Benennung von zwei Straßen in Rintheim nach Hertha Sponer und Cäcilie Fröhlich

Vorlage: 2022/0154
Art: Beschlussvorlage
Datum: 21.11.2022
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Liegenschaftsamt
Erwähnte Stadtteile: Rintheim

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.04.2023

    TOP: 11

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Beschlussvorlage
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Vorlage Nr.: 2022/0154 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: LA Benennung von zwei Straßen in Rintheim nach Hertha Sponer und Cäcilie Fröhlich Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Kulturausschuss 17.03.2023 9 x Vorberaten Bauausschuss 30.03.2023 6 x vorberaten Gemeinderat 25.04.2023 11 x Beschlussantrag (Kurzfassung) Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Bauausschuss zwei Straßen in Rintheim mit Hertha-Sponer-Straße und Cäcilie-Fröhlich-Straße - siehe beiliegender Kartenausschnitt - zu benennen. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Durch die Verwirklichung des Bebauungsplanes "Technologiepark Karlsruhe - Vogelsand - 3. Änderung" entstehen im Technologiepark Karlsruhe zwei neue Straßen. Die Straße im Norden des Technologieparks ist bereits grundstückstechnisch gebildet und befindet sich im Ausbau. Die im Osten des Technologieparks geplante Straße muss zunächst im Zuge der Bodenordnung gebildet werden. Aus Effizienzgründen soll der Beschluss zur Benennung der beiden Straßen gemeinsam gefasst werden. Die notwendige ortsübliche Bekanntmachung der Benennung wird die Verwaltung zu einem späteren -an der Fertigstellung orientierten- Zeitpunkt im Amtsblatt vornehmen. Um den Bestrebungen der Stadt Rechnung zu tragen, mehr Frauen in den öffentlichen Raum sichtbar zu machen, sollen beide Straßen nach Frauen benannt werden, die auf dem Gebiet der Naturwissenschaften erfolgreich tätig waren. Im Technologiepark Karlsruhe gibt es bereits Straßen, die nach Ada Lovelace (britische Mathematikerin) und Emmy Noether (deutsche Mathematikerin) benannt sind. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt - Stadtarchiv und dem Gleichstellungsbüro wurden hierfür zwei Wissenschaftlerinnen ausgesucht, deren Verdienste auf dem jeweiligen Arbeitsgebiet eine Ehrung im öffentlichen Raum rechtfertigen. Hertha Sponer (* 1. September 1895 in Neisse, Oberschlesien; † 17. Februar 1968 in Ilten bei Hannover) war eine deutsche Physikerin. Als zweite Frau nach Emmy Noether habilitierte sie sich an der Universität Göttingen. Anschließend arbeitete sie am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie in Berlin und später an der Universität Göttingen. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde ihre Forschung erschwert, sodass sie zunächst nach Norwegen (Institut für Physik in Oslo) und später in die USA emigrierte. Dort lehrte sie als Professorin bis zu ihrer Emeritierung an der Duke University. 1964 kehrte sie nach Deutschland zurück und lebte bis zu ihrem Tod bei ihrer Familie in Celle. Wissenschaftlich bedeutsam sind ihre umfassende Beiträge zur Anwendung quantentheoretischer Methoden in der Atom- und Molekülphysik. Bekannt ist z. B. die Birge- Sponer-Auftragung zur Bestimmung der Dissoziationsenergie von Molekülen aus spektroskopischen Daten. Als ihr bedeutendster Beitrag zur Molekülphysik gilt ihr zweibändiges Werk Molekülspektren und ihre Anwendung auf chemische Probleme. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft vergibt seit 2002 alljährlich einen Hertha-Sponer-Preis, mit dem junge, wissenschaftlich erfolgreiche Physikerinnen geehrt werden. Cäcilie Fröhlich (* 21. November 1900 in Köln; † 9. November 1992 in Forest Grove, Oregon, USA), war eine deutsche Elektroingenieurin und Mathematikerin. Sie promovierte 1925 in Mathematik an der Universität Bonn. Ihre Beschäftigung bei der AEG, wo ihre Ideen auch in zahlreiche Patente eingeflossen waren, musste sie als Jüdin nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aufgeben. 1937 verließ sie Deutschland und arbeitete zunächst in Belgien bei ACEC, einem großen belgischen Maschinenbaukonzern (heute ALSTOM Belgium). 1941 flüchtete sie in die USA, wo sie am City College of New York als Dozentin, später Professorin (und damit dort die erste weibliche Lehrstuhlinhaberin) im Institut für Elektrotechnik arbeitete. Der Bürgerverein Karlsruhe-Rintheim e.V. ist mit der Benennung der beiden Straßen einverstanden. Die Texte der Zusatztafeln lauten: Hertha Sponer, 1895–1968, Physikerin, 1936 Emigration in die USA, Professorin an der Duke University in Durham, Beiträge zur Atom- und Molekülphysik Cäcilie Fröhlich, 1900–1992, Mathematikerin, Elektroingenieurin, 1937 Emigration aus Deutschland, Professorin am City College in New York Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Kulturausschuss und im Bauausschuss zwei Straßen in Rintheim mit Hertha-Sponer-Straße und Cäcilie-Fröhlich-Straße - siehe beiliegender Kartenausschnitt - zu benennen.

  • Anlage_1
    Extrahierter Text

    Her t h a - S poner-Straße Cäci l i e - F r öhlich-Straße

  • Abstimmungsergebnis TOP 11
    Extrahierter Text

    Kein Text verfügbar

  • Protokoll GR TOP 11
    Extrahierter Text

    Niederschrift 49. Plenarsitzung des Gemeinderates 25. April 2023, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 12. Punkt 11 der Tagesordnung: Benennung von zwei Straßen in Rintheim nach Hertha Sponer und Cäcilie Fröhlich Vorlage: 2022/0154 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Bauausschuss zwei Straßen in Rintheim mit Hertha-Sponer-Straße und Cäcilie-Fröhlich-Straße - siehe beiliegender Kar- tenausschnitt - zu benennen. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung. Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 11 zur Behandlung auf und verweist auf die Vorberatung im Kulturausschuss am 17. März 2023 und im Bauausschuss am 30. März 2023. Stadträtin Wolf (GRÜNE): Nach knapp fünf Jahren Mathematik-Studium habe ich Noether- sche Ringe kennengelernt. Ringe sind sehr allgemeine mathematische Strukturen. Noether- sche Ringe sind etwas spezieller und haben dann besondere Eigenschaften, aber eigentlich ist es gar nicht so wichtig. Wichtig ist, ich musste mich durch fast fünf Jahre Mathematik- Studium kämpfen, bis zum ersten Mal etwas aufgetaucht ist, was nach einer Frau benannt wurde, nach der Mathematikerin Emmy Noether. Mir ist das erst, als ich dann aus der Uni aus dem Hörsaal rausgegangen bin, so richtig bewusst geworden, was mich da so aufge- wühlt hat und was mich beschäftigt hat. So viele Dinge in der Mathematik sind nach Men- schen benannt, die sie definiert oder erfunden oder bewiesen haben, und das sind eben alles Männer. Ich meine, es ist klar, die ganze Mathematik, die wir da an der Uni lernen, ist entstanden zu einer Zeit, als Frauen entweder gar nicht forschen durften oder vielleicht ge- forscht haben, aber dann übersehen wurden und ihre Ergebnisse irgendwelchen Männern zugesprochen wurden. Ich bin also ziemlich bewegt von der Uni nach Hause gefahren und, – 2 – kein Scherz, ich habe plötzlich das allererste Mal das Straßenschild wahrgenommen, das da hing, die Emmy-Noether-Straße. In dem Moment hat es mich fast vom Fahrrad gehauen. Das hat es alles irgendwie viel realer gemacht, dass diese Frau, diese Mathematikerin, nicht nur in dem Hörsaal aufgetaucht ist, sondern dass die auch in der realen Welt existiert, dass sie da Raum einnimmt und dass sie da auch gesehen wird. Das war ein echt krasser emoti- onaler Moment für mich. Die Mathematik ist ja genauso wie die Stadt Karlsruhe zum Groß- teil in einer männerdominierten Welt entstanden, und mir ist in dem Moment auch wieder klargeworden, dass wir diese historische Übermacht nie werden ausgleichen können. Wir werden ja die Sätze und Definitionen der Mathematik genauso wenig umbenennen wie die Straßen in Karlsruhe, die nach historischen Persönlichkeiten benannt wurden, aber umso wichtiger ist es, dass wir heute in der Gegenwart die Frauen, die es trotzdem geschafft ha- ben, sichtbarer machen, dass wir denen Raum geben, und zwar Straße für Straße. Ich freue mich also total oder wir freuen uns, dass wir hier diese Benennung heute vornehmen kön- nen, einmal nach der Physikerin Hertha Sponer und nach der Mathematikerin, die dann Richtung Elektrotechnik abgedriftet ist, nach Cäcilie Fröhlich. Emmy Noether bekommt am Technologiepark also gute Gesellschaft, und vielleicht hauen die dann ja irgendwann je- mand anderen vom Fahrrad. Stadträtin Böringer (FDP): Ich mache es ganz kurz. Beide Damen haben es verdient. Ihr Le- ben und ihr Wirken sollte festgehalten werden und auch der Zukunft zugänglich gemacht werden. Die Stadt Karlsruhe bringt viele Persönlichkeiten hervor. Ich glaube, dass der be- vorstehende Ausbau der Stadt wegen benötigter Wohnungen noch viel Gelegenheit bieten wird, diesen Persönlichkeiten Straßen zu widmen. Also heute sind Frau Sponer und Frau Fröhlich dran. Der Vorsitzende: Wir kommen zur Abstimmung, und ich bitte Sie um Ihr Votum ab jetzt. – Das sieht schwer nach einer Einstimmigkeit aus. Vielen herzlichen Dank, das ist, glaube ich, für die eben angesprochene Sache und auch für unsere Stadt ein sehr gutes Signal. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 9. Mai 2023