Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe: Problemanalyse und Handlungsempfehlungen
| Vorlage: | 2022/2250 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 02.11.2022 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Umwelt- und Arbeitsschutz |
| Erwähnte Stadtteile: | Beiertheim-Bulach, Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Grünwettersbach, Grünwinkel, Hagsfeld, Hohenwettersbach, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut, Oststadt, Palmbach, Rintheim, Rüppurr, Stupferich, Südstadt, Südweststadt, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt, Wolfartsweier |
Beratungen
- Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 22.11.2022
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2250 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: UA Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe: Problemanalyse und Handlungsempfehlungen Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 22.11.2022 2 x Information (Kurzfassung) In Karlsruhe liegt ein Defizit in der hausärztlichen Versorgung vor. Es ist davon auszugehen, dass sich die schon jetzt angespannte Lage der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe durch altersbedingte Praxisschließungen in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern wird. Um die Gründe für das Defizit der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe und mögliche Maßnahmenansätze zu ermitteln, hat die Stadtverwaltung Befragungen und Analysen durchgeführt. Die ermittelten Hauptprobleme wurden im Rahmen einer Kommunalen Gesundheitskonferenz im Juli 2022 mit Expert*innen besprochen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit nimmt den Bericht zur hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2022 sowie den Bericht zu den Ergebnissen der Kommunalen Gesundheitskonferenz mit Handlungsempfehlungen zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☒ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Hintergrund und aktueller Stand der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Vor allem Hausärzt*innen sollen für alle Bürger*innen möglichst wohnortnah erreichbar sein. Für die Sicherstellung einer wohnortnahen, flächendeckenden medizinischen Versorgung der Menschen ist in erster Linie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des jeweiligen Bundeslands zuständig. Deutschlandweit gibt es jedoch einen Mangel insbesondere an Hausärzt*innen, der sich in den letzten Jahren besonders in ländlichen Regionen bemerkbar gemacht hat. Inzwischen fehlt es jedoch auch in Städten und Großstädten zunehmend an Hausärzt*innen (vgl. z.B. Stuttgarter Zeitung vom 15. August 2022: „Ärztemangel in Stuttgart - Wachsende Konkurrenz um Ärzte und Praxispersonal“). An Kommunen wird daher immer öfter die Erwartung herangetragen, dass sie bei der Rekrutierung von Hausärztenachwuchs sowie der Ansiedlung von Hausarztpraxen unterstützen, obwohl ihnen hierfür keine rechtliche Zuständigkeit obliegt. Kommunen haben jedoch das Potenzial, sich als Akteure für die Sicherung der Versorgung für ihre Bevölkerung auch im Sinne der Daseinsvorsorge zu positionieren – auch wenn die ärztliche Versorgung in Zukunft sicherlich weiterhin primär von privatwirtschaftlich betriebenen Praxen und Gesundheitszentren gewährleistet wird. Die Stadtverwaltung Karlsruhe hat daher Ende 2021 begonnen, die Situation der hausärztlichen Versorgung näher zu untersuchen. Für den Planungsbereich Karlsruhe, der den Stadtkreis plus einzelne umliegende Kommunen umfasst, liegt bereits ein Defizit in der hausärztlichen Versorgung vor. Laut der Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, durch den die Verteilung der Hausarztsitze bundeseinheitlich gesteuert wird, sind mit Stand vom 29.06.2022 239,55 von 287,05 möglichen Stellen besetzt. Die Hausärzt*innen dürfen dabei frei entscheiden, wo im Planungsbereich sie sich niederlassen wollen. Durch die Kassenärztliche Vereinigung Baden- Württemberg (KVBW) kann dies nicht gesteuert werden. In der Fachärztlichen Versorgung hingegen sind fast alle Arztsitze (noch) besetzt (https://www.kvbawue.de/praxis/vertraege- recht/bekanntmachungen/bedarfsplanung/). Grundlage der Bedarfsplanung ist das Verhältnis der Zahl der Ärzt*innen bezogen auf die Zahl der Einwohner*innen in einem bestimmten Planungsbereich. Daraus ergibt sich ein Versorgungsgrad von 91,9 Prozent. Somit versorgt ein Hausarzt/ eine Hausärztin in Karlsruhe rechnerisch aktuell mehr Patient*innen, als eigentlich vorgesehen. Um eine rechnerische Vollversorgung von 100 Prozent zu erreichen, wären zu den aktuell bestehenden Hausarztsitzen 21,45 weitere zu besetzen. Die Situation der offenen Hausarztsitze wird sich zudem durch altersbedingte Praxisschließungen in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich deutlich verschlechtern. Circa 35,5 Prozent der im Mittelbereich Karlsruhe niedergelassenen Hausärzt*innen sind laut Statistik der KVBW 60 Jahre und älter. Es ist daher anzunehmen, dass in den nächsten Jahren einige der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte im Mittelbereich bzw. Stadtkreis Karlsruhe ihre Tätigkeit beenden werden. Dabei ist absehbar, dass deutschlandweit nicht ausreichend Nachwuchs an Ärzt*innen zur Verfügung stehen wird. Kommunen stehen daher in einer Konkurrenz um die Ressource Haus*ärztin. Erste Gespräche mit Hausärzt*innen und der Ärzteschaft Karlsruhe sowie verschiedene Briefe an die Stadtverwaltung von Bürger*innen, die keine Hausarztpraxis in Karlsruhe finden können, welche noch Patient*innen aufnimmt, bestätigen, dass in der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe in einzelnen Stadtteilen bereits ein Defizit vorliegt. Es herrscht daher akuter Handlungsbedarf, auf den insbesondere mit lokalem Engagement reagiert werden muss. Laut KVBW ist der Mittelbereich Karlsruhe trotz offener Hausarztsitze aktuell jedoch noch auf einem akzeptablen Niveau, sodass die KVBW neben allgemeinen Angeboten wie der Unterstützung von niederlassungswilligen Nachwuchsärzt*innen keine aktiven Schritte unternimmt, um die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe zu stärken. Die KVBW unterstützt lediglich engagierte Kommunen bei konkreten Schritten – 3 – im Rahmen des Kommunalservice (https://www.kvbawue.de/ueber- uns/engagement/kommunalservice/). Das Ziel der Stadtverwaltung Karlsruhe war es daher, durch Befragungen und Analysen die Problemstellungen für das Defizit der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe zu ermitteln, um zu untersuchen, ob und wenn ja in welcher Form Unterstützung seitens der Kommune möglich und zielführend ist. Dafür wurden zum einen 20 Hausärztinnen und Hausärzte aus Karlsruhe zu persönlichen Gesprächen eingeladen. Ziel war, herauszufinden, welche Schwierigkeiten es bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Hausarztpraxen gibt und inwieweit die Stadt Karlsruhe ein attraktiver Standort für niederlassungswillige Hausärzt*innen ist. Weiterhin wurde gefragt, wie die aktuelle hausärztliche Versorgung in Karlsruhe eingeschätzt wird und welche Besonderheiten sich in Karlsruhe im Vergleich zum ländlichen Raum abzeichnen. Zum anderen konnten im Rahmen der diesjährigen Bürgerumfrage zum Thema „Einkaufen und Nahversorgung“ Fragen zur hausärztlichen Versorgung aufgenommen werden. Dadurch war es möglich, die Sicht der Bürgerinnen und Bürger zur hausärztlichen Versorgung in ihrem Stadtteil abzufragen. Zudem wurden Sekundärdaten hinsichtlich der Verteilung der Hausarztpraxen im Stadtgebiet analysiert. Die Ergebnisse der Befragungen und Analysen wurden in einem Bericht zusammengefasst (Vgl. Anlage 1: Bericht zur hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2022). Problemstellungen der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Die räumliche Verteilung der Hausarztpraxen im Stadtgebiet zeigt deutliche Unterschiede in den Karlsruher Stadtteilen. Während gerade im Innenstadtbereich und Durlach zahlreiche Praxen ihren Sitz haben, sind es in den Stadtrandlagen oft nur wenige Anlaufstellen, die der dortigen Bevölkerung wohnortnah bei ärztlichen Fragen zur Verfügung stehen. Ebenso zeigt die Relation von Hausärzt*innen zur erwachsenen Wohnbevölkerung, dass in einigen Stadtteilen teilweise unter 0,3 Mediziner*innen auf 1.000 Einwohner*innen kommen und die Schließung einer weiteren Praxis die Versorgungslage deutlich verschlechtern könnte. Die Befragung der insgesamt 20 Ärztinnen und Ärzte ergab, dass Karlsruhe generell bezüglich der Lage in Deutschland und bezüglich der Lebensqualität ein attraktiver Standort für die Aufnahme einer hausärztlichen Tätigkeit ist. Die aktuelle Versorgungslage wird aber durchaus als angespannt wahrgenommen. Die Gründe für eine schwierige Nachwuchsgewinnung liegen aus Sicht der Befragten in den sich veränderten Erwartungen und Ansprüchen junger Ärztinnen und Ärzte. Zudem gehen mit Praxisgründung wirtschaftliche Risiken und mit Praxisführung ein in den letzten Jahren steigender Verwaltungsaufwand einher. Dieser wurde gerade in Bezug auf Personalfragen in den Hochphasen der COVID-19-Pandemie zusätzlich erhöht. Organisatorisch geht die Tendenz weg von traditionellen Einzelpraxen hin zur Arbeit in Gemeinschaftspraxen sowie einer Arbeit im Angestelltenverhältnis. Ungünstige Rahmenbedingungen stellen außerdem Schwierigkeiten bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten für Praxen und nach geeignetem Praxispersonal dar. Erfreulicherweise zeigen sich in Karlsruhe insgesamt rund drei Viertel der Bevölkerung mit der Versorgung mit Hausarztpraxen im Stadtteil sehr zufrieden (34,1 Prozent) oder eher zufrieden (39,4 Prozent). Ein Fünftel (20,1 Prozent) berichtet davon, eher unzufrieden zu sein und lediglich 6,4 Prozent der Befragten geben an, mit der hausärztlichen Versorgungslage im Stadtteil sehr unzufrieden zu sein. Eher kritisch wird die Versorgung mit Hausarztpraxen vor allem in Stupferich (eher unzufrieden: 35,8 Prozent, sehr unzufrieden: 18,5 Prozent), Oberreut (eher unzufrieden: 23,9 Prozent, sehr unzufrieden 19,9 Prozent) und in der Südstadt (eher unzufrieden: 25,4 Prozent, sehr unzufrieden 11,5 Prozent) wahrgenommen. Insgesamt gehen vier von fünf Karlsruher*innen mindestens einmal jährlich in eine Hausarztpraxis, wobei die Besuchsintensität mit höherem Alter zunimmt und von durchschnittlich 2,2 jährlichen Besuchen im Alter von 18 bis unter 30 Jahren auf einen etwa zweimonatigen Rhythmus (5,6 Besuche) im Alter von 75 Jahren und älter steigt. Über einen festen Hausarzt/eine festen Hausärztin verfügen – 4 – 86,5 Prozent der Karlsruher*innen wobei sich zeigt, dass sich die Suche nach einem Hausarzt aus Sicht der Bevölkerung in den letzten Jahren erschwert hat. Die durchschnittliche Dauer, um von der Wohnung mit dem in der Regel genutzten Verkehrsmittel in die Praxis zu kommen, beträgt rund 14 Minuten. Dabei gehen die Karlsruher*innen, abhängig von der Entfernung, vor allem zu Fuß (30,9 Prozent) oder fahren mit dem Fahrrad oder Pkw (jeweils 27,3 Prozent) zur Praxis. Der Anteil der Pkw-Nutzung für den Weg zur Praxis liegt im Falle wohnortnaher hausärztlicher Versorgung bei 17,1 Prozent und nimmt 45,2 Prozent ein, wenn die üblicherweise aufgesuchte Hausarztpraxis nicht im eigenen oder benachbarten Stadtteil ansässig ist. Die Umfrage konnte dadurch zeigen, dass die nicht wohnortnahe hausärztliche Versorgung dazu führt, dass die Autonutzung steigt. Im Wesentlichen ergab die Problemanalyse sechs Fragestellungen: - Nachwuchsgewinnung: Wie können mehr/neue Hausärztinnen und Hausärzte für den Stadtkreis Karlsruhe gewonnen werden? - Praxispersonal: Wie kann erreicht werden, dass mehr gut qualifiziertes Praxispersonal für Hausarztpraxen in Karlsruhe zur Verfügung steht? - Verteilungsdefizite: Wie kann eine gute Verteilung der Hausarztpraxen in Karlsruhe erreicht werden? Was heißt wohnortnah? - Hausbesuche: Wie können Hausbesuche attraktiver werden, um die hausärztliche Versorgung von immobilen Patientinnen und Patienten zu sichern? - Übergabemanagement: Wie können angehende Hausärztinnen und Hausärzte bei der Gründung/Übernahme einer Praxis unterstützt werden? - Räumlichkeiten: Wie kann dabei unterstützt werden, passende Räumlichkeiten für Hausarztpraxen im Stadtgebiet zu finden beziehungsweise auszubauen? Lösungsoptionen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Die identifizierten Fragestellungen wurden im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz zum Thema „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe“ unter Vorsitz von Bürgermeisterin Lisbach im Juli 2022 in Arbeitsgruppen bearbeitet. Die kommunale Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe hat dazu unter anderem Vertreter*innen des Gesundheitsamts Karlsruhe, der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, des Städtischen Klinikums Karlsruhe, der niedergelassenen sowie angehenden Hausärzt*innen, der Krankenkassen, der Ärzteschaft Karlsruhe, der Fraktionen des Gemeinderats, der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine sowie der Stadtverwaltung eingeladen. Ziel der Konferenz war es zum einen, die Akteure und Expert*innen durch Vorträge für das Defizit und die identifizierten Problemstellungen der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe zu sensibilisieren und zum anderen, in den Arbeitsgruppen geeignete Lösungsansätze zu den sechs Hauptproblemen zu identifizieren. Die Gesundheitskonferenz wurde von den Teilnehmenden in einer Evaluation als sehr positiv und gewinnbringend beurteilt. Die Diskussion in den Arbeitsgruppen war sehr fruchtbar und es konnten – 5 – einige Lösungsansätze identifiziert werden, um die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe gemeinsam zu stärken. Im Anschluss an die Kommunale Gesundheitskonferenz wurden die ermittelten Ideen und Vorschläge von der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe systematisiert. Die Ideen und Vorschläge wurden dafür tabellarisch hinsichtlich ihrer Zuständigkeit und der adressierten Problemfelder dargestellt (vgl. Anhang 2: Übersicht Ideen und Vorschläge zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe). Die 33 Maßnahmenvorschläge lassen sich in drei Zuständigkeits-Kategorien unterteilen: - Ideen und Vorschläge, die im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung liegen (vier von 33) - Ideen und Vorschläge, die im Zuständigkeitsbereich externer Akteure und Institutionen liegen, aber die Zuarbeit der Stadtverwaltung erfordern (zehn von 33) - Ideen und Vorschläge, die vollständig im Zuständigkeitsbereich externer Akteure oder Institutionen liegen (19 von 33). Entsprechend der Zuordnung zu den Zuständigkeiten wird ersichtlich, dass der kommunale Einflussbereich eingeschränkt ist. Hinsichtlich der bei der Gesundheitskonferenz ermittelten Ideen und Vorschläge liegen die kommunalen Einflussmöglichkeiten insbesondere bei den Themen „Nachwuchsgewinnung“, „Verteilungsdefizit“ und „Räumlichkeiten“. Auf die Themen „Praxispersonal“ und „Hausbesuche“ hat die Stadtverwaltung nur eingeschränkt bis kaum Einfluss, diese Themen liegen eher im Zuständigkeitsbereich der externen Akteure und Institutionen. Das Thema „Hausärztliche Versorgung“ ist zudem inhaltlich komplex. An der Vielfalt der Lösungsansätze ist zu erkennen, dass die Begleitung der Umsetzung mit einem hohen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden ist. Es ist daher zu empfehlen, Ideen und Vorschläge zu priorisieren, um zielgerichtet vorzugehen (vgl. auch Anlage 3: Bericht zur Kommunalen Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe). Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Ärzteschaft Karlsruhe schlägt die Stadtverwaltung folgende prioritär zu bearbeitenden Maßnahmen zum Thema „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe“ vor: - Beitritt der Stadt Karlsruhe zum Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Region Karlsruhe Die Region Karlsruhe steht beim Akquirieren von Ärztenachwuchs in Konkurrenz zu anderen Regionen und Landkreisen. Daher ist ein attraktives Weiterbildungsangebot für Ärzt*innen in Weiterbildung zum/r Allgemeinmediziner*in essentiell. Der Landkreis Karlsruhe gründet aktuell zusammen mit der Ärzteschaft Karlsruhe, den Kliniken und den Hausärztinnen und -ärzten der Region Karlsruhe einen Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin. Durch den Weiterbildungsverbund soll für den Standort Karlsruhe geworben und Hausärztenachwuchs für die Region gewonnen werden. Hierfür wird durch den Landkreis Karlsruhe eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die beim Gesundheitsamt angesiedelt sein wird. Für die Stadt Karlsruhe entstehen durch die Stellenschaffung keine Kosten. Um Hausärztenachwuchs für die Region Karlsruhe zu werben, ist eine Zusammenarbeit zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Landkreis Karlsruhe im Sinne einer gemeinsamen Gesundheitsregion sinnvoll. Daher ist geplant, dass die Stadt Karlsruhe dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Region Karlsruhe beitritt, sofern der Gemeinderat zustimmt. Für den Beitritt zum Weiterbildungsverbund fallen für die Stadt Karlsruhe keine Beiträge an. – 6 – - Regelmäßiges Austauschtreffen zwischen Ärzteschaft Karlsruhe, Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg und Stadt Karlsruhe Ein bilateraler Austausch zwischen der Ärzteschaft Karlsruhe und der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Baden- Württemberg und der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe findet bereits statt. Die Überführung in einen multilateralen regelmäßigen Austausch zwischen den drei Institutionen ist geplant, um die aktuelle Entwicklung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe weiterhin zu beobachten, Information untereinander besser weiterzuleiten, Bedarfe zu klären und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen anzustoßen. - Unterstützung bei der Bereitstellung von Hausarztpraxen Arztpraxen werden vor allem in der Nähe von Wohnbebauung benötigt. Durch den Wandel von Einzel- zu Gemeinschaftspraxen werden größere und moderne Räume benötigt, die den rechtlichen Anforderungen an eine Arztpraxis entsprechen (z.B. Barrierefreiheit etc.). Die Stadtverwaltung könnte bei dem Bau von Praxisräumen insbesondere auch bei Neubauten unterstützen. Denkbar wäre eine finanzielle Unterstützung, die Unterstützung bei der Suche nach Investoren für Bauprojekte, die Nutzung des Vorkaufsrechts der Stadt etc. Geeignete Projektpartner (Investoren, städtische Gesellschaften etc.) sowie zielführende Anreize müssten jedoch erst ermittelt werden. Bei der Bereitstellung von Hausarztpraxen sollten die Stadtteile bevorzugt werden, in denen wenige Hausärzt*innen praktizieren (wollen), um dem Verteilungsdefizit entgegen zu wirken. Dabei ist anzumerken, dass die Bearbeitung des Themas sowohl fachlich als auch personell nicht von der beim Umwelt- und Arbeitsschutz angesiedelten Kommunalen Gesundheitsförderung geleistet werden kann. Die bestehende personelle Ausstattung von 1,3 Vollzeitäquivalenten lässt die Bearbeitung eines weiteren, neuen Themas nicht zu. Daher ist ein stadtinternes Koordinationstreffens zwischen dem Umwelt- und Arbeitsschutz und den thematisch beteiligten Ämtern wie dem Stadtplanungsamt, dem Liegenschaftsamt, der Wirtschaftsförderung sowie der Volkswohnung als städtischer Gesellschaft geplant. In dem Treffen soll grundsätzlich über die Umsetzung des Themas gesprochen und gegebenenfalls Zuständigkeiten sowie Aufgaben innerhalb der Verwaltung geklärt und zugeordnet werden. - Verstärkter Einsatz von Telemedizin in Pflegeheimen Das Thema wird durch das Gesundheitsamt Karlsruhe und die Ärzteschaft Karlsruhe bereits unterstützt. Zudem ist eine Umfrage an die Pflegeheime in Karlsruhe durch die Sozialplanung der Stadt Karlsruhe geplant, um den aktuellen Stand des Einsatzes von Telemedizin in den Heimen sowie Hürden beziehungsweise Bedenken zu ermitteln. Das Thema soll durch das Gesundheitsamt sowie im Rahmen des Arbeitsausschusses für Ältere Generationen (SJB) weiterverfolgt werden. - Parkausweise für Hausbesuche Hausbesuche sind für Hausärzt*innen ökonomisch unattraktiv. Eine Versorgung von immobilen Patient*innen sowie Bewohner*innen in Pflegeheimen ist dadurch teilweise nicht gewährleistet. Die zeitaufwändige Anfahrt wird mit einer Parkplatzsuche bei den Patient*innen sowie vor ihrer eigenen Praxis zudem erschwert. Parkausweise für die Ärzt*innen, um Hausbesuche zu vereinfachen, wären daher dringend erforderlich, um die Parksituation deutlich zu verbessern und Hausbesuche sicherzustellen. Der Vorschlag wurde vom Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe geprüft. Die Ausstellung eines Parkausweises für Hausbesuche jeglicher Art, auch solche, die planbar sind und keine Notfalleinsätze darstellen, ist rechtlich nicht möglich. Akzeptiert werden jedoch durch die Landesärztekammer ausgegebene Plaketten, die an Ärztinnen und Ärzte ausgegeben – 7 – werden, die entsprechend oft solche zeitkritischen Notfalleinsätze leisten. Die Verkehrs- überwachung akzeptiert diese Plaketten, sofern diese nicht missbräuchlich verwendet werden. Die Umsetzung der prioritär bewerteten Maßnahmen liegen nicht allein im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung Karlsruhe und erfordert daher das Mitwirken der beteiligten externen Akteure beziehungsweise Institutionen, wie den niedergelassenen Hausärzt*innen, der Ärzteschaft Karlsruhe und dem Gesundheitsamt. Auch innerhalb der Stadtverwaltung ist die Zusammenarbeit verschiedener Ämter zwingend erforderlich. Nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen Fachämter mit ihren unterschiedlichen Fachkenntnissen und Einflussmöglichkeiten sind zielführende Schritte zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung möglich. Darüber hinaus ist aufzuführen, dass die Bearbeitung des Themas einen neuen freiwilligen Aufgabenbereich der Stadtverwaltung darstellt. Die Umsetzung von Maßnahmen erfordert personelle Kapazitäten, die für diesen Zweck bisher nicht vorgesehen sind. Die personellen Ressourcen in der Stadtverwaltung für die Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge sind nur dann vorhanden, wenn andere wichtige Aufgaben zurückgestellt werden. Alternativ müssten neue personelle Kapazitäten geschaffen werden. Stellenneuschaffungen würden aber den Auflagen des Regierungspräsidiums im Rahmen der Haushaltssicherung zuwiderlaufen. Der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit nimmt den Bericht zur hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2022 sowie den Bericht zu den Ergebnissen der Kommunalen Gesundheitskonferenz mit Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe mit Anlagen zur Kenntnis.
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Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Stadtentwicklung aktuell Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 2 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Impressum Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Leiter: Christoph Riedel Bereich: Stadt- und Regionalentwicklung Dr. Andrea Hammer Bearbeitung: Benedikt Dierßen Kai Rohweder In Zusammenarbeit mit: Alexandra Hunck | Umwelt- und Arbeitsschutz Titelbild: Hush Naidoo Jade Photography (Unsplash.com) Auskunftsdienst und Bestellung: Telefon: 0721 133-1201 Fax: 0721 133-1209 E-Mail: stadtentwicklung@afsta.karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/stadtentwicklung Stand: Oktober 2022 Gedruckt in der Rathausdruckerei Auf 100 Prozent Recyclingpapier © Stadt Karlsruhe Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, diese Veröffentlichung oder Teile daraus zu vervielfältigen oder in elektronischen Systemen anzubieten. Amt für Stadtentwicklung | 3 Inhaltsverzeichnis Einführung 1. Hintergrunddaten zur hausärztlichen Versorgungslage in Karlsruhe 2. Hausärztliche Versorgung aus Sicht der Karlsruher Bevölkerung 3. Qualitative Befragung von Ärztinnen und Ärzten in Karlsruhe 3.1 Einschätzung der aktuellen hausärztlichen Versorgungslage in Karlsruhe 3.2 Standortattraktivität 3.3 Attraktivität unterschiedlicher Praxis-Organisationsformen 3.4 Hürden der Niederlassung 3.5 Praxisübergabe 3.6 Räumlichkeiten für neue Praxen 3.7 Verbesserungsvorschläge 4. Schlussfolgerungen 4 4 8 12 13 14 14 15 16 16 17 18 Einführung Die wohnortnahe Verfügbarkeit von Hausarztpraxen ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Gerade im ländlichen Raum ist diese jedoch in den vergangenen Jahren immer schwieriger zu erreichen. Die Kombination von einer alternden Gesellschaft und gleichzeitig stagnierenden oder rückläufigen Hausärztezahlen haben Anfang 2021 das Land Baden- Württemberg dazu veranlasst, das sogenannte Landarztgesetz zu verabschieden. Doch auch im Stadtgebiet von Karlsruhe zeigen sich räumliche Disparitäten in der Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Hausarztpraxen. Dabei sind die Hintergründe dieser Entwicklung vielschichtig und lassen sich nicht eindimensional betrachten. Um passgenaue Lösungsansätze zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung der Bevölkerung zu entwickeln, ist es zunächst wichtig, die aktuelle Versorgungslage zu analysieren und dabei verschiedene Akteure zu berücksichtigen. Daher wurde in Kooperation zwischen der beim Umwelt- und Arbeitsschutz angesiedelten Kommunale Gesundheitsförderung und dem Amt für Stadtentwicklung ein Untersuchungsdesign zur hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe entworfen, das sich auf unterschiedliche Informationsquellen stützt und sich dabei verschiedener Forschungsmethoden bedient. Zum einen ergibt sich ein Bild zur Versorgungslage aus vorliegenden Daten über die Verteilung der hausärztlichen Praxen im Stadtgebiet sowie der räumlichen Verteilung der erwachsenen Wohnbevölkerung (Kapitel 1). Neben dieser rein zahlenbasierten Analyse ermöglichen die Ergebnisse der aktuellen Bürgerumfrage Einblicke in die Wahrnehmung der Versorgungslage aus Sicht der Karlsruher*innen (Kapitel 2). Die vertiefenden Fragen zur hausärztlichen Versorgung wurden in die Bürgerumfrage mit dem Schwerpunktthema Einkaufen und Nahversorgung integriert und von rund 7.350 Karlsruher*innen beantwortet. Darüber hinaus hat sich die Stadtverwaltung Karlsruhe zum Ziel gesetzt, mittels einer qualitativen Befragung der Hausärztinnen und Hausärzte in Karlsruhe die Versorgungssituation genauer zu untersuchen (Kapitel 3). Ziel dieser qualitativen Befragung von insgesamt 20 Ärztinnen und Ärzten in verschiedenen Phasen ihrer Berufskarriere war es, die Ursachen für den Mangel an Hausärztinnen und Hausärzte zu ermitteln. Insgesamt soll erörtert werden, ob kommunaler Handlungsbedarf besteht und wenn ja, welche im Rahmen der Stadt Karlsruhe möglichen Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden können, um die hausärztliche Versorgung im Stadtgebiet Karlsruhe sicherzustellen (Kapitel 4). Die Ermittlung und Umsetzung von Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich der hausärztlichen Versorgung erfordert viel Vorlaufzeit. Wie auch die Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, ist es daher sinnvoll, sich bereits frühzeitig mit dem Thema der hausärztlichen Versorgung zu beschäftigen, um einer weiteren Verschärfung der Situation entgegenzuwirken und um langfristige Lösungen zur Sicherstellung der Versorgung einleiten zu können. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung Karlsruhe stehen dazu in regem Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (Bereich Sicherstellung) sowie mit Vertreter*innen der Ärzteschaft Karlsruhe, dem Gesundheitsamt Karlsruhe und weiteren Akteuren aus dem Gesundheitsbereich. 1. Hintergrunddaten zur hausärztlichen Versorgungslage in Karlsruhe Für die Sicherstellung einer wohnortnahen, flächendeckenden medizinischen Versorgung der Menschen ist in erster Linie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des jeweiligen Bundeslands zuständig. Vor allem Hausärztinnen und Hausärzte sollen für alle Patientinnen und Patienten möglichst wohnortnah erreichbar sein. Um eine gleichmäßige Verteilung der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland zu erreichen, werden die Hausarztsitze durch die Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses gesteuert. Grundlage der Bedarfsplanung ist das Verhältnis der Zahl der Ärztinnen und Ärzte bezogen auf die Zahl der Einwohner*innen in einem bestimmten Planungsbereich. Der Planungsbereich Karlsruhe umfasst dabei den Stadtkreis Karlsruhe und neun umliegende Gemeinden aus dem Landkreis Karlsruhe (Abbildung 1). Mittelbereich Karlsruhe Für den Mittelbereich Karlsruhe sind in der hausärztlichen Versorgung laut der Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 29.06.2022 239,55 von 287,05 möglichen Stellen besetzt 1 . Bezogen auf das Soll- Versorgungsniveau beträgt der hausärztliche Versorgungsgrad im Mittelbereich Karlsruhe somit 91,9 Prozent. Dies bedeutet, dass ein Hausarzt bzw. eine Hausärztin rechnerisch aktuell mehr Patientinnen und Patienten versorgen muss, als es im Bedarfsplan vorgesehen ist. Um eine rechnerische Vollversorgung von 100 Prozent in der hausärztlichen Versorgung zu erreichen, müssten zu den aktuell bestehenden Hausarztsitzen 21,45 weitere im Mittelbereich besetzt werden. Die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe könnte sich insbesondere durch altersbedingte Praxisschließungen in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern: Circa 35,5 Prozent der im Mittelbereich Karlsruhe niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte sind laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) 60 Jahre und älter. 2 Es ist daher anzunehmen, dass in den nächsten Jahren einige der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte im Mittelbereich beziehungsweise Stadtkreis Karlsruhe ihre Tätigkeit beenden werden. 1 Vgl. https://www.kvbawue.de/praxis/vertraege-recht/bekanntmachungen/bedarfsplanung/ 2 Quelle: KVBW, Juli 2022. 4 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022.Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Mittelbereich Karlsruhe Stadtkreis Karlsruhe Legende Stadtkreis Karlsruhe Dettenheim Linkenheim- Hochstetten Eggenstein- Leopoldshafen Graben- Neudorf Stutensee Weingarten Pfinztal Walzbachtal Rheinstetten Karlsruhe Abbildung 1 Mittelbereich und Stadtkreis Karlsruhe Hinsichtlich der hausärztlichen Versorgung wird der Stadtkreis Karlsruhe dem Mittelbereich Karlsruhe zugeordnet. Dieser ist dabei jedoch größer als die Stadtgrenze und schließt somit Teile des Landkreises ein. Für den Stadtkreis gibt es dadurch keine eigene Bedarfsplanung. Es ist somit seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg nur eingeschränkt möglich, eine Aussage zu treffen, wie sich die Versorgungssituation im Stadtkreis Karlsruhe genau darstellt. Allerdings siedeln sich (Haus-)ärztinnen tendenziell eher in urbanen Regionen an, so dass davon auszugehen ist, dass im Stadtkreis eine vergleichsweise bessere Versorgungslage als im Landkreis vorherrschen wird. Anzumerken ist, dass sich Hausärztinnen und Hausärzte an einem Ort ihrer Wahl innerhalb eines Mittelbereichs niederlassen können, wenn dieser Mittelbereich über offene Stellen verfügt. Dementsprechend ist es möglich, dass manche Teilgebiete eines Mittelbereichs – wie zum Beispiel Stadtteile – über keine oder wenige Hausärztinnen und Hausärzte verfügen, während andere Stadtteile eine hohe Dichte an Hausarztpraxen aufweisen können. Die Verteilung der Hausärztinnen und Hausärzte innerhalb eines für Zulassungen partiell geöffneten Mittelbereichs kann durch den von der Kassenärztlichen Vereinigung unabhängigen Zulassungsausschuss nicht gesteuert werden. Amt für Stadtentwicklung | 5 Stadtkreis Karlsruhe Durch Verschneidung der Adressdaten hausärztlicher Praxen mit der im Stadtgebiet bewohnten Fläche zeigt sich die in Abbildung 2 dargestellte Luftliniendistanz der Wohnadressen zur nächstgelegenen Hausarztpraxis. Die 192 im Stadtgebiet Karlsruhe niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte verteilen sich auf stadtweit 127 Hausarztpraxen 3 . Gerade im Innenstadtbereich liegen die einfachen Entfernungen zur nächsten Praxis fast flächendeckend bei unter 500 Metern, meist sogar unter 250 Metern Luftlinie. In Stadtrandlagen und Neubaugebieten zeigen sich aber Wohngebiete, für deren Bürger*innen beim Aufsuchen der nächstgelegenen Praxis weitere Entfernungen zurückzulegen wären. Beim Interpretieren der Karte muss bedacht werden, dass die tatsächlich zurückzulegenden Wege die Luftlinie je nach Wegenetz und gewähltem Verkehrsmittel übersteigen. Außerdem entspricht aus unterschiedlichen Gründen die nächstgelegene Praxis nicht immer der letztlich aufgesuchten Hausarztpraxis. 3 Quelle: KVBW, März 2022. Stand: März 2022. Datengrundlage: Stadt Karlsruhe (2020), KVBW (2022). Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Stand: März 2022. Datengrundlage: Stadt Karlsruhe (2020), KVBW (2022). Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Bis unter 250 Meter 250 bis unter 500 Meter 500 bis unter 750 Meter 750 bis unter 1.000 Meter 1.000 Meter und mehr Praxisstandorte Luftliniendistanz Waldstadt Oberreut Daxlanden Knielingen Mühlburg Neureut Nordwest- stadt Grünwinkel Innen- stadt- West Innen- stadt- Ost Nordstadt Beiertheim- Bulach Weiherfeld- Dammerstock Rüppurr Wolfarts- weier Grünwetters- bach Stupferich Hohenwetters- bach Palmbach Durlach Grötzingen Südstadt Oststadt Rintheim Südweststadt Weststadt Hagsfeld Waldstadt Oberreut Daxlanden Knielingen Mühlburg Neureut Nordwest- stadt Grünwinkel Innen- stadt- West Innen- stadt- Ost Nordstadt Beiertheim- Bulach Weiherfeld- Dammerstock Rüppurr Wolfarts- weier Grünwetters- bach Stupferich Hohenwetters- bach Palmbach Durlach Grötzingen Südstadt Oststadt Rintheim Südweststadt Weststadt Hagsfeld Abbildung 2 Luftliniendistanz von Wohnadressen zur nächsten Hausarztpraxis 6 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Einschätzung der hausärztlichen Versorgungslage ist das zahlenmäßige Verhältnis der Hausärztinnen und Hausärzte zur erwachsenen Wohnbevölkerung. Abbildung 3 zeigt auf Ebene der Karlsruher Stadtteile die Relation von Hausärztinnen und Hausärzte zur Wohnbevölkerung mit Hauptwohnsitz im Alter von 18 Jahren und älter. Insgesamt kommen auf 1.000 volljährige Karlsruher*innen 0,625 Hausärztinnen und Hausärzte, wobei es auf Ebene der Stadteile große Unterschiede gibt. Diese im Behandlungsalltag bedeutsame Gegenüberstellung der Anzahl zur Verfügung stehender Ärztinnen und Ärzte für die ansässige Bevölkerung zeigt zum Beispiel in der Südstadt, Nordweststadt, Mühlburg und Oberreut trotz flächig guter – rein auf Luftliniendistanz basierter – Versorgung ein verhältnismäßig angespanntes Arzt-Einwohner-Verhältnis auf. Stand: März 2022. Bevölkerung ab 18 Jahren, nur Hauptwohnsitz. Ohne Bewohnerinnen und Bewohner der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA). Datengrundlage: Stadt Karlsruhe (2020), KVBW (2022). Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Stand: März 2022. Bevölkerung ab 18 Jahren, nur Hauptwohnsitz. Ohne Bewohnerinnen und Bewohner der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA). Datengrundlage: Stadt Karlsruhe (2020), KVBW (2022). Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. 0,6 und mehr 0,5 bis unter 0,6 0,4 bis unter 0,5 0,3 bis unter 0,4 Weniger als 0,3 Praxisstandorte Hausärzt*innen pro 1.000 Einwohner*innen Waldstadt Oberreut Daxlanden Knielingen Mühlburg Neureut Nordwest- stadt Grünwinkel Innen- stadt- West Innen- stadt- Ost Nordstadt Beiertheim- Bulach Weiherfeld- Dammerstock Rüppurr Wolfarts- weier Grünwetters- bach Stupferich Hohenwetters- bach Palmbach Durlach Grötzingen Südstadt Oststadt Rintheim Südweststadt Weststadt Hagsfeld Waldstadt Oberreut Daxlanden Knielingen Mühlburg Neureut Nordwest- stadt Grünwinkel Innen- stadt- West Innen- stadt- Ost Nordstadt Beiertheim- Bulach Weiherfeld- Dammerstock Rüppurr Wolfarts- weier Grünwetters- bach Stupferich Hohenwetters- bach Palmbach Durlach Grötzingen Südstadt Oststadt Rintheim Südweststadt Weststadt Hagsfeld Abbildung 3 Verhältnis von Hausärztinnen und Hausärzten zur Wohnbevölkerung in den Stadtteilen Amt für Stadtentwicklung | 7 2. Hausärztliche Versorgung aus Sicht der Karlsruher Bevölkerung Im Rahmen der Karlsruher Bürgerumfrage, die im Jahr 2022 unter dem Schwerpunktthema Einkaufen und Nahversorgung durchgeführt wurde, waren auch die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der hausärztlichen Versorgungslage sowie die Nutzungsgewohnheiten von hausärztlichen Diensten von Interesse. Zufriedenheit mit der hausärztlichen Versorgungslage im Stadtteil Erfreulicherweise zeigen sich in Karlsruhe insgesamt rund drei Viertel der Bevölkerung mit der Versorgung mit Hausarztpraxen im Stadtteil sehr zufrieden (34,1 %) oder eher zufrieden (39,4 %). Ein Fünftel (20,1 %) berichtet davon, eher unzufrieden zu sein und lediglich 6,4 % der Befragten geben an, mit der hausärztlichen Versorgungslage im Stadtteil sehr unzufrieden zu sein. Eher kritisch wird die Versorgung mit Hausarztpraxen vor allem in Stupferich (eher unzufrieden: 35,8 %, sehr unzufrieden: 18,5 %), Oberreut (eher unzufrieden: 23,9 %, sehr unzufrieden 19,9 %) und in der Südstadt (eher unzufrieden: 25,4 %, sehr unzufrieden 11,5 %) wahrgenommen. Abbildung 4 veranschaulicht die unterschiedlichen Zufriedenheiten mit der hausärztlichen Versorgungslage im Stadtteil. 16,6 25,2 22,2 27,8 34,5 33,7 36,5 34,0 30,7 27,7 28,2 30,2 30,0 35,8 41,4 30,0 28,3 32,2 39,6 41,4 40,1 46,2 38,1 41,2 33,8 46,2 51,5 34,1 29,2 31,1 40,9 39,3 34,8 36,2 34,6 37,2 40,6 43,7 43,4 41,5 41,9 37,6 32,3 44,0 46,0 42,3 34,9 36,0 38,0 32,9 41,3 38,9 48,3 37,8 36,9 39,4 35,8 23,9 25,4 24,9 22,7 23,2 21,5 19,3 22,2 20,9 22,8 24,5 22,6 20,9 20,4 19,2 23,0 21,2 22,9 15,6 17,2 20,9 14,5 16,4 16,7 12,0 10,2 20,1 18,5 19,9 11,5 8,0 7,9 6,9 7,3 9,5 6,5 7,7 5,6 3,8 5,5 5,6 5,8 6,8 4,2 7,0 4,7 6,0 3,5 3,9 6,4 0102030405060708090100 Stupferich Oberreut Südstadt Waldstadt Knielingen Grünwinkel Daxlanden Beiertheim-Bulach Innenstadt-Ost Hagsfeld Weststadt Nordstadt Südweststadt Neureut Grünwettersbach Mühlburg Weiherfeld-Dammerstock Nordweststadt Wolfartsweier Innenstadt-West Oststadt Palmbach Rüppurr Rintheim Hohenwettersbach Durlach Grötzingen Karlsruhe insgesamt Sehr zufriedenEher zufriedenEher unzufriedenSehr unzufrieden Abbildung 4 Zufriedenheit mit der Versorgung mit Hausarztpraxen in den Karlsruher Stadtteilen 2022 Keine Wertebeschriftung unter 3 %. Basis6.496 Befragte mit Antwort. Quelle: Karlsruher Bürgerumfrage 2022. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. „Wie zufrieden sind Sie mit der Versorgung mit folgenden Angeboten in Ihrem Stadtteil?” –Hausarztpraxen % 8 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Inanspruchnahme von hausärztlichen Praxen Vier von fünf Karlsruher*innen (81,3 %) gehen mindestens einmal jährlich in eine Hausarztpraxis. Nur 18,7 % der Befragten waren binnen Jahresfrist kein einziges Mal in einer Hausarztpraxis (Abbildung 5). Jeweils rund ein Drittel waren ein oder zwei Mal (33,1 %) oder drei bis unter sechs Mal (34,2 %) bei einer Allgemeinmedizinerin/einem Allgemeinmediziner. Im Mittel werden die erwachsenen Karlsruher*innen 3,2 Mal im Jahr bei einer Hausärztin/einem Hausarzt oder Allgemeinmediziner*in vorstellig. Dabei nimmt die Besuchsintensität der Karlsruher*innen in hausärztlichen Praxen mit höherem Alter zu und steigt von durchschnittlich 2,2 jährlichen Besuchen im Alter von 18 bis unter 30 Jahren auf einen etwa zweimonatigen Rhythmus (5,6 Besuche) im Alter von 75 Jahren und älter. Nicht alle Befragten verfügen über einen festen Hausarzt: 86,5 % der erwachsenen Karlsruher*innen gaben an, eine Hausärztin/einen Hausarzt zu haben, die oder den sie üblicherweise aufsuchen, wenn sie krank sind oder ärztlichen Rat benötigen (Abbildung 6). Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede nach Lebensalter: So haben unter den 18 bis unter 30 Jahre alten Karlsruher*innen gut zwei Drittel (68,7 %) eine feste Anlaufadresse, während mit 96,9 % nahezu alle Bürger*innen im Alter von 75 Jahren und älter mit einer/m gewohnheitlich aufgesuchten Hausärztin/Hausarzt versorgt sind. Von den 13,5 % Karlsruher*innen ohne Hausärztin/Hausarzt geben 40,5 % als Begründung für diesen Umstand an, keinen Bedarf zu haben und etwa ein Drittel (31,3 %) berichtet davon, auf der Suche bislang nicht fündig geworden zu sein. 3,9 7,1 14,3 21,8 33,0 18,7 18,0 26,5 36,4 39,6 30,5 33,1 45,0 43,9 34,6 30,6 28,5 34,2 21,9 15,1 10,8 6,4 6,9 10,3 11,2 7,4 3,8 3,7 0102030405060708090100 75 Jahre und älter 65 bis unter 75 Jahre 45 bis unter 65 Jahre 30 bis unter 45 Jahre 18 bis unter 30 Jahre Karlsruhe insg. gar nicht1 oder 2 Mal3 bis 5 Mal6 bis 11 Mal12 Mal oder öfter Abbildung 5 Jährliche Besuchshäufigkeiten in Hausarztpraxen Keine Wertebeschriftung unter 3 %. Basis7.128 Befragte mit Antwort. Quelle: Karlsruher Bürgerumfrage 2022. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. „Wie häufigwaren Sie in den letzten 12 Monaten bei einer Hausärztin/Allgemeinmedizinerin oder einem Hausarzt/Allgemeinmediziner?” % Altersgruppen 3,2 2,2 2,5 3,4 4,5 5,6 Ø Besuche Amt für Stadtentwicklung | 9 Schwierigkeit der Hausarztsuche Die mit einer Hausärztin/einem Hausarzt versorgte Bevölkerung wurde danach gefragt, wie schwierig sich die Suche gestaltete. Die überwiegende Mehrheit berichtet davon, dass diese sehr (44,1 %) oder eher einfach (35,8 %) war und zusammen ein Fünftel der Befragten stuft die letztlich erfolgreiche Suche als eher (13,5 %) oder sogar sehr schwierig (6,5 %) ein (Abbildung 7). Dabei sind allerdings deutliche Unterschiede in Abhängigkeit von der Wohndauer im Stadtteil, in Karlsruhe sowie von der Dauer der Arzt- Patient-Beziehung auszumachen. Insgesamt gestaltet sich die Suche schwieriger, je kürzer die Wohndauer der Befragten in Karlsruhe und je kürzer die Wohndauer im jeweiligen Stadtteil ist. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die komplizierter werdende Suche nach einem Hausarzt oder einer Hausärztin im Zusammenhang mit der Dauer der aktuellen Arzt-Patient- Beziehung. Karlsruher*innen, die erst in den vergangenen zwei Jahren fündig wurden, berichten zu einem Drittel von einer eher (20,0 %) oder sehr schwierigen (15,7 %) Suche. 96,9 94,3 93,4 86,7 68,7 86,5 3,1 5,7 6,6 13,3 31,3 13,5 0102030405060708090100 75 Jahre und älter 65 bis unter 75 Jahre 45 bis unter 65 Jahre 30 bis unter 45 Jahre 18 bis unter 30 Jahre Karlsruhe insg. JaNein Abbildung 6 Verbreitung fester Arzt-Patient-Beziehungen Basis7.370 Befragte mit Antwort. Quelle: Karlsruher Bürgerumfrage 2022. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. „Haben Sie eine Hausärztin/einen Hausarzt, die/den Sie üblicherweise zuerst aufsuchen, wenn Sie krank sind oder ärztlichen Rat brauchen?” % Altersgruppen 57,7 40,0 36,1 31,1 44,1 33,3 41,9 36,6 33,2 35,8 6,6 14,0 19,0 20,0 13,5 4,1 8,3 15,7 6,5 0102030405060708090100 10 Jahre oder länger 5 bis unter 10 Jahre 2 bis unter 5 Jahre Seit unter 2 Jahren Karlsruhe insg. Sehr einfachEher einfachEher schwierigSehr schwierig Abbildung 7 Schwierigkeit der Hausarztsuche Keine Wertebeschriftung unter 3 %. Basis6.180 Befragte mit Antwort. Quelle: Karlsruher Bürgerumfrage 2022. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. „Wie einfach war es für Sie, Ihre jetzige Hausärztin/Ihren jetzigen Hausarzt zu finden?” % Dauer der Arzt-Patient-Beziehung 10 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Mobilitätsverhalten beim Hausarztbesuch Um die tatsächlich anfallende Wegedauer beim Aufsuchen der Hausarztpraxis in Erfahrung zu bringen, wurden die Karlsruher Bürger*innen danach gefragt, wo die in der Regel besuchte Hausarztpraxis ihren Sitz hat, welches Verkehrsmittel sie auf dem Weg nutzen und wie lange für den Weg in die Hausarztpraxis benötigt wird. Rund zwei Drittel (63,2 %) der Befragten geben an, dass die üblicherweise aufgesuchte Hausarztpraxis ihren Sitz im eigenen Stadtteil oder im Nachbarstadtteil hat (Abbildung 8). Insgesamt zu jeweils ähnlichen Anteilen gehen die Bewohner*innen der Fächerstadt zu Fuß (30,9 %) oder bevorzugen als Verkehrsmittel den Pkw (27,3 %) oder das Fahrrad (27,3 %), wobei die Fortbewegungsweise in starkem Zusammenhang mit der Verortung der Hausarztpraxis steht. Befragte, deren Hausarztpraxis im eigenen oder im benachbarten Stadtteil ansässig ist, wenden im Durchschnitt 9,2 Minuten für einen einfachen Weg auf. Bei nicht wohnortnaher Versorgung beträgt die Dauer im Mittel 21,9 Minuten. Im Durchschnitt werden rund 14 Minuten benötigt, um mit dem jeweils präferierten Verkehrsmittel zur Hausarztpraxis zu gelangen. 63,2 36,8 020406080100 Weiter entfernte Praxis Wohnortnah Abbildung 8 Sitz, Anreisedauer zur Praxis und Verkehrsmittelwahl TG 1Praxis im eigenen oder Nachbarstadtteil. TGNur Befragte, die eine/n Hausärzt*in haben. Basis6.383 Befragte mit Antwort. QuelleKarlsruher Bürgerumfrage 2022. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. „Wo hat die üblicherweise von Ihnen aufgesuchte Hausarztpraxis ihren Sitz?", „Welches Verkehrsmittel benutzen Sie in der Regel für den Weg von zu Hause zu Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt?", „Welche Zeit müssen Sie in aller Regel aufwenden, um von Ihrer Wohnung zu Ihrer Hausärztin/Ihem Hausarzt zu gelangen (mit dem in der Regel genutzten Verkehrsmittel)?" % 46,0 %28,8 %5,3 % 17,1 % 5,1 %24,7 %21,6 % 45,2 % Ø 21,9 Minuten 1 Ø 9,2 Minuten 30,9 %27,3 %11,3 % 27,3 % Ø 13,9 Minuten Karlsruhe insgesamt Amt für Stadtentwicklung | 11 Neben der quantitativen Befragung der Karlsruher*innen im Rahmen der Bürgerumfrage 2022 wurde parallel eine qualitative Studie durchgeführt, die das Bild der hausärztlichen Versorgungslage im Karlsruher Stadtgebiet um die Sicht der Ärztinnen und Ärzte ergänzt. In Summe wurden vom Marktforschungsinstitut Spiegel GmbH 20 leitfadengestützte Interviews mit Ärztinnen und Ärzten im Karlsruher Stadtgebiet geführt, die danach anonymisiert an die Stadtverwaltung übermittelt und dort themenorientiert ausgewertet wurden. Die Feldphase erstreckte sich auf den Zeitraum vom 18. Februar 2022 bis zum 31. März 2022. Dabei wurden vier Interviews mit Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin/ zum Allgemeinmediziner, zehn Interviews mit seit kurzem in Karlsruhe tätigen Hausärztinnen und Hausärzten sowie sechs Interviews mit Hausärztinnen und Hausärzten, die vor einer Praxisaufgabe stehen, geführt. Ursprünglich angedachte ausschließliche Vor-Ort-Termine zur Interviewdurchführung mussten, vor allem aufgrund der Corona-Situation, einem etwa ausgeglichenen Mix aus telefonisch, online und face-to-face durchgeführten Befragungen weichen. Im Rahmen eines Interviews mit einem Hausarzt/einer Hausärztin in Weiterbildung wurde die Idee zur Befragung begrüßt und die Stadt für die Initiative gelobt. Die letztjährigen Entwicklungen mit vermehrten Renteneintritten und Personalmangel ließen den Handlungsbedarf offensichtlich werden, so die/der Befragte. 3. Qualitative Befragung von Ärztinnen und Ärzten in Karlsruhe Quelle: Amt für Stadtentwicklung | Codewolke aus den Transkripten aus MAXQDA. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Quelle: Amt für Stadtentwicklung | Codewolke aus den Transkripten aus MAXQDA. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022. Abbildung 9 Codewolke aller Interviews 12 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 3.1 Einschätzung der aktuellen hausärztlichen Versorgungslage in Karlsruhe Versorgungslage Die aktuelle Versorgungslage wird durchaus als angespannt, auf Kante genäht und brisant empfunden. „Echter Mangel“, „beginnender Notstand“ und „bettelnde Patientinnen und Patienten“, die auf der Suche nach einer Hausärztin/einem Hausarzt sind, werden beschrieben. Dazu kommen zahlreiche Anfragen von auf der Suche befindlichen Patientinnen und Patienten aus anderen Stadtteilen. Corona kommt als zusätzlich erschwerender Faktor hinzu, der zu erhöhter Arbeitsbelastung in den Praxen führt. Teilweise hören Hausärztinnen und Hausärzte Corona-bedingt früher auf oder arbeiten nicht noch nach dem Renteneintrittsalter hinaus weiter. (Zeitweise) Aufnahmestopps sind die gängige Praxis. Zahlreiche Hausarztpraxen werden in den kommenden Jahren schließen und die Nachfolgesuche gestaltet sich als schwierig. Parallel dazu sorgt der fortschreitende demografische Wandel für mehr und ältere Patientinnen und Patienten. Eine weitere Zuspitzung der Versorgungslage wird insgesamt erwartet. Im Einzelnen wird von einer/einem Befragten von einer zwischenzeitlichen Notlage nach Praxisschließung im Umfeld berichtet, die sich erst nach der Niederlassung einer neuen Kollegin entspannte. Aufgrund von Personalmangel mussten zeitweise Aufnahmestopps ausgesprochen werden. Die Versorgungslage wird wegen notwendigerweise abweisender Haltungen gegenüber neuen aber auch gegenüber alten Patienten aus der Vorgängerpraxis als „Katastrophe“ beschrieben. Die teilweise sehr lange Wege in Kauf nehmenden neuen Patient*innen machten die Dringlichkeit der Situation und eine bereits jetzt zu späte Reaktion deutlich. Hausbesuche Hausbesuche werden durchweg als sehr schwieriges Thema gesehen, da diese durch veraltete Regelungen nach Ansicht der Interviewten viel zu gering entlohnt werden. Trotz fehlender Rentabilität fühlen sich manche Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, Hausbesuche anzubieten, da ohne sie niemand die Versorgung der Bewohner*innen in den Pflegeheimen übernehmen würde. Einige Ärztinnen und Ärzte bieten den Service allerdings gar nicht mehr oder nur noch für den alten Patienten-Stamm an. Hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkte rechnen sich Hausbesuche nach Aussage der Ärztinnen und Ärzte nicht, auch wenn Sie Hausbesuche als wichtig erachten. Ein Hausarzt/eine Hausärztin kurz vor Praxisaufgabe beschreibt die Hausbesuchstätigkeit als einen „Liebesdienst“ für die Patient*innen, mit denen man gemeinsam alt geworden sei. Die unzufriedenstellende Situation beim Aufsuchen von Patient*innen in ihrem Zuhause wird aus Sicht der Befragten durch Parkplatzmangel im Stadtgebiet erschwert. Anwohnerparkausweise gibt es für Hausärztinnen und Hausärzte nicht und im Falle eines Strafzettels erlässt die Stadt auf Beantragung nur die Hälfte, was einen organisatorischen Aufwand der Nachweisführung bedeutet. Auch bei neu gebauten Seniorenwohnheimen werden nach Angaben von Interviewten nicht standardmäßig neue Parkplätze für Arztbesuche eingeplant, was auf Unverständnis stößt. Fachkräftemangel Als gesamtdeutsches Problem wird der enorme Mangel an medizinischen Fachangestellten (MFA) gesehen. Dieser wirkt sich auf die mögliche Anzahl der versorgbaren Patientinnen und Patienten aus und stellt gleichzeitig eine Hürde für eine Niederlassung dar. Insgesamt wird der Beruf der MFA als nicht gut bezahlt angesehen, weswegen einige Befragte übertariflich bezahlen und dennoch in Konkurrenz mit anderen Arbeitgebern wie Krankenhäusern stehen, die nach Auskunft der Ärztinnen und Ärzte in der Regel höher zu entlohnen im Stande sind. Ein mehrfach beschriebener Weg ist daher die eigene Ausbildung von Nachwuchskräften, in der Hoffnung diese danach langfristig binden zu können. Amt für Stadtentwicklung | 13 3.2 Standortattraktivität Standort Karlsruhe Positiv wird vor allem die Lebensqualität allgemein sowie für Familien gesehen. Karlsruhe zeichnet sich aus Sicht der befragten Ärztinnen und Ärzte durch einen hohen Freizeitwert und eine vorteilhafte Nähe zu Fachärztinnen und Fachärzten aus. Weitere positiv wahrgenomme Aspekte sind die Fahrradfreundlichkeit und Programme für Familien und Akademiker*innen. Entgegen Bedenken, ob der Standort Karlsruhe womöglich aus verschiedenen Gründen (vor allem aufgrund absenter medzinischer Fakultät) unattraktiv für Allgemeinmediziner*innen sein könnte, kann nach Abschluss der 20 Interviews das Resümée gezogen werden, dass Karlsruhe generell bezüglich der Lage in Deutschland und bezüglich Lebensqualität ein durchaus attraktiver Standort für die Aufnahme einer hausärztlichen Tätigkeit ist. Insgesamt spielen dennoch vor allem private Gründe – Nähe zur Familie – für die Standortwahl der Niederlassung eine Rolle. Private sowie berufliche Netzwerke, die während der Ausbildungszeit aufgebaut wurden, werden von den Befragten als Gründe bei der Standortwahl angeführt. Standort innerhalb des Stadtgebiets Die Wahrnehmung der unterschiedlich situierten Patientenstrukturen je nach Lage im Stadtgebiet ist durchaus vorhanden. Teils gut situierte Patientinnen und Patienten aber auch sozial problematische Klientel – gerade um den Werderplatz – werden von den Befragten genannt. Insgesamt zeigen die Befragten aber eine hohe Zufriedenheit mit der Lage der jeweiligen Praxis im Stadtgebiet, die sich durch gute Erreichbarkeiten mit dem ÖPNV auszeichnen. Jedoch wird die Parkplatzsituation für Patientinnen und Patienten vor Ort von einigen – gerade zentrumsnah tätigen – Befragten als schwierig beschrieben. In einem Interview mit einer/einem kürzlich niedergelassenen Hausärztin/Hausarzt wird der Standort als perfekt beschrieben, da die fußläufige Erreichbarkeit gegeben, Parkplätze vor der Tür, eine nahe Bahnstation sowie eine Apotheke gegenüber vorhanden seien. 3.3 Attraktivität von unterschiedlichen Praxis-Organisationsformen Die Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte bevorzugt als Organisationsform eine Gemeinschaftspraxis, da so finanzielle Risiken und der Arbeitsaufwand gesenkt werden können. Gleichzeitig ermöglicht die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte in Gemeinschaftspraxen gegenseitige Hilfestellungen beziehungsweise Beratungen in medizinschen Fragen sowie (fachliche) Austauschmöglichkeiten. Zudem können durch eine Gemeinschaftspraxis mit mehreren versetzt arbeitenden Ärztinnen und Ärzten nachfragefreundliche Öffnungszeiten angeboten werden. Als mögliche Alternative zur Gemeinschaftspraxis wird zudem eine Einzelpraxis mit weiteren Ärztinnen/Ärzten im Angestelltenverhältnis genannt. Der Wunsch nach gemeinschaftlicher Arbeit in der hausärztlichen Versorgung steht somit im Gegensatz zu der bisher überwiegenden Form der hausärztlichen Versorgung: Einer Einzelpraxis, in der lediglich ein Hausarzt oder eine Hausärztin tätig ist. Die Organisationsform eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) wird zwar teilweise als nicht aufhaltbare Zukunft gesehen, gleichzeitig aber auch sehr kritisch wahrgenommen, da die klassischen Vorzüge einer langjährigen Beziehung zwischen Patient*in und Ärztin/ Arzt nach Auskunft der Interviewten verloren gingen. Damit werde die Einordnung von vorgetragenen gesundheitlichen Problemen erschwert und die Diagnositk dauere tendenziell länger. Die Etablierung von Organisationsformen wie die eines MVZ wird in einem Interview als wohl unausweichlich beschrieben, wenn die ambulante Versorgung aufrechterhalten werden solle. Manche Krankenkassen hätten bezüglich MVZ ein sehr „mechanistisches“ Modell vor Augen, das aufgrund der individuellen Einzelfälle aber nicht funktioniere. Ein*e Patient*in könne nicht einfach oben krank rein und unten gesund wieder heraus kommen. 14 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 3.4 Hürden der Niederlassung Finanzielle Aspekte und Verwaltungsaufwand Mit einer Niederlassung gehen wirtschaftliche Risiken einher, die als Hürde wahrgenommen werden. Die finanziellen Risiken bestehen vor allem in den Ausgaben für Räume, Gerätschaften und Personal, aber auch aus möglicherweise drohenden Regressforderungen. Die Freiberuflichkeit und die wirtschaftliche Eigenverantwortlichkeit wird in einem Gespräch mit einer Hausärztin/einem Hausarzt in Weiterbildung als tatsächlich größte Hürde beschrieben. Im Falle einer geplanten Gemeinschaftspraxis einen passenden Partner, gutes Personal und geeignete Räumlichkeiten zu einem fairen Preis zu finden, wird auch als nicht einfaches Unterfangen bezeichnet. Insgesamt hängt mit zahlreichen Abläufen beim Gründen und Führen einer Praxis ein sehr hoher Verwaltungsaufwand, gerade bei der Einstellung und der Unterhaltung von Personal, zusammen. Dieser Aufwand wird in Zeiten häufig wechselnder pandemiebestimmter Richtlinien zusätzlich erhöht. Die derzeit für eine Übernhame zur Verfügung stehenden Praxen sind nach Auskunft der Befragten hauptsächlich Einzelpraxen und insgesamt nicht attraktiv. Die Suche nach passenden Räumlichkeiten und der Aufbau eines neuen Patientenstamms wird von einem Hausarzt/einer Hausärztin in Weiterbildung als zu große Unplanbarkeit eingestuft. Die großteils für Hausarztpraxen verpflichtend vorgeschriebene Digitalisierung erschwert Vorgänge und ist sehr fehleranfällig. Selbst für Ärztinnen und Ärzte mit IT-Background stellen die Digitalisierung und Software- oder Serverprobleme erschwerende Rahmenbedingungen für einen reibungslosen Praxisalltag dar. Die geplanten Digitalisierungen sind aus Sicht einer Hausärztin/eines Hausarztes kurz vor Praxisaufgabe prinzipiell gute Ansätze. Allerdings brächten sie aktuell keinen Mehrwert in der Praxis, sondern stattdessen eine immens hohe Belastung mit ständig ausfallenden technischen Systemen mit sich. Die Beratungs- und Seminarangebote der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) werden teilweise als wertvoll und hilfreich, teils aber auch als zu entfernt von realen Herausforderungen und nicht umfänglich genug wahrgenommen. So bleiben, gerade was den Gang in die Selbstständigkeit angeht, teils Fragen und Sorgen offen. Eigene Erfahrungen nach Besuch dieser Kurse lassen eine seit kurzem tätige Hausärztin/einen seit kurzem tätigen Hausarzt beschreiben, dass die tatsächliche Lebensrealität deutlich über die in den Seminaren behandelten Inhalte hinausgehe. Private Aspekte Die eigene Familienplanung und eine sich im Laufe der letzten Jahrzehnte wandelnde Work-Life-Balance stehen ebenso den Vorzügen einer selbstständigen Niederlassung entgegen. Durch den hohen Verwaltungsaufwand, der beim selbstständigen Führen einer Praxis zum eigentlichen ärztlichen Aufgabenbereich dazu kommt, wird eine Niederlassung als Einzelpraxis in der Lebensphase der Familiengründung aus Sicht der Interviewten sehr unattraktiv. Eine seit kurzem tätige Hausärztin/ein seit kurzem tätiger Hausarzt schließt die alleinige Führung einer Praxis aus, da aufgrund eigener Kinder Teilzeit angestrebt werde und eigene Erfahrungen zeigten, dass durch die organisatorische Arbeit im Hintergrund aus einer Teilzeitstelle eigentlich eine Vollzeitstelle würde. Amt für Stadtentwicklung | 15 3.5 Praxisübergabe Aus Sicht der praxissuchenden Ärztinnen und Ärzte weisen die auf dem Markt befindlichen Angebote kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auf. Vorhandene Praxen, die zur Übernahme angeboten werden, sind häufig in keinem guten Zustand, zu teuer und entsprechen, was Barrierefreiheit, Größe und Raumaufteilung angeht, nicht den Ansprüchen an eine moderne Praxis beziehungsweise Gemeinschaftspraxis, in der mehrere Ärztinnen und Ärzte zusammenarbeiten können. Zur Übernahme angebotene, bestehende Praxen sind meist als Einzelpraxis angelegt und werden entsprechend geführt. Hausärztinnen und Hausärzte, die vor einer möglichen Übergabe der eigenen Praxis stehen, sind meist desillusioniert: Früher übliche und für die eigenen Altersvorsorge eingeplante Übergabepreise können nicht mehr aufgerufen werden. Aus medizinisch-fachlicher Sicht bezüglich der Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie aus betriebswirtschaftlicher und personalführender Sicht macht eine überlappende Phase der Praxisübergabe Sinn. Eine solche Übergangszeit wird von beiden Seiten (Übergabe- und Übernahmepartei) als hilfreich angesehen. So kann eine nahtlose Betreuung ermöglicht werden. Ein offenes Ohr bei aufkommenden Fragen und regelmäßig stattfindende Übergabegespräche wurden von einem/einer der Interviewpartner als gewinnbringend beschrieben. 3.6 Räumlichkeiten für neue Praxen Generell wirkt sich die sehr angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt in Karlsruhe auch auf den Gewerbemietmarkt aus. Es wird von großen Schwierigkeiten beim Finden von geeigneten Räumlichkeiten zur Gründung einer Praxis berichtet. Bereits bestehende Praxen genießen Bestandsschutz und kommen daher teils auch ohne vollständige Barrierefreiheit und ohne nach Geschlechtern getrennte Toilettenräume aus. Bei einer Neugründung erschweren die strengen Vorgaben allerdings zusätzlich die ohnehin schwierige Suche nach Räumlichkeiten. Als optimale Praxis werden mehrere kleinere Patientenzimmer mit zusätzlichen Räumen für Personal (Sozialraum, WC) angesehen. Barrierefreiheit ist unabdingbar, die gesetzlichen Ansprüche sind generell sehr hoch. Eine seit kurzem tätige Hausärztin/ein seit kurzem tätiger Hausarzt beschreibt die eigene Praxis als perfekt, da sich diese durch Ebenerdigkeit, Parkplätze vor der Tür sowie einen Garten hinter der Praxis auszeichne, der in Pandemiezeiten als Sprechstundenort genutzt werde könne. Generell werden variable Räumlichkeiten, die im Fall trennbar sind, als hilfreich betrachtet. Gesonderte Räumlichkeiten für parallel arbeitende Fachangestellte – zum Beispiel für Laborarbeiten – oder ein separater Verbandsraum seien von Vorteil. 16 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 3.7 Verbesserungsvorschläge Organisatorische Aspekte Die befragten Ärztinnen und Ärzte wünschen sich eine Verbesserung der Situation, um die Hausarztpraxen zu entlasten. Dabei sehen sie jedoch nicht nur die Stadt in der Pflicht. Die Probleme sind vielschichtig. So bedarf es ihrer Meinung nach unter anderem allgemeiner Verbesserungen im System, um den Beruf des Hausarztes/der Hausärztin attraktiver zu machen, den Administrationsaufwand in den Praxen zu senken und die eigentliche Arbeit – die hausärztliche Tätigkeit – wieder in den Vordergrund zu rücken. Als Ansatz zur Verbesserung der derzeitigen Situation wurde vor allem eine zentrale Ansprechpartnerin/ein zentraler Ansprechpartner bei Fragen zu Verwaltungsthemen genannt. Es wäre wünschenswert, Unterstützung bei der Raumsuche, MFA-Suche, den Themen IT und Digitalisierung, Übergabemanagement, Praxismanagement, aber auch bei hausmeisterischen Angelegenheiten und weiteres an der Hand zu haben. Generell wäre eine klare Definition der Zuständigkeiten und eine strukturierte Übersicht über vorhandene Unterstützungsangebote von Vorteil. Neben der rein medizinischen Tätigkeit wird das Hausarzt- Sein von einer Hausärztin/einem Hausarzt in Weiterbildung als etwas „Sozialmedizinisches“ beschrieben. Die Herstellung aktuell fehlender Verknüpfungen der Hausärzte mit kommunalen sozialen Gremien und Einrichtungen würde dabei als gewinnbringender Ansatz gesehen. Auch ein geregeltes Praxisübergabevorgehen in einem generationenübergreifenden Hausärztinnen- und Hausärztenetzwerk könnte eine Verbesserung darstellen. Als hilfreich würde darüber hinaus ein Lotsensystem für (niederlassungswillige) Hausärztinnen und Hausärzte für die Schnittstelle zu städtischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern gesehen. Eine Ärztin/ein Arzt vor Praxisaufgabe hat dabei eine Art Mentor*innen-System im Kopf, bei dem jüngere, frisch niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte an die Hand genommen werden und somit Ansprechpartner*innen bei Rückfragen zur Verfügung stünden. Räumlichkeiten Beim Thema Räumlichkeiten wäre nach Ansicht der Interviewten die Einplanung von Praxisräumen bei Neubaugebieten/Neubauten in Erdgeschosslage sinnvoll, um neu entstehenden Versorgungsbedarfe zu decken. Auch die standardmäßige Einplanung von Parkplätzen für Ärztinnen und Ärzte, etwa beim Neubau von Pflegeheimen, wird vorgeschlagen. Teilweise wird auch auf die Möglichkeit der kontrovers diskutierten MVZ eingegangen. Die Stadt könnte gerade in Stadtteilen mit vorhandenen oder sich abzeichnenden hausärztlichen Versorgungproblemen aus Sicht einer/eines seit kurzem tätigen Hausärztin/Hausarztes Pakete schnüren, um eine Niederlassung attraktiver zu machen. Das Bereitstellen von Räumlichkeiten für eine neue Hausarztpraxis oder auch ein fachlich breit aufgestelltes MVZ könnte aus Sicht der Interviewten ein Handlungsansatz sein. Ein anderer aus den Interviews hervorgehender Verbesserungsvorschlag betrifft die Einrichtung von Ärzte-Parkplätzen in neu gebauten Pflegeheimen. Amt für Stadtentwicklung | 17 4. Schlussfolgerungen Durch die Befragung der Bürger*innen, die Befragung der Hausärztinnen und Hausärzte sowie die Analyse der Verteilung der Hausarztpraxen im Stadtgebiet Karlsruhe konnte ein erster Überblick über die Lage der hausärztlichen Versorgung ermittelt werden. Darüber hinaus wurden konkrete Problemstellungen identifiziert, die in Karlsruhe vorliegen und die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung belasten. Dabei wurden sechs Hauptfragestellungen erkannt, die für Karlsruhe eine wichtige Rolle spielen und für die gezielt Maßnahmen entwickelt werden sollten: Nachwuchsgewinnung Karlsruhe wird von den befragten Hausärztinnen und Hausärzten sowie den befragten Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung als ein attraktiver Standort für die Niederlassung eingeschätzt. Dennoch gibt es aktuell bereits viele freie Praxissitze im Mittelbereich Karlsruhe. Die Tendenz ist durch altersbedingte Praxisschließungen steigend. Die Interviews mit den Hausärztinnen und Hausärzten zeigen, dass die Gründe für eine schwierige Nachwuchsgewinnung in den sich veränderten Erwartungen und Ansprüchen junger Ärztinnen und Ärzte liegen. Die Vorstellung vom Hausarztberuf verändert sich: Die Tendenz geht hin zur Arbeit in Gemeinschaftspraxen sowie einer Arbeit im Angestelltenverhältnis. Nachfolger*innen für traditionelle Einzelpraxen sind daher nur schwer zu finden. Es müssen somit innovative Lösungen geschaffen werden, um Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in die Region zu locken und ihnen die Möglichkeit der Arbeit in Gemeinschaftspraxen zu bieten. Praxispersonal In den Interviews wird gehäuft von einem Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA) berichtet: Laut den befragten Ärztinnen und Ärzte wird es zunehmend schwieriger, geeignetes Personal für die Gründung einer Hausarztpraxis und den Praxisbetrieb zu finden. Gerade aufgrund steigender Verwaltungsaufgaben wäre jedoch eine Entlastung im Praxisalltag wichtig, um mehr Zeit für die Behandlung der Patientinnen und Patienten zu ermöglichen. Verteilungsdefizite Allgemein ist der Großteil der Bürger*innen in Karlsruhe mit der hausärztlichen Versorgung sehr oder eher zufrieden. Es zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede der hausärztlichen Versorgungslage nach Stadtteilen in Karlsruhe. Eine ausgewogene Verteilung der Hausarztpraxen im Stadtgebiet ist jedoch wichtig, um eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung für die Bürger*innen zu gewährleisten. VisionZentrale Fragestellung Angehende beziehungsweise neue Hausärztinnen und Hausärzte sollen für den Stadtkreis Karlsruhe gewonnen werden. Wie können mehr/neue Hausärztinnen und Hausärzte für den Stadtkreis Karlsruhe gewonnen werden? VisionZentrale Fragestellung Gut ausgebildetes Praxispersonal für Hausarztpraxen soll am Standort Karlsruhe in ausreichender Anzahl verfügbar sein. Wie kann erreicht werden, dass mehr gut qualifiziertes Praxispersonal für Hausarztpraxen in Karlsruhe zur Verfügung steht? VisionZentrale Fragestellung Die Hausarztpraxen sollen im Stadtgebiet gut verteilt sein, sodass eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung gewährleistet werden kann. Wie kann eine gute Verteilung der Hausarztpraxen in Karlsruhe erreicht werden? Was heißt wohnortnah? 18 | Stadtentwicklung aktuell – Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022 Hausbesuche In den Gesprächen mit den Hausärztinnen/Hausärzten und Allgemeinmedizinerinnen/Allgemeinmedizinern hat sich das Thema Hausbesuche durchgängig als schwierig anzubietender Service herausgestellt. Sich zuspitzende Parkplatzsituationen im Stadtgebiet und vor Pflegeheimen erhöhen die Hürden ebenso wie auf einem sehr geringen Niveau verharrenden Abrechnungspauschalen für Hausbesuche. Eine im Zuge des demografischen Wandels alternde Gesellschaft verschärft diese Situation zusätzlich. Übergabemanagement Wie aus den Interviews mit Ärztinnen und Ärzte hervorgeht werden vor allem Einzelpraxen, aber auch Praxisgründungen mit Kolleginnen und Kollegen zunehmend als finanzielle und zeitintensive Herausforderungen angesehen, die häufig nicht zur präferierten Work-Life-Balance von jungen Medizinerinnen und Medizinern passt. Im Gegensatz zu Angestelltenverhältnissen gehen mit eigener Praxisübernahme oder -gründung umfangreiche betriebswirtschaftliche Anforderungen einher. Zudem möchten Ärztinnen und Ärzte gerne von den erfahrenen Hausärztinnen und Hausärzten lernen, bevor oder wenn sie eine Praxis gründen. Die KVBW bietet bereits Unterstützung für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte durch die Niederlassungsberatung an. Laut den befragten Hausärztinnen und Hausärzten ist dieses Angebot jedoch nicht ausreichend, um umfassend für den Schritt in die Selbstständigkeit vorbereitet zu sein. Räumlichkeiten Die Luftlinienentfernung von Wohnadressen zu nächstgelegenen Hausarztpraxen zeigt vor allem im Bereich großer Neubauflächen Defizite auf. Aus Sicht der in Karlsruhe praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte bestehen spezifische Anforderungen an geeignete Räumlichkeiten zum Gründen einer Praxis. Gerade bereits seit längerer Zeit existierende Hausarztpraxen erfüllen diese Anforderungen meist nicht und genießen Bestandsschutz, aber wären mit aktuellen Richtlinien für Neugründungen nicht vereinbar. Ausblick Die ermittelten Themen dienen als Grundlage, um im weiteren Prozess gemeinsam mit den verschiedenen thematisch beteiligten Akteuren und Institutionen wie dem Gesundheitsamt Karlsruhe, der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Ärzteschaft Karlsruhe die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe genauer zu analysieren. Ziel des weiteren Vorgehens ist es, umsetzbare und zielführende Lösungsvorschläge zu erarbeiten, um die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe zu stärken und langfristig sicherzustellen. VisionZentrale Fragestellung Die Hausärztliche Versorgung von immobilen Patientinnen und Patienten soll durch Hausbesuche gesichert werden. Wie können Hausbesuche attraktiver werden, um die hausärztliche Versorgung von immobilen Patientinnen und Patienten zu sichern? VisionZentrale Fragestellung Angehende Hausärztinnen und Hausärzte sollen inhaltlich bei der Neugründung beziehungsweise Übernahme von Praxen unterstützt werden. Wie können angehende Hausärztinnen und Hausärzte bei der Gründung/Übernahme einer Praxis unterstützt werden? VisionZentrale Fragestellung Passende Räumlichkeiten für Hausarztpraxen sollen im gesamten Stadtgebiet auch bei neu entstehenden Wohngebieten verfügbar sein. Wie kann dabei unterstützt werden, passende Räumlichkeiten für Hausarztpraxen im Stadtgebiet zu finden beziehungsweise auszubauen? Amt für Stadtentwicklung | 19 © Stadt Karlsruhe | Layout: Rohweder | Bild: Hush Naidoo Jade Photography (Unsplash.com) | Druck: Rathausdruckerei, Recyclingpapier | Stand: Oktober 2022
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Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2 | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe – Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Impressum Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz Markgrafenstr. 14 76133 Karlsruhe Leiter: Norbert Hacker Bereich: Umweltpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit Susanne Gerner Bearbeitung: Alexandra Hunck (Kommunale Gesundheitsförderung) Anke Kelber (Kommunale Gesundheitsförderung) Titelbild: Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz Stand: Oktober 2022 ________________________________________________ Gedruckt in der Rathausdruckerei Auf 100 Prozent Recyclingpapier © Stadt Karlsruhe Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, diese Veröffentlichung oder Teile daraus zu vervielfältigen oder in elektronischen Systemen anzubieten. Umwelt- und Arbeitsschutz | 3 Inhalt Seite 1. Defizit der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 4 2. Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz zum Thema „Hausärztliche Versorgung“ 6 3. Ergebnisse der Kommunalen Gesundheitskonferenz zum Thema „Hausärztliche Versorgung“ 6 4. Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 7 5. Zusammenfassung und Ausblick 8 4 | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe – Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 1. Defizit der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Die wohnortnahe Verfügbarkeit von Hausarztpraxen ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Suche nach Nachfolgern und Nachfolgerinnen für die Übernahme von Hausarztpraxen gestaltet sich jedoch immer schwieriger. Für die Sicherstellung einer wohnortnahen, flächendeckenden medizinischen Versorgung der Menschen ist in erster Linie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des jeweiligen Bundeslands zuständig. Deutschlandweit gibt es jedoch einen Mangel insbesondere an Hausärzt*innen, der sich in den letzten Jahren besonders in ländlichen Regionen bemerkbar gemacht hat. Inzwischen fehlt es zunehmend auch in Städten und Großstädten an Hausärzt*innen (vgl. zum Beispiel Stuttgarter Zeitung vom 15. August 2022: „Ärztemangel in Stuttgart - Wachsende Konkurrenz um Ärzte und Praxispersonal“). Von Kommunen wird daher immer öfter verlangt, dass sie bei der Rekrutierung von Hausärztenachwuchs sowie der Ansiedlung von Hausarztpraxen unterstützen, obwohl ihnen hierfür keine rechtliche Zuständigkeit obliegt. Kommunen haben jedoch das Potenzial, sich als Akteure für die Sicherung der Versorgung für ihre Bevölkerung im Sinne der Daseinsvorsorge zu positionieren – auch wenn die ärztliche Versorgung in Zukunft sicherlich weiterhin primär von privatwirtschaftlich betriebenen Praxen und Gesundheitszentren gewährleistet wird. In Karlsruhe liegt bereits ein Defizit in der hausärztlichen Versorgung vor. Für den Mittelbereich Karlsruhe sind in der hausärztlichen Versorgung laut der Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 29.06.2022 239,55 von 287,05 möglichen Stellen besetzt 1 . Pro Planungsbereich und Arztgruppe gibt es eine Verhältniszahl, die festlegt, wie viele Bürger*innen ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin versorgen soll. Diese Verhältniszahl wird als SOLL-Versorgungsniveau bezeichnet. Demgegenüber lässt sich auch das IST-Versorgungsniveau im Planungsbereich ermitteln entsprechend der Anzahl an Ärzt*innen in Relation zur Einwohnerzahl. Der hausärztliche Versorgungsgrad (Vergleich des IST- zum SOLL-Versorgungsniveau) im Mittelbereich Karlsruhe liegt aktuell bei 91,9 Prozent. In Karlsruhe muss ein Hausarzt bzw. eine Hausärztin somit rechnerisch aktuell mehr Patientinnen und Patienten versorgen, als es im Bedarfsplan vorgesehen ist. Um eine rechnerische Vollversorgung von 100 Prozent in der hausärztlichen Versorgung zu erreichen, müssten zu den aktuell bestehenden Hausarztsitzen 21,45 weitere Sitze im Mittelbereich besetzt werden. Wenn alle 287,05 Sitze besetzt wären, wäre eine maximal möglichen Versorgung von 110 Prozent erreicht. Weitere Ausführung finden sich auch im Bericht „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022“. Die hausärztliche Versorgung in Karlsruhe könnte sich insbesondere durch altersbedingte Praxisschließungen in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern: Circa 35,5 Prozent der im Mittelbereich Karlsruhe niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte sind laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Baden- Württemberg (KVBW) 60 Jahre und älter. Es ist daher anzunehmen, dass in den nächsten Jahren einige der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte im Mittelbereich beziehungsweise Stadtkreis Karlsruhe ihre Tätigkeit beenden werden. 2 Im Anschluss an die Ermittlung des aktuellen Stands der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe, hat sich die Stadtverwaltung Karlsruhe zum Ziel gesetzt, durch Befragungen und Analysen die Ursachen für das Defizit der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe zu ermitteln. Dadurch sollte die Frage beantwortet werden, ob und wenn ja in welcher Form Unterstützung seitens der Kommune möglich und zielführend ist. Zum einen wurden Sekundärdaten analysiert hinsichtlich der Verteilung der Hausarztpraxen im Stadtgebiet. Dabei zeigt sich ein Ungleichgewicht: Während in manchen Stadtteilen sehr viele Hausarztpraxen angesiedelt sind, verfügen andere Stadtteile über wenige/ kaum Hausarztpraxen. 1 Vgl. https://www.kvbawue.de/praxis/vertraege-recht/bekanntmachungen/bedarfsplanung/ 2 Quelle: KVBW, Juli 2022 Umwelt- und Arbeitsschutz | 5 Zum anderen konnten im Rahmen der diesjährigen Bürgerumfrage zum Thema „Einkaufen und Nahversorgung“ Fragen zur hausärztlichen Versorgung aufgenommen werden. Dadurch war es möglich, die Sicht der Bürgerinnen und Bürger zur hausärztlichen Versorgung in ihrem Stadtteil abzufragen: Allgemein ist der Großteil der Bürger*innen in Karlsruhe mit der Versorgung durch Hausarztpraxen sehr oder eher zufrieden. Jedoch zeigen sich stadtteilspezifische Unterschiede. Diese decken sich mit der Verteilung der Praxen im Stadtgebiet. In den Stadtteilen, in denen weniger Hausarztpraxen angesiedelt sind, lässt sich auch eine höhere Unzufriedenheit bei den Bürger*innen feststellen. Darüber hinaus wurden 20 Hausärztinnen und Hausärzte aus Karlsruhe zu persönlichen Gesprächen eingeladen, um herauszufinden, welche Schwierigkeiten es bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Hausarztpraxen gibt und inwieweit die Stadt Karlsruhe ein attraktiver Standort für niederlassungswillige Hausärzt*innen ist. Zudem wurde gefragt, wie die aktuelle hausärztliche Versorgung in Karlsruhe eingeschätzt wird und welche Besonderheiten sich in Karlsruhe im Vergleich zum ländlichen Raum abzeichnen. In den Interviews kamen vor allem die sich ändernden Vorstellungen der nachfolgenden Generationen der Hausärzt*innen sowie verschiedene konkrete Problemstellungen wie die Schwierigkeit, Räumlichkeiten für Hausarztpraxen zu finden, zur Sprache. Die Ergebnisse der Befragungen und Analysen zeigen, dass die Gründe für das Defizit in der hausärztlichen Versorgung vielschichtig und komplex sind. Die konkreten Ergebnisse werden im Bericht „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022“ ausführlich vorgestellt. Im Rahmen der Ergebnisse konnten sechs Hauptthemen identifiziert werden, die primär das Defizit in der hausärztlichen Versorgung beeinflussen. Zu diesen sechs Themen wurden konkrete Fragestellungen erarbeitet, um zielgerichtete Maßnahmen zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung zu entwickeln: Thema Vision Zentrale Fragestellung Nachwuchsgewinnung Angehende beziehungsweise neue Hausärztinnen und Hausärzte sollen für den Stadtkreis Karlsruhe gewonnen werden. Wie können mehr/neue Hausärzt*innen für den Stadtkreis Karlsruhe gewonnen werden? Praxispersonal Gut ausgebildetes Praxispersonal für Hausarztpraxen soll am Standort Karlsruhe in ausreichender Anzahl verfügbar sein. Wie kann erreicht werden, dass mehr gut qualifiziertes Praxispersonal für Hausarztpraxen in Karlsruhe zur Verfügung steht? Verteilungsdefizite Die Hausarztpraxen sollen im Stadtgebiet gut verteilt sein, sodass eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung gewährleistet werden kann. Wie kann eine gute Verteilung der Hausarztpraxen in Karlsruhe erreicht werden? Was heißt wohnortnah? Hausbesuche Die hausärztliche Versorgung von immobilen Patientinnen und Patienten soll durch Hausbesuche gesichert werden. Wie können Hausbesuche attraktiver werden, um die hausärztliche Versorgung von immobilen Patientinnen und Patienten zu sichern? Übergabemanagement Angehende Hausärztinnen und Hausärzte sollen inhaltlich bei der Neugründung beziehungsweise Übernahme von Praxen unterstützt werden. Wie können angehende Hausärztinnen und Hausärzte bei der Gründung/Übernahme einer Praxis unterstützt werden? Räumlichkeiten Passende Räumlichkeiten für Hausarztpraxen sollen im gesamten Stadtgebiet auch bei neu entstehenden Wohngebieten verfügbar sein. Wie kann dabei unterstützt werden, passende Räumlichkeiten für Hausarztpraxen im Stadtgebiet zu finden beziehungsweise auszubauen? Die sechs Themen werden ebenfalls im Bericht „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe 2022“ näher erläutert. 6 | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe – Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2. Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz zum Thema „Hausärztliche Versorgung“ Im Anschluss an die Problemanalyse der hausärztlichen Versorgung hat die Kommunale Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe im Juli 2022 eine Kommunale Gesundheitskonferenz zum Thema „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe“ unter Vorsitz von Bürgermeisterin Lisbach ausgerichtet. Eingeladen wurden Vertreter*innen ▪ der Ärzteschaft Karlsruhe ▪ der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine e.V. ▪ der Fraktionen des Gemeinderats ▪ des Gesundheitsamts Karlsruhe ▪ der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ▪ der Krankenkassen ▪ der niedergelassenen sowie angehenden Hausärzt*innen ▪ des Städtischen Klinikums ▪ der Stadtverwaltung (Gesundheitsdezernat, Amt für Stadtentwicklung, Sozial- und Jugendbehörde, Umwelt- und Arbeitsschutz) Ziel der Konferenz war es zum einen, die Akteure und Expert*innen für das Defizit und die Problemstellungen der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe zu sensibilisieren und zum anderen, in Arbeitsgruppen geeignete Lösungsmöglichkeiten zu den sechs Hauptproblemen zu identifizieren. Um in das Thema einzuführen, gab es im ersten Teil der Konferenz zwei Vorträge. Zum einen wurden von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg die Bedarfsplanung und die Struktur der hausärztlichen Versorgung mit den aktuellen Zahlen für Karlsruhe und Umgebung vorgestellt. Zum anderen wurden vom Amt für Stadtentwicklung die Ergebnisse aus den durchgeführten Befragungen und Stadtteilanalysen zur hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe präsentiert. Im Anschluss daran wurde in moderierten Arbeitsgruppen zu den sechs Hauptthemen, die sich aus den Umfragen und Analysen ergeben haben, diskutiert. Ziel der Arbeitsgruppen war es, Ideen zu sammeln, wie die Stadt Karlsruhe gemeinsam mit den Akteuren des Gesundheits- und Sozialbereichs die identifizierten Problemfelder bearbeiten kann, um die hausärztliche Versorgung zukunftsfest zu gestalten. 3. Ergebnisse der Kommunalen Gesundheitskonferenz Die Kommunale Gesundheitskonferenz wurde von den Teilnehmenden in einer Evaluation als sehr positiv und gewinnbringend bewertet. Die Diskussion in den Arbeitsgruppen war sehr fruchtbar und es konnten einige Ideen und Vorschläge für Handlungsmaßnahmen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe entwickelt werden. Im Anschluss an die Kommunale Gesundheitskonferenz wurden die ermittelten Ideen und Vorschläge von der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe systematisiert. So komplex die Gründe für den Mangel an Hausärzt*innen sind, so komplex sind auch die Ideen und Vorschläge zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung. Die Ideen und Vorschläge wurden daher tabellarisch dargestellt und hinsichtlich ihrer Zuständigkeit sowie der adressierten Problemfelder zugeordnet. Außerdem wurden der erwartete Zeithorizont sowie in den Arbeitsgruppen genannte Hürden und Bedenken ergänzt (vgl. Anhang: Übersicht der Ideen und Vorschläge zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe). Umwelt- und Arbeitsschutz | 7 Die 33 Maßnahmenvorschläge lassen sich dabei in drei Zuständigkeits-Kategorien unterteilen: ▪ Ideen und Vorschläge, die im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung liegen (vier von 33) ▪ Ideen und Vorschläge, die im Zuständigkeitsbereich externer Akteure und Institutionen liegen, aber die Zuarbeit der Stadtverwaltung erfordern (zehn von 33) ▪ Ideen und Vorschläge, die vollständig im Zuständigkeitsbereich externer Akteure oder Institutionen liegen (19 von 33). Entsprechend der Zuordnung zu den Zuständigkeiten wird ersichtlich, dass der kommunale Einflussbereich eingeschränkt ist. Für ein zielgerichtetes Handeln ist daher das Engagement und Zusammenwirken der verschiedenen beteiligten Akteure und Institutionen unabdingbar. 4. Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe Das Thema „Hausärztliche Versorgung“ ist inhaltlich komplex. An der Vielfalt der Lösungsansätze ist zu erkennen, dass die Begleitung der Umsetzung mit einem hohen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden ist. Die Erfahrung anderer Kommunen in Deutschland zeigt, dass viele Maßnahmen umfangreich und deshalb langwierig sind. Andere Kommunen, die das Thema der hausärztlichen Versorgung seit vielen Jahren bearbeiten, erzielen erst jetzt erste sichtbare Fortschritte beziehungsweise Erfolge. Es ist daher zu empfehlen, Ideen und Vorschläge zu priorisieren, um zielgerichtet vorzugehen. Hinsichtlich der bei der Gesundheitskonferenz ermittelten Ideen und Vorschläge liegen die kommunalen Einflussmöglichkeiten insbesondere bei den Themen „Nachwuchsgewinnung“, „Verteilungsdefizit“ und „Räumlichkeiten“. Auf die Themen „Praxispersonal“ und „Hausbesuche“ hat die Stadtverwaltung nur eingeschränkt bis kaum Einfluss, diese Themen liegen eher im Zuständigkeitsbereich der externen Akteure und Institutionen. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Ärzteschaft Karlsruhe schlägt die Stadtverwaltung folgende prioritär zu bearbeitenden Maßnahmen zum Thema „Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe“ vor: 1. Beitritt der Stadt Karlsruhe zum Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Die Region Karlsruhe steht beim Akquirieren von Ärztenachwuchs in Konkurrenz zu anderen Regionen und Landkreisen. Daher ist ein attraktives Weiterbildungsangebot für Ärzt*innen in Weiterbildung zum/r Allgemeinmediziner*in essentiell. Der Landkreis Karlsruhe gründet aktuell zusammen mit der Ärzteschaft Karlsruhe, den Kliniken und den Hausärztinnen und -ärzten der Region Karlsruhe einen Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin. Durch den Weiterbildungsverbund soll für den Standort Karlsruhe geworben und Hausärztenachwuchs für die Region gewonnen werden. Hierfür wird durch den Landkreis Karlsruhe eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die beim Gesundheitsamt angesiedelt sein wird. Um Hausärztenachwuchs für die Region Karlsruhe zu werben, ist eine Zusammenarbeit zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Landkreis Karlsruhe im Sinne einer gemeinsamen Gesundheitsregion sinnvoll. Daher ist geplant, dass die Stadt Karlsruhe dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Region Karlsruhe betritt, sofern der Gemeinderat zustimmt. 2. Einrichtung eines regelmäßigen Austauschtreffens zwischen der Ärzteschaft Karlsruhe, der Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe Ein bilateraler Austausch zwischen der Ärzteschaft Karlsruhe und der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Kommunalen Gesundheitsförderung der Stadt Karlsruhe findet bereits statt. Die Überführung in einen multilateralen regelmäßigen Austausch zwischen den drei Institutionen ist geplant, um die aktuelle Entwicklung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe weiterhin zu beobachten, Information untereinander besser weiterzuleiten, Bedarfe zu klären und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen anzustoßen. 8 | Hausärztliche Versorgung in Karlsruhe – Bericht über die Kommunale Gesundheitskonferenz und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 3. Unterstützung bei der Bereitstellung von Hausarztpraxen Arztpraxen werden vor allem in der Nähe von Wohnbebauung benötigt. Durch den Wandel von Einzel- zu Gemeinschaftspraxen werden größere und moderne Räume benötigt, die den rechtlichen Anforderungen an eine Arztpraxis entsprechen (z.B. Barrierefreiheit etc.). Die Stadtverwaltung könnte bei dem Bau von Praxisräumen insbesondere auch bei Neubauten unterstützen. Denkbar wäre eine finanzielle Unterstützung, die Unterstützung bei der Suche nach Investoren, die Nutzung des Vorkaufsrechts der Stadt etc. Geeignete Projektpartner (Investoren, städtische Gesellschaften etc.) sowie zielführende Anreize müssten jedoch erst ermittelt werden. Bei der Bereitstellung von Hausarztpraxen sollten die Stadtteile bevorzugt werden, in denen wenige Hausärzt*innen praktizieren (wollen), um dem Verteilungsdefizit entgegen zu wirken. Dabei ist anzumerken, dass die Bearbeitung des Themas sowohl fachlich als auch personell nicht von der beim Umwelt- und Arbeitsschutz angesiedelten Kommunalen Gesundheitsförderung geleistet werden kann. Die bestehende personelle Ausstattung von 1,3 Vollzeitäquivalenten lässt die Bearbeitung eines weiteren, neuen Themas nicht zu. Daher ist ein stadtinternes Koordinationstreffens zwischen dem Umwelt- und Arbeitsschutz und den thematisch beteiligten Ämtern wie dem Stadtplanungsamt, dem Liegenschaftsamt, der Wirtschaftsförderung sowie der Volkswohnung als städtischer Gesellschaft geplant. In dem Treffen soll grundsätzlich über die Umsetzung des Themas gesprochen und gegebenenfalls Zuständigkeiten sowie Aufgaben innerhalb der Verwaltung geklärt und zugeordnet werden. 4. Verstärkter Einsatz von Telemedizin in Pflegeheimen Das Thema wird durch das Gesundheitsamt Karlsruhe und die Ärzteschaft Karlsruhe bereits unterstützt. Zudem ist eine Umfrage an die Pflegeheime in Karlsruhe durch die Sozialplanung der Stadt Karlsruhe geplant, um den aktuellen Stand des Einsatzes von Telemedizin in den Heimen sowie Hürden beziehungsweise Bedenken zu ermitteln. Das Thema soll durch das Gesundheitsamt sowie im Rahmen des Arbeitsausschusses für Ältere Generationen (SJB) weiterverfolgt werden. 5. Parkausweise für Hausbesuche Hausbesuche sind für Hausärzt*innen ökonomisch unattraktiv. Eine Versorgung von immobilen Patienten*innen sowie Bewohner*innen in Pflegeheimen ist dadurch teilweise nicht gewährleistet. Die zeitaufwändige Anfahrt wird mit einer Parkplatzsuche bei den Patient*innen sowie vor ihrer eignen Praxis zudem erschwert. Parkausweise für die Ärzt*innen, um Hausbesuche zu vereinfachen, wären daher dringend erforderlich, um die Parksituation deutlich zu verbessern und Hausbesuche sicherzustellen. Der Vorschlag wurde vom Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe geprüft. Die Ausstellung eines Parkausweises für Hausbesuche jeglicher Art, auch solche, die planbar sind und keine Notfalleinsätze darstellen, ist rechtlich nicht möglich. Akzeptiert werden jedoch durch die Landesärztekammer ausgegebene Plaketten, die an Ärztinnen und Ärzte ausgegeben werden, die entsprechend oft solche zeitkritischen Notfalleinsätze leisten. Die Verkehrsüberwachung akzeptiert diese Plaketten, sofern diese nicht missbräuchlich verwendet werden. 5. Zusammenfassung und Ausblick Durch die Befragungen, Analysen sowie die Kommunale Gesundheitskonferenz konnten die Ursachen für das Defizit in der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe ermittelt und zielgerichtete Maßnahmen identifiziert werden. Nach Sichtung der vielzähligen Ideen und Lösungsvorschläge empfiehlt die Stadtverwaltung die priorisierte Bearbeitung der fünf Maßnahmen, die in Kapitel vier genauer dargestellt wurden. Die Umsetzung der prioritär bewerteten Maßnahmen liegt nicht allein im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung Karlsruhe und erfordert daher das Mitwirken der beteiligten externen Akteure beziehungsweise Institutionen, wie den niedergelassenen Hausärzt*innen, der Ärzteschaft Karlsruhe und dem Gesundheitsamt. Auch innerhalb der Stadtverwaltung ist die Zusammenarbeit verschiedener Ämter, wie der Wirtschaftsförderung, der Sozial- und Jugendbehörde und dem Umwelt- und Arbeitsschutz zwingend erforderlich. Nur durch das Umwelt- und Arbeitsschutz | 9 Zusammenwirken der verschiedenen Fachämter mit ihren unterschiedlichen Fachkenntnissen und Einflussmöglichkeiten sind zielführende Schritte zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung möglich. Darüber hinaus ist aufzuführen, dass die Bearbeitung des Themas einen neuen Aufgabenbereich der Stadtverwaltung darstellt. Die Umsetzung von Maßnahmen erfordert personelle Kapazitäten, die für diesen Zweck bisher nicht vorgesehen sind. Die personellen Ressourcen in der Stadtverwaltung für die Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge sind nur dann vorhanden, wenn andere wichtige Aufgaben vernachlässigt werden. Alternativ sollten neue personelle Kapazitäten geschaffen werden.
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1 von 5 ZuständigkeitMaßnahmeErläuterung Thema 1: NachwuchsgewinnungThema 2:PraxispersonalThema 3: VerteilungsdefiziteThema 4:HausbesucheThema 5: ÜbergabemanagementThema 6:Räumlichkeiten Mögliche Akteure für die Umsetzung Geschätzer Zeithorizont einer möglichen Umsetzung Zeithorizont der Umsetzung, sofern inhaltlich möglich und zielführendStand der Umsetzung 1StadtverwaltungUnterstützung bei der Ansiedlung von Hausarztpraxen Arztpraxen werden vor allem in der Nähe von Wohnbebauung benötigt. Durch den Wandel von Einzel zu Gemeinschaftspraxen werden größere und moderne Räume benötigt, die den rechtlichen Anforderungen an eine Arztpraxis entsprechen (z.B. Barrierefreiheit etc.). Die Stadtverwaltung könnte bei der Bereitstellung/ dem Bau von Praxisräumen insbesondere auch bei Neubauten unterstützen. Denkbar wäre eine finanzielle Unterstützung, die Unterstützung bei der Suche nach Investoren, die Nutzung des Vorkaufsrechts der Stadt etc.) Geeignete Projektpartner (Investoren, städtische Gesellschaften etc.) sowie zielführende Anreize müssten jedoch erst ermittelt werden. Bei der Bereitstellung von Hausarztpraxen sollten die Stadtteile bevorzugt werden, in denen wenige Hausärzt*innen praktizieren (wollen), um dem Verteilungsdefizit entgegen zu wirken. xx Stadtverwaltung Die zielgerichtete Art der Unterstützung müsste noch näher definiert werden. Je nach Art der Unterstützung ggf. hoher finanzieller Aufwand für die Stadt bei kritischer Haushaltslage; Anforderungen für geeignete Räumlichkeiten müssten erarbeitet werden. Entscheidung von Nöten, ob die Stadt so weit in das Geschehen eingreifen möchte. Eine Privatisierung der hausärztlichen Versorgung durch Investoren wird von den Ärzt*innen und der Ärzteschaft jedoch kritisch gesehen. Eine hochqualitative Versorgung sollte unabhängig von ökonomischen Interessen erfolgen können. mittelfristig 2StadtverwaltungImmobiliendaten-bank für Hausarztpraxen Vermittlung von niederlassungswilligen Hausärzt*innen oder Nachfolger*innen von alten Hausarztpraxen mit der Verfügbarkeit von geeigneten Räumlichkeiten ggf. im Rahmen der städtischen Immobiliendatenbank, um Angebot und Nachfrage zusammenbringen. x Stadtverwaltung Das Angebot an Immobilien in Karlsruhe ist sehr knapp. Die Erfolgsaussichten einer Vermittlung von geeigneten Räumlichkeiten für eine Praxis werden als gering eingeschätzt. kurz- bis mittelfristigEine städtsiche Immobiliendatenbank wird bereits durch die Wirtschaftsförderung gepflegt, die dafür genutzt werden könnte. 3StadtverwaltungParkausweise für Hausbesuche Hausbesuche sind für Hausärzt*innen ökonomisch unattraktiv. Eine Versorgung von immobilien Patient*innen sowie Bewohner*innen in Pflegeheimen ist dadurch teilweise nicht gewährleistet. Hausbesuchen werden zudem durch fehlende Parkmöglichkeiten erschwert. Die zeitaufwändige Anfahrt wird mit einer Parkplatzsuche bei den Patient*innen sowie vor ihrer eigenen Praxis zudem erschwert. Parkausweise für die Ärzt*innen, um Hausbesuche zu vereinfachen, wären daher dringend erforderlich, um die Parksituation deutlich zu verbessern und Hausbesuche sicherzustellen. x Stadtverwaltung Ggf. Benachteilgung anderer Berufsgruppenkurz- bis mittelfristigDer Vorschlag wurde vom Ordnungsamt geprüft. Die Ausstellung eines Parkausweises für Hausbesuche ist rechtlich nicht möglich. Es konnte jedoch eine andere Lösung gefunden werden durch den Einsatz eines Ausweises, welcher von der Landesärztekammer ausgestellt wird. 4Stadtverwaltung Primärversorgungs- zentrum erproben/ errichten Erprobung/ Einrichtung eines Primärversorgungszentrums (vgl. Landesförderung im Landkreis Reutlingen), als Erstanlaufstelle im Gesundheitsversorgungssystem und Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung (kein Ärztehaus mit verschiedenen Fachärzt*innen); Ggf. könnte die Kommune als Arbeitgeber fungieren, oder eine Landes-Förderung genutzt werden, wenn solch eine wieder ausgeschrieben wird. x StadtverwaltungErste Modelle werden im Land entwickelt; sind aber noch nicht erprobt und evaluiert. Kosten und Nutzen können daher noch nicht eingeschätzt werden. Generell jedoch sehr aufwändige Maßnahme, für welche die finanziellen und personellen Mittel innerhalb der Stadtverwaltung aktuell nicht gegeben sind bzw. zunächst geschaffen werden müssten. langfristig Anhang 2: Übersicht der Ideen und Vorschläge zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Karlsruhe 2 von 5 ZuständigkeitMaßnahmeErläuterung Thema 1: NachwuchsgewinnungThema 2:PraxispersonalThema 3: VerteilungsdefiziteThema 4:HausbesucheThema 5: ÜbergabemanagementThema 6:Räumlichkeiten Mögliche Akteure für die Umsetzung Geschätzer Zeithorizont einer möglichen Umsetzung Zeithorizont der Umsetzung, sofern inhaltlich möglich und zielführendStand der Umsetzung 5Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Beitritt der Stadt Karlsruhe zum Weiterbildungs- verbund Allgemeinmedizin Region Karlsruhe Die Region Karlsruhe steht beim Akquirieren von Ärztenachwuchs in Konkurrenz zu anderen Regionen und Landkreisen. Daher ist ein attraktives Weiterbildungsangebot für Ärzt*innen in Weiterbildung zum/r Allgemeinmediziner*in essentiell. Der Landkreis Karlsruhe gründet aktuell zusammen mit der Ärzteschaft Karlsruhe, den Kliniken und den Hausärztinnen und -ärzten der Region Karlsruhe einen Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin. Durch den Weiterbildungsverbund soll für den Standort Karlsruhe geworben werden und Hausärztenachwuchs für die Region gewonnen werden. Hierfür wird durch den Landkreis Karlsruhe eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die beim Gesundheitsamt angesiedelt sein wird. Um Hausärztenachwuchs für die Region Karlsruhe zu werben, ist eine Zusammenarbeit zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Landkreis Karlsruhe im Sinne einer gemeinsamen Gesundheitsregion sinnvoll. Daher soll die Stadt Karlsruhe dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Region Karlsruhe beitreten. x Landratsamt/ Gesundheitsamt Ärzteschaft Ärzt*innen Kliniken Stadtverwaltung kurzfristigDie Beschlussvorlage für den Beitritt der Stadt Karlsruhe wird aktuell vorbereitet. 6Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Einrichtung eines Runden Tischs zwischen Kassenärztliche Vereinigung Baden- Württemberg, Ärzteschaft und Stadt Karlsruhe Regelmäßiger Austausch zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, der Ärzteschaft Karlsruhe und der Stadtverwaltung Karlsruhe (Kommunale Gesundheitsförderung) ist nötig, um die aktuelle Entwicklung der hausärztlichen Versorgung weiterhin zu beobachten, Bedarfe zu klären, Information untereinander besser weiterzuleiten und geeignete Maßnahmen ggf. anzustoßen. x Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Ärzteschaft Stadtverwaltung (Kommunale Gesundheitsförderung) kurzfristigBilaterale Vernetzung bereits eingerichtet; Die Überführung in einen multilateralen Austausch organisiert durch die Kommunale Gesundheitsförderung ist geplant. 7Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Vorstellung der Stadtteile für niederlassungswillige Hausärzt*innen Stadtteile mit geringer medizinischer Versorgungslage sollten die Möglichkeiten haben, sich neuen Ärztinnen und Ärzten attraktiv vorstellen bzw. sich (besser) vermarkten und bewerben zu können. x Stadtverwaltung Bürgervereine Weiterbildungsverbund des Landkreis KA Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg kurz- bis mittelfristigGgf. im Rahmen des Weiterbildungsverbunds lösbar 8Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Potentielle Vermieter*innen informieren, dass Räume für Hausarztpraxen gesucht werden Verfügbare Räumlichkeiten ausfindig machen und für Hausarztpraxen nutzen/ umnutzen. Geeignet wären leerstehende Büros/ Geschäfte oder große Wohnungen im EG oder mit Aufzug (für Gemeinschaftspraxen ab 200m2) ggf. auch aufgegebene kirchliche Immobilien (z.B. Gemeindehäuser); um einem weiteren Verteilungsdefizit entgegenzuwirken, wäre es wichtig, dabei genau aufzuschlüsseln, in welchen Stadtteilen vorrangig Hausarztpraxen gesucht werden/ bereits wenig Hausarztpraxen angesiedelt sind. xx Stadtverwaltung Externe Liegenschaftsverwaltungen (kirchliche Immobilienverwaltung etc.) Ggf. Benachteiligung anderer Berufsgruppen; Genaue Erörterung der Anforderungen an Räume erforderlich kurz- bis mittelfristig 9Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Unterstützung von Hausärzt*innen bei der Ansiedlung Angehende Hausärzt*innen berichten, dass die Bürokratie und sowie die Unkenntnis über Informationsangebote und - stellen die Niederlassung erschwert beziehungsweise die Motivation dafür senkt. Eine "Betreute" Niederlassung im Sinne einer engen Begleitung und Unterstützung bei der Niederlassung, würde die angehenden Hausärzt*innen deutlich bei der Praxisgründung entlasten. Der Vorschlag zielt auch ein städtisches Unterstützungsangebot für ansiedlungswillige Hausärt*innen zu Themen wie der Unterstützung bei der Berufssuche des Partners/ der Partnerin, die Suche nach Kitaplatz etc. x Stadtverwaltung (Wirtschaftsförderung) Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Maßnahme müsste noch weiter konkretisiert werden: Mögliche Aspekte sind Unterstützung bei der Suche nach Immobilien, Notwendigkeit der Schaffung einer Anlaufstelle bei der Verwaltung, die die Fragen der Hausärzt*innen beantworten kann beziehungsweise einen Überblick über Unterstützungs-/ Informationsmöglichkeiten hat. mittelfristig 3 von 5 ZuständigkeitMaßnahmeErläuterung Thema 1: NachwuchsgewinnungThema 2:PraxispersonalThema 3: VerteilungsdefiziteThema 4:HausbesucheThema 5: ÜbergabemanagementThema 6:Räumlichkeiten Mögliche Akteure für die Umsetzung Geschätzer Zeithorizont einer möglichen Umsetzung Zeithorizont der Umsetzung, sofern inhaltlich möglich und zielführendStand der Umsetzung 10Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Angehende Hausärzt*innen mit erfahrenen Hausärzt*innen vernetzen Um den Gründung/ Übernahme einer Praxis zu erleichtern, sollten sich angehende Hausärzte*innen mit etablierten Hausärzt*innen in Karlsruhe vernetzen können, um eine Wissenssicherung und fachliche Unterstützung zu erzielen. xx Ärzteschaft Ärzt*innen Stadtverwaltung Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Ärzt*innen kündigen Praxisaufgabe nicht gerne an; Daher liegt z.T. keine Transparenz über Praxisschließungen mittelfristig 11Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Entwicklung der zukünftigen Hausärzt*innen beobachten Regelmäßige Untersuchungen über die (zukünftigen) Entwicklungen, Erwartungen und Tendenzen der (angehenden) Hausärzt*innen, um vorausschauend handeln zu können. x Ärzteschaft Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Verlangt nach ermittelbarer DatengrundlageKurzfristigWird deutschlandweit durch die Kassenärztliche Vereinigung sowie durch wissenschaftliche Institutionen bereits umgesetzt 12Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Parkplätze vor Pflegeheimen Oft fehlende Parkplätze für Ärzt*innen vor den Pflegeheimen, um ärztliche Versorgung der Heimbewohner zu erleichtern. Parkplätze vor Pflegheimen, die nur für Ärzt*innen genutzt werden können, würden die Situation erleichtern und Hausbesuche attraktiveren. x Stadtverwaltung Pflegeheime kurz- bis mittelfristig 13Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Öffnung/ Ausbau von Telemedizin für Bewohner*innen in Pflegeheimen Durch den verstärkten Einsatz von Telemedizin in Pflegeheimen könnten Hausärzt*innen effizienter in Erfahrung bringen, ob ein Besuch des Hausarztes im Heim zwingend erforderlich ist. Durch die Vermeidung von unnötigen Fahrten könnten Kapazitäten bei den Ärzt*innen gespart werden, die dann wiederum an anderer Stelle zur Verfügung stehen würden. x Stadtverwaltung Pflegeheime Ärzt*innen Ärzteschaft Gesundheitsamt kurz- bis mittelfristigDas Thema wird bereits durch das Gesundheitsamt angestoßen. Darüber hinaus ist eine Weiterbearbeitung des Themas im Rahmen des Arbeitsausschusses für Ältere Generationen (SJB) geplant. 14Stadtverwaltung & Externe Akteure/ Institutionen Lastenräder für Hausbesuche Informationsvermittlung/ Werbung sowie ggf. finanzielle Förderung durch die Stadt, um den Einsatz von Lastenrädern für Hausbesuche zu erhöhen und dadurch Parkplatzprobleme zu umgehen. x Stadtverwaltung Ärzteschaft Ärzt*innen kurz- bis mittelfristigDie Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) bietet Informations- und Beratungsmöglichkeiten zum Thema Lastenräder und E-Roller an. In diesem Rahmen wäre eine Infoveranstaltung speziell für Hausärzt*innen möglich. Über die Ärzteschaft wird eine Anfrage an alle Hausärzt*innen erfolgen, um das Interesse der Hausärzt*innen für eine Informationsveranstaltung zu ermitteln. 15Externe Akteure/ Institutionen Honorar für Hausbesuche erhöhen Aktuell erfolgt eine geringe Vergütung der Hausbesuche. Wären diese besser bezahlt, würde die Attraktivität der Durchführung von Hausbesuchen steigen. Dadurch könnte ggf. auch die Versorgung in Stadtteilen gedeckt werden, die für Praxen bisher unattraktiv scheinen, jedoch einen hohen Anteil an hochaltrigen Bürger*innen haben. xx Kassenärztliche Vereinigung Bund Sehr komplexer und hochschwelliger Umsetzungsprozess mittel- bis langfristig 16Externe Akteure/ Institutionen Einheitlicher mobiler Hausarztdienst pro Pflegeheim Ein einheitlicher mobiler Hausarztdienst, welcher jeweils für ein Pflegeheim zuständig ist, könnte u.U. zwar die Hausärzt*innen entlasten. Dies steht jedoch ggf. im Konflikt zur freien Arztwahl der Heimbewohner*innen. x Ärzteschaft Ärzt*innen Pflegeheime Wird seitens der Ärzteschaft als nicht effektiv eingeschätzt. 4 von 5 ZuständigkeitMaßnahmeErläuterung Thema 1: NachwuchsgewinnungThema 2:PraxispersonalThema 3: VerteilungsdefiziteThema 4:HausbesucheThema 5: ÜbergabemanagementThema 6:Räumlichkeiten Mögliche Akteure für die Umsetzung Geschätzer Zeithorizont einer möglichen Umsetzung Zeithorizont der Umsetzung, sofern inhaltlich möglich und zielführendStand der Umsetzung 17Externe Akteure/ Institutionen Entlastung der Hausärzt*innen durch andere/ neue Berufsgruppen Andere medizinische Fachkräfte wie MFAs könnten die ausgelasteten Hausärzt*innen in manchen medizinischen Tätigkeiten entlasten/ unterstützen. Denkbar wären darüber hinaus auch Gemeindeschwestern oder Gesundheitslotsen (vgl. Strategie Landkreis Reutlingen), die die Patient*innen durch das System der "Primärversorgung" lotsen und dadurch Hausärzt*innen entlasten. Ggf. könnten auch Gemeindeschwestern o.ä. einen Teil der Hausbesuche übernehmen. x Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Sozialministerium Landesärztekammer erste Modelle werden im Land entwickelt; sind aber noch nicht erprobt und evaluiert. Kosten und Nutzen können daher noch nicht eingeschätzt werden langfristig 18Externe Akteure/ Institutionen Interessentenbörse für MFAs Große Schwierigkeit für Hausarztpraxen geeignetes Praxispersonal (MFAs etc.) zu finden. Durch Interessentenbörse könnte das Matching zwischen offenen Stellen und potentiellen MFAs erleichtert werden. Zudem könnten Informationen zum Beruf und Erfahrungsberichte/ O-Töne etc. zur Verfügung gestellt werden. x ÄrzteschaftmittelfristigWie die Ärzteschaft mitgeteilt hat, existiert eine solche Plattform bereits. 19Externe Akteure/ Institutionen Kampagne zur Werbung interessierter MFAs aus anderen Ländern Um den Mangel an MFAs auszugleichen, könnte eine Kampagne zur Werbung interessierter MFAs aus anderen Ländern unterstützend wirken. Daran anschließend wäre die Bereitstellung von Sprachkurse/ Weiterbildung etc. nötig. x Bund/ Landmittel- bis langfristig 20Externe Akteure/ Institutionen Werbeaktionen für den Ausbildungsberuf zur MFA Werbeeffekt nutzen und Interesse für MFA-Beruf wecken, und um Attraktivität des Jobs zu steigern. Ideen dazu sind Förderung des Girls + Boys Day in Hausarztpraxen, Schulbesuche in Praxen, um Einblick in den Arbeitsalltag zu gewinnen, Bewerbertag in einzelnen Praxen, Teilnahme an Ausbildungsbörsen oder auch die neuen Medien nutzen u.a. mit dem Oberbürgermeister als Influencer etc. x Ärzteschaft Ärzt*innen Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (Berufs)-Schulen mittelfristig 21Externe Akteure/ Institutionen Alumni Party für ausgebildete MFAs Schaffung von Netzwerkmöglichkeit für ausgebildete MFAs, um den Zusammenhalt unter den MFAs zu stärken und die Attraktivität zu steigern und Fluktuation in andere Berufsgruppen zu vermeiden. x Berufsschule Ärzteschaft mittelfristig 22Externe Akteure/ Institutionen Wertschätzung der Leistung der MFAs steigern Finanzielle Anreize schaffen und gesellschaftliche Wertschätzung der MFA-Berufs steigern; Auskömmliches Gehalt für MFAs ermöglichen; MFAs mehr Urlaub / Flexzeit / Entwicklungsmöglichkeiten (Zusatzqualifikationen zum Praxismanager etc.) anbieten. x Bund/ Land Ärzt*innen mittel- bis langfristig 23Externe Akteure/ Institutionen MFA-Beruf für Männer attraktiver machen MFA-Beruf für Männer mitdenken/ attraktiveren z.B. Boys-Day, Kampagne etc. x Ausbildungsbetriebe (Ärzt*innen; Krankenhäuser) Berufsschulen mittelfristig 24Externe Akteure/ Institutionen Weiterbildung / Umschulung für Gesundheits- und Kranken-pfleger*innen anbieten Weiterbildung / Umschulung für Gesundheits- und Krankenpfleger*innen zur MFA anbieten; v.a. für Gesundheits- und Krankenpfleger*innen, die aus körperlichen Gründen ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können. x Ärzt*innen Ärzteschaft (Wiedereinschulungskurse) mittelfristig 25Externe Akteure/ Institutionen Ausbau der Videosprechstunde in Hausarztpraxen Ausbau von Videosprechstunde in Arztpraxen, zur Ermöglichung der wohnortunabhängigen medizinischen Versorgung x Ärzt*innen Ärzteschaft kurz- bis mittelfristigWir durch die Ärzteschaft/ die Ärzt*innen bereits umgesetzt 26Externe Akteure/ Institutionen Werbung für den Berufsstand des Hausarztes/ der Hausärztin Werbung/ Bereitstellung von Informationen (Praxisbeispiele, O-Töne, Erfahrungsberichte) zum Hausarzt-Beruf, um die Attraktivität des Berufs zu steigern x Ärzteschaft Kassenärztliche Vereinigung Medizinische Universitäten Bundesweite Aufgabemittelfristig 5 von 5 ZuständigkeitMaßnahmeErläuterung Thema 1: NachwuchsgewinnungThema 2:PraxispersonalThema 3: VerteilungsdefiziteThema 4:HausbesucheThema 5: ÜbergabemanagementThema 6:Räumlichkeiten Mögliche Akteure für die Umsetzung Geschätzer Zeithorizont einer möglichen Umsetzung Zeithorizont der Umsetzung, sofern inhaltlich möglich und zielführendStand der Umsetzung 27Externe Akteure/ Institutionen Entlastung der Hausärzt*innen durch zentrale IT- Dienstleistungen Entlastung von administrativen Tätigkeiten / IT-Infrastrukturellen Fragestellungen etc. durch zentralisierte Bereitstellung von Dienstleistungen x Kassenärztliche Vereinigung Ärzteschaft mittelfristig 28Externe Akteure/ Institutionen Ausbau von Kooperations-modellen zwischen Kliniken und medizinischen Hochschulen Prüfung und Ausbau weiterer Kooperationen zwischen dem Städtischen Klinikum und medizinischen Fakultäten, um die Praxisphase des Medizinstudium in Karlsruhe erbringen zu können. Dadurch könnte eine frühzeitige Bindung von angehenden (Haus- )Ärzt*innen an den Standtort Karlsruhe erzielt werden. x Städtisches Klinikum Unikliniken/ Medizinische Fäkultäten der Universitäten Unklar, ob bereits Kooperationen/ Gespräche für den Ausbau von Kooperationen existieren und welche Bedingungen für Kooperation nötig wären mittel- bis langfristigFrühe Phase der Prüfung 29Externe Akteure/ Institutionen Erweiterung des Informations- und Weiterbildungsangebot s für Hausärzt*innen, die Praxis gründen möchten Die Verwaltung von Hausarztpraxen ist komplex, vor allem für junge Ärzt*innen ohne lange Beruferfahrung in der Arztpraxen. Erleichterung der Praxisgründung und - führung durch Schulung von Ärzt*innen in BWL sowie Personalführung. Hierfür könnten die bestehend Beratungsangebote bei der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg ausgebaut und um diese Themen ergänzt werden. Alternativ Integration in medizinische Ausbildung. x Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Ärzteschaft Universitäten mittelfristig 30Externe Akteure/ Institutionen Vernetzung von niederlassungswilligen Hausärzt*innen Plattform für angehende/ fertige Hausärzt*innen zur Vernetzung für die Gründung einer Gemeinschaftspraxis x Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg Ärzteschaft Bereits existierende WhatsApp-Gruppen unter den Ärzt*innen in Weiterbildung zur Allgemeinmedizin in Karlsruhe; Frage, ob Platform zweckdienlich mittelfristig 31Externe Akteure/ Institutionen Planung/ Berücksichtigung von Arztpraxen beim Neubau von Alten- und Pflegeheimen Da besonders Hausbesuche unattraktiv sind, ist die hausärztliche Versorgung der Bewohner*innen in Pflegeheimen aktuell z.T. schwierig. Die Planung von einer Arztpraxis beim Neubau von Alten- und Pflegeheimen würden zum einen Praxisräume schaffen und zum anderen, die hausärztliche Versorgung der Heimbewohner*innen verbessern. xx Pflegeheime Investoren Eine Privatisierung der hausärztlichen Versorgung durch Investoren wird von den Hausärzt*innen und der Ärzteschaft kritisch gesehen, da diese den bisherigen Hausarztberuf im Hinblick unter anderem auf die Arzt- Patienten-Beziehung negativ beeinflussen könnte. langfristig 32Externe Akteure/ Institutionen Bereitstellung/ Integration von Praxisräumen bei Neubauprojekten der Volkswohnung Die Volkswohnung sollte zum einen bei Neubau, aber auch im Allgemeinen die Versorgungslage mitdenken und in ihren Planungen Praxisräume für Ärzt*innen berücksichtigen. xx VolkswohnungTatsächliche Zuständigkeit der VoWo ist Wohnungsbau; Auftrag an die VoWo müsste erweitert werden, sodass die Bereitstellung von Praxisräumen mitgedacht wird/ werden kann mittel- bis langfristig 33Externe Akteure/ Institutionen Sicherung der Bestandspraxen Sicherung der Bestandspraxen/ Einzelpraxen, um medizinische Versorgung in Innenstadtteilen mit enger Bebauung zu erhalten. x Ärzt*innen Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (Niederlassungsberatung) Die Übernahme von Einzelpraxen ist für Ärztenachwuchs oft uninteressant. Der Ärztenachwuchs benötigt daher moderne und größere Räumlichkeiten insbesondere für die Gründung von Gemeinschaftspraxen. mittelfristig