Stadtgrün wertschätzen II - Verstetigung und Transfer auf Bundes- und Quartiersebene
| Vorlage: | 2023/0352 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 29.03.2023 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Gartenbauamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Südstadt |
Beratungen
- Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (öffentlich)
Datum: 05.05.2023
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2023/0352 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: GBA Stadtgrün wertschätzen II – Verstetigung und Transfer auf Bundes- und Quartierebene Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 05.05.2023 3 X Information (Kurzfassung) In den zurückliegenden zwei Jahren hat die Stadt Karlsruhe ihre Praxiserfahrung bei der Pflege und Entwicklung des Stadtgrüns und ihre zukünftigen Erwartungen an die vielseitigen Wohlfahrtswirkungen und ökologischen Ausgleichsfunktionen in das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt „Stadtgrün wertschätzen II“ eingebracht. Um die Vorteile von zusätzlichem Stadtgrün – etwa für das Stadtklima, den Wasserrückhalt bei Starkregen und die Aufenthaltsqualität zu berechnen, wurde für Städte mit mehr als 300.000 Einwohner*innen ein Onlinetool entwickelt. Für ein ausgewähltes Quartier wurde zudem ein Quartierstool entwickelt, um z. B. den Nutzen und die Wirksamkeit einer “Grünsatzung” abzuschätzen. Ergänzende Erläuterungen Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☐ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☐ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – In den zurückliegenden zwei Jahren hat die Stadt Karlsruhe ihre Praxiserfahrung bei der Pflege und Entwicklung des Stadtgrüns und ihre zukünftigen Erwartungen an die vielseitigen Wohlfahrtswirkungen und ökologischen Ausgleichsfunktionen in das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt „Stadtgrün wertschätzen II“ eingebracht. Die im Rahmen dieser Studie durchgeführte repräsentative online-Befragung der Karlsruher Bevölkerung hat bestätigt, dass man sich in Karlsruhe ebenso wie in den anderen 22 größten Städten Deutschlands von Augsburg bis Wuppertal mehr Bäume, mehr naturnahe Grünflächen und mehr begrünte Wege und Dächer wünscht. Wie viel Grün eine Stadt bereits hat und wie sich eine Zu- oder Abnahme auswirken würde – das zeigt das im Rahmen dieses Projektes entwickelte „Onlinetool“. Städte mit mehr als 300.000 Einwohner*innen können in dem Tool berechnen, welche Vorteile ihnen zusätzliches Stadtgrün bietet – etwa für das Stadtklima, den Wasserrückhalt bei Starkregen und die Aufenthaltsqualität. Gerade weil Hitze und Extremwetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen, sind dies wichtige Leistungen für lebenswerte Städte. Grundlage für das frei zugängliche Onlinetool ist eine umfangreiche Datenbank zu den Leistungen von Stadtgrün für eine gesunde, lebenswerte und soziale Stadt. Das Tool steht auf www.stadtgruen- wertschaetzen.de bereit. An der Entwicklung waren neben dem IÖW auch die Humboldt-Universität zu Berlin, das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe und das Straßen- und Grünflächenamt des Berliner Bezirks Neukölln beteiligt. Onlinetool: Fundierte Zahlen für Stadtplanung und Bürger*innen Wie stark würde Berlin profitieren, wenn man die Hälfte aller geeigneten Dachflächen begrünt? Steigt die Lebensqualität für Einwohner*innen von Köln, wenn auf fünf Prozent der Stadtfläche zusätzliche Grünflächen entstehen? Was haben die Menschen in Karlsruhe davon, wenn entlang der Straßen pro 100 Metern ein zusätzlicher Baum gepflanzt wird? Mit dem Stadtgrün-Bewertungstool können Stadtverwaltungen, Politik und interessierte Bürger*innen solche Szenarien selbst durchspielen. Wenn Städte ihr Stadtgrün weiterentwickeln wollen, hilft ihnen das Bewertungstool dabei, besondere Potenziale zu erkennen und mit Bürger*innen über verschiedene Strategien zu diskutieren. Ausgehend von der bestehenden Ausstattung mit verschiedenen Grüntypen lassen sich mit einfachen Schiebereglern Szenarien für mehr Grün einstellen. In wenigen Sekunden berechnet das Tool, welcher Mehrwert dadurch entsteht. Wenn beispielsweise Karlsruhe den Anteil seiner Grünflächen von derzeit 37 auf 45 Prozent der Stadtfläche, die Zahl der Straßenbäume von 9 auf 10 pro 100 Meter und den Anteil der begrünten Dächer von 2 auf 30 Prozent steigern würde, ergibt sich dadurch ein zusätzlicher Nutzen von mehr als 14 Millionen Euro pro Jahr. Dazu zählen der Schutz vor Überflutungen und Hitze, das Binden von CO 2 und Schadstoffen, aber auch soziale und kulturelle Aspekte wie Erholungsnutzen und die Aufwertung des Stadtbilds. In Hamburg würde ein vergleichbares Szenario einen Nutzen von 77 Millionen, in Berlin deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr ergeben. Finanzielle Verluste Von einem steigenden Grünanteil sind viele Städte allerdings noch weit entfernt – im Gegenteil: Zehntausende von Stadtbäumen sind in den letzten Jahren durch den Trockenstress in Folge von mehreren Dürrejahren abgestorben und mussten gefällt werden. Grünflächen stehen unter Druck, wo zusätzlicher Wohnraum, öffentliche Einrichtungen und Gewerbeflächen gebaut werden sollen. Das Bewertungstool kann auch berechnen, wie hoch die Verluste für die Bevölkerung sind, wenn Grünflächen wegfallen und Straßenbäume verloren gehen: Solche Kosten erreichen schnell hohe zweistellige Millionenbeträge pro Jahr und müssen von den Stadtregierungen bei Planungsentscheidungen und bei der finanziellen Ausstattung ihrer Grünflächenämter angemessen berücksichtigt werden. – 3 – Das Stadtgrün-Bewertungstool berechnet, wie sich eine Zu- oder Abnahme von Grünflächen oder Straßenbäumen auf die Stadtgesellschaft auswirkt. Mit der umweltökonomischen Bewertung macht das Tool auf den hohen gesellschaftlichen Nutzen des Stadtgrüns aufmerksam. Kleinräumige Betrachtung mit dem „Quartierstool“ Neben dem oben beschriebenen online-Bewertungstool, das jeweils die Städte als Ganzes betrachtet und z.B. in Karlsruhe die gesamtstädtische Grünstrategie mit Zielen wie Vermehrung des Straßenbaumbestandes, Entsiegelung und Begrünung von Verkehrsnebenflächen, Erhöhung des Anteils an naturnäher gepflegten öffentlichen Grünflächen, Verbesserung der Grünflächenvernetzung (Grünsystem) unterstützt, war es auch Inhalt des Forschungsprojektes, die Methodik auf ein ausgewähltes Quartier in den Partnerstädten anzuwenden, und dazu eine eher mikroskalische Bewertung vorzunehmen. In Karlsruhe ist das Quartierstool mit seiner Fokussierung auf die dicht bebauten Stadtviertel in der Innenstadt Ost und der westlichen Südstadt geeignet, z. B. den Nutzen und die Wirksamkeit einer “Grünsatzung” (Bebauungsplan mit Festsetzungen über Begrünungsmaßnahmen an Gebäuden und privaten Grundstücken) abzuschätzen. Die für das Quartierstool entwickelte kleinräumige Klimasimulation (Palm4U) erbrachte insbesondere sehr praxisnahe Erkenntnisse über die Wirkung von Baumstellungen im Straßenraum, die Bedeutung von Entsiegelungen (auch Teilentsiegelungen durch den Einsatz von wasserdurchlässigen Bodenbelägen), Dach- und Fassadenbegrünungen. Es wird daher empfohlen, bei kommunalen Fördermaßnahmen zur Klimaanpassung gerade diese Erkenntnisse zu nutzen. Für das Quartierstool wurde ein gut strukturiertes, anschauliches Schulungsmodul entwickelt, das jedem/jeder interessierten Fachanwender*in den städtischen Dienststellen den individuellen Einsatz dieser speziellen Excel-Anwendung erlaubt. Das Quartierstool wird im Ausschuss vorgestellt. Link zum Stadtgrün-Bewertungstool: https://www.stadtgruen-wertschaetzen.de/app/stadtgruenapp Link zur Methodik und zur Befragungsstudie: https://www.ioew.de/fileadmin/user_upload/DOKUMENTE/Vortraege/2022/1_Einfuerhung_in_das_Proj ekt_und_die_Methodik_01.07.2022_Stadtgruen_ist_Mehrwert_Hirschfeld_Welling_Anders.pdf