Charta der Vielfalt

Vorlage: 2023/1047
Art: Informationsvorlage
Datum: 12.09.2023
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Personal- und Organisationsamt
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 24.10.2023

    TOP: 6

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Beschlussvorlage_Charta der Vielfalt
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/1047 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: POA Vielfalt fördern, wertschätzen und leben: Die Charta der Vielfalt als Dach der Diversity-Aktivitäten der Stadt Karlsruhe Beratungsfolge Termin Öffentlichkeitsstatus Zuständigkeit Personalausschuss 12.10.2023 nö Vorberatung Gemeinderat 24.10.2023 ö Beschlussfassung Kurzfassung Die Stadt Karlsruhe engagiert sich in vielfältigen Projekten und Aktivitäten, die der Anerkennung, Förderung und Wertschätzung des Vielfaltsgedankens dienen. Neben dem Ausbau und einer Erweiterung des bisher nur wenig systematisch erschlossenen Diversitymanagements steht auch die kontinuierliche Entwicklung einer vielfältigen Organisationskultur im Fokus. Mit einem zweistufigen Prozess, beginnend mit dem offiziellen Bekenntnis durch Beitritt zur Charta der Vielfalt, gefolgt von einer stadtweiten Diversitymanagement-Konzeption, soll der nächste Entwicklungsschritt auf dem Weg zu einer vielfältigen und für alle Mitarbeiter*innen und Bürger*innen attraktiven Arbeitgeberin unternommen werden. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Stufe 1 ohne zusätzliche Kosten Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ausgangslage Die aktive Förderung von Vielfalt, beispielsweise in den Dimensionen kulturelle und soziale Herkunft, sexuelle Identität oder Alter, ist ein elementarer Aspekt der modernen, wertschätzenden und zeitgemäßen Unternehmenskultur. Als Arbeitgeberin bekennt die Stadt Karlsruhe sich zu einer vielfaltsorientierten Kultur und fixierte dies entsprechend in ihrem kulturellen Leitbild, den Leitlinien für Führung und Zusammenarbeit: „Wir respektieren unsere Vielfalt und sehen diese als Chance“. Nicht zuletzt aufgrund der demographischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt erlangt die Entwicklung und der Ausbau von Vielfaltsaktivitäten eine erfolgskritische Bedeutung für die Sicherstellung des Personalbedarfs: gelebte Vielfalt wirkt nach innen und außen. Vielfältige Organisationen wirken positiv auf Zufriedenheit, Motivation und empfundene Wertschätzung der Mitarbeiter*innen und erhöhen durch eine vielfaltsfördernde Organisationskultur die Mitarbeiter*innenbindung. Auch auf potenzielle Bewerber*innen wirkt sichtbare Vielfalt, beispielsweise von Mitarbeiter*innen mit Bürger*innenkontakt als positives Signal und Teil der Arbeitgeber*innenattraktivität und -identität. In den vergangenen Jahren haben unterschiedliche Dienststellen der Stadt Karlsruhe mit großem Engagement, aus Überzeugung und dem Vielfaltsgedanken verpflichtet zahlreiche Einzelmaßnahmen und Aktivitäten entwickelt und vorangetrieben. Beispielhaft genannt seien die umfangreichen Fortbildungsangebote, das Leuchtturmprojekt zur beruflichen Integration Geflüchteter, das Personalmarketing und der Runde Tisch Antirassismus und Antidiskriminierung (eine umfassende Übersicht der bestehenden Maßnahmen und Aktivitäten wird im Personalausschuss am 12.10.2023 präsentiert). Die Konzeption, Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Diversitymaßnahmen ist aktuell ausschließlich dezentral initiiert und nicht zentral, beispielsweise durch eine gesamtstädtische Vielfaltsstrategie oder ein Diversitymanagement gesteuert. Der Gemeinderat hat die Unterzeichnung zur Charta der Vielfalt erstmals 2019 im Plenum diskutiert. Die Vorlage 2019/1064 befasste sich mit dem Antrag der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion „Agenda „Vielfalt@KA: Gemeinsamkeiten stärken und Schranken abbauen!“, der als einen Aspekt die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt beinhaltete. Auch die Vorlage 2019/1212 der SPD-Gemeinderatsfraktion „Mehr Sichtbarkeit für Themen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern bzw. Intersexuellen oder queeren Gruppen (LSBTTIQ)“ stellte den Antrag zur Unterzeichnung der Charta. Die Notwendigkeit, als Arbeitgeberin ein aktives Bekenntnis zu einem organisational verankerten Vielfaltsgedanken zu leisten, wurde in den Personalausschuss verwiesen und seitdem in mehreren thematisch angeschlossenen Diskussionen erörtert. Ein Ausbau und eine Weiterentwicklung dieser Aktivitäten, speziell im Bereich der Strategieentwicklung als auch der personellen Bündelung von Aktivitäten, beispielsweise durch Diversitymanager*innen oder spezifische Beauftragte (z.B. für queere Lebensformen oder vulnerable Gruppen) wird politisch bereits seit längerer Zeit gefordert. Als zentrale Maßnahme wird insbesondere ein Beitritt zum Bündnis „Charta der Vielfalt“ angeregt. Charta der Vielfalt Die Charta der Vielfalt ist eine Initiative von Arbeitgeber*innen, die 2006 gegründet wurde und Stand September 2023 rund 4900 Unterzeichner*innen hat. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt sind im Kern zwei Wirkungsfelder für Unterzeichner*innen verbunden: • Bekenntnis und Selbstverpflichtung: die Stadt Karlsruhe positioniert sich aus eigenem Anspruch und vergemeinschafteter Haltung als Arbeitgeberin, die Vielfalt aktiv fördert sowie anerkennt und wertschätzt – 3 – • Sichtbarkeit: die mit der Charta der Vielfalt implizierte Haltung machen wir selbstbewusst öffentlich und signalisieren unser Bekenntnis zur Vielfalt aktiv für Bewerber*innen, Bürger*innen und Mitarbeiter*innen. Der Beitritt zur Charta erfolgt formal entsprechend niedrigschwellig durch Bekenntnis zur in der Urkunde der Charta fixierten Werten, eine formale Zutrittshürde oder ein Prüfprozess finden seitens der Initiative nicht statt. Die Stadt Karlsruhe hat die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt, nicht zuletzt ausgelöst durch Initiative des Gemeinderates, kritisch diskutiert und erwogen: Als Arbeitgeberin Stadt Karlsruhe bekennen wir uns selbstverständlich umfassend und vorbehaltlos zu den durch die Charta fixierten Werten: Wir begreifen Diversität als Chance und verpflichten uns zu einem wertschätzenden, sicheren Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter*innen sowie gleichermaßen dazu, Dienstleister*in und Serviceerbringer*in für alle Bürger*innen zu sein. Insbesondere in Zeiten der Haushaltskonsolidierung und der damit verbundenen Aufforderung zu einer Aufgaben- und Standardkritik stellt sich jedoch die Frage nach einer ressourcenintensiven Erweiterung des Aufgaben- und Leistungsspektrums: von einer Unterzeichnung der Charta als Selbstzweck wurde in der Vergangenheit mehrfach abgeraten, eine systematische Konzeption, Umsetzung und Weiterentwicklung bestehender Aktivitäten, die unbestreitbar „Charta-Charakter“ haben, bedarf jedoch der Bereitstellung von Ressourcen, die (nicht zuletzt angesichts des erheblichen Mehraufwandes, der sich durch die herausfordernde Lage am Arbeits- und Ausbildungsmarkt ergibt) nicht „nebenbei“ erledigt werden kann. Angesichts der sich verschärfenden Lage am Arbeitsmarkt einerseits aber auch der Überzeugung, dass ein Bekenntnis zu Chancen und Potenzialen von Diversität in der aktuellen politischen Lage dringend geboten ist, schlagen wir im Hinblick auf die Charta der Vielfalt ein zweistufiges Vorgehen vor: Stufe 1: Kulturwandel anstoßen und verstetigen. Die Stadtverwaltung unterzeichnet die Charta der Vielfalt und tritt dem Bündnis bei. Bis zum Ende des Doppelhaushaltes 2024/25 fokussieren die Vielfaltsbemühungen der Stadt Karlsruhe speziell die Aspekte der Pflege und Weiterentwicklung einer respektvollen, wertschätzenden Kultur sowie der Dialogformate mit Mitarbeiter*innen und Bürger*innen. Die bestehenden Aktivitäten und Maßnahmen werden fortgeführt, ggf. hinsichtlich Akzeptanz und Aktualität überprüft und evaluiert und als Querschnittsthemen in bestehenden Strukturen verankert. Stufe 2: Diversitätsmanagement systematisch entwickeln und ausbauen. Die Stadtverwaltung setzt ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zur systematischen Installation und Umsetzung eines stadtweiten Diversitymanagements auf. Ziel ist die Entwicklung einer mittel- und langfristig umzusetzenden Diversitystrategie inkl. eines Umsetzungsplans zur organisatorischen Verortung, die inkl. benötigter Ressourcen für die Projektphase im Zuge der Haushaltsberatungen für den DH 2026/27 wiederum durch den Gemeinderat zu beschließen ist. Beschluss: Die Stadt Karlsruhe engagiert sich in vielfältigen Projekten und Aktivitäten, die der Anerkennung, Förderung und Wertschätzung des Vielfaltsgedankens dienen. Neben dem Ausbau und einer Erweiterung des bisher nur wenig systematisch erschlossenen Diversitymanagements steht auch die kontinuierliche Entwicklung einer vielfältigen Organisationskultur im Fokus. – 4 – Mit einem zweistufigen Prozess, beginnend mit dem offiziellen Bekenntnis durch Beitritt zur Charta der Vielfalt, gefolgt von einer stadtweiten Diversitymanagement-Konzeption, soll der nächste Entwicklungsschritt auf dem Weg zu einer vielfältigen und für alle Mitarbeiter*innen und Bürger*innen attraktiven Arbeitgeberin unternommen werden. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Personalausschuss das vorgeschlagene zweistufige Vorgehen und den Beitritt der Stadt Karlsruhe zur Charta der Vielfalt.

  • Anhang 1_CdV
    Extrahierter Text

    Anhang 1 Zur Entstehung der Charta der Vielfalt Die Charta der Vielfalt wurde 2006 von Unternehmen und Politik mit dem Ziel ins Leben gerufen, Diversitätsmanagement und Entwicklung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen zu fördern. Zentrale Anliegen und Werte wurden in einer Urkunde, die den Mitgliedern nach Beitritt ausgestellt wird, fixiert. 2011 wurden die Aktivitäten in einen Verein überführt, der seitdem unter Schirmherrschaft der/des Bundeskanzler*in steht. Die Charta der Vielfalt ist also gleichzeitig eine Non-Profit-Organisation als auch ein freiwilliges Selbstbekenntnis zu einem wertschätzenden Arbeitsumfeld: Alle Mitarbeiter*innen einer Organisation sollen, unabhängig von beispielsweise kultureller oder sozialer Herkunft, Geschlecht oder geschlechtlicher Identität, Alter sowie Religion und Weltanschauung ein vorurteilsfreies, chancengleiches und wertschätzendes Umfeld erfahren. Aktuell hat der Verein 38 Mitglieder aus der Privatwirtschaft, unterstützt wird die Initiative neben der Schirmherrschaft durch Bundeskanzler Olaf Scholz unter anderem durch die Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie Antirassismus. 4.900 Organisationen haben die Charta der Vielfalt bereits unterzeichnet. Die Inhalte und Werte der Charta der Vielfalt Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt bekennen sich Arbeitgeber*innen zu einem, die Vielfalt der Mitarbeiter*innen wertschätzenden Arbeitsumfeld. Die zentralen Werte und Prinzipien der Charta sind in der Beurkundung des Beitritts dokumentiert. Die Urkunde im Wortlaut 1 : Diversity als Chance - Die Charta der Vielfalt für Diversity in der Arbeitswelt Die Vielfalt der Gesellschaft, beeinflusst durch die Globalisierung, den demografischen und gesellschaftlichen Wandel, prägt auch die Arbeitswelt in Deutschland. Wir können wirtschaftlich und als Gesellschaft nur erfolgreich sein, wenn wir die vorhandene Vielfalt anerkennen, fördern und nutzen. Das betrifft die Vielfalt in unserer Belegschaft und die vielfältigen Bedürfnisse unserer Geschäftspartner_innen bzw. Bürger_innen. Die Diversität der Mitarbeitenden mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten eröffnet Chancen für innovative und kreative Lösungen. Die Umsetzung der „Charta der Vielfalt“ in unserer Organisation hat zum Ziel, ein wertschätzendes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeitenden zu schaffen – unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft. Die Anerkennung und die Förderung vielfältiger Potenziale schaffen wirtschaftliche Vorteile für unsere Organisation. Wir schaffen ein Klima des gegenseitigen Respekts und Vertrauens. Dieses hat positive Auswirkungen auf unser Ansehen in Deutschland sowie in anderen Ländern der Welt. 1 Quelle: https://www.charta-der-vielfalt.de/ueber-uns/ueber-die-initiative/die-urkunde-im-wortlaut/ Zur Umsetzung dieser Charta werden wir 1. eine Organisationskultur pflegen, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Führungskräfte wie Mitarbeitende diese Werte erkennen, teilen und leben. Dabei kommt ihnen eine besondere Verpflichtung zu. 2. unsere Personalprozesse überprüfen und sicherstellen, dass diese den vielfältigen Fähigkeiten und Talenten aller Mitarbeitenden sowie unserem Leistungsanspruch gerecht werden. 3. die Vielfalt innerhalb und außerhalb der Organisation anerkennen, die darin liegenden Potenziale wertschätzen und für das Unternehmen oder die Institution gewinnbringend einsetzen. 4. die Inhalte der Charta zum Thema des internen und externen Dialogs machen. 5. über unsere Aktivitäten und den Fortschritt bei der Förderung der Vielfalt und Wertschätzung jährlich öffentlich Auskunft geben. 6. unsere Belegschaft über den Mehrwert von Vielfalt informieren und sie bei der Umsetzung der Charta einbeziehen. Wir sind überzeugt: Gelebte Vielfalt und Wertschätzung dieser Vielfalt haben eine positive Auswirkung auf unsere Organisation und auf die Gesellschaft in Deutschland.

  • TOP 6_Abstimmungsergebnis
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR TOP 6
    Extrahierter Text

    Niederschrift 56. Plenarsitzung des Gemeinderates 24. Oktober 2023, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 8. Punkt 6 der Tagesordnung: Charta der Vielfalt Vorlage: 2023/1047 Beschluss: Die Stadt Karlsruhe engagiert sich in vielfältigen Projekten und Aktivitäten, die der Aner- kennung, Förderung und Wertschätzung des Vielfaltsgedankens dienen. Neben dem Aus- bau und einer Erweiterung des bisher nur wenig systematisch erschlossenen Diversitymana- gements steht auch die kontinuierliche Entwicklung einer vielfältigen Organisationskultur im Fokus. Mit einem zweistufigen Prozess, beginnend mit dem offiziellen Bekenntnis durch Beitritt zur Charta der Vielfalt, gefolgt von einer stadtweiten Diversitymanagement-Konzeption, soll der nächste Entwicklungsschritt auf dem Weg zu einer vielfältigen und für alle Mitar- beiter*innen und Bürger*innen attraktiven Arbeitgeberin unternommen werden. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Personalausschuss das vorgeschlagene zweistufige Vorgehen und den Beitritt der Stadt Karlsruhe zur Charta der Vielfalt. Abstimmungsergebnis: Mehrheitliche Zustimmung (42 JA-Stimmen, 1 Nein-Stimme) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 6 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgte Vorberatung im Personalausschuss am 12. Oktober 2023. Stadträtin Fahringer (GRÜNE): Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt kommt er- neut zum Ausdruck, dass Karlsruhe eine Stadt der Vielfalt ist und dass wir hier in der Kom- munalpolitik, dass wir hier im Gemeinderat, in der Stadtverwaltung, schon konkrete Maß- nahme zur Förderung von Diversität ergreifen und das aber noch mal in Zukunft deutlich verstärken wollen. So wird die Stadt Karlsruhe nicht nur als Arbeitgeberin attraktiver, son- dern wir gehen davon aus, dass dieser Kulturwandel dann auch in die Stadtgesellschaft hineinwirken wird. Unser aller Ziel ist es ja, dass der Aufenthalt in unserer schönen Stadt – 2 – für alle Menschen angenehm ist und das auch im Sinne von Safe Spaces und von verschie- denen Angeboten für die unterschiedlichsten Menschen, und dann wollen ja auch, dass alle Menschen hier leben und hier gerne arbeiten und sich vielleicht auch gerne bei der Stadtverwaltung bewerben. Es finden mit dem Runden Tisch Antirassismus und Antidiskri- minierungen auch schon Dialogveranstaltungen im Sinne der Charta statt. Wichtig ist uns, und zwar nicht nur mit Blick auf die Ressourcen, sondern auch insbesondere auf die inhalt- lichen Konzepte, dass wir die laufenden Prozesse im Bereich Vielfalt und Diversität bündeln und keinen dieser Prozesse und dieser Beschlüsse, die wir bereits gefasst haben, aus dem Blick verlieren, aber dazu wird auch gleich noch mal meine Kollegin was sagen. Wir Grüne unterstützen diesen zweistufigen Prozess, wie in der Vorlage vorgeschlagen, und wir freuen uns, wenn die Stadt die Charta als Dach der Diversitätsaktivitäten unter- zeichnet und wir den Diversity-Management-Prozess systematisch voranbringen. Wir Grüne haben ja 2019 im November den Beitritt zur Charta der Vielfalt im Rahmen unseres An- trags Vielfalt@KA gefordert und ja, gut Ding braucht Weile. Jetzt im Oktober 2023 liegt hier diese Beschlussvorlage vor, vielen, vielen Dank. Vielen Dank auch für den Zeitplan, und wir freuen uns auf die weiteren Schritte. Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Ja, Vielfalt und Diversität sind Teil unserer Gesellschaft. Sie bil- den die Gesellschaft ab in ihrer Gesamtheit und in ihrer Unterschiedlichkeit. So wollen wir sie auch annehmen, und wir sehen auch, dass unsere Stadt da mit gutem Beispiel vorange- hen sollte, auch als Unternehmerin aus dem unternehmerischen Gedanken, sodass sich jede und jeder angesprochen fühlt, mitgenommen fühlt und auch die Motivation hat, sich bei der Stadt zu bewerben, als attraktiven Arbeitgeber. Dazu gehört, dass es aus unserer Meinung her ein Selbstverständnis ist, dass wir Bewerbende nicht danach beurteilen, wel- che Herkunft, welche Persönlichkeit sie haben, sondern ausschließlich nach Können, Fähig- keit und nach der Motivation, und vor allem, welche Talente die Menschen mitbringen, uns, unsere Stadtgesellschaft und die Stadtverwaltung damit auch bereichern. Insofern, ge- nau, begrüßen wir und stimmen wir dieser Vorlage ebenfalls zu und hoffen, dass die wei- teren Schritte dann auch in der Praxis eine realistische und gute Umsetzung mit sich brin- gen. Der nachfolgende Tagesordnungspunkt geht ja dann noch mal spezieller auf diese Thematik ein. Uns ist vor allem auch wichtig, dass wir da aber nicht wieder bürokratische Hürden aufbauen in dem gesamten Prozess, sondern dass das, wie gesagt, ein Selbstver- ständnis ist, das sich überall auch in einem roten Faden zeigt. Stadtrat Dr. Fechler (SPD): Der heutige Tag ist ein guter Tag für die Stadt Karlsruhe durch unsere Erklärung zum Beitritt zur Charta der Vielfalt, aber es ist letztendlich ein erster Schritt. Veränderungen müssen im Kopf stattfinden. Die Stadt Karlsruhe geht den ersten Schritt sozusagen als vorbildlicher Arbeitgeber, aber die Veränderungen, das Diversity Ma- nagement, die Vielfalt und auch letztendlich die Ängste und Hürden in den Köpfen, das betrifft gleichermaßen auch Mitarbeitende hier in der Stadt. Es ist ja nicht so, dass jetzt die Charta ausgerufen wird und die gesamte Stadt und die gesamten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt sind beseelt von dem Inhalt dieser Charta. Also hier gibt es noch viel zu tun. Es ist gut, dass dieser Aufschlag, der von den Grünen und SPD 2019 gemacht wurde, aufgegriffen wurde, aber es ist noch ein sehr steiniger Weg, und gemeinsam kön- nen wir es schaffen. Das größte Problem ist die Angst bei den Menschen, das Thema An- passungsfähigkeit. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Veränderungen, auf, in Anführungszeichen, das Unbekannte, das Fremde, und hier gemeinsam diesen Weg zu – 3 – gehen. Es ist eine Strategie aufgelegt worden, und hier begleiten wir den Weg sehr gerne als SPD-Fraktion mit, und ja, gemeinsam schaffen wir es. Stadträtin Böringer (FDP): Die Menschen in Karlsruhe sind einzigartig in ihrer Vielfalt auf- grund in ihrer kulturellen Prägung und gleichberechtigt in ihrem Streben nach einem erfüll- ten Leben, und diese Merkmale prägen ja die Stadt. Der Anspruch bleibt natürlich in unse- rer Stadt, die Vielfalt zu leben und auch Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit für alle zu ermöglichen. Das gilt insbesondere für die Stadt als Arbeitgeberin. Mit Blick auf diesen gestiegenen Mangel an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollten wir eigentlich rasch reagieren. Der Arbeitsmarkt hat sich verändert und viele ehemals weiche Faktoren bestimmen heute die Entscheidung für die eine oder andere Anstellung oder Ein- stellung, und hier kann ein strategisches Management der diversen Lebensentwürfe, Fähig- keiten, Ausbildungen, Wünsche und Stärken der Schlüssel sein. Also wir bauen darauf, dass die Verwaltung ihre eigene, ich nenne das mal Biegsamkeit, noch etwas erweitert, und wir hoffen auch, dass unter anderem dieses Management dazu führt und dazu hilft, die offenen Stellen in der Stadtverwaltung zu besetzen. Also uns ist es wichtig, und ich komme zum Ende, dass die Charta der Vielfalt als Werkzeug gesehen wird, was auch unser Ansehen steigert, und meine Fraktion würde gerne an das zuständige Dezernat appellie- ren, diese Charta nicht nur als Bekenntnis, sondern als Auftrag auch zu sehen und den Nutzen in den Vordergrund zu stellen. Stadträtin Lorenz (FW|FÜR): Die Stadt Karlsruhe tritt der Charta der Vielfalt bei, zunächst mal ein sehr, sehr positives Zeichen, eine Zeichenwirkung nach außen. Nichtsdestotrotz muss man sehen, dass von 2006 bis 2023, die Kollegin Fahringer hat es gesagt, ein dickes Brett gebohrt worden ist und bisher nur, in Anführungszeichen, 4.900 Unterzeichner dieser Charta beigetreten sind. Wenn man sich mal überlegt, dass es in Deutschland rund 3,3 Mil- lionen Unternehmen gibt, ist es doch eine erklecklich kleine Zahl. Von daher freuen wir uns natürlich, dass wir nach außen tragen, dass die Stadt Karlsruhe eben als Arbeitgeberin To- leranz und Respekt großen Wert zollt und Rassismus und Diskriminierung nicht aufkom- men lassen möchte. Ich möchte hier einen kleinen Ausflug machen, Sie sind zwar nicht unser Arbeitgeber, ich sehe den Gemeinderat eher als Aufsichtsratsgremium, aber wir sind doch hier auch ein ganz vielfältiges Häufchen, und in Hinblick auf die kommende Haushaltsberatungen möchte ich diese Werte auch uns in die Fahne schreiben. Die sollten wir auch respektvoll nach außen tragen. Ich möchte mal dran so erinnern, was in den vergangenen Mona- ten/Jahren hier schon so alles vorgefallen ist, also einem Kollegen den Vogel zu zeigen oder einen Vergleich mit den Roten Khmer oder auch, dass Kollegen, die einen sprachlichen Ak- zent haben, regelmäßig belächelt werden. Ich möchte niemanden persönlich angreifen, aber jeder muss mal in sich hineinhorchen, was wir damit für Zeichen setzen und gerade, wie gesagt, im Hinblick auf die kommenden Haushaltsberatungen vielleicht auch überle- gen, dass wir auch ein Aushängeschild von Karlsruhe sind. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Es geht ja hier hauptsächlich um die Einstellung der Stadt Karls- ruhe als Arbeitgeber gegenüber ihren Arbeitnehmern, und die Stadt hat anfangs Schwie- rigkeiten gesehen, der Charta beizutreten, hat aber dann gemerkt, dass sie eigentlich all das, was da drin gefordert ist, eh schon macht, und deswegen ist es auch sinnvoll, da bei- zutreten. Sehr gut, dass das auch vorher schon der Fall war, dass man sich Mühe gibt, als Arbeitgeber vernünftig mit seinen Arbeitnehmern umzugehen. Wenn man dann nach – 4 – Vielfalt schaut im Internet, dann kommt gleich Grundgesetz Art. 3 Abs. 3, und da sind dann die verschiedenen Kriterien aufgelistet, um die es geht. Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Her- kunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden, und das tragen wir voll und ganz mit. Stadträtin Fenrich (pl.): Das hier Gewünschte, nämlich der Beitritt zur Charta, macht dem Sprichwort, wasch mich, aber mach mich nicht nass, alle Ehre. Die Stadt möchte den Bei- tritt, was allerdings nur eine Formalie darstellt, denn die Stadt sagt ja gerade in der Vor- lage, dass sie Diversity-Maßnahmen derzeit schon neu entwickelt und umsetzt, wenn auch nur dezentral. Weshalb dann einen Beitritt? Die respektvolle und wertschätzende Kultur im Umgang mit Personal und Bürgern ist doch selbstverständlich und war auch immer selbst- verständlich. Dazu braucht es keinen Beitritt, und letztlich geben es Haushalt und fehlendes Personal gar nicht her, hier noch ein weiteres Aufgabenfeld aufzumachen. Der zweite Schritt, nämlich die Schaffung eines Projekts zur Installation und Umsetzung eines stadt- weiten Diversity Managements ab 2026, kann auch zu einem späteren Zeitpunkt angegan- gen werden, wenn sich bis dahin der städtische Haushalt erholt hat. Ergebnis also, bitte keine Show-Veranstaltung, die Stadt muss sich endlich auf die Erledigung ihrer originären Aufgaben konzentrieren. Man muss nicht überall den Finger strecken, weil es gerade so vogue ist, also dem Zeitgeist entspricht, und wenn die Bürger dieses Gefühl haben, ja, die Verwaltung ist für mich da, dann erholen sich doch auch wieder die schlechten Umfrage- und Wahlergebnisse von Öko-Linken, Linken und ganz Linken. Der Vorsitzende: Wir kommen damit zur Abstimmung, und ich bitte Sie um Ihr Votum ab jetzt. – Das ist eine mehrheitliche Zustimmung. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. November 2023