Sammelgut in städtischen Museen/Archiven aus kolonialen Kontexten
| Vorlage: | 2023/0834 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 26.07.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grötzingen |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 19.09.2023
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Eingang: 25.07.2023 Vorlage Nr.: 2023/0834 Sammelgut in städtischen Museen/Archiven aus kolonialen Kontexten Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 19.09.2023 38 x 1. Befinden sich in städtischen Museen, Kunstsammlungen oder Archiven koloniale Kulturgüter und/oder Darstellungen mit kolonialen Hintergründen? Falls ja, a) um welche Objekte handelt es sich und aus welchen Ländern stammen diese? b) hat die Stadtverwaltung bereits eine Planung, wie mit diesen Objekten zukünftig umgegangen werden soll? 2. Sind der Stadtverwaltung Werke von bildender und darstellender Kunst in den städtischen Museen, Kunstsammlungen und Archiven bekannt, die kolonialen Rassismen unterliegen? Falls ja, a) um welche Objekte handelt es sich? b) hat die Stadtverwaltung bereits eine Planung, wie mit diesen Objekten zukünftig umgegangen werden soll? In der Städtischen Galerie Karlsruhe wurde von 2016 bis 2018 Provenienzforschung betrieben. Im Fokus dieser Provenienzforschung stand die Aufarbeitung der Ankäufe durch die Stadt Karlsruhe, die sie in der Zeit des Nationalsozialismus getätigt hatte. Jedoch müssen wir uns auch die Frage stellen, wie wir mit Kulturgütern in den Karlsruher Sammlungen umgehen, die im kolonialen Kontext erworben oder geschenkt wurden. Die Provenienzforschung ist ein wichtiger Teil der Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Auch wenn Karlsruhe keine klassische ethnologische Sammlung hat, stellt sich unserer Meinung nach auch in unseren Museen/Sammlungen/ Archiven die Frage, ob es Kulturgüter aus kolonialer Herkunft gibt und wie Darstellungen aus dieser Zeit gekennzeichnet werden. Denn Objekte können auch koloniales Denken widerspiegeln oder Stereotype transportieren, welche kolonialen Rassismen unterliegen. Daher müssen wir uns auch in Karlsruhe unserer historischen Verantwortung in diesem Themenbereich stellen. Dabei gilt es zunächst zu ermitteln, ob in den städtischen Museen / Archiven Objekte vorhanden sind, die im kolonialen Kontext erworben wurden. Neben den klassischen Ausstellungsgütern gibt es auch Werke der bildenden und darstellenden Kunst, die kolonialen Rassismen unterliegen. Hier ist in der Regel eine Bewertung von Zweck, Absicht und Wirkung des Objekts erforderlich. Nach der Bewertung muss dann entschieden werden, wie mit dem Objekt weiter umgegangen wird. Unterzeichnet von: Michael Borner Renate Rastätter Jorinda Fahringer Thorsten Frewer Christine Weber Verena Anlauf Sachverhalt / Begründung:
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Extrahierter Text
Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/0834 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Sammelgut in städtischen Museen/Archiven aus kolonialen Kontexten Anfrage: GRÜNE Beratungsfolge Termin Öffentlichkeitsstatus Zuständigkeit Gemeinderat 19.09.2023 öffentlich Kenntnisnahme 1) Befinden sich in städtischen Museen, Kunstsammlungen oder Archiven koloniale Kulturgüter und/oder Darstellungen mit kolonialen Hintergründen? Falls ja, a) um welche Objekte handelt es sich und aus welchen Ländern stammen diese? b) hat die Stadtverwaltung bereits eine Planung, wie mit diesen Objekten zukünftig umgegangen werden soll? 2) Sind der Stadtverwaltung Werke von bildender und darstellender Kunst in den städtischen Museen, Kunstsammlungen und Archiven bekannt, die kolonialen Rassismen unterliegen? Falls ja, um a) welche Objekte handelt es sich? b) hat die Stadtverwaltung bereits eine Planung, wie mit diesen Objekten zukünftig umgegangen werden soll? Stadtarchiv & Historische Museen Das Stadtarchiv und die Historischen Museen haben den Auftrag, das kulturelle Erbe aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Karlsruhe in Form von verschiedensten Objekten, Dokumenten und Bildern zu dokumentieren und zu bewahren sowie die Stadtgeschichte zu vermitteln. Das Stadtarchiv erfüllt die gesetzliche Pflichtaufgabe, die Unterlagen der Stadtverwaltung zu sichten, zu erhalten und zur Nutzung für die Öffentlichkeit bereitzustellen. Stadtarchiv und Historische Museen sind sich der historischen Verantwortung bewusst, die aus in der Vergangenheit auch und gerade von staatlicher Seite und öffentlichen Verwaltungen begangenen Unrechts erwächst. Die noch heute sichtbaren Spuren und gravierenden Folgen verlangen eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit diesen Themenbereichen. Die Sammlungsbestände des Stadtarchivs und des Stadtmuseums gingen aus den Stadtgeschichtlichen Sammlungen hervor, deren Grundstock aus den Gegenständen und Dokumenten gebildet wurde, die 1882 einem Aufruf des Stadtrats folgend von der Karlsruher Bevölkerung abgegeben wurden. – 2 – Die Sammlung des Pfinzgaumuseums geht zurück auf eine seit 1907 von einem städtischen Konservator betreute Altertumssammlung der damals noch selbständigen Stadt Durlach, welche 1913 mit der Privatsammlung des damaligen Konservators, Friedrich Eberle, zusammengeführt wurde. Seit ihrer Entstehung wurden die Sammlungsbestände aller drei Einrichtungen durch Nachlässe und Schenkungen aber auch durch gezielte Ankäufe erweitert. Der Fokus liegt dabei auf stadtgeschichtlich und volkskundlich bedeutenden Objekten und Dokumenten, die die Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Karlsruhe und im Falle des Pfinzgaumuseums speziell der Stadtteile Durlach sowie Grötzingen und der Höhenstadtteile dokumentieren. Zu 1.) In den Sammlungen des Stadtmuseums und des Stadtarchivs befinden sich keine kolonialen Kulturgüter oder Darstellungen mit kolonialen Hintergründen aus anderen Ländern, was aufgrund der Sammlungsgeschichte und des stadthistorischen Sammelschwerpunkts wenig überrascht. In der Sammlung des Pfinzgaumuseums befindet sich ein einziges Objekt, welches möglicherweise in einem kolonialen Kontext zu verorten ist. Es handelt sich um eine Speerspitze, bei der es sich dem äußeren Ansehen nach um eine Waffe der Massai handeln könnte. Zur Herkunft und Identifikation des Objekts sind keine schriftlichen Unterlagen bekannt. Zudem ist bislang noch unklar, ob es sich tatsächlich um eine originale Speerspitze der Massai handelt oder um eine Nachbildung. Eine Anfrage hierzu beim Lindenmuseum in Stuttgart erbrachte keine eindeutige Klärung dieser Frage. Weitere Nachforschungen werden angestellt. Zu 2.) Werke von bildender und darstellender Kunst, die kolonialen Rassismen unterliegen, sind in den erschlossenen Sammlungsbeständen des Stadtarchivs und der Historischen Museen keine bekannt. Eine systematische Durchsicht aller Objekte und Dokumente im Stadtarchiv und in den Historischen Museen unter diesem Gesichtspunkt ist bisher nicht erfolgt, daher kann ein Vorhandensein von entsprechenden Werken nicht vollständig ausgeschlossen werden, erscheint aufgrund des Sammlungsschwerpunktes jedoch unwahrscheinlich. In der Sammlung des Pfinzgaumuseums befindet sich ein einzelner Alltagsgegenstand, auf dem ein klischiert dargestellter Mann afrikanischer Herkunft abgebildet ist. Es handelt sich dabei um eine farbig bedruckte Blechdose für das Feinwurstgewürz „Moguntia“. Das Objekt wird durch die Inventarisierungsdaten näher beschrieben. Falls es zum Beispiel in einer Ausstellung oder für eine Publikation genutzt werden sollte, muss auf eine sorgfältige Kontextualisierung geachtet werden. Die im Stadtarchiv, den Historischen Museen und anderen Gedächtnisinstitutionen in Karlsruhe zahlreich vorhandenen zeitgenössischen Quellen werden momentan im Zuge der Erforschung der kolonialen Geschichte und Bezüge der Stadt Karlsruhe im Rahmen eines auf gemeinderätlichen Beschluss zurückgehenden Projekts gesichtet und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Recherchen und Forschungsarbeit sollen in einer Publikation umfassend dargestellt werden, welche als wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit der Stadt Karlsruhe dienen kann. Städtische Galerie Die städtische Kunstsammlung, die von der Städtischen Galerie Karlsruhe (SGK) betreut wird, umfasst ca. 20.000 Werke überwiegend deutscher Kunst von der Romantik über die Moderne und die Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Der Fokus der Kunstsammlung liegt auf Malerei und Fotografie, beinhaltet aber auch Plastiken und Objekte, Zeichnungen und Grafiken sowie Installations- und Medienkunst. Karlsruher Kunstsammler aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert legten den Grundstock zum Bestand der Sammlung, die seitdem beständig durch Ankäufe und Schenkungen erweitert wird. Am Anfang der Städtischen Galerie steht die Kunstleidenschaft von Bürgern wie Ferdinand Siegel, Hans Drinneberg oder Arthur Drews, deren private Sammlungen zwischen 1896 und 1954 in den Besitz der Stadt Karlsruhe gelangten. 1996 erhielt das Museum mit der Dauerleihgabe von Ute und Eberhard – 3 – Garnatz eine der bedeutendsten Privatsammlungen deutscher Gegenwartskunst. Ergänzt wurde dieser historische Bestand überwiegend deutscher Kunst durch die Überlassung von Künstlernachlässen aus der Region (wie der von Karl Weysser im Jahr 1942 oder der von Hermann Binz im Jahr 1947) sowie durch den kontinuierlichen Erwerb von Werken wichtiger zeitgenössischer Künstler*innen der Zwischen- und Nachkriegszeit. Zu 1.) Die Städtische Galerie Karlsruhe stellt sich gerne ihrer historischen Verantwortung beim Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Aufgrund der oben dargelegten Sammlungsgeschichte und Struktur der städtischen Kunstsammlung sind koloniale Kulturgüter in den Beständen auszuschließen und auch Darstellungen mit kolonialen Hintergründen sind keine bekannt. Eine systematische Erforschung der rund 20.000 Kunstwerke hinsichtlich von Darstellungen mit kolonialen Hintergründen ist bislang nicht erfolgt, ein Vorhandensein solcher Werke kann somit nicht ausgeschlossen werden. Hierzu wäre wie im Fall der bereits zum Teil erfolgten Provenienzforschung eine systematische Untersuchung notwendig. Aufgrund der Sammlungsgeschichte- und -struktur sind jedoch keine Darstellungen mit kolonialen Hintergründen zu erwarten. Zu 2.) Werke von bildender Kunst in den Beständen der SGK, die kolonialen Rassismen unterliegen, sind keine bekannt. Eine systematische Erforschung der rund 20.000 Kunstwerke hinsichtlich dieser Fragestellung hat jedoch ebenfalls nicht stattgefunden.
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Niederschrift 54. Plenarsitzung des Gemeinderates 19. September 2023, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 37. Punkt 38 der Tagesordnung: Sammelgut in städtischen Museen/Archiven aus kolonialen Kontexten Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2023/0834 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 38 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 22. September 2023