Benennung einer Straße in der Oststadt nach Netanel Weil

Vorlage: 2021/1276
Art: Beschlussvorlage
Datum: 13.12.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Liegenschaftsamt
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Oststadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.01.2022

    TOP: 14

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Netanel-Weil-Straße
    Extrahierter Text

  • Beschlussvorlage_Netanel-Weil-Straße
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/1276 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: LA Benennung einer Straße in der Oststadt nach Netanel Weil Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Bauausschuss 10.01.2022 6 x vorberaten Gemeinderat 25.01.2022 14 x Beschlussantrag (Kurzfassung) Der Gemeinderat nimmt von den nachfolgenden Erläuterungen Kenntnis und stimmt nach Vorberatung im Bauausschuss der Benennung einer Straße in der Oststadt mit Netanel-Weil-Straße - siehe beiliegender Planausschnitt - zu. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Rabbiner Netanel Weil (Netanel ben Naftali Zvi Weil) wurde 1687 in Stühlingen geboren und stammt aus einer alten Rabbinerfamilie in Deutschland. Sein Großvater Moses Meir (auch Maharam) Weil kam 1672 in die fürstenbergische Stadt Stühlingen. Er betrieb auf Wunsch der Mutter Talmudstudien und wurde mit zehn Jahren auf die seinerzeit bedeutende Talmudhochschule nach Fürth geschickt. Von dort ging er nach Prag zu dem bekannten Rabbiner Abraham Brod. Als einer seiner eifrigsten Schüler folgte er ihm 1709 nach Metz und 1713 nach Frankfurt am Main, wo dieser ihn als Rabbiner nach Offenbach vermittelte. Nach Brods Tod kehrte er 1717 nach Prag zurück und lebte mühsam als Privatgelehrter. Nach der Vertreibung der Juden aus Prag und Böhmen durch Edikt der Kaiserin Maria Theresia 1744 in der Folge des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) bekam er dank seines Ansehens unter den gelehrten Juden 1745 die Stelle des Landesrabbiners in der Ritterschaft Neckar-Schwarzwald und lebte dazu in Mühringen (heute Stadtteil von Horb am Neckar). 1750 wurde er zunächst auf drei Jahre zum Oberlandrabbiner in Baden (Landesrabbiner für die Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden) nach Karlsruhe berufen. Diese Stellung nahm er bis zu seinem Tod ein, der ihn 1769 während einer Versammlung jüdischer Gemeinden der Markgrafschaft Baden-Baden ereilte. In Karlsruhe hatte er sein bedeutendstes Werk über Textvarianten des Talmudkommentars von Ascher ben Jechiel, den "Korban Netanel", vollendet. Die 1755 in Karlsruhe veröffentlichte Studie begründete eine lange Tradition hebräischer Drucke aus Karlsruhe. Sein Sohn Hirsch Weil veröffentlichte postum weitere seiner Werke. Netanel Weil wurde nach einem Konflikt der Landjudenschaften Baden-Baden und Baden- Durlach um den Begräbnisort auf dem ersten Jüdischen Friedhof in Karlsruhe am heutigen Mendelssohnplatz beerdigt. Bei dessen Verlegung 1898 wurde auch sein Grab auf den neuen Friedhof an der Kriegsstraße verlegt. Dieses ist heute mit dem inzwischen ersetzten Grabstein Ziel zahlreicher frommer jüdischer Besucher aus aller Welt. Bedingt durch die Entwicklung des Gebietes "Im Lohfeld", insbesondere durch das Wohnbauprojekt im östlichen Teil des Gebietes, entsteht dort eine neue Erschließungsstraße, die nun nach Netanel Weil benannt werden soll. Durch die Nähe zum Jüdischen Friedhof ist der örtliche Bezug gegeben. Netanel Weil ist seit dem Jahr 2010 auf der Vormerkliste für Straßennamen. Der Benennungswunsch kam damals von der Jüdischen Kultusgemeinde. Sowohl die Jüdische Kultusgemeinde als auch der Bürgerverein Oststadt, auf deren Gebiet die zu benennende Straße liegt, haben die geplante Benennung begrüßt. Der Text des Zusatzschildes lautet: Netanel Weil 1687 - 1769 Rabbiner für die oberen Landesteile der beiden Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden, Verfasser des Talmudkommentars Korban. Die nächsten Straßenbenennungsprojekte liegen im Bereich des Technologieparks Karlsruhe. Um den Anteil der Frauen an den Straßennamen in Karlsruhe zu erhöhen, sollen beide Straßen nach Frauen benannt werden. Das Liegenschaftsamt ist dabei, einen passenden Vorschlag zu erarbeiten. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Büro der Gleichstellungsbeauftragten und dem Stadtarchiv. Die Benennungsvorschläge könnten im März 2022 in die städtischen Gremien zur Vorberatung und Beschlussfassung eingebracht werden. – 3 – Beschluss: Der Gemeinderat nimmt von den nachfolgenden Erläuterungen Kenntnis und stimmt nach Vorberatung im Bauausschuss der Benennung einer Straße in der Oststadt mit Netanel-Weil-Straße - siehe beiliegender Planausschnitt - zu.

  • Abstimmungsergebnis GR TOP14
    Extrahierter Text

    Kein Text verfügbar

  • Protokoll GR TOP 14
    Extrahierter Text

    Niederschrift 34. Plenarsitzung des Gemeinderates 25. Januar 2022, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 16. Punkt 14 der Tagesordnung: Benennung einer Straße in der Oststadt nach Netanel Weil Vorlage: 2021/1276 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt von den nachfolgenden Erläuterungen Kenntnis und stimmt nach Vor- beratung im Bauausschuss der Benennung einer Straße in der Oststadt mit Netanel-Weil-Straße - siehe beiliegender Planausschnitt - zu. Abstimmungsergebnis: Bei 45 Ja-Stimmen einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 14 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Bauausschuss am 10. Januar 2022. Stadtrat Löffler (GRÜNE): Wir freuen uns, dass wir in Karlsruhe eine Netanel-Weil-Straße haben werden und danken auch der jüdischen Kultusgemeinde für diesen Namensvorschlag vor eini- gen Jahren, der auf der Vormerkliste gelandet ist. Wir freuen uns, dass damit auch ein Teil jüdi- schen Lebens in Karlsruhe sichtbar wird im Stadtbild. Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Ich erlaube mir auch, Frau Rosenberg, die von der jüdischen Kul- tusgemeinde im Zuschauerraum sitzt, zu begrüßen. Die CDU-Fraktion freut sich sehr, dass hier auch jüdisches Leben, aktives Leben, das zu den Anfängen unserer Stadt schon stattgefunden hat im liberalen Karlsruhe, gewürdigt wird. Wir begrüßen es auch immer sehr, dass die Jüdische Kultusgemeinde sich gemeinsam mit den Stadtteilen hier identifiziert und einbringt mit guten Vorschlägen. Stadtrat Zeh (SPD): Auch die SPD-Fraktion begrüßt, dass der anerkannte Gelehrte Netanel Weil mit einer Straße geehrt wird. Er war der Oberlandesrabbiner, der nach Baden-Durlach in die Markgrafschaft kam, 1750. Heute haben wir auch einen neuen Rabbiner aus Karlsruhe hier auf der Tribüne. Es zeigt, wie lange das jüdische Leben hier in Karlsruhe tatsächlich seinen Platz hat. – 2 – Auch ist die Straße in unmittelbarer Nähe der Grabstätte des Geehrten. Die SPD-Fraktion freut sich. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Meine Fraktion wird dieser Vorlage zustimmen. Wir finden es besonders gut und, in Anführungszeichen, bemerkenswert auch, dass die Straße in unmittel- barer Nähe des Alten Jüdischen Friedhofs ausgewiesen wird. Ich glaube, das hat dann noch einmal einen aktuellen Bezug zur jüdischen Gemeinde in Karlsruhe. Stadtrat Hock (FDP): Herzlich willkommen im Rathaussaal. Wir freuen uns sehr, dass wir diese Straße jetzt nach dem Rabbiner Netanel Weil benennen können und sind sehr dankbar, dass das jetzt auch umgesetzt wird. Wir freuen uns schon drauf, Herr Oberbürgermeister, wenn Sie das Schild dann anbringen. Wir werden da gerne dabei sein, wir freuen uns sehr heute. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Auch wir von der AfD begrüßen die Benennung der Straße nach Netanel Weil und freuen uns, dass auf diese Art und Weise die jüdische Gemeinde geehrt wird. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Wir setzen hiermit ein Zeichen, ein Zeichen der Sichtbarma- chung, dass wir das, was in unserem Land ausgelöscht werden sollte, wieder an die Oberfläche kommt, und dass das einen Platz in der Gesellschaft hat. Ich bin stolz, dass wir in Karlsruhe so etwas machen können, und dass wir hier einen Platz einräumen. Das ist auch ein Bekenntnis von uns an die ganze Bevölkerung. Wir stehen zu den Juden in Karlsruhe. Sie haben ihren Le- bensraum hier. Deswegen ist das genau zur richtigen Zeit. Vielen Dank für den Vorschlag, dem folgen wir sehr gerne. Der Vorsitzende: Vielen Dank, wir kommen zur Abstimmung, und ich bitte um Ihr Votum ab jetzt. – Das ist eine einstimmige Zustimmung. Jetzt wollte ich an dieser Stelle eigentlich die Frau Rosenberg als Vorsitzende und die Delegati- on, die sie mitgebracht hat, herzlich begrüßen und darf auch dem neuen Rabbi, dessen Namen ich mir jetzt leider so schnell nicht merken konnte, einen guten Start in Karlsruhe wünschen. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen und schön, dass Sie so lange ausgeharrt haben und auch die- sen doch etwas historischen Moment jetzt miterlebt haben, vielen Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. Februar 2022