Weiterentwicklung Passagehof auf Basis des Reallabors

Vorlage: 2022/2434
Art: Beschlussvorlage
Datum: 13.12.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 28.02.2023

    TOP: 14

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Beschlussvorlage_Weiterentwicklung Passagehof_2022-12-28
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2434 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: StplA Weiterentwicklung Passagehof auf Basis des Reallabors Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 09.02.2023 4.1 x vorberaten Gemeinderat 28.02.2023 14 x Beschlussantrag (Kurzfassung) Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss die formale Einleitung der Teileinziehung des Passagehofes und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung der in der Vorlage vorgestellten kurzfristigen Maßnahmen (Phase 1) Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ ☒ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: 170.000,00 € Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Die Kosten für die Bepflanzung und der ersten Pflegejahre sind durch die Spende abgesichert, die Eigenleistungen des GBA stehen bei Projekt 7.661009 zur Verfügung Gesamteinzahlung: Finanzierung ☒ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ teilweise Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☒ negativ ☐ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Zukunft Innenstadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ KME – 2 – Ergänzende Erläuterungen Hintergrund Von 23. Mai – 18. Juli 2022 fand das Reallabor Passagehof als Verkehrsversuch statt. Dabei wurde der Kfz-Verkehr auf Anlieger*innen beschränkt, die Poller waren von 8-14 Uhr heruntergefahren (Lieferzeit), Stellplätze des motorisierten Verkehrs temporär umgenutzt, Fahrradständer wurden an die Ränder bzw. in die Eingangszonen des Passagehofs versetzt, 15 Pflanztröge, 8 Sitzmöbel und eine Bühne wurden aufgestellt. Während des Projektzeitraums fanden unterschiedliche Formen der Bespielung und Teilhabe statt: kulturelle und soziale Veranstaltungen, verschiedene Medienkunstwerke im Rahmen der UNESCO City of Media Arts und ein offenes Reallabor-Büro in einem Ladenlokal. Das Medienecho und die Resonanz zum Reallabor Passagehof von Seiten der Politik, Bürgerschaft und Nutzenden war überwiegend positiv, von verschiedenen Seiten wurde gar eine sofortige Verstetigung gefordert. Da zuvor die Reallabore als zeitlich begrenzte Testläufe mit auf diese Zeiträume begrenzten Budgets beschlossen worden waren und eine sofortige Verstetigung rechtlich nicht möglich gewesen wäre, wurde das Reallabor nach Ablauf des Zeitfensters wie geplant wieder zurückgebaut. Nach Abschluss der Evaluation liegt nun eine Beschlussvorlage mit differenzierter Begründung, weiterem Vorgehen und Finanzplanung vor, die es dem Gemeinderat ermöglicht, eine allumfassende und qualifizierte Entscheidung für das „Nachleben“ des Reallabors Passagehof zu treffen. Sofern dieser Vorschlag angenommen und beschlossen wird, könnte die Umsetzung bereits zum Sommer 2023 erfolgen, sodass Gastronomiebetriebe, Kulturinstitutionen und Innenstadtbesucher*innen noch zur nächsten Sommersaison davon profitieren können. Rahmenbedingungen Finanzielle Rahmenbedingungen Eine Spenderin hat zur Förderung einer klimawirksamen Umgestaltung der Innenstadt eine Finanzierung für Begrünung bzw. begrünte Möblierung im Passagehof und deren Pflege in Aussicht gestellt, wenn zeitnahe Sichtbarkeit und Umsetzung erfolgt. Das Sanierungsgebiet „City-West“ lief 2014 aus. Damals ausgeschüttete Fördergelder für den Passagehof müssen damit voraussichtlich zurückgezahlt werden, wenn dort bauliche Maßnahmen vor 2024 umgesetzt würden. Seinerzeit hat der Passagehof (Süd) ca. 292.000 € gekostet, gefördert wurden rund 175.000 €. Die Umsetzung baulicher Maßnahmen vor 2025 sind daher in jedem Fall mit dem Regierungspräsidium abzustimmen. Durch einen möglichen Wegfall der 12 aktuell bewirtschafteten Stellplätze gingen der Stadt Karlsruhe Einnahmen in Höhe 30.000€/Jahr verloren. Hinzu kommt die Entfernung des Parkscheinautomats, deren Kosten noch zu ermitteln sind. Technische Rahmenbedingungen Während des Reallabors forderten Gastronomen und ein Eigentümer eine Überbauung der wassergebundenen Decke. Durch Wind werde viel Staub in die Gastronomie getragen. Für ein verbessertes Mikroklima/Klimaanpassung gem. Klimaanpassungsplan/ÖRMI ist die Entsiegelung des Hofes bei nächster Möglichkeit aber voranzutreiben („Jeder Quadratmeter zählt“). Bodengebundene Pflanzungen sind aufgrund diverser Leitungen im Untergrund aber nur eingeschränkt möglich. Bei der Auswahl ggf. neuer Oberflächen ist die Barrierefreiheit zu berücksichtigen (z.B. keine Rasengittersteine auf relevanten Bewegungsflächen, da diese von Rollstuhlfahrer*innen schlecht befahren werden können). – 3 – Rechtliche Rahmenbedingungen Die Fachämter werden alle straßen- und verkehrsrechtlichen und weiter notwendigen Vorgänge einleiten, welche die Umsetzung des Reallabors erfordern. Dies betrifft sowohl notwendige Widmungsverfahren als auch verkehrsrechtliche Anordnung zur Anpassung der bestehenden Verkehrsregelung im Passagehof und dem Umfeld. Die entsprechenden Beschlussvorlagen werden soweit gesetzlich erforderlich dem Gemeinderat zeitnah vorgelegt. Wesentliche Erkenntnisse aus dem Reallabor Passagehof Siehe hierfür Anhang: Evaluation Reallabor Passagehof, Teil B „Zusammenfassung“, S. 35 Zielvision Die aus der Evaluation des Reallabors hervorgehende Zielvision für den Passagehof ist eine weitestgehend autofreie, innerstädtische Oase, welche durch Schatten, zusätzliche Begrünung, hochwertige Sitzmöbel sowie attraktive gastronomische und kulturelle Angebote zum Verweilen einlädt. Das im ÖRMI-Bericht für den Passagehof vorgesehene Profil eines grünen Stadtplatzes mit intensivem (kulturellem) Stadtleben (auch nachts) und Priorität auf dem Fußverkehr, stimmt mit den Ergebnissen der Evaluation überein: die nichtkommerzielle Nutzung soll gleichberechtigt neben der gastronomischen/kommerziellen Nutzung stehen. Der Passagehof bietet sich an, aufgrund bereits vorhandener Kulturinstitutionen (Kinemathek und bald Jazzclub), ein kultureller Magnet zu werden, der durch einen dauerhaften Standort für Medienkunst unterstützt werden kann. Weiteres Vorgehen/Maßnahmen Daher schlägt die Verwaltung folgende Maßnahmen vor: Phase 1 (kurzfristig = ab Spätsommer 2023) - Umwidmung zum Fußgängerbereich - Zugelassen werden sollen: o zeitlich beschränkter Lieferverkehr von 8 bis 11 Uhr an Werktagen o Kfz-Zufahrt zu privaten Stellplätzen im Hinterhof - Nicht erlaubt sind: o Kfz- und Motorradparken (2 Behindertenstellplätze werden wie im Reallabor in den nördlichen Passagehof verlegt, 1 personenbezogener Behindertenstellplatz entfällt, da die Person verzogen ist.) o Radfahren (Aufgrund des Ziel- und Quellverkehrs im Passagehof sind Fahrradstellplätze im unmittelbaren Umfeld dennoch sinnvoll. Fahrradstellplätze sollen daher an Ein- und Ausgängen des Passagehofs angeordnet werden. Die vorgesehenen Fahrradstellplätze am östlichen Eingang sollen angeordnet und installiert werden, sobald die Sondernutzungserlaubnis der Shisha-Bar ausläuft und die gastronomische Fläche neu definiert werden kann.) – 4 – - Nutzungen und Zonierung Die räumliche Aufteilung bzw. Zonierung der unterschiedlichen Nutzungen während des Reallabors hat sich bewährt und wurde gut angenommen. Diese soll auch in der zukünftigen Gestaltung beibehalten werden: o temporäres, hochwertiges und begrüntes Sitzmobiliar sowie Kübelpflanzen auf ehemaligen Stellplätzen, südliche Längsparker werden der Außen-Gastronomie und dem nicht-kommerziellen Aufenthalt (Begrünung und Sitzmöbel) zur Verfügung gestellt o Mittige Senkrechtparker werden zum zentralen, nichtkommerziellen Bereich. Der östliche Teil soll für Veranstaltungen (z.B. von den angrenzenden Kulturakteuren Kinemathek und Jazzclub) genutzt werden können. Anmeldung von Sondernutzungen im öffentlichen Raum (wie für die Bühne) erfolgt über das Ordnungsamt. o Gastronomische Nutzung innerhalb der vorhandenen Bereiche bleibt erhalten o Eine Rettungs-, Versorgungs- und Liefergasse ist von Mobiliar freizuhalten o Eine grafische Gestaltung/Bodenbemalung zur optischen Auflösung der Fahrgasse (siehe Beispiel Graz Abb. 3) ist anvisiert. Eine mögliche Umsetzung und Finanzierung muss noch geprüft werden. o Anvisiert ist außerdem ein dauerhafter Standort für Medienkunst im Passagehof, welcher noch zu bestimmen und zu finanzieren ist. Phase 2 (mittelfristig = ab 2026 - DHH 26/27) - separater Beschluss zu gegebener Zeit - Bauliche Veränderungen (Fördermittelbindung bis 2024) o Generalsanierung der wassergebundenen Decke o Entsiegelung der Stellplätze und weitgehende Flächenbegrünung o ggf. weitere bauliche Veränderungen, wie Einfahrtssituation Ost und West o ggf. Ergänzung geeigneter Ausstattungselemente wie Spielelemente für Kinder/Bücherschrank und/oder Trinkbrunnen Finanzierung In Phase 1 fallen Kosten für die Möblierung und ergänzende Begrünung an. Die Kosten der Beschaffung der Ausstattungselemente und der Pflege in den ersten fünf Jahren erfolgt vollumfänglich durch die Spenderin. Die Pflanzenlieferung und die Bepflanzung erfolgt durch das Gartenbauamt (Material aus der Stadtgärtnerei, Arbeitsleistung durch die Auszubildenden). Kostenübersicht: Ausstattungselemente 92.000,00 € Bepflanzung (interne Leistungsverrechnung GBA) 18.000,00 € Unvorhergesehenes 1.000,00 € Pflegekosten für fünf Jahre (11.800 €/a) 59.000,00 € Kosten gesamt 170.000,00 € – 5 – Bei den oben beschriebenen Maßnahmen handelt es sich um eine Zwischenlösung, die ohne bauliche Eingriffe auskommt und somit keine Rückzahlungserfordernis von Städtebaufördermitteln auslöst. Die mobilen Elemente können nach dem endgültigen Umbau des Passagehofs an anderer Stelle im Stadtraum eingesetzt werden. Für darüberhinausgehende Elemente wie Bespielung der Veranstaltungsfläche/ Bodenbemalung, Medienkunst usw. ist derzeit keine Finanzierung vorhanden. Finanzierungs- und Patenschaftskonzepte sollen z.B. im Rahmen der geplanten IG Passagehof erörtert und umgesetzt werden. Es ist angestrebt auch die Kosten für die Pflege der Bepflanzung und des Mobiliars ab dem sechsten Jahr nach der Umsetzung auf diesem Weg zu finanzieren. Falls die Folge-Finanzierung der Pflege ab dem 6. Jahr widererwarten nicht sichergestellt werden kann, wird das Mobiliar wieder abgebaut. Phase 2 ist zu gegebener Zeit zu präzisieren und in den Doppelhaushalt 2026/27 einzustellen. Ablauf Phase 1 Dezember 2022 Ausschreibung/Markterkundung Möbel & Pflege durch GBA Jan. – Feb. 2023 verkehrliche und juristische Vorbereitung des straßenrechtlichen Verfahrens Februar 2023 Vorberatung im Planungsausschuss (9. Februar) Anlieger-Informationsveranstaltung vor Ort im Passagehof (15. Februar) Zustimmung zur Umsetzung im Gemeinderat (28. Februar) März 2023 Start straßenrechtliches Verfahren Bestellen der Möbel, Begrünungsplanung Prüfung und ggf. Planung der Bodenfarbe August 2023 Verkehrsrechtliche Anordnung Entfernen der Schilder, Markierungen, Automaten usw. Aufstellen des Mobiliars und Bepflanzung Ggf. Einweihungsfest mit IG Passagehof Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss die formale Einleitung der Teileinziehung des Passagehofes und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung der in der Vorlage vorgestellten kurzfristigen Maßnahmen (Phase 1) – 6 – Anlagen Abb. 1: Lageplan/Möblierungsplan Phase 1 Abb. 2: Möbel Streetlife – 7 – Abb. 3: Bodenfarbe, Beispiel Graz, Lendplatz Abb. 4: Ersatzstandort Behindertenstellplätze, vor Parkhaus nördlicher Passagehof Anlage: Evaluation Reallabor Passagehof

  • Anlage_Evaluation Reallabor Passagehof_2023-01-10
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Platz für mehr - Reallabor Passagehof Evaluation 2 | Reallabor Passagehof - Monitoring Platz für mehr - Reallabor Passagehof Evaluation Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Leitung: Prof. Dr. Karmann-Woessner Bereich: Generalplanung und Stadtsanierung Leitung: Heike Dederer Projektleitung Reallabor und Redaktion: 0riana Kraemer Bearbeitung Sara Reichwein, Eric Storz Dr. Andrea Hammer, Kai Rohweder (Amt für Stadtentwicklung) Layout Cindy Streeck Januar 2023 Stadtplanungsamt | 3 Inhaltsverzeichnis Hintergrund ................................................................................................................................................................ 4 Reallabor Passagehof im Rahmen des IQ-Leitprojekts ÖRMI ........................................................................... 4 Ziele und Methoden der Datenerhebung ....................................................................................................... 5 A Ergebnisse der Datenauswertung ......................................................................................................................... 6 Anwohner*innen-Perspektive ........................................................................................................................ 6 Auswertung der Anwohner*innenbefragung ............................................................................................. 6 Gewerbetreibenden-Perspektive ................................................................................................................... 13 Auswertung der Gewerbetreibendenbefragung ....................................................................................... 13 Passant*innen-Perspektive ........................................................................................................................... 19 Auswertung der Passant*innenbefragung ................................................................................................ 19 Feedback-Poster zur Aufenthaltsqualität ................................................................................................... 25 Feedback-Postkarten ................................................................................................................................ 26 Raumbeobachtungen mit der Gehl-App ................................................................................................... 27 Beobachtete Nutzung der öffentlichen Sitzgelegenheiten ......................................................................... 28 Verkehrsanalyse ........................................................................................................................................... 29 Verkehrsaufzeichnungen mit Mio-Vision-Kamera ..................................................................................... 29 Fußverkehr ............................................................................................................................................... 30 Radverkehr ............................................................................................................................................... 30 Motorisierter Individualverkehr (MIV) ........................................................................................................ 32 Polleraktivität ............................................................................................................................................ 33 Resümee Verkehrsanalyse ......................................................................................................................... 34 B Zusammenfassung .............................................................................................................................................. 35 C Anhang ................................................................................................................................................................ 36 1 Anwohner*innen Fragebogen ................................................................................................................... 37 2 Gewerbetreibenden Fragebogen ............................................................................................................... 40 3 Passant*innen Fragebogen ....................................................................................................................... 43 4 | Reallabor Passagehof - Monitoring Hintergrund Reallabor Passagehof im Rahmen des IQ-Leitprojekts ÖRMI Mit seinem Beschluss vom 26. April 2022 hat der Karlsruher Gemeinderat den Weg frei gemacht für die einzigartige Möglichkeit, Mobilität und öffentlichen Raum in einem experimentellen Setting anders zu gestalten. Als Bestandteil des IQ-Leitprojekts „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI) entstanden im Passagehof und der Nördlichen Karlstraße zwei Testräume, um erste Ideen und Maßnahmen der beauftragten Bürogemeinschaft um Gehl noch während der Projektlaufzeit von ÖRMI zu erproben und das Projekt für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Dabei sollten zukunftsfähige Mobilitätspraktiken, Nutzungsszenarien und die Neuverteilung des Straßenraums ausprobiert werden. Die vom Durchgangsverkehr dominierten Stadträume sollten, testweise zu einem Ort für Fußgängerinnen und Fußgänger gemacht und die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Darüber hinaus sollten Synergien geschaffen, neue Kooperationen erprobt und Potenziale der Innenstadt aufgezeigt werden, die für viele Menschen nach langer Baustellenzeit schwer vorstellbar sind. Sie sollten Aufschluss darüber geben, auf welche individuellen und lokalen Erfordernisse besondere Rücksicht genommen werden muss und wie sich veränderte „Spielregeln“ auf die Zufriedenheit von Anwohnenden, Passant*innen und Gewerbetreibenden vor Ort auswirken. Abb. 1 Möblierungs- und Zonierungsplan Reallabor Passagehof, Stand 11.05.2022 Vom 23. Mai bis 18. Juli 2022 fand das Reallabor Passagehof statt. Der Passagehof steht stellvertretend für die vielen, ehemals als Lieferhöfe zur Kaiserstraße konzipierten Höfe der Karlsruher Innenstadt. Mit seiner überschaubaren Größe, einer guten Nutzungsmischung (Wohnen, eine wichtige Kulturinstitution, Läden, Restaurants) und dem vorhandenen Baumbestand hat der Passagehof großes Potential, das aufgrund durchfahrender und parkender Autos und weniger öffentlicher Sitzmöglichkeiten aber bislang noch nicht ausgeschöpft wird. Mit Hilfe von Kfz-Durchfahrtsbeschränkungen, einer Begrenzung der Lieferzeiten von 8:00- 14:00 Uhr und einer Neuordnung der Fahrradständer wurde der Passagehof während des Reallabors verkehrsberuhigt. Durch zusätzliches Mobiliar, einer Bühne und Begrünung, Raum für erweiterte Außengastronomie, Installation von Medienkunstwerken sowie kulturelle Veranstaltungen, hat der Passagehof temporär eine Belebung und Aufwertung erfahren. Erfolgreiche Maßnahmen sollen mittelfristig verstetigt werden. Eine Verstetigung setzt entsprechende Beschlüsse durch den Gemeinderat der Stadt voraus. Stadtplanungsamt | 5 Ziele und Methoden der Datenerhebung Der vorliegende Bericht wertet die erhobenen Daten des Projekts „Platz für mehr - Reallabor Passagehof“ aus, um herauszufinden, wie sich die veränderten Gegebenheiten auf die Zufriedenheit von Anwohnenden, Passant*innen und Gewerbetreibenden vor Ort auswirken. Die zentralen Bausteine der Datenerhebung sind:  Perspektiven verschiedener Nutzergruppen  Anwohner*innen-Perspektive - retrospektivische Befragung der im Melderegister aufgeführten Haushalte im und um das Reallaborgebiet (1 Fragebogen pro Haushalt), Befragungsgebiet und Fragebogen siehe Anhang Angeschrieben: 500 Teilnehmende: 92  Gewerbetreibenden-Perspektive - retrospektivische Befragung der Gewerbe im und um das Reallaborgebiet (1 Fragebogen pro Gewerbe), Befragungsgebiet und Fragebogen siehe Anhang Angeschrieben: 80 Teilnehmende: 21  Passant*innen-Perspektive - Standardisierte, qualitative Interviews vor Ort während und nach der Laufzeit des Reallabors, durchgeführt zu verschiedenen Tageszeiten und Wochentagen, Fragebogen siehe Anhang Teilnehmende: 93 - eine Abstimmtafel im öffentlichen Raum zur Bewertung der Aufenthaltsqualität während des Reallabors Teilnehmende: 1183 - Feedback-Postkarten Teilnehmende: 25  Verkehrliche Auswirkungen Die verkehrliche Situation wurde anhand von Verkehrsaufzeichnungen aller Verkehrsarten (MIV, Rad- und Fußverkehr) und Pollerdaten erfasst. Die Daten wurden während des Reallabors und in den Zeiträumen davor aufgenommen, um Vergleichswerte zu erzielen. Erhoben und ausgewertet wurden die Daten vom Stadtplanungsamt Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung sowie dem Institut für Ubiquitäre Mobilitätssysteme, der HSKA. 6 | Reallabor Passagehof - Monitoring A Ergebnisse der Datenauswertung Anwohner*innen-Perspektive Die retrospektive Befragung der Anwohner*innen des Passagehofs, sowie den angrenzenden Straßenzügen erfolgte über eine Postsendung mit Zugangslink zu einem standardisierten Online-Fragebogen mit personalisiertem Zugangscode. Auf Wunsch wurden den Teilnehmenden ein Papierfragebogen zugesandt, der anschließend vom Stadtplanungsamt digitalisiert wurde. Die Teilnahme war möglich vom 27. Juli - 15. September 2022. Es wurden 500 Haushalte angeschrieben - 92 Haushalte nahmen an der Befragung teil. Abgefragt wurden die Einschätzung zur Veränderung von Aktivitäten im Passagehof, der Qualität des öffentlichen Raumes, des nachbarschaftlichen Miteinanders und der Wohnqualität, die Entwicklung des Verkehrs und des verkehrlichen Sicherheitsempfindens, Belastungen durch Freizeit- und Verkehrsemissionen, der Einfluss des Projekts auf den Stadtteil, die Projektakzeptanz und perspektivische Betrachtung bzw. Wünsche zur künftigen Gestaltung des Passagehofs. Auswertung der Anwohner*innenbefragung Autorin: Dr. Andrea Hammer, Amt für Stadtentwicklung Datenaufbereitung und Visualisierung: Kai Rohweder, Amt für Stadtentwicklung Im Nachgang zum Reallabor Passagehof wurden 500 Anwohner*innen zu einer digitalen Umfrage eingeladen. Insgesamt 92 von ihnen beantworteten den Kurzfragebogen zu den Effekten des Reallabors. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 18,4 %. Die soziodemografischen Merkmale der Anwohner*innen des Passagehofs, welche sich an der Umfrage beteiligt haben, können Tabelle 1 entnommen werden. Rund zwei Drittel (65,6 %) sind Männer. Etwa 65 Prozent (64,9 %) sind zwischen 18 und 35 Jahre alt. Jede*r zehnte Befragte (12,1 %) wohnt mit mindestens einem Kind im Haushalt. Unter den Anwohner*innen wohnen 42,4 % in der direkten Umgebung des Passagehofs und 57,6 % in einer Quer- bzw. Nebenstraße oder der weiteren Nachbarschaft des Passagehofs. Stadtplanungsamt | 7 Verhaltensänderungen der Anwohner*innen während des Reallabors Drei Viertel der Anwohner*innen (75 %) haben während des Reallabors ihr Verhalten im Hinblick auf die dort vorgenommenen Aktivitäten verändert (Tabelle 2). Signifikante Unterschiede nach einzelnen soziodemografischen Eigenschaften der Befragten zeigen sich bezüglich der allgemeinen Verhaltensänderung nicht. 8 | Reallabor Passagehof - Monitoring Bezüglich einzelner Aktivitäten lässt sich feststellen, dass deutlich mehr als die Hälfte der Anwohner*innen (56,5 %) während des Reallabors häufiger von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, dort zu „Spazieren, Schlendern oder Verweilen“ (Abbildung 1). An zweiter und dritter Stelle folgen das häufigere Aufsuchen von Cafés, Kneipen oder Restaurants (häufiger: 43,5 %) und das Nehmen des Nachhausewegs über den Passagehof (häufiger: 41,3 %). Auch Treffen mit Familie, Freunden oder Bekannten im Passagehof haben bei etwa einem Viertel der Befragten (27,7 %) während des Reallabors häufiger stattgefunden. Weitere Frequenzänderungen können Abbildung 1 entnommen werden. Die Auswertung der Verhaltensänderungen im Hinblick auf einzelne Aktivitäten zeigt teils deutliche Unterschiede in Abhängigkeit des Alters der Anwohner*innen (Tabelle 3). Insbesondere in der Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen erfolgte „Spazieren, Schlendern oder Verweilen“ (71,4 %), also der konsumfreie Aufenthalt, sowie der Heimweg über den Passagehof (57,1 %) zu überdurchschnittlichen Anteilen häufiger. Bei den 25- bis unter 35-Jährigen führte das Reallabor im Passagehof zu deutlich überdurchschnittlichen Anteilen (60,5 %) zu häufigeren Besuchen der dortigen Cafés, Kneipen oder Restaurants. Veränderung und Bewertung der Situation vor Ort Mehr als 70 Prozent der Anwohner*innen berichten, dass sich die Aufenthaltsqualität (84,7 %) sowie die Verkehrssituation für Fußgänger*innen (75 %) durch das Reallabor deutlich oder etwas verbessert hat (Abbildung 2). Circa jeweils 60 Prozent geben an, dass sich die Verkehrssicherheit für Kinder (60,5 %), die Verkehrssituation für Radfahrer*innen (65,3 %), das persönliche Sicherheitsgefühl im Verkehr (60,5 %), das Miteinander im öffentlichen Raum (64,2 %) sowie ihre persönliche Wohnqualität (59,8 %) sehr oder deutlich durch das Reallabor verbessert haben. Kritische Stimmen gibt es insbesondere im Hinblick auf die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung sowie die Kfz-Abstellmöglichkeiten: Hier verweisen 27,2 % beziehungsweise 31,9 % auf eine etwas oder deutlich verschlechterte Situation. In den Freitextmöglichkeiten wird in diesem Zusammenhang auf eine verlängerte Parkplatzsuche sowie rechtswidriges Parken auf Anwohnerparkplätzen verwiesen. Stadtplanungsamt | 9 In Abbildung 3 ist dargestellt, wie die Befragten die Veränderung potentieller Belastungen durch das Reallabor einschätzen. Dabei wird deutlich, dass insbesondere bezüglich der Belastung durch Verkehrslärm eine Verbesserung eingetreten ist: 31,5 % berichten von einer deutlichen, 27,2 % von einer moderaten Reduktion des Verkehrslärms in ihrem direkten Wohnumfeld. In den Freitextantworten wird darauf verwiesen, dass weniger „Autoposer“, weniger „störende Fahrzeuge“ sowie weniger „Raser“ im Bereich des Passagehofs unterwegs waren. Auch bei der Belastung durch Abgase beziehungsweise der Luftqualität sehen 44 % eine deutliche oder eine moderate Verbesserung. Bei der Belastung durch Freizeitlärm während des Reallabors zeichnet sich ein gemischteres Bild: Während nahezu 60 Prozent (57,6 %) von einer gleichbleibenden Lärmbelastung berichten, verweisen 18,5 % auf eine etwas stärkere und 8,7 % auf eine deutlich stärkere Belastung. Bei den Freitextantworten schildern einige der Anwohner „ruhigeren“ oder „besseren“ Schlaf sowie die häufigere Balkonnutzung während des Reallabors. 10 | Reallabor Passagehof - Monitoring Die Einschätzung der Veränderung potentieller Belastungen variiert in Abhängigkeit des Wohnstandorts der Anwohner*innen (Tabelle 4). So schildern direkte Anwohner*innen des Passagehofs zu überdurchschnittlichen Anteilen, dass die Belastung durch Verkehrslärm in ihrem direkten Wohnumfeld deutlich weniger geworden ist (53,8 %); ebenso die Belastung durch Abgase (25,6 %). Dagegen verweisen direkte Anwohner*innen überdurchschnittlich häufig auf eine deutliche Zunahme des Freizeitlärms in ihrem direkten Wohnumfeld (17,9 %). Stadtplanungsamt | 11 Die Effekte des Reallabors für die westliche Innenstadt werden von nahezu 80 Prozent der Anwohner*innen (78,2 %) positiv oder eher positiv gesehen. Etwa jede*r Achte (11,9 %) schildert eher negative oder negative Effekte (Tabelle 5). Dabei kommen insbesondere Umfrageteilnehmer*innen der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre und Frauen zu positiven Einschätzungen (66,7 % beziehungsweise 64,5 %) bezüglich der Effekte des Reallabors auf den westlichen Teil der City. Bewertung und perspektivische Entwicklung In Summe sind 85,7 % der Umfrageteilnehmer*innen der Auffassung, dass das autoreduzierte Gebiet im Passagehof bleiben soll; lediglich 14,3 % möchten, dass alles wieder so wird wie vor dem Projekt. Während etwa die Hälfte (51,6 %) das Reallabor so wie es war verstetigt sehen möchte, macht rund ein Drittel (34,1 %) Vorschläge zu dessen Modifikation bei einer möglichen Verstetigung (Abbildung 4). Diese adressieren insbesondere die Themen Bepflanzung / Grün, Verkehr sowie einzelne Ausstattungselemente des Hofes. So werden Wünsche nach mehr Grün und der Entsiegelung von Flächen geäußert, teilweise auch in Kombination mit Wasser / Brunnen. Des Weiteren wird angeregt, die Verkehrsführung auch im Umfeld des Passagehofs anzupassen beziehungsweise umzugestalten – inklusive einer entsprechenden Beschilderung für die Verkehrsteilnehmer*innen. Einige Anwohner*innen sprechen sich dafür aus, den Autoverkehr komplett aus dem Passagehof zu entfernen. Zur Durchsetzung von Verkehrsregelungen werden restriktivere Kontrollen von Falschparker*innen sowie des „Poserverkehrs“ angeregt. Gewünschte Ausstattungselemente sind ein Bücherschrank, Spielgeräte für Kinder sowie mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bezüglich einem Mehr oder Weniger an Veranstaltungen halten sich die jeweiligen Befürworter*innen die Waage. 12 | Reallabor Passagehof - Monitoring Gewerbetreibenden- Perspektive Die retrospektive Befragung der Gewerbetreibenden des Passagehofs, sowie sowie den angrenzenden Straßenabschnitten der Kaiser-, Wald-, Akademie- und Karlstraße erfolgte über eine Postsendung mit Zugangslink zu einem standardisierten Online-Fragebogen mit personalisiertem Zugangscode. Auf Wunsch wurde den Teilnehmenden ein Papierfragebogen zugesandt, der anschließend vom Stadtplanungsamt digitalisiert wurde. Die Teilnahme war möglich vom 27. Juli - 23. Oktober 2022 (inklusive Fristverlängerung aufgrund des geringen Rücklaufs). Es wurden 80 Betriebe angeschrieben - 21 nahmen an der Befragung teil. Abgefragt wurden die Einschätzung zur Erreichbarkeit, Kundenakzeptanz, Lieferantenakzeptanz, Qualität des öffentlichen Raumes, der Einfluss des Projekts auf den Stadtteil, die Projektakzeptanz und perspektivische Betrachtung bzw. Wünsche zur künftigen Gestaltung des Passagehofs. Auswertung der Gewerbetreibendenbefragung Autorin: Dr. Andrea Hammer, Amt für Stadtentwicklung Datenaufbereitung und Visualisierung: Kai Rohweder, Amt für Stadtentwicklung Für die Bewertung des Reallabors aus Sicht der Gewerbetreibenden wurden in Summe 80 Betriebe in unmittelbarer Nähe des Passagehofs angeschrieben. Von diesen haben sich 21 an der Umfrage beteiligt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 26 %. Damit ist eine prozentuale Auswertung der Antworten wenig zielführend; in den Auswertungen wird jeweils die Anzahl der Gewerbetreibenden dargestellt. Die deutliche Mehrheit der teilnehmenden Gewerbetreibenden hat ihr Gewerbe direkt am Passagehof. Von den Befragten sind fünf der Branche Einzelhandel, vier der Branche Gesundheit, sechs dem Dienstleistungsbereich, zwei der Gastronomie und vier sonstigen Branchen zuzuordnen. Veränderungen für die Gewerbetreibenden In Abbildung 1 ist dargestellt, wie die teilnehmenden Gewerbetreibenden Veränderungen im Hinblick auf den Umsatz, die Qualität der Geschäftslage, die Erreichbarkeit für Lieferanten sowie die Gesamtsituation des Gewerbes während des Reallabors einschätzen. 13 Befragte kommen zu einer neutralen Bewertung bezüglich der Veränderung ihres Umsatzes; 11 Befragte bewerten die Veränderung der Qualität ihrer Geschäftslage ebenfalls neutral. Rund die Hälfte der Teilnehmenden schildert keine Veränderungen der Erreichbarkeit durch Lieferanten, während die anderen angeben, dass sich die Erreichbarkeit ihres Gewerbes während des Reallabors etwas oder deutlich verschlechtert hat. Bezüglich der Veränderung der Gesamtsituation ihres Gewerbes während des Reallabors geben 11 Gewerbetreibende an, dass diese gleichgeblieben ist. Die Anzahl derer, die Verbesserungen oder Verschlechterungen ihrer Gesamtsituation feststellen konnten, hält sich in etwa die Waage. 14 | Reallabor Passagehof - Monitoring Veränderungen für Kund*innen Die Gewerbetreibenden wurden gebeten, Angaben zu den Veränderungen, die sich für ihre Kunden während des Reallabors ergeben haben, zu machen (Abbildung 2). Die Aspekte der Kundenzufriedenheit, -gewinnung und -frequentierung werden jeweils von der Mehrheit der Antwortenden als gleichbleibend eingeschätzt. Berichte von Verbesserungen und Verschlechterungen halten sich in etwa die Waage. Bezüglich der Erreichbarkeit ihres Gewerbes für Kund*innen gibt rund die Hälfte an, dass diese gleichgeblieben ist. Für sieben Gewerbetreibende hat sich die Erreichbarkeit etwas oder deutlich verschlechtert; drei Umfrageteilnehmer*innen weisen auf eine Verbesserung hin. Von einer Veränderung der Verkehrsmittelwahl ihrer Kund*innen berichten vier der Umfrageteilnehmer*innen (Abbildung 3). Diejenigen, die eine Veränderung beobachtet haben, verweisen darauf, dass Kunden nicht mehr mit dem Auto kommen. Die Kommentare der Kund*innen zum Reallabor Passagehof zeichnen nach Auskunft der Gewerbetreibenden ein gemischtes Bild. Rund die Hälfte schildert ausschließlich positive Rückmeldungen – wie „mehr Ruhe“, „weniger Abgase“, „schön“ – ihrer Kundschaft. Andere, insbesondere aus dem Bereich der Gesundheitsdienstleistungen, verweisen darauf, dass Kund*innen ihrem Betrieb eine erschwerte Erreichbarkeit wegen der wegfallenden Parkmöglichkeiten sowie eine längere Anreisezeit attestiert haben. Auch wurden die eingesetzten Sitzmöbel (Enzis) kritisch gesehen, da diese nicht gefielen oder teilweise verschmutzt waren. Stadtplanungsamt | 15 Veränderungen für Lieferanten Die Frage, ob sich aus ihrer Sicht durch das Reallabor Veränderungen für ihre Lieferanten ergeben haben, bejahen sieben der Gewerbetreibenden (Abbildung 4). Bezüglich der Art der Veränderungen verweisen sie insbesondere auf eine Veränderung der Lieferzeiten. Da der Passagehof während des Reallabors ab 14 Uhr für den Autoverkehr gesperrt war, musste die Anlieferung bis spätestens zu dieser Uhrzeit abgewickelt werden. Eine 16 | Reallabor Passagehof - Monitoring Veränderung der Verkehrsmittelwahl bei der Anlieferung fand nach Auskunft der Gewerbetreibenden nicht statt. Während einige Lieferanten sich nach Auskunft der Gewerbetreibenden „einfach arrangiert“ haben, wurden auch kritische Stimmen laut. So wurde die Anliefersituation in einigen Fällen als „schwierig“ empfunden. Bewertung und perspektivische Entwicklung 13 der Gewerbetreibenden sind der Auffassung, dass sich die Gesamtsituation für den Passagehof durch das Reallabor deutlich oder etwas verbessert hat (Abbildung 5). Lediglich zwei Gewerbetreibende geben an, dass es zu einer leichten oder deutlichen Verschlechterung kam. Bezüglich der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, der Verkehrssituation für Fußgänger*innen, der Verkehrssicherheit für Kinder sowie der Atmosphäre im Projektgebiet zeichnet sich aus Sicht der Gewerbetreibenden ein positives Bild: Jeweils die deutliche Mehrheit von 16 oder 17 Gewerbetreibenden gibt an, dass sich die genannten Aspekte durch das Reallabor deutlich oder etwas verbessert haben. Stadtplanungsamt | 17 Etwas mehr als die Hälfte der Gewerbetreibenden (11 Gewerbetreibende), die sich an der Umfrage beteiligt haben, sind der Auffassung, dass das Reallabor einen positiven oder eher positiven Effekt auf die westliche Innenstadt hatte (Abbildung 6). Drei berichten von negativen Effekten des Reallabors auf den Westen der City. Sieben Gewerbetreibende gelangen zu einer neutralen Einschätzung. Die deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer*innen, 16 Gewerbetreibende, könnte sich im Passagehof weiterhin ein autoreduziertes Gebiet vorstellen (Abbildung 7). Diejenigen, die Modifikationen anregen, verweisen auf die gewünschte Einrichtung von Behindertenparkplätzen, eine stärkere Reglementierung des Lieferverkehrs insbesondere in den Straßen nördlich des Passagehofs, die Notwendigkeit weiterer Fahrradabstellmöglichkeiten sowie ein besseres Beleuchtungskonzept. Weitere Kommentare zum Reallabor verweisen darauf, dass dieses in den Pausen von Mitarbeiter*innen als Aufenthaltsort genutzt werden konnte und das Reallabor als Aufwertung des Hofes wahrgenommen wurde. Weiterhin regen Umfrageteilnehmer*innen an, dass der Passagehof zur „reinen“ Fußgängerzone wird (ohne Fahrradfahrer*innen) sowie nachts ein Sicherheitsdienst eingesetzt wird. 18 | Reallabor Passagehof - Monitoring Passant*innen-Perspektive Auswertung der Passant*innenbefragung Autorin: Dr. Andrea Hammer, Amt für Stadtentwicklung Datenaufbereitung und Visualisierung: Kai Rohweder, Amt für Stadtentwicklung Während des Reallabors Passagehof wurden rund 90 Passant*innen nach ihrem Besuchsverhalten und Einschätzungen zum Reallabor befragt. Die demografischen Eigenschaften der Befragten sowie Informationen zu deren Wohnort, Arbeitsort, Verkehrsmittelwahl bei der Anreise und der bisherigen Besuchshäufigkeit des Passagehofs können Tabelle 1 entnommen werden. Rund ein Fünftel der Befragten (22,1 %) wohnt in der Innenstadt, teilweise in direkter Umgebung des Passagehofs. Weitere 45,3 % kommen aus dem übrigen Stadtgebiet. Etwa ein Drittel (32,6 %) ist von außerhalb Karlsruhes. Das am häufigsten von den Befragten genutzte Verkehrsmittel bei der Anreise in die Innenstadt ist der ÖPNV (41,6 %), gefolgt von (Leih-)Fahrrad, E-Scooter (22,5 %) und Pkw (21,3 %). Rund jede*r vierte Befragte (25,3 %) hat sich auch vor dem Reallabor täglich oder mehrmals die Woche im Passagehof aufgehalten. 20 | Reallabor Passagehof - Monitoring Neben der Durchquerung des Reallabors Passagehof (45,1 %) gehört zu den dort geplanten Aktivitäten Verweilen, Aufhalten, Sitzen. Rund jede*r fünfte Passant*in (20,9 %) nimmt diese Möglichkeit wahr (Abbildung 1). Stadtplanungsamt | 21 Die Einschätzungen zum Reallabor bezüglich verschiedener verkehrlicher Aspekte sowie im Hinblick auf die Aufenthaltsqualität sind zu deutlich überwiegenden Teilen positiv (Abbildung 2). So beurteilen über 85 Prozent der befragten Passant*innen (85,7 %) die Verkehrssituation für Fußgänger*innen positiv. Unter den in der Innenstadt Wohnenden und Anrainern des Passagehofs gelangen sogar 94,7 % zu einem positiven Urteil im Hinblick auf die Verkehrssituation für Fußgänger*innen. Mehr als 70 Prozent der Befragten kommen bezüglich des Laustärkeniveaus des Verkehrs, des Sicherheitsgefühls im Verkehr, der Aufenthaltsqualität sowie der Verkehrssituation für Radfahrer*innen zu einem positiven Urteil. Kritische Stimmen gibt es mit jeweils rund 10 Prozent negativer Einschätzungen im Hinblick auf Aufenthaltsqualität sowie Sicherheit für Kinder. 22 | Reallabor Passagehof - Monitoring Bei einem Fünftel der Befragten (20,0 %) hat sich das Besuchsverhalten durch das Reallabor verändert (Abbildung 3). In dieser Gruppe haben insbesondere die Besuchshäufigkeit sowie die Besuchsdauer zugenommen. Die Änderungen im Besuchsverhalten variieren mit dem Wohnort der Befragten (Tabelle 2). So geben vor allem Bewohner*innen der Innenstadt und Anrainer des Passagehofs an, dass sich ihr Besuchsverhalten aufgrund des Reallabors verändert hat. Dabei kommt insbesondere eine längere Aufenthaltsdauer zum Tragen. Stadtplanungsamt | 23 Unter den Befragten, die den Passagehof mehrmals im Jahr oder häufiger besuchen, kommen nahezu 80 Prozent (78,5 %) zu dem Urteil, dass sich seit Beginn des Reallabors die Aufenthaltsqualität dort verbessert hat (Abbildung 4). Substantielle Verbesserungen werden im Durchschnitt auch bezüglich des Sicherheitsgefühls im Verkehr (75,4 %), des Lautstärkeniveaus des Verkehrs (75,0 %), der Sicherheit für Kinder (74,1 %), des Miteinanders im öffentlichen Raum (73,5 %) sowie der Verkehrssituation für Fußgänger*innen (72,1 %) festgestellt. Dagegen sieht nur etwas über die Hälfte der Befragten (54,5 %) eine Verbesserung der Verkehrssituation für Radfahrer*innen und lediglich 40 Prozent verweisen auf eine Verbesserung des Lautstärkeniveaus der Freizeitaktivitäten. 24 | Reallabor Passagehof - Monitoring Insgesamt 67 Passant*innen äußerten sich zur Frage „Gibt es noch etwas, das Sie gerne zum Passagehof oder zum Reallabor Passagehof sagen möchten?“. Rund die Hälfte (47,8 %) hat im Rahmen ihrer Äußerungen eine positive Bewertung abgegeben. Etwas mehr als 40 Prozent (44,8 %) haben Anregungen formuliert und rund ein Drittel (31,3 %) hat sich kritisch geäußert (Abbildung 5). Bei den positiven Bewertungen standen insbesondere eine bessere Aufenthaltsqualität sowie eine Verbesserung der Atmosphäre im Vordergrund. Dabei verwiesen die Befragten auf positive Effekte der Begrünung im Passagehof (Verschattung durch Bäume, ansprechende Gestaltung durch mobiles Grün). Auch das „Mehr“ an (konsumfreien) Sitzgelegenheiten sowie das geringere Verkehrsaufkommen wurden lobend erwähnt. Kritische Äußerungen bezogen sich insbesondere auf die Art der Möblierung. So wurden die Enzis (Sitzgelegenheiten) und die Pflanzbehälter von den sich kritisch Äußernden als unattraktiv empfunden. Weitere Kritikpunkte waren fehlende Fahrradständer, verstärkter Freizeitlärm sowie das Wegfallen von Pkw-Parkplätzen im Zuge des Reallabors. Die Anregungen waren breitgefächert. Häufig verbunden mit der Kritik an den Enzis wurden andere und mehr konsumfreie Sitzgelegenheiten angeregt. Weitere Anregungen bezogen sich auf eine Verstetigung des Reallabors sowie eine konsequentere Durchsetzung der Sperrung des Passagehofs für den motorisierten Individualverkehr während des Reallabors. Vereinzelt wurden Wünsche nach weiteren Ausstattungselementen des Reallabors geäußert. Dazu zählen Spielmöglichkeiten für Kinder, Trinkwasserbrunnen sowie ein Bücherschrank. Einige Passant*innen forderten generell mehr Reallabore in der Innenstadt. Stadtplanungsamt | 25 Feedback-Poster zur Aufenthaltsqualität Das Institut für Ubiquitäre Mobilitätssysteme der Hochschule Karlsruhe installierte eine Abstimmungstafel an einem der zentralen Zugänge zum Passagehof. Im Zeitraum von 23. Juni bis 12. Juli 2022 ermöglichte das Feedback-Poster die direkte Erfassung von Stimmungsbildern der Passantinnen und Passanten 24 Stunden am Tag. Abgefragt wurde die Bewertung der Aufenthaltsqualität des Passagehofs mit der Aussage: „Dieser Ort lädt zum Verweilen ein.“ Anhand von vier verschiedenen Smileys konnten Passant*innen die Aussage mit positiv (++), eher positiv (+), eher negativ (-) und negativ (--) bewerten. Aufgrund eines technischen Problems wurde der geplante Vergleichszeitraum nach Abbau des Reallabors nicht erfasst. Es liegen demnach keine Vorher-/Nachher- Vergleichsdaten vor. Die Auswertung erfolgte durch die Hochschule Karlsruhe, Institut für Ubiquitäre Mobilitätssysteme. Foto: Institut für Ubiquitäre Mobilitätssysteme, HSKA Insgesamt beteiligten sich 1183 Personen an der Umfrage. Beobachten ließ sich, dass es unter der Woche/ an Werktagen mehr Rückmeldungen gab. Diese Anstiege lassen sich dadurch erklären, dass in diesen Zeiträumen ein größerer Durchgangsfußverkehr bzw. mehr Arbeitspendler unterwegs sind. Mit Abstand die meisten Abstimmungen wurden morgens von 6-9 Uhr und von 9-12 Uhr getätigt, was die Annahme bestätigen könnte, dass sich viele Arbeitspendler beteiligt haben. Auch in den Abend- und Nachtstunden von 21- 3 Uhr wurden viele Rückmeldungen registriert, was auch auf die nächtliche Frequentierung des Passagehofs hindeutet. Ein allgemeines Meinungsbild lässt sich gut erkennen - die neue Gestaltung des Passagehofs wurde akzeptiert und die Aufenthaltsqualität von 70% der Teilnehmer*innen positiv bewertet. Mit 54% haben mehr als die Hälfte der Abstimmenden die temporäre Umgestaltung des Passagehofs als deutlich positiv (++) und 16% eher positiv (+) wahrgenommen. Dahingegen wurde die Veränderung des Orts von 8% der Teilnehmenden eher negativ und bei 22% negativ wahrgenommen. 26 | Reallabor Passagehof - Monitoring Feedback-Postkarten Abb. Feedback-Postkarte Passagehof Während der letzten zwei Wochen des Reallabors konnten Nutzerinnen und Nutzer ihre Meinung zum Projekt auf Feedback-Postkarten äußern. Die Postkarten konnten an der Info-Stele entnommen und in einen Briefkasten eingeworfen werden. Abgefragt wurden Lob („Am besten gefällt mir...“), Kritik („Das hätte ich anders gemacht...“) und Anregungen für die Zukunft („In der Zukunft wünsche ich mir...“). Insgesamt wurden 25 Postkarten mit 88 Hinweisen, Anmerkungen und Ideen für die zukünftige Entwicklung des Ortes ausgefüllt. Mit 45,5% wurden die meisten Kommentare in der Rubrik „In der Zukunft wünsche ich mir...“ gemacht, gefolgt von 37% positiven und 17% kritischen Rückmeldungen. In der Rubrik Zukunfts-Wünsche äußerten sich 30% der Stimmen allgemein positiv zum Projekt als „Neuer Lieblingsplatz in Karlsruhe“ oder “ein Ort zum Zusammenkommen“ und wünschen sich, „dass das Projekt weiterläuft“. Mit nur einer Stimme weniger steht die Gestaltung mit den Wünschen nach einem „einheitlichen Bodenbelag“ und einer Aufwertung der Fassaden zum Passagehof, sowie die Ausstattung des öffentlichen Raums mit Vorschlägen wie einem Kinderspielplatz, Sonnenliegen, Trinkwasserbrunnen oder einer Wasserfontäne an zweiter Stelle. Zudem wird die Notwendigkeit zur „Installation von Abfalleimern“ bei Intensivierung der Aufenthaltsqualität thematisiert und die Thematik der Möblierung „mehr einzelne Sitzgelegenheiten aus Holz“ mehrfach erwähnt. Jeweils 6 Kommentare wünschen sich mehr Grünfläche, Bäume, Sträucher, Hochbeete und Schattenflächen in der Innenstadt („Da sitzt man dann auch gern.“) und sprechen sich für eine erweiterte verkehrliche Beruhigung des Passagehofs ohne Fahrräder und für „geschlossene Poller beibehalten“ aus. Die kritischen Rückmeldungen bezogen sich mit 6 Kommentaren auf die Qualität der Möbel („Keine Sitzgelegenheiten auf Plastik, besser Holzbänke“) und wiesen auf die Notwendigkeit für „attraktivere Sitzmöbel auch für ältere Menschen“ hin. An zweiter Stelle standen 4 Stimmen zum Projekt Allgemein, die die kurze Dauer des Projekts bemängeln („war enttäuscht, dass der schöne Platz vorrübergehend ist“) oder mehr kulturelles Programm am Ort fordern. Insgesamt vier Stimmen fordern „kein Fahrradverkehr mehr durch den Passagehof“ und damit die Ausweitung der verkehrsberuhigten Zone und ein Durchfahrtsverbot für Motorräder, auch wegen Lautstärke. Insgesamt waren die Rückmeldungen der Postkarten zum Projekt zu überwiegend konstruktiv positiv. Vorrangiges Augenmerk der Rückmeldungen lag hierbei auf der Gestaltung und Ausstattung des Passagehofs und der Fortführung oder weitreichenderen Regulierung der Verkehrsberuhigung. Kritisch angemerkt wurde hauptsächlich die Möblierung des Reallabors, gefolgt von dem Wunsch zur sofortigen Fortsetzung des Projekts. Stadtplanungsamt | 27 Raumbeobachtungen mit der Gehl-App Während des Reallabors wurden Aktivitäten von Nutzer*innen mit der einer eigens entwickelten Public-Life-App des Büros Gehl aufgenommen. Im Zentrum der Beobachtungen stand als Momentaufnahme die Art der Nutzung des Passagehofs durch die anwesenden Nutzer*innen. Zudem wurden demografische Daten, das ungefähre Alter und Geschlecht der Personen geschätzt. Abb. Public-Space-Public-Life-Erhebung (PSPL) mit der Gehl App, Darstellung Gehl Die PSPL-Erhebungen im Passagehof wurden vor- während und nach dem Reallabor durchgeführt. Die Raumbeobachtungen fanden montags am 13. September 2021 (vor dem Reallabor), am 4. und 11. Juli 2022 (während des Reallabors) und am 25. Juli 2022 (nach dem Reallabor) zur Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr statt. Da es sich insgesamt um nur vier Erhebungstage handelt, sind die Daten nur bedingt aussagekräftig und können lediglich Tendenzen darstellen. So zeigen sie, dass der Passagehof während des Reallabors von mehr Menschen genutzt und besucht wurde und sich diese dabei mehr im öffentlichen Raum verteilten. Abb. Verteilung der registrierten Aufenthalte vor dem Reallabor September 2021 (links) und während des Reallabors Juli 2022 (rechts), Quelle: Gehl, PSPL Auswertung Abb. Registrierte Aktivitäten im Passagehof (alle Beobachtungszeiträume zusammen), Quelle: Gehl, PSPL Auswertung Die registrierten Aktivitäten im Passagehof sind überwiegend dem Konsum von Essen und Trinken (rosa) gewidmet, was auf den Erhebungszeitraum um die Mittagszeit zurückzuführen ist. 28 | Reallabor Passagehof - Monitoring Während des Reallabors wurde der Passagehof verstärkt durch junge Menschen genutzt. Die Gruppe der 0-24- Jährigen machte während des Reallabors über ein Viertel der Nutzer*innen aus. Abb. Registrierte Altersgruppen während (links) und nach dem Reallabor (rechts), Quelle: Gehl, PSPL Auswertung Beobachtete Nutzung der öffentlichen Sitzgelegenheiten Stichprobenartig wurde die Aufenthaltsdauer auf den installierten Sitzmöbeln, wie Enzis und Holzbühne auf Basis von Mio-Vision-Kameraufnahmen (24 Stunden während des Reallabors am 21. und 23. Juni 2022) ausgewertet. Sowohl die Enzis als auch die Bühne wurden vielfältig genutzt - vom kurzen Abstellen von Tüten bis hin zu gesamten Personengruppen die dort gemeinsam zusammensaßen. Die Personengruppen variierten von zwei bis fünf Personen. Die Beobachtung des Sitzmobiliars im Bereich der Info-Stele ergab, dass von den vier vorhandenen Enzis alle gut genutzt wurden, bei einer durchschnittliche Aufenthaltszeit/Nutzungsdauer von 8 bis 10 Minuten. Auf der Veranstaltungsfläche lag die durchschnittlichen Nutzungszeiten sogar bei ca. 10 bis 15 Minuten. Die Nutzung begann insgesamt verstärkt um die Mittagszeit und wurde zum Verweilen, Warten und Verzehr von mitgebrachtem Essen verwendet. Die Sitzmöbel wurden von unterschiedlichen Altersgruppen genutzt. Dennoch konnten eine verstärkte Nutzung und aktive Aneignung speziell durch Kinder und (Gruppen) von Jugendlichen als Spielzeug und Liegewiese beobachtet werden. In und nach der Mittagspause wurden die Möbel vereinzelt liegend von Erwachsenen für ein Nickerchen genutzt. Senioren nutzten die Enzis seltener. Die Bühne mit ihrem stufenartigen Aufbau wurde häufiger als Sitzgelegenheit genutzt, als die Enzis. Über den Beobachtungstag verteilt hielten sich dort 31 Personengruppen auf, während die östlich angrenzenden vier Enzis nur auf insgesamt 26 Nutzungen kamen. Stadtplanungsamt | 29 Verkehrsanalyse Vor und während des Reallabors wurden zur Einschätzung der verkehrlichen Veränderungen Aufnahmen mittels einer Mio-Vision-Kamera an zwei Standorten durch die Hochschule Karlsruhe (Prof. Jan Riel und Studierende) und das Stadtplanungsamt durchgeführt. Analysiert wurden vor und während des Reallabors  Anzahl und Nutzungszeiträume des MIV  Anzahl und Nutzungszeiträume des Lieferverkehrs  Anzahl und Nutzungszeiträume des Fuß- und Radverkehrs Verkehrsaufzeichnungen mit Mio-Vision-Kamera Die Raumbeobachtung im Passagehof wurde mittels zwei Kameras durchgeführt, welche den gesamten Innenhof überblickten. Um eine schlüssige Aussage über die Veränderung der Nutzung und des Verkehrs treffen zu können, wurden an zwei vergleichbaren Beobachtungstagen (Werktagen) erhoben: Montag, 4. April 2022 vor dem Reallabor und Dienstag, 21. und Donnerstag 23. Juni 2022 während des Reallabors. Aufgrund eines Materialengpasses wurde der Beobachtungszeitraum während des Reallabors auf zwei Tage aufgeteilt (1 Kamera pro Tag) was zu einer geringen Abweichung in der Auswertung führte. Das qualitative Ergebnis konnte trotzdem gesichert werden. In beiden Beobachtungsintervallen, wurde in den Hauptverkehrszeiten zwischen 6 bis 22 Uhr die Nutzung und Verkehrsverteilung im Passagehof ermittelt. Dabei wurde das Hauptaugenmerk auf den Fuß- und Radverkehr gelegt. Abb.: Kamera Positionierung im Passagehof 30 | Reallabor Passagehof - Monitoring Fußverkehr Über den genannten Beobachtungszeitraum vor dem Reallabor (6-22 Uhr) wurden insgesamt ca. 4.100 Fußgänger*innen im Passagehof gezählt. Verglichen mit den anderen Verkehrsarten nahm der Fußverkehr etwa 76% des gesamten Verkehrs im Passagehof ein. Auffällig ist, dass der Straßenraum auf ganzer Breite von Fußgänger*innen genutzt wurde. So traten immer wieder Konflikte zwischen ausparkenden Autos und Fußgänger*innen auf. Im zweiten Beobachtungszeitraum während des Reallabors (6-22 Uhr), liegt der ermittelte Verkehrsanteil der Fußgänger*innen nur geringfügig höher, bei ca. 78%, obgleich die Anzahl der Fußgänger*innen am Vergleichstag während des Reallabors mit 3.600 Fußgänger*innen geringfügig niedriger ausfällt. Dies ist damit zu erklären, dass der MIV-Anteil außerhalb der Lieferzeiten während des Reallabors stark gesunken ist. Deutliche Peaks sind um die Mittagszeit und den Feierabendverkehr um 19 Uhr wahrzunehmen. Abb. Fußverkehr vor- und während des Reallabors über den Tag verteilt Radverkehr Der Radverkehr nimmt im Passagehof den zweitgrößten Anteil des Verkehrs ein. Die Beobachtungen vor und während des Reallabors unterscheiden sich beim Radverkehr aber nur geringfügig. Die Zahlen der Radfahrenden schwanken um etwa 30 – 40 Radfahrende pro Beobachtungstag bei einer Gesamtzahl von vorher 792 auf 757 während des Reallabors. Da die Kamera 1 mit Blickwinkel auf Fahrradständer und Wohnhauseingänge aufgestellt wurde, ließ sich hier eine gute Unterteilung zwischen Quell- und Zielverkehr treffen. Auffällig ist , dass die Zahlen zwischen Abfahrenden (Quellverkehr) und Ankommenden (Zielverkehr) durchgehend sehr ausgeglichen sind. Lediglich in den Mittagsstunden und in den Abendstunden lässt sich eine deutliche Abweichung erkennen. In der Mittagszeit kommen viele Gäste der Gastronomie mit dem Fahrrad gegen 10-12 Uhr an und fahrend nach dem Mittagessen gegen 14 Uhr wieder weiter. Die Ganglinie der ankommenden Radfahrer*innen liegt über den Tag verteilt über der der Losfahrenden, außer in ausgewählten Spitzen in der Stadtplanungsamt | 31 Nachmittags- und Abendzeit. Der Größte Teil des Radverkehrs nimmt der Durchgangsverkehr ein. Dieser Liegt bei 86% des gesamten Radverkehrs im Passagehof. Das Konfliktpotential mit ausparkenden und parkenden Autos wird auch beim Radverkehr deutlich und führt aufgrund der höheren Geschwindigkeit der Radfahr*innen teils zu gefährlichen Situationen. Während des Reallabors war die Sicht auf die Radfahrenden durch den Wegfall der Stellplätze und die längs angeordneten Ladezonen deutlich verbessert - es traten keine Konflikte mehr auf. Da der Hauptanteil der Radfahrenden außerhalb der neu definierten Lieferzeiten unterwegs ist, wurde die Situation zusätzlich entschärft. Am westlichen Ende des Hofes wurden für das Reallabor am Fahrbahnrand mehrere Fahrradständer plaziert, die sehr gut angenommen wurden. Folglich standen im westlichen Teil keine Fahrräder mehr im Bereich der Bäume oder wild im Weg. Im Blickwinkel von Kamera 2, im östlichen Teil des Hofes waren auffallend viele Fahrräder „wild“ abgestellt. Der später aufgestellte Fahrradständer vor Papierfischer (Südseite) führte dazu, dass zusätzlich drangestellte Fahrräder bis in die Lieferzufahrt des Betriebs hineinragten und so die Anlieferung beeinträchtigten. Abb. Radverkehr vor- und während des Reallabors über den Tag verteilt 32 | Reallabor Passagehof - Monitoring Motorisierter Individualverkehr (MIV) Die temporäre Beschilderung „Durchfahrt verboten - Anlieger frei“ hatte während des Reallabors kaum Auswirkung auf die Anzahl der Durchfahrten. Der MIV reduzierte sich lediglich mit dem Hochfahren der Poller zwischen 14 und 8 Uhr. Dies zeigt deutlich den Bedarf nach physischen Barrieren oder anderen Kontrollen, um einen nennenswerten reduzierenden Effekt auf die Anzahl des MIV zu erzielen und die Zufahrt auf tatsächliche Anlieger*innen zu begrenzen. Abb. MIV vor- und während des Reallabors über den Tag verteilt Im Beobachtungszeitraum vor dem Reallabor wurden insgesamt 631 motorisierte Fahrzeuge gezählt. Die Gezählten wurden nach Lieferverkehr (Transporter), Personenverkehr (Pkw) und Motorräder/Roller unterschieden. Die Verteilung der einzelnen Gruppierungen zeigte deutlich, dass der Hauptteil mit 553 Fahrzeugen Personenverkehr ist, welcher den Passagehof zum Parken oder zum Durchfahren nutzt. Der Lieferverkehr nimmt nur einen geringen Anteil der Verkehrsmenge ein, mit nur etwa 8% des Gesamtverkehrs. Hierbei zeigt sich auch deutlich, dass der Hauptteil der Lieferant*innen in den Morgenstunden von ca. 8:00 – 13:00 Uhr anlieferten. Lediglich gegen 18 Uhr zeigte sich noch eine Lieferspitze mit einigen Transportern die anlieferten. Die Spitzenstunde fällt in den Zeitraum zwischen 17 und 18 Uhr in der sowohl die meisten Transporter/ Schwerverkehr als auch die meisten Pkw auf der Straße unterwegs waren. Im zweiten Beobachtungszeitraum während des Reallabors fällt diese Lieferzeit am Abend weg und verlagert sich in die Morgenstunden. Die Gesamtzahl der Lieferfahrzeugen bleibt nahezu dieselbe. Die ausgewiesenen Ladezonen waren für den komprimierten Lieferzeitraum ausreichend. Es kam zu wenigen bis keinen „Falschparkern“ die den Straßenraum als Park- oder Haltefläche nutzen. Die Halte bzw. Parkdauer belief sich von 1Minute bis hin zu 24 Minuten. Im Vergleich zu vorher hat sich der Parkende oder Haltende Individualverkehr gebündelt. Vor dem Reallabor war die Streuung von 1 Minute bis zu 520 Minuten. Diese Extreme Varianz wurde durch die Reduzierung auf die minimal notwenigen Liefer-/Ladezonen reduziert. Die Analyse der Parkplätze hat Stadtplanungsamt | 33 des Weiteren auch ergeben das 27% der Parkenden länger als 60 Minuten parkten. Die Mehrheit, 36% parkten 1 bis 15 Minuten. Während des Reallabors wurde ein Großteil des MIV in den Lieferzeitraum verlagert und das Halten und Parken reduziert. Mit vorher 631 Fahrzeugen pro Betrachtungstag sank der MIV auf 221 Fahrzeuge pro Tag. Vorher nahm der Verkehr außerhalb der Lieferzeiten einen Anteil von 55% ein, während des Reallabors nur noch einen Anteil von 16%. Von diesen 16% des motorisierten Verkehrs, der außerhalb der Lieferzeiten stattfand, lag der Anteil der motorisierten Zweiräder wie Motorrad oder Roller bei 89%. Von dieses waren augenscheinlich die allermeisten keine berechtigten Anlieger*innen. Vor-Ort-Beobachtungen in den Abendstunden bestätigten den Verdacht, dass die Poser-Szene auf Motorräder „umgestiegen“ war. Vor Beginn des Reallabors waren viele falschfahrende Autofahrer*innen unterwegs, die entgegen der Einbahnstraße von östlicher Seite in den Passagehof hineinfuhren. Über den Tag verteilt wurden insgesamt 16 „Geisterfahrer*innen“ gezählt, vermehrt in den Abendstunden zwischen 20 und 22 Uhr. Durch das Reallabor und den geschlossenen Poller konnte dies weitestgehend (3 gezählte Fahrzeuge in der Lieferzeit) vermieden werden. Polleraktivität Im Passagehof wird der Verkehr mittels zweier smarter Poller (einer je Ein-/bzw. Ausgang) gesteuert bzw. kontrolliert. Der Zufahrtspoller an der westlichen Seite ist mittels eines Systems betreiben, das drei Nutzergruppen die Zufahrt in den Passagehof ermöglicht: Die Erste Nutzergruppe sind die Anwohnenden mit Zufahrtsberechtigung zu ihrem Stellplatz bzw. diejenigen mit Token. Der Token ermöglicht durch Vorhalten die Absenkung des Pollers. Die zweite Nutzergruppe sind die temporär zufahrtsberechtigten Fahrzeuge, diese einen Code bekommen, der am Tastenfeld des Pollers eingegeben werden kann. Dieser Code hat allerdings nur eine gewisse Gültigkeit und gewährt z.B. Baufirmen oder Monteuren die Zugfahrt über einen definierten Zeitraum. Die dritte Nutzergruppe sind Einsatzfahrzeuge von Polizei/ Feuerwehr/ Krankenwagen und Reinigungsfahrzeuge vom Amt für Abfallwirtschaft. Mittels Kameras wird das anfahrende Fahrzeug gescannt und auf Merkmale eines Einsatzfahrzeuges geprüft und durchgelassen. Der Ausfahrende Poller senkt sich, sobald ein Fahrzeug vor die Kamera fährt und fährt danach wieder nach oben. Aus Östlicher Richtung ist das Einfahren in den Passagehof verboten. Der Ausfahrtspoller wurde in dieser Auswertung nicht mitbetrachtet, da es beim Ausfahren größere Streuungen bezüglich der ausfahrenden Fahrzeuge gab. Während die Mio-Vision-Aufnahmen nur über je einen Tag ausgewertet wurde, standen Poller Daten aus dem gesamten Reallabor-Zeitraum zur Verfügung. Eine konstante Nutzergruppe sind die Anwohnenden, auf die täglich zwischen 0 bis 8 der Durchfahrten während der Pollerschließzeiten zurückzuführen sind, mit durchschnittlich 3 Fahrzeugen (Pkw) pro Tag - damit geht von dieser Nutzergruppe der geringste Verkehr aus. Bei der zweite Nutzergruppe mit den temporär zugelassenen Fahrzeugen fahren täglich zwischen 0 bis 21 Fahrzeuge während der Sperrzeit in den Passagehof ein. Der Durchschnitt der einfahrenden Autos liegt bei 5. Lediglich zwei Wochen mit einem Überdurchschnittlichen Verkehrsaufkommen (Bau- und Sanierungsmaßnahmen) verfälschen die Statistik in diesem Fall. In der dritten Nutzergruppe fuhr das Amt für Abfallwirtschaft jeden Morgen mit 1 bis 2 Fahrzeugen für die Reinigung ein. Lediglich die Einsatzfahrzeuge schwanken von den Zahlen abhängig vom Wochentag zwischen 1 und 14 Fahrzeugen pro Tag. Abb. Anzahl und Verteilung der Zugangsberechtigungen zum Absenken der Poller während des Reallabors 34 | Reallabor Passagehof - Monitoring Resümee Verkehrsanalyse Die Anzahl des Rad- und Fußverkehrs blieb während der Beobachtungszeiträume nahezu gleich. Eine Problematik die vor dem Reallabor sowohl bei Fußgängern aber hauptsächlich bei Radfahrenden auftrat, war der Konflikt mit den haltenden oder parkenden Autos, der durch das Reallabor stark abgemildert wurde. Der Großteil des Radverkehrs im Passagehof ist Durchgangsverkehr. Dennoch gibt der Ziel- und Quellverkehr den Bedarf nach Fahrradabstellmöglichkeiten vor. Dass gerade im östlichen Teil viele Fahrräder „wild“ abgestellt wurden und werden, ist auf fehlende Radabstellanlagen in diesem Bereich zurückzuführen. Diese sollten am östlichen Ende am nördlichen Fahrbahnrand angeordnet werden, da am südlichen Fahrbahnrand die Einfahrt durch hinzugesellte Fahrräder behindert wird. Die temporäre Beschilderung „Durchfahrt verboten - Anlieger frei“ hatte während des Reallabors kaum Auswirkung auf die Anzahl der Durchfahrten. Der MIV reduzierte sich erst deutlich mit dem Hochfahren der Poller zwischen 14 und 8 Uhr. Dies verdeutlicht den Bedarf nach physischen Barrieren oder anderen Kontrollen, um einen nennenswerten reduzierenden Effekt auf die Anzahl des MIV zu erzielen und die Zufahrt auf tatsächliche Anlieger*innen zu begrenzen. Stadtplanungsamt | 35 B Zusammenfassung Durch die Anpassung der Pollerschließzeiten konnte während des Reallabors ein großer Teil des motorisierten Ziel- und Durchgangs-Kfz-verkehrs eingespart werden. Dies kam zusammen mit der gestalterischen und programmatischen Aufwertung laut Umfragen besonders den Anwohnenden und Passant*innen zugute. Das Reallabor wurde bei diesen Nutzergruppen sehr gut angenommen. Unter den Befragten, die den Passagehof mehrmals im Jahr oder häufiger besuchen, kommen nahezu 80 Prozent zu dem Urteil, dass sich seit Beginn des Reallabors die Aufenthaltsqualität dort verbessert habe. Bewohner*innen der Innenstadt und Anrainer des Passagehofs geben außerdem an, dass sich ihr Besuchsverhalten aufgrund des Reallabors verändert habe. Dabei kommt insbesondere eine längere Aufenthaltsdauer zum Tragen. Ein Mehr an Aufenthaltsqualität geht mit einem Mehr an Aufenthalt einher. Daher ist nicht verwunderlich, dass - obgleich die Entlastung von Verkehrslärm (auch Poserverkehr) geschätzt wird - knapp 30% der direkte Anwohner*innen auch eine Zunahme des Freizeitlärms in ihrem direkten Wohnumfeld kritisieren. Eine große Mehrheit von 85,7 % der Umfrageteilnehmer*innen der Anwohnenden sind dennoch der Auffassung, dass das autoreduzierte Gebiet im Passagehof bleiben soll – lediglich 14,3 % möchten, dass alles wieder so wird, wie vor dem Projekt. Gewerbetreibende, insbesondere aus dem Bereich der Gesundheitsdienstleistungen äußerten sich insgesamt kritischer als Anwohnende und Passant*innen, besonders im Hinblick auf die Erreichbarkeit für Kund*innen und Lieferant*innen. Die Anzahl derer, die Verbesserungen oder Verschlechterungen ihrer Gesamtsituation feststellen konnten, hält sich in etwa die Waage. Dennoch kann sich die deutliche Mehrheit der befragten Gewerbetreibenden den Passagehof weiterhin als autoreduziertes Gebiet vorstellen. Viele der befragten Nutzer*innen und Betroffenen, die Modifikationen anregen, wünschen sich eine stärkere Verkehrsberuhigung zur „reinen“ Fußgängerzone (ohne Radverkehr), weitere Fahrradabstellmöglichkeiten, ansprechendere Sitzmöbel (Holz statt Plastik, Lehnen für Ältere) sowie extra Elemente wie z.B. Trinkbrunnen. Die Anzahl des Rad- und Fußverkehrs blieb während der Beobachtungszeiträumen nahezu gleich. Zuvor häufig auftretende Konflikte mit haltenden oder parkenden Autos wurden durch den Entfall der Stellplätze stark reduziert. Der Großteil des Radverkehrs im Passagehof ist Durchgangsverkehr und daher verzichtbar zugunsten des Sicherheitsgefühls von Zufußgehenden, insbesondere vulnerabler Gruppen wie Kinder, Menschen mit Behinderung und ältere Menschen. Dennoch macht der vorhandene Ziel- und Quellverkehr den Bedarf nach Fahrradabstellmöglichkeiten deutlich. Dass gerade im östlichen Teil viele Fahrräder „wild“ abgestellt wurden und werden, ist auf fehlende Radabstellanlagen in diesem Bereich zurückzuführen. Diese sollten nahe der östlichen Zufahrt am am nördlichen Fahrbahnrand angeordnet werden. Der südliche Fahrbahnrand hat sich während des Reallabors nicht bewährt, weil hier die gewerbliche Einfahrt durch hinzugesellte Fahrräder behindert wurde. Die temporäre Beschilderung „Durchfahrt verboten - Anlieger frei“ hatte während des Reallabors kaum Auswirkung auf die Anzahl der motorisierten Durchfahrten. Der Motorisierte Individualverkehr (MIV) reduzierte sich lediglich mit dem Hochfahren der Poller zwischen 14 und 8 Uhr. Dies zeigt deutlich den Bedarf nach physischen Barrieren oder anderen Kontrollen, um einen nennenswerten reduzierenden Effekt auf die Anzahl des MIV zu erzielen und die Zufahrt auf tatsächliche Anlieger*innen zu begrenzen. Die rege Nutzung der Außengastronomie, aber auch kultureller und nichtkommerzieller Flächen und Angebote zeigt den Bedarf der anliegenden Kulturschaffenden und Karlsruher*innen nach unterschiedlichen Nutzungsangeboten im öffentlichen Raum. Beliebt waren Sitzgelegenheiten und die Bühne insbesondere in der Mittagspause, was für eine weitere Eingrenzung des Lieferzeitfensters auf die Zeit vor der Mittagspause (8-11 Uhr) spricht, um diese noch attraktiver für diese Nutzung zu gestalten. 36 | Reallabor Passagehof - Monitoring C Anhang Im Folgenden finden sich die Fragebögen für Anwohner*innen, Gewerbetreibende und Passant*innen, die die Grundlage der qualitativen Befragungen zum Reallabor Passagehof bilden. Die Fragebögen wurden in Anlehnung an das Vorgehen des Verkehrsversuchs „Ottensen macht Platz“ in Hamburg Altona entwickelt, welches 2019/20 in Zusammenarbeit TUHH und dem Büro Teleinternetcafé stattfand. Abb. Befragungsgebiet Anwohnende und Gewerbetreibende Passagehof Stadtplanungsamt | 37 1 Anwohner*innen Fragebogen Befragung Anwohner*innen retrospektiv zum Reallabor Passagehof (23. Mai – 18. Juli) 1. Wie weit ist Ihr Wohnort vom Passagehof entfernt? □ Ich bin direkte*r Anwohner*in (angrenzende Gebäude) □ Ich wohne in einer Quer- bzw. Nebenstraße des Passagehofs □ Ich wohne in der weiteren Nachbarschaft 2. Nutzung des Projektgebiets Wie hat sich die Häufigkeit Ihrer folgenden Aktivitäten im Passagehof während des Reallabors (23. Mai – 18. Juli) im Vergleich zur Zeit davor geändert? häufiger Keine Veränderung seltener Einkäufe oder Erledigungen Besuche in Cafés, Kneipen oder Restaurants Familie, Freunde, oder Bekannte treffen Spazieren, Schlendern oder Verweilen Arztbesuche Besuch von Kulturveranstaltungen Heimweg Sonstiges, und zwar _______________________ 3. Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte im Passagehof durch das Reallabor verändert? deutlich verbessert etwas verbessert gleich geblieben etwas verschlechtert deutlich verschlechtert weiß nicht Aufenthaltsqualität (attraktiver Ort, lädt zum Verweilen ein, etc.) Das Miteinander im öffentlichen Raum Ihre persönliche Wohnqualität Nachbarschaftliches Leben und soziales Miteinander im direkten Wohnumfeld Die Erreichbarkeit Ihrer Wohnung Ihre Kfz- Abstellmöglichkeiten 38 | Reallabor Passagehof - Monitoring Persönliches Sicherheitsgefühl im Verkehr Verkehrssicherheit für Kinder Verkehrssituation für Fußgänger*innen Verkehrssituation für Radfahrer*innen Sonstiges: _________ Wie haben sich folgende Belastungen im Passagehof aus Ihrer Sicht durch das Reallabor verändert? deutlich weniger etwas weniger gleich geblieben etwas stärker deutlich stärker weiß nicht Belastung durch Freizeitlärm in Ihrem direkten Wohnumfeld Belastung durch Verkehrslärm in Ihrem direkten Wohnumfeld Belastung durch Abgase/ schlechte Luftqualität Sonstiges: 4. Wie sehen Sie den Effekt des Projekts für den Stadtteil (westliche Innenstadt) insgesamt? □ positiv □ eher positiv □ neutral □ eher negativ □ negativ 5. Wie sollte es Ihrer Meinung nach im Passagehof weitergehen? □ Das autoreduzierte Gebiet sollte genauso bleiben wie während des Pilotprojekts. □ Das autoreduzierte Gebiet sollte bleiben, aber mit folgenden Veränderungen: ___________________________________________________________________ □ Alles sollte wieder so werden wie vor dem Projekt. Stadtplanungsamt | 39 6. Soziodemographische Informationen Geschlecht: □ weiblich □ männlich □ divers Mobilitätseinschränkung: □ ja, durch____ □ nein Alter: □ 18 bis 24 Jahren □ 25 bis 34 Jahren □ 34 bis 64 Jahren □ 65 Jahre und älter 7. Wohnen bei Ihnen im Haushalt Personen unter 18 Jahren? □ nein □ ja Ja, dann: Altersgruppe: □ 0 bis 5 Jahre □ 6 bis 11 Jahre □ 12 bis 17 Jahre 8. Wie haben sich die Aufenthaltsmöglichkeiten (z. B. Spielen / Freunde treffen / Chillen) für die jeweilige Altersgruppe im Passagehof mit dem Projekt verändert? verbessert gleich geblieben verschlechtert weiß nicht 0 bis 5 Jahre 6 bis 11 Jahre 12 bis 17 Jahre Begründung ____________________________ 9. Wie hat sich die Anzahl der Aufenthalte der entsprechenden Personen durch das Projekt verändert? vermehrt gleich geblieben verringert weiß nicht 0 bis 5 Jahre 6 bis 11 Jahre 12 bis 17 Jahre Begründung ____________________________ 10. Gibt es noch etwas, das Sie gerne zum Reallabor Passagehof sagen möchten? ________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________ ____________________________________________________ Herzlichen Dank für Ihre Zeit! 2 Gewerbetreibenden Fragebogen Befragung der Gewerbetreibenden zum Reallabor Passagehof (23. Mai – 18. Juli) 11. Wie weit ist Ihr Gewerbe vom Reallabor Passagehof entfernt? □ Es liegt direkt im Passagehof oder in einem angrenzenden Gebäude □ Es liegt in einer Quer- bzw. Nebenstraßen des Passagehofs □ Es liegt in der weiteren Nachbarschaft 12. Hat sich aus Ihrer Sicht durch das Reallabor die Verkehrsmittelwahl Ihrer Kundschaft geändert? □ Ja □ Nein □ Weiß nicht 13. Wie hat sich die Verkehrsmittelwahl Ihrer Kundschaft geändert? □ Die Kund*innen kamen vermehrt zu Fuß □ Die Kund*innen kamen vermehrt mit dem Fahrrad □ Die Kund*innen kamen vermehrt mit dem Auto □ Die Kund*innen kamen vermehrt mit dem ÖPNV □ Sonstiges: _________________________________ 14. Welche Kommentare zum Reallabor haben Sie am häufigsten von Ihrer Kundschaft gehört? 1. _________________________________________________________________________ 2. _________________________________________________________________________ 3. _________________________________________________________________________ 15. Haben sich aus Ihrer Sicht durch das Reallabor Veränderungen für Ihre Lieferant*innen ergeben? □ Ja □ Nein □ Weiß nicht 16. Welche Veränderungen haben sich für Ihre Lieferant*innen ergeben? □ Veränderung der Transportmittelwahl: _________________________________ □ Veränderung der Anlieferzeiten: ______________________________________ □ Sonstiges, und zwar: _______________________________________________ 17. Welche Kommentare zum Reallabor haben Sie am häufigsten von Ihren Lieferant*innen gehört? Stadtplanungsamt | 41 1. _________________________________________________________________________ 2. _________________________________________________________________________ 3. _________________________________________________________________________ 18. Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte während des Reallabors verändert? deutlich verbessert etwas verbessert gleich geblieben etwas verschlechtert deutlich verschlechtert weiß nicht Erreichbarkeit Ihres Gewerbes für Kund*innen Entwicklung der Kundenfrequentierung Ihres Gewerbes deutlich verbessert Gewinnung neuer Kund*innen Zufriedenheit Ihrer Kund*innen Erreichbarkeit Ihres Gewerbes für Lieferant*innen Umsatz Ihres Gewerbes Qualität der Geschäftslage für Ihr eigenes Gewerbe Gesamtsituation für Ihr Gewerbe Im Hinblick auf den Passagehof insgesamt: deutlich verbessert etwas verbessert gleich geblieben etwas verschlechtert deutlich verschlechtert weiß nicht Atmosphäre im Projektgebiet Verkehrssicherheit für Kinder Verkehrssituation für Fußgänger*innen Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum im Projektgebiet insgesamt Qualität der Geschäftslage allgemein Gesamtsituation für den Passagehof 42 | Reallabor Passagehof - Monitoring 19. Wie sehen Sie den Effekt des Projekts für den Stadtteil (westliche Innenstadt) insgesamt? □ positiv □ eher positiv □ neutral □ eher negativ □ negativ 20. Wie sollte es Ihrer Meinung nach im Passagehof weitergehen? □ Das autoreduzierte Gebiet sollte genauso bleiben wie während des Pilotprojekts. □ Das autoreduzierte Gebiet sollte bleiben, aber mit folgenden Veränderungen: __________________________________________________________ □ Es sollte wieder alles so werden wie vor dem Projekt. Angaben zum Gewerbe 21. Wie viele Mitarbeitende (Vollzeit oder Teilzeit) hat Ihr Gewerbe an diesem Standort in der Innenstadt (ggf. inklusive Ihrer selbst)? □ 1 - 3 □ 4 - 6 □ 7 - 9 □ 10 oder mehr 22. Welcher Branche ordnen Sie Ihr Gewerbe zu? □ Einzelhandel und zwar: _____________________________________________________________________ □ Gastronomie und zwar: _____________________________________________________________________ □ Dienstleistungen und zwar: __________________________________________________________________ □ Handwerk und zwar: _______________________________________________________________________ □ Gesundheit und zwar: ______________________________________________________________________ □ Sonstiges und zwar: _______________________________________________________________________ 23. Gibt es noch etwas, das Sie gerne zum Reallabor Passagehof sagen möchten? (Wünsche, Lob, Kritik, Anregungen) _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ ______________________________ Herzlichen Dank für Ihre Zeit! 3 Passant*innen Fragebogen Passant*innenbefragung Während Experimentierphase Erhebungstag: ___________ Protokollant: ___________ Uhrzeit: ___________ Wetter: ___________ 24. Wie weit ist Ihr Wohnort entfernt? □ Ich bin direkte/r Anwohner/in (angrenzende Gebäude) □ Quer- bzw. Nebenstraßen des Projektgebiets □ Innenstadt □ Stadtgebiet Karlsruhe □ Landkreis Karlsruhe □ Sonstiges, _______________ 25. Arbeiten Sie im Bereich des Projektgebiets oder in der Umgebung? □ im direkt angrenzenden Bereich des Projektgebiets □ in der Umgebung des Projektgebiets □ nein 26. Wie häufig nutzen Sie das Projektgebiet? □ Täglich □ Mehrmals pro Woche □ Mehrmals pro Monat □ Mehrmals pro Jahr □ Einmal pro Jahr oder seltener □ Ich bin erstmals hier 27. Wie sind Sie heute in das Projektgebiet gekommen? (Hauptverkehrsmittel, nur eine Antwort) Anmerkung: Das Hauptverkehrsmittel ist das Verkehrsmittel, mit dem der längste Anteil des Weges zurückgelegt wurde. □ zu Fuß □ eigenes Fahrrad □ Leihfahrrad □ E-Scooter □ ÖV (Bus, U-Bahn, S-Bahn, Regionalbahn, etc.) □ Taxi □ Motorrad/Moped etc. □ CarSharing □ Privatauto □ Sonstiges: _______________ 28. Was tun Sie heute im Bereich des Projektgebiets? (Mehrfachnennungen möglich) □ Einkaufen, Erledigungen □ Arztbesuch, Friseurbesuch etc. □ Mittagspause □ Ich bin beruflich / geschäftlich unterwegs □ Tourist*in 44 | Reallabor Passagehof - Monitoring □ Spazieren, Schlendern □ Verweilen, aufhalten, sitzen □ Café / Kneipe / Restaurantbesuch □ Familie / Freunde / Bekannte treffen □ Durchquerung □ Sonstiges: _______________ 29. Wie bewerten Sie die folgenden Aspekte des Projektgebiets (kursiv) und falls Sie das Projektgebiet vorher schon kannten; wie bewerten Sie diese Aspekte im Vergleich zur Zeit vor Beginn des Projekts? Kannte den Ort schon □ verbessert unverändert ver- schlechtert Enthaltung Aktuelle Einschätzung □ positiv neutral negativ Enthaltung Aufenthaltsqualität (attraktiver Ort, lädt zum Verweilen ein, etc.) Das Miteinander im öffentlichen Raum Ihr persönliches Sicherheitsgefühl in Bezug auf den Verkehr Sicherheit für Kinder Verkehrssituation für Fußgänger*innen insgesamt Verkehrssituation für Radfahrer*innen insgesamt Belastung durch Verkehrslärm Belastung durch Freizeitlärm 30. Hat sich Ihr Besuchsverhalten des Projektgebiets durch das Projekts verändert? □ Ja, ich komme häufiger □ Ja, ich bleibe länger □ Ja, ich nutze zusätzliche Angebote (Restaurants etc.) □ Nein, unverändert □ Sonstiges, nämlich: __________________________ 31. Wünsche, Lob, Kritik, Anregungen ___________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________ Stadtplanungsamt | 45 Geschlecht: □ weiblich □ männlich □ divers Mobilitätseinschränkung: □ ja, nämlich ______________ □ nein Alter: □ Unter 18 Jahre □ 18 bis 24 Jahre □ 25 bis 34 Jahre □ 35 bis 64 Jahre □ 65 Jahre oder älter Größe der Gruppe in der der Befragte unterwegs ist: □ alleine □ mehrere Personen: ______________ Herzlichen Dank für Ihre Zeit!

  • Protokoll GR TOP 14
    Extrahierter Text

    Niederschrift 47. Plenarsitzung des Gemeinderates 28. Februar 2023, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 14. Punkt 14 der Tagesordnung: Weiterentwicklung Passagehof auf Basis des Reallabors Vorlage: 2022/2434 Punkt 14.1 der Tagesordnung: Weiterentwicklung Passagehof auf Basis des Reallabors Änderungsantrag: CDU Vorlage: 2022/2434/1 Beschluss: Abstimmungsergebnis: Änderungsantrag CDU: Mehrheitliche Ablehnung (18 JA-Stimmen, 25 Nein-Stimmen) Beschlussvorlage: Mehrheitliche Zustimmung (26 JA-Stimmen, 17 Nein-Stimmen) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 14 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgte Vorberatung im Planungsausschuss am 9. Februar 2023. Ich würde jetzt auf eine Einführung in das Thema verzichten. Wir machen erst mal die Dis- kussion, wenn gewünscht, und dann können wir ja vielleicht noch was ergänzen. Stadträtin Fahringer (GRÜNE): Der öffentliche Raum, ja, der gehört uns allen und neben Verkehrswegen für Autos, Fahrradfahrende und Fußgänger*innen brauchen wir Spielflä- chen, Bewegungs- und Begegnungsräume oder auch öffentliche Plätze, wo wir einfach mal Lindy Hop tanzen können, weil ich glaube, das ist das, was man da am Cover der An- lage sieht bei diesem Tagesordnungspunkt, und solche Begegnungsflächen mit Grünele- menten werten auch die jeweilige Umgebung auf. Menschen verweilen dort länger und lie- ber und infolge steigt beispielsweise auch in autofreien bzw. autoberuhigten Zonen der Konsum. Dass das nicht nur wir GRÜNE so sehen, also dass wir alle diesen Platz brauchen, dass diese Räume die Stadt beleben und lebenswerter machen und dass manche innerstäd- tischen Plätze oder Straßenteile statt Blechabstellplätze kleine grüne Oasen werden könn- ten, das hat jetzt auch dieses Reallabor im Passagehof gezeigt. – 2 – Bevor das Murren auf der Seite wieder lauter wird, auch andere Reallabore und Studien zeigen, dass beispielsweise der Einzelhandel von autofreien Zonen profitiert. Das Reallabor bestätigt auch die Erfahrung aus anderen Studien, dass ein eingeschränkter Lieferverkehr möglich ist, den entsprechenden Änderungsantrag auf Ausweitung lehnen wir GRÜNEN entschieden ab und ja, wir befürworten auch die Beruhigung des Radverkehrs oder wie hier im Passagehof auch das Radfahrverbot eine Lösung für die Querung von Nord nach Süd, für die Radler*innen müssen wir uns aber an dieser Stelle noch mal überlegen, und darüber werden wir ja sprechen, wenn wir über das zweite Reallabor dann weiter debattie- ren, aber jetzt zurück zur heutigen Vorlage. Selbst die Kritiker*innen und die angrenzen- den gastronomischen und Einzelhandelsangebote befürworten die Weiterentwicklung im Passagehof. Wir hatten uns ja gewünscht, dass es gleich nahtlos weitergeht, und nun wür- den wir uns auch wünschen, dass es nicht alles so lang dauert, dass hier die in der Vorlage beschriebenen Zeitabläufe noch etwas verkürzt werden können, aber die Mühlen, Rechts- vorschriften oder Verfahrensabläufe, die sind halt nun mal so, wie sie sind. Dennoch erneut jetzt an dieser Stelle die Bitte, es wäre doch schön, und das sage ich jetzt nicht nur als Nachbarin oder als Lindy-Hopperin, dass wir schon in diesem Sommer hier tanzen könnten. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Auch die CDU-Fraktion, und das ist sicherlich kein Privileg der GRÜNEN, darf eine solche Entwicklung begrüßen, und wir stehen da voll und ganz dahin- ter. Das wäre eigentlich keiner großen Rede wert. Was wir grundsätzlich auch begrüßen in diesem Zusammenhang, ist, dass sich das Institut des Reallabors, des Verkehrsversuches eben einfach immer wieder bewährt und, liebe GRÜNE, man muss selbst so scheinbar selbstverständliche Dinge sehr, sehr gründlich vorbereiten. Das zeigt die Verwaltungsvor- lage, und da ist nichts zu überstürzen. Umso verwunderlicher, das muss ich an dem Punkt auch anmerken, ist die Idee mancher politischer Kreise, dass man andere Reallabore auch möglichst überstürzt und gleich umsetzt. Dass es mit der nördlichen Karlstraße nicht so ein- fach werden wird, brauche ich hier, glaube ich, niemandem erzählen. Gleichwohl neben dem Benefit, den wir jetzt hier erwarten dürfen, dürfen wir die Funktionsfähigkeit der dort anliegenden Gewerbetreibenden und Gewerbebetriebe nicht außer Acht lassen. Deshalb von uns der Antrag, eben die Anlieferungsmöglichkeit nicht bei 11:00 Uhr zu begrenzen, was eine starke Einschränkung darstellt, sondern auf 14:00 Uhr zu erweitern. Das tut der Gesamtidee keinen Abbruch, und ich glaube, dem kann man sehr gut folgen. Stadtrat Zeh (SPD): Der Evaluationsbericht liegt nun vor, und es unterstützt unsere dama- lige Einschätzung und unseren damaligen interfraktionellen Antrag, dass man tatsächlich das Reallabor fortsetzen sollte und in Wirklichkeit ummünzen konnte. Es gibt hier mehr Nutzungsmöglichkeit, mehr Aufenthaltsqualität. Der Straßenraum wird hier neu aufgeteilt. Die Zufriedenheit der Anwohner steigt. Es dominieren ja im Innenhof die sieben großen Bäume, und es gibt das große Potenzial, um den Raum auch als Pocket-Park aufzuwerten. Es gibt sicherlich auch mehr Veranstaltungen dort. Wir müssen es klimafreundlich und klimawirksam weiterentwickeln. Das betrifft die Entsie- gelung, wobei die Entsiegelung, Kollegin Fahringer hat es ja schon angesprochen, noch et- was dauert, eben bis der Zeitplan realisiert ist. Es ist einmal die rechtliche Umwandlung und dann auch natürlich in Bezug auf die Finanzen. Die entsprechenden Fördermittel muss man abwarten. Es gibt im Hof ja auch eine neue große Nutzung. Das Kinemathek haben wir schon länger, und der Jazzclub eröffnet hoffentlich auch sehr bald hier dort, und dann gibt es neue Anziehungspunkte, auch die neue Gastronomie. Es wird ja auch durchaus mehr – 3 – Biergärten hier in dem Hof geben. Es könnte ein neuer Ludwigsplatz sozusagen hier in die- sem Bereich entstehen. Der wird sicherlich gut angenommen. Wir waren ja vor Ort im Passagehof, als es noch Reallabor war, es ist Außengastronomie entstanden, und es ist natürlich angenehmer, Mittag zu essen, wenn kein Fahrverkehr da- bei ist. Ich bin jetzt auch heute erst von dem Änderungsantrag der CDU überrascht, habe aber auch gerade die Antwort der Verwaltung gelesen, die sagt, wir wollten in der Stadt eine einheitliche Lieferzone von 8:00 bis 11:00 haben, und das gehört natürlich zum Kon- zept dazu. Deshalb werden wir diesem Änderungsantrag nicht zustimmen. Es muss natür- lich noch Parkalternativen geben, aber die Parkalternative ist ja in dem großen Parkhaus in der Nähe vorhanden. Es gibt weniger Auto-Poser, damit auch weniger Verkehrslärm. Die Poller, die wichtige Entscheidung, dass es nachmittags autofrei ist. Fahrradfrei tragen wir hier auch mit als Durchfahrtverbot. Schwieriger wird das sein, zu kontrollieren und einzu- halten, wir kennen ja auch die Probleme in der Kaiserstraße. Wichtig ist dann aber auch, dass viele Abstellmöglichkeiten an den Rändern entstehen, für Fahrräder oder auch für Menschen mit Behinderung die Parkplätze. Das wird ja in der Feingestaltung dargestellt. Wir stimmen der Vorlage der Verwaltung so zu. Stadtrat Høyem (FDP): Ich bin so ein bisschen euphorisch, und ich muss drei Erlebnisse mit Ihnen teilen. Das erste, die Beschlussvorlage Seite 3 unterste Teil will ich vergrößern, ein- rahmen und in meinem Büro aufhängen. Hier steht, nicht erlaubt sind Radfahrer. Ich wie- derhole, nicht erlaubt sind Radfahrer. Falls das Reallabor Passagehof nichts anderes ge- bracht hätte, wäre es schon die Mühe wert. Ein Startschuss in die Entwicklung unserer In- nenstadt für Fußgänger, dass ich das erleben darf, macht mich ein bisschen euphorisch. Zweites Erlebnis, ich war letztes Wochenende in Temeswar, unsere Partnerstadt in Rumä- nien. Mit Oberbürgermeister Dr. Mentrup an der Spitze waren wir als Delegation für die Er- öffnung von Temeswar als europäische Kulturhauptstadt, eine fantastische, internationale, moderne, kulturreiche Stadt. Die Innenstadt war voll von fröhlichen Menschen, die auch die Videoinstallation unseres hervorragenden Karlsruher Medienkünstlers Jonas Denzel be- wundert und genossen haben. Unsere Karlsruher Delegation mit wunderbaren Kolleginnen und Kollegen, danke, hat auch den Spaziergang durch die Innenstadt in ruhigem Tempo und mit guten Gesprächen genossen. Der Schrittzähler auf unserem Mobiltelefon hat ge- zählt und gezählt zu neuen Höhepunkten. Die Innenstadt in dem modernen, neu restau- rierten Temeswar, ist eine richtige Innenstadt für Fußgänger, Radfahren ist verboten, herr- lich. Drittes Erlebnis, ich öffne Dienstag, 21. Februar 2023, unsere lokale Zeitung und lese, nur noch zu Fuß und einen mutigen Leitartikel, raus mit Radfahrern. Ich frage meine Frau, ob wir eine neue Zeitung bekommen haben, aber nein, es ist tatsächlich unsere normaler- weise nahezu Lobbyzeitung für Radfahrer, wow. Die Revolutionen kommen in Phasen, Pas- sagehof ist offenbar Phase 1. Eigentlich möchte ich nicht mehr für den Gemeinderat kandi- dieren, aber jetzt muss ich noch einmal überlegen. Ein Wahlkampf, raus mit den Radfah- rern, die Innenstadt für Fußgänger, könnte wahrscheinlich unseren Mandatsanteil verdop- peln. Ob wir der Beschlussvorlage zustimmen, ja, bestimmt. Stadträtin Fenrich (AfD): Ja, ich war ja vor Ort, als Herr Bürgermeister Fluhrer das im Som- mer vorgestellt hat, und es war sehr beeindruckend. Ich konnte auch damals schon mit Leuten sprechen, Gewerbetreibenden, auch mit den Wirten, die dort ansässig sind, und man hat überwiegend Positives gehört. Man hat natürlich auch gehört, dass es schwierig ist für Gewerbetreibende, wenn die Kunden haben, die Dinge laden müssen, die sie eben – 4 – in den Geschäften einkaufen, aber summa summarum wurde das als sehr positiv von den Bürgern, von Bürgervereinen, von allen Anwesenheiten gesehen. Da Karlsruhe ja nicht von der Struktur her, von der städtebaulichen Struktur her über nicht allzu viele Plätze in der Art verfügt, ist es sehr, sehr wünschenswert, und deshalb begrüßen wir das auch, dass das Reallabor hier realisiert werden soll. Also nur Positives, das hat auch fast eindeutig die Eva- luation ergeben, der Bericht. Allerdings war dort auch was gestanden zur Zunahme von Freizeitlärm. Dadurch, Autolärm ist jetzt draußen, das ist klar, aber manche Anwohner haben sich auch dort beschwert über den Freizeitlärm. Ist klar, im Sommer, wenn die Leute draußen sind, kommt so was eben zustande. Da würde meine Fraktion doch drum bitten, dass man das vielleicht kritisch beo- bachtet, dass es dieses Reallabor, das jetzt sehr gut starten wird, aller Voraussicht nach sehr gut starten wird, da nicht irgendwo Macken, Ecken und Kanten haben wird. Zu den Radlern, was mein Vorsprecher, was mein Kollege Høyem auch gesagt hat, die Radler, das ist sicherlich ein Problem, und da wurde es damals angesprochen und ich möchte es auch heute noch mal ansprechen. Ich möchte, dass die Stadt hier wirklich ein kritisches Auge drauf wirft, denn wir wollen das in diesem Platz, das kann ich für meine Fraktion zumin- dest sagen, nicht haben, wie in der westlichen Erbprinzenstraße und wie in den gesamten Grünanlagen von Karlsruhe, wo es ein Rasen gibt auf engstem Raum ohne Licht, bei Nacht etc. pp. Sie wissen das, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, denn Sie haben ja auch am 11.11., ich hoffe, es war kein Faschingsscherz, ich habe das aber so gelesen und auch mal mitgebracht, am 11.11.22 habe ich in der BNN gelesen, dass Sie genervt sind von undis- ziplinierten Radfahrern und deshalb auch mit dem Land Baden-Württemberg Kontakt auf- genommen hätten, also mit dem Innenministerium. Ich hoffe, dass sich da in Karlsruhe et- was ändert. Es wäre wirklich ein Mehrgewinn, und ich sage das nicht als Autofahrer und nicht nur als Fußgänger, denn ich bin im Stadtgebiet überwiegend Radfahrer, aber ich finde, man kann das auch sehr diszipliniert machen, wenn man das möchte, und wenn es halt nicht anders geht, muss die Stadt das ihrige tun und ich hoffe, dass das dann so funk- tioniert und dass das Reallabor hier im Passagehof zu einem vollen Erfolg wird. Vielen Dank. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Dazu sind ja Reallabors da, dass man die Vor- und die Nachteile vor Ort live und real feststellen kann. Dieses Reallabor zeigte, dass man aus einem Poser- Gebiet, der Kollege Zeh sagte es ja, ein belebtes, ein mit Gastronomie, eins mit Einzelhan- del belebtes Gebiet mitten in der Stadt schaffen kann, das bestimmt seinen Wirkungs- und Anzugskreis bekommt. Dass der Effekt auch gezeigt hat, dass ein oder zwei Verkehrsteil- nehmer raus müssen, das Auto und das Fahrrad, macht ja hier in diesem Fall ja auch abso- lut Sinn. Auch Studien belegen, die Innenstädte verändern sich. Ja, Innenstädte mit einem gelebten Innenstadtflair, mit einem alten Flair, Heidelberg, Tübingen und Freiburg gewin- nen zu, aber diese Studie, wenn es die gleiche ist, die zitiert wurde, sagt auch Einzelhan- delszentren auf der grünen Wiese, die direkt einfach mit dem Auto und ohne Kosten be- fahren werden können, sind auch Gewinner der Pandemie gewesen. Studien haben immer zwei Seiten. Wir stimmen selbstverständlich der Vorlage zu. Wir halten die auch absolut richtig. Wir hal- ten aber auch den Ergänzungsantrag richtig. Ich bin ja auch einer, der öfters hinter einem Lieferfahrzeug sowohl als Fahrrad seit kürzester Zeit, als auch mit dem Auto unterwegs bin und Karlsruhe ist einer der wenigen Städte, die sehr wenige Lieferzonen haben, und es macht durchaus Sinn für den Einzelhandel und die Gastronomie, denn die müssen ja auch – 5 – beliefert werden, dass dort die Verlängerung bis 14:00 Uhr möglich ist. Generell sollten wir uns überlegen, wie wir die Innenstadt mit Lieferzonen machen. Zum Beispiel die Produkte, die unser Haus ausfährt, kommt teilweise aus dem europäischen Ausland, und bis 11:00 Uhr ist manchmal sehr, sehr knapp und da Fußgängerzonen auch mit Lieferfahrräder nicht befahren werden können, sollte man sich tatsächlich über zentrumsnahe Liefermöglichkei- ten Gedanken machen. Im Großen und Ganzen bin ich sicher, das wird ein großer Erfolg, der Passagehof. Bei anderen Reallabors war der Erfolg und das, was man gesehen hat, na- türlich nicht so gut, aber man soll ja auch manchmal experimentierfreudig sein. Stadtrat Hofmann (CDU): Ja, ich möchte gar nichts zur weiteren Debatte beitragen. Nur eins noch zu unserem Änderungsantrag. Wir wollen doch immer, dass die Leute mitge- nommen werden, und wir hatten vorhin gerade ein kurzes Gespräch, wo es auch drum geht, warum dann wieder etwas anders gemacht wird. Wir haben dort ein Reallabor ge- macht. Dort waren die Anlieferungszeiten eben bis 14:00 Uhr. Mit diesen Anlieferungszei- ten haben sich auch die ganzen Einzelhändler dort einverstanden erklärt. Jetzt heute ent- scheiden wir auf einmal, aufgrund von ganz anderen Zeiten, die Leute fühlen sich veral- bert, sage ich es einfach mal so, und ich weiß nicht, ob die anderen Fraktionen auch ange- schrieben wurden. Wir wurden angeschrieben, vehement von Leuten. Dort gibt es größere Firmen, das muss ich gar nicht erwähnen gerade in der Rückseite, die dort eben wirklich sehr starke Anlieferungen brauchen, und dann kann es doch nicht sein, dass wir jetzt hier heute eine Entscheidung treffen, die entgegen wiederum... Ich habe Verständnis, ich habe ja gerade eben erst auch die Stellungnahmen bekommen, dass man was Stadteinheitliches will, aber dann hätte man so etwas vorher auch kommunizieren müssen und damals schon kommunizieren mit den Leuten dort. Denn dann wäre vielleicht auch die Entscheidung da- mals, die wirklich einhellig war, anders gewesen. Wir waren ja vor Ort, das war hervorra- gend. Ich begrüße dieses Reallabor dort auch sehr, aber ich glaube, man kann nicht die Bürgerinnen und Bürger dort vor Ort jetzt auf einmal wieder vor den Kopf stoßen und sa- gen, das wurde euch da so gesagt, aber jetzt machen wir es schon wieder anders. Ich halte das für völlig den falschen Weg, denn das wird wieder noch zu mehr Politikverdrossenheit führen, als es sowieso schon ist. Der Vorsitzende: Ich möchte noch mal darauf hinweisen, was ja auch in unserer Stellung- nahme steht, dass es durchaus möglich ist, auch nach 11:00 Uhr dort Anlieferungen vorzu- nehmen, dass man dann aber einen Weg von 50 bis 70 Metern in Kauf nehmen muss, und das kann ich mit irgendeinem kleinen Karren jederzeit locker machen. Also von daher ver- bieten wir jetzt nicht dort die Anlieferung, aber wir wollen uns bei der konkreten Anliefe- rung in diesem südlichen Passagehof an dem orientieren, was seit Jahren und Jahrzehnten in der Fußgängerzone ja auch gang und gäbe ist, nämlich dass die eigentliche Anlieferung bis um 11:00 Uhr abgeschlossen sein sollte. Herr Stadtrat Hofmann, Sie haben recht, dass das vielleicht bei den Einzelnen dann zu Irri- tationen führt. Wir sind ja auch im Versuch, mit zumindest einer Hauptbeschwerdeführerin in Kontakt zu kommen, was zumindest mal bei der Anlegerinformation noch nicht ge- klappt hat. Ich sehe aber auch, dass diese 14:00-Uhr-Regelung notwendig war, um über- haupt die Zustimmung zum Reallabor zu bekommen. Wenn wir damals schon auf 11:00 Uhr bestanden hätten, wäre es, glaube ich, nur unter großem Protest gegangen. Also so eine Entwicklung bürdet Ihnen, da bin ich bei Ihnen, jetzt eine etwas schwierige Verant- wortung auf, aber wenn ich jetzt den Passagehof in einen Regelbetrieb überführe, und wir würden hier bis 14:00 Uhr zulassen, obwohl eine Anlieferung ja auch anderweitig möglich – 6 – ist, dann weiß ich genau, dass mir die halbe Fußgängerzone hier auf der Matte steht und sagt, dann wollen wir auch 14:00 Uhr haben, denn was für die gilt, muss für uns ja ge- nauso gelten. Also von daher glaube ich, dass wir Ihnen hier einen vernünftigen Vorschlag machen. Am Ende ist es ein Thema, das Sie hier politisch entscheiden. Dafür sind Sie ja da, und dann gucken wir dann, wie sich das bewährt oder nicht bewährt. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Ja, Entschuldigung, Herr Oberbürgermeister, aber da muss ich jetzt doch mal dagegenhalten. Es hört sich jetzt sehr nach einer Salami-Taktik an, wenn Sie sagen, wenn wir damals schon mit 11:00 Uhr Ende gekommen wären, hätten wir gar nicht erst anfangen können, deswegen haben wir 14:00 Uhr gesagt, und jetzt, wo wir es haben, sagen wir 11:00. Also da muss ich wirklich die CDU mit ihrem Antrag unterstützen, das geht gar nicht. Wir können nicht eine Sache ausprobieren und nachher eine andere be- schließen. Der Vorsitzende: Es ist keine Salami-Taktik, sondern ich versuche, einen weitgehenden Kompromiss mit allen Beteiligten hinzubekommen, um überhaupt dem Reallabor eine Chance zu geben und wenn wir dann so weit sind, dass wir sagen, das hat sich insgesamt bewährt, und wir müssen es in den Regelbetrieb überführen, dann ist es sinnvoll, die Rege- lungen anzuwenden, die auch sonst in solchen Bereichen in der Innenstadt stehen. Dass das den einen oder anderen jetzt an der Stelle persönlich irritiert, ist ja okay. Ich will ja auch gar nicht gegen Ihren Änderungsantrag sprechen, aber es ist eine Sache, die jetzt am Ende hier einfach von Ihnen entschieden wird. Es gibt hier zwei Positionen, und über die stim- men wir ja jetzt ab. Ich rufe auf den Änderungsantrag der CDU, Weiterentwicklung Passagehof. Da geht es ge- nau um dieses Thema, und bitte Sie um Ihr Votum ab jetzt. – Das ist eine mehrheitliche Ab- lehnung. Wir sind im Abstimmungsvorgang, Herr Hofmann. Ich rufe jetzt auf die unveränderte Beschlussvorlage, und bitte um Ihr Votum ab jetzt. – Stadtrat Hofmann (CDU): Ich möchte nur betonen, dass Sie uns jetzt mit dieser Vorgehens- weise gezwungen haben, gegen etwas zu stimmen, was wir eigentlich im Prinzip für gut empfunden haben, was aber jetzt im schlechten Licht dasteht. Ich denke, das ist keine Bür- gerbeteiligung. Der Vorsitzende: Ich widerspreche aus formalen Gründen Ihrer Argumentation und bleiben weiter flexibel in der Gestaltung unserer Dinge. Stadträtin Fahringer (GRÜNE): Ich sage da jetzt gerne noch einen Satz dazu. Es sind meh- rere Interessensgruppen und mehrere Zielgruppen und mehrere verschiedene Bürger*in- nengruppen hier beteiligt gewesen an diesem Reallabor. Da gibt es zum Beispiel Besu- cher*innen, die da spazieren gehen. Da gibt es Menschen, die da essen gehen. Da gibt es Menschen, die da Auto fahren. Da gibt es Menschen, die da was hinbringen. Da gibt es Menschen, die da wohnen. Das Ergebnis dieses Reallabors hat gezeigt, dass viele Men- schen dort auch mittags ihre Ruhe hätten, jetzt ganz unabhängig von dieser formalen An- merkung, das, was in der Kaiserstraße gilt, bitte auch hier gelten soll. Da denken wir – 7 – schon, dass dieser Vorwurf, wir würden den Bürger*innen da nicht zuhören, an dieser Stelle genau andersrum ist. Der Vorsitzende: Nachdem wir im Reallabor Fahrradfahren zugelassen haben und jetzt bei der endgültigen Lösung Fahrradfahren ablehnen, müsste es eigentlich noch einen Ände- rungsantrag von Ihnen geben, dass wir das Fahrradfahren wieder zulassen, weil wir auch da einer Menschengruppe falsche Versprechungen gemacht haben. Ich will damit nur deutlich machen, dass am Ende nicht eins zu eins ein Reallabor in endgültiges Verwal- tungshandeln umgesetzt werden kann, weil hier in der Abwägung verschiedener Interes- sen immer ein Kompromiss gefunden wird ,und der kann auch mal ein bisschen mehr rechts oder links, jetzt nicht politisch zu werten, der ursprünglichen Vorgaben liegen. Vie- len Dank. Ich würde sagen, wir unterbrechen jetzt, weil um 17:00 Uhr eh die Pause ansteht. Wir ha- ben noch zwei wichtige Tagesordnungspunkte, die kriegen wir hintereinander nicht weg, und ich würde deswegen vorschlagen, wir machen um viertel nach fünf weiter. Ich ver- kürze die Pause ein bisschen und dann ziehen wir noch die restlichen Punkte zügig durch und machen jetzt erst mal Lüftungspause und was hier alles so ansteht. (Unterbrechung der Sitzung von 16:52 Uhr bis 17:15 Uhr) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 13. März 2023

  • Abstimmungsergebnis
    Extrahierter Text