Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kinder- und Jugenarbeit im Stadtjugendausschuss e.V.

Vorlage: 2022/2459
Art: Informationsvorlage
Datum: 19.12.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 01.02.2023

    TOP: 3

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2459 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: stja Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kinder- und Jugendarbeit im Stadtjugendausschuss e.V. Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 01.02.2023 3 x Information Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses nehmen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kinder- und Jugendarbeit im Stadtjugendausschuss e.V. zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Der stja setzt mit seinen Einrichtungen die im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankerte Aufgabe der Jugendarbeit um und agiert sozialräumlich, vielfältig und netzwerkend. Dabei verbindet er die Kinder- und Jugendarbeit und die verbandliche Jugendarbeit unter einem Dach. Mit zahlreichen Kooperationen können sehr unterschiedliche Facetten und Aktionsbereiche der Kinder- und Jugendarbeit aufgegriffen und auf die vielfältigen Interessen junger Menschen eingegangen werden. Aufgrund der besonderen außerordentlichen Situation der Pandemie und der Vermutung, dass deren Auswirkungen die Gesellschaft längerfristig beschäftigen werden, hat sich der stja entschieden, die Arbeit in dieser Zeit besonders zu beleuchten und zu dokumentieren. Der angehängte Bericht beinhaltet ▪ den Verlauf der Pandemie von März 2020 bis Juli 2021 mit dem Fokus auf der Situation junger Menschen, ▪ ausgewählte Ergebnisse einer internen Erhebung zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), ▪ die fachliche Betrachtung und Auswertung der Ergebnisse mit Blick auf wichtige Themen und Anforderungen an die Weiterentwicklung der Angebote. Schnell, kreativ und flexibel, wie es für das Arbeitsfeld der Jugendarbeit charakteristisch ist, hat der stja mit seinen Einrichtungen auf die veränderte Situation der Pandemie reagiert. Es wurden Formate entwickelt, die vor allem Erreichbar-Bleiben, Kontakt-Halten und in-Beziehung-bleiben zum Ziel hatten. Die Arbeit in allen Einrichtungen war maßgeblich geprägt von den ständig sich verändernden Rahmenbedingungen der jeweils gültigen CoronaVOen, die aufgrund der wellenartigen Inzidenzen immer wieder angepasst wurden. Die große Planungsunsicherheit in allen Formaten war für alle sehr anstrengend und auch zermürbend. Der stja war auch als Organisation stark gefordert mit den hauptsächlich dezentral organisierten Einrichtungen. Es ging nicht nur um die Fortführung der Arbeit, sondern auch um die Berücksichtigung der Sorgen, Nöte und Anforderungen der Mitarbeitenden. Dafür war es wichtig, sich in dieser besonderen Situation austauschen und absprechen zu können. Es ist gelungen, an der Lebenswelt der jungen Menschen anzudocken und ihnen in der Pandemie, vor allem bezogen auf individuelle Bedarfe zur Seite zu stehen. Gleichzeitig hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit Strukturmerkmale verloren. Arbeitsprinzipien wie Offenheit, Freiwilligkeit und Partizipation, wie sie auch Karlsruher Einrichtungen zugrunde liegen, ließen sich phasenweise gar nicht oder kaum umsetzen. Aufgrund der CoronaVO musste mit Anmeldungen, Teilnehmenden-Listen, Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht gearbeitet werden. Das bedeutete, vorgegebene und regulierte Angebote durchzuführen. Damit konnten vor allem ältere Jugendliche weniger oder nicht mehr erreicht werden. Mit den Regelungen veränderte sich teilweise die Rolle der Mitarbeitenden hin zu einer Kontrollinstanz, die dem eigentlichen pädagogischen Auftrag entgegensteht. Aufgabe der Jugendarbeit ist vorrangig, Handlungsräume und Plattformen bereitzustellen, sodass Kinder und Jugendliche selbstständig agieren können um dadurch Selbstwirksamkeit zu erleben. Gleichzeitig greifen die Mitarbeitenden gesellschaftliche Themen auf und bieten damit Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Orientierung. Sie setzen Impulse hinsichtlich eines demokratischen Gesellschaftsverständnisses wie es im Gesetz beschrieben wird. §11 (1) SGB VIII Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen – 3 – mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen... Damit kann Jugendarbeit niedrigschwellig und unterstützend re- und agieren. Durch ihren von den jungen Menschen frei gewählten Zugang ist sie sehr nah an den Lebenswelten und Bedarfen ihrer Nutzer*innen. So kann sie als Teil der sozialen Infrastruktur beispielsweise mit Kinder- und Jugendhäusern einen guten Beitrag zur Bewältigung aktueller Krisen wie der Pandemie und anderen gesellschaftlichen Herausforderungen leisten. Dies setzt allerdings voraus, dass Kinder- und Jugendarbeit, wie in Karlsruhe unterstützt durch Verwaltung und Politik, ihrem ursprünglichen Auftrag entsprechend agieren kann. Sie darf nicht durch Aufträge sowie Anforderungen aus anderen Systemen zweckentfremdet werden. Eine Herausforderung der nächsten Jahre wird - wie in anderen Feldern der Jugendhilfe - sein, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und das vorhandene Personal entsprechend der Anforderungen zu qualifizieren und zu halten. Beschluss: Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses nehmen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kinder- und Jugendarbeit im Stadtjugendausschuss e.V. zur Kenntnis.

  • Anlage
    Extrahierter Text

    Anlage JHA 01.02.2023, TOP 3 Auswirkungen der Covid-19-Pandemie 2020-2021 auf die Kinder- und Jugendarbeit im Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe Kinder- und Jugendarbeit – eine wichtige Ressource im Umgang mit krisenhaften gesellschaftlichen Ereig- nissen Vorwort 1. Einführung 1.1. Wer wir sind 1.2. Was uns beschäftigt hat 2. Ausgangslage anhand des Verlaufs der Corona-Pandemie 3. Erhebung: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit 3.1. Aufbau der Erhebung 3.2. Ausgewählte Ergebnisse 3.2.1. Auswirkungen auf die Arbeit im Team 3.2.2. Auswirkung auf die Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen 3.3. Herausforderungen und Chancen 4. Auswertung und Diskussion der Ergebnisse der Erhebung im Fachgespräch am 25. Mai 2022 4.1. Ausgewählte Fragestellungen 4.1.1. Was ist, wenn sich durch Veränderungen in den Lebenswelten der Kinder- und Jugendli- chen Anforderungen ergeben, die im Widerspruch zu Arbeitsprinzipien der OKJA stehen? 4.1.2. Angebotsverschiebungen: Was bleibt – zurück zu Vor-Corona? 4.1.3. Digitale Jugendarbeit – aus der Not wird eine Tugend? 4.1.4. Klar! Kinder- und Jugendarbeit ist „systemrelevant“ 5. Arbeit unter Corona-Bedingungen aus der Perspektive der Fachbereiche 5.1. Jugendverbände, Partizipation und politische Bildung 5.1.1. Jugendverbandsarbeit 5.1.2. Politische Bildung 5.1.3. Beteiligung und Partizipation 5.1.4. Ferien 5.2. Internationales und Prävention 5.2.1. Internationale Jugendarbeit 5.2.2. Jugendfreizeit- und Bildungsstätte Baerenthal 5.2.3.Fachstelle kein Mißbrauch 5.3. Bildung und Beruf 5.3.1. Übergang Schule–Beruf 5.3.2. BeoNetzwerk 5.4. Kooperation in Ganztagsgrundschulen, Horte und KLEVER 6. Der Stadtjugendausschuss e.V. als Organisation und Arbeitgeber in der Bewältigung einer Krise 7. Zusammenfassung 8. Fazit 8.1. Potenziale der Offenen Kinder- und Jugendarbeit 8.2. Digitale Transformation als Zukunftsaufgabe 8.3. Jugendbeteiligung in der Krise 8.4. Stärkung psychischer Gesundheit von jungen Menschen 8.5. Gewinnung von Ehrenamtlichen 8.6. Wichtige Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit 9. Literaturverzeichnis 2 Vorwort Die Ferienprogramme waren längst ausgebucht, Events vorbereitet, das Jahresprogramm der stadtweiten Einrichtungen und der Kinder- und Jugendhäuser „im Kasten“. So begann das Jahr 2020 und „endete“ abrupt mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020. Mit dem Lockdown ging eine Ohnmachtswelle auch durch die Kinder- und Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit. Einfach geschlossen – einfach verbo- ten. Ein Schock, der verdaut werden musste. Plötzlich standen wir vor der Herausforderung, Lösungen für eine Situation zu finden, von der niemand genau wusste, was zu erwarten war, wie lange es dauern würde und welches Vorgehen das Richtige sein würde. Nach dem ersten Schock war klar, dass wir im Rahmen des Möglichen für die Kinder und Jugendlichen da sein wollten und unsere Angebote so ausrichten, dass sie verantwortbar und für alle Beteiligten sicher sein sollten. Prämisse war: ▪ Kinder und Jugendliche sollten weiter eine Anlaufstelle haben. ▪ Sie sollten in der neu aufblühenden digitalen Lernwelt unterstützt werden. ▪ Kinder und Jugendliche sollten „Zwischenräume“ finden, die ihnen im ganz kleinen Rahmen Spielwel- ten und Freiräume eröffneten. Insgesamt entstand in der Organisation ein starkes Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch, was nur noch in Online-Formaten möglich war. Die Geschäftsstelle war weitgehend von persönlichen Kontak- ten abgeriegelt, denn der laufende Betrieb sollte auf alle Fälle aufrechterhalten werden. Auf alle Widrigkeiten und neuen Erfordernisse haben sich die Mitarbeitenden sehr schnell eingestellt. Überall war eine hohe Motivation zu spüren, auch in der Krise für die Kinder und Jugendlichen einzu- stehen, für sie da zu sein und mit ihnen gemeinsam diese herausfordernde Zeit durchzustehen. Dafür bedanken wir uns bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die den „stja als Zugma- schine“ (Zitat BM Martin Lenz) geprägt haben. Elisabeth Peitzmeier und Daniel Melchien Geschäftsführerin Geschäftsführer 3 1. Einführung 1.1 Wer wir sind Der Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe (stja) ist Dachverband der selbständigen Jugendverbände und Träger der Jugendarbeit in Karlsruhe gemäß §11 i.V. mit §1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Ein eh- renamtlicher Vorstand mit einer hauptamtlichen Geschäftsführung bilden die Führung des Vereins. Er be- treibt Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der außerschulischen Bildungsarbeit sowie Schülerhorte und arbeitet als Bildungspartner mit eigenen pädagogischen Teams an Ganztagsgrundschu- len und in der flexiblen Nachmittagsbetreuung. Insgesamt sind derzeit rund 300 Hauptamtliche beschäf- tigt, die von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt werden. Das Spektrum der professionellen Jugendarbeit in über 30 Einrichtungen reicht von den Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit über Kinder- und Jugendkultur bis hin zu stadtweiten Beteiligungsan- geboten und themenbezogenen Aktivitäten wie dem Präventionsnetzwerk, Inklusion mit Teilhabe für alle, Berufsorientierung und Armutsbekämpfung. Der stja ist ein großer Ferienanbieter und setzt in diesem Be- reich das Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichem Engagement sehr gut um, sodass viele ver- schiedene Zielgruppen angesprochen werden können. Als Träger von Schülerhorten und Teams in Ganz- tagsgrundschulen eröffnet das Engagement des stja zukunftsweisende Perspektiven für die Arbeit in loka- len Bildungsnetzwerken. Mit 38 Mitgliedsverbänden mit rund 44.000 jugendlichen Mitgliedern unter 27 Jahren reicht das Angebot von Sportvereinen über gesellschaftlich engagierte Gruppen wie die Gewerkschaftsjugend sowie Natur- schutz bei der BUND-Jugend bis hin zu den traditionellen Angeboten der Pfadfinder und Kirchen. Im Mittelpunkt stehen bei allen Angeboten die Bedarfe und Interessen der Kinder und Jugendlichen. Der stja bietet inhaltliche, reale, virtuelle und gedankliche Räume, um junge Menschen zu begleiten und zu unterstützen, damit sie selbstständig sowie eigensinnig ihren Weg durch Kindheit und Jugend gehen. 1.2 Was uns beschäftigt hat Corona hat für uns alle, auch immer noch, einen besonderen Einschnitt bedeutet, dessen Auswirkungen wir bis heute noch gar nicht umfassend erkennen können. Nachdem die Perspektive auf und für die jun- gen Menschen anfangs völlig untergegangen war, standen dann – zu Recht – im Fokus vieler Studien die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zielgruppe: die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachse- nen. Der stja – und das galt auch für die Pandemiezeit – steht dafür, sehr schnell auf aktuelle Veränderungen zu reagieren sowie im Sinne der Zielgruppe die Arbeit und Angebote im direkten Arbeiten anzupassen. Dies wurde in den Einrichtungen – abgesehen von den jeweils aktuellen Corona-Verordnungen – nicht einheitlich, sondern abhängig von den räumlichen und personellen Gegebenheiten und den konkreten Bedarfen der Zielgruppen und Möglichkeiten vor Ort umgesetzt. Aufgrund der Besonderheit der gesellschaftlichen Situation in der Corona-Pandemie möchten wir diese Zeit und unsere Arbeit während der Corona-Pandemie sowohl dokumentieren als auch auswerten: Wel- che Auswirkungen hatte die Pandemie auf die konkrete Arbeit? Welche Herausforderungen mussten ge- meistert werden? Welche Probleme haben sich ergeben, aber auch welche Chancen? Es zeigt sich, dass die Pandemie längerfristige Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, die jungen Menschen und damit auch auf unsere Arbeit haben wird. Aus diesem krisenhaften gesellschaftlichen Ereignis können wir möglicher- weise Erkenntnisse gewinnen, die auch im Umgang mit anderen hilfreich sind. Der Bericht umfasst eine Dokumentation, die Erhebung und deren Auswertung mit Überlegungen und konkreten Planungen zur Weiterentwicklung der Arbeit. Folgenden Fragestellungen liegen dem zugrunde: ▪ Wie konnten und haben wir im Sinne unseres Auftrages gearbeitet? ▪ Was hat uns beschäftigt, was war schwierig? ▪ Was war hilfreich, welche Chancen haben sich ergeben? ▪ Welche Erkenntnisse haben wir gewonnen? ▪ Welche Anforderungen an die Arbeit bestehen jetzt und was brauchen wir, um entsprechend der Bedarfe und Bedürfnissen der jungen Menschen agieren zu können? 4 Ein Innehalten zur Standortbestimmung und Selbstvergewisserung ist nicht nur wegen der sich aktuell schnell verändernden Gesellschaft mit ihren großen Herausforderungen wichtig und notwendig, sondern Voraussetzung für professionelles Handeln im Arbeitsfeld. Das Merkmal der Kinder- und Jugendarbeit ist – und daran hat sich nichts geändert – sich an den Lebens- lagen und Bedarfen der jungen Menschen zu orientieren, die sich schon immer über die Generationen hinweg verändert haben und verändern werden. ... die einzige Konstante der Kinder- und Jugendarbeit ist der Wandel, ... Deshalb ... ist eine kritische Re- flexion eine wesentliche Voraussetzung für eine „gute Kinder- und Jugendarbeit.“ 1 Ebenso gilt es, die Besonderheit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nach außen transparent zu ma- chen und ihren Wert für die Gesellschaft, innerhalb der zunehmend verregelten Kindheit und Jugend und den dahingehend agierenden Systemen, zu verdeutlichen. 2. Ausgangslage anhand des Verlaufs der Corona-Pandemie Quelle: Amt für Stadtentwicklung – Statistikstelle Juli 2021 1 vgl. Beltz Juventa, Zeitschrift der deutschen Jugend, 2022, Heft 4, S. 164 5 Mit dem Bekanntwerden von Corona-Viruserkrankungen im Januar 2020 war anfangs nicht klar, wie Eu- ropa davon betroffen sein würde. Das Virus verbreitete sich jedoch sehr schnell und am 25. Februar 2020 wurde der erste Fall in Baden-Württemberg nachgewiesen. Entwicklungen wie beispielsweise im Nachbar- land Italien machten deutlich, dass ein schnelles Handeln notwendig wurde. Die vorher in der Form nicht bekannte Situation löste bei allen Ängste und Unsicherheit aus. Man wusste anfangs nicht, wie Anste- ckungen erfolgen und welchen Verlauf die Krankheit nehmen würde. Schnell zeigte sich, dass ältere Men- schen stärker von schweren Verläufen und Tod betroffen waren. Das erste Ziel war, Kontakte zu reduzie- ren, um die Ausbreitung zu unterbrechen. Am 16. März 2020 wurden die Kitas und Schulen geschlossen, erstmal bis zum Ende der Osterferien. Am 22. März 2020 wurde der bundesweite „Lockdown“ beschlossen und das öffentliche Leben bis auf sys- temrelevante Bereiche wie beispielsweise Feuerwehr, Polizei, Gesundheitswesen und notwendige Bereiche der kommunalen Versorgung heruntergefahren. Die Grenzen wurden geschlossen und es galten spezielle Einreisebestimmungen. Die Jugendhilfe als solche – und damit auch die Kinder- und Jugendarbeit – waren anfangs nicht als „sys- temrelevanter“ Arbeitsbereich 2 eingestuft und waren untersagt. Der Betrieb von Einrichtungen des Kinderschutzes und der Erziehungshilfe wurde schnell wieder erlaubt, aber die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit blieben vorerst geschlossen. 3 Insgesamt bestand die Aufforderung, soweit wie möglich zu Hause zu bleiben. Es wurde ein Kontaktver- bot ausgesprochen. Nicht mehr als zwei Personen aus zwei Haushalten durften sich treffen. 4 Ein Verstoß war mit nicht unerheblichen Bußgeldern verbunden. Laut Bußgeldkatalog 5 konnte jeder, der in einer Gruppe „erwischt“ wurde, mit 100 bis 1.000 Euro belangt werden. Das bedeutete für junge Menschen, dass die für ihre Entwicklung notwendigen Rahmenbedingungen so- wie Spiel- und Bewegungsräume letztendlich nicht nur vorübergehend stark eingeschränkt waren. Im ers- ten Lockdown waren auch Spielplätze und Außensportanlagen geschlossen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene waren auf die Familie, ihre WG oder auf sich alleine reduziert, verbunden mit teilweise sehr engen Wohnverhältnissen. Erfahrungsräume, die vor allem für Jugendliche für eine positive Entwick- lung wichtig sind, wie Selbstbestimmung und Selbstpositionierung auszuprobieren und zu üben, waren kaum möglich. Die Peergroup als wichtige Bezugsgröße, konnte nur noch digital gelebt und die Ablösung von den Eltern, konnte nicht gelebt werden. Mit Schließung der Gastronomie und anderen Einrichtungen des Freizeitbereichs fielen gerade auch für junge Menschen wichtige Verdienstmöglichkeiten weg. Der Aufbruch zum Thema Klimaschutz, gerade von jungen Menschen initiiert und forciert, rückte sofort in den Hintergrund. Junge Menschen erlebten allerdings, dass Politik, die sich in Fragen des Klimaschutzes bislang sehr zögerlich verhalten hatte, unter Pandemiebedingungen schnell auch gravierend einschränkende Entscheidungen treffen konnte. Das Thema Schule und die Frage der Beschulung führten zu heftigen Diskussionen in der gesamten Ge- sellschaft. Kontakte sollten vermieden werden, aber Schulen und Universitäten sind naturgemäß Orte, an denen sehr viele Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Als man feststellte, dass das Pandemiegeschehen länger dauern würde, wurde weitgehend auf digitalen Unterricht umgestellt. Die Umstellung war mit vielen Problemen behaftet und erfolgte in der Praxis holperig. Schulen, Lehrer*innen und Schüler*innen waren nicht darauf vorbereitet, konnten nicht so schnell mit dem technischen Gerät und Know-How ausgestattet werden, wie es notwendig gewesen wäre. Abgesehen davon, entstand bei 2 Die Nationale Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS-Strategie) definiert Kritische Infrastrukturen als Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden. 3 Verordnung der Landesregierung (Baden-Württembergs) über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-Cov-2 (Corona-Verordnung - CoronaVO) vom 17. März 2020, §4 Abs.1 Nr.6 Jugendhäuser 4 Zweite Verordnung der Landesregierung (Baden-Württembergs) zur Änderung der Corona-Verordnung vom 22. März 2020 5 Landesregierung Baden-Württemberg, Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten nach dem Infektionsschutzgesetz im Zusammen- hang mit der Corona-VO vom 29. März 2020 6 vielen der Eindruck, dass der Aspekt des sozialen Miteinanders, der für Kinder und Jugendliche eine enorm wichtige Rolle spielt, völlig aus dem Blick geriet. Sie fühlten sich auf das Dasein als Schüler*innen reduziert und von der Politik kaum einbezogen und gehört 6 . Die Nutzung digitaler Medien wurde kaum problematisiert. Als vermeintlich „digital natives“ wurden Kenntnisse sowie Umgang mit digitalen Medien bei Kindern und Jugendlichen vorausgesetzt. Die Erfah- rungen der Mitarbeitenden in den Einrichtungen haben dies bestätigt. Die Jugendhilfe wurde erst auf massiven Druck der Akteure und der Öffentlichkeit als systemrelevante Inf- rastruktur anerkannt. Im Juni 2020 wurde sie als Daseinsfür- und -vorsorge eingeordnet. 7 Die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit erhielt eine eigene CoronaVO, die den Betrieb mit Anpassungen bis April 2022 regelte. 8 Im Frühsommer und Sommer 2020 fielen die Inzidenzen (Zahl, der von Gesundheitsämtern registrierten positiv-getesteten Corona-Infektionen bezogen auf 100.000 Einwohner) und es gab Kontaktlockerungen. Weiterhin untersagt blieben jedoch größere Treffen im öffentlichen Raum und der Betrieb von Diskothe- ken und Clubs. Die Arbeit in den Einrichtungen der Jugendarbeit war geprägt von den sich ständig ändernden Anpassun- gen der Verordnungen je nach Inzidenzen und damit einhergehenden Rahmenbedingungen. Es gab Zu- gangsbeschränkungen für die Anzahl der Besucher*innen, die Notwendigkeit von Hygienekonzepten, Führen von Anwesenheitslisten und Masken- und Abstandspflicht. Erschwerend kam hinzu, dass für den stja aufgrund der Vielfalt der Einrichtungen mehrere CoronaVOs zum Tragen kamen. Da im Herbst 2020 nach den Sommerferien die Krankheitsfälle wieder anstiegen, folgte ab November 2020 der „Lockdown light“, der ab 16. Dezember 2020 nochmal verschärft wurde. Viele Einrichtungen, auch Schulen, wurden wieder geschlossen. Weihnachtsmärkte wurden abgesagt und das öffentliche Le- ben wieder auf ein Mindestmaß runtergefahren. Alle waren wieder aufgefordert, Kontakte zu minimieren. Baden-Württemberg erließ über Weihnachten und Neujahr 2020/21 bis Ende Februar eine Ausgangs- sperre zwischen 20 und 5 Uhr. Die intensive Arbeit an einem Impfstoff war erfolgreich und Ende Dezember 2020 wurden die ersten Imp- fungen in Altenheimen vorgenommen. Geimpft wurde nach einer Prioritätenliste, da bis Sommer 2021 nicht ausreichend Impfstoff vorhanden war. Alte Menschen und vulnerable Gruppen wurden vorgezo- gen. 9 Die durch den Lockdown über Weihnachten und Neujahr erreichte Senkung des Infektionsgeschehens hielt nur vorübergehend. Die Infektionszahlen stiegen nach den Weihnachtsferien 2021 wieder an. Ab Ende März galt bundesweit die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske im öffentlichen Nahverkehr und Geschäften sowie in Schulen. Kinder bis sechs Jahre waren von der Maskenpflicht ausgenommen. Im April 2021 erfolgte die so genannte „Bundesnotbremse“, die Maßnahmen an lokale Inzidenzwerte koppelte. Bei Überschreiten/Unterschreiten bestimmter Inzidenzwerte sollten schrittweise Schließun- gen/Lockerungen erfolgen. Für Karlsruhe gab es ab 15. April 2021 vorübergehend wieder eine Ausgangs- sperre zwischen 21 und 5 Uhr. Im Juni 2021 fiel die Impfpriorisierung. Es war aber nicht ausreichend Impfstoff vorhanden, um alle Impf- willigen zu impfen. Eine Impfung für Kinder war umstritten. Die Einführung der 3-G-Regel (genesen, ge- testet, geimpft) im August 2021 ermöglichte weitgehend wieder die Nutzung aller öffentlichen Einrich- tungen wie Schwimmbäder, Fitnessstudios und vielfältige Veranstaltungen. Großveranstaltungen und Clubs waren weiterhin verboten. Kostenfreie Bürgerteststationen standen zur Verfügung. Kinder und Ju- gendliche mussten keinen Extranachweis erbringen, sie galten als getestet, da in der Schule regelmäßige Testungen stattfanden. 6 https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:hil2-opus4-10782, Rusack Juco.pdf 7 https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/210423_Dritte_VO_der_LReg_zur_Aende- rung_der_CoronaVO.pdf 8 https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/downloads/Downloads_Gesundheits- schutz/200626_SM_CoronaVO_Angebote-Kinder-Jugendsozialarbeit.pdf 9 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Verordnungen/Corona- ImpfV_BAnz_AT_11.03.2021_V1.pdf 7 Im Herbst 2021 nahmen die Coronainfektionszahlen wieder zu. Alle, die wollten, hatten die Gelegenheit sich impfen zu lassen. Die Impfquote war jedoch nicht so hoch wie gewünscht. Ausgangsbeschränkun- gen, Reiseverbote, Schul- und Geschäftsschließungen sollte es aber nicht mehr geben. Es folgte eine Impf- empfehlung für Kinder und die „Booster“-Impfempfehlung für Erwachsene. Die Politik vollzog einen Stra- tegiewechsel. Der Parameter für Corona-Maßnahmen wurde auf die „Hospitalisierungsrate“ 10 umgestellt. Ein Eingreifen wurde an die Belastung des Gesundheitssystems, also Belegung der Intensivkrankenhaus- betten, gekoppelt. Bei einem bestimmten Schwellenwert folgte die 2G-Regel (auch Genesene und Getes- tete brauchten einen aktuellen negativen Testnachweis). Mit der neuen Virusvariante Omikron stiegen im November 2021 die Infektionszahlen nochmal rasant an und die Schulen begannen die Weihnachtsferien zwei Tage früher. Weihnachtsmärkte wurden entweder gar nicht eröffnet oder nach wenigen Tagen wieder geschlossen. Ein weiterer Winter mit pandemiebedingten Diskussionen, Einschränkungen und Vorgaben folgte. Die In- fektionszahlen sanken im Frühjahr 2021 und ab April 2022 fielen die meisten Maßnahmen weg. Die CoronaVO für die Kinder- und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit wurde am 3. April 2022 aufgehoben. 3. Erhebung: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit 3.1. Aufbau der Erhebung Bei den Vorüberlegungen zur Durchführung einer systematisierten Befragung aller Arbeitsbereiche wurde deutlich, dass dies einen enorm großen Aufwand bedeuten würde und parallel zu den bestehenden Auf- gaben selbst mit Unterstützung von außen sehr viel Personalressourcen binden würde. In der Abwägung von Aufwand und Nutzen wurde entschieden, den Bereich der Offenen Kinder und Jugendarbeit (OKJA) mit den 26 Einrichtungen (18 klassische Kinder- und Jugendhäuser, zwei Aktivspielplätze und sechs Ein- richtungen mit zielgruppen- und themenorientierten Angeboten) genauer zu betrachten und hier eine Be- fragung durchzuführen. Die OKJA mit ihren Angeboten orientiert sich an den Themen, Bedarfen und Wünschen der Kinder, Ju- gendlichen sowie jungen Erwachsenen. Die Arbeit basiert grundlegend auf Selbstbestimmung und Beteili- gung der jungen Menschen und bietet den Raum für Erfahrungen und Selbstwirksamkeit. Der Fragebogen wurde mit Unterstützung durch Mitarbeitende der Dualen Hochschule Baden-Württem- berg (DHBW) erarbeitet. Er orientierte sich an dem so genannten Jahresbericht, den jede Einrichtung jähr- lich ausfüllt. Im Wesentlichen wurden drei Bereiche abgefragt: ▪ Auswirkungen auf die Arbeit im Team, ▪ Auswirkungen auf die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, ▪ Auswirkungen auf die Arbeit im Netzwerk. Ergänzend wurde eine offene Frage zu besonderen Herausforderungen, Risiken und Chancen in der Ar- beit in Pandemiezeiten gestellt. Insgesamt bezogen sich die Fragen auf den Zeitraum März 2020 bis Ende 2021. Für die ersten Fragen wurde unterschieden zwischen 1. Einrichtungen der OKJA waren geschlossen aufgrund der ersten Corona-Verordnung 2. OKJA unter Pandemiebedingungen ab Juni 2020 3.2. Ausgewählte Ergebnisse der Befragung Der Fragebogen sollte pro Einrichtung vom jeweiligen Team beantwortet werden. 23 von 26 Einrichtun- gen haben an der Befragung teilgenommen, 21 Rückläufe konnten verwendet werden. Nicht alle Einrich- tungen haben alle Fragen insbesondere bezogen auf die offenen Fragen gleichermaßen beantwortet. 10 Die Hospitalisierungsrate, auch als Hospitalisierungsinzidenz oder Krankenhausinzidenz bezeichnet, ist die Kennzahl für Kranken- hauseinweisungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einem bestimmten Land oder einer Region, bezogen auf eine Erkrankung, wie COVID-19. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hospitalisierungsrate, 8.9.2022) 8 Einrichtungsbezogene Daten Merkmal n Ausprägung Anteil in % n Einrichtungstypus 21 Kinder- und Jugendhaus 71,4% 15 Einrichtung mit speziellem Angebot/ besonderer Zielgruppe 28,6% 6 Fachkräfte 21 Bis zu vier Fachkräfte 71,4% 15 Mehr als vier Fachkräfte 28,6% 6 Veränderungen bei sonstigen in der Einrichtung tätigen Personen in der Pandemie (z.B. Ehrenamtliche) 20 Anzahl der Personen hat sich verringert 45,0% 9 Anzahl der Personen ist gleichgeblieben 40,0% 8 Anzahl der Personen hat sich erhöht 15,0% 3 Abbildung 1: einrichtungsbezogene Daten 3.2.1. Auswirkungen auf die Arbeit im Team Es gab keine Kurzarbeit oder Schließung einer Einrichtung von Seiten des Trägers oder der Stadt Karls- ruhe. Die Kommunikation hat sich während des Lockdowns stark auf Videokonferenzen und Mails verlegt. So- bald eine Wiedereröffnung der Einrichtungen und ein Arbeiten unter Pandemiebedingungen möglich war, wurden persönliche Treffen wieder als häufigstes Kommunikationsmittel genutzt. Videokonferenzen stell- ten für die Mehrzahl, vor allem in der Zeit der Schließung eine wichtige Kommunikationsplattform dar, wobei auch 20 Prozent der Einrichtungen angaben, während der Schließungen keine Videokonferenzfor- mate genutzt zu haben. Für den Zeitraum der geschlossenen Einrichtung wurde mehrfach rückgemeldet, dass die Arbeitszeit sich nach vorne verschoben hat. Insgesamt wurde flexibler gearbeitet. Die Arbeitszeit wurde den Bedarfen und Anforderungen durch die CoronaVO angepasst. Es gab eine Ausweitung beziehungsweise Verteilung von Personen und Arbeitszeit über größere Zeiträume des Tages, um Kontakte zu vermeiden und dem großen Bedarf rund um das Homeschooling am Vormittag Rechnung zu tragen. Der durchschnittliche Arbeitsaufwand hat sich in der Pandemie kaum verändert, wenn, ist er eher leicht gestiegen. Allerdings hatten sich die Inhalte verschoben. In der Zeit der kompletten Schließung verlagerte sich der Arbeitsaufwand auf mehr Absprachen sowie konzeptionelle Arbeiten, wobei viele Einrichtungen die Zeit auch zum Aufräumen, Ausmisten und Renovieren nutzten. Während bei der Arbeit unter Pande- miebedingungen ein Mehraufwand für die Angebotsplanung und -durchführung genannt wurde. Durch die CoronaVO entstand ein hoher Arbeitsaufwand durch Erstellen von Hygienekonzepten, Führen von Teilnahmelisten, Anpassung der Räume und Überprüfung von Vorgaben, beispielsweise negative Corona-Tests. Aufgrund der sich ständig ändernden Rahmenbedingungen einer neuen CoronaVO musste zusätzlich eine stetige Anpassung in der Praxis erfolgen. 9 3.2.2. Auswirkungen auf die Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Erreichbarkeit für Kinder und Jugendliche Abbildung 2: Wie konnten die Kinder und Jugendlichen die Fachkräfte erreichen? Deutlich wird, dass persönliche Treffen auch während der Zeit der Schließung eine große Rolle spielten und von über 70 Prozent der Einrichtungen möglich gemacht wurden. Dazu zählen auch 1:1-Spazier- gänge, Begegnung im öffentlichen Raum oder über Fenster/Balkon-Kontakte. Aber auch andere Kanäle wie Messenger-Dienste und Telefonate wurden von fast allen genutzt, um erreichbar zu sein. Während persönliche Treffen in der Zeit nach der Schließung wieder von allen Einrichtungen genutzt wurden, nahm die Bedeutung von Sozialen Medien und E-Mails als Kontaktmöglichkeit nun weniger Raum ein. Messen- ger und Telefonate wurden nach der Schließung hingegen von ebenso vielen Einrichtungen genutzt, wie auch schon währenddessen. Öffnungszeiten Abbildung 3: Veränderung der Öffnungszeiten in der Pandemie Während der kompletten Schließung haben sich bei etwa 60 Prozent (11) der Einrichtungen die Öffnungs- zeiten im Vergleich zum Betrieb vor der Pandemie verringert. Trotz des Lockdowns gab es Öffnungszeiten, da auch währenddessen Angebote stattgefunden haben. Einige wurden in den digitalen Raum transfor- miert oder neue Angebote geschaffen. In der Phase der Arbeit unter Pandemiebedingungen sind die Öff- nungszeiten dagegen bei 70 Prozent der Einrichtungen gleichgeblieben und damit in vielen Fällen zu den 71% 86% 76% 95% 52% 38% 100% 86% 71% 95% 52% 33% 0%25%50%75%100% Persönliche Treffen Messenger-Services E-Mails Telefonate Videokanäle Social Media Kontaktmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen (n=21; jeweils in % an allen n) Einrichtung geschlossenEinrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen 61% 15% 22% 70% 17% 15% 0%25%50%75%100% Einrichtung geschlossen Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen Veränderung der Öffnungszeiten in der Pandemie (n=20) Öffnungszeiten haben sich verringertÖffnungszeiten sind gleich geblieben Öffnungszeiten haben zugenommen 10 Zeiten vor der Pandemie zurückgekehrt. Öffnungszeiten in diesem Sinne sind die Zeiten, in denen die Ein- richtung regelmäßig für die Nutzung der jungen Menschen geöffnet hat. Abbildung 4: Veränderung der Angebote Neue Angebote Es wurden Online-Angebote kreiert wie Plattformen über Discord, Anleitungsfilme für Beschäftigung, Be- wegung und Bastelanleitungen. Gruppenangebote in Präsenz mussten im begrenzten Rahmen und mit überwiegend fester Teilnehmerzahl durchgeführt werden. In den einzelfallbezogenen Angeboten überwo- gen die schulische Unterstützung und persönliche Beratung anknüpfend an die Fragen, Sorgen und Wün- sche der jungen Menschen. Angefangen von Homeschooling-Plätzen und schulischer Unterstützung im Jugendhaus, über Trainingsfilme, Anleitungsvideos, Gesprächsplattformen bis zu 1:1-Kontakten als ge- meinsame Spaziergänge und Treffen auf Plätzen im öffentlichen Raum. 52% 40% 10% 14% 10% 48% 14% 57% 29% 43% 19% 35% 24% 10% 14% 43% 67% 19% 10% 43% 45% 5% 62% 10% 48% 19% 33% 5% 19% 10% 38% 19% 40% 19% 15% 19% 57% 43% 5% 14% 52% 10% 15% 0%25%50%75%100% Offene Angebote (Einrichtung geschlossen) Offene Angebote (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Gruppenbezogene Angebote (Einrichtung geschlossen) Gruppenbezogene Angebote (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Einzelfallbezogene Angebote (Einrichtung geschlossen) Einzelfallbezogene Angebote (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Veranstaltungen und Projekte (Einrichtung geschlossen) Veranstaltungen und Projekte (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Ferienangebote (Einrichtung geschlossen) Ferienangebote (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Kooperationen (Einrichtung geschlossen) Kooperationen (Einrichtung geöffnet unter besonderen Bedingungen) Veränderungen in den bisherigen Angeboten während der Pandemie (n=20) Keine AngeboteWeniger AngeboteEtwa gleicher Umfang an AngebotenMehr Angebote 11 Neue offene Angebote während der Pandemie (Auflistung) Digital ▪ Öffnungszeiten digital bei Discord mit Kreativ-, Koch-, Back- und Gaming-Angeboten, vor al- lem in der Phase des Lockdowns ▪ Digitale Angebote bei Youtube und Videos bei Instagram ▪ Digitale Angebote für alle Besucher*innen ▪ Digital: Rap Producing mit Discord, Song/Soundproduktion mit Discord, beides für Jugendliche ▪ Instagram wird seit der Pandemie als festes neues Angebot geführt. Vor allem Quizfragen, die Teilnahme am Adventskalender ▪ Kalender, Rezepte, Spielanleitungen und Informationen werden nach wie vor als offenes Ange- bot über Instagram geteilt ▪ Fast alle Angebote gab es auch "To Go" für zu Hause, um auf Discord mitzumachen oder ei- genständig ▪ The Show digital ▪ Angebote für Kinder und Jugendliche finden digital statt, sind aber in Verbindung mit den of- fenen Angeboten des KJH zu sehen ▪ Live gehen auf Instagram ▪ Youtube Tutorials Analog: ▪ Turmbergrally fest installiert für alle zugänglich ▪ Fitnessparcours fest installiert für alle zugänglich ▪ Zirkusrally auf dem Feuerwehrspielplatz fest installiert für alle zugänglich ▪ Bildersuche im Schlossgarten fest installiert für alle zugänglich ▪ Bastelangebot Trommeln bauen ▪ MILO: Lernangebot für Schüler*innen aus dem Stadtteil ▪ Lunchpakte ausgeben in 2 Einrichtungen ▪ Lunch/Basteltüten Aktion ▪ Radtouren 1:1 und in Kleingruppen ▪ Gezielte aufsuchende Arbeit im Stadtteil ▪ Verleih von Materialien für zu Hause ▪ Bewegungsangebote im Stadtteil im Freien ▪ Basteltüten ausgeben ▪ Bastelangebote to go ▪ "spielen mit Abstand" ▪ Die Außenspielaktion im öffentlichen Raum für Kinder und Jugendliche wurde erheblich ausge- weitet. Das Angebot findet analog statt. ▪ Café Soli ▪ Projekt "Anschluss halten" des stja, findet analog statt, offen für alle ▪ "rätselhafte Stadtteilspaziergänge" 11 11 Auszug aus der internen Erhebung des stja 2021 12 Für die Sommerferien 2020 wurde ein neues Format geschaffen, um den Kindern und Jugendlichen ein verlässliches Angebot und Ferienspaß zu bieten: „RELAX! Dein Sommer“ Abbildung 5: Beschreibung RELAX für Sommer 2020 Auswirkungen auf die Arbeit in Netzwerken Der stja hatte sich recht schnell für Microsoft Teams als digitale Plattform entschieden und für alle einge- richtet, sodass darüber die Kommunikation und Arbeitsgruppen fortgeführt werden konnten. Außerdem ergaben sich dadurch neue Möglichkeiten. Es wurden zusätzliche Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen eingerichtet, die einen erhöhten Austausch und Vernetzung der Mitarbeitenden möglich mach- ten. Es gab den Raum und die Notwendigkeit, sich in neue Formate einzuarbeiten. Gerade in der Zeit der Schließung wurde die Zeit genutzt, Themen intensiver zu bearbeiten. Das digitale Format bot eine Mög- lichkeit, aus den dezentralen Einrichtungen oder von dem mobilen Arbeiten aus unkompliziert zusammen zu kommen. Die Kommunikation mit Externen wie der Stadtverwaltung gestaltete sich deutlich schwieriger. Andere Institutionen nutzten teilweise andere Plattformen und durften Teams nicht nutzen. Es wurde aber auch festgestellt, dass das digitale Format die persönlichen Kontakte und Treffen nicht ersetzen kann. Gut ge- pflegte Netzwerke hatten eher Bestand als andere. 3.3. Herausforderungen und Chancen Herausforderungen und Risiken für die Offene Kinder- und Jugendarbeit Es wurden vielfältige Herausforderungen benannt. Grob haben sich drei Bereiche herauskristallisiert: Aus- wirkungen der Corona-Pandemie auf die Mitarbeitenden im Arbeitsfeld, auf die Einrichtungen und Ange- bote und auf die Nutzer*innen der Angebote. Persönliche Betroffenheit der Mitarbeitenden und Familien Alle waren von der Unsicherheit, den Ängsten und Folgen der neuen Krankheit betroffen. Die Mitarbei- tenden hatten Angst sich anzustecken und ihre Familien oder die jungen Menschen zu gefährden. Durch 13 die Quarantänebestimmungen ergaben sich phasenweise zusätzliche Personalengpässe. Auch den Mitar- beitenden fehlte teilweise der persönliche Kontakt. Herausforderungen für Einrichtungen und Angebote Es entstand ein massiv erhöhter Aufwand, unter den eingeschränkten Bedingungen zu arbeiten. Vor allem die Umsetzung der Corona-Regelungen, die durch die wechselnden CoronaVOs auch noch ständig ange- passt werden mussten, erhöhte den Verwaltungsaufwand erheblich. Klärung der Anzahl von Personen, die gleichzeitig in der Einrichtung sein durfen. Abstands- und Weg- ekennzeichnung zur Kontaktvermeidung, Hygienekonzepte, Informationsblätter und Hinweisschilder mussten erstellt werden. Maskenpflicht einhalten und einfordern, Kontaktverfolgungslisten führen, Reini- gung/Desinfektion mussten sichergestellt werden. Teilweise waren verschiedene CoronaVOs relevant und diese waren nicht unbedingt aufeinander abgestimmt. Gerade im Bereich der musischen Angebote gab es lange größere Einschränkungen als in anderen Bereichen. Es herrscht große Planungsunsicherheit. Projekte/Angebote müssen ständig neu konzipiert und oder mo- difiziert werden. Das sorgt manchmal für Frust im Team. Kinder und Jugendliche sind schwerer zu errei- chen und zu motivieren. 12 Einrichtungsleitungen gerieten an ihre Grenzen mit den erhöhten Anforderungen zum Personalmanage- ment, der ständigen Anpassung der Einrichtung und Angebote an die jeweiligen Bestimmungen und der Einhaltung und dem Durchsetzen der Vorgaben. Dazu kam die Sorge, dass Kernelemente der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch die Verregelung verloren gingen und damit eine wichtige Zielgruppe nicht mehr erreicht werden konnte. Mit den Regelungen veränderte sich auch stark die Rolle der Mitarbeitenden hin zu einer Kontrollinstanz, die dem eigentlichen Auftrag entgegensteht. Es war teilweise schwierig, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufrecht zu erhalten. Manchmal fehlte die Akzeptanz für die alternativen Angebote. Gerade Jugendliche nutzten die realen Angebote unter Pandemiebedingungen weniger, da sie sich eben nicht an- melden und in Listen eintragen wollten. Durch fehlende Begegnung (gerade am Anfang der Pandemie) wurde die Beteiligung junger Menschen an der Angebotsentwicklung erschwert. 13 Es gab allerdings auch Einrichtungen, die zurückgemeldet haben, dass sie keine besonderen Herausforde- rungen gesehen haben. Wir müssen weiterhin unsere pädagogische Arbeit immer im Abgleich der aktuellen gesellschaftlichen Si- tuationen halten und stets parteiisch für die Kinder und Jugendliche agieren, das ist unser Arbeitsauftrag. Herausforderungen bezogen auf die jungen Menschen Bezogen auf die jungen Menschen, zu denen Kontakt gehalten werden konnte, wurde ein erhöhter Un- terstützungsbedarf deutlich. Der Bedarf an Einzelbegleitung nahm zu. Die Kinder und Jugendlichen be- richteten von Ängsten, Überforderung und Sorgen um Schulabschluss und Berufsausbildung. Gerade die Zielgruppen, für die das Jugendhaus so etwas wie ein zweites Zuhause ist, waren besonders betroffen. Sie leben häufig in einer beengten Wohnsituation, pubertätsbedingte Auseinandersetzungen wurden ver- schärft und das Kontaktverbot führte zu einem Gefühl der Vereinsamung. Chancen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Die Jugendhilfe insgesamt und damit auch die OKJA ist mehr in den Fokus der Öffentlichkeit sowie Politik gerückt. In der Pandemie wurde deutlich, welche Rolle sie spielt. Die Möglichkeiten sichtbar, nied- rigschwellig und unterstützend im Sinne der jungen Menschen zu re- und agieren war gegeben. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit hat sich als selbstwirksam erlebt. Sie hat flexibel auf die veränderte Situation reagiert und konnte den jungen Menschen trotz allem ein verlässliches Angebot machen, sie bei verschiedenen Belangen wie persönlichen Fragen und Problemen, schulischen Herausforderungen und 12 Interne Erhebung des stja, 2021 13 Interne Erhebung des stja, 2021 14 Freizeitgestaltung unterstützen. Durch die Kontaktbeschränkungen konnte mehr auf einzelne Kinder und Jugendliche eingegangen werden sowie diese gezielter unterstützt werden. Der stja und die Kinder- und Jugendarbeit haben einen Digitalisierungsschub erlebt. Er ermöglicht einer- seits andere Wege der Kommunikation innerhalb des stja, die als Ergänzung genutzt werden können, um sich unkompliziert auch über räumliche Distanzen austauschen und arbeiten zu können. Schnelle, flexible und nachhaltige Kommunikationswege und Zusammenkünfte durch die digitalen Mög- lichkeiten sollten beibehalten und weiterentwickelt werden, entschleunigende und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen durch Homeoffice/Mobiles Arbeiten sollten ebenfalls ermöglicht werden. 14 Andererseits hat der Ausbau der Digitalisierung neue Zugänge und einen breiteren Anschluss an die digi- talen Lebenswelten der Jugendlichen geschaffen. Dabei ist allerdings auch deutlich geworden, wie viel- schichtig dieses Thema ist. Digital zum Beispiel auf Instagram unterwegs zu sein, heißt noch lange nicht, dass junge Menschen die technischen Voraussetzungen und das Know-How für Online-Unterricht bezie- hungsweise Online-Lernen haben. Gleichzeitig wurden der Wert sowie die Bedeutung der realen Treffen und analogen Möglichkeiten bewusster wahrgenommen. Diese müssen auch für die Zukunft einbezogen werden. Die positiven Erfahrungen im stja stärken das Zutrauen und die Handlungssicherheit im Umgang mit zu- künftigen Herausforderungen und Krisen. Trotz der schwierigen Zeit war es generell ein entspanntes und wertschätzendes Miteinander. 14 4. Auswertung und Diskussion der Ergebnisse der Erhebung im Fachgespräch am 25. Mai 2022 Im Rahmen eines stja-internen Fachgespräches mit der Geschäftsführung, den Fachbereichsleitungen, der Fachstelle Beteiligung und Einrichtungsleitungen der OKJA wurden die Ergebnisse zukunftsgerichtet be- leuchtet. Die Ergebnisse der Erhebung wurden von Sebastian Rahn (DHBW), der die Erhebung fachlich un- terstützt hatte, vorgestellt und im Kontext anderer Untersuchungen in das Arbeitsfeld der Kinder- und Ju- gendarbeit eingeordnet. Hier wurde vorrangig Bezug genommen auf die Studie von Gunda Voigts und Thurid Blohm 15 und Veröffentlichungen zu dem Thema von Deinet und Sturzenhecker 16 . An vielen Stellen gab es auf der örtlichen Ebene ähnliches Erleben und Erkenntnisse wie beispielsweise die Grafik aus der Studie von Gunda Voigts zeigt: Quelle:, Gunda Voigts – Thurid Blohm, Offene Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten aus Sicht von Fachkräften, Verlag Barbara Budrich 2022, S. 202 14 Interne Erhebung des stja, 2021 15 https://shop.budrich.de/wp-content/uploads/2022/05/9783847417903.pdf 16 https://www.boja.at/sites/default/files/inline-files/neustartzwischenberichtersterteil-9221-1.pdf 15 Anschließend an den Vortrag wurden an Thementischen die aus der Erhebung identifizierten Fragestellun- gen intensiver diskutiert. 4.1. Ausgewählte Fragestellungen 4.1.1. Was ist, wenn sich durch Veränderungen in den Lebenswelten der Kinder und Jugendli- chen Anforderungen ergeben, die im Widerspruch zu Arbeitsprinzipien der OKJA ste- hen? Umsetzung Arbeitsauftrag versus Kontrolle/Vorgaben in der Pandemie. Die Bedarfe und Anforderungen an die Arbeit hatten sich durch die Pandemie drastisch verändert. Einer- seits standen die Rahmenbedingungen mit Kontaktbeschränkungen, Teilnehmendenlisten, Gruppenvorga- ben im Widerspruch zum Wesen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Andererseits orientierte man sich an dem Bedarf aus der Lebenswelt der jungen Menschen heraus und passte das Angebot an. Es ging da- rum, entlang der Bedürfnisse der jungen Menschen Kontakt zu halten, ganz praktisch durch konkrete An- gebote gegen soziale Isolation sowie zur Freizeitbeschäftigung zu unterstützen, Begleitung und Spiegelflä- che für die Auseinandersetzung zur Meinungsfindung zu bieten und in dem mächtigen Thema Schule zu begleiten. Deutlich geworden ist: Anknüpfend an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen nach unge- regelten Freizeiterfahrungen und Gemeinschaft (er)leben, müssen die Prinzipien und der Auftrag an die OKJA wieder verstärkt in den Fokus rücken. Nach außen muss sichtbar gemacht werden, was OKJA be- deutet 4.1.2. Angebotsverschiebungen: Was bleibt – zurück zu Vor-Corona? Wie hat die operative Kinder- und Jugendarbeit auf die veränderten gesellschaftlichen Strukturen wäh- rend der Pandemie reagiert? Ist die hohe Flexibilität, auf die Veränderungen der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen zu reagie- ren, ein Merkmal, das erst durch Corona sichtbar wurde? Macht die hohe Flexibilität des Arbeitsfeldes die OKJA beliebig? Die Flexibilität ist Grundlage und Stärke der OKJA. Sie hat ermöglicht, umgehend sowie Nutzer*innen- bezogen zu reagieren. Damit hat sie einen wichtigen Beitrag zur Begleitung und Unterstützung junger Menschen während der Pandemie geleistet. Das birgt aber die Gefahr einer Überlastung der Mitarbeiten- den, denn durch die Pandemie entstandene Bedarfe wie beispielsweise Einzelkontakte, schulische und persönliche Unterstützung sowie Ansprüche der Eltern sind geblieben und nun erstmal zusätzliche Aufga- ben nach der Rückkehr zum Normalbetrieb. Es gilt, Verschiebungen auf weitere Notwendigkeit zu über- prüfen und sich im Hinblick auf Kapazitäten wieder mehr auf die Kernaufgabe zu konzentrieren: Frei- räume und Aneignungsmöglichkeiten wiederherstellen, viele Gelegenheiten schaffen, sich zu begegnen, zu treffen, etwas miteinander zu unternehmen. Dies entspricht auch dem Bedarf der jungen Menschen, seit die Einrichtungen wieder ohne besondere Bedingungen geöffnet sind. 4.1.3. Digitale Jugendarbeit – aus der Not wird eine Tugend? Was bedeutet digitale Jugendarbeit in der Praxis? Was brauchen die Einrichtungen dafür? Digitale Jugend- arbeit als eine Facette in der Jugendarbeit. Als ein Zugang und Bereich der Jugendarbeit muss digitale Jugendarbeit Teil der Arbeit sein. Es ist wichtig, dass die Mitarbeitenden Kenntnisse über die digitale Lebenswelt der jungen Menschen haben und sich darin „bewegen“ können. Dazu müssen sie entsprechend geschult werden, soweit diese Kenntnisse nicht vorhanden sind. Ziel ist es, digitale Angebote zu machen, aber vor allem auch, junge Menschen in einer digitalisierten Welt zu begleiten, zu befähigen als auch zu unterstützen, sich in ihr bewegen und sie für sich nutzen zu kön- nen. Gezeigt hat sich allerdings auch, dass reale Kontakte und Erlebnisse für eine gesunde Entwicklung unabdingbar sind sowie eine Grundlage der Jugendarbeit bleiben. 4.1.4. Klar! Kinder- und Jugendarbeit ist systemrelevant Wie können wir dafür sorgen, dass Interessen der Kinder- und Jugendlichen unserer Einrichtungen und Jugendverbände in der Öffentlichkeit transparenter vertreten sind? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Arbeit vor Ort? 16 Es ist gelungen, die Bedeutung der OKJA in Politik und Gesellschaft zu verdeutlichen. Es ist allerdings nur punktuell gelungen, die Belange der jungen Menschen nach außen zu vertreten und als Sprachrohr zu fungieren. Auch für die Einrichtungen und Mitarbeitenden war es eine große Herausforderung sowohl Zugang als auch Kontakt zu den jungen Menschen aufrecht zu erhalten. Der stja als Träger der Dachver- bände, Anbieter der OKJA und mit der Fachstelle für Beteiligung in einer Organisation muss dieses Poten- zial mehr nutzen. Wichtig ist es, sich verstärkt aus den unterschiedlichen Arbeitszusammenhängen heraus auszutauschen, gemeinsame jugendrelevante Themen zu benennen und als Sprachrohr zu dienen. 5. Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitsfelder der Fachbereiche aus der Perspektive der Fachbe- reichsleitungen und Auswirkungen auf den stja als Organisation und Arbeitgeber 5.1. Jugendverbände, Partizipation und politische Bildung 5.1.1. Jugendverbandsarbeit Die Jugendverbandsarbeit lebt von ihrer Gruppenarbeit, ihren Seminaren und ihren Jugendgruppenlei- ter*innenausbildungen. Obwohl erstmal alles geschlossen war, wollte man vorbereitet sein, wenn im Sommer 2020 doch Ferienaktionen möglich sein sollten. Also wurden digitale Gruppenangebote initiiert. Kinder und Jugendliche trafen sich zu Einzelbegegnungen mit ihren Jugendgruppenleiter*innen und die Verbandszentralen erarbeiteten mit den Ehrenamtlichen und Bildungsreferent*innen Schulungskonzeptionen in Online-Formaten. Es bestand große Unsicherheit, ob diese erfolgreich sein würden und Sorge, ob alle Interessierten Zugänge finden würden, aber man wollte soweit wie möglich alles tun, damit die Jugendverbandsarbeit aktiv bleibt. Es war festzustellen, dass zwar die Teilnahme beispielsweise an den Online-Vollversammlungen des stja zahlenmäßig hoch war, es fanden jedoch kaum Diskussionen geschweige denn ein Austausch zwischen den Teilnehmenden statt. Durch die Umstellung der Vorlesungen an den Hochschulen auf digitale For- mate waren Studierende oftmals in ihren Heimatorten geblieben, konnten noch zuhause wohnen und fehlten dann auch als Ehrenamtliche in den Karlsruher Jugendverbänden. Die Mitgliedszahlen in den Ju- gendverbänden waren im Vergleich zum Vorjahr insgesamt zurückgegangen, wenn auch einige wenige Jugendverbände einen Zuwachs verzeichnen konnten. Die Anzahl der neu ausgestellten Juleicas 17 war ebenfalls zurückgegangen. Eine Zeit voller Ungewissheit. Eine Zeit, in der Jugendliche, die sich engagieren wollten, eingesperrt wurden. Eine Zeit, die Verluste in der Gemeinschaft machte. (Rückmeldung der Fachbereichsleitung) Im Juli 2021 wurde die Prioritätenliste zum Impfen aufgehoben, aber es war kein Impfstoff da. Sowohl der stja gemeinsam mit seinen Jugendverbänden und Unterstützer*innen sowie der Congress-Apotheke als auch die Jugendverbände eigenständig, starteten Impfaktionen und gingen noch mehr in die Öffentlich- keit, um mehr Berücksichtigung und Beteiligung der jungen Menschen einzufordern. 5.1.2. Politische Bildung Die üblichen Formate fielen weg. Sehr schnell wurde im Rahmen des Lockdowns eine stja-interne digitale Arbeitsgruppe zu politischer Bildung eingerichtet, die sich während des Lockdowns 2021 vor allem mit verstärkt auftretenden Themen wie Verschwörungstheorien, Fake-News und Hatespeech befasste. Dazu wurden zwei Online-Workshops dazu organisierte. Sowohl zur OB-Wahl 2020 als auch zur Landtagswahl 2021 konnten keine Präsenzveranstaltungen mit direktem Kontakt zu Kandidierenden stattfinden. Stattdessen gab es jedoch andere Formate: ▪ OB-Wahl: Interviews mit Kandidierenden durch Jugendliche; Videos wurden ins Netz gestellt – dieses Format funktionierte noch recht gut, da die aktiven Jugendlichen den direkten Kontakt hatten. ▪ Landtagswahl: Während des Lockdowns wurde auf Kontakt vollständig verzichtet; Kandidierende produzierten selbst kleine Videos anhand von Jugendlichen entwickelten Fragen. 17 Die Jugendleiter/In-Card (Juleica) ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitar- beiter*innen in der Jugendarbeit. 17 Insgesamt schwierig war bei beiden Formaten die Vorbereitung in Online-Meetings, auch wenn die Veran- staltung zur Bundestagswahl wieder in Präsenz stattfand. Kreativität und Austausch ist online unvergleich- lich schwieriger als im direkten Kontakt. 5.1.3. Beteiligung und Partizipation Die Fachstelle Jugendbeteiligung und das Projekt MyCity.MyPlace waren massiv betroffen und einge- schränkt. Aufgrund der Schließungen sowie des Kontaktverbotes konnten die Sitzungen des AKS (Arbeits- kreis der Karlsruher Schülervertretenden) und der Beteiligungstreff MeetMi, die wichtige Bausteine für Karlsruher Jugendbeteiligung sind, nicht stattfinden. Die Umstellung auf digitale Formate war zwar mög- lich, aber nach dem Online-Unterricht hatten die Jugendlichen keine Lust mehr, ihre Freizeit in Videotref- fen zu verbringen. Dazu kam, dass Onlinetreffen ohne sich vorher persönlich zu kennen eine große Hürde darstellten. Aufgrund der Rahmenbedingungen ist es nur punktuell gelungen, die üblichen Jugendbeteiligungsfor- mate umzusetzen. Die Jugendkonferenz 2020 musste abgesagt werden. Mit großer Unsicherheit, ob sie würde stattfinden können, wurde die Jugendkonferenz 2021 geplant. Sie wurde mit Teilnahmebeschrän- kung und großem Abstand im Juli in der Gartenhalle durchgeführt. 5.1.4. Ferien Die Planungszeit für Sommerfreizeiten war zu kurz; ins Ausland zu reisen aufgrund der Ein- und Ausreise- beschränkungen kaum denkbar. Nachdem dann kurzfristig im Juni/Juli 2020 die Nachricht kam, dass un- ter bestimmten Bedingungen Freizeiten in Kleingruppen möglich waren, konnten große Jugendverbände noch mit einigen Angeboten reagieren, Hygienekonzepte erarbeiten. Der Stadtjugendausschuss e.V. Karls- ruhe unterstützte insgesamt mit Schnelltests, Rat und Tat sowie mit der Zusammenstellung der wichtigs- ten Informationen. Darüber hinaus wurde das Ferienprogramm „RELAX! Dein Sommer“ ins Leben gerufen. Ein Versuch, jun- gen Ehrenamtlichen die Chance zu geben, mit kleinen Kindergruppen dezentral in der gesamten Stadt in Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen Stadtranderholungen zu ermöglichen. Erklärtes Ziel: Kindern eine schöne Sommerferienzeit ermöglichen. 5.2. Internationales und Prävention 5.2.1. Internationale Jugendarbeit Das gesamte Arbeitsfeld (PAMINA-Netzwerk, Partnerstädte und alle sonstigen Projekte) ist zunächst durch ein europaweites Reiseverbot komplett weggebrochen. Das hatte die Absage aller Maßnahmen zur Folge. Keines der geplanten Angebote konnte umgesetzt werden, auch nicht online. Durch das strikte Kontaktverbot konnte auch keine kurzfristige Perspektive für alternative Maßnahmen entwickelt werden. Gemeinsame internationale Themen waren in der aktuellen Situation nicht relevant. Kontaktpersonen sind weggebrochen und Netzwerke lagen brach. Eine der besonderen Herausforderungen war, Kontakte auf- recht zu erhalten. Selbst als vermehrt digitale Kontaktmöglichkeiten geschaffen waren, war es schwierig, Perspektiven zu entwickeln. Die Projektplanung war aufgrund der Wellen der Pandemie und der damit einhergehenden ständigen Ungewissheit nahezu unmöglich. 5.2.2. Jugendfreizeit- und Bildungsstätte Baerenthal Baerenthal liegt in Frankreich und war deswegen anderen sowie dort deutlich strengeren Rahmenbedin- gungen unterlegen, was zu noch stärkerer Verunsicherung führte. Es gab Kurzarbeit für alle Mitarbei- ter*innen und teilweise konnten langjährige Saisonkräfte nicht eingestellt werden. Die Kommunikation mit Karlsruhe musste komplett ins Digitale verlegt werden. Alle Belegungen mussten storniert werden und auch nach einer regulierten Öffnung konnte kaum ein ge- regelter Beherbergungsbetrieb stattfinden. Gerade Gruppenreisen blieben wegen möglicher Infektionen unsicher. Die ständig wechselnden Rahmenbedingungen und Anforderungen an Hygienekonzepte er- schwerten die Arbeit zusätzlich. Wichtig war, im kollegialen Austausch zu bleiben und die Unsicherheit mit zu tragen. Im Hinblick auf die laufenden Kosten und sinkende Motivation der Mitarbeitenden ging es darum, zu ermutigen und Perspektiven für die JFBS zu entwickeln. Die Zeit konnte positiv genutzt werden, 18 um gemeinsam konzeptionell tiefer einzusteigen und sich über Zuständigkeiten, Verantwortung sowie Er- wartungen auszutauschen und zu verständigen. Die Bauarbeiten an „La Famille“ und der Cafeteria konn- ten störungsfrei zu Ende gebracht werden. 5.2.3. Fachstelle kein Mißbrauch Anfangs mussten auch in diesem Bereich alle Veranstaltungen abgesagt werden. Die Kollegin folgte einer Abordnung ins Gesundheitsamt für mehrere Monate. Anschließend wurden die Angebote in Online-For- mate transformiert, was letztendlich für die Information, Schulung und Beratung erfolgreich umgesetzt werden konnte. Dabei wurde auch deutlich, dass der Raum für das persönliche Gespräch und Austausch gerade bei diesen sensiblen Themen unverzichtbar ist. Die im Aufbau befindliche Netzwerkarbeit war deutlich erschwert, auch ein gemeinsam geplanter Fachtag fiel aus. Es entstand der Eindruck, dass das Thema Prävention in vielen Organisationen in den Hintergrund geriet. Positiv kann bewertet werden, dass die entwickelten Online-Formate auch weiterhin bei Bedarf und in Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen das Angebot ausdifferenzieren sowie bereichern. 5.3. Bildung und Beruf 5.3.1 Übergang Schule–Beruf Die Arbeit in den Netzwerken (Regionales Übergangsmanagement – Jugendberufsagentur - europäischer Sozialfond (ESF-Projekte)) konnte zwar zügig auf digitale Formate umgestellt werden, war und blieb aber erschwert durch die unterschiedlichen Möglichkeiten und Einschränkungen der Netzwerkpartner*innen. Die Kommunikation inklusive Abstimmungsprozesse waren schwierig und haben sich in die Länge gezo- gen. Projekte konnten während des Lockdowns nicht wie in der Konzeptplanung vorgesehen stattfin- den. Speziell Angebote für die Jugendlichen wie „Sozial und digital“ waren schwierig in der Umsetzung. Die Erfahrung war, dass Abstimmungsprozesse und strategische Aushandlungsprozesse zu komplexen ge- sellschaftlichen Zusammenhängen nur über digitale Treffen nicht leistbar sind. Gerade für schwierige The- men ist gemeinschaftliche Präsenz in all seinen Facetten unverzichtbar. Digitale Formate bieten allerdings für überregionale Netzwerke eine neue Möglichkeit, sich zeitsparend ohne Anfahrtszeit und daher kurzfristiger oder häufiger treffen zu können. 5.3.2. BeoNetzwerk Bildungsangebote an den Schulen und außerschulische praktische Projekte mit und in Betrieben fanden mit wenigen Ausnahmen nicht statt und wenn nur digital. Die von BeoNetzwerk entwickelten digitalen Angebote wurden von Schüler*innen unterschiedlich genutzt in Abhängigkeit von der vorhandenen Hard- ware und dem Wissen damit umzugehen. Selbst wenn die Hardware vorhanden war, bedürfen einige junge Menschen für die Nutzung digitaler Formate Unterstützung, die nicht automatisch durch die Familie oder das soziale Umfeld gegeben ist. 5.4. Kooperation in Ganztagsgrundschulen, Horte und KLEVER Kinder von Eltern und Erziehungsberechtigen sogenannter systemrelevanter Berufe konnten nach der Schulschließung am 17. März 2020 in Notgruppen betreut werden, die auch über die Oster- und Pfingst- ferien 2020 hinweg kontinuierlich aufrechterhalten wurden. Die Gruppen waren zunächst klein, doch im Lauf der Zeit wurde der Zugang zur Notgruppe auch für am Arbeitsplatz unabkömmliche Elternteile geöff- net. Ab Mai 2020 öffneten die Schulen mit halben Klassen im Wechselunterricht. Ende Juni endete die Notbetreuung, die Grundschulen wurden wieder geöffnet, sogenannte schulindividuelle Lösungen waren erlaubt. Die Kinder mussten den Tag über voneinander getrennt bleiben, in sogenannten Kohorten. Die nach und nach strenger werdenden Hygienebestimmungen und auch die – individuell unterschiedlich große – Angst vor einer Ansteckung machten die Arbeit für die Kolleg*innen schwierig. Durch den häufi- gen Wechsel der Regelungen (Homeschooling, Wechselunterricht mit halben Klassen und so weiter) wurde die Atmosphäre der Unsicherheit verstärkt. Die Teamleitungen standen in enger Abstimmung mit den Schulleitungen, die allerdings auch nur jeweils kurzfristig von neuen Regelungen erfuhren. Für die Teams bestand die Herausforderung insbesondere darin, die Gruppen der Kinder getrennt und den geforderten Abstand einzuhalten. Der Charakter der Zusammenarbeit sowohl zwischen den pädagogi- schen Fachkräften als auch in der Kooperation mit den Lehrkräften änderte sich, wurde zu Beginn als dis- tanzierter empfunden. Über die Monate hinweg wurde allerdings auch das Gefühl stärker, die Herausfor- derungen der Pandemie gemeinsam gemeistert zu haben, was einen positiven Effekt hatte. 19 Pädagogische Arbeit Ein Dauerthema war, dem eigenen Anspruch an die pädagogische Arbeit gerecht zu werden. Wie zeigt sich die Qualität der Arbeit in einer Situation, in der kaum etwas ist wie zuvor: Keine altersübergreifende Arbeit, weniger Angebote und Projekte möglich, stattdessen in immer gleichen Gruppen arbeiten, ein stärkerer Fokus auf Gespräche mit den Kindern, zuhören, aber auch Ablenkung von der angestrengten Situation durch den Flow im Spiel. Über die Notbetreuung hinaus wurden neue Ideen umgesetzt, um Kontakt zu den Kindern zu halten und ihnen in der schwierigen Zeit der Kontaktbeschränkungen etwas Gutes zu tun. Es wurden Briefe geschrie- ben, aufbauende Videos gemacht, Pakete für zu Hause, mit Bastelmaterial, Wundertüten, Experimenten und so weiter erstellt und viele Kinder bei schulischen Themen unterstützt. 18 Arbeit im Team/Personalsituation Die Hilfsbereitschaft innerhalb des stja war groß, besonders Freiwilligendienstleistende halfen aus. In den Ganztagsgrundschulen (GTGS) hat sich die über die Jahre aufgebaute, oft gute Kooperation am Nachmit- tag zwischen Lehrkräften und Erzieher*innen durch die Kontaktbeschränkungen verändert. An manchen Standorten wird nun Hand in Hand gearbeitet und gegenseitig ausgeholfen. An manchen Schulen allerdings war die Personalsituation bei den Lehrkräften so knapp, dass kaum Unter- richt möglich war. Die verbliebenen stja-Kolleg*innen mussten auch den Ausfall von Lehrkräften am Nachmittag ausgleichen, was viele an ihre Grenzen brachte. Die Kinder waren seit Wiederöffnung der Schulen in feste Gruppen eingeteilt. Die pädagogischen Fach- kräfte mussten dafür Sorge tragen, dass die Kinder getrennt voneinander blieben, egal, wo sie sich auf- hielten und womit sie sich beschäftigten oder spielten. „Abstand“ war eins der meistgenannten Wörter in der Pandemie. Hoher Personalausfall durch Zugehörigkeit zur Risikogruppe, Krankmeldungen und Schwangerschaft belastete die Situation zusätzlich. Das Arbeiten und die Stimmung in der Zeit der Pande- mie wurden insgesamt als eher angespannt bewertet. 6. Der Stadtjugendausschuss e.V. als Organisation und Arbeitgeber in der Bewältigung einer Krise Die Organisation und Kommunikation mit den Einrichtungen musste adhoc umgestellt werden. Mitarbei- tende wurden teilweise über Monate ins Gesundheitsamt zu deren Unterstützung abgestellt. Die Verwaltungsabläufe mussten auf einen „sicheren“ Rahmen überprüft und umgestellt werden. Das be- deutete beispielsweise, die Postverteilung in den Saal zu verlegen oder täglich „wandernde“ Kolleg*innen aus Doppelbüros, um maximale Abstände und Kontaktvermeidung zu gewährleisten. In der Arbeit mussten wir die Stellung halten und privat gar kein Kontakt, alle anderen waren im Home- office. Dauernd gab es neue Regelungen. Am schlimmsten war die Zeit allein im Büro. 19 Es wurde sehr schnell entschieden, das digitale Arbeiten auszubauen. Das hieß Hardware anzuschaffen, das Know-How und den Support zur Verfügung zu stellen. Als gemeinsame Plattform wurde MS-Teams eingerichtet. Eine besondere Herausforderung war, einerseits eine klare Linie zur Orientierung für die Mitarbeitenden zu bieten, die Leitungen in ihrer Aufgabe zu unterstützen und andererseits den sehr unterschiedlichen Ein- richtungen Spielraum zu lassen, entsprechend ihrer Situation vor Ort, die Anforderungen der CoronaVO umzusetzen. Wichtig war und ist hierbei eine transparente Kommunikation, kollegiale Unterstützung und ein enger Zusammenhalt. Auch im stja war es wichtig, in Kontakt bleiben zu können und sich in dieser besonderen Situation austau- schen und absprechen zu können. Es ging nicht nur um die Fortführung der Arbeit, sondern auch die Be- rücksichtigung der Sorgen, Nöte und Anforderungen der Mitarbeitenden. 18 Interne Rückmeldung im stja, 2021 19 Zitat Bundesfreiwilligendienstleistende in der Geschäftsstelle des stja, 2021 20 Die schnelle Einrichtung von Teams als digitale gemeinsame Plattform, die ergänzende Ausstattung der Mitarbeitenden mit technischem Gerät und einem guten IT-Support wurden sehr positiv bewertet. Wäh- rend des kompletten Lockdowns wurden einrichtungs- und ebenenübergreifende digitale Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen eingerichtet, die inhaltlich und konzeptionell beispielsweise zu Themen wie Nachhaltigkeit und digitales Arbeiten teilweise bis heute aktiv sind sowie wertvolle Impulse für die Arbeit entwickelt haben. Ähnlich wie für die Nutzer*innen wird es auch für den stja die Herausforderung sein, Möglichkeiten des digitalen und agilen Arbeitens auszuloten und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. 7. Zusammenfassung Im stja wurde zu keinem Zeitpunkt der Pandemie Kurzarbeit angeordnet. Wie auch aus anderen städti- schen Ämtern, waren teilweise Mitarbeitende über einen längeren Zeitraum zur Unterstützung in das Ge- sundheitsamt abgeordnet. Der stja hat schnell, kreativ und flexibel auf die Krise reagiert. Es wurden Formate entwickelt, die vor allem Erreichbar-bleiben, Kontakt-halten und in-Beziehung-bleiben zum Ziel hatten. Reale Aktionen wie Lunch- boxen, Basteltüten zum Abholen, Spieleverleih und Spaziergänge ermöglichten auch während der Kom- plettschließung Kontakte. Angebote wie rätselhafte Stadtteilspaziergänge, mehr Außenspielaktionen und Fitnessparcours sorgten für Anregung und Bewegung. Angebote wurden unter Beteiligung der Jugendli- chen in den digitalen Raum verlegt. Öffnungszeiten wurden digital bei Discord mit Kreativ-, Koch-, Back- und Gaming-Angeboten, vor allem in der Phase des Lockdowns, geschaffen. Mit Eins-zu-eins-Betreuun- gen und Homeschooling-Begleitung wurde individuelle Unterstützung umgesetzt. Der Redebedarf der Kinder und Jugendlichen über die Situation, über familiäre Belastungen, Einsamkeitserfahrungen und Zu- kunftsängste war groß. Die große Planungsunsicherheit in allen Formaten war für alle sehr anstrengend und auch zermürbend. Veranstaltungen wurden geplant, dann verschoben oder abgesagt, teilweise auf digitale Formate verlegt, um dann trotzdem abgesagt werden zu müssen, weil es zu wenig Teilnehmende gab. Als Organisation hat der stja ebenfalls schnell reagiert und auf digitales Arbeiten umgestellt. Es wurden Laptops, Handys und Programme angeschafft, damit so gut wie alle Mitarbeitenden so ausgestattet wa- ren, dass die Teilhabe an Kommunikation und Arbeitsabläufen möglich wurde. Die Aufgabe der Ge- schäftsstelle war vor allem, die Rahmenbedingungen zu klären, die technische Unterstützung zur digitalen Kommunikation zu leisten und die zentrale Organisation von Tests und Masken, die auch für die Jugend- verbände bereitgestellt wurden. Die Arbeit in den Einrichtungen war maßgeblich geprägt von den ständig sich verändernden Anpassungen an die jeweils gültige CoronaVO, die aufgrund der wellenartigen Inzidenzen immer wieder angepasst wurde. Die Organisation und Durchführung von übergreifenden themenbezogenen digitalen Arbeitsgrup- pen hat trotz aller Beschränkungen ein Miteinander ermöglicht und daraus resultieren bis heute positive Impulse für die Arbeit. 8. Fazit 8.1. Potenziale der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Die Offene Kinder- und Jugendarbeit orientiert sich an Themen und Bedarfen der jungen Menschen, die sich per se ständig verändern, denn Jugend ist vielfältig und Veränderung ist die Konstante, die damit auch das Arbeitsfeld prägt. Diese Flexibilität hat sich als hilfreich für den Umgang mit der Krise gezeigt. Schnell, kreativ und flexibel, wie es für das Arbeitsfeld charakteristisch ist, hat der stja mit seinen Einrich- tungen auf die veränderte Situation der Pandemie reagiert. Es ist gelungen, an der Lebenswelt der jungen Menschen anzudocken und ihnen bei Bedarf zur Seite zu stehen. Es wurden Formate entwickelt, die vor allem Erreichbar-bleiben, Kontakt-halten und in-Beziehung-bleiben zum Ziel hatten. 21 Gleichzeitig aber hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit Strukturmerkmale verloren. Arbeitsprinzipien wie Offenheit, Freiwilligkeit und Partizipation, wie sie auch Karlsruher Einrichtungen zugrunde liegen, lie- ßen sich phasenweise gar nicht oder kaum umsetzen. Aufgrund der CoronaVO musste mit Anmeldungen, Teilnehmendenlisten, Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht gearbeitet werden. Das bedeutete, vor- gegebene und regulierte Angebote durchzuführen. Damit konnten vor allem ältere Jugendliche weniger oder nicht mehr erreicht werden. Abgesehen davon birgt die Offenheit und Anpassungsfähigkeit im Arbeitsfeld die Gefahr einer Entgren- zung, wie sie unter anderem von Gunda Voigts dargestellt wird 20 (siehe auch S.16). Im Reagieren und Agieren auf aktuelle Bedarfe der jungen Menschen und auf gesellschaftliche Anforderungen wie in der Pandemie verschieben sich Inhalte bis hin zur Aufgabenübernahme anderer Systeme. Deshalb ist es umso wichtiger, sich immer wieder des Arbeitsauftrages zu vergewissern und die Angebote daraufhin zu über- prüfen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der schulischen Unterstützung und der persönlichen Beratung während der Pandemie. Schon immer ist das Thema Schule, vor allem hinsichtlich des Übergangs Schule–Beruf für Jugendliche wichtig und damit ein Teil der Arbeit im Jugendhaus. In der Pandemie wurde das Thema schulische Beglei- tung in machen Einrichtungen zu einem Schwerpunkt. Einrichtungen haben zeitweise ihre Arbeitszeiten verschoben, um Kindern und Jugendlichen einen Homeschoolingplatz zu bieten. Die Mitarbeitenden be- richteten, dass viele ihrer Stammbesucher*innen sonst, auch bei Vorhandensein eines Tablets oder Lap- tops, wegen des fehlenden Know-Hows oder der häuslichen Rahmenbedingungen nicht am Homeschoo- ling hätten teilnehmen können. Ergänzende spezielle Formate wie beispielsweise digital und sozial, bei dem im Peer-to-Peer-Ansatz Schüler*innen im Umgang mit digitalen Medien unterstützt wurden, sollten einer Benachteiligung begegnen. An dieser Stelle wurde ein Bedarf der jungen Menschen aufgegriffen, der in der Intensität und Ausgestal- tung viel Raum eingenommen und Kapazitäten gebunden hat. Hier gilt es deutlich zu machen, dass die OKJA intensivere schulische Unterstützung als Bedarf von den jungen Menschen punktuell aufgegriffen hat und übergangsweise auch als Unterstützung für das System Schule agieren konnte. Es darf sich jedoch nicht als alternatives Nachhilfeangebot für eine Vielzahl von Besucher*innen auf Dauer etablieren. Persönliche Unterstützung und Beratung sind in der Jugendarbeit selbstverständlich und gehören zum Ar- beitsauftrag dazu. Auf der Grundlage einer Beziehung wenden sich die jungen Menschen an die Mitarbei- tenden und erfahren wertvolle Unterstützung durch Gespräche, Informationen und den Austausch. Sie werden anders erlebt als Eltern und wurden in der Pandemie nochmal mehr zu wichtigen Begleiter*innen für Einzelne. In Absprache mit dem Jugendamt hat der stja diese Arbeit intensiviert, da dies pragmatisch und zum Vorteil der Jugendlichen umsetzbar war. Nun berichten die Mitarbeitenden, dass der Bedarf der persönlichen Beratung nicht abgenommen hat, sondern eher steigt. Das deckt sich mit den Beschreibun- gen zum Stand der psychischen Belastung junger Menschen, aber Einzelbetreuungen können und dürfen nicht in dem Ausmaß und der Intensität von der Jugendarbeit übernommen werden. Sie binden ebenfalls notwendige Kapazitäten für die OKJA. Die Praxis zeigt: Kinder und Teenies kommen mehr als vor der Pandemie, um die zeitlichen, realen und inhaltlichen Freiräume für sich zu gestalten und zu nutzen. Die Notwendigkeit dieser offenen Räume muss für alle, Besucher*innen, Eltern und Öffentlichkeit, dargestellt und verteidigt werden. 8.2. Digitale Transformation als Zukunftsaufgabe Digitale Formate wurden ausgebaut und digitale Plattformen teilweise mit den Jugendlichen gemeinsam eingerichtet und genutzt. Heute sind alle Einrichtungen in sozialen Medien aktiv, in erster Linie auf Insta- gram als eine wichtige Plattform, um zu informieren und als Kanal, um mit den jungen Menschen zu kommunizieren. Das Wissen um diese Lebenswelt und ein professioneller Umgang der Mitarbeitenden da- mit ist Teil der zukünftigen Jugendarbeit. Im stja hat die Pandemie sicher zu mehr Aufmerksamkeit und Handlungsnotwendigkeit verholfen. Der stja hat im August 2021 eine 50 Prozent-Stelle für Social Media geschaffen, um die Einrichtungen professionell zu begleiten und zu unterstützen. 20 Voigts, Gunda, Blohm, Thurid, Offene Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten aus Sicht von Fachkräften, Bar- bara Budrich 2022, S. 202 22 Der Umgang mit digitalen Medien ist vielfältig. Die digitale Transformation betrifft uns alle. Junge Men- schen sind nicht automatisch Experten für alle Anforderungen in der digitalisierten Welt, weil sie mit Smartphones aufwachsen. Es bedarf der Schulung der Mitarbeitenden, aber auch Begleitung und Unter- stützung der jungen Menschen. Die Vermittlung von Medienkompetenzen ist maßgeblich, auch hinsicht- lich des Umgangs mit FakeNews. Die in der Pandemie entstandene AG Digitale Jugendarbeit bleibt auch nach Corona bestehen und hat für den Februar 2023 einen internen Fachtag geplant. Sehr deutlich geworden ist aber auch, dass nicht nur für die Zielgruppe der OKJA persönliche Kontakte und reales Erleben im Austausch mit der Umwelt unerlässlich sind, um sich gesund entwickeln zu können. Raum schaffen und bieten für reale Treffen, Beziehung ermöglichen, sich begegnen und gemeinsam agie- ren und damit wirksam sein, bleibt – vielleicht als wichtigste Komponente – in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bestehen. 8.3. Jugendbeteiligung in der Krise Wie beteiligt man, wenn durch eine Krise schnelle Entscheidungen „von oben“ notwendig sind und man selbst von massiven Einschränkungen und Ängsten betroffen ist? Wie beteiligt man, wenn Angebote und Formate, die Beteiligung ermöglichen, nicht erlaubt sind? Veranstaltungen wie Stadtteilfeste und Projekte mussten abgesagt werden. Die Arbeit der OKJA war geprägt von einer stetigen Anpassung der Angebote an vorgegebene Rahmenbedingungen durch die CoronaVO. Nicht nur Studien haben gezeigt, dass junge Menschen in der Coronakrise kaum gehört und deren Be- darfe wenig berücksichtigt wurden, obwohl sie massiv von den Regelungen betroffen waren. Soweit wie möglich haben die Einrichtungen und Angebote des stja trotzdem die Besucher*innen ange- sprochen und eingebunden. Trotz der unklaren Lage im Frühjahr 2021 und auch 2022 wurden die Ju- gendkonferenzen durchgeführt und aktuelle Themen der jungen Menschen aufgegriffen https://karlsru- herjugendkonferenz.de. Zusätzlich hat der stja als Sprachrohr für junge Menschen die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen verstärkt eingefordert. Kinder- und Jugendbeteiligung ist eine Daueraufgabe, die jetzt nochmal verstärkt in den Blick genommen wird und sich ganz praktisch in allen Bereichen wiederfinden muss. 8.4. Stärkung psychischer Gesundheit von jungen Menschen Studien zeigen, dass einerseits zwei Drittel der jungen Menschen mit den Auswirkungen der Pandemie zurechtkommen 21 . Andererseits sind nach wie vor ein Teil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachse- nen psychisch stark belastet und leiden 22 . Verstärkt wird dies vermutlich durch den Ukraine-Krieg seit Februar 2022 und so wird es auch in den Ein- richtungen wahrgenommen. In der Jugendarbeit wird einerseits der Einzelbedarf aufgegriffen, andererseits müssen Grenzen hinsicht- lich der Kapazitäten und Möglichkeiten deutlich gemacht werden. Die Mitarbeitenden dürfen nicht über- fordert werden und je nach Situation muss an Fachstellen vermittelt werden. Die Jugendarbeit kann und wird ihren Teil zur Stärkung der psychischen Gesundheit von jungen Menschen beitragen, aber wieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ausgehend von dem von dem Jugendlichen formulierten Bedarf. Ihre Aufgabe ist vorrangig, Handlungsräume bereit zu stellen, um Kinder und Jugendliche agieren und dadurch Selbstwirksamkeit erleben zu lassen. Gemeinschaft erleben und aktiv sein stärkt und kann ein Gegengewicht zu Ängsten und Bedrohungen darstellen. Gleichzeitig greifen die Mitarbeitenden gesellschaftliche Themen auf, bieten damit Möglichkeiten der Aus- einandersetzung und Orientierung. Sie setzen Impulse hinsichtlich eines demokratischen Gesellschaftsver- ständnisses. 8.5. Gewinnung von Ehrenamtlichen Heute arbeitet die Jugendverbandsarbeit mit großem Kraftaufwand daran, dass Jugendliche gefunden und aktiviert werden können. Events, Konzerte und Auslandsaufenthalte wurden verschoben. Rückmel- dungen aus Jugendverbänden und dem Jugendbildungs- und Freizeitwerk (jfbw) besagen, dass junge Menschen in diesen Punkten einen großen Nachholbedarf haben und sich dann lieber endlich wieder et- 21 DJI impulse, 2/22 22 https://www.youtube.com/watch?v=38yWGQr5KUQ , aufgerufen am 26.11.2022 23 was „gönnen“, als sich ehrenamtlich zu engagieren. Natürlich möchten sich die jungen Menschen enga- gieren und sie möchten auch etwas erleben. Doch alles gleichzeitig ging vor der Pandemie nicht und jetzt schon gar nicht. Die Jugendverbandsarbeit steht mit der Gewinnung von Ehrenamtlichen vor einer Herku- lesaufgabe, die sie durch ihre Prinzipien und Werte meistern wird – aber auch hier wird es, wie während der Pandemie gelernt, einen langen Atem brauchen. 8.6. Wichtige Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit Dank der in Karlsruhe durch Politik und Verwaltung unterstützen Kinder- und Jugendarbeit, leistet der stja mit seinen Einrichtungen und Angeboten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des im Kinder- und Ju- gendhilfegesetzes verankerten Zieles wie es im §11 SGB VIII beschrieben wird. Aus dem im §11 SGB VIII beschrieben Auftrag, sich an den Interessen und Bedarfen der jungen Menschen zu orientieren, ergibt sich ein anderer Zugang für Angebote und Unterstützung. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass Einrichtungen und Angebote der Jugendarbeit in der Bewältigung von gesellschaftlichen Krisen eine wichtige Ressource darstellen und die Arbeit systemrelevant ist. Die ei- genständigen Angebote mit dem besonderen Zugang müssen als fester Bestandteil der sozialen Infra- struktur einer Kommune anerkannt bleiben. Jugendarbeit darf nicht durch Aufträge und Anforderungen aus anderen Systemen zweckentfremdet wer- den. Eine Herausforderung der nächsten Jahre wird – wie in anderen Feldern der Jugendhilfe – sein, ausrei- chend Fachkräfte und Ehrenamtliche zu gewinnen. Es gilt das vorhandene Personal und die Ehrenamtli- chen zu halten und sie durch Qualifizierung entsprechend der Anforderungen zu befähigen und zu unter- stützen. 24 9. Literaturverzeichnis ▪ AGJF und BAG Landesjugendämter (Dez.2021), Was brauchen Kinder, Jugendliche und Familien nach Corona? file:///C:/Users/h.litzler/Downloads/14-12-21_positionspapier-agjf_bagljae.docx.pdf, Aufruf 15.9.2022 ▪ AGJF-Studie: Offene Kinder- und Jugendarbeit während der Pandemie, https://www.agjf.de/fi- les/cto_layout/Material/Aktuelles/AGJF/Corona_Auswertung_WEB.pdf, Aufruf 14.9.2022 ▪ Berngruber, Anne, Gaupp, Nora (Hrsg.),Kohlhammer 2022, Erwachsenwerden heute ▪ DJI Impulse 2/22, Das Forschungsmagazin des Deutschen Jugendinstituts ▪ Jugendhearing wir hören dir zu! Stuttgart September 2021, Servicestelle Kinder- und Jugendbeteili- gung Baden-Württemberg https://kinder-jugendbeteiligung-bw.de/wp-content/uploads/auswertung_jugendhearing-bw- 2021_endversion.pdf, Aufruf 15.9.2022 ▪ Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, UMFRAGE Jugend und die Auswirkungen von Corona, 04-2021, Kinder- und Jugendbeteiligung ▪ Präsentation Kommunale Jugendreferate BW, Jahrestagung November 2021 ▪ Schnetzer, Simon und Hurrelmann, Klaus (2021) Jugend in Deutschland – Trendstudie Winter 2021/22 ▪ stja aktuell 05 Sonderausgabe Mai 2020 ▪ Voigts, Gunda, Blohm, Thurid, Offene Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten aus Sicht von Fach- kräften, Barbara Budrich 2022 ▪ Zeitschrift für die Jugendarbeit, deutsche jugend, Ausgabe 2-8/2022