Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe
| Vorlage: | 2021/1465 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 25.11.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Daxlanden, Durlach, Grünwinkel, Hagsfeld, Knielingen, Mühlburg, Stupferich |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 25.01.2022
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt
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Extrahierter Text
S t a d t + R e g i o n a l e n t w i c k l u n gH a n d e lM a r k e t i n gD i g i t a l e S t a d tM a n a g e m e n tW i r t s c h a f t s f ö r d e r u n g I m m o b i l i e n S t a d t + R e g i o n a l e n t w i c k l u n gH a n d e lM a r k e t i n gD i g i t a l e S t a d tM a n a g e m e n tW i r t s c h a f t s f ö r d e r u n g I m m o b i l i e n STADT KARLSRUHEAktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Abschlusspräsentation15. Oktober 2021 Bildquelle: Stadt Karlsruhe (karlsruhe-erleben.de); Foto: Laila Tkotz STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse AGENDA 2 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHEEINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035FLÄCHENANGEBOTGEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGE BOT FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN Veränderung der Ausgangslage seit Erstellung des Ge werbeflächengutachtens 2012 - Beschäftigtenprognose im Jahr 2012 basierte auf bun desweit noch deutlich geschwächter Wirtschaftslage - Einschätzung der Verfügbarkeit der Potenzialfläche n in privatem Eigentum war zu optimistisch - deutlich stärkere Umsätze von Gewerbegrundstücken in kommunalem Eigentum im Zeitraum 2010 bis 2020 al s 2001 bis 2010 - keine hinreichende Anpassung auf den Ebenen der vo rbereitenden und der verbindlichen Bauleitplanung Marktgleichgewicht zwischen Gewerbeflächenbedarf un d Flächenangebote muss in Frage gestellt werden Um das Handlungserfordernis für Maßnahmen der Gewerbeflächen entwicklung entsprechend zu untersuchen und zu präzisieren, wurde die Aktualisierung der 2012 erstellten Gewerbeflächen - untersuchung beauftragt 3 1 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHE STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Leitbranchen und Kompetenzfelder Karlsruhe ist Dienstleistungsstandort Beschäftigtenanteil des tertiären Sektor über 84% ( Deutschland: rd. 71%) Beschäftigtenzuwachs des Dienstleistungssektors zwi schen 2008 und 2019 bei 21,25% nahezu alle dem tertiären Sektor zugehörigen Wirtsc haftsabschnitte zwischen den Vergleichsjahren 2008 und 2019 positiv entwickelt Karlsruhe verfügt über einen sehr hohen relativen Anteil an FuE-Beschäftigten , die sich in verschiedenen privaten sowie öffentlichen wissenschaftlichen Einr ichtungen konzentrieren Hinzu kommen zahlreiche forschungsintensive Wirtschaftsunternehm en am Standort Karlsruhe Kultur- und Kreativwirtschaft weist einen starken Wachstumspfad auf und nimmt ein e gewichtige Rolle ein. Jeder zehnte Betrieb ist diesem Bereich zuzuordnen. 4 1 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHE STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Branchenportfolio-Analyse 5 Wirtschaftsstandort Karlsruhe 1 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHE STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arb eit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 6 Gefahren der jüngeren Entwicklung 1 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHE STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Wachstum des BIP je Einwohner nicht auf Niveau der Nachbarkreise, sowie unter Landes- und Bundesdurchschnitt* Anstieg der verfügbaren Einkommen der priv. Haushalte je Einwohner hinter Landes- und Bundesentwicklung* Branchenstruktur- verschiebungen - Verluste im verarbeitenden Gewerbe Stark steigende Zahl an Auspendlern Zuwachs sozial- versicherungspflichtig Beschäftigter nicht auf dem Niveau vergleichbarer Standorte* Gefahren der jüngeren Entwicklung Fiskalische Auswirkungen durch Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik- u.a. schwächeres Wachstum der Gewerbesteuer und Einkommenssteuer je Einwohner Relevante Stellschrauben- Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Gewerbe- und Wirtschaftsflächen- Proaktive Wirtschafsförderung mit Ziel der Schaffung und Einhaltung qualifizierter Arbeitsplätze am Standort * Ergebnisse entnommen aus: Zwischenbericht zur „Bedarfsanalyse für ein Gründerzentrum für das Handwerk und Gewerbe/Gewerbezentrum in Karlsruhe“; CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH; 2021 AGENDA 7 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHEEINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035 TRENDBASIERTE GEWERBEFLÄCHENBEDARFSPROGNOSE FLÄCHENANGEBOTGEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGE BOT FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse 2 EINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035Methodik Absoluter Flächenbedarf 2035 Bedarf durch Wachstum bestehender Betriebe Bedarf durch Neuansiedlungen/ Neugründungen Bedarf durch innerörtliche Verlagerung Freies Flächen- potenzial in Folge z.B. von Schließungen Ggf. Zusätzlicher Flächenbedarf 2035 Absoluter Flächenbedarf 2035 Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlagerungen = + + - = – Trendbasierte Flächenbedarfsprognose (cima-Modell) 8 Prognose-Modell Gewerbeflächenbedarf Gewerbeflächenpotenzial STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Flächenpotenziale im FNP – Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose 9 2 EINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose Beschäftigtenprognose der Stadt Karlsruhe (2019 – 20 35)* 10 2 EINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (AO) Anmerkung: * Im Modell werden die o.g. Beschäftigtenprogno sen (18 Branchen) in einem ersten Schritt mittels Gewichtun gen insgesamt 8 Unternehmenstypen zugeordnet. Erst im weit eren Verlauf der Prognose werden die Beschäftigten der Unterneh menstypen mittels Affinitäten (wie viel % entfällt auf Gewe rbeflächen), in Verbindung mit verschiedenen Kennziffern (Flächenkennziffer, Verlagerungs-, Neuansiedlungs- und Wiedernutzungsquote) in einen damit verbundenen Gewerbef lächenbedarf umgerechnet. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: Eigene Berechnungen CIMA Beratung + Managem ent GmbH, 2021 Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose Flächenbedarf entsprechend der Trendprognose** (202 1-2035, netto), nach Standorttypen Der absolute Gewerbeflächenbedarf der Stadt Karlsruhe liegt im Prognosezeitraum 2021 bis 2035 demnach bei 146,5 ha (netto). Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Flächenbedarf von 9,77 ha (netto). 11 ** Der errechnete Flächenbedarf ergibt sich aus der Zunahme der SvB (vgl. Folie 9) und der jeweiligen Flächenkennziffer (beanspruchte Fläche eines SvB) einer jeden Unternehmensgruppe 2 EINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Standorttypen UnternehmenstypenEmissionsintensives verarbeitendes Gewerbe u.ä. 3,5 0,8 0,0 0,0 1,1 5,4 Emissionsarmes verarbeitendes Gewerbe u.ä. 4,8 40,8 0,0 0,0 0,0 45,6 Baugewerbe 0,9 15,0 0,0 0,9 0,9 17,8 Logistik und Lagerhaltung 2,6 4,5 0,0 0,0 4,5 11,7 Forschung und Entwicklung 0,4 1,1 5,3 0,4 0,0 7,2 Wirtschaftsnahe Dienstleistungen 0,0 13,1 32,9 6,6 0,0 52,6 Sonstige Dienstleistungen 0,0 1,7 1,7 0,8 0,0 4,2 Großhandel 0,0 2,0 0,0 0,0 0,0 2,0 SUMME in ha 12,2 79,1 39,9 8,7 6,6 146,5 Anteile insgesamt in % 8,4% 54,0% 27,2% 6,0% 4,5% 100,0% SUMME Industriegebiete "Klassische" Gewerbegebiete Bürostandorte "urbane" Gewerbestandorte Sonderstandorte Anmerkung: Summenabweichungen aufgrund von Rundungsfehl ern * Sonderstandorte betreffen hier vorwiegend solche Stando rte, die sich an überwiegend verkehrsintensive Branchen ri chten. Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 * AGENDA 12 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHEEINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035FLÄCHENANGEBOT INNENENTWICKLUNGSPOTENZIALE UND ANGEBOT AUS VERLAGE RUNGEN FLÄCHENPOTENZIALE IM FNP GEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND -ANG EBOT FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Freie Flächenpotenziale der Gewerbestandorte und -b ereiche sowie Entwicklungsflächen 13 3 FLÄCHENANGEBOT STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Anmerkung: Mitteilungen der Stadt Karlsruhe, Stand: 2020 ( private und städtische gewerbliche Baugrundstücke). Die Z uordnung der kommunalen Flächenpotenziale zu Standorttyp en wurde von der cima auf Grundlage eines Abgleichs mit den Gewerbeflächens teckbriefen des 2012 erstellten Gutachtens vorgenommen. H ierdurch sind kleinere Zuordnungsfehler nicht auszuschli eßen. Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlage rungen Standorttyp ha (netto) davon kommunal (ha) davon privat (ha) Prozent (gesamt) Bestand mit Baurecht Bestand ohne Baurecht Erwerb von Gewerbe-Grundstücken Industriegebiete 1,28 0,27 0,0 0,0 1,01 2,4 % „Klassische“ Gewerbegebiete 39,69 8,30 3,51 26,29 1,59 75,1 % Bürostandorte 11,31 4,95 2,26 3,29 0,81 21,4 % „urbane“ Gewerbestandorte 0, 57 0,0 0,49 0,0 0,08 1,1 % Sonderstandorte 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0% SUMME 52,85 13,5 2 6,26 29,58 3, 49 100% Standorttyp ha (netto) davon kommunal (ha) davon privat (ha) Prozent (gesamt) Bestand mit Baurecht Bestand ohne Baurecht Erwerb von Gewerbe-Grundstücken Industriegebiete 0,47 0,27 0,0 0,0 0,20 1,7 % „Klassische“ Gewerbegebiete 18,45 8,30 3,51 6,32 0,32 67,2 % Bürostandorte 8,03 4,95 2,26 0,66 0,16 29,2 % „urbane“ Gewerbestandorte 0, 51 0,0 0,49 0,0 0,02 1,8 % Sonderstandorte 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0% SUMME 2 7,45 13,5 2 6,26 6,97 0, 70 100% Freie Flächenpotenziale unter Berücksichtigung der Verfügbarkeiten 27,45 ha (2012: 55,5 ha) realistisch verfügbare Bestandspotenziale und Gewerbe-Grundstüc ke 14 3 FLÄCHENANGEBOT STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Anmerkung: Die Bewertung der realen Verfügbarkeit folgt de r Methodik des 2012 erstellten Gutachtens. Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlage rungen FNP-Flächen zur Vermeidung von Angebotsdefiziten Im FNP dargestellte Flächen sollten den ermittelten Bedarf, nach Abzug der Innenentwicklungspotenziale sowie dem Angebot aus Verlagerungen, im Prognosezei traum übersteigen, um in den letzten Jahren der Gültigkeit des FNP weiterhin über Potenziale zu ver fügen und handlungsfähig zu sein. Gewerbeflächenmonitoring zur Vermeidung von Engpäss en im Zeitintervall von 3 bis 5 Jahren ist zwingend erforderlich, um frühzeitig auf veränderte Nachfrag esituationen reagieren zu können. 15 3 FLÄCHENANGEBOT STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Flächenpotenziale im FNP Fortschreibung des FNP 2030 Empfehlungen des 2012 erstellten Gutachtens zur züg igen Entwicklung der geeigneten FNP-Potenziale und gleichzeitiger Suche von Alternativstandorten für d ie „Tauschflächen“ wurde politisch nicht entsproche n. Im Ergebnis der aktuellen Planungen zum FNP 2030 ve rringert sich das rechnerische Potenzial von 126,2 ha auf lediglich noch 114,3 ha (brutto) , was einem verbleibenden Nettoflächenpotenzial von rd. 80,0 ha entspricht (vgl. folgende Folie). Wesentliche Ursache dafür ist, dass in quantitative r Hinsicht insbesondere kein entsprechender Ersatz zu empfohlenen Tauschflächen geschaffen wird. 16 3 FLÄCHENANGEBOT STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Flächenpotenziale im FNP Fortschreibung des FNP 2030 17 3 FLÄCHENANGEBOT STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Flächenpotenziale im FNP Geplante gewerbliche Bauflächen STADT KARLSRUHE FNP 2010 Planung FNP 2030 (Stand: Entwurf FNP 2030, Beschlusslage 2015) ha (brutto, CAD) Änderungen ha (brutto GIS 2 ) Knielingen-West I+II 56,0 55,6 Schliffkopfweg 3,7 3,7 Grüner Weg 3 3,2 5,9 Bellenäcker 3,0 Herausnahme 0,0 Storrenacker - Süd, Erweiterung 1,7 1,7 Gottesauer Feld 3 18,7 20,0 Hagsfelder Weg 4,1 5,0 Distelgrund 3,5 Herausnahme 0,0 Husarenlager-Nord 1,9 2,2 Hertzstraße (nördl. LfU) 0,9 0,9 Kleinsteinbacher Str. 0,8 0,8 Hörgel 0,6 0 ,6 Untere Kohlplatte, Erweiterung 8,8 9,0 Miro Erweiterung (FNP 2010: Bestand) 19,3 Herausnahme 0,0 Gleisbauhof Nord (S) 0,0 Neue Fläche 9,0 Summe 1 26 , 2 1 Bilanz: - 1 1,9 1 14 , 3 AGENDA 18 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHEEINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035FLÄCHENANGEBOTGEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGEB OT FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse 4 GEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGE BOT Gesamtbilanz von Flächenbedarf und –angebot 2035 19 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Die Gegenüberstellung des Gewerbeflächenbedarfs (146,5 ha, netto) mit dem Flächenangebot in Höhe von insgesamt 107,45 ha, netto (27,45 ha + 80,0 ha) führt zu einem zusätzlichen Gewerbeflächenbedarfin Höhe von 39 ha, netto . Aus heutiger Sicht ist bis 2035 mit einem stark wachsenden Ungleichgewicht am Flächenmarkt zu rechnen. Auch dann, wenn alle für den FNP 2030 beschlossenen gewerblichen Bauflächen entwickelt würden, bleibt das Flächenpotenzial hinter dem Bedarf zurück. Industriegebiete „Klassische“ Gewerbegebiete Bürostandorte "urbane" Gewerbestandorte Sonderstandorte SUMME (netto) Flächenbedarf Gewerbeflächenbedarf bis 2035 (ha, netto) - 12,2 - 79,1 - 39,9 - 8,7 - 6,6 - 146,5 Flächenangebot Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlagerungen (ha, netto) +0,47 +18,45 +8,03 +0,51 - + 2 7 ,4 5 davon kommunal Bestand mit Baurecht +0,27 +8,30 +4,95 - - +13,52 Bestand ohne Baurecht - +3,51 +2,26 +0,49 - +6,26 Erwerb von Gewerbegrundstücken - +6,32 +0,66 - - +6,97 davon privat +0,20 +0,32 +0,16 +0,02 +0,70 Potenziale im FNP 1 (ha, netto) + 80,0 SALDO (ANGEBOT – FLÄCHENBEDARF) - 3 9, 05 4 GEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGE BOT Rechnerische Reichweite des aktuellen Flächenangebo tes 20 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Bereits ab Ende des Jahres 2023 sind die erfassten Innenwicklungspotenziale sowie das Angebot aus Verl agerungen (27,45 ha , netto) bei einem durchschnittlichen jäh rlichen Bedarf von 9,77 ha, netto aufgebraucht. Das rechnerische Flächendefizit wächst schließlich in der Gesamtsumme stark an, was auf die bislang ni cht erfolgten Entwicklungen der FNP-Flächen zurückzuführen ist. Anmerkung: Die Ermittlung der rechnerischen Reichweite de s aktuellen Flächenbestands bezieht sich auf kommunale und private Grundstücke innerhalb der Gewerbegebiete, die sic h auf zusammen 27,45 ha (netto) aufsummieren. Diesen Wert wir d der durchschnittliche jährliche Flächenbedarf über 9,77 ha, netto (146,5 ha bis 2035) gegenübergestellt. Als Startjahr wird das Jahr 2021 angenommen. Quelle: Flächenpotenzialerhebung Stadt Karlsruhe, 2020; Bewertung cima, 2021; Berechnungen: CIMA Beratung + Manage ment GmbH, 2021 Die drohende Handlungsunfähigkeit der kommunalen Wirtschaftsförderung gegenüber typischen gewerblichen Flächennachfragern macht den Handlungsbedarf deutlich. Selbst bei einer angenommenen Verfügbarkeit aller Flächenpotenziale im FNP (80 ha, netto) würde die Bilanz bereits im Jahr 2032 einen negativen Wert annehmen. AGENDA 21 AUSGANGSLAGE UND WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHEEINSCHÄTZUNG DES GEWERBEFLÄCHENBEDARFS BIS 2035FLÄCHENANGEBOTGEGENÜBERSTELLUNG VON GEWERBEFLÄCHENBEDARF UND –ANGE BOT FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse 5 FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGENFazit 22 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Im Ergebnis zeigt sich, dass der bis 2035 zu erwart ende Gewerbeflächenbedarf nicht durch bestehende Flächenangebote zu decken sein wird, und auch die E ntwicklung der für eine gewerbliche Nutzung vorgese henen FNP-Flächen nicht ausreichen wird. Der beschlossene Stand in der Fortschreibung des FN P 2030 führt den vorliegenden Prognosen zufolge bis zum Zieljahr 2035 zu einem Flächendefizit in Höhe von 39 ha, netto . Bislang gibt es keinen empirischen oder wissenschaf tlichen Hinweis darauf, dass die Zunahme der Beschä ftigten im Homeoffice oder der Einfluss durch die Corona-Pande mie zu verringerter Nachfrage nach Gewerbeflächen f ührt 5 FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGENHandlungsempfehlungen 23 STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Flächensicherung Ausreichende Flächen in kommunaler Hand Vorkaufsrechtssatzungen als Instrument Ankäufe von Bestandsimmobilien Erbbaurechte prüfen Stadtplanung Sparsamer Flächenverbrauch Aufwertung in Bestandsgebieten (REGEKO) Management von Gewerbegebieten Interkommunale Gewerbegebiete Trotz aller Hindernisse Gewerbeflächenmonitoring Wer hat was wann warum gekauft, geleast oder gemiet et? S t a d t e n t w i c k l u n gM a r k e t i n gR e g i o n a l w i r t s c h a f tE i n z e l h a n d e lW i r t s c h a f t s f ö r d e r u n gC i t y m a n a g e m e n tI m m o b i l i e nO r g a n i s a t i o n s b e r a t u n gK u l t u rTo u r i s m u s 24 Vielen Dank 25 Ihr Ansprechpartner:Uwe MantikT 0451 389 680, mantik@cima.de Weitere Informationen zur cima und unseren Projekten finden Sie auf unserer Homepage− www.cima.de 26 HaftungserklärungNutzungs- und UrheberrechteDie vorliegende Ausarbeitung ist durch das Gesetz über Urhe berrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) und andere Gesetze geschützt. Die U rheberrechte verbleiben bei der CIMA Beratung + Management GmbH (cima). Der Auftraggeber kann die Ausarbei tung innerhalb und außerhalb seiner Organisation verwenden und verbreiten, wobei stets auf die angemessene N ennung der CIMA Beratung + Management GmbH als Urheber zu achten ist. Jegliche - vor allem gewerbliche - Nutzung darüber hinaus ist nicht gestattet, sofern nicht eine gesonderte Vereinbarung getroffen wird. Verans talter von Vorträgen und Seminaren erwerben keinerlei Rechte am geistigen Eigentum der cima und ihrer Mitarbeiter . Inhalte von Präsentationen dürfen deshalb ohne schriftliche Genehmigung nicht in Dokumentationen jeglic her Form wiedergegeben werden. Haftungsausschluss gutachterlicher AussagenFür die Angaben in diesem Gutachten haftet die cima gegenübe r dem Auftraggeber im Rahmen der vereinbarten Bedingungen. Dritten gegenüber wird die Haftung für die Vol lständigkeit und Richtigkeit der im Gutachten enthaltenen Informationen (u.a. Datenerhebung und Auswer tung) ausgeschlossen. SprachgebrauchAus Gründen der Lesbarkeit wird bei Personenbezügen die män nliche Form gewählt. Die Angaben beziehen sich jedoch immer auf Angehörige aller Geschlechter, sofern nic ht ausdrücklich auf ein Geschlecht Bezug genommen wird.
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Die Rechte der Ausarbeitung liegen bei der CIMA Beratung + Management GmbH. Die Inhalte und Überlegungen seitens der Auftragswerber sind für die Auftrag gebende Stelle bestimmt. Eine Weiter- gabe an unbeteiligte Dritte ist nicht erlaubt. Stadt+Regionalentwicklung Handel Marketing Digitale Stadt Management Wirtschaftsförderung Immobilien STADT KARLSRUHE Aktualisierung der Gewerbeflächen- Bedarfsanalyse Bildquelle: Stadt Karlsruhe (karlsruhe-erleben.de); Foto: Laila Tkotz Abschlussbericht Stuttgart/ Lübeck, September 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 2 Die fachlichen Ausarbeitungen fallen unter § 2, Abs. 1 sowie § 31, Abs. 2 des Gesetzes zum Schutze der Urheberrechte. Sämtliche Rechte, vor allem Nutzungs- und Urheberrechte, verbleiben bei der CIMA Beratung + Management GmbH. Der Auftraggeber kann die vorliegende Ausarbeitung zur Verbreitung innerhalb seiner Organisation mit diesem Hinweis verwenden, sowie an projektrelevante Dritte weitergeben. Jegliche gewerbliche Nutzung ist nicht gestattet. Zu Layoutzwecken wurden möglicherweise Fotos, Grafiken u.a. Abbildungen verwendet, für die der CIMA Beratung + Management GmbH keine Nutzungsrechte vorliegen. Jede Weitergabe, Vervielfältigung oder gar Veröffentlichung kann Ansprüche der Rechteinhaber auslösen. Wer diese Ausarbeitung -ganz oder teilweise- in welcher Form auch immer weitergibt, vervielfältigt oder veröffentlicht, übernimmt das Haftungsrisiko gegenüber den Inhabern dieser Rechte, stellt die CIMA Beratung + Management GmbH von allen Ansprüchen Dritter frei und trägt die Kosten ggf. notwendiger Abwehr solcher Ansprüche durch die CIMA Beratung + Management GmbH. Auftraggeber Stadt Karlsruhe Wirtschaftsförderung Zähringer Straße 65 76133 Karlsruhe T 0721 -133-7320 F 0721 -133-7309 Auftragnehmer CIMA Beratung + Management GmbH Moislinger Allee 2 23558 Lübeck T 0451-38968-0 Ansprechpartner: Uwe Mantik (Projektleiter) Bearbeitungszeitraum: November 2020 – September 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 3 Inhalt 1 Ausgangslage ............................................................................................................................................................ 5 2 Methodische Herangehensweise ..................................................................................................................... 7 3 Rückblick Gewerbeflächenstudie 2025 ........................................................................................................ 8 4 Wirtschaftsstrukturelle Rahmenbedingungen .......................................................................................... 10 4.1 Bevölkerungsentwicklung und Wanderungsverflechtungen ................................................................... 10 4.2 Homeoffice und Gewerbeflächenbedarf .......................................................................................................... 14 4.3 Standortbedingungen ................................................................................................................................................. 15 4.4 Branchenstruktur und Kompetenzfelder ......................................................................................................... 17 4.4.1 Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ....................................................... 17 4.4.2 Produktivität .............................................................................................................................................................................. 20 4.4.3 Leitbranchen und Kompetenzfelder ......................................................................................................................... 22 4.4.4 Zusammenfassung und Folgerungen für die Gewerbeflächenpolitik der Stadt ......................... 27 5 Gewerbeflächenbedarf bis 2035 ................................................................................................................... 32 5.1 Methodische Grundlagen ......................................................................................................................................... 32 5.2 Realisierte Gewerbeflächennachfrage in der Vergangenheit ............................................................... 33 5.3 Trendbasiertes Prognosemodell .......................................................................................................................... 37 5.3.1 Annahmen und Aussagekraft........................................................................................................................................ 37 5.3.2 Trendprognosemodell: Beschäftigtenentwicklung seit 2000 und -prognose bis 2035 ......... 38 5.3.3 Gewerbeflächenbedarf nach dem Trendprognosemodell .......................................................................... 43 5.4 Absoluter Gewerbeflächenbedarf der Stadt Karlsruhe ........................................................................... 44 6 Flächenangebot ..................................................................................................................................................... 48 6.1 Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlagerungen ......................................................... 49 6.2 Flächenpotenziale im FNP ...................................................................................................................................... 51 6.2.1 FNP-Flächen zur Vermeidung von Angebotsdefiziten .................................................................................. 51 6.2.2 Rückblick 2012 ....................................................................................................................................................................... 52 6.2.3 Fortschreibung des FNP 2030 ..................................................................................................................................... 52 7 Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbedarf und -angebot ..................................................... 54 8 Handlungsempfehlungen ................................................................................................................................... 57 8.1 Flächenstrategie ............................................................................................................................................................ 58 8.2 Flächensicherung .......................................................................................................................................................... 58 8.3 Stadtplanung .................................................................................................................................................................. 60 8.4 Interkommunale Gewerbegebiete ........................................................................................................................ 61 8.5 Gewerbeflächenmonitoring ...................................................................................................................................... 61 9 Fazit ............................................................................................................................................................................. 62 10 Anhang ....................................................................................................................................................................... 65 10.1 Trendbasiertes Prognosemodell (cima-Modell) ........................................................................................... 65 10.2 Definition forschungsintensiver und wissensintensiver Branchen ..................................................... 67 10.3 Definition unternehmensorientierter Dienstleistungen ............................................................................. 69 10.4 Kultur- und Kreativwirtschaft ................................................................................................................................. 70 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 4 Abbildungsverzeichnis Zentrale Ergebnisse der Gewerbeflächenstudie 2025.............................................................................................................. 8 Bevölkerungsentwicklung im Vergleich (2003- 2018)............................................................................................................ 11 Wanderungssaldo Stadt Karlsruhe zwischen 2003 und 2019 ....................................................................................... 11 Voraussichtliche Entwicklung der Wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe 2007 bis 2035 nach verschiedenen Prognosevarianten (ohne LEA) ........................................................................ 12 Zentrale Faktoren des Wunsch-Arbeitsplatzes verschiedener Altersgruppen* .................................................... 13 Entwicklung der Erwerbstätigen (und insbes. der SvB 11 ) in Karlsruhe zwischen 2000 und 2018 ...... 18 Entwicklung der Beschäftigtenzahlen (SvB) im regionalen Vergleich (2000 bis 2019)................................ 18 Pendlersaldo Stadt Karlsruhe (2000 bis 2019) ........................................................................................................................ 19 Arbeitsproduktivität (alle Branchen.) im Vergleich .................................................................................................................. 20 Arbeitsproduktivität einzelner Wirtschaftsabteilungen in Karlsruhe ............................................................................ 21 Beschäftigtenstruktur und -entwicklung im Dienstleistungssektor ............................................................................... 23 Branchenportfolio-Analyse ......................................................................................................................................................................... 24 Digitalisierungsgrad der Anbieter von Industrie 4.0-Lösungen* .................................................................................... 26 Relevante Standorttypen in Karlsruhe ............................................................................................................................................. 30 Schema der Flächenbedarfsermittlung ............................................................................................................................................ 33 Kommunale Flächenveräußerungen 2004- 2020 ...................................................................................................................... 34 Kommunale Flächenveräußerungen nach Branchen* (2004-2020) ............................................................................. 35 Kommunale Flächenveräußerungen nach Standorttypen* ................................................................................................. 36 Aufbau des Trendmodels .......................................................................................................................................................................... 37 Beschäftigtenentwicklung 2000 bis 2019 und Prognose bis 2035 ............................................................................ 39 Beschäftigtenprognose nach Unternehmenstypen* ................................................................................................................ 42 Im Trendmodell verwendete Flächenkennziffern (FKZ) ......................................................................................................... 43 Gewerbeflächenbedarf in ha (netto) .................................................................................................................................................. 44 Ermittlung des zusätzlichen Flächenbedarfs bis 2035 ........................................................................................................ 48 Freie Flächenpotenziale der Gewerbestandorte und -bereiche sowie Entwicklungsflächen ..................... 49 Freie Flächenpotenziale unter Berücksichtigung der Verfügbarkeiten ...................................................................... 50 Geplante Gewerbliche Bauflächen (FNP 2010 und FNP 2030 im Vergleich) ...................................................... 53 Gesamtbilanz Flächenbedarf und -angebot 2035 ................................................................................................................... 54 Rechnerische Reichweite des aktuellen Flächenangebotes (ohne Standorttypisierung).............................. 55 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 5 1 Ausgangslage Im Jahr 2011 wurde von der Stadt Karlsruhe und den weiteren Kommunen des Nachbarschaftsverbandes Karlsruhe (NVK) die Erstellung einer Gewerbeflächenbedarf- splanung mit dem Prognosehorizont bis zum Jahr 2025 in Auftrag gegeben. 1 Wesentlicher Bestandteil dieser Untersuchung war die Einschätzung des Gewerbeflä- chenbedarfs der einzelnen Städte und Gemeinden des NVK, dem in einem weiteren Schritt das aktuelle sowie das perspektivisch verfügbare Flächenangebot gegenüber- gestellt und mit diesem bilanziert wurde. Hieraus konnten entsprechende Handlungs- empfehlungen zur zukünftigen Gewerbeflächenentwicklung abgeleitet werden. Die Ergebnisse des Gewerbeflächengutachtens ließen bei Eintreten der Prognosen und entsprechender Umsetzung der formulierten Handlungsempfehlungen bis zum Jahr 2025 einen knapp auszugleichenden Flächenbedarf erwarten, sodass von einem vertretbaren Verhältnis zwischen Angebot und Bedarf am Gewerbeflächenmarkt aus- gegangen wurde. Allerdings hat sich seit der Erstellung dieses Gewerbeflächengutachtens sowohl die Ausgangslage wesentlich verändert als auch manche Annahme der damaligen Flä- chenbedarfsprognose als zu verhalten erwiesen. Daher muss aus heutiger Sicht das Marktgleichgewicht zwischen Gewerbeflächenbedarf und Flächenangebot in Frage ge- stellt werden. Dies hat unterschiedlichste Gründe: ▪ Der Flächenbedarfs-Schätzung im Jahr 2012 lag eine Beschäftigtenprognose zugrunde, die auf einem Stützzeitraum von 1999 bis 2010 und einer bundes- weit noch deutlich geschwächten Wirtschaftslage basierte. Die Wirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise waren in diesen Jahren noch spürbar und eine nachhaltige Erholung mit gewissen Risiken behaftet. ▪ Ein erheblicher Anteil der erfassten Potenzialflächen befindet sich in privatem Eigentum. Dennoch wurde auch bei privaten Grundstücken regelmäßig von einer zumindest mittelfristigen (1-3 Jahre) Verfügbarkeit am Markt ausgegan- gen. Die Annahmen erwiesen sich aufgrund oftmals überhöhter Preisvorstellun- gen der privaten Eigentümer sowie entgegenstehender Verwertungsabsichten oftmals als zu optimistisch. ▪ Die im kommunalen Eigentum befindlichen Gewerbegrundstücke wurden in den vergangenen Jahren (2010 – 2020) daher in deutlich größerem Umfang nach- gefragt als im Zeitraum zwischen 2001 und 2010. Auch das Potenzial aus der Entwicklung großer Konversionsflächen ist heute bereits ausgeschöpft. ▪ Trotz des nachgewiesenen Flächenbedarfs wurden weder auf Ebene der vor- bereitenden noch auf Ebene der verbindlichen Bauleitplanung hinreichende 1 CIMA/ Planquadrat Darmstadt (2012): Gewerbeflächenstudien für die Stadt und den Nachbarschaftsverband Karlsruhe (NVK) bis 2025 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 6 Anpassungen vorgenommen. Insbesondere wurde auf die aufgezeigte Notwen- digkeit des „Flächentauschs“ (immerhin im Volumen von rd. 33,5 ha, netto) nicht reagiert. Um das Handlungserfordernis für Maßnahmen der Gewerbeflächenentwicklung ent- sprechend zu untersuchen und zu präzisieren, wurde die vorliegende Aktualisierung der 2012 erstellten Gewerbeflächenuntersuchung beauftragt. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 7 2 Methodische Herangehensweise Ziel der Gewerbeflächenstudie ist eine fundierte Einschätzung des Gewerbeflächen- bedarfs vom aktuellen Zeitpunkt bis zum Zieljahr 2035, um auf dieser Grundlage den Umfang der erforderlichen Flächenneuausweisungen zu benennen und insbesondere auch die nachgefragten Flächenqualitäten aufzuzeigen. Um eine Vergleichbarkeit mit der bisherigen Prognose zu gewährleisten, folgt im Kap. 3 ein kurzer Rückblick auf die zentralen Ergebnisse der 2012 erstellten Flächenbe- darfsanalyse. Im anschließenden Kap. 4 wird dann auf ausgewählte wirtschaftsstruk- turelle Rahmenbedingungen der Stadt Karlsruhe eingegangen, um hieraus auf zent- rale Zielgruppen und deren Anforderungen an die Gewerbeflächen im Stadtgebiet zu schließen. Dabei wird auch auf die Auswirkungen verschiedener Trends der Realwirt- schaft eingegangen, um zukünftige Entwicklungen vor einem globalen Hintergrund besser einschätzen zu können. Im Kapitel 5 folgt eine Quantifizierung des Gewerbeflächenbedarfs bis zum neuen Zieljahr 2035. Bei der Prognose wird dabei dieselbe Systematik der gewerblichen Standorttypen zugrunde gelegt, wie in der Gewerbeflächenstudie 2012. Es wird zudem auf unterschiedliche Ansätze der Flächenbedarfsschätzung zurückgegriffen. Diese sind: ▪ Bewertung der realisierten Flächennachfrage in der Vergangenheit ▪ Trendbasierte Flächenbedarfsprognose nach dem cima-Modell Der Einschätzung des Flächenbedarfs folgt eine Aufbereitung des aktuellen Flächen- potenzials (Kap. 6), das, analog zur 2012 erstellten Untersuchung, nach ▪ bestehenden Gewerbebereichen und -schwerpunkten sowie ▪ Flächenpotenzialen im FNP unterschieden wird. Im Kapitel 7 wird schließlich der zukünftige Flächenbedarf dem aktuellen und perspektivischen Gewerbeflächenangebot gegenübergestellt. Hieraus lassen sich quantitative und qualitative Handlungsempfehlungen für die zukünftige Gewerbeflächenpolitik der Stadt Karlsruhe formulieren und eine Aktualisierung bishe- riger Aussagen vornehmen (Kap. 8). Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 8 3 Rückblick Gewerbeflächenstudie 2025 Um mit der Aktualisierung der Gewerbeflächenstudie zugleich eine Überprüfung der bisherigen Aussagen und flächenpolitischen Weichenstellungen zu ermöglichen, er- folgt an verschiedenen Stellen eine Gegenüberstellung mit den Ergebnissen der 2012 publizierten Studie. Hierzu werden nachfolgend die zentralen Ergebnisse der früheren Untersuchung dargestellt. Zentrale Ergebnisse der Gewerbeflächenstudie 2025 Quelle: Gewerbeflächenstudie für die Stadt Karlsruhe bis 2025; S. 50 Flächenbedarf Über ein trendbasiertes Prognosemodell ließ sich bis zum Zieljahr 2025 ein Gewer- beflächenbedarf der Unternehmen und Betriebe über 154,3 ha (netto) 2 ermitteln, was einem jährlichen Durchschnittsbedarf in Höhe von 10,3 ha entspricht. Dieser Bedarf wurde gemäß den unterschiedlichen Standortanforderungen (diese sind wesentlich durch die regionale Wirtschaftsstruktur bestimmt) weiter ausdifferenziert und insge- samt sechs gewerblichen Standorttypen zugeordnet. 2 In diesem Ergebnis wird dem ermittelten Flächenbedarf ein städtebaulicher Flexibilitätszuschlag in Höhe des 8-fachen durchschnittlichen jährlichen Bedarfs hinzugerechnet, um auch am Ende des Planungszeitraums (2025) auf hinreichend Flächenangebote zurückgreifen und diese den Unternehmen und Betrieben anbieten zu können. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 9 Flächenangebot Dem Flächenbedarf wurden sowohl das kurz- und mittelfristig verfügbare Flächenpo- tenzial innerhalb der Gewerbestandorte (rd. 44,6 ha), als auch das Potenzial aus weiteren Entwicklungsflächen (rd. 10,9 ha) gegenübergestellt, also ein Flächenangebot in Höhe von insgesamt rd. 55,5 ha (Nettobauland). Flächenpotenziale im FNP Das faktische Angebot der „Flächenpotenziale im FNP“ belief sich im Jahr 2012 auf insgesamt 129,7 ha (brutto), wovon nach Bewertung insgesamt 81,8 ha als geeignet erschienen. Hingegen wurden die restlichen Flächen im Umfang von 47,9 ha aus gutachterlicher Sicht als nicht geeignet bewertet. Sie wurden daher als potenzielle „Tauschflächen“ kategorisiert, um deutlich zu machen, dass zukünftig an anderen Stellen nach geeigneteren Entwicklungsflächen gesucht werden sollte, um einen Tausch im Verhältnis 1:1 anzustreben. Um aus dem als Bruttofläche dargestellten geeigneten FNP-Potenzial (81,8 ha) auf ein realistisches Nettoflächenangebot zu schließen, wurden im Umfang von pauschal 30% Flächen für erforderliche Erschließungsanlagen, öffentliche Grünanlagen, Ge- meinbedarfseinrichtungen etc. in Abzug gebracht, so dass ein rechnerisches Flächen- angebot in Höhe von 57,3 ha Nettobauland verblieb. Die „Tauschflächen würden demnach eine Nettofläche von 33,5 ha einnehmen. Gesamteinschätzung im Gutachten 2012 Im Ergebnis des 2012 erstellten Gewerbeflächengutachtens war bis zum Zieljahr 2025 bei Eintreten der getroffenen Prognosen und Umsetzung der Handlungsempfehlungen mit einem nahezu auszugleichenden Flächenbedarf (bzw. -8 ha, netto) zu rechnen. Der Gewerbeflächenmarkt der nächsten Jahre schien somit durch ein relativ ausge- glichenes Verhältnis von Angebot und Bedarf geprägt zu sein. Allerdings lag diesen Überlegungen insbesondere auch die Annahme zugrunde, dass man auf Ebene der vorbereitenden Bauleitplanung (FNP) mit einem „Tauschpotenzial“ in Höhe von 33,5 ha (netto) rechnen könne, welches nicht entfallen durfte. Die beschriebene Ausgangslage gilt es in der Aktualisierung der Gewerbeflächen- Bedarfsanalyse zu überprüfen und neu zu bewerten. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 10 4 Wirtschaftsstrukturelle Rahmenbedingungen Der Gewerbeflächenbedarf wird wesentlich durch die Wirtschaftsstruktur, demografi- sche Faktoren, sowie durch globale und nationale Entwicklungstrends der Realwirt- schaft beeinflusst, die langfristig wirksam sind. Einige dieser oftmals als „Megatrend“ 3 bezeichneten Einflussfaktoren können bisweilen dazu führen, dass sich die bisheri- gen Trendlinien auch wandeln und neue Schwerpunktsetzungen bei der Gewerbeflä- chenpolitik an Bedeutung erlangen. Zur Einordnung der sozioökonomischen Entwicklung von Karlsruhe wird nachfolgend hinsichtlich einiger zentraler Indikatoren ein Vergleich mit folgenden anderen Wirt- schaftsstandorten vorgenommen, die insbesondere aufgrund ihrer räumlichen Lage unter Gesichtspunkten des Standortwettbewerbs um Neuansiedlungen/ Verlagerungen von Unternehmen und Betrieben relevant sein können: ▪ Pforzheim ▪ Heilbronn ▪ Heidelberg ▪ Mannheim ▪ Ludwigshafen ▪ Stuttgart 4.1 Bevölkerungsentwicklung und Wanderungsverflechtungen Der demografische Wandel mitsamt der sich deutlich verändernden Alters- und Haushaltsstrukturen gilt als einer der wesentlichen Treiber mittel- bis langfristiger Veränderungen am Arbeitsmarkt, ebenso wie bei den bisherigen sozialen Sicherungs- systemen, der Wirtschaftsentwicklung oder auch der Siedlungsstruktur. Denn nicht nur quantitativ, sondern auch im Hinblick auf den damit einhergehenden Wertewandel in der Gesellschaft, ist mit langfristig wirksamen Veränderungen und auch Umbrüchen zu rechnen. Demografischer Wandel Im gewählten Betrachtungszeitraum 2003 bis 2018 nahm die Bevölkerungszahl in Karlsruhe gegenüber dem Anfangsjahr kontinuierlich zu und stieg von rd. 283 Tsd. auf fast 313 Tsd. Einwohner. Auch der durch den Zensus bedingte Schnitt im Jahr 2011 fiel dabei deutlich geringer aus als in fast allen Vergleichsstädten (außer in Heidelberg). Das Wachstum bewegt sich seit 2011 im oberen Bereich und verdeutlicht die Attraktivität des Oberzentrums als Wohnstandort (vgl. Abb. 2). 3 Die zentralen Trends unserer Zeit lassen sich grundsätzlich folgenden Themenfeldern zuordnen: 1.) Ökonomischer und technischer Wandel, 2.) Demographischer Wandel, 3.) Wertewandel und Individualisierung, 4.) Globalisierung und Mobilität, 5.) Klimawandel und Nachhaltigkeit sowie 6.) Digitalisierung und Virtualisierung. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 11 Bevölkerungsentwicklung im Vergleich (2003- 2018) Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2020 (Standort der alleinigen oder Hauptwohnung) Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Diese günstige Bevölkerungsentwicklung beruht zu wesentlichen Teilen auf positiven Wanderungssalden (vgl. Abb. 3), wobei insbesondere zwischen den Jahren 2014 und 2015 auch die – deutschlandweiten – Effekte der Flüchtlingsmigration zu berücksich- tigen sind, welche zu starken Einwanderungsgewinnen (mit wiederum entsprechendem Abflachen nach 2015) führten. Wanderungssaldo Stadt Karlsruhe zwischen 2003 und 2019 Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2020 Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Gemäß den aktuellen kommunalen Prognosen für die Stadt Karlsruhe 4 ist davon auszugehen, dass die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung (hier: Haupt- und 4 Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2016): Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 (Regionalisierte Bevöl- kerungsvorausrechnung Basis 2014, Hauptvariante) Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 12 Nebenwohnsitz, ohne LEA 5 ) bis 2035 weiter anwachsen und sich die Tendenz der vergangenen Jahre somit fortsetzen wird (vgl. Abb. 4). Allein zwischen 2010 und 2018 nahm die Bevölkerung um rd. 17.000 Personen auf rd. 313.000 Personen zu. Voraussichtliche Entwicklung der Wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe 2007 bis 2035 nach ver- schiedenen Prognosevarianten (ohne LEA) Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2016): Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Die Prognose geht bis zum Jahr 2035 im „Verhaltenen Szenario“ 6 , welches die Stadt in ihren Planungen verwendet, von einem Anstieg um rd. +24.700 Wohnberechtigte auf insgesamt 337.500 aus. Sowohl die bisherige Entwicklung, als auch die Prognosen verdeutlichen damit die stabile Stellung Karlsruhes als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum innerhalb der gesamten trinationalen Metropolregion Oberrhein. Wertewandel und Individualisierung Mit der demografischen Entwicklung gehen auch soziale Veränderungen einher, die sich vorrangig indirekt auf die Wirtschaftsstruktur und Rauminanspruchnahme für wirtschaftliche Zwecke auswirken. So lässt sich in den vergangenen Jahrzehnten beobachten, dass beispielsweise die Bindung des einzelnen Bewohners oder Mitarbeiters an die „eigene“ Stadt bzw. das Unternehmen tendenziell nachlässt (z. B. höhere Fluktuation der Beschäftigten). Die Ursachen sind nicht nur konjunkturell und betriebsintern zu suchen, sondern in wachsendem Maße auch durch verändertes Verhalten der Beschäftigten (z. B. Work- Life-Balance, Selbstverwirklichungsziele) zu begründen, so dass die Arbeitswelt der 5 Die hierzu herangezogene Prognose der Stadt Karlsruhe beruht auf dem kommunalen Einwohnerregister mit Haupt- oder Nebenwohnung. Es wird bewusst auf die Meldefälle in den Landeserstaufnahmestellen für Flüchtlinge (LEA) verzichtet. 6 Verhaltenes Szenario: Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe schreitet nur zögerlich voran; es entstehen kaum neue Arbeitsplätze in innovativen Wirtschaftsbereichen. Darum sinken ab 2025, wenn die Zahl junger Erwachsener in Deutschland und Baden-Württemberg im Zuge des Demographischen Wandels sinken, die Wande- rungsgewinne Karlsruhes spürbar. Der Wohnungsbau entwickelt sich nach 2025 nur noch verhalten Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 13 Wissensgesellschaft zu einem Mix aus Arbeitseinsätzen bei verschiedenen Arbeitge- bern, Weiterbildungen und erhöhten Freizeitansprüchen wird. Damit verbunden sind auch zunehmende qualitative Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitsorten, 7 was wiederum Auswirkungen auf die Ansiedlungs- /Investitionsent- scheidungen und die Personalpolitik der Unternehmen hat. Dieser Prozess geht mit der Tertiärisierung der Wirtschaft einher, die sich sowohl auf einen wachsenden Anteil des Dienstleistungssektors insgesamt, als auch auf die Zunahme von Dienst- leistungstätigkeiten innerhalb der Produktion bezieht. Zentrale Faktoren des Wunsch-Arbeitsplatzes verschiedener Altersgruppen* Anmerkung: * Generation X (Gen X): Geburtsjahrgänge ab 1965 bis 1980; Millennials: Geburtsjahrgänge zwischen 1980 und 2000. Quelle: Catella Research (2017): Der Arbeitsplatz der Zukunft. Ergebnisse einer Umfrage zum Zusammenhang zwischen Arbeiten und Büronutzung Die steigenden Anforderungen der Mitarbeiter, die im Zuge der Fachkräftesicherung weiter an Relevanz gewinnen, betreffen ebenso das unmittelbare, wie auch das mittelbare Umfeld des Arbeitsplatzes. Aktuelle Befragungen (vgl. Abb. 5) zeigen z. B., dass sich der Wunsch-Büroarbeitsplatz oftmals in einem anregenden, urbanen Umfeld befindet, welches die Wünsche und Erwartungen des Einzelnen gut erfüllen kann. Beispielsweise sollte die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsstätte möglichst gering und die Parkplatzsuche mit wenig Aufwand verbunden sein. Idealerweise liegt zugleich eine hervorragende ÖPNV-Anbindung vor, so dass gänzlich auf die Nutzung des 7 Wachsende Ansprüche an die Attraktivität des Arbeitsumfeldes mit viel Freiräumen und Möglichkeiten zur Selbstverwirkli- chung sowie einer hohen Bereitschaft, diese auch einzufordern, werden häufig v.a. den zwischen 1980 und 2000 Geborenen (sog. Generation Y bzw. Millennials) nachgesagt, die durch einen technikaffinen Lebensstil geprägt sind, können aber sicherlich als zunehmend allgemeingültig betrachtet werden. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 14 (eigenen) Pkw verzichtet werden kann. Auch die Ansprüche an die Umfeld- und Straßenraumgestaltung wachsen, wobei sich Attraktivität und Image der Lage durch Faktoren wie die Nähe zu (öffentlichen) Grünflächen, ein reiches gastronomisches Angebot im direkten Umfeld sowie einen Städtebau auszeichnet, der auch den Repräsentationsbedürfnissen der Betriebe (z. B. hins. Architektur/ Stadtgestalt) ge- recht wird. Als weitere Effekte, die sich auf Flächeninanspruchnahmen auswirken, sind Trends des zur Zeit noch weiter zunehmenden E-Commerce, sowie allgemein in der Ge- brauchsgüterindustrie zu beachten: Als Folge der Individualisierung mit der Forderung nach immer größerer (Modell)Vielfalt wächst bspw. auch die benötigte Kapazität der Lagerhaltung erheblich. 4.2 Homeoffice und Gewerbeflächenbedarf Der im Zuge der Ausbreitung der Pandemie vielerorts zu beobachtende Anstieg des Anteils von Homeoffice- Tätigkeiten (teilweise auf dem Verordnungswege, teilweise betrieblich veranlasst) hat im Rahmen von Flächenbedarfsschätzungen und Gewerbe- flächenkonzepten zu der Frage geführt, ob zukünftig überhaupt noch Flächen im bisherigen Umfang benötigt werden, oder ob Büroflächen künftig für andere Nutzun- gen frei werden. Im Kontext dieses Gutachtens ist zunächst darauf hinzuweisen, dass es im Kern um Flächenbedarfe in ausgewiesenen Gewerbegebieten (§§ 8, 9 BauNVO) geht. Im Um- kehrschluss bedeutet das, dass klassische Bürolagen in Innenstädten, Kerngebieten u.ä., die ggf. anderen Gesetzmäßigkeiten folgen, nicht betrachtet werden. Dieser Umstand ist insofern von Bedeutung, als die in klassischen Gewerbegebieten in der Regel angesiedelten Büroarbeitsplätze häufig mit Produktionsprozessen und/oder Betriebsabläufen verbunden sind, die auch in Zeiten der Pandemie nur sehr begrenzt in Homeoffice- Lösungen verlagert werden konnten. Eine Auswertung der bisher vorliegenden Studien und Einschätzungen ist für die Erstellung dieser Aktualisierung des Gutachtens dennoch vorgenommen worden, um die Bedarfsschätzung zu validieren und die Empfehlungen abzusichern. Die übereinstimmenden Aussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen: a) Nach einer Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) planen le- diglich 6,4% der Unternehmen eine Reduzierung ihrer Büroflächen in geringem Umfang. b) Eine große Mehrheit der Beschäftigten wünscht sich nach den Erfahrungen des letzten Jahres (repräsentative Umfrage unter 1000 Beschäftigten Catella Re- search von Januar 2021) die Rückkehr zu Aufenthalten im Büro. Mehr als 60% der Befragten lehnt eine dauerhafte Homeoffice- Lösung strikt ab. Dabei wird durchaus deutlich, dass 1-2 Homeoffice- Tage als Regelbetrieb beibehalten werden sollen. c) Projektentwickler und Vermieter gehen davon aus, dass sich die Nutzung und Aufteilung innerhalb der Büroflächen zugunsten von Gemeinschaftsflächen und Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 15 interaktivem Arbeiten weiter verändern werden, ohne dass die Bürofläche sich im Umfang nennenswert verringert. Für die Nachfrage nach Gewerbeflächen werden insofern keine Veränderungen hin- sichtlich des künftigen Bedarfs erwartet und auch keine frei werdenden Flächen, welche dem Markt neu zugeführt werden könnten. 4.3 Standortbedingungen Die positive Bevölkerungsentwicklung, ebenso wie die Wirtschaftsstärke der Stadt, auf die im nachfolgenden Kapitel näher eingegangen wird, begründen sich wesentlich durch die zentrale Lage Karlsruhes innerhalb einer starken Region und einer sehr günstigen Standortausstattung. Den im Stadtgebiet angesiedelten Unternehmen und Betrieben bietet sich ein großer Absatz- und Beschaffungsmarkt. So ist das Oberzentrum Pforzheim im Osten lediglich 30 Kilometer entfernt, Heidelberg liegt rd. 60 km nördlich und auch Mannheim (80 km nördlich), sowie die östlich gelegene Landeshauptstadt Stuttgart (80 km) sind schnell zu erreichen. Das trifft auch auf die elsässische Großstadt Straßburg (90 km) zu. Alle Standorte können als relevante Handelsplätze für Karlsruher Unternehmen be- trachtet werden. Dass es sich hierbei, ebenso wie bei anderen Kommunen im näheren Umfeld, aber nicht nur um relevante Märkte, sondern zugleich auch um Standorte handelt, die mit Karlsruhe in einem potenziellen Wettbewerb um Unternehmensan- siedlungen stehen, ist eine nicht untypische Ambivalenz, die bei wirtschaftspolitischen Weichenstellungen jeweils individuell berücksichtigt werden muss. Aus großräumiger Perspektive profitiert Karlsruhe deutlich von der Einbindung in das überörtliche Straßenverkehrsnetz (A5, A8, A65/B10, B36) und gilt zugleich als wich- tiger Bahnknotenpunkt innerhalb der Region (z. B. zahlreiche Direktverbindungen mit dem ICE und einigen französischen TGV-Zugpaaren, direkte Nacht-Schnellzugverbin- dungen). Die über Karlsruhe verlaufenden Nord-Süd-Strecken der Rheintalbahn von Mannheim bis Basel (u.a. über Heidelberg, Baden-Baden, Freiburg), sowie der Badi- schen Rheinbahn von Mannheim bis Rastatt zählen zu den verkehrsreichsten Eisen- bahnstrecken Deutschlands. Weitere überregionale Ausbauprojekte sind geplant. Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der als betrieblicher Standortfaktor eine zunehmend wichtige Rolle spielt (vgl. Kap. 4.1), wird die Karlsruher Innenstadt aus den meisten Stadtteilen mit einer der Straßenbahn- oder Stadtbahnlinien ohne Um- steigen erreicht. Das Angebot wird mit Bussen abgerundet. Ins weitere Umland führen neben den Einsystem-Stadtbahnlinien weitere Zweisystem-Stadtbahnlinien. Das Tram- Train-System, das als „Karlsruher Modell“ bekannt wurde (zuletzt 2017 durch eine neue Vergabekonzeption bis 2035 neu geregelt), besitzt aufgrund zahlreicher um- steigefreier Stadt-Umlandverbindungen eine hohe Attraktivität. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 16 Die Rheinhäfen Karlsruhe sind nach dem Hafen Mannheim der zweitwichtigste Bin- nenhafen Baden-Württembergs. Mit einem Güterumschlag von knapp 6,95 Mio. Ton- nen 8 lag der Karlsruher Hafen 2019 auf Platz 6 der deutschen Binnenhäfen. Auf deutscher Seite stellt er zugleich den südlichsten schleusenfreien Zugang zur Nordsee über den Rhein dar. Die MiRO - Mineraloelraffinerie Oberrhein ist der mit Abstand wichtigste wirtschaftliche Nutzer des Hafens (nördlich gelegener Ölhafen als Teil der Rheinhäfen 9 ). Daneben sind zahlreiche produzierende Unternehmen und Dienstleister am Hafen bzw. im unmittelbaren Hafenumfeld angesiedelt. Das Standortumfeld ist nach wie vor sehr gefragt, wie die Flächennutzungsstatistik zeigt (vgl. Kap. 5.2). Die Stadt Karlsruhe hält eine Beteiligung am rd. 40 Kilometer entfernten Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, dem mit jährlich über 1,34 Mio. Passagieren (2019) 10 zweit- größten Verkehrsflughafen Baden-Württembergs. Der Flughafen liegt in Rheinmünster- Söllingen auf dem Areal des Gewerbegebiets Baden-Airpark und wird z.Zt. vor allem durch die irische Billigfluggesellschaft Ryanair genutzt. Die nächstgelegenen größeren internationalen Flughäfen sind der Flughafen Frankfurt am Main (ca. 140 km), der Flughafen Stuttgart (ca. 80 km) sowie in rd. 100 km der Flughafen Straßburg. Inwieweit der 2020 durch die Pandemie bedingte Einbruch des gesamten weltweiten Flugbe- triebes sich nachhaltig negativ auf Flughafenstandorte wie Karlsruhe/Baden auswir- ken wird, kann zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Studie nicht hinreichend beurteilt werden und muss ggf. einer gesonderten Betrachtung unterzogen werden, sobald sich die Rahmenbedingungen wieder „normalisiert“ haben. Insgesamt kann die Einbindung in das regionale und europäische Verkehrsnetz als hervorragend und auch die weltweite Verbindung über Verkehrsflughäfen als gut bewertet werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass weiter nördlich gelegene Stand- orte, wie z. B. Mannheim und Heidelberg nicht minder gut in das Verkehrsnetz eingebunden sind, zugleich näher an der wirtschafts- und bevölkerungsstarken Rhein- Main-Region liegen und auch aufgrund der kürzeren Erreichbarkeit des Flughafens Frankfurt eine bessere internationale Verbindung aufweisen. Absolute Stärken der Stadt liegen in den 12 Hochschulen 11 und 16 weiteren privaten sowie öffentlichen wissenschaftlichen Einrichtungen (darunter allein 3 Fraunhofer- Institute), wodurch Karlsruhe zu einem traditionsreichen und starken Bildungs- und Forschungsstandort geworden ist. Die größte Bedeutung kommt dabei dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu, das zugleich eine Universität des Landes und ein nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft ist. Seit dem Jahr 2019 ist das KIT erneut mit dem Prädikat „Elite-Uni“ ausgezeichnet. Schwerpunkte liegen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Energieforschung, Klima- und Um- 8 Quelle: Rheinhäfen Karlsruhe (https://www.karlsruhe.ihk.de/international/standortpolitik/zahlenundfakten/Verkehrsstatis- tik/Gueterumschlag-im-Karlsruher-Hafen/2760520) 9 Die Anlieferung des Rohöls erfolgt zum Großteil über die Transalpine Ölleitung (TAL) vom Hafen Triest über Ingolstadt. 10 Quelle: Baden-Airpark (https://www.baden-airpark.de/wp-content/uploads/Passagiere_dt.pdf) 11 Hierzu zählen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Hochschule für Technik und Wirtschaft, die Pädagogische Hochschule, die Hochschule für Musik Karlsruhe, die Staatliche Akademie der Bildenden Künste, die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, die Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe, die private Karlshochschule International University, das Regionalzentrum Karlsruhe der Fernuniversität Hagen sowie der EC Europa Campus. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 17 weltforschung, Elementarteilchen- und Astroteilchenphysik sowie der Mikro- und Na- notechnologie. Zudem beinhaltet das KIT eine der größten Informatikfakultäten Deutschlands, die als innovativer Schwerpunkt gelten darf. Es bestehen Forschungsnetzwerke mit Standorten im näheren Umland bzw. dem weiteren Nachbarschaftsverband Karlsruhe. Die Standortwahl einiger dieser Einrich- tungen verdeutlicht die enge räumlich-funktionale Verflechtung der Stadt Karlsruhe mit einigen Umlandgemeinden, wodurch sich auch die Aktivitätsräume erweitern. 4.4 Branchenstruktur und Kompetenzfelder Die volkswirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Standortes wird maßgeblich von der demografischen Entwicklung (Kap. 4.1), den Standortbedingungen (Kap. 4.3) und insbesondere der Wirtschaftsstruktur bestimmt. Nachfolgend werden die bisherige Entwicklung der Erwerbstätigenzahl und der sozi- alversicherungspflichtig Beschäftigten vertieft (Kap. 4.4.1) sowie die Wirtschaftsstruktur der Stadt und insbesondere die Leitbranchen und Kompetenzfelder (Kap. 4.4.2 und 4.4.3) dargestellt. Hieraus lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Standortanfor- derungen ziehen, auf die im Anschluss eingegangen wird (Kap. 4.4.4). 4.4.1 Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Die Zahl der Erwerbstätigen (ET) 12 in Karlsruhe entwickelte sich im Betrachtungszeit- raum zwischen 2000 und 2018 13 von rd. 215.700 auf rd. 240.700 mit +25.000 ET deutlich positiv (Abb. 6). Dabei kam es lediglich 2003 zu einer leicht rückläufigen Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen, die teilweise durch das Platzen der „Dotcom- Blase“ im Jahr 2000 und damit einhergehenden Wirkungen zu erklären ist. Ein weiterer Rückgang zwischen 2014 und 2015, der dem positiven Bundestrend entgegensteht, lässt sich v.a. dem Bereich „Erziehung und Unterricht“ zuschreiben, welcher insgesamt fast 4.000 Beschäftigte auf Karlsruher Gemarkung verlor und mit hoher Wahrscheinlichkeit der Standortverteilung im Hochschulbereich zuzuordnen ist. 14 Da sich die Beschäftigtenentwicklung nach 2015 positiv fortsetzte und bis 2018 wieder um 3 Prozent wuchs, ist davon auszugehen, dass diese auch mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit insgesamt verbunden ist. 12 Die Erwerbstätigenzahl umfasst die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB), marginal Beschäftigte (keine voll-sozial- versicherungspflichtige Beschäftigung), Beamte sowie Selbstständige. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt (SvB) sind alle Arbeitnehmer einschließlich der Auszubildenden, die kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zu entrichten sind. 13 Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ (VGRdL) (2016): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen des Bundes und der Länder; Die Zahl der Erwerbstätigen wird regelmäßig in zeitlichen Abständen von ca. 2 Jahren zum aktuellen Zeitpunkt veröffentlicht und liegt für diese Untersuchung bis zum Jahr 2015 vor. 14 Beschäftigte im regulären Hochschulbetrieb werden dem Wirtschaftszweig „854 Tertiärer und post-sekundärer, nicht tertiärer Unterricht“, also dem Wirtschaftsabschnitt „Erziehung und Unterricht“, zugeordnet. Regulär verfügt ein Hochschulstandort in jeder Kommune über eine eigene Betriebsnummer, sodass die beschäftigten Universitätsmitarbeiter dem Beschäftigungs- betrieb (und nicht etwa dem Hauptsitz) zugeordnet werden. Folglich liegt vmtl. ein Effekt vor, der sich durch die räumliche Verteilung der Hochschul-Campusse ergibt, denn in Eggenstein-Leopoldshafen (Campus Nord) wuchs die Zahl entsprechend um rd. 4.000 SvB. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 18 Entwicklung der Erwerbstätigen (und insbes. der SvB 11 ) in Karlsruhe zwischen 2000 und 2018 Quelle: Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Berechnungsstand: August 2019; Beschäftigten- statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Die Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Personen (SvB) verlief im Betrachtungszeitraum zwischen 2000 und 2019 insgesamt sehr positiv und stieg um +30.900 SvB von rd. 148.000 SvB auf zuletzt rd. 178.900 SvB. Bemerkens- wert ist dabei, dass die Entwicklung im Vergleich mit den gewählten Vergleichsstand- orten – und trotz des zwischenzeitlichen Einbruchs 2015 – in den vergangenen Jahren überaus positiv verlief und lediglich durch die Landeshauptstadt Stuttgart übertroffen wurde (vgl. Abb. 7). Entwicklung der Beschäftigtenzahlen (SvB) im regionalen Vergleich (2000 bis 2019) Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Die rasche Erholung der Wirtschaft Anfang der 2000er Jahre lässt sich u.a. auf die Wirkungen der 2003 bis 2005 umgesetzten so genannten Agenda 2010 zurückführen. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 19 Darüber hinaus führte die größte Rezession seit der Wiedervereinigung (2007/08) lediglich zu einer Stagnation der Beschäftigtenzahlen. Dies lässt sich auf die Wir- kungen der Flexibilisierung am Arbeitsmarkt zurückführen, die sich in den in Karlsruhe dominierenden Wirtschaftszweigen positiv ausgewirkt haben. Die Stellung Karlsruhes als Arbeitsmarkt wird auch durch die Entwicklung der Pend- lerzahlen deutlich. So entfallen im Jahr 2019 auf die rd. 178.900 sozialversiche- rungspflichtig Beschäftigten insgesamt 102.552 Einpendler, d.h. dass mehr als 57 Prozent der in Karlsruhe arbeitenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Ar- beitsortprinzip) nicht in der Stadt wohnen. Dabei ist sowohl eine zunehmende Einpendlerzahl, als auch eine steigende Auspend- lerzahl feststellbar, was darauf hindeutet, dass auch die Relevanz der Umlandkom- munen als Arbeitsorte zunimmt (vgl. Abb. 8). Dies kann in Zeiten konjunktureller Abschwungphasen eine gewisse Entlastung des Arbeitsmarktes darstellen (z. B. durch Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur). Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass zwischen 2014 und 2019 die Einpendlerzahlen um weniger als 4 Prozent, die Auspendlerzahlen aber um mehr als 33 Prozent anstiegen. Dieser Trend bezieht sich nicht allein auf einzelne Wirtschaftsbranchen und kann daher ggf. auch Anzeichen einer durch Betriebsverlagerungen geprägten Suburbanisierung sein, was auf negative externe Effekte am Standort Karlsruhe schließen ließe (z. B. Bodenpreissteigerungen mit Verdrängungseffekten durch andere Nutzungen, Flächenmangel, Stau, Emissions- zunahme etc.). Pendlersaldo Stadt Karlsruhe (2000 bis 2019) Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 20 4.4.2 Produktivität Die Leistungsfähigkeit der Karlsruher Wirtschaft lässt sich insbesondere anhand der Arbeitsproduktivität erfassen, die hier als Relation von Bruttowertschöpfung (BWS 15 ) und Erwerbstätigenzahl (ET 16 ) ausgewiesen wird. Im regionalen Vergleich liegt die durchschnittliche Arbeitsproduktivität (über alle Branchen) in Karlsruhe mit zuletzt (2018) 76.623 EUR je Erwerbstätigen an vierter Stelle hinter derjenigen von Ludwigs- hafen a. R. (98.152 EUR/ET), der Landeshauptstadt Stuttgart (95.459 EUR/ET) und Mannheim (77.703 EUR/ET). Dabei ist eine kontinuierliche Zunahme der Produktivität für Karlsruhe festzustellen (zwischen 1999 und 2018 rd. 33%), die oberhalb der meisten Vergleichsregionen allerdings geringfügig unterhalb des Landesdurchschnitts liegt (rd. 35 %). Aus wirt- schaftsstruktureller Sicht ist hier zu ergänzen, dass sich ein höherer Dienstleistungs- anteil, wie in Karlsruhe, wegen geringerer Kapitalintensität in der Leistungserstellung oftmals produktivitätsmindernd auswirkt. Arbeitsproduktivität (alle Branchen.) im Vergleich Quelle: Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Berechnungsstand: August 2019 Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Differenziert nach einzelnen Wirtschaftsbereichen, 17 zeigen sich dabei einerseits ein deutliches Auseinanderfallen der Bereiche und andererseits unterschiedliche Entwick- lungslinien. So fällt eine hohe Arbeitsproduktivität im Verarbeitenden Gewerbe auf (129.810 EUR/ET), die – v.a. durch den Arbeitsmarkt bedingt – zwar starken Schwan- kungen unterliegt, im Betrachtungszeitraum jedoch deutlich zunahm (Anstieg v.a. zwischen 2009 und 2010 sowie zwischen 2014 und 2015). Weitaus stärkere Produk- tivitätszuwächse gab es im Bereich „Handel, Verkehr/ Lagerei, Gastgewerbe, IuK), wenngleich die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen deutlich hinter derjenigen des 15 Die Bruttowertschöpfung (BWS), die zu Herstellungspreisen bewertet wird, ergibt sich aus dem Bruttoproduktionswert zu Herstellungspreisen abzüglich der Vorleistungen zu Anschaffungspreisen. Die BWS umfasst den Wert aller innerhalb eines Wirtschaftsgebietes während einer bestimmten Periode produzierten Waren und Dienstleistungen eines Wirtschaftsbereiches, abzüglich der Gütersteuern und zuzüglich der Gütersubventionen. (Es existieren auch weitere Konzepte der Produktivität.) 16 Als Erwerbstätige (Inland) werden in den VGR der Länder alle Personen angesehen, die innerhalb eines Wirtschaftsgebietes einer Erwerbstätigkeit oder mehreren Erwerbstätigkeiten nachgehen, unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden wöchentlichen Arbeitszeit. 17 Die Differenzierung entspricht aufgrund der Umschlüsselungen der WZ nicht in jedem Fall dem genauen Verständnis der WZ 2008. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 21 Verarbeitenden Gewerbes zurückliegt (73.272 EUR/ET). Aufgrund der wiedereinset- zenden Auftragslage im Baugewerbe stieg hier die Arbeitsproduktivität nach einem abnehmenden Trend zwischen 2012 und 2014 von 52.608 EUR/ET im Jahr 2014 auf 68.132 EUR/ET im Jahr 2018 an. Einen weiteren Aufschluss über die Wirtschaftslage und Wettbewerbssituation liefert der Vergleich mit den anderen Städten hinsichtlich des Verarbeitenden Gewerbes (Wirtschaftsabschnitt C). Hierbei wird deutlich, dass Karlsruhe mit durchschnittlich 129.810 EUR/ET vor den kleineren Städten Heilbronn, Pforzheim (jeweils rd. 75.000 EUR/ET) und Heidelberg (rd. 100.000 EUR/ET), einem ebenfalls typischen Dienstleis- tungsstandort, sowie auf demselben Niveau wie die Universitätsstadt Mannheim ran- giert. Allerdings liegt die Produktivität deutlich unter derjenigen von Stuttgart (rd. 190.000 EUR/ET) und Ludwigshafen (rd. 166.000 EUR/ET) aufgrund der dort bedeut- sameren Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Mit einzubeziehen ist bei dieser Betrachtung die Tatsache, dass sich Standortkon- zentrationen großer Unternehmen erheblich auf die statistische Produktivität auswir- ken und neben der Qualifizierung/ Befähigung der Mitarbeiter vor allem die rasante Automatisierung von Arbeitsprozessen im Verarbeitenden Gewerbe (auch in Folge zunehmender Digitalisierung; vgl. Kap. 4.4.3) auf den Output menschlicher Arbeitskraft auswirkt. Arbeitsproduktivität einzelner Wirtschaftsabteilungen in Karlsruhe Quelle: Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Berechnungsstand: August 2019 Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 22 4.4.3 Leitbranchen und Kompetenzfelder Die beschriebenen Entwicklungen lassen sich auf Ebene der Wirtschaftssektoren und v.a. durch eine nähere Betrachtung der Wirtschaftszweige (Wirtschaftsabschnitte und -abteilungen) weiter verdeutlichen. Traditionell ist Karlsruhe ein Dienstleistungsstandort, was sich in einem Beschäftig- tenanteil des tertiären Sektors in Höhe von über 84 Prozent (Deutschland: rd. 71 %) ausdrückt, wohingegen das Produzierende Gewerbe (sekundärer Sektor) mit weniger als 16 Prozent (Deutschland: rd. 28 %) vertreten ist. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass v.a. das Verarbeitende Gewerbe (Wirt- schaftsabschnitt C) relativ breit aufgestellt ist. Zugleich ist bemerkenswert, dass fast alle bisher beschäftigungsstarken Bereiche des Verarbeitenden Gewerbes zwischen 2008 und 2019 Verluste hinnehmen mussten, was dazu führte, dass das Verarbei- tende Gewerbe insgesamt um rd. 4,0 Prozent abnahm – entgegen dem Landesdurch- schnitt (+ 7,0%). Der postindustrielle Strukturwandel nimmt in Karlsruhe also weiter an Fahrt auf, was aus gutachterlicher Sicht allerdings auch zu gewisser Achtsamkeit mahnen sollte. Es muss berücksichtigt werden, dass regelmäßig enge Verflechtungen auch zwischen den Betrieben der unterschiedlichen Sektoren (z.B. Produktion und Dienstleistung) bestehen und ein zu starkes Schrumpfen des Verarbeitenden Gewerbes auch negative Auswirkungen auf die mit diesem Sektor verbundenen Dienstleistungen haben kann. Darüber hinaus fällt – auch im Vergleich zu anderen ähnlich geprägten Standorten (z. B. Heidelberg) – auf, dass insbesondere die forschungs- und wissensintensiven Industrien/ Branchen in den vergangenen Jahren Beschäftigung abgebaut haben. 18 19 Gerade diese Bereiche sind hinsichtlich der Innovationskraft im Verarbeitenden Ge- werbe allerdings von besonderer Bedeutung. Gegenüber dem Produzierenden Gewerbe haben sich nahezu alle dem tertiären Sektor zugehörigen Wirtschaftsabschnitte zwischen den Vergleichsjahren positiv ent- wickelt. Auf diese Weise konnten – außer im Jahr 2015 – stets auch die Beschäf- tigtenverluste im Produzierenden Gewerbe ausgeglichen werden (Abb. 11). Während im Produzierenden Gewerbe also zwischen 2008 und 2019 ein Einbruch der Beschäf- tigtenzahlen, um rd. 4,0 % zu verzeichnen war, gewann im selben Zeitraum der Dienstleistungssektor um 21,25 % hinzu, so dass auch in absoluten Zahlen ein deutliches Beschäftigtenwachstum stattfand. 18 Zu den Verlierern gehören etwa die Wirtschaftsabteilungen 26 (Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen), 27 (Herstellung von elektrischen Ausrüstungen), 28 (Maschinenbau). Zu den WZ-Nummern. 20 (Herstellung von chemischen Erzeugnissen), 21 (Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen) und 30 (Sonstiger Fahr- zeugbau) lassen sich dahingehend leider keine Aussagen treffen. Lediglich in der Abteilung 29 (Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen) konnten nachweisbar leichte Gewinne verzeichnet werden. 19 Zur Definition der forschungsintensiven Industrien/ Branchen und der wissensintensiven Unternehmen, siehe Kap. 10.1. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 23 Beschäftigtenstruktur und -entwicklung im Dienstleistungssektor * Anm.: Werte teilweise geschätzt bzw. aufgrund der der Geheimhaltungspflicht nach § 16 BstatG nicht vorliegend Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Den stärksten Anstieg zwischen 2008 und 2019, bei zugleich hohen Ausgangswerten, verzeichneten die wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, Information und Kommunikation (IuK bzw. IkT), die Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienst- leistungen, das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung, die Berei- che Verkehr/ Lagerei und Einzelhandel. Während bei den forschungsintensiven In- dustrien in den letzten Jahren deutliche Verluste feststellbar waren, liegt im tertiären Sektor eine gänzlich andere Tendenz vor. Denn dort sind die typischen wissensin- tensiven unternehmensorientierten Dienstleistungen (v.a. der Wirtschaftsabschnitt J sowie die Abteilungen 69 bis 72 des Abschnitts M) 20 in besonderem Maße vertreten und durch Wachstum gekennzeichnet. Besonders stark sind darunter die Unterneh- mensverwaltungen, Rechts- und Unternehmensberatungen, Architektur- und Ingeni- eurbüros, Software-Häuser und Datenverarbeitungsdienste, sowie auch private For- schungseinrichtungen präsent. Die besondere Stärke in der öffentlichen Verwaltung ist neben der Verwaltungsfunk- tion u.a. auch der Konzentration der Judikative zuzuschreiben. 20 Diese stellen einen Ausschnitt der wissensintensiven Dienstleistungen (Wirtschaftsbereiche 58 bis 77; 82; 86; 90-91) dar. Zur Definition siehe auch im Anhang, Kap. 10.2. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 24 Zeitgleich gab es neben der deutlichen Zunahme im Kernbereich der Logistik, 21 Rückläufe beim Großhandel, welcher ebenfalls einen hohen logistischen Anteil bein- haltet. Dieser Trend lässt sich aber auf die leicht negativen Entwicklungen im Ver- arbeitenden Gewerbe der Stadt zurückführen, weil häufig ein enger funktionaler Zusammenhang zwischen Verarbeitendem Gewerbe und Großhandel besteht, der sich auch in der Betriebs- und Beschäftigtenstatistik zeigt (viele verarbeitende Betriebe treten gleichzeitig als Großhändler auf). Auf die kurzzeitige Verschiebung im Bildungssektor (Erziehung und Unterricht) auf- grund der Zuordnung von rd. 4.000 KIT-Beschäftigten zum Standort Eggenstein- Leopoldshafen (ab 2015) wurde bereits in Kap. 4.4.1 eingegangen. In der vorherigen Gewerbeflächenstudie (2012) wurde die Aussage getroffen, dass eine ausgeprägte Schwerpunktsetzung als Bildungs- und Forschungsstandort, wie dies teilweise in an- deren Oberzentren des Landes Baden-Württemberg (z. B. Heidelberg, Mannheim, Freiburg) der Fall ist, in Karlsruhe nicht zu erkennen ist. Diese Einschätzung muss dahingehend erweitert werden, dass die in der Wirtschaftszweigstatistik vorgenom- mene Trennung zwischen Bildungssektor und Forschungstätigkeiten i. e. S. zu einer Unschärfe in der Betrachtung führt. So verfügt Karlsruhe über einen sehr hohen relativen Anteil an FuE-Beschäftigten, die sich in verschiedenen privaten sowie öf- fentlichen wissenschaftlichen Einrichtungen konzentrieren (vgl. Kap. 4.3). Hinzu kom- men zahlreiche forschungsintensive Wirtschaftsunternehmen am Standort Karlsruhe. Branchenportfolio-Analyse Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Für Karlsruhe gilt auch, dass der Sektor der Kultur- und Kreativwirtschaft zwischen- zeitlich einen starken Wachstumspfad aufweist und eine gewichtige Rolle einnimmt. Er wies im Jahr 2017 einen deutlich höheren Anteil an Erwerbstätigen (6,3%) auf 22 als der Bundesdurchschnitt (3,6%) sowie Baden-Württemberg (3,4%) und liegt auch 21 Hier ist anzumerken, dass auch im Logistikbereich durch den Umzug von L'Oréal in die südlich gelegene Gemeinde Muggensturm (Bau eines neuen Logistikzentrums) und dortiger Zusammenlegung der beiden Karlsruher Standorte im Jahr 2019 voraussichtlich negative Beschäftigteneffekte zu erwarten sind. Als wesentlicher Grund wird ein Mangel an Erweite- rungsflächen in Karlsruhe angegeben. 22 Anteil an Erwerbstätigen aller Branchen Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 25 knapp vor Stuttgart (6,0%). Jeder zehnte Betrieb in Karlsruhe ist diesem Bereich zuzuordnen. 23 Diese Feststellungen lassen sich auch mittels einer Branchenportfolio-Analyse dar- stellen (Abb. 12), in deren Rahmen die relativen Anteile der einzelnen Branchen auf kommunaler Ebene mit den relativen Anteilen derselben Branchen auf Bundesebene in Beziehung gesetzt werden. Der Bildungssektor ist relativ schwach besetzt (Lokalisationsquotient: 77,5) und verlor weiterhin an Beschäftigung. Demgegenüber wird sehr deutlich, dass sich im oberen rechten Quadranten insbesondere die genannten unternehmensorientierten Dienst- leistungen finden, Karlsruhe also über einen stark wirtschaftsorientierten Dienstleis- tungssektor verfügt. Als „typische“ bzw. vorrangige Nachfrager von GE- und GI- Gebieten gelten diese Branchen zwar nicht. Allerdings ist zu bedenken, dass es sich vielfach um solche Aktivitäten handelt, die der eigentlichen Produktion vor- und nachgelagert sowie prozessbegleitend (oder Bestandteil der Produktangebotspalette) sind und damit enge funktionale Verknüpfungen zum Produzierenden Gewerbe auf- weisen. Sie bilden gemeinsam mit der industriellen Erzeugung den innovativen und produktiven Kern der Ökonomie und erfordern in vielen Fällen daher auch eine entsprechende räumliche Nähe zur Produktion, worauf auch in Kap. 4.1 bereits eingegangen wurde. Exkurs Digitalisierungstechniken Die Digitalisierung von Wirtschaft und Produktionsprozessen führt mit zunehmenden Verbesserungen der Programmcodes, der Sensorik und der Steuerungstechnik dazu, dass Maschinen und Apparate selbstständiger, intelligenter, effizienter und damit auch unabhängiger von menschlicher Steuerung und Kontrolle werden. Folglich lassen sich auch Arbeiten zunehmend auslagern (gestiegene Arbeitsteilung). Veränderte Ar- beitsweisen wie z. B. das Crowdsourcing bzw. Open Innovation nehmen zu. Ebenso steckt in der digitalen Technik aber auch das Potenzial, menschliche Arbeit in vielen Gebieten zu ersetzen und gleichzeitig in fast allen Tätigkeitsfeldern produk- tiver zu machen. Die Frage, ob wir in den nächsten 15 Jahren eine technologische Welle erleben werden, in der die Freisetzungseffekte größer sein werden als das technologisch induzierte Wachstum an Arbeitsplätzen, ist vor diesem Hintergrund berechtigt. Denn „neben der Zuwanderung und der Geburtenziffer stellt die Digitali- sierung damit einen weiteren Hebel zur Abfederung des demografischen Wandels bereit.“ 24 Namhafte Unternehmen des Wirtschaftsabschnitts IuK und damit in unmit- telbarem Zusammenhang stehenden Bereichen sind in Karlsruhe u.a. die United Internet AG, Teles (Rechenzentrum Strato), CNT, Atevia, und Fiducia. Eingebunden in ein großes Unternehmernetzwerk und ergänzt um eine der weltweit wichtigsten Uni- versitäten der IT-Forschung, diverse thematische Arbeitskreise, Clusterinitiativen und 23 Quelle: Stadt Karlsruhe, Berechnungen basierend auf Teilgruppenkonzept (WZ 2008) aus Söndermann, Michael (2012) 24 Düll, N: Digitalisierung der Arbeitswelt – Grundlegende Thesen, in: Economix Research & Consulting/ Düll, N. (Hrsg.) (2016): Arbeitsmarkt 2030 Digitalisierung der Arbeitswelt. Fachexpertisen zur Prognose 2016. Projekt Analyse der zukünftigen Arbeitskräftenachfrage und des -angebots in Deutschland auf Basis eines Rechenmodells, S. 6 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 26 Messen, 25 zählt die IT-Region Karlsruhe damit zu den führenden Innovationsstandor- ten und wird vielfach als „Silicon Valley“ Europas bezeichnet. 26 Es verwundert daher wenig, dass auch der Digitalisierungsgrad der Wirtschaftsunternehmen in der Region entsprechend hoch ist (vgl. Abb. 13). Während der Kernbereich der Digitalisierungstechnik in der öffentlichen Statistik durch den Wirtschaftsabschnitt J „Informations- und Kommunikation“ beschrieben wird, der in Karlsruhe durch sehr hohe Beschäftigtenanteile und gleichzeitiges Wachs- tum gekennzeichnet ist (fast 61% Wachstum zwischen 2008 und 2019), finden sich relevante Anwendungsfelder der IuK auch im Produktionssektor und sind aus diesem Grund nicht unmittelbar aus den amtlichen Betriebs- und Beschäftigtenstatistiken abzulesen, sodass man sich hierzu i. d. R. anderer Erfassungsmethoden bedient (in Baden-Württemberg z. B. die Befragungen im Rahmen des Reportes Wirtschaft DIGI- TAL 2017). Als Beispiel sei die Siemens AG genannt, deren Niederlassung im Siemens Industriepark (Stadtteil Knielingen) zu den größten und ältesten Standorten des Konzerns zählt. Siemens unterhält dort u.a. ein Elektronikwerk und die Siemens Building Technologies (u.a. Gebäudeautomatisierung). Digitalisierungsgrad der Anbieter von Industrie 4.0-Lösungen* Anmerkung: * Die Auswertung bezieht sich auf die WZ-Nummern 26 (Hrst. von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen), 27 (Hrst. v. elektrischen Ausrüstungen), 28 (Maschinenbau) und 33 (Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen) Quelle: Brandt, A.: Industrie 4.0 und Wirtschaftsförderung, in: KommP spezial 2/ 2017, S. 89- 93) Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 25 Vgl. dazu auch CIMA IfR (2017): Potenzialanalyse zur Förderung und Ansiedlung von IT-Unternehmen. Studie im Auftrag der Stadt Ettlingen 26 Vgl. z. B. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Europaeische-Silicon-Valleys-im-Vergleich-2053362.html (Zugriff am 09.10.2018); https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/das-deutsche-valley-dann-eben-karlsruhe-1.3856096 (Zugriff am 09.10.2018); Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 27 Dass der Standort Karlsruhe in Fragen der Verknüpfung von Forschungsergebnissen und Anwendungen digitaler Prozesse in der Praxis richtige Weichenstellungen vor- nimmt, lässt sich auch anhand aktueller Entwicklungen belegen. So entsteht auf dem Areal Hoepfner Brauerei mit dem Smart Production Park ein neues Gründer- und Wachstumszentrum für Gründungen im Bereich Smart Production in Karlsruhe. Ziel des Gesamtkonzepts Smart Production Park ist es, Gründungen an der Schnittstelle von Hightech-Produktion und Digitalisierung im Wachstumsfeld der intelligenten und vernetzten Produktion aktiv zu begleiten und die Verzahnung von IT und Produktion voranzutreiben. Mit „Smart Production 4.0“ soll es gelingen, den Maschinenbau IT- gestützt mit elektronischen und mechanischen Teilen so miteinander zu verbinden, dass neue Produktionsprozesse aufgebaut und neue Produkte smarter, intelligenter und effektiver entwickelt werden können. Auf diese Weise sollen Regional hergestellte Produkte durch innovative Prozesse am Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben. Im Sep- tember 2022 soll der Bau beendet und an das CyberForum e.V. übergeben werden. Hinsichtlich der Relevanz der Digitalisierung von Wirtschaftsabläufen und den dahin- terstehenden Produktions- und Dienstleistungsprozessen für künftige Gewerbeflächen- konzepte lassen sich zur Zeit nur Empirie- gestützte Aussagen treffen. So ergibt sich aus Befragungen der cima im Rahmen von bundesweit geführten Interviews und durchgeführten Workshops mit Entscheidern aus Unternehmen ein weitgehend ein- heitliches Bild. Danach wird auch die umfassende Implementierung digitaler Prozesse bei der Herstellung von Waren und Dienstleistung absehbar nicht zu einem pauscha- len Minderbedarf an gewerblich nutzbarer Fläche bzw. zu Migrationsprozessen von Unternehmen führen. Allerdings können sich die Ansprüche an Lagegunst, Ausstattung und Umfeldqualitäten der Gewerbeflächen nochmals im Sinne einer umfassenden Aufwertung verändern (Urbanität, technische Ausstattung, B-Plan Inhalte). 4.4.4 Zusammenfassung und Folgerungen für die Gewerbeflächenpolitik der Stadt Der ökonomische und technische Wandel lässt sich unmittelbar anhand der gewerb- lichen Flächeninanspruchnahme ablesen. Dies trifft in erster Linie auf den kontinu- ierlichen Bedeutungsverlust der industriellen (Massen-)Fertigung zu, in dessen Zuge große, integrierte Betriebsstandorte immer seltener werden. Stattdessen entstehen bspw. „Supplier Parks“ in räumlicher Nähe zu Großbetrieben (v.a. bei der Automobil- industrie), die Just-In-Time- bzw. Just-In-Sequence- Produktion nimmt zu, die Erzeu- gung wird kundenindividueller und der Automatisierungsgrad steigt. Gewerbestandorte sind infolgedessen immer stärker geprägt durch einen Nutzungsmix aus Produktion, Logistik und unternehmensnahen Dienstleistungen, bisweilen auch Handelsfunktionen, was nicht nur im Neubau, sondern auch am Wandel bestehender Altstandorte sicht- bar wird. Auch sog. Unternehmensimmobilien werden immer häufiger nachgefragt, Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 28 also gemischt genutzte Gewerbeobjekte, die sich i.d.R. an mittelständische Betriebe (dort v.a. den Mietermarkt) richten. 27 Grundsätzlich gewinnt mit zunehmender Tertiärisierung, Spezialisierung und standört- licher Segmentierung der direkte Industrie-Dienstleistungsverbund gegenüber der kla- ren räumlichen Trennung betriebsinterner Funktionen an Relevanz. Folglich ballen sich operative Tätigkeiten, produktionstechnisches Knowhow, Softwareentwicklung, Marktbeobachtung u.a. oftmals innerhalb eines Produktionsstandortes. Andererseits findet dieser Wandel auch außerhalb des Betriebs seinen Niederschlag, etwa derge- stalt, dass die räumliche Nähe zu solchen Zulieferern bzw. Abnehmern für den Produktionsprozess gesucht wird, bei denen Face-to-Face-Kontakte als besonders förderlich angesehen werden. In anderen Fällen wiederum fallen verschiedene Funk- tionen kleinteilig auseinander und werden durch punktuelle Kontaktsituationen (be- fördert durch gute infrastrukturelle Netze) dauerhaft, oder auch nur zeitweise zu- sammengehalten. Damit verbunden sind einerseits allgemein steigende Ansprüche der produzierenden Unternehmen an den Standort, von dem immer mehr „urbane“ Qualitäten gefordert werden. Andererseits verschmelzen die Standorte von Produktion und produktionso- rientierten externen Dienstleistern immer mehr. Aus aktueller Sicht lassen sich vor allem dort, wo die Herstellung einer möglichst hohen Produktvielfalt mit der Erzielung von Skaleneffekten vereinbar wird (v.a. auf Basis digitaler, vernetzter Herstellungs- und Steuerungsprozesse), Gewinner des Strukturwandels erwarten. Vor diesem Hintergrund sind auch die vorherigen Ergebnisse für Karlsruhe zu be- werten, die sich einerseits in die überregionalen Trends einordnen, zugleich aber auch einige Restriktionen erkennen lassen: ▪ Der Anteil des sekundären Sektors an der Gesamtbeschäftigung, ebenso wie an der gesamten Bruttowertschöpfung, sinkt, wohingegen der Anteil des terti- ären Sektors absolut und prozentual steigt. Dies untermauert den weiteren Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft. ▪ Es lassen sich erhebliche Produktivitätssteigerungen (Bruttowertschöpfung je Erwerbstätige) im sekundären Sektor feststellen. ▪ Im Produzierenden Gewerbe zeigt sich im Bundesvergleich auf Ebene von Wirtschaftsabschnitten keine Konzentration (lediglich in einzelnen Wirtschafts- abteilungen, die durch Großbetriebe geprägt sind, ist davon auszugehen). Al- lerdings zeichnet sich das Verarbeitende Gewerbe in Karlsruhe eher durch eine Kleinteiligkeit der Betriebe aus. ▪ Im Dienstleistungssektor sind im Bundesvergleich hohe relative Beschäftigten- anteile insbesondere bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen und dort v.a. im Bereich IuK und FuE, sowie bei den Finanz- und Versicherungs- dienstleistungen, der öffentlichen Verwaltung und dem Kfz-Handel zu erkennen. Insgesamt weist die Karlsruher Wirtschaft einen hohen Anteil wissensintensiver Branchen (Beschäftigtenzahl) auf (vgl. Kap. 4.4.3). 27 Innerhalb solcher Immobilien mischen sich Büro-, Lager-, Produktions-, Forschungs-, Service- und/oder auch Großhandels- flächen, die um Freiflächen ergänzt werden. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 29 ▪ Im Unterschied zum Produzierenden Gewerbe ist die Betriebsstruktur im Dienst- leistungssektor (wiederum im Vergleich zum Bundesdurchschnitt) durch ver- gleichsweise größere Betriebe geprägt. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die im vorherigen Gewerbeflächenkonzept genannten zukunftsfähigen Branchen weiterhin ihre Bedeutung behalten: ▪ wissensintensive Dienstleistungen, ▪ insbesondere Informations-/Kommunikationstechnologien, sowie ▪ forschungsintensive Industrien Die ▪ Kultur- und Kreativwirtschaft nimmt einen zunehmend hohen Stellenwert ein, lässt sich wegen des hohen Anteils selbstständiger Tätigkeiten auf Grundlage der öffentlichen Beschäftigtenstatistik (SvB) allerdings nicht immer hinreichend beschreiben. 28 Dennoch weisen die von der Stadt Karlsruhe zur Verfügung gestellten Daten einen signifikanten Bedeutungszuwachs nach und können auch im Vergleich der Standorte überzeugen. Die Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg gilt ohnehin als überdurchschnittlich hoch digitalisiert, und auch in den bekannten Prognosen wird davon ausgegangen, dass sich die Veränderung von Geschäftsmodellen und unternehmensinternen Kernprozes- sen durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IkT) vor allem in dieser Kernbranche niederschlagen werden. 29 Die Bedeutung für die Stadt Karlsruhe ist also als entsprechend hoch zu bewerten, 30 und Standorte wie der Alte Schlachthof werden hierdurch nachhaltig geprägt sein (im Alten Schlachthof befindet sich z. B. das Kreativgründungszentrum "Perfekt Futur"). Bestimmung von Standorttypen zur Prognose des Gewerbeflächenbedarfs Um aus den bisher gewonnenen Ergebnissen auf den zukünftigen Gewerbeflächen- bedarf schließen zu können, ist weiterhin eine qualitative Unterscheidung der be- trieblichen Standortanforderungen bzw. der verschiedenen Standortcharakteristika ge- werblicher Areale zweckmäßig. Da sich die Wirtschaftsstruktur bzw. die damit verbundenen Prozesse der Güter- und Leistungserbringung gegenüber dem Zeitraum der vorherigen Gewerbeflächen-Be- darfsanalyse 2012 nicht grundsätzlich verändert haben, wird auch der aktuellen Analyse bis zum Zieljahr 2035 dieselbe Standortsystematik gewerblicher Gebiete zugrunde gelegt (Abb. 14). 28 Zur Definition der Kultur- und Kreativwirtschaft, siehe Anhang Kap. 10.3. 29 Vgl. IW4.0/WM Baden-Württemberg (Hrsg.) (2017): Kreativwirtschaft – Digitalisierungsprofil. Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 30 Karlsruhe liegt unter den 36 verglichenen Städten der Größe zwischen 250.000 und 500.000 Einwohnern im aktuellen EU- Vergleichsmonitor zur Kultur und Kreativwirtschaft auf Rang zwei. Betrachtet wurden dabei jeweils die Kriterien „kulturelle Vielfalt“, „Kreativwirtschaft“ und „förderliche Rahmenbedingungen“ (vgl. Joint Research Centre/ European Union (2017): The Cultural and Creative Cities Monitor. 2017 Edition). Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 30 Relevante Standorttypen in Karlsruhe Gewerbegebietstyp Standortfaktoren Beispiel Industriegebiete Standort Auf der Breit ▪ In Industriegebieten (i.d.R. § 9 BauNVO) sollen ausschließ- lich Gewerbebetriebe untergebracht werden, und zwar vor- wiegend solche, die in anderen Baugebieten aufgrund ih- rer Emissionen unzulässig sind ▪ Die Funktionalität der gewerblichen Produktion (teilweise sind sämtliche Funktionen „unter einem Dach“ zusammen- gefasst; größerer Zuschnitt der Grundstücke) steht im Vordergrund gegenüber Ansprüchen an Repräsentativität, attraktiver Nutzungsmischung und Umfeldgestaltung. Klassische Gewerbegebiete Standort Storrenacker ▪ I.d.R. gute örtliche und überörtliche Verkehrsanbindung bei gleichzeitiger Einbindung in die Siedlungsstruktur, hetero- gener Grundstücksparzellierung (meist aber > 2.500qm) und gegenüber typischen Industriegebieten gewissen Ein- schränkung zulässiger Emissionen bzw. Störgrade, weswe- gen sie oftmals näher an Wohngebieten liegen (können). ▪ Standorte dieses Typs weisen, je nach siedlungsstrukturel- ler Lage und Entwicklungsalter, einen unterschiedlichen Mix aus Produzierendem Gewerbe, Handwerk, kleineren Lagerhäusern/ -flächen, unternehmensnahen Dienstleistern und tlw. auch Einzelhandelsnutzungen auf. Bürostandorte Standort Technologiepark ▪ Innenstadtnahe Lagen mit guter ÖPNV-Anbindung. ▪ Besonders hochwertige Gewerbegebiete mit hohem Anteil an Büroimmobilien. Durch erkennbare innere Struktur (Parzellierung, Erschließung), städtebauliche und freiraum- planerische Ansprüche oftmals attraktiver als andere Standorttypen (ausgenommen ältere Großstandorte). ▪ Hochwertiges und zugleich funktionales Umfeld dient dem Entwickler (Selbstnutzer oder Vermieter/ Investor Develo- per) im Falle der Investition in einen Repräsentationsbau auch dem dauerhaften Werterhalt der Immobilie. ▪ Je nach Ausprägung (z. B. sind auch reine Bürostandorte möglich) Überschneidungen mit anderen Standorttypen sowie auch weitere Spezialisierung (z.B. SO Wissenschaft). Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 31 „Urbane“ Standorte Standort Alter Schlachthof ▪ Zumeist Gewerbegebiete im Sinne des § 8 BauNVO (oft mit weiteren Emissionseinschränkungen), vielfach Altstand- orte und auch Lagen mit Transformationsimmobilien. Un- terscheidung zum klassischen Gewerbegebiet tlw. fließend. ▪ Wichtig ist, dass hier nicht Urbane Gebiete im Sinne des § 6a der BauNVO gemeint sind. ▪ Relevant sind die geringeren Betriebsgrößen sowie das sich aus der Unternehmensstruktur (im Handwerksbereich Einheit von Eigentum und Geschäftsführungsbefugnis) er- gebende Standortwahl- verhalten mit hohem Mietanteil. Hinzu kommt ein hoher Anteil manueller Arbeit, ein nied- riger Grad an Arbeitsteilung und ein lokaler bis regiona- len Absatzmarkt. ▪ Die „urbanen“ Gewerbegebiete stellen vielfach eine Kom- bination aus Handwerks- und Kreativstandort dar. Sonderstandorte Standort Rheinhafen ▪ Hoher Stellenwert der Nähe zum Rheinhafen, andere Standorte v.a. von perspektivischer Relevanz (z.B. Logistik). ▪ Eng verbunden und mit teilweisen funktionalen Über- schneidungen zum emmissionsintensiven Gewerbe, stellen typische Logistikfunktionen besondere Anforderungen an Flächengröße, Lage, Erreichbarkeit des Marktes und ein lärmunempfindliches Umfeld, idealerweise Tag und Nacht. ▪ Logistisch intensive Standorte lassen sich grundsätzlich bestimmten Nutzerbranchen zuordnen, sodass auch ver- schiedene Immobilientypen relevant werden. Bildquelle: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, 2021 Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 32 5 Gewerbeflächenbedarf bis 2035 Zur Prognose des Gewerbeflächenbedarfs bis zum neuen Zieljahr 2035 wird eine kombinierte Betrachtung aus bisheriger realer Flächennachfrage und einer Schätzung der zukünftigen Entwicklung gewählt. Dem Flächenbedarf wird das Flächenangebot (Kap. 6) gegenübergestellt, das sich in „Bestehende Gewerbebereiche und Gewerbe- schwerpunkte“ sowie „Flächenpotenziale im FNP“ differenzieren lässt. Hierdurch wird eine Bilanzierung möglich (Kap. 7), um auf dieser Grundlage schließlich eine Bewer- tung des Gewerbeflächenmarktes vornehmen und entsprechende Handlungsempfeh- lungen ableiten zu können (Kap. 8). 5.1 Methodische Grundlagen Die Gewerbeflächenbedarfsanalyse soll den ggf. zusätzlichen Bedarf an Gewerbeflä- chen bis zum Zieljahr 2035 abschätzen. Hierzu wird in erster Linie ein Ansatz aus Fortschreibung der realisierten Ansiedlungsfälle in der Vergangenheit sowie eines trendbasierten Prognosemodells (CIMA-Modell) mit branchenspezifischer Beschäftig- tenprojektion herangezogen. Mit diesem Vorgehen folgt das Untersuchungsdesign dem Aufbau des 2012 erstellten Gewerbeflächengutachtens, um eine Vergleichbarkeit beider Ergebnisse zu gewährleisten. Realisierte Gewerbeflächennachfrage in der Vergangenheit Hierbei handelt es sich um eine Übertragung der bisherigen Nachfrage auf die zukünftige Entwicklung. Im Zuge der Untersuchung wird allerdings keine unmittelbare Extrapolation der bisherigen Nachfrage in die Zukunft genutzt, da eine geringe bzw. fehlende Nachfrage in der Vergangenheit z.B. auch auf einem zu geringen Flächen- angebot basieren kann und damit eine Mangelsituation der Vergangenheit in die Zukunft fortgeschrieben würde. Für die Ausgangslage in Karlsruhe ist ein solches Szenario durchaus für einige Marktsegmente als realistisch anzunehmen. Da aus den bisherigen Flächenumsätzen allein jedoch weder unmittelbar auf den realen Flächenbedarf geschlossen werden kann, noch eine hinreichende Berücksich- tigung der Bevölkerungs-/ Beschäftigungseffekte gewährleistet ist, wird ergänzend dazu ein weiterer Prognoseansatz her-angezogen: CIMA-Modell (zukunftsgerichtetes trendbasiertes Prognosemodell) Es wird auf ein Gewerbe- und Industrieflächenprognose-Modell zurückgegriffen, das von der bisherigen Nachfrage methodisch entkoppelt ist (nachfrageorientiertes Mo- dell). Die Einschätzung des zukünftigen Flächenbedarfs erfolgt unter Zugrundelegung des „Hilfs-Prädikators“ der Beschäftigtenzahl, die unter verschiedenen methodischen Be- dingungen herangezogen wird. Dazu zählt eine Prognose der Beschäftigtenentwick- lung für jeweils 18 Branchengruppen (bis 2035). Die Ergebnisse werden in einem Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 33 weiteren Schritt mehreren Unternehmenstypen zugeordnet, also Branchenkonglome- raten, die ähnliche Standortanforderungen aufweisen. Im Flächen-Modell werden diese Werte schließlich mit individuellen Flächenkennziffern (FKZ), Verlagerungs- und Neuansiedlungsquoten sowie entsprechenden Quoten für Wiedernutzungen evtl. frei fallender Flächen kombiniert. Hierüber wird eine nach Standorttypen differenzierte Gewerbeflächenbedarfseinschätzung möglich. Schema der Flächenbedarfsermittlung Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 5.2 Realisierte Gewerbeflächennachfrage in der Vergangenheit Die Auswertung der kommunalen Verkaufsstatistik stellt eine erste und zentrale Grundlage dar, um den Gewerbeflächenbedarf quantitativ zu beschreiben und Ein- schätzungen zum künftigen Verlauf vornehmen zu können. Zu diesem Zweck pflegt die Stadt Karlsruhe eine Flächenumsatzstatistik, auf deren Ergebnisse sich die nach- folgende Auswertung bezieht. 31 Hieraus wird deutlich, dass zwischen den Jahren 2001 und 2020 (20-Jahres-Zeitraum) durch die Stadt Karlsruhe Flächen im Umfang von rd. 67,69 ha an Unternehmen und Betriebe veräußert wurden, was einer jährlichen Durchschnittsnachfrage von rd. 3,38 ha (netto) entspräche. In diesem Betrachtungszeitraum gab es merkliche Schwankungen der Flächenumsätze, die sich besonders an dem nach Einzelfällen differenzierten Datensatz der Zeitreihe ab 2004 (vgl. Abb. 16) ablesen lassen. Unver- kennbar werden diese Schwankungen in den Jahren 2006, 2009, 2014, 2015 und 31 Diese Flächenveräußerungen beziehen sich ausdrücklich nur auf Flächen aus kommunalem Eigentum, sodass der private Flächenmarkt hierbei unberücksichtigt bleibt. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 34 2020 (Tiefstände). In den Jahren 2009 und 2015 gingen die geringen Umsätze auch mit geringen Verkaufszahlen einher, was unterschiedliche Gründe haben kann (struk- turell oder konjunkturell bedingt). In anderen Jahren wiederum, wurden die Flächen- umsätze in hohem Maße durch einzelne Großverkäufe bestimmt. Von Interesse ist dabei, dass von den insgesamt 17 Grundstücksverkäufen mit mehr als 10.000 qm jeweils 3 auf das Verarbeitende Gewerbe (Abschnitt C) und die Informations- und Kommunikationstechnologien (J) und jeweils 2 auf die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (M) sowie das Baugewerbe (F) entfielen. Kommunale Flächenveräußerungen 2004- 2020 Anmerkung: * Diese Flächenveräußerungen beziehen sich ausschließlich auf Flächen aus kommunalem Eigentum. Quelle: Stadt Karlsruhe, 2021 (dargestellt sind die von der cima selektierten Fälle im Umfang von 61,0 ha) Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Weil die Grenzen zwischen eindeutig gewerblich geprägten Standorten, allgemeinen Misch-, spezifischen Sonder- und bisweilen auch Kerngebieten in der Realität oftmals fließend sind, 32 wurde im Rahmen dieser Untersuchung eine nähere Zuordnung der Flächenverkäufe zu eindeutig gewerblich geprägten Standorten i. e. S. vorgenommen, was auf Grundlage der sehr differenzierten Flächenumsatzstatistik für die Jahre ab 2004 möglich wird. Innerhalb dieses Zeitraums wurden von der Stadt Karlsruhe Flächen im Umfang von rd. 61,0 ha veräußert, die sich aus gutachterlicher Sicht als eindeutig gewerblich geprägte Standorte 33 klassifizieren lassen. Projiziert auf den Jahresdurchschnitt, ergibt sich damit eine realisierte Gewerbeflächennachfrage für kommunale Grundstücke in Höhe von rd. 3,59 ha pro Jahr (17 Jahre). Gegenüber dem in der vorherigen Gewerbeflächenstudie (2012) gewählten Zeitraum 2004 bis 2010, hat sich der Durchschnittsverbrauch von zuvor 3,13 ha (netto) 34 32 Eine solche definitorische Unterscheidung ist jedoch zwingend erforderlich, um zwischen gewerblichen Flächenbedarfen und bspw. auch Büroflächenbedarfen unterscheiden zu können (zur Definition, siehe insbes. nachfolgende Fußnote). 33 Flächen für den großflächigen Einzelhandel sind ebenso nicht Bestandteil dieser Darstellung wie reine Bürostandorte, bspw. die Neuentwicklung entlang der Ludwig-Erhard-Allee. 34 Vgl. Gewerbeflächenstudie für die Stadt Karlsruhe bis 2025; S. 33 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 35 erhöht. Der Flächenverbrauch liegt im längeren Beobachtungszeitraum (2004 – 2020) durchschnittlich 0,46 ha pro Jahr höher. Verkürzt man den Betrachtungszeitraum weiter, so fiele die Zunahme noch höher aus: Betrachtet man lediglich den Zeitraum zwischen 2011 bis 2020, so liegt der Durchschnittswert der kommunalen Flächen- verkäufe bspw. bei 3,91 ha p.a. Kommunale Flächenveräußerungen nach Branchen* (2004-2020) Anmerkung: * Branchenzuordnung entsprechend der WZ-Klassifizierung (WZ 2008): C: Verarbeitendes Gewerbe; F: Baugewerbe; G Kfz: Kfz-Handel; G Groß: Großhandel; G EZH: Einzelhandel; H: Verkehr u. Logistik; J: Information und Kommu- nikation; K: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, L: Grundstücks- und Wohnungswesen, M: Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen u. techn. Dienstleistungen; N: Erbringung von sonst. wirtschaft- lichen Dienstleistungen; Q: Gesundheits- und Sozialwesen; k.A.: keine Angabe. Quelle: Stadt Karlsruhe, 2021 Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Differenziert nach Branchen 35 zeigt sich ein Bild, das sehr stark der kommunalen Flächenangebotspolitik der vergangenen Jahre entspricht. So entfallen die größten Flächenveräußerungen (Fläche in qm) in den Jahren 2004 bis 2020 auf folgende Wirtschaftsabschnitte und -abteilungen: ▪ Wirtschaftsdienstleistungen im engeren Sinne, M/N (26,1%) ▪ Information und Kommunikation, J (17,5%) ▪ Verarbeitendes Gewerbe, C (15,1%) ▪ Großhandel, G Groß (10,8%) ▪ Baugewerbe, F (9,41%) ▪ Kfz-Handel und -reparatur, G Kfz (6,71%) Um eine Zuordnung dieser Flächenverkäufe zu den sechs relevanten Standorttypen (Kap. 4.4.4; Abb. 14) vorzunehmen, wurden die nachgefragten Flächen weiterhin 35 Die Differenzierung bezieht sich auf Wirtschaftsabschnitte und -abteilungen. Hierzu wurde durch die cima eine Branchen- zuordnung jedes Flächennutzers entsprechend der WZ 2008 vorgenommen. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 36 entsprechend dieser Typisierung differenziert (die Zuordnung vom Jahr 2012 wurde beibehalten). Hierbei zeigt sich, dass der größte Anteil der Flächenverkäufe auf die Standorttypen ▪ „Klassische“ Gewerbegebiete (47%) und ▪ Bürostandorte (40%) entfallen ist. Die Nachfrage nach Standorten der anderen vier Typen fiel in den vergangenen Jahren dagegen vergleichsweise gering aus. Es muss hierbei berücksichtigt werden, dass selbstredend nur diejenigen Flächen (und Standorttypen) real nachgefragt bzw. veräußert werden konnten, die sich auch im Angebotsportfolio der Stadt Karlsruhe befanden und daher kurzfristig verfügbar waren. Insbesondere würde daher eine Extrapolation dieser durchschnittlichen jährli- chen Flächenveräußerungen in Höhe von rd. 3,59 ha in die Zukunft außer Acht lassen, dass ein erheblicher Teil der bisherigen Flächennachfrage durch die Nutzung bzw. Inanspruchnahme privater Reserveflächen befriedigt werden konnte (Betriebe nutzen bei Expansionsbedarf zuerst ihre bereits erworbenen Flächen). Kommunale Flächenveräußerungen nach Standorttypen* Anmerkung: * Hierzu wurden die nachgefragten Gewerbestandorte dem jeweiligen Standorttyp zugeordnet (die Zuordnung orientiert sich an der Gewerbeflächenstudie 2012, wodurch z. B. auch ein direkter Vergleich möglich wird. Quelle: Stadt Karlsruhe, 2021 Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 37 Aus gutachterlicher Sicht (Abgleich der in 2012 erfassten Flächen mit der heute vor Ort erkennbaren Situation) haben die privaten Potenzialflächen mit erhöhter Ge- schwindigkeit abgenommen, da Reserveflächen in letzter Zeit vielfach einer baulichen Nutzung zugeführt wurden. Dieser Befund deckt sich im Übrigen mit Erhebungen an anderen Wirtschaftsstandorten mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur und Entwicklungsdy- namik. Damit erhöht sich der Druck auf die Bereitstellung weiterer neuer Flächen durch die Stadt Karlsruhe erheblich. 5.3 Trendbasiertes Prognosemodell 5.3.1 Annahmen und Aussagekraft Im Kern basiert das verwendete Modell auf dem Ansatz des sogenannten TBS- GIFPRO 36 , der von der cima weiter angepasst und auf die jeweiligen regionalen Ausgangsbedingungen bezogen wird. Das Modell stellt eine Kombination aus Bedarfs- schätzung anhand der Beschäftigtenzahlen und ansiedlungsbezogener Berechnung dar, wobei zugleich die Statuswechsel von Unternehmen (Neugründung, Erweiterung, Verlagerung, Schließung) mit einfließen. 37 Aufbau des Trendmodels Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 36 Vgl. dazu auch DIfU - Deutsches Institut für Urbanistik, 2010 37 Die Methodik des Modells wird nochmals im Anhang (Kap. 11.1) beschrieben. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 38 Durch die Schätzung des Flächenverbrauchs auf Basis der Beschäftigtenzahlen und -entwicklung, wird zugleich eine tiefe Branchendifferenzierung (Wirtschaftsabschnitte) möglich, wodurch sich wiederum auch Aussagen bezüglich der nachgefragten Stand- ortfaktoren bzw. Standorttypen treffen lassen. Dabei wird eine Differenzierung der Beschäftigten nach WZ-Klassifizierung in 18 Branchengruppen vorgenommen, für die wiederum einzelne Beschäftigtenprognosen für das Zieljahr 2035 erstellt werden. Die Ergebnisse werden anschließend mehreren Unternehmenstypen zugeordnet, die sich durch überwiegend ähnliche Standortanfor- derungen auszeichnen (Gewichtung). Die nach Unternehmenstypen differenzierten Be- schäftigtenzahlen werden schließlich unter Rückgriff auf Flächenkennziffern (FKZ), Verlagerungs-, Neuansiedlungs- und Wiedernutzungsquoten auf Flächenbedarfe um- gerechnet und den relevanten Standorttypen zugeordnet. Die in der früheren Mo- dellrechnung 2012 verwendeten Kennziffern für den Flächenverbrauch pro Arbeits- platz werden auch bei den vorliegenden Berechnungen der Aktualisierung beibehal- ten, da es keine signifikanten Veränderungen in den Unternehmensprozessen gege- ben hat, die sich auf den Verbrauch von Fläche pro Arbeitsplatz auswirken. Die zu Grunde gelegten Kennziffern sind demnach branchenübliche Zahlen und Vergleichs- werte, die deutschlandweit Verwendung finden. Anzumerken ist, dass die Beschäftigtenzahl lediglich eine „Hilfsgröße“ zur Flächen- bedarfsschätzung darstellt; denn letztlich sind es nicht die Beschäftigten, die Gewer- beflächen nachfragen, sondern der einzelne Betrieb. Jedoch korreliert die Beschäf- tigtenzahl in den meisten Wirtschaftsabschnitten nachweislich hoch mit der realen Flächennachfrage und bietet sich deshalb besonders zur Einschätzung der zukünfti- gen Flächenbedarfe an. 38 Das trendbasierte Prognosemodell stellt eine zentrale Grundlage zur Einschätzung des künftigen Gewerbeflächenbedarfs dar und wird im Anschluss dem extrapolierten Wert der bisherigen Realverkäufe gegenübergestellt und zu einem Gesamtwert abge- leitet. Dass die trendbasierte Prognose aufgrund der Differenzierung der Flächen- nachfrage entsprechend den Wirtschaftszweigen auch Aussagen zu unterschiedlichen Standorttypen ermöglicht, stellt dabei einen wesentlichen Vorteil gegenüber der oft- mals anonymisierten Kaufpreissammlung dar. 5.3.2 Trendprognosemodell: Beschäftigtenentwicklung seit 2000 und -prognose bis 2035 Zentraler Baustein dieser trendbasierten Gewerbeflächenbedarfsprognose ist die Ein- schätzung der Beschäftigtenentwicklung bis zum Zieljahr 2035 (vgl. Kap. 5.1). Bereits im Flächengutachten vom 2012 wurde eine entsprechende Prognose erstellt, die es 38 Das Modell unterstellt auf indirektem Weg einen positiven Zusammenhang zwischen Beschäftigtenzahl und Flächenverbrauch. Ein möglicherweise starkes Beschäftigtenwachstum in den ersten Jahren der Prognose, welches höher als der ermittelte Zielwert im Jahr 2035 liegt, würde hierbei keine direkten Rückschlüsse auf die Genauigkeit der Prognose ermöglichen, weil sich die Schätzung auf eine Berechnung zum Zieljahr der Prognose bezieht. Es muss ebenso beachtet werden, dass allein aufgrund des stetigen Freifallens von Flächen/ Immobilien im Zuge von Nutzerwechseln sogar eine über die Jahre konstante Beschäftigtenzahl einen wachsenden Flächenverbrauch nach sich ziehen wird. Dies zeigen auch die offiziellen bundesweiten Flächennutzungsstatistiken. Zur laufenden Kontrolle bietet sich ein Monitoring an, das in einem Zeitabstand von nicht weniger als 5 Jahren durchgeführt werden sollte. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 39 nun im Rahmen der Aktualisierung des Konzeptes anzupassen gilt. Schließlich haben sich, wie in Kap. 3 bereits dargestellt, seit 2012 teilweise grundlegende Veränderun- gen ergeben, die auch auf einer bundesweit günstigen Konjunkturentwicklung nach 2010 beruhen. Die aktuelle cima-Beschäftigtenprognose basiert auf einem Stützzeitraum zwischen 2000 und 2019, innerhalb dessen für insgesamt 18 Branchen die Entwicklungstrends der Beschäftigten erfasst und entsprechend der erkennbaren und zu erwartenden wirtschaftlichen Gesamtentwicklung fortgeschrieben werden. Im Ergebnis wird von einer positiven Entwicklung in fast allen betrachteten Branchen ausgegangen, sodass sich für das Zieljahr 2035 eine Beschäftigtenzahl von rd. 212.600 SvB ergibt. Gegen- über dem Ausgangsjahr 2019 (rd. 178.900 SvB 39 ) entspricht dies also einem Zuwachs um rd. 19 Prozent (im vorangegangenen, gleich langen Zeitraum zwischen 2004 und 2019 lag das reale Beschäftigtenwachstum bei rd. 20 Prozent) (Abb. 20). Beschäftigtenentwicklung 2000 bis 2019 und Prognose bis 2035 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2018 Berechnungen: Eigene Berechnungen CIMA Beratung + Management GmbH, 2018 Die Branchen mit ausgeprägten Affinitäten zu gewerblichen Standorten werden dabei auf einen Beschäftigtenumfang von rd. 210.850 SvB geschätzt. 40 Differenziert nach Wirtschaftsgruppen sind nachfolgende Einzelergebnisse hervorzuheben, wobei eine Auswahl insbesondere derjenigen Wirtschaftsbereiche getroffen wird, die einen hohen Anteil Gewerbeflächen beanspruchender Betriebe umfassen. Für Vergleichszwecke werden jeweils die Ergebnisse der 2012 erstellten Prognose gegenübergestellt: Verarbeitendes Gewerbe Wenngleich es an zahlreichen Wirtschaftsstandorten in Deutschland v.a. in den letzten Jahren (nach 2010) nachweisbare Wachstumseffekte beim Verarbeitenden Gewerbe 39 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Stand: Dezember 2020 40 Grundsätzlich kommt jeder Gewerbebetrieb als Nachfrager nach gewerblichen Bauflächen in Frage (vgl. auch § 8 BauNVO), sodass sich lediglich die Branchenzusammensetzung (Anteile) unterscheidet. Jedoch können auch einzelne Branchen, wie etwa die Landwirtschaft, oder private Haushalte, benannt werden, die faktisch nie in Gewerbegebieten anzutreffen sind. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 20002005201020152020202520302035 Sozialversicherungspflic htig Beschäftigte (SvB) 2020 - 2035 Prognosezeitraum Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 40 gab, wird für Karlsruhe eine echte Trendwende gegenüber der bisherigen Prognose nicht erkannt. Denn in den meisten Jahren seit 2000 verlief die Entwicklung negativ. Allerdings wird aus heutiger Sicht mit einer mehr oder weniger konstanten Entwick- lung von 18.807 (2019) auf 18.775 SvB im Jahr 2035 gerechnet. Diese Einschätzung basiert auf der Abflachung der negativen Entwicklung in den letzten Jahren und der Einschätzung hinsichtlich der zukünftigen Beschäftigtenentwicklung in den einzelnen Branchen. Nach wie vor steht einer grundsätzlichen Trendumkehr die aktuelle Wirtschaftsstruktur und v.a. auch der weitere Rückgang bei den wissensintensiven Industrien in den letzten Jahren entgegen (vgl. 4.4.3). Als eine zentrale Ursache wird auch ein Mangel an geeigneten Standorten gesehen. Ungeachtet dessen ist davon auszugehen, dass die Berufe der Industriebeschäftigten insgesamt immer wissensintensiver und damit auch dienstleistungsorientierter werden, worauf die starken Produktivitätsgewinne hindeuten (vgl. Kap. 4.4.2; Abb. 10). Dies- bezüglich bietet sich auch ein entsprechendes Potenzial, das es zu nutzen gilt. Unternehmensnahe Dienstleistungen Während im Produzierenden Gewerbe (und dort vorrangig im Verarbeitenden Ge- werbe) die beschäftigungsstärksten Wirtschaftsbereiche, aller Voraussicht nach, leichte Rückgänge zu verzeichnen oder stagnieren werden, wird für die überwiegende Anzahl der Dienstleistungsbereiche mit Beschäftigtenzuwächsen gerechnet. Insbesondere wird angenommen, dass die unternehmensnahen Dienstleistungen 41 auch weiterhin der regionale Beschäftigungsmotor sein werden, worauf die bisherigen Analysen (vgl. Kap. 4.4) ebenso hindeuten, wie auch bundesweite Prognosen. 42 Ins- besondere der hohe Anteil und die zugleich überaus günstige Entwicklung der wis- sensintensiven Dienstleistungen in den vergangenen Jahren stützen die bisherigen Annahmen auch weiterhin. Dementsprechend wird etwa für den Bereich IuK mit einem Beschäftigtenwachstum von 18.275 SvB (2019) auf ca. 24.750 SvB im Jahr 2035 gerechnet. Bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistun- gen wird von einem ähnlich starken Wachstum von ca. 22.200 SvB (2019) auf ca. 28.200 SvB ausgegangen, wobei in der zugehörigen Abteilung FuE sogar mit einem Wachstum um 53 Prozent und bei den anderen Abteilungen des Wirtschaftsabschnitts M (v.a. repräsentiert durch Unternehmensverwaltung und -beratung, Ingenieurwesen sowie Rechts-/ Steuerberatung) mit einer Zunahme um rd. 36 Prozent gerechnet wird. Diese Annahme entspricht auch der bisherigen Entwicklung. Allerdings muss der enge Zusammenhang zwischen industrienahen Dienstleistungen und dem Produktionssektor beachtet werden. Einerseits sind hoch entwickelte Volks- wirtschaften ohne eine dienstleistungsintensive Industrie nicht funktionsfähig, da das 41 Überwiegend werden unter den sog. „unternehmensnahen Dienstleistungen“ die WZ-Abschnitte J bis N zusammengefasst, wobei es auch abweichende Definitionen geben kann. Das nachfolgende Interesse konzentriert sich auf die Abschnitte J (IuK) und M (Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen). 42 Vgl. z. B. Fuchs, J./ Zika, G.: Arbeitsmarktbilanz bis 2025. Demografie gibt die Richtung vor (IAB Kurzberichte 12/2010) Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 41 Verarbeitende Gewerbe zu den zentralen Abnehmern zählt. Andererseits sind viele Industrieprodukte kaum noch ohne zugehörige Dienste (produktbegleitende Dienst- leistungen) verkäuflich. 43 Baugewerbe Im Baugewerbe gab es gegenüber dem Verarbeitenden Gewerbe in den vergangenen Jahren (in Karlsruhe nach 2009) eine echte Trendumkehr, sodass die Beschäftigten- zahl von rd. 5.400 SvB (2009) relativ konstant auf fast 6.100 SvB (2019) stieg. Bisher wurde mit einem starken Einbruch v.a. bei den Hoch- und Ausbauberufen gerechnet, zu denen u.a. Maurer, Zimmerer, Isolierer, Fliesenleger und Dachdecker zählen. Aus heutiger Sicht und unter der Annahme, dass – auch gekoppelt an den Wohnungs-, Büro- und Verkehrswegebau – die Bauindustrie weiterhin mit einer guten Auftragslage rechnen kann, wird bis 2035 mit einem weiteren Wachstum auf rd. 6.700 SvB gerechnet. Inwieweit ein spezialisiertes Flächenangebot auch für die Bedürfnisse des Baugewer- bes vorgehalten bzw. entwickelt werden sollte, kann ggf. an den Ergebnissen der laufenden Bedarfsanalyse der Stadt Karlsruhe für ein Gründerzentrum des Handwerks abgeleitet werden. Handel Grundsätzlich muss aus gutachterlicher Sicht zunächst festgestellt werden, dass der Einzelhandel und hier insbesondere der großflächige Einzelhandel nicht für die An- siedlung in Gewerbestandorten nach §§ 8 und 9 BauGB vorgesehen ist und einer Flächenpolitik zum Erhalt einer leistungsfähigen Wirtschaft bei knappen Ressourcen diametral entgegensteht. Insofern ist ausschließlich der Großhandel für das Angebot an Gewerbeflächen zu betrachten. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Großhandel negativ (und verzeich- nete erst nach 2014 wieder ein leichtes Beschäftigtenwachstum), sodass bis 2035 mit einer weiterhin geringfügigen Abnahme gerechnet wird. Verkehr und Lagerei Die Entwicklung im Bereich „Verkehr und Lagerei“ vollzog sich weiterhin sehr unein- heitlich. Zwar kann in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg der Beschäftigten- zahlen verzeichnet werden, jedoch entwickelte sich v.a. die Wirtschaftsabteilung Land- verkehr u.a. (v.a. vertreten durch Personen- und Güterbeförderung) deutlich günstiger als die Lagerei und Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr. In den Entwicklungen schlug sich zwischen 2012 und 2013 die Verlagerung der Dachser- Tochter SWS Karlsruhe in die naheliegende Gemeinde Malsch nieder. Weitere Aus- wirkungen finden sich in dem vollzogenen Umzug der L'Oreal-Standorte in das neue 43 Siehe dazu Eickelpasch, A. (2012): Industrienahe Dienstleistungen. Bedeutung und Entwicklungspotenziale. WISO Diskurs Juni 2012; Eickelpasch, A.: Industrienahe Dienstleistungen als Wachstumsmotor für die urbane Produktion. Vortrag am 6. Mai 2015 auf der Tagung Wissensregion FrankfurtRheinMain, 2. Think Tank – Urbane Produktion Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 42 Logistikzentrum in Muggensturm. Als Grund hierfür werden beschränkte Expansions- möglichkeiten am Standort Karlsruhe angeführt. Der vorhandene Flächenbedarf konnte nicht befriedigt werden. Der Standort Karlsruhe muss sich aus gutachterlicher Sicht auch weiterhin mit dem logistischen Flächenbedarf auseinandersetzen, um Lösungen zur urbanen Unterbrin- gung entsprechender Funktionen zu finden (Produktdifferenzierungen und wachsende Ansprüche an kurzfristige Verfügbarkeit machen dies erforderlich 44 ). Hier spielen neu- ere Konzepte kleinräumiger Lösungen für die „letzte Meile“ ebenso eine Rolle wie die Entwicklung mehrgeschossiger Logistikimmobilien in Innenstadtlagen für die spe- ziellen Bedürfnisse bestimmter Unternehmen und Dienstleistungen. Es ist allerdings weiterhin davon auszugehen, dass großflächige Logistikansiedlungen inkl. der damit regelmäßig verbundenen Verkehrsbelastung und Frequenz aufgrund der fehlenden strukturellen Rahmenbedingungen nicht im Stadtgebiet von Karlsruhe angesiedelt werden können. Beschäftigtenprognose nach Unternehmenstypen* Anmerkung: * Im Modell werden die o.g. Beschäftigtenprognosen (18 Branchen) in einem ersten Schritt mittels Gewich- tungen insgesamt 8 Unternehmenstypen zugeordnet. Erst im weiteren Verlauf der Prognose werden die Beschäftigten der Unternehmenstypen mittels Affinitäten (wie viel % entfällt auf Gewerbeflächen), in Verbin- dung mit verschiedenen Kennziffern (Flächenkennziffer, Verlagerungs-, Neuansiedlungs- und Wiedernutzungs- quote) in einen damit verbundenen Gewerbeflächenbedarf umgerechnet. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: Eigene Berechnungen CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Die vorangehende Tabelle zeigt das Ergebnis der Übertragung der einzelnen Trend- prognosen auf die 8 Unternehmenstypen. Es wird deutlich, dass insbesondere bei den beiden Unternehmenstypen „Wirtschaftsnahe Dienstleistungen“, und „Sonstige Dienstleistungen“ von einer besonders positiven Beschäftigtenentwicklung auszugehen ist. Eine starke Ausprägung zeigt zudem der FuE-Sektor. Hingegen sind in der neueren Prognose bis 2035 lediglich im ausgesprochen emissionsintensiven Gewerbe sowie im logistisch geprägten Bereich geringe Abnahmen zu erwarten. Im emissionsarmen 44 Vgl. Fraunhofer IIS (2017): Logistikimmobilien. Dreh- und Angelpunkt der Supply Chain. Bedeutung, Funktion und Ansied- lungseffekte (Hrsg.: Logix Initiative Logistikimmobilien) Emissionsintensives verarbeitendes Gewerbe u.ä.4.3554.313-42 Emissionsarmes verarbeitendes Gewerbe u.ä.31.65333.1241.471 Baugewerbe6.8707.744874 Verkehr, Logistik und Lagerhaltung10.10010.067-33 Forschung und Entwicklung2.4893.478989 Wirtschaftsnahe Dienstleistungen45.78762.89817.111 Sonstige Dienstleistungen64.14574.81010.665 Einzelhandel11.84914.4252.576 Beschäftigte Insgesamt (gewerbeflächenrelevant)177.248210.86033.612 nicht berücksichtigt1.6091.698 Gesamtbeschäftigte178.857212.558 Prognose: Beschäftigte 2035 Ausgangswert: Beschäftigte 2019 Zu-/Abnahme der SvB 2019 bis 2035 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 43 Gewerbe hingegen und im Baugewerbe sollte aus heutiger Sicht mit einer leichten Beschäftigtenzunahme gerechnet werden. 5.3.3 Gewerbeflächenbedarf nach dem Trendprognosemodell Auf Grundlage der Ergebnisse im vorangegangenen Kapitel wird der Bedarf an ge- werblich nutzbaren Flächen innerhalb der Stadt Karlsruhe bis zum Jahr 2035 ermit- telt. Dabei werden die Flächenbedarfe der Unternehmenstypen über die zusätzlichen prognostizierten SvB der 8 Unternehmenstypen sowie den dazugehörigen Flächen- kennziffern (vgl. Abb. 22) ermittelt. Die verwendeten Flächenkennziffern beziehen sich auf bundesweit im langjährigen Durchschnitt ermittelte und turnusmäßig überprüfte Zahlenangaben zum Flächenverbrauch pro Arbeitsplatz, wobei zu beachten ist, dass hier nicht ausschließlich der unmittelbare Flächenbedarf des Arbeitsplatzes in die Berechnung eingeht, sondern die Verkehrsflächen, Gemeinbedarfsflächen, Sozial- räume, Abstellflächen etc. Berücksichtigung finden. Soweit örtlich eigene Erhebungen im Einzelfall oder gebietsbezogen bestehen, kann es hier zu Abweichungen kommen. Im Trendmodell verwendete Flächenkennziffern (FKZ) Anschließend werden die Bedarfe der Unternehmenstypen per Gewichtung den 6 Standorttypen zugeordnet (vgl. Abb. 23). Es erfolgt, wie beschrieben, keine 1:1- Zuordnung, da sich bspw. der überwiegende Anteil der Dienstleister zwar in der Regel an urbanen oder Bürostandorten niederlassen, zu einem geringeren Teil jedoch auch in „klassischen“ Gewerbegebieten und an anderen Standorten vorkommen. Unter Zugrundelegung der in Kap. 10.1 dargestellten Affinitäten und Kennziffern ergibt sich im trendbasierten Prognosemodell ein Gewerbeflächenbedarf über 146,5 ha (netto) zwischen 2021 und 2035, was einem jährlichen Durchschnittswert über rd. 9,8 ha (netto) entspricht (vgl. Abb. 23). Dieses Ergebnis bestätigt grundsätzlich den Wert des im Jahr 2012 erstellten Gut- achtens, in dem ein durchschnittlicher Bedarf von 10,3 ha pro Jahr bis 2025 ermittelt wurde. Dabei muss beachtet werden, dass der damalige Wert noch inklusive eines Flexibilitätszuschlages errechnet worden ist, während der aktualisierte Prognosewert Emissionsintensives verarbeitendes Gewerbe 200 qm je Beschäftigten Emissionsarmes verarbeitendes Gewerbe 150 qm je Beschäftigten Baugewerbe 150 qm je Beschäftigten Logistik und Lagerhaltung 250 qm je Beschäftigten Wirtschaftsnahe Dienstleistungen 75 qm je Beschäftigten Sonstige Dienstleistungen 75 qm je Beschäftigten Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 44 auf keinerlei Zuschlägen basiert. Die Hinzurechnung eines Flexibilitätszuschlages fin- det im aktuellen Gutachten keine weitere Berücksichtigung, da die Bezirksregierungen in Baden-Württemberg dieses Konzept mit dem Verweis auf die Möglichkeit und Notwendigkeit von Monitoring- Konzepten abgelehnt haben. Sie raten zu rechtzeitiger Reaktion, wenn aus der laufenden Beobachtung oder großen Einzelansiedlungen Bedarfe entstehen, die bisher unberücksichtigt geblieben bzw. nicht vorhersehbar waren. Gewerbeflächenbedarf in ha (netto) Anmerkung: Summenabweichungen aufgrund von Rundungsfehlern * Sonderstandorte betreffen hier vorwiegend solche Standorte, die sich an überwiegend verkehrsintensive Branchen richten. Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Bei einer Betrachtung differenziert nach Standorttypen konzentriert sich die prog- nostizierte Nachfrage vorrangig auf klassische Gewerbegebiete (54%) und Bürostand- orte (27,2%). Bei den übrigen Standorttypen nehmen das Industriegebiet rd. 8,4%, der „urbane“ Gewerbestandort 5,6% sowie Sonderstandorte 4,2% der bis 2035 benötigten Bedarfe ein. 5.4 Absoluter Gewerbeflächenbedarf der Stadt Karlsruhe Wie bereits in Kap. 5.2 gezeigt werden konnte, erhöhte sich in den vergangenen Jahren auch die realisierte Nachfrage nach stadteigenen Gewerbeflächen von jährlich 3,13 ha (netto) (2004 - 2010) geringfügig auf 3,59 ha (2004 - 2020), was v.a. auf Standorttypen Unternehmenstypen Emissionsintensives verarbeitendes Gewerbe u.ä. 3,5 0,8 0,0 0,0 1,1 5,4 Emissionsarmes verarbeitendes Gewerbe u.ä. 4,8 40,8 0,0 0,0 0,0 45,6 Baugewerbe 0,9 15,0 0,0 0,9 0,9 17,8 Logistik und Lagerhaltung 2,6 4,5 0,0 0,0 4,5 11,7 Forschung und Entwicklung 0,4 1,1 5,3 0,4 0,0 7,2 Wirtschaftsnahe Dienstleistungen 0,0 13,1 32,9 6,6 0,0 52,6 Sonstige Dienstleistungen 0,0 1,7 1,7 0,8 0,0 4,2 Großhandel 0,0 2,0 0,0 0,0 0,0 2,0 SUMME in ha 12,2 79,1 39,9 8,7 6,6 146,5 Anteile insgesamt in % 8,4% 54,0% 27,2% 6,0% 4,5% 100,0% SUMME Industriegebiete "Klassische" Gewerbegebiete Bürostandorte "urbane" Gewerbestandorte Sonderstandorte Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 45 eine Steigerung in den letzten zehn Jahren zurückgeht. Innerhalb des Zeitraumes 2011 bis 2020 lag der Wert der von der Stadt veräußerten Flächen bei rd. 4,0 ha (netto). Dieses Wachstum verdeutlicht eine wichtige Tendenz, die bei der Einschät- zung der zukünftigen Gewerbeflächenbedarfe aus heutiger Perspektive nicht zu ver- nachlässigen ist und eine entsprechende Anpassung der Bedarfsprognose untermau- ert. Die starke Abweichung des Prognosewertes (cima-Modell) vom Wert der tatsächlich durch die Kommune veräußerten Gewerbeflächen weist deutlich darauf hin, dass Karlsruhe in den vergangenen Jahren nicht annähernd alle Bedarfe der Unternehmen befriedigen konnte. Es ist davon auszugehen – und mit einer Betrachtung der Flä- chenverkäufe in benachbarten Standorten auch zu belegen –, dass Unternehmen, die in Karlsruhe ihre Flächenbedarfe nicht realisieren konnten, auf „suburbane“ Standorte ausgewichen sind. So weist z.B. der Landkreis Germersheim die zweit- höchsten Flächenverkäufe in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar auf. Die Abweichung des Ergebnisses der trendbasierten Flächenbedarfsprognose gegen- über der realen Nachfrage in der Vergangenheit, lässt sich im Übrigen auch darauf zurückzuführen, dass in den Verkaufsstatistiken keine Nutzung privater Reserveflächen enthalten ist, ebenso wie die Nachfrage durch ein zu geringes Angebot (v.a. hins. der Qualität) künstlich begrenzt wird. Andererseits ist auch zu erwarten, dass insbesondere die stark positive Entwicklung der wirtschaftsnahen Dienstleistungen zu merklichen zusätzlichen Flächenbedarfen führt, denn auch von diesen werden insbes. verstärkt GE-Flächen nachgefragt. Dar- über hinaus ist davon auszugehen, dass auch die im Zuge von Beschäftigungsabbau freiwerdenden Flächen (v.a. im Verarbeitenden Gewerbe) nur in Teilen und über sehr lange Zeiträume für eine Folgenutzung durch wirtschaftsnahe Dienstleistungen in Frage kommen. Angesichts der gegenüber früheren Prognosen deutlich günstigeren Wirtschaftsent- wicklung, die sich auch in den Realverkäufen der Stadt Karlsruhe widerspiegelt, sowie der zu erwartenden großräumigen und langanhaltenden Trends der Realwirtschaft, wird daher empfohlen, vom Ergebnis der trendbasierten Gewerbeflächenbedarfsprog- nose auszugehen. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird also zwischen 2021 und 2035 ein absoluter Flächenbedarf in der Größenordnung von rd. 146,5 ha (netto) bzw. 9,77 ha (netto) pro Jahr angenommen. Dieser wird sich aller Voraussicht nach v.a. auf folgende Standorttypen konzentrieren: ▪ „Klassische“ Gewerbegebiete: 54% ▪ Bürostandorte 27,2% Demgegenüber ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach den anderen Stand- orttypen geringer ausfällt, allerdings ebenfalls relevant bleibt: ▪ Industriegebiete: 8,4% ▪ "urbane" Standorte: 6,0% ▪ Sonderstandorte: 4,5% Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 46 Hierbei ist anzumerken, dass bei den „klassischen“ Gewerbegebieten und den Stand- orten mit „urbanem“ Charakter einige Überschneidungen vorliegen. Teilbereiche klas- sischer Gewerbegebiete können also auch urbane Gewerbestandorte mitumfassen, was vielfach durch die Standortentwicklung vorgegeben wird. Grundsätzlich bleibt -auch im Hinblick auf ein ausdifferenziertes Flächenangebot- anzumerken, dass die cima in verschiedenen Gewerbeflächenuntersuchungen in hoch- verdichteten Räumen aufzeigen konnte, dass insbesondere auf angespannten Flä- chenmärkten verstärkt auch Betriebe mit geringer Bodenrente oder gewerbegebiets- untypische Dienstleister in Standorte drängen, an denen sich z. B. Altimmobilien befinden, oder an denen sich (Teil)Erweiterungen kostengünstig bewerkstelligen lassen (z. B. partielle Um- und Anbauten, die zum sog. „Verschleiß“ einer Immobilie beitra- gen). Auf der einen Seite können solche Prozesse sicherlich dazu führen, dass strategisch wichtige Standorte der Stadtentwicklung für lange Zeit dem Zugriff ver- schlossen bleiben und bisweilen auch einen unerwünschten Entwicklungsverlauf neh- men. Andererseits muss beachtet werden, dass nur ein relativ geringer Teil der Betriebe „durchgestaltete“ Standorte eines Idealtyps nachfragen kann. Vielfach muss aus Gründen der Kostenminimierung ein Standort gewählt werden, der von den Idealvorstellungen -auch des Unternehmens- deutlich abweicht. Letztendlich wird da- her eine vielschichtige – und stabile – Wirtschaft nur dann möglich sein, wenn zugleich auch für die eher kapitalschwächeren Klein- und Mittelbetriebe Flächenan- gebote bereitgehalten werden bzw. hinreichend viele Standorte existieren, an denen geringere Durchschnittsmieten realisiert werden. Diesem Anspruch kann insbesondere über eine Angebotsplanung mit ergänzenden umsetzungsorientierten Instrumentarien begegnet werden, die v.a. zur Schaffung und zum langfristigen Erhalt „klassischer“ Gewerbegebiete und einem gewissen Anteil an Altimmobilien beitragen. Ebenso bieten sich auch neue Immobilienarten, 45 an, die sich an ein weniger zahlungskräftiges Klientel oder/ und solche Kunden richten, welche flexibel auf Kapazitätsveränderungen reagieren müssen. Neben den vielfach bekannten Flächenangeboten für Start-up-Unternehmen, zählen hierzu z. B. auch Handwerker- und Gewerbehöfe sowie spezielle Angebote auch für Gründer im Verar- beitenden Gewerbe (insbesondere Klein- und Nebenerwerbsgründungen). Hier sind seitens der Stadt Karlsruhe bereits Weichenstellungen erfolgt. Mit dem Projekt „Streetbox“ wurde bereits ein Angebot ins Leben gerufen, welches Unterneh- men ermöglicht, Boxen für ihre Tätigkeiten zu kaufen (36 Boxen, davon 16 verkauft und 10 reserviert) bzw. in einer ansprechenden Umgebung anzumieten (64 Boxen, davon 1 vermietet und 8 reserviert). 46 Ein ausgeglichener Branchenmix im Sinne der oben angeführten Überlegungen kann hierdurch unterstützt werden. Des Weiteren 45 Verschiedene Marktberichte und auch regelmäßige Unternehmensbefragungen der Stadt Karlsruhe, ebenso wie der cima, machen deutlich, dass z. B. ein hoher Anteil der Produktionsflächen angemietet wird. Bei einer Vielzahl an Marktakteuren (die jeweiligen Betriebe sind tendenziell deutlich kleiner als andere Industrieunternehmen) resultiert daher eine größere Fallzahl an (potenziellen) Immobilien-Mietern. Insbesondere dort, wo eine Kombination von Produktion und Wohnen des Betriebsinhabers ermöglicht wird, liegt die Eigentumsquote naturgemäß höher. Der wesentliche Vorteil der Miete wird regelmäßig in der Vermeidung von Kapitalbindung gesehen sowie in der Erhöhung von Flexibilität. 46 Stand: 07.05.2021 Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 47 wurde eine Machbarkeitsstudie für ein Gründerzentrum beauftragt, welches sich spe- ziell an den Bedarfen von Handwerksunternehmen ausrichtet. Abhängig vom Ergebnis können hier ebenfalls konkrete Schritte zur Angebotserweiterung bzw. Differenzierung erfolgen. Durch eine Gegenüberstellung des ermittelten Gewerbeflächenbedarfs mit dem vor- handenen Flächenangebot, dem sich das nächste Kapitel widmet, werden im weiteren Verlauf der Untersuchung die Konsequenzen für die zukünftige Flächenpolitik aufge- zeigt. Zur grundsätzlichen Entwicklung der Nachfrage nach Gewerbeflächen ist in den Jah- ren 2020/21 in allen Gewerbeflächenprognosen die Frage erörtert und im Rahmen von Gutachten bewertet worden, ob die Pandemie einen Einfluss auf die Nachfrage hat und entsprechende Rückgänge der Nachfrage zu verzeichnen sind. Aus gut- achterlicher Sicht der cima konnte ein solcher Zusammenhang an keinem deutschen Standort nachgewiesen werden. Im Gegenteil konnte in den Studien regelmäßig eine weiter ansteigende Nachfrage nach gewerblichen Flächen konstatiert werden, so dass bisher kein Zusammenhang zwischen den möglichen Folgen der Pandemie und dem Bedarf an Gewerbeflächen zu belegen ist. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 48 6 Flächenangebot Um schließlich den zusätzlichen Flächenbedarf bis 2035 (Neuausweisungsbedarf) zu ermitteln, wird dem absoluten Flächenbedarf das Gewerbeflächenangebot in der Stadt Karlsruhe gegenübergestellt (vgl. Abb. 24). Ermittlung des zusätzlichen Flächenbedarfs bis 2035 Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Zur Einschätzung der Angebotssituation am Gewerbeflächenmarkt ist eine differen- zierte Betrachtung erforderlich. Einerseits gilt es, Potenzialflächen innerhalb der be- stehenden Gewerbeschwerpunkte und -bereiche zu erfassen und hinsichtlich ihrer Eignung zur Deckung des ermittelten Bedarfs zu bewerten (Innenentwicklungspoten- ziale). Andererseits finden sich im aktuellen Flächennutzungsplan auch Bauflächen in Planung (Kap. 6.2), die einer weiteren Eignungsprüfung zur Deckung des zu erwar- tenden Flächenbedarfs zu unterziehen sind. Im Rahmen dieser Fortschreibung wird, wie beschrieben, auf entsprechende Materia- lien zurückgegriffen, die u.a. von der Stadt Karlsruhe zur Verfügung gestellt werden. Hinsichtlich der Innenentwicklungspotenziale sind dies: ▪ Eine aktuelle Erhebung von gewerblichen Grundstücken, die sich im kommunalen Eigentum befinden. ▪ Informationen zu perspektivisch frei fallenden Flächen. Darüber hinaus konnten weitere frei zugängliche Quellen (Medienberichte, Branchen- dienste etc.) zu Grundstücksveräußerungen, Betriebserweiterungen, Verlagerungen und die Auswertung aktueller Luftbilder herangezogen werden. Hinsichtlich der Flächenpotenziale im FNP wird auf die beschlossene Fortschreibung des FNP 2030 47 („geplante gewerbliche Bauflächen“) zurückgegriffen. Da der Stand, auf den sich die Studie von 2012 bezog (FNP 2010, 2. Aktualisierung) mittlerweile 47 Der FNP 2030 hat durch die Veröffentlichung am 3. Juli 2021 Wirksamkeit erlangt. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 49 als veraltet gelten muss und gewerbliche Bauflächen zwischenzeitlich durch rechts- kräftige Bebauungspläne umgesetzt wurden, hat sich die Ausgangssituation an aus- gewiesenen Flächen verändert. 6.1 Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verlagerun- gen Im Jahr 2020 lassen sich nach Auswertung aktueller Daten und unter Berücksichti- gung von Erfahrungswerten (Zeitreihen-Untersuchungen der cima in über 20 Gewer- beflächenkonzepten) gewerbliche Potenzialflächen in der Größenordnung von insge- samt 52,85 ha ermitteln. Die tatsächliche Verfügbarkeit der Flächen findet hierbei noch keine Berücksichtigung. Davon entfallen rd. 13,5 ha auf städtische gewerbliche Baugrundstücke. Weitere rd. 6,3 ha sind städtische Grundstücke ohne Baurecht (VEP/B-Plan erforderlich bzw. Umlegung). Potenzialflächen, deren Erwerb durch die Stadt innerhalb des Betrach- tungszeitraums (bis 2035) realisiert werden können, nehmen in Summe eine Größe von 29,6 ha ein. Hierbei handelt es sich größtenteils um bereits bebaute und vermietete Grundstücke. In privatem Eigentum befinden sich noch rd. 3,5 ha an freien verfügbaren Gewerbeflächen/ Baulücken. Klassifiziert man diese Flächenpotenziale entsprechend der gebildeten Standorttypen, so ergibt sich folgendes Bild (vgl. nachstehende Abb. 25): Freie Flächenpotenziale der Gewerbestandorte und -bereiche sowie Entwicklungsflächen Standorttyp ha (netto) davon kommunal (ha) davon privat (ha) Prozent (gesamt) Bestand mit Baurecht Bestand ohne Baurecht Erwerb von Gewerbe- Grundstücken Industriegebiete 1,28 0,27 0,0 0,0 1,01 2,4% „Klassische“ Gewerbegebiete 39,69 8,30 3,51 26,29 1,59 75,1% Bürostandorte 11,31 4,95 2,26 3,29 0,81 21,4% „urbane“ Gewerbestandorte 0,57 0,0 0,49 0,0 0,08 1,1% Sonderstandorte 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0% SUMME 52,85 13,52 6,26 29,58 3,49 100% Anmerkung: Mitteilungen der Stadt Karlsruhe, Stand: 2020 (private und städtische gewerbliche Baugrundstücke). Die Zuord- nung der kommunalen Flächenpotenziale zu Standorttypen wurde von der cima auf Grundlage eines Abgleichs mit den Gewerbeflächensteckbriefen des 2012 erstellten Gutachtens vorgenommen. Hierdurch sind kleinere Zuordnungsfehler nicht auszuschließen. Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Die Potenzialflächen konzentrieren sich insbesondere auf „klassische“ Gewerbegebiete (75,1%) und Bürostandorte (21,4%). Industriegebiete und „urbane“ Gewerbestandorte weisen Anteile von 2,4% bzw. 1,1% auf. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 50 Vor allem bei den privaten Gewerbeflächenpotenzialen 48 , aber auch bei den durch die Stadt die Stadt innerhalb des Betrachtungszeitraums (bis 2035) möglicherweise zu erwerbenden Flächen 49 kann nicht von einer 100%-igen Verfügbarkeit/Marktgän- gigkeit aller Flächen ausgegangen werden. Dementsprechend verringert sich das als realistisch bewertete Potenzial entsprechend der nachfolgenden Tabelle (vgl. Abb. 26). Freie Flächenpotenziale unter Berücksichtigung der Verfügbarkeiten Standorttyp ha (netto) davon kommunal (ha) davon privat (ha) Prozent (gesamt) Bestand mit Baurecht Bestand ohne Baurecht Erwerb von Gewerbe- Grundstücken Industriegebiete 0,47 0,27 0,0 0,0 0,20 1,7% „Klassische“ Gewerbegebiete 18,45 8,30 3,51 6,32 0,32 67,2% Bürostandorte 8,03 4,95 2,26 0,66 0,16 29,2% „urbane“ Gewerbestandorte 0,51 0,0 0,49 0,0 0,02 1,8% Sonderstandorte 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0% SUMME 27,45 13,52 6,26 6,97 0,70 100% Anmerkung: Die Bewertung der realen Verfügbarkeit folgt der Methodik des 2012 erstellten Gutachtens. Auswertung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Von den ursprünglich rd. 3,5 ha unbebauten privaten Gewerbeflächen verbleiben durch die Anrechnung der Verfügbarkeiten lediglich rd. 0,7 ha. Die durch den Erwerb von Gewerbe-Grundstücken mögliche Fläche beziffert sich auf rd. 7,0 ha. Die bereits im Bestand der Stadt befindlichen Flächen bleiben unverändert (Verfügbarkeit/Markt- gängigkeit 100%). Insgesamt verbleiben 27,45 ha. Der überwiegende Teil der verfügbaren Potenziale liegt mit über 65% in „klassischen“ Gewerbegebieten vor. Mit rd. 29% finden sich fast ausnahmslos alle verbliebenen Flächen innerhalb von Bürostandorten. Diese 27,45 ha (2012: 55,5 ha) innerhalb der bestehenden Gewerbebereiche und Gewerbeschwerpunkte realistisch verfügbaren Bestandspotenziale und Gewerbe- Grundstücke fließen in die nachfolgende Bilanz (siehe Kap. 7) ein, um den zusätzli- chen Bedarf an weiteren gewerblichen Bauflächen einschätzen zu können. Sie werden im nächsten Schritt um Flächenpotenziale ergänzt, die aus dem gemeinsamen Flä- chennutzungsplan abzuleiten sind, bislang aber keiner Bebauung zugeführt wurden. Die Veränderungen im FNP 2030 gegenüber dem vorherigen Planungsstand sind ebenfalls berücksichtigt. 48 Pauschal wird angenommen, dass die Flächen zu 20% verfügbar sein werden. 49 Die Einschätzung der Verfügbarkeiten wurde individuell für jedes Gewerbe-Grundstück vorgenommen. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 51 6.2 Flächenpotenziale im FNP Zur Abschätzung des Flächenpotenzials in Form von bislang nicht gewerblich genutz- ten, aber bereits im FNP als gewerbliche Baufläche dargestellten Flächen (Bebauung geplant), wurden in dem im Jahr 2012 erstellten Gutachten auch diese Flächen in Hinblick auf ihre Standorteignung für eine gewerbliche Nutzung und ihre Verfügbarkeit überprüft. Zusätzlich wurde die seinerzeit geplante Erweiterungsfläche der Raffinerie (MiRo) mit einbezogen. An der bisherigen Einschätzung wird von gutachterlicher Seite auch im Grundsatz weiterhin festgehalten, sodass nachfolgend ein Rückblick auf die bisherigen Ergebnisse sowie eine Bewertung der beschlossenen Fortschreibung des FNP 2030 vorgenommen wird. 6.2.1 FNP-Flächen zur Vermeidung von Angebotsdefiziten Entsprechen die in einem FNP dargestellten Flächen exakt dem ermittelten Bedarf innerhalb des Prognosezeitraums, besteht die Gefahr, dass in den letzten Jahren der Gültigkeit des FNP die Kommune nur noch über geringe bzw. keine Flächenpo- tenziale verfügen kann und damit nur noch sehr bedingt handlungsfähig wäre. Da die Laufzeit von Planungsverfahren die Gefahr erhöht, zum Ende des Planungs- horizonts keine Flächen mehr zur Verfügung zu haben, um Anfragen zu bedienen, wurde im vorherigen Gewerbeflächengutachten (2012) für die Berechnung des Flä- chenumfangs ein 8-facher durchschnittlicher Jahresbedarf (Flexibilitätszuschlag) an gewerblichen Flächen angesetzt. Durch die Vorhaltung entsprechender Flächenpoten- ziale kann – neben dem Effekt des Vermeidens von Angebotsdefiziten am Ende des Planungshorizontes - auch für den Einzelfall einer großbetrieblichen Ansiedlung Vor- sorge getroffen werden, die sich kaum über eine Prognose ermitteln lässt. Auf einen solchen „Flexibilitätszuschlag“ wird bei der Ermittlung der sich bis zum Jahr 2035 ergebenden Bedarfe in der vorliegenden Fortschreibung allerdings bewusst verzichtet (vgl. Erläuterung S.45). Nach wie vor ist selbstverständlich anzuraten, über den FNP eine entsprechende Flächenvorsorge zu schaffen, also mehr Gewerbliche Bauflächen zeichnerisch darzustellen, als voraussichtlich im Planungszeitraum ge- braucht werden. Die jetzt erfolgte Anpassung weist "nur" den ermittelten Nettoflä- chen-Bedarf aus; also den Umfang an gewerblichen Baugebieten, der aller Voraus- sicht nach tatsächlich innerhalb des Prognosezeitraums bis 2035 benötigt wird. Zur Vermeidung von Engpässen bei Gewerbeflächen wird ein Monitoring in Zeitintervallen von 3-5 Jahren zwingend erforderlich, um frühzeitig auf veränderte Nachfragesitua- tionen reagieren zu können. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 52 6.2.2 Rückblick 2012 Im Ergebnis der 2012 erstellten Studie wurden FNP-Potenziale im Umfang von ins- gesamt rd. 139,6 ha 50 (80,4 ha 51 + 39,9 ha 52 + 19,3 ha 53 ) erfasst und bewertet. Hiervon befanden sich bereits 9,9 ha im Bestand. In der Umrechnung der verbleibenden 129,7 ha als Bruttofläche ausgewiesenen Baulandpotenziale ließen sich hieraus insgesamt rd. 90,8 ha Nettofläche 54 innerhalb des FNP ermitteln, wovon 57,3 ha, netto (bzw. 81,8 ha, brutto), zur Entwicklung empfohlen wurden. Weitere 33,5 ha, netto (bzw. 47,9 ha, brutto 55 ), wurden hingegen als potenzielle „FNP-Tauschflächen“ klassifiziert. Diesen ausgewiesenen „Tauschpotenzialen“ im Umfang von rd. 33,5 ha, netto, kam dabei ein hoher Stellenwert zu, weil diese Flächen nicht zur ersatzlosen Herausnahme empfohlen wurden, sondern sich aus gutachterlicher Sicht ein 1:1-Tausch mit besser geeigneten Flächen an anderer Stelle im Stadtgebiet aufdrängt. Es wurde darauf hingewiesen, dass sich der zu erwartende Flächenbedarf ohne die „Tauschflächen“ nicht ansatzweise decken lässt. 6.2.3 Fortschreibung des FNP 2030 Den Empfehlungen des 2012 erstellten Gutachtens zur zügigen Entwicklung der ge- eigneten FNP-Potenziale und gleichzeitiger Suche von Alternativstandorten für die „Tauschflächen“ wurde politisch nicht entsprochen, wie aus einer Beschlusslage zur Fortschreibung des FNP 2030 und dem aktuellen Planungsstand 2020 (vgl. Abb. 27) hervorgeht. Auf die 2012 empfohlene Herausnahme der Hälfte des Flächenpotenzials von Knielin- gen West I+II (28 ha) ist verzichtet worden. Von daher ist nicht davon auszugehen, dass diese Flächen in vollem Umfang während des Planungszeitraums des FNP dem Bestand der Stadt Karlsruhe zugutekommen. Demgegenüber ist die Erweiterung der Raffinerie um 19,3 ha im FNP 2030 entfallen. Diese wurde bereits 2012 aus gut- achterlicher Sicht nicht empfohlen. Hingegen stellt die geplante Aufhebung der Ge- werblichen Baufläche Distelgrund (KA-023) offensichtlich einen Kompromiss dar, um südlich der Sudentenstraße eine weitere Wohnbaulandentwicklung zu erleichtern. Eine Arrondierung des günstig gelegenen Bestandsgebietes wird somit an dieser Stelle nicht mehr möglich sein. 50 CIMA/ Planquadrat Darmstadt (2012): Gewerbeflächenstudien für die Stadt und den Nachbarschaftsverband Karlsruhe (NVK) bis 2025; S.46 51 SUMME gewerbl. Potenzialflächen innerhalb untersuchter Gewerbebereiche 52 SUMME gewerbl. Potenzialflächen außerhalb untersuchter Gewerbebereiche 53 Erweiterungsfläche Raffinerie (MiRo). Dies stellt einen Sonderfall dar, weil grundsätzlich für eine Raffinerie bereits Baurecht bestünde. 54 Um vom Bruttowert auf den Nettowert zu schließen, wird von der erfassten Bruttobaufläche (100%) ein Flächenanteil von 30 % abgezogen der im Durchschnitt für die Erschließung, Grünflächen etc. entfällt. 55 Im 2012 erstellten Gutachten werden als „Tauschfläche“ empfohlen: ½ von KA 212/213 Knielingen West I + II (28 ha, brutto); Hörgel (0,6 ha) Erweiterungsfläche Raffinerie (19,3 ha). Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 53 Geplante Gewerbliche Bauflächen (FNP 2010 und FNP 2030 im Vergleich) Geplante gewerbliche Bauflächen STADT KARLSRUHE FNP 2010 Planung FNP 2030 (Stand: Entwurf FNP 2030, Beschlusslage 2015) ha (brutto, CAD) Änderungen ha (brutto GIS 2 ) Knielingen-West I+II 56,0 55,6 Schliffkopfweg 3,7 3,7 Grüner Weg 3 3,2 5,9 Bellenäcker 3,0 Herausnahme 0,0 Storrenacker-Süd, Erweiterung 1,7 1,7 Gottesauer Feld 3 18,7 20,0 Hagsfelder Weg 4,1 5,0 Distelgrund 3,5 Herausnahme 0,0 Husarenlager-Nord 1,9 2,2 Hertzstraße (nördl. LfU) 0,9 0,9 Kleinsteinbacher Str. 0,8 0,8 Hörgel 0,6 0,6 Untere Kohlplatte, Erweiterung 8,8 9,0 Miro Erweiterung (FNP 2010: Bestand) 19,3 Herausnahme 0,0 Gleisbauhof Nord (S) 0,0 Neue Fläche 9,0 Summe 126,2 1 Bilanz: - 11,9 114,3 Anmerkungen: 1: Die Abweichung des Gesamtwertes über 126,2 ha (brutto) zum o.g. FNP-Potenzial über 139,6 ha (brutto) (vgl. Kap. 6.2.2) resultiert durch den Wegfall des Güterbahnhofs Durlach (2,3 ha), Storrenacker Nord (1,7 ha), Ehem. Containerbahnhof (5,9) und Untermühl I (3,5). 2: Geringe Abweichungen der Werte gegenüber denen im GEFEK von 2012 sind auf eine Konvertierung von CAD/GIS zurückzuführen. 3: Standorte Gottesauer Feld (von 18,7 ha, brutto auf 20,0 ha, brutto) und Grüner Weg (von 3,2 ha, brutto auf 5,9 ha, brutto) wurden vergrößert Quelle: Stadt Karlsruhe, 2020 (Datenstand: Dezember 2020) Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Künftig entfallen sollen auch die Bellenäcker in Daxlanden (KA-021). Da für diese Fläche ohnehin einige Fragen ungeklärt blieben (v.a. hinsichtlich der Verkehrsanbin- dung an die B36 bzw. einer nur über Rheinstetten möglichen äußeren Erschließung) und das Flächenpotenzial sehr beschränkt ist, stellt dies aus aktueller Sicht jedoch keinen wesentlichen Verlust dar. Im Ergebnis der aktuellen Planungen zum FNP 2030 verringert sich das rechnerische Potenzial von 126,2 ha 56 auf lediglich noch 114,3 ha (brutto), was einem verbleiben- den Nettoflächenpotenzial 57 über rd. 80,0 ha (30% Abzug von der Bruttofläche für Erschließung etc.) entspräche. Wesentliche Ursache dafür ist, dass in quantitativer Hinsicht insbesondere kein entsprechender Ersatz zur empfohlenen Tauschfläche geschaffen wird. Im folgenden Kapitel werden die Bedarfs- (vgl. Kap. 5) und die Angebotsseite (vgl. Kap. 6) gegenübergestellt. 56 Die Abweichung zum FNP-Potenzial über 140,0 ha (brutto) resultiert durch den Wegfall des Güterbahnhofs Durlach (2,3 ha), Storrenacker Nord (1,7 ha), Ehem. Containerbahnhof (5,9) und Untermühl I (3,5). 57 Bruttofläche = 100 %, wovon nach Abzug für Erschließung etc. noch 70% zur Verfügung stehen Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 54 7 Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbe- darf und -angebot Aus der Gegenüberstellung des Gewerbeflächenbedarfs (146,5 ha, netto) mit dem Flächenangebot in Höhe von insgesamt 107,45 ha, netto (27,45 ha + 80,0 ha), liegt ein aktuelles Bild des Gewerbeflächenmarktes der Stadt Karlsruhe vor, woraus ent- sprechende Handlungserfordernisse deutlich werden. Gesamtbilanz Flächenbedarf und -angebot 2035 Industriegebiete „Klassische“ Gewerbegebiete Bürostandorte "urban e" Gewerbestandorte Sonderstandorte SUMME (netto) Flächenbedarf Gewerbeflächenbedarf bis 2035 (ha, netto) -12,2 -79,1 -39,9 -8,7 -6,6 -146,5 Flächenangebot Innenentwicklungspotenziale und Angebot aus Verla- gerungen (ha, netto) +0,47 +18,45 +8,03 +0,51 - +27,45 davon kommunal Bestand mit Baurecht +0,27 +8,30 +4,95 - - +13,52 Bestand ohne Baurecht - +3,51 +2,26 +0,49 - +6,26 Erwerb von Gewerbegrundstücken - +6,32 +0,66 - - +6,97 davon privat +0,20 +0,32 +0,16 +0,02 +0,70 Potenziale im FNP 1 (ha, netto) +80,0 SALDO (ANGEBOT – FLÄCHENBEDARF) -39,05 Anmerkungen: Rundungsfehler sind möglich. 1: Eine Ausdifferenzierung der FNP-Potenziale anhand der sechs Standorttypen ist auf dieser Grundlage nicht möglich, da in den meisten Fällen entsprechende Entwicklungen noch nicht absehbar sind. Quelle: Stadt Karlsruhe, 2021 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Gegenüber dem Ergebnis des vorherigen Gewerbeflächengutachtens, das – unter Annahme eines umfangreichen Flächentauschs – von einer weitgehend ausgegliche- nen Bilanz bis 2025 ausging, ist aus heutiger Sicht bis 2035 mit einem stark wachsenden Ungleichgewicht am Flächenmarkt zu rechnen. Denn in der Gesamt- summe wird ein rechnerisches Defizit in Höhe von -39,05 ha (netto) zu erwarten sein (vgl. Abb. 28). Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 55 Insbesondere wird deutlich, dass auch dann, wenn alle für den FNP 2030 beschlos- senen gewerblichen Bauflächen entsprechend den betrieblichen Standortanforderun- gen entwickelt würden, das Flächenpotenzial weit hinter dem Bedarf zurückbleibt. Dieses Flächendefizit begründet sich durch einen deutlich schwindenden Anteil v.a. kommunaler Grundstücke, einer gegenüber der bisherigen Prognose von 2012 merk- lich gesteigerten Dynamik am Gewerbeflächenmarkt sowie durch die geplante Her- ausnahme von FNP-Entwicklungsflächen in erheblichem Umfang, der keine angemes- sene Neuausweisung von FNP-Flächen gegenübersteht (in der Bilanz entfielen durch diesen Schritt immerhin 11,9 ha, brutto; vgl. Abb. 27). Die beschriebene Situation zeigt einen akuten Handlungsbedarf auf, der sich auch über eine bloße Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbedarf und Innenentwicklungs- potenzialen weiter veranschaulichen lässt. Hierzu wird dem durchschnittlichen jährli- chen Gewerbeflächenbedarf (rd. 9,77 ha, netto) das realistische Innenentwicklungs- potenzial sowie das Angebot aus Verlagerungen gegenübergestellt (27,45 ha, netto), das aus kommunalen sowie privaten 58 Gewerbeflächen zu erwarten ist (vgl. nachste- hende Abb. 29). Rechnerische Reichweite des aktuellen Flächenangebotes (ohne Standorttypisierung) Anmerkung: Die Ermittlung der rechnerischen Reichweite des aktuellen Flächenbestands bezieht sich auf kommunale und private Grundstücke innerhalb der Gewerbegebiete, die sich auf zusammen 27,45 ha (netto) aufsummieren. Diesen Wert wird der durchschnittliche jährliche Flächenbedarf über 9,77 ha, netto (146,5 ha bis 2035) gegen- übergestellt. Als Startjahr wird das Jahr 2021 angenommen. Quelle: Flächenpotenzialerhebung Stadt Karlsruhe, 2020; Bewertung cima, 2021 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Es wird deutlich, dass bereits Ende des Jahres 2023 rechnerisch kein Flächenpoten- zial mehr zur Verfügung stünde und spätestens dann, wenn auch alle Erweiterungs- potenziale durch betriebliche Reserveflächen ausgeschöpft sind, dass weitere wirt- 58 Vereinfachend wird hier angenommen, dass auch die privaten Flächen ab dem Jahr 2021 zur Verfügung stehen. Zu erwartendes Flächendefizit bereits ab Ende 2023 (aufsummiert) Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 56 schaftliche Wachstum innerhalb der bestehenden Gewerbegebiete empfindlich ge- bremst wird. 59 Ein weiteres Wirtschaftswachstum auf Grundlage von Neuansiedlungen innerhalb von Gewerbestandorten wird selbstredend unter diesen Voraussetzungen schon viel früher nicht mehr möglich sein. Das rechnerische Flächendefizit wächst schließlich in der Gesamtsumme stark an, was angesichts der bislang nicht erfolgten Entwicklungen der FNP-Flächen kaum verwundert. Da die neue Prognose jedoch bereits im Jahr 2023 eine weitgehende Handlungsunfähigkeit der kommunalen Wirtschaftsförderung gegenüber typischen ge- werblichen Flächennachfragern aufzeigt, wird der Handlungsbedarf umso dringlicher. Selbst bei einer angenommenen Verfügbarkeit aller Flächenpotenziale im FNP (80 ha, netto) würde die Bilanz bereits im Jahr 2032 einen negativen Wert annehmen. 59 In einem ersten Schritt wird der Betrieb bei einem Wachstumsprozess Anpassungen an der Faktorkonstellation vornehmen, also über den Mehreinsatz bei anderen Produktionsfaktoren als dem Boden (also Mehreinsatz von Arbeit, Kapital, techni- schem Fortschritt) auf Seiten der Leistungserstellung (Inputseite) den Flächenmangel auszugleichen versuchen (Faktorsub- stitution). Allerdings sind hiermit auch tendenziell höhere Durchschnittskosten der Produktion verbunden, wodurch der Betrieb am Markt geschwächt wird, sodass über einen längeren Zeitraum hinweg z. B. alternative Standorte gesucht werden müssen, eine Produktionsumstellung notwendig wird, oder aber eine Betriebsaufgabe drohen kann. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 57 8 Handlungsempfehlungen Die differenzierte Bedarfsanalyse für das Jahr 2035 ergibt für die Stadt Karlsruhe eine Nachfrage nach ▪ „klassischen“ Gewerbegebietsstandorten (79,1 ha), ▪ städtebaulich attraktiv gestalteten gewerblichen Bürostandorten (39,9 ha), ▪ Standorten, die typische Qualitäten zur Ansiedlung von emittierenden Betrieben bieten (12,2 ha), ▪ „urbanen“ Standorten (8,7 ha), sowie ▪ Flächen, die insbesondere den Standortanforderungen der überregional wach- senden Verkehrs- und Logistikbranchen genügen (6,6 ha). In gewissem Umfang wird es bei den Flächeninanspruchnahmen immer auch zu substituierenden Wirkungen kommen, da verschiedene Unternehmenstypen auch in mehreren Flächenkategorien angesiedelt werden können. Eine Unterscheidung zwischen reinen Bürostandorten und Bürostandorten gewerbli- cher Prägung ist aber auf jeden Fall sachlich geboten. Eine leistungsfähige industrielle Basis bleibt die Voraussetzung für das starke Wachstum v.a. unternehmensnaher Dienstleistungen. In vielen Fällen ist hierzu auch eine räumliche Nähe -d.h. die Ansiedlung in einem klassischen Gewerbegebiet – förderlich. Solche Bürostandorte sind also dort richtig verortet, während Büronutzer ohne unmittelbaren Bezug zum produzierenden Gewerbe o.ä. an solchen Standorten kritisch zu bewerten sind. Hinsichtlich des kurzfristig verfügbaren Flächenangebotes kommt der laufenden Ent- wicklung und Vermarktung des Gewerbegebietes „Gottesauer Feld“ größte Bedeutung zu, dessen Nettoflächenpotenzial auf rd. 12,0 ha geschätzt wird. Unter der realisti- schen Annahme eines jährlichen absoluten Flächenbedarfs von rd. 9,8 ha (netto) verlängert sich allerdings auch durch diese Maßnahme der Zeitpunkt des entstehen- den Nachfrageüberhangs lediglich um etwas mehr als ein Jahr. Die Knappheit an Gewerbeflächen führt richtigerweise zu einer Selektion der Anfragen und zur Bewertung von Ansiedlungswünschen nach Kriterien zu Qualität und Umfang der geschaffenen Arbeitsplätze: Darüber hinaus werden Anfragen immer auch da- raufhin geprüft werden müssen, inwieweit sie die städtischen Infrastrukturen im Be- reich Verkehr, Lärm und sonstiger Emissionen in vertretbarer Weise belasten oder über Gebühr beanspruchen. Soweit es im Einflussbereich der städtischen Wirtschafts- förderung liegt, sollte also eine Ansiedlungsstrategie bei gegebener Knappheit wei- terhin strengen Qualitätskriterien folgen. In jedem Fall ist aber die zügige Vorbereitung und Entwicklung neuer, bereits im FNP dargestellter, sowie weiterer gewerblicher Bauflächen im Umfang von mehr als 39 ha (netto) dringend geboten und sollte fester Bestandteil der strategischen Flächenpolitik sein. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 58 8.1 Flächenstrategie Langfristiges Ziel der Gewerbeflächenpolitik der Stadt Karlsruhe sollte die Sicherstel- lung eines quantitativ ausreichenden und qualitativ den Ansprüchen der Unternehmen genügenden Flächenangebotes sein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den in Kap. 4.4 dargestellten Leitbranchen und Kompetenzfeldern. In der Vergangenheit wurden von der Stadt vielfache erfolgreiche Anstrengungen (Pfaff, BMD, IWKA) un- ternommen, die vorhandenen un- oder mindergenutzten Flächen im Bestand zu mobilisieren und auch Konversionsflächen zu entwickeln. Eine kontinuierliche Erwerbs- politik geeigneter Flächen durch die Stadt Karlsruhe oder durch von ihr beauftragte Dritte sollte auch weiterhin Bestandteil der Entwicklungsstrategie für ausreichende gewerbliche Bauflächen sein. Der Aufbau und die Pflege entsprechender Flächendatenbanken zählt ebenfalls zu den bisher schon erfolgreichen Instrumenten der Wirtschaftsförderung, auf deren Ergebnisse in dieser Untersuchung zurückgegriffen werden konnte. An den strategi- schen Leitlinien zur künftigen Gewerbeflächenpolitik sollte also weiterhin festgehalten werden. Dies sind v.a.: ▪ Vorhaltung geeigneter (kommunaler) Flächen für das Produzierende Gewerbe, sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen und logistische Dienstleistungen soweit sie keine großflächigen Bedarfe auslösen. Ein verstärktes Augenmerk sollte zukünftig der Entwicklung der wissensintensiven Produktion im Stadtge- biet zukommen. ▪ Zügige Ausweisung von bedarfsgerechten Wirtschaftsflächen hinsichtlich Menge und Qualität bzw. Eignung aus betrieblicher Sicht. ▪ Sparsamer Flächenverbrauch durch Verdichtung vorhandener Gebiete und bis- weilen auch durch gezielte Maßnahmen zur Ordnung von Gemengelagen. ▪ Weiterhin Konzentration der gewerblichen Standortentwicklung auf oder im Anschluss an bestehende Siedlungsflächen. ▪ Anlassbezogene Prüfung von Möglichkeiten zur Entwicklung interkommunaler Gewerbegebiete trotz bestehender Problemlagen. ▪ Nutzung aller Chancen zur Revitalisierung von Standorten durch erhöhten Mitteleinsatz im Ankauf (Personal- und Sachmittel). ▪ Reduzierung der planerisch nicht wünschenswerten Nutzungen auf Gewerbe- grundstücken (darunter auch restriktiver Umgang mit Wohnungsbau, sozialen Einrichtungen in Gewerbegebieten sowie aktive Steuerung der Einzelhandels- entwicklung). 8.2 Flächensicherung Die Ausweisung, Entwicklung, Vermarktung und laufende Sicherung von Gewerbeflä- chen zählt weiterhinzu den Kernaufgaben der kommunalen und regionalen Wirt- schaftspolitik. Um selbst Entwicklungsimpulse zu setzen und aktiv zu gestalten, ist Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 59 der Ankauf von Flächen, sowohl in Bestandsgebieten, als auch bei Neuausweisungen ohne Alternative. Die cima empfiehlt, dass bei neuen Gewerbegebieten ein möglichst hoher Anteil der in Frage kommenden Flächen im Besitz der Kommune sein sollte, oder die Verfüg- barkeit durch entsprechende Optionsvereinbarungen mit privaten Grundstückseigen- tümern gesichert wird. Auf diese Weise können die bestehenden Qualitätskriterien für die Ansiedlung neuer Unternehmen in der Praxis weiterhin umgesetzt werden. Für die Stadt Karlsruhe stellt sich neben der erforderlichen Neuausweisung von Gewerbeflächen „unter zunehmend erschwerten Bedingungen“ die Aufgabe, alle Mög- lichkeiten zu nutzen und Wege zu beschreiten, um Flächen im Bestand zu aktivieren und die Angebotsfähigkeit zu erhöhen. Dazu können folgende Maßnahmen und Ar- beitsschritte einen Beitrag leisten bzw. sind zu prüfen: ▪ Die Ausweitung des Erlassens von Vorkaufsrechtssatzungen in Gewerbegebie- ten, um durch den Zwischenerwerb gewerblicher Grundstücke neue Handlungs- fähigkeit zu erlangen. Die Stadt Karlsruhe hat in der jüngeren Vergangenheit durch den Ankauf von Flächen hier bereits Zeichen gesetzt. Eine gezielte Weiterführung dieses strategischen Ansatzes sollte unbedingt beibehalten wer- den. ▪ Einrichtung eines Fonds oder Haushaltstitels, um grundsätzlich den Erwerb vorhandener „Altgewerbestandorte“ zu einem festen Bestandteil der kommu- nalen Wirtschaftsstrategie zu machen. ▪ Prüfung der Möglichkeiten der Veräußerung von Gewerbegrundstücken im Erb- baurecht, um Situationen der Fehlentwicklungen und Nichtbeeinflussbarkeit von Bestandsgebieten in längeren Zeiträumen zu vermeiden. ▪ Erarbeitung von Masterplänen zur Aufwertung von Bestandsgebieten vorrangig durch Maßnahmen im öffentlichen Raum, um verbindliche private Investitionen anzustoßen bzw. auch vertraglich abzusichern. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Neuausweisung von Flächen sowohl hinsicht- lich ihrer Verfügbarkeit, als auch ihrer Realisierungschancen an Grenzen stößt, ge- winnt die Aufwertung und Entwicklung der Bestandsgebiete weiterhin an Bedeutung. Darüber hinaus sollten die bestehenden Kontakte und Netzwerke zwischen kommu- naler und regionaler Wirtschaftsförderung sowie zu privaten Immobilienakteuren für eine systematische und kontinuierliche Zusammenarbeit in der Flächenentwicklung weiterentwickelt werden. Hierdurch kann ein Beitrag zur Erhöhung der Transparenz im Flächenmarkt und zur Vermeidung von Fehlallokationen geleistet werden. Exkurs: Folgen der Nichtausweisung nachgefragter Gewerbestandorte Die zunehmenden Herausforderungen bei der Neuausweisung von Gewerbeflächen haben neben den Restriktionen in der Verfügbarkeit weiterer Flächen an vielen deutschen Standorten auch eine Diskussion darüber entfacht, ob neue Gewerbeflä- chen überhaupt noch benötigt werden bzw. ob diese noch einen sinnvollen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Standorte leisten. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 60 Neben einer Reihe von Untersuchungen, welche die cima an verschiedenen Stand- orten in Baden- Württemberg zu den finanziellen Auswirkungen der Ausweisung gewerblicher Flächen durchgeführt hat, kann am Standort Karlsruhe auf ein Gutachten der Prognos AG von 2018 zurückgegriffen werden, welches sich mit der Fragestellung auseinandergesetzt hat. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass im Bezugsjahr 2016 der Anteil der gemeindli- chen Steuereinnahmen aus Gewerbesteuer immerhin 52% der Gesamteinnahmen dargestellt hat und damit mit einigem Abstand die bedeutendste kommunale Steu- erquelle war. Die fiskalischen Effekte durch die Grundstücksverkäufe (nur kommunal) belaufen sich im Zeitraum 2010-2017 nach den im Gutachten der Prognos gemachten Berechnun- gen auf einen Wert von 33,6 Mio. EUR. Auf den einzelnen Arbeitsplatz heruntergebrochen konnte ein Effekt von 3.339 EUR für einen Arbeitsplatz ermittelt werden, wenn der/die Betroffene seinen Wohnsitz in Karlsruhe hat. Sofern das nicht der Fall ist, beträgt der fiskalische Effekt immer noch 1.930 EUR pro Kopf. Der gesamte Wertschöpfungseffekt wurde für den Zeitraum von 2010-2017 mit 840 Mio. EUR berechnet. Konsequenterweise wurde in der Folge eine Berechnung angestellt, welche Minder- einnahmen dann zu erwarten wären, wenn durch bestehende Restriktionen (im Prog- nos- Gutachten ab 2021) keine entsprechenden Effekte mehr erzielt werden können. Bis 2030 entstehen in dieser Modellrechnung Mindereinnahmen in Höhe von 350 Mio. EUR. Dieser kurze Exkurs zeigt auf, dass die Nichtausweisung von Gewerbeflächen durch- aus zu erheblichen Mindereinnahmen im städtischen Haushalt und zu verpassten Wertschöpfungseffekten führen kann. 8.3 Stadtplanung Als Planungsträger übernimmt die Stadt Karlsruhe bei der Flächenentwicklung eine aktivierende und steuernde Rolle. Neben der Schaffung von Planungsrecht erfolgt die Steuerung der Flächenentwicklung auch durch den planungsrechtlichen Aus- schluss zweckfremder Nutzungen, die sich vielfach in Gewerbe- und Industriegebie- ten ansiedeln (wollen). Ergänzende Instrumente sind Fachplanungen und infrastrukturelle Maßnahmen, auch im Zusammenwirken mit dem Hoch- und Tiefbau. Auch die Entwicklung von Flächen- angeboten kann dadurch gefördert werden, dass die öffentliche Hand Folgeinvestiti- onen von privater Seite anstößt. Dies betrifft ebenso die Reaktivierung von Baulücken, wie von untergenutzten Grundstücken. Die wertvollen Erfahrungen, die die Stadt Karlsruhe mit dem Projekt REGEKO „Res- sourcenoptimiertes Gewerbeflächenmanagement durch Kooperation“ im Gewerbequar- Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 61 tier Grünwinkel gemacht hat, sollten in jedem Fall dazu genutzt werden, die Innen- entwicklung vorhandener Gewerbestandorte dauerhaft zu einem integralen Bestandteil der Flächenentwicklung- und Bereitstellung zu machen. 8.4 Interkommunale Gewerbegebiete Die verstärkte interkommunale Zusammenarbeit ist häufig eine Reaktion auf den globalen Standortwettbewerb der Wirtschafsregionen. Die zunehmende Differenzierung der Standortanforderungen und die steigende Nachfrage nach höherwertigen Gewer- beflächen bei begrenztem Angebot und knappen Freiflächen führt dazu, dass Städte und Gemeinden sich auf gemeinsame Flächenentwicklungen verständigen. In den Gesprächen, die im Zuge der Fortschreibung des FNP geführt wurden, zeigt sich jedoch, dass in Karlsruhe für eine Kooperation einzig die Stadt Ettlingen in Frage kommt. Vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen ist aktuell davon auszugehen, dass nur ein geringer Teil des zukünftigen Flächenbedarfs durch interkommunale Koope- rationen gedeckt werden kann. Unabhängig davon liegt es im objektiven Interesse der Stadt Karlsruhe, bei sich bietenden Gelegenheiten den Prozess wieder anzustoßen und entsprechende Zeitfenster zu nutzen. 8.5 Gewerbeflächenmonitoring Der Aufbau eines Gewerbeflächenmonitorings schreitet seit der erstmaligen systema- tischen Aufnahme von vorhandenen Gewerbestandorten im Jahr 2012 voran. Dieser Prozess sollte weiter professionalisiert werden, um eine längerfristige, einem zeitlichen Rhythmus folgende Beobachtung ausgewählter, gleichbleibender Sachverhalte bei Ge- werbeflächenangebot und Flächennachfrage sowie deren Darstellung und Analyse zu gewährleisten. Dies beinhaltet die Erfassung von aktuellem Entwicklungsstand und Entwicklungsdy- namik der Angebots- sowie der Nachfrageseite – jeweils auf Ebene des einzelnen Flurstücks. Ziel ist es, über umfangreichere Datensammlungen Kenntnisse darüber zu erlangen, ▪ welches Unternehmen (Branche/WZ- Zweisteller) ▪ welches Grundstück (Gewerbegebiet/neu/alt/Erweiterung) ▪ zu welchem Zeitpunkt erworben, gemietet, gepachtet oder geleast hat. Eine GIS- basierte Kartendarstellung ist dabei die Voraussetzung, um entsprechende Datenbanken mit praktischem Nutzen auch für potenzielle Kunden aufzuladen. Von besonderer Bedeutung ist allerdings immer die Gewährleistung einer quartals- weisen Pflege und Aktualisierung der Zu- und Abgänge im Bereich der Flächen und die Anpassung der jeweiligen Planungsstände. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 62 9 Fazit Die vorliegende Aktualisierung weist für den Standort Karlsruhe erneut eine seit Jahren konstante wirtschaftliche Dynamik nach. Der durchgeführte Vergleich mit anderen Standorten in der Region zeigt eine besonders günstige Entwicklung der Beschäftigung und der Arbeitsproduktivität. Vor allem der Dienstleistungssektor hat dabei eine weitere positive Entwicklung vollzogen und verdeutlicht den Trend zu weiterer Tertiärisierung. Die vorliegende Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse für die Stadt Karls- ruhe liefert vor diesem Hintergrund zunächst eine umfassende Analyse des bis zum Jahr 2035 zu erwartenden Flächenbedarfs. Diesem Flächenbedarf wird die aktuelle Angebotssituation am Gewerbeflächenmarkt gegenübergestellt, um aus der Bilanz quantitative und qualitative Handlungsempfeh- lungen und Notwendigkeiten für die kommunale Gewerbeflächenpolitik abzuleiten. Dabei dient das Ergebnis auch der Überprüfung bisheriger Aussagen und wirtschafts- politischer Weichenstellungen. Im Ergebnis zeigt sich, dass davon auszugehen ist, dass der Dienstleistungssektor weiterhin die höchste Dynamik für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Für das Verarbeitende Gewerbe ist demgegenüber anzunehmen, dass sich der Abwärtstrend vergangener Jahre verlangsamen wird, eine generelle Trendumkehr aber nicht zu erwarten ist. Ebenso verhält es sich mit dem Verkehrs- und Lagereisektor, der weiterhin durch nennenswerte Verlagerungen aus dem Stadtgebiet heraus geprägt sein wird, aber zukünftig ggf. auch Anforderungen für moderne Konzepte im Stadt- bereich stellen wird. Für das Baugewerbe wiederum wird, abweichend von früheren Prognosen, mit einer weiteren Konstanz in der Entwicklung zu rechnen sein. Diese und weitere Entwicklungen wirken sich auf die Inanspruchnahme von Gewerbe- und Industriegebieten insgesamt aus, wobei nicht nur das Wachstum aus dem Be- stand zu beachten ist, sondern auch der Flächenbedarf aus Verlagerungen und Neuansiedlungen eine bedeutende Rolle spielt. Der künftige Flächenbedarf wird sich nach wie vor v.a. auf „klassische“ Gewerbege- biete sowie Bürostandorte beziehen. Auch Standorte für emissionsintensive Nutzun- gen werden regelmäßig nachgefragt. Vor dem Hintergrund langfristig wirksamer Trends ist auch davon auszugehen, dass der Bedarf an „urbanen Standorten“ weiter zunehmen wird. Über alle Standorttypen gesehen, wird im Vergleich zur früheren Prognose mit einem ähnlich hohen Gewerbeflächenbedarf in Karlsruhe zu rechnen sein, der bei durch- schnittlich rd. 9,8 (netto) pro Jahr bzw. in der Summe bei 146,5 ha (netto) bis zum Zieljahr 2035 liegt. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 63 Diesem Bedarf ist in der Untersuchung die aktuelle Angebotssituation am Gewerbe- flächenmarkt gegenübergestellt worden, um Handlungserfordernisse für die künftige Gewerbeflächenpolitik ableiten zu können. Im Ergebnis zeigt sich, dass der bis 2035 zu erwartende Gewerbeflächenbedarf nicht annähernd durch bestehende Flächenangebote zu decken sein wird, und auch die Entwicklung der für eine gewerbliche Nutzung vorgesehenen FNP-Flächen nicht aus- reichen wird. Dabei wird deutlich, dass von den Möglichkeiten und gutachterlichen Empfehlungen zum Flächentausch nur sehr verhalten Gebrauch gemacht wurde und vielmehr eine Reduzierung der gewerblichen Bauflächen im FNP um -11,9 ha (brutto) beschlossen ist. Gleichzeitig erwiesen sich die bisherigen Diskussionen zur Neuausweisung erfor- derlicher Flächen im Umland als wenig ergiebig, sodass die erhofften zusätzlichen Flächenpotenziale auch über eine Entwicklung interkommunaler Gewerbegebiete in absehbarer Zeit nicht vorhanden sein werden. Dass schon kurzfristig mit einer eingeschränkten Handlungsfähigkeit der Wirtschafts- förderung zu rechnen sein wird, lässt sich durch eine einfache Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbedarf und Innenentwicklungspotenzialen verdeutlichen. Stellt man dem durchschnittlichen jährlichen Bedarf (rd. 9,8 ha, netto) lediglich das realistische Innenentwicklungspotenzial im Bestand gegenüber, das aus kommunalen sowie pri- vaten Gewerbeflächen zu erwarten ist (rd. 27,5 ha, netto), so stünde bereits innerhalb des Jahres 2023 rechnerisch kein Flächenpotenzial im Innenbereich mehr zur Verfü- gung. Auch die aktuelle Entwicklung des Gewerbegebietes „Gottesauer Feld“ wird lediglich rd. 12,0 ha Nettofläche (bzw. 20,0 ha, brutto) umfassen und den Zeitpunkt einer faktischen Handlungsunfähigkeit der Wirtschaftsförderung um ein Jahr „hinaus- zögern“. Der beschlossene Stand in der Fortschreibung des FNP 2030 führt den vorliegenden Prognosen zufolge bis zum Zieljahr 2035 zu einem Flächendefizit in Höhe von -39 ha (netto). Entsprechende Anfragen von bestehenden Unternehmen, aber auch Neuansiedlungen oder Verlagerungen können dann nicht mehr bedient werden bzw. die betroffenen Unternehmen meiden den Standort Karlsruhe vor dem Hintergrund, dass keine Flä- chen aktiv angeboten werden können. Die zukünftigen wirtschaftspolitischen Überlegungen in der Stadt Karlsruhe sollten daher im Bereich der Gewerbeflächenpolitik eine aktive Angebotspolitik verfolgen. Die Verfügbarkeit eines differenzierten Flächenangebotes in kommunaler Hand ist eine der Grundvoraussetzungen, um die vorhandene wirtschaftliche Dynamik zu unterstüt- zen und abzusichern. Dass sich insbesondere an den gewerblich besonders relevanten Lagen entlang der Hauptverkehrsachsen, ebenso wie in den innerstädtischen Lagen auch verschärfte Flächenkonkurrenzen mit solchen Nutzungen abzeichnen, die einen höheren Preis versprechen, stellt die Gewerbeflächenpolitik vor zusätzliche Herausforderungen. Aus Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 64 dem Blickwinkel einer dauerhaft erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung des Stan- dortes Karlsruhe sollte vermieden werden, dass beabsichtigte Gewerbenutzungen an sinnvollen Standorten gegen Wohnnutzungen „ausgespielt“ werden. Vielmehr müssen die sich gegenseitig befruchtenden parallelen Entwicklungsperspektiven von Wohnen und Arbeiten im urbanen Kontext in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt wer- den. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 65 10 Anhang 10.1 Trendbasiertes Prognosemodell (cima-Modell) Bei dem in Kap 5.3 verwendeten trendbasierten Modell zur Gewerbeflächenbedarfs- prognose handelt es sich um einen nachfrageorientierten Ansatz. Anders als bei der reinen Fortschreibung einer bisherigen Flächennachfrage (vgl. Kap. 5.2), die ebenso durch einen Mangel an verfügbaren Gewerbeflächen in der Vergangenheit, wie auch durch ein Überangebot dessen erheblich tendiert sein kann, wird hier aus einer differenzierten Trendfortschreibung der Beschäftigtenzahlen und der Anwendung ver- schiedener Parameter (Flächenkennziffern, Verlagerungs- und Neuansiedlungsquoten, Wiedernutzungsquoten etc.) auf den zukünftigen Flächenbedarf geschlossen. Das Modell basiert grundsätzlich auf der Annahme, dass ein zusätzliches Gewerbe- flächenangebot keine Zunahme der Beschäftigung nach sich ziehen wird, sondern ein umgekehrter Effekt dominiert (wenngleich die aktuelle Beschäftigtenzahl und - entwicklung niemals unabhängig vom Vorhandensein entsprechender, nachfragege- rechter Standorte gesehen werden kann). Die Beschäftigtenprognose beruht auf einer Extrapolation der Beschäftigtenzahlen (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) aller Branchen entsprechend der Klassifika- tion der Wirtschaftszweige 2008 (WZ 2008) zwischen den Jahren 2000 und 2019 (der Stützzeitraum wird teilweise verkürzt). Die Datengrundlage bezieht sich auf den Stand nach der Revision der Beschäftigungsstatistik. Die Trendprognose erfolgt dabei differenziert für 18 Wirtschaftsgruppen. 60 Dabei wird angestrebt, für die Werte zwi- schen 2000 und 2019 jeweils eine möglichst homogene Zeitreihe zu erstellen, aus der Rückschlüsse auf die zukünftige Beschäftigtenentwicklung bis zum Jahr 2035 möglich sind. Auf diese Weise wird den sehr unterschiedlichen Entwicklungstrends der einzelnen Branchen Genüge getan. Zur Fortschreibung wird – je nach Verlauf der Beschäftigtenzahlen und Plausibilität der Annahmen – eine Kombination aus linearer und logarithmischer Trendschätzung verwendet. Die Wirtschaftsgruppen werden in einem anschließenden Schritt entsprechend der Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihrer Standortanforderungen auf 8 Unternehmensgrup- pen verteilt (mitsamt einer Gewichtung): ▪ Emissionsintensives verarbeitendes Gewerbe u. ä. ▪ Emissionsarmes verarbeitendes Gewerbe u. ä. (auch Großhandel) ▪ Baugewerbe ▪ Logistik und Lagerhaltung ▪ Forschung und Entwicklung ▪ Wirtschaftsnahe Dienstleistungen 60 Die Wirtschaftsgruppen setzen sich aus den einzelnen Wirtschaftsabschnitten (C bis S) der Klassifikation der Wirtschafts- zweige (WZ 2008) zusammen, die teilweise nach Wirtschaftsabteilungen (2-steller) weiter ausdifferenziert werden, wenn dies notwendig und möglich ist. Dabei bleiben die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (beide Wirtschaftsabschnitt A) sowie der Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (B) unberücksichtigt, da Betriebe dieser Wirtschaftszweige als Nutzer gewerblicher Standorte im vorliegenden Fall nicht relevant sind. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 66 ▪ Sonstige Dienstleistungen ▪ Einzelhandel Diese Unternehmensgruppen können auch als Typen der Gewerbenachfrage bezeich- net werden. Allerdings sind diese jeweils in unterschiedlichem Maße (oft auch nur zu geringen Anteilen) innerhalb von Gewerbegebieten vorzufinden. Aufgrund der weitgehenden Entkopplung des Flächenverbrauchs von der Beschäftig- tenentwicklung im Bereich des Einzelhandels (v. a. aufgrund der zunehmenden Zahl Teilzeitbeschäftigter bei zugleich wachsenden Verkaufsflächen je Einwohner), wird der Einzelhandel bei der Flächenbedarfsprognose weitestgehend ausgeblendet (ebenso vertritt die cima den Ansatz, dass Einzelhandelsflächen, mit Ausnahme einzelner, kleiner Nahversorger, nicht in Gewerbestandorten angesiedelt werden sollten). Angenommene Affinitäten der Unternehmenstypen zu Standorttypen Industriegebiete „Klassische“ Gewerbegebiete Bürostandorte "urbane" Standorte Sonderstandorte Einzelhandels-standorte Innenstadt - und Streulagen, reine Bürostandorte, Universität etc. Emissionsintensives verarbei- tendes Gewerbe u.ä. 65% 15% 20% 0% Emissionsarmes verarbeiten- des Gewerbe u.ä. 10% 85% 5% Baugewerbe 5% 80% 5% 5% 5% Verkehr, Logistik und Lager- haltung 20% 35% 35% 10% Forschung und Entwicklung 5% 15% 70% 5% 5% Wirtschaftsnahe Dienstleistun- gen 10% 25% 5% 60% Sonstige Dienstleistungen 2% 2% 1% 95% Einzelhandel 5% 20% 75% Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Die 8 Unternehmensgruppen werden schließlich entsprechend ihrer Affinitäten, der in erster Linie an den aktuell vorzufindenden Standorttypen der Stadt, verteilt. Da sich die konkrete Flächennachfrage nach bestimmten Standorttypen wesentlich aus der Verfügbarkeit ebensolcher Standorte ableitet (Standorte lassen sich in gewissem Maße untereinander substituieren, v.a. dann, wenn der regionale Flächenbedarf hoch genug ist und der Standort dem Anspruchsniveau gerecht wird), hat die differenzierte Darstellung des Flächenbedarfs einzelner Typen v.a. einen Empfehlungscharakter. Unternehmenstypen Standorttypen Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 67 In erster Linie ist der aufsummierte Wert (Zeilensumme) der Flächenbedarfe dieser Standorttypen relevant. Standorte, die nicht als „Gewerbestandort“ i. e. S. zu be- zeichnen sind (z. B. Einzelhandelsstandorte 61 , Geschäftslagen im Innenstadtbereich, reine Bürostandorte etc.) stehen damit in der Untersuchung nicht im Mittelpunkt. Hierfür müssten bei Bedarf eigene Untersuchungen vorgenommen werden. Verwendete Verlagerungs-, Neuansiedlungs- und Wiedernutzungsquoten Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2020 Das Prognosemodell ermittelt den absoluten Flächenbedarf aus dem Wachstum be- stehender Betriebe, Neuansiedlungen und Neugründungen, dem Flächenverbrauch durch innerörtliche Verlagerungen sowie auch aus dem freiwerdenden Flächen in Folge von Schrumpfungen. Neben den in Kap 5.3.3 dargestellten Flächenkennziffern (FKZ), werden im Modell oben dargestellte Quoten genutzt. 10.2 Definition forschungsintensiver und wissensintensiver Bran- chen In Kap. 4 wird an einigen Stellen auf die besondere Bedeutung von forschungs- und wissensintensiven Industrien bzw. Branchen hingewiesen, ohne eine weitere statisti- sche Differenzierung und Quantifizierung vorzunehmen. Als weitestgehend anerkannt kann folgende Abgrenzung FuE-intensiver Industriebran- chen und wissensintensiver Dienstleistungen angeführt werden, die sich an der Klas- sifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) auf Abteilungsebene (2- stelliger WZ-Code), orientiert 62 : 61 Auch, wenn davon ausgegangen wird, dass die Entwicklungen im Einzelhandel sich nicht auf Gewerbegebiete niedersachlagen sollen, so wird dennoch angenommen, dass einzelne Einzelhändler (v. a. unterhalb der Schwelle zur Großflächigkeit ab 800 qm Verkaufsfläche) in Gewerbegebieten nach hiesigem Verständnis ansässig sein werden. 62 Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Fischer, B. (2014): Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 10/2014: Forschungs- und wissensintensive Wirtschaftszweige in Baden-Württemberg; Eine Abgrenzung der forschungsin- tensiven Industrien und Güter in weiteren Gliederungstiefen findet sich bspw. in NIW/ Fraunhofer ISI/ ZEW (2013): Studien zum deutschen Innovationssystem 8-2013: Neuabgrenzung forschungsintensiver Industrien und Güter - NIW/ISI/ZEW-Listen 2012. Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 68 FuE-intensive Industriebranchen: 20 Herstellung von chemischen Erzeugnissen 21 Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen. 26 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen 28 Maschinenbau 29 Herstellung von Kraftwagen und -teilen 30 Sonstiger Fahrzeugbau Wissensintensive Dienstleistungen: 50 Schifffahrt 51 Luftfahrt 58 Verlagswesen 59 Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen; Kinos; Tonstudios und Verlegen von Musik 60 Rundfunkveranstalter 61 Telekommunikation 62 Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie 63 Informationsdienstleistungen 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen 65 Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) 66 Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten 69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 70 Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung 71 Architektur- und Ingenieurbüros; technische, physikalische und chemische Untersuchung 72 Forschung und Entwicklung 73 Werbung und Marktforschung 74 Sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten 75 Veterinärwesen 78 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 80 Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 85 Erziehung und Unterricht 86 Gesundheitswesen 87 Heime (ohne Erholungs-, Ferienheime) 88 Sozialwesen (ohne Heime) Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 69 90 Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten 91 Bibliotheken, Archive, Museen, botanische und zoologische Gärten 92 Spiel-, Wett- und Lotteriewesen 93 Erbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und der Erholung 10.3 Definition unternehmensorientierter Dienstleistungen An unterschiedlicher Stelle wird im Bericht die Relevanz produktionsorientierter bzw. unternehmensorientierter Dienstleistungen hervorgehoben. Entsprechende Betriebe erfüllen intermediäre Aufgaben, ihre Dienstleistungen fließen also entweder in den Produktionsprozess ein (z. B. Forschung und Entwicklung, Wartung) oder sie übernehmen vermittelnde Funktionen zwischen Produzenten, Insti- tutionen und Konsumenten (z. B. Beratung, Transport, Werbung). Die Tätigkeiten können einfacher Art sein, also kein hohes Qualifikationsniveau der Beschäftigten erfordern (z. B. Reinigungs- oder Transportaufgaben, einfache Wartung und Repara- tur), oder aber höherwertige Bereiche bezeichnen, für die ein spezialisiertes Know- how der Beschäftigten erforderlich ist (z. B. Forschung und Entwicklung, Rechts- und Unternehmensberatung, Werbung und Marketing; in manchen Definitionen werden auch Banken und Versicherungen dazugezählt). Zur kontinuierlichen Entfaltung benötigen unternehmensorientierte Dienstleistungen immer wieder Impulse aus den innovativen Bereichen der Industrie. In der vorliegenden Untersuchung werden – vereinfachend – bei nachfolgenden Wirt- schaftsabteilungen besonders hohe Anteile an Unternehmen und Betrieben ange- nommen, die wissensintensive unternehmensorientierte Dienstleistungen erbringen und als KIBS (knowledge intensive business services) bezeichnet werden: 58 Verlagswesen 59 Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen; Kinos; Tonstudios und Verlegen von Musik 60 Rundfunkveranstalter 61 Telekommunikation 62 Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie 63 Informationsdienstleistungen 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen 65 Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) 66 Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten 69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 70 Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung 71 Architektur- und Ingenieurbüros; technische, physikalische und chemische Untersuchung Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 70 72 Forschung und Entwicklung 73 Werbung und Marktforschung 74 Sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten 75 Veterinärwesen 78 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 80 Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien Auf Analyseebene der Wirtschaftsabschnitte sind folgende Branchen von besonderem Interesse, da sie einen Großteil der o.g. Wirtschaftsabteilungen umfassen: J Information und Kommunikation K Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen M Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen N Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen 10.4 Kultur- und Kreativwirtschaft Für die Stadt Karlsruhe hat der Kultur- und Kreativsektor nicht nur aufgrund der Beschäftigungsrelevanz eine besonders Bedeutung (mit rund 15.000 Erwerbstätigen bildet Karlsruhe ein Zentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft). Über verschiedene Infrastrukturen, wie etwa das K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe (eine gemeinsame Einrichtung des Kulturbüros des Kulturamtes und der Wirtschaftsförderung Karlsruhe), Netzwerke, Initiativen und Vereine, sowie verschie- dene Standorte (z. B. Alter Schlachthof, Perfekt Futur, Coworking-Spaces und selbst- verständlich die Hochschulen) sind zahlreiche Standortfaktoren im Stadtgebiet vor- handen, die sich überaus positiv auf die weitere Entwicklung auswirken. Den Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) beschäftigungsstatistisch zu erfassen, ist mit einigen Hürden verbunden, die sich insbesondere dadurch ergeben, dass ein gegenüber anderen Querschnitts(Branchen) vergleichsweise geringer Anteil der Erwerbstätigen in der KKW zugleich sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist (Freiberufler und Selbstständige müssen gesondert erfasst werden). Als sinnvolle Definition bietet sich nach Einschätzung der cima folgende Abgrenzung auf Gruppenebene (3-stelliger WZ-Code 2008) an, wobei das WMK-Modell zugrunde Aktualisierung der Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse Stadt Karlsruhe, 2021 cima 71 liegt (in Klammern Beschäftigtenanteile; geringfügig Beschäftigte zu anderen Anteilen relevant): 63 321 Herstellung von Münzen, Schmuck und ähnlichen Erzeugnissen 322 Herstellung von Musikinstrumenten 476 Einzelhandel mit Verlagsprodukten, Sportausrüstungen und Spielwaren (in Verkaufsräumen) 581 Verlegen v. Büchern usw, sonst. Verlagswesen 582 Verlegen von Software 591 Herstellung von Filmen und Fernsehprogrammen, deren Verleih und Vertrieb; Kinos 592 Tonstudios; Herstellung von Hörfunkbeiträgen; Verlegen von bespielten Tonträgern und Musikalien 60 Rundfunkveranstalter (40% der SvB) 620 Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie (47% der SvB) 711 Architektur- und Ingenieurbüros (18% der SvB) 731 Werbung 741 Ateliers für Textil-, Schmuck-, Grafik- u. ä. Design 742 Fotografie und Fotolabors 743 Übersetzen und Dolmetschen 900 Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten (38% der SvB) 910 Bibliotheken, Archive, Museen, botanische und zoologische Gärten (8% der SvB) 63 Vgl. Söndermann, M. (2012): Statistische Anpassung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, in: ARKstat e.V. Arbeitskreis Kulturstatistik der Stadt Köln, Stand: 24.01.2012
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Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Bitte austauschen Vorlage Nr.: 2021/1465 Verantwortlich: Dez.1/Dez. 4 Dienststelle: Wirtschaftsförderung Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für Wirtschaftsförderung 10.12.2021 2 x vorberaten Gemeinderat 25.01.2022 11 x Beschlussantrag (Kurzfassung) Auf den Beschlussantrag auf Seite 4 der Vorlage wird verwiesen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Die Stadt Karlsruhe hat zuletzt im Jahr 2012 ein Gewerbeflächengutachten von der Firma CIMA Beratung + Management GmbH erstellen lassen. Das Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass bei Eintreten der Prognosen und Umsetzung der Handlungsempfehlungen bis zum Jahr 2025 ein nahezu ausgeglichener Flächenbedarf für gewerblich genutzte Flächen besteht. Bereits im Oktober 2017 wurde im Ausschuss für Wirtschaftsförderung dargestellt, dass aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre nicht mehr von einem ausgeglichenen Verhältnis von Flächennachfrage und -angebot ausgegangen werden kann. Seither hat die Stadt, nach entsprechenden Beschlüssen des Gemeinderates, eine Vielzahl von Vorkaufsrechten für Gewerbegrundstücke ausgeübt, um diese einer höherwertigen Nutzung und Nachverdichtung zuzuführen. Außerdem beeinflussen vielfältige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen in starkem Maße auch die Gewerbeflächenentwicklung. Daher wurde eine Evaluierung des Gewerbeflächengutachtens aus dem Jahr 2012 beauftragt, die auch die Auswirkungen der Digitalisierung und der Corona-Pandemie berücksichtigt. Die Ergebnisse des aktuellen Gutachtens werden in der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses vom Gutachter der Firma CIMA Beratung + Management GmbH vorgestellt. Das Gutachten folgt der Vorgehensweise des Gutachtens aus dem Jahr 2012, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Dabei geht es um die Erhebung des klassischen Gewerbeflächenbedarfs in gewerblich geprägten Standorten im engeren Sinne. Flächen für den großflächigen Einzelhandel sind ebenso nicht Bestandteil dieser Darstellung wie reine Bürostandorte, beispielsweise die Neuentwicklung entlang der Ludwig-Erhard-Allee. Die Gutachter haben auf der Grundlage der wirtschaftsstrukturellen Rahmenbedingungen für Karlsruhe den Gewerbeflächenbedarf bis zum Jahr 2035 ermittelt. Dieser beläuft sich auf 146,5 ha (netto). Dem gegenübergestellt wurde das Flächenangebot, bestehend aus vorhandenen Innenentwicklungspotentialen mit 27,45 ha und den im aktuellen Flächennutzungsplan 2030 vorhandenen geplanten gewerblichen Flächen mit 80 ha. Daraus ergibt sich Stand heute ein Ungleichgewicht mit einem Defizit von rund 39 ha bis zum Zieljahr 2035. Die Prognose verdeutlicht, dass bereits Ende des Jahres 2023 von einer weitestgehenden Handlungsunfähigkeit der Wirtschaftsförderung im Hinblick auf die Befriedigung der Flächennachfrage auszugehen ist. Selbst bei einer angenommenen Verfügbarkeit aller Flächenpotenziale im FNP (80 ha netto) wäre dies spätestens 2032 der Fall. Daher müssen zügig Handlungsschritte eingeleitet werden, um die wirtschaftliche Dynamik des Wirtschaftsstandortes Karlsruhe zu erhalten. Firmen mit hohem Flächenbedarf konnten bereits in der Vergangenheit nicht versorgt werden. Aber auch die Nachfrage kleinerer Grundstücke wird nach und nach schwieriger zu bedienen. Hinzu kommen fehlende Optionen für bestehende Firmen, die in Folge dessen in die Umlandkommunen abwandern. Das aktuelle Gutachten empfiehlt eine Reduzierung der nicht gewerblichen Nutzungen auf Gewerbegrundstücken (darunter auch restriktiver Umgang mit Wohnungsbau, sozialen Einrichtungen in Gewerbegebieten sowie aktive Steuerung der Einzelhandelsentwicklung). In der Informationsvorlage „Kulturelle Nutzungen in Gewerbegebieten“ (Planungsausschuss 08.07.2021) wurde eine andere Sichtweise zur Festsetzung der Nutzungsarten „kulturelle und gesundheitliche Nutzungen“ dargelegt, mit dem Ziel diese weiter auszuweiten. In Anbetracht der mit diesem Gutachten vorgelegten Ergebnisse würde dies die angespannte Gewerbeflächensituation noch weiter verschärfen. Nicht gewerbliche Nutzungen sollten daher nur in wichtigen Ausnahmefällen erfolgen. Fehlende Wachstums- und Ansiedlungsmöglichkeiten für Unternehmen werden, sofern nicht ausreichend gegengesteuert wird, zu Mindereinnahmen im städtischen Haushalt führen. Neben fehlenden Einnahmen durch die Grundstücksverkäufe zeigen aktuelle Zahlen der CIMA im Zusammenhang mit der Bedarfsanalyse für ein Handwerker-/Gewerbezentrum, dass sich in Karlsruhe wichtige Kennzahlen, wie Entwicklung der – 3 – Beschäftigten, Bruttoinlandsprodukt und Gewerbesteuer zwar positiv entwickeln, das Wachstum im Vergleich zum Bundes- und Landesdurchschnitt jedoch zurück bleibt. Auch der Verlust jedes einzelnen Arbeitsplatzes führt zu negativen Effekten, hierzu wurden zuletzt im Jahr 2018 Zahlen von der Prognos AG im Auftrag der Stadt Karlsruhe ermittelt (vgl. CIMA Kap. 8.2, S. 59). Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden im Gutachten zusammengefasst folgende konkrete Handlungsempfehlungen benannt (vgl. CIMA, Kap. 8, S.57 ff): Handlungsempfehlung CIMA Umsetzung Vorhaltung geeigneter kommunaler Flächen für Unternehmensansiedlungen- und erweiterungen -> in der Zukunft nicht mehr gewährleistet Konzepte zur Sanierung, Aufwertung und Entwicklung von Bestandsgebieten Innenentwicklung in Gewerbegebieten/sparsamer Flächenverbrauch durch Verdichtung vorhandener Gebiete Weiterentwicklung Gewerbeflächenmonitoring -> wird bereits umgesetzt und intensiviert durch ein ämterübergreifendes Arbeitsteam (Wifö, StPlA, UA) Anlassbezogene Prüfung interkommunaler Gewerbegebiete trotz bestehender Problemlagen -> wird bereits umgesetzt, Gespräche mit möglichen Partnern werden zu gegebener Zeit weitergeführt. Strenge Qualitätskriterien und Selektion von anfragenden Firmen -> wird bereits umgesetzt + Aktualisierung der bereits bestehenden Vergabekriterien mit erhöhten Anforderungen Flächenerwerb durch die Kommune, um verstärkt handlungsfähig zu sein Ausübung von Vorkaufsrechten -> wird bereits umgesetzt, Gründung des Eigenbetriebes Gewerbeflächen Zügige Entwicklung neuer, bereits im FNP dargestellter, gewerblicher Bauflächen -> aktuell nur „Gottesauer Feld“ in der Entwicklung, Priorisierung zur Aktivierung der Gebiete aus dem FNP 2030 dringend erforderlich Vorausschauende Gewerbeflächenpolitik, zum Beispiel durch Erwerb von Flächen in geplanten Gewerbegebieten -> wird bereits umgesetzt Restriktiver Umgang mit konkurrierenden Nutzungen: Gewerbegebiete sollten einer tatsächlich gewerblichen Nutzung vorbehalten sein. -> wird nicht konsequent umgesetzt, gegenläufige Beschlussfassung im Planungsausschuss Juli 2021 Aktive Steuerung der Einzelhandelsentwicklung -> wird bereits umgesetzt durch die Märkterichtlinien mit Zentrenkonzept und Nahversorgungskonzept Vergabe von Grundstücken im Erbbaurecht -> wird, wo strategisch sinnvoll, bereits umgesetzt Fazit: Die Handlungsempfehlungen werden von der Stadt Karlsruhe in großen Teilen bereits umgesetzt. Wichtigste und zugleich schwierigste Stellschraube für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung ist jedoch das Flächenangebot, weshalb dringender Handlungsbedarf in folgenden Themenfeldern besteht 1. Aktivierung der gewerblichen Flächen des Flächennutzungsplans 2. Vorhalten von Gewerbeflächen für gewerbliche Nutzungen und restriktiver Umgang mit nicht- gewerblichen Nutzungen 3. Aktivierung der Innenentwicklungspotentiale durch Nachverdichtung/Kooperation mit Eigentümern. – 4 – 4. Identifikation von Potentialflächen zur Deckung des künftigen Gewerbeflächenbedarfs und Ausweisung im Flächennutzungsplan Anlage: Aktualisierung der Gewerbeflächenbedarfsanalyse – Abschlussbericht Juli 2021 Im Zuge der Vorberatung im Wirtschaftsförderungsausschuss und in dessen Nachgang wurden die Auswirkungen einer Umsetzung der CIMA-Handlungsempfehlungen, insbesondere hinsichtlich der Ziffer 4 diskutiert. Es ist festzuhalten, dass eine Umsetzung dieser Empfehlung im Wege der Ausweisung zusätzlicher Flächen zu den FNP-Kontingenten nicht im Einklang mit wesentlichen anderen Zielen der Kommunal- und Landespolitik steht. Hier ist insbesondere das landespolitische Ziel der Netto-Null bei der Flächeninanspruchnahme zu nennen. Mit Blick auf die künftige Entwicklungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes ist es jedoch geboten, sich bei der Ausweisung geeigneter Flächen höchstmögliche Flexibilität zu sichern Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Ausschuss für Wirtschaftsförderung - Die Verwaltung empfiehlt vor diesem Hintergrund den im Wirtschaftsförderungsausschuss vorgestellten Beschlussvorschlag wie folgt zu modifizieren: Der Gemeinderat wird um Kenntnisnahme des Ergebnisberichts zur Fortschreibung und Aktualisierung der Gewerbeflächenstudie gebeten und empfiehlt, die von den Gutachtern vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen für die Stadt Karlsruhe mit Einschränkungen weiterzuverfolgen. Gewerbeflächen sollen künftig grundsätzlich für gewerbliche Nutzungen zur Unterstützung der Bemühungen im Zusammenhang mit einer forcierten Innenentwicklung vorgehalten werden. Die Zulässigkeit bzw. Umnutzung für kulturelle, soziale oder gesundheitliche Zwecke sollte nur nach kritischer Würdigung sowohl der wirtschaftspolitischen Ziele als auch der kulturellen und sozialen Zwecke in wichtigen Ausnahmenfällen erfolgen. Das Stadtplanungsamt und die Wirtschaftsförderung sowie das Umweltamt werden beauftragt, eine Priorisierung zur Umsetzung der FNP-Flächen vorzunehmen. Zur Deckung des zukünftigen Gewerbeflächenbedarfs sollen vorrangig innovative Lösungen entwickelt werden, die sich auf Innenentwicklung, Höhenentwicklung und weitere zu identifizierende Optionen stützen. Als weitere Potentiale zur Gewerbegebietsentwicklung können Flächen umgewidmet werden, die bereits bebaut bzw. versiegelt sind, eine entsprechende Festlegung im FNP existiert und die keine Wertigkeit für den Arten-, Natur- oder Klimaschutz haben. Darüberhinausgehende alternative Flächen zur Deckung des zukünftigen Gewerbeflächenbedarfs sind zu identifizieren und im Flächennutzungsplan im Tausch gegen bereits im FNP geplante Gewerbeflächen auszuweisen.
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Niederschrift 34. Plenarsitzung des Gemeinderates 25. Januar 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 13. Punkt 11 der Tagesordnung: Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe Vorlage: 2021/1465 Punkt 11.1 der Tagesordnung: Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe Änderungsantrag: GRÜNE Vorlage: 2021/1465/1 Punkt 11.2 der Tagesordnung: Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe Änderungsantrag: AfD Vorlage: 2021/1465/2 Punkt 11.3 der Tagesordnung: Gewerbeflächengutachten 2021 für die Stadt Karlsruhe Interfraktioneller Änderungsantrag: CDU, FW|FÜR Vorlage: 2021/1465/3 Beschluss: Die Verwaltung empfiehlt vor diesem Hintergrund den im Wirtschaftsförderungsausschuss vor- gestellten Beschlussvorschlag wie folgt zu modifizieren: Der Gemeinderat wird um Kenntnisnahme des Ergebnisberichts zur Fortschreibung und Aktuali- sierung der Gewerbeflächenstudie gebeten und empfiehlt, die von den Gutachtern vorgeschla- genen Handlungsempfehlungen für die Stadt Karlsruhe mit Einschränkungen weiterzuverfolgen. Gewerbeflächen sollen künftig grundsätzlich für gewerbliche Nutzungen zur Unterstützung der Bemühungen im Zusammenhang mit einer forcierten Innenentwicklung vorgehalten werden. Die Zulässigkeit bzw. Umnutzung für kulturelle, soziale oder gesundheitliche Zwecke sollte nur nach kritischer Würdigung sowohl der wirtschaftspolitischen Ziele als auch der kulturellen und sozialen Zwecke in wichtigen Ausnahmenfällen erfolgen. Das Stadtplanungsamt und die Wirtschaftsförderung sowie das Umweltamt werden beauftragt, eine Priorisierung zur Umsetzung der FNP-Flächen vorzunehmen. Zur Deckung des zukünftigen Gewerbeflächenbedarfs sollen vorrangig innovative Lösungen entwickelt werden, die sich auf Innenentwicklung, Höhenentwicklung und weitere zu identifi- zierende Optionen stützen. Als weitere Potentiale zur Gewerbegebietsentwicklung können Flä- – 2 – chen umgewidmet werden, die bereits bebaut bzw. versiegelt sind, eine entsprechende Festle- gung im FNP existiert und die keine Wertigkeit für den Arten-, Natur- oder Klimaschutz haben. Darüberhinausgehende alternative Flächen zur Deckung des zukünftigen Gewerbeflächenbe- darfs sind zu identifizieren und im Flächennutzungsplan im Tausch gegen bereits im FNP ge- plante Gewerbeflächen auszuweisen. Abstimmungsergebnis: TOP 11: bei 25 Ja-Stimmen, 18 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen mehrheitlich zugestimmt TOP 11.1: zurückgezogen, erledigt TOP 11.2: Bei 3 Ja-Stimmen und 43 Nein-Stimmen mehrheitlich abgelehnt. TOP 11.3: Bei 19 Ja-Stimmen und 27 Nein-Stimmen mehrheitlich abgelehnt. Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 11 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für Wirtschaftsförderung am 10. Dezember 2021 sowie die vorlie- genden Stellungnahmen der Verwaltung. Unter 11.1 haben wir ein Änderungsantrag der GRÜNEN, der aber zurückgezogen ist, wenn ich das richtig verstehe, sich erledigt hat Stadtrat Dr. Cremer (GRÜNE): Wir haben mit dem vorliegenden Gewerbeflächengutachten eine Analyse zu Bedarf und Angebot an Flächen für die Wirtschaft vorliegen. Die kurzfristig verfügba- re Reserve an Flächen dürfte nach Einschätzung der Gutachter*innen bereits 2023 aufge- braucht sein. Die im Flächennutzungsplan vorgesehenen Flächen von rund 80 Hektar für die Entwicklung neuer Gewerbegebiete würde den Bedarf bis 2035 nicht decken, so die Gutach- ter*innen. Vielmehr würde diese selbst im optimistischsten Fall allenfalls nur bis 2032 ausrei- chen. Damit stellt sich die Frage, wie nun am besten zu verfahren ist. An dieser Stelle möchte ich gerne vorausschicken, wir GRÜNE sind der Einschätzung, dass Gewerbe Platz benötigt. Wirt- schaftliche Attraktivität bedeutet, Fläche bereitstellen. Karlsruhe ist ein Standort mit viel Inno- vation und vielen Neugründungen. Allein hierfür benötigen wir Flächen. Für uns ist auf jeden Fall klar, dass kurzfristige Maßnahmen ergriffen werden müssen, um auch über 2023 hinaus Flächen für Neugründung und Ansiedlung vielversprechender Unternehmen anbieten zu kön- nen. Hierfür kommen auf keinen Fall Flächen infrage, die heute noch nicht im Flächennutzungs- plan als Gewerbeflächen ausgewiesen sind. Es dauert viel zu lange, bis eine Änderung des Flä- chennutzungsplans erreicht werden könnte. Hier muss die Innenentwicklung vorangetrieben werden. Flächen, die im Flächennutzungsplan für Gewerbe vorgesehen sind, müssen mit Bau- recht entwickelt werden. Der mittel- bis langfristige Bedarf stellt die eigentliche Herausforderung dar. Wir tragen hier den Vorschlag der Verwaltung gerne mit, vorrangig innovative Lösungen zu verfolgen, die In- nenentwicklung voranzutreiben und alternative Flächen zu entwickeln, die im Tausch für beste- hende Planflächen genutzt werden könnten. Mit solch einem Tausch könnte im besten Fall so- gar eine schnellere Realisierung von Gewerbeflächen und gleichzeitig beispielsweise eine natur- schutzfachliche Verbesserung erreicht werden. Wir GRÜNE sind jedoch in einem sehr klar. Ge- rade eine Stadt wie Karlsruhe, mit wenig unbebauten Flächen auf ihrer Gemarkung, muss be- reits heute das Nettonullziel der Flächeninanspruchnahme in den Blick nehmen. Für das gesam- – 3 – te Land Baden-Württemberg wird dies Mitte der 2030er Jahr soweit sein. Bereits heute können wir den Wettlauf mit Gemeinden im ländlichen Raum nicht gewinnen, die große Gewerbeflä- chen auf ihrer wenig besiedelten Gemarkung ausweisen. Fläche ist nicht vermehrbar, also müs- sen wir die zur Verfügung stehende Fläche noch viel besser ausnutzen, indem wir stärker ver- dichten und mehr in die Höhe gehen. Die Chance für Karlsruhe liegt darin, frühzeitig diese inno- vativen Lösungen zu verfolgen. So lässt sich Karlsruhe als attraktiven und lebenswerten Wirt- schaftsstandort entwickeln. Stadtrat Ehlgötz (CDU): Lassen Sie mich vielleicht erst einmal zwei, drei Sätze sagen zu dem, was wir im letzten Jahrzehnt auf den Weg gebracht haben, Herr Oberbürgermeister, Sie, mit Ihrer Wirtschaftspolitik. Es ist richtig, dass wir Grund und Boden erworben haben als Stadt Karlsruhe, teilweise gegen die Stimmen der CDU-Fraktion, aber wahr ist eben auch, dass wir durch dieses FIZ-Areal An der Tagweide oder am Storrenacker auch Firmen in Karlsruhe haben halten können, dass wir diese Firmen in Karlsruhe angesiedelt haben und neue, die letztendlich dazu beigetragen haben, den Wirtschaftsstandort Karlsruhe attraktiv zu halten. Wir haben auf der einen Seite Firmen gewinnen können wie zum Beispiel IKEA, aber die andere Seite der Me- daille ist eben auch, dass wir Firmen wie ein Porschezentrum nach Ettlingen verloren haben, dass wir eine Firma Bechtle ebenfalls in Karlsruhe nicht halten konnten. Herr Cramer, Sie haben es gesagt. Lassen Sie sich diesen Satz bitte mit auf den Weg geben von mir. Wir machen die Politik von morgen. Deshalb kann es nicht sein, dass wir uns einfach nur verziehen, weil wir Schwierigkeiten darin sehen, Grundstücke als Gewerbefläche auszuweiten. Das wissen wir, dass das ein langer Prozess ist. Aber heute schon zu sagen, deshalb fangen wir gar nicht an, also das wäre ja eine Politik, die die GRÜNEN vielleicht machen, aber keine Politik für eine vernünftige CDU-Fraktion in dieser Stadt. Nettonull bringen Sie ins Spiel und, meine Damen und Herren, wer Nullwachstum in der Wirt- schaft hat, der weiß, dass wir nur eines vermehren, und das sind eben die Nullen. Wenn Sie Nullen vermehren, wird das am Ende des Tages nicht funktionieren. Wir brauchen ein gesundes Wachstum. Wir brauchen einen Branchenmix weiterhin in dieser Stadt, den wir haben, und wir brauchen einen Kurs mit Stabilität für die heimische Wirtschaft. Was den Flächenverbrauch angeht, da sagt diese CDU-Fraktion, für diese Stadt mit Maß und Ziel, aber Nullwachstum wird mit uns nicht gehen, wir brauchen Flächen. Warum brauchen wir Flächen? Damit wir weiterhin eine gesunde solide Gewerbesteuereinnahme haben, die dieser Stadt letztendlich Wohlstand bringt. Wir können uns mit diesen hohen Summen der Gewerbesteuer mehr leisten als andere Städte. Es wird immer wieder von weichen Standortfaktoren gesprochen. Die haben wir, glaube ich, in den letzten zehn Jahren immer mit dieser Gewerbesteuer ausgebaut. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch in Zukunft Firmen hier in dieser Stadt ansiedeln, dass wir Flächen zur Ver- fügung stellen und auf diese Flächen Firmen ansiedeln, die diese Stadt langfristig weiterbringen, Arbeitsplätze schaffen in allen Bereichen. Vom einfachen Arbeitsplatz bis zum hochwertigen Ingenieur müssen wir in dieser Stadt Arbeitsplätze schaffen. Dies ist der Kurs der CDU-Fraktion. Wir lehnen daher den GRÜNEN-Antrag bzw. die ziehen den Antrag zurück, aber wir lehnen ebenfalls die Antwort bzw. die Vorlage der Verwaltung ab und stimmen für unseren Antrag. Stadträtin Uysal (SPD): Der Mangel an Gewerbeflächen droht in den kommenden Jahren zur Wachstumsbremse zu werden. Unternehmen der Region haben Schwierigkeiten, wie bereits Herr Ehlgötz gesagt hat, geeignete Flächen für die eigenen Expansionspläne zu finden. Die Folge ist eine Abwanderung der Firmen, was wir in jüngster Zeit bereits mehrmals erlebt haben. Wel- che Maßnahmen dieses Problem lindern kann, zeigt uns das Gutachten, das wir vor uns liegen – 4 – haben. In diesem Gutachten sind konkrete Handlungsempfehlungen für eine künftige Gewerbe- flächenpolitik aufgezeigt. Einige Empfehlungen werden seitens der Wirtschaftsförderung be- reits umgesetzt, die wir aber in Zukunft weiter verschärfen müssen. Als Lösungsansatz zur Lin- derung der Flächenknappheit wurde die Zusammenarbeit über Ortsgrenzen hinaus erwähnt unter der Devise Kooperation statt Konkurrenz- und Kirchturmdenken. Das wird eine nicht so einfache Aufgabe für uns sein. Auch wir sind der Überzeugung, dass wir die wertvolle Ressource Boden effizienter nutzen müssen. Sie haben vollkommen Recht, Herr Ehlgötz, wir brauchen Flächen. Deshalb müssen wir aber auch das bestehende Angebot zeitgemäß umgestalten. Das heißt, wir müssen dichter, effi- zienter bauen, auch vielleicht in die Höhe gehen, die Innenentwicklungspotenziale aktivieren durch Nachverdichtung oder auch Kooperationen mit den Eigentümern führen, um das Ver- hältnis von Flächennachfrage und –angebot ausgleichen zu können, um aber auch handlungs- fähig weiterhin zu bleiben. Sie sehen, eine Aktualisierung des Gutachtens liegt vor uns. Jetzt kommt natürlich die große Herausforderung, wie wir diese Handlungsempfehlungen weiter umsetzen, um die wirtschaftliche Dynamik des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe zu erhalten bzw. zu bewahren. Ich möchte zum Schluss aber noch einen wichtigen Punkt mitgeben. Laut CIMA-Gutachten hat die Pandemie bisher weniger Einfluss auf den Gewerbeimmobilienmarkt gehabt, da die Nach- frage weiterhin groß ist. Wir bezweifeln das, wir müssen das auf jeden Fall weiter beobachten und im Auge behalten. Wir sind der Überzeugung, dass es doch in der Flächenlandschaft even- tuell Veränderungen geben wird, und dass die Pandemie tatsächlich eine Veränderung und eine Auswirkung mit sich bringen wird. Deshalb müssen wir darauf noch einmal ein Auge werfen. Natürlich leisten die Unternehmen hier einen großen wirtschaftlichen Beitrag für unseren Standort Karlsruhe. Deswegen begegnen wir mit Respekt, deswegen brauchen wir innovative Lösungen, um einfach die Unternehmen auch bei uns zu behalten, mit Berücksichtigung natür- lich der Nachhaltigkeit. In diesem Sinne werden wir der Beschlussvorlage so zustimmen und hoffen, dass wir weiter vorankommen und die Handlungsempfehlungen zeitnah umsetzen kön- nen. Stadtrat Haug (KAL/Die PARTEI): Die vorliegende Studie zeigt eindrücklich, was wir im Grunde alle schon wussten. Wir müssen uns nur den Stadtplan von Karlsruhe vor Augen führen, um zu erkennen, dass die Zeiten eines unkontrollierten Flächenverbrauchs unwiederbringlich vorbei sind. Die knappste Ressource aus einem Verdichtungsraum wie Karlsruhe ist die Fläche. Deshalb kommt der Flächenhaushaltspolitik eine entscheidende Bedeutung zu. Der Bedarf an Flächen für Wohnen, Freiräume für Natur und Erholung und eben auch der Bedarf an Gewerbeflächen erhöhen den Druck auf die knappe Fläche in Karlsruhe. Hier gilt es abzuwägen und Kompromis- se zu finden. Das ist unsere Aufgabe hier im Gemeinderat. In dem Gutachten prognostizieren die Gutachter*innen bereits Ende des Jahres 2023 eine wei- testgehende Handlungsunfähigkeit der Wirtschaftsförderung im Hinblick auf die Befriedigung der Flächennachfrage. Sie merken darüber hinaus an, dass der Wirtschaftsförderung selbst bei einer angenommenen Verfügbarkeit aller Flächenpotenziale im Flächennutzungsplan spätes- tens 2023 die Hände gebunden sind. Unserer Fraktion ist auch bewusst, dass eine Nichtverfüg- barkeit von Gewerbeflächen zu erheblichen Mindereinnahmen im städtischen Haushalt führen kann, aber selbst wenn wir uns jetzt nach der Decke strecken und vieles möglich machen, ist der Zeitpunkt, an dem nichts mehr geht, nicht allzu fern. Das Gutachten gibt viele Handlungsop- – 5 – tionen. Fast alles davon wird bereits umgesetzt. Lediglich der restriktive Umgang mit konkurrie- render Nutzung wie Wohnungsbau, sozialen Einrichtungen oder kulturelle Nutzung in Gewer- begebieten wird auch nach Aussage der Gutachter*innen nicht konsequent umgesetzt. Das aktuelle Gutachten empfiehlt, nicht-gewerbliche Nutzung nur in wichtigen Ausnahmefällen zuzulassen. Dies steht im Widerspruch zur Beschlussvorlage des Planungsausschusses im Juli letzten Jahres. Dort wurde besprochen, ich zitiere, Nebennutzung in Form von Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche, in Klammern, Rettungsdienste und sportliche Zwecke für die Baunutzungsverordnung für Gewerbegebiet als ausnahmsweise zulässig anzuse- hen und in den Nutzungskatalog der Bebauungspläne als ausnahmsweise zulässig aufzuneh- men, sofern nicht triftige städtebauliche Gründe dagegen sprechen. Daran wollen wir festhal- ten. Unabhängig von der alleinigen gewerblichen Nutzung im Gewerbegebiet kommen wir in einem sehr überschaubaren Zeitraum an das Ende der vorhandenen Kapazitäten. Wir haben auf lange Sicht keine Flächen mehr verfügbar, aber wir brauchen Flächen, damit sich vielverspre- chende Unternehmen weiterentwickeln können. Dieses Dilemma werden wir nicht auflösen können, wenn wir zum Beispiel die kulturelle Nutzung wieder ausschließen. Selbst die im Pla- nungsausschuss gewählte Formulierung lässt eine kulturelle, soziale oder gesundheitliche Nut- zung nur in Ausnahmefällen zu. Hinter dieser Formulierung wollen wir nicht zurückfallen. An- sonsten nehmen wir die Vorlage zustimmend zur Kenntnis. Stadtrat Høyem (FDP): Mit der Wirtschaft fängt der Haushalt an, mit der Wirtschaft und den Unternehmern, habe ich in meiner Haushaltsrede gesagt. Gewerbeflächen sind nicht eine not- wendige Bosheit, die man verstecken muss. Gewerbeflächen sind der Motor für die dynamische und aktive Entwicklung unserer Stadt. Es ist eine Binsenweisheit, wenn BNN in einem Leitartikel schreibt, es bleibt die Erkenntnis, dass das Platzangebot nach 300 Jahren auf Wachstumskurs endlich ist, eine Binsenweisheit. Deshalb müssen wir viel mehr in die Höhe bauen und viel akti- ver die regionale Entwicklung, zum Beispiel in der TechnologieRegion Karlsruhe TRK mit einbe- ziehen. Selbstverständlich müssen wir auch intelligent und kreativ bündeln und priorisieren. Proaktiv können wir wieder für Wirtschaftswachstum arbeiten. Wir haben in der Haushaltsrede zwei konkrete Vorschläge gemacht. A) ein Karlsruher Pointer- Zentrum für Nachhaltigkeit rundum und unabhängig von Majolika in den großen maroden Ge- bäuden mit privaten Investoren zu entwickeln, und B) die Handwerkskammer Bildungsakade- mie auf dem Pfizer-Gelände zusammen mit der Handwerkskammer zu entwickeln. Den Gutach- tern wird in der Beschlussvorlage bestätigt, dass eine Reduzierung der nicht-gewerblichen Nut- zungen zwingend notwendig ist. So einfach ist die Wirklichkeit nicht. Die moderne Stadtent- wicklung muss kreativ und dynamisch mit Flächenbedarf umgehen und nicht nur schlafwandle- risch die Muster des letzten Jahrhunderts weiterführen. Kollege Herr Dr. Cremer, es ist altmo- disch und statisch, mit einem nahezu biblischen Glauben den augenblicklichen Flächennut- zungsplan zu betrachten. Dieser Plan ist nicht in Stein gemeißelt, und gerade unser Gemeinde- rat 2022 ist nicht notwendigerweise der klügste Gemeinderat aller Zeiten. Unsere GRÜNE- Fraktion hat den großen französischen Philosophen Voltaire missverstanden, wenn man den Status quo im Flächennutzungsplan als den besten aller möglichen Welten festhalten will. Vol- taires Candide hat diese Aussage ironisch gemeint und hat überhaupt nicht an den Karlsruher Gemeinderat 2022 gedacht. Vielleicht finden unsere Nachfolger neue Wege, mit Flächen umzu- gehen. Das sollen wir heute nicht verhindern. Es tut mir leid, dass die Sozialdemokraten das nicht so sehen. – 6 – Jetzt hat die Verwaltung teilweise den GRÜNEN Antrag übernommen, es macht den Beschluss schlechter. Deshalb haben wir einen interfraktionellen Antrag gestellt. Damit hoffen wir zu er- möglichen, den aktiven Einsatz von Wirtschaftsförderung fortzusetzen und eine weitere dyna- mische Wirtschaftskraft zu entfalten und die Arbeitsplätze zu sichern. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie müssen jetzt wählen zwischen Stillstand und Zukunft. Stadtrat Schnell (AfD): Als jemand, der seine Brötchen unter anderem mit Prognosen verdient, muss ich konstatieren, etwas schlicht ist der Ansatz der Gutachter schon, von Annahmen zur generellen Wirtschaftsentwicklung im Dreisatz auf den Flächenbedarf zu schließen. Wenn unse- re neue Bundesregierung das durchzieht, was sie trotz FDP-Beteiligung so von sich gibt, bin ich ganz bei Heinrich Heine, nämlich um den Schlaf gebracht, wenn ich an Deutschland denke in der Nacht. Aber selbst wenn mir der prognostizierte Bedarf für Gewerbeflächen aus diesem Gutachten ein Stück weit überhöht erscheint, bleibt festzuhalten, der zukünftige Bedarf geht dennoch über die Flächen, die wir noch haben und dann auch entwickeln können, deutlich hin- aus. Mit den Empfehlungen der Gutachter, denen wir im Grunde zustimmen, lässt sich diese Bedarfsunterdeckung zwar lindern, aber nicht vollständig beseitigen. Umso wichtiger erscheint es mir daher, bei der Vergabe von Gewerbeflächen gewerbesteuerstarke, möglichst viele Ar- beitsplätze schaffende Firmen zu bevorzugen und eben solche bereits in Karlsruhe präsente Betriebe bei Laune zu halten und ihnen Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten. Stattdessen geht mit der links-grünen Gemeinderatsmehrheit der Trend dahin, die Karlsruher Standards weiter nach oben zu schrauben, sodass sich letztendlich nur noch eine hoch subventionierte Lasten- radmanufaktur oder Ähnliches hier ansiedeln wird. Die hat dann Photovoltaik auf dem Dach, ihre Gebäude sind aus regional nachhaltig geschlagenem Holz und werden geothermisch be- heizt, bringen aber kaum Gewerbesteuererträge. Mit solchen Firmen, meine Damen und Her- ren, können wir die soziale Stadt, die wir sind und auf die wir durchaus stolz sein dürfen, die aber nicht für ein Taschengeld zu haben ist, nicht halten und forcierte Höhenentwicklung sind enge Grenzen durch Alternativstandorte im Umland von Karlsruhe gesetzt. Nettonull funktioniert daher nicht. Darüber hinaus haben sich Wirtschaftsförderung und Dezernat 4 explizit gegen die vorgeschla- gene Änderung der städtischen Vorlage ausgesprochen. Daher lehnen wir diese geänderte Vor- lage sowie den ihr zugrundeliegenden Änderungsantrag der GRÜNEN ab. Die überarbeitete Vorlage der Stadt zu diesem Änderungsantrag zeigt aber wieder einmal, wie sehr die Stadtver- waltung inzwischen den GRÜNEN nach dem Munde redet, wenn das von ganz oben so ge- wünscht wird. Wir hatten das erst neulich im Hauptausschuss, als die Mehrheit der Gemeinde- räte bei Gegenstimmen der GRÜNEN zwar der städtischen Vorlage zur Kriegsstraße zustimmte, gleichwohl erbot sich die Stadt, die Vorplanung noch einmal zu überarbeiten und dem Wunsch der GRÜNEN nach mehr Behinderung des Autoverkehrs geflissentlich zu entsprechen. Wir stel- len daher der Änderungsantrag, über die unveränderte Vorlage der Stadt abzustimmen. Stadtrat Bimmerle (DIE LINKE.): Ich finde es erst einmal ein sehr positives Zeichen, dass wir heute über diesen massiven Bedarf an Flächen von der Wirtschaft an die Stadt Karlsruhe spre- chen, nachdem im vergangenen Dezember in der Haushaltsverhandlung die Wirtschaft schon totgeschrieben wurde, weil die Mehrheit des Gemeinderates mit der Gewerbesteuererhöhung die ganze Wirtschaft an die Wand gefahren hat. Es ist doch gut, dass wir dennoch eine positive Entwicklung haben, und dass Firmen weiterhin Karlsruhe attraktiv finden. Das ist auch, glaube ich, ein gutes Signal an die Wirtschaftsförderung. – 7 – Herr Høyem, ich will an Sie anknüpfen. Es ist sicherlich richtig, dass die Wirtschaft ein elemen- tarer Teil ist. Aber ich glaube, ich würde Ihren Satz noch erweitern. Erst einmal sind attraktive Standardbedingungen ein Anfang für den Haushalt, wo sich Mensch und Wirtschaft dann wohl- fühlen und anzusiedeln. Ich glaube, darum geht es, und ich glaube, es ist zweifellos undiskutier- bar, dass weitere Flächen benötigt werden. Dennoch habe ich gewisse Zweifel an jeder Zahl, die in der Studie steht. Aber ich glaube, diese Detailliertheit der Diskussion ist ein bisschen müßig. Wir haben dennoch etwas ein Problem mit dem Mantra dieser weiterwachsenden Stadt und immer höher, immer schneller, immer weiter. Denn wir werden schlichtweg nicht alle Flächen zur Verfügung haben, und das kann auch unser Ziel nicht sein. Auch in der Vergangenheit hat die Wirtschaftsförderung nicht jedes Unternehmen angesiedelt, sondern ein Unternehmen, das unseren Kriterien entsprochen hat, die sicherlich sehr hoch sind im Vergleich. Aber darum geht es ja, also die richtigen Unternehmen anzusiedeln. Ich glaube, es geht auch darum, nicht im reinen Konkurrenzkampf zwischen Stadt- und Landkreis zu treten. Der Kollege Dr. Cremer hat richtig gesagt, wir werden nicht jede Firma halten und nicht immer gewinnen können. Das ist dann das Los der großen Stadt wie der großen Firmen teilweise, dass wir vielleicht nicht immer alles haben, was eine Kleinstadt hat. Dafür haben wir andere Vorteile, die viele Unternehmen schätzen können, und auch in der Wirtschaftsförderung kann dieses Prinzip von „the winner takes it all“ nicht funktionieren. Wir können nicht alle Unternehmen in Karlsruhe ansiedeln. Wir werden weiterhin über Regionalplanung diskutieren, auch wenn das natürlich müßig ist und oftmals wenig Schritte vorwärts gehen. Es ist gut, dass die Vorlage der Verwaltung geändert wurde, weil die ursprüngliche Vorlage dann doch sehr einem alten Zeitgeist entsprochen hat, wo es darum ging, nur Flächen zu schaf- fen, egal welche Kosten es verursacht. Es ist gut, dass das Nettonullziel drin ist. Es geht auch nicht darum, der nächsten Generation irgendetwas vorzuschreiben, ein Gemeinderat kann so etwas auch immer ändern, sondern es geht darum, ein Ziel zu machen, nämlich dass wir keine Flächen unwiderufbar zerstören, die wir brauchen aus einer klimapolitischen Sicht. Eine Problematik sehen wir dennoch in dem Antrag, und deshalb werden wir ihn zwar nicht ablehnen, aber auch nicht zustimmen, von der Vorlage der Verwaltung. Das Primat, was hier vorgeschrieben wird, dass die Flächen wieder für die Wirtschaft allein vorgehalten werden, fällt aus meiner Sicht schon hinter der Formulierung aus dem Planungsausschuss zurück, dass wir in Ausnahmefällen kulturelle und soziale Zwecke haben wollen. Ich möchte das vorhalten. Des- halb sagen wir weiterhin, wir brauchen eine gesamtpolitische Abwägung, machen wir ohnehin, glaube ich, und ich glaube, auch die Kultur braucht weiterhin Lobby. Die Kultur und andere So- zialeinrichtungen sind sicherlich keine Gefahr für die Wirtschaft und dennoch glaube ich, ist es ein guter Schritt, wenn wir weiter die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung machen. Stadträtin Lorenz (FW|FÜR): Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß, was wir eigentlich alle schon wussten, vielleicht nur nicht auf den Hektar genau. Wirklich betroffen gemacht hat mich in dem CIMA-Gutachten, dass wir doch im Wachstum hinter dem Bundes- und Landesdurchschnitt lie- gen. Das sollte uns schon zu denken geben. Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum sich die Kollegen von den GRÜNEN so vehement wehren, weitere Flächen zu erschließen. Eines ist doch ganz klar, die Firmen, die hier bei uns keinen Platz finden, die wandern in den Speck- gürtel ab und werden dort Flächen versiegeln. Dann ist die Frage, was uns lieber ist. Das ist ähn- lich wie beim Wohnungsbau auch. Auch die Mitarbeiter, die mit neuen Unternehmen kommen, brauchen Wohnungen und sicherlich können wir in die Höhe bauen, aber das geht auch nicht – 8 – bei allen Gewerbezweigen. Ich wollte mal sehen, wie Sie das mit einer Spedition im 8. Stock machen wollen mit dem LKW. Eine Sache aus vergangenen Gesprächen und Diskussionen wollen wir hier noch einmal ins Feld führen. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Sie haben gesagt, wenn Eigentümer oder auch Firmen ihre Grundstücke verkaufen oder ihre Unternehmen, ist die Stadt nicht der erste An- sprechpartner. Oft geht es an der Verwaltung vorbei und wird unter der Hand verkauft, bevor es die Stadt bemerkt. Das wäre für uns auch ein Ansatzhebel zu testen, warum ist das so, wa- rum funktioniert die Kommunikation dann nicht, warum denken Unternehmer oder Grund- stückseigentümer nicht zuerst daran, dass sie sagen, ich biete es der Stadt an, damit die sich weiterentwickeln kann. Das wäre für uns auch ein Auftrag an die Verwaltung, da zukünftig da- ran zu arbeiten, dass, nicht so eine, ich weiß nicht, ob man sagen kann abweisende Haltung ist vielleicht das falsche Wort, aber ich denke, dass viele, die gehen, sich wahrscheinlich auch über irgendwas geärgert haben und deswegen sagen, jetzt verkaufe ich es meinem Nachbarn oder der Firma XY. Ansonsten, wir haben einen interfraktionellen Antrag gestellt, den wir natürlich unterstützen. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Nicht nur der Kollege Ehlgötz, auch andere haben eigentlich unum- wunden zugegeben, dass die Prosperität unserer Stadt wesentlich davon abhängt, wie wir in der Zukunft über Gewerbeflächen verfügen können. Das scheint also unstrittig zu sein. Nun antworten Sie sich selbstberuhigend, indem Sie sagen, wir haben noch innovative Möglichkei- ten, eruiert das mal, liebe Stadt, wo wir vielleicht schnell und gut in die Höhe und, wie auch immer, durch Tausch Neues generieren können. Dem steht die CDU-Fraktion und die anderen beteiligten Fraktionen überhaupt nicht im Wege. Das muss und darf und soll gemacht werden, vor allem weil das kurzfristige Möglichkeiten und Wege sind, diesem erkannten Bedarf gerecht zu werden. Nun lügen Sie sich aber in die Tasche, weil Sie nicht mehr weitermachen. Zunächst einmal muss ich natürlich voll und ganz das Argument der Kollegin Lorenz unterstüt- zen. Die Flächen werden in Anspruch genommen, wenn sie die Wirtschaft abruft. Nur es ist kein Sinn, warum ein Oberzentrum, das einen Riesenjob hat, das einen Riesenfinanzbedarf hat und sich viele Dinge nur leisten kann, wenn die Wirtschaft funktioniert, gerade auf solche Flächen verzichten soll. Das ist das wesentliche Argument auch unseres Antrags. Sie müssen doch er- kennen, dass die Entwicklung von Flächen im Flächennutzungsplan einen ganz anderen zeitli- chen Vorlauf hat. Da sind Jahre überhaupt nichts, und deswegen muss man das eine machen und das andere nicht lassen. Wir brauchen die Generierung und Überlegung, den Flächennut- zungsplan auszuweisen und auszuweiten über die bisher bekannten Flächen. Ohne das geht es nicht, denn bis wir dort wieder Flächen generieren können, sind vier, fünf Jahre ganz schnell rum. Ich kann nur davor warnen, die Stadt Karlsruhe unter eine Käseglocke zu stellen. So wer- den wir unseren zukünftigen Aufgaben sicher nicht gerecht. Die Nettonull ist von der Regierung zunächst aufgesetzt, aber der Koalitionsvertrag hat noch keine Lösungen für ein Oberzentrum, das eng umschlossen ist und das im Übrigen auch keine Kooperationsverträge mit anderen Ge- meinden ermöglichen kann. Das sind alles auch Argumente, mit denen Sie sich beruhigen. Aber wir werden kurzfristig an ein Problem kommen, wenn wir nicht auch im Bereich der Flächen im Regionalplan eingreifen, und die Flächen, die wir dort haben, die sind leider Gottes nicht taug- lich. Ich denke an Knielingen, das wissen wir ja alle. – 9 – Stadtrat Dr. Cremer (GRÜNE): Ich möchte dann doch noch ein paar Worte hier zur Erläuterung setzen. Also, erst einmal möchte ich zu bedenken geben, dass auch Speditionen mit Hochregal- lagern arbeiten und dass durchaus auch Höhen genutzt werden können. Das weiß ich wahr- scheinlich besser, als Sie sich vorstellen können. Der nächste Punkt, auf den ich hinweisen möchte, wir haben das Jahr 2022, wir haben jetzt 50 Jahre Bericht des Club of Rome, Grenzen des Wachstums. Das ist aber leider immer noch nicht ganz so weit in das Bewusstsein von eini- gen Kolleginnen und Kollegen hineingedrungen. Fläche ist nicht vermehrbar. Wir müssen Ent- scheidungen treffen, wie wir damit umgehen, ob wir noch weiter Flächen einfach wild in An- spruch nehmen wollen, anstatt eine sinnvolle Abwägung treffen zu wollen, wo soll Naturfläche sein, wo soll landwirtschaftliche Fläche sein und wo soll eben Siedlungsfläche sein. Wir sehen eben, Karlsruhe ist ein Raum, der schon hoch verdichtet ist. Wir müssen, und wahrscheinlich eben früher als die Umlandgemeinden, umsteuern. Wir müssen diese andere Lösung entwi- ckeln. Ich bin der festen Überzeugung, die Umlandgemeinden werden, wenn das Nettonullziel im Land dann verbindlich gemacht werden wird, diesen Schritt auch gehen müssen. Wenn wir aber all diese Dinge jetzt lernen, die notwendig sind, um gemeinsam mit den Gewer- betreibenden, mit der Wirtschaft, in die Höhe zu gehen, zu verdichten, solche innovativen Lö- sungen zu entwickeln, dann werden wir einen Standortvorteil haben. Das heißt natürlich, wir müssen heute schon etwas weiter in die Zukunft blicken. Natürlich ist es nicht so, dass die im Flächennutzungsplan vorgesehenen Flächen nicht entwickelt werden könnten. Wir arbeiten die nächsten Jahre damit. Die Vorlage sieht auch vor, dass Tausch vorgenommen werden kann, wenn zum Beispiel eine Fläche weniger gut geeignet ist, dass ein Tausch durchgeführt werden kann. Damit ist dieser Flächennutzungsplan mit diesem Beschluss keinesfalls in Stein gemeißelt, sondern wir sehen auch damit vor, dass Veränderungen vorgenommen werden können. Die Dynamik wird erhalten bleiben. Deswegen glaube ich, dass diese Vorlage der Verwaltung eine gute Lösung ist, um in den nächsten Jahren einerseits Flächen zu entwickeln, in dem Maße, wie sie bisher vorgesehen sind, und andererseits das Umsteuern Richtung Nettonull zu gehen, was eben auch den Grenzen des Wachstums entspricht. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Wir würden gerne von Ihnen noch einmal detailliert hören vor der Abstimmung, wie mit dem Punkt 1, den die GRÜNEN genannt haben, der für unsere Fraktion sehr, sehr wichtig ist, verfahren wird. Ich zitiere, die Zulässigkeit bzw. Umnutzung für kulturelle, soziale und gesundheitliche Zwecke sollte nur nach kritischer Würdigung sowohl der wirtschaftspolitischen Ziele als auch der kulturellen und sozialen Aspekte erfolgen. Bedeutet das, dass letztendlich diese politische Zielsetzung gegeben ist? Das wäre jetzt für unser Ab- stimmungsverhalten eine wichtige Information von Ihnen, Herr Oberbürgermeister. Stadtrat Høyem (FDP): Ich möchte eine Bemerkung zum Kollegen Bimmerle sagen, aber zuerst zum Dr. Cremer. Selbstverständlich haben wir alle - besonders Leute in meinem Alter - das Buch Grenzen des Wachstums gelesen. Das ist eine ideologische, spannende Debatte, aber das ist 50 Jahre alt. Die Definition von Wachstum hat sich total geändert. Das können wir ein anderes Mal intellektuell diskutieren, aber wir haben selbstverständlich dieses Buch gelesen. Das ist eine ideologische Glaubenssache, woran Sie glauben, ich nicht. Herr Bimmerle, ich wollte nur zwei Dinge an Sie sagen. Keiner ist so naiv, dass man denkt, dass die Gewerbesteuer allein bedeutet, dann kommt die Wirtschaft nicht her oder die Wirtschaft zieht weg von uns, aber die Gewerbesteuer war ganz einfach ein falsches Signal unserer Mei- nung nach. Man muss das als ein Teil einer Wirtschaftsfreundlichkeit oder Nicht- – 10 – Wirtschaftsfreundlichkeit sehen, und heute ist noch ein Beweis, dass wir zurzeit nicht wirt- schaftsfreundlich in Karlsruhe sind. Die zweite Bemerkung an Sie, Sie haben gesagt, wir müssen Wirtschaft und Menschen fördern. Selbstverständlich und glücklicherweise ist moderne Wirtschaft so, dass man wirklich die Men- schen oft in den Fokus stellt. Wo Sie selber arbeiten, bin ich überzeugt, dass man dieses ver- standen hat, aber es ist wahrscheinlich nicht zu diskutieren, dass ein Mensch in Arbeit norma- lerweise glücklicher ist als ein Mensch, der nicht in Arbeit ist. Deshalb sind die Arbeitsplätze so wichtig, und deshalb bin ich persönlich so enttäuscht, dass die SPD das anders sieht. Der Vorsitzende: Vielen Dank für diese Debatte, die ich auch nicht so hochgeheizt empfunden habe wie manchmal, wenn wir schon über dieses Thema gesprochen haben. Da bin ich Ihnen sehr dankbar. Die Grundlage ist ein Gutachten, das uns die Begrenztheit unserer Ressourcen aufzeigt und uns Handlungsempfehlungen gibt. Jetzt bedeutet eine dieser Handlungsempfeh- lungen, dass man weitere neue Gewerbeflächen sucht. Mit dem Antrag oder der Beschlussvor- lage, die jetzt auf dem Tisch liegt, ist die Wirtschaftsförderung und ist die ganze Stadt weiter beauftragt, nach neuen Flächen zu suchen. Die Begrenzung, die jetzt aber in dem geänderten Text noch deutlicher herausgearbeitet worden ist, ist, dass wir dann, wenn wir nichtbebaute und nichtversiegelte Flächen mit einer natürlichen Widmung sozusagen jetzt neu identifizieren und dann im Flächennutzungsplan ausweisen, dass wir dafür dann andere Flächen, die als Flä- che im Flächennutzungsplan für Gewerbe vorgesehen sind, sozusagen austauschen. Das ent- spricht, das muss ich leider zugeben an der Stelle, insofern brauchen wir das gar nicht aufheizt diskutieren, dem, was in meinem Wahlprogramm steht. Ich fühle mich beauftragt, die Dinge hier so umzusetzen, wie ich das vorher auch als Teil meines Konzeptes vorgegeben habe. Das kann man jetzt falsch finden oder richtig finden. Daraus ergibt sich natürlich auch die Notwen- digkeit, dass natürlich das Dezernat 4 und auch die Wirtschaftsförderung diese Option, nämlich weitere Flächen zusätzlich zu dem, was im Flächennutzungsplan steht, auszuweisen, gerne wei- terverfolgt hätte. Das ist völlig klar. Aber an der Stelle sind wir dann zu einer anderen Beschlus- sempfehlung an Sie als Haus gekommen. Jetzt ist die Frage, bremst uns das in dieser Stadt aus. Sie haben schon einige ganz wichtige Be- obachtungen hier wiedergegeben aus den letzten Jahren. Obwohl wir im Moment noch etwa 80 Hektar potenzielle Gewerbefläche hätten, sind Firmen weggegangen, wie Bechtle oder das Porschehaus ist erwähnt worden. Obwohl wir noch 80 Hektar haben, war das Thema, wo finden wir für einen KI-Park denn ausreichend Flächen, um alleine einen Antrag stellen zu können oder wie gehen wir mit der Handwerksakademie um, die sagen, wir brauchen 40 bis 50 Hektar. Wir haben keine Flächen gefunden. Die Flächen, die im Flächennutzungsplan drinstehen, die geeig- net gewesen wären, sind von der Erschließung und von der Entwicklung her so aufwendig und so unvorteilhaft, dass es für mich noch einmal ein Indiz dafür ist, es kommt im Moment aus meiner Sicht gar nicht so sehr auf die reine Quantität an, sondern es kommt vor allem auf die Qualität an. Ich fühle mich, auch wenn die Überschrift etwas anders ist, heute von der Presse- meldung der IHK durchaus bestätigt, die darauf hinweisen, wir verzeichnen für 2021 allein 541 Neugründungen im IT-Sektor in unserem IHK-Bezirk, ein nicht unwesentlicher Teil davon in Karlsruhe und so weiter und so weiter. Deswegen brauchen wir hochqualifizierte Büroflächen. Deswegen müssen wir versuchen, aus den zum Teil nur einstöckig bebauten, zum Teil völlig untergenutzten Gewerbeflächen, die wir noch zuhauf haben und die zum Teil auch am Markt waren in den letzten Jahren - einige haben wir sogar erwerben können - eine andere Entwick- lung hineinzubekommen. Wir erleben es gerade auf dem Gelände in Durlach am Ortseingang, – 11 – dem Schwabe-Gelände. Wir werden es demnächst in der Fiduciastraße miteinander diskutieren können. Wir erleben im Moment, dass man zum Teil durch Höhenentwicklung und durch eine andere Innenentwicklung nicht nur schon versiegelte Gewerbeflächen durchaus auch wieder teilentsiegeln kann, sondern gleichzeitig auch aus der eigentlich dort nutzbaren Fläche zum Teil das Zwei- und das Dreifache herausholen kann, wenn wir in einer vernünftigen Weise in die Höhe gehen. Da habe ich schon eine erschlossene Fläche. Da muss ich nicht erst die Straßen bauen und, und, und. Ich glaube, wir müssen mit aller Kraft versuchen, das voranzubringen. In Mühlburg hat man anhand einer kleinen differenzierten Betrachtung aufgezeigt, wie viel untergenutzte Flächen auf vielen dieser Flächen sind. Unser Problem ist, dass uns oft diese Flächen nicht gehören. Deswegen, ich knüpfe an Frau Lorenz an, ich nehme diesen Appell wirklich ernst, wir müssen stärker kundtun. Das ist keine Fehlentwicklung, nicht dass das falsch verstanden wird. Niemand ist gezwungen als erstes die Stadt zu fragen. Aber es wäre wünschenswert, wenn die Verkäufer es täten. Denn wir können dann mit diesen ganzen anderen Flächen ganz anders umgehen. Frau Stadträtin Lorenz, eine Spedition hätte bei uns im Moment nirgends Chancen, Flächen zu kriegen, egal ob im achten Geschoss oder im Erdgeschoss, weil die von ihrer Arbeitsplatzzuwei- sung zu Fläche sowieso nicht die Zielgruppe sind, für die wir im Moment unsere Gewerbeflä- chen zur Verfügung stellen würden. Von daher nutzt auch an dieser Stelle eine andere Politik nicht unbedingt etwas. Wir haben übrigens eine dieser beiden Ansiedlungen, von denen Sie, Herr Ehlgötz, gesprochen haben, verhindert, weil wir mittlerweile Besitzer des Grundstücks geworden sind. Sonst hätten wir sie nicht verhindern können. Aber eine große Verkaufsfläche mit überwiegend ebenerdiger Nutzung ist auch keine so qualifizierte Nutzung eines wichtigen, auch für industrielle Produktion möglichen Gewerbegebiets, wie wir uns das vorstellen. Andere Flächen in privatem Besitz, die es für diesen Nutzer auch durchaus gegeben hätte, waren ihm schlichtweg zu teuer. Dann bin ich nach wie vor trotzdem der Meinung, dass es richtig war, dass wir so gehandelt haben. Wir müssen diese Flächen anders entwickeln. Wir haben in diesem Portfolio von 80 Hektar mindes- tens 30 Hektar - es ist schon erwähnt worden, das ist Knielingen-West -, die wir, wie wir fest- stellen, nie für kurzfristige Ansiedlungen nutzen können, weil die Erschließung und alles viel zu aufwendig ist. Auch für längerfristige Anmeldungen, das erleben wir jetzt bei den ganzen Arten- schutz- und Naturschutzuntersuchungen bezogen auf die Spange zur B36 zur zweiten Rheinbrü- cke, ist das ein artenschutzrechtlich und naturschutzrechtlich so wertvolles Gebiet, dass ich gar nicht sicher bin, ob wir sie jemals überhaupt in einem geordneten Verfahren erschließen kön- nen, geschweige denn, dass wir es uns leisten können, weil wir da im Tiefgestade sind. Also von daher sehe ich nach wie vor die Notwendigkeit, wir brauchen dringend besser er- schließbare und neue Gewerbegebiete. Aber wir können im Moment gut die im Flächennut- zungsplan tauschen gegen Flächen, die wir im Moment aus meiner Sicht auch in absehbarer Zeit sowieso nie erschließen. Deswegen ist, glaube ich, das nicht der limitierende Faktor, son- dern der limitierende Faktor ist, dass wir zu wenig Einfluss nehmen können auf Gewerbeflä- chen, die uns nicht gehören. Da müssen wir ganz anders einsteigen. Da haben Sie auch immer grünes Licht dazu gegeben. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Zum Beispiel Handwerksakademie, selbst wenn ich so eine Fläche hätte, darf aber die Hand- werksakademie fast nur ebenerdig gebaut werden, weil die mit diesen Werkstätten arbeiten, und von den Förderbedingungen des Bundes ist es angeblich nicht möglich, dass man dann – 12 – noch Geschosse oben draufsetzt, in denen eine andere Nutzung gemacht wird. Dann müsste ich mich schon fragen, ob ich die 40 bis 50 Hektar, wenn ich sie denn hätte, ich habe sie nicht, dann für eine solche Nutzung, die keinerlei Gewerbesteuer abwirft und so weiter, nutze. Das sind schon Dinge, da muss sich auch auf der Bundesebene etwas ändern, damit wir nicht so große Flächen nur eingeschossig bebauen und im Grunde dann damit auch endgültig versiegeln. Wir arbeiten weiter an einer Lösung. Ich habe der Handwerkskammer auch zugesagt, dass ich mich in Berlin bei der neuen Regierung einsetzen werde, dass wir diese Förderbedingung än- dern. Keine Angst, ich kämpfe weiter um den Standort Karlsruhe. Nur, auch das ist etwas, das will im Grunde am Ende sorgsam abgewogen sein. Jetzt komme ich zu Ihrer Frage, Herr Stadtrat Cramer. Das Problem ist nicht, dass wir nicht in irgendeinem Gewerbegebiet auch gerne mal Kultur zulassen. Das Problem ist, wenn ich einmal Kultur dort zugelassen habe, ich in der Umgebung Einschränkungen der möglichen weiteren Ansiedlungen, und so ähnlich ist es mitunter auch bei Sozialangeboten oder, oder, oder. Gleichzeitig sind wir der Meinung, und da hatten Sie sogar einen flächigen Antrag hier gestellt von der Karlsruher Liste, dass wir teilweise auch zur Stadtentwicklung Kultur in be- stimmten Ausnahmefällen in Gewerbegebieten zulassen können/sollten. Da gibt es auch ein ganz prominentes Beispiel mit dem P8, und dass wir auch für die eine oder andere soziale Nut- zung uns öffnen sollten. Da sind wir gerade dabei, auch oben in Stupferich in einem kleineren Gewerbegebiet möglicherweise eine solche Öffnung vorzusehen. Aber wir müssen es in jedem Fall wirklich ganz ausdrücklich miteinander abwägen. Es darf nicht von einer solchen Beschluss- vorlage das Signal ausgehen, dass jetzt jeder sich irgendwo billige Flächen anmietet, dann sagt, jetzt mache ich da Kultur und sich dann darauf berufen kann, der Gemeinderat hat aber gesagt, dass er so etwas möglich machen will. Deswegen kann es aus unserer Sicht in gut begründeten Ausnahmefällen sein, aber das besprechen wir miteinander. Das bestimmen nicht wir als Stadt. Von daher ist uns diese Öffnung wichtig. Es ist uns aber auch wichtig, dass wir sie wirklich auf Ausnahmefälle beschränken, wo wir sehr genau abwägen, ist das nachhaltig ein kulturell sinn- voller Standard und nehmen wir dann die Nachteile für die Umgebung, also die Entwicklung der Gewerbeumgebung in Kauf, weil wir uns am Ende einen größeren Mehrwert davon verspre- chen, als wenn wir das dort nicht machen. Mit dieser Diskussion müssen wir dann miteinander punktuell durchgehen, wo sich solche Fragen auftun. Ich habe das mit dem Sozialen übrigens nie ganz verstanden, weil auch Rettungsdienst ein Stück weit für mich etwas Kommerzielles ist oder etwas Gewerbliches. Aber es ist eben so von der Gesetzeslage. Insofern müssen wir das dann auch so beachten. Das zu dieser Interpretation. Deswegen lade ich Sie wirklich ein, lassen Sie uns an diesen Punk- ten arbeiten. Wir müssen an mehr Flächen rankommen. Wir müssen bei denen, die Flächen haben, wo wir keinen direkten Zugriff haben, dafür werben, dass sie in die Höhe gehen, dass sie entsiegeln, dass sie sinnvoller diese Flächen nutzen und dass am Ende alle etwas davon haben, auch das Klima, auch die Natur und, und, und. Wir müssen weiter ganz intensiv Gewerbeflä- chen suchen. Aber wir können sie im Flächennutzungsplan gut tauschen mit Flächen, wo wir uns alle einig sind, dass sie in absehbarer Zeit und wahrscheinlich auf lange Sicht ... Wir waren damals froh übrigens, dass wir Knielingen-West noch mit drin gelassen hatten. Herr Ehlgötz, wenn die Hagsfeld-Mafia nicht so erfolgreich gewesen wäre, hätten wir im Osten der Stadt noch ein paar weniger schwierig erschließbare Flächen gehabt. Also, bei aller Kritik daran, dass die Stadt Karlsruhe zu wenig Flächen ausweist, kenne ich da noch ein paar Flächen, die hätten wir gerne umgesetzt. Das haben Sie mit der CDU-Fraktion verhindert. Also, immer ein bisschen – 13 – tiefer hängen die Globalkritik und ich glaube, dass wir damit eigentlich, wenn wir das umsetzen, was ich eben aufgeführt habe an Prioritäten, weiterkommen, als das Signal zu setzen, bloß noch immer mehr Flächen irgendwie in den Fokus zu kriegen und auszuweisen. Denn, wie darge- stellt, die Abwanderungen hatten wir, die Anfragen konnten wir nicht bedienen. Aber nicht, weil wir keine Flächen gehabt hätten, sondern weil sie einfach nicht in der Qualität sind, wie wir sie an der Stelle gebraucht hätten. Das noch mal aus meiner Sicht zur Erläuterung. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Noch einmal ganz kurz möchte ich das für meine Fraktion präzisieren mit den Möglichkeiten kultureller Nutzung im Gewerbegebiet. Frau Erste Bürger- meisterin, wir sehen das so, dass die Besitzer, die Immobilien haben in Gewerbebetrieben, oft auf kulturelle Einrichtungen zugehen oder denen nicht abgeneigt sind, weil sie es für Gewerbe nicht vermietet bekommen. Das muss man doch einfach sehen, denn die Kultur nimmt nichts weg. Im Grunde genommen ist es so, die Immobilienbesitzer bekommen es, aus was für Grün- den auch immer, an gewerbliche Nutzer nicht vermietet und nehmen dann, um überhaupt Mieteinnahmen zu haben, auch kulturelle Einrichtungen rein. Das möchte ich noch einmal ganz klar feststellen. Das ist unsere Grundvoraussetzung natürlich, das ist ganz klar. Aber wir möch- ten, bevor dann ein Immobilienbesitzer sein Gebäude leer stehen lassen muss, weil er kein Ge- werbebetrieb findet und kulturelle Nutzung, die er reinnehmen könnte, nicht darf. Das ist der Punkt, dass man da eben flexibler ist und da solche Dinge auch zulässt. Der Vorsitzende: Wenn es kulturelle Nutzung ist im Sinne eines Proberaums, ist das bisher auch noch nie ein Problem gewesen. Das schafft uns an verschiedenen Stellen im Moment die Prob- leme. Aber wenn jemand eine Fläche hat in dieser Stadt, und der findet keine Nutzer zu den von ihm vorgegebenen Bedingungen, muss er aus meiner Sicht an den Bedingungen etwas än- dern und nicht sagen, ich nehme jetzt eine Kulturnutzung mit Öffentlichkeit, darum geht es ja. Es geht nicht darum, dass einer am Schlagzeug probt oder so, sondern es geht darum, dass es dann ein kulturelles Angebot an die Öffentlichkeit ist im Sinne einer Versammlungsstätte. Da müssen wir uns sehr genau überlegen, ob wir uns das in einem Gewerbegebiet vorstellen kön- nen oder nicht. Nichts weiter steht in dieser Vorlage drin, dass es in Einzelfällen sicherlich etwas ist, was man erwägen kann, dass es aber nicht die generelle Linie ist, dass wir das überall zulas- sen. So ähnlich ist es auch mit den sozialen Nutzungen. Dafür gibt es gute Gründe. Dennoch können es auch viele Einzelfälle sein, die wir diskutieren. Aber wir müssen es Einzelfall für Ein- zelfall bezogen abwägen, und so ist es zu verstehen. Dann kommen wir zur Abarbeitung der Anträge. Am weitestgehend ist der Antrag der AfD, nämlich in die ursprünglichste Fassung zurückzukehren. Den stelle ich jetzt zur Abstimmung und bitte um Ihr Votum. – Das ist eine mehrheitliche Ablehnung. Dann stelle ich den CDU-Antrag zur Abstimmung, der sich auf einen Zwischenstand bezieht. Die Ziffer 4 wird verändert, Sie haben es genau geschrieben. Ich will es jetzt gar nicht wiedergeben. Da bitte ich Sie um Ihr Votum. – Auch das ist eine mehrheitliche Ablehnung. Der GRÜNEN-Antrag hatte sich erledigt. Damit kommen wir zur unveränderten Beschlussvorla- ge der Verwaltung. Da bitte ich Sie um Ihr Votum. – Das ist eine mehrheitliche Annahme. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: – 14 – Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. Februar 2022