Aktuelle Situation in der Schulsozialarbeit

Vorlage: 2022/2458
Art: Informationsvorlage
Datum: 19.12.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 01.02.2023

    TOP: 5

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2458 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Aktuelle Situation in der Schulsozialarbeit Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 01.02.2023 5 x Information Der Jugendhilfeausschuss nimmt Kenntnis von der aktuellen Situation in der Schulsozialarbeit und befürwortet die dargestellten Planungen. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Im Haushaltsjahr 2019 wurde der flächendeckende Ausbau von Schulsozialarbeit an den allgemeinbildenden Schulen weitgehend abgeschlossen, so dass im Haushaltsjahr 2020 der qualitative Ausbau von Schulsozialarbeitsstellen als Schwerpunkt beginnen konnte. Bisher wurden dadurch an 20 allgemeinbildenden Schulen die Stellenkontingente von 0,5 auf 0,75 Vollzeitkraft (VZK) erhöht. Die Mitarbeitenden der Schulsozialarbeit in Karlsruhe arbeiten nach einem Ferienregelungsmodell. Es bedeutet, dass die Mitarbeitenden in der Schulzeit mit einer erhöhten Arbeitszeit eingesetzt werden und in den Ferienzeiten, wenn keine Arbeit in den Schulen anfällt, diese Zeiten ausgeglichen werden. Lediglich 3 Tage in den Ferien für Klausurtage und Einstiegskonferenzen nach den Sommerferien sind als Arbeitszeit fest verankert. Konkret stehen im Arbeitszeitmodell mit Ferienregelung den Schulen mit einer halben Schulsozialarbeitsstelle circa 23,5 Stunden pro Schulwoche zur Verfügung. In einem Arbeitszeitmodell ohne Ferienregelung wären es nur 19,5 Stunden. Bei den Stellen mit einem Umfang von 0,75 VZK stehen den Schulen circa 35 Stunden pro Schulwoche zur Verfügung anstatt 29,25 Stunden ohne Ferienregelungsmodell. In der Schulsozialarbeit arbeiten aktuell 97 Prozent der Fachkräfte im Ferienregelungsmodell. Aktuelle Situation und Herausforderungen Die aktuelle Situation in den Schulen stellt für alle am Schulleben Beteiligten eine Herausforderung dar, auch für die Schulsozialarbeit. Die Nachwirkungen der Pandemie und die Verunsicherung durch die Situation in der Ukraine kommen im Schulalltag nun deutlich zum Vorschein. Sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte sind aus der Sicht der Schulsozialarbeit an ihren Belastungsgrenzen angelangt. Das führt im täglichen Miteinander zu sehr angespannten Situationen oder schnelleren Eskalationen. Durch den veränderten Schulalltag, den es in den Hochphasen der Pandemie gab, und den damit verbundenen Druck sind aus Sicht der Schulsozialarbeit an einigen Stellen Arbeitsbeziehungen unterbrochen worden oder zeitweise ganz abgebrochen. Vorher selbstverständliche Kooperationen und Kommunikationen haben sich verändert oder wurden ganz ausgesetzt. Es werden teilweise hohe Erwartungen an Schulsozialarbeit gestellt, die durch den Arbeitsauftrag und das Konzept der Schulsozialarbeit gar nicht zu erfüllen sind und deshalb scheinbar ständig enttäuscht werden. In der Kommunikation führt diese Enttäuschung aktuell öfter dazu, dass Schulsozialarbeit und die Wirksamkeit dieser Ressource von Schulen infrage gestellt werden. Oder Schulsozialarbeit wird auf die Projektmittel reduziert, die für die Arbeit zur Verfügung stehen. Das bisher größtenteils positive Bild von Schulsozialarbeit als niedrigschwelliges Beratungs- und Unterstützungssystem in Ergänzung zu Zusammenfassung: Die Schulsozialarbeit ist in den Schulen grundsätzlich gut verankert und kann auf Augenhöhe mit dem Schulsystem kooperieren. Die Nachwirkungen der Pandemie und der Krise in der Ukraine stellen alle am Schulleben Beteiligten vor große Herausforderungen. Die Schulsozialarbeit passt ihre Arbeit inhaltlich an das aktuelle Geschehen an, um die Herausforderungen zu meistern. Sie ist zu einem wichtigen Baustein der Jugendhilfe und der Präventionsarbeit an Schulen geworden. Niedrigschwellige Zugänge und eine gute Einbindung der Schulsozialarbeit in die Strukturen der Jugendhilfe ermöglichen es, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und passende Lösungen zu erarbeiten. Im Landesvergleich schneidet die Stadt Karlsruhe sowohl bei der Versorgung der Schulen mit Schulsozialarbeit als auch durch die inhaltliche Konzeption überdurchschnittlich ab. – 3 – den Angeboten und Kompetenzen der Schulen, ist durch den Druck der Krisen etwas ins Wanken geraten. Die Situation, dass einige Schulleitungsstellen nicht besetzt sind und Schulen teilweise schon länger als ein Schuljahr kommissarisch geleitet werden, verschärft die Situation für die Schulsozialarbeit. Absprachen oder regelmäßige Kommunikationen mit Schulleitungen sind dadurch kaum beziehungsweise gar nicht möglich, was weiteren Raum für Missverständnisse oder enttäuschte Erwartungen kreiert. In den Beratungen der Schulsozialarbeit zeigt sich, dass die Bearbeitung von persönlichen Themen der Schüler*innen mehr Raum einnimmt und die Intensität der Beratungsbedarfe zugenommen hat. Inhaltlich beschäftigt die Schulsozialarbeitenden deutlich stärker das Thema Schulabsentismus. Komplettes Fernbleiben von der Schule, einzelne nicht entschuldigte Fehlzeiten oder auch die passive Form des Schulabsentismus, die innere Verweigerung, sind deutlich häufiger Inhalt der Beratungskontakte, sowohl bei Schüler*innen als auch bei Lehrkräften. Auch hier greifen die früher vereinbarten Abläufe oft nicht mehr, weil die Systeme die vereinbarten Absprachen nicht mehr parat haben oder sie nicht wie vereinbart umgesetzt werden. Dadurch entsteht in Einzelfällen ein enormer Absprachebedarf, der zusätzliche Zeit kostet. Die Themen, die dem Schulabsentismus zugrunde liegen, zeigen sich verstärkt in Ängsten und psychischen Schwierigkeiten der Schüler*innen. Weiterhin ist Schulsozialarbeit damit beschäftigt, die Übergänge zwischen Systemen zum Beispiel von der Kita in die Schule oder bei Schulwechsel zu begleiten und das Finden von Lösungen für Einzelfälle zu unterstützen. Der Übergang aus der Kita in die Schule und der Einstieg in die ersten Klassen sowie das Begleiten von gruppendynamischen Prozessen und Klassenfindungen sind dabei im Fokus. Aber auch Schulwechsel und der Übergang in den Beruf sind aktuell präsente Themen in der Beratung der Schulsozialarbeit. Es hat sich durch die oben genannten Krisen aber auch deutlich gezeigt, dass das Konzept der Schulsozialarbeit in Karlsruhe tragfähig ist und den Herausforderungen gut begegnen kann. Das einheitliche Konzept und die Anbindung an die Jugendhilfe bieten für die Fachkräfte einen fachlichen Rahmen und ein Netzwerk, die zusammen für die inhaltliche Arbeit und die bedarfsgerechte Unterstützung von Familien sehr zuträglich sind. Aktuelle Zahlen aus der Schulsozialarbeit Stellen insgesamt: 39,5 VZK an 72 allgemeinbildenden Schulen Fachkräfte insgesamt: 64 Das Land Baden-Württemberg fördert Schulsozialarbeitsstellen mit einer Förderpauschale von 16.700 Euro pro VZK, was ungefähr einem Drittel der Personalkosten entspricht. Alle Schulsozialarbeitsstellen in Karlsruhe werden gefördert. Vergleich zu anderen Kommunen in Baden-Württemberg Die Schulsozialarbeit pflegt eine regelmäßige Vernetzung und den Austausch mit anderen Trägern der Schulsozialarbeit in Baden-Württemberg und mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS). Zudem werden durch den KVJS regelmäßig Daten aller Kommunen zusammengeführt und veröffentlicht. – 4 – Zwei ausgewählte Grafiken aus dem aktuellen Bericht „Förderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen“ 1 des KVJS sind nachfolgend abgedruckt, weil sie einer zusätzlichen Erläuterung bedürfen, um richtig eingeordnet werden zu können. Abbildung 1 - Vollzeitkräfte Schulsozialarbeit an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen pro 1.000 Schüler*innen Diese Grafik gibt an, wie viele Vollzeitstellen von Schulsozialarbeit pro 1.000 Schüler*innen an allgemeinbildenden Schulen eingesetzt werden. Die Stadt Karlsruhe lag mit 1,42 Stellen im Schuljahr 2020/2021 im unteren Drittel und auch unter dem Landesdurchschnitt von 1,64 Stellen. Die Grundlage dieser Grafik sind aber nicht die gesamten Schüler*innen einer Stadt oder eines Landkreises, sondern nur die Schüler*innen an Schulen mit Schulsozialarbeit. Die Stadt Karlsruhe hatte damals schon an fast 90 Prozent aller Schulen im Stadtgebiet Schulsozialarbeitsstellen eingerichtet (siehe Abbildung 2). Daher ist die in Karlsruhe zugrunde gelegte Schüler*innenzahl deutlich höher als in anderen Städten oder Kreisen, die nur an einzelnen Schulen Schulsozialarbeitsstellen haben, was zu einem verzerrten Bild führt. Den im Vergleich mit anderen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg hohen Anteil der Schulen mit Schulsozialarbeit in Karlsruhe von fast 90 Prozent bereits im Schuljahr 2020/2021 macht die folgende Abbildung 2 deutlich. 1 https://www.kvjs.de/der-kvjs/service/publikationen-videos/detailansicht/31037 – 5 – Abbildung 2 - Ausbaustand Anteil Schulen mit Schulsozialarbeit Schuljahr 2020/2021 Im Schuljahr 2022/2023 hat die Stadt Karlsruhe fast eine Quote von 100 Prozent in der Versorgung mit Schulsozialarbeit an den öffentlichen Schulen erreicht. Lediglich einzelne Berufliche Schulen haben bisher keine Schulsozialarbeitsstelle. An allen Allgemeinbildenden Schulen sind Schulsozialarbeitsstellen eingerichtet. Ausblick Der Fokus für die kommende Zeit wird für die Fachkräfte der Schulsozialarbeit in den Schulen darauf liegen, die Themen und Bedarfe, die an sie herangetragen werden, zu filtern und die passenden Angebote dafür mit an die Schulen zu bringen. Die Beziehungspflege zu Schulleitungen, Lehrkräften und Schüler*innen wird wieder deutlicher in den Fokus rücken, weil es in der Zeit der Pandemie Unterbrechungen oder Abbrüche in vorher bereits guten Arbeitsbeziehungen gab. Eine kontinuierliche und verlässliche Kommunikation ist die Arbeitsgrundlage für die Wirksamkeit und feste Verankerung von Schulsozialarbeit in den Schulen. – 6 – Dazu wurde bereits vor der Pandemie ein Prozess zum Abschluss und zur regelmäßigen Evaluation von Kooperationsvereinbarungen mit den Schulen initiiert, der jetzt weitergeführt wird. Ziel ist es, mit jeder Allgemeinbildenden Schule eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen und diese auch als regelmäßiges Instrument zur Auswertung der gemeinsamen Arbeit zu nutzen und anzupassen. Die Erfahrung zeigt, wenn verbindliche Vereinbarungen getroffen werden, die Aufgaben und Verantwortungen in der Kooperation sowohl transparent als auch abgestimmt sind, erleichtert es den Arbeitsalltag und wirkt sich positiv auf die Beratung und Begleitung von Familien aus. Auch auf Leitungsebene wird von Seiten der Schulsozialarbeit der Fokus darauf liegen, wieder enger in Kontakt mit den Schulleitungen, dem Staatlichen Schulamt und den zuständigen Entscheidungsträgern im Schulsystem zu kommen sowie Themen gemeinsam zu bearbeiten. Denn auch hier fällt auf, dass gemeinsame Absprachen und Ergebnisse aus gemeinsamen Projekten nicht mehr bekannt sind oder nicht mehr gelebt werden. Die Qualität der Beratung für die Familien und auch für die Lehrkräfte leidet massiv darunter, es entsteht an vielen Stellen vermeidbarer Druck. Inhaltlich wird der Fokus auf die Themen Schulabsentismus und Schutzvereinbarungen an Schulen gelegt werden. Sowohl von den Fachkräften in den Schulen als auch auf Leitungsebene werden verschiedene Projekte und Aktionen zu den Themen angestoßen, um wieder in eine gute Kommunikation zu kommen. Ein weiterer Schwerpunkt wird in der kommenden Zeit auch auf die Kooperationen mit städtischen Beratungsstellen oder externen Stellen gelegt werden. Durch die Verknappung von Ressourcen sowie die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf der einen Seite und den intensivierten Beratungsbedarf auf der anderen Seite müssen neue Absprachen zur Kooperation getroffen werden. Auch neue Projekte und Ideen für Präventions- oder Jugendhilfeangebote an Schulen werden in der gemeinsamen Arbeit entstehen. Die vorhandenen Angebote in Karlsruhe für Kinder und Jugendliche können besser vernetzt und aufeinander abgestimmt werden, so dass die Ressourcen da eingesetzt werden, wo der Bedarf entsteht, und die Zielgruppen verlässlich erreicht werden. Erste Projekte, die sich in den Schulalltag integrieren, sind entstanden und werden 2023 in die Umsetzung gehen oder weiter ausgebaut. Ein besonderes Augenmerk wird die Schulsozialarbeit konzeptionell auf die Arbeit an den Schulen legen, die sowohl Grundschule als auch weiterführende Schule in einem System vereinen, also Grund- und Werkrealschulen sowie Gemeinschaftsschulen, die auch eine Grundschule beinhalten. Die Besonderheit bezogen auf die Arbeit von Schulsozialarbeit ist dort, dass es eine Stelle für Schulsozialarbeit mit 75 Prozent gibt, die für die ganze Schule zuständig ist. Eigentlich verbergen sich aber jeweils zwei Schularten mit völlig unterschiedlichen Anforderungen dahinter. Hier müssen die Bedarfe an die Ausstattung mit Schulsozialarbeit und das Konzept der Schulsozialarbeit konkreter betrachtet und eventuell angepasst werden. Fazit Trotz aller Herausforderungen, die der Schulalltag aktuell bietet, ist die Schulsozialarbeit in den Schulen grundsätzlich gut verankert und kann auf Augenhöhe mit den Schulen kooperieren. Die Schulsozialarbeit ist zu einem wichtigen Baustein der Jugendhilfe und in der Präventionsarbeit geworden. Sie ermöglicht niedrigschwellige Zugänge für Schüler*innen durch die Präsenz an den Schulen. Die gute Einbindung der Schulsozialarbeit in die Strukturen der Jugendhilfe ermöglicht es, auf Beratungsbedarfe frühzeitig einzugehen und Brücken zu bauen, um bedarfsgerechte Lösungen für die Schüler*innen und ihre Familien zu finden. Die Schulsozialarbeitenden erkennen frühzeitig Bedarfe und Trendthemen, die junge Menschen beschäftigen, und können dadurch auch im Bereich der Präventionsprojekte diese Bedarfe bedienen. In Kooperation mit Netzwerkpartner*innen werden gemeinsame Projekte erarbeitet oder vorhandene Projekte weiterentwickelt, um auf aktuelle Bedarfe einzugehen. – 7 – Beschluss: Der Jugendhilfeausschuss nimmt Kenntnis von der aktuellen Situation in der Schulsozialarbeit und befürwortet die dargestellten Planungen.