Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten

Vorlage: 2023/0625
Art: Informationsvorlage
Datum: 30.05.2023
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Grötzingen, Nordweststadt, Oberreut, Rüppurr, Stupferich, Weiherfeld-Dammerstock

Beratungen

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 12.07.2023

    TOP: 3

    Rolle: Vorberatung

    Ergebnis: Kenntnisnahme

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 18.07.2023

    TOP: 16

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/0625 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 12.07.2023 3 x Gemeinderat 18.07.2023 16 x Information Der Gemeinderat nimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss den vorgelegten Bericht des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten für das Jahr 2022 zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit

  • Anlage
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Anlage SozA 12.07.2023, TOP 3 2 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinderungen .............................................. 4 Mobilität, Wohnungsbau, Digitalisierung: Barrierefreiheit weiterhin im Focus des BMB ......... 4 Veränderung im Vorstand ..................................................................................................................... 4 Stadträtin Karin Wiedemann verlässt die Gemeinderatsfraktion der CDU ............................................... 4 Zu Gast im BMB: Herr Matthias Günzel, Ordnungs- und Bürgeramt ....................................................... 5 Herr Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup erneut zu Gast im BMB ....................................................... 5 Jubiläum 20 Jahre Beirat für Menschen mit Behinderungen 2023 .......................................................... 6 Zusammenarbeit mit der Kommunalen Behindertenbeauftragten ........................................................... 6 Aktivitäten der AG Barrierefreiheit und Wohnen ...................................................................... 6 Ausbau der Vernetzung zum Thema Wohnungsbau in Karlsruhe ........................................................... 7 Engagement für Barrierefreiheit in Grötzingen....................................................................................... 7 Online-Sitzung der dritten Zukunftswerkstatt Soziale Quartiersentwicklung ........................................... 8 Austausch mit Studierenden der Hochschule Karlsruhe .......................................................................... 8 Teilnahme an weiteren Informationsveranstaltungen ............................................................................. 9 Aktivitäten im Bereich ÖPNV ..................................................................................................... 9 Treffen zur Abklärung der Einstiegsfelder an den zukünftig barrierefrei auszubauenden Straßenbahnhaltestellen ....................................................................................................................... 9 Austausch BMB mit KVV bezüglich Stadtbahntunnel und Fahrgastinformationssystemen ..................... 10 Taktile Handlaufbeschriftungen im Stadtbahntunnel ............................................................................ 11 Einladung zum Pressetermin anlässlich des Protesttages der Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2022.................................................................................................................................................. 12 Vor-Ort-Termin im Stadtbahntunnel in Karlsruhe am 1. Juli 2022 ........................................................ 12 WC Anbindung an Leitlinie Haltestelle Marktplatz Pyramide ................................................................ 13 Sitzbänke in den neuen U-Bahn-Haltestellen in Karlsruhe .................................................................... 14 Mobilitätstraining bei der KVV ............................................................................................................ 14 Beteiligung des Beirates in städtischen Ausschüssen und in anderen Gremien ...................... 14 Aus dem Jugendhilfeausschuss ........................................................................................................... 14 Aus dem Planungsausschuss .............................................................................................................. 15 Aus dem Sozialausschuss ................................................................................................................... 15 Aus dem Fahrgastbeirat (FGB) ............................................................................................................ 17 Kontaktpflege und Vernetzung ................................................................................................ 18 Online-Jahresgespräch mit dem Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW) am 12. Februar ....... 18 Einladung WorKA Lebenshilfe am 29. Juni 2022 ................................................................................. 19 Einladung beim Diversitätsrat der Grünen am 6. Juli 2022 ................................................................... 19 Veranstaltung „Inklusion im Sportverein“ ........................................................................................... 19 Jahresempfang des Paritätischen und RehaSüdwest ............................................................................ 19 Verleihung Günther-Klotz-Preis an Manfred Weber ............................................................................. 19 Sozial- und Jugendbehörde | 3 Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und an anderen Orten ................................................. 20 Die Reallabore Passagehof und Nördliche Karlstraße ........................................................................... 20 Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen..................................................... 20 E-Scooter – Parksituation in Karlsruhe ................................................................................................ 20 KSC-Wildpark Neubau ........................................................................................................................ 21 Eröffnung des Neubaus der ViDia Kliniken: Barrierefreiheit nicht vollständig umgesetzt ....................... 21 Gespräch per Videokonferenz zur Barrierefreiheit in der Stadthalle ...................................................... 21 Schlussworte ............................................................................................................................ 22 Danksagung .............................................................................................................................. 23 Presse ........................................................................................................................................... 23 Gefährliche Stolperfalle auf Gehwegen ................................................................................... 23 Assistenzhunde erlaubt ............................................................................................................ 24 Tätigkeitsbericht Kommunale Behindertenbeauftragte 2022 ..................................................... 26 Beratungen/Ombudsfälle.......................................................................................................... 26 Stellungnahmen nach LGVFG und im Rahmen von Planfeststellungsverfahren ...................... 26 Beteiligung in städtischen Gremien – Netzwerke – Arbeitsgemeinschaften ........................... 27 Gremien außerhalb der Stadtverwaltung ................................................................................ 28 Teilnahme an Veranstaltungen/Termine .............................................................................................. 28 Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen und Geschäftsführung ... 29 Karlsruhe wird Assistenzhundefreundliche Kommune ............................................................. 29 „Weglaufen geht nicht“, Lesung mit Stefanie Ritzmann am 5. Mai 2022 .............................. 30 Beteiligung am „Fest der Sinne“ Karlsruhe am 7. Mai 2022 ................................................... 30 Landestagung der Kommunalen Behindertenbeauftragten im Rahmen der REHAB am 23./24. Juni 2022 .................................................................................................................................. 30 Mitarbeit in Unter-Arbeitsgruppen der „gAG“ ........................................................................ 31 Leichte Sprache ........................................................................................................................ 31 Fazit .......................................................................................................................................... 31 4 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinderungen Mobilität, Wohnungsbau, Digitalisierung: Barrierefreiheit weiterhin im Focus des BMB Im Jahr 2022 fanden insgesamt sechs Sitzungen des Beirates für Menschen mit Behinderungen statt. Drei Sitzungen mussten digital durchgeführt werden, da an diesen zwei Terminen der Aufzug im Rathaus nicht funktionierte. Leider mussten wir feststellen, dass das Videokonferenzsystem Alfaview für Menschen mit Seheinschränkungen immer noch nicht barrierefrei, das heißt ohne Unterstützung nutzbar ist. Dies ist besonders ärgerlich, da Frau von Malottki bereits im März 2022 in einer Videokonferenz mit einer Mitarbeiterin von Alfaview ausführlich die Bedienungsprobleme geschildert hatte. Die zugesagten Verbesserungen wurden jedoch nicht umgesetzt. In der ersten Sitzung am 14. Januar hielten die BMB-Mitglieder eine Rückschau auf das Jahr 2021 und einen Ausblick auf das Jahr 2022. Schnell wurde klar: Viele Themen der Barrierefreiheit und der Teilhabe werden uns weiterhin beschäftigen. Zu nennen sind beispielsweise die Neugestaltung der Karlsruher Innenstadt, die neuen U-Bahn-Haltestellen, die E-Scooter. Das Thema barrierefreier und inklusiver Wohnungsbau nahm einen wichtigen Stellenwert ein, wie die Aktivitäten der AG Barrierefreiheit und Wohnen zeigen. Und die Frage, in welchen Bereichen Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe diskriminiert werden, wurde durch die Teilnahme am Runden Tisch Kommunale Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit aufgegriffen. In den Sitzungen wurde lebendig und engagiert über die verschiedenen Themen diskutiert. Viele Mitglieder brachten ihre Ideen und ihre Expertise aktiv ein und unterstützten somit die Arbeit des BMB-Vorstandes. Veränderung im Vorstand Nach dem uns Sven Schipper aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, wurde unser Vorstand durch Meftune Ippolito bereichert. Wir danken Sven Schipper herzlich für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm alles erdenklich Gute für die Zukunft. Außerdem wurden Artur Budnik als Vertreter für Dr. Elke Wagner für den Sozialausschuss sowie Stefan Heidland und Ute Warnken als Vertretung für den Runden Tisch Inklusion benannt. Stadträtin Karin Wiedemann verlässt die Gemeinderatsfraktion der CDU Frau Wiedemann hat sich über viele Jahre als Vertreterin ihrer Fraktion im BMB für die Belange von Menschen mit Behinderungen eingesetzt. Mit dem Ausscheiden aus der Gemeinderatsfraktion der CDU Ende September 2022 muss sie leider auch den Posten der Vertreterin der Fraktion im BMB abgeben. Wir bedauern das Ausscheiden zutiefst. Der Beirat für Menschen mit Behinderungen profitiert davon, dass aktive Fraktionsmitglieder des Gemeinderates sich persönlich mit unseren Belangen auseinandersetzen und uns unterstützen. Ihr Nachfolger im BMB wird Herr Dr. Thomas Müller. Wir bedanken uns herzlich bei Frau Wiedemann für ihre vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit mit uns. Sozial- und Jugendbehörde | 5 Zu Gast im BMB: Herr Matthias Günzel, Ordnungs- und Bürgeramt Herr Günzel berichtete in unserer Sitzung vom 18. März 2022 über die Absprachen zwischen E-Scooter-Verleihunternehmen und der Stadt Karlsruhe. Man werde nach den Sommerferien eine Vereinbarung abschließen, die auf freiwilliger Basis unterschrieben wird und eine Selbstverpflichtung zum Wegräumen von E-Scootern beinhaltet. Juristische Folgen kann es auf Grund der noch nicht vorhandenen Regelung in der Straßenverkehrsordnung (StVO) nicht geben. Die Vertreterinnen und Vertreter des Beirates äußern ihren Missmut über die schwammigen Formulierungen, die das existierende Problem kaum beseitigen werden können. Der BMB wird sich weiterhin für die Einführung eines Sondernutzungsrechts mit damit verbundenen Regelungen einsetzen. Wir werden auch die Umsetzung der Vereinbarung beobachten, insbesondere in nutzungsstarken Monaten von April bis September. Herr Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup erneut zu Gast im BMB Seinem eigenen Vorschlag folgend kam der Karlsruher Oberbürgermeister (OB) am 14. Oktober zu einem jährlichen Austausch mit den BMB-Mitgliedern zusammen. Besprochen wurden diese Fragen: 1. Umbau der Innenstadt – Wie werden der BMB und die Kommunale Behindertenbeauftragte weiterhin eingebunden? 2. E-Scooter – Welche Pläne hat die Stadt, die Situation signifikant zu verbessern? Wird es in naher Zukunft Stellplätze für E-Scooter und andere Fahrzeuge wie Lastenräder geben? 3. Die Grünen-Landesvorsitzende Lena Schwelling sagte der dpa: „Aber nicht alle Menschen brauchen eine barrierefreie Wohnung. Da müssen wir zu einem gesunden Maß zurückkommen.“ Wie werden sich die Aussagen und die Pläne der Landesregierung, in der Krise Geld bei der Barrierefreiheit zu sparen, auf die kommunalen Bauvorhaben der Zukunft auswirken? 4. In Baden-Württemberg soll es bald größere Kindertages(Kita)-Gruppen geben. Damit soll dem Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern entgegengewirkt werden. Vertreterinnen und Vertreter vom Beirat für Menschen mit Behinderungen kritisieren, dass sich diese Entscheidung auf die Inklusion in den Kitas negativ auswirken wird. Wie sehen Sie das Thema Inklusion in der Bildung in Karlsruhe? 5. In der Innenstadt Karlsruhes gibt es kein Café/Restaurant, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten können. Sehen Sie Möglichkeiten dies von Seiten der Stadt zu fördern? 6. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Stadt Karlsruhe in den nächsten Jahren (2024/2025) Inklusionstage in Karlsruhe ausrichten könnte. Wie ist Ihre Haltung dazu, wären Sie bereit Schirmherr der Inklusionstage zu werden? Der OB hat unsere Fragen sorgfältig beantwortet, einige der Antworten hatten wir so erwartet, andere sind noch positiver ausgefallen, eine Antwort ist jedoch ernüchternd geblieben: Die Wohnsituation werde sich auf kurze Sicht in Karlsruhe nicht verbessern. Dies gelte sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderungen. Die Idee zu Inklusionstagen unterstütz der OB gerne und bringt auch gleich ein paar Ideen mit ein. Beim Umbau der Innenstadt sind und werden wir und Ulrike Wernert weiterhin beteiligt. Ein inklusives Café 6 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte werde die Stadt jedoch nicht betreiben, gerne verweise der OB auf die Arbeit von Inklusionsbetrieben wie der WorKA, die im Zoo das EXO betreibt. Zum Thema E-Scooter wird auf die Vereinbarung der Stadt mit den Anbietern verwiesen, diese ist uns durch die Kontakte ins Ordnungsamt jedoch bestens bekannt und von uns nicht befürwortet. Im Bereich inklusiver Bildung werde Karlsruhe keine Abstriche machen. Bereits jetzt freuen wir uns auf dem nächsten Austausch in 2023. Die Besuche des Oberbürgermeisters zeigen die enorme Wertschätzung unserer ehrenamtlichen Arbeit, dies freut uns sehr. Anschließend wird Herrn Mentrup die Einladung zum Festakt anlässlich des 20-jährigen BMB- Jubiläum 2023 überreicht. Jubiläum 20 Jahre Beirat für Menschen mit Behinderungen 2023 Zu diesem bevorstehenden Anlass wurde eine Vorbereitungsgruppe gegründet. Neben den BMB-Vertreterinnen Karin Breunig, Barbara Herold, Meftune Ippolito, Beate von Malottki und Ute Warnken gehört der Gruppe auch die langjährige ehemalige Vorsitzende Stefanie Ritzmann an. Sie kamen 2022 zu fünf Treffen zusammen. Der feierliche Festakt zum Jubiläum wird am 21. September 2023 in der Karlsburg Durlach veranstaltet werden. Dieses besondere Ereignis soll aber auch dazu genutzt werden, die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe zu stärken. Voraussichtlich für Ende Oktober ist in Kooperation mit dem Badischen Staatstheater ein Gastspiel des renommierten inklusiven RambaZamba Theaters aus Berlin geplant. Und schließlich wurde auch eine Chronik des BMB in Auftrag gegeben. Zusammenarbeit mit der Kommunalen Behindertenbeauftragten Die enge und vertrauensvolle Kooperation mit Frau Ulrike Wernert wurde 2022 fortgesetzt. Die gemeinsame Vorbereitung der BMB-Sitzungen und von diversen Terminen, die Planung und Formulierung von gemeinsamen Anliegen/Beschwerden/Aktionen ist fruchtbar für unsere Präsenz als Vertretung der Menschen mit Behinderungen in der Stadt Karlsruhe. Auch bei langjährigen Themen wie Barrierefreiheit im ÖPNV und in der Innenstadt können wir immer auf ihre Unterstützung zählen. Wir danken Ulrike Wernert herzlich für ihr Engagement. Aktivitäten der AG Barrierefreiheit und Wohnen Die Beiratsmitglieder Christine Toussaint, Joachim Gutmann, Svenja Schlee, Dr. Ulrike Schneider und Karin Breunig beleben die AG Barrierefreiheit und Wohnen. Am 8. Juni und am 14. Juli fanden AG-Treffen statt, in denen Ideen für die Kontaktaufnahme mit Architekten und Bauträgern gesammelt wurden. Als Ergebnis entstand ein Anschreiben und eine Adressensammlung mit dem Ziel, einen Gesprächsaustausch zum barrierefreien Wohnungsbau anzubieten. Dieser E-Mail-Rundbrief wurde im Oktober verschickt. Auch Pläne für Vorträge von Architekten und Architekturstudierenden wurden geschmiedet. Im Dezember fand eine Vorbesprechung auf Anregung des Stadtrats Herrn Borner der Grünen im BMB statt, bei dem ein Handout für einen Termin mit der Volkswohnung für 2023 vorbereitet wurde. Sozial- und Jugendbehörde | 7 Darüber hinaus haben sich die Sprecherin der AG Barrierefreiheit und Wohnen Karin Breunig sowie Dr. Ulrike Schneider in vielen Vorträgen, Besprechungen, Sitzungen und Treffen beratend eingebracht, um eine barrierefreie Stadtentwicklung sowie den sozialen Wohnungsbau in der Stadt Karlsruhe voranzubringen. Ausbau der Vernetzung zum Thema Wohnungsbau in Karlsruhe Dies gilt insbesondere für die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB). Am 17. Februar wurde von der EEB eine Diskussion über ein Gemeinwohl orientiertes Mietshaus-Syndikat veranstaltet. In einer Nachbesprechung der Dammerstock Begehung im Mai wurde berichtet, dass der Bebauungsplan zur Neubebauung auf den drei Sportplätzen in Rüppurr 2023 ausgelegt werden soll. Auch Perspektiven für neue Wohnkulturen sowie die Verwendung des Bunkers in Rüppurr wurden diskutiert. In einem Tagesworkshop am 21. Oktober wurde über das Wohnprojekt Nordweststadt informiert, dass zwischen der New-York Straße und der Lilienthalstraße entstehen soll. Engagement für Barrierefreiheit in Grötzingen 23. März 2022 – Ortschaftsrat-Sitzung Grötzingen | Besprochen wurden unter anderem die Themen: ▪ Die Zukunftswerkstatt Soziale Quartiersentwicklung ▪ Sanierung der Ortsmitte, unter anderem behindertengerechte Sanierung ▪ Vorstellung des Bebauungsplans für Grötzingen 19. Mai 2022 – Rollstuhl-Rundfahrt durch Grötzingen Angeleitet von Karin Breunig nahmen an der Rundfahrt Vertreterinnen und Vertreter aus dem Ortschaftsrat und dem Bauamt Grötzingen teil. Teilnehmende des Planungsamts Karlsruhe, der Presse, und von der evangelischen Erwachsenenbildung waren ebenfalls vor Ort. Alle Anwesenden fuhren teilweise selbständig mit dem Rollstuhl beziehungsweise E-Rollstuhl oder wurden geschoben. Jede/r hat hautnah die jeweiligen Fahrverhalten mit Erstaunen testen können. 18. August 2022 – Einladung zum Treppenlift-Test in den Rathäusern von Grötzingen Im Rathaus 1 geht der „Sessellift“ bis in die obere Etage. Ein Vorteil wäre, wenn es dort einen Rollstuhl gäbe. Zwischenzeitlich wurde dies auch vom Ortschaftsrat befürwortet, jedoch ist er noch nicht vorhanden. Im Rathaus 2 kommt man mit dem Aktivrolli gut in die obere Etage, mit dem E-Rolli gestaltet sich dies sehr schwierig. Abbildung 1: Karin Breunig fährt mit dem Treppenlift im Rathaus Grötzingen. Foto: Karin Breunig 8 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte 19. Oktober 2022 – Teilnahme am Runden Inklusionstisch in Grötzingen Der Spielplatz für Kinder mit Behinderung wurde eröffnet. Es fand auch ein Nachgespräch von der Rolli-Rundfahrt im Mai statt. Festgestellt wurden fehlende Hinweisschilder bei der Unterführung „Wiesenäcker“, fehlender Aktivrolli im Rathaus 1. Auch Bordsteinabsenkungen an mehreren Stellen wurden besprochen. Und es wurde festgestellt, dass die Fußgänger Unterführung zur Augustenburgstraße zu steil ist. Diskutiert wurde auch ein Shuttle-Bus, welcher die Fahrgäste von Haus zu Haus abholt/hinfährt. Arbeitskreis Shuttle wurde gegründet. Online-Sitzung der dritten Zukunftswerkstatt Soziale Quartiersentwicklung Die dritte Zukunftswerkstatt umfasste drei Workshops. Es hat sich das Begleitgremium Soziale Quartiersentwicklung, erweitert um Fachkräfte, die in der Seniorenarbeit oder Quartiersarbeit tätig sind, zu einem Workshop am 6. April getroffen. Zwei weitere, inhaltsgleiche Workshops haben am 9. und 13. April 2022 stattgefunden. Karin Breunig und Dr. Ulrike Schneider nahmen am Workshop am 13. April teil. Insgesamt haben über 60 Personen teilgenommen und sich eingebracht. Unter vielen anderen wurden auch folgende Handlungsempfehlungen zur Ausrichtung der Quartiersarbeit formuliert: Barrierefreiheit, Niedrigschwelligkeit, Kosten- und Konsumfreiheit, persönliche Beratung, bürokratiearme Zugänglichkeit zu Räumen und Fördermitteln, Generationengerechtigkeit. Austausch mit Studierenden der Hochschule Karlsruhe 11. Mai 2022 – Einladung in die BMDV-Stiftungsprofessur Im Rahmen einer Stiftungsprofessur wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) ein Masterstudiengang zu Radverkehr und nachhaltiger Mobilität gefördert. Die Fragestellung der Studierenden war: Wie passen Rollstuhlfahrer und Fahrradfahrer, auf der Straße zusammen. Was kann/sollte verbessert werden. 25. Oktober 2022 – Rollstuhl-Rundfahrt mit Bachelorstudierenden aus dem Studiengang Verkehrssystemmanagement Karin Breunig führte mit Unterstützung von Beate von Malottki die Gruppe von 20 Studierenden durch einige Straßen der Innenstadt West. Die Teilnehmenden erhielten einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, sich mit dem Rollstuhl fortzubewegen beziehungsweise mit dem Blindenlangstock mobil zu sein. Abbildung 2: Karin Breunig trifft Studentinnen und Studenten – berichtet von Erfahrungen im Rollstuhl. Foto: Karin Breunig Sozial- und Jugendbehörde | 9 Teilnahme an weiteren Informationsveranstaltungen 1. Juni 2022 – Inklusionstage Berlin – Online-Veranstaltung Unter anderem war zu erfahren, dass bereits 2018 etwa 2,4 Millionen Barriere reduzierte Wohnungen in Deutschland fehlten. Und dass nur 14 Prozent der Wohnungen in Deutschland schwellenlos gestaltet sind und gerade mal 0,3 Prozent des Wohnraums komplett barrierefrei zugänglich und nutzbar ist. Diverse Wohnformen wurden vorgestellt. Laut Jürgen Dusel (Behindertenbeauftragter der Bundesregierung) seien die Architekten interessiert an behinderten gerechten Bauen, jedoch wird es nicht gelehrt. Barrierefreiheit muss den gleichen Stellenwert wie der Brandschutz bekommen, unterstrich er. Herr Dusel forderte die Betroffenen auf, finanzielle Fördermittel für den barrierefreien Wohnungs(um)bau im Bundeshaushalt einzufordern. 12. Oktober 2022 – Besuch des „Karlsruher-Forum“ im ZKM Tagesmeeting: Bauen, Wohnen, Leben. In erster Linie wurden verschiedene Baumodelle vorgestellt, zum Beispiel aus Wien. Auch Windenergie versus Sonnenlicht, Geothermie, Wärmepumpen aus dem Meer waren Thema. Aktivitäten im Bereich ÖPNV Treffen zur Abklärung der Einstiegsfelder an den zukünftig barrierefrei auszubauenden Straßenbahnhaltestellen Am 24. Februar 2022 trafen sich Ulrike Wernert, Beate von Malottki und Dr. Elke Wagner mit Herrn Wagensommer (VBK) am Mühlburger Tor, um die Platzierung von taktilen Einstiegsfeldern an der Doppelhaltestelle abzuklären, um dies für die neuen barrierefreien Bahnsteige exemplarisch festzulegen. Dabei entstand auch die Idee, in die Mitte des Einstiegsfeldes (an der zweiten Tür der Niederflur-Fahrzeuge) ein Rollstuhlsymbol zu integrieren. Bereits am 30. März 2022 war das erste Einstiegsfeld an der Haltestelle Rappenwörth realisiert (siehe Foto). Abbildung 3: Haltestelle Rappenwörth taktiles Einstiegsfeld, Foto: Holger Wagensommer 10 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Austausch BMB mit KVV bezüglich Stadtbahntunnel und Fahrgastinformationssystemen Drei Monate nach Eröffnung des Stadtbahntunnels im Dezember 2021 in der Karlsruher Innenstadt, fand am 30. März 2022 ein Austausch zwischen dem Beirat für Menschen mit Behinderungen vertreten durch Beate von Malottki und Dr. Elke Wagner und der KVV- Fahrgastinformation vertreten durch Herrn Spitzer und Frau Petzold statt. Dabei lag der Schwerpunkt auf den Anliegen der blinden und seheingeschränkten Fahrgäste. Die Belange von Menschen mit kognitiven Einschränkungen wurden ebenfalls eingebracht. Folgende sechs Punkte wurden seitens des BMB beklagt und inhaltlich diskutiert: 1. Ansagen in den U-Bahn-Haltestellen Leider wurde die Zusage, dass es in den Tunnelhaltestellen Ansagen geben wird, noch nicht umgesetzt. Blinde, seheingeschränkte Menschen und Menschen mit kognitiven Einschränkungen wissen nicht, welche Bahn gerade einfährt. Die Umsetzung war zeitnah vor der Eröffnung nicht mehr möglich. Die Anlagen für die Ansagen in den Tunnelhaltestellen sollen mit der Brandmeldeanlage gekoppelt werden, um deren Lautsprecher nutzen zu können. Hier gibt es bereits im März 2022 Lieferschwierigkeiten der Hardware. Die Umsetzung soll erfolgen sobald die Hardware geliefert wird. Im Anschluss sollten dann die Konfiguration und Inbetriebnahme erfolgen. Die Inbetriebnahme sollte bis spätestens Ende des Jahres 2022 erfolgen. Nachtrag KVV Herr Spitzer Januar 2023: Die letzten Komponenten wurden im Januar 2023 geliefert. Der Einbau ist umgehend erfolgt. Die Aufschaltung auf die Brandmeldeanlage (Lautsprechernutzung) wird momentan realisiert. Danach erfolgt die Testphase und TÜV Abnahme; Parallel werden Ansagetexte geprüft. Die Inbetriebnahme hängt von der TÜV Abnahme ab. Leider ist dies bis zum heutigen Tag (März 2023) noch nicht passiert 2. Linienverlaufsstellen im Stadtbahntunnel Die Vertreterinnen des BMB bemängeln die Reihenfolge der Haltestellen auf den Linienverlaufsstellen. Diese sollte umgekehrt dargestellt werden, damit die in Fahrtrichtung kommenden Haltestellen nicht über Kopfhöhe hängen. Diese können von Menschen mit Sehbeeinträchtigung so weit oben nicht gelesen werden. Auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind durch diese Reihenfolge stark verwirrt. Frau Petzold sagte eine hausinterne Prüfung zu und denkt, dass bei anstehenden Überarbeitungen der Tafeln eine Anpassung vorgenommen werden kann. Dies sei aber erst mittelfristig möglich. 3. Probleme mit dem Kontrast am Blindenleitsystem auf Verteilerebenen Es gibt Beschwerden von sehbehinderten Menschen über einen mangelhaften Kontrast am Blindenleitsystem in manchen Verteilerebenen der U-Bahn-Haltestellen (zum Beispiel Marktplatz/Pyramide, Europaplatz). Die BMB-Vertreterinnen schlagen vor, den Kontrast nachzumessen und die Ursache der Mängel zu klären. Eine Weitergabe dieser Angelegenheit an die zuständige Stelle wird zugesagt. Sozial- und Jugendbehörde | 11 4. Taktiler Übersichtsplan der Tunnelhaltestellen Die Vertreterinnen des BMB betonten die Notwendigkeit von taktilen Übersichtsplänen für die Tunnelhaltestellen. Diese sollten in der Nähe der Eingänge zu den Tunnelhaltestellen angebracht werden. Dies war in Vorgesprächen mit der KASIG bereits besprochen und geplant. Die Vertreterinnen und Vertreter der KVV bestätigen, dass ein taktiler Übersichtsplan seitens KASIG vorgesehen sei. Hier bedarf es aber noch weiterer Absprachen. Die zeitliche Umsetzung konnte bei diesem Treffen nicht konkretisiert werden. Leider ist dies bis zum heutigen Tag (März 2023) noch nicht passiert. 5. APP zur Fahrgastinformation für blinde und sehbehinderte Fahrgäste Für Menschen mit Blindheit, Sehbehinderung und kognitiven Einschränkungen wäre es so viel einfacher, wenn es eine APP oder eine ähnliche Möglichkeit (Transponder) gäbe, um Fahr- gastinformationen zu erhalten. Laut Aussage der KVV einigte man sich nach einer Marktanalyse auf zwei APP Favoriten. Hierzu bedarf es einer Hardwareerweiterung in allen Fahrzeugen und Funktionalitätstests an stark befahrenen Haltestellen wie Hauptbahnhof (HBF) oder Durlacher Tor, um sicher zu stellen, dass Technologie funktioniert. Geplant waren die Tests bis Ende 2022 mit Beteiligung der Betroffenen. Leider ist dies bis zum heutigen Tag (März 2023) noch nicht passiert. Nachtrag KVV Herr Spitzer Januar 2023: Aus Ressourcengründen war eine Realisierung der Testphase noch nicht möglich. An der Beteiligung der Betroffenen soll unbedingt festgehalten werden. 6. Taktiler Liniennetzplan In der Vergangenheit gab es bereits taktile Liniennetzpläne. Diese müssen nach dem Umbau natürlich überarbeitet werden. Es soll ein neuer taktiler Liniennetzplan in Kooperation mit ACCESS@KIT aufgelegt werden. Auch hier konnte die zeitliche Umsetzung im März 2022 noch nicht konkretisiert werden. Nachtrag KVV Herr Spitzer Januar 2023: Hier ist noch interne Abstimmungsarbeit notwendig, da im Dezember 2022 eine größere Änderung im KVV-Schienennetz realisiert wurde. Dies kann jetzt berücksichtigt werden und man kann davon ausgehen, dass es zeitnah keine größeren Anpassungen im Schienennetz geben wird. Taktile Handlaufbeschriftungen im Stadtbahntunnel Von Februar 2022 bis Mai 2022 wurden in einem sehr intensiven Mailaustausch und einigen Vorortterminen zwischen Beate von Malottki, Dr. Elke Wagner, Herrn Toetz von der KASIG und Herrn Dr. Wolf vom Badischen Blinden- und Sehbehindertenverband (BBSV) die Vorschläge für die taktilen Handlaufbeschriftungen in Brailleschrift und erhabener Profilschrift an allen Handläufen und den Stählen vor den Rolltreppen Auf- und Abgängen besprochen, ausgetauscht und gegebenenfalls korrigiert. Nach diesem sehr zeitaufwändigen und sehr langwierigen Prozess wurden die Beschriftungen im Sommer 2022 angebracht. 12 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Einladung zum Pressetermin anlässlich des Protesttages der Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2022 Der 5. Mai 2022 ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Schon seit vielen Jahren gehen an diesem Tag europaweit Menschen mit und ohne Behinderung auf die Straße und setzen sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. Sie protestieren für eine Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte und gleiche Möglichkeiten haben. Anlässlich des Protesttages lud die Kommunale Behindertenbeauftragte Frau Wernert unter der Schirmherrschaft von Herrn Oberbürgermeister Dr. Mentrup zur Pressekonferenz in das Rathaus am Marktplatz ein. Zwei Themenschwerpunkte: Karlsruhe ist „Assistenzhundefreundliche Kommune“ (vorgestellt von Hannah Reuter Verein Pfotenpiloten) und Blindenleitsysteme – Standard oder Störfaktor? (vorgestellt von Beate von Malottki und Dr. Elke Wagner) standen auf der Tagesordnung dieser Pressekonferenz. Mit Vertretern der Presse wurde im Anschluss ein Radiointerview mit dem SWR und eine Begehung der Leitlinien am Marktplatz unter Simulationsbrille oder Augenbinde umgesetzt. Leider waren nur wenige Vertreterinnen und Vertreter der Presse anwesend. Vor-Ort-Termin im Stadtbahntunnel in Karlsruhe am 1. Juli 2022 Das Gestaltungskonzept der Architekten zum Stadtbahntunnel beinhaltet eine Reduzierung der Beschilderung auf ein Mindestmaß. Bereits vor der Inbetriebnahme im Dezember 2021 wurden in allen Haltestellen zusätzliche Hinweistafeln zur Wegeleitung angebracht. Kritische Stimmen zum derzeitigen Umfang der Beschilderung sowie zur Thematik der zu geringen Sitzmöglichkeiten waren der Anlass auf Fachebene Vorschläge für eine Optimierung der Barrierefreiheit abzustimmen. Am 1. Juli 2022 gab es ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern des BMB, Fahrgastbeirates, Stadtseniorenrates und Fahrgastverband PRO BAHN, der KASIG, KVV und der VBK unter Leitung von Herrn Dr. Pischon und Herrn Höglmeier. Das Inbetriebnahme-Projekt der VBK wurde kurz vorgestellt. Die gestalterische Konzeption der Haltestellen wurde zwischen KASIG, Architekten und Stadtplanungsamt abgestimmt. Das Konzept der statischen Fahrgastinformation wurde vom Beratungsbüro PAN-DESIGN entwickelt, das bereits in der Vergangenheit den KVV beraten hat. Der Tunnel bringt durch die Räumlichkeiten und die technische Ausstattung viele neue Aspekte und Randbedingungen. Zum Sachstand der Fahrgastinformation kritisieren die Vertreterinnen und Vertreter des BMB immer noch das Fehlen der Sprachansagen zur Ankündigung einfahrender Bahnen. Hier gibt es laut KVV Lieferengpässe, die zu Verzögerungen führen. Die Umsetzung ist für spätestens Ende 2022 geplant. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Reihenfolge der Haltestellen auf den Linienverlaufsstelen. Diese soll umgekehrt dargestellt werden, damit die in Fahrtrichtung kommenden Haltestellen nicht über Kopfhöhe hängen. Das aktuelle System hat den Vorteil, dass die Haltestellen in Fahrtrichtung für die Mehrheit der Fahrgäste in Sichthöhe sind und somit seltener durch davorstehende Personen verdeckt werden. Das jetzige System ist analog zur Straßenverkehrsbeschilderung und zu den Anzeigen in den Straßenbahnen. Jedoch würde eine geänderte Darstellung für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer sowie Sehbehinderte, die unmittelbar an die Schilder herantreten müssen besser sichtbar sein, um die relevanten Informationen einzusehen. Die VBK weisen darauf hin, dass eine solche Umstellung für Verwirrung sorgen wird, werden jedoch prüfen, ob bei den nächsten größeren Änderungen im Liniennetz eine Umstellung vorgenommen werden kann. Auch die Anzahl der Sitzgelegenheiten in den Haltestellen wird stark bemängelt. Die KASIG stellt die Ergebnisse einer Machbarkeitsuntersuchung vor, ob und an welchen Stellen zusätzliche Sitzgelegenheiten angebracht werden können: Zusätzliche Sitzgelegenheiten sind Sozial- und Jugendbehörde | 13 technisch machbar, allerdings örtlich eingeschränkt durch Notrufsäulen, Abfallbehälter, Vitrinen und Notbeleuchtungen an beziehungsweise in der Wand sowie durch Schächte im Boden. Ebenso ist die Bahnsteigbreite zu beachten. Beispielhafte Ergebnisse der Bewertung lauten: In der Haltestelle Marktplatz sind in beiden Haltestellenbereichen jeweils vier bis sechs zusätzliche Bänke machbar, in der Haltestelle Durlacher Tor sind jeweils fünf bis sieben zusätzliche Bänke machbar. Auch das Material der Sitzgelegenheiten vor allem im Winter wird als unangenehm kalt empfunden. Der Brandschutz lässt nach Aussage der KASIG kaum Möglichkeiten für Sitzauflagen zu. Es werden Edelstahlkassetten mit Dämmeinlage geprüft, die eine schnelle Erwärmung nach dem Hinsetzen und eine gewisse Wärmespeicherung ermöglichen sollen. Diese Lösung wird von den Anwesenden kritisch gesehen, da das Material ebenfalls kalt wirkt. Ein Teilnehmer schlägt klassische Stahlgittersitze beziehungsweise -bänke vor. Die KASIG sagt nochmal eine gezielte Prüfung zu. Eine zeitliche Festlegung gibt es allerdings nicht. Ein taktiler Liniennetzplan ist zu diesem Zeitpunkt in der Entwurfsphase. Für einen taktilen Haltestellenübersichtsplan ist noch zu klären, welche Informationen enthalten sein sollen. Bei der Begehung fiel auf, dass das Behinderten WC nicht in das Blindenleitsystem aufgenommen wurde. Dies muss nachgebessert werden. Auch die Klagen zum Kontrast der taktilen Leitstreifen, der aus Nutzersicht in den Verteilerebenen in einzelnen Haltestellen nicht ausreichend ist, wurde angesprochen. Die KASIG prüft mögliche Änderungen. Abbildung 4: Vertreterinnen und Vertreter des BMB beim Treffen im U-Bahnhof Marktplatz. Foto: Artur Budnik WC Anbindung an Leitlinie Haltestelle Marktplatz Pyramide Im Oktober 2022 wurde die WC Anbindung an die Behindertentoilette in der Haltestelle Marktplatz/Pyramide in Absprache zwischen der Kommunalen Behindertenbeauftragten und Vertreterinnen des BMB in das vorhandene Blindenleitsystem eingebunden. Abbildung 5: Abbiegung BLS auf Höhe des WC ́s Marktplatz. Foto: Artur Budnik 14 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Sitzbänke in den neuen U-Bahn-Haltestellen in Karlsruhe Bereits bei der ersten Besichtigung der U-Bahnhaltestellen Marktplatz (Kaiserstraße/Pyramide) Ende 2021 ist den Mitgliedern des Beirates der extreme Mangel an Sitzgelegenheiten aufgefallen. Da wir uns nicht vorstellen konnten, dass dies der endgültige Zustand der Haltestelle sein könnte, haben wir im Januar 2022 einen Brief an den Geschäftsführer der VBK Dr. Alexander Pischon geschrieben. Die Antwort war leider etwas ernüchternd und ließ auf wenig Bewegung in der Sache hindeuten. Bei dem bereits weiter oben erwähnten Vor- Ort-Termin im Juli 2022, in Anwesenheit von Dr. Pischon, wurden erste Bemühungen für eine Lösung der Problematik angedeutet. Leider hat sich, außer einiger Ideen für die ferne Zukunft, bis März 2023 nichts Sichtbares getan. Nachtrag 30. März 2023: Auf Nachfrage des BMB berichtet Herr Dr. Pischon, dass man hoffe, bald in die Ausführungsphase zu gehen, nachdem alle Sachverhalte zu den Sitzgelegenheiten geprüft wurden. Mobilitätstraining bei der KVV Frau Karin Breunig nahm am 24. September 2022 an diesem Angebot teil. Angesprochen wurden die Verbesserungen der allgemeinen Wegeleitsysteme in der U-Bahn. Fazit: Es wird in Angriff genommen. Auf die Frage, wie sich Menschen mit Behinderungen bei einem Notfall in der U-Bahnverhalten sollten und welche Rettungsmaßnahmen vorgesehen sind, wurden dagegen ausweichende Antworten gegeben. Beteiligung des Beirates in städtischen Ausschüssen und in anderen Gremien Wie wichtig die Einbeziehung des BMB in die verschiedenen Gremien in Karlsruhe ist wird in den nachstehenden Ausführungen deutlich. Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen spielen in vielen Bereichen eine Rolle. Und es ist sinnvoll und notwendig, diese frühzeitig zu kommunizieren. Dies haben unsere Vertretungen auch im Jahr 2022 mit großem Engagement fortgeführt. Aus dem Jugendhilfeausschuss Frau Manuela Grimm vertritt den Behindertenbeirat im Jugendhilfeausschuss. Ein wichtiger Punkt für den Beirat für Menschen mit Behinderungen war in diesem Jahr das Thema „Schulische Inklusion aktiv fördern und voranbringen“. Die GRÜNE-Gemeinderatsfraktion beantragte einen aktuellen Sachstandsbericht, da der letzte im Oktober 2017 im Schulbeirat stattfand. Dieser wurde in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 19. Oktober 2022 vorgestellt. Ein grundlegendes Ziel der Stadt Karlsruhe ist es, für jedes Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf ein passendes schulisches Angebot zu ermöglichen. Mit Beginn des Schuljahres 2023/2024 verzeichnete sie einen deutlichen Ausbau bei der inklusiven Beschulung in den Grundschulen, den weiterführenden Schulen und in der Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder. In Verantwortung des Schul- und Sportamtes liegen hierbei die strukturellen Rahmenbedingungen zur schulischen Inklusion wie barrierefreie Schulsanierungen, die bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen und Schülerbeförderung sowie die Nachmittagsbetreuung. Darüber hinaus nimmt die Stadt als Schulträgerin an den Sozial- und Jugendbehörde | 15 Bildungswegekonferenzen teil, um den Wunsch einer inklusiven Beschulung in den genannten Punkten bestmöglich umzusetzen. Ein weiterer wichtiger Baustein der Umsetzung der schulischen Inklusion ist eine adäquate Schulbegleitung. Hier wird die Stadt Karlsruhe im Schuljahr 2023/2024 an zwei Karlsruher Schulen mit einem Pilotprojekt für eine Poollösung starten. Die Stadtverwaltung setzt sich im Rahmen des Runden Tisches Inklusion dafür ein, dass das Elternforum Inklusion wieder als regelmäßige Informationsveranstaltung für Eltern in gemeinsamer Trägerschaft des Vereins Eltern für Inklusion (EFI) e. V., Stadt Karlsruhe und des Staatlichen Schulamts auch im Jahr 2023 durchgeführt wird. In diesem Jahr fand es am 19. November 2022 in der Marylandschule statt. Viele weitere Themen wurden im Berichtsjahr 2022 umfassend durch den Jugendhilfeausschuss beraten und beschlossen. Diese haben den Beirat für Menschen mit Behinderungen jedoch nicht direkt betroffen. Aus dem Planungsausschuss Der Planungsausschuss der Stadt Karlsruhe hat 2022 elf Mal getagt. Frau Dr. Ulrike Schneider als Vertreterin vom Beirat konnte bei einem großen Teil der Sitzungen wieder teilnehmen. Als beschließender Ausschuss ist der Planungsausschuss zuständig für die Aufstellung von Bebauungsplänen, für die Angelegenheiten der Stadtplanung einschließlich Verkehrsplanung und die meisten Themen werden in nicht öffentlichen Sitzungen behandelt. Es werden viele Angelegenheiten diskutiert, die uns Menschen mit Behinderungen betreffen. Vor allem die Neugestaltung des öffentlichen Raums der Stadt wie die Farbgestaltung des Marktplatzes, ist hier zu nennen. Im März wurde auch die Verlängerung der Turmbergbahn in den Sitzungen diskutiert. Weitere Themen waren die neue Verkehrsplanung wie zum Beispiel sichere Radstreifen entlang des Schienenverkehrs, neue/geänderte Radverkehrsführungen als Folge des U-Bahn- Baus. Der soziale Wohnungsbau (Bebauungsplan „An der Straße zur Gießerei“, Bebauungsplan Gänsberg, Stupferich) und das städtebauliche Entwicklungskonzept (wie Sozialdiakonisches Zentrum Bilfinger Straße) wurden ebenfalls besprochen. Frau Dr. Ulrike Schneider sichtet vor jeder Sitzung die versandten Unterlagen und bespricht offene Fragen/Punkte direkt mit der Kommunalen Behindertenbeauftragten der Stadt Karlsruhe Frau Wernert. Die sehr gute Zusammenarbeit klärt oft den Sachverhalt und gemeinsam können so die Planungsthemen der Stadt recht gut im Blick behalten werden. Direkte Fragen der Ausschussmitglieder an den Beirat beziehungsweise an die Vertreterin wurden auch dieses Jahr nicht gestellt. Aus dem Sozialausschuss Frau Dr. Elke Wagner vertritt den Beirat für Menschen mit Behinderungen im Sozialausschuss. Die Sitzungen des Sozialausschusses fanden am 16. März 2022, 14. Juli 2022 und 16. November 2022 statt. Folgende Themenpunkte aus den Sitzungen waren für die Arbeit des Beirates relevant: 16. März 2022 – Unterstützung der „24-Stunden-Betreuungskräfte“: Runder Tisch und kurzfristige Maßnahmen Die Verhinderung von illegalen Arbeitsbedingungen im Bereich der „24-Stunden- Betreuungskräfte“ ist ein bundesweites und im Schwerpunkt arbeitsrechtliches Themengebiet, welches überörtlicher Lösungen bedarf. Ein Konzept kann nicht auf lokaler Ebene zu lösungsorientierten Handlungsempfehlungen gelangen. Es existiert eine Vielzahl von Institutionen und Vereinigungen, die sich dieses Themas bereits angenommen haben. 16 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Die Akteure in der Stadt Karlsruhe arbeiten vernetzt und übergreifend zusammen. Sie leisten grundlegende Informations-, Koordinierungs- und Aufklärungsarbeit. So wird beispielsweise durch den Pflegestützpunkt der Stadt Karlsruhe allen Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen ein umfangreiches Beratungsangebot zur Verfügung gestellt. Insofern erachtet die Verwaltung die Einrichtung eines Runden Tischs „Netzwerk 24-Stunden- Betreuungskräfte“ für die Erarbeitung eines Konzepts zur Verhinderung illegaler Arbeitsbedingungen als nicht erforderlich. Die Erarbeitung kommunaler Lösungsvorschläge für ein marktspezifisches Problem, welches über die Reformierung von rechtlichen Rahmenbedingungen zu lösen ist, ist nicht zielführend. Junge Menschen unterstützen – Ausbildung in Pandemie-Zeiten sofort und deutlich stärken Das Jobcenter stellt ein aktuelles intensives Corona-Sofortprogramm auf, um 18 bis 25- Jährige gezielt – teilweise mit intensiven Einzel-Coaching-Angeboten – auf eine Ausbildung oder auf ausbildungsähnliche Schulungen vorzubereiten. Die befürchteten negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ausbildungssituation junger Menschen im Stadtgebiet Karlsruhe sind glücklicherweise nicht im erwarteten Ausmaß eingetreten. Das Beratungsangebot der Berufsberatung hat auch während der Pandemie an den Schulen als Sprechzeitenangebot sowie in Einzelberatungen stattgefunden. Alternative Formen der Beratung (telefonisch oder per Video) wurden jederzeit angeboten. Das Jobcenter Stadt Karlsruhe hält ein breites Angebot von Eingliederungs- und Unterstützungsleistungen für junge Menschen vor, durch welche die individuellen Unterstützungsbedarfe gut abgedeckt werden können. Beispiele: Einzelcoaching für junge Menschen, Wegweiser in Arbeit und erfolgreiche Wege zurück in die Arbeit als individuelle Unterstützung, sozialpädagogische Einzelberatung und Gesundheitsmaßnahme zur Stabilisierung und Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für Teilnehmende mit gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen. 14. Juli 2022 – Jahresbericht des Beirates für Menschen mit Behinderung und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Es wurden drei Themen aus dem Bericht schwerpunktmäßig vorgestellt: Mobilität und Barrierefreiheit am Beispiel der guten Zusammenarbeit mit der KASIG und VBK, das Projekt ÖRMI und das Thema E-Scooter, das uns auch in diesem Jahr wieder intensiv beschäftigt hat. Für die Kommunale Behindertenbeauftragte stand das Thema „Barrierefreiheit für alle“ im Mittelpunkt Ihrer Aussagen. Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege – Vermittlungsplattform Im Mai und Juni 2020 sowie im Februar 2021 hat sich der Sozialausschuss bereits mit diesem Thema beschäftigt. Die Weiterentwicklung mit Maßnahmen und Vorschlägen zur Verbesserung der Versorgungssituation rund um das Thema Kurzzeitpflege wurde anhand der Ergebnisse aus dem Fachaustausch Kurzzeitpflege Teil 2 (Januar 2022) vorgestellt. Als Resümee wurden die Ergebnisse aus 2021 erneut bekräftigt, das heißt: Eine dauerhafte gute Lösung in der Kurzzeitpflege ist nur durch die Erhöhung von Pflegeplätzen, die Gewinnung von Fachpersonal und durch eine Verbesserung in der Finanzierung möglich. Im Fachaustausch wurde deutlich, dass zum aktuellen Zeitpunkt eine gemeinsame Nutzung einer einheitlichen Vermittlungsplattform unter Einbezug aller Leistungserbringer nicht gegeben ist. Der Sozialausschuss hat dies eingehend diskutiert und die schriftliche Vorlage zur Kenntnis genommen. Das Thema Vermittlungsplattform wird zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgegriffen. Sozial- und Jugendbehörde | 17 16. November 2022 – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen – Konzept zur Umsetzung der Istanbul Konvention Teil 1 Es wurde eine sehr ausführliche und hervorragend ausgearbeitete Bestands- und Bedarfsaufstellung für ein kommunales Konzept zur Unterstützung des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul Konvention) vorgestellt. Die Verwaltung wird beauftragt die Umsetzung der Istanbul Konvention in der beschriebenen Form weiter fortzusetzen. Ziel des Konzeptes ist das Schließen von Lücken im Hilfesystem und dessen Weiterentwicklung. Zunächst muss eine Priorisierung aller Bedarfe erfolgen. So ist für unsere Belange zum Beispiel eine vollständige Barrierefreiheit zu den Fachberatungsstellen in Gebäuden und Innenräumen für Frauen mit Behinderung derzeit nicht gegeben. Auch muss eine Verknüpfung zu Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten für Menschen mit psychischen Erkrankungen hergestellt werden. Der Sozialausschuss nimmt in Vorberatung für den Gemeinderat das ausgearbeitete Konzept zur Kenntnis. Um die bestehenden Hilfsangebote zu erhalten und abzusichern bedarf es künftig einer weiteren Koordinierung. Dies muss in der Haushalt-Erstellung 2024/2025 etabliert werden. Viele weitere Themen wurden 2022 umfassend in den Sitzungen des Sozialausschusses beraten. Diese haben den Beirat für Menschen mit Behinderungen jedoch nicht direkt betroffen. Aus dem Fahrgastbeirat (FGB) Frau Andrea Bröker ist die Vertreterin des BMB in diesem Gremium. Es gab im Jahr 2022 mehrere Arbeitssitzungen sowie Ergebnissitzungen. Des Weiteren fanden JourFixe-Gespräche mit Herrn Strotkötter zur Absprache der Eckpunkte für die Projektarbeiten statt. Hier sind zu nennen Expertengespräche, Impulsreferate und Meet & Greet Sessions mit Dr. Pischon, Begehungen und Vor-Ort-Termine und die Teilnahme an der Umfrage der Bundesnetzagentur zum Schienenpersonenverkehr 2022. Weiterhin gab es Außendarstellungen in Form von Berichten über den FGB im KVV-Kundenmagazin und externe Informationen und Kontakte in Form von Auswertung ÖPNV-relevanter Berichte und Medien, Organisation und kommunaler Gremien und die Teilnahme an Sitzungen, Workshops, Bürgerbeteiligungsverfahren, Tagungen und Exkursionen. Bei all diesen Themen waren auch stets die Belange mobilitäts- und sinneseingeschränkter Fahrgäste im Blick: zum Beispiel Barrierefreiheit für Fahrgäste mit besonderen Bedürfnissen an Haltestellen, beim Einstieg, in den Fahrzeugen und bei Fahrgastinformation. Forum Ehrenamt Frau Ute Warnken vertritt den BMB in diesem Gremium. Im Jahr 2022 gab es zwei Sitzungen des Forums Ehrenamt. Am 22. Juli 2022 wurden folgende Themen besprochen: Entbürokratisierung im Ehrenamt zum Beispiel Erleichterung der Beglaubigung für die Vertreter der Vereine im Liegenschaftsamt, Fortführung der Ausbildung von Bürgermentoren. Digital zugeschaltet war außerdem eine Person aus der Deutschen Stiftung Ehrenamt (DSEE) mit Sitz in Neustrelitz. Sie ist bundesweit aktiv und hat als Schwerpunkte die Unterstützung für den ländlichen und strukturschwachen Raum sowie die Unterstützung bei der Organisation hinsichtlich Digitalisierung. Themen am 9. November 2022 waren: Datenschutzverletzung im Internet, Vorstellung der Ehrenamtskarte (Pro und Contra für eine Einführung in Karlsruhe) sowie die neu eingerichtete Mit-Mach-Plattform im Internet. 18 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Runder Tisch Kommunale Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit Vertreterinnen des Behindertenbeirates in diesem Gremium sind Frau Ayten Gökduman und Frau Beate von Malottki. Insgesamt gab es 2022 vier Treffen des Runden Tisches (24. Januar, 4. April, 23. Mai, 10. Oktober). Zielsetzung ist die Formulierung eines Leitbildes und von Wirkungsfeldern gegen Rassismus und Diskriminierung in der Stadt Karlsruhe. Das Gremium ist divers zusammengesetzt und besteht aus Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft, Vereinen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, aus Polizei, Verwaltung und Politik. Deshalb wurde zunächst darauf geachtet, eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, damit Jede und Jeder die Möglichkeit zu einer persönlichen Äußerung erhält. Ein Austausch über die Definition von Rassismus und Diskriminierung stand am Anfang der Zusammenkünfte. Anhand von konkreten Fallbeispielen aus der Arbeit der Antidiskriminierungsstellen wurde in Kleingruppen diskutiert, ob eine tatsächliche Diskriminierung vorlag oder nicht. Die Erfahrungen vieler Teilnehmenden mit Rassismus nahmen zurecht einen großen Platz in diesem Gremium ein. Doch auch Formen der Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen wurden besprochen: ▪ Viele Arztpraxen, Geschäfte und Gaststätten sind für Rollstuhlnutzerinnen und Rollstuhlnutzer noch immer nicht zugänglich. ▪ Kulturelle Teilhabe ist für Menschen mit Sinneseinschränkungen oft eingeschränkt, wenn es keine Audiodeskription und keine Gebärdensprache gibt oder nur mangelnde akustische Ausstattung vorhanden ist. ▪ Blinde Menschen treffen häufig auf digitale Barrieren bei Behörden und anderen Einrichtungen, wenn Antragsformulare, Terminvereinbarungen oder Ticketkauf nicht barrierefrei ausfüllbar sind. Auch die Teilnahme an Videokonferenzen kann erschwert sein (siehe Alfaview). Grundsätzlich lässt sich festhalten: Überall dort, wo Menschen mit Behinderungen nicht teilnehmen können, kann es zu Diskriminierungen kommen. Kontaktpflege und Vernetzung Der Vorstand des Beirates für Menschen mit Behinderungen ist stets bemüht die bereits bestehenden Kontakte zu städtischen Behörden sowie zu Kooperationspartnern zu pflegen. Immer wieder ergeben sich aber auch neue Einladungen aus Politik und Gesellschaft. Online-Jahresgespräch mit dem Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW) am 12. Februar Die Kommunale Behindertenbeauftragte Frau Wernert und die BMB-Vorstandsmitglieder Herr Budnik und Frau von Malottki besprachen mit der Amtsleiterin Frau Sick und mit Herrn Kessel (zuständig für Planung und Barrierefreiheit) diese Themen: ▪ Zwei neue öffentliche Toiletten in der Kaiserstraße in Planung Zeitpunkt wird dem BMB mitgeteilt. ▪ Bauprojekte Stadthalle und Europahalle Auf unseren Wunsch soll es Gespräche mit den Projektverantwortlichen geben. Sozial- und Jugendbehörde | 19 Einladung WorKA Lebenshilfe am 29. Juni 2022 Im Rahmen eines Festakts nahm WorKA eine neue Lagerhalle in Betrieb, in der Bestellungen kommissioniert, verpackt und versandt werden. Artur Budnik und Meftune Ippolito nahmen für den BMB an der Veranstaltung teil. Einladung beim Diversitätsrat der Grünen am 6. Juli 2022 Beate von Malottki hat die Veranstaltung als Vertreterin des Beirates besucht. Dem Diversitätsrat des Karlsruher Kreisverbandes gehören vier Personen an. Zur Podiumsdiskussion waren fünf weitere Personen eingeladen (Geflüchteter, Vertretung aus der Politik, Vertretung aus dem Queeren Bereich). Wie stehen die Teilnehmenden zum Thema Diversität und in welcher Form findet das Engagement statt. Beate von Malottki nahm besonders Bezug auf die Verbindung zur Politik, da dort die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sind. Sie unterstrich, dass auch der Kontakt zur jeweiligen Community wichtig ist. Veranstaltung „Inklusion im Sportverein“ Am 27. Oktober hat Meftune Ippolito das Netzwerktreffen Inklusion im Sport besucht. Dort wurde das Projekt „LIVE“ vorgestellt. In drei Arbeitsgruppen wurden folgende Fragen diskutiert: 1. Wo liegen Ihrer Meinung nach für Menschen mit Behinderung Barrieren für den Zugang zu den Sportvereinen? 2. Wie kann aus Ihrer Sicht der Zugang für Menschen mit Behinderung zu Sportvereinen verbessert werden? 3. Wie kann es gelingen die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren zu verbessern und zu stärken? Jahresempfang des Paritätischen und RehaSüdwest Am 28. Oktober hat der Jahresempfang stattgefunden. Es war der gesamte Vorstand anwesend. Barbara Schremkowski, Professorin für soziale Arbeit, hat in ihrem Vortrag die Auswirkungen der Klimakrise auf die soziale Arbeit betrachtet. Menschen aus schwierigen Verhältnissen oder auch Vereine sind von der aktuellen Krise betroffen und haben massive finanzielle Probleme. Der Klimawandel ist dafür auch verantwortlich. Verleihung Günther-Klotz-Preis an Manfred Weber Manfred Weber war langjähriges Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen, außerdem für die SPD engagiert. Der Preis wird von der SPD vergeben. Beate von Malottki hat auf Einladung des SPD-Ortsvereins Oberreut als BMB- Vertreterin an der Ehrung am 8. Dezember teilgenommen. 20 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und an anderen Orten Die Reallabore Passagehof und Nördliche Karlstraße Im Rahmen des Leitprojektes Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI) richtete die Stadt Karlsruhe zwei experimentelle Stadträume ein. Unter dem Motto „Platz für mehr“ sollte den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit eröffnet werden, eine Neuverteilung des Straßenraumes und neue Mobilitätspraktiken sowie eine kreative, nachbarschaftliche Gestaltung von frei gewordenen Flächen zu erproben. Im Passagehof wurden Sitzbänke, Pflanzen und eine Bühne aufgebaut. Über einen Zeitraum von acht Wochen konnten sich Gruppierungen dort treffen und haben dafür Unterstützung von der Stadt bekommen. Auf Initiative von Artur Budnik kam ein Stammtisch des Beirates für Menschen mit Behinderungen im Passagehof zustande. Die Kosten wurden von der Stadt übernommen. Herzlichen Dank hierfür. In einem Gespräch mit Frau Kraemer vom Stadtplanungsamt und mittels eines Fragebogens wurde von den Teilnehmenden ein Feedback eingeholt. Alle waren von der neuen Idee angetan. Zu einem späteren Zeitpunkt gaben Herr Budnik und Frau von Malottki ein persönliches Feedback zu beiden Reallaboren ab. Wiederholt wurde unterstrichen, dass die Trennung von Rad- und Fußweg, das Freihalten von Gehwegen von Aufstellern, Blumenkübeln, Gastronomie und E-Scootern/Fahrrädern, längere Ampel-Grünphasen für Fußgänger sowie ausreichende Behindertenparkplätze in der Innenstadt für eine barrierefreie Mobilität für Menschen mit Behinderungen unbedingt notwendig sind. Als Fazit kann man festhalten: Was Menschen mit Behinderungen nützt, ist auch für Fußgängerinnen und Fußgänger gut. Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen In den BMB-Sitzungen wird immer wieder der Wunsch geäußert, die Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen mit dem Fahrdienst und mit dem Taxi generell auf alle Tageszeiten auszuweiten. Bisher gibt es eine vom Gemeinderat im Jahr 2020 verabschiedete Vereinbarung, die eine ganztägige Einfahrt in die Kaiserstraße für Arztbesuche erlaubt. Aus Sicht der Betroffenen reicht das nicht aus. Eine Einfahrt in die Innenstadt sollte auch für die soziale Teilhabe von mobilitätseingeschränkten Menschen erlaubt werden. Dies würde keineswegs zu einem massiven Autoverkehr führen, handelt es sich doch um eine vergleichsweise kleine Gruppe. Zudem nutzen auch Menschen mit Behinderungen selbstverständlich den ÖPNV und bewegen sich mit dem Rollstuhl oder gehen zu Fuß. E-Scooter – Parksituation in Karlsruhe Bereits seit 2019 macht sich der Beirat für Menschen mit Behinderungen stark für eine klare Parkregelung für E-Scooter. Uns ist klar, dass die Verkehrsregeln über die Straßenverkehrsordnung geregelt werden und der E-Scooter auch hier seine Regelung finden muss. Dennoch können Kommunen auch etwas tun: So sind Sondernutzungserlaubnisse eine kommunale Maßnahme, die zur klareren Parkregelung führt. Im Jahr 2022 haben wir versucht, die Stadtverwaltung davon zu überzeugen, die Situation für Menschen mit Behinderungen deutlich zu verbessern, leider war das Ergebnis lediglich eine Vereinbarung zur freiwilligen Selbstverpflichtung, die nun hoffen lässt, dass sich die Anbieter der E-Scooter an die Regelungen halten. Sozial- und Jugendbehörde | 21 Als Beirat wollten wir mit unserer Gelbe-Karten-Aktion im März 2022 ein Zeichen setzen, indem wir uns direkt an die Nutzerinnen und Nutzer der E-Scooter richteten, um aufzuklären, wieso falsch geparkte E-Scooter so gefährlich, beispielsweise für blinde Menschen, sein können. Auch im Jahr 2023 werden wir uns für eine klare Regelung und richtig abgestellte E- Scooter einsetzen. KSC-Wildpark Neubau Der Beirat für Menschen mit Behinderungen begleitet, von Planungsbeginn bis zur Fertigstellung, die Bauarbeiten im Wildparkstadion. Im Februar 2022 konnten wir uns mit allen Beteiligten digital zusammensetzen und die barrierefreien Umsetzungsvorschläge im Hauptgebäude des Stadions anschauen. So soll es Blindenleitsysteme zum Empfang, zu den Treppen und bis zum Aufzug geben. Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer kommen in alle Geschosse, in den Fanshop und die Fankneipe. Es wird Behindertentoiletten auf allen Stockwerken geben, auch die Mannschaftskabinen verfügen über Behinderten-WCs. Im VIP- Bereich wird es weitere 20 Plätze für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer und ihre Begleitungen geben. Der BMB wird die Bauarbeiten 2023 weiterverfolgen und nach Fertigstellung im Sommer 2023, die Räumlichkeiten besuchen. Die Themen Toilette für Alle und Zugang zu den Behindertentoiletten stehen auf unserer Tagesordnung für das Jahr 2023. Eröffnung des Neubaus der ViDia Kliniken: Barrierefreiheit nicht vollständig umgesetzt Im März 2022 hat Beate von Malottki den Eingangsbereich des Neubaus besichtigt. Sie hat leider festgestellt, dass es kein Blindenleitsystem zur Anmeldung gibt, obwohl es bei der Begehung im letzten Jahr zugesagt worden war. Auch der Fahrstuhl von der Straßenebene war noch nicht in Betrieb. Daraufhin hat der Vorstand einen Brief an die Geschäftsleitung bezüglich der beiden Punkte geschrieben und um Nachbesserung gebeten. Da bis Oktober keine Reaktion vorlag, hat der Vorstand nachgefragt und den Brief nochmals an die Geschäftsleitung der ViDia-Kliniken geschickt, verbunden mit der Bitte um ein Gespräch zur Barrierefreiheit. Leider haben wir bisher keine Antwort erhalten. Dies ist sehr enttäuschend, nachdem die Begehung im Juli 2021 aus Sicht der beteiligten BMB- Vertreterinnen und Vertretern positiv verlaufen war (siehe Jahresbericht 2021). Selbstverständlich werden wir uns weiterhin um ein Gespräch und eine Begehung bemühen. Gespräch per Videokonferenz zur Barrierefreiheit in der Stadthalle Artur Budnik, Beate von Malottki und Ulrike Wernert nahmen an der Videokonferenz am 17. Mai für den BMB teil. Die Stadthalle wird aktuell aufwändig modernisiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des verantwortlichen Architektenbüros und des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW) stellten die geplanten Maßnahmen zur Barrierefreiheit vor. Der barrierefreie Gebäudezugang am Haupteingang ist durch eine Rampe gewährleistet. Der direkte Zugang von der Tiefgarage in Ebene E-2 kann nicht vollumfänglich im Sinne der DIN 18040-1 ertüchtigt werden. Die Möglichkeit über einen Aufzug aus der Tiefgarage barrierefrei auf den Festplatz und in das Gebäude zu gelangen wurde aufgezeigt. Mit dem Betreiber der Stadthalle, Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK), soll abgestimmt werden, in wie weit Behindertenstellplätze in der Tiefgarage und/oder auf dem Festplatz zur Verfügung gestellt werden können sowie, wie bisher, über Anmeldung an der Schrankenanlage vor der Stadthalle geparkt werden kann. Rollstuhlgerechte Toiletten werden auf allen Ebenen vorhanden sein. Es wird auch eine behindertengerechte Künstlergarderobe geben. 22 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Taktile Blindenleitsysteme waren nicht vorgesehen. Wir forderten ein: Ein BLS vom Haupteingang zur Info-/Empfangstheke, Warnfelder an allen Treppen vor An- und Austritten, Kontrastflächen an allen Treppen vor An- und Austritten sowie an Setzstufen von Treppen mit bis zu drei Stufen und Treppen, die frei im Raum beginnen oder enden. Die Ausführung des BLS sowie die Beschriftung von Handläufen soll bei einer Begehung besprochen und festgelegt werden. Ferner regten wir an, dass ein Schalter am Empfang rollstuhlfahrerinnen- und rollstuhlfahrergerecht eingerichtet wird (Unterfahrbarkeit, Höhe). Vorgestellt wurde uns auch das digitale Leitsystem zur Orientierung im Gebäude und zu dort stattfindenden Veranstaltungen/Messen. Seitens des Beirats brachten wir die Idee ein, QR- Code-Systeme zur Indoor-Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen einzubauen. Für die Aufzüge sind Bedien- und Anzeigeelemente gemäß dem Standardleitfaden für Aufzugsanlagen der Stadt Karlsruhe geplant. Die Situation für Rollstuhlfahrer im Brahmssaal (Foyer Aufzug) kann auf Grund der bestehenden Schachtgeometrie nicht verbessert werden (Kabinengröße). Im 2. OG wird im nördlichen Bereich die Höhendifferenz im Bereich der Seminarräume mit zwei Plattformliften überbrückt. Gemäß der bisherigen Planung erfolgt die Bedienung der Plattformlifte durch eingewiesenes Personal. In allen fünf Sälen sind Hörunterstützungsanlagen vorgesehen. In den Sälen in Ebene E-2 werden die Anlagen bedingt durch den Austausch der Fußbodenheizung erneuert, in den Sälen Weinbrenner und Brahms werden die bestehenden Anlagen weiterhin verwendet. Der Beirat wünscht die Beteiligung bei der Inbetriebnahme und Einregulierung. Auf unsere Nachfrage der Akustik in der Halle wurde erläutert, dass alle Säle und Seminarräume als auch die Foyers unter Mitwirkung eines Akustikplaners deutlich gegenüber dem Bestand verbessert werden. Der Brahmssaal ist akustisch für Sinfoniekonzerte ausgelegt, alle anderen Säle und Seminarräume mit kürzerer Nachhallzeit für Sprachverständlichkeit. In den Foyers werden schallabsorbierende Baustoffe in den Decken verbaut, wo möglich auch Schallabsorber an Wänden geplant, was zu einer deutlichen Verbesserung der Nachhallzeiten führt. Eine konkrete Begehung der Stadthalle mit Vertreterinnen und Vertretern des BMB wird aufgrund der Baustellensituation voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2024 möglich sein. Anmerkung: Teilweise wurden Passagen aus dem Gesprächsprotokoll übernommen. Schlussworte Das Abklingen der Corona-Pandemie war positiv spürbar für unsere Arbeit im Beirat für Menschen mit Behinderungen. Wir konnten uns grundsätzlich bei den Sitzungen wieder präsent treffen. Gleichzeitig gab es jedoch weiterhin die Möglichkeit online teilzunehmen, wenn ein Mitglied nicht ins Rathaus kommen konnte. Umso ärgerlicher ist es, dass das Videokonferenzsystem Alfaview nach wie vor nicht barrierefrei ist, obwohl wir dies gegenüber der Firma mehrmals kritisiert haben. Der Vorstand und viele Mitglieder des BMB haben im Jahr 2022 an zahlreichen Gesprächen und Veranstaltungen teilgenommen: Sei es zum Thema Neugestaltung der Innenstadt, Verbesserungen an den U-Bahn- und Straßenbahn-Haltestellen; sei es im Bereich Wohnungsbau und soziale Quartiersentwicklung; sei es bei gesellschaftlichen Fragen wie Antirassismus und Antidiskriminierung. Das zeigt: Menschen mit Behinderungen leben inmitten der Karlsruher Gesellschaft. Immer wieder treffen wir auf alte und neue Barrieren. Immer wieder verschaffen wir uns Gehör bei Verwaltung, Politik und in diversen Gremien für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen, um die Inklusion in Karlsruhe voranzutreiben. Wie wichtig dabei unsere Zusammenarbeit mit den Gemeinderatsvertreterinnen und Gemeinderatsvertreter ist, wird in der Debatte über den Jahresbericht des BMB und der Kommunalen Behindertenbeauftragten deutlich. Sozial- und Jugendbehörde | 23 Danksagung Ein herzliches Dankeschön gilt allen Mitautorinnen des Jahresberichtes 2022: Karin Breunig, Andrea Bröker, Manuela Grimm, Dr. Ulrike Schneider, Dr. Elke Wagner und Ute Warnken. Presse Gefährliche Stolperfalle auf Gehwegen BNN, 10. März 2022 Menschen mit Behinderung fordern in Karlsruhe ausgewiesene Parkplätze für E-Scooter Von unserem Redaktionsmitglied Gundi Woll Steht ein E-Scooter quer auf einem Gehweg in Karlsruhe, hängt Beate von Malottki ein schwarz-gelbes Papierschild an den Lenker. „Dieses Fahrzeug steht uns im Weg! Gelbe Karte für Falschparker!“, steht auf der Vorderseite. „Gehwege freihalten, Unfälle vermeiden!“ auf der Rückseite. Malottki ist blind und stellvertretende Vorsitzende im Karlsruher Beirat für Menschen mit Behinderung. Querstehende E-Scooter sind für sie sehr gefährlich. „In Bremen stürzte ein blinder Mann über einen E-Scooter und zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu“, berichtet die Karlsruherin. Sie selbst sei bislang noch nicht gestürzt. „Ich kenne aber sehbehinderte Menschen in Karlsruhe, denen das schon passiert ist.“ Deshalb zeigt sie mit den anderen Mitgliedern des Beirats seit Mittwochnachmittag die Gelbe Karte. 2.500 von ihnen wollen sie bis in den Sommer hinein verteilen. E-Scooter sind fester Bestandteil des Karlsruher Stadtbilds. Selbst im südlichen Stadtteil Rüppurr mit größerer Entfernung zur Innenstadt stehen sie kreuz und quer auf den Gehwegen. Wie abgestellt und nicht wieder abgeholt. Mit der Aktion Gelbe Karte will der Beirat auf die Gefahr der E-Scooter für Menschen mit Behinderung hinweisen. Dabei sollen nicht nur die Nutzer und Verleihfirmen für die Problematik sensibilisiert werden. „Wir wollen auch diejenigen erreichen, die die Scooter mutwillig umstoßen“, sagt der Beiratsvorsitzende Artur Budnik. Die Aktion hat der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin im Herbst initiiert. Auch in anderen Städten wie München oder Hannover wird nun die Gelbe Karte für gefährlich abgestellte E-Scooter verteilt. „Bei Straßenbahnhaltestellen oder vor Hauseingängen stehen E-Scooter auch oft quer“, berichtet von Malottki. Vor ihrer eigenen Haustüre habe sie das schon erlebt. Hätte sie den Stock vergessen oder wäre ihr Mann nicht dabei gewesen, wäre sie gestürzt, erzählt die blinde Frau. Auch Ulrike Wernert hat schon gefährliche Situationen erlebt. Sie ist die Kommunale Behindertenbeauftragte in Karlsruhe und sitzt im Rollstuhl. „Wenn ein E-Scooter mitten auf dem Gehweg steht, komme ich oft nicht vorbei. Dann muss ich mit dem Rollstuhl auf die Straße“, berichtet sie. Doch nicht nur Menschen mit einer Behinderung sind davon betroffen. Menschen mit Kinderwagen oder Rollator hätten die gleichen Probleme. Am besten sollten Nutzer E-Scooter an Fahrradparkplätzen abstellen, vor Pfosten oder Laternenmasten sowie am Rand von Grünflächen, so der Vorschlag des Beirats. Einige Anbieter sind ebenfalls aktiv geworden und fordern, dass der Nutzer ein Foto vom abgestellten E-Scooter macht und in die App hochlädt. „Aber es wird vermutlich gar nicht kontrolliert, ob der E-Scooter gut abgestellt wurde“, vermutet Budnik. „Außerdem kann der Nutzer das Foto auch so machen, dass man den Abstellplatz nicht genau sieht.“ 24 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Der Beirat schlägt deshalb vor, dass die Stadt Flächen für E-Roller-Parkplätze ausweist. Doch dafür muss die Stadt den Anbietern eine Sondernutzungserlaubnis erteilen. Davor schrecke die Stadtverwaltung noch zurück, sagt Budnik. Seine große Hoffnung ruht auf dem kürzlich vom Verwaltungsgericht Münster getroffenen Urteil. Darin verpflichtet das Gericht die Stadt, schnell klare Regelungen für den Umgang mit E-Scootern zu finden, die ein Hindernis für andere Menschen darstellen. Für den März plant Münster, den Leihfirmen eine Sondernutzungserlaubnis für öffentliche Flächen zu erteilen, sodass Nutzer die Scooter an ausgewiesenen Stellen abstellen können. „Das Urteil ist die Initialzündung in Deutschland“, sagt Budnik. Er schlägt vor, Abstellflächen für E-Scooter etwa neben bereits bestehenden Fahrradstellplätzen auszuweisen. Abbildung 6: Gelbe Karte: Vertreter des Karlsruher Beirats für Menschen mit Behinderung weisen mit der Ak- tion auf die Gefahren von abgestellten E-Scootern hin. Foto: Jörg Donecker Assistenzhunde erlaubt Stadtzeitung Karlsruhe, 20. Mai 2022 Karlsruhe unterstützt Kampagne der „Pfotenpiloten“ Gleichstellung behinderter Menschen: Assistenzhunde sind weit mehr als Haustiere, sie erleichtern Menschen mit chronischen Beeinträchtigungen den Alltag und geben Sicherheit. Karlsruhe hat sich jetzt der Kampagne „Assistenzhund willkommen“ des Vereins „Pfotenpiloten“ angeschlossen. An der Pforte des Rathauses am Marktplatz und anderen Einrichtungen prangen Aufkleber, die das Mitführen dieser Hunde erlauben. Lästige Diskussionen sind damit passé. Bei einem Pressegespräch anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung nahm Karlsruhes kommunale Beauftragte Ulrike Wernert gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup die Förderung sozialer Teilhabe in den Blick. Den Kampagnenbeitritt sah sie als weiteren Schritt auf dem Weg zur inklusiven Stadt. Dafür sei es laut Mentrup notwendig, Menschen mit Handicaps Eigenständigkeit zu ermöglichen und „möglichst Vieles so mitzudenken, dass der Einzelne keine Hilfe mehr braucht“. Als Öffentlichkeitsarbeiterin der „Pfotenpiloten“ ging es Dr. Hannah Reuter darum, die Akzeptanz von Assistenzhunden mittels Aufklärung zu fördern und – neben kommunalen Unterstützern – auch Hotels, Arztpraxen und Einzelhandel für das Projekt zu gewinnen. Die Hunde sind nicht nur liebenswerte Gefährten, sondern speziell ausgebildet, um individuelle Sinnesbeeinträchtigungen ihrer Halterinnen und Halter auszugleichen sowie sie bei körperlichen oder neurologischen Einschränkungen zu unterstützen. Unter dem Titel „Blindenleitsysteme – Standard oder Störfaktor?“ ging es bei der Runde auch um einen weiteren Aspekt von Teilhabe. Blindenleitsysteme sind an einigen Stellen Standard, Sozial- und Jugendbehörde | 25 etwa bei Querungen, Haltestellen, Treppen oder Aufzügen. Allerdings sei es nicht immer einfach, sich mit der Forderung nach barrierefreier Ausstattung öffentlicher Flächen über verpflichtende Normen hinaus durchzusetzen, berichtete Beate von Malottki, stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen. Oft würden als Argumente dagegen stadtbildnerische und ästhetische Aspekte angeführt. Auf Karlsruhe neugestaltetem Markplatz gehören taktile Streifen wie selbstverständlich dazu. Die nach wiederkehrenden Mustern und kontrastreich verlegten Rippen- und Noppenplatten markieren rechtwinklige Wegebeziehungen. Das erleichtere die Orientierung für blinde oder hochgradig sehbehinderte Menschen ungemein, erklärte Dr. Elke Wagner vom Behindertenbeirat. Fehlten Leitstreifen jedoch ganz oder seien die vorhandenen mit Fahrrädern, Tischen und anderen Hindernissen zugestellt, „lande ich im Nirwana“. -maf- Werben für mehr Akzeptanz: Beate von Malottki, Ulrike Wernert, Dr. Elke Wagner, Dr. Hannah Reuter, Manja Myrrhe-Kohlenbrenner und OB Mentrup (von links). Foto: Müller-Gmelin 26 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Tätigkeitsbericht Kommunale Behindertenbeauftragte 2022 Beratungen/Ombudsfälle Auch 2022 war die Zahl der Beratungen sehr hoch (rund 900). Die Kontaktaufnahme von Menschen, die Informationen, Rat oder Unterstützung suchen, erfolgt telefonisch oder per E- Mail. Die Beratungen fanden wieder vermehrt in persönlichen Gesprächen statt. Die telefonische Beratung nahm dabei jedoch den größten Anteil ein. Themenschwerpunkte waren nach wie vor Wohnen, Arbeit, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) oder behördliche Verfahren. In meiner Ombudsfunktion habe ich zwischen Dienststellen und Beschwerdeführenden vermittelt. In vielen Fällen wurden einvernehmliche Lösungen gefunden. Manchmal überstiegen jedoch die Erwartungen der Ratsuchenden meine Möglichkeiten der Einflussnahme. Von involvierten Dienststellen ging dabei immer großes Verständnis für die Problematik aus, und der Wille, zu einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts zu kommen stand immer im Vordergrund. Stellungnahmen nach LGVFG und im Rahmen von Planfeststellungsverfahren Mit der Förderung durch das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) unterstützt das Land Baden-Württemberg seine Landkreise, Städte und Gemeinden sowie Verkehrsunternehmen beim Bauen, Aus- und Umbauen ihrer Verkehrsinfrastruktur. Im Mittelpunkt stehen dabei Maßnahmen, die die Verkehrswende hin zu einer klima-, menschen- und umweltfreundlichen Mobilität vorantreiben. Das Gesetz fordert dabei auch Stellungnahmen der Kommunalen Behindertenbeautragten vor Ort ein. Konkret handelte es sich um Stellungnahmen für Radrouten im Stadtgebiet Karlsruhe. Auch im Rahmen von Planfeststellungsverfahren bei Maßnahmen zum barrierefreien Umbau von Haltestellen ist die Abgabe einer Stellungnahme durch die Kommunale Behindertenbeauftragte ebenfalls erforderlich. Beratungen erfolgten auch bei privaten Unternehmen/Firmen. Hier ging es meist um die Gestaltung von Barrierefreiheit bei baulichen Maßnahmen oder der Entwicklung von Strategien dazu. Sozial- und Jugendbehörde | 27 Beteiligung in städtischen Gremien – Netzwerke – Arbeitsgemeinschaften Weiterhin werde ich über Termine dieser Gremien informiert und eingeladen. Im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten versuche ich zumindest zeitweise, diese Termine wahrzunehmen. Ich habe somit die Möglichkeit, mich an Prozessen zu beteiligen und das Thema Barrierefreiheit in Planungen und Umsetzungen einzubringen. Vorlagen für die Ausschüsse erhalte ich im Vorfeld zur Mitzeichnung oder Abgabe einer Stellungnahme. ▪ Sozialausschuss ▪ Jugendhilfeausschuss ▪ Schulbeirat ▪ Arbeitsausschuss Ältere Generation ▪ Runder Tisch Inklusion ▪ Runder Tisch gegen Rassismus und Diskriminierung ▪ VBK (Verkehrsbetriebe Karlsruhe) Routine (barrierefreier Haltestellenumbau) ▪ ÖRMI (Öffentlicher Raum und Mobilität in der Innenstadt) ▪ Begleitung der Reallabore (Passagehof und Karlstraße) Jour fixe Neugestaltung Kaiserstraße ▪ AG „Karlsruhe barrierefrei“ (digitaler Stadtplan für Menschen mit Behinderungen) ▪ Runder Tisch Chancengleichheit (Integrationsbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Antidiskriminierungsstelle) Wichtig war für mich der weiterhin regelmäßige Jour-Fixe-Termin mit dem Oberbürgermeister Dr. Mentrup oder der Direktorin der Sozial- und Jugendbehörde Frau Langeneckert. Alle Stellen in der Verwaltung haben immer ein offenes Ohr für meine Fragen oder Anliegen. Besonders erwähnen möchte ich hier die äußerst konstruktive Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des KVV (Karlsruher Verkehrsverbundes). Ansprechpersonen stehen für Fragen, Beschwerden zur Verfügung und sind für neue Ideen und Vorschläge offen. Besonders der öffentliche Nahverkehr ist immer wieder Thema bei Beschwerden und Anliegen aus der Bürgerschaft. Ich bin positiv gestimmt, weil ich den Eindruck habe, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen weiter in den Fokus von Stadtentwicklungsprozessen gelangen. 28 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Gremien außerhalb der Stadtverwaltung ▪ Begleitausschuss Partnerschaft für Demokratie: Sichtung, Beratung und Entscheidung über Förderanträge ▪ Beirat Accessible Maps KIT (Begleitung über die Projektdauer) Das Ziel des Projektes AccessibleMaps war es, die Mobilität von Menschen mit Blindheit oder Mobilitätseinschränkung in Gebäuden zu verbessern. Das 2019 gestartete Projekt hat sich die Erstellung von barrierefreien Gebäudekarten zur Aufgabe gemacht. ▪ Beirat Gehörlosenzentrum (Vertretung für die Stadt) ▪ Netzwerke der Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen Baden-Württemberg ▪ Austausch mit EUTB-Stellen in Karlsruhe zusammen mit dem Landkreisbeauftragten ▪ AG Inklusion Städtetag Baden-Württemberg ▪ AG barrierefreies Museum in Karlsruhe Teilnahme an Veranstaltungen/Termine ▪ Online Fachtag Zugang zur Justiz für Menschen mit Behinderungen: der Zugang zur Justiz ist für Menschen mit Behinderungen oft noch schwer in vielerlei Hinsicht. Mangelnde bauliche Barrierefreiheit ist dabei nur ein Aspekt. Besonders die Kommunikation – Verständlichkeit, Leichte Sprache, Gebärdensprache lassen noch sehr zu wünschen übrig. ▪ Inklusionstage zum Thema Bauen und Wohnen – online ▪ Forum für aktive Mobilität Bericht des Polizeipräsidiums zur Unfallstatistik mit Rad- und Fußbeteiligung „Karlsruher Programm für Aktive Mobilität“ – weiteres Vorgehen Tätigkeitsbericht und Ausblick zum Thema Fußverkehr und der AG Radverkehr ▪ Besuch des Inklusionsbetriebes AfB Ettlingen (Arbeit für Behinderte gGmbH) mit Betriebsführung und gemeinsamem Austausch mit der Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Landesregierung Simone Fischer und dem Beauftragten für den Landkreis Karlsruhe Reimar Neumann zum Thema inklusive Arbeitswelt. ▪ Veranstaltung „Gesundheit inklusive“ Stuttgart Die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Landesregierung Simone Fischer hat am 24. November in Stuttgart dazu eingeladen, bei einem Erfahrungsaustausch Wege in eine barrierefreie und inklusive medizinische Versorgung für Kinder und Erwachsene mit schwerer Behinderung zu thematisieren. ▪ 1. Netzwerktreffen Inklusion im Sport als Anknüpfungspunkt für das Projekt LIVE (Special Olympics) Sozial- und Jugendbehörde | 29 Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen und Geschäftsführung Im Laufe der letzten Jahre hat sich eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Beirat entwickelt. Das hat zur Folge, dass nahezu alle Themen gemeinsam bearbeitet und viele Termine zusammen wahrgenommen werden. Das führt allerdings dazu, dass die Arbeit mit und für den Beirat zunehmend mehr zeitliche Ressourcen beansprucht. Die Sitzungen des Beirats werden gemeinsam mit dem Vorstand vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet. Ideen des Beirats wie zum Beispiel die „Gelbe Karte“ für Nutzerinnen und Nutzern von E-Scootern werden unterstützt und die Organisation zum Teil übernommen. Insgesamt haben drei gemeinsame Pressetermine mit dem Beirat stattgefunden. Zu den gemeinsamen Aktivitäten gehören auch Termine zur Gestaltung von Blindenleitsystemen genauso wie die Umsetzung von Barrierefreiheit bei Bauprojekten (zum Beispiel KSC-Stadion, Klinikum, Stadthalle). Auch die U-Bahn war Anlass zu mehreren gemeinsamen Terminen (Verbesserung diverser Sachverhalte wie Leitsysteme, Ansage, Aufzüge und so weiter). Ich bedanke mich an dieser Stelle für die gute und kooperative Zusammenarbeit. Karlsruhe wird Assistenzhundefreundliche Kommune Anschluss an die Zutrittskampagne „Assistenzhund willkommen" Pfotenpiloten e. V. Menschen mit Beeinträchtigungen sollen genauso am öffentlichen Leben teilnehmen können wie alle anderen Personen. Gesetz und Fairness verlangen das; Assistenzhundehalterinnen und Assistenzhundehaltern aber wird mit ihrem Hilfsmittel Hund oft der Zutritt verweigert. Vielen Mitmenschen ist noch nicht bewusst, dass es neben Blindenführhunden auch Assistenzhunde für andere Einschränkungen gibt. Unwissenheit und Vorurteile sorgen darum mitunter für Zutrittsprobleme und den Ausschluss von Menschen mit Behinderungen. Auf verschiedenen Ebenen und über unterschiedliche Kanäle arbeitet die Kampagne daran, die Zutrittsrechte von Assistenzhundeteams zu verbessern. Ich wollte und will auch in Zukunft den Anstoß dafür geben, dass Karlsruhe assistenzhundefreundliche Kommune und Stadtgesellschaft wird und überall Kundschaft mit Assistenzhund willkommen ist. In einer Pressekonferenz am 5. Mai, dem Protesttag der Menschen mit Behinderungen, wurde Karlsruhe durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup zur assistenzhundefreundlichen Kommune erklärt. Viele Dienststellen der Stadt unterstützen die Kampagne. Der entsprechende Aufkleber an den Pforten und Eingängen signalisiert Besucherinnen und Besuchenden ungehinderten Zutritt für Assistenzhundeteams. Mit zwei Vertreterinnen des Vereins „Pfotenpiloten“ absolvieren wir an zwei Tagen Besuche im Badischen Landesmuseum, im Badischen Staatstheater und im Zoo. 30 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte „Weglaufen geht nicht“, Lesung mit Stefanie Ritzmann am 5. Mai 2022 Die Karlsruherin Stefanie Ritzmann lebt seit ihrer Geburt mit Contergan. In ihrem 2018 veröffentlichten Buch „Weglaufen? Geht nicht!“ erzählt sie ihre Lebensgeschichte in beeindruckender Weise und ermöglicht damit sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung einen Einblick in ihre positive Lebensphilosophie. Auf meine Einladung hat Stefanie Ritzmann in einer Lesung in der Karlsburg Durlach das Publikum auf eine Reise durch ihre Lebensgeschichte mitgenommen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Chris Brandon. Beteiligung am „Fest der Sinne“ Karlsruhe am 7. Mai 2022 Welche Aufgaben Assistenzhunde übernehmen können, wie sie ausgebildet werden und welche Initiativen es bundesweit gibt, darüber konnten sich die Besucherinnen und Besucher am 7. Mai auf dem Schlossplatz hautnah ein Bild machen. In einer Kooperation konnte ich das Assistenzhundezentrum „Assistenzhunde – Retriever vom Eichelberg“ für die eintägige Aktion gewinnen. Die Trainerin hielt für Interessierte Informationen bereit und war mit verschiedenen Assistenzhundeteams vor Ort. Landestagung der Kommunalen Behindertenbeauftragten im Rahmen der REHAB am 23./24. Juni 2022 Verantwortlich für die Planung, Organisation und die Durchführung vor Ort habe ich im Organisations-Team die Schnittstelle zu den Akteurinnen und Akteuren vor Ort übernommen. „Inklusion braucht Begegnung und Engagement“, unter diesem Motto stand das Landestreffen der Kommunalen Beauftragten für Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt- und Landkreise (KBBs) in Baden-Württemberg. Die gemeinsame Arbeitsgemeinschaft KBBs unter dem Dach der Kommunalen Landesverbände tagte bereits zum zweiten Mal im Rahmen der REHAB in der Messe Karlsruhe. Wir freuten uns, dass sowohl der Beauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel, als auch die Beauftragte der Landesregierung Simone Fischer als Gäste anwesend waren und mit einem Impuls die Tagung bereichert haben. Das Gremium diskutierte intensiv mit Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, der Fachstelle Inklusion, Gemeindetag Baden-Württemberg und des Dezernats Soziales, Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Außerdem befasste es sich mit den Themen Inklusion im Sport und neue digitale Entwicklungen im ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehrs). Sozial- und Jugendbehörde | 31 Fazit Dieser Bericht kann nur einen groben Überblick über meine Tätigkeit geben. Mir ist es allerdings ein Anliegen, am Ende ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass viele Themen nur an der Oberfläche und manche gar nicht bearbeitet werden können. Meine zeitlichen Ressourcen können den umfangreichen Themenfeldern nicht mehr gerecht werden. Das ist manchmal unbefriedigend und schwer auszuhalten. In vergleichbaren Städten in Baden-Württemberg sind die Kommunalen Behindertenbeauftragten personell besser ausgestattet. Eine personelle Aufstockung könnte die Qualität und die Vielfältigkeit meiner Arbeit verbessern. Mitarbeit in Unter-Arbeitsgruppen der „gAG“ Die „gAG“ ist ein Zusammenschluss aus den Beauftragten der 44 Stadt- und Landkreise auf Landesebene. Das gemeinsame Ziel ist es, dass Barrieren weiter abgebaut werden, um Menschen mit Behinderungen eine verbesserte Teilhabe zu ermöglichen und dadurch das Ziel der Inklusion zu erreichen. In der gAG der KBBs gibt es inzwischen neun Unterarbeitsgruppen der auf Landesebene zu verschiedenen Fachthemen. Sie haben das Ziel, die Arbeit der KBBs besser zu vernetzen, Ergebnisse an die maßgeblichen Fachstellen auf Landesebene darzustellen und Impulse zu setzen, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Ich selbst versuche an zwei UAGs (Inklusion in KITA, Umsetzung BTHG) möglichst regelmäßig teilzunehmen. Leichte Sprache Ich erkenne, dass die Leichte Sprache weiterhin mehr und mehr in das Bewusstsein der Verantwortlichen für Kommunikation in den Dienststellen rückt. Regelmäßig erreichen mich Anfragen dazu. Meistens geht es um die Umsetzung der Leichten Sprache in Veröffentlichungen wie Flyern oder Broschüren. Auch zwei Fortbildungen wurden vom Personal- und Organisationsamt dazu angeboten. Dank der im Haushalt weiterhin zur Verfügung stehenden Finanzmittel können Maßnahmen regelmäßig schnell umgesetzt werden. Mit dem Start der Webseite Karlsruhe.de wurden erfreulicherweise einige Inhalte in Leichter Sprache den Nutzenden zur Verfügung gestellt. Ich wünsche mir, dass weitere folgen. Das Netzwerk Leichte Sprache Karlsruhe hat sich weiterhin digital getroffen, um neue Informationen und Entwicklungen dazu auszutauschen. Aus dem Netzwerk heraus entstehen erfreulicherweise fruchtbare Kooperationen unter den Beteiligten. 32 | Jahresbericht 2022 – Beirat für Menschen mit Behinderungen und Kommunale Behindertenbeauftragte Impressum Copyright Stadt Karlsruhe Beirat für Menschen mit Behinderungen, Kommunale Behindertenbeauftragte Redaktion ▪ Kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Karlsruhe Ulrike Wernert ▪ Vorstand des Beirats für Menschen mit Behinderungen: Artur Budnik (Vorsitzender), Beate von Malottki (stellvertretende Vorsitzende), Meftune Ippolito (stellvertretende Vorsitzende) Layout Vorreiter Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand April 2023

  • Protokoll GR TOP 16
    Extrahierter Text

    Niederschrift 52. Plenarsitzung des Gemeinderates 18. Juli 2023, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 18. Punkt 16 der Tagesordnung: Jahresbericht 2022 des Beirates für Menschen mit Behinde- rungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Vorlage: 2023/0625 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss den vorgelegten Bericht des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten für das Jahr 2022 zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: Kenntnisnahme, keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgte Vorberatung im Sozialausschuss am 12. Juli 2023. Stadtrat Riebel (GRÜNE): Zu allererst möchte ich den Mitgliedern im Beirat für Menschen mit Behinderung für ihre wichtige Arbeit und den umfassenden Bericht danken. Genauso danke ich Frau Wernert, der Behindertenbeauftragten. Es ist eine wichtige Arbeit, die uns alle betrifft. Ein Unfall oder eine Erkrankung können auch dazu führen, dass wir kurzzeitig oder dauerhaft eingeschränkt sind. Ich durfte es selbst erleben und bin daher umso dank- barer für diese wichtige Arbeit. Auch Menschen ab einem gewissen Alter mit Rollator, aber auch Familien mit Kinderwagen, können in Teilen davon profitieren. Doch das, was wirklich wichtig ist, ist, dass dieser Beirat den Menschen mit Behinderung eine Stimme gibt, wir so mit ihnen auf Augenhöhe sprechen können und nicht unwissend über sie. Die Arbeit im Beirat ist ein wichtiger Beitrag zur Emanzipation und Partizipation von Men- schen mit Behinderung. Viele Menschen mit Behinderung sind auch fußläufig unterwegs, wie uns im Sozialausschuss dargestellt wurde, und auch mit dem ÖPNV unterwegs. Gerade die Barrieren in den Haltestellen sind natürlich besonders ärgerlich. So geht es um das Leit- system, die Durchsagen an den Haltestellen unter der Erde, die jetzt endlich da sind, aber – 2 – auch, was oberirdisch passiert. Aber auch die Frage nach ausreichenden Sitzgelegenheiten ist zu beachten. Die Lage mit den E-Scootern hat sich zwar verbessert, aber die müssen wir weiter kritisch im Auge behalten. Ich bin mir auch sicher, dass das der Beirat für Menschen mit Behinderung tut. Wenn nämlich diese E-Scooter nicht sachgerecht abgestellt sind, be- hindern sie nicht nur das Vorankommen von den Menschen im Rollstuhl, sondern werden auch zur Stolpergefahr für viele Menschen in unserer Stadt. Auch das Thema der barriere- freien Wohnung ist im Bericht benannt und ist wichtig, weiter verfolgt zu werden. Dem Beirat für Menschen mit Behinderung möchte ich zudem danken für die Teilnahme am Runden Tisch Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung. Dieser Runde Tisch soll neue Perspektiven eröffnen, und der Beirat leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Auch die CDU-Fraktion dankt sehr herzlich dem Beirat für Men- schen mit Behinderung. Es ist eine tolle Arbeit, was hier geleistet wird. Man sieht es in dem umfangreichen Bericht, den wir alle erhalten haben, und der zeigt, in welch Verschiedenar- tigkeit und in welch großen Dimensionen hier zum Teil die Arbeit gemacht wird und wie die Mitarbeit in den Gremien stattfindet. Besonders auffällig war, dass es ganz entschei- dend ist, gerade jetzt im ÖPNV, mit dem Stadtbahntunnel, mit der Beschaffung von neuen Bahnen, den Behindertenbeirat mit einzubeziehen, um auch für später entsprechend die Möglichkeit zu schaffen, dass die Mobilität auch für die Menschen erreicht wird, die an Be- hinderungen leiden. Ob dies jetzt auch Sehende sind, die körperliche Gebrechen haben o- der auch welche, die seheingeschränkt oder höreingeschränkt sind. Hier muss es möglich sein, dass die Mobilität erhalten bleibt, und hier setzt sich der Behindertenbeirat auch am Bahnhof zum Beispiel in entscheidendem Maße ein. Man kann nur sagen, es ist wichtig, dass diesen Menschen, die vom Schicksal getroffen sind, auch Gehör geschenkt wird. Dafür steht der Behindertenbeirat ein, und dafür danken wir ihm sehr herzlich. Und wir können nur sagen, nach 20 Jahren, wo im September das Jubiläum ist, ist schon viel erreicht worden. Ich denke, in den nächsten 20 Jahren wird noch mehr erreicht. Stadträtin Moser (SPD): Herzlichen Dank an die Mitglieder des Beirats für Menschen mit Be- hinderungen und an die Kommunale Behindertenbeauftragte Frau Wernert und allen, die sich im Beirat für Menschen mit Behinderungen engagieren. Barrierefreiheit ist nicht selbst- verständlich, aber ein Qualitätsmerkmal für eine moderne Stadt. Diese Worte von Frau Wernert kann ich nur wiederholen. Die SPD-Fraktion schätzt sehr, dass es in Karlsruhe ei- nen überaus engagierten Beirat gibt, der sich um die Belange der Menschen mit Behinde- rung kümmert. Mit und an dem Begriff Inklusion muss immer wieder gearbeitet und deut- lich gemacht werden, was er bedeutet. Ich möchte hier nur kurz die Themenfelder, die die Beiratsmitglieder beschäftigt, streifen. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, Blindenleitsysteme, beim KSC-Neubau waren sie ein- gebunden. Die Einfahrt zu den Arztpraxen in der Kaiserstraße war sehr wichtig, barriere- freies Wohnen, ÖPNV, Klinikum, Beeinträchtigungen durch E-Scooter, Ausschusstätigkeiten und so weiter, das Betätigungsfeld ist sehr umfangreich und weitreichend. Dafür braucht es Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit und Optimismus. Eine gute Zusammenarbeit mit Frau Wernert, der Kommunalen Behindertenbeauftragten, ist sehr von Vorteil in diesem Fall. Dass dies gegeben ist, konnten wir im Sozialausschuss in der vergangenen Woche hö- ren. In alle eben genannten Themen ist auch Frau Wernert eingebunden. Sie ist – 3 – Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger und hat damit ein umfangreiches Arbeits- pensum. Wir freuen uns sehr, dass es ihr gelungen ist, dass Karlsruhe durch Herrn Ober- bürgermeister zur assistenzhundefreundlichen Kommune erklärt wurde. Wir wünschen den Aktiven weiterhin viel Kraft und Ausdauer für die vielfältigen Aufgaben und ein gelungenes Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen des Beirats mit Behinderungen im September. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Der Bericht zeigt, dass auf dem Feld der Inklusion der Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen noch einiges zu tun ist. Es ist unver- ständlich, dass selbst bei den Sitzungen des Beirats für Menschen mit Behinderungen Teil- nehmende nicht selbstständig teilnehmen können, weil Alfaview immer noch nicht barrie- refrei ist. Es ist zu hoffen, dass die jetzt entwickelte Version die Teilnahme aller möglich macht. Der Bericht zeigt, dass den Beirat vor allem zwei Themengebiete intensiv beschäftigen, Wohnen und ÖPNV. Es fehlt in Karlsruhe nicht nur generell Wohnraum. Es fehlt vor allem barrierefreier oder zumindest barrierearmer Wohnraum. Unser Mitglied im Aufsichtsrat Volkswohnung setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die städtische Tochter mehr bar- rierefreien Wohnraum baut, gerade auch große Wohnungen für Familien oder Wohnge- meinschaften. Auch Wohnen muss inklusiv sein und alle möglichen Wohnformen mitden- ken. Wir wollen, dass sich die Volkswohnung verpflichtet, einen deutlich größeren Anteil barrierefreier Wohnungen zu bauen. Barrierefreiheit im Bereich Wohnen sollte zugleich wie Vorgaben zum Brandschutz gehandhabt werden, eine Pflicht, keine Kür. Beim ÖPNV wurde selbst beim Prestige-Objekt des KVV, dem Stadtbahntunnel, Barrierefrei- heit auf allen Ebenen nicht von Anfang an vollumfänglich mitgedacht. Hochwertige Archi- tektur ist unserer Fraktion ein wichtiges Anliegen. Sie muss jedoch Hand in Hand mit dem Zugang für alle Menschen entwickelt werden. Wir unterstützen nachdrücklich das Engage- ment des Beirats, die Orientierungsmöglichkeiten und die Nutzerfreundlichkeit für Men- schen mit kognitiven und körperlichen Andersseins zu verbessern. Der Beirat lobt hier aus- drücklich die konstruktive Zusammenarbeit mit dem KVV. Wir hoffen, dass es zukünftig weniger Hinweise des Beirats braucht, einfach weil Barrieren bei der Nutzung des ÖPNV in Karlsruhe von vornherein nicht mehr existieren. Ein für die KAL besonders wichtiges Thema streift der Bericht nur am Rande. Inklusion von Kindern in Kita, Schule und bei Freizeitangeboten. Wir wissen um die großen Probleme, in- klusive Beschulung in Karlsruhe möglich zu machen. Das Thema Schulbegleitung, Freizeit- betreuung und Assistenz wird uns an anderer Stelle sicher wieder begegnen. Zum Schluss möchten wir dem Behindertenbeirat zurufen, machen Sie weiter so. Stadträtin Böringer (FDP): Ich wende mich nun ausdrücklich an den Beirat, namentlich Herrn Budnik, Frau von Malottki und Frau Ippolito und selbstverständlich auch an Frau Wernert. Wir dürfen mal wieder Ihr vorbildliches Engagement würdigen. Die Arbeit des Beirats und der Behindertenbeauftragten Frau Wernert verdient eine dauerhafte Wert- schätzung. Ich bin schon heute davon überzeugt, dass wir einen eindrucksvollen Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Beirates erwarten dürfen in diesem Jahr. Und in diesem Zu- sammenhang schreiben Sie im Jahresbericht, ich zitiere, dieses besondere Ereignis soll aber auch dazu genutzt werden, die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe zu stärken, eine Ihrer Forderungen, die bei uns breite Unterstützung findet. – 4 – Neben der kulturellen Teilhabe ist die Mobilität ein großes Themenfeld. Darauf ist schon hingewiesen worden. Wir sind Ihnen auch dankbar, dass Sie Missstände benennen, die vor- handen sind. Es geht um Barrieren, die Sie immer wieder antreffen, sowohl die notwendige Barrierefreiheit beim Einstieg in die Bahn wie auch die flächendeckenden Ansagen der ein- fahrenden Bahnen und taktile Übersichtspläne an den Tunnelhaltestellen sind Basisbau- steine, deren Umsetzung in Zukunft schneller realisiert werden sollten. Es braucht also Sie und Ihren Einsatz, damit es Menschen ohne Behinderung selbstverständlich wird, an die Realität von Menschen mit Behinderung zu denken. Hierfür gibt es viele Beispiele in Ihrem Bericht. Meine Fraktion und ich danken Ihnen sehr für Ihren Einsatz und auch für Ihre Expertise. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich kann mich jetzt den Dankesworten aller meiner Vorred- ner*innen anschließen, aber trotz allem auch noch einmal von unserer Seite, von den LINKE., ein herzliches Dankeschön für diese wichtige Arbeit, die der Beirat für Menschen mit Behinderungen leistet. Ich möchte einfach noch auf eines aufmerksam machen. Die gesamte Gesellschaft profi- tiert von dieser Arbeit, insbesondere eine älter werdende Gesellschaft. Alte Menschen se- hen oft schlechter, haben Schwierigkeiten mit Stolperstellen. Die Arbeit dieses Beirats dient allen. Alle profitieren davon, und von daher kann man es wirklich nur wirklich sehr hoch einschätzen und sehr wertschätzen. Frau Wernert hat geschrieben, sie hat mittlerweile so viele Anfragen, so hohe Beratungsbe- darfe, dass sie eigentlich nicht mehr allem nachkommen kann. Also von daher stellt sich natürlich die Frage, inwieweit man dem Beirat für Menschen mit Behinderungen noch wei- tere Arbeitskraft zur Verfügung stellen kann, weil ich denke wirklich, die ganze Gesell- schaft profitiert vom Abbau der Barrieren, die der Beirat für Menschen mit Behinderungen erreicht hat. Stadträtin Lorenz (FW|FÜR): Auch von uns Freien Wähler|FÜR Karlsruhe ein aufrichtiges Dankeschön an allen Menschen, die sich im Beirat für Menschen mit Behinderung vor und hinter den Kulissen engagieren. Ich habe letztes Jahr, als wir den Bericht als Informations- vorlage bekamen, gesagt, das ist mein liebster Ausschuss, und ich muss sagen, es ist immer noch so. Das liegt daran, dass in diesem Beirat ein ganz besonderer Spirit herrscht. Ich möchte Sie alle einladen, auch wenn Sie dort nicht fest verankert sind als entsandtes Mit- glied in diesem Gremium, den Ausschuss einmal zu besuchen und die Arbeit der Menschen dort kennenzulernen. Nichtsdestotrotz zeigt sich auch, dass in unserer Stadt noch vieles zu tun ist. Ein sicherlich aktuelles Problem, das wir ganz dringend angehen müssen, ist einfach, dass in unserem neuen Tunnel die Aufzüge so oft ausfallen. Für Menschen mit Behinderung oder auch für ältere Menschen mit Rollator ist das ein Riesenproblem. Ich bekomme fast täglich Anrufe und Zuschriften darüber, wie schlimm es ist, wenn man dann ein, zwei Haltestellen weiter- fahren muss. Ein anderes großes Problem, das wurde heute noch nicht angesprochen, sehe ich bei unserem Hauptbahnhof. Ich habe selbst jemanden im Verwandtschaftskreis, und die kam mit der Bahn angereist und am Bahnhof gibt es weder eine barrierefreie Halte- stelle noch einen Hinweis, wo die nächste barrierefreie Haltestelle ist. Das hatten wir, glaube ich, auch schon einmal in einem Sechs-Augen-Gespräch besprochen. Was ich damit – 5 – sagen will, diese Dinge müssen wir einfach ein bisschen schneller angehen. Da kommt na- türlich auch ein gewisser Frustrationslevel dann zustande, wenn solche Sachen auf die lange Bank geschoben werden. Daher zeigt sich, wie wichtig und wie wertvoll die Arbeit des Behindertenbeirats ist, und man kann eigentlich nur eins sagen, vielen Dank. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Die wichtigen Punkte wurden bereits genannt. Ich schließe mich dem Dank der Vorredner an und bedanke mich auch im Namen der AfD beim Beirat für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten für die geleistete Arbeit und den vorgelegten Bericht. Stadträtin Fenrich (pl): Der Beirat für Menschen mit Behinderungen wurde erstmals im No- vember 2003 gewählt. Karlsruhe war somit die erste Stadt in Baden-Württemberg, die über ein solches Gremium verfügte, Karlsruhe wieder vorbildlich. Ich habe in zahlreichen Sitzungen teilnehmen dürfen bei diesem Beirat und ich muss sagen, es hat mir immer Spaß gemacht. Es hat mir Spaß gemacht zu sehen, wie rührig der Vorstand ist, wie rührig auch die einzelnen Mitglieder sind und natürlich auch die Kommunale Behindertenbeauftragte Frau Wernert. Das ging Hand in Hand, und die Themen und die Vorschläge gingen gar nicht aus. Sie waren also äußerst rührig, und ich hoffe, sie werden das soweit bleiben und deshalb auch vielen herzlichen Dank an die Akteure hier, die vor Ort alles machen, damit die behinderten Menschen hier in Karlsruhe teilhaben können und ein gutes Leben haben. Der Vorsitzende: Ja, vielen Dank. Stadträtin Fenrich (pl): Nein, nein, ich bin noch nicht fertig. Ich war nur etwas irritiert hier. Die Mitglieder haben ihr Wissen und ihre Erfahrungen in zahlreichen Ausschüssen und ge- meinderätlichen Gremien eingebracht und mit einer Vehemenz und mit einer Begeiste- rungsfähigkeit, das ist fast schon einmalig. Sie haben sich eingemischt, sie haben sich ein- gebracht, und zwar im positiven Sinne. Und ich darf sagen, ich hoffe, dass ich jetzt nichts vorwegnehme, dass der Beirat für Menschen mit Behinderungen sein 20-jähriges Jubiläum natürlich mit einem Festakt feiert. Ich denke, da wird noch Näheres bekanntgegeben wer- den. Und ich möchte weiterhin auch vielleicht noch erwähnen, es stand aber auch schon in der Presse, dass die Mitglieder neu gewählt werden, und ich kann in diesem Zusammenhang und auch vielleicht hier an dieser Stelle für die Öffentlichkeit dafür werben, sich einzubrin- gen in diesem Beirat, weil es wirklich etwas bringt, dieses Engagement, und weil es einfach auch Freude macht, so zu arbeiten. Für den BMB wünsche ich natürlich ein stetes Weiter so im positiven Sinne, so dass die Themen Barrierefreiheit, Teilhabe und Anti-Diskriminierung weiterhin bearbeitet werden und es gute Ergebnisse werden im Sinne für die behinderten Menschen, aber auch im Sinne für die Stadtgesellschaft. Der Vorsitzende: Ich darf an der Stelle auch gerne Frau Wernert auf der Empore oben und auch zahlreiche Mitglieder des Beirats für Menschen mit Behinderungen, allen voran Vorsit- zenden Artur Budnik und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Beate von Malottki und Meftune Ippolito, ganz herzlich begrüßen und darf mich auch aus Sicht der Verwal- tung dem intensiven Dank aus den Reihen des Gemeinderats gerne in ähnlicher Form an- schließen. Ich glaube, es ist hier eine tolle Kultur entstanden, dass man nicht im Gegenei- nander die Dinge bespricht, sondern sie möglichst rechtzeitig miteinbezieht. – 6 – Und ich teile auch nicht die Erwartung, dass Ihre Arbeit irgendwann überflüssig wird, weil Sie immer eine Perspektive auf die Dinge haben, die könnten wir uns, so sehr wir uns auch vielleicht manchmal anstrengen oder auch in den eigenen Reihen, etwas diverser werden, glaube ich, abschließend doch nicht alleine zugestehen, sondern da tut es gut, dass man einfach mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern einerseits, aber auch mit einer eigenen Zuständigkeit in Form einer Kommunalen Behindertenbeauftragten andererseits diese The- men möglichst von vornherein so miteinander gestaltet, dass es dann im Nachhinein aller- dings nicht mehr nötig ist, irgendwelche Missstände anzuprangern. Also auch von meiner Seite aus noch einmal im Namen der ganzen Verwaltung ein ganz großes Dankeschön. Dann haben Sie das alle zur Kenntnis genommen, insofern haben wir auch nichts abzu- stimmen. Wir machen jetzt unsere halbstündige Lüftungspause bis 17:25 Uhr, reißen ein bisschen die Fenster auf, auch wenn es vielleicht nicht kühler wird dadurch, aber die Luft vielleicht doch etwas sauerstoffhaltiger, und es geht um 17:25 Uhr hier weiter. (Unterbrechung der Sitzung von 16:55 bis 17:27 Uhr) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 31. Juli 2023