Zusatzbezeichnung "Historische Künstlerkolonie" auch auf den Ortsschildern im Stadtteil Grötzingen
| Vorlage: | 2023/1413 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 19.12.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Ortsverwaltung Grötzingen |
| Erwähnte Stadtteile: | Grötzingen, Palmbach |
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DEUTSCHLAND NIEDERLANDE BELGIEN FRANKREICH STUTTGART Grötzingen Darmstadt Kronberg im Taunus Willingshausen Simonskall Schieder-Schwalenberg Solingen FRANKFURT KÖLN HANNOVER KASSEL Wer wir sind Im Jahr 1994 wurde euroart in Brüssel unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union gegründet. Künstlerkolonien wurden reaktiviert und zum Mitmachen motiviert. Viele ländliche Regionen entdeckten so ihr kulturelles Erbe wieder und präsentieren sich heute mit neuem Selbstbewusstsein. Euroart ist ein internationales Netzwerk und hat es sich zum Ziel ge- setzt, das gemeinsame europäische Kulturerbe der Künstlerkolonien zu pflegen, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Seit 2021 sind wir vom Europarat als „einzigartiges europäisches Netzwerk anerkannt, das sich für kulturelles Verständnis und Zusam- menarbeit einsetzt“. Das breite Spektrum der Mitglieder umfasst sowohl große Städte als auch kleine Gemeinden ehemaliger Künstlerkolonien mit ihren Museen, Kunstvereinen, öffentlichen und privaten Einrichtungen. Wofür wir stehen #1 Kulturelles Erbe – Wissenschaft Die Erhaltung des kulturellen Erbes und die wissenschaftliche Aufbe- reitung gehören zu den großen Aufgaben unseres Netzwerkes. #2 Förderung der zeitgenössischen Kunst – aktive Künstlerkolonien Die Ideen der einstigen Künstlerkolonien werden auf die heutige Zeit übertragen und ihre Absichten durch die Förderung aktueller Künstler und verschiedenster Aktivitäten lebendig gehalten. #3 Nachhaltiger Tourismus und Vermittlung Wir möchten einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zu dem be- deutenden historischen und kulturellen europäischen Erbe ermögli- chen. Deshalb entwickelt und fördert euroart gemeinsame touristische Angebote. Durch die räumliche und inhaltliche Verbindung zwischen den Künstlerkolonien wird das europäische Phänomen der „Künstler- kolonien“ in seiner ganzen Dimension erlebbar. Das Phänomen Künstlerkolonie Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entschieden immer mehr Künstler, insbesondere Maler, aufs Land zu ziehen, um sich in der Natur aufzuhalten. Sie sehnten sich nach einem einfacheren Leben, abseits von den strengen Regeln der Kunstakademien. Es entstand die Freilichtmalerei – bekannt als Pleinair-Malerei. Die Künstler brachten Freunde aus vielen Bereichen mit: Schriftsteller, Dichter, Komponisten, Musiker, Schauspieler. Ihnen folgten Kunstkritiker und Kunstsammler. Besonders Frauen fanden hier eine Möglichkeit sich künstlerisch zu verwirklichen. Die Künstlerkolonien wurden zu Orten der Begegnung. Die Landschaft war nicht mehr nur Kulisse, sondern das alleinige Thema der Künstler. Überall in Europa entstanden so kleine und gro- ße Künstlerkolonien. Künstler reisten in andere europäische Kolonien, um sich ungeachtet der bestehenden nationalen Grenzen inspirieren zu lassen. In einigen Fällen entwickelten sich die Kolonien zu Ge- meinschaften mit idealistischen Ideen und gesellschaftlicher Relevanz. Über das neue Phänomen wurde geschrieben und die Kolonien zogen viele Touristen an. Nach dem Ersten Weltkrieg verloren die meisten Künstlerkolonien ihren Charme. Die Entdeckung neuer künstlerischer Wege ist jedoch fest in den Künstlerkolonien verwurzelt. euroart – Künstlerkolonien in der Region MitteSogenannte „Malweiber“, Dachau um 1890 Abb. Titel: Friedrich Kallmorgen, Abendsegen, 1889, Öl auf Leinwand we inspire cultural connection Entdecken Sie die Künstlerkolonien in Deutschlands Mitte The European Federation of Artists’ Colonies Weitere Flyer gibt es für die Regionen Norddeutschland und Süddeutschland/Südtirol. Kontakt: office@euroart.eu www.euroart.eu 94 Mitglieder 46 Künstlerkolonien 12 europäische Länder Willingshausen Willingshausen ist ein typisches Haufendorf mit Schloss, Kirche und Fachwerkhäusern in reizvoller Hanglage. Die Geschichte seiner Künstlerkolonie reicht bis in das Jahr 1824 zurück, als sich Gerhardt von Reutern und Ludwig Emil Grimm dort zum Malen trafen. Seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts reisten Künstler nach Wil- lingshausen, um das Dorf, die ländliche Umgebung und die Schwäl- mer Tracht abzubilden. In den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1920 etablierte sich ein reges Künstlerleben. Die Vereinigung Malerstübchen e. V. bewahrt das Andenken an zwei Jahrhunderte Kunstgeschichte in einer Sammlung. Darunter Arbeiten von Ludwig Knaus, Adolf Lins, Carl Bantzer, Wilhelm Thielmann, Hermann Kätelhön und Henriette Schmidt-Bonn. Das künstlerische Leben wird nach wie vor im Rahmen von Ausstellungen, Kunststipen- dien und kreativen Angeboten fortgesetzt. Seit 2019 treffen sich jähr- lich international anerkannte Künstler und Künstlerinnen zur gemein- samen Freilichtmalerei mit anschließender Kollektivausstellung. Im Jahr 2024 feiern Willingshausen, Künstler und Künstlerinnen sowie alle kunstinteressierten Besucher die 200jährige Geschichte der Künstlerkolonie. Tourist-Info: 06697 - 14 18 www.malerkolonie.de Heinrich Otto, Schafherde Mathildenhöhe Darmstadt Unter der Schirmherrschaft von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein entwickelten Anfang des 20. Jh. herausragende Kunst-, Architektur- und Designschaffende die Mathildenhöhe Darmstadt zu einem einzigartigen Ensemble von Bauwerken, Kunstwerken und gestalteten Freiflächen. Die Dauerausstellung im Museum Künstlerkolonie präsentiert das in- novative Schaffen der Künstlerkolonie Darmstadt von 1901 bis 1914. Die Schau nimmt Bezug auf die Idee der Künstlerkolonie-Mitglieder, eine Durchdringung von Kunst und Alltag durch die Gestaltung von Gesamtkunstwerken zu erzielen. Die Präsentation im Museum Künstlerkolonie veranschaulicht auch die internationale Strahlkraft der Mathildenhöhe Darmstadt – seit 2021 eine UNESCO Welterbe- stätte – für die Entwicklung der Design- und Architekturgeschichte. Begleitet wird die Dauerausstellung von vielfältigen Sonderaus- stellungen im Ausstellungsgebäude, die sich wegweisenden Positio- nen in der zeitgenössischen Kunst widmen und gesellschaftliche Fragen sowie kulturelle Entwicklungen reflektieren. Das verbindet somit eindrucksvoll die reiche Geschichte des Ortes mit Diskursen der Gegenwart. 06151-13 28 08 www.mathildenhoehe.eu Grötzingen Die Landschaftsmalklassen der Großherzoglich Badischen Kunstaka- demie suchten Grötzingen als romantisches Dorf gegen Ende des 19. Jahrhunderts gerne für Studien auf. 1889 begründeten Friedrich und Margarethe Kallmorgen durch den Bezug ihres Sommerhauses und Otto und Jenny Fikentscher durch den Erwerb des Schlosses August- enburg die Grötzinger Malerkolonie. Als weitere Maler gesellten sich Gustav Kampmann, Franz Hein und Karl Biese hinzu. Im Bürgersaal des historischen Rathauses ist eine kleine Dauerausstellung dieser Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Auch heute noch ist es ein besonderes Merkmal des Stadtteils, dass sich ansässige Kunstschaffende stark für das Stadtteilkulturleben engagieren. Die Präsenz dieses Engagements der Kulturschaffenden ist das, was Grötzingen zu dem Kulturstadtteil von Karlsruhe macht. Die Marke „Kultur.Gut.Grötzingen“ vereint alle Kulturschaffenden im Stadtteil. Es gibt regelmäßige Ausstellungen, Aufführungen und Veranstaltungen. Seit 2019 besteht das Kunstfachwerk N6, welches neben Ausstellungsräumen auch Ateliers für Künstler*innen bietet. Idyllisch im Grünen gelegen ist man in 15 Minuten mit der Stadtbahn am Marktplatz mitten in Karlsruhe. 0721-133 76 10 www.karlsruhe-erleben.de Kronberg Die Malerkolonie Kronberg gehört zu den frühesten deutschen Künst- lerkolonien, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten. Ihre Ge- schichte ist eng verknüpft mit der nahegelegenen Großstadt Frankfurt, wo viele der Künstler, die heute zur Kolonie zählen, geboren wurden oder am Städelschen Kunstinstitut studierten. Bereits in den 1840er Jahren zog es Anton Burger, dem bedeutendsten der Kronberger Maler, erstmals in den Taunus, um in der freien Natur zu malen. Über 100 Künstler arbeiteten über 100 Jahre hinweg in Kronberg, darunter so bekannte Namen wie Wilhelm Trübner, Adolf Schreyer, Hans Thoma oder Carl Morgenstern. Seit 2018 beherbergt die ehemalige Villa des Künstlers Heinrich Winter die Sammlung der Stiftung Kronberger Malerkolonie. Das Museum bietet über 350 qm Ausstellungsfläche für die Präsentation der Gemäldesammlung und wechselnde Sonderausstellungen. Den besonderen Charme Kronbergs machen nicht nur der „Maler- blick“ über den Luftkurort Kronberg in die Mainebene aus, sondern auch die verwinkelten Altstadtgassen, pittoresken Fachwerkhäuser und die mittelalterliche Burg, das Wahrzeichen der Stadt. Vom Kunst- sinn der Victoria Kaiserin Friedrich, der Witwe Kaiser Friedrichs III., die sich im Jahre 1894 in Kronberg niederließ, kann sich der Besu- cher heute noch in dem in ihrem Auftrag erbauten, seit 1945 als Hotel genutzten Prachtbau „Schloss Friedrichshof“ überzeugen. Tourist-Info: 06173 - 703 11 53 www.kronberg-tourismus.de Schieder-Schwalenberg Ein Hauch längst vergangener Zeiten umfängt die Besucher Schwa- lenbergs und alte Mauern scheinen ihnen Geschichten zuflüstern zu wollen, denn sie sind Zeitzeugen früherer Epochen und vergessener Zeiten. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die neu entstehende Be- wegung der Plain-Air-Malerei den Grundstein für die Entwicklung von Künstlerkolonien in Europa legte, zog es auch zahlreiche Male- rinnen und Maler nach Schwalenberg, um dort das ländliche Leben unter freiem Himmel einzufangen. Schwalenberg avancierte nicht nur aufgrund seiner pittoresken Fachwerkhäuser und Gässchen, sowie der über allem zu thronen scheinenden Burg Anfang der 1920-er Jahre zur Künstlerkolonie, sondern auch aufgrund des sich darbietenden Naturphänomens des örtlichen Hochmoores, welches ganz eigene Lichtverhältnisse und ein besonderes Farbenspiel bedingt. Die spezifischen Farbeffekte und Lichtspiele, die mit den Luftströmungen am massigen Bergrücken des Schwalenberger Mörths zusammenhängen, lockten so immer mehr Impressionisten in die kleine Ackerbürgerstadt. In Anlehnung an die Zeiten der Künstlerkolonie wird in Schwalenberg alljährlich die Som- merakademie abgehalten, sowie ganzjährig regelmäßige Ausstellun- gen und Kunstveranstaltungen in den örtlichen Galerien angeboten. Tourist-Info: 05282 - 601 94 www.tourismus.schieder-schwalenberg.de Solingen Das „Schwarze Haus“ in Solingen verdankt seine Entstehung dem Engagement und der Anziehungskraft von Intellektuellen und Frei- geistern. Zuallererst dem Wirken der sehr gebildeten und emanzipier- ten Erna Heinen-Steinhoff (1898 – 1969), die als Muse der Künste in Solingen zu Anbeginn der 1920er Jahre einen literarischen Salon in der Manier des 19. Jahrhunderts schuf, ein Treffpunkt für Malerin- nen und Maler, Literaten, Musiker und Intellektuelle. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Wirtschaftsjournalisten und kunstsinnigen Lyriker Hanns Heinen (1895 – 1961), entwickelte sich Erna Heinen-Steinhoff zu einer bedeutenden Förderin der Künste. Zu den literarisch tätigen Protagonisten des „Schwarzen Hauses“ kamen noch drei Maler hinzu: Erwin Bowien (1899 – 1972), Bettina Heinen-Ayech (1937 – 2020) und Amud Uwe Millies (1932 – 2008). Gemeinsam bildeten die drei malenden Akteure der Kolonie das „Maler-Dreigestirn“ von Solingen. Sie schufen Porträts, Landschaften, Stadtansichten und hielten Szenerien des Alltags bildhaft fest. Ihre Motive fanden sie dabei im Bergischen Land, später auf gemeinsamen ausgedehnten Reisen, die die Künstlerkolonisten regelmäßig nach Sylt, Skandinavien, der Schweiz oder Paris führten. Gemalt haben die drei Akteure vor Ort, vor der Natur „Pleinair“, da es galt, auch das jeweilige Licht samt der Atmosphäre mit Ölfarben, Pastellkreide und Aquarellfarben unmittel- bar festzuhalten. www.bettina-heinen-ayech-foundation.com www.schwarzes-haus.com Simonskall Von 1919 – 1921 lebten und arbeiteten in Simonskall in der Gemein- de Hürtgenwald nahe der Stadt Düren politisch-aktive Intellektuelle und Künstler. In einem bewaldeten Tal gelegen, welches nur fußläufig erreichbar war, zog die Abgeschiedenheit insbesondere Künstler aus dem Kölner Umfeld an, die den Dadaismus als ihre Kunstform begriffen. Die Gründer bauten sich eine Druckerpresse, mit der sie eigene Grafiken und literarische Werke produzieren konnten. Die Kalltal- presse funktionierte wie ein eigener Verlag, der keiner Zensur unterlag. Die Kerngemeinschaft, welche aus der Schriftstellerin Käthe Jatho-Zimmermann, dem Kunsthistoriker Carl Oskar Jatho und den Avantgardisten Franz Nitsche und Franz Wilhelm Seiwert bestand, wurde durch regelmäßige Besuche und temporäre Mitbewohner er- weitert. So versteckte sich der Schriftsteller Ret Marut alias B. Traven hier, um sich einer Verhaftung aufgrund seines Engagements in der Münchener Räterepublik zu entziehen. Er ist heute noch durch die Verfilmung seiner Werke wie „Der Schatz der Sierra Madre“ und „Das Totenschiff“ bekannt. Die Kalltalgemeinschaft hatte durch ihre Versammlungen, Ausstellungen und vor allem durch ihre selbstge- druckten Schriften zu diesem Zeitpunkt bereits über die Eifeler Berge und Kölner Bucht hinaus das Interesse von Andersdenkenden aus der ganzen Republik erworben. Tourist-Info: 02429 - 30 9-0 www.huertgenwald.de www.kalltalgemeinschaft.de Gustav Kampmann, Mond hinter Kirchturm, Öl auf Pappe Die Mathildenhöhe Darmstadt, Foto: Bildarchiv Foto Marburg/Ingo E. Fischer Hans Northmann, Die Tinne (Altes Zinshaus), 1928, Öl auf Leinwand Bettina Heinen-Ayech, Selbstbildnis, 1977, Aquarell Fritz Wucherer, Am Bodensee (Blick auf die Mainau), 1905, Öl auf Leinwand F.W. Seiwert, Demonstration, 1925, Öl auf Leinwand
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Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/1413 Verantwortlich: Dez. 1 Dienststelle: Ortsverwaltung Grötzingen Zusatzbezeichnung "Historische Künstlerkolonie" auch auf den Ortsschildern im Stadtteil Grötzingen Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ortschaftsrat Grötzingen 13.03.2024 5 Ö Vorschlag Gemeinderat 23.04.2024 5 Ö Entscheidung Kurzfassung Der Ortschaftsrat Grötzingen schlägt dem Gemeinderat als zuständiges Gremium vor, dem Stadtteil Grötzingen mit Zustimmung des Innenministeriums Baden-Württemberg die Zusatzbezeichnung „Historische Künstlerkolonie“ auch auf den Ortsschildern zu verleihen. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, die Genehmigung des Innenministeriums einzuholen und die entsprechende Änderung der Ortsschilder zu veranlassen. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Zusatzbezeichnungen können auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der heutigen Bedeutung der Gemeinde beruhen. In der Vergangenheit wurden im Wesentlichen die Bezeichnungen „Bad“ und „Universitätsstadt“ verliehen. Durch das zuständige Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden- Württemberg wurden vor kurzem aber auch andere Namenszusätze genehmigt. Von besonderer Bedeutung ist insofern jeweils das eigene Selbstverständnis der Gemeinde oder des Ortsteils und der Bevölkerung im Hinblick auf die Zusatzbezeichnung als identitätsstiftendes Element für die örtliche Gemeinschaft. Zusatzbezeichnungen enthalten eine charakterisierende Aussage über den Status, die Eigenart, die Funktion einer Gemeinde, eines Ortsteils in gegenwärtiger oder historischer Hinsicht. Die Rechtsgrundlage findet sich in § 5 Abs. 3 der Gemeindeordnung Baden-Württemberg. Eine Zusatzbezeichnung kann über einen Gemeinderatsbeschluss mit qualifizierter Mehrheit, vorliegend einer Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aller Mitglieder, beantragt werden. Dieses Quorum soll sicherstellen, dass sich der Wunsch der Gemeinde nach der Bestimmung oder Änderung einer Zusatzbezeichnung auf ein breites demokratisches Fundament stützt. Straßenrechtlich beziehungsweise straßenverkehrsrechtlich sind die einschlägigen Normen nicht tangiert. In Karlsruhe hat der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 19. Dezember 2023 auf Vorschlag des Ortschaftsrates Wettersbach beschlossen, die Genehmigung für die Zusatzbezeichnung „Waldenserort“ für den Ortsteil Palmbach beim Innenministerium einzuholen. Aus stadthistorischer Sicht ist der Vorschlag des Ortschaftsrates grundsätzlich zu befürworten. Zu Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Grötzingen nämlich die sogenannte Malerkolonie, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Kunstschaffenden in wechselnder Besetzung. 1889 baute das Künstlerpaar Friedrich Kallmorgen und Margarethe Hormuth-Kallmorgen ein Haus im ländlichen Grötzingen, um dort in den Sommermonaten zu wohnen und zu malen. Weitere Künstlerinnen und Künstler folgten ihnen. Der Tiermaler Otto Fikentscher kaufte 1891 das ehemals markgräfliche Schloss Augustenburg und lebte dort mit seiner Frau Jenny. Die Karlsruher Maler Gustav Kampmann, Franz Hein und Karl Biese schlossen sich ihnen mit ihren Familien an, sodass mit der Zeit eine Künstlerkolonie nach dem Vorbild von Barbizon in Frankreich entstand. Die historische Künstlerkolonie in Grötzingen bestand bis zur Auflösung im Jahr 1903 und leistete einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Landschafts- und Naturmalerei der Jahrhundertwende. Zahlreiche Kunstwerke aus dieser Zeit deuten hierauf hin. Bis heute ist Grötzingen die einzige bekannte und verifizierte historische Künstlerkolonie in ganz Baden-Württemberg. Noch heute wird Grötzingen dank dieser Künstlerkolonie als „Badisches Malerdorf“ bezeichnet. Auch die Mitgliedschaft in der europäischen Vereinigung von historischen Künstlerkolonien Euroart geht auf die Existenz der ehemaligen Malerkolonie zurück. 2018 wurde das erste bundesweite Stadtteilkulturkonzept Grötzingen vom Gemeinderat verabschiedet. Dieses definiert die kulturpolitische Ausrichtung und Schwerpunktsetzung des Stadtteilkulturlebens in Gefolgschaft zum Karlsruher Kulturkonzept bis zum Jahr 2025 und darüber hinaus. Gemeinsam mit den Kulturschaffenden vor Ort wurden die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre benannt und strategische Maßnahmen gesammelt. Viele der erarbeiteten Ideen wurden unverzüglich umgesetzt und so steht die Grötzinger Kulturkonzeption auf einem soliden Fundament. Die Ortsverwaltung bewahrt das historische Erbe der Künstlerkolonie, indem die historischen Gemälde und Kunstwerke in vielseitigen Ausstellungsformaten im Ort und anderen Ausstellungen anderer Gemeinden und Städte gezeigt werden. Zudem wird die Tätigkeit heutiger Kunstschaffender aktiv unterstützt. Ebenso greift die Städtische Galerie dieses historische Erbe gelegentlich in Ausstellungen auf. – 3 – Als Zentrum dient hierfür das historische Rathaus, in dem eine repräsentative Auswahl aller Künstlerinnen und Künstler der historischen Künstlerkolonie ständig ausgestellt werden sowie das städtische Ausstellungshaus „Kunstfachwerk N6“, in dessen Räumen wechselnde Ausstellungen qualitativ hochwertiger, aktueller Kunst - auch von heute in Grötzingen lebenden Künstlerinnen und Künstlern - gezeigt werden. Aufgrund der historischen Bedeutung der Künstlerkolonie für den Ortsteil Grötzingens wird der Namenszusatz grundsätzlich für hilfreich und sinnvoll erachtet. Eine übergeordnete kulturtouristische Bedeutung wird im Hinblick auf die städtische Ausrichtung des Tourismus eher weniger gesehen. Der Zusatz kann allerdings hilfreich bei der touristischen Kulturvermarktung im Kontext Grötzingen sein. Auch im Zuge der Platzierung und Vermarktung der Künstlerkolonie über das Netzwerk Euroart, wird ein Hinweis auf die kulturellen Wurzeln des Stadtteils Grötzingen als durchaus hilfreich erachtet. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt mit der erforderlichen Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aller seiner Mitglieder, dass der Stadtteil Grötzingen in Zukunft die Bezeichnung „Historische Künstlerkolonie“ auch auf den Ortsschildern führt. Die Verleihung der Bezeichnung ist von der Genehmigung des Innenministeriums Baden-Württemberg abhängig. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, die Genehmigung des Innenministeriums einzuholen und die entsprechende Änderung der Ortsschilder zu veranlassen.
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Niederschrift 63. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. April 2024, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 5 der Tagesordnung: Zusatzbezeichnung "Historische Künstlerkolonie" auch auf den Ortsschildern im Stadtteil Grötzingen Vorlage: 2023/1413 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt mit der erforderlichen Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aller seiner Mitglieder, dass der Stadtteil Grötzingen in Zukunft die Bezeichnung „Histori- sche Künstlerkolonie“ auch auf den Ortsschildern führt. Die Verleihung der Bezeichnung ist von der Genehmigung des Innenministeriums Baden-Württemberg abhängig. Der Gemein- derat beauftragt die Verwaltung, die Genehmigung des Innenministeriums einzuholen und die entsprechende Änderung der Ortsschilder zu veranlassen. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung (42 JA) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 5 zur Behandlung auf: Hier darf ich darauf hinweisen, dass eine Dreiviertelmehrheit des gesamten Gemeinderats erforderlich ist und bitte um Ihr Votum ab jetzt. – Das ist, da es mehr als 37 ist, eine Drei- viertelmehrheit, von daher darf sich, liebe Frau Eßrich, Grötzingen nun einer besonderen Zusatzbezeichnung freuen. Auch wir freuen uns mit Grötzingen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 8. Mai 2024