Evalutation Pilotprojekt "Ganztagsangebote für Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen (VKL)"
| Vorlage: | 2021/1484 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 01.12.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Schul- und Sportamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SuS Evaluation Pilotprojekt „Ganztagsangebote für Schülerinnen und Schüler in Vorberei- tungsklassen (VKL)“ Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Schulbeirat 15.12.2021 5 X Migrationsbeirat 08.03.2022 X Information (Kurzfassung) Der Schulbeirat und der Migrationsbeirat nehmen Kenntnis. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzü- glich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Das Projekt „Ganztagsangebote für Schülerinnen und Schüler in VKL-Klassen“ startete im Schuljahr 2020/2021 in die Pilotphase an der Schillerschule Karlsruhe. Ziel des Projekts ist, neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern in Vorbereitungsklassen die Teilnahme an der Ganztagsgrundschule zu ermöglichen. Da vom Land Baden-Württemberg dafür keine Res- sourcen bereitgestellt werden, wurden zur pädagogischen Unterstützung zwei Freiwillige im Sozialen Jahr eingesetzt. Die Stellen werden durch die Stadt Karlsruhe finanziert. Im Zusammenhang mit der Projektplanung wurde auch ein Evaluationskonzept erstellt. Vor- gesehen war die Evaluation in folgenden Teilbereichen: 1. Organisation und Zusammenarbeit in der pädagogischen Umsetzung des Projekts 2. Stellenprofil und Aufgaben der Freiwilligen im Sozialen Jahr 3. Mehrwert des Projekts für die beteiligten Kinder aus Vorbereitungsklassen 4. Mehrwert des Projekts für die Eltern der beteiligten Kinder Die Evaluation des Teilbereichs 1 (Organisation und Zusammenarbeit in der pädagogischen Umsetzung des Projekts) erfolgte durch den Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe in Abstim- mung mit der Schulleitung der Schillerschule. Die Evaluation des Teilbereichs 2 (Stellenprofil und Aufgaben der Freiwilligen im Sozialen Jahr) erfolgte durch die Bildungskoordination für Neuzugewanderte im Schul- und Sportamt. Als Kooperationspartnerin für die Evaluation konnte Prof. Dr. Annette Treibel-Illian (Pädagogi- sche Hochschule Karlsruhe) gewonnen werden. Fragestellungen aus dem Bereich 3 (Mehrwert des Projekts für die beteiligten Kinder aus Vorbereitungsklassen) wurden durch die Studentin Carla Cardoso im Rahmen einer Studienarbeit im Masterstudiengang „Integration, Migration und Mehrsprachigkeit“ behandelt. Auswirkungen der Corona-Pandemie Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen im Schulbetrieb hat- ten erhebliche Auswirkungen auf das Projekt und somit auch auf die Durchführung der Evalu- ation. Durch die Schulschließungen im Winter 2020/21 war eine kontinuierliche pädagogische Arbeit, welche die Voraussetzung für eine entsprechende Entwicklung der sprachlichen und sozialen Kompetenzen der beteiligten Kinder bildet, nicht möglich. Dies hatte Folgen für die Durchführung der Evaluation und damit auch für die Aussagekraft der erzielten Ergebnisse. Die im Evaluationsdesign des Teilbereichs 3 angelegte Beobachtung der Schülerinnen und Schüler zu mehreren Zeitpunkten im Schuljahr konnte wegen der Diskontinuitäten im Schul- betrieb nur mit erheblichen Einschränkungen durchgeführt werden. Da wegen der Pandemie- lage keine Aktivitäten mit Beteiligung der Eltern stattfanden, konnte der Teilbereich 4 (Mehr- wert des Projekts für die Eltern der beteiligten Kinder) nicht evaluiert werden. Ergebnisse 1. Organisation und Zusammenarbeit in der pädagogischen Umsetzung des Projekts (stja und Schulleitung Schillerschule) Die Freiwilligen im Sozialen Jahr erwiesen sich als wichtige Bezugspersonen und „Interessen- vertretung“ für die Kinder der Vorbereitungsklassen im Ganztag. Durch sie gab es an den Vormittagen für die Lehrkräfte praktische Entlastung. Im Ganztagsbetrieb am Nachmittag be- deutete das Projekt für die pädagogischen Fachkräfte sowie die im Nachmittag eingesetzten – 3 – Lehrkräfte zunächst eine Doppelbelastung: Es wurden nicht nur die Kinder der Vorbereitungs- klassen zusätzlich aufgenommen, auch die FSJ-Kräfte mussten zunächst eingearbeitet wer- den. Nach einer Zeit von circa zwei bis drei Monaten erwies sich auch hier die Arbeit der bei- den Freiwilligen entlastend beim Mittagessen, bei der Betreuung der Kinder am Nachmittag und auch bei organisatorischen Tätigkeiten. Was die Kommunikations- und Organisationstruktur betrifft, so wurde in den ersten Wochen des Projekts klar, dass die FSJ-Kräfte feste Ansprechpersonen sowohl für ihre Aufgaben am Vormittag als auch am Nachmittag brauchen. Beim wöchentlichen Jour fixes zwischen Schulleitung und Teamleitung wurden aktuelle The- men, die das Projekt betreffen, besprochen. Zwischen den Lehrkräften und den pädagogi- schen Fachkräften fanden nahezu täglich kurze Tür- und Angel-Gespräche statt. Von Anfang an waren die FSJ-Kräfte bei der täglichen Mittagsbesprechung des pädagogischen Teams des stja zur Organisation und Planung des Nachmittags dabei. Die FSJ-Kräfte konnten in diesen Mittagsgesprächen wichtige Themen aus dem Vormittag in den Nachmittag transportieren. Als positiv hat sich erwiesen, dass sowohl die Schulleitung als auch die Teamleiterin der päda- gogischen Fachkräfte des stja das gesamte Projekt im Blick hatten. Die Teamleiterin spielte in der Kommunikation eine Schlüsselrolle, sie war die Haupt-Ansprechpartnerin für die FSJ- Kräfte. In der Phase der Notgruppenbetreuung im Ganztag wurden die Kinder aus den Vorberei- tungsklassen seitens der Schule speziell angesprochen und zur Teilnahme ermuntert. Die ursprüngliche Idee, einen gemeinsamen Start-Workshop zum Onboarding aller Beteiligten durchzuführen, musste im September 2020 aufgrund der Pandemie-Situation zurückgestellt werden und wurde nicht umgesetzt. „Wir bedauern, dass im vergangenen Schuljahr unter Pandemiebedingungen keine zusätzli- chen Kommunikationsstrukturen mit Eltern aufgebaut werden konnten, da wir den Kontakt insbesondere zu den Eltern der Kinder aus Vorbereitungsklassen als relevant für deren Ent- wicklung ansehen. Wir beurteilen das Projekt dennoch als gelungen, nicht zuletzt, weil alle Beteiligten zu einer Atmosphäre des wertschätzenden Miteinanders beitrugen. Gut gelungen ist es sowohl dem Team der pädagogischen Fachkräfte als auch den Lehrkräften, die Kinder am Nachmittag beim freien Sprechen zu fördern. Dies gelang auch in der Peer-Group, auch wenn pandemiebedingt nicht klassen- oder altersübergreifend gearbeitet werden konnte“, so das gemeinsame Fazit von stja und Schulleitung Schillerschule. 2. Stellenprofil und Aufgaben der Freiwilligen im Sozialen Jahr (SuS) Der Einsatz der Freiwilligen im Sozialen Jahr ist ein wesentlicher Baustein des Projekts. Sie soll- ten die VKL-Schülerinnen und Schüler im Schulalltag begleiten und die pädagogische Arbeit im Ganztag unterstützen. Gleichzeitig sollten die Aufgaben der Freiwilligen so gestaltet sein, dass sie bewältigbar sind, die persönliche Entwicklung fördern und Selbstwirksamkeitserfah- rungen bieten. Für die Evaluation wurden zu verschiedenen Zeitpunkten des Schuljahrs 2020/21 drei Leitfadeninterviews mit den beiden Freiwilligen geführt. Die Freiwilligen zeigten eine hohe Identifikation mit dem Projekt und seinen Zielen, auch wenn im Schulalltag von ihnen ein hohes Maß an Flexibilität und Belastbarkeit gefordert war. Die Perspektive der Freiwilligen war in Bezug auf die Organisation eine wichtige Rückkopp- lung, um Anfangsschwierigkeiten in der Abstimmung zu überwinden und zu einer guten Zu- sammenarbeit aller Beteiligten im pädagogischen Alltag des Projekts zu finden. Nach anfängli- – 4 – cher Unsicherheit über die eigene Rolle im Projekt erlangten die Freiwilligen zunehmend Si- cherheit. Ihr jugendliches Alter und ihre ganztägige Präsenz im Schulalltag förderten den Auf- bau von vertrauensvollen Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern. Die Möglichkeit, Nähe zu den Schülerinnen und Schülern herzustellen und sie in ihrer Entwicklung zu unter- stützen, bezeichneten beide Freiwilligen als eine der wichtigsten positiven Erfahrungen in ih- rer Tätigkeit. Pandemiebedingt gestaltete sich auch der Alltag für die Freiwilligen anders als geplant. Insbe- sondere die Zeit des Lockdowns, aber auch die immer gegenwärtigen Abstands- und Hygie- nevorschriften während der Präsenzzeiten erlebten sie für ihre Arbeit als einschränkend und in den Auswirkungen auf manche Kinder als sehr belastend. Dass sie trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen ihre Zeit an der Schillerschule als äußerst positiv und gewinnbringend einschätzten, lässt darauf schließen, dass sich die Freiwilligen an der Schule gut begleitet und wertgeschätzt gefühlt haben und dass das Projekt einen sinnvollen Rahmen für den Einsatz von Freiwilligen im Sozialen Jahr bietet. 3. Mehrwert des Projekts für die beteiligten Kinder aus Vorbereitungsklassen (Zusammen- fassung Studienarbeit PH Karlsruhe) Die Bearbeitung dieses Teilbereiches erfolgte extern durch eine Studienarbeit von Carla Cardoso im Rahmen des Masterstudiengangs „Interkulturalität, Migration und Mehrsprachig- keit“. In der Arbeit war vorgesehen, die Entwicklung der Sprach- sowie der Sozialkompeten- zen der Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Punkten im Verlauf des Schuljahrs zu be- obachten und auszuwerten, was pandemiebedingt nicht von der Studentin realisiert werden konnte. Ausgewertet wurden schließlich die dokumentierten Beobachtungen des pädagogi- schen Personals an zwei Erhebungszeitpunkten in der ersten und der zweiten Hälfte des Schuljahres. Durch die Diskontinuitäten im Schulbetrieb war jedoch die Anzahl der Kinder, de- ren Entwicklung an beiden Erhebungszeitpunkten dokumentiert werden konnte, sehr gering. Zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten war die Schule pandemiebedingt über einen län- geren Zeitraum geschlossen. An der von der Schule angebotenen Notbetreuung nahm nur ein Teil der Schülerinnen und Schüler teil. Am Ende des Schuljahrs wurden die Sprach- und Sozialkompetenzen von vierzehn Schülerin- nen und Schülern dokumentiert. Ein Großteil erreichte in beiden Bereichen hohe Werte. Drei der beobachteten Schülerinnen und Schüler erzielten allerdings in beiden Bereichen Werte, die deutlich unter dem Durchschnitt lagen. Bei den Schülerinnen und Schülern, die an beiden Erhebungszeiträumen beobachtet werden konnten, zeigte sich, dass nicht alle über das Schul- jahr hinweg Fortschritte bei der Sprachkompetenz erreichen konnten. Die Verfasserin legt eine Korrelation zwischen der regelmäßigen Teilnahme am Ganztagsangebot beziehungs- weise an der Notbetreuung und den erzielten Fortschritten in der Sprachkompetenz nahe. Durch die geringe Zahl der beobachteten Fälle ist die Aussagekraft allerdings eingeschränkt. Ergänzend zu den Beobachtungen der Kinder fand eine Befragung der pädagogischen Kräfte statt. Übereinstimmend wurde der Nutzen des Projekts für die soziale Integration und den Spracherwerb positiv beurteilt. Insbesondere die Möglichkeit, von anderen Kindern zu lernen und die deutsche Sprache selbständig im Alltag anzuwenden, wurden als förderlich für die In- tegration der Kinder beurteilt. Deutlich wurde aber auch, dass Kinder aus Vorbereitungsklas- sen im schulischen Ganztag einen hohen Bedarf an Aufmerksamkeit, Zeit und pädagogischer Unterstützung haben. Die Notwendigkeit einer begleitenden Elternarbeit wurde betont. – 5 – Die externe Evaluation bescheinigt dem Projekt die strukturellen Voraussetzungen, damit eine soziale Integration gelingen kann. Der Einsatz der FSJ-Kräfte sei sehr wichtig, um die Schüle- rinnen und Schüler aus Vorbereitungsklassen individuell unterstützen und begleiten zu kön- nen, aber auch als Entlastung für das pädagogische Team im Ganztag, da die Kinder aus Vor- bereitungsklassen bei der Zuteilung der Personalressourcen nicht berücksichtigt werden. Die Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass der schulische Ganztag als pädagogisches Set- ting das Potenzial besitzt, neu zugewanderte Kinder zu stärken und förderliche Lernarrange- ments im informellen Bereich zu schaffen. Die Möglichkeit, von anderen Kindern zu lernen, biete sich nicht nur im Bereich der Sprache, sondern auch im sozialen Verhalten: „Generell zeigt sich, dass durch das Beobachtungslernen die Kinder weniger Hemmungen haben und sich mehr zutrauen, und zwar nicht nur sprachlich, sondern auch im sozialen und emotiona- len Bereich.“ (Evaluationsbericht, S. 18). 4. Mehrwert des Projekts für die Eltern der beteiligten Kinder Da der Kontakt zu den Eltern pandemiebedingt stark eingeschränkt werden musste, konnte dieser Teilbereich nicht evaluiert werden. Ausblick Trotz der beschriebenen pandemiebedingten Einschränkungen konnte in den drei evaluierten Teilbereichen– jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln – ein positives Fazit gezogen wer- den. Die gewonnen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Projekts an der Schillerschule und für die geplante Ausweitung auf weitere Ganztagsschu- len mit Vorbereitungsklassen. Soweit die pandemische Lage es ermöglicht, sollten im weiteren Projektverlauf auch die Elternarbeit und eine sprach- und kultursensible Fortbildung der im Ganztag eingesetzten Teams umgesetzt werden. Der Erfolg des Projekts zeigt sich an der Schillerschule auch darin, dass bereits im zweiten Jahr mehr Kinder aus Vorbereitungsklassen angemeldet wurden als aktuell aufgenommen werden können. Dieser Umstand zeigt aber auch, dass eine vollumfängliche Integration der Kinder aus Vorbereitungsklassen in den Ganztag nur durch die Bereitstellung entsprechender Perso- nalressourcen durch das Land Baden-Württemberg ermöglicht werden kann. Festzuhalten ist, dass es am Nachmittag einen Mehraufwand an pädagogischer Arbeit gibt, der sich jedoch aus der Sicht aller Beteiligten lohnt, nicht nur für die Kinder aus den Vorberei- tungsklassen, sondern für alle am Ganztag Beteiligten.