Lebensmittelverschwendung durch Künstliche Intelligenz verringern

Vorlage: 2022/0736
Art: Anfrage
Datum: 30.06.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Umwelt- und Arbeitsschutz
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 27.09.2022

    TOP: 42

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier CDU-Gemeinderatsfraktion Eingang: 29.06.2022 Vorlage Nr.: 2022/0736 Lebensmittelverschwendung durch Künstliche Intelligenz verringern Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.09.2022 42 x 1. In welchen Bereichen der Stadtverwaltung sowie der städtischen Gesellschaften entstehen Lebensmittelabfälle? 2. In welcher Höhe werden hier Lebensmittel weggeworfen und welche davon wären vermeidbar gewesen? 3. Welche Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen werden vonseiten der Stadtverwaltung bereits verfolgt? 4. Wie schätzt die Stadtverwaltung die Chancen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen durch Künstliche Intelligenz ein? 5. Ist ein Einsatz einer derartigen Innovation in der Stadtverwaltung und den städtischen Gesellschaften mit Vorteilen verbunden? Sachverhalt/Begründung Eine Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums hat 2019 ermittelt, dass in Deutschland jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Mit fast 8 Millionen Tonnen im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro entstehen die meisten Lebensmittelabfälle bei den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern sowie bei der Außer-Haus-Verpflegung (z.B. in Kantinen und Mensen). Mehr als die Hälfte dieser Abfälle ist vermeidbar und geht auf eine unzureichende Haushaltsführung und Bevorratung zurück: zum einen werden mehr Lebensmittel eingekauft und zu Speisen verarbeitet, als notwendig gewesen wäre. Zum anderen ist es nicht unüblich, dass Produkte falsch gelagert oder vergessen werden, wodurch sie verderben und im Abfall landen (Quelle: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle- deutschland.html (Zugriff 24.06.2022)). Auch in Karlsruhe werden Lebensmittel verschwendet. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2011 äußerte sich die Stadtverwaltung (2011/0637), dass im Rathaus 12 m³, bei den Stadtwerken 105 t und dem Städtischen Klinikum 80 m³ Speiseabfälle pro Jahr angefallen seien. Das war schon im Jahr 2011 zu viel, und es ist davon auszugehen, dass sich die Menge verschwendeter Lebensmittel seitdem noch weiter erhöht hat. Während immer mehr Lebensmittel im Müll landen, nimmt derzeit die Zahl von Karlsruherinnen und Karlsruhern, die auf den Besuch einer Tafel und auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, erschreckenderweise rasant zu. Begünstigt durch die Folgen der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine treibt zudem auch die Inflation momentan vor allem Energie- und Lebensmittelpreise in die Höhe. – 2 – Diese Situation betrifft alle Teile der Stadtgesellschaft und stellt immer mehr Menschen vor existentielle Probleme. Insofern ist die vermeidbare Verschwendung von Lebensmitteln für uns als CDU-Fraktion inakzeptabel. Wir regen daher an, dass die Stadt Karlsruhe und ihre Beteiligungsgesellschaften mit gutem Beispiel vorangehen. Innovative Auswege aus der Lebensmittelverschwendung zeigen Unternehmen wie das Schweizer Start-up KITRO (https://www.kitro.ch/product), das dem Problem mit Künstlicher Intelligenz begegnet. Weggeworfene Lebensmittel werden durch eine automatisierte Datenerfassungs- und Analyselösung automatisch gescannt, identifiziert, unterschieden und aufgezeichnet. Mit Hilfe der Analyseberichte werden Informationen über die produzierten Abfallmengen übermittelt, damit entsprechende Änderungen im Einkauf und in der Zubereitung des Essensangebot vorgekommen werden können. Wir als CDU-Fraktion setzen uns für effiziente Lösungen ein und stehen technologischen Innovationen offen gegenüber, die zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Kosten und Treibhausgasen entscheidend beitragen können. Insofern können wir uns vorstellen, dass diese Innovation ein Baustein im Beitrag der Stadtverwaltung und der städtischen Gesellschaften zur Vermeidung von Treibhausgasen und eine beispielgebende Strategie gegen Lebensmittelverschwendung sein kann. Unterzeichnet von: Stadtrat Detlef Hofmann Stadtrat Sven Maier Stadtrat Dr. Thomas Müller Stadträtin Bettina Meier-Augenstein

  • NEU Stellungnahme
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2022/0736 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: UA Lebensmittelverschwendung durch Künstliche Intelligenz verringern Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.09.2022 42 x 1. Die Stadtverwaltung erklärt, in welchen Bereichen der Stadtverwaltung sowie der städtischen Gesellschaften Lebensmittelabfälle entstehen. Die Abfallentstehung lässt sich in fünf Bereichen entlang der Wertschöpfungskette in Bezug auf die Nachhaltigkeit betrachten. In allen Schritten des Küchenprozesses können Lebensmittelabfälle anfallen: Da die Stadt einen Großteil der Gemeinschaftsverpflegung über Ausschreibungen vergibt, liegen die ersten drei Bereiche des Küchenprozesses beim Zulieferer und entziehen sich damit dem direkten Einfluss der Stadtverwaltung. Um die Bereiche genauer zu definieren, ist die Einrichtungsart (Zielgruppe) und das Küchensystem von Bedeutung. Einrichtung Küchensystem Kindertageseinrichtungen überwiegend Cook & Freeze Schulverpflegung überwiegend Cook & Chill Mitarbeitende, Klinikbetrieb überwiegend Frisch & Mischküche Alten- und Senioreneinrichtungen überwiegend Cook & Hold Catering und Veranstaltungen überwiegend Cook & Hold Cook & Freeze und Cook & Chill Bei den Systemen Cook & Freeze sowie Cook & Chill fallen keine Lager- und Produktionsverluste bei der Stadt an. Die Portionsgrößen sind durch den bei der Ausschreibung geforderten DGE-Qualitätsstandard bereits vorgegeben. Bei beiden Systemen sind eigene Mitarbeitende vor Ort für die Erwärmung und Ausgabe verantwortlich und können entsprechend einer aktuellen Zahl der Essensgäste die Menge der benötigten Mahlzeiten recht genau planen. Hygienevorschriften verbieten die Verwertung von einwandfreier Überproduktion oder Fertigprodukten, die die Küche verlassen und in der Essensausgabe gelagert waren. Deshalb können nur Speisen, die in der Küche übrigbleiben und hygienisch einwandfrei sind, weiterverwendet werden. Frisch & Mischküche Bei den Frisch & Mischküchen (städtische Kantinen und Großküchen der Gesellschaften) entstehen in allen Bereichen Lebensmittelabfälle. Lagerverluste Produktions- abfälle Überproduktion in der Küche Ausgabe- verluste Tellerreste – 2 – Lagerverluste entstehen nur in geringen Mengen, da die vorhandenen Lagerbestände regelmäßig überprüft und in die Menüplanung einbezogen werden. Produktionsabfälle (z.B. nicht essbare Bestandteile wie Nuss- und Obstschalen, Strünke und Blätter, Kaffeesatz oder Knochen) sind nicht vermeidbar, da die Küchen gemäß den städtischen Vorgaben überwiegend frische, regionale, saisonale Waren verwenden. Auch diese Küchen orientieren sich an DGE Qualitätsstandards und den dort angegebenen Mengenangaben. Für den großen Hunger gibt es unterschiedliche Modelle für einen Nachschlag. Teilweise sind die Reinigungs- und Spülleistungen extern vergeben. Damit ist eine genaue Registrierung der Tellerreste nur über die Abfalltonne zu erkennen. 2. Die Stadtverwaltung legt dar, in welcher Höhe hier Lebensmittel weggeworfen werden und welche davon vermeidbar gewesen wären. Für die Entsorgung von Speiseresten, die in Einrichtungen der Stadt Karlsruhe anfallen, hat der Gesamtstädtische Einkauf einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Zum jetzigen Zeitpunkt werden wöchentlich 80 Standorte beziehungsweise Anfahrtsstellen mit Behältergrößen von 120 bzw. 240 Liter geleert. Die Anzahl der Behälter beläuft sich aktuell auf 86 Stück. Die Speisereste der Mittagsverpflegung an den Schulen werden allgemein an ca. 38 Kalenderwochen geleert. An den Ganztagesschulen und in den Schulkindergärten/ Horten wird aktuell an sieben Wochen im Jahr trotz Ferien Verpflegungen angeboten, entsprechend erhöht sich dort die Anzahl der Leerungswochen auf ca. 45. Hinzu kommen die Speisereste in den städtischen Kantinen und der Rathauskantine. Die Entsorgung der Speisereste wurde im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung an die Firma Foodback in Germersheim vergeben (Verwertung in Biogasanlagen zu Strom, Biomethan und Wärme). Der aktuelle Rahmenvertrag läuft seit 1. November 2021 bis 31. Oktober 2023 (plus Verlängerungsoption um ein weiteres Jahr). Enthalten ist die Entsorgung von 240 t pro Jahr. Da die Mehrzahl der Behälter nur zu 2/3 gefüllt ist, kann die Menge der aktuell anfallenden Speisereste mit ca. 160-180 t Speisereste angenommen werden. Über die Speisereste der Gesellschaften, die sich aufgrund von professionellen Küchenkonzepten schon länger mit der Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Speiseresten befassen, gibt es keine vollständige Mengenerfassung. Bei der VBK entstehen beispielsweise an den beiden Standorten ca. 8 t Küchenabfälle im Jahr. Vermeidbar sind diese Abfälle nicht, denn es handelt sich hier überwiegend um Küchenabfälle der Produktion (Schalen, Gemüseabschnitte, die nicht weiterverarbeitet werden können, Knochen von Saucenansätzen, usw.). 3. Die Stadtverwaltung stellt vor, welche Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bereits verfolgt werden. An den Standorten der Kantinen gibt es unterschiedliche Konzepte von Mehrwegbehältern für die Speisemitnahme bis hin zu Foodsharing in unterschiedlichen Formaten. Einige Kindertagesstätten bieten die Mitnahme von Essen in Mehrwegbehältern nach dem Betreuungsbetrieb an. Außerdem wird derzeit eine Zusammenarbeit der Kantine des Amtes für Abfallwirtschaft mit Foodsharing Karlsruhe vorbereitet, die noch im Herbst 2022 starten soll. Das Karlsruher Reallabor Nachhaltiger Klimaschutz (KARLA) am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT betreut seit 2021 mit dem Projekt Klimafreundliche Kantine in Karlsruhe (https://www.reallabor-karla.de/klimafreundlicheKantinen.php) interessierte Kantinen. – 3 – Unterstützt wird die Vernetzung der Akteure Nachhaltiger Kantinen in Karlsruhe - Caterer, Beschaffende, Kantinenleitungen und Anbieter. Außerdem bietet eine Plattform die Möglichkeit für die Akteure, sich über neue Formate und Strukturen auszutauschen. Vorgestellt werden über die Plattform auch Best Practice Beispiele aus unterschiedlichen Kantinen sowie deren praktische Umsetzung. Dies hat zu folgenden Konzepten geführt: • Erstellen nachhaltiger Speisepläne mit Bestellsystemen • Umstellen der Speisepläne auf kind- und jugendgerechte Menüs • Einsparungen aus den neuen Konzepten (beispielsweise Abfallvermeidung) schrittweise in eine attraktivere und höherwertige Verpflegung zu investieren • Bedarfsgerechte Kalkulation der Produktion mit einem durchdachten Verpflegungsmanagement zur gezielten Vermeidung von Speiseabfällen • Regelmäßiger Austausch zwischen Küchenleitung, Küchenpersonal und Spülküche über Speiseabfälle • Verwertung von einwandfreier Überproduktion durch Einsatz verschiedener Konzepte • Einführung von Kommunikationskonzepten mit den jeweiligen Essengästen, Schulgemeinschaften und Kindertagesstätten Im Rahmen des Karlsruher Klimaschutzkonzeptes gibt es im Rahmen des Arbeitskreises „Nachhaltige Beschaffung“ eine Arbeitsgruppe, bei der sich die städtischen Gesellschaften, die eigenen Kantinen, Beschaffende und der Betreiber der Rathauskantine intern über Erfolge, Hemmnisse und gemeinsame Lösungen austauschen. 4. Die Stadtverwaltung erläutert, wie sie die Chancen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen durch Künstliche Intelligenz einschätzt und ob ein Einsatz einer derartigen Innovation in der Stadtverwaltung und den städtischen Gesellschaften mit Vorteilen verbunden ist. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen ist bereits möglich. Allerdings gibt es sehr wenige professionelle Komplettlösungen von Anbietern wie zum Beispiel kitro (https: www.kitro.ch) oder delicious data (https://www.delicious-data.com). Derzeit werden Forschungsprojekte mit dem Fokus auf Lebensmittelverschwendung durchgeführt, so dass man von einem innovativen Thema sprechen kann. (REIF: https://www.digitale- technologien.de/DT/Redaktion/DE/Standardartikel/KuenstlicheIntelligenzProjekte/KuenstlicheIntelligenz_A lle_Projekte/ki-projekt_reif.html) Die Kosten und erforderlichen personellen Ressourcen für Lösung auf Basis Künstlicher Intelligenz wären je nach Küchengröße und Ergebniswünschen nicht unerheblich und stehen derzeit noch nicht in Relation zu möglichen Erfolgen. Um eine konkrete Aussage über die Anwendbarkeit und über die erhofften Vorteile zu treffen, wäre ein stadtweites Projekt unter Einbeziehung der erforderlichen Stakeholder notwendig. Dieses müsste seitens des Gemeinderats eine entsprechende Priorisierung und auch personelle und finanzielle Ausstattung erhalten, da dies mit den vorhandenen Kapazitäten im laufenden Doppelhaushalt (seitens IT) nicht darstellbar ist. Während die technischen Möglichkeiten noch in der Entwicklung sind, können jedoch andere Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bereits umgesetzt werden. Für die Stadt Karlsruhe liegt dabei der Fokus auf Vernetzung und Information. Beispielsweise kann das Thema Ernährung in der Klimaschutzkampagne aufgenommen, der Austausch mit den Akteuren vor Ort und die aktive Zusammenarbeit mit dem KARLA Projekt des KIT weiter ausgebaut werden.

  • Protokoll GR TOP 42
    Extrahierter Text

    Niederschrift 42. Plenarsitzung des Gemeinderates 27. September 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 37. Punkt 42 der Tagesordnung: Lebensmittelverschwendung durch Künstliche Intelligenz ver- ringern Anfrage: CDU Vorlage: 2022/0736 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 42 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (Keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. Oktober 2022