Beobachtungen zu einem veränderten Publikumsverhalten und mögliche Auswirkungen auf die Kultureinrichtungen
| Vorlage: | 2022/2194 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 19.10.2022 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Kulturausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 17.03.2023
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2194 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Beobachtungen zu einem veränderten Publikumsverhalten und mögliche Auswirkungen auf die Kultureinrichtungen Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Kulturausschuss 17.03.2023 1 X Information (Kurzfassung) Die Hoffnung, dass nach Ende der veranstaltungsbezogenen Coronabeschränkungen das Kulturleben, insbesondere die Besuchsresonanz in den Kultureinrichtungen wieder an die Situation vor Beginn der Pandemie anknüpft, hat sich bisher nicht realisiert. Der Großteil der Veranstaltenden – sei es im Bereich Theater, Konzert, Kino oder Soziokultur - stellt einen geringeren Publikumszuspruch und eine Zurückhaltung beim Kartenvorverkauf fest. Auch Ausstellungshäuser müssen diese Erfahrung machen. Diese Tendenz wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass einzelne Veranstaltungen wie zum Beispiel Festivals gut nachgefragt werden. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Kulturlandschaft, die Kultureinrichtungen mit einem veränderten Publikumsverhalten konfrontiert sind. Der Kulturausschuss nimmt die Vorlage zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen „Den Kultureinrichtungen geht das Publikum aus“ lautet die Unterzeile eines Artikels der Kulturpolitischen Mitteilungen Heft III/2022. Auch wenn der Zugang zu den Veranstaltungen wieder unbeschränkt möglich ist, bleibt die Platzauslastung bei zahlreichen Formaten häufig weit hinter den Erwartungen und weit hinter den Erfahrungen aus der Zeit vor Beginn der Pandemie zurück. Die positive Resonanz auf Open Air-Veranstaltungen im Sommer vergangenen Jahres – DAS FEST, die Schlosslichtspiele, Toujours Kultur und andere – lässt darauf schließen, dass sich das Publikum im Freien sicherer fühlt als in geschlossenen Räumen. Die Verunsicherung angesichts großer Ansammlungen von Menschen kann jedoch nicht als durchgehendes Motiv der Zurückhaltung gesehen werden, da es doch immer wieder Situationen und Veranstaltungen mit großem Publikumszuspruch und der dabei unvermeidbaren Enge und Nähe gibt. Die Soziologie liefert zahlreiche Hinweise darauf, dass eine gesellschaftliche Veränderung bereits vor einigen Jahren einsetzte und durch die Pandemie lediglich eine Beschleunigung erfuhr. Eine wachsende Fragmentierung der Gesellschaft auf der einen und eine veränderte Haltung auf der anderen Seite, die sich in einer zunehmenden Unverbindlichkeit zeigt, prägen die aktuelle Situation. Die Kulturwissenschaft konstatierte bereits vor rund 15 Jahren eine sich schrittweise verstärkende Auflösung des ‚Stammpublikums‘. Neben aktuellen Gründen muss daher auch der bereits vor der Pandemie begonnene Prozess negativer Publikumsentwicklung in den Blick genommen werden. Hierzu gehört, dass bei vielen Veranstaltungen das Kernpublikum überdurchschnittlich alt ist, jüngere Publikumsschichten häufig nur sehr begrenzt angesprochen und erreicht werden und insbesondere die klassische Kultur nicht mehr selbstverständlicher Gegenstand von Bildungsangeboten und einem „bürgerlichen“ Selbstverständnis ist. Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Jahren - auch durch die Pandemie - das Freizeitverhalten vieler Menschen in dem Sinne verändert hat, dass verstärkt konkurrierende mediale Angebote (Streamingdienste und anderes), aber auch sonstige Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten in Anspruch genommen werden. Eine nähere Analyse dieser Entwicklung und der sie tragenden Gründe ist für das kulturelle Leben in Deutschland allgemein, aber auch in Karlsruhe im Besonderen erforderlich. Deutlich wird jedoch bereits jetzt, dass sich die Kultur, das kulturelle Leben in einer Transformation befindet, die auch auf kommunaler Ebene kulturpolitisch eng begleitet werden muss. Das Kulturamt ist in dieser Situation mit den Kultureinrichtungen im engen Austausch. Sowohl der Kulturkreis als auch der Kulturring mit ihren jeweiligen Mitgliedern haben das Thema auf ihren Tagesordnungen. Und in gemeinsamen Gesprächen mit den Theatern in freier Trägerschaft wird nach verstärkter Profilierung, Sichtbarkeit und Publikumsbindung der Einrichtungen gesucht. In der Analyse und der Suche nach Maßnahmen geht es in erster Linie um mittel- und langfristige Maßnahmen zur Veränderung und Konsolidierung des kulturellen Lebens in der Stadt. Das Kulturamt wird hierzu 2023 eine Nicht-Besucher-Umfrage in Karlsruhe durchführen, um zu erfahren, was die Bürger*innen davon abhält, Kultureinrichtungen zu besuchen, aber auch, unter welchen Bedingungen ein Besuch zu realisieren wäre. Unabhängig von den Ergebnissen der Umfrage scheint ein tragendes Element der herbeizuführenden Veränderungen eine intensivierte kulturelle Bildung und Vermittlung zu sein, die insbesondere die Kindertagesstätten und Schulen in den Blick nimmt. Es geht um eine verstärkte Ansprache der Menschen, die die Kultur bisher nicht erreichen konnte, um Öffnung der Angebote für eine diverse und kulturell vielfältige Stadtgesellschaft, um niederschwellige erlebnisorientierte Angebote. Über das Kulturlots*innen-Programm, das im Januar 2023 an den Start gegangen ist, werden konkret Kinder und Jugendliche an die Kultur herangeführt. Das Projekt ist nachhaltig auf die kommenden zehn Jahre angelegt. Die Überlegungen zu einer Kultur-Kampagne, die sich an Jugendliche wendet und ebenfalls über einen längeren Zeitraum konzipiert wird, sind in vollem Gange. – 3 – Bereits begonnen wurden Gespräche mit den Kultureinrichtungen im Hinblick auf eine Stabilisierung des Angebots vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Lage im weitesten Sinne. Im Fokus stehen hier Aspekte wie die Bildung von Synergien zwischen den Häusern, auch mit dem Ziel, einen Austausch der Publikumskreise herbeizuführen. Betriebswirtschaftliche Aspekte wie finanzielle Abhängigkeiten bilden ebenfalls einen Bestandteil dieser Gespräche. In den kommenden Jahren wird das Kulturbüro, auch auf der Grundlage einer an die Aktualität angepassten Kulturförderung und durch entsprechende Beratung, eng mit den Kultureinrichtungen an einer beständigen Ansprache und Erweiterung der Publikumskreise arbeiten.