Alkoholakzeptierendes Aufenthalts- und Beratungsangebot A³: Evaluation

Vorlage: 2021/1145
Art: Beschlussvorlage
Datum: 22.09.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Südstadt

Beratungen

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 06.10.2021

    TOP: 8

    Rolle: Vorberatung

    Ergebnis: Keine Angabe

  • Gemeinderat - Einbringung DHH (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 19.10.2021

    TOP: 16

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Anlage Bericht A³ -5
    Extrahierter Text

    Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum A³ September 2018 – Juli 2021 Anlage SozA 06.10.2021, TOP 8 A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 2 Inhalt Einleitung .................................................................................................................. 3 Ziele Anzahl der Besucher*innen (September 2018 – Juli 2021) ................................... 4 2018 2019 2020 2021 Beratungsangebot .................................................................................................... 6 Aktivierung / Teilhabe .............................................................................................. 8 Gemeinnützige Arbeit statt Strafe Kooperation mit der Kulturküche Ausstellung „ar-MUT! – Ich bin mehr“ im A³ Soziale Angebote und Freizeitangebote im A³ ..................................................... 10 Getränke- und Essensausgabe Computerecke mit Internetzugang Wäschereinigung und -trocknen Kunstangebote Ausblick ................................................................................................................... 12 Neue Räumlichkeiten A³-Werkstatt Schnittstelle für „Push and Pull“ Effekte A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 3 Einleitung Nach einer Diskussion bei einer Bürgerversammlung in der Südstadt im September 2016, wurde eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Konzeptes zur Deeskalation der Situation auf und rund um den Werderplatz eingerichtet. Das Diakonische Werk Karls- ruhe nahm an dieser Arbeitsgruppe teil. Die Idee der Einrichtung eines Aufenthaltsraums, als Erweiterung des Fachbereichs Streetwork, für die Entlastung der Situation auf dem Werderplatz wurde im Kontext der Arbeitsgruppe im Diakonischen Werk erarbeitet. Im April 2018 verabschiedete der Ge- meinderat die Mittel für einen Alkohol Akzeptierenden Aufenthaltsraum (A³) in der Süd- stadt. Nach der Eröffnung im September 2018 konnte sich der A³ in den Jahren 2019 und 2020 als Teil des Fachbereichs Streetwork etablieren. Ziel und Zweck des Aufenthalts- raums waren und sind die Entlastung des Werderplatzes bzw. der Südstadt von sozial auffälligen Personen. Durch die vielseitigen Beschäftigungs- und Beratungsangebote konnte sich der A³ zu einer guten Alternative für viele aus der Zielgruppe des Street- work entwickeln. Durch die Zusammenführung bzw. den Umzug des Streetwork-Büros zum 01.01.2020 in die Räumlichkeiten des A³ wurde die Erreichbarkeit der Beratungsangebote für die Adressat*innen noch weiter vereinfacht. Der A³ ist täglich von 10:00 Uhr – 16:00 Uhr geöffnet und bietet Platz für 35 – 45 Besucher*innen. Ziele Ziel ist es, den Adressat*innen einen alternativen Raum zum Werderplatz zu bieten. Im A³ können Sozialkontakte gepflegt und die Freizeit sinnvoll gestaltet werden. Durch aktivierende Angebote sollen verloren geglaubte Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder- entdeckt, erhalten und gefördert werden. Langfristig soll durch individuelle Hilfen und vor allem durch Beschäftigungsangebote wieder eine Perspektive eröffnet werden, die eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht. Durch die begleitende sozialpädagogische Betreuung soll eine Stabilisierung und Ver- besserung der Lebenssituation der Adressat*innen erreicht werden. A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 4 Anzahl der Besucher*innen (September 2018 – Juli 2021) 2018 Seit der Eröffnung des A³ im September 2018 bis zum Jahresende 2018 besuchten 1.496 Personen die Einrichtung. Davon 429 Frauen (29%) und 1.067 Männer (71%). Die Zahl der Besucher*innen hat sich monatlich erhöht. Die meisten Klient*innen sind vom Werderplatz bekannt. Besucher*innenzahl 2018: 2019 Im Jahr 2019 besuchten 8.285 Personen die Einrichtung. Davon 2.247 Frauen (27%) und 6.039 Männer (73%). Die Zahl der Besucher*innen hat sich in den Sommermonaten erhöht. Die meisten Klienten sind vom Werderplatz bekannt. Besucher*innenzahl 2019: 102 259 312 394 52 83 107 187 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 SeptemberOktoberNovemberDezember MännerFrauen A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 5 2020 Im Jahr 2020 besuchten 4.611 Personen die Einrichtung. Davon 1.106 Frauen (24%) und 3.505 Männer (76%). Im März, April und Mai machte sich die Corona-Pandemie anhand der Anzahl der Besucher*innen bemerkbar. Jedoch wurde schnell gehandelt und eine Lösungsstrate- gie entwickelt, sodass im restlichen Jahr, trotz der Einschränkungen und Schutzmaß- nahmen, 25-30 Personen pro Tag den A³ aufsuchen konnten. Besucher*innenzahl 2020 517 521 445 514 369 391 554 617 651 547 445 467 191 173 144 190 189 165 227 249 105 182 180 252 0 100 200 300 400 500 600 700 MännerFrauen 442 400 128 29 160 329 330 107 254 362 453 511 174 204 106 12 22 81 84 47 38 80 119 139 0 100 200 300 400 500 600 MännerFrauen A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 6 Hygienekonzept Die Auswirkungen der Corona-Pandemie erforderten von den Mitarbeitenden des A³ große Flexibilität und eine schnelle Planung sowie Umstrukturierung der alltäglichen Arbeit. Die Problemlagen der Adressat*innen blieben unverändert, es kamen jedoch durch die landesrechtlichen Maßnahmen einige weitere hinzu. Im März 2020 wurde der bundesweite „Lockdown“ ausgerufen und es musste schnell eine Lösung für die Menschen, welche die Angebote des A³ und die Beratung in An- spruch nahmen, gefunden werden. Nach kurzer Zeit der Planung und Neuordnung, wurde von den Mitarbeiter*innen des A³ eine Notversorgung mit Vesperpaketen, Ge- tränken und Stoffmasken eingerichtet, welche unter Einhaltung von Schutzmaßnah- men an die Adressat*innen ausgegeben wurden. Bei dieser Ausgabe konnten Termine mit den Sozialarbeiter*innen vereinbart werden, um auch die nötige Sozialberatung gewährleisten zu können. Ab dem 16.04.2020 wurde der A³ nach und nach, unter Ein- haltung von Hygiene- und Abstandsregelungen, wieder geöffnet. Die Sozialarbeiter*in- nen arbeiteten im Schichtbetrieb vor Ort, boten weiterhin Sozialberatung nach Termin- vereinbarung an und sorgten gemeinsam mit dem A³-Team für die Notversorgung und die Kontrolle der Regeleinhaltung. Durch die steigenden Infektionszahlen im Oktober 2020 rechnete man mit einem zwei- ten „Lockdown“ und bereitete sich frühzeitig darauf vor. Der A³ wurde mit Plexiglas ausgestattet, um weiterhin einen sicheren Aufenthalt gewährleisten zu können. Ab dem 01.11.2020 trat der zweite bundesweite „Lockdown“ in Kraft. Durch die gute Vor- bereitung konnte die Arbeit im A³ fortgesetzt werden. Der Schutz der Mitarbeiter*innen und der Adressat*innen stand hierbei weiterhin im Vordergrund. Jedoch musste nicht auf die oben geschilderten Angebote verzichtet werden. 2021 Von Januar bis Ende Juni 2021 besuchten 3.948 Personen den A³. Davon waren 709 Frauen (18%) und 3.239 Männer (82%). Vesperkirche Im A³ Im Januar und Februar 2021 fungierte der A³ als Außenstelle der Vesperkirche. In dieser Zeit besuchten, auch durch die gesonderten Öffnungszeiten am Wochenende, mehr Personen den A³ als während des Normalbetriebs. Beratungsangebot 2018-2021 Durch die regelmäßige Präsenz der Streetwork Sozialarbeiter*innen, sowie durch den Aufbau guter Kontakte zu dem Besucher*innen des A³, sollen aufkommende Probleme frühzeitig behoben werden. Ein Großteil der Besucher*innen des A³ sind bereits vom Werderplatz, aus der Streetwork-Beratung oder dem Tagestreff TÜR bekannt. A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 7 Mit der Eröffnung des A³ ist neben dem Streetwork-Büro, dem Werderplatz, der Süd- stadt und den von Streetwork initiierten Projekten ein weiterer Kontaktpunkt entstan- den. Bei Einzelberatungen in geschütztem Rahmen wird auf die individuellen Problemlagen eingegangen. Gemeinsam werden Lösungsstrategien entwickelt und die Betroffenen erfahren Unterstützung und Begleitung, um akute Notlagen, insbesondere im Zusam- menhang mit der Unterversorgung in den Bereichen Wohnen, Finanzen, Gesundheit, sowie Problemlagen im Zusammenhang mit Sucht, Verschuldung und Straffälligkeit, Beschäftigung und Arbeit, Sozialkontakte, Familie und Kinder etc. zu überwinden und neue Lebensperspektiven mit dem Ziel der (Re-)Integration zu entwickeln. Im Zeitraum von September 2018 bis einschließlich Juni 2021 wurden insgesamt 1797 Beratungsgespräche in den Räumlichkeiten des A³ geführt. 2018 Im Jahr 2018 wurden insgesamt 336 Beratungsgespräche geführt: • mit 181 Männern (54%) • mit 155 Frauen (46%) 2019 Im Jahr 2019 wurden insgesamt 525 Beratungsgespräche geführt: • mit 294 Männern (56%) • mit 231 Frauen (44%) Wohnung und Unterbringung 13% Finanzen 41% Arbeit 9% Partnerschaft und Familie 3% Sucht und Gesundheit 7% Mediennutzung 3% Delinquenz 12% Andere 12% Beratungsinhalte 2018 -2021 A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 8 2020 Zum 01.01.2020 wurde das Streetwork-Büro in die Schützenstraße 2 verlegt. Durch die Zusammenführung mit dem A³ konnte eine niederschwelligere Kontaktaufnahme gewährleistet werden. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 558 Beratungsgespräche geführt: • mit 353 Männern (63%) • mit 205 Frauen (37%) 2021 Von Januar bis Juni 2021 wurden bisher insgesamt 378 Beratungsgespräche geführt: • mit 249 Männern (66%) • mit 129 Frauen (34%) Die Beratungsinhalte werden am Ende des Jahres 2021 evaluiert. Besonderes Inte- resse an der Impfung gegen das Coronavirus und ihre Auswirkungen lenkten die Ge- spräche häufig auf das Thema Gesundheit. Aktivierung / Teilhabe Im A³ gibt es für Streetwork- und A³-Adressat*innen die Möglichkeit, Teil des Service- Teams zu werden. Hierbei werden niederschwellige Aufgaben der Instandhaltung der Ordnung und Sauberkeit in der Einrichtung, sowie Thekendienste übernommen. Durch Beschäftigung und Qualifizierung im Service-Team, sollen den Teilnehmer*in- nen neue Lebensperspektiven eröffnet werden. Zielgruppen sind Langzeitarbeitslose bzw. erwerbsunfähige Menschen auf den öffentlichen Plätzen, die derzeit nicht in der Lage sind, eine Beschäftigung auf dem herkömmlichen Arbeitsmarkt aufzunehmen. Im Service-Team haben sie die Möglichkeit, für 10-30 Stunden pro Woche eine sinnvolle tagesstrukturierende Beschäftigung auszuüben. Der A³ beschäftigte seit 2018 5-6 Service-Team-Mitarbeiter*innen. Die Beschäfti- gungsmaßnahmen unterscheiden sich wie folgt: • Kommunale Beschäftigung (KommBe): Maßnahmen im Rahmen des kommuna- len Gesamtkonzepts Arbeit • AGH: Arbeitsgelegenheiten gemäß SGB II • Aktivierungsmaßnahmen: für erwerbsunfähige Leistungsempfänger gem. SGB XII Der Anreiz dieser Tätigkeit ist die dazu gewonnene Tagesstruktur, die übertragene Verantwortung (in Maßen, es darf nicht zur Überforderung kommen) und die Vergü- tung (2€ pro Stunde). A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 9 Gemeinnützige Arbeit statt Strafe Statt einer Geld- bzw. Gefängnisstrafe ist es möglich, gemeinnützige Arbeit zu leisten. Ein Tag Freiheitsstrafe entspricht hierbei vier Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die An- frage auf Sozialstunden im A³ ist sehr hoch. Meist sind die Anfragen zur Ableistung von Sozialstunden ebenfalls von Streetwork- und A³ Adressat*innen. Jedoch gibt es Kooperationen mit der Bewährungs- und Gerichtshilfe Karlsruhe, sowie mit dem Verein für Jugendhilfe. Von diesen Stellen werden Anfragen gestellt und es kommen Vermitt- lungen zustande, falls eine Stelle zu besetzen ist. Kooperation mit der Kulturküche Seit dem 10.06.2020 konnten die Adressat*innen in den Räumlichkeiten des A³ nicht nur mit einem Vesperpaket versorgt werden, sondern auch mit einer warmen Mahlzeit. Dies wurde durch die Kooperation mit der Kulturküche in Karlsruhe ermöglicht. Zu- nächst konnten die Mahlzeiten mitgenommen werden. Im Herbst 2020 wurden Sitz- plätze mit Plexiglas-Abtrennungen eingerichtet. Somit konnten die Menschen auch in der Einrichtung essen. Nach jedem Besucher wurde der Platz gründlich desinfiziert. Ausstellung „ar-MUT! – Ich bin mehr“ im A³ Mit Hilfe der im A³ beschäftigten Kunsttherapeutin, erstellten drei Streetwork Adres- sat*innen Skulpturen, welche in der Woche vom 11.09.2020 zum „Tag der wohnungs- losen Menschen“ in der Einrichtung ausgestellt wurden. Bei diesem Projekt ging es darum zu verdeutlichen, dass Menschen aus prekären Lebenssituationen nicht nur die A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 10 Stigmatisierungsmerkmale eines Obdachlosen bzw. Wohnungslosen, eines Sucht- kranken oder eines von Armut geprägten Menschen erfüllen. Jeder besitzt eine eigene, menschliche Identität, welche durch die offensichtlichen Problematiken oftmals in Ver- gessenheit gerät. Zahlreiche Besucher konnten sich durch diese Ausstellung ein Bild der Streetwork Adressat*innen machen, welches viele Sichtweisen änderte oder als Denkanstoß diente. Soziale Angebote und Freizeitangebote im A³ Der A³ bietet im geschützten Rahmen eine Aufenthaltsgelegenheit für Menschen, welche sich in prekären Lebenssituationen befinden. Es ist ihnen gestattet, während ihrem Aufenthalt in der Einrichtung alkoholische Getränke wie Bier, Wein und Sekt zu trinken. Der Konsum von hochprozentigem Alkohol oder illegaler Substanzen ist nicht gestattet. *Alltag im A³ vor der Corona Pandemie! A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 11 Getränke- und Essensausgabe Den Besuchern wird an der Theke alkoholfreie Getränke wie Cola, Fanta, Wasser, Kaffee oder Tee ausgeschenkt. Warme Mahlzeiten sowie Vesperpakete sind im Angebot. Computerecke mit Internetzugang Im A³ steht den Adressat*innen eine Computerecke mit Internetzugang zur Verfügung. Sie kön- nen dort selbstständig Schriftstücke verfassen, diese ausdrucken oder per Fax/E-Mail verschi- cken. Des Weiteren wird der Computer für die Wohnungs- oder Jobsuche bzw. für das Erstellen von Bewerbungen verwendet. Wäschereinigung und -trocknen Die Nutzung der Waschmaschine und des Trockners ist grundsätzlich ein kostenloses Angebot. Die meisten, die sich für dieses Angebot interessieren, bieten eine kleine Spende an, mit der dann das Waschmittel finanziert werden kann. Kunstangebote Es ist eine beliebte Aktivität und die Themen wechseln je nach Jahreszeit und Ideen, z.B.: Kera- mik Beschichtung, geflochtene Schlüsselanhänger, Weihnachtsdeko. A³ Alkohol Akzeptierender Aufenthaltsraum 12 Ausblick Neue Räumlichkeiten Der A³ hat sich in der Karlsruher Südstadt als Anlaufpunkt und soziale Einrichtung für das Wer- derplatz-Klientel etabliert. Leider wurde der Mietvertrag der Einrichtung zum 30.11.2021 beendet. Somit müssen schnellst- möglich neue Räumlichkeiten für den A³ gefunden werden. Sowohl für die Adressat*innen, als auch Mitarbeiter*innen und Bürger*innen der Südstadt würde ein Wegfall des A³ negative Kon- sequenzen haben. Die Entlastung des Werderplatzes ist der beträchtlichste, jedoch nicht der ein- zige Grund für eine Fortführung des Projekts. Suchtkranke Menschen würden nicht nur ihren geschützten Raum verlieren, sondern auch ihre Tagesstruktur würde dadurch verloren gehen. Ferner wäre mit einer vermehrten Rückkehr der suchtkranken Menschen auf den Werderplatz zu rechnen. Dies würde zu einer negativen Entwicklung in der Südstadt führen. Wir hoffen aber auf baldigen positiven Ausblick und sind als Träger an Verhandlungsprozessen beteiligt, damit das Projekt nicht nur fortgeführt, sondern auch wachsen kann. A³-Werkstatt Eine konstruktive Tagesstruktur ist für suchtkranke Menschen sehr wichtig. Eine konzeptionelle Weiterentwicklung im Bereich der Beschäftigung ist notwendig und pädagogisch sinnvoll. Eine offene Werkstatt in der Südstadt unter der Leitung des A³-Teams würde noch mehr zur Entlastung des Werderplatzes und zur Verbesserung der Lebensqualität suchtkranker Menschen beitragen. Der Charakter der A³-Werkstatt als Begegnungsstätte zwischen den Bürgern und den Adressaten des Werderplatzes könnte das allgemeine Klima in der Südstadt positiv beeinflussen. Für die Umsetzung der Maßnahmen ist eine Aufstockung des Personals im Bereich der Beschäftigung notwendig. Ein Mischmodell zwischen haupt- und ehrenamtlicher Arbeit in diesem Bereich wäre aus unserer fachlichen Sicht wünschenswert. Schnittstelle für „Push and Pull“ Effekte Aus unserer fachlichen Sicht muss das Umfeld der sozialen Einrichtung A³ regelmäßig und un- auffällig durch das Ordnungsamt und die Polizei kontrolliert werden. Die Klient*innen des A³ sind dafür bekannt, dass sie mit Drogen dealen und sich im öffentlichen Raum auffällig verhalten. Die Bürger*innen haben sich oft über den Drogenhandel und die Menschenansammlungen be- schwert. Die Anwohner*innen der Ettlinger Straße waren am meisten betroffen. Es ist nicht un- sere Aufgabe und Rolle, repressive Maßnahmen zu ergreifen. Für die Zukunft wünschen wir uns eine bessere Kommunikation, regelmäßige Treffen und eine bessere gemeinsame Strategie mit der Polizei und dem Ordnungsamt.

  • Evaluation A3
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/1145 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Alkoholakzeptierendes Aufenthalts- und Beratungsangebot A³: Evaluation Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 06.10.2021 8 x vorberaten Gemeinderat 19.10.2021 16 x Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Sozialausschuss die dauerhafte Weiterführung des Alko- holakzeptierenden Aufenthalts- und Beratungsangebotes A³ und stellt die hierfür erforderlichen Mittel weiterhin zur Verfügung. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüg- lich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 155.483 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☒ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen 1. Ausgangslage Anlässlich der intensiven Diskussionen im Rahmen der Bürgerversammlung in der Südstadt mit Herrn Oberbürgermeister Dr. Mentrup am 14. September 2016 zur angespannten Lage am und rund um den Werderplatz wurde von der Verwaltungsspitze der Auftrag an das Amt für Stadtentwicklung und das Ord- nungsamt formuliert, mit relevanten Fachdienststellen und lokalen Akteurinnen und Akteuren Maßnahmen zu entwickeln, um die Situation zu entschärfen. Aus diesem Grund wurde die dezernatsübergreifende Arbeitsgruppe Brennpunkt Werderplatz ins Leben gerufen. Deren Aufgabe war die Ausarbeitung von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen, um den Missständen auf dem Werderplatz Abhilfe zu schaffen. Im Abschlussbericht der Arbeitsgruppe wurde unter anderem die Einrichtung eines Alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums vorgeschlagen. Der Gemeinderat hat dieser Maßnahme am 24. April 2018 einstimmig zugestimmt. Schon im September 2018 konnte der Alkoholakzeptierende Aufenthaltsraum A³ in der Schüt- zenstraße 2 eröffnet werden. 2. Entwicklung des Alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums A³ Wie dem Bericht des Trägers (Anlage) zu entnehmen ist, wurde das Angebot A³ von Beginn an von den Be- troffenen gut angenommen. Die Kontaktzahlen sind im ersten Jahr kontinuierlich gestiegen und sind seit- dem, abgesehen von den Corona bedingten Einschränkungen, relativ stabil geblieben. Auch das Beratungs- angebot und die tagesstrukturierenden Beschäftigungsmaßnahmen werden von vielen Besucherinnen und Besuchern in Anspruch genommen. Leider hat der Vermieter trotz mehrmaliger Gespräche die Räume zum 30. November 2021 gekündigt. Mit- begründet wurde diese Kündigung durch verschiedene Anwohnerbeschwerden. 3. Bewertung In der Arbeitsgruppe Werderplatz zeigte sich früh, dass eine Verbesserung am Werderplatz nur durch ein Bündel ganz unterschiedlicher Maßnahmen sowie eine enge Verzahnung von ordnungsrechtlichen Maß- nahmen und Sozialarbeit gelingen kann. Das A³ ist hierbei ein wichtiger Baustein und Gegenstück zum poli- zeirechtlichen Alkoholkonsumverbot auf dem Werderplatz. Der Aufenthaltsraum wird von vielen Menschen der Werderplatzszene angenommen. Er bietet ihnen einen alternativen Raum zum Werderplatz, was zu einer Entzerrung der Szene beiträgt. Leider konnte über dieses Angebot jedoch kaum ein Zugang zu den besonders problembehafteten Menschen gefunden werden, die auf dem Werderplatz durch aggressives Verhalten auffallen. Die Herausforderungen einer solchen Einrichtung sind sehr groß. Die Besucherinnen und Besucher sind zum großen Teil suchtmittelabhängig von legalen wie auch illegalen Substanzen. Aufgrund der Akzeptanz des Konsums von Alkohol im A³ sind sie akut intoxikiert und damit gelegentlich schwerer ansprechbar und we- niger einsichtig, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Um die aufgetretenen Schwierigkeiten zu beheben und die Einrichtung langfristig zu stabilisieren, braucht es eine konzeptionelle Weiterentwicklung, eine fachlich gute personelle Ausstattung und eine kontinuierli- che Kooperation mit anderen Beteiligten. – 3 – Aus Sicht der Stadtverwaltung ist eine Fortführung des Projektes dennoch zu befürworten. Durch Beschäftigungsangebote haben die Menschen in der Einrichtung die Chance, wieder in einen gewis- sen Tagesrhythmus zurückzufinden. Auch kann für Sozial- und Beratungsangebote ein Zugang gefunden und damit der Weg ins Hilfesystem eröffnet werden. Die Verzahnung von ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Sozialarbeit hat am Werderplatz -trotz noch bestehender Probleme- zu einer spürbaren Verbesserung geführt. Die Anzahl der Straftaten und der szene- typischen Ordnungsstörungen haben sich seit Einführung des Alkoholkonsumverbotes zum 1. April 2019 und der verstärkten Sozialarbeit mehr als halbiert. Das Diakonische Werk ist aktuell intensiv auf der Suche nach geeigneten neuen Räumlichkeiten und hat bereits erste Gespräche mit potentiellen Vermietern geführt. Eine nahtlose Weiterführung des Angebotes in neuen Räumen ist wünschenswert. Zum jetzigen Zeitpunkt kann darüber noch keine Aussage gemacht werden. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Sozialausschuss die dauerhafte Weiterführung des Alko- holakzeptierenden Aufenthalts- und Beratungsangebotes A³ und stellt die hierfür erforderlichen Mittel weiterhin zur Verfügung.

  • Abstimmungsergebnis TOP 16
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR TOP 16
    Extrahierter Text

    Niederschrift 29. Plenarsitzung des Gemeinderates 19. Oktober 2021, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 17. Punkt 16 der Tagesordnung: Alkoholakzeptierendes Aufenthalts- und Beratungsangebot A³: Evaluation Vorlage: 2021/1145 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Sozialausschuss die dauerhafte Weiterfüh- rung des Alkoholakzeptierenden Aufenthalts- und Beratungsangebotes A³ und stellt die hierfür erforderlichen Mittel weiterhin zur Verfügung. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung. Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Sozialausschuss am 6. Oktober 2021. Auch hier eine kurze Einführung durch den zuständigen Dezernenten, Herr Dr. Lenz. Bürgermeister Dr. Lenz: Es ist schon erstaunlich. Sie trauen sich etwas, das Diakonische Werk in dem Fall traut sich etwas und die Südstadt, Herr Stadtrat Kalmbach traut sich etwas. Auch hier stellen wir fest, das war ein Experiment, an das man nicht unbedingt glauben konnte, vielleicht nicht drauf gewettet hätte, dass es funktioniert, dass die Nutzer*innengruppe den Raum auch annimmt. Umso größer - das ist meine einzige Vorbemerkung - war natürlich der Schreck im Sommer, als die Vermieterin kündigte. Aber - deswegen richte ich den Blick heute auch auf alle Eigentümer und Vermieter*innen dieser Stadt - wir finden als Stadt, wenn wir Bedarfe haben, immer Räume, immer sozialverständige Vermieter*innen, Nachbarn. Das ist für mich an der Stelle der Schwerpunkt meiner Einführung. Vielen herzlichen Dank, die Evaluation spricht für sich. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Das Konzept des A³ ist ebenfalls erfolgreich. Die Straftaten sind seit dem Alkoholverbot im Sommer auf dem Werderplatz plus dem Angebot des A³ um mehr als die – 2 – Hälfte zurückgegangen. Sinnvoll ist also die Kombination von beidem, von Ordnungsrecht und von Sozialarbeit. Es war richtig, alkoholkranken Menschen eine menschenwürdige Möglichkeit anzubieten, wo sie sich treffen können, Beratung erhalten, um kleineren Jobs, wie im A³ eben angeboten, nachgehen können. Wir sind froh, dass die Diakonie in der Ettlinger Straße neue Räumlichkeiten zu anständigen Preisen für den A³ gefunden hat, und wir sind auch froh, dass es Vermieter und Vermieterinnen in Karlsruhe gibt, die bewusst helfen wollen. Der Werderplatz hat wieder mehr Qualität, große Gruppen alkoholisierter Menschen treffen sich dort nicht mehr. Es ist auf jeden Fall ein entscheidender Unterschied zu vorher. Eine weitere hohe Polizei- und KOD-Kontrolle ist notwendig, weil es immer wieder einzelne sehr aggressive Menschen am Werderplatz gibt, die einfach kontrolliert werden müssen. Vielen Dank für das Engagement der Diakonie-Mitarbeiter*innen vom A³. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Es war nicht vorauszusehen, dass dieser Raum so angenommen worden ist. Die Kontaktzahlen sind steigend, das haben wir erfahren. Und obwohl es am Wer- derplatz, das war auch der Grund, warum man diesen Raum etabliert hat, immer noch zu Prob- lemen kommt, muss man aber sicher feststellen, es hat sich deutlich entzerrt am Werderplatz. Wir müssen auf diesem Wege weitergehen, einerseits sozialpolitisch diese Menschen zu unter- stützen, die in den Problemlagen sind, aber andererseits auch mit ordnungsrechtlichen Maß- nahmen den Werderplatz für einen Teil unserer Bevölkerung wieder mehr lebenswert zu ma- chen. Ich denke, ohne beides, sowohl Drogenkonsumraum, als auch A³, kommen wir nicht hin, den Werderplatz wieder zu einer weiteren, deutlich lebenswerteren Platzierung zu bekommen. Stadträtin Moser (SPD): Ich spreche sehr gerne zu diesem Punkt, genauso wie ich die zwei Punkte vorher sehr wichtig für uns alle gefunden habe. Vorhin wurde es angesprochen von Ve- rena Anlauf, dass wir mutig sind. Ich bin froh, dass ich auch zu diesem mutigen Gremium gehö- re. Da gehört wirklich viel Mut dazu, auch mit dem Drogenkonsumraum und vor allem der alko- holakzeptierende Aufenthaltsraum des A³ ist sehr wichtig, gerade für die Betroffenen. Vorhin hatte Herr Kalmbach einen sehr schönen Ausdruck genannt, sinnstiftend. Das ist viel schöner als tagesstrukturierend, obwohl diese Angebote sehr wichtig für alle Betroffenen sind, die in den alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraum gehen. Im Evaluationsbericht der Diakonie findet man die vielfältigen Angebote. Es beginnt mit der Kooperation zum Beispiel mit der Kulturküche über die Gestaltung einer Ausstellung mit dem guten Titel „Ich bin mehr“, bis hin zu sozialen und Freizeitangeboten. Dies alles trägt dazu bei, dass diese Sinnstiftung auch stattfindet für viele, die dieses Angebot annehmen. Für die SPD-Fraktion ist dieser geschützte Raum unverzichtbar. Die Zusammenarbeit mit Ord- nungsamt und Polizei muss allerdings verstärkt werden, wie es auch gefordert wird in der Eva- luation. In regelmäßigen Treffen müssen Absprachen getroffen und eine gemeinsame Strategie entwickelt werden. Das würden wir auch unterstützen. Bedauerlicherweise wurde der Mietver- trag gekündigt. Glücklicherweise gibt es Vermieter, die ein Angebot in der Ettlinger Straße fuß- läufig auch zum Werderplatz angeboten haben. Ich möchte mich ganz herzlich bei den Vermie- tern bedanken. Ich möchte mich vor allem bei der Diakonie und allen Mitarbeitenden bedan- ken, die trotz der Pandemie alles getan haben, damit das Angebot und die Tagesstrukturierung aufrechterhalten werden kann. Wir stimmen dem Antrag und der Vorlage und dem Beschluss- antrag sehr gerne zu. – 3 – Stadtrat Jooß (FDP): Es wurde schon alles jetzt gesagt. Ich sage nur, diese Angebote sind alle gut und recht und wunderbar, greifen aber in unseren Augen nicht weit genug. Was wir brau- chen, was die Bürger in der Südstadt brauchen, ist eine dauerhafte Präsenz von Polizei und nicht nur ein Streifendienst. Da lacht sich die Werderplatzklientel ins Fäustchen, wenn die wie- der verschwinden mit den Durchfahrten von der Polizei. So kann das nicht gehen. So, wie wir für unsere Kinder Präsenzunterricht brauchen, brauchen wir auch Polizeipräsenz. Deshalb den Polizeiposten an den Werderplatz zu verlegen, wo er schon einmal war, wäre uns ganz wichtig. Die Südstadtbürger würden sich darüber sehr freuen. Stadträtin Ansin (KAL/Die PARTEI): Die Berichte für den Drogenkonsumraum A³ und die Vorbe- ratungen in den Ausschüssen haben gezeigt, dass diese Räume zu exponentiell steigendem Al- kohol- und Drogenkonsum mit eigenem Tourismus verleiten, wie von einigen hier anfänglich in weiser Voraussicht vorhergesagt. Danke, dass Sie Ihre hellseherischen Fähigkeiten mit Blick in die verwahrloste Zukunft Karlsruhes zur Verfügung gestellt haben und mit Presseberichten dar- über keine weiteren Stigmatisierungen befeuert wurden. Vielen herzlichen Dank dafür. Denn die Karlsruher Hotels, Parkbänke und Bürgersteige sind jetzt hoffnungslos überflutet, weil der Drogenkonsumraum und A³ diese spezielle Klientel anlockt, wie das Licht die Motten. Vor allem möchte ich mich heute aber ehrlich bei den Menschen bedanken, die den umgangs- sprachlich genannten Trinkerraum ermöglicht haben und ihn am Laufen halten, sich Minute um Minute dafür einsetzen, den Betroffenen eine Perspektive zu bieten, mit sinnstiftenden alterna- tiven Möglichkeiten zur Beschäftigung, die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung und vor allen Dingen die Möglichkeit der Vermittlung in eine hoffnungsvollere und weniger belas- tende Zukunft jenseits des Trinkens. Nachdem A³ nun, wie auch der Drogenkonsumraum, ge- zeigt hat, dass dieses Konzept mehr als ein voller Erfolg ist, sind meine Fraktion und ich der Meinung, dass das Angebot ausgeweitet werden kann und auch sollte. Die Öffnungszeiten soll- ten erweitert werden. Denn was machen diese Menschen, wenn sie wieder vor geschlossene Türen gesetzt werden? Es ist ein weiterer großer Erfolg, dass sich die Situation um den Werder- platz beruhigt hat, auch wenn wir nicht die Ordnungsmaßnahme, also das Alkoholverbot, als Grund für den Erfolg sehen und Verbote nur dazu führen, dass sich gleiche Problematik auf an- dere Orte verlagert. Umso wichtiger ist hier eine Erweiterung der Öffnungszeiten, damit die Betroffenen gar nicht erst wieder in Versuchung kommen, in alte Verhaltensmuster zu fallen, denn dadurch wird mit Sicherheit die Festigung der neu erlangten Skills erschwert. Ich, die auch schon Familienangehörige durch die Alkoholsucht an den Tod verloren hat und Kranke erfolgreich an Einrichtungen vermitteln konnte, möchte wirklich meinen tiefsten, unendlichen Dank aussprechen an alle, die das möglich gemacht haben. Stadträtin Fenrich (AfD): Wie beim Drogenkonsumraum muss auch hier festgehalten werden, dass der A³ ein Lösungsansatz, ein erster Baustein zu der angespannten Lage am Werderplatz war. Wenn wir nachher zur Abstimmung kommen, müssen wir alle uns im Klaren darüber sein, dass es letztlich keine Lösung allein hinsichtlich des A³ sein kann. Vielmehr müssen wir die Ent- schärfung der Situation am Werderplatz im Blick behalten, die Weiterentwicklung des Drogen- konsumraums und die Weiterentwicklung des A³. Positiv zu vermerken ist, dass den Besuchern des A³ durch Beschäftigungsangebote, also das, was wir vorhin besprochen haben, der dritte Arbeitsmarkt, eine Chance auf einen strukturierten Tagesablauf gegeben werden kann. Ebenso hilfreich sind die zahlreichen Beratungsgespräche, die die Mitarbeiter mit den Besuchern füh- ren. Ich habe mir das einmal angeschaut. Über mehrere Jahre war eine Statistik aufgezeigt – 4 – worden, und das sind Jahre. Wenn man das im Jahr mit 365 Tagen sieht, hat jeden Tag quasi ein Beratungsgespräch stattgefunden, an manchen Tagen sogar, ich sage jetzt mal durchschnittlich 1,5. Und das ist eines Dankes wert an die Mitarbeitenden dort. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich möchte mich für Die LINKE. auch noch einmal bei all den Mitarbeiterinnen bedanken, die sich um diese Klientel und um den Raum kümmern. Dank an die Diakonie und vor allem auch an die neuen Vermieter, die sich auf dieses Wagnis einlassen. Ich hoffe, dass wir auch für die Südstadtbewohner*innen weiterhin entsprechende Aufent- haltsqualität auf dem Werderplatz sicherstellen können. Es ist nun mal das Zentrum, und trotz allem, es geht um Menschenwürde, es geht auch um die Würde der Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind, mit der sie nicht mehr klarkommen und dazu einfach auch die Hilfe ihrer Umgebung brauchen. Da schaffen wir eine Stelle, und das halte ich für extrem wichtig und gut. Danke schön an alle Beteiligten. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Nur ein Aspekt, es fällt auf, wenn wir den Werderplatz anschau- en, da haben wir ein Verbot ausgesprochen, eigentlich eine Ausladung, eigentlich eine Ableh- nung: Wenn du Alkohol trinkst, dann kannst du hier nicht sein. Auf der anderen Seite sprechen wir aber eine große Einladung aus. Wir sprechen durch diesen A³-Raum eine Einladung aus, hier dürft ihr sein, wie ihr seid. Deswegen glaube ich, dass Sozialräume zu befrieden, nur durch bei- de Maßnahmen gehen. Das muss ein Push & Pull sein, es muss beides vorhanden sein. Wie ge- sagt, so geht es nicht, aber an der Stelle bist du willkommen, wie du möchtest, wie du bist. Und deswegen, das wird ausgedrückt durch diesen A³-Raum, und das finde ich eine großartige Sa- che. Deswegen auch herzlichen Dank an den Vermieter, der jetzt diesen Raum frei macht, dass es so nahtlos weitergeht. Es ist eine sehr gute Sache für die Südstadt und wir sind voll dabei. Der Vorsitzende: Wir kommen zur Abstimmung, und ich bitte um Ihr Votum. – Das ist eine ein- stimmige Annahme, vielen herzlichen Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. November 2021