeitsstand auf einem multifunktionalen Grün- zug für die Versickerung von Regenwasser und auf dem weitgehenden Erhalt bestehender Grünstruk- turen. Der 2019 fertiggestellte städtebauliche Rahmenplan „Gewerbegebiet Grünwinkel“ sieht als wesentli- che klimatische Aspekte eine geringere Flächenversiegelung sowie eine Optimierung des Erschlie- ßungs- und Freiflächensystems vor. Dies wird mit den aktuellen Planungen (Bebauungsplan „Westl. der Hardeckstraße“, Areal der alten Tabakfabrik sowie am Westbahnhof) aufgegriffen und entspre- chend vorangetrieben. Hindernisse Aus informellen Rahmenplänen ergibt sich keine Verbindlichkeit. Zum Teil hat es sich als durchaus schwierig erwiesen, die weitreichenden Absichtserklärungen in Rahmenplänen rechtssicher in Bebau- ungspläne zu übertragen. Dies kann an rechtliche Grenzen stoßen (z.B. keine ausreichende städtebau- liche Begründung möglich, Zielkonflikte mit anderen Belangen). Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/staedtebauliche-projekte/staedtebauliche- rahmenplaene SP-7 Stadtklimatische Aspekte bei der Gestaltung des öffentlichen Raums Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums wird mit Blick auf den städtebaulichen Kontext grundsätz- lich geprüft, ob klimatisch wirksame Maßnahmen, wie Baumneupflanzungen, Verschattungselemente, versickerungsfähige Böden, Wasserelemente, helle Boden- oder Fassadengestaltung (Albedo) oder in- sektenfreundliche und energieeffiziente Beleuchtungselemente umgesetzt werden können. Dabei müs- sen u.a. technische und verkehrliche Anforderungen, die unterirdische Infrastruktur, Herstellungs- und Unterhaltungskosten aber auch Personalkapazitäten berücksichtigt werden. Hindernisse Grundsätzlich fehlende Mittel oder fehlendes Personal für die Unterhaltung von Wasser-, Verschat- tungs- oder Grünelementen (z.B. Brunnen, Hochbeete, mobiles Grün - wo keine Baumpflanzungen möglich sind -, Schirme, Sonnensegel) Umwelt- und Arbeitsschutz | 49 SP-8 Beratung von Vorhabenträgern und Bauherren Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Bei der Neubesetzung des Gestaltungsbeirates der Stadt Karlsruhe wurde ergänzend zu den Professio- nen der Hochbauarchitekt*innen ein Landschaftsplaner berufen. Bei einem Büro- und Geschäftshaus, das derzeit an prominenter Stelle in der Kaiserstraße (P&C) neu geplant wird, wurden Fragen zum Kli- maschutz und zur Klimaanpassung - auch politisch - intensiv diskutiert. Möglichkeiten für zusätzliches Grün inmitten der Stadt wurden daraufhin vom Vorhabenträger genau geprüft. Durch Beratung unter anderem auch im Gestaltungsbeirat konnte der Grünanteil auf den Dächern, im Innenhof und gegebe- nenfalls auch auf den geplanten Terrassen deutlich erhöht werden. Bei dem aktuellen Vorhaben des Neubaus der serbisch-orthodoxen Kirche wurde im Gestaltungsbeirat die Lage des Gebäudes intensiv diskutiert, um einen größtmöglichen Erhalt des Baumbestandes zu gewährleisten. Ergänzend wurde eine Einzelberatung angeboten, um unter anderem auch die Optionen für nachhaltige Baumaterialien, Fassaden- und Dachbegrünung am Vorhaben aufzuzeigen. Für das Neubaugebiet Zukunft Nord wurde für Baufelder, bei denen die Qualitätssicherung nicht über konkurrierende Verfahren erfolgt, eigens eine Gestaltungskommission eingerichtet. Die Expert*innen in dieser Kommission achten bei der Beratung auch auf Aspekte der Anpassung an den Klimawandel. Eine Idee für die weitere Entwicklung wäre die Erstellung von übersichtlichem Informationsmaterial für Bauherren mit der ganzen Bandbreite an Möglichkeiten, welche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel bei einem Neubauvorhaben umgesetzt werden können. Dies könnte standardmäßig Bau- herren zur Verfügung gestellt werden, wenn sie mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen. Hindernisse Für große Teile der Stadt liegen keine Bebauungspläne vor, die die Umsetzung von Klimaanpassungs- maßnahmen vorschreiben. Da es im Baugesetzbuch bislang keine Rechtsgrundlage gibt, um Bauvorha- ben aus Gründen der Klimaanpassung abzulehnen, ist die Stadt teilweise darauf angewiesen, dass Bauherren freiwillig solche Maßnahmen umsetzen. Grundsätzlich ist eine zunehmende Bereitschaft bei den Vorhabenträgern und Bauherren zu erkennen, Nachhaltigkeitsaspekte über den rechtlich geforderten Rahmen hinaus zu diskutieren. Die Bereitschaft, Mehrkosten in Kauf zu nehmen oder auf Baurechte zu verzichten, ist allerdings aufgrund der weiterhin steigenden Bau- und Zinskosten und dem oft mangelnden Überblick im Bereich der Förderlandschaft gering. Eine ergänzende Unterstützung durch weitere Fachkollegen und eine Intensivierung der Bera- tungsgespräche wäre zielführend, ist personell durch die Verwaltung im gewünschten Umfang aber nicht zu leisten. Gebäude GB-1 Bestandsanalyse von städtischen Gebäuden mit Risiko einer hohen und steigenden Wärmebelastung Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Die Bestandsanalyse wurde im Rahmen einer Promotion am KIT abgeschlossen. Ein Hauptergebnis der Studie zeigt, dass der Anteil der Tage, an denen eine Überhitzung der Klassenräume in Karlsruhe zu erwarten ist, durch den Klimawandel bis 2035 um etwa 10 Prozentpunkte zunehmen könnte. Weitere Informationen https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000099577 Hinweis: Da die Maßnahme GB-1 abgeschlossen ist, wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung der Maß- nahme erfolgen. GB-2 Systematische Ausweitung der Temperaturmonitorings 50 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Die Anzahl der befähigten und tätigen Arbeitskräfte im Temperaturmonitoring wurde von anfangs drei auf aktuell sechs Mitarbeitende im Energiemanagement ausgeweitet. Der Umfang an mobil und tem- porär einsetzbarer Messtechnik wurde entsprechend erhöht. GB-3 Nachtlüftungskonzept für städtische Gebäude Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Die planerische und bauliche Berücksichtigung eines Nachtlüftungskonzeptes ist praktisch immer Be- standteil aller Gesamtmodernisierungen im vorhandenen Baubestand oder bei Gebäudeneubauten. Beispiel ist die geregelte Fensterlüftung mit Nachtlüftungsfunktion am Neubau des Kindergartens in der Egon-Eiermann-Allee in Knielingen 2.0 oder die denkmalgerechte Modernisierung des Schloss- schulgebäudes auf dem Areal der Augustenburg-Gemeinschaftsschule in Grötzingen. GB-4 Erhöhung der Sanierungsquote im privaten Gebäudebestand durch geeignete Unterstützungsmaßnah- men Aktueller Stand Diese Maßnahme wird im Rahmen des Karlsruher Klimaschutzkonzepts weiterverfolgt (siehe Hand- lungsfeld B, Bauen und Sanieren). Hinweis: Zur Maßnahme GB-4 wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung erfolgen. GB-5 Wettbewerb „Klimawandelangepasstes Planen & Bauen im Bestand“ Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Der Wettbewerb wurde abgeschlossen. Hinweis: Da die Maßnahme GB-5 abgeschlossen ist, in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung der Maßnahme erfolgen. GB-6 Leitlinien „Energieeffizienz und Nachhaltiges Bauen“ für städtische Gebäude Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Als verbindliche Definition aller übergesetzlichen Baustandards enthält die Leitlinie "Energieeffizienz und Nachhaltiges Bauen" auch Elemente zur Klimaanpassung. Die Leitlinie wird aktuell basierend auf dem Stand des Jahres 2016 fortgeschrieben. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/hochbau-und-architektur/nachhaltiges-bauen-und-kli- maschutz/leitlinie-nachhaltiges-bauen Umwelt- und Arbeitsschutz | 51 GB-7 Berücksichtigung des Klimawandels bei Gebäudesimulationen Verantwortliche Stelle Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bestandsgebäude und Neubauten müssen einen hinreichenden sommerlichen Wärmeschutz für Nut- zende bieten. Die dafür geeigneten Maßnahmen werden in jedem Modernisierungs- und Neubaupro- jekt integriert genutzt. Durch die bekannte Zunahme der sommerlichen Extremwetterlagen werden zu- künftig die Tagesmitteltemperaturen auch im Sommer weiter steigen, mehr Hitzetage zu bewältigen sein und mehr tropische Nächte das Auskühlen der Gebäude beeinträchtigen. Um alle Projekte zu- kunftstauglich zu gestalten, wird in dynamischen Simulationen der Bauphysik die Berücksichtigung des zukünftigen Klimas vorgeschrieben. Über die Testreferenzjahre des Deutschen Wetterdienstes für die Jahre 2031 bis 2060 wird das Anforderungsprofil an die Projekte verschärft und dadurch nachhaltig wirksam gestaltet. Stadtgrün SG-1 Sicherung und Weiterentwicklung klimatisch relevanter Freiräume und Grünstrukturen (Weiterführung des Grünflächenverbunds) Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Die Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets Neureuter Feldflur erfolgte im Februar 2021, damit ist ein erheblicher Teil des geplanten Freiraumverbunds der Grünen Nordspange naturschutzrechtlich gesi- chert. Der Bebauungsplan "Westliche Erzbergerstraße... (Zukunft Nord)" wurde im Dezember 2022 rechtskräftig. Damit ist neben den neuen Stadtquartieren eine rund 5 Hektar große öffentliche Grünflä- che angrenzend an das Naturschutzgebiet Alter Flugplatz ausgewiesen. Die weiteren Planungen zur Ausgestaltung haben begonnen. Im laufenden Bebauungsplan-Verfahren "Neureut-Zentrum III" wurde ein Vorentwurf erarbeitet und im März 2023 der Öffentlichkeit vorgestellt. Er umfasst neben den ge- planten Siedlungsquartieren die Ausweisung zusammenhängender öffentlicher Grünflächen im Umfang von rund 7 Hektar. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/naturschutz/naturraeume-und-schutzgebiete#c43631g Indikator Fläche des neu ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiets in 2021: 81 Hektar Flächen aller Landschaftsschutzgebiete in Karlsruhe seit 2004: siehe Grafik: Abbildung 29: Fläche der Landschaftsschutzgebiete im Stadtgebiet Karlsruhe, in ha. Quelle: Amt für Stadtentwick- lung. 5200 5400 5600 5800 6000 6200 6400 52 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie SG-2 Beispielhafte Anwendung neuer Wege der Gebäudebegrünung („Vertical Gardens“) Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen für das Pilotprojekt, ansonsten noch nicht gestartet Aktueller Stand Das Pilotprojekt wurde umgesetzt und die "Greenwall" am Elefantenhaus im Zoologischen Stadtgarten ist in einem guten Zustand. Die dauerhafte Pflege ist allerdings sehr aufwändig und kostenintensiv. Zur Erhaltung des guten Erscheinungsbildes ist das regelmäßige Ersetzen einzelner Pflanzen notwendig. Das Thema Fassadenbegrünung wird in den Themenkomplexen SP-2 und SP-3 "stadtklimatische As- pekte bei Bebauungsplänen und in Wettbewerben" umfassender betrachtet. Die geplante Begrünung von städtischen Gebäuden ist derzeit noch nicht in der Umsetzung. Als Hand- reichung und zur Motivation der Bürger*innen lässt das Gartenbauamt derzeit einen Leitfaden zur Fas- sadenbegrünung erstellen. Hindernisse Es bedarf mehr Aufklärung und Motivation von Eigentümer*innen, um robuste, wenig pflegeaufwän- dige bodengebundene Lösungen für Gebäudebegrünungen zu fördern. SG-3 Zukunftsfähige Stadtbäume Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Das Gartenbauamt versucht stets nach den gängigen Empfehlungslisten die am besten geeigneten Bäume für das Stadtgebiet auszuwählen, um einen möglichst zukunftsfähigen Baumbestand zu erhal- ten. Es besteht weiterhin Bedarf, die Bewässerung der Stadtbäume den klimatischen Bedingungen an- zupassen. Hindernisse Aufgrund der extremen Trockenheit in den letzten Jahren hat die Belastung durch Baumschäden und Baumkrankheiten zugenommen, und es mussten deswegen mehr Bäume gefällt werden. Neupflanzun- gen für die in den letzten Jahren gefällten Bäume sind vorgesehen, konnten jedoch aufgrund hoher Ar- beitsbelastung im Regiebetrieb noch nicht vollständig umgesetzt werden. Indikator Anzahl Neupflanzungen und Baumfällungen durch das Gartenbauamt im Stadtgebiet: Abbildung 30: Anzahl der Baumpflanzungen und Baumfällungen (nur seit 2016) im Stadtgebiet Karlsruhe. Quelle: Gartenbauamt. Identisch zu Abbildung 14. 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 2013201420152016201720182019202020212022 BaumpflanzungenBaumfällungen Umwelt- und Arbeitsschutz | 53 SG-4 Bewässerung von Jungbäumen bei langandauernder Hitze und Trockenheit Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Das Gartenbauamt hat aufgrund der Hitzewellen der letzten Jahre den Bewässerungszeitraum von den ersten drei Standjahren auf die ersten fünf Standjahre erhöht, um einen möglichst guten Anwachser- folg der Bäume zu erzielen. Zudem werden jährlich drei Bewässerungsfahrzeuge mit Gießlanze ange- mietet, um möglichst effizient viel Wasser an die Bäume zu befördern. Zukünftig sollte angestrebt wer- den, Grauwasser anstatt Trinkwasser zu benutzen. Hindernisse Die längere Bewässerungsdauer bedeutet einen erheblichen Mehraufwand von Ressourcen, die dadurch an anderen Stellen fehlen. Kosten 70.000 € p.a. für die Anmietung der Gießfahrzeuge SG-5 Prüfung neuer Systeme zur Bewässerung Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Die Bewässerung frisch gepflanzter, junger Bäume ist essentiell für ein erfolgreiches Anwachsen ohne Schäden. Daher wurde ein neues Bewässerungskonzept als Teil der Jungbaumpflege ausgearbeitet, in dem u.a. Bodenfeuchtesensoren an Baumstandorten eingesetzt werden sollen, um bedarfsgerecht Be- wässern zu können. Hierfür wurden verschiedene Sensoren sowie Übertragungstechnik (LoRaWaN) ge- testet sowie eine Plattform zur Integration der Daten und Steuerung der Bewässerungsleistungen ge- schaffen. Nach der Pilotphase mit ca. 50 Geräten (Sensoren und Übertragungstechnik) wird nun für die nächsten drei Jahre angestrebt, mit einem geförderten Projekt mehrere Hundert Sensoren zu installie- ren. Hindernisse Die Auswahl geeigneter Bodenfeuchtesensoren und Übertragungstechnik war am schwierigsten: Ent- weder war die Datenqualität oder die Übertragung nicht zufriedenstellend. Mittlerweile wurde aber ein passendes Produkt für den stadtweiten Einsatz ausgewählt. 54 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie SG-6 Grünsatzung Verantwortliche Stelle Gartenbauamt / Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Das Konzept „Grünsatzung“ wurde vom Gartenbauamt unter Federführung des Stadtplanungsamtes vertieft. Die Karlsruher Innenstadt mit ihren dicht bebauten und stark versiegelten Quartieren dient da- bei als Pilotprojekt. Hier besteht ein vordringlicher Bedarf, Begrünung zu erhalten bzw. neue begrünte Flächen zu schaffen. Nach Analyse bestehender Grundlagen und Planungen sowie einer juristischen Prüfung wurde das Pilot-Bebauungsplanverfahren für die Innenstadt eingeleitet. Dieser Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ befindet sich derzeit im Aufstellungsverfahren. Die Beteiligung der Öffentlichkeit wurde im Sommer 2022 durchgeführt. Derzeit ist der Bebauungsplan noch in inhaltlicher Überarbeitung, wird dann für den Auslegungsbeschluss vorbereitet und durchläuft anschließend noch die üblichen Verfahrensschritte. Nach Auswertung der Erfahrungen aus diesem Verfahren sollen weitere Stadtteile bis hin zum gesam- ten Stadtgebiet entsprechend der Satzung überplant werden. Die Grundlagenanalyse dafür ist bereits in Bearbeitung. Hindernisse Das formelle Verfahren ist sehr zeitaufwändig - auch aufgrund personeller Engpässe. Ein konkreter Ter- min für den Satzungsbeschluss kann daher trotz eines gesteigerten öffentlichen Interesses momentan nicht genannt werden. Indikator Die Größe des derzeitigen Geltungsbereiches beträgt ca. 200 ha. Im Vergleich umfasst die gesamte be- baute Fläche Karlsruhes (einschließlich Verkehrsflächen) etwa 6700 ha. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/stadtgruen-wald/freiraumentwicklung/gruensatzunght- tps://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/bebauungsplanung/bpl-gruenordnung-und- klimaanpassung-in-der-innenstadt Siehe auch Kapitel im ersten Teil dieses Berichts. SG-7 Brachflächenmanagement und Zwischennutzung innerstädtischer Flächen Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Es liegen Daten über alle Brachflächen des Liegenschaftsamtes und Gartenbauamtes als shape-Datei vor. Es wird geplant, das Brachflächenkonzept in 2024 durch UA zu erstellen und dann in die Umset- zung zu gehen. Hindernisse Begrenzte Ressourcen Indikator Brachflächen im Management: 0 ha Umwelt- und Arbeitsschutz | 55 SG-8 Förderung bürgerschaftlichen Engagements (Baumpatenschaften, Urban Gardening) Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Das Programm zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements im öffentlichen Grün wurde im Jahr 2020 neu aufgelegt. Seitdem werden jährlich neue Grünpatenschaften vergeben, die zu Beginn einer neuen Patenschaft mit persönlichen Ortsterminen mit den Antragstellenden einhergehen. Es finden jährlich 100 bis 150 Termine mit Bürger*innen statt. Jährlich im Herbst erhalten neue Grünpat*innen Stauden zur Bepflanzung der Beete aus der Stadtgärtnerei. Im Urban Gardening finden Ortstermine bei Neuanträgen oder bei Beratungsbedarf in den Projekten statt. Jährlich gibt es ein Vernetzungstreffen mit den beteiligten Gartengruppen und Trägervereinen. Darüber hinaus werden Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsarbeit angeboten (z.B. Parking Day, Info- stände, Stadtteilführung, Baumpflanzaktion, Beteiligungsveranstaltungen). Das Programm wurde er- folgreich aufgenommen und soll nach Möglichkeit als Daueraufgabe fortgesetzt werden. Hindernisse Die Nachfrage nach den Patenschaften ist jährlich im Frühjahr sehr groß. Die Antragstellung und das Genehmigungsverfahren wurden durch verschiedene Tools beschleunigt, benötigen aber nach wie vor eine lange Bearbeitungszeit, was zu längeren Wartezeiten für die Bürger*innen führt. Herausforderun- gen im Urban Gardening sind: Langfristigkeit des Engagements der Freiwilligen, Organisation von Gießwasser, Vandalismus, übermäßige Ernte durch Passant*innen. Die Maßnahme ist bisher als zeitlich begrenztes Projekt angelegt, benötigt aber eine dauerhafte Per- spektive. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/patenschaftenhttps://www.karlsruhe.de/urbangardening Indikator Anzahl Baumpatenschaften vor Beginn des Programms (2020): 47 Bäume & Beete in Patenschaft, An- zahl zum 01.01.2023: 465 Patenschaften Urban Gardening Standorte (2020): 6 Gärten, Anzahl (2023): 10 Gärten SG-9 Anpassung der Förderprogramme für städtisches Grün unter klimatischen Gesichtspunkten Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Im Jahr 2022 wurden 33 Beratungen im Rahmen des Förderprogramms durchgeführt und wovon 10 in einem Förderantrag mündeten. Die geplante Aufstockung der Fördermittel, sowie die Ausweitung des Fördergebietes auf die Gesamtstadt Karlsruhe als auch inhaltliche Anpassungen der Förderrichtlinie in- klusive der teilweisen Erhöhung der Fördersätze sind bereits erfolgt. Im Vergleich zu den Vorjahren konnte die Anzahl der Beratungen und in der Folge auch der Förderan- träge erhöht werden. Insbesondere im Bereich der Dachbegrünung gab es eine erhöhte Nachfrage be- dingt durch die Ausweitung des Fördergebietes. Ebenso kam als weiterer Fördergegenstand die Um- wandlung von Schottergärten hinzu, wodurch der Kreis an potentiellen Interessenten erweitert wurde. Hindernisse Für die Erarbeitung und Umsetzung des Förderprogramm steht nur eine begrenztes Stellenkontingent im Gartenbauamt zur Verfügung. Kosten Budget für Fördermittel: 40.000 € p.a. Weitere Informationen www.karlsruhe.de/gruenfoerderung Indikator Anzahl Beratungen in 2022: 33 Anzahl Förderanträge in 2022: 10 Hinweis: Da das Förderprogramm zwischenzeitlich angepasst wurde, wird in den folgenden Monitoringberichten über die Nutzung des Förderprogramms berichtet und die Maßnahme SG-9 umbenannt in „Nutzung der Förderprogramme für städtisches Grün“. 56 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie SG-10 Abstände von Leitungstrassen und Baumstandorten Verantwortliche Stelle Stadtwerke Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Der Fernwärme-Ausbau wird unter der Berücksichtigung der aktuellen Baumstandorte und der Not- wendigkeit weiterer Baumpflanzungen betrachtet. Aufgrund der notwendigen Abstände zwischen Bäu- men und Leitungstrassen kommt es zu Konfliktpotenzialen bei der großflächigen Umstellung auf Fern- wärme. Zudem sind die verwendeten Substrate an Baumstandorten derzeit noch unverträglich mit den Bettungsanforderungen der Fernwärme. Das Gartenbauamt, Tiefbauamt und die Stadtwerke sind hierüber in Beratung. Naturschutz und Erhaltung und Förderung der Biologischen Vielfalt N-1 Realisierung des Biotopverbundes und Vernetzung von Schutzgebieten und Trittsteinbiotopen Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz, Gartenbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Teile des Biotopverbundplans aus 2009 sind bereits umgesetzt worden. Andere Maßnahmen sind noch nicht vollständig umgesetzt, so dass die Umsetzung der Planung aktuell noch läuft. Der Biotopver- bundplan muss außerdem um einige neue Kulissen, wie die Feldvogelkulisse und um zahlreiche Zielar- ten erweitert werden. Ebenso werden durch die neuen fachlichen und rechtlichen Grundlagen weitaus mehr Kern- und Entwicklungsflächen in den Biotopverbund aufgenommen und infolgedessen Maßnah- men in deutlich größerem Umfang konzipiert. Die Umsetzung des Biotopverbundes soll außerdem ver- stärkt durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen auf städtischen Flächen unterstützt werden, wie bei- spielsweise der durch das Bundesprogramm geförderte Biodiversitätspfad zeigt. In 2023 wurde die Förderung einer auf fünf Jahre befristeten Stelle einer Biotopverbundbotschafter*in über die Landschaftspflegerichtlinie beantragt. Der vorzeitige Maßnahmenbeginn zur Ausschreibung dieser Stelle wurde aktuell vom Regierungspräsidium Karlsruhe bewilligt. Hindernisse Begrenzte Finanz- und Personalressourcen, insbesondere beim Gartenbauamt. N-2 Räumliche Erweiterung der Schutzgebietskulisse Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Es wurden zwei neue flächenhafte Naturdenkmäler ausgewiesen, Rennbuckeldüne und Grüner Weg sowie eine neues LSG. Aktuell wird die Ausweisung des neuen Landschaftsschutzgebiet Eisenhafen- grund vorbereitet. Hindernisse Begrenzte finanziell und personelle Ressourcen. Indikator Fläche der neu ausgewiesenen Schutzgebiete: 2018: Landschaftsschutzgebiet Oberwald-Rißnert: 771 ha 2019: Flächenhaftes Naturdenkmal Grüner Weg: 5 ha 2020: keine neuen Ausweisungen 2021: Landschaftsschutzgebiet Neureuter Feldflur: 81 ha 2022: Flächenhaftes Naturdenkmal Rennbuckeldüne: 2 ha 2023: Beginn der Aktualisierung aller Naturschutzdenkmäler 2024: geplante Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes Eisenhafengrund-Grünberg: voraussichtlich circa 30 ha Umwelt- und Arbeitsschutz | 57 N-3 Inhaltliche Überprüfung des Schutzzwecks bestehender Schutzgebiete Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Aktuell nicht durchführbar, es soll der Schutzzweck der Naturschutzdenkmäler noch 2023 überarbeitet werden. Hindernisse Begrenzte Personalressourcen beim ZJD. N-4 Erarbeitung eines kommunalen Artenschutzkonzeptes unter Berücksichtigung des Aspekts Klimawan- del Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Das Biodiversitätskonzept (Erstellung Ende 2021) beinhaltet ein kommunales Artenschutzkonzept un- ter Beachtung des Klimawandels. Insbesondere für bodenbrütende Vögel und Amphibien besteht Handlungsbedarf. Die Maßnahmen werden über Fördermittel als Daueraufgabe umgesetzt. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/naturschutz/biodiversitaetskonzept Indikator Kommunales Biodiversitätskonzept erstellt: Ja Hinweis: Da das Biodiversitätskonzept zwischenzeitlich erstellt wurde, wird in den folgenden Monitoringberichten über die Umset- zung des Konzepts berichtet und die Maßnahme N-4 umbenannt in „Umsetzung des Biodiversitätskonzept in Hinblick auf Klima- wandelauswirkungen“. N-5 Intensivierung des Erfahrungsaustauschs über Artenschutz und Klimawandel mit Kommunen im Bünd- nis „Biologische Vielfalt“ Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Gemeinsame Informations-Aktivitäten und Veranstaltungen laufen, müssen aber weiter intensiviert werden. N-6 Anpassung von Pflegemaßnahmen in Schutzgebieten an ein geändertes Klima Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Landschaftspflegerichtlinie (LPR)-Verträge werden angepasst und müssen flexibler umsetzbar sein. Bei- spielsweise sind extensive Grünlandbewirtschaftung und die Pflegehinweise für Maculinea Flächen an- gepasst worden. Hindernisse Ein wichtiges Hindernis ist, die Freiwilligkeit der Landwirte flexibel auf unterschiedliche Mahdzeit- punkte zu reagieren. 58 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie N-7 Umgang mit Neobiota und Monitoring des Floren- und Faunenwandels Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Die Öffentlichkeitsarbeit bezüglich Nutrias und Waschbären ist umgesetzt, eine Bejagung mittels Fallen in den Schutzgebieten erfolgt. Das Vorkommen der beiden Arten ist um 70% zurückgegangen. Die Spätblühende Traubenkirsche wurde durch Ringelversuche und Beweidung in den NSGs und im Hardt- wald eingedämmt. Die Entfernung der Götterbaum Hotspots am NSG Alter Flugplatz erfolgt partiell seit 2023. Für die Beifußblättrige Ambrosie sind keine neuen Hotspots vorhanden und seit den letzten Jahren so gut wie keine Ambrosien mehr an den alten Hotspots gesichtet worden (siehe auch Maß- nahme GE-6). Götterbäume am Flughafen wurden entfernt. Hindernisse Für die dringend notwendige Eindämmung der Nilgans und Kanadagans in den Schutzgebieten stehen keine Finanzmittel zur Verfügung. In der Öffentlichkeit werden manche invasive Arten bisweilen als „niedlich“ wahrgenommen, beispiels- weise Waschbären und Nutrias. Fütterverbote oder ähnliches werden daher häufig nicht befolgt, daher braucht es eine begleitende umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit. Invasive Bäume müssen teilweise aus Naturschutzgründen entfernt werden, beispielsweise Götterbäume am Alten Flugplatz. Auch dies muss entsprechend kommuniziert werden, um Unverständnis und Protest für Baumfällungen in der Bevölke- rung vorzubeugen. N-8 Gewässersanierung und Konzepte zur Regulierung des Wasserhaushalts in Feuchtgebieten Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe (teilweise: Projekt) Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert (Projekt: nicht weiter verfolgt) Aktueller Stand Der Knielinger See wurde 2016 saniert. Von 2016 bis 2021 wurde ein jährliches Seemonitoring durch- geführt. Ab 2023/24 wird die Frequenz auf alle zwei Jahre reduziert. Aufgrund der Witterung in den Sommern 2021 und 2022, die sehr heiß und trocken waren, war der Vergleich zu den vorherigen Be- richten schwierig. Für den Kleinen Bodensee in Neureut war vorgesehen, Maßnahmen zum Erhalt der Wassernuss zu er- greifen. Der Umwelt- und Arbeitsschutz hatte unterschiedliche Maßnahmen angedacht: Stützung des Wasserstandes, Biomanipulation bzgl. der Entenpopulation, etc. Diese konnten bisher noch nicht um- gesetzt werden. Hindernisse Aufgrund der Witterung in den Sommern 2021 und 2022, die sehr heiß und trocken waren, ist der Ver- gleich des Monitoringberichts über den Knielinger See zu den vorherigen Berichten schwierig. Das Projekt „Erhalt der Wassernuss“ am Kleinen Bodensee konnte mit den vorhandenen Personalka- pazitäten noch nicht gestartet werden. N-9 Verhinderung von Konflikten zwischen Baden und Naturschutz Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Die Kontrollen der Badestellen an Pfinz und Alb sind nach wie vor erforderlich. Bisher kam es hier je- doch zu keinen weiteren Konflikten. Die Badestellen am Grötzinger See sind häufig stark überlaufen, auch durch Besucher*innen von außerhalb des Stadtkreises. Hier gibt es nach wie vor Konflikte wegen der begrenzten Parkmöglichkeiten. Die Feldhut des Liegenschaftsamts kontrolliert hier ebenso wie die Bürgervereinigungen der Ortsverwaltung Grötzingen. Hindernisse Aus Sicht der Bevölkerung besteht Bedarf an weiteren Badestellen und Badeseen. Hier kann es also in Zukunft zu weiteren Konfliktsituationen mit dem Naturschutz kommen. Umwelt- und Arbeitsschutz | 59 Oberflächengewässer OW-1 Wiederherstellung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes an der Alb unter Berücksichtigung des Kli- mafaktors Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Da der Hochwasserschutz an der Alb auf Grund erhöhter Hochwasserabflüsse sein ehemals festgeleg- tes 100-jährliches Schutzziel verloren hat, überarbeiten die Städte Ettlingen und Karlsruhe derzeit ge- meinsam das zugehörige Hochwasserschutzkonzept. Maßnahmen des Technischen Hochwasserschut- zes und des Hochwasser-Flächenmanagements ergänzen sich hierbei. Oberhalb von Ettlingen ist ein Hochwasserrückhaltebecken geplant. Im Rahmen der Planung wird bei der Bemessung des Hochwas- serschutzes auch ein Klimafaktor als zusätzliche Sicherheitskomponente berücksichtigt. Die Planfest- stellungsunterlagen wurden im September 2022 beim Landratsamt Karlsruhe eingereicht. Kosten 50 Mio. € Gesamtkosten der Maßnahme Weitere Informationen https://www.ettlingen.de/informieren/krisen+_+katastrophen/hochwasser/100-jaehrlicher+hochwas- serschutz Indikator Erreichung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes an der Alb: Nein OW-2 Realisierung des Hochwasserrückhalteraums Bellenkopf/Rappenwört Verantwortliche Stelle Regierungspräsidium Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Ein Planfeststellungsbeschluss vom Dezember 2020 liegt vor. Dieser wird derzeit gerichtlich überprüft. Weitere Informationen https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/wasser/irp/rueckhalteraeume/polder-bellenkopf/rappenwo- ert/ Indikator Hochwasserrückhalteraum errichtet: Nein OW-3 Erarbeitung von Hochwasserrisikomanagementplänen Verantwortliche Stellen Regierungspräsidium Karlsruhe, Zentraler Juristischer Dienst der Stadt Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Der Hochwasserrisikomanagementplan für das Erarbeitungsgebiet Oberrhein ist erstellt und in der Um- setzung. Ein Teil des Hochwasserrisikomanagements ist das kommunale Starkregenrisikomanagement. Die Stadt Karlsruhe widmet sich dem Starkregenrisikomanagement seit 15 Jahren. Zur Aufgabenerfül- lung wurde 2023 eine ämterübergreifende Lenkungsgruppe „Starkregenrisikomanagement“ gegründet (siehe Maßnahme EW-4). Weitere Informationen https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/wasserboden/hwr/ Hochwassergefahrenkarten: https://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/ 60 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie OW-4 Sanierung des Retentionsraums Oberfüllbruch Verantwortliche Stellen Regierungspräsidium Karlsruhe Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Das Vorhaben befindet sich derzeit im Planfeststellungsverfahren. Weitere Informationen https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/abt5/ref531/seiten/retentionsraum-oberfuellbruch/ Indikator Wiederherstellung der Hochwasserschutzfunktion des Retentionsraums: Nein OW-5 Nutzung des landesweiten Flutinformations- und Warnsystems FLIWAS Verantwortliche Stellen Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Das Tiefbauamt nutzt FLIWAS als Informations- und Warnsystem. Bereitschaften und Einsätze werden als Lagemeldungen eingestellt und geplant. Hindernisse Die Cockpits sollten angepasst werden. Dafür fehlt derzeit das Personal. Weitere Informationen https://infoportal.fliwas3.de/,Lde/136608.html Indikator Nutzung des Warnsystems: Ja Grundwasserbewirtschaftung und Trinkwasserversorgung TW-1 Sicherstellung der langfristigen Trinkwasserversorgung Verantwortliche Stelle Stadtwerke Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Das neue Wasserwerk Mörscher Wald ist in Betrieb gegangen. Die Ertüchtigung des Wasserwerks Hardtwald wird 2023 geplant, die voraussichtliche Umsetzung ist 2026-2028. Kosten 38 Mio. € für Neubau des Wasserwerks Mörscher Wald Weitere Informationen https://www.youtube.com/watch?v=LvGRkQGCbEk GW-2 Prüfung von Maßnahmen zur Wassereinsparung durch effizientere Beregnungsmethoden Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Seit 2019 wird im Rahmen der Bearbeitung von Wasserrechtsanträgen für Beregnungsbrunnen der Landwirtschaft, von Sportvereinen sowie zur privaten Gartenbewässerung auf wassersparende Techni- ken und Methoden hingewiesen. Bewässerungen sollen nur in den frühen Morgenstunden bzw. in den Abendstunden erfolgen, so dass möglichst wenig Grundwasser verdunstet. Wassersparende Bewässe- rungssysteme (z.B. Tröpfchenbewässerung) müssen, sofern möglich, genutzt werden. GW-3 Grundwasserbilanzen im Stadtgebiet Karlsruhe Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Umwelt- und Arbeitsschutz | 61 Aktueller Stand Im Rahmen der Bearbeitung von Wasserrechtsanträgen zur Grundwasserentnahme wird bereits seit Jahren darauf geachtet, dass die Bilanz zwischen der Entnahme und der Grundwasserneubildung aus- geglichen ist. Der Bericht „Grundwasserbilanzen im Stadtgebiet Karlsruhe“ wurde noch nicht aktuali- siert. Indikator Grundwasserspiegel als Zeitreihe: Siehe Abbildung 8 auf Seite 13. Stadtentwässerung EW-1 Konsequente Berücksichtigung der Starkregenproblematik und Überflutungsvorsorge in Planungsver- fahren Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bei Planungsverfahren (zum Beispiel städtebaulichen Wettbewerben und Bebauungsplanverfahren) werden die Belange der Überflutungsvorsorge und Regenwasserbewirtschaftung regelmäßig einge- bracht. Generell wird bei Neubaumaßnahmen darauf hingearbeitet, dass die Flächenversiegelung nur dort stattfindet, wo es unbedingt erforderlich ist. Soweit es die natürlichen Bedingungen zulassen, wird das Dachflächenwasser zur Versickerung in Versickerungsmulden gebracht. Hindernisse Generell besteht bei den Eingaben zu Planverfahren die Problematik, dass die Hinweise bezüglich der Starkregenvorsorge nicht verbindlich sind und oft andere Belange (zum Beispiel Flächennutzung durch Bebauung oder Nutzung als Verkehrsfläche) dem entgegenstehen. Für die aufwändigen Prüf- und Aus- handlungsprozesse wäre zudem ausreichendes Fachpersonal im Tiefbauamt und im Umwelt- und Ar- beitsschutz notwendig. EW-2 Breitere Umsetzung des Konzepts multifunktionaler Flächennutzungen Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bei allen städtebaulichen Verfahren werden multifunktionale Flächennutzungen überprüft und mit den Beteiligten die Möglichkeiten der Umsetzung diskutiert. Aktuelle Beispiele sind die geplante Erschlie- ßung Neureut III und der Neubau Landratsamt (Grüne Mitte). Hindernisse Nutzungsdruck der zur Verfügung stehenden Flächen EW-3 Stärkere Berücksichtigung der Starkregenproblematik im Zuge von Straßenumbaumaßnahmen Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Es gibt regelmäßige Abstimmungen bei Planungsvorhaben innerhalb des Tiefbauamts als Straßenbau- lastträger. In den Planungsprozessen werden frühzeitige Hinweise an das Stadtplanungsamt gegeben. Mit Fertigstellung des Handlungskonzepts Starkregenrisikomanagement (SRRM, siehe Maßnahme EW- 4)) könnte eine ämterübergreifende gemeinsame Bearbeitung der Handlungsfelder etabliert werden. 62 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie EW-4 Stadtweite Ermittlung der potenziellen Überflutungsgefährdung im Falle extremer Starkniederschläge Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand fortgeschritten Aktueller Stand Starkregenvorsorge ist eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe und Daueraufgabe. Aktuell erstellt die Stadt Karlsruhe ein flächendeckendes Starkregenrisikomanagement (SRRM) nach dem Leitfaden der LUBW. Es wurde eine Lenkungsgruppe mit Teilnehmenden aus verschiedenen Ämtern gebildet. Ein ex- ternes Büro wurde mit der Erstellung des SRRM beauftragt. Langfristig ist geplant, das SRRM in Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit fortzuführen (siehe auch EW-7). Kosten 750.000 € für Vergabe des Auftrags an externes Büro EW-5 Optimierung der Steuerung und des Zuflusses von Rückhalteeinrichtungen Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Bei Sanierungen oder Umbau von Rückhalteinrichtungen, von Anlagen der Stadtentwässerung oder des Hochwasserschutzes werden Optimierungen geprüft. Beispiele dafür sind die Ertüchtigungen an den folgenden Einrichtungen: • Hochwasserrückhaltebecken Zennerklamm: soll ab Herbst 2023 erweitert werden, unter Be- rücksichtigung der Anpassung • Hochwasserrückhaltebecken Rittnert: wurde vor einigen Jahren neu gebaut unter Berücksich- tigung der Anpassung • Regenrückhaltebecken Michelsberg: Umbau mit neuem Drosselbauwerk vor einigen Jahren unter Berücksichtigung der Anpassung • Hochwasserrückhaltebecken Lustgarten: Erweiterung Stauraum und Umgestaltungen ober- halb im Einzugsbiet zur Anpassung EW-6 Flächendeckende Ausweitung der gesplitteten Abwassergebühr auf alle Grundstücke Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Die gesplittete Abwassergebühr wurde 2015 flächendeckend in ganz Karlsruhe eingeführt. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/gewaesser-stadtentwaesserung/entwaesserungsgebuehren Indikator Gesplittete Abwassergebühr in ganz Karlsruhe eingeführt? Ja Hinweis: Da die Maßnahme EW-6 abgeschlossen ist, erfolgt in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung der Maß- nahme. EW-7 Verstärkte Sensibilisierung und Beratung von Eigentümern und Bauherren zum Objektschutz bei Stark- regen Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Das Tiefbauamt hat sich zur Aufgabe gesetzt, Eigentümer*innen und Bauherren zum Thema Objekt- schutz bei Starkregen und Hochwasser zu beraten. In diesem Zusammenhang ist Informationsmaterial Umwelt- und Arbeitsschutz | 63 auf der Homepage der Stadt verfügbar. Die Ergebnisse des Starkregenrisikomanagement (siehe EW-4) sollen veröffentlicht und damit den Bürger*innen zur Verfügung gestellt werden. Hindernisse Öffentlichkeitsarbeits- und Beratungstätigkeiten können nur im Rahmen der vorhandenen personellen Kapazitäten erfolgen. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/gewaesser-stadtentwaesserung/hochwasserschutz Energieversorgung E-1 Ausweitung der energieeffizienten, klimafreundlichen Klimatisierung Aktueller Stand Diese Maßnahme wird im Rahmen des Karlsruher Klimaschutzkonzepts weiterverfolgt (siehe Hand- lungsfeld B, Bauen und Sanieren). Hinweis: Zur Maßnahme E-1 wird in den folgenden Monitoringberichten keine Aktualisierung erfolgen. Damit wird auch das Hand- lungsfeld Energieversorgung nicht mehr dargestellt. Verkehr V-1 Konsequente Beschaffung klimatisierter Fahrzeuge für den ÖPNV Verantwortliche Stelle Verkehrsbetriebe Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Im Januar 2022 erfolgte die Auftragsvergabe für 73 Fahrzeuge im Rahmen des Projektes "VDV Tram- Train" für die Verkehrsbetriebe. Diese Fahrzeuge ersetzen die bisherigen Niederflurstraßenbahnen, die bisher über keine Fahrgastklimaanlage verfügten. Die Auslieferung der neuen VDV-TramTrain-Fahr- zeuge beginnt ab dem Jahr 2026. Weitere Informationen Pressemitteilung VBK (KVV): https://www.kvv.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/meldun- gen/oepnv-kooperation-vergibt-vier-milliarden-tram-train-auftrag-an-stadler-fahrgaeste-in-deutsch- land-und-oesterreich-profitieren-von-modernsten-fahrzeugen.html Indikator Anteil der in Betrieb befindlichen Straßenbahnfahrzeuge mit Fahrgastklimaanlage: 44% (Zeitverlauf seit 2015 und Planzahlen bis 2030 siehe Abbildung 17 auf Seite 23). V-2 Rasengleise Verantwortliche Stelle Verkehrsbetriebe Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand 2022 wurde in der Eckenerstraße ein Rasengleis von circa 600 m Länge zweigleisig (insgesamt circa 1,2 km) und an der Rheinstrandsiedlung von 1,2 km Länge zweigleisig (insgesamt circa 2,4 km) zzgl. der Wendeschleife Heide installiert. Weitere Informationen Pressemitteilung VBK (KVV): https://www.kvv.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/meldun- gen/oepnv-kooperation-vergibt-vier-milliarden-tram-train-auftrag-an-stadler-fahrgaeste-in-deutsch- land-und-oesterreich-profitieren-von-modernsten-fahrzeugen.html Indikator Länge der Rasengleise in Mai 2023: 33,3 km von insgesamt 154,7 km Gleislänge (21,5%). Werte von 2021: 29,7 km von 154,7 km (19,2%) 64 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie V-3 Pilotprojekt zur Bewässerung von Rasengleisen Verantwortliche Stelle Gartenbauamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand geplant Aktueller Stand Die Maßnahme war als Teil eines größeren Förderprojektes geplant. Die Förderung wurde zwar bewil- ligt, was die Investitionen gedeckt hätte. Für die Koordination und Umsetzung des Teilprojekts stehen jedoch keine Personalkapazitäten bei den betreffenden Dienststellen zur Verfügung. Daher wurde das geplante Pilotprojekt gestoppt und befindet sich derzeit nicht in der weiteren Pla- nung oder Umsetzung. Hindernisse Fehlende personelle Ressourcen. Indikator Länge der Rasengleise mit Bewässerungstechnik: 0 m V-4 Reduzierung von Stellplätzen zugunsten von Frei- und Grünräumen Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand Gestartet Aktueller Stand Die Maßnahme wird in jedem Straßenbauprojekt mitgedacht und wenn möglich erfolgt die Begrünung / Baumpflanzung anstelle von Stellplätzen. Ein konkretes Projekt in diesem Bereich war die temporäre Umwidmung des Passagehofs zu einer Fuß- gängerzone mit Begrünungselementen im Jahr 2023. In diesem Bereich sind alle bisherigen Stellflä- chen weggefallen. Stattdessen wurden große Pflanzelemente mit Sitzrändern platziert, um die Aufent- haltsqualität zu erhöhen. Die Kübel enthalten insektenfreundliche Stauden und wurden von der Ausbil- dungsgruppe des Gartenbauamts installiert. Die Anschaffung und Pflege der Anlage wurden durch eine großzügige private Spende finanziert. Hindernisse Es gibt weder ein festes Konzept noch eine systematische Erfassung. Die Aufgabe erfolgt im Rahmen der täglichen Planungsarbeit. Die Maßnahme sollte eventuell im IQ-Parkraumkonzept- und -manage- ment nach einem politischen Zielfindungsprozess thematisiert werden. Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/staedtebauliche-projekte/oeffentlicher- raum-und-mobilitaet-innenstadt/weiterentwicklung-passagehof V-5 Klimaangepasste Straßenraumgestaltung und Verschattung von Verkehrswegen Verantwortliche Stelle Stadtplanungsamt Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Wird mitgedacht im Rahmen von Neuplanungen. Prinzipiell gibt es keine Neuplanung ohne intensiv geprüfte Begrünung durch Bäume. Hindernisse Es gibt kein übergreifendes Konzept, die Maßnahme erfolgt im Rahmen von Neuplanungen. Teilweise gibt es Platzprobleme bei schmalen Querschnitten, da für eine Verschattung oft zusätzliche Flächen notwendig sind. Umwelt- und Arbeitsschutz | 65 V-6 Besserer Sonnenschutz an Haltestellenwartehäuschen Verantwortliche Stelle Verkehrsbetriebe Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Künftig werden alle Wartehäuschen mit einem neuen weißen Plexiglasdach ausgestattet, das den Son- nenschutz verbessert. In 2022 erfolgte dies konkret an den Straßenbahnhaltestellen Nußbaumweg, Dornröschenweg, Karl-Delisle-Straße, Thomas-Mann-Straße und Eckenerstraße, an insgesamt 10 Hal- testellenhäuschen. Kosten Ein jährliches Budget kann nicht benannt werden. Insgesamt wird mit Kosten in Höhe von 810.000 Euro gerechnet. Indikator Anzahl der Wartehäuschen mit erhöhtem Sonnenschutz: Es gibt 215 Wartehäuschen an Bushaltestel- len und 302 Wartehäuschen an Bahnhaltestellen. Ca. 90 % an Bushaltestellen sind mit einem Flach- blechdach mit hohem Sonnenschutz ausgestattet. 10 Wartehäuschen an Bahnhaltestellen sind mit wei- ßem Plexiglasdach und 20 mit sonnenabweisender Farbe ausgestattet. Insgesamt 43 % haben damit einen erhöhten Sonnenschutz. V-7 Pilotstrecke mit hellem Asphalt zur Vermeidung von Hitzeschäden Verantwortliche Stelle Tiefbauamt Maßnahmentyp Projekt Umsetzungsstand abgeschlossen Aktueller Stand Einbau eines hellen Asphalts in der Lußstraße und auf der Südtangente. Nach circa zehn Jahren soll geprüft werden, inwieweit diese Art der Asphaltierung den Belastungen standhält und ob die helle As- phaltierung eine dauerhafte Alternative zu dunklen Asphaltsorten ist. Indikator Länge der Straßen mit hitzebeständigem hellen Asphalt: Diese Daten liegen im Tiefbauamt nicht vor. V-8 Informationsverbreitung bei Hitzeereignissen über den ÖPNV Verantwortliche Stelle Verkehrsbetriebe Karlsruhe Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand noch nicht geplant Aktueller Stand Die Bereiche Pressestelle/Marketing der Verkehrsbetriebe informieren bei etwaigen Hitzeereignissen ad hoc und nach Bedarf mithilfe von Pressekonferenzen, Pressemitteilungen, über Social Media und die Homepage. Der Fokus liegt dabei auf einer bestmöglichen Fahrgastinformation. 2022 fielen hitzebe- dingt an einzelnen Tagen einzelne Aufzüge des Stadtbahntunnels aus. Hindernisse Manche bestehende und grundsätzlich geeignete Informationskanäle stehen aufgrund interner Rege- lungen nicht für Hitzewarnungen zur Verfügung, da sie nur für verkehrsrelevante Informationen ge- nutzt werden sollen. Dies schränkt die Auswahl der Informationskanäle ein. 66 | Monitoringbericht 2023 zur Karlsruher Klimaanpassungsstrategie Wirtschaft und Arbeitsleben WA-1 Netzwerk Klimawandel und Produktivität Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand gestartet Aktueller Stand Geeignete Themen der Klimaanpassung können über die Klimaallianz mit Unternehmen (siehe Hand- lungsfeld C des Klimaschutzkonzepts 2030) verbreitet werden. Bisher wurden Anpassungsthemen und Fragestellungen zur Klimavulnerabilität in den Fragebogen eingeführt, der den Mitarbeitenden der Klimaallianz als Gesprächsgrundlage für den Kontakt zu den Unternehmen dient. Weitere konkrete Beispiele bestehen bisher noch nicht. Hindernisse Für weitergehende Beratungen und aktive Ansprache der Unternehmen fehlen die personellen Res- sourcen. WA-2 Informationen zum Arbeitsschutz bei Hitze intensivieren Verantwortliche Stelle Umwelt- und Arbeitsschutz Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand noch nicht geplant Aktueller Stand Es wird bisher nicht aktiv auf die Arbeitgeber im Stadtkreis zugegangen. Wenn sich Beschäftigte be- schweren, wird die Gewerbeaufsicht tätig. Hindernisse Begrenzte personelle Ressourcen Hinweis: Die Maßnahme WA-2 wird in Zukunft auch im Rahmen des Hitzeaktionsplans verfolgt (Maßnahme GE-8). Bevölkerungsschutz BS-1 Vermehrte Berücksichtigung des Klimawandels bei den Schadensszenarien von Katastrophenschutz- übungen Verantwortliche Stelle Branddirektion Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Priorisiert wurden im letzten Jahr präventive Maßnahmen und Vorbereitungen für einen möglichen Ein- bruch der Versorgungssicherheit von Energieträgern (Stromausfall, Gasausfall) getroffen. Darüber hin- aus wurden bzw. werden - auch vor dem Hintergrund zunehmender Schäden und Beeinträchtigungen durch wetterbedingte Ereignisse (Naturgefahren) - stadtweite kritische Tätigkeiten und Infrastrukturen untersucht und definiert, um diese im Ereignisfall besser schützen zu können. Es wurden außerdem die Erstellung einer Katastrophenschutzbedarfsplanung vorbereitet, welche inhaltlich verschiedene, auch klimabedingte Krisenszenarien behandeln soll. Umwelt- und Arbeitsschutz | 67 BS-2 Verstärkte Information der Bevölkerung über Vorsorge- und Selbstschutzmaßnahmen Verantwortliche Stelle Branddirektion Maßnahmentyp Daueraufgabe Umsetzungsstand als Daueraufgabe etabliert Aktueller Stand Erstellung von Webinhalten mit dem Presse- und Informationsamt unter der Rubrik "Vorbereitet sein" zur Vorsorge und dem richtigen Verhalten beim Ausfall der Energieversorgung, bspw. auch aufgrund Beschädigungen/Zerstörungen kritischer Infrastrukturen durch klimabedingte Naturgefahren. In 2023 gab es darüber hinaus Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Waldbrand/Vegetationsbrand (zum Beispiel ei- nen Beitrag in Baden TV). Weitere Informationen https://www.karlsruhe.de/aktuelles/strom-und-gasausfall
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Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/1427 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: UA Klimaanpassungsstrategie - Monitoringbericht 2023 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 24.01.2024 1 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Mit dem Beschluss der Klimaanpassungsstrategie im Juli 2021 wurde die Verwaltung beauftragt, 85 Anpassungsmaßnahmen weiter auszuarbeiten und im Rahmen der zur Verfügung gestellten Ressourcen umzusetzen. Ebenfalls erging der Auftrag, den Gemeinderat alle zwei Jahre über den Grad der Zielerfüllung und umgesetzte Maßnahmen zu informieren. Der vorliegende Monitoringbericht (Anlage) kommt diesem Auftrag nach und dokumentiert anhand verschiedener Indikatoren die Entwicklung des Klimawandels in Karlsruhe sowie den Stand der Maßnahmenumsetzung für alle 85 Maßnahmen der Anpassungsstrategie. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Grüne Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ abgestimmt mit SWK und VBK – 2 – Erläuterungen Der vorliegende Monitoringbericht gibt einen detaillierten Einblick in die Entwicklung und Auswirkungen des Klimawandels in der Stadt Karlsruhe, sowie in den aktuellen Stand der Umsetzung der Karlsruher Klimaanpassungsstrategie. Für diese Dokumentation wurden zahlreiche Indikatoren aus verschiedenen Themenbereichen und Handlungsfeldern gesammelt, aufbereitet und dokumentiert. Im Folgenden sind die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst. Klimawandel in Karlsruhe Die Betroffenheit durch den Klimawandel ist in der Stadt inzwischen immer stärker sichtbar und spürbar. Die messbaren Daten beispielsweise über Temperaturentwicklung, trockenheitsbedingte Baumschäden, Einsätze der Feuerwehr wegen Extremwetterlagen und andere Phänomene sprechen eine deutliche Sprache (siehe beispielweise Abbildung 1 und Abbildung 2). Die bereits im Monitoringbericht der Klimaanpassungsstrategie 2021 aufgezeigten Entwicklungen haben sich dabei fortgesetzt. Die bereits eingetretenen Schäden und Kosten durch den Klimawandel sowie die zu erwartenden Effekte verdeutlichen, dass Anpassung an die Folgen des Klimawandels in allen Handlungsfeldern sehr dringend und unabdingbar ist, um die Auswirkungen beherrschbar zu halten. Die lokale Anpassung ist dabei der Schlüssel. Abbildung 1: Anzahl der heißen und sehr heißen Tage in Karlsruhe, 1875-2022. Quelle: DWD – 3 – Abbildung 2: Nutzungsmengen Holz im Stadtwald Karlsruhe (in m³). Quelle: Forstamt. 2. Grundlagen, Organisation, Personal und Finanzausstattung Die Stadtverwaltung ist in Bezug auf Wissensgrundlagen und Konzepte sehr gut aufgestellt, um die Herausforderung Klimaanpassung anzugehen. Im Umwelt- und Arbeitsschutz besteht eine dauerhafte Personalstelle für die Koordination der städtischen Aktivitäten zur Klimaanpassung. In anderen Ämtern, die Klimaanpassungsmaßnahmen umsetzen, stehen keine gesonderten dauerhaften Personalstellen zur Verfügung. Es zeigt sich innerhalb der Verwaltung ein hohes Maß an Engagement, die Aufgabe der Klimaanpassung neben beziehungsweise im Tagesgeschäft zu bewältigen. Beispielsweise hat die Stadtverwaltung (Umwelt- und Arbeitsschutz, Gartenbauamt und Tiefbauamt) Fördermittel aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln von insgesamt 715.000 Euro für die Jahre 2019-2024 eingeworben. Aus diesem Budget konnten neben Sachausgaben im Jahr 2022 rund 2,5 Stellenanteile im Umwelt- und Arbeitsschutz sowie im Gartenbauamt geschaffen werden, darunter auch eine Projektstelle für die Erarbeitung des Hitzeaktionsplans. Diese Mittel sind allerdings zeitlich befristet, obwohl die Aufgaben dauerhaft bestehen werden. Im Rahmen der finanziellen Ausstattung im Korridorthema „Grüne Stadt“ standen 16.000 Euro jährlich für Öffentlichkeitsarbeit zu Klimaanpassungsthemen zur Verfügung. Darüber hinaus ist im Haushalt 2022/2023 kein gesondertes Budget für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen eingestellt worden. Durch den Beschluss des Doppelhaushalts 2024/25 mit mittelfristiger Finanzplanung sind für die Jahre 2024 bis 2028 mit 1,1 Mio. Euro im Ergebnishaushalt und 1,0 Mio. Euro pro Jahr im Finanzhaushalt für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen die finanzielle Ausstattung für die kommenden Jahre erheblich ausgebaut worden. Umsetzung der Anpassungsstrategie Die Verwaltung setzt die Klimaanpassungsstrategie kontinuierlich in zahlreichen Bereichen um. Seit 2021 wurden für viele Maßnahmen Fortschritte erzielt. Messbar ist dies anhand verschiedener Indikatoren. Viele der Indikatoren wurden innerhalb der Stadtverwaltung für diesen Monitoringbericht erstmals erhoben. In einer verwaltungsinternen Befragung haben die zuständigen Stellen über den Umsetzungsstand berichtet. Von den 85 Maßnahmen aus der Klimaanpassungsstrategie von 2021 wurden für 76 Maßnahmen aktualisierte Daten geliefert. Die restlichen Maßnahmen sind entweder abgeschlossen oder wurden in andere 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 20152016201720182019202020212022bis August 2023 davon planmäßig genutztdavon schadensbedingt – 4 – Kontexte überführt, wie zum Beispiel in Einzelfällen ins Klimaschutzkonzept. Der Großteil der untersuchten Maßnahmen ist gemäß der Selbstauskunft der zuständigen Dienststellen entweder vollständig umgesetzt, als Daueraufgabe fest etabliert oder in der Umsetzung weit fortgeschritten (46 von 76 Maßnahmen). Nur ein geringer Anteil der beschlossenen Maßnahmen wurde bisher nicht gestartet (siehe Abbildung 3). Abbildung 3: Berichteter Umsetzungsstand von 76 Maßnahmen. Quelle: Eigene Befragung. Allerdings zeigt eine genauere Analyse: Die Maßnahmen, die bereits weit in der Umsetzung sind, sind oftmals sogenannte „ohnehin-Maßnahmen“ – also Projekte oder Aufgaben, bei denen sich die Klimaanpassung als zusätzlicher Aspekt in das Aufgabenspektrum der Dienststellen integrieren lässt. Beispiele hierfür sind Maßnahmen im Bereich des Hochwasserschutzes, des Naturschutzes (zum Beispiel Ausweitung der Schutzgebietskulisse) oder des Bevölkerungsschutzes. Neue Maßnahmen, die einen wesentlichen Beitrag zur Minderung von Klimafolgen leisten könnten, aber zusätzlich zum bisherigen Aufgabenspektrum umgesetzt werden müssen, sind dagegen teilweise wenig fortgeschritten. Hierzu gehören beispielsweise Maßnahmen zur Entsiegelung und zur Schaffung zusätzlicher Grünflächen in der Innenstadt. Zugleich sind in den letzten Jahren auch neue Themen und Maßnahmen initiiert worden, die in der Klimaanpassungsstrategie noch nicht enthalten waren. Konkret sind hier die Umsetzung eines Trinkwasserbrunnenkonzepts und der Aufbau eines Klimasensornetzwerks zu nennen. Trinkwasserbrunnen sind wichtige Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsvorsorge bei Hitze, beleben das Stadtbild und stellen einen Baustein zur lebenswerten Stadt auch bei hohen Temperaturen dar. Die Stadt Karlsruhe hat 2021 ein Konzept für die Kenntlichmachung, Ertüchtigung und Unterhaltung der als geeignet festgestellten Bestandsbrunnen und die Installation neuer Trinkwasserbrunnen erstellt, das im Rahmen vorhandener Ressourcen unter Federführung des Gartenbauamtes umgesetzt wird. Klimasensoren können bei der Umsetzung der Karlsruher Klimaanpassungsstrategie einen wichtigen Beitrag leisten. Die Messdaten können beispielsweise für den Antrieb eines Stadtklimamodells mit höherer Vorhersagequalität genutzt werden. Die aufbereiteten Messdaten werden eine Informationsquelle für Bürger*Innen sein. Die Stadt Karlsruhe plant unter Federführung von IT-Amt und Umwelt- und Arbeitsschutz sukzessive ein Netzwerk aus Temperatursensoren aufzubauen, die in den Stadtteilen in unterschiedlichen räumlichen erfolgreich abgeschlossen / als Daueraufgabe etabliert Umsetzung ist fortgeschritten Umsetzungsphase hat begonnen Maßnahme ist geplant Maßnahme ist noch nicht (konkret) geplant – 5 – Situationen (z.B. mit/ohne Begrünung in der Umgebung) installiert werden können. Damit können Echtzeitdaten der Temperatur an vielen Orten in der Stadt erhoben werden. Der Maßnahmenkatalog der Klimaanpassungsstrategie ist nicht als abschließend zu verstehen, da die Dynamik der Klimawandelfolgen zusätzliche Maßnahmen oder Weiterentwicklungen bestehender Maßnahmen erfordert. Daher werden auch neu hinzugekommenen Themen zukünftig als Teil der Klimaanpassungsstrategie betrachtet. Entsprechend wird in zukünftigen Monitoringberichten über die Fortschritte bei der Umsetzung des Trinkbrunnenkonzepts und beim Aufbau eines Klimasensoren-Netzwerks sowie über andere Weiterentwicklungen berichtet werden. Schwerpunkte der umgesetzten Maßnahmen Der Monitoringbericht beinhaltet Steckbriefe aller 76 Klimaanpassungsmaßnahmen und zeigt oftmals anhand quantitativer Indikatoren den jeweiligen Fortschritt auf. Daneben werden fünf Maßnahmen und Projekte detailliert vorgestellt, die beispielhaft für die wichtigsten Handlungsfelder der Klimaanpassungsstrategie sind. Wichtige Themen sind Hitzevorsorge, Starkregenschutz und der Umgang mit Trockenheit. Die Auswahl der Maßnahmen spiegelt auch wider, welche Dienststellen und Ämter schwerpunktmäßig mit Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels befasst sind: 1. Hitzeaktionsplan: Gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf und dem Deutschen Institut für Urbanistik erarbeitet die Stadtverwaltung unter Beteiligung vieler Partner einen Hitzeaktionsplan für Karlsruhe. Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger zu ermitteln und umzusetzen. 2. Stadtplan für heiße Tage: An heißen Tagen ist es besonders wichtig, auf Orte in der Stadt hinzuweisen, an denen der Aufenthalt auch bei Hitze angenehm ist, und weitere Tipps zum hitzeangepassten Verhalten im Alltag zu geben. Dafür hat die Stadtverwaltung den „Stadtplan für heiße Tage“ erstellt, großflächig beworben und verteilt. Der Stadtplan zeigt attraktive Orte in Karlsruhe, die an heißen Tagen Abkühlung bieten und vermittelt auf positive und aktivierende Art und Weise Informationen und Handlungsempfehlungen zum Verhalten während einer Hitzeperiode. 3. Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung“ („Grünsatzung“): Die geplante sogenannte „Grünsatzung“ ist ein zentraler Baustein für die rechtsverbindliche Erhaltung und Entwicklung von Vegetation in der Stadt. Der erste Bebauungsplan mit dem Titel „Grünordnung und Klimaanpassung für die Innenstadt- West und die Innenstadt-Ost“ ist derzeit im Verfahren, die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit hat stattgefunden. Derzeit wird die Offenlage vorbereitet. 4. Starkregenrisikomanagement: Im Jahr 2022 hat die Stadtverwaltung die Arbeiten im Starkregenrisikomanagement begonnen. Zunächst wurde eine qualifizierte Grundlage zur Bewertung der starkregenbedingten Überflutungsgefahren und des Überflutungsrisikos erarbeitet. Darauf aufbauend wird ein ganzheitliches kommunales Handlungskonzept zur Minderung von Überflutungsschäden durch Starkregen erstellt. 5. Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts für den Stadtwald – 6 – Die klimawandelbedingten Schäden werden im Karlsruher Stadtwald zunehmend sichtbar. Das Anpassungskonzept für den Stadtwald sieht daher eine Reihe von Maßnahmen vor, darunter die Erhöhung der Baumartenvielfalt, die Naturverjüngung und die Erhöhung der genetischen Vielfalt. Herausforderungen Es gibt vielfältige Herausforderungen bei der Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie. Die Auswertung der Rückmeldungen aus den zuständigen Dienststellen hat insbesondere folgende Schwerpunkte ergeben: • Begrenzte personelle Ressourcen Es gibt in den meisten Bereichen kein Wissens- oder Informationsdefizit, sondern ein Defizit an Personal, um die erforderlichen Maßnahmen beschleunigt umzusetzen. Insbesondere die personalintensiven Maßnahmen im Aufgabenkomplex Stadtgrün und Stadtwald sind hiervon betroffen. Zudem gibt es teilweise Daueraufgaben, die von befristet eingestelltem Personal bearbeitet werden. Hier besteht grundsätzlich Bedarf für eine langfristige Perspektive. • Begrenzte finanzielle Ausstattung Bis 2023 gab es kein gesondertes Budget für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Das Budget, das der Verwaltung für ihre Pflichtaufgaben zur Verfügung steht, reicht in vielen Fällen nicht aus, den finanziellen Mehraufwand, der sich aus den klimatisch bedingten Veränderungen ergibt, zu decken (z.B. Mehraufwand bei der Verkehrssicherung von Bäumen entlang von Straßen, Wegen, öffentlichem Grün). • Unzureichende Rechtsgrundlagen, fehlende Verbindlichkeit Da es im Baugesetzbuch bislang keine Rechtsgrundlage gibt, um bei Bauvorhaben Klimaanpassungsmaßnahmen vorzuschreiben oder Bauanträge aus klimatischen Gründen abzulehnen, beschränkt sich der Handlungsspielraum der Stadt häufig auf Beratung, Motivation und Förderung. Die Bereitschaft von Bauwilligen, Mehrkosten in Kauf zu nehmen oder auf Baurechte zu verzichten, ist allerdings häufig trotz Beratung gering. • Klimaanpassung in Konflikt zu anderen öffentlichen Belangen Bei stadtplanerischen Entscheidungen ist Klimaanpassung Bestandteil der Abwägung öffentlicher Belange. In den Entscheidungen werden Belange der Klimaanpassung nicht immer vollumfänglich berücksichtigt. So steht eine Ausdehnung von Grünflächen oder die Pflanzung von Bäumen in der Stadt beispielsweise im Konflikt mit anderen Flächennutzungen (Bebauung, Parkierungsflächen, Leitungen im Untergrund u.a.). Der in Arbeit befindliche Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung“ (Arbeitstitel „Grünsatzung“) schreibt für die besonders betroffene Innenstadt Begrünungsmaßnahmen vor, wenn ein genehmigungspflichtiger Eingriff ansteht. Damit wird in einem zentralen Gebiet ein wichtiger Schritt zu mehr Begrünung geleistet werden. – 7 – Fazit Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist bereits heute eine dringende und wichtige kommunale Aufgabe, die in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stadtverwaltung in Bezug auf Wissensgrundlagen und organisatorische Strukturen in den meisten Fällen gut bis sehr gut aufgestellt ist, um die Herausforderung Klimaanpassung anzugehen. Zudem zeigt sich innerhalb der Verwaltung ein hohes Maß an Engagement, die Aufgabe der Klimaanpassung im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten zu bewältigen und zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen einzuwerben, auch wenn diese zeitlich befristet sind. Durch den Beschluss des Doppelhaushalts 2024/25 mit insg. 2,1 Mio. Euro pro Jahr für Klimaanpassungsmaßnahmen ist eine wichtige finanzielle Grundlage zur weiteren Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie geschaffen worden. Über Notwendigkeit und Umfang weiterer Ressourcen zur Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie wird im Rahmen zukünftiger Haushaltsberatungen zu entscheiden sein.
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Extrahierter Text
Klimaanpassungsstrategie -Monitoringbericht Dr. Julia Hackenbruch Umwelt-und Arbeitsschutz Klimaanpassung ▪zweiter Handlungsstrang neben dem Klimaschutz ▪nicht vom Handeln anderer Städte oder Staaten abhängig ▪Maßnahmen wirken lokal für Bürgerinnen und Bürger ▪breiter Handlungsspielraum für kommunale Ebene 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz2 Karlsruher Klimaanpassungsstrategie 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz3 2013 2021 2023 Konzept 1. Fortschreibung und Monitoring 2. Monitoring Monitoringbericht2023 ▪85 Maßnahmen in 16 Handlungsfeldern ▪+ Umsetzung Trinkwasserbrunnenkonzept ▪+ Aufbau eines Klimasensornetzwerk ▪Abfrage bei den federführenden Dienststellen ▪Umsetzungsstand ▪Herausforderungen ▪Zeitreihen für Daten, die ohnehin erhoben werden 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz4 Klimaanpassung bei der Stadt Karlsruhe 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz5 € Maßnahmenumsetzung: •zwölf Dienststellen •zwei städtische Gesellschaften •ohne eigene Klimaanpassungsstellen •16.000 Euro p.a. •715.000 Euro Fördermittel (Jahre 2019 –2025) •DHH 2024/2025: 2,1 Mio. Euro p.a. •1 Koordinationsstelle „Klimaanpassung, Stadtklima, Luftqualität“ (UA) •+ ab 2024: Projektstelle Klimaanpassungsmanagerin (UA) •~ 2,5 Projektstellen (UA und GBA) Umfangreiche Wissensgrundlagen Umsetzungsstand der einzelnen Maßnahmen 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz6 Seit 2021 wurden für viele Maßnahmen Fortschritte erzielt Der Umsetzungsstand der Einzelmaßnahmen hat sich in der Summe gegenüber 2021 deutlich verbessert erfolgreich abgeschlossen / als Daueraufgabe etabliert Umsetzung ist fortgeschritten Umsetzungsphase hat begonnen Maßnahme ist geplant Maßnahme ist noch nicht (konkret) geplant Highlights (Auswahl) 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz7 Bebauungsplan „Grünordnung und Klimaanpassung in der Innenstadt“ Quelle: https://geoportal.karlsruhe.de Quelle: Stadtplanungsamt Quelle: www.stadtwerke-karlsruhe.de Inbetriebnahme Wasserwerk „MörscherWald“ Starkregenrisikomanagement Start des Hitzeaktionsplans Passagehof: Pflanz-und Sitzelemente Quelle: PIA, Müller-Gmelin Highlights (Auswahl) 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz8 Anzahl der eindeutigen Zugriffe auf Stadtplan für heiße Tage 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 Mai 22 Jun 22 Jul 22 Aug 22 Sep 22 Okt 22 Nov 22 Dez 22 Jan 23 Feb 23 Mrz 23 Apr 23 Mai 23 Jun 23 Jul 23 Anzahl eindeutiger Zugriffe Stadtplan für heiße Tage (online) Herausforderungen laut Auskunft umsetzenden Dienststellen 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz9 0 5 10 15 20 25 begrenzte personelle Ressourcen begrenzte finanzielle Ressourcen unsicheres Wissenfehlende Rechtsverbindlichkeit § € Fazit ▪fortgesetzte Trends seit 2021: Temperatur, Hitzetage, Trockenstress, Klimawandelschäden ▪Eingetretene Schäden und Kosten durch den Klimawandel sowie zu erwartende Effekte verdeutlichen Dringlichkeit ▪hohes Maß an Engagement in Dienststellen, die Aufgabe der Klimaanpassung im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten „im Tagesgeschäft“ zu bewältigen und zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen zeitlich befristet einzuwerben ▪Seit 2024: zusätzliche finanzielle Mittel ▪„Sammelansatz Klimaanpassung“, 2,1 Mio. € p.a. 19.01.2024© Stadt Karlsruhe | Umwelt-und Arbeitsschutz10