Farb- und Materialkonzept Marktplatz

Vorlage: 2021/1306
Art: Beschlussvorlage
Datum: 29.10.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.01.2022

    TOP: 13

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Anlage Farb- und Materialkonzept Marktplatz
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Marktplatz Karlsruhe Farb- und Materialkonzept Stand 9. Dezember 2021 2 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Marktplatz Karlsruhe Farb- und Materialkonzept Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Leitung: Prof. Dr. Karmann-Woessner Bereich: Stadtbild Leitung: Georg Gerardi Redaktion, Bearbeitung und Layout: Clemens Fritz, 0riana Kraemer Dezember 2021 Stadtplanungsamt | 3 Inhaltsverzeichnis Hintergrund ................................................................................................................................................................ 4 Zielsetzung ..................................................................................................................................................... 4 Funktion des Farbkonzepts ............................................................................................................................. 4 Farbe und öffentlicher Raum .......................................................................................................................... 5 A Bestandsanalyse ................................................................................................................................................... 6 Historische Fassungen .................................................................................................................................... 6 Wiederaufbau ................................................................................................................................................ 6 Aktuelle Gestaltung ....................................................................................................................................... 7 B Randbedingungen ............................................................................................................................................... 10 Eigentumsverhältnisse .................................................................................................................................. 10 Denkmaleigenschaft .................................................................................................................................... 10 Vorhandene Materialfarbigkeit ..................................................................................................................... 11 C Weiterentwicklung des Farbprofils ..................................................................................................................... 12 Erhalt historischer Konstanten ...................................................................................................................... 12 Stadtmobiliar ............................................................................................................................................... 14 Wirkung der gewählten Farbakzente ........................................................................................................... 16 D Anhang ................................................................................................................................................................ 17 1 Farbanalyse relevanter Flächen .................................................................................................................. 17 2 Farbprofil Marktplatz Bestand und Ziel ...................................................................................................... 26 3 Historische Ansichten ................................................................................................................................ 27 4 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Hintergrund Zielsetzung Karlsruhe gilt mit seinem „Fächer“ und den strahlenförmigen Raumachsen als Musterbeispiel einer Planstadt. Der historische Fächergrundriss verleiht Karlsruhe ein einzigartiges Profil, das sowohl durch bedeutende Einzelgebäude als auch durch Gebäudegruppen sowie seine Plätze und Straßenzüge geprägt und von Bewohnern wie Besuchern geschätzt wird. Der städtebaulich markanteste Bereich der Innenstadt ist der Marktplatz. Um 1800 durch den Architekten Friedrich Weinbrenner angelegt, ist er das früheste ausgeführte städtische Ensemble des Klassizismus. Als Teil der Sachgesamtheit „Via Triumphalis“ zwischen Schloss und Ettlinger Tor steht er unter Denkmalschutz. Sein baukulturelles Erbe gilt es zu stärken und zu erhalten. Gleichzeitig soll der Marktplatz einen zeitgemäßen Rahmen für aktuelle Entwicklungen und zukünftige Nutzungen bieten. Als zentraler Ort der Innenstadt soll der Marktplatz künftig Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Lebens sein (City-Einzelhandelsgutachten, 2018). Eine gute Voraussetzung hierfür ist seine zentrale Lage am Kreuzungspunkt der Nord-Süd- und Ost-West-Achse der Stadt und seine Einbettung in ein engmaschiges Netz attraktiver öffentlicher Räume. Gleichzeitig bietet der nun schienenfreie und großzügige Veranstaltungsplatz die nötige Robustheit, Weite und Flexibilität, verschiedene Nutzungen und Veranstaltungen zu beherbergen. Die „Gute Stube der Stadt“ soll aufgrund ihrer Gestalteinheit klar erkennbar sein, ein Ort der Identifikation, an dem sich Bürgerinnen und Bürger wohlfühlen. Material und Farbe spielen dabei eine wesentliche Rolle. Farbe ist ein Wahrnehmungscode, der uns den Charakter, die Identität eines Ortes intuitiv entschlüsseln lässt. Beliebigkeit oder unkoordinierte Eingriffe können das Stadtbild und seine geschlossene Wirkung gefährden und im schlimmsten Fall zur Reizüberflutung führen. Es gilt deshalb, die hohe Gestaltqualität des Marktplatzes in seinem einheitlichen und „identifizierbaren“ Erscheinungsbild zu stärken. Mit der Realisierung der Kombilösung wird die Marktplatzfläche und ihr Mobiliar nach Plänen des Büros Mettler neugestaltet. Die helle Farbe des neuen Platzbelags soll einerseits den Effekt der sommerlichen Aufheizung verringern, andererseits durch die Annäherung an die vorherrschenden Fassadenfarben die räumliche Dimension, des klassizistischen Platzes, den Platz- Raum wieder erlebbar machen. Diese Zielsetzung erfordert Sorgfalt bei der farblichen Neubetrachtung bzw. Feinjustierung der umgebenden Fassaden und Stadtmöbel. Funktion des Farbkonzepts Das vorliegende Konzept soll einen Beitrag leisten, die Identität des Marktplatzes und seine Lesbarkeit zu stärken. Basierend auf einer umfangreichen und detaillierten Bestandaufnahme spricht es Empfehlungen aus und bietet städtischen und privaten Eigentümerinnen und Eigentümern, Gastronominnen und Gastronomen Hilfestellung bei der Farbauswahl der Fassaden und Möblierungselemente des Marktplatzes. Das Farbkonzept soll künftig durch eine Sondernutzungsrichtlinie und eine Werbeanlagensatzung Innenstadt ergänzt werden, hat aber selbst keine rechtlich bindende Wirkung. Die endgültige Farbentscheidung fällt wie bisher die Eigentümerin bzw. der Eigentümer allein oder, beispielsweise bei Fassadenfarben, in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden. Dieses „Handbuch“ kann Farbtöne nur als Näherungswerte abbilden und dient somit lediglich einer Vorauswahl von Farben. Für weitere Beratungen und Fragen stehen Ihnen das Stadtplanungsamt und gegebenenfalls die Denkmalschutzbehörde gern zur Verfügung. Wir möchten uns schon jetzt bei allen Eigentümerinnen und Eigentümern, sowie Gastronominnen und Gastronomen bedanken, dass Sie diesen für die Innenstadt und deren Ausstrahlung so wichtigen Weg mitbeschreiten. Stadtplanungsamt | 5 Farbe und öffentlicher Raum Farbe ist nicht nur Farbe. Die Farbpsychologie geht davon aus, dass Farben biologisch und kulturell bedingt unsere Gefühle beeinflussen. Farben lösen je nach Kontext unterschiedliche Assoziationen aus. Sie haben symbolische Bedeutungen und können daher bewusst und unbewusst „gelesen“ werden. Heute ist städtischer Raum vor allem Kommunikations- und Identifikationsraum. So bekommen Farbflächen wie Fassaden mit ihrer emotionalen Wirkung und Symbolkraft eine ganz besondere Bedeutung. Architektur und Fassadenfarbigkeit beeinflussen maßgeblich das individuelle, charakteristische Erscheinungsbild einer Stadt und tragen zur Identität und zur Identifikation eines Ortes sowohl durch Bürgerinnen und Bürger als auch durch Besucherinnen und Besucher bei. Vergleicht man die Farbprofile verschiedener Städte, so kann man ortstypische Charakteristika erkennen. Diese werden oft durch die regional verfügbaren Materialressourcen, die ortstypischen Baustoffe mit ihrer Eigenfarbigkeit bestimmt. In weiten Teilen Baden-Württembergs ist beispielsweise durch das natürliche Vorkommen der roten und ockrigen Buntsandsteine deren Farbigkeit regional verankert. Hinzukommen als traditionell verfügbare Pigmente Ocker und verschiedene Eisenoxyde in einem ähnlichen Farbspektrum von rot bis gelb. Soll die charakteristische Farbigkeit eines Ortes, Stadtteils oder Platzes gesichert bzw. fortgeschrieben werden, erfordert dies zunächst die detaillierte Kenntnis und Analyse des Bestandes. Unter Berücksichtigung der Farbigkeit des Umfeldes, der historischen Bebauung und der stadtbildprägenden Objekte lassen sich so Farbgruppierungen ermitteln, die das charakteristische Profil aufnehmen und weiterführen. Weitere Kriterien bei der Auswahl von Fassadenfarben sind neben der Umgebung auch die Architekturform und die Flächenverhältnisse der relevanten Objekte und Fassadenteile. Je kleiner eine Farbfläche, desto akzentuierter, also gesättigter kann sie beispielsweise sein, ohne dass dabei die Harmonie des Gesamtbildes gestört wird. Farbe hat außerdem perspektivische Wirkung. Das heißt, sie kann die Dreidimensionalität der Architektur imitieren oder wirkungsvoll unterstreichen. Die Wirkung von Farbe wird durch Farbton, Helligkeit und Chroma (Grad der Buntheit oder Farbsättigung) beeinflusst. Mit diesen drei Parametern lässt sich eine Farbe genau definieren. Quelle/Darstellung: TSP Design 6 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept A Bestandsanalyse Historische Fassungen Der Marktplatz wurde um 1800 durch den Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil angelegt. Die originale Farbgebung der meisten Gebäude ist nicht eindeutig belegt und wurde vielfach überformt. Die bildlichen Darstellungen des Marktplatzensembles zeigen über die Zeiten hinweg ganz unterschiedliche Farbkonzepte. Sehr frühe idealisierte Darstellungen (1826, siehe Abb. unten links) zeigen beispielsweise eine durchgängig einheitliche, ockrige Farbfassung des gesamten Ensembles mit dunklen Schieferdächern, ohne besonders ausgeprägte Differenzierung der jeweiligen Fassadenglieder. Später wurden die Fassaden, insbesondere auch das Rathaus und die Stadtkirche, zunehmend farblich ausdifferenziert, beispielsweise zwischen Sockelzone und Obergeschossen oder auch Pilastern, Säulen und Gewänden und den Putzflächen bis hin zur Materialsichtigkeit, während die Platzfläche im späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert homogen und durchgängig in Pflaster (Granit) gestaltet war (siehe Abb. unten rechts). Lithographie um 1826 Postkarte um 1900 Wiederaufbau Im Zweiten Weltkrieg wurden auch die Bauten des Karlsruher Markplatzes und der „Via Triumphalis“ durch Luftangriffe schwer beschädigt und zerstört. In ihrer heutigen Gestalt sind sie das Ergebnis einer konzeptuell stimmigen und gemeinschaftlich verwirklichten Wiederaufbauleistung. Bereits 1946 veröffentlichte die Stadt Karlsruhe erste grundsätzliche planerische Überlegungen dazu: In der „Denkschrift über den Wiederaufbau der Stadt Karlsruhe“ knüpfte man ausdrücklich an die barocke Stadtplanung und ihre klassizistische Entwicklung an und beabsichtigte, das Herzstück zwischen Schloss und Ettlinger Tor wiederherzustellen. Die damalige Avantgarde hingegen, mit Vertretern wie den Architekturprofessoren Egon Eiermann und Otto Ernst Schweizer, bezeichnete die traditionalistische Ästhetik des Nationalsozialismus als moralisch falsch und forderte einen radikalen, geschichtsfreien Neuanfang. Dank besonnen vorgehender Stadtplaner und politischer Mandatsträger entschied man sich beim Wiederaufbau der „Via Triumphalis“ für einen dritten Weg zwischen futuristischer Tabula rasa und naiv-retrospektiver Rekonstruktion. Das Ergebnis ist eine ästhetisch anspruchsvolle Synthese zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Traditionalismus und Avantgarde, geprägt durch bewusst inszenierte Kontraste von historisierenden Rekonstruktionen und modernen Neubauten. So wurde trotz baulicher Neuinterpretationen das Weinbrenner‘sche Vermächtnis fortgeschrieben, für den jedes Gebäude und damit auch der durch sie begrenzte Stadtraum als Einheit lesbar sein sollte. Stadtplanungsamt | 7 Aktuelle Gestaltung Auf dem Marktplatz sind aktuell zwei dominierende Farbfamilien vorhanden, eine hell-ockrige und eine rötlich- bräunliche. Die Farbtöne der meisten Fassaden bewegen sich im ockrigen Bereich (um 45° zwischen gelb und rot im Farbtonkreis). Sowohl das Rathaus, als auch die neu sanierten bzw. gebauten Fassaden der Nordseite (Kaiserstraße 72 – 78) bilden hier eine Ausnahme. Letztere fügen sich jedoch aufgrund ihrer Helligkeit und geringen Sättigung gut in die vorherrschende Farbkulisse ein. Der Großteil der Marktplatzfassaden ist in einer differenzierenden Farbgestaltung gefasst, nach dem Prinzip, unterschiedliche Fassadenglieder deutlich aber farblich harmonisch voneinander abzusetzen. Die vom Gemeinderat 1979 beschlossene Karlsruher Variante der sogenannten „Lichtperspektive“ besteht aus einer hellen, getönten Putzfläche mit noch weiter aufgehellten und weniger stark farbgesättigten Gewänden, Gesimsen und Eckeinfassungen. Dies gilt sowohl für die Altbauten und historisierenden Neubauten, als auch, passend übertragen auf den Typ der Rasterfassade, für den überwiegenden Teil der Marktplatznordseite. Beim Technischen Rathaus und beim Gebäude Schöpf wurde auch die Rustika (die Erdgeschossfassade) heller behandelt als der Fond, da hier die Rustika über das Erdgeschoss hinausgeführt wird und somit nicht mehr den Charakter eines Gebäudesockels besitzt. Die ursprüngliche Farbgebung des von Weinbrenner entworfenen und 1825 fertiggestellten Rathauses ist nicht bekannt. Für Weinbrenner war jedes Gebäude zuallererst ein als Einheit ablesbarer Baukörper. Welchen Farbton es trug war für ihn zweitrangig. Seit seiner Fertigstellung hat das Rathaus viele Umgestaltungen und Renovierungen erfahren, wie zuletzt 2013. Der dabei gewählte Farbton orientiert sich am Sandstein des Sockels und des Turms sowie an Unterlagen zum Bau der Karlsruher Münze. In Anlehnung an Weinbrenner entschied man sich bei der Neugestaltung des Rathauses für eine monochrom gehaltene Fassade, deren Fassadenglieder lediglich durch Helligkeitsnuancen und unterschiedliche Sättigungsgrade voneinander abgesetzt wurden. Das Sockelgeschoss ist gemäß traditioneller Farbstatik dunkler gehalten. Der Farbton selbst ist dem der restlichen Fassade ähnlich. Dadurch entsteht ein blockhafter, monolithischer Eindruck, der an diesem Platz mit dem des ehemaligen Bezirksamtes (Polizei) vergleichbar ist. Karlsruher „Lichtperspektive“ am Beispiel Rathaus (links) und Technisches Rathaus (rechts) 8 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Während in der Vergangenheit die Platzfläche selbst durch den im Belag verwendeten Porphyr eher rötlich- bräunlich war und damit die Pyramide und der Ludwigsbrunnen stärker integriert erschienen, bestand ein verhältnismäßig starker Kontrast zu den Fassaden, die wie eine zweidimensionale Kulisse wirkten (oben links). Die aktuelle Neugestaltung der Platzfläche von 2020 korreliert – mit Ausnahme des Rathauses – farblich eng mit den umgebenden Gebäuden (oben rechts). Aufgrund dieser einheitlichen farblichen Umhüllung erscheint der Marktplatz nun als beeindruckender dreidimensionaler Raum. Pyramide und Ludwigsbrunnen wirken darin als kontrastierende Applikationen. Das „Stadtmobiliar“ ist möglichst unauffällig eingestreut. Aufzüge bilden räumlich wahrnehmbare, aber farblich bzw. durch ihre Materialität (Natursteinverkleidung und getöntes Glas) integrierte Sonderelemente. Die Treppenaufgänge zum Stadtbahntunnel werden als Fortsatz des Bodens verstanden und mit demselben Granit verkleidet. Mit einem sehr geringen Anteil an sichtbaren Oberflächen, jedoch einer gewissen Prominenz im öffentlichen Raum, trägt das Stadtmobiliar zum Gesamterscheinungsbild bei. Mastleuchten, Müllbehälter, Pflanzkübel, und Metallbeine der Bänke wurden 2020 im Farbton C34 (Dunkelbronze in Eloxierqualität) realisiert. Der warme Farbton harmoniert mit den am Marktplatz vorhandenen Bodenbelägen und Fassadenfarben. Er gibt den so gestalteten Objekten eine Anmutung von vornehmer Eleganz. Die Sitzflächen der Bänke wurden holzsichtig und aus europäischer Robinie gefertigt. Das Farbspektrum der Robinie reicht von grünlich bis olivgelb mit einem hellgelben Splint. Ihr Farbton fügt sich nur mäßig in das warm- ockrige bis rötliche Farbspektrum des Platzes ein. Anzustreben ist daher eine Oberflächenbehandlung, bei der die Rottöne der Robinie zur Geltung kommen und die eine gleichmäßige, natürliche Vergrauung zulässt. Stadtmobiliar C34 Dunkelbronze eloxiert Bank aus Robinie Treppenaufgang aus Granit Marktplatz mit rotem Porphyrbelag und Rosette 2009 Marktplatz nach Umgestaltung 2020 Stadtplanungsamt | 9 10 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept B Randbedingungen Eigentumsverhältnisse Die öffentlichen Verkehrsflächen, also der Marktplatz und die umliegenden Straßen, sind im Eigentum der Stadt Karlsruhe, ebenso das Rathaus und das Technische Rathaus. Das Weinbrennerhaus ist im Besitz der städtischen Gesellschaft KVVH GmbH. Das Polizeirevier, die Stadtkirche und das Sozialgericht befinden sich in Landeseigentum. Die übrigen Gebäude an der Marktplatznordseite / Kaiserstraße, Marktplatzsüdseite/ Hebelstraße und Marktplatzostseite befinden sich in privatem oder institutionellem Einzeleigentum. Das vorliegende Farbkonzept spricht Empfehlungen aus und bietet Hilfestellung bei der Farbauswahl. Die einzelne Farbentscheidung und die Instandhaltungszyklen sind aber letztendlich abhängig von den Entscheidungen der Eigentümerinnen und Eigentümer. Eigentümerkartierung Stand November 2019 Denkmaleigenschaft Ein Großteil der Gebäude am Marktplatz beziehungsweise deren Fassaden sind Kulturdenkmal oder Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, genauso wie Brunnen und Pyramide. Somit sind sämtliche gestalterischen Veränderungen, insbesondere auch die Farbgestaltung mit dem Denkmalschutz abzustimmen. Da die Befundlage zum Originalzustand unklar und für spätere Fassungen sehr differenziert ist, bestehen hier jedoch gewisse Interpretationsspielräume. Denkmalkartierung Stand Mai 2020 Technisches Rathaus Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung (§ 12 DSchG) Sachgesamtheit „Via Triumphalis“ (§2DSchG) Rathaus Technisches Rathaus Weinbrenner- haus Ev. Stadtkirche Polizeirevier Sozialgericht Rathaus Ev. Stadtkirche Weinbrenner- haus Sozialgericht Polizeirevier Eigentum des Landes Eigentum der Stadt Eigentum städtischer Gesellschaft Privateigentum Stadtplanungsamt | 11 Vorhandene Materialfarbigkeit Eine ganze Reihe von Farbwerten ist durch materialsichtige Flächen und Bauteile vorgegeben, die aufgrund der denkmalrechtlichen Vorgaben oder Beschaffenheit farblich konstant bleiben. Dazu zählt das ehemalige Großherzogliche Bezirksamt, heute Polizeirevier Marktplatz, von Josef Durm in den Jahren 1896-99 erbaut. Architektonisch stört es die klassizistische Gebäudekomposition Weinbrenners und auch farblich tritt es unverhältnismäßig prominent in Erscheinung. Die Fassade besteht aus gelbem Sandstein und einem geringen Anteil an Granit. Der durch die unterschiedliche Rauheit der Oberflächen ausgelöste Verschmutzungsgrad ergibt eine stark differenzierte Farbskala von hellem Ocker bis dunklem Grauocker, sowie granitgraue Töne. Die Kupferdeckung der Eckrotunde zeigt vorpatinierten Grünspan. Materialsichtig ist auch die Betonfertigteilfassade (EG) des Gebäudes Kaiserstraße 72 – 74a von Arno Lederer (2009/2010) in leicht gebrochenem Weißbeton. Roter Sandstein findet sich an Pyramide und Ludwigsbrunnen, sowie an dem für bestimmte Bereiche des Platzes visuell wirksamen Rathausturm. Die Schiefer- und Ziegeldächer sind ebenfalls materialsichtig. Auch der Platzbelag selbst ist in seinen ockrigen Granittönen materialsichtig. Polizeirevier am Marktplatz Betonfertigteilfassade Kaiserstraße 72 – 74a Pyramide Pyramide Ludwigsbrunnen Rathausturm Pflasterbelag 12 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept C Weiterentwicklung des Farbprofils Der Marktplatz, die „Gute Stube“ der Stadt, soll verstärkt eine einheitliche, ruhige und besonders hochwertige Gestaltung erhalten. Durch die Entfernung der Straßenbahnschienen und Oberleitungen und unterstützt durch die farbliche Angleichung des Bodenbelags an die säumenden Fassaden soll die Dreidimensionalität des Platzes wieder voll zur Geltung kommen. Ganz im Sinne des Weinbrenner’schen Verständnisses von der klaren Einheit und Lesbarkeit der Baukörper soll diese unverblümte Wirkung der Form auch für den Stadtraum „Marktplatz“ gelten und für Jede(n) auch ohne architekturtheoretische Vorkenntnisse erlebbar werden. Zur Stärkung der Identität des Platzes strebt das Farbkonzept den Erhalt der historisch vertrauten Konstanten an, wie die Naturschieferdächer, die für Karlsruhe charakteristische helle, ockrig-warmtonige Farbgrundstimmung der Fassaden und die subtile farbliche Differenzierung der Fassadenelemente. Diese zurückhaltende Flächengestaltung soll den eleganten Rahmen für das bunte Leben und Treiben bilden. Das Stadtmobiliar und die Pflanzen hingegen, die nur kleine Farbflächen aufweisen und von Natur aus kurzlebiger und über die Jahre auch wechselnden Moden unterworfen sind, dürfen auflockernde, kontrastierende Farbtupfer auf dem ansonsten schlicht gehaltenen klassizistischen Marktplatz sein und so die Lebendigkeit und Vielfalt der Nutzungen unterstreichen. Die Farben der angebotenen Verkaufswaren in Schaufenstern und Marktständen und die vielfältige Erscheinung der Passanten tragen zur Belebung des Platzes bei. Erhalt historischer Konstanten Die im vorigen Kapitel beschriebenen materialsichtigen Oberflächen sind als historische Konstante bei der Gestaltung variabler Farbflächen mit ins Kalkül zu ziehen. Die Farbgebung des neuen Bodenbelags wurde bewusst gewählt, um die helle, ockrig-warmtonige Farbkulisse fortzuschreiben. Die Dächer sind materialsichtig und somit grundsätzlich den „Konstanten“ zuzuordnen. Angestrebt wird die Verwendung möglichst einheitlichen Naturschiefers auf den historischen Gebäuden. Die vorhandene Ziegeldeckung am „Weinbrennerhaus“ wäre also im Ersatzfall entsprechend auszutauschen. Auch die Dachdeckungen von Karl-Friedrich-Straße 5 und 7 sollten zu gegebener Zeit nach einer entsprechenden Bemusterung angepasst werden. Dachdeckung aus Naturschiefer Dachlandschaft Marktplatz Stadtplanungsamt | 13 Putzflächen und überstrichene Werksteinflächen machen den Großteil der farbtragenden Fassadenflächen am Marktplatz aus. Sie sollen im Sinne des klassizistischen Raumerlebnisses von zurückhaltender Farbigkeit und gradliniger Klarheit sein. Dabei gilt:  Es sollen warme ockrige Farbtöne verwendet werden, die sich bei etwa 45° zwischen ROT und GELB im Farbtonkreis (Hue) bewegen. Sie sollen hell und im Sinne Weinbrenners „gebrochen“ also vergraut, mit niedrigem Sättigungsgrad ausgeführt werden. Zur Unterstreichung der Dreidimensionalität des Platzes wird angestrebt, das Farbprofil des Rathauses entsprechend anzupassen. Eine leichte Variation zwischen der Farbgebung der verschiedenen Gebäude ist weiterhin gewünscht.  Da es sich platzräumlich betrachtet beim Sockel um die Fortsetzung des angrenzenden Bodens handelt, sollte ein Farbton verwendet werden, der sich in seiner Sättigung der des Bodenbelags anpasst. Er sollte nicht heller als die weiter aufgehende Fassade sein, es sei denn, es handelt sich beim Sockel um eine Rustika, die das gesamte Erdgeschoss umfasst.  Um die Dreidimensionalität der Architektur zu unterstreichen, sollten Fassadenrücksprünge nuanciert dunkler und Fassadenvorsprünge nuanciert heller angelegt werden.  Fensterfaschen, die gestalterisch abgesetzten Umrahmungen von Fassadenöffnungen, sind die Mittler zwischen Fassade und Fensterrahmen und sollten daher auch mit ihrem Helligkeitswert zwischen diesen beiden Farbflächen liegen. Sekundäre Farbträger, wie Fenster, Türen, Beschläge, Blechnerarbeiten, Geländer etc. werden abhängig von ihrer Funktion behandelt. Fenster sollten traditionell weiß bzw. hell gehalten werden, Türen hingegen dunkel und materialsichtig oder auch farbig gestaltet. Blech sollte als unbehandeltes Titanzink oder entsprechend der dahinterliegenden Fassadenfarbe lackiert, Geländer in Metallfarben, vorzugsweise im Farbton C34 (Dunkelbronze in Eloxierqualität) gestaltet sei n. Die genaue Ausführung ist anhand einer sorgfältigen Bemusterung im Detail festzulegen. Hierfür steht das Stadtplanungsamt gern zur Verfügung. 14 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept ✓ Stadtmobiliar Die Farbgebung des festinstallierten Stadtmobiliars wie Bänke, Pflanzkübel, Müllbehälter und Mastleuchten ist im Kapitel „Farben aus anderen Gestaltungskonzepten“ beschrieben. Sie bildet zusammen mit den hell- ockrigen Putz- und Platzflächen den hochwertigen, neutralen Rahmen für das bunte Treiben auf dem Marktplatz. Sonnenschirme sowie Jalousien sind auf Grund ihrer großen, prominent in Erscheinung tretenden Farbflächen ebenfalls stadtbildprägende Gestaltungselemente. Sie sollen sich daher in die vorherrschende hell-ockrige Farbfamilie einfügen, analog zum bewährten Modell in der Zähringerstraße (s. Abb. unten). Außenbewirtungsmobiliar soll ähnlich dem festinstallierten Marktplatzmobiliar neutral zurückhaltend und aus hochwertigen Materialien ausgewählt werden. Marktstände sind temporär und mit ihren Warenauslagen Teil des bunten kommerziellen Treibens auf dem Marktplatz. Dennoch treten die Farben der Textilien aufgrund ihrer großen Fläche und ständigen Präsenz prominent in Erscheinung. Die hohen Sättigungs-/ bzw. Buntheitsgrade der aktuellen Textilfarben sollten Werbeträgern, Flaggen oder kleinen Flächen vorbehalten sein. Die badischen Farben weisen von ihrer symbolischen Bedeutung abgesehen keine Bezüge zu regional- oder lokaltypischen Materialfarben auf und harmonieren nicht mit den übrigen vorhandenen Farben. Marktbeschickern wird daher empfohlen, nach Möglichkeit einfarbige Textilien mit hellen, wenig gesättigten Farben zu verwenden (s. Sonnenschirme). Unter Umständen ist auch das grün-weiß-gestreifte Modell vertretbar, da das Grün weniger stark in Erscheinung tritt und mit vorhandenen Farben (Pflanzengrün) harmoniert. Sonnenschirme Zähringerstr., Modell „Schattello“, naturbeige, Fa. May-Schirme Bunter Sonnenschutz an den Nordfassaden des Marktplatzes Bunte Marktstände ✘ ✘ ✘ Stadtplanungsamt | 15 Zur Ausstattung des Marktplatzes sollen künftig auch mobile Stühle gehören. Hierfür eignet sich aktuell, aufgrund der vorhandenen farblich heterogenen Fassaden eine Kombination aus zwei bis drei Farbwerten, die sich formalästhetisch an der vorherrschenden hellen und desaturierten Farbkulisse orientieren (zum Beispiel Lehmgrau, Muskat, Lindgrün). Diese treten in den Hintergrund und ergeben so ein homogenes, in sich geschlossenes Bild mit der Platzfläche. Wünschenswert sind langfristig – sofern sich das Rathaus eines Tages in den zurückhaltenden, hellockrigen Farbkanon einfügt - auch bunte, kontrastierende Akzente, um die lebendige, flexible Nutzung des Platzes zu unterstreichen. Vorgeschlagen wird hierfür, einen Farbwert mit hoher Sättigung unterzumischen, der als Akzent den Ton der traditionellen pink und rosa blühenden Oleanderblüten und Geranien aufnimmt (Altrosa oder Rose Praline). Der starke Farbakzent setzt einen Kontrapunkt zum historischen Ambiente und hat großes Identifikationspotential. Eine solche Mischung aus überwiegend zurückhaltenden und eingestreut akzentuierenden Farbwerten ist beispielsweise auf dem Sechseläutenplatz in Zürich oder auch auf dem Kirchplatz St. Stephan realisiert. Die genaue Auswahl wird auf Basis einer sorgfältigen Bemusterung getroffen. Die rosa und pink blühenden Oleanderbüsche bleiben auch nach der Neugestaltung des Marktplatzes erhalten. Ihre komplementären Rosa-, Pink- und Grüntöne sind bereits Tradition in Karlsruhe. Zusätzliche Pflanzen wie Blütenflors der Gebäudedekoration sollen sich (weiterhin) im selben Farbspektrum rosa/grün bewegen. Dies ist auch bei der Auswahl eines künftig insektenfreundlichen Blütenflors zu berücksichtigen. Beispiel Modell Luxembourg ( Fermob) in Lehmgrau, Muskat, Lindgrün, Altrosa; Beispiel Sechseläutenplatz, Zürich Geranien in Gebäudefenstern (links), möglicher künftig insektenfreundlicher Blütenflor (Mitte), Oleanderbüsche (rechts) 16 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Wirkung der gewählten Farbakzente In Ihrem Buch „Wie Farben wirken“ beschreibt Eva Heller die psychologische und symbolische Wirkung von Farben, die sie anhand umfangreicher Befragungen ermittelt hat. Die von den mehr als 1000 Befragten ausgelösten Assoziationen zu unterschiedlichen Farbkombinationen spiegeln Stimmungen wider, die auch im vorliegenden Farbkonzept berücksichtigt wurden. So stehen die vorgesehenen Farbakzente in dem gegebenen Verhältnis aus Grün und Rosa (Pflanzen und Stühle) beispielsweise für Jugend und Wachstum und vermitteln Eigenschaften wie „frisch“, „jung“ und „angenehm“. Die Kombination Braun, Rosa und Grün (Elemente aus rotem Sandstein, Schmuckband, Pflanzen und Stühle) steht wiederum für Gemütlichkeit. So ist das angedachte Farbkonzept auch aus farbpsychologischer Sicht eine der „Wohlfühlstadt“ angemessene Wahl. Abbildung Farbakzente Bestand (oben); Farbakzente Zielvorstellung (unten) Stadtplanungsamt | 17 D Anhang 1 Farbanalyse relevanter Flächen Die folgende Auflistung der analysierten Farbflächen verschiedener Maßstäbe von groß (L) bis sehr klein (XS) geht vom Bestand nach Fertigstellung des Marktplatzes (vrs. Ende 2021) aus. L  Fassaden (Rathaus, Stadtkirche mit Seitengebäuden, Kaiserhof, Polizei/ehem. Bezirksamt, Commerzbank/Schöpf, Technisches Rathaus, Marktplatz Nordseite)  Dächer  Bodenbelag mit Schmuckband M S XS  Pyramide und Brunnen  Aufgänge Stadtbahntunnel  Aufzüge  Leuchten  Pflanzkübel  Müllbehälter  Bänke  Mobile Stühle  Gastronomiemobiliar  Schirme  Jalousien  Marktstände  Pflanzen (Kübelpflanzen und Pflanzen an den Gebäudefenstern)  Fenster, Türen, Beschläge, Blecharbeiten, Geländer  Hinweisschilder/ Wegweiser/ Werbung Die folgenden Bildausschnitte stellen Impressionen dar, die die grundsätzlichen Aussagen der Bestandsanalyse illustrieren sollen. Es handelt sich nicht um Vorlagen für Bemusterungen. Die Farbwerte wurden als Durchschnittswerte anhand von Fotos ermittelt, welche mit nicht kalibrierten, digitalen Aufnahmegeräten hergestellt wurde und sind lediglich zur Verdeutlichung der angesprochenen Farbstimmungen und Farbkombinationen gedacht. 18 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Fassaden (L) Beton/Werkstein Fassaden Nordseite Gestrichener Putz Fassade Schöpf Commerzbank Fassade Weinbrennerhaus/ Stadtkirche/ Sozialgericht Gelber Sandstein Granit Fassade Polizeirevier (ehemaliges Großherzogliches Bezirksamt) Stadtplanungsamt | 19 Fassaden (L) Gestrichener Putz Fassade Rathaus Fassade Technisches Rathaus Fassaden Nordseite 20 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Dächer (L) Schiefer Dächer Roter Ziegel Weinbrennerhaus Oxidiertes Kupfer Stadtkirche, Rathausturm, Polizeirevier Stadtplanungsamt | 21 Platzfläche (L) Granit Bodenbelag/ Schmuckband Raumbildende Elemente (M) Roter Sandstein Pyramide Ludwigsbrunnen Rathausturm Granit Brüstungen Treppenabgänge (s. Bodenbelag) Getöntes Glas Aufzug 22 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Stadtmobiliar (S) Robinie behandelt/ ergraut Bänke C34 Dunkelbronze/ Eloxal Mastleuchten, Bänke, Pflanzenkübel, Müllbehälter Metall, lackiert Mobile Bestuhlung Stadtplanungsamt | 23 Textilien (S) Textilien Schirme Markisen Marktstände 24 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Pflanzen (XS) Geranien Oleander Schilder/Werbeanlagen (XS) ... Stadtplanungsamt | 25 Werbeanlagen (XS) ... 26 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept 2 Farbprofil Marktplatz Bestand und Ziel Stadtplanungsamt | 27 3 Historische Ansichten Aktueller Zustand 2021 Vorzustand Rathaus bis 2013 (Bodenbelag bis 2018) 28 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Rathaus 1946 – 1956 Rathaus 1930 – 1944 Stadtplanungsamt | 29 Postkarte nach 1900 Postkarte nach 1900 30 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept Vor 1900 um 1885 Stadtplanungsamt | 31 Lithographie um 1828 Lithographie um 1826 32 | Marktplatz Karlsruhe – Farb- und Materialkonzept

  • Farb- und Materialkonzept Marktplatz
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/1306 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: StplA Farb- und Materialkonzept Marktplatz Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 13.01.2022 2 X vorberaten Gemeinderat 25.01.2022 13 X Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt, das „Farb- und Materialkonzept Marktplatz“ aufzustellen und die entspre- chende Broschüre zu veröffentlichen. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüg- lich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☒ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Zukunft Innenstadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ KFG – 2 – Zusammenfassung Der Entwurf des Farb- und Materialkonzepts wurde dem Planungsausschuss im Januar 2021 anhand einer Präsentation der wesentlichen Aspekte vorgestellt (auf die entsprechende Vorlage wird verwiesen). Die fi- nale Version des Konzepts liegt nun als A4-Broschüre vor (siehe Anlage). Die im Januar vorgestellten we- sentlichen Aspekte des Konzepts bleiben unverändert. Die Broschüre soll nun nach Zustimmung des Ge- meinderates veröffentlicht werden und wie im Januar beschlossen, sowohl digital als auch als Druckaus- gabe (mit einer einmaligen Auflage von 50 Stck.) den Eigentümer*innen, Anlieger*innen, Gastronom*innen sowie Marktbeschicker*innen zur Verfügung gestellt werden. Layout und Druck erfolgen stadtintern. Auszug aus Anlage Farb- und Materialkonzept Marktplatz, S. 4: Zielsetzung Karlsruhe gilt mit seinem „Fächer“ und den strahlenförmigen Raumachsen als Musterbeispiel einer Plan- stadt. Der historische Fächergrundriss verleiht Karlsruhe ein einzigartiges Profil, das sowohl durch bedeu- tende Einzelgebäude als auch durch Gebäudegruppen sowie seine Plätze und Straßenzüge geprägt und von Bewohnern wie Besuchern geschätzt wird. Der städtebaulich markanteste Bereich der Innenstadt ist der Marktplatz. Um 1800 durch den Architekten Friedrich Weinbrenner angelegt, ist er das früheste ausge- führte städtische Ensemble des Klassizismus. Als Teil der Sachgesamtheit „Via Triumphalis“ zwischen Schloss und Ettlinger Tor steht er unter Denkmalschutz. Sein baukulturelles Erbe gilt es zu stärken und zu erhalten. Gleichzeitig soll der Marktplatz einen zeitgemäßen Rahmen für aktuelle Entwicklungen und zukünftige Nutzungen bieten. Als zentraler Ort der Innenstadt soll der Marktplatz künftig Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Lebens sein (City-Einzelhandelsgutachten, 2018). Eine gute Voraussetzung hierfür ist seine zentrale Lage am Kreuzungspunkt der Nord-Süd- und Ost-West-Achse der Stadt und seine Einbettung in ein engmaschiges Netz attraktiver öffentlicher Räume. Gleichzeitig bietet der nun schienenfreie und großzügige Veranstaltungsplatz die nötige Robustheit, Weite und Flexibilität, verschiedene Nutzungen und Veranstal- tungen zu beherbergen. Die „Gute Stube der Stadt“ soll aufgrund ihrer Gestalteinheit klar erkennbar sein, ein Ort der Identifikation, an dem sich Bürgerinnen und Bürger wohlfühlen. Material und Farbe spielen dabei eine wesentliche Rolle. Farbe ist ein Wahrnehmungscode, der uns den Charakter, die Identität eines Ortes intuitiv entschlüsseln lässt. Beliebigkeit oder unkoordinierte Eingriffe können das Stadtbild und seine geschlossene Wirkung ge- fährden und im schlimmsten Fall zur Reizüberflutung führen. Es gilt deshalb, die hohe Gestaltqualität des Marktplatzes in seinem einheitlichen und „identifizierbaren“ Erscheinungsbild zu stärken. Mit der Realisierung der Kombilösung wird die Marktplatzfläche und ihr Mobiliar nach Plänen des Büros Mettler neugestaltet. Die helle Farbe des neuen Platzbelags soll einerseits den Effekt der sommerlichen Aufheizung verringern, andererseits durch die Annäherung an die vorherrschenden Fassadenfarben die räumliche Dimension, des klassizistischen Platzes, den Platz-Raum wieder erlebbar machen. Diese Zielset- zung erfordert Sorgfalt bei der farblichen Neubetrachtung bzw. Feinjustierung der umgebenden Fassaden und Stadtmöbel. Funktion des Farbkonzepts Das vorliegende Konzept soll einen Beitrag leisten, die Identität des Marktplatzes und seine Lesbarkeit zu stärken. Basierend auf einer umfangreichen und detaillierten Bestandaufnahme spricht es Empfehlungen aus und bietet städtischen und privaten Eigentümerinnen und Eigentümern, Gastronominnen und Gastro- nomen Hilfestellung bei der Farbauswahl der Fassaden und Möblierungselemente des Marktplatzes. Das Farbkonzept soll künftig durch eine Sondernutzungsrichtlinie und eine Werbeanlagensatzung Innenstadt ergänzt werden, hat aber selbst keine rechtlich bindende Wirkung. Die endgültige Farbentscheidung fällt wie bisher die Eigentümerin bzw. der Eigentümer allein oder, beispielsweise bei Fassadenfarben, in Abstim- mung mit den Denkmalschutzbehörden. Dieses „Handbuch“ kann Farbtöne nur als Näherungswerte abbilden und dient somit lediglich einer Voraus- wahl von Farben. Für weitere Beratungen und Fragen stehen Ihnen das Stadtplanungsamt und gegebenen- falls die Denkmalschutzbehörde gern zur Verfügung. – 3 – Beschluss: Der Gemeinderat beschließt, das „Farb- und Materialkonzept Marktplatz“ aufzustellen und die entspre- chende Broschüre zu veröffentlichen.

  • Abstimmungsergebnis GR TOP13
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  • Protokoll GR TOP 13
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    Niederschrift 34. Plenarsitzung des Gemeinderates 25. Januar 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 15. Punkt 13 der Tagesordnung: Farb- und Materialkonzept Marktplatz Vorlage: 2021/1306 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt, das „Farb- und Materialkonzept Marktplatz“ aufzustellen und die entsprechende Broschüre zu veröffentlichen. Abstimmungsergebnis: Bei 44 Ja-Stimmen einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 13 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorbehandlung im Planungsausschuss am 13. Januar 2022. Stadtrat Dr. Cremer (GRÜNE): Architektur ist omnipräsent. Sie umgibt uns jeden Tag, wir kön- nen ihr nicht entkommen. Mit diesem Zitat des Philosophen Mickaël Labbé will ich etwas über das Farb- und Materialkonzept sagen. Wir haben hier einen Vorschlag, keine Satzung, wir haben ein Konzept. Das ist sehr wichtig für die Bewertung des Ganzen, denn wir hatten sehr unter- schiedliche Meinungen im Vorgriff zu dieser Sitzung. Die einen fragten, warum sollen wir uns überhaupt im Gemeinderat mit solch einer Broschüre, mit solch einem Konzept befassen, wenn es keine Satzung ist. Die anderen sagten, wir haben hier ein Beispiel für eine Regelungswut, die viel zu weit gehen sollte. Meiner Einschätzung nach ist es sehr gut, dass wir uns mit diesem Farb- und Materialkonzept befassen. Wir sollten darüber debattieren, ob und wie wir den zent- ralen Marktplatz gestalten wollen. Wir sollten die Chance ergreifen, die Idee der geplanten und gestalteten Stadt Karlsruhe, der Fächerstadt, auch in Farben und Materialien am Marktplatz zur Umsetzung vorzuschlagen. Karlsruhe, mit seinem Konzept von Weinbrenner am Marktplatz sollte hier voranschreiten und sollte auch eine einheitlichere Gestaltung den Nutzerinnen und Nutzern auf dem Markt, den Eigentümerinnen und Eigentümern der Gewerbeimmobilien vorschlagen. Weil wir hier keine – 2 – verpflichtende Satzung beschließen, sondern ein Konzept als Leitlinie, kommt es auch unserem Charakter als liberale Stadt entgegen, dass wir versuchen zu überzeugen, um eine lebenswerte und attraktive Stadt auch an unserem zentralen Platz zu erzielen. Aus diesem Grunde schlagen wir vor, dieses Farb- und Materialkonzept zu unterstützen. Stadträtin Wiedemann (CDU): Ich hoffe, ich habe alle angesprochen, über Geschmack kann man streiten, muss es aber nicht. Karlsruhe ist eine Planstadt, das wissen wir. Die Fächerstadt ist weit in der ganzen Welt bekannt. Sogar gibt es Imitationen in Washington, das wissen wir alle. Jeder, der ein Haus baut, weiß ebenfalls, dass es einiges zu planen gibt und einzurichten. Unser Stadtgründer hat sich Gedanken gemacht mit der Via Triumphalis, einen tollen Markt- platz, einem denkmalgeschützten Ensemble. Das gilt es natürlich zu erhalten. Jeder, der aber auch ein Haus, eine Wohnung einrichtet, stellt fest, hier gibt es verschiedene Richtungen. Der eine hätte gerne Designermöbel, alles klar ausgerichtet, alles klar überschaubar, der Nächste hat es gerne bunt und fröhlich und etwas chaotisch. Wieder einer möchte gerne, dass altgelieb- te Stücke hier ihren Platz finden, und wieder andere sagen sich, ich möchte es einfach hyggelig, gemütlich haben. Hier liegt jetzt ein Farbkonzept vor, das dem schienenfreien Marktplatz, Gott sei Dank schienen- frei mittlerweile, viele Möglichkeiten der Bespielung bieten soll. Wir freuen uns darauf, dass der Marktplatz endlich wieder ein Treffpunkt für ganz Karlsruhe und seine Besucher sein wird. Wir sind auch zuversichtlich, dass die Farbgebung und die Einrichtung, die Möblierung gut sein wird. Ich hoffe auch, Mode und Geschmack verändern sich im Laufe der Zeit, und sicherlich wird auch die Farbe des Rathauses nicht endlich sein. Hier werden wir also einige Dinge in dieser Broschü- re als Anregung finden. Die Lesbarkeit des Marktplatzes sehe ich persönlich eigentlich zurzeit nur in beschädigten und schmutzig und schmuddeligen Platten. Ich hoffe, dass diese Lesart et- was beseitigt wird. Wenn die Sondernutzungsrichtlinie und die Werbeanlagesatzung in Kraft treten wird - die sollen das Farbkonzept ergänzen -, und das Ganze eine rechtlich bindende Wirkung hat, dann stimmen wir diesem Vorschlag zu. Stadtrat Dr. Huber (SPD): Ich glaube, nirgends hat sich unsere Stadt in den letzten Jahren so stark entwickelt wie im Innenstadtbereich. Wenn man sich die Kaiserstraße anguckt und weiß, was da noch alles passieren wird in den nächsten Jahren, dann ist klar, dass diese Entwicklung auch noch nicht ganz am Ende ist. Herz dieser Entwicklung ist sicherlich der Marktplatz. Im Ge- gensatz zur Kollegin Wiedemann geht es mir so und ich weiß nicht, wem es auch so geht, dass ich - obwohl ich da oft bin - immer wieder überrascht bin, wenn ich aus der U-Bahn oder von der Tiefgarage komme, wie toll dieser Platz geworden ist. Das liegt garantiert auch daran, dass wir uns im Planungsausschuss, aber auch im Gemeinderat und im Hauptausschuss sehr oft sehr ausgiebig mit der Gestaltung des Platzes beschäftigt haben, so wie wir es auch im gesamten Innenstadtbereich gemacht haben. Deswegen ist es auch gut, dass wir heute mit einer kurzen Debatte auch das Farbkonzept noch einmal würdigen, das wir auch sehr ausgiebig im Planungs- ausschuss vordiskutiert hatten. Wir finden das Konzept sehr gut, wir finden es sehr gelungen. In einer Sache möchte ich der Kollegin Wiedemann auch zustimmen. Natürlich ist ein Konzept wie ein Farbkonzept nicht in Stein gemeißelt. So etwas muss sich und kann sich auch durchaus weiterentwickeln. Aber wir finden es als ersten Aufschlag hervorragend und freuen uns auf die Umsetzung. – 3 – Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Meine Fraktion wird dieser Vorlage uneingeschränkt zu- stimmen. Wir finden es absolut richtig, dass für den klassizistischen Marktplatz, für den, ich nenne es mal so, ein Weinbrennermarktplatz hier Farben vorgibt, ganz klar auch vielleicht rest- riktiv eingeschritten wird, dass man Vorgaben macht. Wir sehen es nicht als zielführend an, wenn praktisch die Besitzer jedes Gebäude dann so streichen lassen, wie es ihnen passt, in An- führungszeichen. Sondern wir denken schon, dass es wichtig ist, das einheitlich zu machen. Ich denke, da ist auch die Stadtverwaltung, das Rathaus ein wichtiger Punkt, dass man sich noch einmal überlegt, inwieweit man auch wieder eine andere Farbgebung vornimmt. Wenn man sich in Ruhe anschaut, wie es vorher ausgesehen hat, wo nicht einfach über die ganze Fassade die gleiche Farbe gepinselt wurde, sondern geschaut wurde nach Einzelelementen aus der Fas- sade, dass man da unterschiedliche Farbgebung hatte. Ich denke, in die Richtung müssen wir sicher nicht morgen und sicher nicht in zwei, drei Jahren, aber doch zeitnah, in den nächsten fünf bis zehn Jahren an das Rathaus rangehen. Wie gesagt, wir werden heute dieser Vorlage zustimmen. Stadtrat Hock (FDP): Der Kollege Cramer hat sich fast versprochen. Ich habe dann sofort über- legt, man durfte früher parken auf dem Platz. Ich muss ganz ehrlich sagen, wir haben das mit der Chefin des Stadtplanungsamtes im Hauptausschuss ausführlich besprochen. Ihre Darlegun- gen zu der guten Stube der Stadt Karlsruhe wurde bei uns in unserer Fraktion besprochen. Inso- fern war es dann auch klar, was Sie gemeint haben. Wir haben zusammen diskutiert, dass nicht alles immer so hart gesehen werden kann, wie man es uns vielleicht in der Vorlage dann auch versucht hat anzudeuten. Wir werden natürlich mit den Menschen, die die Häuser besitzen, Diskussionen führen und werden dann auch versuchen, in diesem Merkblatt Vorgaben, Wün- sche zu äußern, wie es dann in unserer guten Stube auszusehen hat. Das ist auch wichtig, dass die Stadt Karlsruhe hier am Marktplatz auch klar deutlich wird, was wir denn dann auch wollen. Wenn ich die Vorträge der Kolleginnen und Kollegen gehört habe, auch vom Herrn Dr. Cremer, muss ich ganz ehrlich sagen, da bin ich absolut bei ihm, was er sagt. Wir müssen unsere Stadt so gut wie möglich verkaufen. Da gehört auch dazu, dass es ein tolles Stadtbild gibt. Das ist für meine Fraktion wichtig. Was ich aber dann, Herr Oberbürgermeister, noch dazu sagen möchte - da hat die Kollegin von der CDU, Karin Wiedemann, natürlich vollkommen Recht -, wenn man sich den Belag anschaut hier im Marktplatzbereich, und, Herr Oberbürgermeister, Sie werden das jeden Tag tun, genauso wie ich, dann sieht er an vielen Stellen nicht mehr sehr schön aus. Das muss man einfach klar sagen. Wenn man mit offenem Auge über den Marktplatz geht, dann sieht man, dass in vielen Bereichen die Platten wirklich schwarz sind und nicht mehr die Farbe haben, die sie einmal hatten. Da ist unserer Fraktion wichtig, wenn wir dann schon Vor- gaben machen, dass wir aber auch selber schauen, dass das ordentlich aussieht und dass eine Reinigung stattfindet und immer auch geguckt wird, dass es am Marktplatz auch wirklich toll aussieht. Denn ich kann Ihnen nur sagen, es waren Tage dabei, da war das wirklich nicht mehr anzuschauen. Deshalb, wir werden gerne diesen Weg heute mitgehen. Diese Vorlage ist für meine Fraktion völlig in Ordnung. Sie werden in die Diskussion gehen, und wir werden das hier in der guten Stube in Karlsruhe zusammen in die Zukunft führen. Kollege Cramer hat es gesagt, auch am Rathaus wird sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren farblich was verändern. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): In einem Punkt muss ich Herrn Cramer leider widersprechen. Es wird immer noch so sein, dass jeder Gebäudebesitzer sein Haus so anmalen kann, wie er es – 4 – möchte, denn diese Vorlage ist nicht verpflichtend, und das ist für uns ganz wichtig. Wenn es anders wäre, würden wir dem nicht zustimmen. Da es aber nur ein Vorschlag ist, und aus unse- rer Sicht ein sehr sinnvoller Vorschlag ist, begrüßen wir das Ganze. In dieser Broschüre, die dann an die Gebäudebesitzer verteilt werden soll, werden die empfohlenen Farben abgeleitet von Bildern aus der Zeit nach 1800, als der Marktplatz fertiggestellt war. Von der Situation da- mals, also von der ursprünglichen Farbgebung her, ist diese Farbskala abgeleitet. Aber sie funk- tioniert auch mit den Farben, die wir dort heute vorfinden. Vor dem Hintergrund müssen wir sagen, dass diese empfohlene Farbskala eigentlich sehr gut gelungen ist, weil sie es uns ermög- licht, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, ausgehend von dem, was wir haben, vielleicht wieder ein Stück weit uns dahin zu entwickeln, wie Friedrich Weinbrenner den Marktplatz ur- sprünglich angelegt hat. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Vorlage und stimmen zu. Stadträtin Göttel (DIE LINKE.): Wir haben in Karlsruhe eines der bedeutendsten klassizistischen Ensemble überhaupt, und Betonung natürlich auch auf Ensemble. Da hat natürlich eine Überle- gung, wie so eine Ausgestaltung in der Zukunft sein sollte, eine große Wichtigkeit. Natürlich müssen auch private Eigentümer*innen einbezogen werden. Denn wenn jeder sich Gedanken über die Farbpalette macht, dann kommt am Ende ein Kuddelmuddel raus, aber sicherlich kein Ensemble. Deswegen finde ich das auch sehr richtig, hier eine Handreichung zu entwickeln, eben auch aus den Farben, die heute schon vorhanden sind, die vielleicht historisch schon ein- mal vorhanden waren. Natürlich ist so etwas immer im Fluss. Ich meine, man kann auch an die berühmte Debatte im 18. Jahrhundert kurz nach Weinbrenner erinnern, wo man plötzlich sich darüber gestritten hat, dass die Antike farbig war und nicht nur weiß, wie man sich das damals vielleicht noch vorge- stellt hat. Das heißt, ich denke, wir werden auch von der Denkmalpflege und der Bauforschung vielleicht noch ganz interessante Ergebnisse auch über unser Rathaus bekommen. Natürlich ist es dann auch ein schöner Zufall, wenn das, was jetzt hier als Farbkonzept und Handreiche raus- kommt, so ein bisschen auch den aktuellen Trendfarben im Baugeschehen entspricht. Aber deswegen ist es auf jeden Fall ein erster guter richtiger Weg, damit man einen schönen Gleich- klang hinbekommt. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Wir wissen, Städte wachsen und verändern sich im Laufe der Jahr- hunderte oder gar Jahrtausende. Sie werden geprägt von ihrem Alter und ihrer Umgebung. Der Charakter entsteht durch viele klassizistische oder auch architektonische Gegebenheiten. Wir wissen, dass Weinbrenner sich durch seine italienischen Reisen geprägt hat, und somit ist Karls- ruhe, man kann sagen, eine gute badische Kopie, wobei ich jetzt beim Thema Baden bin. Ich zitiere jetzt aus der Vorlage: Das Farbkonzept soll künftig durch eine Sondernutzungsrichtlinie und eine Werbeanlagensatzung der Innenstadt ergänzt werden, hat aber selbst keinerlei recht- liche bindende Wirkung, was wir gut finden und auch diese Vorlage akzeptabel macht. Da wir beim Thema Baden sind, hier werden die badischen Farben verbannt, das Gelb und das Rot. Ich muss mich natürlich fragen, dürfen wir dann, natürlich nicht ganz ernst gemeint, die badische Fahne oder auch die Farbe unseres Landes aufhängen, weil die sind dann sozusagen verbannt - mal so ein Spaß an der Seite. Natürlich wird sich im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte auch der Charakter unseres Rathauses wieder verändern, denn wir kennen den Streit über die Farbgebung. Ist sie passend? Ist sie originell oder ist sie nicht originell? Ich denke, auch diese Diskussion werden wir in den nächsten Jahren bekommen. Eine ganz wichtige Farbe vermisse ich. In der Vorlage ist das Poli- – 5 – zeigebäude Grün vermerkt. Es ist zwar ein komisches Grün im Original, aber ein bisschen Grün würden wir uns auch wünschen, wenn wir über die Zukunft des Marktplatzes reden. Denn wir wollten uns eine Zeit geben, nachzuschauen, wie sich der Marktplatz und der Belag entwickelt und vielleicht haben die Bäume, die wir damals verbannt haben, doch noch Platz im Rahmen oder im Sinne des Klimawandels. Vielleicht kommen die auch noch dazu. Das würde uns freuen und wie gesagt, wir geben der Vorgabe als Fraktion das Go und wissen, wir werden spätestens in fünf Jahren wieder über das Thema diskutieren müssen. Dann sehen wir nämlich, was der Kollege Hock und andere erwähnt haben, ob dann auch der Boden des Marktplatzes die nächs- ten fünf Jahre tatsächlich so überlebt hat, wie er es leider bis jetzt nicht getan hat. Lassen wir uns die nächsten Jahre überraschen, was da noch kommt. Der Vorsitzende: Jetzt geben wir das Go mit der Abstimmung, und ich bitte um Ihr Votum. – Eine einstimmige Zustimmung, vielen Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. Februar 2022