Aufnahme der Grabstätten von Franz Müller/Friedrich Wörishoffer und Ernst Würtenberger in die Liste der erhaltenswerten Gräber
| Vorlage: | 2023/1190 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.10.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Friedhofs- und Bestattungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Knielingen |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 20.02.2024
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Zustimmung
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/1190 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: Friedhofs- und Bestattungsamt Aufnahme der Grabstätten von Franz Müller/Friedrich Wörishoffer und Ernst Würtenberger in die Liste der erhaltenswerten Gräber Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 02.02.2024 3 N Vorberatung Hauptausschuss 06.02.2024 9 N Vorberatung Gemeinderat 20.02.2024 7 Ö Entscheidung Kurzfassung Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Hauptausschuss, die Grabstätten von • Franz Müller/Friedrich Wörishoffer, Hauptweg 14 Nr. 31A/31B, Hauptfriedhof • Ernst Würtenberger, Hauptweg 33, Nr. 3+4, Hauptfriedhof aufgrund ihrer Verdienste für die Stadt Karlsruhe als erhaltungswürdig zu erklären. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsgebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätte. Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ ☐ Investition ☒ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: 5770 Euro Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten:577 Euro Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☒ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Franz Müller (1868-1935) / Friedrich Wörishoffer (1839-1902), Hauptweg 14 Nr. 31A/31B, Hauptfriedhof Auf der Grabstätte weisen ein Grabstein und drei Tafeln auf neun hier bestattete Mitglieder dieses Familienverbands hin. Im Zentrum steht der Grabstein von Friedrich Wörishoffer und seiner Frau Marie. Ebenfalls genannt sind Maries Schwester Luise und ihre Mutter Luise. Außerdem ist die Tochter des Ehepaars Wörishoffer, Luisa Carolina Antonia, ihr Mann, der Oberlandesgerichtsrat Georg Heinrich Franz Müller, sowie ihre zwei Kinder, Hedwig (früh verstorben) und Gertrud, später verheiratete Guttzeit, genannt. Schließlich noch Peter Guttzeit; nach seinen Lebensdaten vermutlich der Sohn von Gertrud. Die beiden letztgenannten Personen scheinen nicht in Karlsruhe gelebt zu haben, zumindest finden sie sich nicht in den Karlsruher Sterbebüchern. Franz Müller (1868-1935) Zum Oberlandesgerichtsrat Georg Heinrich Franz Müller liefern die digitalisierten Karlsruher Zeitungen nur Hinweise auf seinen beruflichen Werdegang: 1903 vom Amtsrichter zum Oberamtsrichter befördert, 1906 Landgerichtsrat, 1919 zeitweise zum Vorsitzenden einer Kammer für Handelssachen am Landgericht ernannt, nach Ende dieser Tätigkeit zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. 1933 im Ruhestand. Friedrich Wörishoffer (1839-1902) Der 1839 in Langenselbold bei Hanau geborene Friedrich Wörishoffer studierte am Polytechnikum in Karlsruhe Ingenieurwissenschaften. Anschließend trat er in den badischen Eisenbahndienst ein. In den folgenden 20 Jahren war er, zuletzt als Bezirksingenieur in Waldshut, in zahlreichen Dienststellen im ganzen Land tätig. 1879 wurde er auf das neu eingerichtete Amt eines Fabrikinspektors im Handelsministerium berufen. Seine Aufgabe war die Weiterentwicklung des Arbeiterschutzes, der in Deutschland erst am Anfang stand. In seiner 22 Jahre langen Tätigkeit in diesem Amt baute er die badische Gewerbeaufsicht wesentlich aus. 1890 wurde er zum Vorstand der Badischen Fabrikinspektion (seit 1912 Gewerbeaufsichtsamt) ernannt, die direkt dem Innenministerium unterstellt war. Von 1892 bis 1901 war Wörishoffer auch Mitglied der Reichskommission für Arbeiterstatistik. In dieser Funktion engagierte er sich für eine Begrenzung der Arbeitszeit und den Schutz jugendlicher Arbeiter*innen. Zur Verbesserung der Arbeiterschutzgesetzgebung trug er Wichtiges bei, insbesondere in Bezug auf die Arbeitsbedingungen für verschiedene Berufsgruppen wie Bäcker*innen, Kellner*innen oder Getreidemüller*innen. In Karlsruhe war er lange Jahre Mitglied der städtischen sozialen Kommission sowie Unterstützer einer Genossenschaft zur Errichtung von Arbeiterwohnungen und des Vereins Volksbildung in Karlsruhe. Wörishoffer wurden zu Lebzeiten das Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub des Zähringer Löwenordens, das Ritterkreuz des Ordens Bertold I. sowie vom Kaiser der Rote Adlerorden III. Klasse verliehen. Außerdem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg. Auf die Bedeutung seines Wirkens weisen auch die zahlreichen Nachrufe auf ihn in Zeitungen aus dem ganzen Deutschen Reich hin. Hauptquelle der biografischen Angaben: R. Fuchs: Dr. Friedrich Woerishoffer. Vorstand der Grossherzoglich Badischen Fabrikinspektion von 1879 bis 1902, Karlsruhe 1903. – 3 – Zu den Gründen der Straßenbenennung nach Friedrich Wörishoffer 1990 findet sich in der Straßenbenennungsakte kein Hinweis. Auf jeden Fall belegt die Benennung, dass Wörishoffer auch 88 Jahre nach seinem Tod als eine für Karlsruhe bedeutende Persönlichkeit wahrgenommen wurde. Die nicht nur für die badische, sondern auch für die reichsweite Sozialpolitik des ausgehenden 19. Jahrhunderts wichtige Tätigkeit Wörishoffers ist Anlass für eine entsprechende Würdigung (Ehrengrab) durch das Friedhofs- und Bestattungsamt. Dies wird auch durch seine oben erwähnten Karlsruher Aktivitäten im sozialen und Bildungsbereich gestützt. Ernst Würtenberger (1868-1934), Hauptweg 33, Nr. 3+4, Hauptfriedhof Biografische Übersicht Maler, Grafiker, Professor, * 3. Oktober 1868 Steißlingen/Lkr. Konstanz, † 5. Februar 1934 Karlsruhe, kath., ∞ 1902 Lina Schönenberger, zwei Söhne, eine Tochter. Nach dem Abitur am Gymnasium in Konstanz studierte Würtenberger von 1888-1892 an der Akademie in München. 1894/95 war er Schüler von Arnold Böcklin in Florenz und 1896/97 Meisterschüler von Ferdinand Keller an der Badischen Kunstschule in Karlsruhe. Von 1898-1902 lebte er in München. In seiner Züricher Zeit von 1902-1921 fand er über das Werk von Ferdinand Hodler zu seiner eigenen Formensprache, die ihn zu einem gefragten Porträtisten im Schweizer und südbadischen Raum machte. Neben der Lehrtätigkeit an der Luise-Stadler-Schule und ab 1914 an der Kunstgewerbeschule fertigte er bis 1921 etwa 200 Porträts von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur an. 1921 folgte Würtenberger dem Ruf als Professor für Holzschnitt und Illustration an die Badische Landeskunstschule in Karlsruhe, wo er bis zu seinem Tod 1934 lehrte. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Otto Laible, Erwin Spuler und Fritz Klemm. Zur Erinnerung an sein Wirken in Karlsruhe wurde 1964 die Ernst-Würtenberger-Straße im Stadtteil Knielingen nach ihm benannt. Quelle: gekürzt aus dem Stadtlexikon Karlsruhe, Text von Katja Förster Zur Bedeutung Ernst Würtenbergers für Karlsruhe Ernst Würtenberger hat nur den kleineren Teil seines Berufslebens in Karlsruhe verbracht. Doch bereits während seines ersten Aufenthalts in den Jahren 1896/97 als Meisterschüler in Karlsruhe von Ferdinand Keller wurden seine Werke im Kunstverein und in der Kunsthalle ausgestellt. Erst 1921 kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo er bis kurz vor seinem Tod 1934 als Professor an der Landeskunstschule wirkte. Auch für diesen Zeitraum ergibt eine kursorische Zeitungsrecherche nur fachliche Aktivitäten (also kein politisches, soziales oder anderes Engagement), diese allerdings in größerem Umfang. Seine Werke wurden regelmäßig in der Fächerstadt gezeigt und in der Presse gelobt. 1923 war er als Preisrichter für die Plakatentwürfe zur Großen deutschen Kunstausstellung für freie und angewandte Kunst in Karlsruhe und als Mitglied der Ausstellungsleitung tätig. Daneben war Würtenberger Autor von Büchern, so über Hans Thoma und J.A.D. Ingres, und von zahlreichen Artikeln zur Malerei und zu Künstlern in Zeitschriften und Zeitungen, davon mehrere in Karlsruher Tageszeitungen. Außerdem hielt er zu diesen Themenbereichen regelmäßig Vorträge in Karlsruhe. Würtenberger galt in Karlsruhe zu Lebzeiten als renommierter Lehrer und Künstler, der über die Presse und seine Vorträge auch in die Öffentlichkeit wirkte. Dass er auch heute noch wahrgenommen wird, belegt eine Auflistung von acht Ausstellungen in den letzten 30 Jahren, in denen auch Arbeiten von Würtenberger gezeigt wurden. Zwei weitere Ausstellungen 2017/18 hatten ihn direkt als Thema: – 4 – https://recherche.sik-isea.ch/en/everything/in/sikart/exhibition/list?0.0.type=actor&0.0.@id=sik:person- 4022972&0.type=actor Bis heute ist sein druckgrafisches Werk mit Karlsruhe verbunden, da es in der Staatlichen Kunsthalle aufbewahrt wird. Die Benennung einer Straße in Knielingen nach Ernst Würtenberger im Jahr 1964 unterstreicht seine Bedeutung für Karlsruhe weit über seinen Tod hinaus. Erläuterungen zu den finanziellen Auswirkungen Die Stadt Karlsruhe übernimmt für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsgebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten mit dem Gesamtbetrag von 5.770 Euro. Die Gesamtkosten werden im Teilhaushalt 6900 Friedhofs- und Bestattungsamt unter dem PSP- Element 1.690.55.30.03.03 Ehrengräber berücksichtigt. Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Hauptausschuss, die Grabstätten von • Franz Müller/ Friedrich Wörishoffer, Hauptweg 14 Nr. 31A/31B, Hauptfriedhof • Ernst Würtenberger, Hauptweg 33, Nr. 3+4, Hauptfriedhof aufgrund ihrer Verdienste für die Stadt Karlsruhe als erhaltungswürdig zu erklären. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsgebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten.
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Extrahierter Text
Niederschrift 61. Plenarsitzung des Gemeinderates 20. Februar 2024, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 7 der Tagesordnung: Aufnahme der Grabstätten von Franz Müller/Friedrich Wörishoffer und Ernst Würtenberger in die Liste der erhaltenswerten Gräber Vorlage: 2023/1190 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Hauptausschuss, die Grabstätten von • Franz Müller/ Friedrich Wörishoffer, Hauptweg 14 Nr. 31A/31 B, Hauptfriedhof • Ernst Würtenberger, Hauptweg 33, Nr. 3+4, Hauptfriedhof aufgrund ihrer Verdienste für die Stadt Karlsruhe als erhaltungswürdig zu erklären. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsgebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung. Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 7 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen am 2. Februar 2024 und im Hauptausschuss am 6. Februar 2024. Auch da können wir, glaube ich, gleich hier abstimmen, und zwar ab jetzt. – Auch das ist einstimmige Zustimmung. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 11. März 2024