Teilnahme der Stadt Karlsruhe am "Feuerwehr-Programm" des Landes zur Sanierung von Gewässern für den Amphibien-Schutz

Vorlage: 2022/0947
Art: Anfrage
Datum: 18.08.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Dezernat 5
Erwähnte Stadtteile: Knielingen

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 27.09.2022

    TOP: 52

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Eingang: 18.08.2022 Vorlage Nr.: 2022/0947 Teilnahme der Stadt Karlsruhe am "Feuerwehr-Programm" des Landes zur Sanierung von Gewässern für den Amphibien-Schutz Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.09.2022 52 x 1. Welche Amphibienarten gibt es in Karlsruhe und wie hat sich ihr Bestand, aufgeschlüsselt nach Arten, in den letzten Jahren entwickelt? 2. Wodurch werden Amphibien in Karlsruhe am meisten gefährdet und welchen Handlungsbedarf gibt es, um die Überlebenschancen und Lebensräume für Amphibien zu verbessern? 3. Beabsichtigt die Stadtverwaltung eine Beteiligung am „Feuerwehr-Programm“ des Landes zur Pflege, Sanierung sowie amphibiengerechter Gestaltung von Gewässern für den Amphibienschutz? 4. Welche Gewässer in Karlsruhe kommen prioritär im Rahmen des Programms für Verbesserungsmaßnahmen in Frage? Anlass unserer Anfrage ist das aktuelle „Feuerwehr-Programm“ des Umweltministeriums Baden- Württemberg, das gemeinsam mit den drei Naturschutzverbänden BUND, NABU und dem Amphibien- Reptilien-Biotopschutz Baden-Württemberg e. V. zur Sanierung von Gewässern im Land initiiert hat. Damit soll dem bedrohlichen Bestandsrückgang der Amphibien entgegengewirkt werden. Denn bei 14 der 19 Arten, die in Baden-Württemberg vorkommen, zeigt sich seit Jahren ein negativer Bestandstrend. Mit dem Programm sollen zwei Ziele erreicht werden: Die Sanierung von 220 Gewässern, fünf in jedem Stadt- und Landkreis und die Entwicklung eines langfristigen Amphibienschutzprogramms. Die grüne Fraktion begrüßt dieses Programm. In Karlsruhe gibt es viele unterschiedliche Lebensräume für Amphibien vom Weingartner Moor bis zu den Rheinauen. Die Problemlagen sind die gleichen wie im Land: ihre Laich-, Sommer- und Winterquartiere sind zerschnitten durch den Autoverkehr und teilweise durch die konventionelle Landwirtschaft. Dazu kommt der Klimawandel mit extremen sommerlichen Hitze- und Trockenphasen. Davon ist das Weingartner Moor bereits sehr stark betroffen. Wir bitten deshalb um einen aktuellen Sachstandsbericht über die Gefährdungssituation von Fröschen, Molchen, Salamander und Kröten in Karlsruhe und über den Bedarf für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und Lebensräume. Sachverhalt / Begründung: – 2 – In Karlsruhe wird bereits sehr engagiert an der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Sanierung und Renaturierung von Gewässern gearbeitet. Durch die Teilnahme am „Feuerwehr-Programm“ des Landes können diese Maßnahmen zusätzlich unterstützt werden. Zudem kann ein Beitrag zur Entwicklung des landesweiten Amphibienschutzprogramms geleistet werden. Wir bitten deshalb um Prüfung der Teilnahme und um Benennung der prioritär dafür in Frage kommenden fünf Gewässer. Die Chance für mehr Amphibienschutz sollte genutzt werden. Unterzeichnet von: Renate Rastätter Christine Weber Verena Anlauf Aljoscha Löffler

  • Stellungnahme
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage *Gefährdung nach Roter Liste (RL) Deutschland / Baden Württemberg Kategorien: 0 (ausgestorben oder verschollen), 1 (vom Aussterben bedroht), 2 (stark gefährdet), 3 (gefährdet), R (extrem seltene Art oder Art mit geographischer Restriktion), G (Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt), D (Daten defizitär), V (Vorwarnliste) und - (nicht gefährdet) Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2022/0947 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: UA Teilnahme der Stadt Karlsruhe am "Feuerwehr-Programm" des Landes zur Sanierung von Gewässern für den Amphibien-Schutz Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.09.2022 52 x 1. Welche Amphibienarten gibt es in Karlsruhe und wie hat sich ihr Bestand, aufgeschlüsselt nach Arten, in den letzten Jahren entwickelt? Von den für Deutschland bekannten 22 heimischen Amphibienarten sind aus Baden-Württemberg 19 Arten bekannt, davon 17 für den Stadtkreis Karlsruhe. Häufig sind Erdkröte (Bufo bufo, RL -/V)*, Grasfrosch (Rana temporaria, RL -/V), Springfrosch (Rana dalmatina, RL -/3), Teichfrosch (Rana esculenta), Kleiner Wasserfrosch (Rana lessonae, RL /G), Seefrosch (Rana ridibunda, RL -/3), Teichmolch (Triturus vulgaris, RL - /V) und Bergmolch (Triturus alpestris). Verbreitungsschwerpunkte dieser Arten sind feuchte Lebensräume in der Rheinaue: Fritschlach, Burgau, Knielinger See, Neureuter Niederung mit den Waldbereichen um die Kläranlage und am Kleinen Bodensee. Im Osten des Stadtkreises sind es die Feuchtgebiete in den Niederungen der Kinzig-Murg-Rinne: Weiherwald, Oberwald, Grötzinger Baggersee und Weingartener Moor. Seltener sind Fadenmolch (Triturus helveticus), Kammmolch (Triturus cristatus, RL V/2) und Gelbbauchunke (Bombina variegata, RL 2/2). Hervorzuheben sind die Vorkommen des Moorfroschs (Rana arvalis, RL 3/1) in der Fritschlach und im Weingartener Moor sowie des Laubfroschs (Hyla arborea, RL 3/2) in der Fritschlach und in der Neureuter Niederung. Beide Arten sind in Baden-Württemberg selten und ihre Verbreitungsschwerpunkte liegen in der nördlichen Oberrheinebene. Insbesondere für den in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Moorfrosch sind die Vorkommen in Karlsruhe von hoher Bedeutung. Die Bestände sind jedoch stark rückläufig. Als Arten der Pionierstandorte mit geringer Vegetationsdeckung wie beispielsweise junge Brachen auf Abbaustellen oder auf zeitweise überstauten Äckern sind Kreuzkröte (Bufo calamita, RL V/2), Wechselkröte (Bufo viridis, RL 3/2) und Knoblauchkröte (Pelobates fuscus, RL 3/2) vertreten. Ihre Vorkommen liegen schwerpunktmäßig in Druckwasser- und Überschwemmungsbereichen in der Rheinniederung und in der Kinzig-Murg-Rinne (z.B. Salmenwiesen) sowie in Brachen mit temporären Kleingewässern auf verdichtetem Untergrund (z.B. im Bereich des Rangierbahnhofs). Diese Arten sind eng an trockenwarme Lebensräume mit temporären Kleingewässern gebunden und besitzen einen Verbreitungsschwerpunkt in der nördlichen Oberrheinebene. Sporadische Vorkommen der Kreuz- und Wechselkröte waren vom Alten Flugplatz Karlsruhe bekannt. Aus den Wäldern an Schwarzwald- und Kraichgaurand mit kühlen Fließgewässern, beispielsweise an Wettersbach, am Tiefentalgraben und im nördlichen Bergwald, ist das Vorkommen des Feuersalamanders (Salamandra salamandra, RL -/3) bekannt. Wanderstrecken zwischen Sommer und Winterlebensraum sind vor allem aus dem Osten des Stadtkreises bekannt. Entlang der B 3 bestehen abschnittsweise fest installierte Querungshilfen. Wandernde Arten sind vor allem Erdkröte, Feuersalamander und Molche. – 2 – 2. Wodurch werden Amphibien in Karlsruhe am meisten gefährdet und welchen Handlungsbedarf gibt es, um die Überlebenschancen und Lebensräume für Amphibien zu verbessern? Die Amphibienbestände in Karlsruhe unterliegen starken witterungsbedingten Schwankungen. Eine hohe Schutzbedürftigkeit besteht für Kreuzkröte und Gelbbauchunke. Stark rückläufig sind Wechselkröte und Moorfrosch, letzterer ist in Karlsruhe fast ausgestorben. Gefährdungsursachen sind u.a. Bautätigkeiten, intensive Landnutzung und ungeeignete Mähtechniken, Zerschneidung von Lebensräumen und Wanderkorridoren durch Straßen und Ausdehnung der Siedlungsfläche, Verlust bzw. Abnahme der Biotopqualität von Laichgewässern durch Sukzession und fehlende Pflege (LAUFER & al. 2007). Hinzu kommen witterungsbedingte Gefährdungen durch ausgedehnte Trockenperioden, veränderte Niederschlagsverteilungen und niedrige Grundwasserstände. Im Zuge des zu erwartenden Klimawandels ist für diese Effekte eine Zunahme zu erwarten. Das Ausbreiten von invasiven Krebsarten, insbesondere Kalikokrebs, und hoher Fischbesatz von Laichgewässern führen vermehrt zu Verlusten in den frühen Entwicklungsstadien der Amphibien. 3. Beabsichtigt die Stadtverwaltung eine Beteiligung am „Feuerwehr-Programm“ des Landes zur Pflege, Sanierung sowie amphibiengerechter Gestaltung von Gewässern für den Amphibienschutz? Im Kern geht es bei dem Feuerwehr-Programm um eine möglichst zeitnahe, nachhaltige Sanierung von 220 Gewässer(-komplexen) in Baden-Württemberg, nach Möglichkeit jeweils fünf pro Land- bzw. Stadtkreis. Das Amt für Umwelt und Arbeitsschutz hat in Abstimmung mit dem BUND und NABU fünf sanierungsbedürftige Gewässerkomplexe für das Feuerwehr-Programm genannt (siehe Frage 4). 4. Welche Gewässer in Karlsruhe kommen prioritär im Rahmen des Programms für Verbesserungsmaßnahmen in Frage? An folgenden Gewässern besteht prioritär Bedarf: Karlsruhe Weiherfeldsee: Entschlammung des Ringgrabens am unteren Teich, Zielarten Erdkröte, Kammmolch, Laubfrosch, Knoblauchkröte. Karlsruhe-Knielingen, Gewässerkomplex südlicher Bahndamm Nachprofilierung von Tümpeln. Zielarten: Kreuzkröte, Wechselkröte, Laubfrosch, Kammmolch. Schlossgartenteich Karlsruhe: Der Teich stellt die größte Population von Erdkröten im Stadtgebiet dar. Die Teichränder müssen mit funktionierenden Rampen versehen werden. In trockenen Jahren geht fast der komplette Nachwuchs zu Tausenden ein, da die Tiere nicht aussteigen können. Gewässerkomplex Waid Knielingen: Nachprofilierung von Tümpeln und Entschlammung. Gewässerkomplex Weingartner Moor: Aufwertungen für den Erhalt des Moorfrosches.

  • Protokoll GR TOP 52
    Extrahierter Text

    Niederschrift 42. Plenarsitzung des Gemeinderates 27. September 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 47. Punkt 52 der Tagesordnung: Teilnahme der Stadt Karlsruhe am „Feuerwehr-Programm“ des Landes zur Sanierung von Gewässern für den Amphibien-Schutz Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2022/0947 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 52 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (Keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. Oktober 2022