Bestandsaufnahme: Suchthilfe in Karlsruhe
| Vorlage: | 2022/2025 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 26.09.2022 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
- Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 16.11.2022
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2022/2025 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Bestandsaufnahme: Suchthilfe in Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 16.11.2022 6 x Information Der Sozialausschuss nimmt die Zusammenstellung der Angebote der Suchthilfe zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Die Einrichtungen der Suchthilfe der Stadt Karlsruhe bieten mit ihren vielfältigen Angeboten in den Bereichen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung und Überlebenshilfen (niedrigschwellige Hilfen) hochqualifizierte und ausdifferenzierte Unterstützung für unterschiedliche Zielgruppen an. Die Vielfalt der Angebote und der verschiedenen Gremien der Vernetzung soll mit dieser Bestands- aufnahme sichtbar gemacht werden und kann als Grundlage für zukünftig notwendige Weiterent- wicklungen dienen. Die Struktur der Zusammenstellung orientiert sich an der Analyse der notwendigen Versorgungs- strukturen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) von 2019. Fazit: ▪ Karlsruhe nimmt in Baden-Württemberg seit vielen Jahren eine Vorreiterstellung im Bereich des Umgangs mit von illegalen Drogen abhängigen Menschen ein und ist in diesem Bereich gut aufgestellt. Die Angebotspalette reicht neben den klassischen Angeboten der Beratung, von der diamorphingestützten Behandlung, über den Drogenkonsumraum bis zu einem An- gebot der Eingliederungshilfe für drogenabhängige Menschen mit Betreuungsbedarf. ▪ Schwierig ist aktuell leider die Entgiftungssituation. Die Wartezeiten für opiatabhängige Menschen sind lang und die Schwelle zur Aufnahme hoch. Die Coronalage hat diese Situa- tion zusätzlich verschärft. ▪ Die Suchtberatungsstellen bieten eine Vielzahl von differenzierten spezialisierten Maßnah- men an, greifen neue Entwicklungen auf, initiieren innovative Projekte und arbeiten koope- rativ zusammen. ▪ Es gibt eine Vielzahl an Selbsthilfeangeboten, die über das gemeinsame Suchthilfenetzwerk mit allen Akteuren der Suchthilfe verbunden sind. ▪ Suchthilfe ist ein komplexer Prozess. Dieser funktioniert nur im Verbund. Die Vielzahl an Gre- mien zeigt, dass dies in Karlsruhe ernst genommen wird, und dass Vernetzung und vertrau- ensvolle Kooperationen gelebt werden. ▪ Auch in der Suchtprävention gibt es eine Vielzahl guter Angebote und Konzepte. Aufgrund mangelnder personeller Ressourcen können jedoch nicht alle Arbeitsfelder bedient werden, und die vorhandenen Angebote nicht flächendeckend umgesetzt werden. Gerade mit Blick auf bevorstehend gesetzliche Änderungen (Cannabislegalisierung) wäre es wünschenswert, hier nachsteuern zu können.
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Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination Suchthilfe Karlsruhe Zusammenstellung der vielfältigen Angebote für suchtkranke Menschen und deren Angehörige in der Stadt Karlsruhe Anlage SozA 16.11.2022, TOP 6 2 | Suchthilfe Karlsruhe Inhaltsverzeichnis Einleitung .............................................................................................................................................................................................................. 3 1. Beratung und Begleitung ............................................................................................................................................................................. 4 1.1. Niedrigschwellige Hilfen................................................................................................................................................................................ 4 1.1.1. A³ (DWK) .......................................................................................................................................................................................... 4 1.1.2. get IN Kontaktladen (AWO) ............................................................................................................................................................... 4 1.1.3. K76 Drogenkonsumraum (AWO) ....................................................................................................................................................... 4 1.2. Suchtberatung und Begleitung ...................................................................................................................................................................... 4 1.2.1. Beratungsstelle der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden (DSM) ......................................................................................................... 4 1.2.2. Fachstelle Sucht (bwlv) ...................................................................................................................................................................... 5 1.2.3. Jugend- und Drogenberatungsstelle (Stadt Karlsruhe) ........................................................................................................................ 5 1.2.4. KiD – Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder (AWO) ....................................................................................................... 5 1.3. Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung ................................................................................................................... 5 1.4. Spezifische Hilfeangebote ............................................................................................................................................................................. 5 1.4.1. Übergangswohneinrichtung (Stadt Karlsruhe) .................................................................................................................................... 5 1.4.2. MPU-Vorbereitung (bwlv, DSM, Stadt Karlsruhe) ................................................................................................................................ 6 1.4.3. BESS, Beratungs- und Informationsstelle bei Essstörungen (DSM) ....................................................................................................... 6 1.4.4. Konsumreduktionsprogramm (DSM) .................................................................................................................................................. 6 2. Medizinische Behandlung............................................................................................................................................................................. 6 2.1. Substitutionsbehandlung .............................................................................................................................................................................. 6 2.2. Stationäre medizinische Versorgung/Entgiftungsbe-handlung (auch tagesklinisch) .......................................................................................... 6 3. Medizinische Rehabilitation .......................................................................................................................................................................... 6 3.1. Ganztägig ambulante Rehabilitation ............................................................................................................................................................. 6 3.2. Ambulante Nachsorge/Ambulante berufsorientierte Nachsorge nach Rehabilitation ....................................................................................... 7 3.3. Neue Rehamodule ........................................................................................................................................................................................ 7 3.3.1. Ambulante Motivationsbehandlung (DSM) ......................................................................................................................................... 7 3.3.2. Refresher ambulant ........................................................................................................................................................................... 7 4. Eingliederungshilfe – Leistungen zur sozialen Teilhabe .................................................................................................................................... 7 4.1. Wohngruppe Passagehof und Außenstellen (Heimstiftung) ............................................................................................................................ 7 4.2. Ambulant betreutes Wohnen (bwlv) .............................................................................................................................................................. 7 5. Beschäftigung, Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben ........................................................................................................................... 8 5.1. Projekt WegWeiser ....................................................................................................................................................................................... 8 5.2. Maßnahmen des Jobcenters .......................................................................................................................................................................... 8 5.3. BEAS (begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben durch Starthilfe, Reha Pro) ........................................................................................................... 8 6. Justiz ......................................................................................................................................................................................................... 8 6.1. Medizinische Versorgung in Haft ................................................................................................................................................................... 8 6.2. Suchtberatung in Haft ................................................................................................................................................................................... 8 7. Selbsthilfe................................................................................................................................................................................................... 9 8. Prävention .................................................................................................................................................................................................. 9 8.1. Präventionsbüro SUCHT ................................................................................................................................................................................ 9 8.2. Schulungen nach dem Landesglücksspielgesetz ............................................................................................................................................. 9 8.3. Kindergruppen Regenbogen für Kinder aus suchtbelasteten Familien ........................................................................................................... 10 8.4. Elterntraining .............................................................................................................................................................................................. 10 8.5. Betriebliche Suchtprävention (Sucht und Arbeit) .......................................................................................................................................... 10 8.6. Prävention an Schulen zum Thema Essstörungen ......................................................................................................................................... 10 9. Netzwerke ................................................................................................................................................................................................ 10 9.1. Netzwerk Essstörungen ............................................................................................................................................................................... 10 9.2. Runder Tisch Suchtberatung Karlsruhe ........................................................................................................................................................ 10 9.3. Drogenhilfe Karlsruhe ................................................................................................................................................................................. 11 9.4. Suchthilfenetzwerk ..................................................................................................................................................................................... 11 9.5. Qualitätszirkel Substitution ......................................................................................................................................................................... 11 10. Kommunale Beauftragte für Suchtprävention/Kommunale Suchtbeauftragte (BFS/KSB) ..................................................................................... 11 Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 3 Einleitung Die Einrichtungen der Suchthilfe der Stadt Karlsruhe bieten mit ihren vielfältigen Angeboten in den Bereichen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung und Überlebenshilfen (niedrigschwellige Hilfen) hochqualifizierte und ausdifferenzierte Unterstützung für unterschiedliche Zielgruppen an. Die Vielfalt der Angebote und der verschiedenen Gremien der Vernetzung soll mit dieser Bestandsaufnahme sichtbar gemacht werden. Suchthilfe entwickelt sich kontinuierlich, orientiert an den Bedarfen der Betroffenen weiter. Suchthilfe ist ein komplexer Prozess. Dieser funktioniert nur im Verbund. Nachhaltige Vernetzung und vertrauensvolle Kooperationen sind wesentliche Grundlagen der Arbeit. 4 | Suchthilfe Karlsruhe 1. Beratung und Begleitung Die Zielsetzung von Beratung und Begleitung in der Suchthilfe ist es, Teilhabe zu ermöglichen. Mit Hilfe fachlicher Unterstützung durch qualifizierte Berater*innen sollen Hilfesuchende befähigt werden, ihre Probleme selbstständig zu lösen und zu bewältigen. Im Mittelpunkt der Beratung steht der Mensch mit seinen spezifischen Anliegen und Hilfebedarfen. 1.1. Niedrigschwellige Hilfen Niedrigschwellige Hilfen dienen der Sofort- und Überlebenshilfe. Sie sind suchtbegleitend und können ohne Voraussetzungen in Anspruch genommen werden. Gleichzeitig bieten sie einen Zugang zu weiterführenden Hilfen an. 1.1.1. A³ (DWK) Der „Alkohol Akzeptierende Aufenthaltsraum“ A³ stellt seit September 2018 mit vielseitigen Angeboten eine wichtige Alternative zum Werderplatz dar. Im A³ darf selbstmitgebrachter, niedrigprozentiger Alkohol konsumiert werden. Alkoholfreie Getränke stehen kostenlos zur Verfügung. Es werden belegte Brote und eine warme Mahlzeit pro Woche angeboten. Neben dem Aufenthalt und verschiedenen Beschäftigungsangeboten besteht die Möglichkeit zur Beratung und Unterstützung durch Sozialarbeiter*innen. Es stehen eine Waschmaschine und ein Trockner zur Verfügung. Außerdem bietet das Diakonische Werk Karlsruhe Arbeitsgelegenheiten gemäß SGB II, sowie Aktivierungsmaßnahmen und Möglichkeiten, gemeinnützige Stunden abzuleisten, an. 1.1.2. get IN Kontaktladen (AWO) Das get IN ist eine Anlauf- und Kontaktstelle der Abeiterwohlfahrt Karlsruhe gGmbH für illegale Drogen konsumierende Menschen. Ohne vorherige Terminabsprache können alle Angebote des get IN genutzt werden. Die Angebote des get IN dienen vor allem der Schadensminimierung. Es gibt täglich warme Mahlzeiten, Wasch- und Duschmöglichkeiten, eine Kleiderkammer und das Angebot zum Spritzentausch. Ferner gibt es die Möglichkeit für Konsumierende, aber auch deren Angehörige, Beratung wahrzunehmen. Die Beratungsangebote sind folgende: Safer-Use Beratung, Einzel- und Paarberatung, Krisenintervention, psychosoziale Substitutionsbegleitung, Entgiftungs- und Therapievermittlung, Vermittlung in weiterführende Hilfen. 1.1.3. K76 Drogenkonsumraum (AWO) Das K76 ist eine niedrigschwellige Einrichtung, in der schwerstabhängige Menschen illegale Drogen konsumieren können. Es kann im Drogenkonsumraum in Karlsruhe intravenös, nasal, oral oder auch rektal konsumiert werden. Die Angebote der Einrichtung dienen vor allem der Gesundheits- und Überlebenshilfe von drogenabhängigen Menschen. Ferner besteht auch die Möglichkeit, psychosoziale Beratung auch zum Thema Ausstieg aus der Sucht wahrzunehmen, wenn dies gewünscht wird. Neben dem Angebot, in einem sicheren, hygienischen Raum konsumieren zu können, finden im Konsumraum Safer-Use-Beratungen, Krisenintervention, Entgiftungs- und Therapievermittlung sowie Vermittlung in weiterführende Hilfen statt. Außerdem können kleinere Wunden (Schnittverletzungen, Abszesse, Abschürfungen, Venenverhärtungen) versorgt werden. 1.2. Suchtberatung und Begleitung Neben der Klärung der Hilfebedarfe, der sozialen Diagnostik und der problemzentrierten Beratung von Betroffenen, Angehörigen und dem Umfeld sind die Vermittlung in weiterführende Angebote und die Begleitung bei Klärungs-, Stabilisierungs- und Eingliederungsprozessen wichtige Aufgaben der Suchtberatung. 1.2.1. Beratungsstelle der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden (DSM) Die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden Karlsruhe (DSM) ist eine von den Sozialversicherungsträgern anerkannte Einrichtung. Hier erhalten Erwachsene, die von Alkohol und/oder Medikamenten abhängig sind, Personen mit problematischem Glücksspielverhalten und/oder Medienkonsum oder Essstörungen sowie deren Angehörige Informationen und Beratung hinsichtlich eines möglichen Suchtgeschehens sowie Vermittlung in notwendige Maßnahmen. Neben den Beratungs- und ambulanten Behandlungsangeboten sind auch präventive Maßnahmen Teil der Aufgaben. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 5 1.2.2. Fachstelle Sucht (bwlv) Die Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) bietet als eine von den Sozialversicherungsträgern anerkannte Einrichtung Beratung und Behandlung für missbräuchlich konsumierende und suchtkranke Menschen sowie ihre Angehörigen mit den Schwerpunkten Alkohol, Medikamente und Verhaltenssüchte an. Der Beratungs- und Behandlungsprozess umfasst dabei die Beratung als ersten Schritt, dem folgt in der Regel die Vermittlung in eine geeignete Folgemaßnahme, und diese mündet schließlich in die weiterführende Betreuung durch die Fachstelle in Form von Nachsorge- und Selbsthilfeangeboten als dritter Schritt im Rahmen der Behandlungskette. Ergänzt wird dieser Tätigkeitsbereich durch Maßnahmen der Suchtprävention und Gesundheitsförderung in unterschiedlichen Angebotsformen, die sich an verschiedenste Zielgruppen richten. 1.2.3. Jugend- und Drogenberatungsstelle (Stadt Karlsruhe) Die Jugend- und Drogenberatung (JDB) ist eine Einrichtung der Stadt Karlsruhe. Das Angebot der Drogenberatung richtet sich an Konsumierende illegaler Drogen sowie deren Bezugspersonen und bietet Beratung, Information und Vermittlung in weiterführende Hilfen. Im Rahmen der Jugendberatung können bis zum 27. Lebensjahr auch Konsumierende legaler Drogen – zum Beispiel Alkohol, Nikotin, Medikamente – und deren Bezugspersonen das Angebot der Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Die Mitarbeitenden der Drogenberatung vermitteln bei Bedarf in Entgiftung und in Entwöhnungsbehandlung und übernehmen im Anschluss die ambulante Nachsorge. Opiatabhängige Menschen werden auf der Suche nach einem geeigneten Substitutionsplatz unterstützt. Ergänzend zum Beratungsangebot ist es möglich, Suchtakupunktur nach dem weltweit anerkannten NADA-Protokoll der National Acupuncture Detoxification Association in Anspruch zu nehmen. Die Behandlung erfolgt durch qualifizierte Mitarbeitende und mit ärztlicher Zustimmung. In der Jugend- und Drogenberatung werden themenspezifisch Gruppenangebote durchgeführt. Reset Cannabis ist ein Informations- und Beratungskurs für Jugendliche und Heranwachsende, die erstmals mit Drogen polizeilich aufgefallen sind. Die Vermittlung erfolgt ausschließlich über die Polizei oder die Jugendhilfe im Strafverfahren. Der Kurs wird nach Bedarf, meist mehrmals pro Jahr, angeboten. Die Rückfallvorbeugegruppe ist ein speziell entwickeltes Angebot, bei dem die Jugend- und Drogenberatungsstelle der Stadt Karlsruhe und die Rehaklinik Freiolsheim des AGJ-Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V. eng kooperieren. 1.2.4. KiD – Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder (AWO) KiD ist eine Beratungsstelle, die drogenabhängige schwangere Frauen sowie drogenabhängige, ehemals drogenabhängige und substituierte Eltern und ihre Kinder berät und begleitet. KiD ist ein niedrigschwelliges, lebensweltorientiertes Hilfeangebot, das begleitend, aufsuchend und, da wo möglich, auch nachgehend arbeitet. Um den Zugang möglichst niedrigschwellig zu halten, ist KiD außerdem in zwei substituierenden Arztpraxen in der Vor-Ort-Arbeit tätig. Mit dem besonderen Augenmerk auf die Lebenssituation der Kinder ist es Zielsetzung von KiD, die drogenabhängigen Eltern frühzeitig, möglichst schon in der Schwangerschaft, zur Annahme von Hilfen im finanziellen, psychosozialen, therapeutischen und sozialen Bereich zu motivieren. KiD bietet Beratung zu allen die Lebenswelt der Familien und deren Kinder betreffenden Themen. Persönliche Intensivbetreuungen, begleitende und weitergehende vermittelnde Hilfen ebenso, wie praktische Hilfen und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung sind Bestandteil des Beratungs- und Betreuungsangebots. 1.3. Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung Um bei einer Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Menschen auch psychosoziale Problemlagen berücksichtigen und verbessern zu können, wird parallel eine teilhabeorientierte psychosoziale Begleitung angeboten. In der AWO-Ambulanz wird diese Aufgabe von dort angestellten Sozialarbeiter*innen übernommen. In den anderen Praxen erfolgt dieses Angebot durch Mitarbeitende der städtischen Drogenberatungsstelle und der Beratungsstelle KID. Die Substitutionsbegleitberatung erfolgt in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und findet meistens aufsuchend vor Ort in den ärztlichen Praxen statt. 1.4. Spezifische Hilfeangebote 1.4.1. Übergangswohneinrichtung (Stadt Karlsruhe) Die Übergangswohneinrichtung der Drogenberatungsstelle ist eine drogenfreie Wohngruppe für suchtkranke Menschen, die eine stationäre Entwöhnungsbehandlung abgeschlossen haben oder aus anderen Gründen für eine Aufnahme geeignet sind. Die Einrichtung besteht aus einer 4-Zimmer Wohngruppe und einer 2-Zimmer-Wohnung. Sie bietet ein Umfeld, in dem die Bewohner*innen wichtige Schritte zur beruflichen und sozialen Rehabilitation planen und gehen können. Die Betreuung findet als Einzel- und/oder Gruppenberatung in den Räumen der Beratungsstelle und in der Wohngruppe statt. 6 | Suchthilfe Karlsruhe 1.4.2. MPU-Vorbereitung (bwlv, DSM, Stadt Karlsruhe) Menschen, die im Straßenverkehr mit Alkohol und/oder Drogen aufgefallen sind und denen der Führerschein entzogen wurde, können sich zu dieser Thematik bei allen drei Suchtberatungsstellen (bwlv, DSM, JDB) beraten lassen. Es werden außerdem spezielle Kursangebote zur MPU-Vorbereitung durchgeführt. 1.4.3. BESS, Beratungs- und Informationsstelle bei Essstörungen (DSM) Das Beratungsangebot BESS wurde im Jahre 2014 auf Initiative des gemeinsamen Suchthilfenetzwerkes von Stadt und Landkreis Karlsruhe als ein spezialisiertes Angebot für das Thema Essstörungen gegründet. Es gibt ein Angebot für die Stadt in Trägerschaft der DSM und eins im Landkreis in Trägerschaft des bwlv. BESS berät Betroffene, Angehörige und Fachkräfte. Seit August 2022 wird eine Essstörungs-Bewältigungsgruppe für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren („ESSentials“) angeboten. 1.4.4. Konsumreduktionsprogramm (DSM) Dies ist ein Angebot im Sinne des strukturierten Programms zum „Kontrollierten Trinken/Kontrollierten Konsum“ (= Suchtverhalten nach selbst gesetzten Regeln zu verringern mit therapeutischer Begleitung). 2. Medizinische Behandlung Sucht ist in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) als ein eigenständiges Krankheitsspektrum unter der Kategorie F 1 mit vielfältigen Erscheinungsformen definiert. Somit stehen den Betroffenen die anerkannten ambulanten und stationären Behandlungen zu. 2.1. Substitutionsbehandlung Die Substitutionsbehandlung für Opioid-Abhängige wird in Karlsruhe außer in kleinerem Umfang in hausärztlichen Praxen hauptsächlich in drei großen Praxen angeboten, die insgesamt circa 450 Patientinnen und Patienten behandeln. Neben einer internistischen Praxis sind dies eine Schwerpunkt-Praxis für Substitution sowie die Ermächtigungs-Ambulanz der AWO. Dort wird für Schwerst-Abhängige zudem die heroingestützte Behandlung angeboten (Diamorphin-Programm). Die Patientinnen und Patienten erhalten in den großen Praxen nach dem „Karlsruher Modell“ niederschwellige psychosoziale Beratung vor Ort (siehe 1.3). 2.2. Stationäre medizinische Versorgung/Entgiftungsbe-handlung (auch tagesklinisch) Im städtischen Klinikum gibt es eine Entgiftungsstation. Dort wird nach telefonischer Voranmeldung ein qualifizierter Entzug von allen abhängigkeitserzeugenden Substanzen durchgeführt. Teilentgiftungen bei laufender regulärer Opiatsubstitution oder Opiatsubstitution in fester Planung sind möglich; bei einer gewünschten vollständigen Opiatentgiftung ist in der Regel eine im Anschluss geplante Entwöhnungsbehandlung Voraussetzung. Zusätzlich gibt es eine Tagesklinik mit 18 Plätzen. Meist geht es hier um die Behandlung von Alkohol- oder Cannabisabhängigkeiten, selten um Opiate. 3. Medizinische Rehabilitation 3.1. Ganztägig ambulante Rehabilitation Die ganztägig ambulante medizinische Suchtrehabilitation richtet sich vor allem an Menschen, die noch über ein funktionierendes soziales Umfeld verfügen und unterstützt sie mit diesem Angebot auf ihrem Weg hin zu einer zufriedenstellenden, abstinenten Lebensgestaltung. Während der Dauer der Behandlung bleiben die Menschen in ihrem gewohnten Lebensumfeld und erproben dort, engmaschig begleitet, ihre Abstinenz. Dies geschieht auch unter Berücksichtigung ihres sozialen Umfelds, der Eingliederung ins Arbeitsleben, sowie über die Teilhabe an der Gesellschaft. Das Angebot reicht von der medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung über Sport- und Entspannungsangebote, Ernährungsberatung und Kreativtherapie bis hin zur Anleitung für sinnstiftende Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. In der Stadt Karlsruhe existieren zwei Angebote mit jeweils 24 Plätzen. Die Tages-Reha des bwlv in der Innenstadt richtet sich an von Alkohol und Medikamenten abhängige Menschen. Das Angebot der Tagesklinik des AGJ-Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V. in Karlsruhe-Durlach orientiert sich an der Zielgruppe der von illegalen Drogen abhängigen Menschen. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 7 3.2. Ambulante Nachsorge/Ambulante berufsorientierte Nachsorge nach Rehabilitation Nach Absolvierung einer stationären bzw. ganztägig ambulanten Entwöhnungsbehandlung wird von den Beratungsstellen der DSM und des bwlv ein ambulantes Nachsorgeangebot inklusive Fokus auf Beschäftigungsorientierung vorgehalten, das den Behandlungserfolg sichern und den Transfer neu erworbener Einstellungen und Verhaltensweisen in die jeweilige Lebensrealität mit fachlicher Unterstützung gewährleisten soll. Das als Gruppenangebot konzipierte Nachsorgeprogramm läuft in der Regel über sechs Monate und wird in Form wöchentlicher Gruppensitzungen angeboten. Flankierend können Einzel- und Angehörigengespräche angeboten werden. 3.3. Neue Rehamodule Die Deutsche Rentenversicherung hat sich in dem Projekt „Runder Tisch Sucht-Reha“ gemeinsam mit der Landesstelle für Suchtfragen Baden-Württemberg mit der Weiterentwicklung der Rehabilitation Abhängigkeitskranker beschäftigt. Seit 2021 stehen zusätzlich zum Regelangebot in Karlsruhe zwei neue Angebote zur Verfügung. 3.3.1. Ambulante Motivationsbehandlung (DSM) Die ambulante Motivationsbehandlung bei Suchterkrankungen ist eine Behandlungsalternative zur stationären, ambulanten oder ganztägig ambulanten Therapie. Sie ist ein Angebot für Menschen mit Alkohol- und/oder Medikamentenproblemen, die noch unentschlossen sind, ob und falls ja, welche Behandlungsform die passende ist. 3.3.2. Refresher ambulant Mit dem Refresher-Modul wird das Angebotsspektrum der Suchthilfe erweitert. In Abgrenzung zum Behandlungsmodul „Krisenintervention“, handelt es sich um ein Stabilisierungsangebot mit schwerpunktmäßig psychotherapeutischer Ausrichtung welches in den ersten 24 Monaten nach regulärer Beendigung einer Suchtrehabilitation bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann. Dieses Angebot schließt die Lücke zwischen den traditionellen Bausteinen der Suchthilfe ambulant – ganztags ambulant – stationär, indem es ein Absicherungsmodul schafft, das dem Erhalt der dauerhaften Arbeitsfähigkeit und Abstinenz dient. Es wird vom Verbund der verschiedenen Suchthilfeeinrichtungen und -träger in Stadt- und Landkreis Karlsruhe umgesetzt. 4. Eingliederungshilfe – Leistungen zur sozialen Teilhabe Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, die Selbstbestimmung sowie die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft von Menschen mit Behinderung zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Sie soll Menschen mit Behinderung befähigen, ihre Lebensplanung und -führung möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich wahrnehmen zu können. Chronische Abhängigkeitserkrankungen sind als seelische Behinderungen einzustufen. 4.1. Wohngruppe Passagehof und Außenstellen (Heimstiftung) Die Wohngruppe Passagehof ist ein Angebot der Heimstiftung Karlsruhe für ältere psychisch kranke Menschen, die sich in Substitution befinden und einen erhöhten Betreuungs- und Hilfebedarf bei der Bewältigung der alltäglichen Aufgaben und Tagesstruktur haben. Es kann ein Hilfebedarf im Alltag bestehen, es muss den Menschen aber nach wie vor gelingen, sich weitgehend selbst zu versorgen. Unterstützt wird dies durch ein Team aus Fachkräften der Sozialarbeit und der Pflege. Die Wohngruppe Passagehof bietet die Möglichkeit, selbstständig aber nicht alleine zu leben. Sie bietet individuelle Unterstützung und Rat, wo dies alters- und krankheitsbedingt benötigt wird. Das Wohn- und Betreuungsangebot erfolgt im Rahmen der ambulanten Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischer Behinderung gemäß §§78 SGB IX ff. Die Zugangsvoraussetzungen werden durch individuelle Hilfeplanung überprüft und kontinuierlich fortgeschrieben. Auch in den anderen ambulant betreuten Wohngruppen der Heimstiftung Karlsruhe werden unter gewissen Voraussetzungen nach §78 SGB IX und 67 SGB XII suchtmittelabhängige Menschen betreut. 4.2. Ambulant betreutes Wohnen (bwlv) Für Menschen, die sich nach einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme weiterhin in prekären Lebensverhältnissen befinden oder unter Teilhabeeinschränkungen leiden, bietet der bwlv ein weiterführendes und nachbetreuendes Angebot in Form des ambulant betreuten Wohnens mit 33 Plätzen, aufgeteilt auf unterschiedliche Wohngemeinschaften in der Innenstadt an. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate, Träger der Maßnahme ist die Eingliederungshilfe gemäß §§ 78 SGB IX ff. Die Behandlungsbedürftigkeit der Bewohner*innen wird durch eine individualisierte Planung, die sich an den mit der Stadt Karlsruhe (Leistungsträger) vereinbarten Vorgaben orientiert, überprüft und kontinuierlich fortgeschrieben. Das Ziel des Angebotes besteht in der Stabilisierung der Lebenssituation, der Unterstützung bei der beruflichen und sozialen Reintegration und der Hinführung zur selbstverantwortlich gestalteten Lebensführung. 8 | Suchthilfe Karlsruhe 5. Beschäftigung, Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben 5.1. Projekt WegWeiser „Wegweiser in Arbeit“ ist ein Angebot für Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, und deren Integration aufgrund von Suchtproblemen und/oder psychischen Beeinträchtigungen erschwert ist. Die Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH und die Diakonische Suchthilfe Mittelbaden gGmbH arbeiten in diesem Projekt eng vernetzt miteinander. Das Jobcenter Stadt Karlsruhe ist Kooperations- und Kofinanzierungspartner und Mitglied der Steuerungsgruppe des Projektes. 5.2. Maßnahmen des Jobcenters Das Jobcenter kann in verschiedene Angebote vermitteln, die für Menschen mit suchtmittelbezogenen Problemen geeignet sind. ▪ Das Angebot „Fallmanagement – Wege zurück in Arbeit für Personen mit Suchterkrankungen“ von Initial e. V. richtet sich speziell an von Sucht betroffene Menschen. Ziel dieses Angebotes ist es, neue Ziele und Strategien zu entwickeln, um wieder zu einem geregelten Alltag zu finden und dem Einstieg ins Arbeitsleben näher zu kommen. Im Bedarfsfall unterstützt Initial e.V. bei der Kontaktherstellung zu anderen Hilfeangeboten, begleitet die Teilnehmenden auch auf Wunsch. ▪ Speziell für die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 25 Jahren gibt es bei inab (Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des bfw mbH) das Angebot „Zug um Zug“. Dies ist ein sehr niedrigschwelliges Einzelcoaching mit aufsuchender Sozialarbeit für Jugendliche mit unterschiedlichen Vermittlungshemmnissen. ▪ Die Maßnahme „Stabilisierung und Heranführung an den Arbeitsmarkt“ bei der USS GmbH richtet sich an (langzeit-) arbeitslose erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die aufgrund von gesundheitlichen und/oder psychischen Beeinträchtigungen sowie Vermittlungshemmnissen verschiedener Art eine individuelle, ganzheitliche Unterstützung zur Stabilisierung sowie zur Heranführung an den Arbeitsmarkt benötigen. Das gleiche Angebot gibt es auch bei der DAA (Deutsche Angestellten Akademie) für erwerbsfähige Leistungsberechtigte unter 25 Jahren. ▪ Ein weiteres, niedrigschwelliges, Angebot ist die Maßnahme „Wieder im Gleichgewicht – Ihre (psychische) Gesundheit im Blick“ bei der USS GmbH. An dieser Stabilisierungsmaßnahme können auch von Sucht betroffene Menschen teilnehmen. Diese sollen ressourcenorientiert begleitet und befähigt werden, ihr Können und ihre Fähigkeiten so zu nutzen und einzusetzen, dass sie damit so selbstständig wie möglich an der Verbesserung ihrer Gesamtsituation sowie ihrer (eigenen) Eingliederung in Qualifizierung und/oder Beschäftigung mitwirken können. 5.3. BEAS (begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben durch Starthilfe, Reha Pro) BEAS ist ein Projekt der deutschen Rentenversicherung (DRV) und der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden für Menschen, die leistungsfähig und erwerbsmotiviert sind, über keinen Arbeitsplatz verfügen oder deren vorhandener Arbeitsplatz unsicher geworden oder gefährdet ist. Voraussetzungen: Rentenversichert bei der DRV BW oder der DRV Bund, vorhandene Arbeitsmotivation, aktive Mitarbeit, Bereitschaft, sich unterstützen zu lassen und Teilnahme an der wissenschaftlichen Begleitforschung. BEAS wird in den Regionen Rastatt/Baden- Baden/Karlsruhe/Pforzheim/Ortenau angeboten. 6. Justiz 6.1. Medizinische Versorgung in Haft In der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe (JVA) wird bei Insassen und Insassinnen, die sich vor der Inhaftierung in einer Substitutionsbehandlung befanden, diese weitergeführt. Bei einer nachgewiesenen Opiatabhängigkeit besteht die Möglichkeit, in der JVA eine Substitutionsbehandlung zu beginnen oder eine medizinisch begleitete Entgiftung zu machen. 6.2. Suchtberatung in Haft Dieses Angebot umfasst die externe Suchtberatung in der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe. Hier haben die Inhaftierten an mehreren Tagen pro Woche die Möglichkeit, von Mitarbeitenden der Drogenberatungsstelle in der JVA beraten zu werden. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 9 7. Selbsthilfe Selbsthilfegruppen sind wichtige Angebote für Betroffene und deren Angehörige. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Hilfesystems und bieten aus der eigenen Betroffenheit heraus eine Form der Unterstützung, die weit über die Möglichkeiten der professionellen Angebote hinausgeht. In Karlsruhe gibt es eine Vielzahl von Gruppen mit unterschiedlichen Konzepten und Schwerpunkten für verschiedene Zielgruppen. Dieses breite Angebot hilft Betroffenen, eine für sie passende Gruppe zu finden: ▪ AA-Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft e. V. ▪ Al-Anon Selbsthilfegruppe Angehörige Alkoholiker ▪ Blaues Kreuz Begegnungs-/ Selbsthilfegruppe Karlsruhe & Begegnungsgruppe Karlsruhe-Stadtmission ▪ El-dro-ST e. V. (Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Söhne und Töchter) ▪ Elternselbsthilfe Karlsruhe für Eltern und Angehörige von Suchtgefährdeten und Drogenkranken ▪ Familienkreis e. V., Selbsthilfegruppe für Suchtkranke, Alkohol, Medikamente ▪ Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Karlsruhe e. V. ▪ Guttempler Gemeinschaft „Albtal“ ▪ Kreuzbundgruppen Karlsruhe und Karlsruhe-Durlach ▪ Lotsennetzwerk Karlsruhe ▪ Narcotics Anonymus Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen für Drogenabhängige ▪ Overeaters Anonymous, Selbsthilfegruppe für Betroffene von Essstörungen ▪ Selbsthilfegruppe „Bulimie und Magersucht“ ▪ Selbsthilfegruppen der Fachstelle Sucht Karlsruhe (bwlv) 8. Prävention 8.1. Präventionsbüro SUCHT Das Präventionsbüro SUCHT bietet Informationsveranstaltungen, Suchtpräventionsworkshops und Module im Stadtgebiet Karlsruhe an. Ziel ist es, Hilfsangebote der Stadt Karlsruhe aufzuzeigen, Informationen zu Suchtmitteln, Auswirkungen von Suchtmittelgebrauch und Missbrauch zu geben und Suchtentstehung zu verdeutlichen. Themen wie das Erstellen eines Konsumprofils, Umgang mit Gruppendruck und Schutz- bzw. Risikofaktoren kennenzulernen, sind Bestandteile der unterschiedlichen Workshops. Risikokompetenzerwerb, Drogenmündigkeit und Selbstfürsorge sind zentrale Begrifflichkeiten aller Veranstaltungen. Nicht nur Kinder und Jugendliche sind Adressaten der Angebote, sondern auch Eltern, Sorgeberechtigte und interessierte Erwachsene. Informationsveranstaltungen oder auch Elternabende werden an den jeweiligen Schulen vor Ort angeboten. Ebenso werden Veranstaltungen öffentlich ausgeschrieben, um allen Interessierten die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Thema „Sucht“ auseinanderzusetzen. Ziel ist es, transparent Informationen zum Thema Substanzkonsum – Gebrauch, Missbrauch, Abhängigkeit – zu vermitteln. Die Stärkung der Erziehungs- und Handlungskompetenz im Umgang mit gefährdeten Kindern und Jugendlichen steht im Vordergrund. Dabei soll ein Überblick über die unterschiedlichen Hilfsangebote sowie Kooperationspartner*innen gegeben werden. Es gibt verschiedene Konzepte für Fachpersonen und vor allem Lehrkräfte. Informationsveranstaltungen, Coaching und Fortbildungen an den jeweiligen Schulen und auch in Räumlichkeiten der Stadt Karlsruhe gehören zur Angebotspalette. Gesamtlehrerkonferenzen und pädagogische Tage werden begleitet und thematisch aufbereitet. Darüber hinaus wird eine fachliche Begleitung von Veranstaltungen, Konzeptentwicklungen und daraus entstehenden Prozessen sowie die Unterstützung bei der Planung der Unterrichtsgestaltung zum Thema Suchtprävention angeboten. Das Projekt Jugendschutz Karlsruhe stellt einen weiteren Teil der präventiven Tätigkeit im Stadtgebiet Karlsruhe dar – aktiver Jugendschutz durch interaktive Präventionsmaßnahmen auf unterschiedlichsten Veranstaltungen. Sowohl die Jugendschutzteams als auch der „jsKarlsruhe“ Informationsstand sind im Einsatz. Das Thema Mediennutzung und Medienkompetenz wird über das Sachgebiet Jugendschutz vom Kinderbüro versorgt. 8.2. Schulungen nach dem Landesglücksspielgesetz Das Landesglücksspielgesetz verpflichtet Glücksspielanbietende (Spielstätten, Lotto/Toto, Online), ihre Mitarbeitenden schulen zu lassen, damit sie problematisches Spielverhalten möglichst früh erkennen. Die Suchtberatungsstellen halten mit diesen Schulungen Glücksspielanbietende dazu an, Verantwortung zu übernehmen und damit den Spieler*innenschutz zu unterstützen. 10 | Suchthilfe Karlsruhe 8.3. Kindergruppen Regenbogen für Kinder aus suchtbelasteten Familien Bundesweit sind 2,65 Millionen Kinder direkt oder indirekt mit den Auswirkungen von schädlichem Gebrauch oder abhängigem Konsum von Suchtmitteln ihrer Eltern betroffen. Das Angebot Kindergruppen Regenbogen der DSM richtet sich an diese Zielgruppe, um protektive Faktoren zu verbessern, die Resilienz zu stärken und die Kinder und Familien zu unterstützen. Aktuell existieren vier altershomogene Kleingruppen (sechs bis 14 Jahre) in Karlsruhe und eine gemeinsame Gruppe für jugendliche Mädchen (bis 16 Jahre) in Kooperation mit der Fachstelle Sucht des bwlv Bruchsal sowie eine Jungengruppe (elf bis 16 Jahre) mit erlebnispädagogischem Schwerpunkt. 8.4. Elterntraining Das Projekt „SALTO“ wird unter der Koordination der Landesstelle für Suchtfragen an sechs verschiedenen Standorten im Zeitraum von 2020 – 2022 angeboten. „SALTO“ fokussiert speziell die suchtkranken oder angehörigen Eltern/Bezugspersonen. Durch das suchtspezifische Elternkompetenztraining werden betroffene Familien unterstützt, das Wohlbefinden der Kinder gestärkt sowie familienorientierte und nachhaltige Entwicklungsprozesse ermöglicht. Das oberste Ziel dabei ist die Sicherung des Kindeswohls und die Stärkung der Eltern in ihrer Elternverantwortung sowie in der Elternkompetenz. Das Projekt basiert dabei auf sechs Bausteinen, in denen verschiedene Themenschwerpunkte zusammen mit den betroffenen Personen thematisiert und erarbeitet werden. Eine Verstetigung dieses Angebots wird angestrebt. 8.5. Betriebliche Suchtprävention (Sucht und Arbeit) Die Beratungsstellen von bwlv und DSM bieten interessierten Firmen, Ämtern und Behörden Vorträge, Workshops und Schulungen zu suchtspezifischen wie gesundheitsrelevanten Fragestellungen an. Dies reicht von Nichtraucherkursen über Unterstützung bei der Erstellung von Suchtvereinbarungen, der Schulung von Auszubildenden bis hin zum Coaching von Führungskräften bei themenspezifischen Fragestellungen. Der bwlv bietet des Weiteren eine Schulungsreihe für ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer in Betrieben an, die anschließend in Form regelmäßig stattfindender Runder Tische weiter betreut und unterstützt werden. 8.6. Prävention an Schulen zum Thema Essstörungen Die Beratungsstelle BESS führt eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen zum Thema Essstörungen durch, die sich sowohl an Kinder und Jugendliche, als auch an Eltern, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und andere Bezugspersonen richten. Der Bedarf aus dem System Schule ist im Bereich Prävention enorm. 9. Netzwerke 9.1. Netzwerk Essstörungen Im Netzwerk Essstörungen haben sich verschiedene Einrichtungen und Angebote aus der Stadt und dem Landkreis zusammengeschlossen, für die das Thema Essstörungen relevant ist. Behandelt werden Fragestellungen in der Zusammenarbeit sowie hinsichtlich der Entwicklung der Thematik. Das Gremium stellt einen wichtigen Baustein im psychosozialen Versorgungskontext der Region dar, da hier alle relevanten Kliniken, niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, Fachstellen und für den Kontext relevante Einzelpersonen eingebunden sind. Zweimal jährlich findet ein Netzwerktreffen statt. Außerdem wurde ein Newsletter ins Leben gerufen, der vierteljährlich erscheint und als Kommunikationsmedium zum Informationsaustausch innerhalb des Netzwerks dient. Organisiert werden die Treffen und der Newsletter von der Beratungsstelle BESS. 9.2. Runder Tisch Suchtberatung Karlsruhe Die für die Stadt Karlsruhe tätigen Suchtberatungsstellen (bwlv, DSM und JDB) treffen sich zweimal jährlich zum Austausch mit dem Ziel, sich über die jeweiligen aktuellen Angebote und Entwicklungen zu informieren, Kooperationen zu einzelnen Themen abzustimmen und die Suchtberatung in Karlsruhe gemeinsam, orientiert an den aktuellen Bedarfen, weiterzuentwickeln. Moderiert und geleitet wird das Treffen von der Suchthilfekoordinatorin der Stadt Karlsruhe. Darüber hinaus werden über den Runden Tisch Arbeitsgruppen zu spezifischen aktuellen Themen (zum Beispiel exzessive Mediennutzung) auf der Ebene der Mitarbeitenden aller drei Beratungsstellen initiiert. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 11 9.3. Drogenhilfe Karlsruhe Die Drogenhilfe Karlsruhe setzt sich aus den verschiedenen Einrichtungen der AWO (getIN-Kontaktladen, KID-Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder, K76-Drogenkonsumraum, AWO-Ambulanz) und der städtischen Jugend- und Drogenberatungsstelle zusammen. All diese Einrichtungen arbeiten schwerpunktmäßig mit von illegalen Drogen abhängigen Menschen und den Problematiken, die im Umfeld dieser Substanzen bestehen. Es existieren verschiedene themenbezogene Gremien. 9.4. Suchthilfenetzwerk Das gemeinsame Suchthilfenetzwerk von Stadt und Landkreis Karlsruhe wurde im Jahr 2008 auf Empfehlung des Ministeriums für Arbeit und Soziales gegründet. Mitglieder dieses Netzwerkes sind Beratungsstellen, Selbsthilfe, Krankenkassen, Rentenversicherung, Krankenhäuser, Fachkliniken, Jobcenter, Telefonseelsorge, Fachärzte sowie die Landesapothekerkammer. Ziele dieses Gremiums sind die Vernetzung der vielfältigen Akteure, die inhaltliche Abstimmung der Angebote, die Verhinderung von Parallelstrukturen, der Austausch über aktuelle Entwicklungen und die Weiterentwicklung von Suchthilfe und Suchtprävention. 9.5. Qualitätszirkel Substitution In diesem Gremium treffen sich viermal jährlich die substituierenden Ärztinnen und Ärzte, die Sozialarbeiter*innen der psychosozialen Betreuung und Vertreter*innen der Apotheken aus Stadt und Landkreis Karlsruhe. Ziel ist neben dem regelmäßigen Austausch die fachliche Weiterentwicklung und die Förderung der Kooperation. 10. Kommunale Beauftragte für Suchtprävention/Kommunale Suchtbeauftragte (BFS/KSB) Diese Stelle wird vom Land gefördert. Voraussetzung der Förderung ist das Bestehen eines kommunalen Suchthilfenetzwerkes mit der Geschäftsführung durch die Suchtbeauftragte. Die Stelle kann in Personalunion oder getrennt nach Prävention und Suchthilfe bestellt werden. Die Beauftragte für Suchtprävention der Stadt Karlsruhe ist für die gesamte Suchtpräventionsplanung zuständig. Hierzu gehören eine Bestandsaufnahme, die Sammlung von Informationen und die Beobachtung von Entwicklungen und Veränderungen in der Suchtprävention. Aktive Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit, Dokumentation und die operative Tätigkeit in Kooperation mit diversen Netzwerkpartner*innen sind ebenfalls ein großer Bestandteil des Arbeitsalltags. Die Suchthilfekoordinatorin/Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe ist zuständig für die Planung, Initiierung und Koordinierung von Maßnahmen im Bereich der Suchthilfe. Zu dem Aufgabengebiet der Suchthilfekoordination gehört neben der Geschäftsführung des Suchthilfenetzwerkes, die Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, die Sammlung von Informationen und die Beobachtung von Entwicklungen im Suchthilfebereich. Gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern aus dem Suchthilfenetzwerk werden neue Projekte auf den Weg gebracht und die Suchthilfe in der Stadt Karlsruhe bedarfsgerecht und zeitgemäß weiterentwickelt. 12 | Suchthilfe Karlsruhe Impressum Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Suchthilfekoordination Redaktion Cordula Sailer Titelbild Hubertus Kahl/stock.adobe.com Layout Vorreiter Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand Oktober 2022