Informations-,Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe Bericht 2021 - 2022
| Vorlage: | 2023/0623 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 30.05.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 12.07.2023
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/0623 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe Bericht 2021 - 2022 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 12.07.2023 1 x Information Der Sozialausschuss nimmt den vorgelegten Bericht der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe zur Kenntnis und dankt den Mitgliedern für ihre engagierte Arbeit. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe ist seit der Gründung im Jahr 2000 eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie deren Zu-, und Angehörige. Alle zwei Jahre erfolgt ein Bericht über die Tätigkeit der IBB. Dieser liegt nun für den Berichtszeitraum 2021 bis 2022 in Form der Anlage vor. Die trialogische Zusammenarbeit der IBB Karlsruhe konnte auch im Berichtszeitraum fortgesetzt werden. Neben der Bearbeitung einer Vielzahl von Anliegen der An- und Zugehörigen sowie Betroffenen engagieren sich die Mitglieder durch ein hohes Maß an Kooperations- und Netzwerkarbeit. Der erstmalige Fachtag im Jahr 2022 unter dem Motto „Eine psychiatrieverändernde Bewegung – EX-IN Genesungsbegleiter*innen setzen Impulse“ wurde von Trägern, Fachpersonal, Selbsthilfegruppen, anderen Beratungseinrichtungen sowie Betroffenen sehr gut angenommen. Beschluss: Der Sozialausschuss nimmt den vorgelegten Bericht der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe zur Kenntnis und dankt den Mitgliedern für ihre engagierte Arbeit.
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Informations-, Beratungs- und Beschwerde- stelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe für Menschen mit psychischer Erkrankung und Angehörige Bericht 2021 – 2022 Anlage SozA 12.07.2023, TOP 1 2 | Bericht 2021 – 2022 Inhaltsverzeichnis 1. Sitz der IBB und Konstituierung ................................................................................ 3 2. Arbeitsweise ............................................................................................................... 4 3. Kooperation mit GPV sowie anderen Institutionen ................................................. 5 4. Inanspruchnahme der IBB ......................................................................................... 6 4.1. Statistische Daten ................................................................................................... 6 4.2. Themen im Berichtszeitraum .................................................................................. 7 4.3. Zeitlicher Bedarf pro Anfrage .................................................................................. 9 5. Inhaltliche Schwerpunkte – Einschätzung ............................................................. 10 6. Fachtag am 6. Mai 2022 ............................................................................................ 11 7. Ausblick ..................................................................................................................... 11 Impressum ........................................................................................................................ 12 Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe | 3 1. Sitz der IBB und Konstituierung Seit Gründung der „Beschwerdestelle Psychiatrie“ im Jahr 2000 war die Stelle räumlich im „Zentrum für seelische Gesundheit“ angesiedelt, einer Einrichtung in gemeinsamer Trägerschaft des Diakonischen Werkes Karlsruhe, des Caritasverbandes Karlsruhe und der Stadt Karlsruhe in der Stephanienstraße 16. Im November 2019 zog die IBB in die Zentrale des Diakonischen Werkes, in derselben Straße, weiterhin zentral gelegen und gut erreichbar. Seit Februar 2023 befindet sich die IBB in Räumen der Diakonie in der Karlstraße 56. Organisatorisch ist die IBB der Koordinatorin für Psychiatrie in der Sozial- und Jugendbehörde zugeordnet. Alle zwei Jahre wird zuerst im Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV) und danach im Sozialausschuss der Stadt Karlsruhe ein Bericht über die Tätigkeit sowie eine Übersicht über die Mitglieder der IBB vorgelegt. Der Gemeinderat beruft anschließend per Offenlage die Mitglieder in ihr Amt. Die bestehende Geschäftsordnung aus dem Jahre 2000 wurde aktualisiert und trat mit Wirkung vom 8. März 2017 in Kraft. Seit Inkrafttreten des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (PsychKHG) am 1. Januar 2015 wird die Arbeit der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestellen Psychiatrie in den Stadt- und Landkreisen vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden- Württemberg jährlich in Höhe von maximal 14.500 Euro unterstützt. In der aktualisierten Verwaltungsvorschrift vom 1. Februar 2023 wurde die bestehende Struktur bis zum 31. Dezember 2028 verlängert. 2022 engagierten sich in der IBB: ▪ zwei Betroffene (eine Person mit EX-IN Qualifizierung) ▪ zwei Angehörige (ein Angehöriger schied im Laufe des Jahres aus) ▪ eine Fachkraft aus dem psychiatrischen Bereich ▪ drei engagierte Bürgerinnen und Bürger ▪ ein beratendes Mitglied der Klinik für Psychiatrie Karlsruhe (leitende Psychologin) 4 | Bericht 2021 – 2022 2. Arbeitsweise Jeden ersten und dritten Mittwoch von 16 bis 18 Uhr finden „Offene Sprechstunden“ statt, in denen jeweils 2 Mitwirkende aus dem IBB-Team persönlich vor Ort sind. Das Angebot gilt ganzjährig, auch in den Ferien. Es wird darauf geachtet, dass bei mehrfachen Kontakten die Bearbeitung des Anliegens von der Person des Erstkontakts weitergeführt wird. Die Erreichbarkeit ist durch Telefon mit Anrufbeantworter, der regelmäßig abgehört wird, durch E-Mail und Postadresse gewährleistet. Die Plenumssitzungen finden in der Regel im „Rathaus an der Alb“, in Zusammenarbeit mit der Psychiatriekoordinatorin, statt. Seit Beginn der Pandemie galten im Raum Karlsruhe, in den Rathäusern, in den Institutionen und Einrichtungen des Psychiatrischen Versorgungssystems besondere Hygienevorschriften und eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten. Persönliche Sprechstunden in der IBB konnten aber durchgängig mit Terminvergabe stattfinden. Die Sitzungen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes (GPV) wurden zum Teil in Präsenz als auch online angeboten. Das diesjährige Austauschtreffen mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg und den IBBs konnte in Präsenz durchgeführt werden. Ein Austauschtreffen mit der IBB Landkreis Karlsruhe wurde in 2022 ausgesetzt, ist für 2023 wieder geplant. Der Arbeitskreis Psychiatrie Südlicher Landkreis lud zweimal zu einem Treffen in Präsenz ein. Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe | 5 3. Kooperation mit GPV sowie anderen Institutionen Seit Gründung der IBB ist diese als ordentliches Mitglied im GPV vertreten. IBB-Mitwirkende waren maßgeblich in einer Arbeitsgruppe des GPV daran beteiligt, ein Konzept zur Förderung von EX-IN Ausbildungen für die Stadt Karlsruhe zu erarbeiten. Fünf geeignete Personen erhielten von der Sozial- und Jugendbehörde eine Zusage für die Finanzierung der Qualifizierung. Die EX-IN Qualifizierungsmaßnahmen starteten 2020, mussten jedoch wegen Corona unterbrochen werden. Inzwischen finden die Kurse wieder statt, eine Person hat die Qualifizierung in 2022 erfolgreich abgeschlossen und eine bezahlte Arbeit als EX-IN Genesungsbegleiterin in Karlsruhe gefunden. Die anderen Vier sind auf einem guten Weg, der Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme wird im Frühjahr 2023 erwartet. Es finden regelmäßig Austauschtreffen zur Unterstützung statt. Einige Mitwirkende der IBB engagieren sich in der Regionalgruppe Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP). Hier wurde an der Herausgabe eines „Gedenkbuches für die Karlsruher Euthanasie-Opfer der Aktion T4“ gearbeitet, das im Januar 2020 unter der Federführung von Dr. Maria Rave-Schwank mit dem Titel „Gegen die Macht des Vergessens“ im Info Verlag erschien. Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung auf dem Karlsruher Hauptfriedhof am 8. Oktober 2022 wurden, in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup und des Hauptredners Prof. Dr. Michael von Cranach, 9 Stelen mit den bisher bekannten Namen der Karlsruher Opfer auf dem Ehrenfeld B2 feierlich enthüllt. Der Welttag der seelischen Gesundheit fand in 2022 unter dem Motto „Annehmen was ist – Gesundbleiben ohne Tabus und ohne Diskriminierung“ statt. Die zentrale Veranstaltung der Stadt und des Landkreises im Rathaus am 10. Oktober 2022 wurde kurzfristig abgesagt, sehr zur Enttäuschung der Vorbereitungsgruppe, in der auch Betroffene mitwirkten. 6 | Bericht 2021 – 2022 4. Inanspruchnahme der IBB 4.1. Statistische Daten Die Anzahl der Anfragen hat sich im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum von 2019: 34 Anfragen, 2020: 46 Anfragen auf 2021: 57 Anfragen und 2022: 66 Anfragen erhöht. Die Altersspanne der Anfragenden lag zwischen 22 und 88 Jahren, mit Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen. Folgende Tabelle verdeutlicht die Inhalte der Anfragen, die Personengruppe der Anfragenden sowie die Adressaten der inhaltlichen Anfragen. Anzahl der Anfragen 2021 2022 Information 13 16 Beratung 26 37 Beschwerden 18 13 Gesamt 57 66 Personengruppen Psychiatrie-Erfahrene/Betroffene 33 35 Angehörige 18 19 Umfeld-Personen (Freunde, Mitbewohner) 2 4 Andere Institutionen 4 8 Davon weiblich 29 36 männlich 28 27 unbekannt - 3 Adressaten* Klinik für Psychiatrie Karlsruhe 12 12 Kliniken außerhalb 4 3 Niedergelassene Ärztinnen/Ärzte 7 9 Versorgungseinrichtungen, Wohnheime 7 5 Betreuerin/Betreuer 1 1 Behörden 13 13 Arbeitsstelle 5 3 Information/Sonstiges/Weiterleitung 16 20 * Bei einigen Anliegen wurden mehrere Adressaten genannt. Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe | 7 4.2. Themen im Berichtszeitraum 4.2.1. Beschwerden Anliegen gegenüber Kliniken ▪ Verwechslung mit einer anderen Patientin ▪ Wenig einfühlsame Behandlung bei freiwilliger Kontaktaufnahme mit der Klinik ▪ Mitarbeiter der Klinik beklagt die mangelnde Versorgung der PatientInnen mit Impfstoff ▪ Zwangsmaßnahmen und unzutreffendes Gesundheitsgutachten ▪ Unzufriedenheit mit einer Therapeutin ▪ Vorzeitige Entlassung aus der Klinik ohne Behandlung ▪ Sohn entweicht aus der Klinik, beklagt werden mangelnde Sicherheitsvorkehrungen ▪ Klagen über unangemessenes Verhalten des Klinikpersonals der Schwester gegenüber ▪ schlimme Vorfälle in der Psychiatrie, Fixierungen und mangelnde Wundversorgung ▪ Enkelin beklagt die Umstände der Entlassung aus der Klinik und die schlechte Kommunikation ▪ Ehemann wird aus der Klinik entlassen, ohne dass die weitere Unterbringung geklärt ist ▪ Klagen über Verhalten des Klinikpersonals, Unterbringung im Heim nach Klinikaufenthalt ▪ Beschwerde über demütigendes Verhalten eines Oberarztes ▪ Beschwerde über Medikation, obwohl Unverträglichkeit bekannt gewesen sei ▪ Beschwerde über einen Pfleger, der sich bei der Fixierung aggressiv verhalten habe ▪ Beschwerde über unzutreffende Angaben im Arztbrief Anliegen bezogen auf andere Institutionen ▪ Fristlose Kündigung des Kontos einer psychisch kranken Kundin mit Betreuung ▪ Staatliches Schulamt, Umgang mit Versetzungen von Schwerbehinderten Lehrkräften ▪ Beschwerde über Gutachten der Deutschen Rentenversicherung ▪ Hochschule verweigert einer Studentin die Prüfungsergebnisse ▪ Beschwerden über Haftbedingungen ▪ Betreuungsgericht reagiert nach einem Jahr endlich auf Betreuungsantrag der Eltern für die Tochter, ordnet nach einem fachärztlichen Gutachten eine Betreuung an 8 | Bericht 2021 – 2022 4.2.2. Beratungen Anliegen von Angehörigen ▪ Frage nach Hilfe für die schizophrene Tante ohne Krankheitseinsicht ▪ Ehemann wünscht für seine Frau Cannabis gegen die Beschwerden ▪ Mutter sucht psychologische Hilfe für ihre 11-jährige Tochter ▪ Schwester benötigt Unterstützung für ihren Bruder bei der Erhöhung des Pflegegrades ▪ Vater mit Vorsorgevollmacht fragt nach Unterstützung für seinen psychisch kranken Sohn ▪ Angehöriger fragt nach Unterstützungsmöglichkeiten für psychisch kranken Bruder ▪ Klage über die mangelnde Kommunikation mit dem Heim, in dem sein Bruder lebt ▪ Freundin macht sich große Sorgen wegen Suizidgefahr ▪ Sorgen bezüglich der weiteren Unterbringung bzw. Versorgung ihrer Oma ▪ Freund sucht Betreuungseinrichtungen für seine schizophrene Freundin ▪ Anschlussbehandlung für den autistischen Sohn nach Beendigung der Schulpflicht ▪ Enkelin bei Suizidversuch schwer verletzt, Fragen zu Reha und Psychiatrischem Gutachten ▪ Wunsch nach Unterbringung der Tochter bei StäB (Stationsäquivalente Behandlung) ▪ Unerträgliche häusliche Situation mit psychisch krankem Ehemann durch zunehmende Gewalt ▪ Fragen zur Betreuung der Mutter ▪ Frage nach Richtigkeit der Klinikabrechnung für ihren Ehemann Anliegen von Betroffenen ▪ Anderweitige Verwendung nach Mobbing einer Lehrerin gelingt nach vielen Versuchen ▪ Mobbing im Schuldienst, Wunsch nach Ländertausch und Erhöhung Grad der Behinderung ▪ Wunsch nach Umzug in eine andere Wohneinrichtung, fühlt sich gestalkt und bestohlen ▪ Unterstützung bei Arztterminen ▪ Frage nach Hilfe beim Rentenantrag ▪ Wunsch nach Unterstützung für ein Medikament gegen ADHS und Cannabis auf Rezept ▪ Suche nach einer Wohnung ▪ Probleme mit einer Mitbewohnerin im betreuten Wohnen ▪ Sucht Rat, ob in ihrer Situation stationär oder teilstationär angebracht sei ▪ Fragt nach Arbeitsmöglichkeiten nach dem Klinikaufenthalt, er glaubt Gott hilft ihm ▪ Befindet sich in einer Krisensituation, hat keine Krankenversicherung ▪ Wie bekommt man einen Betreuer? ▪ Sorgt sich um die Vermüllung ihrer Wohnung ▪ Fühlt sich von der Polizei schikaniert ▪ Bittet um Formulierungshilfe wegen ausbleibender Ablösesumme ihres Mitbewohners ▪ Verlängerung des Schwerbehindertenausweises ▪ Prävention bei Rückfallgefahr, welches Unterstützungsnetz gibt es Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe | 9 4.2.3. Informationen ▪ Nähere Informationen über die Arbeit der IBB und Interesse an der Mitarbeit ▪ Austausch mit der Abteilung Frühe Hilfen zur Frage von Schnittstellen und Vernetzung ▪ Frage nach Adressen von (Trauma)TherapeutInnen, PsychiaterInnen, Beratungsstellen ▪ Informationen zum Themenkomplex EX-IN, Kurse, Kosten, Voraussetzungen ▪ Frage zur Kinder- und Jugendpsychiatrie ▪ Informationen zum Betreuten Wohnen, Finanzierung und Antragstellung ▪ Anfrage vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg zu Erfahrungen mit Krisen- und Institutsambulanz 4.3. Zeitlicher Bedarf pro Anfrage 4.3.1. Anfragebezogener Zeitbedarf Der anfragenbezogene Zeitbedarf im Berichtszeitraum lässt sich wie folgt beziffern. Im Jahr 2022 (66 Anfragen) ergab sich ein Durchschnittswert von 4 Stunden und 30 Minuten je Anfrage. Im Vergleich dazu ergab sich im Jahr 2021 bei 57 Anfragen ein Durchschnittswert von 5 Stunden und 15 Minuten. Einige Ratsuchende benötigten eine höhere zeitliche Beanspruchung der IBB, andere Anfragen ließen sich in kürzerer Zeit und per Telefon oder per E-Mail bearbeiten. Insofern kann ein Durchschnittswert auch nur ein statistisches Hilfsmittel sein. 4.3.2. Anfragenunabhängiger Zeitaufwand Der anfragenunabhängige Zeitaufwand beinhaltet die Mitarbeit in Gremien, Onlinetagungen, Öffentlichkeitsarbeit, Jahresbericht, Mitarbeit in der DGSP- Regionalgruppe sowie die Ausrichtung des Fachtages EX-IN. Diese Zeitaufwendungen sind zeitlich nicht erfasst, spielen in der Arbeit der IBB aber eine ebenso große Rolle. 10 | Bericht 2021 – 2022 5. Inhaltliche Schwerpunkte – Einschätzung Für Betroffene und Angehörige ist es nicht leicht, Kontakt mit uns aufzunehmen. Sie entscheiden sich oft erst nach langem Überlegen dazu. Man kann vermuten, dass diejenigen, die den Mut aufbringen, die sogenannte Spitze des Eisberges sind. Die Zahlen müssen in diesem Kontext bewertet werden. Die Schwerpunkte der Anliegen lagen im Bereich der therapeutischen Maßnahmen, auf Zwangsmaßnahmen, im unbefriedigenden Umgang mit den Erkrankten und Angehörigen, bezogen sich auf die Wohnsituation und die Arbeitsstelle. Mehr Personen als im Vorjahr wünschten sich eine längerfristige Begleitung. Fragen zur Erlangung bzw. Veränderung eines Grads der Schwerbehinderung sowie Klärung von Fragen zur Verbesserung der Arbeitssituation erforderten mehrere Beratungskontakte und führten letztendlich auch zum Erfolg. Die Unterstützung von Eltern bei ihrem Antrag auf gesetzliche Betreuung ihres erwachsenen psychisch kranken Kindes dauerte mehr als ein Jahr, bis der Richter nach einem Gutachten die Betreuung anordnete. Schriftliche Beschwerden werden von uns auf Wunsch der Ratsuchenden nach vorliegender Schweigepflichtentbindung verfasst. Oft bringt aber schon das Beratungsgespräch Entlastung und eröffnet eine neue Perspektive. Es werden wesentlich mehr Beschwerden vorgetragen als später schriftlich verfasst. Anliegen, die telefonisch besprochen oder per E-Mail bearbeitet werden konnten, haben zugenommen, insbesondere wenn es um Informationen ging oder die Suche nach einer zuständigen Stelle. Aber nach wie vor kommen die Ratsuchenden in die Sprechstunde und sind dankbar für die persönlichen Gespräche. Die Unzufriedenheit über den Umgang mit Psychisch Erkrankten und ihren Angehörigen in der Klinik für Psychiatrie in Karlsruhe hat sich in 2022 verstärkt. PatientInnen fühlen sich nicht ernst genommen, abgewertet und äußern Ängste, sich in Krisensituationen wieder an die Klinik wenden zu müssen. Sie zögern vor einer schriftlichen Beschwerde. Angehörige beklagen die unzureichende bis hin zu fehlender Kommunikation z.B. bei der Entlassung des Familienmitglieds, der weiteren fachlich qualifizierten Unterbringung. Das Fachpersonal wird als überfordert und überlastet empfunden. Diesen ganzen Themenkomplex möchten wir mit der Klinikleitung besprechen. Positive Erfahrungen gibt es allerdings auch. Die Klinik wird als Anlaufstelle in einer akuten Krise wertgeschätzt. Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe | 11 6. Fachtag am 6. Mai 2022 „Eine psychiatrieverändernde Bewegung – EX-IN Genesungsbegleiter*innen setzen Impulse“ Die schon für das 20-jährige Jubiläum der IBB in 2020 geplante Fachveranstaltung konnte nun endlich in 2022 durchgeführt werden. Als Hauptreferent gab uns Jörg Utschakowski, Psychiatriereferent des Landes Bremen und Initiator sowie Koordinator des EU-Projekts EX-IN in Deutschland, einen Überblick über den aktuellen Stand der EX-IN Bewegung. Birgit Fuchs und Frank Schäfer vom Pfalzklinikum Klingenmünster aus dem Bereich Betreuen, Fördern, Wohnen stellten das Projekt „Peers im Modell 365 Grad“ vor, in dem der Träger initiativ wurde, über die üblichen Kanäle Stellen ausgeschrieben hat für Psychiatrie-Erfahrene und ihnen dann die Qualifizierung zum Ex-IN Genesungsbegleiter anbietet und diese selbst durchführt. Der Fachtag wurde von Bettina Lisbach, Bürgermeisterin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Karlsruhe mit einer sehr wertschätzenden Rede über die langjährige Arbeit der IBB eröffnet. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Badischen Landesverein für Innere Mission, der DGSP Regionalgruppe Karlsruhe und der Psychiatriekoordination der Sozial-und Jugendbehörde statt. Der Kreis der Anwesenden setzte sich zusammen aus Trägern, EX-IN GenesungsbegleiterInnen, Fachpersonal aus der Klinik für Psychiatrie, Selbsthilfegruppen, Beratungseinrichtungen, Mitarbeitende der Sozial- und Jugendbehörde. Die Resonanz war sehr positiv und wir erhielten im Nachhinein eine Reihe von Anfragen zu dem Thema EX-IN. Viele Betroffene interessierten sich für diese Qualifizierung und sahen darin eine neue Perspektive für sich. In der Presse wurde ein Interview mit unserer EX-IN Kollegin veröffentlicht. Es entstand der Wunsch nach einer Fortsetzung dieses Formats mit dem Schwerpunkt Recovery. 7. Ausblick Im Berichtszeitraum 2021 bis 2022 haben zwei sehr langjährige Mitwirkende der IBB ihre ehrenamtliche Arbeit aus Altersgründen beendet. Es ist uns gelungen, vier neue Personen für die Mitarbeit zu gewinnen: einen Betroffenen, eine Angehörige, einen Professionellen und eine aktive Bürgerin mit professionellem Hintergrund. Im Mai 2022 ging die langjährige Psychiatriekoordinatorin der Sozial- und Jugendbehörde in den Ruhestand. Die Nachfolgeregelung gestaltete sich schwierig, die Aufgaben sollen aus der Abteilung Sozialplanung heraus übernommen werden. Eine Aufspaltung auf mehrere Personen wurde zuvor von vielen aus dem GPV kritisch gesehen. Immerhin steht uns für die Geschäftsführung der IBB eine konstante Person zur Verfügung, mit der die Zusammenarbeit sich vertrauensvoll gestaltet. Renate Engler und das IBB-Team Karlsruhe 12 | Bericht 2021 – 2022 Impressum Herausgegeben von Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe Karlstraße 56, 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 167-293 E-Mail: info@ibb-psychiatrie-ka.de In Zusammenarbeit mit Stadt Karlsruhe – Sozial- und Jugendbehörde Psychiatriekoordination/Sozialplanung Ernst-Frey-Straße 10, 76135 Karlsruhe Telefon: 0721 133-7697 E-Mail: planung@sjb.karlsruhe.de Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie Karlsruhe wird unterstützt durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat. Layout Sozial- und Jugendbehörde Öffentlichkeitsarbeit Stand Mai 2023