Projektverlängerungen: „Besser Deutsch Sprechen“, Internationaler Elterntreff und „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“

Vorlage: 2022/2246
Art: Beschlussvorlage
Datum: 27.10.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Büro für Integration
Erwähnte Stadtteile: Mühlburg, Weststadt

Beratungen

  • Migrationsbeirat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 02.12.2022

    TOP: 4

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Projektverlängerungen
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: BfI Projektverlängerungen: „Besser Deutsch Sprechen“, Internationaler Elterntreff und „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“ Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Migrationsbeirat 02.12.2022 4 x Beschlussantrag Der Migrationsbeirat stimmt der Vorlage zu und empfiehlt für 2022 und 2023, im Rahmen der Förderrichtlinien zur Förderung von Migrantenvereinen, die weitere finanzielle Förderung der folgenden Projekte: - „Besser Deutsch Sprechen“, Isis Chi Gambatte - Internationaler Elterntreff, AWO Karlsruhe gGmbH - „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“, AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e.V. Die Finanzierung erfolgt mit Mitteln des Integrations- und Flüchtlingsfonds 2022 und 2023. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 2022: 25.000 € 2023: 13.600 € 2022: 25.000 € 2023: 13.600 € Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☒ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – In den Migrationsbeiratssitzungen der vergangenen Jahre wurde die finanzielle Förderung der Projekte „Besser Deutsch Sprechen“, Internationaler Elterntreff und „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“ empfohlen. Die Förderung soll jeweils um weitere 12 Monate verlängert werden: Projekt Träger Laufzeit Zuschuss geplant Fördertopf Besser Deutsch Sprechen Isis Chi Gambatté 01.12.2022- 30.11.2023 15.000 € Integrations- und Flüchtlingsfonds 2022 Internationaler Elterntreff AWO Karlsruhe gGmbH 01.01.2023- 31.12.2023 13.600 € Integrations- und Flüchtlingsfonds 2023 Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e.V. 01.12.2021- 30.11.2022 10.000 € Integrations- und Flüchtlingsfonds 2022 Die Projekte werden im Weiteren mit Erfahrungsberichten aus der letzten Förderperiode sowie aktuellen Entwicklungen vorgestellt. 1. Besser Deutsch Sprechen Das Projekt „Besser Deutsch Sprechen“ hat zum 1. November 2015 begonnen und wurde zuletzt von 1. November 2021 bis 30. November 2022 verlängert. Die Verlängerung des Projektes wird nun ab 1. Dezember 2022 bis 30. November 2023 (Laufzeit 12 Monate) beantragt. Der Verlängerungsantrag für „Besser Deutsch Sprechen“ richtet sich an bis zu 60 Teilnehmende unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters. Es sollen sowohl Teilnehmende angesprochen werden, die bereits am Integrationskurs teilgenommen haben, als auch solche, die keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben. Der Kurs ist als fortlaufendes Format gedacht, so dass alle, die teilnehmen möchten, währende der Projektlaufzeit jederzeit einsteigen können. Neue Zielgruppe sind Geflüchtete aus der Ukraine, die auch schon im abgeschlossenen Projektzeitraum den Weg in den Kurs gefunden haben. Die Teilnehmenden werden durch intensives sprecherzieherisches Training darin geschult, die deutsche Sprache besser zu artikulieren. Die Teilnehmenden werden, gemäß ihrer Muttersprache, in das Projekt integriert und gefördert. Da jede Sprache andere Probleme mit der richtigen Aussprache des Deutschen hat, hat die Projeketträgerin bestimmte Übungen entwickelt und unterrichtet bei Bedarf nach „Sprach-Ethnien“ getrennt. Durch einen spielerischen Ansatz wird es den Teilnehmenden ermöglicht, sich die deutsche Sprache auf ganz individuelle, künstlerische Weise zu eigen zu machen. Die aktiven Sprachkenntnisse und das Sprachvermögen werden verbessert, so dass Situationen wie beispielsweise ein Bewerbungsgespräch oder ein Telefonat besser gelingen. Darüber hinaus fördert das intensive Atem- und Sprechtraining das Selbstbewusstsein im Sinne eines Self-Empowerments, was den Teilnehmenden insbesondere im Erwerbsleben zu Gute kommt. Für die Projektträgerin als Selbständige ist es, im Gegensatz zu einem eingetragenen Verein, nicht möglich, auf andere Fördermöglichkeiten (z.B. vom Bund oder Land) zurückzugreifen. Durch diese – 3 – Selbständigkeit kann die Projektträgerin allerdings auch sehr schnell und flexibel auf verändernde Umstände oder Rahmenbedingungen reagieren (z.B. Nutzung von eigenen Räumen, Reduzierung der Fördersumme, usw.). So war es möglich, dass bereits in der laufenden Förderperiode eine Gruppe speziell für Geflüchtete aus der Ukraine eingerichtet wurde. Im vergangenen Projektzeitraum war der Kurs für 30 Personen geplant. Insgesamt haben 45 Personen erfolgreich am Programm teilgenommen, davon 10 Männer und 35 Frauen. Die Altersspanne der Teilnehmenden reichte von 16 bis 76 Jahren. Der Prozentanteil von Migranten lag bei etwa 95%, von Teilnehmenden mit deutscher Herkunft bei etwa 5%. Von den Teilnehmerinnen kamen 15 aus der Ukraine. Aufgrund der speziellen Problemlage der Geflüchteten aus der Ukraine hat die Projektträgerin eine neue Gruppe eingerichtet, um den traumatisierten Frauen, die sich auch nur schwer konzentrieren konnten, einen geschützten Raum zu bieten, wo sie sich verständnisvoll und ohne jeden Druck mit der deutschen Sprache beschäftigen konnten. Das Projekt vermittelt den Teilnehmenden, dass es wichtig ist, sich gewählt, präzise und gepflegt auszudrücken. Die Teilnehmenden tragen diese Erkenntnis in ihre Familien und ihr Umfeld weiter und können so eine Sensibilisierung für die deutsche Sprache an ihre Kinder weitergegeben. Von den Teilnehmenden wird es positiv empfunden, dass sie viel korrigiert werden und damit ihr Ausdrucksvermögen gefördert wird. Die Aussprache kann in einem regulären Deutschkurs nicht so intensiv trainiert werden. Durch die körperlich betonte und musikalische Lernmethode anhand der deutschen Sprachmelodie, wird erreicht, dass die Teilnehmenden das Gelernte im Körper verankern und sich so Lücken in Grammatik, Vokabular und Artikulation schließen. Die Projektträgerin hat ihr Netzwerk weiter ausgebaut und sich unter anderem mit dem Jobcenter Karlsruhe, Flüchtlingsberatungsstellen und Integrationskursanbietern vernetzt. Die Zusammenarbeit mit der AWO Karlsruhe als Träger von Elterntreffs und mit dem Bürgerzentrum Mühlburg als Anbieter der Räumlichkeiten hat sich bewährt. In der neuen Förderperiode ist eine Zusammenarbeit mit dem Jubez und mit ausländischen Kulturvereinen angestrebt. Im neu beantragten Zeitraum sollen bis zu 60 Teilnehmende im Projekt gefördert werden. Zu Beginn erfolgt eine Einzelberatung, so dass es leichter möglich ist, auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden einzugehen. Das Training in der Gruppe kann je nach Veränderung der Pandemie- Situation auch Online stattfinden. Zum Projektende ist eine Lesung von Gedichten vor Publikum geplant, wenn die Corona-Situation dies zulässt. Ein weiterer Ausbau des Netzwerkes ist für die kommende Förderperiode angedacht. Durch die Erhöhung des Zuschusses ist es möglich, speziell für Geflüchtete aus der Ukraine eine eigene, sprachhomogene, Gruppe einzurichten. Insbesondere die Möglichkeit mehr Einzel- und Kleinstgruppencoachings anzubieten ist für diese Gruppe sehr hilfreich, da noch nicht ausreichend Sprachkursangebote zur Verfügung stehen. Die Finanzierung wird wie folgt beantragt: Kosten: Personalkosten 17.760 € Sachkosten 7.220 € Gesamtsumme 24.980 € Finanzierung: Eigenanteil/Drittmittel 9.980 € (40% der Projektkosten) Beantragter Städtischer Zuschuss 15.000 € (60% der Projektkosten) Geplanter Städtischer Zuschuss 15.000 € Das Büro für Integration befürwortet die weitere Förderung und die Erhöhung des Zuschusses. – 4 – Das Projekt „Besser Deutsch Sprechen“ erfüllt die gestellten Erwartungen und schließt eine Lücke im bestehenden Angebot für Migrantinnen und Migranten. Die intensive Übung der Aussprache ist hier besonders hervorzuheben, da in den Integrationskursen dafür keine Zeit bleibt. Rückmeldungen von Teilnehmenden bestätigen dies. Gerade wegen der Einzigartigkeit des Projekts und seiner erfolgreichen Durchführung, sieht das Büro für Integration das Angebot als ein Zusatzangebot zu den gängigen Sprachkursen und nicht als eine Alternative hierzu. Durch den Ausbau kann insbesondere Geflüchteten aus der Ukraine ein sinnvolles Angebot als Ergänzung oder Hinführung zu einem Deutschkurs gemacht werden. Das Projekt setzt Ziele des Karlsruher Integrationsplans um. Die integrationsfördernde Wirkung für die Teilnehmenden ist unmittelbar und offensichtlich. Allerdings ist zu bedenken, dass die Förderung über den Integrationsfonds schon über sieben Jahre läuft. Dies wiederspricht dem Fördergedanken der „Richtlinie zur Förderung von Migrantenvereinen“. Danach sind Projektförderungen grundsätzlich als Anschubfinanzierung zu verstehen. Die Problematik, dass die Projektträgerin als freischaffende Künstlerin keine Förderung von anderen öffentlichen Trägern erhalten kann, und der Erfolg des Projektes sind Gründe für die lange städtische Förderung. Insofern empfiehlt die Verwaltung, das Projekt „Besser Deutsch sprechen“ letztmals über den Integrationsfonds zu fördern. Das Büro für Integration wird zusammen mit der Projektträgerin nach Lösungen und Finanzierungsmöglichkeiten suchen, damit das Projekt auch in Zukunft in Karlsruhe weiterhin angeboten werden kann. 2. Internationaler Elterntreff Der Internationale Elterntreff wird seit September 2019 mit Mitteln des Integrationsfonds finanziert. Er ist einer von insgesamt zehn niederschwelligen Treffs für Eltern von Schulkindern. Als Bestandteil des stadtweiten Angebots an Elterntreffs deckt der Internationale Elterntreff den Bedarf nach einem außerschulischen Elterntreff im Stadtzentrum. Der Internationale Elterntreff findet dienstags und donnerstags von 8:30 Uhr bis 11:30 Uhr statt. Der Ort des Internationalen Elterntreffs wechselt zwischen der Adlerstr. 33 (AWO Begegnungsstätte, Dienstag) und der Kaiserallee 12d (ibz, Donnerstag). Die sozialarbeiterische Arbeit im Internationalen Treff wird durch eine festangestellte Diplompädagogin durchgeführt. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin unterstützt die Durchführung des Projektes. Beide Mitarbeiterinnen können auf interkulturelle Kompetenz zurückgreifen, die auf fachlicher Ausbildung und eigener Migrationserfahrungen beruht. Sowohl die hauptamtlichen als auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Elterntreffs werden weiterqualifiziert und haben die Möglichkeit, sich in ihrem multidisziplinären Arbeitsteam auszutauschen. In der vergangenen Förderperiode lag die Teilnehmerzahl im Durchschnitt bei 5 bis zu 20 Frauen. Zum Treff in die Adlerstraße kamen im ersten Halbjahr 2022 viele neue Teilnehmerinnen und im Treffstandort ibz sind bereits aus der Ukraine geflüchtete Frauen und ihre Kinder angekommen. Neben Öffnungstagen mit offener Themenwahl wurden auch Treffs angeboten, an denen Kurse oder Veranstaltungen mit festgelegten Themen stattfanden. Alle Kurse und Angebote haben das Ziel, die Mütter und Frauen in ihrem Alltag zu unterstützen und wurden sehr gut angenommen. Folgende Themen wurden angeboten: Das Bildungssystem in Deutschland und die Übergänge von der Kita in die Schule und von der Schule in die Ausbildung, Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen und wie Eltern ihre Kinder unterstützen können, Unterstützungsmöglichkeiten für Familien mit geringem Einkommen und Work- Life Balance. In der kommenden Förderperiode soll an diese Angebote angeknüpft werden. Da die gemeinsame Sprache Deutsch ist, bietet der Treff einen niederschwelligen Zugang zur deutschen Sprache. In Kooperation mit dem Büro für Integration konnte an beiden Standorten ein niederschwelliger VwV Deutschkurs durchgeführt werden. Eine Fortsetzung wird angestrebt. Aktuell – 5 – prüft das Büro für Integration, ob die Landesgelder der VwV Deutsch für die Förderperiode 2022/23 dafür ausreichend sind. Der Internationale Elterntreff ist inzwischen gut etabliert. Dieser erkennt und reagiert auf aktuelle Bedarfe. Der Treff ermöglicht eine intensive und fortlaufende Begleitung der Teilnehmenden und bietet Kontinuität und Verlässlichkeit. Für die kommende Förderperiode sollen u. a. ein Workshop zum Thema Gesundheit und gesunde Ernährung mit Körperübungen aus dem Bereich „achtsamer Umgang mit meinem Körper“ umgesetzt werden. Weiterhin sind Sprachprojekte mit einem Coach für Erwachsene geplant sowie ein ehrenamtliches Sprachprojekt für Kinder. Ein weiterer Fokus liegt auf der Erreichung von Geflüchteten aus der Ukraine. Der Träger hat eine gute Kooperation mit dem Ukrainischen Verein in Karlsruhe aufgebaut. Der Internationale Elterntreff profitiert von den Erfahrungen der AWO Karlsruhe bei der Durchführung drei weiterer Elterntreffs und kann auf ein Netzwerk an Kontakten in den Stadtteilen zurückgreifen. Zudem sorgen die Elterntreffs der AWO Karlsruhe untereinander für Entlastung, wenn die Kapazitäten unausgeglichen sind, wie es zwischen dem Elterntreff Schillerschule und dem Internationalen Elterntreff geschehen ist. Die weitere Finanzierung wird wie folgt beantragt: Projektlaufzeit 01.01.2023 – 31.12.2023 Kosten: Personalkosten 13.600 € Sachkosten 3.700 € Gesamtsumme 17.300 € Finanzierung: Eigenanteil/Drittmittel 3.700 € (21% der Projektkosten) Beantragter Städtischer Zuschuss 13.600 € (79% der Projektkosten) Geplanter Städtischer Zuschuss 13.600 € Das Büro für Integration befürwortet die Fortsetzung der Förderung. Der Internationale Elterntreff ist ein wichtiges niedrigschwelliges Angebot für Eltern in der Innenstadt und der Weststadt. Er erfüllt sein primäres Ziel, Eltern, insbesondere Eltern mit Migrationshintergrund, zu informieren und eine Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung zu geben. Der Elterntreff arbeitet ressourcenorientiert und stärkt die Identität der Besuchenden, hauptsächlich Frauen. Das kommt auch den Familien zugute. Auf die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmerinnen, bspw. Fluchterfahrung, wird sensibel eingegangen. Der Träger erreicht mit seinem Angebot auch Familien aus der Ukraine und bietet gerade dieser Personengruppe wichtige niedrigschwellige Hilfe und Unterstützung und leitet Hilfesuchende weiter in die Regelstrukturen. Offene, niederschwellige Elterntreffs, wie der Internationale Elterntreff, sind als Bildungsprogramme zu verstehen, die Eltern und Familien dabei helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Diese Treffs sind niederschwellige Türöffner hin zu einem Weg der Integration und des „in Karlsruhe Ankommens“. Der Treff holt die Mütter dort ab, wo sie sind, Zugangsbarrieren werden identifiziert und abgebaut. Eltern, insbesondere Mütter und Frauen, die einen Treff besuchen, sind wichtige Multiplikatoren in ihren Familien und im Stadtteil. Gerade für Frauen aus Familien mit hierarchischen Strukturen ist eine Anlaufstelle dieser Art für eine Integration wesentlich. Frühe Hilfen in Form von effektiver, vertrauensvoller Beratung finden im Elterntreff und damit vor Ort statt. Gerade im Hinblick auf die steigenden Zahlen von Geflüchteten aus der Ukraine im Stadtgebiet (zumeist Mütter mit Kindern) und deren Bedarfe an Beratung und Unterstützung, sind Elterntreffs – 6 – notwendige, niedrigschwellige, vertrauensbildende Maßnahmen, die die Integration fördern und damit die Beratungsstrukturen und das Integrationsmanagement in den städtischen Unterkünften und im Stadtgebiet insgesamt, entlasten bzw. ergänzen. Das Projekt setzt die Ziele des Karlsruher Integrationsplans um. 3. Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen Das Projekt richtet sich an Menschen mit Migrationshintergrund, die aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Schichtarbeit, Arbeit in der Gastronomie, Reinigungsbranche, Baubranche / Montage, etc.) keine Regel-Sprachkurse besuchen können oder trotz des Besuchs eines Sprachkurses beim Erlernen der deutschen Sprache massive Probleme aufweisen. Mit diesem äußerst niedrigschwelligen Angebot können auch Personen erreicht werden, die im Spracherwerbssystem durch alle anderen Raster fallen. Das Angebot soll den Teilnehmenden eine Integration in das soziale und berufliche Leben ermöglichen. Aktueller Sachstand / Evaluationszahlen Das Projekt wird bereits seit 2020 gefördert und läuft sehr erfolgreich. Es startete 2019 mit zehn Ehrenamtlichen und jeweils einem Teilnehmenden. Aktuell betreuen 34 Ehrenamtliche 32 Teilnehmende aus Algerien, Belarus, der Ukraine, Russland, Palästina, Syrien, Eritrea, Afghanistan, Tunesien, Togo, Gambia, Senegal, Georgien, Saudi-Arabien, Albanien und der Türkei. Der Eins-zu-eins-Austausch zum Erlernen der deutschen Sprache und die persönliche Begleitung in der ersten Phase der Integration gibt den Teilnehmenden ein neues Selbstbewusstsein und „empowert“ sie. Der Erfolg des Projektes bestätigt sich durch die Ergebnisse von ehemaligen Teilnehmenden: Im Jahr 2021 wurden 35 Teilnehmende gefördert und beim Erreichen des Zielsprachniveaus unterstützt. Davon erreichten sechs Personen das C1-Sprachniveau, 15 Personen B1 oder B2 Niveau und 14 Personen A1 oder A2 Niveau. 13 Teilnehmende fanden einen Arbeitsplatz, sieben Personen haben während der Förderung mit einer Ausbildung begonnen und wurden dabei begleitet. Drei Personen gelang es, einen Praktikumsplatz zu finden. Von Januar bis August 2022 wurden 52 Personen im Projekt gefördert. Das Projekt wurde ab April 2022 auch für die Geflüchteten aus der Ukraine geöffnet, besonders Frauen nahmen das Angebot sehr gern an. Elf Personen haben während der Förderung eine Arbeitsstelle gefunden, fünf Personen haben eine Ausbildung angefangen und drei Personen wurden erfolgreich bei der Suche nach einem Praktikumsplatz unterstützt. Ziele für die neue Förderperiode Die Verlängerung des Projekts soll den beteiligten Ehrenamtlichen weiterhin eine finanzielle Anerkennung zuteilwerden lassen. Außerdem sollen durch die Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements und durch die Bekanntmachung des Projekts mehr Ehrenamtliche auf dem hartumkämpften „Ehrenamtsmarkt“ erreicht und gewonnen werden. Aktuell besteht unter anderem eine gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen in Karlsruhe. Das Netzwerk an Hochschulen konnte neben der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe um drei weitere Hochschulen erweitert werden. Darüber hinaus findet Ideenaustausch und Kooperation mit anderen Organisationen und sozialen Vereinen, auch über die Stadtgrenzen hinaus, statt. Kosten Um das Projekt optimal zu betreuen, hat der AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e.V. die Eigenmittel von 4.700 Euro auf 14.900 Euro erhöht. Damit ist die Projektleitung nun mit einem 25% Stellenanteil für das Projekt zuständig. – 7 – Die weitere Finanzierung wird wie folgt beantragt: Kosten: Personalkosten 14.900 € Sachkosten 10.000 € Gesamtsumme 24.900 € Finanzierung: Eigenanteil 14.900 € (60% der Projektkosten) Beantragter Städtischer Zuschuss 10.000 € (40% der Projektkosten) Geplanter Städtischer Zuschuss 10.000 € Das Büro für Integration befürwortet die Fortsetzung der Förderung. Das Projekt „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen (IUD)“ ist ein wichtiges niedrigschwelliges Angebot im Bereich des Spracherwerbs. Der AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e.V. ist ein geeigneter und verlässlicher Projektträger. Das zugrunde liegende Konzept wird bereits erfolgreich angewendet und ausgebaut, um der aktuellen Bedarfslage gerecht zu werden. Das Büro für Integration sieht die Besonderheit der Projektkonzeption in Form von Einzelförderung darin, dass durch die enge persönliche Beziehung zwischen Ehrenamtlichen und Teilnehmenden, zusätzlich zum sprachlichen Aspekt, sich auch ein menschlicher und sozialer Austausch entwickelt. Dies führt zu mehr Offenheit und Vertrauen, was wiederum den Teilnehmenden bei Bedarf und mit Unterstützung der Ehrenamtlichen und/oder der Projektleitung den Zugang zu den bestehenden sozialen Strukturen wie zum Beispiel Beratungsstellen, ermöglicht und eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Karlsruhe erleichtert. Das Projekt setzt Ziele des Karlsruher Integrationsplans um. Die integrationsfördernde Wirkung für die Teilnehmenden ist unmittelbar und offensichtlich. – 8 – Beschluss: I. Antrag an den Migrationsbeirat Der Migrationsbeirat stimmt der Vorlage zu und empfiehlt für 2022 und 2023, im Rahmen der Förderrichtlinien zur Förderung von Migrantenvereinen, die weitere finanzielle Förderung der folgenden Projekte: - „Besser Deutsch Sprechen“, Isis Chi Gambatte - Internationaler Elterntreff, AWO Karlsruhe gGmbH - „Individuelle Unterstützung beim Deutschlernen“, AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e.V. Die Finanzierung erfolgt mit Mitteln des Integrations- und Flüchtlingsfonds 2022 und 2023. II. Kontierungsobjekt: 1.500.11.14.08.02.02 KA Integrations- u. Flüchtlingsfond, Sachkonto 43180000 2022: 25.000 €, 2023: 13.600 € III. Auf die Tagesordnung der Sitzung des Migrationsbeirates am 02.12.2022 IV. Übersendung der Vorlage an die Mitglieder des Migrationsbeirates. V. z. d. A. (BfI) Dez. 3 StKä SJB Direktion BfI Sachbearbeitung 02.09.2022 Angelika Greiner, Telefon: R 5763 Maka Dolidze, Telefon: R 3840