Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe: Vierte Fortschreibung 2021

Vorlage: 2021/1485
Art: Informationsvorlage
Datum: 01.12.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Schul- und Sportamt
Erwähnte Stadtteile: Daxlanden, Durlach, Grünwinkel, Knielingen, Neureut

Beratungen

  • Schulbeirat (öffentlich)

    Datum: 15.12.2021

    TOP: 6

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

  • Migrationsbeirat (öffentlich)

    Datum: 08.03.2022

    TOP: 2

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • TOP 2 -Vorlage-Bericht Neuzugewanderte
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SuS Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe: Vierte Fortschreibung 2021 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Schulbeirat 15.12.2021 6 X Migrationsbeirat 08.03.2022 X Information (Kurzfassung) Der Schulbeirat und der Migrationsbeirat nehmen Kenntnis. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzü- glich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☐ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Der vorliegende Bericht der Bildungskoordination für Neuzugewanderte wirft in der vierten Fortschrei- bung Schlaglichter auf die Situation neuzugewanderten Kindern und Jugendlicher während der wei- terhin andauernden Pandemie (Anlage). Neben der Aufbereitung der statistischen Daten wurden da- für im Januar 2020 Lehrkräfte an Schulen mit Vorbereitungsklassen sowie Träger des betreuten Ju- gendwohnens um ihre Einschätzung der damals aktuellen Situation in Bezug auf die Durchführung des Unterrichts, die technische Ausstattung sowie die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schü- ler und ihren Eltern befragt. Außerdem enthält der Bericht, der erstmals gemeinsam von den Bildungs- koordinatorinnen im Schul- und Sportamt und im Büro für Integration erstellt wurde, detaillierte Anga- ben zu den städtisch geförderten Unterstützungsangeboten für neuzugewanderte Kinder und Jugend- liche und zu deren Aktivitäten während des zweiten Pandemiejahrs. Allgemeinbildende Schulen Mit insgesamt 304 Schülerinnen und Schülern in 21 Klassen ist die Zahl der Neuzugewanderten in Vor- bereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen im Stadtgebiet im Vergleich zum Vorjahr leicht gestie- gen. Im Verlauf des Schuljahres 2020/21 erhöhte sich Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in Vor- bereitungsklassen um 23 Schülerinnen und Schüler, davon 19 in den Grundschulen. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler kommen aus EU-Staaten und aus Südosteuropa. Schülerin- nen und Schüler mit einem rumänischen Pass waren in den Vorbereitungsklassen der allgemeinbilden- den und auch der beruflichen Schulen mit Abstand am häufigsten vertreten. In den Vorbereitungsklassen der Grundschulen bildeten Schülerinnen und Schüler mit deutschem Pass die zweitgrößte Gruppe. Ihr Anteil betrug 9 Prozent. Obwohl in der Sekundarstufe I Vorbereitungsklassen in allen Schularten eingerichtet waren, besuchten rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Vorbereitungsklasse in einer Werkrealschule. Auch zeigten sich enorme Unterschiede bei den Klassengrößen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ein schulisches Angebot an der Landeserstaufnahmestelle Fels- straße bekommen, hat sich im Lauf des Schuljahres 2020/21 um 80 Prozent erhöht und lag im Juni 2021 bei 175 Schülerinnen und Schülern. Während sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus den Län- dern des Westbalkans wenig verändert hat, sind die Zuwächse vor allem auf Schülerinnen und Schüler aus Syrien und aus dem Irak zurückzuführen. Berufliche Schulen Der Rückgang der Schülerzahlen im VABO setzte sich auch im Schuljahr 2020/21 fort. In der Zusammensetzung haben sich die VABO-Klassen an die Vorbereitungsklassen an allgemeinbilden- den Schulen angeglichen. Auch hier bildeten Schülerinnen und Schüler mit rumänischem Pass die größte Gruppe, während die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die der Fluchtmigration zuzurechnen sind, wei- ter zurückgegangen ist. Die Gesamtschülerzahlen in den Regelklassen des VAB (VAB-R) bewegten sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Zurückgegangen ist jedoch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Nationalität von 48 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 37 Prozent im Schuljahr 2020/21. Ein ähnlicher Rückgang zeigte sich ebenfalls in der Ausbildungsvorbereitung Dual (AVdual). Drastisch gesunken ist im Schuljahr 2020/21 die Zahl der ausländischen Mädchen und jungen Frauen in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen. Auch ihr Anteil an der gesamten ausländischen Schüler- schaft sank von 39 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 29 Prozent im Schuljahr 2020/21. Der Trend zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis setzte sich damit nicht fort. – 3 – Situation und Unterstützungsangebote im zweiten „Corona-Schuljahr“ Im zweiten Jahr der Pandemie zeigten sich sowohl die Schulen als auch die Träger der unterrichtser- gänzenden Angebote besser vorbereitet und führten während der Schulschließungen Unterricht und Lernangebote aus der Distanz fort. Sie waren flexibel in der Wahl der Medien, um die Schülerinnen und Schüler und ihre Familien möglichst gut zu erreichen. Trotzdem blieben Schwierigkeiten in der Kommunikation mit nicht-deutschsprachigen Familien weiterhin bestehen. Während sich die Versorgung der Schulen mit digitaler Ausstattung und Leihgeräten im Verlauf des Schuljahrs verbesserte, wurde andererseits immer deutlicher, dass viele Kinder und Jugendliche im Homeschooling die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nur mit engmaschiger pädagogischer Unterstützung bewältigen konnten. Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern in Bezug auf schulische Aufgaben wenig Hilfe bekommen können, waren hier oft auf sich selbst gestellt. Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemiefolgen aus städtischen Mitteln und im Rahmen des REACT EU 2021- Soforthilfeprogramms des Europäischen Sozialfonds zielen deswegen vor allem auf die Ver- mittlung von digitalen Schlüsselkompetenzen sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch in der El- ternarbeit. Die Pandemie hat auch die Arbeit der städtisch geförderten Unterstützungsangebote verän- dert. Die Berichte der Projektträger geben einen Eindruck von den weiterhin schwierigen Rahmenbe- dingungen, aber auch von kreativen Lösungen, die gefunden wurden, um neu zugewanderte Kinder und Jugendliche gut zu begleiten.

  • TOP 2 Anlage_Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen-Versandversion
    Extrahierter Text

    Anlage zu TOP 6 Schulbeirat 15. Dezember 2021 Stadt Karlsruhe Dezernat 3 | Schul- und Sportamt Kommunale Koordination der Bildungsangebote für Neuzugewanderte Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Vierte Fortschreibung Schuljahr 2020/2021 2 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Herausgeber: Stadt Karlsruhe Schul- und Sportamt Telefon: 0721 133-4166 Fax: 0721 133-95 4166 Internet: www.karlsruhe.de/bildungskoordination Redaktion: Hopfengärtner (SuS), Laue (BfI) Titelfoto: rawpixel.com – de.freepik.com Layout: Hopfengärtner Druck: Rathausdruckerei Papier: 100 Prozent Recyclingpapier Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 3 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................................................................... 3 Einführung .................................................................................................................................................................. 4 I. Statistische Daten ............................................................................................................................................... 5 1. Allgemeinbildende Schulen ..................................................................................................................................................... 5 Grundschulen mit Vorbereitungsklassen.................................................................................................................................. 5 Weiterführende Schulen mit VKL-Klassen ................................................................................................................................ 7 VKL-Klassen am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) .............................................................................................................. 9 2. Berufliche Schulen ................................................................................................................................................................ 11 Eingangsklassen während der vorläufigen Inobhutnahme ...................................................................................................... 11 VABO-Klassen ...................................................................................................................................................................... 11 VAB-Regelklassen ................................................................................................................................................................ 14 Ausbildungsvorbereitung Dual .............................................................................................................................................. 16 Anteil der Mädchen und Frauen ............................................................................................................................................ 17 II. Situation und Unterstützungsangebote im zweiten „Corona-Schuljahr“ .......................................................... 19 1. Digitale Ausstattung von Schülerinnen und Schülern ............................................................................................................. 19 2. Digitale Schlüsselkompetenzen ............................................................................................................................................. 19 3. Kita und Übergang Kita-Grundschule .................................................................................................................................... 20 4. Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen ........................................................................................................... 21 5. VABO und berufliche Schulen ............................................................................................................................................... 24 6. Interkulturelle Elternarbeit .................................................................................................................................................... 26 7. Unterstützung für Geflüchtete .............................................................................................................................................. 27 8. Institutionen- und altersübergreifende Unterstützungsangebote ............................................................................................ 27 Fazit und Ausblick .................................................................................................................................................... 28 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ....................................................................................................................... 30 4 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Einführung 2020/21 erlebten wir das zweite Schuljahr in der Corona-Pandemie. Es begann im September 2020 mit Präsenzunterricht in allen Klassen. Dieser wurde, bei steigenden Inzidenzen, bis Mitte Dezember 2020 aufrechterhalten. Danach begann der zweite bundesweite Lockdown. In Baden-Württemberg blieben Schulen und Kitas bis nach den Faschingsferien geschlossen, die weiterführenden Schulen öffneten nach den Osterferien im Wechselbetrieb. Eine weitgehende Normalisierung des Schulbetriebs konnte erst nach den Pfingstferien 2021 erreicht werden. Der vorliegende Bericht der Bildungskoordination für Neuzugewanderte wirft in der vierten Fortschreibung Schlaglichter auf die Situation neu zugewanderten Kindern und Jugendlicher während der weiterhin andauernden Pandemie. Dafür wurden im Januar 2020 Lehrkräfte an Schulen mit Vorbereitungsklassen um ihre Einschätzung der damals aktuellen Situation in Bezug auf die Durchführung des Unterrichts, die technische Ausstattung sowie die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern befragt. Informationen von außerschulischen Kooperationspartnern und Trägern der stationären Jugendhilfe wurden ebenfalls eingeholt. Zwar hat sich im zweiten Pandemiejahr eine gewisse Routine in verschiedenen Formen des Fernlernens und der Kommunikation auf Distanz eingestellt, und auch die technische Ausstattung der Schulen hat sich dank der abgerufenen Mittel aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes im Laufe des Schuljahrs 2020/21 deutlich verbessert. Bei den Kindern und Jugendlichen, die während der erzwungenen Distanz nicht oder schlecht erreicht werden konnten, ist allerdings zu befürchten, dass sich die negativen Auswirkungen der erneuten, lang andauernden Schulschließungen, verfestigen. Diese Auswirkungen, seien sie im schulischen, psychischen oder sozialen Bereich, betreffen Schülerinnen und Schüler in unterschiedlicher Weise und Intensität. Festzuhalten bleibt jedoch, dass es sich bei neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen um eine vulnerable Personengruppe handelt, die zum Erlernen der deutschen Sprache und zur sozialen Integration besonders auf den persönlichen Kontakt in der Schule und bei außerschulischen Angeboten angewiesen ist. Ein besonderes Augenmerk wird im Bericht auf die städtisch geförderten Angebote gelegt, die neuzugewanderte Kinder und Jugendliche an unterschiedlichen Stationen ihrer Bildungsbiographie unterstützen. Teil II (Situation und Unterstützungsangebote im zweiten „Corona-Schuljahr“), der erstmals gemeinsam von den Bildungskoordinatorinnen im Schul- und Sportamt (Frau Hopfengärtner) und im Büro für Integration (Frau Laue) verfasst wurde, enthält detaillierte Informationen zu den einzelnen Angeboten und der Fortführung ihrer Aktivitäten unter Pandemiebedingungen. Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 5 I. Statistische Daten Internationale Vorbereitungsklassen, auch VKL genannt, werden von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen im Alter von 8 bis 16 Jahren besucht. Im Alter von sechs bis zehn Jahren besuchen die Kinder eine Vorbereitungsklasse in der Grundschule, von 11 bis 16 Jahren eine VKL der Sekundarstufe I. Das Sprachniveau liegt bei Abschluss der Vorbereitungsklassen in der Regel bei A2 oder B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Mit insgesamt 304 Schülerinnen und Schülern in 21 Klassen ist die Zahl der Neuzugewanderten in Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen im Stadtgebiet im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Im Verlauf des Schuljahres 2020/21 erhöhte sich Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen um 23 Schülerinnen und Schüler, davon 19 in den Grundschulen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ein schulisches Angebot an der Landeserstaufnahmestelle Felsstraße bekommen, hat sich im Lauf des Schuljahres um 80 Prozent erhöht und lag im Juni 2021 bei 175 Schülerinnen und Schülern. 1. Allgemeinbildende Schulen Grundschulen mit Vorbereitungsklassen Neu zugewanderte Grundschulkinder können an acht Grundschulen im Stadtgebiet Karlsruhe eine Vorbereitungsklasse besuchen. Die Zuteilung erfolgt wohnortnah. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die einzelnen Grundschulen mit Anzahl der Vorbereitungsklassen sowie der Anzahl der Schülerinnen und Schüler zu zwei Erhebungszeitpunkten (Oktober 2020 und Juli 2021). Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen hat sich im Verlauf des Schuljahrs um 19 erhöht. Innerhalb der einzelnen Klassen sind zum Teil beträchtliche Schwankungen nach oben wie nach unten zu verzeichnen. So hat sich beispielsweise an der Hardtschule die Zahl der Schülerinnen und Schüler mehr als verdoppelt, während sie sich in der Schillerschule von anfänglich 50 auf 32 am Schuljahresende reduzierte. Gründe für diese Schwankungen können einerseits Zu- oder Wegzüge sein, andererseits unterjährige Übergänge in eine Regelklasse, denn die Verweildauer in den Vorbereitungsklassen ist individuell unterschiedlich. Tabelle 1: Grundschulen mit Vorbereitungsklassen Schuljahr 2020/21 Schule Klassen Schülerinnen und Schüler Oktober 2020 Juli 2021 davon weiblich GS Grünwinkel 1 17 14 5 Gutenbergschule 1 16 19 6 Hardtschule 1 12 25 13 Leopoldschule 1 18 27 10 Pestalozzischule 1 19 24 16 Schillerschule 4 50 32 14 Tullaschule 1 10 15 7 Waldschule Neureut 1 11 16 9 Summe 11 153 172 80 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 Der Anteil der Kinder in VKL-Grundschulklassen, die eine Staatsbürgerschaft der Europäischen Union haben, ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen (2019/20: 53 Prozent; 2020/21: 47 Prozent). Der Anteil der Schülerinnen und Schüler aus Südosteuropa, der sich im Vorjahr verdoppelt hatte, ist im Schuljahr 2020/21 in etwa gleich geblieben. Auch bei den anderen Regionen sind keine signifikanten Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen (siehe Abbildung 1). 6 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 1: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL-Grundschulklassen nach Regionen Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 Wie bereits in den vorherigen Jahren sind Schülerinnen und Schüler mit rumänischer Staatsangehörigkeit die mit Abstand größte Gruppe (siehe Abbildung 2). An zweiter Stelle folgen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und deutschem Pass. Ihre Anzahl ist im Vergleich zum vorherigen Schuljahr gleichgeblieben. Deutlich erhöht haben sich die Zahlen der Schülerinnen und Schüler aus Syrien (Vorjahr 3), Bosnien (Vorjahr 5) und Indien (Vorjahr 4). Abbildung 2: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach häufigster Staatsangehörigkeit Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 EU-Staaten 47% Südosteuropa 15% Osteuropa und Kaukasus 9% Naher und Mittlerer Osten 13% Afrika 6% Sonstige 10% Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL-Grundschulklassen nach Regionen 32 15 11 99 0 5 10 15 20 25 30 35 Rumänien Deutschland Syrien Bosnien Indien Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach häufigster Staatsangehörigkeit Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 7 Weiterführende Schulen mit VKL-Klassen Seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es Vorbereitungsklassen an allen weiterführenden Schularten. Allerdings bieten nur die Werkrealschulen Vorbereitungsklassen für alle Klassenstufen an. Die Realschul- und Gymnasial-Vorbereitungsklassen können lediglich in der Unterstufe besucht werden, die Klasse an der Gemeinschaftsschule frühestens ab Jahrgangsstufe sieben (siehe Tabelle 2). Bei der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler zeigte sich im Jahresverlauf nur ein geringfügiger Anstieg. Die extrem ungleiche Verteilung der Schülerinnen und Schüler zu Schuljahresbeginn (zwei Klassen mit insgesamt 60 Schülerinnen und Schülern an der Gutenbergschule, im Vergleich dazu deutlich geringere Klassengrößen an den übrigen Vorbereitungsklassen) stellte sich am Ende des Schuljahrs etwas ausgeglichener dar. Trotzdem lag die durchschnittliche Klassengröße an der Gutenbergschule auch im Juli 2021 mit 27,5 deutlich über dem Durchschnittswert der anderen Vorbereitungsklassen von 16,7 (siehe Tabelle 2). Tabelle 2: Vorbereitungsklassen an weiterführenden Schulen Schuljahr 2020/21 Weiterführende Schulen mit VKL Klassen Klassenstufen Schülerinnen und Schüler Oktober 2020 Juli 2021 davon weiblich Gemeinschaftsschule: 1 Ernst-Reuter-Schule 1 (7) -8 -9 17 14 4 Werkrealschulen: 5 Gutenbergschule 2 5 - 9 60 55 23 Pestalozzischule 2 5 - 9 30 36 12 Werner-von-Siemens-Schule 1 5 - 9 13 18 10 Gymnasium: 1 Otto-Hahn-Gymnasium 1 5 – 6 – (7) 17 18 6 Realschule: 1 Friedrich-Realschule 1 5 – 6 – (7) 14 14 8 Summe Weiterführende Schulen 8 151 155 63 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober 2020 Abbildung 3 veranschaulicht die Verteilung der VKL-Schülerinnen und -Schüler auf die verschiedenen Schularten. Ähnlich wie im Vorjahr besucht die überwiegende Mehrheit (70 Prozent) der Schülerinnen und Schüler eine Vorbereitungsklasse in einer Werkrealschule. Dort standen im Schuljahr 2020/21 fünf Klassen an drei Schulen zur Verfügung während in den anderen Schularten nur jeweils eine Klasse als Vorbereitungsklasse ausgewiesen ist. Abbildung 3: Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I Schuljahr 2010/21 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 14 109 18 14 0 20 40 60 80 100 120 GemeinschaftsschuleWerkrealschulen (3)GymnasiumRealschule Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I 8 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Wie bereits in den Berichten der Vorjahre wird die Einrichtung eines transparenten und am Bildungsstand der Kinder orientierten Verteilverfahrens dringend empfohlen. Auch in Bezug auf die Klassengrößen sollte angestrebt werden, dass die Schülerinnen und Schüler an allen Schularten unter vergleichbaren Voraussetzungen lernen können. Abbildung 4: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL-Klassen der Sekundarstufe I nach Regionen Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 In den Vorbereitungsklassen der weiterführenden Schulen ist die regionale Zusammensetzung der Schularten vergleichbar mit der in den Grundschul-VKL (siehe Abbildung 1). Auch hier bilden Schülerinnen und Schüler aus dem EU-Ausland die größte Gruppe, gefolgt von Südosteuropa. Die regionale Zusammensetzung hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht signifikant verändert. Abbildung 5: Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I nach häufigster Staatsangehörigkeit Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2021 Wie in den vorherigen Schuljahren bilden Schülerinnen und Schüler mit rumänischer Nationalität die mit Abstand größte Gruppe (siehe Abbildung 5). EU-Staaten 44% Südosteuropa 21% Osteuropa und Kaukasus 9% Naher und Mittlerer Osten 15% Afrika 3% Sonstige 8% Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL- Klassen der Sekundarstufe I nach Regionen 32 12 9 88 0 5 10 15 20 25 30 35 Rumänien Kroatien Serbien Syrien Italien Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I nach häufigster Staatsangehörigkeit Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 9 VKL-Klassen am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es ein staatliches Schulangebot für Kinder und Jugendliche aus den Karlsruher Landeserstaufnahmestellen (LEA) Durlacher Allee und Felsstraße. Schulorganisatorisch gehört die sogenannte Felsschule zur Schillerschule. Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe werden, seitdem die Schillerschule eine reine Grundschule ist, durch Lehrkräfte der Pestalozzischule unterrichtet. Die Zahl der an der Felsschule unterrichteten Kinder und Jugendlichen unterliegt starken Schwankungen. Zum Zeitpunkt der Schulstatistik (Oktober 2020) wurden insgesamt 97 Kinder und Jugendliche aus den Landeserstaufnahmestellen am Standort Felsstraße unterrichtet, davon 55 in der Primarstufe und 42 in der Sekundarstufe I. Dies entspricht in etwa den Werten des Vorjahres. Im Jahresverlauf erhöhte sich die Zahl der dort unterrichteten Kinder und Jugendlichen auf 175 in sechs Klassen. Dies bedeutet einen Anstieg von 80 Prozent innerhalb eines Schuljahres und einen Höchststand seit Einrichtung des Schulangebots an der LEA Felsstraße (siehe Tabelle 3). Für Kinder aus den Landeserstaufnahmestellen gibt es außerdem das ehrenamtlich organisierte Bildungsangebot „Lernfreunde“ des Kinderhilfswerks UNESON, das vor allem von Kindern aus der Landeserstaufnahmestelle Durlacher Allee besucht wird. Hierbei handelt es sich nicht um ein staatliches schulisches Angebot. Tabelle 3: Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) Felsschule Oktober 2020 Juni 2021 Grundschulstufe 55 (2 Klassen) 99 (3 Klassen) Sekundarstufe I 42 (2 Klassen) 76 (3 Klassen) Summe 97 175 Quelle: Stadt Karlsruhe Kam in den Vorjahren die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler aus Südosteuropäischen Ländern, so zeigte sich im Juni 2021 eine veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler aus Ländern des Nahen und Mittleren Ostens ist vergleichbar hoch wie der aus südosteuropäischen Ländern. 9 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen aus Ländern Osteuropas und des Kaukasus (siehe Abbildung 6). Abbildung 6: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) nach Regionen Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juni 2021 Südosteuropa 44% Osteuropa und Kaukasus 9% Naher und Mittlerer Osten 45% Afrika 2% Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) nach Regionen 10 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Auch wenn die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus der Landeserstaufnahmestelle regelmäßig starken Schwankungen unterliegt, zeigt sich doch im Verlauf der letzten drei Schuljahre eine signifikante Veränderung in der regionalen Zusammensetzung (siehe Abbildung 7). Abbildung 7: Herkunftsregionen der Schülerinnen und Schüler am Standort Felsstraße (Felsschule) 2018 bis 2021 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juni 2021 Stammten in den vergangenen Jahren die Schülerinnen und Schüler mit den am häufigsten vertretenen Staatsangehörigkeiten sämtlich aus Ländern des Westbalkans, so waren im Juni 2021 Schülerinnen und Schüler aus Syrien an erster und Schülerinnen und Schüler aus dem Irak an dritter Stelle (siehe Abbildung 8). Abbildung 8: Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße nach häufigster Staatsangehörigkeit Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juni 2021 80 42 78 16 26 78 7 3 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 11/201803/202006/2021 Herkunftsregionen der Schülerinnen und Schüler am Standort Felsstraße (Felsschule) 2018 bis 2021 SüdosteuropaOsteuropa und KaukasusNaher und Mittlerer OstenSonstige 40 34 30 18 16 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 SyrienSerbienIrakMazedonienBosnien Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße nach häufigster Staatsangehörigkeit Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 11 2. Berufliche Schulen Eingangsklassen während der vorläufigen Inobhutnahme Unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer (UMA), die an der Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe ankommen, werden vorläufig in Obhut genommen, weil sie als unbegleitete Minderjährige nicht allein in der Landeserstaufnahme verweilen dürfen. Die weitere Verteilung erfolgt nach Quoten in Städte und Landkreise im ganzen Bundesgebiet. Der Transfer in die aufnehmende Kommune muss nach §42a SGB VIII innerhalb von vier Wochen erfolgen. Geschieht dies nicht rechtzeitig oder gibt es Gründe, die gegen einen Transfer sprechen wie Krankheit, Verwandtschaftsbeziehungen vor Ort oder auch Verweigerung des Transports, verbleiben die Jugendlichen dauerhaft am Ort der vorläufigen Inobhutnahme, auch wenn dort die Quote bereits erfüllt ist. Die Zahl der vorläufigen Inobhutnahmen in Karlsruhe ist seit dem Höchststand im Jahr 2015 kontinuierlich gesunken und lag im Jahr 2020 bei 118 Fällen (siehe Abbildung 9). Im Jahr 2021 ist erstmals wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen (Stand Juli 2021). Abbildung 9: Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe Quelle: Statistisches Landesamt und Stadt Karlsruhe, Sozial- und Jugendbehörde In der Stadt Karlsruhe gibt es ein langjährig erprobtes Konzept zur Beschulung von vorläufig in Obhut genommenen UMA, das von der Heimstiftung Karlsruhe in Kooperation mit der Elisabeth-Selbert-Schule umgesetzt wird. Die Stadt Karlsruhe finanziert dafür eine Schulkoordinatorin bei der Heimstiftung Karlsruhe mit 50 Stellenprozenten. Nachdem im Schuljahr 2019/20 keine eigene Klasse für diese Gruppe an der Elisabeth- Selbert-Schule eingerichtet worden war, hat sich die Stadt Karlsruhe beim Regierungspräsidium Karlsruhe für die Fortführung der modellhaften Praxis eingesetzt. Für das Schuljahr 20202/21 wurde die Einrichtung einer VABO- Klasse für diese Zielgruppe genehmigt. Die Stadt Karlsruhe setzt sich für eine dauerhafte Einrichtung einer Klasse mit dem bewähren pädagogischen Konzept und damit für eine Fortführung der erfolgreichen Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe ein. VABO-Klassen Zugewanderte Jugendliche, die der Berufsschulpflicht (16-18 Jahre) unterliegen, werden in Baden-Württemberg in sogenannten VABO-Klassen unterrichtet. Ziel ist das Erlernen der deutschen Sprache und daran anschließend die Integration in weiterführende Bildungsgänge oder in eine Ausbildung. Die VABO-Klassen enden mit einer Sprachprüfung, die je nach Stand auf A2- oder B1-Niveau des europäischen Referenzrahmens abgelegt werden kann. VABO-Klassen gab es im Schuljahr 2020/21 an drei öffentlichen Berufsschulen in der Stadt Karlsruhe. An der Walter-Eucken-Schule wurde im Schuljahr 2020/21 keine VABO-Klasse eingerichtet. 982 730 355 195 133 118 93 0 200 400 600 800 1000 1200 201520162017201820192020bis 07/2021 UMA Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe 12 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 4: Schülerinnen und Schüler im VABO 2020/21 Schule Schülerinnen und Schüler Davon weiblich Schülerinnen und Schüler Ende Juli 2021 Carl-Hofer-Schule 11 2 12 Elisabeth-Selbert-Schule 1 28 11 38 Gewerbeschule Durlach 10 1 11 Gesamtergebnis 49 14 61 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Bei der Schülerzahl im VABO setzte sich der rückläufige Trend mit 49 im Vergleich zu 65 Schülerinnen und Schülern im Vorjahr fort (siehe Tabelle 4). Weibliche Schülerinnen machen rund ein Drittel der Schülerschaft aus. Ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren ist bei den Schülerinnen und Schüler aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara zu verzeichnen (Abbildung 10). Bei den übrigen Regionen gab es keine signifikanten Änderungen. Abbildung 10: Schülerinnen und Schüler im VABO nach Herkunftsregionen 2020/21 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus den Regionen mit Fluchtmigration deutlich gesunken ist, blieb die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus europäischen Ländern konstant. Sie machen nun knapp die Hälfte der Schülerschaft im VABO aus, ein knappes Drittel aller VABO-Schülerinnen und Schüler kommt aus EU- Staaten (siehe Abbildung 10 und Abbildung 11). 1 Mit Klasse für UMA in der vorläufigen Inobhutnahme. 45% 8% 14% 17% 2% 14% Schülerinnen und Schüler im VABO nach Herkunftsregionen 2020/21 EU-Staaten Südosteuropa Naher und Mittlerer Osten Afrika (Subsahara) Nordafrika Sonstige Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 13 Abbildung 11: Herkunftsregionen im VABO seit 2016 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik Wie in den Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen bildeten auch im VABO Schülerinnen und Schüler mit rumänischer Staatsangehörigkeit die mit Abstand größte Gruppe (12). An zweiter Stelle standen im Schuljahr 2020/2021 Schülerinnen und Schüler mit italienischer Staatsangehörigkeit (4). Andere Nationalitäten waren jeweils nur mit maximal zwei Schülerinnen oder Schülern vertreten. Abbildung 12 veranschaulicht den starken Rückgang der Schülerzahlen aus Ländern, die der Fluchtmigration zuzurechnen sind. Abbildung 12: Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schüler im VABO seit 2016 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 106 83 15 19 3 6 32 45 14 2 44 29 39 24 11 4 1 1313 20 11 2 5 7 8 22 4 1 7 0 20 40 60 80 100 120 Naher und Mittlerer Osten Afrika (Subsahara)EUSüdosteuropaNordafrikaSonstige Herkunftsregionen im VABO seit 2016 2016/172017/182018/192019/202020/21 16 8 69 18 16 35 14 9 15 8 15 11 17 12 11 66 2 5 12 2 4 1 0 1 12 1 2 1 2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Somalia Rumänien AfghanistanSyrien Eritrea Gambia Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schüler im VABO seit 2016 VABO 16/17VABO 17/18VABO 18/19VABO 19/20VABO 20/21 14 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe VAB-Regelklassen Das Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf in der Regelform (VABR) ist für die meisten Schülerinnen und Schüler aus dem VABO der nächste Schritt auf dem Bildungsweg. Das VABR dient der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss sowie der beruflichen Orientierung. Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Nationalität werden in der Schulstatistik ausgewiesen. Die Schulstatistik erlaubt keine Rückschlüsse darüber, wie lange sich diese Schülerinnen und Schüler in Deutschland aufhalten. Tabelle 5: Ausländische Schülerinnen und Schüler in VAB-Regelklassen Schule Ausländische SuS SuS insgesamt Carl-Hofer-Schule 20 66 Elisabeth-Selbert-Schule 44 80 Gewerbeschule Durlach 13 57 Gesamtergebnis 77 203 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Die Gesamtschülerzahlen im VABR bewegen sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Zurückgegangen ist jedoch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Nationalität von 48 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 37 Prozent im Schuljahr 2020/21 (siehe Tabelle 5 sowie Abbildung 13). Abbildung 13:Schülerinnen und Schüler im VABR seit 2016 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik VABKF sind Kooperationsklassen mit Förderschulen für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und sonderpädagogischem Förderbedarf. Sie werden in der Schulstatistik gemeinsam mit dem VABR ausgewiesen. Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus dem Nahen und Mittleren Osten im Vergleich zum Vorjahr annähernd stabil geblieben ist, setzte sich der kontinuierliche Rückgang von Schülerinnen und Schülern aus afrikanischen Ländern auch im Schuljahr 2020/2021 fort. Deutlich reduziert hat sich auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus Ländern der Europäischen Union von 35 im Schuljahr 2019/20 auf 15 im Schuljahr 2020/21. Leichte Zuwächse, allerdings auf niedrigem Niveau, gab es bei den Ländern Südosteuropas und Nordafrikas (siehe Abbildung 14) 301 335 250 211 203 170 226 135 102 77 0 50 100 150 200 250 300 350 400 2016/20172017/20182018/20192019/20202020/2021 Schülerinnen und Schüler Schülerinnen und Schüler im VABR seit 2016 VABR und VABKF gesamtdavon ausländisch Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 15 Abbildung 14: Herkunftsregionen im VABR seit 2016 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Erstmals sind Schülerinnen und Schüler aus Rumänien auch unter der ausländischen Schülerschaft im VABR die größte nationale Gruppe (Abbildung 15). Erst auf den Rängen zwei bis vier folgen Schülerinnen und Schüler aus den klassischen Ländern der Fluchtmigration, deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen ist. Abbildung 15 veranschaulicht die Entwicklung der Schülerzahlen aus verschiedenen Ländern im VABR seit 2016. Die höchsten Schwankungen sind bei Schülerinnen und Schülern aus Afghanistan zu verzeichnen. Auch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler aus Gambia ist seit 2016 deutlich zurückgegangen. Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus Syrien in den letzten drei Jahren konstant geblieben ist, ging die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus Rumänien im Schuljahr 2020/21 um mehr als die Hälfte zurück. Abbildung 15: Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schülern im VABR seit 2016 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 69 49 29 11 0 8 104 45 35 22 7 13 44 34 40 5 2 10 30 26 35 4 1 6 27 15 20 8 4 3 0 20 40 60 80 100 120 Naher und Mittlerer Osten Afrika (Subsahara) EU Südosteuropa Nordafrika Sonstige Herkunftsregionen im VABR seit 2016 2016/17 2017/182018/192019/202020/21 10 28 20 5 9 15 13 49 29 5 9 15 19 16 14 12 11 8 19 8 12 4 5 1 8 4 13 4 5 1 0 10 20 30 40 50 60 Rumänien Afghanistan SyrienItalienEritrea Gambia Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schülern im VABR seit 2016 2016/17 2017/182018/192019/202020/21 16 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Ausbildungsvorbereitung Dual Die Ausbildungsvorbereitung Dual (AVdual) ist ein berufsvorbereitender Bildungsgang, der im Rahmen der Modellregion Übergang Schule-Beruf in Karlsruhe an zwei beruflichen Schulen erprobt wird. AVdual ist gekennzeichnet durch einen hohen Praxisanteil in kooperierenden Betrieben und durch eine engmaschige sozialpädagogische Begleitung. Zum Schuljahr 2017/2018 wurde der Bildungsgang erstmals für junge Neuzugewanderte geöffnet. Hier lässt sich anhand der Schulstatistik nur die Zahl ausländischer Schülerinnen und Schüler feststellen, nicht aber, wer neu zugewandert ist und wer schon länger in Deutschland lebt. Im Unterschied zum VABR werden Neuzugewanderte in der AVdual immer integrativ, das heißt, gemeinsam mit den deutschsprachigen Schülerinnen und Schülern, unterrichtet. Tabelle 6: Ausländische Schülerinnen und Schüler in der Ausbildungsvorbereitung Dual Schule Ausländische SuS SuS insgesamt Anteil Carl-Hofer-Schule 14 36 39% Gewerbeschule Durlach 16 35 45% Gesamtergebnis 30 71 42% Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist im Schuljahr 2020/21 annähernd gleich geblieben, der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler in der AVdual hat sich im Vergleich zum Vorjahr (53 Prozent) nochmals deutlich verringert und lag bei 42 Prozent (siehe Abbildung 16). Abbildung 16: Schülerinnen und Schüler in der AVdual seit 2017 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Bei der Zusammensetzung nach Herkunftsregionen in der AVdual sind im Vergleich zum Vorjahr deutliche Rückgänge bei Schülerinnen und Schülern aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus den EU-Staaten zu verzeichnen, die im Vorjahr noch die größten Gruppen bildeten. Annähernd gleich geblieben ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler aus afrikanischen Staaten und aus Südosteuropa (siehe Abbildung 17). Schülerinnen und Schüler aus Rumänien und aus Syrien bilden mit je fünf Personen die größten nationalen Gruppen in der AVdual. 84 104 75 71 44 60 40 30 0 20 40 60 80 100 120 2017/20182018/20192019/20202020/2021 Schülerinnen und Schüler Schülerinnen und Schüler in der AVdual seit 2017 Avdualdavon ausländisch Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 17 Abbildung 17: Herkunftsregionen in der AVdual seit 2017 Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik Anteil der Mädchen und Frauen Abbildung 18 veranschaulicht die Entwicklung der ausländischen Schülerinnen und Schüler in berufsvorbereitenden Bildungsgängen. Bei insgesamt rückläufigen Schülerzahlen stieg ihr Anteil an den Gesamtschülerzahlen bis zum Schuljahr 2019/20 kontinuierlich an und betrug 39 Prozent. Im Schuljahr 2020/21 ging die Zahl der ausländischen Mädchen und jungen Frauen in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen drastisch zurück. Auch ihr Anteil an der gesamten ausländischen Schülerschaft sank von 39 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 29 Prozent im Schuljahr 2020/21. Der Trend zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis setzte sich damit nicht fort. Abbildung 18: Ausländische Schülerinnen und Schüler in VABO, VABR und AVdual seit 2016 nach Geschlecht Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik Während die Rückgänge im VABO und VABR nur wenige Prozentpunkte betragen, ist der Anteil in der AVdual von 53 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 23 Prozent im Schuljahr 2020/21 gesunken (siehe Abbildung 19). Von den insgesamt 30 ausländischen Schülerinnen und Schülern im AVdual waren lediglich sieben weiblich. 9 15 12 6 2 12 23 19 5 1 11 9 12 7 1 10 4 7 6 3 0 5 10 15 20 25 Afrika (Subsahara) Naher und Mittlerer Osten EU-Staaten Südosteuropa Sonstige Herkunftsregionen in der AVdual seit 2017 2017/182018/192019/202020/21 58 71 86 81 46 398 370 303 125 110 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 2016/172017/182018/192019/202020/21 Ausländische Schülerinnen und Schüler in VABO, VABR und AVdual seit 2016 nach Geschlecht SchülerinnenSchüler 18 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 19: Anteil der Frauen und Mädchen unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern im VABO, VABR und AVdual in Prozent Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik Die regionale Zusammensetzung hat sich bei den weiblichen Schülerinnen und Schülern nur unwesentlich geändert (siehe Abbildung 20). Nach wie vor kommt die Mehrheit aus europäischen Ländern, insbesondere aus EU-Staaten. Bei den männlichen Schülern hat sich der Anteil aus afrikanischen Ländern von 9 Prozent (2019/20) auf 28 Prozent im Schuljahr 2020/21 erhöht. Deutlich ist ein Rückgang männlicher Schüler aus Südosteuropa von 30 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 13 Prozent im Schuljahr 2020/21. Abbildung 20: Herkunftsregionen der Schülerinnen und Schüler in den Berufsvorbereitenden Bildungsgängen nach Geschlecht Quelle: Stadt Karlsruhe | Schulstatistik 2020/21 Wurde die Zusammensetzung der Schülerschaft in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen in den vergangenen Jahren tendenziell europäischer und mit höherem Anteil weiblicher Schülerinnen, so zeigt sich im Schuljahr 2020/21 ein uneinheitliches Bild. Bei insgesamt rückläufigen Zahlen ausländischer Schülerinnen und Schüler zeigen sich in den einzelnen Bildungsgängen VABO, VABR und AVdual unklare Entwicklungen. Ob es sich dabei um Veränderungen handelt, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurden oder ob – wegen der insgesamt geringeren Schülerzahlen – statistische Schwankungen deutlicher zu Buche schlagen, lässt sich auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Daten aktuell noch nicht interpretieren. 10 15 25 34 29 22 19 25 37 32 27 40 53 23 0 10 20 30 40 50 60 2016/172017/182018/192019/202020/21 Prozent Anteil der Frauen und Mädchen unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern im VABO, VABR und AVdual in Prozent VABOVABRAvdual 44% 17% 26% 9% 2% 2% Weibliche Schülerinnen EU Afrika (Subsahara) Naher und Mittlerer Osten Südosteuropa Nordafrika Sonstige 26% 28% 17% 13% 4% 12% Männliche Schüler Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 19 II. Situation und Unterstützungsangebote im zweiten „Corona-Schuljahr“ Das Schuljahr 2020/21 begann für alle Schularten und Jahrgangsstufen mit Präsenzunterricht, der auch bei steigenden Infektionszahlen bis kurz vor den Weihnachtsferien aufrechterhalten wurde. Ab dem 16. Dezember 2020 wurde bundesweit ein Lockdown verhängt, in Baden-Württemberg blieben Schulen und Kitas ab diesem Zeitpunkt geschlossen. Für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 7 sowie der SBBZ wurde eine Notbetreuung eingerichtet. Während Grundschulen und Kitas nach den Faschingsferien 2021 wieder öffneten (Grundschulen mit Wechselunterricht), ergaben sich für ältere Schülerinnen und Schüler erst später im Frühjahr Öffnungsperspektiven. Ab dem 19. April 2021 öffneten alle Schulen im Wechselunterricht. Im weiteren Verlauf wurde die Öffnung der Schulen an die Höhe der Inzidenz im jeweiligen Land- oder Stadtkreis gekoppelt: Für die Schulen in der Stadt Karlsruhe bedeutete dies, dass bei sinkender Inzidenz ab Mai 2021 der Übergang zu einem kontrollierten Regelbetrieb bei regelmäßiger Testung der Schülerinnen und Schüler nach den Pfingstferien bis zum Schuljahresende möglich wurde. Der Unterricht in den Vorbereitungsklassen orientierte sich dabei an den gültigen Regelungen für die jeweilige Schulart. 2 1. Digitale Ausstattung von Schülerinnen und Schülern Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich während des zweiten Lockdowns ab Dezember 2020 die Ausstattung mit oder alternativ der Zugang zu digitalen Endgeräten auch in den Vorbereitungsklassen gebessert. Mit dazu beigetragen hat die Anschaffung von mobilen Endgeräten mit Mitteln aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes. Die Ermittlung der Bedarfe und die Weitergabe an die Schülerinnen und Schüler erfolgte durch die Schulen. Für Schülerinnen und Schüler, die zuhause über keinen stabilen Internetzugang verfügten, wurden im Frühjahr 2021 außerdem LTE-Router und Mobilfunkkarten mit unbegrenztem Datenvolumen nach dem Education-Tarif beschafft. Allerdings blieb die Zahl der tatsächlich eingesetzten Geräte deutlich unter dem im Vorfeld ermittelten Bedarf. Durch die Bildungskoordination wurde im Rahmen der coronabedingten Schulschließungen eine Abfrage bei Lehrkräften der Vorbereitungsklassen bezüglich der Erreichbarkeit von Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern durchgeführt. Die Rückmeldungen ergaben, dass immer noch viele Schülerinnen und Schüler über die von den Schulen genutzten Lernplattformen nicht erreicht werden konnten, dem Onlineunterricht fernblieben oder teilweise gänzlich „abtauchten“. Auch die Erreichbarkeit der Eltern über diese Plattformen oder per Email gestaltete sich schwierig. 2. Digitale Schlüsselkompetenzen Es zeigte sich im zweiten Lockdown nochmals deutlicher, dass die technische Ausstattung zwar eine notwendige, in vielen Fällen aber keine hinreichende Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme an digitalen Unterrichtsformaten ist. Ein Großteil der Maßnahmen, die im Rahmen des REACT EU 2021- Soforthilfeprogramms des Europäischen Sozialfonds zur Bewältigung der Pandemiefolgen bewilligt wurden, konzentrierte sich daher darauf, benachteiligten Kindern und Jugendlichen die technischen und persönlichen Kompetenzen für digitales Lernen und generell für Schul- und Ausbildungserfolg im digitalen Zeitalter zu vermitteln. Die besonderen Bedarfslagen von Neuzugewanderten und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache wurden in der Förderung berücksichtigt. Durch das Homeschooling war der Schulerfolg jüngerer Kinder während des Lockdowns noch stärker abhängig von der Unterstützung ihrer Eltern als vor der Pandemie. Eltern, die selbst mit der Nutzung von Computern und digitalen Lernangeboten nicht vertraut waren, hatten Schwierigkeiten, ihre Kinder in schulischen Belangen angemessen zu unterstützen. Schülerinnen und Schüler aus Vorbereitungsklassen haben weitere Nachteile 2 Eine Chronologie der schulbezogenen Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg findet sich auf den Internetseiten der GEW Baden-Württemberg: https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/corona-rueckblick-2020/ 20 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe dadurch, dass ihre Eltern in der Regel geringe Deutschkenntnisse und wenig Wissen über das deutsche Schulsystem haben. Um diesem Umstand entgegenzuwirken und zu verhindern, dass Schülerinnen und deren Eltern den schulischen Anschluss gänzlich verlieren, starteten im Oktober 2021 Multiplikator*innenschulungen zu „Methoden zur Beratung und Begleitung von Familien beim digitalen Lernen und der Pandemiebewältigung“. Multiplikator*innenschulungen zu „Methoden zur Beratung und Begleitung von Familien beim digitalen Lernen und der Pandemiebewältigung“ Die Multiplikator*innenschulung vermittelt hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften in der Familienbegleitung grundlegende Kompetenzen in der Nutzung digitaler Medien und in der Begleitung von Familien bei der Bewältigung der Pandemieauswirkungen. Multiplikatoren sind in den Familien eine wichtige erste Ansprechperson, die bei Fragen und Problemen unterstützen und die Familien an Unterstützungsangebote weiterleiten können. Bei der Vermittlung der Beratungskompetenz wird Wert auf eine Elternbegleitung auf Augenhöhe gelegt, die die eigene Haltung reflektiert und ressourcenorientiert an Lösungen interessiert ist. Die Schulung berücksichtigt insbesondere die Bedürfnisse von Familien, die erst seit Kurzem in Deutschland leben oder aus anderen Gründen mit der deutschen Sprache noch nicht gut vertraut sind. Dabei werden städtische Netzwerke, wie Elternmentoren, Dolmetscherpool, Elterncafé genutzt, um die Familien zu stärken und ihre soziale Integration zu fördern. Darüber hinaus befähigt die Schulung die Mitarbeitenden dieser Netzwerke, ihre Arbeit auch digital durchzuführen, beispielsweise digitale Elterntreffen zu organisieren oder digital zu dolmetschen. 3. Kita und Übergang Kita-Grundschule Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Einschulungsuntersuchung in den Schuljahren 2019/20 und 2020/21 nicht planmäßig durchgeführt werden. Vollständige Daten liegen somit zuletzt für das Schuljahr 2018/19 vor. Einschulungsuntersuchung Bei der Einschulungsuntersuchung in der Stadt Karlsruhe im Untersuchungszeitraum 2018/19 gaben 9,4 Prozent (213) der Eltern der vier- bis fünfjährigen Kinder an, in den ersten drei Lebensjahren mit ihren Kindern kein Deutsch gesprochen zu haben. 34,6 Prozent (787) Eltern gaben an, dass sie mit ihnen mehrere Sprachen (inklusive Deutsch) gesprochen haben. Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung und somit ein Risiko für den Sprach- und Schriftspracherwerb zeigten in der Stadt Karlsruhe im Untersuchungszeitraum 2018/19 23,5 Prozent der vier- bis fünfjährigen Kinder. Die Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung waren bei Kindern mit Migrationshintergrund höher. Die Zunahme von Kindern aus geflüchteten Familien und gegebenenfalls Probleme, die durch die intrafamiliären Bedingungen der Lockdowns während der Corona-Pandemie entstehen, lassen vermuten, dass der Anteil an Kindern mit Auffälligkeiten in der Entwicklung eher noch ansteigt. Verein für Jugendhilfe Karlsruhe | Ausweitung des Bildungsprojekts BiZuKi auf den Elementarbereich (BiZuKi-E) Eine Erkenntnis aus dem Fachkräfteworkshop im Rahmen des IQ-Projektes „Durchgängige Sprachbildung“ war, dass es eine Bruchstelle für Kinder mit Sprachförderbedarf vom Elementarbereich in die Primarstufe gibt. Hier existiert in der Stadt Karlsruhe kein passendes Bildungsprojekt. Durch die coronabedingten Kitaschließungen wurde diese Bruchstelle gerade für Schulanfängerinnen und Schulanfänger verstärkt. Das Projekt BiZuKi-E startete bereits im Kindergartenjahr 2020/21 mit einer Pilotgruppe im Städtischen Kindergarten Dornwald in Karlsruhe-Durlach. Im Kindergartenjahr 2021/22 wird dieses Projekt auf insgesamt vier Kindergärten beziehungsweise -Tagesstätten in Durlach ausgeweitet. Das Angebot richtet sich explizit an Einrichtungen, die nicht am Bundesprogramm „Sprachkita – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ teilnehmen. Auch wurde bei der Auswahl der Einrichtungen hinsichtlich der Durchgängigkeit darauf geachtet, dass die Kinder nach ihrer Einschulung eine Grundschule besuchen werden, in der BiZuKi in der Primarstufe ebenfalls angeboten wird. Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 21 Die Förderung findet während des Kindergartenbetriebs in Kleingruppen mit drei bis vier Kindern in einem separaten Raum statt, so dass sich für die Eltern der Kinder keine zusätzlichen Hürden ergeben. Das Projekt richtet sich an Kindergartenkinder im letzten Jahr vor der Einschulung mit Förderbedarf in der deutschen (Bildungs-)Sprache. Diese Kinder sind zwischen fünf und sechs Jahre alt. Pro Kindergarten können zwei Gruppen angeboten werden. Insgesamt können im Rahmen des Programms maximal 32 Kinder gefördert werden. In Folgenden Einrichtungen wird BiZuKi-E angeboten:  Städtischer Kindergarten Dornwald  Melanchthon Kindergarten  Luther Kindergarten  Kindergarten am Basler Tor Der Umfang beträgt zwei Unterrichtseinheiten pro Woche. Geleistet werden die Lerneinheiten von Honorarkräften des Vereins für Jugendhilfe Karlsruhe e.V. Bei ihnen handelt es sich um Studierende des Lehramts oder Pädagogik der Kindheit an der PH Karlsruhe oder um weitere geschulte und geeignete Personen. BiZuKi-E versteht sich als Ergänzung der alltagsintegrierten Sprachförderung und setzt wesentliche Elemente daraus in der gezielten Sprachförderung um. Jeweils zu Beginn und zum Ende des Kindergartenjahres erfolgt eine Sprachstandserhebung. Diese dient als Grundlage für die Ausrichtung der individuellen Sprachförderung und auch zur zielgerichteten weiterführenden Förderung an der Grundschule. Ein erfahrenes Team des Vereins für Jugendhilfe unterstützt die Honorarkräfte und schult sie regelmäßig. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kindergartenleitung und Erzieherinnen und Erziehern ist eine Gelingensbedingung für das Projekt. Auch die Eltern werden mindestens einmal im Schuljahr über die Inhalte des BiZuKi-E Unterrichts, die Testergebnisse des Kindes und den Entwicklungsfortschritt des Kindes informiert. Bei Bedarf werden zusätzliche Förder- oder Beratungsangebote vermittelt. Kinderbüro | Kitalotsinnen der Stadt Karlsruhe Durch ihren kulturellen und sprachlichen Hintergrund (Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Bosnisch/Serbisch) helfen die fünf Karlsruher Kitalotsinnen seit 2019 Familien niederschwellig auf dem Weg in die Kindertagesbe- treuung, indem sie diese in ihrem Sozialraum direkt ansprechen, bei Bedarf zur Kita Servicestelle der Stadt Karls- ruhe begleiten oder entsprechende Anträge ausfüllen. Bei familiären Angelegenheiten, die außerhalb des Zugangs zur Kindertagesbetreuung liegen, vermitteln Kitalotsinnen an entsprechende Angebote in Karlsruhe weiter. Ein Schwerpunkt in der Arbeit der Kitalotsinnen, der sich im Schul- und Kindergartenjahr 2020/21 neu herausbildete, war die Betreuung und Beratung neuzugewanderter Familien mit Vorschulkindern ohne Kitaplatz. Hier sehen sich alle Beteiligten mit einer tiefgehenden Problematik konfrontiert, da jene Vorschulkinder ohne Kitaplatz, insbesondere bei Vorliegen eines Förderbedarfs, keine Möglichkeit haben, vor der Einschulung Kenntnisse in der deutschen Sprache zu erwerben und schulbezogene Fertigkeiten zu erlernen. So beginnen diese Kinder ihre schulische Biographie bereits mit einem massiven Defizit, das ihre Aussicht auf schulischen Erfolg verringert, ihre Integration gefährdet und sich im Verlauf ihrer schulischen Laufbahn noch verstärken kann. 4. Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen Wie die Abfrage der Bildungskoordination für Neuzugewanderte bei Lehrkräften an Vorbereitungsklassen ergab, waren sowohl die Schulen als auch die Träger der unterrichtsergänzenden Angebot auf die Situation des zweiten Lockdown besser vorbereitet und führten Unterricht und Lernangebote aus der Distanz fort. Sie zeigten sich flexibel in der Wahl der Medien, um die Schülerinnen und Schüler und ihre Familien möglichst gut zu erreichen. Trotzdem blieben Schwierigkeiten in der Kommunikation mit nicht-deutschsprachigen Familien weiterhin bestehen. Wie erfolgreich der Distanzunterricht umgesetzt werden konnte, war nicht nur abhängig vom Alter (besser bei älteren Schülerinnen und Schülern) und von der Schulart (besser an Schulen, die auf einen höheren Schulabschluss vorbereiten), sondern auch von der technischen Ausstattung und der Medienkompetenz der Lehrkräfte. Hier zahlte sich aus, wenn Schulen bereits vor der Pandemie aktiv Medienbildung betrieben haben und entsprechende Kompetenzen bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern aufgebaut haben. 22 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Anders als im ersten Lockdown hatten die Schulen während der Schulschließungen im Schuljahr 2020/21 mehr Ermessenspielraum, um Kinder, die schwierig zu erreichen waren oder in schwierigen Verhältnissen lebten, zur Notbetreuung zuzulassen. Davon profitierten auch Kinder in den Vorbereitungsklassen. In Bezug auf die Zusammenarbeit der Schulen mit den Kooperationspartnern gab es nach Rückmeldung der außerschulischen Träger große Unterschiede. So bekamen sie an manchen Schulen Zugang zu den im Unterricht genutzten Online-Plattformen, um die Schülerinnen und Schüler gezielt bei ihren Aufgaben unterstützen zu können, an anderen nicht. Da während der Pandemie die Unterstützungsangebote nicht in der gewohnten Form stattfinden konnten, lag es stark im Ermessen der einzelnen Schulleitungen, welche Möglichkeiten den außerschulischen Bildungspartnern eingeräumt wurden. Ob die Lehrkräfte einen kontinuierlichen Austausch mit den Projektleitungen und Honorarkräften pflegten und ob ihnen, sobald dies möglich war, Zugang zu Unterrichtsräumen gewährt wurde, um ihre Angebote durchzuführen, hatte große Auswirkungen darauf, wie effektiv sie die Schülerinnen und Schüler mit ihren Angeboten unterstützen konnten. Internationaler Bund Karlsruhe | Bildungsberatung für mehrsprachige Grundschulkinder und ihre Eltern Die Bildungsberatung für mehrsprachige Grundschulkinder und ihre Eltern ist ein städtisch unterstütztes Programm das vom Internationalen Bund durchgeführt wird. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern zu erhöhen, durch:  Deutschförderung für Grundschulkinder  Elterninformationskurse  Individuelle Beratung Das Projekt wird an verschiedenen Karlsruher Schulen für neuzugewanderte Kinder in Vorbereitungsklassen und Regelklassen angeboten. Zudem will Bildungsberatung die Eltern in ihrem Bildungsauftrag stärken, um eine Nachhaltigkeit der Maßnahme zu gewährleisten. Dazu werden Elterninformationskurse an Schulen mit Vorbereitungsklassen sowie Elternsprechtage in Regelklassen veranstaltet, und es wird individuelle Beratung angeboten. Das Projekt findet an folgenden Schulen statt:  Waldschule Neureut  Marylandschule  Werner-von-Siemens-Schule  Leopoldschule  Weinbrennerschule  Gutenbergschule  Friedrich-Ebert-Schule  Grundschule Grünwinkel  Hardtschule  Hans-Thoma-Schule  Schillerschule  Pestalozzischule  Schlossschule Abhängig von der aktuellen Inzidenz fand die Deutschförderung im Projekt Bildungsberatung phasenweise in Präsenz oder online statt. Darüber hinaus wurde Einzelförderung in den Räumen des Internationalen Bundes oder in den Schulen initiiert. Vereinzelt wurden Schülerinnen und Schüler im häuslichen Umfeld gefördert. Hierbei wurde auf die jeweils unterschiedlichen Vorgaben der Schulen eingegangen. Verein für Jugendhilfe Karlsruhe | BiZuKi Vergleichbar mit dem Angebot „Bildungsberatung“ bietet das Programm BiZuKi (Bildung und Zukunft für Kinder) Deutschförderung für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache sowie Information und Beratung für ihre Eltern an. Das Programm BiZuKi wurde im Schuljahr 2020/21 durch den Verein für Jugendhilfe Karlsruhe an folgenden Grundschulen im Stadtgebiet angeboten:  Adam-Remmele-Schule  Eichendorffschule  Nebeniusschule  Nordschule Neureut  Pestalozzischule Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 23  Rennbuckelschule  Südendschule  Viktor-von-Scheffel-Schule Im Zeitraum Juni 2021 bis Juli 2021 wurde das Projekt auf die Grundschule Daxlanden ausgeweitet: An den acht Schulen, an denen das Bildungsprojekt zu Beginn der Schulschließungen bereits etabliert war, fand der Förderunterricht ab Schließung der Schulen bis Ende Mai 2021 in Form von Telefonsprechstunden, die durch analoge Materialien ergänzt wurden, statt. In vielen Gruppen, in denen ein digitales Endgerät im Haushalt der Kinder vorhanden war, konnten digitale Unterrichtsstunden durchgeführt werden. Die unterrichtsergänzenden Materialpakete wurden je nach Möglichkeit den Familien in ausgedruckter Form postalisch oder digital zugesandt. Die Telefonsprechstunden oder digitalen Unterrichtsstunden fanden in dem Umfang statt, in dem auch der Präsenzunterricht stattgefunden hätte. Bezüglich der Elternarbeit fand während der Schulschließung eine Intensivierung statt. Insbesondere während der Telefonsprechstunden ergab sich bei vielen ein regelmäßiger, wöchentlicher Austausch. Das jährliche Elterngespräch fand pandemiebedingt ausschließlich telefonisch statt. Internationaler Bund Karlsruhe | Hausaufgabenhilfe Die Hausaufgabenhilfe richtet sich an Kinder mit Migrationshintergrund und an deutsche Kinder mit Sprachförderbedarf. Sie wird regulär an folgenden Grundschulen in Präsenz an der Schule angeboten:  Marylandschule  Nebeniusschule  Tullaschule  Werner-von-Siemens-Schule  Grundschule Grünwinkel  Gutenbergschule  Hardtschule  Grundschule Knielingen Pandemiebedingt wurde das Alternativangebot der Hausaufgaben-Hotline entwickelt und durchgeführt. Hierbei zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der Flexibilität und Unterstützungsangebote der Schulen und Rektorate, mit denen sich das Bildungsprojekt konfrontiert sah. Allgemein lässt sich formulieren, dass weniger Schülerinnen und Schüler die Hausaufgaben-Hotline in Anspruch nahmen als in regulären Zeiten an den Präsenzstunden teilnehmen. Ganztagsangebot für Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen Starten konnte im Schuljahr 2021/22 das Pilotprojekt „Ganztagsangebot für Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen“. In einer Kooperation von Schillerschule, Stadtjugendausschuss e.V. und Schul- und Sportamt wurden zwei Stellen für Freiwillige im Sozialen Jahr geschaffen, um Schülerinnen und Schülern die Teilnahme am Ganztagsangebot an der Schillerschule zu ermöglichen. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe konnte als Partnerin für die wissenschaftliche Begleitung gewonnen werden. Das Projekt wurde von einer Studentin des Masterstudiengangs „Interkulturelle Bildung, Migration und Mehrsprachigkeit“ evaluiert. Eine Fortführung des Projekts an der Schillerschule und seine Ausweitung auf andere Grundschulen mit Vorbereitungsklassen ab dem Schuljahr 2022/23 wurde vom Gemeinderat im September 2021 beschlossen. Internationaler Bund Karlsruhe | Quereinsteiger Das Programm des Internationalen Bunds unterstützt Schülerinnen und Schüler aller Schularten, die als Quereinsteiger ab Klassenstufe sechs ins Bildungssystem aufgenommen werden. Ziele des Programms sind der Aufbau der schriftlichen und mündlichen Sprachkompetenz als Integrationsvoraussetzung sowie Aufarbeitung individueller Wissenslücken, Vermittlung sozialer und interkultureller Kompetenzen, Orientierung im neuen Sozialraum und Unterstützung bei der Planung des Bildungs- und Ausbildungsweges. Das Programm findet an allen Schulen der Sekundarstufe I mit Vorbereitungsklassen statt:  Otto-Hahn-Gymnasium  Werner-von-Siemens-Schule  Friedrich-Realschule  Ernst-Reuter-Schule 24 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe  Pestalozzischule  Gutenbergschule Bis Ende Mai 2021 fanden an den meisten Schulen die Unterrichtsstunden des Bildungsprojekt online statt. Je nach Inzidenz waren phasenweise Regelkurse in Präsenz möglich. An der Gutenbergschule kamen von Januar 2021 bis nach den Pfingstferien keine Kurse zustande. Laut Aussagen der Lehrkraft waren die meisten Schülerinnen und Schüler nicht imstande, sprachlich oder technisch gesehen, am Onlineunterricht teilzunehmen. An allen anderen Schulen lief das Projekt im Onlineformat und, wenn möglich, in Kleingruppen in Präsenz. Internationaler Bund Karlsruhe | PaxxAn In diesem Projekt steht das Erreichen guter Schulabschlüsse an den Haupt- und Werkrealschulen im Mittelpunkt – die Basis für eine Ausbildung. Die Schülerinnen und Schüler werden besonders in den prüfungsrelevanten Fächern gefördert. An den kooperierenden Schulen finden ab Klasse sieben wöchentliche Förderkurse in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch statt. In den Abschlussklassen werden zusätzlich Prüfungsvorbereitungskurse angeboten. Während der Osterferien konnten die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer der Prüfungsvorbereitungskurse zusätzlich einen 4-tägigen Intensivkurs für zwei prüfungsrelevante Fächer belegen. Der Intensivkurs fand an der Carlo-Schmid-Schule statt, die sich in Trägerschaft des Internationalen Bunds befindet. Das Bildungsprojekt PaxxAn wird an folgenden Schulen angeboten:  Anne-Frank-Schule  Gutenbergschule  Lidellschule  Pestalozzischule  Vogesenschule Je nach vorliegender Inzidenz fanden die Regelkurse teilweise in Präsenz oder in Form eines Online-Angebots statt. Zwei Kurse wurden ausschließlich online durchgeführt. An der Werner-von-Siemens-Schule kamen coronabedingt im Schuljahr 2020/21 keine Kurse zustande. Alle Anläufe scheiterten im Zusammenhang mit Corona an organisatorischen Hürden. Für die Klassenstufen acht bis zehn wurde eine Mathe-Hotline angeboten, welche anonym per Messengerdienst, SMS oder telefonisch genutzt werden konnte. Tiyatro Diyalog | Theaterprojekte an Schulen Die durch das Büro für Integration geförderten Theaterprojekte wurden während der Schulschließungen je nach Schule unterschiedlich weitergeführt und im Folgenden erläutert:  Pestalozzischule Das Projekt mit einer Vorbereitungsklasse wurde von Januar bis Mai 2021 unterbrochen und im Mai 2021 fortgesetzt. Die Proben fanden dann in Präsenz 1-2mal wöchentlich statt. Zu einer Aufführung kam es nicht.  Drais Gemeinschaftsschule An dieser Schule wurden kleine Theaterprojekte mit zwei 5. Klassen und einer 6. Klasse durchgeführt. Zum Abschluss kam es zu einer Aufführung für alle Klassen in der Günther-Klotz-Anlage Karlsruhe.  Erich-Kästner-Schule Hier wurden Projekte mit der 5. und 6. Klasse durchgeführt. Die Projekte mit den Inklusionsklassen erfolgten auf Basis von Theaterelementen und Puppenbau ausschließlich online. Am Ende entstand eine Kurzpräsentation per Video. 5. VABO und berufliche Schulen Auch während des zweiten Lockdowns standen die Lehrkräfte der berufsvorbereitenden Bildungsgänge und insbesondere im VABO vor großen Herausforderungen. Die wenigsten jungen Neuzugewanderten verfügten über eine angemessene technische Ausstattung, um am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Darüber hinaus befinden sich viele in schwierigen Wohnsituationen. Eine Befragung der Jugendhilfeträger ergab, dass die Wohngruppen, in denen unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer (UMA)untergebracht sind, Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 25 nicht für die Situation eines flächendeckenden Homeschoolings für alle ihre Bewohnerinnen und Bewohner ausgerüstet waren. Auch dort, wo Ausstattung vorhanden war oder über die Schule ausgeliehen werden konnte, zeigte sich, dass insbesondere Jugendliche mit wenig Schulerfahrung die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nur mit engmaschiger pädagogischer Unterstützung bewältigen konnten. Bei vielen Jugendlichen fehlte es nicht nur an technischen und digitalen Grundkenntnissen, sondern auch an Kompetenzen wie Selbständigkeit und an der Fähigkeit, Themen eigenständig zu erarbeiten. Junge Neuzugewanderte am Übergang Schule-Beruf gehörten damit zu den Gruppen, die von den negativen Folgen der Lockdowns besonders betroffen waren, insbesondere dann, wenn sie aus ihren Herkunftsländern keine solide Grundbildung mitbrachten. Die während des zweiten Lockdowns erhobenen Bedarfe dieser jungen Menschen sind in die Ausschreibung des REACT EU 2021- Soforthilfeprogramms des Europäischen Sozialfonds zur Bewältigung der Pandemiefolgen in der Stadt Karlsruhe eingeflossen und wurden in Projekten, welche die Vermittlung sozialer und digitaler Schlüsselkompetenzen zum Ziel haben, entsprechend berücksichtigt. Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH (afka) | arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit Die bei der Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH beschäftigten Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter wurden mit technischen Hilfsmitteln wie Diensthandy und Laptop ausgestattet, um so auch während des Lockdowns arbeitsfähig zu bleiben. Ebenso erfolgte eine Umstellung der persönlichen Unterstützungsangebote auf Online-Beratung, zum Beispiel über Soziale Medien. Eine kontinuierliche Schulsozialarbeit in Krisenzeit wurde somit sichergestellt. Zusätzlich wurden „Walk an Talk“-Treffen im Freien angeboten, um persönliche Beziehungen aufrecht zu erhalten. Parallel fand ein regelmäßiger, digitaler fachlicher Austausch im Team statt. Ebenso startete die Schulsozialarbeit der afka 2021 eine Vermittlungsinitiative mit dem Ziel, unversorgte Jugendliche in eine Ausbildung zu bringen. Zielgruppe sind insbesondere junge Geflüchtete mit Hauptschulabschluss sowie benachteiligte Jugendliche. Internationaler Bund Karlsruhe | SCHEFF Das Projekt richtet sich an junge Flüchtlinge und Migranten aus VABO-, VAB- und AVdual-Klassen an beruflichen Schulen. In Kleingruppen werden sie auf ihrem Weg zur Ausbildung begleitet. Das Angebot besteht aus drei Bausteinen:  Spracherwerb  Matheförderung  Berufsorientierung und wird an folgenden Schulen angeboten:  Walter-Eucken-Schule  Carl-Hofer-Schule  Elisabeth-Selbert-Schule  Gewerbeschule Durlach Mit dem zweiten Lockdown wurde das Bildungsprojekt auf Online-Unterricht umgestellt. Hierbei verstärkte sich der Bedarf an Einzelförderung im Gegensatz zu Gruppenangeboten. Dieser konnte von Seiten des Bildungsträgers gedeckt werden. Allen Teilnehmenden konnte Online-Hilfe angeboten werden. Wenige haben wohl tatsächlich die minimalsten technischen Voraussetzungen nicht. Es bestand zudem ein deutlicher Mangel an Tablets oder Laptops. Auch wurde nach Ende der Schulschließungen von Seiten der Schülerinnen und Schüler rückgemeldet, dass sie auch weiterhin eine Einzelförderung bevorzugen würden, was perspektivisch in die Ausrichtung des Projekts einfließen wird. Internationales Begegnungszentrum Karlsruhe | Perspektive Now Plus Das Tandemprojekt Perspektive Now Plus unterstützt neuzugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zur Integration. Als unterstützende Maßnahmen wurden in Zeiten des Lockdowns und der Schulschließungen 1:1-Nachhilfemöglichkeiten für Tandempartnerinnen und -partner und diverse Gruppenaktivitäten angeboten, die sowohl online als auch in Präsenz stattfanden. Des Weiteren fanden wöchentlich eine offene Sprechstunde sowie telefonische Beratung statt. 26 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Sprachkurse für Junge Migrantinnen und Migranten nach der VwV Deutsch 3 Die Sommerintensivkurse nach der Verwaltungsvorschrift Deutsch konnten 2021 planmäßig in Präsenz stattfinden. Zielgruppe sind junge Migrantinnen und Migranten, die sich am Übergang von der Schule in die Ausbildung befinden. In Kooperation mit dem Landratsamt Karlsruhe wurden zwei Kurse à 150 Stunden mit Zielniveau B1 sowie ein Kurs mit Zielniveau B 2 eingerichtet. Die Kurse wurden durch den Internationalen Bund Karlsruhe durchgeführt. Aus der Stadt Karlsruhe nahmen 14 Personen an den B1-Kursen und sechs an den B2- Kursen teil. Die B1-Kurse schlossen mit einem skalierten Test ab (DTZ). Hier erreichten zehn Personen das Niveau B1 und vier Personen das Niveau A2. Wie bereits in den vorherigen Jahren wurde für Jugendliche, die das für die Teilnahme erforderliche Sprachniveau von A2 noch nicht erreichten, ein vierwöchiger Sonderkurs eingerichtet. 6. Interkulturelle Elternarbeit Interkulturelle Elternmentor*innen Das Programm „Interkulturelle Elternmentor*innen“ der gemeinnützigen Elternstiftung Baden-Württemberg ist im Januar 2020 mit zehn ausgebildeten Elternmentorinnen gestartet. Eine im Februar 2020 gestartete zweite Schulung für weitere 20 Elternmentorinnen musste wegen der Corona-Pandemie unterbrochen werden und konnte erst im Frühjahr 2021 in Form einer Online-Schulung mit reduzierter Teilnehmerzahl wieder aufgenommen werden. Die im Rahmen der Schulungen qualifizierten ehrenamtlichen Elternmentorinnen sind unter anderem tätig an Schulen, in Elterncafés, als Mitarbeiterinnen im städtischen Programm „Kitalotsinnen“, im Übergangswohnheim Bernsteinstraße, in Migrantenvereinen und im privaten Umfeld. Leider konnte der Ausbau des Programms wegen der Corona-Pandemie und wegen begrenzter Schulungskapazitäten der gemeinnützigen Elternstiftung Baden-Württemberg auch 2021 nicht im ursprünglich geplanten Umfang erfolgen. Schulung der Leitungen der Interkulturellen Elterntreffs zur Orientierung in Kita, Schule und Gesellschaft: Neu zugezogene Eltern begleiten und unterstützen Ein weiterer Baustein der Elternarbeit in Karlsruhe sind die interkulturellen Elterntreffs, die an neun Karlsruher Grundschulen von verschiedenen Trägervereinen angeboten und durch die Stadt Karlsruhe finanziert werden. Die Leitungen der Elterntreffs sind für viele Eltern Ansprechpersonen in schulischen Fragen und bieten niederschwellig Information und Unterstützung an. Umso wichtiger ist es, dass sie als Multiplikatorinnen über verlässliche Informationen verfügen und ihr Wissen gut strukturiert weitergeben können. Aus diesem Grund wird im Frühjahr 2022 eine Fortbildung für diese Zielgruppe stattfinden, die im Rahmen eines Pilotprojekts von der gemeinnützigen Elternstiftung Baden-Württemberg mit der Bildungskoordination der Stadt Karlsruhe konzipiert wurde. Eltern, die neu nach Baden-Württemberg kommen, sind meist nicht mit dem hiesigen Bildungssystem vertraut und suchen nach Orientierung. Leitende von Elterncafés sind hier oftmals erste Ansprechpartner. Um die Leitenden bei Ihrer Tätigkeit zu unterstützen, hat die Elternstiftung Baden-Württemberg einen speziellen Schulungsordner entwickelt. Er enthält sowohl hilfreiche Informationen zum Bildungssystem als auch praktische Tipps zur Begleitung neu zugezogener Eltern. Im Rahmen der Veranstaltung wird der Ordner „Orientierung in Kita, Schule und Gesellschaft“ vorgestellt und aufgezeigt, wie die Leitungen der interkulturellen Elterncafés die einzelnen Module des Ordners in ihrer Arbeit einsetzen können. Dabei werden sie von einer professionellen Trainerin der Elternstiftung Baden-Württemberg begleitet, die sowohl bei den Inhalten als auch bei der praktischen Anwendung unterstützt. Ziel der Veranstaltung ist es, die Leitenden der interkulturellen Elterncafes mit den einzelnen Themenbereichen vertraut zu machen, ihnen Sicherheit in der Nutzung des Ordners zu vermitteln und so wertvolles Handwerkszeug für die Begleitung neu zugezogener Eltern zu geben. Die Schulung wird in Präsenz an zwei Tagen im Schuljahr 2021/22 durchgeführt. AWO Karlsruhe gGmbH Alle internationalen Elterntreffs der Arbeiterwohlfahrt waren auch während des Lockdowns in digitaler Form geöffnet. Dies war durch die Einführung telefonischer Sprechzeiten und Beratung via Email, Messenger-Diensten 3 Sprachförderprogramm des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg. Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 27 oder Videoplattformen problemlos möglich. Alle Eltern durften sich ohne Anmeldung spontan zu den üblichen Öffnungszeiten melden und sich mit aktuellen Themen Rat und Unterstützung einholen. Ebenso wurden Informations- und Newsletter erstellt und regelmäßig in den gebildeten Chatgruppen versandt. Diese beinhalteten unter anderem Ideen für die Beschäftigung mit Kindern im Freien, Bedeutung von Nähe und Distanz für Eltern und Kinder, Hinweise auf Webinare des Kinderbüros sowie aktuelle Informationen zum Thema Corona. Für Familien, die vor allem auch bedingt durch die Corona-Krise in prekäre familiäre Situationen kamen, welche ohne Unterstützung von außen nicht tragbar waren, haben die Elterntreffleitungen Hausbesuche und Einzelkontakttermine angeboten. Sowohl die haupt- als auch die ehrenamtlich Mitarbeitenden der Arbeiterwohlfahrt standen in direktem Kontakt zu ihren Klientinnen und Klienten. Ebenfalls fand eine enge Vernetzung mit den im Stadtteil ansässigen Startpunkt-Cafes statt. Verein für Jugendhilfe Karlsruhe Das Elterncafe an der Nebeniusschule wurde während des Lockdowns in Form eines digitalen Zoom-Meetings durchgeführt. Am Ende des Schuljahres konnte ein Treffen in Präsenz stattfinden. An der Schillerschule wurden im Rahmen des Elterncafes ebenfalls digitale Meetings angeboten. Vereinzelt wurden Referenten zu aktuellen Themen eingeladen. In den Videokonferenzen vermittelten die Elterncafeleitungen wichtige Informationen wie Angebote des Kinderbüros, Informationen zu Corona in verschiedenen Sprachen, Informationen zur schulischen Unterstützung in der Pandemie und zum Thema häusliche Gewalt. 7. Unterstützung für Geflüchtete Caritasverband Karlsruhe | Soziale Beratung und Begleitung in den städtischen Übergangsunterkünften zur Unterstützung der Schulkinder In den Übergangsunterkünften finden regelmäßig vor Ort die Angebote Kindertreff inklusive Hausaufgabenbetreuung und Vorschulgruppe statt. Diese Angebote wurden fortlaufend an die jeweils geltenden Corona-Bestimmungen angepasst und konnten zum Teil mit beschränkter Teilnehmendenzahl vor Ort beziehungsweise online und telefonisch lückenlos durchgeführt werden. Zu Beginn des Kalenderjahres 2021 startete das Projekt „Übergangsunterkunft geht online“ für das die Caritas Unterstützung durch das Programm „Bürgermentoren für die digitalen Medien“ des Amts für Stadtentwicklung erhielt. In den Räumen der Übergangsunterkunft Bernsteinstraße 13 wurden Laptops bereitgestellt, welche die Familien in Begleitung von Ehrenamtlichen nutzen konnten. Ziel des Projekts ist es, die Familien und Schülerinnen und Schüler beim Umgang mit digitalen Lernplattformen zu unterstützen. Darüber hinaus wurden die Mitarbeitenden der Caritas in den Übergangsunterkünften durch zwei Interkulturelle Elternmentorinnen unterstützt. 8. Institutionen- und altersübergreifende Unterstützungsangebote Isis Chi Gambatte | Besser Deutsch sprechen“ Die richtige deutsche Aussprache entscheidet im Alltag oder am Telefon darüber, wie gut Menschen verstanden werden. Eine gute Aussprache und reiches Vokabular sind Türöffner und drücken Kompetenz aus. Dabei hilft ein spezielles Training, welches durch den Einsatz künstlerischer und schauspielerischer Elemente in diesem Projekt vermittelt wird. Während des Lockdowns und der Schulschließungen konnte das Projekt uneingeschränkt sowohl durch Anpassung der Gruppengröße und Frequenz als auch durch Online-Unterricht durchgeführt werden. 28 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Landsmannschaft der Deutschen aus Russland | Alle unter einem Dach Alle Angebote für Kinder der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland wurden während der Schulschließungen online weiterentwickelt und umgesetzt. Diverse Arbeitsblätter wurden versendet, Online- Lernprogramme wurden angeboten, Lehrvideos verschickt, digitale Mal- und Bastelangebote bereitgestellt. Sobald der Inzidenzwert dies zuließ, wurde Hausaufgabenbetreuung im 1:1-Kontext für Schülerinnen und Schüler, neuzugewanderte Familien und Vorschulkinder angeboten. Auch die geleistete Elternarbeit wurde telefonisch beziehungsweise digital fortgeführt. Eltern wurden über diverse Angebote der Stadt informiert; Eltern- und Beratungsgespräche wurden geführt. Fazit und Ausblick Das Schuljahr 2020/21 stellte alle am Schulleben Beteiligten erneut vor große Herausforderungen. So sah sich die Gesellschaft nicht nur mit einem erneuten Lockdown, sondern auch mit noch länger andauernden Schulschließungen und massiven Kontaktbeschränkungen konfrontiert, welche gerade die Schülerinnen und Schüler der Vorbereitungsklassen und deren Familien in besonderer Weise betrafen. Auch während der erneuten Schulschließungen im ersten Drittel des Jahres 2021 konnten nicht alle Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkräfte und Mitarbeitende der Bildungsprojekte durchgehend und zuverlässig erreicht werden. Somit konnte eine angemessene Unterstützung aller Schülerinnen und Schüler im Homeschooling nicht gewährleistet werden. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: fehlende Deutschkenntnisse bei den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern, soziale Isolation der neuzugewanderten Familien, welche durch die Kontaktbeschränkungen noch verschärft wurde, fehlende technische Ausstattung oder eine Internetverbindung, die nicht ausreichte, um am digitalen Homeschooling teilnehmen zu können. Rückmeldungen der befragten Lehrkräfte in Vorbereitungsklassen ergaben, dass einige Schülerinnen und Schüler und deren Eltern in Zeiten der Schulschließungen für die jeweilige Schule kaum oder gar nicht greif- und erreichbar waren und daher den Anschluss nicht halten konnten. Schulen und Bildungspartner stehen nun vor der immensen Herausforderung, die pandemiebedingt entstandenen Lücken zu schließen um nachhaltig negative Konsequenzen für die Bildungsverläufe der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verhindern oder abzumildern. Für die neu zugewanderten Kinder im Kita-Alter geht es vor allem darum, sie in der Zeit bis zum Schuleintritt so gut wie möglich auf die Schule vorzubereiten. Dies kann nur gelingen, wenn diese Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen. Basierend auf dem zurückliegenden Schuljahr 2020/21 ergeben sich für die Bildungskoordination der Stadt Karlsruhe folgende Themenbereiche, die in den kommenden Monaten verstärkt zu bearbeiten sind: Neuzugewanderte Vorschulkinder ohne Kitaplatz In den zurückliegenden Monaten waren nicht nur die Schulen, sondern auch die Kindertageseinrichtungen monatelang geschlossen, sodass die Kinder diese nicht nur nicht besuchen konnten, sondern auch keine neuen Kinder aufgenommen und eingewöhnt werden konnten. Besonders betroffen von dieser Situation waren neuzugewanderte Kinder im vorletzten und letzten Kindergartenjahr. Für Kinder, die kurz vor der Einschulung nach Karlsruhe zuziehen, war es schon in der Vergangenheit schwierig, einen Kitaplatz zu bekommen. Im Berichtszeitraum häuften sich die Fälle, in denen Kitalotsinnen neuzugewanderte Kinder in dieser Altersgruppe nicht an Kindertageseinrichtungen vermitteln konnten. Diese Kinder hatten somit keine Möglichkeit, in der Kita wichtige schulbezogene Fertigkeiten zu erwerben und in der Kita erste Deutschkenntnisse zu erwerben. Dies sind denkbar schlechte Voraussetzungen für den weiteren Bildungsweg. Damit neuzugewanderte Kinder im späten Vorschulalter von den neu eingeführten Maßnahmen profitieren können, muss sichergestellt werden, dass sie auch einen Kitaplatz bekommen. Dies ist aktuell nicht gewährleistet. Hiervon berichteten im Schuljahr 2020/21 regelmäßig auch die städtischen Kitalotsen und Kitalotsinnen. Dezernat 3 | Schul- und Sportamt | 29 Durchgängige Sprachbildung Das vergangene Schuljahr und die damit verbundenen Einschränkungen haben bereits vorhandene Bruchstellen in der Bildungsbiographie Karlsruher Kinder und Jugendlicher noch vertieft. Gerade im Bereich der Sprachförderung konnten viele Bildungsprojekte über Monate nur rudimentär durchgeführt werden, was neben dem schulischen Bereich auch für den Elementarbereich gilt. Daher sollen in den kommenden Monaten bereits vorhandene Förderprojekte ausgeweitet und neu entstandener Bedarf, wie zum Beispiel digitales Lernen, durch entsprechende Angebote gedeckt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist auch in diesem Bereich die Drittmittelakquise, die stärker als bisher in den Blick genommen wird. Aufholen von Lernlücken in der Schule Um dabei zu helfen, pandemiebedingte Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2020/21 zu schließen, hat die Landesregierung Baden-Württemberg das Programm „Bridge the Gap“ („Überbrücke die Lücke“) aufgelegt. Dieses Unterstützungsangebot bot Schulen die Möglichkeit, nach den Pfingstferien bis zu den Sommerferien Lehramtsstudierende für den Abbau von Lernrückständen einzusetzen. Bereits im ersten Pandemiejahr initiierte das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg das Programm „Lernbrücken“. Das Programm fand auch im Sommer 2021 statt. Beginnend mit dem Schuljahr 2021/22 startet landesweit das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“. Auch damit sollen pandemiebedingte Lernrückstände bei den Schülerinnen und Schülern aufgeholt werden. Zur Umsetzung des Programms greift das Land sowohl auf die Unterstützung von Einzelpersonen mit pädagogischer Qualifikation zurück als auch auf die Unterstützung von Kooperationspartnern wie beispielsweise Weiterbildungsträger wie Volkshochschulen oder Nachhilfeinstitute. Die Unterstützung soll durch Förderangebote sowohl innerhalb der Schulzeit als auch additiv in Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Schulsozialarbeit, der Jugendhilfe und anderen Institutionen erfolgen. Auch sollen die Möglichkeiten des schulischen Ganztags genutzt werden können. Die Umsetzung vor Ort liegt in Verantwortung der jeweiligen Schulen. Im Bereich der Grundschulen wird die Ausweitung des Pilotprojekts „Ganztagsangebot für Schülerinnen und Schüler aus Vorbereitungsklassen“ auf weitere Ganztagsgrundschulen in Karlsruhe vorbereitet und soll zum Schuljahr 2022/23 starten. Elternarbeit Viele Eltern waren im vergangenen Schuljahr 2020/21 mit den für sie gestiegenen Anforderungen und der damit einhergegangenen Mehrbelastung überfordert. Daher wird sich die Bildungskoordination dem Thema Elternarbeit in den kommenden Monaten mit verstärkten Schulungsangeboten, insbesondere für Honorarkräfte und Ehrenamtliche in der interkulturellen Elternarbeit, annehmen. Eltern sind unsere wichtigsten Bildungspartner und spielen eine maßgebliche Rolle für den Bildungserfolg ihrer Kinder. Insbesondere die Sprachkurse mit Kinderbetreuung sollen weiter ausgebaut werden. Sprachförderung während der Ausbildung Auszubildende mit Sprachförderbedarf haben grundsätzlich die Möglichkeit, an Kursen zur Berufsbezogenen Deutschförderung teilzunehmen, die durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert werden. In der Vergangenheit zeigte sich, dass dies häufig für die Auszubildenden zeitlich und organisatorisch nicht umzusetzen war. Eine Flexibilisierung der Förderformate ermöglicht nun die Einrichtung von Berufsbezogenen Sprachkursen für Auszubildende direkt an den Beruflichen Schulen. Auch die Inhalte und die zeitliche Dauer können besser an die Bedarfslagen der Auszubildenden angepasst werden. Der Aufbau solcher auf Langfristigkeit angelegter Kooperationen zwischen Schulen und Kursträgern erfordert einen hohen Koordinationsaufwand, der aber insbesondere bei Berufsfeldern, die für die Fachkräftesicherung auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland angewiesen sind, gerechtfertigt sein kann. Die Umsetzbarkeit solcher Angebote für ausgewählte Berufsbilder an Beruflichen Schulen in Karlsruhe soll im Verlauf des Schuljahrs 2021/22 geprüft werden. 30 | Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungen Abbildung 1: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL-Grundschulklassen nach Regionen ................................ 6 Abbildung 2: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach häufigster Staatsangehörigkeit ............................................ 6 Abbildung 3: Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I Schuljahr 2010/21 ..................... 7 Abbildung 4: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler in den VKL-Klassen der Sekundarstufe I nach Regionen................... 8 Abbildung 5: Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe I nach häufigster Staatsangehörigkeit ................ 8 Abbildung 6: Staatsangehörigkeit der Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) nach Regionen ................. 9 Abbildung 7: Herkunftsregionen der Schülerinnen und Schüler am Standort Felsstraße (Felsschule) 2018 bis 2021 ......................... 10 Abbildung 8: Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße nach häufigster Staatsangehörigkeit ....................................... 10 Abbildung 9: Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe ........................ 11 Abbildung 10: Schülerinnen und Schüler im VABO nach Herkunftsregionen 2020/21 ..................................................................... 12 Abbildung 11: Herkunftsregionen im VABO seit 2016 ................................................................................................................... 13 Abbildung 12: Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schüler im VABO seit 2016 .................................................................... 13 Abbildung 13:Schülerinnen und Schüler im VABR seit 2016 ........................................................................................................... 14 Abbildung 14: Herkunftsregionen im VABR seit 2016 .................................................................................................................... 15 Abbildung 15: Staatsangehörigkeit von Schülerinnen und Schülern im VABR seit 2016 .................................................................. 15 Abbildung 16: Schülerinnen und Schüler in der AVdual seit 2017 .................................................................................................. 16 Abbildung 17: Herkunftsregionen in der AVdual seit 2017............................................................................................................. 17 Abbildung 18: Ausländische Schülerinnen und Schüler in VABO, VABR und AVdual seit 2016 nach Geschlecht .............................. 17 Abbildung 19: Anteil der Frauen und Mädchen unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern im VABO, VABR und AVdual in Prozent ........................................................................................................................................................................................ 18 Abbildung 20: Herkunftsregionen der Schülerinnen und Schüler in den Berufsvorbereitenden Bildungsgängen nach Geschlecht ...... 18 Tabellen Tabelle 1: Grundschulen mit Vorbereitungsklassen Schuljahr 2020/21 ............................................................................................. 5 Tabelle 2: Vorbereitungsklassen an weiterführenden Schulen Schuljahr 2020/21 .............................................................................. 7 Tabelle 3: Schülerinnen und Schüler am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) ................................................................................... 9 Tabelle 4: Schülerinnen und Schüler im VABO 2020/21 ................................................................................................................. 12 Tabelle 5: Ausländische Schülerinnen und Schüler in VAB-Regelklassen ......................................................................................... 14 Tabelle 6: Ausländische Schülerinnen und Schüler in der Ausbildungsvorbereitung Dual ................................................................. 16