Potentielle Folgen der Gasnetz-Reduzierung im Jahr 2045

Vorlage: 2022/0695
Art: Anfrage
Datum: 23.06.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtwerke
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 26.07.2022

    TOP: 46

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier CDU-Gemeinderatsfraktion Eingang: 23.06.2022 Vorlage Nr.: 2022/0695 Potentielle Folgen der Gasnetz-Reduzierung im Jahr 2045 Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 26.07.2022 46 x 1. Wie viele Karlsruher Haushalte, Unternehmen und Arbeitsplätze wären – gesetzt den Fall, dass die Bundesregierung ihre Pläne zum Rückbau des Gasnetzes in Deutschland realisiert – von der Reduzierung betroffen? 2. Welche finanziellen Auswirkungen wären für die Stadt Karlsruhe damit verbunden? 3. Welche alternative Versorgung der Haushalte und Unternehmen wäre bis spätestens 2045 vorzusehen und wie soll diese voraussichtlich finanziert werden? 4. Welche Einnahmen der Stadt Karlsruhe und ihrer Stadtwerke stehen voraussichtlich zur Disposition? 5. Welche weiteren Auswirkungen auf die Bilanz der Stadtwerke sind zu erwarten? 6. Wie bewertet die Stadtverwaltung den Rückbau von Gasröhren angesichts der Tatsache, dass dadurch eine alternative Nutzung für den Transport von Wasserstoff, Biogas oder synthetischem Methan verunmöglicht wird? Sachverhalt/Begründung Gegenüber der „Welt am Sonntag“ (22.05.2022) äußerte sich Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, dass die kommunalen Stadtwerke vor kurzem aufgefordert worden seien, ab sofort mit den Planungen für den Rückbau von Gasröhren zu beginnen. Ab 2045 soll kein Gas mehr durch die Gasröhren fließen, weswegen das Gasnetz schrittweise aufgelöst werden soll. Damit ginge der Abbau der Röhren sowie der Arbeitsplätze einher. Mit der vorliegenden Anfrage und den oben angegebenen Fragen wollen wir als CDU-Fraktion in Erfahrung bringen, welche finanziellen, arbeitspolitischen und versorgungstechnischen Konsequenzen der Rückbau von Gasröhren und die Reduzierung des Gasnetzes für Karlsruher Haushalte, Endverbraucherinnen und -verbraucher sowie Unternehmen hätte. Von besonderem Interesse ist dabei, wie die Stadtverwaltung den möglichen Rückbau von Gasröhren angesichts der Tatsache bewertet, dass eine alternative Nutzung durch den Transport von zukunftsweisendem Wasserstoff und anderen Energieträgern verunmöglicht wird. Unterzeichnet von: Stadtrat Detlef Hofmann Stadtrat Thorsten Ehlgötz Stadträtin Bettina Meier-Augenstein Stadtrat Tilman Pfannkuch Stadtrat Dr. Thomas Müller

  • StN Folgen Gasnetz-Reduzierung
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2022/0695 Verantwortlich: Dez. 4 Dienststelle: SWK Potentielle Folgen der Gasnetz-Reduzierung im Jahr 2045 Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 26.07.2022 46 x 1. Wie viele Karlsruher Haushalte, Unternehmen und Arbeitsplätze wären – gesetzt den Fall, dass die Bundesregierung ihre Pläne zum Rückbau des Gasnetzes in Deutschland realisiert – von der Reduzierung betroffen? An das Gasverteilnetz der Stadtwerke Karlsruhe mit einer Länge von 810 km sind rund 28.600 Gebäude oder Firmen angeschlossen. Bei einem Verhältnis von durchschnittlich 1:3 von Gasnetzanschluss zu angeschlossenen Haushalten (Gaszähler) ergeben sich hieraus ca. 78.000 Haushalte, Gewerbe, Handel und Industriebetriebe, die mit Gas versorgt werden. Diese Haushalte müssen anderweitig klimaneutral versorgt werden. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist nicht bekannt. Beim Gasverteilnetz- und Messstellenbetreiber (Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH) wären rund 120 Mitarbeitende betroffen. Durch die Verlagerung auf andere Aufgaben im Wasserverteilnetz, dem Rückbau der Gasnetze, dem Ausbau einer alternativen Wärmeversorgung (z.B. Wasserstoff, Geothermie, Fernwärme) und im Ausbau des LWL-Netzes könnten diese jedoch teilweise weiter beschäftigt werden. Dies gilt gleichermaßen für die rund 90 Mitarbeitende aus Vertrieb, Handel oder Servicebereichen der SWK, die derzeit dem Bereich der Gasversorgung zugeordnet sind. 2. Welche finanziellen Auswirkungen wären für die Stadt Karlsruhe damit verbunden? Der aktuelle Restbuchwert des Karlsruher Gasverteilnetzes umfasst einen mittleren zweistelligen Mio. Betrag. Unter der Annahme, dass das Gasnetz bis 2045 stillgelegt und zurückgebaut werden muss, wird eine Sonderabschreibung vorzunehmen sein. Für die verbleibende Betriebsdauer sind für sicherheitsrelevante Erneuerungen weiterhin Instandhaltungsinvestitionen vorzusehen. Für den Rückbau des Gasnetzes muss unter der Annahme, dass im ersten Schritt nur größere Nennweiten (> DN 200) entweder verfüllt oder ausgebaut werden, mit Kosten in Höhe von ca. 40 Mio. € kalkuliert werden. Da auch oberirdische Anlagen wie z.B. Gasdruckregelanlagen rückgebaut werden müssten, läge die Summe wahrscheinlich noch deutlich höher. Alle Kosten mindern die Ergebnisabfuhr der SWK. Der Gewinn der SWK aus dem Gasnetz und dem Gasverkauf, der an die Stadt Karlsruhe abgeführt wird, liegt aktuell knapp im zweistelligen Mio.-Bereich pro Jahr. Darüber hinaus würden der Stadt Karlsruhe die Einnahmen aus der Konzessionsabgabe Gas in Höhe von ca. 1 Mio. € jährlich entfallen. 3. Welche alternative Versorgung der Haushalte und Unternehmen wäre bis spätestens 2045 vorzusehen und wie soll diese voraussichtlich finanziert werden? In Bezug auf das Klimaziel der Stadt Karlsruhe und der Stadtwerke kommen nur CO 2 -neutrale Maßnahmen für die zukünftige Wärmeversorgung in Betracht. Hierfür entwickeln die Stadt und die Stadtwerke einen Energie-/Wärmeleitplan, der neben einer elektrischen Wärmeversorgung mit Wärmepumpen für EFH und kleineren MFH vor allem den weiteren Ausbau der Fernwärmeversorgung – 2 – vorsieht. Die Fernwärmeversorgung wird daher - neben der klimaneutralen Abwärme aus der MiRo und StoraEnso - bis zum Jahr 2045 vollständig auf klimaneutrale Primärenergie umgestellt. Wasserstoff wird nur in eingeschränkten Anwendungsfällen für die Wärmeversorgung von Haushalten eingesetzt werden. Um sich aber alle Möglichkeiten in der zukünftigen Wärmeversorgung offen zu halten, untersucht und betrachtet die SWK auch das Thema Wasserstoff. Zum jetzigen Zeitpunkt kann hierzu jedoch noch keine verbindliche Aussage getroffen werden. Neben den Kosten für eine Ertüchtigung der vorhandenen Gasnetzinfrastruktur und der Kundenanlagen wird hierbei auch der zu erwartende Marktpreis für Wasserstoff und vor allem dessen ausreichende Verfügbarkeit relevant sein. 4. Welche Einnahmen der Stadt Karlsruhe und ihrer Stadtwerke stehen voraussichtlich zur Disposition? Durch den Wegfall der Erdgasbelieferung gehen Umsatzerlöse im unteren dreistelligen Mio.-Bereich pro Jahr verloren. Diese müssen durch Erlöse aus alternativen Wärmeversorgungsquellen (z. B. Wasserstoff, Fernwärmeausbau, Geothermie) oder neuen Geschäftsfeldern (z. B. Glasfaser) kompensiert werden. 5. Welche weiteren Auswirkungen auf die Bilanz der Stadtwerke sind zu erwarten? Dies ist bereits in den finanziellen Auswirkungen beschrieben. 6. Wie bewertet die Stadtverwaltung den Rückbau von Gasröhren angesichts der Tatsache, dass dadurch eine alternative Nutzung für den Transport von Wasserstoff, Biogas oder synthetischem Methan verunmöglicht wird? Die Stadtwerke beschäftigen sich intensiv mit dem Thema eines möglichen Transfers von Erdgas auf Wasserstoff unter anderem in verschiedenen Forschungsprojekten unter anderem mit Prof. Pinkwart und als Partner in der DVGW Initiative H 2 VorOrt. Im Rahmen dieser Initiative wurden alle Gasverteilnetzbetreiber deutschlandweit dazu aufgerufen, sich zu ihren Plänen hinsichtlich einer Gasnetztransformation zu äußern und dies in Bezug auf die Zusammenführung in einem Gesamtgasnetztransformationsplan für Deutschland zu melden. Auf dieser Grundlage soll der zeitliche Bedarf an Wasserstoff ermittelt und mit dem Erzeugungs- (Elektrolyseur-Einheiten) und Beschaffungsbedarf (International) abgestimmt werden. Gemäß eines ersten Entwurfs für eine mögliche Gasnetztransformation des Gasverteilnetzes in Karlsruhe wäre die netzseitige Umstellung auf Wasserstoff in einem Zeitrahmen von 2030 – 2037 technisch möglich. Schon heute sind ca. 97% des Gasnetzes in der Lage, Wasserstoff ohne technische Erneuerung zu transportieren. In Bezug auf eine H2-Readiness werden jedoch im Bereich der Gasdruckregelanlagen, Armaturen und Kundenanlagen technische Anpassungen erfolgen müssen. Da im Stadtgebiet Karlsruhe selbst keine ausreichenden Mengen an grünem Wasserstoff produziert werden können, setzt dies voraus, dass die Ferngasnetzbetreiber ab 2030 die jährlich ansteigenden Wasserstoffmengen liefern können. Dabei spielt jedoch auch eine Rolle, ob der grüne Wasserstoff zu marktfähigen Preisen produziert bzw. importiert werden kann. Wasserstoff wird somit nur in eingeschränkten Anwendungsfällen für die Wärmeversorgung von Haushalten eingesetzt werden.

  • Protokoll GR 26.07.2022 TOP 46
    Extrahierter Text

    Niederschrift 41. Plenarsitzung des Gemeinderates 26. Juli 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 43. Punkt 46 der Tagesordnung: Potentielle Folgen der Gasnetz-Reduzierung im Jahr 2045 Anfrage: CDU Vorlage: 2022/0695 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 46 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellung- nahme liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (Keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 28. Juli 2022