Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut 2021
| Vorlage: | 2021/1031 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 25.08.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Amt für Stadtentwicklung |
| Erwähnte Stadtteile: | Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Oberreut, Oststadt, Rintheim, Südstadt |
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Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut 2021 Generationen.Dialog.Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Beauftragt durch 2 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 3 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Impressum Bearbeitung Generationen.Dialog.Zukunft – Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. (G.D.Z.) Frieder Hartung, Marina Leibfried, Rita Nassen, Ursula Schmid-Berghammer, Christoph Weinmann Beauftragt durch Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Gestaltung www.konzept-projekt.de Druck Stadt Karlsruhe, Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand Juli 2021 Bildquellen Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (Foto Titelseite) Benjamin Breitkopf (Foto Rückseite) - Die abgebildete Fahne ist im Rahmen des Projektes Oberreut deluxe des Kollektives fort-da im Juli 2021 entstanden. Generationen.Dialog.Zukunft. e. V. (alle weiteren Bilder) 2 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 3 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 1 Einblick/Einführung 4 1.1 Hintergrund - Was war der Anlass? 4 1.2 Zielsetzung - Worum geht es? 5 2 Ausgangslage: Themen und Herausforderungen 6 2.1 Der Stadtteil Oberreut und seine Geschichte 6 2.2 360°- Blick auf die Themen des Stadtteils 8 3 Der Beteiligungsprozess 12 3.1 Methodisches Vorgehen im Beteiligungsprozess 13 3.2 Organisation der Beteiligung 15 3.3 Mehrwert der Beteiligung 16 3.4 Der Prozessverlauf im Detail 17 3.5 Vorstellung ausgewählter Formate 23 4 Bilanz: Ergebnisse, Handlungsfelder und Verantwortlichkeiten 28 4.1 Handlungsebene Bürgerprojekte 29 4.2 Handlungsfelder für die Zukunft 30 4.3 Handlungsebene der städtischen Dienststellen in Oberreut im Rahmen des STEK-Prozesses 40 5 Resümee 44 5.1 Lehren aus dem Prozess 44 5.2 Fazit – Gelungene Beteiligung? 48 1.1 Hintergrund - Was war der Anlass? Wirtschaftliche, soziale und ökologische Verände- rungen, der demografische Wandel und begrenzte öffentliche Mittel sind Herausforderungen der Zukunft. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Karlsruhe mit dem „Integrierten Stadtentwick - lungskonzept Karlsruhe 2020“ (ISEK) eine Hand- lungsgrundlage für alle Akteur*innen der Stadtent- wicklung erarbeitet. Um die Breite an Handlungsfeldern, Projekten und Strategien zu fokussieren, wurden integrier - te Leitvorhaben in den Bereichen Technologie, Stadtgesellschaft, Kultur, Umwelt, Innenstadt und Stadtteile definiert. Im Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Karlsruhe 2020 (ISEK) steht vor allem die Entwick - lung in den Stadtteilen im Fokus. Die Erstellung sogenannter „Integrierter Stadtteilentwicklungs - konzepte“ (STEK) erfolgt, als Rahmen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung, sukzessive für alle Karlsruher Stadtteile. Gemeinsam mit Ak - teur*innen im Stadtteil und dem Erfahrungswissen der ansässigen Bürger*innen, sollen vor Ort Lösun - gen für die aktuellen und künftigen Herausforde- rungen erarbeitet und Verbesserungen im Stadtteil erzielt werden. Dabei nimmt die Stadt Karlsruhe zum einen Stadtteile mit besonderem Entwick - lungs- oder Sanierungsbedarf und zum anderen Stadtteile mit Weiterentwicklungs- und Umstruk - turierungsbedarf in den Blick. Das Stadtteilentwicklungskonzept in Oberreut löste sich bewusst von Förderprogrammen zur baulichen Sanierung. Die Wohnungsbestände der Volkswohnung in Oberreut wurden sukzessive mit Fördermitteln saniert und die Bausubstanz befin - det sich in einem guten Zustand. Die Erarbeitung des Stadtteilentwicklungskonzep - tes basiert auf der IQ-Arbeitsweise der Stadtver- waltung. IQ steht für innovativ und quer im Sinne einer kreativitäts- und innovationsförderlichen Ar - beitsweise sowie Quervernetzung über Fach- und Ämtergrenzen hinweg. Insbesondere das IQ-Leit - projekt „Bunte Stadt“ aus dem IQ-Korridorthema „Soziale Stadt“ konnte eng mit dem Stadtteilent - wicklungsprozess Oberreut verknüpft werden. Die politische Beschlussfassung zur Aufstellung des Stadtteilentwicklungskonzeptes erfolgte im November 2018, die Ergebnispräsentation in den politischen Gremien findet im September 2021 statt. 4 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 5 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 1 Einblick/Einführung 1.2 Zielsetzung - Worum geht es? Integrierte Stadtteilentwicklungskonzepte ver- binden in der Regel baulich-räumliche, soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Themen miteinander. In Oberreut wurden im Prozess zum Stadtteilent - wicklungskonzept vor allem soziale Themenfelder in den Blick genommen und für die Ausschreibung des Prozesses wie folgt formuliert: • Förderung der Kommunikation und Teilhabe. • Stärkung des sozialen Miteinanders und der Integration. • Aufbau von Dialog- und Engagement- Strukturen. • Identifikation, Förderung und Ausbau bestehender sozialer und kultureller Angebote. • Impulse zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sowie der Gemeinwesenarbeit. • Anstoß von Bürgerprojekten in den Bereichen kulturelle Arbeit, soziales Miteinander, Umweltbildung und Naturschutz. Wichtig war es, das Stadtteilentwicklungskonzept für Oberreut unter aktiver Einbeziehung der Bür - gerschaft zu erstellen. Der Prozess war auf zwei Jahre angelegt und startete am 01.01.2019. Der Entwicklungsprozess war offen für alle Akteur*in - nen im Stadtteil und wurde mit der Bürgerschaft gemeinsam erarbeitet. Aufgrund der Corona-Pan - demie wurde der Prozess um sieben Monate bis Ende Juli 2021 verlängert. Der vorliegende Abschlussbericht bietet die Grundlage für die Weiterentwicklung des Stadt - teils Oberreut. Der Bericht ist nach Themenfel- dern geordnet und dokumentiert die tatsächliche Vorgehensweise. In Form einer Ergebnissammlung werden begonnene und zum Teil abgeschlossene Maßnahmen und Projekte aufgeführt. Dieser Bericht richtet sich an alle interessierten Karlsruher Bürger*innen, insbesondere an dieje - nigen, die sich aus Oberreut und den Karlsruher Institutionen aktiv am Prozess beteiligt haben. Es wurde darauf geachtet eine allgemein verständ - liche Sprache zu verwenden, die geeignet ist alle Leser*innen mitzunehmen. 4 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 5 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 2.1 Der Stadtteil Oberreut und seine Geschichte Auf einen Blick Oberreut liegt ca. 3,5 Kilometer südwestlich der Karlsruher Innenstadt. Aktuell leben dort rund 10.000 Menschen. Der Stadtteil gliedert sich in zwei Stadtviertel. Die „Waldlage“ ist der ältere Westteil entlang des Waldes. Die „Feldlage“ kam im Osten angrenzend an die Eugen-Geck-Straße und die Otto-Wels-Straße später hinzu und um - fasst ein deutlich größeres Siedlungsgebiet. Der von Norden nach Süden verlaufende Grünstreifen „Schmallen“ verläuft durch die „Feldlage“ und ver - sorgt die Gesamtstadt Karlsruhe mit Frischluft. Die „Waldlage“ wird von einer großflächigen Be - bauung aus Hochhäusern geprägt. Im Zuge der weiteren Entwicklung entstanden in der „Feldlage“ dagegen Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Der soziale Mietwohnungsbau in Oberreut spielte in der Vergangenheit und spielt auch heute noch eine große Rolle. Im Vergleich zu allen Karlsruher Stadtteilen, relativ und absolut betrachtet, verfügt Oberreut über den größten Bestand an Sozialmiet - wohnungen. Geschichte und Entwicklung Oberreut ist als Stadterweiterung am südlichen Rand von Karlsruhe in den 1960er Jahren entstan - den. Bewohner*innen aus dem sanierungsbedürf- tigen „Dörfle“, dem innerstädtischen historischen Quartier, wurden hierhin umgesiedelt. Die ersten Bewohner*rinnen wurden als Pioniere bezeichnet. Die Erschließung und weitere Infrastruktur des Neubaugebiets waren damals nur in Grundzügen vorhanden. Die Grundkonzeption Oberreuts geht auf den Generalbebauungsplan von 1926, auch „Schnei - derplan“ genannt, zurück. Im Stil der modernen „Trabantenstädte“ der 50er Jahre wurde auf einer Fläche von 100 ha auf dem Reißbrett eine Wohn - siedlung für ca. 12.000 Menschen entworfen. Erste Planungen waren sogar für bis zu 18.000 Einwoh - ner*innen ausgelegt. Die damaligen Planungen sahen Ladenzentren, Schulen, ein Kino sowie ein Hotel vor. Den Anfang markierte eine Bebauung auf 25 ha städtischer Waldfläche mit preiswerten Wohnun - gen, vor allem für kinderreiche Familien. Im Jahre 1970 war die Bebauung in der Waldlage beendet. 5.700 Menschen, anstatt der geplanten 4.200, wohnten in den 1.160 entstandenen Wohnungen. Oberreut galt als kinderreichster Stadtteil Karlsru - hes. In weiteren Bauphasen ab 1967 wurde die bauliche Entwicklung der „Feldlage“ im Osten des Stadtteils vorbereitet und die Planung aus dem Jahr 1962 überarbeitet, unter anderem wurde eine Straßen - bahnlinie geplant. Mit der „Feldlage I“ im Norden entstand das neue Schulhaus. 6 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 7 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 2 Ausgangslage: Themen und Herausforderungen 1980 wurde der Bebauungsplan für die Feldlage II“ beschlossen. Neben Mietwohnungen entstanden nun auch Eigentumswohnungen und Reihen - häuser. Im Zentrumsbereich entwickelten sich Einkaufsmöglichkeiten sowie Dienstleistungsflä - chen. Die Planungen für „Oberreut-Feldlage III“ schlossen Anfang der 80er Jahre an. Sie wurden erst unter dem Druck akuter Wohnungsnot 1988 konkretisiert. 1990 wurde durch den Gemeinderat eine verdichtete Bebauung verabschiedet. Die Erschließung des Gebiets mit der Straßenbahn wurde 1986 realisiert. Die Forderungen der Ein - wohner*innen nach Begegnungsorten führten 1983 zur Eröffnung des Jugend- und Gemeinschaftszen - trums „Weiße Rose“, 1988 kam das gegenüber- liegende Ökumenische Gemeindezentrum hinzu. 6 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 7 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Oberreut von oben - Luftbild von Oberreut mit dem charakteristischen Grünstreifen “Schmallen“. 2.2 360°- Blick auf die Themen des Stadtteils Zusammengefasste Ergebnisse der SWOT-Analyse, August 2019 Im Rahmen des Prozesses „Integriertes Stadtteil- entwicklungskonzept“ (STEK) wurde im ersten Halbjahr 2019 eine SWOT-Analyse (Analyse von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken) zu Oberreut erstellt. In diesem Kapitel werden die Er - gebnisse dieser Analyse kurz zusammengefasst. Es ist eine Momentaufnahme von Oberreut zu Beginn des Jahres 2019. Alle statistischen Angaben zur Be - völkerung beziehen sich auf das Datum 31.12.2017. Analyse der Sozialstruktur Oberreut ist bis heute ein wachsender Stadtteil. Nach einem Rückgang an Bewohner*innen über die letzten 10 Jahre wurde durch rege Bautätigkeit und die Nutzung vorhandener Entwicklungspo - tentiale eine Umkehr eingeleitet. Bis 2030 werden 1.100 zusätzliche Einwohner*innen prognostiziert. Die Sozialstruktur der Bewohner*innen deutet auf eine der großen Herausforderungen des Stadtteils hin. Oberreut hat innerhalb der Stadt Karlsruhe den höchsten Anteil an Sozialmietwohnungen: 15,71 % oder 744 Wohneinheiten (Karlsruhe ins - gesamt: 2,27 %,). Die Erwerbslosigkeit war Ende 2017 fast doppelt so hoch (6,83 %) wie in der Ge - samtstadt (3,44 %) und der Anteil der SGB II-Be- zieher*innen war mit 15,2 % im Verhältnis zum Karlsruher Durchschnitt (5,9 %) um das 2,6–Fache höher. Daneben zeichnet sich Oberreut durch eine hohe kulturelle und ethnische Vielfalt der Bewohner - schaft mit 104 Nationalitäten aus. Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung liegt bei 16,72 % (Karlsruhe 18,8 %). Der Anteil der Deutschen mit Migrationshintergrund beläuft sich auf 22,95 % (Karlsruhe 10,61 %). Der Migrant*innenanteil liegt somit in Oberreut insgesamt bei 39,66 % (Karlsru - he 28,79%). Die allgemeine demographische Entwicklung weist auf eine längere Lebenserwartung hin und trifft damit auch auf Oberreut zu. Der Anteil der Senio - ren*innen (über 65 Jahren) ist ansteigend, wohinge- gen die Gruppe Kinder und Jugendliche rückläufig ist. Des Weiteren wird prognostiziert, dass der An - teil der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Soziale Infrastruktur und Kultur Oberreut nimmt über die Stadtteilgrenze hin- aus eine wichtige Funktion als Schulstandort ein. Die wichtigsten Einrichtungen sind die An - ne-Frank-Gemeinschaftsschule (AFS), die So- phie-Scholl-Realschule und das Schulzentrum Südwest mit einer kaufmännischen Berufsschule. Es wird keine Sekundarstufe II angeboten. Bei den Übergängen in weiterführende Schulen zeigen sich deutliche Abweichungen im Vergleich zur Gesamtstadt. Es gibt einen überdurchschnittlich hohen Wechsel in die Gemeinschafts- und Real - schule gegenüber einer deutlich verringerten Über- gangsquote auf das Gymnasium. Es besteht ein Mangel an Kita- und Krippenplät - zen. Zusammen mit dem 2020 vollendeten Neubau der Kita Villa Regenbogen werden zurzeit sechs Kitas in unterschiedlicher Trägerschaft betrieben. Daneben bestehen ergänzende Angebote wie zum Beispiel das Elterncafé oder das Kinder- und Fami - lienzentrum. Die sozialen Einrichtungen mit ihren Angeboten und Veranstaltungen dienen als Begegnungsor - te, Orte für Kultur und Kristallisationspunkte für gesellschaftliches Leben. Sie tragen zur Stabilität des Stadtteils bei. Oberreut hat eine gewachsene Jugendarbeit und verfügt mit dem Jugendgarten, dem Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“ und dem Ökumenischen Gemeindezentrum über stadtteilprägende Orte. 8 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 9 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Aktuelle Entwicklungen der sozialen Infrastruktur Mit der seit dem 1. Juli 2020 bestehenden Stelle des Quartiersmanagements konnte eine feste Anlauf- stelle im Stadtteil geschaffen werden. Diese Stelle wurde von der Diakonie Karlsruhe mit Hilfe von Geldern der Fernsehlotterie befristet eingerichtet. Die Quartiersmanagerin leistet vor allem aufsuchende Arbeit. Sie hört den Menschen zu und erforscht deren Bedarfe. Dabei bietet sie in unterschiedlichsten sozialen Bereichen Unterstützung und nutzt dabei das gesamte Spektrum der sozialen Angebote im Stadtteil. In diesem Sinne erfüllt sie eine wichtige Vermittlungsfunktion. 2020 nahm die Stadtteilkoordinatorin ihre Arbeit in Oberreut auf. Als städtische Mitarbeiterin ist sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Sie unterstützt die Vernetzung zwischen den Akteur*innen im Stadtteil und der Stadtverwaltung, insbesondere der Sozial- und Jugendbehörde. Sie erarbeitet sich einen Über - blick über die sozialen Aktivitäten im Stadtteil, kann diese wirkungsvoll koordinieren und verbindet so- ziale Themen des Stadtteils mit gesamtstädtischen Themen und Dienstleistungen. Darüber hinaus stößt sie zusammen mit lokalen Akteur*innen Entwicklungsprozesse an. Image und Identität Aufgrund der Historie des Stadtteils und frühe- ren Problemen haftet dem Stadtteil ein negatives Image an. Es besteht eine deutliche Abweichung zwischen der Außenwahrnehmung und der Innen - sicht auf den Stadtteil. Mieterbefragungen zeigen, dass die Menschen gerne in ihren Wohnungen in Oberreut leben. Die Wohnzufriedenheit ist über - wiegend gut. Die Wahrnehmung von Oberreut durch die Einwohner*innen der anderen Stadtteile und in den Medien ist zum Teil einseitig negativ. Ein abweichendes Bild ergibt sich auch zwischen subjektiver und objektiver Betrachtung im Hin - blick auf die Sicherheit. Das Sicherheitsempfinden innerhalb der eigenen Wohngegend wird als gering eingeschätzt. Die Anzahl der Straftaten in Oberreut liegen im Vergleich zur Gesamtstadt dagegen im unteren Mittelfeld. Die soziale Situation im Stadtteil wird individu - ell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Für die einen ist das Leben in Oberreut geprägt von unsozialem Verhalten, schwach ausgeprägtem Zusammenhalt, wenig Akzeptanz und Vertrauen untereinander. Andere erleben ein gelingendes Zu - sammenleben mit guten, kleinräumigen sozialen Kontakten. Bei Menschen, die das fehlende Miteinander be - klagen, sind häufig Tendenzen der Abgrenzung zu beobachten. So gibt es unter anderem wenige Be - rührungspunkte zwischen den Eigentümer*innen in der „Feldlage“ und den Menschen in Miet- und Sozialmietwohnungen in der „Waldlage“. 8 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 9 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Ausgangslage – Die Themen und Herausforderungen Container auf dem Areal Anne-Frank-Schule Fahrradabstellflächen in der Waldlage Fassadengestaltung am Jugendzentrum Weitläufige Grün- u. Freiflächen im SchmallenVersiegelte Fläche mit Sportangebot Oberreut wächst: Schaffung von Wohnraum Erkennungszeichen am Stadtteileingang Blick auf Versorgungszentrum 10 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 11 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Beteiligung, Strukturen der Zusammenarbeit und Verstetigung Zu den gefestigten Stadtteilinstitutionen mit guter Zusammenarbeit und Kooperationsbereitschaft zählen der Bürgerverein, die Interessensgemein - schaft Oberreut (IGO), das Jugend- und Gemein- schaftszentrum „Weiße Rose“, das Ökumenische Gemeindezentrum (ÖGZ), die Anne-Frank-Schule, das Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbo - gen“ und der Jugendgarten. Der Bürgerverein nimmt eine zentrale Rolle zur Wahrung und Förderung der allgemeinen Interes - sen des Stadtteils, sowie der Förderung und Pflege des Gemeinschaftslebens ein. Im Gemeinderat ist der Stadtteil nicht mit eigenen (in Oberreut wohn - haften) Stadträten vertreten. Allgemeine Versammlungsorte gibt es in der „Wei - ßen Rose“ und dem ÖGZ. Weitere nicht-kommer- zielle Treffpunkte zur Netzwerkbildung oder für Veranstaltungen gibt es kaum. Eine zentrale Herausforderung ist es, Bedarfe der sogenannten „stillen Gruppen“ stärker abzubilden. Dieser Begriff umfasst Menschen, die aus unter - schiedlichen Gründen als gesellschaftlich benach- teiligt gelten und sich eher weniger aus eigener Kraft für Ihre Rechte einsetzen können. Dazu zählen unter anderem Alleinerziehende, Menschen mit Migrationsgeschichte beziehungsweise mit Sprachbarrieren, SGB II-Bezieher*innen, Menschen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf oder auch Menschen mit Behinderung. Wohnumfeld und Freiraum Oberreut wird mit seinen überdurchschnittlich großzügigen öffentlichen Grünflächen, dem weit - läufigen Grünzug des „Schmallen“ und der Wald- lage als grüner Stadtteil wahrgenommen. Die grüne Wohnumgebung bildet ein hervorgehobenes Identifikationsmerkmal Oberreuts und bietet den Bewohner*innen einen hohen natur- und wohnort - nahen Freizeitwert. Die Nutzungsmöglichkeiten für Spielflächen und Sportanlagen sind trotz des hohen Freiraumanteils begrenzt, stellen jedoch eine wichtige Grünfunkti - on mit positiver Auswirkung auf die Bewohner*in- nen dar. Die Freiflächen abseits des Verkehrsgrüns werden als bespielbare Fläche nicht wahrgenom - men oder kaum genutzt. Hochwertige öffentliche Sportflächen existieren nicht. Der Handlungsbe - darf bei Ausstattung von Sport- und Spielflächen, beziehungsweise Ersatz von Spielgeräten wurde erkannt. Die Behebung dieser Missstände wurde zum Teil angestoßen. Die grünen Freiflächen werden ambivalent wahr - genommen. Einerseits werden sie positiv be- wertet, andererseits entfaltet das ausgedehnte Verkehrsbegleitgrün und das Abstandsgrün eine trennende Wirkung. Sie sind kaum als Freizeitflä - che nutzbar. Die Plätze sind im Wesentlichen durch mangelnde Aufenthaltsqualität gekennzeichnet. Die Stadtteil - mitte (Oberreut Zentrum) zeichnet sich durch eine unzureichende Gestaltung und mangelnde Nut - zungsvielfalt aus. Dem „Julius-Leber-Platz“ oder dem „Badeniaplatz“ mangelt es an einladenden Be - reichen und Möglichkeiten für attraktive Nutzun- gen und Aktivitäten. Daher sind sie der Belebung des öffentlichen Raumes nicht zuträglich. Städtebau und Wohnen Der umfangreiche Gebäudebestand der Volkswoh- nung befindet sich auf einem überwiegend guten qualitativen Gesamtniveau, in energetischer und baulicher Hinsicht sowie mit Blick auf barrierear - men Wohnraum. Es gibt einen Rückgang der Zahl an Sozialmietwohnungen, die projektierten Wohn - bauflächen sind vornehmlich auf den Mietwoh- nungsbau ausgerichtet. Die geringe Vielfalt an Bautypologien und die überwiegend funktionale Ästhetik tragen zu einem recht monotonen Erscheinungsbild bei. Zugleich besitzt der Stadtteil weitere Nachverdichtungs - potentiale, sowohl in der „Wald“- als auch in der „Feldlage“. Verkehr und Mobilität Die Anbindung an den ÖPNV (Straßenbahn und Buslinien) wird grundsätzlich positiv bewertet. Als positive Standortfaktoren gelten die Lage und die verkehrliche Anbindung. Bahnhof und Innenstadt sind mit Straßenbahn beziehungsweise dem Bus, dem Fahrrad oder mit dem PKW sehr gut zu errei - chen. Allerdings sind die vielen Wohnungen der „Wald - lage“ aufgrund größerer Entfernungen von über 500 Metern zu Haltepunkten im Hinblick auf die Mobilität in der Gesamtbetrachtung des Stadtteils benachteiligt. Hierzu passt der Eindruck der domi - nierenden Parkierung entlang der Straßen in der „Waldlage“. Die Fahrradwege sind gut ausgebaut, vor allem entlang der Grünachse und im Wald. Dies fördert die Vernetzung Oberreuts mit dem städtischen Umfeld. Im Detail lässt sich die lückenlose Durch - gängigkeit des Radwegenetzes noch weiter verbes- sern. 10 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 11 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Hindernisse am Übergang Straße-Radweg oder Sprünge in der Wegeführung könnten beseitigt werden. Die unterstützende Rad-Infrastruktur ist noch ausbaufähig, insbesondere was sichere Ab - stellmöglichkeiten betreffen. So fehlen überdachte Fahrradabstellplätze in der „Waldlage“ sowie beim Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“, bei der Schule und deren Sportplatz. Auch gibt es lediglich ein zentrales Bike-Sharing-Angebot im Zentrum Oberreut. Oberreut gehört nicht zur „frei - en Abstellzone“ des Bike-Sharing-Systems. Arbeit, Wirtschaft, Versorgung, und Gesundheit Die hohe Zahl von über 1.500 (auch zukunftsge- rechten) Arbeitsplätzen ist eine der Stärken des Stadtteils. Das Potenzial zur Ansiedlung weiterer Arbeitsplätze ist noch nicht ausgeschöpft. Größere Unternehmen im Stadtteil sind die Bade - nia mit über 500 Arbeitsplätzen, der IT-Dienstleis- ter Bechtle am Standort Oberreut mit 140 Arbeits- plätzen sowie die LUBW mit 450 Arbeitsplätzen am künftigen Gesamtstandort. Die Nahversorgung verteilt sich auf 3 Supermärkte (Netto, Mix-Markt, Edeka) und einem Wochen - markt mit drei Markthändlern. Ein Drogeriemarkt ist nicht vorhanden. Es fehlt an gastronomischer Vielfalt, wie Restaurants, Cafés, Eisdielen oder Bier - gärten. Die medizinische Versorgung besteht aus drei Allgemeinärzt*innen, einer Zahnarztpraxis und einer Kinder- und Jugendarztpraxis. Die Ärzt*in - nen arbeiten in den Praxen unter sehr beengten räumlichen Verhältnissen. Der anstehende Gene - rationenwechsel bei allen Allgemeinmedizinern ist nicht gesichert. Die benötigten Nachfolger*in - nen konnten bisher nicht gefunden werden. Die schlechte räumliche Situation der Arztpraxen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Fazit/Handlungserfordernis Aus der vorliegenden 360°-Grad Analyse zum Stadtteil und dessen Themen lassen sich in der Gesamtbe- trachtung zentrale Handlungserfordernisse ableiten. Diese haben in den Stadtteilentwicklungsprozess Eingang gefunden. = Ausbildung von unterschiedlicheren Wohnungsangeboten für mehr soziale Durchmischung. = Förderung sozialer/nachbarschaftlicher Beziehungen. = Die hohe kulturelle Vielfalt der Bewohner*innen des Stadtteils wertschätzen und aktivieren. Angebote mit niedrigschwelliger Kommunikation vor Ort im direkten Kontakt entwickeln. = Gezielte Strategien zur Integration von Neubürger*innen im Stadtteil und Zusammenbringen mit „Eingesessenen“. = Bildung als ein Ankerthema des Stadtteils mit Zugang für unterschiedlichste Alters- und Bevölkerungsgruppen. = Kulturelle Aktivitäten und Angebote stärker vernetzen und ausbauen. = Nicht kommerzielle Treffpunkte fördern sowie eine Stärkung der Treffpunkte für Jugendliche. = Kurzfristige Aufwertungsmaßnahmen im Sinne der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Die Stadt Karlsruhe hatte auf der Basis einer fun- dierten Bestandsanalyse die Voraussetzungen für einen stadtteilbezogenen Bürgerbeteiligungspro - zess und eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des gesamten Stadtteils geschaffen. Die Beteili - gung der Bürger*innen sollte einen aufsuchenden Charakter aufweisen. Unter Einbeziehung innova - tiver und kreativer Formate und Methoden sollten sie die Ziele des Prozesses zum Stadtteilentwick - lungskonzept unterstützen. Dazu gehörten insbe- sondere: • die Förderung der Kommunikation und Teilhabe. • die Stärkung des sozialen Miteinanders und der Integration. • der Aufbau von Strukturen für Dialog und Engagement Das Beteiligungsversprechen In den Abstimmungsgesprächen zwischen der beauftragten Prozessbegleitung und den Projekt - verantwortlichen der Stadtverwaltung wurde vor dem öffentlichen Start des Prozesses die Rolle der Beteiligung in einem sogenannten Verspre - chen formuliert. Dieses Versprechen wurde am 30.01.2019 auf der Sitzung der Interessengemein - schaft Oberreut (IGO) erstmals öffentlich kommu- niziert: 1. Gemeinsam zwei Jahre zusammenzuarbeiten • Themen identifizieren • Ziele vereinbaren • Maßnahmen entwickeln und starten • Netzwerke aus- und aufbauen 2. Grundlagen schaffen für Veränderungen im Stadtteil bis 2030. • Soziales Miteinander • Wohnen und öffentliche Räume • Infrastruktur 12 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 13 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 3 Der Beteiligungs- prozess 3.1 Methodisches Vorgehen im Beteili- gungsprozess Der Bürgerbeteiligungsprozess sollte dazu beitra- gen, die Grundlage für eine zukunftsorientierte Ausrichtung und Weiterentwicklung des Stadt - teils durch die Stadt Karlsruhe in Verbindung mit Akteur*innen im Stadtteil, weiteren Partnern sowie den Bewohner*innen selbst zu schaffen. Der Betei - ligungsansatz basierte im Wesentlichen auf drei Hauptpfeilern: 1. Einer aufsuchenden Beteiligung von Interes - sensgruppen mit dem Ziel, deren Interessen Raum zu geben (qualitative Herangehensweise) und die Motivation für individuelles Engagement im Betei - ligungsprozess zu fördern. 2. Einer Online-Beteiligung mit dem Ziel, möglichst viele Rückmeldungen zu zentralen Fragestellun - gen zur Entwicklung des Stadtteils Oberreut zu sammeln und statistisch auswertbare Ergebnisse zu erhalten (quantitative Herangehensweise). 3. Große öffentliche Veranstaltungen (Auftaktver - anstaltung und Stadtteilforum), bei denen eine ge- meinsame Vision für den Stadtteil entwickelt wird, unterschiedliche Interessen zusammengeführt und Handlungsfelder mit Zielen und Maßnahmen erarbeitet werden. Die gemeinsam entwickelten Handlungsfelder verbanden die formulierten Ein - zelinteressen. Die wichtigsten Beteiligungsschritte Der Stadtteilentwicklungsprozess war grundsätz- lich gegliedert in eine Analyse-Phase, eine Anrei- cherungsphase mit Workshops und Befragungen, sowie eine Konsolidierungsphase mit kleineren Arbeitsgruppen. In der Schlussphase wurden Ak - teur*innen und beteiligte Ämter um eine Reflexion des Prozesses gebeten und der Abschlussbericht erstellt. Ein erster Schritt war die Identifikation und Kon - taktherstellung zu Schlüsselpersonen im Stadt- teil, um dadurch Zugang zu den Netzwerken und Interessensgruppen zu erhalten. Dafür wurden Gespräche mit Akteur*innen aus der Interessens - gemeinschaft Oberreut (IGO) und aus dem Bil- dungs- und Jugendbereich geführt. Die identifizierten Schlüsselpersonen wurden kon - taktiert und zu einer „Auftaktveranstaltung der Akteur*innen“ eingeladen. Zentrales Anliegen der Veranstaltung war es Vertrauen aufzubauen sowie die Interessen und Bedarfe der jeweiligen Interes - sensgruppen zu sammeln und zu strukturieren. In der darauffolgenden Veranstaltung „Markt der Interessen“ wurden Akteur*innen und Bürger*in - nen eingeladen ihre Visionen zu Oberreut zu formulieren und die bestehende Interessensamm - lung zu erweitern. Aus dem „Markt der Interessen“ sind acht Themenfelder hervorgegangen, zu denen in der Folge niederschwellige „Interessenswork - shops“ mit gemeinschaftsstiftenden Elementen durchgeführt wurden. Dort wurde zusammen - getragen welche Interessen, Vorstellungen und Wünsche die Bewohner*innen im Rahmen der Themenfelder haben. Qualitative Interviews mit ausgewählten Akteur*innen ergänzten die Ergeb - nisse der „Interessensworkshops“. In einer Phase der aufsuchenden Beteiligung wurden die Bewohner*innen auf öffentlichen Veranstaltungen und Treffpunkten über den Prozessstand informiert. Gleichzeitig wurden das Beteiligungsprojekt und die nächste öffentliche Veranstaltung beworben. Ebenso wurden weitere Interessen abgefragt. Eine aktivierende Befragung an öffentlichen Plätzen verfolgte das gleiche Ziel. Der Workshop „Runder Tisch soziales Oberreut“ sprach gezielt Multiplikator*innen sozialer Träger und Institutionen an. Das folgende öffentliche „Stadteilforum“ richtete sich an die Teilnehmer*innen der „Interessens - workshops“, weitere interessierte Bürger*innen, persönlich eingeladene Zufallsbürger*innen, sowie Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung. Es wurden die bisherigen Ergebnisse der Online-Be - teiligung, der SWOT-Analyse (Analyse von Stär- ken, Schwächen, Chancen und Risiken) und der Workshops vorgestellt. Die Themenfelder wurden ergänzt und zu Handlungsfeldern mit Zielen und Maßnahmen konkretisiert. In einem Folgework - shop wurden auf dieser Basis Projektgruppen gegründet, die in den nächsten neun Monaten selbstständig Umsetzungsstrategien erarbeiteten. In insgesamt vier Koordinationstreffen tauschten sich die Gruppen über ihre Erfahrungen und ihrer Arbeit aus. Bedingt durch Corona und die fehlende Nieder - schwelligkeit von digitalen Beteiligungsformaten reduzierte sich die Beteiligung im Laufe des Jahres 2020 auf einen kleinen Kreis von engagierten Ak - teur*innen im Quartier. Sie trafen sich mehrfach zu unterschiedlichen Themenfeldern mit betei - ligten Vertreter*innen der Stadtverwaltung und erarbeiteten konkrete Umsetzungsprozesse. Der für die Überprüfung und Konkretisierung der Maßnahmen vorgesehene Strategieworkshop mit Bürger*innen und Akteur*innen entfiel aufgrund der Corona-Beschränkungen. 12 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 13 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 14 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 15 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Beteiligungsprozess IGO-Sitzung Auftakttermin, 31.01.2019 Vorstellung student. Ergebnisse, 22.07.2019 Projektgruppentreffen, 18.02.2019 Marktplatz der Interessen, 08.04.2019Marktplatz der Interessen, 08.04.2019 Quartiersrundgang mit Studierenden Stadtteilforum 12.10.2019Stadtteilforum 12.10.2019 Im Rahmen einer öffentlichen, festlichen Abschlussveranstaltung im Herbst 2021 sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Diese Veranstaltung wird auch dazu einladen, sich an entstandenen Quartierspro - jekten zu beteiligen. Sie wird konkrete Möglichkeiten hierfür aufzeigen und Ideen der Teilnehmer*innen dazu einsammeln. 14 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 15 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 3.2 Organisation der Beteiligung Zur besseren Verständlichkeit des Beteiligungsrah- mens gibt der folgende Abschnitt einen Überblick darüber, welche Gruppen und Gremien den Stadt - teilentwicklungsprozess auf den verschiedenen Ebenen begleitet und geprägt haben, und wie die Verantwortungsbereiche zugeordnet wurden. Projektleitung Das Amt für Stadtentwicklung (AfSta) der Stadt Karlsruhe war mit den strategischen Aufgaben be - traut und für die Organisation und Durchführung des Projekts verantwortlich. Die Projektleitung übernahm das Büro für Mitwirkung und Engage - ment (BME) mit dem Sachgebiet Stadtteilentwick- lung und Bürgerbeteiligung. Prozessbegleitung und Moderation Der gemeinnützige Verein Generationen.Dialog. Zukunft. – Netzwerk für demografiebewusste Ent - wicklung e. V. (G.D.Z.) mit Sitz in Karlsruhe wurde als Büro für kommunale Prozessbegleitungen mit der Konzipierung, Steuerung und Durchführung des Beteiligungsverfahrens, der Analyse der Stadt - teilsituation sowie der Moderation der Veranstal- tungsformate beauftragt. Steuerungsgruppe Die Steuerungsgruppe agierte als interne Abstim - mungs- und Austauschrunde. Sie tagte sechsmal und war besetzt mit dem Büro für Mitwirkung und Engagement (BME), dem Kulturamt, dem Stadt - planungsamt, der Sozial- und Jugendbehörde und Generationen.Dialog.Zukunft. Ab April 2020 kam das Gartenbauamt dazu und ab Anfang 2021 die Stadtteilkoordinatorin. Lenkungsgruppe Die Aufgabe der Lenkungsgruppe bestand darin, alle Ämter und beteiligte Institutionen aktiv in den Prozess einzubinden. Sie sollte den Informati - onsaustausch zwischen den Ämtern in Bezug auf Oberreut fördern, Schnittstellen identifizieren und nutzbar machen sowie Synergieeffekte ermögli - chen. Die Lenkungsgruppe tagte dreimal. Eingeladen zur Lenkungsgruppe waren 18 beteilig - te Ämter und Institutionen. Die Lenkungsgruppe wurde ergänzt um die Volkswohnung (VoWo), die Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gG - mbH (KEK), den Bürgerverein Oberreut, die Gleich- stellungsbeauftragte, die Behindertenbeauftragte und den Leiter der „Weißen Rose“ Oberreut (Stadt - jugendausschuss). Die beteiligten Ämter der Stadt Karlsruhe waren • Amt für Stadtentwicklung mit dem Büro für Mitwirkung und Engagement (BME) • Amt für Abfallwirtschaft (Sauberkeit und Entsorgung) • Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft (Projektentwicklung) • Die Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH • Friedhofs- und Bestattungsamt • Gartenbauamt (Landschafts- und Grünord- nungsplanung, Objektplanungen für Schulen, Kindertagestätten, Spiel- und Freizeitanlagen) • Forstamt (Wald) • Kulturamt (Bunte Stadt) • Liegenschaftsamt (Flächenmanagement im Rahmen der Bebauungsplanung) • Stadtplanungsamt (Städtebau, Bebauungs- planung, Rahmenplanung) • Tiefbauamt (Instandhaltungsmaßnahmen/ Erneuerungen) • Marktamt • Ordnungs- und Bürgeramt (Sicherheitsaudit- Sicherheitsumfrage) • Schul- und Sportamt (Schul- und Sportge- bäude/-gelände) mit der Bildungsplanung und dem Bildungsbüro • Sozial- und Jugendbehörde (Sozial- und Jugend- hilfeplanung mit dem Büro für Integration, Kinderbüro und Seniorenbüro, städtisch koordinierte Quartiersentwicklung) mit der Stadtteilkoordination • Umwelt und Arbeitsschutz • Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH VBK (ÖPNV-Angebot, Rasengleise) Projektgruppen Insgesamt gründeten sich im Laufe des Beteili- gungsprozesses elf Bürgerprojektgruppen zu elf verschieden Themenfeldern. Sie setzten sich aus interessierten Bürger*innen und Vertreter*innen des Stadtteils zusammen. Diese trafen sich selb - storganisiert und arbeiteten eigenständig an ihren Themenfeldern. Ihre Arbeit in den Themenfeldern wird im Kapitel 4.1 detailliert beschrieben. In vier Koordinationstreffen tauschten sie sich über ihre Aktivitäten aus (siehe auch Kapitel 3.4, Prozessabschnitt III) 3.3 Mehrwert der Beteiligung Menschen engagieren sich dann, wenn sie in diesem Engagement für sich einen Sinn erkennen und sich persönlich damit verbinden können. Für die Betroffenen ist die Frage relevant: „Was kann sich für mich verbessern?“. Dafür ist es notwen - dig möglichst unterschiedliche Gruppen, Anliegen und Perspektiven in den Blick zu nehmen und das Potential für Veränderung aufzuzeigen. Für die ein - zelnen Akteursgruppen konnten folgende Mehr- werte formuliert werden: Für die Bürgerschaft Ziel der Bürgerbeteiligung war es, an den Lebens- realitäten der Menschen im Stadtteil anzuknüpfen, auch stille Gruppen einzubeziehen, um gemein - sam die Lebensqualität und das Miteinander im Stadtviertel zu verbessern. Die Erkenntnisse konn - ten in ein gemeinsam mit der Bürgerschaft erar- beitetes Stadtteilentwicklungskonzept münden. Aktivitäten und Projekte aus dem Stadtteil wurden befördert. Im Rahmen der Möglichkeiten wurden hierfür Geld und Personal zur Verfügung gestellt. Es wurde ein Zeichen gesetzt: Die Menschen in Oberreut wurden gehört, ihre Probleme, Sorgen und Anliegen wurden öffentlich und ernstgenom - men. Durch die Bausteine des Bürgerbeteiligungspro - zesses wurden Anlässe, Begegnungsräume und Events geschaffen, um Nachbar*innen und andere Gruppen des Stadtteils zu treffen. Es ergaben sich Möglichkeiten persönliche Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Gegensätze, Fremdheit, Konflikte in der Nachbarschaft, zwischen einzelnen Gruppen oder Generationen konnten identifiziert und überwun - den werden. Das Potential der kulturellen Vielfalt im Stadtteil konnte erlebt und die Identifikation mit dem Stadtteil erhöht werden. Die Inhalte und Projekte, die von der Bürgerschaft in den verschiedenen Interessenswerkstätten be - arbeitet wurden, waren nicht vorgegeben, sondern wurden von Teilnehmer*innen selbst bestimmt. Hierin lag die Chance, dass Anliegen vorange - bracht wurden, die den Oberreuter*innen tat- sächlich „unter den Nägeln brannten“. Gefördert werden sollte die Übernahme von Verantwortung für die Belange im eigenen Stadtteil. Die gemein - same Projektarbeit förderte den Gemeinsinn und Selbstertüchtigung. Für die Akteur*innen In Oberreut sind zahlreiche hauptamtliche und ehrenamtliche Akteur*innen insbesondere aus den Bereichen Soziales, Familie, Jugend und Kultur aktiv. Durch die breit angelegte Bürgerbeteiligung konnten diese Akteur*innen über ihre individuel - len Zuständigkeitsfelder hinaus erreicht werden. Sie konnten sich besser kennenlernen und vernet - zen. Dadurch wurde eine verbindende Grundlage für ein gemeinsames Handeln für das Oberreut von morgen geschaffen. Es wurden Informationen ausgetauscht, Kräfte und Aktionen gebündelt, Ideen für gemeinsame Aktionen und Auftritte geplant. Für die städtischen Ämter Ansprechpartner*innen sowohl innerhalb der städ- tischen Stellen, wie auch der Institutionen wurden im Stadtteil bekannt. So konnten Hemmschwellen für eine Kontaktaufnahme abgebaut werden. Die Partizipation der Bevölkerung bei Spielplätzen und Pflegemaßnahmen wurde erleichtert. Durch den direkten Kontakt mit allen am Prozess Beteiligten konnten laufende städtische Aktionen und Maß - nahmen besser vermittelt werden. Die Kommuni- kationswege wurden kürzer. Die städtischen Ämter gewannen mehr Insider-Information über den Stadtteil. Für zivilgesellschaftliche Gruppen Zivilgesellschaftliche Gruppen wie die Interessens- gemeinschaft Oberreut (IGO) oder der Bürgerverein konnten sich auf unterschiedlichen Beteiligungs - ebenen einbringen und bei vielen Gremien und Veranstaltungen während des Prozesses Präsenz zeigen. Die Möglichkeiten der direkten und akti - ven Mitgestaltung waren hoch. Es eröffneten sich Chancen im Prozess für die eigenen Interessen zu sensibilisieren, aktive Mitstreiter*innen zu finden und somit das ehrenamtliche Engagement in der Gruppe personell zu stärken. Der Beteiligungspro - zess konnte dazu beitragen, dass zivilgesellschaft- liche Strukturen im Stadtteil gestärkt wurden. Zivilgesellschaftliches Engagement kann sich in Zukunft weiter entfalten und wird sich noch stär - ker positiv auf das Gemeinwesen auswirken. 16 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 17 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 3.4 Der Prozessverlauf im Detail Prozessabschnitt I - Analyse (1. Halbjahr 2019) Für die Analysephase wurden vorliegende Infor- mationen eingeholt, gesichtet und nach Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert (SWOT-Analyse). Hierzu wurde das Verwaltungs - wissen eingebunden, bestehende Quellen ausge- wertet sowie aus einer Ämterabfrage laufender Verfahren und geplante Vorhaben gesammelt. Ein zweiter Schwerpunkt dieser Phase war, mit den Akteur*innen und Bewohner*innen in den Dialog zu treten – in Form von Gesprächen, Begegnungen und Befragungen vor Ort sowie der Etablierung von begleitenden Gremien und Auftakttreffen. Diese fanden zum Teil im Rahmen des Förderpro - gramms „Nachbarschaftsgespräche. Zusammenle- ben – aber wie?“ statt, welches die Stadt Karlsruhe zur Unterstützung des Beteiligungsprozesses bei der Allianz für Beteiligung beantragt hatte. 16 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 17 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 16 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 17. August 2021 sensibilisieren, aktive Mitstreiter*innen zu finden und somit das ehrenamtliche Engagement in der Gruppe personell zu stärken. Der Beteiligungsprozess konnte dazu beitragen, dass zivilgesellschaftliche Strukturen im Stadtteil gestärkt wurden. Zivilgesellschaftliches Engagement kann sich in Zukunft weiter entfalten und wird sich noch stärker positiv auf das Gemeinwesen auswirken. 3.4 Der Prozessverlauf im Detail Prozessabschnitt I - Analyse (1. Halbjahr 2019) Für die Analysephase wurden vorliegende Informationen eingeholt, gesichtet und nach Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert (SWOT-Analyse). Hierzu wurde das Verwaltungswissen eingebunden, bestehende Quellen ausgewertet sowie aus einer Ämterabfrage laufender Verfahren und geplante Vorhaben gesammelt. Ein zweiter Schwerpunkt dieser Phase war, mit den Akteur*innen und Bewohner*innen in den Dialog zu treten – in Form von Gesprächen, Begegnungen und Befragungen vor Ort sowie der Etablierung von begleitenden Gremien und Auftakttreffen. DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 08.01.2019 Starttermin der Projektleitung Kennenlernen der Beteiligten; Auftragsklärung, Informationen zu Akteuren und Themen des Stadtteils, Abstimmung des weiteren Vorgehens 22.01.2019 Abstimmungstermin der Projektleitung Prozessplanung und Akteursanalyse 30.01.2019 Sitzung der Interessensgemeinschaft Oberreut (IGO) Vorstellung des Prozesses zum Stadtteilentwicklungskonzept (STEK), das Versprechen, Einbindung der Akteur*innen 20.02.2019 Teilnahme am Workshop der „Allianz für Beteiligung“, Stuttgart Workshop mit den Projektverantwortlichen im Rahmen des Förderprogramms „Nachbarschaftsgespräche“ 25.02.2019 Auftaktveranstaltung Akteure (Multiplikatoren-Workshop) 57 Teilnehmer*innen; Kennenlernen, Leitsätze finden, Themensammlung, Identifizierung der Themen 26.02.2019 Auftakttreffen der Lenkungsgruppe Abstimmung der aktuellen und geplanten Aktivtäten, Austausch über Schnittstellen 04.03.2019 Vernetzungstreffen mit der Diakonie Karlsruhe Koordinierung des Quartiersprojekts der Diakonie mit dem STEK Oberreut 18.03.2019 1. Treffen der Steuerungsgruppe Konzeption und Planung des „Markt der Interessen“ am 08.04.2019 03 - 08 2019 SWOT-Analyse Systematische Informationssammlung und Analyse städtebaulicher und sozialer Aspekte entlang der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken von 8 Themenfeldern 25.03. - 31.12.2019 Online-Beteiligung über das städtische Beteiligungsportal 105 Einträge von 17 Identitäten, davon 39 Stärken und 66 Defizite 04 - 06 2019 Aktivierende Befragung im Stadtteil (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) 82 Kurz-Interviews 08.04.2019 „Marktplatz der Interessen“ (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) Erweiterter Teilnehmer*innen-Kreis (einschl. Kinder/Jugendliche) Findung von Interessensgruppen 18 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 19 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 17 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 17. August 2021 16.05.2019 Interessensworkshop #1 (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) „Treffpunkt für Jugendliche“ 16.05.2019 Interessensworkshop #2 (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) „Angebote für Kinder und Jugendliche“ 03.06.2019 Interessensworkshop #3 „Sport- und Freizeitangebote“ 04.06.2019 Interessensworkshop #4 „Image, Wohnungsbau und Nachbarschaft“ 06.06.2019 Interner Treff mit der Stadtteilgruppe Kultur Erstes Treffen der Oberreuter Kulturakteur*innen auf Initiative der Bunten Stadt 24.06.2019 Interessensworkshop #5 „Ökologisches und verkehrsarmes Oberreut“ 24.06.2019 Interessensworkshop #6 „Nahversorgung – Einkaufen, Gastronomie, Ärztehaus“ 25.06.2019 2. LenkungsgruppeStärken, Schwächen, Chance, Risiken für Oberreut (SWOT-Analyse), Bericht über aktuellen Stand und Aktivitäten 26.06.2019 Interessensworkshop #7 (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) „Vorzeigestadtteil - soziale Entwicklung, Bildung und Kulturangebot“ 06/07 2019 Qualifizierte Interviews Expert*innen-Gespräche, Leitfaden-Interviews mit professionellen Akteuren aus dem Stadtteil 08.07.2019 Interessensworkshop #8 (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) „Generationsübergreifendes Miteinander – Begegnungsräume - Senioren“ 09.07.20.19 2. Treffen der Steuerungsgruppe Vernetzung städtischer Stellen, aktueller Status, Fördermöglichkeiten, Anpassungsplanung 22.07.2019 Öffentliche Veranstaltung „Was passiert eigentlich in Oberreut?“ Vorstellung der Analyseergebnisse und Konzeptideen im Rahmen des Studienprojekts der Hochschule für Technik, Stuttgart Prozessabschnitt II – Neuausrichtung des Beteiligungsansatzes (September/Oktober 2019) Nachdem sich im Sommer 2019 abzeichnete, dass die bisherige Vorgehensweise nur sehr wenige Menschen im Stadtteil aktivieren konnte, wurde das Vorgehen angepasst mit dem Ziel mehr Bürger*innen zu motivieren sich einzubringen. Die aufsuchende Beteiligung wurde intensiviert, mehr Präsenz und Werbung im Stadtteil (Elterncafé, Seniorentreff AWO, Wochenmarkt, Kinderfest, Tag der offenen Tür „Villa Regenbogen“ und dem Gemeindefest) gezeigt und die Menschen direkt angesprochen. Als zentrale Veranstaltung dieser Phase fand im Oktober 2019 das Stadtteilforum „Oberreut gemeinsam gestalten“ mit Projektschmiede und Stadtteilspaziergängen zu den Themen Radverkehr, Sicherheit und Spielflächenentwicklung statt. Auf dem Stadtteilforum wurden die 20 Projektansätze als Ergebnisse aus den Interessensworkshops vorgestellt. Prozessabschnitt II – Neuausrichtung des Beteiligungsansatzes (September/Oktober 2019) Nachdem sich im Sommer 2019 abzeichnete, dass die bisherige Vorgehensweise nur sehr wenige Menschen im Stadtteil aktivieren konnte, wurde das Vorgehen angepasst mit dem Ziel mehr Bür - ger*innen zu motivieren sich einzubringen. Die aufsuchende Beteiligung wurde intensiviert, mehr Präsenz und Werbung im Stadtteil (Elternca - fé, Seniorentreff AWO, Wochenmarkt, Kinderfest, Tag der offenen Tür „Villa Regenbogen“ und dem Gemeindefest) gezeigt und die Menschen direkt angesprochen. Als zentrale Veranstaltung dieser Phase fand im Oktober 2019 das Stadtteilforum „Oberreut ge - meinsam gestalten“ mit Projektschmiede und Stadtteilspaziergängen zu den Themen Radver - kehr, Sicherheit und Spielflächenentwicklung statt. Auf dem Stadtteilforum wurden die 20 Projektan - sätze als Ergebnisse aus den Interessensworkshops vorgestellt. Außerdem wurde innerhalb dieses Projektab - schnitts der Interessengemeinschaft Oberreut (IGO) das Karlsruher Audit-Konzept für urbane Sicherheit 2018 für Oberreut durch Professor Dr. Dieter Hermann von der Universität Heidelberg vorgestellt. Die Grundlage für das Audit-Konzept bildete der 4. Sachstandsbericht der Stadt Karlsru - he zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung 2018. 18 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 19 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 18 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 17. August 2021 DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 16.09. - 07.10.2019 Elterncafé, Seniorentreff AWO, Wochenmarkt, Präsenz, Interviews und Werbung 17.09.2019 Sitzung der IGO Vorstellung der Ergebnisse des Karlsruher Audit- Konzepts für urbane Sicherheit 2018 für Oberreut 21.09.2019 Kinderfest Oberreut Präsenz, Interviews und Werbung 26.09.2019 Runder Tisch „Soziales Oberreut“ Austauschformat mit Akteur*innen aus sozialen Bereichen, die vor Ort aktiv sind und selber mit den Menschen in Oberreut arbeiten, sowie Vertreter*innen von sozialen Trägern und der Arbeitsagentur 28.09.2019 Tag der offenen Tür Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbogen“ Präsenz, Interviews und Werbung 06.10.2019 Gemeindefest Präsenz, Interviews und Werbung 12.10.2019 Stadtteilforum „Oberreut gemeinsam gestalten“ (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) Markt der Möglichkeit, Projektschmiede, Stadtteilspaziergänge zu den Themen Radverkehr, Sicherheit und Spielflächenentwicklung Prozessabschnitt III – Projektbasierte Bearbeitung (November 2019 – Februar 2021) Im Rahmen des Stadtteilforums wurden zu den Themenfeldern konkrete Handlungsansätze entwickelt. Diese wurden ausgehend von einem Projektgruppentreffen in selbständigen Projektgruppen durch engagierte Bürger*innen und Akteur*innen weiterbearbeitet. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnten ab April 2020 die Treffen und Veranstaltungen ausschließlich in digitaler Form stattfinden, was den Prozess erheblich verlangsamte. Deswegen wurde seitens der Stadt Karlsruhe entschieden, den Prozess um sieben Monate bis Ende Juli 2021 zu verlängern. DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 06.11.2019 1. Projektgruppentreffen Ca. 40 Teilnehmer*innen; Bildung von 11 Projektgruppen (siehe Kapitel 4.1) 07.01.2020 Treffen mit dem Vorstand des Bürgervereins Austausch zur Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Bürgerverein und städtischer Verwaltung im Rahmen des STEK-Prozesses 05.02.2020 Begehung Sauberkeit Verlängerung der Öffnungszeiten der Wertstoffstation, gegebenenfalls Erweiterung für Flachglasentsorgung, Überprüfung der Umsetzung der Mülleimer am Rondell im Zentrum, Probleme mit der Müllverpressung, bessere zeitliche Anpassung an die Abfallentsorgung des Abfallamts, Aufbau einer Quartiersreinigung der öffentlichen Grünflächen durch AfA 18.02.2020 2. Treffen der Projektgruppen ca. 27 Teilnehmer*innen; Überdachter Treffpunkt für Jugendliche, Gemeinschaftsgarten, Sportangebote, Online-Plattform, Bücherschrank, Café im Zentrum, Stadtteilgruppe Kultur, Blühende Baumscheibe, Nachbarschaftshilfe, Mittagstisch, Food-Sharing Prozessabschnitt III – Projektbasierte Bearbei- tung (November 2019 – Februar 2021) Im Rahmen des Stadtteilforums wurden zu den Themenfeldern konkrete Handlungsansätze entwi - ckelt. Diese wurden ausgehend von einem Projekt- gruppentreffen in selbständigen Projektgruppen durch engagierte Bürger*innen und Akteur*innen weiterbearbeitet. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Zusam - menhang mit der Corona-Pandemie konnten ab April 2020 die Treffen und Veranstaltungen aus - schließlich in digitaler Form stattfinden, was den Prozess erheblich verlangsamte. Deswegen wur - de seitens der Stadt Karlsruhe entschieden, den Prozess um sieben Monate bis Ende Juli 2021 zu verlängern. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 18 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 17. August 2021 DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 16.09. - 07.10.2019 Elterncafé, Seniorentreff AWO, Wochenmarkt, Präsenz, Interviews und Werbung 17.09.2019 Sitzung der IGO Vorstellung der Ergebnisse des Karlsruher Audit- Konzepts für urbane Sicherheit 2018 für Oberreut 21.09.2019 Kinderfest Oberreut Präsenz, Interviews und Werbung 26.09.2019 Runder Tisch „Soziales Oberreut“ Austauschformat mit Akteur*innen aus sozialen Bereichen, die vor Ort aktiv sind und selber mit den Menschen in Oberreut arbeiten, sowie Vertreter*innen von sozialen Trägern und der Arbeitsagentur 28.09.2019 Tag der offenen Tür Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbogen“ Präsenz, Interviews und Werbung 06.10.2019 Gemeindefest Präsenz, Interviews und Werbung 12.10.2019 Stadtteilforum „Oberreut gemeinsam gestalten“ (als Teil des Förderprogramms Nachbarschaftsgespräche) Markt der Möglichkeit, Projektschmiede, Stadtteilspaziergänge zu den Themen Radverkehr, Sicherheit und Spielflächenentwicklung Prozessabschnitt III – Projektbasierte Bearbeitung (November 2019 – Februar 2021) Im Rahmen des Stadtteilforums wurden zu den Themenfeldern konkrete Handlungsansätze entwickelt. Diese wurden ausgehend von einem Projektgruppentreffen in selbständigen Projektgruppen durch engagierte Bürger*innen und Akteur*innen weiterbearbeitet. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnten ab April 2020 die Treffen und Veranstaltungen ausschließlich in digitaler Form stattfinden, was den Prozess erheblich verlangsamte. Deswegen wurde seitens der Stadt Karlsruhe entschieden, den Prozess um sieben Monate bis Ende Juli 2021 zu verlängern. DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 06.11.2019 1. Projektgruppentreffen Ca. 40 Teilnehmer*innen; Bildung von 11 Projektgruppen (siehe Kapitel 4.1) 07.01.2020 Treffen mit dem Vorstand des Bürgervereins Austausch zur Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Bürgerverein und städtischer Verwaltung im Rahmen des STEK-Prozesses 05.02.2020 Begehung Sauberkeit Verlängerung der Öffnungszeiten der Wertstoffstation, gegebenenfalls Erweiterung für Flachglasentsorgung, Überprüfung der Umsetzung der Mülleimer am Rondell im Zentrum, Probleme mit der Müllverpressung, bessere zeitliche Anpassung an die Abfallentsorgung des Abfallamts, Aufbau einer Quartiersreinigung der öffentlichen Grünflächen durch AfA 18.02.2020 2. Treffen der Projektgruppen ca. 27 Teilnehmer*innen; Überdachter Treffpunkt für Jugendliche, Gemeinschaftsgarten, Sportangebote, Online-Plattform, Bücherschrank, Café im Zentrum, Stadtteilgruppe Kultur, Blühende Baumscheibe, Nachbarschaftshilfe, Mittagstisch, Food-Sharing Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 19 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 02. August 2021 02.03.2020 Runder Tisch zum Thema Ärzteversorgung Vernetzungstreffen mit Akteur*innen (unter anderem Kinderärzte und Hausärzte) 03.03.2020 Begehung Sportanlage Öffentliche Nutzungsmöglichkeiten der Sportanlage der Anne-Frank-Schule 13.03.2020 Begehung Radwege Konkrete Verbesserungsvorschläge für die Radwegeinfrastruktur in Oberreut 25.05.2020 3. Treffen der Projektgruppen (online) 11 Teilnehmer*innen; Stand der Projekte, Austausch 16.06.2020 3. Treffen der Steuerungsgruppe neue Projektleitung, Gartenbauamt Projekt, Aufwertung Oberreut-Zentrum 23.06.2020 4. Treffen der Projektgruppen (online) 9 Teilnehmer*innen; Stand der Projekte, Austausch Juli 2020 Begehung Bolzplatz Besichtigung des Bolzplatzes Albert-Braun-Straße mit Jugendlichen und dem Gartenbauamt 09.07.2020 Quartierstreffen Soziales und Kultur Kirchen, Quartiersmanagement, Sozial- und Jugendbehörde, Kulturamt und Amt für Stadtentwicklung, Prozessbegleitung; Aktueller Stand, Prozessreflexion, zukünftige Kooperationen und Schwerpunktthemen 19.10.2020 Vorstellung Spielplatzkonzept Oberreut (digitale Veranstaltung) Vorstellung der Spielplatzkonzeption des Gartenbauamtes mit Informationen darüber, welche Spielplätze wann in Oberreut für eine Sanierung/Verbesserung vorgesehen sind 06.11.2020 4. Treffen der Steuerungsgruppe (online) Übersicht, Pläne, Berichte zu Projektgruppen 18.11.2020 Akteurs-Workshop Image mit KME Absage mangels Interesses bei den Akteuer*innen 14.01.2021 5. Treffen der Steuerungsgruppe (online) Pläne und Vorhaben der einzelnen Ämter im STEK Oberreut, sozial-kulturelles Zentrum, Termine 17.01.2021 Treffen von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen Entwicklung/Beförderung weiterer Perspektiven des STEKs 19.01.2021 1. Akteurstreffen „Kulturelles Zentrum“ Bündelung von Angeboten im Bereich Soziales, Kunst- und Kultur; Aufbau eines sozial-kulturellen Zentrums unter dem Dach des Ökumenisches Gemeindezentrum (ÖGZ) 16.02.2021 AkteursumfrageAbschließende Umfrage/Einladung zur Prozessbetrachtung der am Prozess beteiligten Akteur*innen und engagierten Bürger*innen 18.02.2021 2. Akteurstreffen „sozial- kulturelles Zentrum“ Weiterentwicklung der Projektidee „sozial-kulturelles Zentrum“, im Fokus stand die Zielsetzung und Fördermöglichkeiten 23.02.2021 3. Treffen der Lenkungsgruppe (online) Arbeitsverhältnis, Definition der künftigen Aufgabenfelder und Weiterverfolgung der Maßnahmen über den Prozess hinaus, Gliederung des STEK-Berichts 20 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 21 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 20 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 21 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Prozessabschnitt IV - Zusammenführung und Abschluss (Frühjahr/Sommer 2021) Die finale Phase dient einerseits dem Zusammen- führen der Erkenntnisse aus dem Stadtteilentwick- lungsprozess in Berichtsform und andererseits der Verstetigung des Engagements durch die Weiter - führung von stadtteilprägenden Projekten vor Ort. Der Bericht wird dem Gemeinderat zur Verabschie - dung vorgelegt. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 20 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 02. August 2021 Prozessabschnitt IV - Zusammenführung und Abschluss (Frühjahr/Sommer 2021) Die finale Phase dient einerseits dem Zusammenführen der Erkenntnisse aus dem Stadtteilentwicklungsprozess in Berichtsform und andererseits der Verstetigung des Engagements durch die Weiterführung von stadtteilprägenden Projekten vor Ort. Der Bericht wird dem Gemeinderat zur Verabschiedung vorgelegt. DATUM FORMAT ERLÄUTERUNG/SCHWERPUNKTE 14.4.2021 6. Treffen der Steuerungsgruppe Aktuelle Entwicklungen, Prozessstatus und Prozessreflexion 05 2021 Fertigstellung STEK Abgabe und interner Abstimmungsprozess 14.09.2021 21.09.2021 Stadtteilentwicklungs- konzept in den Gremien Vorstellung des STEK im Hauptausschuss Verabschiedung des STEK im Gemeinderat 10 2021 Stadtteilforum Abschlussveranstaltung und Willkommensfest für neu hinzugezogene Bürger*innen 22 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 23 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Ursprüngliches Prozessschema zum Prozessbeginn Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 21 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 02. August 2021 Ursprüngliches Prozessschema zum Prozessbeginn Zeit Begleitende Aktivitäten Beteiligung Förde- rung Bestandsanalyse, Auswertung, Entwicklung vorbereitend Schnittstellen Hauptaktivität 1. Q 2019 Auftrags- klärung Abstimmung AT LG Online- Themen- sammlung Antrag Allianz f. Beteilig. Daten sammeln Akteursanalyse Öffentlichkeitsarbeit AN Aktivierende efragung Akteure einbinden, Prozessabstimmung, Analyse Interessensgruppen, lokale Netzwerke Analyse: Daten, Pläne, Konzepte, Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken Themenfelder 2. Q 2019 AT Online-Bürgerbefragung Identifikationen + Ansprache Schlüssel- personen Erstgespräche, Vertrauensaufbau, motivieren, zuhören Nachbarschaftsgespräche 3. Q 2019 AN LG SWOT-Analyse erstellen AT aufsuchende Workshops mit 6-8 Interessens- gruppen, Bedarfe, Ideen, Vorstellungen GR Präsentation SWOT-Analyse Ergänzung Themenfelder durch Gruppenbeiträge, Onlinebefragung 4. Q 2019 AN AT öffentliche Großveranstaltung 1 Zusammenführung verschiedener Interessen zu übergreifenden gemeinsamen Themen 1. Q 2020 AT LG öffentliche Großveranstaltung 2 themenbezogen Ziele und Maßnahmen, Entwicklung Zukunftsbildern Quartiersimpulse Ergänzung STEK um Ziele, Strategien und Maßnahmen 2. Q 2020 AN AT Strategie Workshops Maßnahmen Umsetzungsprojekte LG 3. Q 2020 AT öffentliche große Abschlussveranstaltung STEK Fertigstellung STEK AT Tragfähiges STEK mit Maßnahmen Zeitschiene 4. Q 2020 GR Ergebnispräsentation & Beschlussvorlage AN Akteursnetzwerk, AT Austauschgruppe, GR Gemeinderat & Ausschüsse, LG Lenkungsgruppe 22 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 23 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 3.5 Vorstellung ausgewählter Formate Aktivierende Befragung im Stadtteil In einer offenen und motivierenden Form wurden Menschen an besonders frequentierten Orten an - gesprochen. Dabei wurde darauf geachtet mög- lichst viele verschiedene Altersgruppen, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen. Gefragt wurden die Interviewten unter anderem, ob sie im Stadtteil wohnen und wenn ja, wie lange, was ihnen am Stadtteil gefällt, beziehungsweise was sie stört und welche Verbesserungsvorschläge sie haben. Sie wurden zudem auf die angebotenen Veranstaltungen und Mitmachmöglichkeiten hin - gewiesen. Qualitative Interviewbefragung (Expert*innen-Gespräche) Im Sommer 2019 wurden mit Vertreter*innen von Trägern/Institutionen, die im Stadtteil tätig sind, strukturierte Interviews geführt. Die insgesamt sie - ben Interviewpartner*innen wurden zu folgenden Themen befragt: Ihre Angebote im Stadtteil, Unter - stützungsbedarf für die eigene Arbeit, Kooperation mit bürgerschaftlichem Engagement, Einschätzun - gen zum Stadtteil, Ziele für die nächsten drei Jahre sowie den Erwartungen an den STEK-Prozess. Diese strukturierten Interviews mit „Multiplika - tor*innen" hatten zwei wesentliche Funktionen: 1. Multiplikator*innen in die aktivierende Befra - gung einzubinden und die Ergebnisse der Befra- gung durch den fachlichen Blickwinkel der Befrag- ten anzureichern. 2. Kooperationsmöglichkeiten in Bezug auf die ak - tivierende Befragung und weiterführende Projekte auszuloten und eventuell notwendigen Unterstüt - zungsbedarf in den verschiedenen Themenfeldern zu identifizieren. Überblick über die durchgeführten Interviews: • 31.05.19: Volkswohnung • 03.06.19: Diakonie • 21.06.19: Arbeiterwohlfahrt (AWO) • 22.07.19: Anne-Frank-Schule • 23.07.19: Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“ • 23.07.19: SPD-Fraktion • 05.08.19: Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbogen“ (KiFaz) SWOT-Analyse In Kooperation mit dem Masterstudiengang Stadt- planung (Hochschule für Technik, Stuttgart) sind systematisch städtebauliche und soziale Themen recherchiert und aufbereitet worden. Diese umfas - sende Informationssammlung ist in acht Themen- bereiche untergliedert. Die wichtigen und wegweisenden Aussagen wurden in einer zusammenfassenden Analyse von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) zusammengeführt sowie re - sultierende Empfehlungen ausgearbeitet. Die SWOT-Analyse wurde mit der Lenkungsgruppe rückgekoppelt und im Juli 2019 dem Gemeinderat vorgestellt. Begleitendes Studienprojekt der HFT Im Rahmen eines Studienprojektes haben sich Studierende der Stadtplanung (Hochschule für Technik, Stuttgart) nach der SWOT-Analyse in Arbeitsgruppen mit den Entwicklungsmöglichkei - ten für Oberreut beschäftigt. Dabei sind vielfältige Ideen für den Stadtteil entstanden. Die Ergebnisse wurden am 22. Juli 2019 im Jugend- und Gemein - schaftszentrum „Weißen Rose“ vorgestellt und mit interessierten Bürger*innen diskutiert. Online-Befragung Parallel startete Ende März 2019 eine den Analyse- und Beteiligungsprozess flankierende Online-Be - fragung über das städtische Beteiligungsportal Meine Stadt Karlsruhe. Auf der Plattform konnten Anwender*innen Stärken und Schwächen räum - lich verorten, sowie mittels Kommentarmöglich- keit diese Eindrücke erläutern. Ämterabfragen Zur Vorbereitung der Lenkungsgruppensitzungen fanden zweimalig „Ämterabfragen“ zu aktuellen städtischen Vorhaben in Oberreut statt. Die jewei - lige Auswertung der Ergebnisse war Grundlage für die weitere Arbeit der Lenkungsgruppe. An den Ab - fragen nahmen die Mitglieder der Lenkungsgruppe teil (siehe Kapitel 3.2, Unterpunkt „Lenkungsgruppe“) Auftaktveranstaltung der Akteure Die Veranstaltung fand am 25.02.2019 mit 57 Ak- teuren (darunter 11 Jugendliche) aus Bürgerschaft, Institutionen, Verwaltung und Politik, die in Ober - reut aktiv sind, statt. Dadurch sollten Akteur*innen im Stadtteil motiviert werden, sich aktiv in den Prozess einzubringen. Entlang der Methode Fo - kusfinder® wurden fünf gemeinsam Leitsätze für das Projekt in Oberreut definiert. Mit einer Schwä - chen-Stärken-Ideen-Analyse wurden 12 Themen- felder identifiziert. „Markt der Interessen“ Der „Markt der Interessen“ am 08.04.2019 war eine öffentliche Veranstaltung. Es nahmen 63 Bür - ger*innen und Akteur*innen aus der Bürgerschaft, Institutionen, Verwaltung und Politik teil, die in Oberreut engagiert oder aktiv sind. Die Veranstaltung hatte folgende Ziele: Themen- schwerpunkte für Interessensworkshops und Nachbarschaftsgespräche finden, für eine Mitar - beit an den Nachbarschaftsgesprächen motivieren und durch ein bewusst niederschwelliges Ange - bot möglichst viele Bürger*innen aus Oberreut zu erreichen. In 14 interessensbasierten Kleingruppen wurden Zukunftsbilder erstellt. In einem weiteren Schritt wurden die Themenfelder aus der Auftakt - veranstaltung angereichert und fokussiert. Sie bildeten die inhaltliche Grundlage für die anschlie - ßenden Interessensworkshops in Oberreut. Interessensworkshops Unter dem Motto „Gemeinsam handeln für das Oberreut von morgen“ wurden die beim „Markt der Interessen“ identifizierten Themen in acht Interes - sensworkshops zwischen 16. Mai und 8. Juli 2019 bearbeitet. • Treffpunkt für Jugendliche • Angebote für Kinder und Jugendliche • Sport- und Freizeitangebote • Image, Wohnungsbau und Nachbarschaft • Ökologisches und verkehrsarmes Oberreut • Nahversorgung – Einkaufen, Gastronomie, Ärztehaus • Vorzeigestadtteil – soziale Entwicklung – Bildung – Kulturangebote • Generationsübergreifendes Miteinander – Begegnungsräume 24 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 25 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Bürgerprojekte Ergebnisse der Interessensworkshops 24 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 25 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Aufsuchende Beteiligung Im Rahmen von öffentlichen Ereignissen (Kin- derfest, Tag der offenen Tür, Gemeindefest, ...) wurden die Besucher*innen mit unterschiedlichen Materialien auf das Projekt aufmerksam gemacht, informiert und aktiv angesprochen. Insbesondere erfolgte die Ansprache durch große Informations - würfel mit den aufgedruckten Themenschwer- punkten, Bodenplakaten und Luftaufnahmen des Stadtteils. Für die Ansprache wurde das Motto „Wer sich des Lebens freut, wohnt in Oberreut“ entwickelt. Die Besucher*innen hatten die Möglich - keit Interessen, Anliegen und Bedarfe mündlich und schriftlich einzubringen. Koordinationstreffen der Projektgruppen Auf den vier Koordinationstreffen hatten die selbstständigen Projektgruppen die Möglichkeit ihre Projektarbeit vorzustellen und sich mit ande - ren engagierten Bürger*innen und Akteur*innen auszutauschen. Dieser Austausch war oft sehr wertvoll für die weitere Entwicklung der Projek - te und unterstützte sehr gut die Vernetzung im Stadtteil. In vielen Punkten konnte ein gemeinsa - mes Verständnis erzeugt werden. Begehungen Es fanden zu mehreren Themenschwerpunkten öffentliche Begehungen vor Ort statt (Spielflä - chen, Radwege, Bolzplatz, Sportflächen, Sauber- keit, Sicherheit). Sie ermöglichten einen direkten Austausch zwischen engagierten Bürger*innen, Akteur*innen vor Ort und den zuständigen Fach - leuten aus der Verwaltung. So konnte ein gemein- sames Verständnis zu den unterschiedlichen Problemlagen erzeugt und an vielen Stellen direkte Lösungen entwickelt werden. Die Begehungen waren ein wichtiges Signal an Akteur*innen und Bürger*innen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und auch die Stadt an Lösungen interes - siert ist. Akteurs-Workshops 2020 und 2021 wurden zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen beteiligte Akteur*innen aus Verwaltung, Trägern, Institutionen und Bürger - schaft zu Workshops eingeladen (Spielflächenkon- zeption, Ärzteversorgung, soziale Situation, Image, sozial-kulturelles-Zentrum). Neben der Entwick - lung von Lösungen führten diese Treffen zu einer intensiven Vernetzung der Beteiligten. Dies wirkt sich nachhaltig positiv auf die Zusammenarbeit zwischen den Akteur*innen aus. Im Rahmen dieser acht Interessensworkshops wurden 24 Projektideen entwickelt: 24 Projektideen • Überdachter Treffpunkt für Jugendliche • Gemeinschaftsgarten für alle • Mehr Flexibilität der „Weißen Rose“ • Grünstreifen erblühen lassen • Überarbeitung der Spielplätze • Begrünung von Betonwänden (Zentrum) • Bücherschrank aufstellen • Streuobstwiese • Café oder Eisdiele im Zentrum • Offener Mittagstisch • Offene Treffpunkte für alle • Food-Sharing oder Tafelladen • frei zugängliche Sportanlagen • Bildungsinitiative Umwelt, Politik, • Grillplatz Gesellschaft, Kultur • Beratung-Betreuung-Pflege • Kulturinitiative • Treffpunkte im Freien • Internationales Dinner • Wohnbaugenossenschaft & Wohneigentum • Barrieren beseitigen • Generationsübergreifendes Sportfest und • Nachbarschaftshilfe gründen & aufbauen Sportnacht • Nachbarschaftsfeste und Straßenpicknicke Aufsuchende Beteiligung 26 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 27 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Kinderfest 21.09.2020 Kinderfest 21.09.2020 Kinderfest 21.09.2020 26 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 27 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Mit dem Einstieg in den Stadtteilentwicklungspro- zess wurde das Versprechen formuliert, zwei Jahre zusammen zu arbeiten und dabei Themen zu identifizieren, Ziele zu vereinbaren, Maßnahmen zu entwickeln und zu starten sowie Netzwerke aus- und aufzubauen (siehe Kapitel 3 „Der Beteili - gungsprozess“). Es sollten Grundlagen geschaffen werden für Veränderungen im Stadtteil bis 2030, wie etwa in den Bereichen soziales Miteinander, Wohnen, öffentliche Räume und Infrastruktur. Mit dem Ende des Beteiligungsprozesses ist der Zeitpunkt gekommen Bilanz zu ziehen: Was wurde erreicht? Was nicht? Was könnte weiterhin getan werden? Hierüber will dieses Kapitel Auskunft geben. Den Beginn machen die von den teilneh - menden Bürger*innen vorangetriebenen Projekte. Anschließend werden vier zentrale Handlungs - schwerpunkte für die Weiterentwicklung von Oberreut dargestellt. Den Abschluss bildet der Blick auf die Aktivitäten der Ämter im Rahmen des Prozesses zum Stadtteilentwicklungskonzept (STEK) und was in diesem Zuge entstanden bezie - hungsweise in Vorbereitung ist. 28 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 29 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 4 Bilanz: Ergebnisse, Handlungsfelder und Verantwortlichkeiten O-Töne aus Oberreut In den letzten beiden Kapiteln werden Menschen zu Wort kommen, die Oberreut eng verbunden sind – die Bewohner*innen und Akteur*innen unmittelbar vor Ort wie auch diejenigen, die von außerhalb die Entwicklung Oberreuts mitgestalten und begleiten. Zur Auswertung des Prozesses wurden alle Akteur*innen angeschrieben und nach ihren bleibenden Erinnerungen an den Prozess und ihren Er - kenntnissen gefragt. Was sind die Lehren aus dem Beteiligungsprozess, die persönliche Einschätzung der weiteren Entwicklung, die Ziele und Perspektiven für Oberreut, was sind konkrete Wünsche? Diese Stimmen aus Oberreut beinhalten Beiträge von Neubürger*innen, langjährigen Bewohner*innen, Leitungen von Einrichtungen im Stadtteil wie auch von sozialen Trägern, Vertreter*innen von Kirchen, Unternehmen, dem Elternbeirat der Schule sowie des Polizeipostens Oberreut. Die gesammelten Perspektiven können zum Ende des Stadtteilentwicklungskonzeptes Wertschätzung sowie Lust auf weiteres Engagement für Oberreut vermitteln. Von allen eingegangenen Rückmeldungen wird eine Auswahl in den Bericht eingestreut. 4.1 Handlungsebene Bürgerprojekte „Da sind mir viele gute Momente in Erinnerung. Die Studenten, die ihre Pläne für den Stadtteil vor - gestellt hatten, die Treffen, die die Bedürfnisse der Bürger*innen sammelten und auch mit Ideen und Vorstellungen bereicherten. Das Bemühen auch unter Corona Bedingungen am Ball zu bleiben, inklusive einer Videokonferenz, die hervorragend geleitet wurde und die trotz der Einschränkungen sich durch eine gute Gesprächskultur und Akzep - tanz untereinander auszeichnete.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Zu Beginn des Prozesses wurden mit beteiligten Akteur*innen acht Themenfelder identifiziert und in den Interessensworkshops weiterbearbeitet. Ih - ren Ursprung fanden die Bürgerprojekte in diesen acht Interessensworkshops, bei denen durch die teilnehmende Bürgerschaft insgesamt 20 Projek - tideen entwickelt wurden, von einer Eisdiele oder einem Café im Zentrum über die Nachbarschafts - hilfe bis zur Bildungsinitiative Umwelt, Politik, Gesellschaft. Hierzu gründeten sich zu Beginn elf Projektgruppen, die sich mehrfach trafen und ihre Projekte ausdifferenzierten und mit unterschied - lichem Erfolg vorantrieben (siehe auch Kapitel 3.4, Abschnitt Prozessabschnitt III). Deren Arbeit wird im Folgenden kurz skizziert: 1. “Überdachter Treffpunkt für Jugendliche“ Gemeinsam mit dem Gartenbauamt wurde ein zu- sätzlicher Standort gefunden und die Ausstattung mit den in der Projektgruppe engagierten Jugend - lichen besprochen. Der bestehende aber beschä- digte Unterstand wurde wiederhergestellt. Dieses Projekt wurde Ende 2020 erfolgreich umgesetzt. 2. Bücherschrank Mehre Standorte wurden diskutiert und geprüft. Der aktuelle Standortvorschlag für den Bücher - schrank ist der Eingangsbereich des Edeka-Ein- kaufsmarktes in der „Feldlage“. Die Realisierung hängt an der Frage, wer sich des Projektes an - nimmt um es umzusetzen. Es ist die Finanzierung (ca. 7000,- €), Versicherungsfragen und der Unter - halt zu klären. Hierfür hat sich bis Mai 2021 noch keine Institution oder Personengruppe gefunden. 3. Sportangebote erweitern Die ursprüngliche Idee der Projektgruppe, ein ver- bessertes Sportangebot für die Oberreuter*innen aufzubauen, erweist sich als schwer umsetzbar. Problemfelder sind die fehlenden lokalen Sport - vereinsstrukturen, die notwendige personelle Unterstützung und die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Freiflächen und Hallenkapazitäten. Die Räume der Anne-Frank-Schule sind belegt und Raumkapazitäten in der Realschule aufgrund des Sanierungsbedarfs nicht nutzbar. Im Rahmen des Programms „In Schwung im Alter“ vom Sportkreis Karlsruhe können Mitmachangebote besucht werden. Im Rahmen der Programme „Kooperation Schule und Sportverein“, „Bewegungswelt Karls- ruher KiTA“ und „Soziales Miteinander durch Sport“, fördert das Schul- und Sportamt mehrere Sportangebote in Oberreut. Der Förderung von weiteren Sportangeboten steht das Schul- und Sportamt offen gegenüber. Der Sportplatz der An - ne-Frank-Schule würde vom Schul- und Sportamt nur öffentlich zugänglich gemacht werden, wenn sich eine zivilgesellschaftliche Gruppe/Institution findet, die die Verantwortung für die Sauberkeit des Geländes übernimmt sowie die Öffnung und Schließung der Anlage regelt. Von den Akteur*innen vor Ort wollte niemand die - se Aufgabe übernehmen. Die langfristige Lösung liegt in der baulichen Neuausrichtung der Schule. 4. Gemeinschaftsgärten Diese sollten ursprünglich im öffentlichen Raum verortet sein. Im Verlaufe des Prozesses wurden auch Flächen im Bereich einer Kleingartenanla - ge und auf dem Grundstück der Kita Windrad in Betracht gezogen. Mit dem Gartenbauamt wur - den Möglichkeiten erörtert und mögliche Flächen ausgesucht. Über eine Kooperation mit der Klein - gartenanlage Pulverhausstraße konnte man sich mit dem Verein nicht einigen. Die Kooperation mit der Kita wird weiterverfolgt. Es gilt einige Hürden zu überwinden, wie die Wasserversorgung im öffentlichen Raum, Finanzierungsfragen und die Mobilisierung von Menschen in Pandemiezeiten. Lösungen dafür konnten in der Projektzeit nicht gefunden werden. Das Potenzial/Interesse zur Entwicklung eines solchen Projektes ist durchaus groß. Ohne externe Unterstützung ist es jedoch sehr schwer umzusetzen. 5. Blühende Baumscheiben Es wurde ein Konzept erarbeitet, wie über Nach- barschaftsinitiativen Patenschaften für Baum- scheiben und Grünstreifen übernommen werden können. Eine Zusammenarbeit mit dem Garten - bauamt ist notwendig und wird gewünscht. Es gibt einen konkreten Vorschlag zur Umsetzung an der Ecke Kapellenweg/Friedrich-Weick-Straße; die An - tragstellung liegt beim Gartenbauamt. Die Arbeit an der Idee wurde schließlich eingestellt, da es unter den erschwerten Kommunikationsbedingun - gen der Pandemie nicht gelungen ist, genügend engagierte Bewohner*innen für das Projekt zu ge - winnen. Interessierte Bürger*innen können sich je- doch zukünftig zur Übernahme einer Baum- oder Beetpatenschaft an das Gartenbauamt wenden. 28 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 29 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 6. Offener Mittagstisch Die Pandemie stoppte alle Überlegungen zu diesem Thema im Ansatz. Nur theoretische Überlegungen anzustellen ohne praktische Um - setzbarkeit entsprach nicht der Motivation der Beteiligten. Es besteht durchaus die Chance nach der Pandemie hierfür Menschen wieder begeistern zu können. Angestrebt wird die Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement, wie auch dem Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ). Auch das Kinder- und Familienzentrum (KiFaz) und die Anne-Frank-Schule sind im Thema „Mittagstisch“ wichtige Partner. 7. Food-Sharing Die Foodsaver- (Food-Sharing oder Tafelladen) Gruppe ist in einer konkreten Maßnahme vor Ort aufgegangen. Das Teilen von Lebensmitteln be - ziehungsweise die Verteilung von Lebensmittel- spenden wurde ausgebaut und erfolgt über drei Lebensmittelkühlschränke im ÖGZ, dem KiFaz und der „Villa Regenbogen“. Übrig gebliebene Mittages - sen in der Anne-Frank-Schule (ca. 20/Tag) können täglich über den lokalen Verteiler zur Verfügung gestellt werden. 8. Nachbarschaftshilfe Trotz grundsätzlich hohen Bedarfen vor Ort und Unterstützung durch Träger engagierten sich in diesem Projekt nur zwei Personen. Große Hoffnung wird auf das Quartiersmanagement gesetzt. 9. Online-Plattform Das Thema Plattform wurde intensiv analysiert und diskutiert. Aus der Abwägung von Aufwand, Nutzungspotenzial und Niederschwelligkeit reifte die Entscheidung ein bestehendes System für die lokalen Zwecke zu nutzen. Vor allem die Aus - tauschplattform „Nebenan.de“ könnte zur Förde- rung der Nachbarschaftsvernetzung dienen. Für die Erzeugung von mehr Aufmerksamkeit wurde die Verwaltung (Amt für Stadtentwicklung, Stadt - planungsamt) gebeten zu prüfen, ob hier Unter- stützung möglich/sinnvoll ist. 10. Café oder Eisdiele im Zentrum als Treffpunkt Gespräche mit dem Stadtplanungsamt, Marktamt, Amt für Stadtentwicklung und Volkswohnung wurden geführt, ohne dass eine konkrete Lösung gefunden werden konnte. Letztlich braucht es ein attraktives Ladenlokal und einen Pächter, der bereit ist hier zu investieren. Beides konnte nicht gefunden werden. Alternativen wie ein Genossen - schaftsladen oder ähnliches wurden nicht disku- tiert. 11. Stadtteilgruppe Kultur Die Gruppe wurde auf Initiative der Pfarrerin im ÖGZ, Frau Lichtner und der Mitarbeiterin des IQ- Leitprojektes „Bunte Stadt“, Frau Settelmeyer gegründet. Sie bündelten die kulturellen Aktivi - täten vor Ort, reicherten sie gezielt mit externen Angeboten aus Karlsruhe an und entwickelten neue Projekte (siehe Kapitel 4.2.1). Hierzu zählt zum Beispiel das Jugendmusical „Jenny aus Ober - reut“, das großen Anklang bei den Jugendlichen vor Ort gefunden hat. Leider hat die Pandemie bisher eine Aufführung verhindert. Ein weiteres Beispiel ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum „Alle nach Oberreut“ im ÖGZ. Diese Aktivitäten zusammen mit dem Impuls aus den Projektgruppentreffen „ein Dach für Oberreut“ führten zu den Überlegungen ein „sozial-kulturel - les Zentrum“ für Oberreut zu gründen. „Es sind viele Erinnerungen! Es ist schön, wenn wir mit Bücherei und „Villa Regenbogen“ gemeinsam mit BVO/IGO bei Wind und Wetter in der Gegend stehen (zum Beispiel beim Flohmarkt, im strömen - den Regen, beim Martinsfest/Weihnachtsmarkt, in Eiseskälte, in der stechenden Sonne beim Kinder - fest), dennoch motiviert dran bleiben - denn es herrscht eine gute Atmosphäre, man spürt Zusam - menhalt - man kennt sich, steht für die gleiche Sache, macht bei etwas Wertvollem mit. Ein gutes Gefühl!“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) 4.2 Handlungsfelder für die Zukunft Führt man die Ergebnisse der verschiedenen Work- shops und Veranstaltungen mit den Aktivitäten der Akteur*innen vor Ort sowie den beschriebenen Bürgerprojekten zusammen, dann kristallisieren sich aus der Sicht der Prozessbegleiter folgende vier querschnittsorientierte Handlungsschwer - punkte für die Zukunft heraus: • Soziales, Kultur und Image Hier fließen die Themen Image, Wohnungsbau und Nachbarschaft, Vorzeigestadtteil, soziale Entwicklung, Bildung, Kulturangebote sowie das generationsübergreifende Miteinander und Begegnungsräume ein. • Beteiligung, Engagement, Strukturen der Zusammenarbeit und Verstetigung Hierunter fallen Vernetzungen, Öffentlichkeits- und Informationsmaßnahmen, Aktivierung und Übernahme von Verantwortung. • Wohnumfeld, Freiraum, Rad und Fußverkehr Hierunter werden die Themen Treffpunkte für Jugendliche, Angebote für Kinder und Jugend- liche, Sport- und Freizeitangebote, Ökologie und Verkehr zusammengefasst, ebenso wie Treffpunkte und Begegnungsmöglichkeiten im Freien. 30 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 31 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. • Versorgung mit dem Schwerpunkt Gesundheit Umfasst neben dem Ärztehaus auch die Themen zur Nahversorgung. Zu den querschnittsorientierten Handlungsfeldern werden im Folgenden Fragestellungen und Her - ausforderungen aufgeführt, die in den verschie- denen Phasen des Prozesses bei Veranstaltungen, Workshops, Akteurstreffen und bei runden Tischen identifiziert und herausgearbeitet werden konnten. Schließlich ist eine Sammlung von Beiträgen zur Umsetzung aufgelistet. 4.2.1 Handlungsfeld „Soziales, Image und Kultur“ Der Stadtteilentwicklungsprozess stand unter dem Fokus „Soziales Oberreut: Zusammenleben und Gemeinschaft“. Als relevant im Sinne der Weiter - entwicklung des Stadtteils hat sich die Beschäfti- gung mit der Vielfalt der Bewohnerschaft, die Frage nach dem Image von Oberreut sowie die Kulturar - beit dargestellt. ZIELE UND STRATEGIE Verbindendes Leitziel • Gutes Zusammenleben in einem lebendigen und aktiven Stadtteil mit eigener Identität. Strategische Ziele • Ausbau, Stärkung und Vernetzung der sozialen Strukturen für Begegnung und Austausch. • Aufwertung des Stadtteils, Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität. • Entfaltung einer vielfältigen Stadtteilkultur. HERAUSFORDERUNGEN Drei Fragestellungen beziehungsweise Herausfor- derungen zeichnen sich ab: Fragestellungen „Soziales“ In Oberreut leben Menschen diverser kultureller Hintergründe mit unterschiedlichen Lebensbedin - gungen und Lebensentwürfen. • Wie können die sozialen Institutionen in Oberreut noch besser auf die Menschen im Stadtteil zugehen, um die Bedürfnislagen und die verschiedenen Lebenslagen exakt zu ermit- teln und zielgerichtet Angebote und Unterstüt- zung bieten zu können? • Wie lässt sich das soziale Zusammenleben in der Nachbarschaft weiter verbessern? • Wie kann Vertrauen unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen gefördert, Ängste und Fremdheit abgebaut, und wie können neu zugezogene Menschen gut integriert werden? • Wie können mehr Begegnungs- und Kulturorte, gruppenübergreifende Treffpunkte und ziel- gruppenspezifische Treffmöglichkeiten, Cafés, Kultur und Gastronomie geschaffen und unterstützt werden? Fragestellungen „Image“ „Ich wünsche mir ein besseres Image nach außen (was der Stadtteil definitiv verdient hat).“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Die Oberreuter*innen sind überwiegend zufrieden mit der Wohnsituation in ihrem Stadtteil. • Wie kann dieses positive Bild über den Stadtteil hinaus nach außen getragen werden? • Wie können die Zufriedenheit und damit auch die Identifikation mit dem Stadtteil weiter verbessert werden? • Wie lässt sich das Sicherheitsempfinden vor Ort verbessern? Fragestellungen und Herausforderungen „Kultur“ In Oberreut existiert ein breites und gut veranker- tes kulturelles Angebot. • Wie lässt sich die kulturelle Vielfalt noch mehr als Chance für die lokale Bewohnerschaft begreifen sowie für die Außendarstellung des Stadtteils nutzen? • Wie kann ein Rahmen für eine lebendige Stadtteilkultur geschaffen werden? • Wie können Kulturprojekte, die die Menschen in Oberreut miteinander verbinden, aus dem Stadtteil heraus gefördert werden? UMSETZUNG Erfolgte Umsetzungen „Soziales“ Die bisher unternommenen Schritte hatten ins- besondere zum Ziel vertrauensbildende Kontakte zwischen den Akteuren untereinander sowie zur (Kommunal-)Politik und den Menschen in der Nachbarschaft herzustellen beziehungsweise zu festigen. • Beim Runden Tisch „Soziales und Kultur“ im Sommer 2019 kamen folgende Institutionen und Ansprechpartner*innen zusammen: Kinder- und Familienzentrum (KiFaz), Ökumenisches Gemeinde- zentrum (ÖGZ), Träger, Kirchen, städtische Stadt- teilkoordination, Quartiersmanagement. Sie ha- ben sich ausgetauscht und vernetzt.Es konnten Synergien erzeugt und eine Grundlage für weitere Zusammenarbeit geschaffen werden. • Stadtspaziergänge mit einer gemeinsamen Besichtigung von Sportanlagen (Bolzplatz, Anne-Frank-Schule, Spielplätze auf dem Schmallen, Basketballplatz bei der alten Imkerei, Spielplatz hinter der Eugen-Geck-Straße 14d/16d). 30 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 31 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Zum Thema Sicherheit wurden verschiedene Wege, Straßen und Schulwege besichtigt. Die Besichtigun - gen führten zu einem deutlich besseren gemeinsa- men Verständnis der Situationen vor Ort bei allen Beteiligten und stellten wichtige Kontakte zwischen Akteuren vor Ort und Zuständigen in der Verwal - tung her. Über die verbesserten Kontakte konnten zu einigen Themen wiederholt konstruktive Gespräche geführt werden, die zu direkten Lösungen geführt haben (zum Beispiel Unterstand für Jugendliche, Spielflächengestaltung, Sicherheit). • Initiativen für Nachbarschafts-Café und Mittags- tisch, um die Nachbarschaftshilfe zu fördern. • Im Rahmen der Interessensworkshops im Früh- jahr 2019 spielte das Thema „Sekundarstufe II für die Anne-Frank-Schule“ eine wichtige Rolle. In der Folge setzten sich die Elternschaft und die Schul - leitung intensiv dafür ein, dass die in Karlsruhe neu einzurichtende Sekundarstufe II nach Ober - reut kommt. Dies ist 2019 nicht gelungen. Für die anstehenden Sanierung der Anne-Frank-Schule wird die Planung 2021 so erstellt, dass eine Erwei - terung um die Sekundarstufe II möglich ist. Aus Sicht der Schulleitung ist diese positive Entwick - lung eindeutig eine Folge des STEK-Prozesses. Erfolgte Umsetzungen „Image“ • Durch den Prozess wurde es möglich das Thema Image öffentlich zu diskutieren. In vielen Veran- staltungen wurde das Thema bearbeitet und be- sprochen. Mit der Zeit entwickelte sich ein diffe - renziertes Bild. Es ist klargeworden, dass die Au- ßenwahrnehmung mit der Innenwahrnehmung nichts übereinstimmt. Es wurde auch deutlich, dass sich mit einer „Imagekampagne“, wie man sie aus der Wirtschaft kennt, wenig ausrichten lässt. Wichtig ist zum einen die Identifikation der Bewohner*innen mit ihrem Stadtteil, zum ande - ren zählt aber auch, was der Stadtteil nach außen ausstrahlt. Diese Ausstrahlung kann durch die Bewohner*innen selbst, wie auch durch lokale Events und „Attraktionen“ beeinflusst werden. • Im Bereich Kultur wurden wichtige Initiativen zum Thema Image ergriffen (siehe unten). Dazu zählen das Musical „Jenny aus Oberreut“ und die Ausstellung „Alle nach Oberreut“. Auch die Entwicklung eines sozial-kulturellen Zentrums kann sich sehr positiv auf das Image des Stadtteils auswirken. • Der Stadtteilentwicklungsprozess Oberreut konnte als Plattform für die Präsentation der Ergebnisse des Karlsruher Audit-Konzepts für urbane Sicherheit 2018 genutzt werden. Aus dem für die Gesamtstadt erstellten Audit-Konzept wurde von Professor Dr. Dieter Hermann (Univer - sität Heidelberg) eine individuelle Betrachtung für Oberreut herausgelöst und den Mitgliedern der In - teressensgemeinschaft Oberreut (IGO) vorgestellt. Hierbei konnten wichtigen Multiplikatoren aus dem Stadtteil deutlich gemacht werden, dass die Sicherheitslage in Oberreut, im Sinne von tatsäch - lich begangenen Straftaten, überhaupt nicht von der Situation in anderen Stadtvierteln abweicht. Dass die Kriminalitätsfurcht in Oberreut dennoch höher ist als in anderen Stadtteilen, liegt nicht an der Anzahl der Straftaten im Stadtteil, sondern an einem negativen Sicherheitsempfinden. Dieses negative Sicherheitsempfinden ist eng mit dem Image und Wahrnehmung des Stadtteils von au - ßen verknüpft. Daher empfiehlt Professor Dr. Hermann im Gutachten für Oberreut vor allem kriminalpräventive Maßnahmen für den Stadtteil. Erfolgte Umsetzungen „Kultur“ • Die auf Initiative des IQ-Leitprojekts „Bunte Stadt“ im Sommer 2019 gebildete „Stadtteilgruppe Kultur“ bringt die Kulturschaffenden aus Oberreut und Institutionen zusammen. Sie hat sich als pro - duktive Kraft etabliert. Die verschiedenen Ange- bote werden besser koordiniert und ergänzt. Mit dem Kulturtreff wurde ein regelmäßiges Angebot etabliert. • Die „Stadtteilgruppe Kultur“ hat zusammen mit Oberreuter*innen das Musical „Jenny aus Ober - reut“ erarbeitet. Aus dem Fördertopf „Partner- schaft für Demokratie“ konnten Gelder für das Musical akquiriert werden. Die Uraufführung war für den 20.-22.11.2020 im ÖGZ geplant, danach sollte eine kleine Tournee stattfinden. Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen im Kul - turbereich liegen aktuell sämtliche Projekte auf Eis (Musical, Tanzgruppen, Chöre). Das Nachholen dieses Projektes ist geplant, sofern es wieder mög - lich ist. Diese Projekte leben von realer Begegnung. • In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Karlsruhe und der Landeszentrale für politische Bildung wurde die Ausstellung „Alle nach Ober - reut“ entwickelt (Stadtmuseum vor Ort). An Hand von persönlichen Lebenserfahrungen unterschied - licher Bewohner*innen aus Oberreut wird die Geschichte des Stadtteils umrissen. Die Themen - felder Image und Migration sind wichtige Schwer- punkte. Die Ausstellung wurde im ersten Halbjahr 2021 im ÖGZ gezeigt und mit einer Vortragsreihe sowie einer Onlinepräsenz begleitet. • Aus diesen Aktivitäten heraus hat sich die Idee eines sozial-kulturellen Zentrums Oberreut entwi - ckelt, das nach und nach mehr Gestalt annimmt (siehe Ende Kapitel 4.2.1., Schlüsselprojekt). FOKUS FÜR WEITERE AKTIVITÄTEN Maßnahmenschwerpunkt „Aufwertung des Stadtteils – Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität“ • Intensivierung der Pflege von Grünanlagen und Spielplätzen, unter anderem durch den Aufbau einer Quartiersreinigung (siehe Handlungsfeld Freiraum- und Spielplatzkonzeption). 32 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 33 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. • Initiative für mehr Sauberkeit durch Optimierung- en hinsichtlich der Öffnung der Wertstoffstation, Verbesserung der Müllverpressung oder der Posi - tionierung der Mülleimer beim Rondell (Abfallent- sorgung). • Erhöhung der Kontrolldichte zur Entschärfung von Konflikten mit Gruppen gewaltbereiter Perso - nen und zum Abbau von Respektlosigkeit (Kom- munaler Ordnungsdienst [KOD]). • Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls sowie Vertrauens in die Mitmenschen und die un - mittelbare Nachbarschaft durch mehr Angebote und Aktivitäten im Stadtteil. • Mehr kulturelle Aktionen wie zum Beispiel eine mobile Bühne (Karlsruhe Marketing und Event GmbH), die im Sommer auf Freiflächen im Quar - tier kleinere Musikevents ermöglicht. • Entwicklung attraktiver Anziehungspunkte für Besucher*innen in Form von Einrichtungen aus dem Bereich Sport und Freizeit, wie beispielsweise ein Abenteuerspielplatz, Biergarten, Pump Track Anlage u. ä. • Förderung und Stärkung des ehrenamtlichen Engagements und Verantwortungsübernahme vor Ort als wichtige Basis für die Realisierung von Maßnahmen sowie deren Instandhaltung und Pflege (zum Beispiel Pump Track Anlage, Bücher - schrank, Baum-Patenschaften). Ideenspeicher für Projekte zu Kultur, Begegnung und Umwelt Die Ideen wurden von den unterschiedlichen Projektgruppen „Bürgerprojekte“ oder auf einem der vier Workshops der Projektgruppentreffen entwickelt. Einige Projektideen im Bereich Kultur und Umwelt wurden über die IQ-Leitprojekte „Bunte Stadt“ und „Grüne Stadt“ initiiert und werden im Falle der Um - setzung auch von dort begleitet. 32 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 33 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 33 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 05. August 2021 Die Ideen wurden von den unterschiedlichen Projektgruppen „Bürgerprojekte“ oder auf einem der vier Workshops der Projektgruppentreffen entwickelt. Einige Projektideen im Bereich Kultur und Umwelt wurden über die IQ-Leitprojekte „Bunte Stadt“ und „Meine Grüne Stadt“ initiiert und werden im Falle der Umsetzung auch von dort begleitet. IDEE RAHMEN/KOOPERATIONSPARTNER Entwicklung von Angeboten Fachtag „Kultur macht stark“ in Kooperation mit Leitprojekt „Bunte Stadt“ und Landeszentrale für Kulturelle Bildung Stuttgart Ausstellung „Alle nach Oberreut“ Im Rahmen der Europäischen Kulturtage, Stadtmuseum Rahmenprogramm “Alle nach Oberreut“ mit Fokus auf Geschichte der Russlanddeutschen Bundeszentrale für politische Bildung/ Leitprojekt „Bunte Stadt“ „Jenny aus Oberreut“ Fachstelle für Demokratie des Stadtjugendausschusses/ Leitprojekt „Bunte Stadt“, Oberreuter Kulturakteure „Tag der Nachbarschaft“ In Kooperation mit der Volkswohnung (ursprünglich geplant für Mai 2020) Projekte mit Jugendlichen Fachstelle für Demokratie des Stadtjugendausschusses Quartierskino Oberreut Kinemathek Karlsruhe/ Leitprojekt „Bunte Stadt“ „Oberreut Deluxe“ Kunstvermittlungsgruppe fort da/ Leitprojekt „Bunte Stadt“ Vermitteln und Begleiten von Umweltbildungsprojekten Umweltamt in Zusammenarbeit mit dem Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“; Förderung durch das Forum für interkulturelle Entwicklung und Bildung (finep), Raumgestaltung mit Bezug zu Umweltthemen in jugendgerechter Ansprache Sonntagsmatinee mit klassischer Musik und Picknick Variante eines „Picknick am laufenden Meter“ im Schmallen Straßenkonzert und gemeinsames Singen In Anlehnung an das gemeinsame Musizieren auf den Balkonen in der Friedrich-Weick-Straße während des Lockdowns Kunst auf Plakatwand oder Straße, auch Graffiti ist denkbar Gestaltung durch Jugendliche /Schüler*innen Treffpunkt zum Austausch: Grillplatz, „gemütlicher Platz“, Brunnen als Identifikationsort Planung von (stadtteilübergreifenden) Festen Quartierssommerfest und Jugendsportfest; Willkommensfest Herbst 2021 Aktionen im Schmallen „Picknick am laufenden Meter“ oder Public Viewing Unterstützung von bürgerschaftlichen Aktivitäten zu Klima, Gesundheit und Natur Ernennung Oberreuts als Energie-Quartier (längerfristiger Zeithorizont) Das FEST-Mobil in Oberreut September 2021, in Kooperation Leitprojekt „Bunte Stadt“, Karlsruhe Mar- keting und Event GmbH, Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“ Literaturtage Karlsruhe, Lesung im ÖGZ 9. Oktober 2021 Kooperation Literaturmuseum/ Leitprojekt „Bunte Stadt“ Schlüsselprojekt „Bündelung der Kooperationen zum Aufbau eines sozial-kulturellen Zentrums“ Die Idee eines sozial-kulturellen Zentrums geht zurück auf ein Projektgruppentreffen, auf dem ge - meinsam über die Frage nachgedacht wurde „Was könnte ein gemeinsames Dach für Oberreut sein?“ Dieser Gedanke wurde im Weiteren vor allem in der „Stadtteilgruppe Kultur“ aufgegriffen und weiterentwickelt. (siehe auch Kapitel 4.1, Punkt 11) Das sozial-kulturelle Zentrum in Oberreut soll als Kristallisationsort für Menschen aller Generatio - nen, Kulturen und gesellschaftlicher Hintergründe dienen und ein breites Spektrum für Beteiligung, Begegnung, Kulturangebote, Aktivitäten und Un - terstützungsleistungen bieten. „Ich wünsche mir eine Unterstützung beim Aufbau des sozial-kulturellen Zentrums - langfristig eine nachhaltige Strategie für bürgerliches Engage - ment.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Die Einrichtung könnte sich als Dach über die zahlreichen bestehenden Aktivitäten im Verbund vom Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Wei - ßer Rose“, Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ), Kinder- und Familienzentrum (KiFaz) und Jugendgarten spannen. Das programmatische Fundament ist bereits vorhanden. So verfügt das Gemeindezentrum in Verbindung mit dem Kinder- und Familienzentrum über einen großen Katalog bestehender Kulturangebote für verschiedene Generationen. Mit dem Aufbau des sozial-kultu - rellen Zentrums sollen die im Stadtviertel bereits vorhandenen Angebote stärker zueinander in Bezug gesetzt und institutionalisiert beziehungs - weise weiterentwickelt werden. Insbesondere soll ein geschlossenes, gemeinsames Auftreten nach außen erreicht werden. Die Entwicklung zu einem zentralen Treffpunkt im Stadtteil wird angestrebt und beinhaltet ein großes Potenzial, um einen nachhaltigen Effekt für Oberreut zu erzielen. In einem ersten Schritt stellt das ÖGZ seine Räume für sozial-kulturelle Angebote und Initiativen zur Verfügung. Die weitere Entwicklung zielt darauf ab Förderungen zu erhalten, um langfristig das sozial- kulturelle Zentrum in eigenen Räumlichkeiten etablieren zu können. 4.2.2 Handlungsfeld „Beteiligung, Strukturen der Zusammenarbeit und Verstetigung“ „Wir möchten weiter Ansprechpartner für die Oberreuter Bürger*innen sein und ein faires Miteinander leben.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Oberreut verfügt über gefestigte und verankerte Stadtteilinstitutionen wie den Bürgerverein, die In - teressensgemeinschaft Oberreut (IGO), den Jugend- garten, das Jugend- und Gemeinschaftszentrum „Weiße Rose“, die Anne-Frank-Gesamtschule, das Ökumenische Gemeindezentrum (ÖGZ) und das Kinder- und Familienzentrum (KiFaz). Im Sommer 2020 wurde ein Quartiersmanagement neu einge - richtet. Die Akteur*innen in diesen Institutionen arbeiten traditionell eng zusammen. ZIELE UND STRATEGIE Verbindendes Leitziel Vertrauensvolle Kooperation zwischen den Betei- ligten (Ämtern der Stadtverwaltung und den Ak- teur*innen und Bürger*innen vor Ort), um Oberreut positiv weiterzuentwickeln. Strategische Ziele • Bürgerschaftliches Engagement würdigen, weiterführen und unterstützen. • Aktivierung von mehr Bewohner*innen sich im Stadtteil einzubringen. • Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung sowie der Akteur*innen vor Ort verstetigen, pflegen und ausbauen. HERAUSFORDERUNGEN Fragestellungen • Wie lassen sich Menschen in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Lebensverhältnissen erreichen und für bürgerschaftliches Engagement gewinnen? • Wie lassen sich Menschen aus unterschied- lichsten Kulturkreisen erreichen und für bürgerschaftliches Engagement gewinnen? • Wie kann die Bürgerschaft ermuntert werden, Verantwortung zu übernehmen (unter anderem für den Erhalt von Anlagen, bei der Müllbeseiti- gung sowie für mehr Sauberkeit generell)? • Wie lassen sich die durch den STEK-Prozess geknüpften Kontakte verfestigen? • Welche Aktionen fördern ein gelingendes Miteinander und die weitere Vernetzung der engagierten Menschen? • Wie kann der durch den Prozess verbesserte Kontakt zwischen Verwaltung/Institutionen und Bürger*innen gehalten werden? 34 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 35 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. • Wie gelingt es die erfolgte Vernetzung der verschiedenen Ämter mit den Bürger*innen auszubauen und zu verstetigen? • Wie lassen sich die Bedarfe der Bevölkerung bei der Umsetzung von Neubauten erkennen? • Wie kann die Zusammenarbeit mit dem Bürger- verein und der Interessensgemeinschaft Oberreut (IGO) verstärkt werden? • Wie können die Beiträge, die im Rahmen des STEK von Bürger*innen erbracht wurden, adäquat gewürdigt werden? • Welche Beteiligungsformate können in Zukunft in Präsenz, und welche können auch digital angeboten werden? • Wie können die Treffpunkte für unterschied- liche Generationen und Interessen langfristig stabilisiert und ausgebaut werden? Wie gelingt die gute Lösungsfindung bei Interessenskonflik - ten (zum Beispiel Erhalt des Jugendgarten im zukünftigen Bebauungsplan)? UMSETZUNG Erfolgte Umsetzung „Stadtteilkoordination“ Seit Juli 2020 gibt es eine Stadtteilkoordinatorin in Oberreut als Ansprechpartnerin für den Stadtteil. Damit ist eine wichtige Grundlage für zukünftige Beteiligungsprojekte geschaffen. Ihre Aufgabe ist es nach Abschluss des STEK-Prozesses die syste - matische Vernetzung der Akteure dauerhaft zu begleiten, ihr Zusammenwirken für den Stadtteil zu stärken und abzustimmen. Insbesondere ihre Brückenfunktion ist geeignet, die Zusammenarbeit von Stadtteil und Verwaltung zu stärken. Maßnahmenschwerpunkt „Stärkung nieder- schwelliger Kommunikationsstrukturen“ „Ich arbeite seit kurzem wieder in der Schule mit, bin bereit mich in Projekte im ÖGZ einbinden zu lassen.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Im Verbund von dem Jugend- und Gemeinschafts- zentrum „Weiße Rose“, Ökumenisches Gemein- dezentrum (ÖGZ), Familienzentrum und Jugend- garten besteht ein breit gefächertes Angebot, an dem auch zahlreiche Bürger*innen beteiligt sind. Mit dem Aufbau des sozial-kulturellen Zentrums (siehe Kapitel 4.2.1) würde ein Rahmen geschaffen, um langfristig Bürgerbeteiligung zu integrieren und weitere Menschen wie auch Gruppen zu akti - vieren beziehungsweise einzubinden. FOKUS FÜR WEITERE AKTIVITÄTEN Maßnahmenschwerpunkt „Weiterführung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements“ „Ich bin nach wie vor in Oberreut in der Kirchen- gemeinde aktiv. Auf Grund meines Alters mehr bei den Senioren. Aber mich ärgert diese Trennung. Wir alle können voneinander profitieren und würden uns vielleicht mehr wertschätzen, wenn wir uns miteinander generationsübergreifend für unseren Ort einbringen würden.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Einige angedachte Projekte, die im Rahmen der Spielflächenkonzeption und dem Ausbau der Sport- und Freizeitangebote angesiedelt sind, bieten sich zur Förderung von bürgerschaftlichem Engagement an. Es sind potenzielle Kooperations - projekte, für die die Stadt Flächen zur Herstellung von Freizeitanlagen zur Verfügung stellt, wenn der Unterhalt vollständig bürgerschaftlich getragen wird. Dies gilt für die Errichtung einer Pump-Track Anlage auf der Fläche der ehemaligen Imkerei, die Öffnung von Sportflächen der Schulen und den Erhalt der Unterstände für Jugendliche. Insbeson - dere der Punkt Sauberkeit und Vandalismus bzw. pfleglicher Umgang mit öffentlichem Inventar steht bei den Sportflächen und den Unterständen im Fokus. Starterprojekt „Nebenan.de“ Förderung der Nachbarschaftsvernetzung durch Teilnahme bei „nebenan.de“, welches durch die Projektgruppe „Online-Plattformen“ angeschoben wurde. 4.2.3 Handlungsfeld „Wohnumfeld, Freiraum, Rad und Fußverkehr“ Oberreut wird von den Bewohner*innen als grüner und relativ ruhiger und kinderfreundlicher Stadt - teil geschätzt. Der Stadtteil verfügt über ein hohes Maß an öffentlichen Freiflächen und bietet durch den umgebenden Wald einen hohen Erholungs - wert für die Bevölkerung. Als problematisch erwei- sen sich die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Hallenkapazitäten für sportliche Aktivitäten. ZIELE UND STRATEGIE Verbindendes Leitziel Oberreut als grüner Stadtteil mit vielfältigen und vernetzten Freizeit- und Freiraumangeboten 34 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 35 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Strategische Ziele • Steigerung der Freizeit- und Naherholungs- nutzung. • Bedarfsgerechte Erweiterung der Sportanlagen. • Attraktivitätssteigerung von öffentlichen Freiflächen, Grünflächen und Spielplätzen. HERAUSFORDERUNGEN Fragestellungen • Welche baulichen Potentialflächen gibt es im Stadtteil und wie könnten diese langfristig genutzt werden? • Welchen Beitrag können die Natur und Freiraumpotentiale leisten, um das Image Oberreuts positiv zu beeinflussen? • Wie können bestehende Sport- und Freizeit- angebote erweitert und neue Angebote geschaffen und gefördert werden? • Wann kann mit der notwendigen Erweiterung beziehungsweise dem Neubau von Sportan- lagen in Oberreut gerechnet werden? • Unter welchen Voraussetzungen können die Sportplätze an der Anne-Frank-Schule außer- halb der Schulzeiten geöffnet und genutzt werden? • Wie kann das Bürgerengagement bei konkreten Bürgerbeteiligungsprojekten (Pflanzaktionen, Müllsammelaktionen, Waldpflegeaktion) stärker genutzt werden? • Wie können frühzeitig Bedarfe potenzieller Bewohner*innen bei der Planung von Neubau-Vorhaben berücksichtigt werden? • Wie lassen sich ökologische und klimatische Erfordernisse besser vermitteln? • Wie kann die Situation für den Radverkehr noch weiter verbessert werden? • Wo können die Oberreuter*innen ungestört Fußball spielen? UMSETZUNG Umsetzung „Aufwertung des Bolzplatzes an der Albert-Braun-Straße“ Der im Rahmen des STEK-Prozesses geforderte Er- halt und die qualitative Aufwertung des Bolzplat- zes erfolgte in Teilen im Jahr 2019. In diesem Zuge konnten neue Bänke, Netze und Fahrradstellplätze realisiert werden. Als Ergebnis des Beteiligungster - mins am 22.07.2020 mit einer Gruppe Jugendlicher, Vertreter*innen des Bürgervereins Oberreut und der beteiligten Ämter wurde die Verkleinerung des Bolzplatzes zu einem geschlossen eingezäunten Ballspielfeld beschlossen und der Standort damit erhalten. Die Jugendlichen wünschten sich anstatt des bestehenden Splitt-Belages einen hochwer - tigen elastischen Kunststoffbelag. Diese große bauliche Maßnahme muss als Einzelprojekt für den städtischen Doppelhaushalt angemeldet und die Mittel bereitgestellt werden. Erfolgte Umsetzung „Überdachter Treffpunkt für Jugendliche“ In Abstimmung mit Jugendlichen und dem Bür- gerverein im Sommer 2020 wurde im Zuge einer Standortsuche im nördlichen Schmallen in der Nähe des Jugendgartens ein wegetechnisch gut er - reichbarer Ort gefunden, der wenig Lärmprobleme erwarten lässt. Die Jugendlichen konnten erfahren, dass sich mit Beteiligung und durch hohes Engage - ment Ziele erreichen lassen. Der neu überdachte Treffpunkt ist seit dem 15.12.2020 in Form eines Containers der Firma Kukuk umgesetzt. Des Weite - ren wurde ein Abfallbehälter auf. Eine Einweihung war aufgrund der Pandemie bislang nicht möglich. Dies nachzuholen böte sich an, zudem könnten im Rahmen einer Einweihung die Containerwän - de in einer gemeinsamen Aktion des Jugend- und Gemeinschaftszentrums „Weiße Rose“, der Jugend - lichen und womöglich auch Kindergruppen farb- lich gestaltet und somit die Aneignung durch die Nutzer*innen befördert werden. Problematisch ist momentan das Vermüllen des Platzes durch mutmaßlich quartiersfremde ältere Jugendliche. Als eine erste Reaktion hat das Gar - tenbauamt eine Hinweistafel angebracht sowie die Reinigungsintervalle temporär verkürzt. Hier sollte dringend eine Lösung in Verantwortung der Nut - zer*Innen gefunden werden. Der bestehende Unterstand beim Spielplatz Woe - rishofferstraße/Kapellenweg wurde im Jahr 2020 wiederhergestellt und eine Bank sowie die Rück - wand erneuert. In Umsetzung „Bessere Radinfrastruktur“ • Bei einer gemeinsamen Begehung konnten fehlende Informationen eingeholt und viele Fra - gen beantwortet werden. Zwischen Tiefbauamt und Bürgerverein konnte ein direkter Kontakt hergestellt werden, der in Zukunft bei Bedarf genutzt werden kann. • Die detailliert erarbeiteten Vorschläge beim Stadtteilforum wurden durch die zuständigen Ämter individuelle geprüft. • Zahlreiche kleinere Mängel wie zu hohe Bord- steine, fehlende Rampen, verkehrsgefährdende Poller konnten durch geeignete Maßnahmen schon behoben werden. • Änderung des Bebauungsplans „Schmallen“ für die Errichtung von Fahrradabstellanlagen in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und dem Friedhofsamt. • Ausbau des Radwegs zum Heine-Gelände 2021 für eine verbesserte Erreichbarkeit des Friedhofs. 36 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 37 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 36 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 37 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. In Umsetzung „Spielplatzkonzeption“ In der Analyse von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) sowie von Seiten der Bürgerschaft wurde bei der Qualität von Spielplät - zen dringlicher Handlungsbedarf festgestellt. Das Gartenbauamt erstellte im Jahr 2020 eine Entwicklungskonzeption für Spielplätze, die eine Reihe von Maßnahmen enthält, darunter drei Voll - sanierungen. Die einzelnen Sanierungsmaßnahmen werden jeweils von einem Beteiligungsprozess begleitet. So hat beim Kinderspielplatz Weiße-Rose-Weg im Sommer 2020 schon eine Vor-Ort-Beteiligung statt - gefunden. Das Stimmungsbild beim Beteiligungsprozess machte den Wunsch deutlich, den Kinderspiel - platz Graf-Galen-Straße vor dem Spielplatz Hermann-Müller-Würtz-Straße aufzuwerten. Mittlerweile wurden dort aufgrund der Jahres - hauptinspektion weitere Sanierungsarbeiten auf- gezeigt, dass nun an die Stelle einer Aufwertung eine Sanierung tritt. Im dynamischen Umfeld der Pandemie und städtischen Finanzlage können mit Abschluss des Berichts noch keine konkreten Zeitangaben zu den einzelnen Maßnahmen genannt werden. Die Priorisierung ist weiterhin wie folgt angesetzt: Spielflächenentwicklung Priorisierung - Stand: vor dem Beteiligungsprozess 2020 (Planverfasser: Gartenbauamt) 38 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 39 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Stadt Karlsruhe Seite 39 von 52 Abschlussbericht STEK Oberreut Stand 02. August 2021 ZEITRAUM MASSNAHME 2021 Sanierung Kinderspielplatz Weiße-Rose-Weg 2021/2022 Aufwertung Kinderspielplatz Graf-Galen-Straße wurde nach genauer Betrachtung zu Sanierung; Ein Ergebnis der Beteiligung war, diesen dem Kinderspielplatz Hermann-Müller-Würtz-Straße vorzuziehen Mittelfristig Aufwertung Kinderspielplatz Albert-Braun-Straße; Umbau Ballspielfläche Mittelfristig Sanierung Kinderspielplatz Bernhard-Lichtenberg-Straße Mittelfristig Aufwertung Kinderspielplatz Rudolf-Breitscheid-Straße/Ergänzung Spielangebot und Ausbau Bereich unter 6 Jahre (falls Stilllegung Kinderspielplatz Eugen-Geck- Straße). Mittelfristig Sanierung Kinderspielplatz Hermann-Müller-Würtz-Straße Langfristig Flächensicherung - ohne Aufwertung - für die Kinderspielplätze Gustav- Schulenburg-Straße (Zielgruppe Kinder bis 6 Jahre, Option langfristig: Umbau für Zielgruppe Kinder bis 12 Jahre), Friedrich-Weick-Straße Süd (Kinder bis 6 Jahre) sowie Eugen-Geck-Straße (Kinder bis 12 Jahre) Fokus für weitere Aktivitäten Maßnahmenschwerpunkt „Walderholung und -erlebnis“ Verstärkte Einbeziehung von bürgerschaftlichem Engagement zum Beispiel in Form von Waldpflege- und Pflanzaktionen. Ausweitung der Bürgerbeteiligung zu aktuellen Waldthemen durch das Forstamt. Sicherung und Entwicklung des Waldes für die örtliche Naherholung (zum Beispiel Trimm-Dich- Pfad, geschichtlicher Lehrpfad) – langfristiger Zeithorizont. Maßnahmenschwerpunkt „Grünflächen“ Einbeziehung der Bürgerschaft bei Maßnahmen in öffentlichen Grünflächen, Suche nach gemeinsamen Lösungen. Spielflächen attraktiv gestalten, Spielplatzkonzeption durch das Gartenbauamt. Pflanzaktionen zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der AWO Kindertagesstätte. Eine erste kleine Anpflanzung am Weiße-Rose-Weg fand bereits statt. Maßnahmenschwerpunkt „Sport- und Freizeitangebote“ Prüfung zur Errichtung einer Pump-Track-Anlage auf dem Gelände der alten Imkerei. Ein Bodengutachten hat ergeben, dass die Fläche dafür nutzbar ist. Im nächsten Schritt müsste ein Trägerverein gefunden werden, der die Anlage in Eigenverantwortung baut und betreibt. Die Calisthenics-Anlage auf dem Spielplatz Woerishofferstraße / Kapellenweg wird gut angenommen, eine Ergänzung der Anlage wird als sinnvoll erachtet. Die Planung dazu ist abgeschlossen, die Realisierung ist für 2021 / 2022 vorgesehen. An der Sophie-Scholl Realschule entstehen in naher Zukunft zwei neue Dreifeldhallen, wodurch dem Problem der nicht ausreichenden Hallenkapazitäten entgegengewirkt wird. Aktuelle Prüfung, ob die Sporthalle der Anne-Frank-Schule saniert werden kann oder ein Neubau erforderlich ist; und in diesem Zusammenhang eine Öffnung der Sportplätze außerhalb der Schulzeiten. Der Bolzplatz im Schmallen kann aufgrund der Funktion der Fläche als Regenrückhaltebecken und des notwendigen Abstandes zur Wohnbebauung nicht verlegt werden. Ein Versetzen des einen Tores außerhalb des Trampelpfades wäre möglich. Da sich dadurch die Fläche verkleinert, wurde dies bislang nicht gewünscht. FOKUS FÜR WEITERE AKTIVITÄTEN Maßnahmenschwerpunkt „Walderholung und -erlebnis“ • Verstärkte Einbeziehung von bürgerschaft- lichem Engagement zum Beispiel in Form von Waldpflege- und Pflanzaktionen. • Ausweitung der Bürgerbeteiligung zu aktuellen Waldthemen durch das Forstamt. • Sicherung und Entwicklung des Waldes für die örtliche Naherholung (zum Beispiel Trimm- Dich-Pfad, geschichtlicher Lehrpfad) – langfris - tiger Zeithorizont. Maßnahmenschwerpunkt „öffentliche Frei- und Grünflächen“ • Einbeziehung der Bürgerschaft bei Maßnahmen zu öffentlichen Frei- und Grünflächen, Suche nach gemeinsamen Lösungen. • Aufwertung und Umgestaltung von öffentlichen Plätzen und Freiflächen mit geringer Aufent - haltsqualität zur Verbesserung des Stadtbildes (zum Beispiel „Oberreut Zentrum“, Julius- Leber-Platz). • Spielflächen attraktiv gestalten, Spielplatz- konzeption durch das Gartenbauamt. • Pflanzaktionen zum Beispiel in Zusammenar- beit mit der AWO Kindertagesstätte. Eine erste kleine Anpflanzung am Weiße-Rose-Weg fand bereits statt. Maßnahmenschwerpunkt „Sport- und Freizeitangebote“ • Prüfung zur Errichtung einer Pump-Track- Anlage auf dem Gelände der alten Imkerei. Ein Bodengutachten hat ergeben, dass die Fläche dafür nutzbar ist. Im nächsten Schritt müsste ein Trägerverein gefunden werden, der die Anla - ge in Eigenverantwortung baut und betreibt. • Die Calisthenics-Anlage auf dem Spielplatz Woerishofferstraße / Kapellenweg wird gut angenommen, eine Ergänzung der Anlage wird als sinnvoll erachtet. Die Planung dazu ist ab - geschlossen, die Realisierung ist für 2021 / 2022 vorgesehen. • An der Sophie-Scholl Realschule entstehen in naher Zukunft zwei neue Dreifeldhallen, wo - durch dem Problem der nicht ausreichenden Hallenkapazitäten entgegengewirkt wird. • Aktuelle Prüfung, ob die Sporthalle der Anne-Frank-Schule saniert werden kann oder ein Neubau erforderlich ist; und in diesem Zusammenhang eine Öffnung der Sportplätze außerhalb der Schulzeiten. • Der Bolzplatz im Schmallen kann aufgrund der Funktion der Fläche als Regenrückhaltebecken und des notwendigen Abstandes zur Wohnbe - bauung nicht verlegt werden. Ein Versetzen des einen Tores außerhalb des Trampelpfades wäre möglich. Da sich dadurch die Fläche verkleinert, wurde dies bislang nicht gewünscht. 38 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 39 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Ideenspeicher „Weitere Maßnahmen“ • Regelmäßige Müllsammelaktionen, bei Bedarf (unterschiedlichen Problembildern) zu Infospa - ziergängen einladen, um sich ein gemeinsames Bild über Situationen vor Ort zu machen. • Aktionstage im Schmallen, Naturführungen, Umweltbildungsangebote. • Eine geeignete Fläche zum Fußballspielen für Jung und Alt finden. • Ausweitung von Bürgerbeteiligungen, zum Beispiel durch Pflanzaktionen, Müllsammelakti - onen, Waldpflegeaktionen, Bürgerbeteiligung zu aktuellen Waldthemen (Beseitigung der Ker - mesbeere). • Waldpädagogische Veranstaltungen für alle Schularten. • Informationsveranstaltungen im Wald über Jahresprogramm der Waldpädagogik. • „Rad- und Fußwegecheck“ im Rahmen des VCD Projekts, das sich an Wohnungsunternehmen und Kommunen richtet. 4.2.4 Handlungsfeld „Gesundheits- und Nahversorgung“ Die quantitative wie auch qualitative Versorgungs- situation in Oberreut ist durch den Prozess hin- durch von beteiligten Akteur*innen sowie von der Bürgerschaft angemahnt worden. Die Wohnbau - entwicklung im Stadtteil wird den Fehlbedarf noch deutlicher zu Tage treten lassen und bietet zu - gleich neue räumliche Optionen die Versorgungssi- tuation nachhaltig zu verbessern. ZIELE UND STRATEGIE Verbindendes Leitziel Gut versorgt in Oberreut – die Bewohner*innen fin- den zeitgemäße, barrierefreie, ambulante gesund- heitliche Angebote vor. Strategische Ziele • Sicherstellung, Verbesserung und Ausbau der medizinischen Versorgung. • Verbesserte fußläufige Nahversorgung. HERAUSFORDERUNGEN Fragestellungen „Gesundheitsversorgung“ Eine gute ärztliche Versorgung in Oberreut ist auf absehbare Zeit gefährdet. • Was bedeutet eine gute ärztliche und medizini sche Versorgung? • Wie kann ausreichend Raum für zeitgemäße Arztpraxen geschaffen werden? • Wie kann der Generationswechsel in den Arzt- praxen unterstützt werden? Herausforderungen und Fragestellungen „Nahversorgung“ Bei dem vorgesehenen Nahversorgungsbereich im neuen Stadtteilzentrum „Oberreut Waldlage“ (Projekt der Volkswohnung) zeichnen sich seit dem Inkrafttreten des Bebauungsplanes im Sommer 2018 keine weiteren Entwicklungen ab. Die Pla - nung der Volkswohnung sieht unter anderem vor einen Lebensmittel-Vollsortimenter mit darüber liegenden Wohnungen zu kombinieren. • Welche Einkaufsmöglichkeiten werden in Oberreut gebraucht? Was fehlt und wo? • Welche gastronomischen Angebote fehlen und sind wünschenswert? FOKUS FÜR WEITERE AKTIVITÄTEN Maßnahmenschwerpunkt „Ausbau der medizi- nischen Versorgung“ Hierbei werden zwei Varianten in Betracht gezo- gen: Zum einen ein Ärztehaus, bei dem sich selb- ständige Einzelpraxen in einem Gebäude zusam- menschließen und zum anderen ein medizinisches Versorgungszentrum mit angestellten Ärzt*innen. Bei letzterem bekämen neben Hausärzt*innen und Kinderärzt*innen auch weitere Fachärzt*innen der Disziplinen Chirurgie und Orthopädie, inne - re Medizin, Urologie, Radiologie, Psychotherapie, aber auch Augen-, Frauen-, HNO-, Haut-, und Nervenärzt*innen die Möglichkeit sich niederzu - lassen. Da der Versorgungsgrad der Fachärzte im Planungsbereich Karlsruhe in fast allen Bereichen sehr hoch ist, können sich jedoch lediglich bereits im Planungsbereich ansässige Fachärzt*innen in einem Ärztehaus zusammenschließen. Diese fal - len dann an anderer Stelle im Planungsgebiet weg. Die Bündelung von unterschiedlichen medizini - schen Angeboten könnte langfristig helfen die medizinische Versorgung im Stadtteil sicher zu stellen. Außerdem erlaubt sie den Heilberufen technische Geräte, Empfangs-, Warte- und Sanitär - bereiche oder Schulungsräume bis hin zu Personal zu teilen. Dieses Kosten-Einsparpotenzial könnte ein starkes Argument für Ärzt*innen sein, sich hier nieder zu lassen. Auf einer im Flächennutzungsplan 2030 als ge - plante Wohnbaufläche dargestellten Fläche nahe der Kreuzung Pulverhausstraße/Otto-Wels-Stra - ße wäre planungsrechtlich die Nutzung einer ärztlichen Versorgung nicht ausgeschlossen. Eine Grundsatzentscheidung, was in diesem Bereich städtebaulich entwickelt werden soll, steht noch aus. Ebenso der zeitliche Rahmen einer möglichen Entwicklung. Die Entwicklung der Fläche im Zuge eines erfor- derlichen Bebauungsplanverfahrens ist bisher nicht in der ersten Priorisierung und kann daher nur als langfristige Option gesehen werden. Trotz - dem wird diese Variante vom Bürgerverein und anderen lokalen Akteur*innen favorisiert. Mit die - ser Fläche wären eine Reihe von Standortvorteilen verbunden: • Gute ÖPNV -Anbindung (auch für Fachärzt*in- nen mit größerem Einzugsgebiet attraktiv). • Die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr der Pulverhausstraße sowie durch die Bahn- trasse der Deutschen Bahn ist für ein Ärztehaus weniger störend als für eine Wohnbebauung. • Geringeres Konfliktpotential mit dem bestehen- den Jugendgarten gegenüber einer Nutzung mit Wohngebäuden. Starter-Projekt „Integration von Praxisräumen im Ortsteilzentrum Otto-Wels-Straße“ Planungsrechtliche Überprüfung des projektierten Ortsteilzentrums Otto-Wels-Straße hinsichtlich der Möglichkeit, die für Wohnungen vorgesehene Fläche von bis zu 500 m² für Arztpraxen bereit zu stellen. Das neue Ortsteilzentrum wird aus einem Quergebäude mit einem Nahversorger und darü - ber liegenden Wohnungen in zwei Wohntürmen bestehen. Im südlichen der beiden Wohntürme sind im Erdgeschoss eine Apotheke, der Mieterser - vice und eine Bäckerei/Café vorgesehen, im ersten Obergeschoss Arztpraxen. Im nördlichen Wohn - turm soll der Soziale Dienst Platz finden. Die Klärung des konkreten Bedarfs erfolgte im Rahmen des Runden Tisches „Ärztliche Versorgung in Oberreut“ im März 2020. Hierbei signalisierten drei Praxen ihr Interesse an dem Standort und be - stätigten, dass der Standort auch im Hinblick auf die räumliche Ärzteversorgung in Oberreut günstig sei. Eine gute räumliche Aufteilung der Arztpraxen wäre für die beiden in Privatbesitz befindlichen Hausarztpraxen sichergestellt. Eine Begrenzung der Mietdauer ist ein Thema aufgrund der noch nicht geregelten Nachfolge. Die Gründung eines medizinischen Versorgungs - zentrums (MVZ) und die Form der Trägerschaft wurden ebenfalls diskutiert. Verschiedene Formen der Zusammenarbeit sollen weiter geprüft werden. Maßnahmenschwerpunkt „Nahversorgung“ • Erweiterung des Wochenmarktsortiments. • Neubewerber*innen für Wochenmärkte auf Oberreut aufmerksam machen. • Neubau Nahversorgung in der „Waldlage“. • Mieterservice: Provisorium der Volkswohnung. • Eisdiele oder Café als vielfach geäußerter Bedarf seitens der Bewohnerschaft. 4.3 Handlungsebene der städtischen Dienststellen in Oberreut im Rahmen des STEK-Prozesses Das Amt für Stadtentwicklung (AfSta) hat mit seiner Abteilung Büro für Mitwirkung und En- gagement (BME) im Prozess der Erarbeitung des STEK die zentrale Rolle der Koordination und Prozesssteuerung übernommen und zahlreiche Verbindungen zwischen den Zuständigen in ein - zelnen Ämtern und der Bürgerschaft hergestellt. Entsprechend seiner Querschnittsfunktion hat es den ämterübergreifenden Austausch und die Zusammenarbeit der Verwaltung angeregt und sichergestellt. Die Erfahrungen aus der Koordinati - on des STEK Oberreut werden gezielt ausgewertet und das Vorgehen in zukünftigen STEK-Prozessen beeinflussen. Grundlegend wird die stadtteilbezo - gene Engagementförderung in der Arbeit des BME zukünftig eine stärkere Rolle spielen. So sollen Unterstützungsangebote entwickelt werden, die darauf zielen das durch den STEK-Prozess aktivier - te Engagement und die Vernetzung der Akteur*in- nen und Initiativen langfristig zu unterstützen. Die durch den STEK-Prozess im Stadtteil entstandenen Strukturen sind hinsichtlich ihrer Bearbeitung zu - dem Schnittstelle des Amts für Stadtentwicklung, dem Oberreuter Quartiersmanagement und der neu eingerichteten und bei der Sozial- und Ju - gendbehörde angesiedelten Stadtteilkoordination. Um an dieser Schnittstelle trennscharf und syn - ergetisch zu arbeiten, hat das BME die notwendige Abstimmung initiiert. Die Sozial- und Jugendbehörde (SJB) war von Anfang an über die Steuerungsgruppe als aktive Partnerin in den Prozess eingebunden. Der Prozess zum Aufbau der Strukturen für die Stadtteilkoor - dination konnte direkt mit dem STEK-Prozess in Oberreut verknüpft werden. So konnte die zustän - dige Stadtteilkoordinatorin die Prozessstrukturen für ihren Einstieg ins Quartier sehr gut nutzen. Die Stadtteilkoordinatorin fungiert weiterhin als Brücke zwischen Verwaltung und den Akteur*in - nen im Stadtteil, unterstützt bei sozialen Themen und Projekten und entwickelt Ideen zur Nutzung städtischer Programme vor Ort. Zudem werden be - reits begonnene Projekte und Prozesse im Stadtteil, die von Akteur*innen vor Ort ausgehen, weiterhin unterstützt. Das Büro für Integration (BfI) fördert Projekte, die nicht direkt stadtteilorientiert sind. In der Sophie-Scholl-Schule gibt es jedoch einen vom BfI finanzierten Elterntreff. Dieser ist für alle Eltern von Schulkindern in Oberreut geöffnet. Auch wird die Arbeit der Landsmannschaft der Deutschen 40 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 41 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. aus Russland gefördert. Der Verein ist in Oberreut in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Das Kinderbüro sieht die Weiterentwicklung der beiden Kinder- und Familienzentren „Villa Regen - bogen“ und „Arche Kunterbunt“ zur Stärkung von Familien und für ein gutes, gesundes und chan - cengerechtes Aufwachsen in Oberreut als zentral an. Schon jetzt bilden beide Zentren eine wichtige Anlaufstelle für Familien und sorgen für wichtige Synergieeffekte in Oberreut. Darüber hinaus wird das Startpunkt Elterncafé der Frühen Prävention der Stadt Karlsruhe in Oberreut sehr gut ange - nommen - so können Familien nach der Geburt eines Kindes unkompliziert und niedrigschwellig Kontakte zu anderen Familien und Fachkräften knüpfen. Diese drei Institutionen bilden eine gute Basis um auch in Zukunft einen guten Mix aus selbstorganisierten Angeboten und professionel - len Strukturen, wie beispielsweise die Hebam- mensprechstunde, weiter auszubauen. Derzeit entstehen erste Überlegungen für einen weiteren mobilen Elterntreffpunkt. Das Amt für Abfallwirtschaft (AfA) hat in Ober- reut die Teamreinigung umgesetzt und den Bezirk mit einer festen Besatzung besetzt. Des weiteren wurde vom AfA ein Wildkrautteam gegründet, wel - ches sich von Bezirk zu Bezirk durcharbeitet. Für die Zukunft sind zunächst keine weiteren Maß - nahmen vorgesehen. Die Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH (afka) ist mit einer Schulsozialarbeiterin an der Engel - bert-Bohn-Schule in Oberreut vertreten. Neue Pro- jekte sind seitens der afka nach dem STEK-Prozess in Oberreut nicht geplant. Allerdings könnte die afka, da es regelmäßig eine enge Zusammenarbeit mit anderen Ämtern gibt, durch die Dienstleis - tungen der afka-Werkstätten oder auch durch die Vielzahl der Beschäftigungs- und Beratungsange - bote unterstützend tätig sein. Das Forstamt sieht zukünftig mehr Beteiligungen bei aktuellen Waldthemen. Beispielhaft zu nennen sind die Beseitigung der Kermesbeere, Pflanzakti - onen, Waldführungen und Müllsammelaktionen im Stadtteil. Die daraus entstehenden Netzwerke sollen auch für die zukünftige Arbeit weiter ge - nutzt werden. Das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft (HGW) entwickelt auf Grundlage von Anforderun- gen von Ämtern oder der politischen Ebene ge- eignete bauliche Lösungen, um die erforderlichen Flächen zur Verfügung zu stellen. Für Oberreut ist derzeit die Planung für den Neu - bau zweier Dreifeldhallen beim Schulzentrum Süd-West in Bearbeitung. Aktuell steht in Oberreut in den kommenden Jahren zudem der Ersatzneu - bau für die Anne-Frank-Schule an, für den derzeit der Architektenwettbewerb vorbereitet wird. Zu - dem wird die Sporthalle der Anne-Frank-Schule in nächster Zeit einer umfassenden Modernisierung unterzogen. Weiterhin wird in nächster Zeit eine energetische Sanierung des Schulzentrums Süd- West erforderlich. Die Abteilung Planung des Gartenbauamts (GBA) hat mit der Umsetzung des im Rahmen des STEKs erarbeiteten Spielflächenkonzept für Oberreut be - gonnen und wird dies in den kommenden Jahren weiter umsetzen. Die Beteiligung erfolgt dabei in der Regel bei größeren Neubau- und Sanierungs - vorhaben vor Ort. Der Beteiligungsprozess ist dabei für das Gelingen und die Akzeptanz von Maßnah - men ein wichtiges Instrument, bei dem der Bürger- verein Oberreut und die Bürger*Innen eingebunden und Prozesse transparent gemacht werden. Das Gartenbauamt bietet im Rahmen des bürger - schaftlichen Engagements Grünpatenschaften in Oberreut an. Die näheren Informationen finden interessierte Bürger*Innen auf der Internetseite der Stadt Karlsruhe unter folgendem Link: https:// www.karlsruhe.de/patenschaften Die Karlsruher Energie- und Klimaschutzagen- tur gGmbH (KEK) hat in den Jahren 2021/2022 zunächst keine Projekte in Oberreut. Es ist jedoch denkbar, dass auf lange Sicht auch in Oberreut ein gebiet zum Energiequartier erklärt wird und dann über einen dreijährigen Projektzeitraum den Bürger*innen Angebote zum Thema energetische Sanierung zur Verfügung stehen. Das Projekt Bunte Stadt des Kulturbüros wird sich noch bis Ende 2021 - eventuell auch darüber hinaus - in Oberreut engagieren. Zum einen gilt es, die teilweise durch Corona ausgefallenen Kultur - projekte nachzuholen bzw. neue Projekte durchzu- führen (Oberreut Deluxe, FEST-Mobil in Oberreut, offener Kulturtreff, Realisierung des Musicals „Jenny aus Oberreut“, Teilnahme Literaturtage Oktober, die Stadtraumpioniere des Staatstheaters experimentieren im Stadtraum Oberreut), zum anderen geht es darum, vorhandene und entstan - dene Strukturen weiter zu stärken. Auch die Idee, das Ökumenische Gemeindezentrum in ein Bür - gerzentrum umzuwandeln, wird das Kulturbüro/ Bunte Stadt weiter begleiten. 40 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 41 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Das Liegenschaftsamt als Querschnittsamt hat keine eigenen Projekte, die sich direkt aus dem STEK-Prozess ergeben. Kommt es allerdings zu einem Projekt der städtebaulichen Erneuerung nach BauGB -z. B. Sanierungsverfahren-, dann sind je nach Verfahrensart Kaufpreisprüfung (§153), sanierungsrechtliche Genehmigungen (§144) und Ausgleichsbetragserhebung (§154) vorzunehmen. Oder sie werden mit Erwerben/Tauschen von Grundstücken für sich aus dem STEK ergebende Maßnahmen durch das die Maßnahme betreuende Fachamt beauftragt. Hier sei die Verwirklichung des Bebauungsplanes“ Woerrishofer Straße“ durch städtebaulichen Vertrag zu nennen. Zudem läuft aktuell das Umlegungsverfahren „Rudolf-Breit - scheidt-Straße“. Das Marktamt hat aufgrund der Rückmeldungen der Bürgerumfrage den Freitag-Nachmittag als Zeitpunkt für den Wochenmarkt weiter im Fokus. Es konnte ein neuer Obst- und Gemüsehändler gewonnen werden. Künftige Marktbewerber*innen werden verstärkt auf den Wochenmarkt aufmerk - sam gemacht. Im Themenfeld Verkehr hat sich als Schwerpunkt die Sicherheit für den Radverkehr für das Ord- nungs- und Bürgeramt herauskristallisiert. Im Rahmen des Stadtteilspaziergangs wurden Hin - weise und Anregungen aufgenommen. Die Punkte wurden in einem Maßnahmenkatalog gesammelt. Mit Vertretenden aus Oberreut wurden die Punkte in einer gemeinsamen Projektgruppe abgearbei - tet. Einige Ergebnisse wurden bereits umgesetzt, bei weiteren gibt es noch Planungsaufträge. Die Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehr ist eine Daueraufgabe der Verkehrsbehörde. Im Rahmen von Hinweisen aus der Bürgerschaft, rechtlichen Änderungen und eigenen Feststellungen werden jederzeit Maßnahmen die der allgemeinen Ver - kehrssicherheit dienen geprüft und nach Möglich- keit umgesetzt. Es hat sich während des STEK-Prozesses gezeigt, dass auch in Oberreut die Themen Rad- und Fuß - verkehr stärker in den Fokus der dortigen Bevöl- kerung gerückt sind. Diesen Themenfeldern wird zukünftig mehr Gewicht zufallen. Der STEK-Prozess hat für das Schul- und Sport- amt (SuS) keine zusätzlichen Aktivitäten in Gang gesetzt. Die normalen Arbeitsprozesse, wie bei - spielsweise die Sanierung der Anne-Frank-Schule oder der Neubau der beiden Sporthallen, gehen weiter. Das Stadtplanungsamt als ständiges Mitglied in der Steuerungsgruppe begleitet die Standortsu - che für das Ärztehaus und das Bauvorhaben der Volkswohnung an der Rudolf-Breitscheid-Straße (Ansiedlung Nahversorgung). Einen wichtigen Syn - ergieeffekt erzeugte das Stadtplanungsamt durch die Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) Stuttgart, die mit Masterstudent*innen ein städtebauliches Modellprojekt am Beispiel von Oberreut durchführte. Die Ergebnisse des Projektes konnten mit dem STEK Prozess verknüpft werden. Das Stadtplanungsamt lieferte für viele Fragen wichtiges Hintergrundwissen über Bebauungs - pläne, Auflagen, Planungszeiträume, rechtliche Rahmenbedingungen und Planungsvorhaben. In diesem Sinne bleibt das Amt auch in Zukunft ein wichtiger Partner für alle räumlichen Entwick - lungsprozesse. Durch den STEK-Prozess wurden keine zusätzlichen Aktivitäten im Stadtplanungs - amt ausgelöst. Durch zahlreiche Anregungen, die das Tiefbauamt im Rahmen des STEK-Prozesses durch die Bür - gerschaft erhalten hat, konnten Verbesserungs- potentiale in der Straßengestaltung identifiziert und die Straßeninfrastruktur in Oberreut an die Bedürfnisse der Bürger*innen angepasst werden. Insbesondere die Stadtspaziergänge, in denen die Oberreuter*innen mit den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung ins Gespräch kommen konnten, erwiesen sich in dieser Hinsicht als wertvoll. So wurden in der Folge beispielsweise Fahrradabstel - lanlagen aufgestellt, Bordsteine abgesenkt und Absperrpfosten an Engstellen entfernt. Weitere Maßnahmen wie die Verbesserung von ausge - wählten Querungsstellen für zu Fuß Gehende sind in Planung. Einige Anregungen bedürfen jedoch einer längerfristigen Planung und Konzeption. Dazu zählen die Konzeption und Herstellung von Radrouten und verkehrslenkende Maßnahmen. Weiterhin stehen die Neuerschließung und Sa - nierung von diversen Straßen an, die entweder in Bebauungsplänen festgelegt oder durch die regel - mäßigen Begehungen durch das Tiefbauamt als sanierungsbedürftig eingestuft wurden. Auch hier werden langfristig Planungen erstellt. Unabhängig davon begrüßt das Tiefbauamt auch in Zukunft Anregungen der Oberreuter*innen, zum Beispiel über das Portal „KA-Feedback“, und versucht die Anliegen nach Möglichkeit zu berücksichtigen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Der Umwelt- und Arbeitsschutz hat seine betreu- ten Bildungsangebote an der Anne-Frank-Schule ausgebaut, nachdem im Prozess ein entsprechen - der Bedarf signalisiert wurde. Im Rahmen der Umweltthemen im Unterricht erhielt die Schule pädagogische Unterstützung. 42 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 43 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Zusätzlich engagieren sich in der schulischen Nachmittagsbetreuung Karlsruher Umweltverbän - de vermehrt in Oberreut. Auch dieses Angebot wird vom Umwelt und Arbeitsschutz koordiniert und fi - nanziert. Es bleibt – bei entsprechender Nachfrage seitens der Schule – auch nach dem STEK-Prozess bestehen. Im Rahmen des Korridorthemas „Grüne Stadt“ können weiterhin bürgerschaftliche Aktivi - täten unterstützt werden. Ein Umweltbildungspro- jekt in Kooperation mit dem Jugend- und Gemein- schaftszentrum „Weiße Rose“ wurde in diesem Zuge bereits umgesetzt. Das Forum für interkultu - relle Entwicklung und Bildung (finep) hat hierbei den Aufenthaltsraum einer Mädchengruppe mit fünf Sitzsäcken, auf denen Zitate von Umweltakti - vistinnen aufgedruckt wurden, ausgestattet. Über die Teilnahme an zwei Interessensworkshops hat der Umwelt und Arbeitsschutz Einblicke erhal - ten, ein besseres Gespür für den Stadtteil entwi- ckelt und neue Kontakte geknüpft. Der Prozess hat zwar gezeigt, dass es zahlreiche Menschen in den Stadtteilen gibt, die großes Interesse an den Themen Natur und Umwelt haben, weitere Inter - aktionen im Rahmen der Grünen Stadt sind daraus jedoch nicht entstanden. Bisher ist es nicht gelun - gen Ansprechpartner*innen wie Stakeholder aus dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich für das Korridorthema „Grüne Stadt“ zu gewinnen. Aktivi - täten diesbezüglich gezielt auf den Stadtteil sind nicht geplant. Der Bürgerverein Oberreut wird jedoch, wie alle Bürgervereine in Karlsruhe, zu den jährlich stattfindenden Begleitgruppentreffen der Grünen Stadt eingeladen, bei denen über die neusten Entwicklungen in dem Korridorthema und seinen Leitprojekten informiert wird sowie sich die zivilgesellschaftlichen Akteure mit eigenen Anre - gungen einbringen und untereinander vernetzen können. Die Volkswohnung prüft mögliche Kooperatio- nen bezüglich niederschwelliger Angebote für die Quartiersbewohner*innen mit Trägern vor Ort und setzt diese nach Möglichkeit um. Sie profitiert von dem verbesserten Verständnis und von der aktiven Vernetzung mit wichtigen Akteur*innen. Die Wirtschaftsförderung sieht als zentrale Auf- gabe, den in Oberreut ansässigen Unternehmen im Zuge des Unternehmensservice unterstützend zur Seite zu stehen. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung der fußläufigen Nahversorgung im Stadtteil. Der - zeit befinden sich drei Gewerbeflächen in der Ver- marktung zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Der Bebauungsplan für das neue Stadtteilzentrum „Oberreut Waldlage“ ist 2018 in Kraft getreten. Von der Volkswohnung ist dort unter anderem die Kombination eines Lebensmittel-Nahversorgers mit darüber liegenden Wohnungen geplant. Dieses Projekt ist langfristig geplant. Gemeinsam mit den Ämtern der Stadt Karlsruhe werden Baumaßnahmen von den Verkehrsbetrie- ben Karlsruhe geplant und möglichst gebündelt umgesetzt. Die Öffentlichkeit wird hierzu recht - zeitig informiert. Perspektivisch kann im Rahmen bevorstehender Gleissanierungsmaßnahmen der Schotteroberbau durch eine feste Fahrbahn mit begrüntem Bahnkörper ersetzt werden. Dies stellt innerstädtisch einen großen Beitrag zur Lärmre - duktion und Klimaverbesserungen dar. Die Ab- stimmung und Freigabe durch die Stadt Karlsruhe zur Übernahme der Mehrkosten gegenüber der konventionellen Erneuerung steht noch aus. Wei - tere Maßnahmen die Schieneninfrastruktur der VBK betreffend sind derzeit im Stadtteil Oberreut nicht geplant. 42 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 43 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 5.1 Lehren aus dem Prozess „Ich halte den Prozess für wichtig und glaube, dass sich die daraus ergebenen alten und neuen Ver - netzungen produktiv für die in Oberreut lebenden Menschen auswirken.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Die zentrale Frage am Ende dieses STEK-Berich- tes lautet: Was können wir aus den zweieinhalb Jahren Prozessarbeit in Oberreut lernen? In diesem Sinne werden von der Prozessbegleitung und der Projektleitung bei der Betrachtung des Prozes - ses folgende Fragen als hilfreich angesehen: Auf welchem Weg sind wir zu den Ergebnissen gekom - men? Welche angestrebten Ergebnisse konnten nicht erzielt werden? Was sind die mutmaßlichen Gründe dafür? Was waren die entscheidenden Faktoren für das Gelingen? Wo sind wir auf Gren - zen der Beteiligung gestoßen? In diesem Kapitel möchten wir zu diesen Fragen Antworten anbieten. Zunächst geht der Blick da - rauf, was aus dem Prozess heraus entstanden ist und angestoßen werden konnte. Hier werden im Kern die Projekte und das Engagement gesehen, welche durch die Bewohner*innen hervorgebracht wurden. Was waren Faktoren für das Gelingen? „Es bedarf guter Öffentlichkeitsarbeit um die Bot- schaft zu verbreiten, dass sich der Einsatz für den Stadtteil lohnt, sogar Spaß macht und bereichernd sein kann – aber manchmal ist ein langer Atem nötig.“ „Netzwerke sind als Austauschplattformen sehr wichtig.“ Zitate von am Prozess aktiv beteiligten Personen (Bewohner*in oder Akteur*in) Zunächst einmal konnten durch die Identifikation von wichtigen Akteur*innen sowie durch die Ak- teursbefragungen tiefere Einblicke in das Gesche- hen sowie Hintergrundwissen über die speziellen Problemlagen im Stadtteil gewonnen werden. „Events, die einen direkten Austausch und Treffen ermöglichen wie Kinderfest, Stadtteilflohmarkt, Laternenfest, Weihnachtsmarkt stärken den Zu - sammenhalt, hier können die Menschen im Stadt- teil direkt angesprochen werden, die Akteur*innen persönliche Kontakte ausbauen.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Formate der aufsuchenden Beteiligung vor Ort hatten die größte Resonanz. Die Sichtbarmachung des Prozesses, die Präsenz im Stadtteil, die per - sönliche Ansprache bei traditionellen Festen und etablierten Aktionen waren vielversprechend. 44 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 45 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 5 Resümee Als erfolgversprechende Aktivierungs- und Be- teiligungsformate haben sich Kontaktangebote erwiesen. Sie bieten an miteinander ins Gespräch zu kommen, wie zum Beispiel die Durchführung des vom Quartiersmanagement organisierten Pop- Up-Cafés oder die geplanten Nachbarschaftsca - fés zwischen den Häuserblöcken (die wegen der Corona-Beschränkungen leider nicht stattfinden konnten). „Gemeinschaft kann durch tolle Interaktion und Miteinander gelingen“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Grundsätzlich spielt bei allen Beteiligungspro- zessen die Haltung eine große Rolle, mit der die Prozesse konzipiert und durchgeführt werden. Das gilt für die verantwortlichen Institutionen genau - so wie für die teilnehmenden bürgerschaftlichen Organisationen und Bürger*innen. Es braucht Offenheit, die Bereitschaft zuzuhören und sich an - deren Perspektiven öffnen zu können. Verbindliche Zusagen, ernsthafte Prüfungen und eine offene Atmosphäre schaffen Vertrauen. Auf dieser Basis konnten gemeinsame Projekte kreiert und bearbei - tet werden. Auch in Oberreut war es für Viele ein Lernprozess, in dem die Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität entwickeln konnten. Die Bereitschaft der Bewohner*innen, sich für ihre konkreten Anliegen in überschaubaren Projekten zu engagieren, bei denen sich absehbar Umset- zungsmöglichkeiten abzeichnen, war und ist hoch. Was waren hindernde Faktoren? „Beteiligungsprozesse verlaufen zäh! Sehr viele reden, einige haben Ideen, wenige machen etwas, keiner will Verantwortung übernehmen ... Etwas zugespitzt und auch ein wenig frustriert :)“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) In Oberreut wurde ein solch breit angelegter Bür- gerbeteiligungsprozess erstmalig durchgeführt. Eine Kultur der Bürgerbeteiligung war wenig etabliert , die Interessensvertretung im Stadtteil erfolgte in der Vergangenheit fast ausschließlich durch den Bürgerverein oder durch die im Stadt - teil verankerten Institutionen. Die Aktivierung der Bewohner*innen im Stadtteil und die kontinuier - liche Mitarbeit im Prozess sowie innerhalb von Projekten stellte eine zentrale Herausforderung dar – insbesondere, wenn eine kurzfristige Umset - zung der Wünsche nicht absehbar war. „Ich freue mich über den Zuzug neuer junger Familien. Bin gespannt, ob neben Wohnraum auch für attraktive Infrastruktur (Einkaufen, Ärzte, Res - taurants oder Cafés) gesorgt werden wird. Wird es das nicht geben, wird Oberreut zu einer unattrak - tiven Wohnburg, wie die Banlieus in Paris. Es gibt derzeit zu wenige Begegnungsmöglichkeiten. Ohne Kommunikation ist in meinen Augen keine Auflö - sung der Spaltung in der Gesellschaft möglich, die in besonderem Maße für Oberreut gilt.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Zudem war zu berücksichtigen, dass viele Men- schen, die mit ihren elementaren Problemen und Sorgen wie der Organisation ihres Alltags, des Haushalts und der Familie beschäftigt sind, wenig Energie haben um sich bürgerschaftlich zu enga - gieren, bzw. um an Beteiligungsformaten teilzu- nehmen. Als Veranstaltungsort wurden, aufgrund Erman- gelung weiterer Treffpunkte, fast ausschließlich die Räumlichkeiten des Jugend- und Gemein - schaftszentrum „Weiße Rose“ und des Ökume- nischen Gemeindezentrums genutzt. Mit den angebotenen Veranstaltungsformaten konnten nur wenige Menschen erreicht werden, obwohl die behandelten Themenfelder mit den Menschen zu - sammen entwickelt wurden. Die Formate („Kommt zu uns in die Veranstaltung, wenn ihr etwas für euch tun wollt!“) waren für die Mehrzahl der Men - schen nicht passend zugeschnitten. Zudem war die Bitte um vorherige Anmeldung für manche eine zusätzliche Hürde. Ein „Abholen“ der Men - schen in ihren individuellen Situationen konnte deswegen nur in geringem Maße gelingen. Die Zahl der Teilnehmenden an Veranstaltungen im Rahmen des Stadtteilentwicklungsprozesses hat nach dem 1. Stadtteilforum im Oktober 2019 mit circa 120 Teilnehmer*innen stetig abgenom - men. Ein Faktor hierfür war sicher auch die Co- rona-Pandemie . Seit dem Frühjahr 2020 konnten keine Präsenz-Veranstaltungen mehr stattfinden. Einzelne Bürgerprojektgruppen haben sich virtuell getroffen, andere Gruppen sind eingeschlafen. Das Interesse an koordinierenden oder themenorien - tierten Online-Veranstaltungen nahm kontinuier- lich ab. 44 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 45 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Was ist greifbar geworden? Was ist in Bewegung gekommen? Die Wichtigkeit und der Bedarf an Begegnungsor- ten und Treffpunkten ziehen sich inhaltlich wie ein roter Faden durch den gesamten Prozess. Hier - mit sind nicht nur die fehlenden gastronomischen Angebote wie ein Café oder eine Eisdiele gemeint oder die Projekte Mittagstisch und Foodsharing, sondern vor allem ein Treffpunkt in Form eines zentralen Ortes mit Identifikationsqualität. Gefragt ist ein Dach für alle lokalen Gruppen, Projekte und kulturelle Angebote. Im Laufe des Prozesses hat sich die Idee für ein sozial-kulturel- les Zentrum herauskristallisiert, das genau diese Qualitäten in sich vereinen könnte. Getragen von einer Allianz aus verschiedenen zivilgesellschaftli - chen Organisationen vor Ort, könnte es das bür- gerschaftliche Engagement stärken und die quar- tiersbezogene Arbeit unterstützen. Hier besteht das Potenzial eine zentrale Begegnungsstätte zu entwickeln. Sie könnte den notwendigen Freiraum zur Verfügung stellen, in dem sich das bürger - schaftliche Engagement entwickeln kann. Hier könnten Kulturangebote einen festen Platz finden und sich weiter entfalten. Der Bereich Kul - tur spielt eine wichtige Rolle im Stadtteil. Durch Kulturangebote sind Kinder und Jugendliche gut zu erreichten. Sie schaffen Stärkung, Selbstwirksam - keit und bieten Identifikationsmöglichkeiten. In der Kooperation und den Bemühungen um das sozial-kulturelle Zentrum werde ich mich weiter einbringen.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Die Stärkung der Teilhabe der Menschen vor Ort ist eine sozialraumorientierte Gemeinschafts - aufgabe, der sich die Akteur*innen vor Ort noch stärker angenommen haben. Durch interdiszipli - näre Vernetzung nahm der Informationsfluss auf verschiedenen Ebenen zu, neue Kommunikations - wege wurden erschlossen, Kooperationen erleich- tert und Potentiale wohn- und lebensweltnaher Angebote genutzt. So konnten Informationen über vorhandene (Unterstützungs-)Angebote zielgerich - teter verteilt und Zugänge zu diesen Angeboten erleichtert werden. Insgesamt wurden die Vorteile der sozialräumlich ausgerichteten Arbeit im Stadtteil sichtbar und konkret erlebbar. Die Vernetzung zwischen Stadt und Bürger- schaft konnte verbessert und ausgebaut werden. Durch die gemeinsamen Begehungen und der Präsenz der zuständigen Mitarbeitenden aus den städtischen Ämtern bei diversen Veranstaltungen konnten Kontakthemmnisse abgebaut werden. Die Wege und Kontaktaufnahmen zwischen Bür - gerschaft und Verwaltung wurden erleichtert. Die Zuständigkeiten wurden klarer und transparenter, die Ansprechpartner*innen bekamen ein Gesicht. Die Arbeitsweise der Verwaltung, zum Beispiel in Form von zeitnahen Prüfungen konkreter Anliegen und Vorschläge der Bürgerschaft oder die Weiter - leitungen von Anfragen an die zuständigen Stellen, konnte vermittelt und transparent gemacht wer - den. Damit konnte Vertrauen aufgebaut werden. Durch die Umsetzung kleinerer Verbesserungen zum Beispiel für den Radverkehr konnten greifbare Erfolge erzielt werden. Was wurde konkret angestoßen? „Bürgerbeteiligungsprozesse können zäh sein. Aber auch kleine Erfolge und konkrete Verbesserungen motivieren am Ball zu bleiben.“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Akteur*innen im STEK-Prozess konnten für soziale Themen sensibilisiert werden. In einem ersten Runden Tisch „Soziales“ im Sep- tember 2019 trafen sich Vertreter*innen der Sozi- alen Arbeit vor Ort, von sozialen Trägern, Verwal- tung und der Agentur für Arbeit. Die Verbesserung der sozialen Angebote und Bildungsangebote, ins - besondere zur Unterstützung von Jugendlichen im Stadtteil, standen im Mittelpunkt der Betrachtung. Die ungewohnte Konstellation von Akteur*innen lud zur Vernetzung ein. Im März 2020 hat ein weiterer Runder Tisch mit dem Thema „Ärztliche Versorgung in Oberreut“ stattgefunden. Eine Interessensgruppe aus der Bürgerschaft und dem Bürgerverein hatte dies an - geregt. Das Büro für Mitwirkung und Engagement (BME) hat diesen Runden Tisch organisiert. Ge - meinsam mit verschiedenen städtischen Ämtern, der Volkswohnung, den Praxisinhaber*innen und der Kassenärztlichen Vereinigung konnte ein Pro - zess zur mittel- und langfristigen Sicherstellung und Verbesserung der ärztlichen Versorgung ange - stoßen werden, wie er im Kapitel 4.2.4, „Fokus für weitere Aktivitäten“ beschrieben ist. Das Potenzial dieser Veranstaltung war aus zwei Gründen hoch: Im Juli 2020 hat erstmals ein „Quartierstreffen Soziales und Kultur“ stattgefunden. Hier wurde neben dem persönlichen Kennenlernen einzelner Akteur*innen eine Gesamtschau erstellt. Es hat ein intensiver Austausch stattgefunden und Möglich - keiten der weiteren Kooperation und Vernetzung wurden eröffnet. 46 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 47 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 46 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 47 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. Die Vernetzung wichtiger Akteur*innen, die vorher nicht miteinander in Kontakt waren, stellte sich als äußerst wertvoll dar. Die offene Gesprächsatmosphäre ermöglichte das Einbringen aller Perspektiven und einen konstruk - tiven Austausch dazu. Der Stellenwert des Themas Kultur in Oberreut wurde im Rahmen des Prozesses zum Stadtteilent - wicklungskonzept (STEK) erhöht und ausgebaut. Im Wesentlichen ist das den Mitarbeitern*innen des Kulturamtes zu verdanken, die sich im Rah - men des IQ Projektes „Bunte Stadt“ als Koopera- tionspartner des Prozesses intensiv in Oberreut eingebracht haben. Ein wesentliches Ergebnis dieser Aktivitäten ist die Gründung und Etablie - rung der „Stadtteilgruppe Kultur“. Aus ihr heraus wurden zahlreiche Ideen entwickelt und teilweise schon durchgeführt, wie zum Beispiel das Musical „Jenny aus Oberreut“, der offenen Kulturtreff oder die kulturelle Bespielung des Stadtteilforums im Oktober 2019. Weitere Projekte fanden und finden in Kooperation Bunten Stadt mit externen, stadt - weit agierenden Kultureinrichtung und Kulturin- itiativen statt. (Kinemathek, Staatstheater, Stadt- museum, Literaturmuseum, Landevereinigung kulturelle Jugendbildung Stuttgart). Ein schlummerndes Potenzial An den Angeboten des Umwelt- und Arbeitsschut- zes im Rahmen der „Grünen Stadt“ haben sich aus Oberreut kaum Ansprechpartner*innen aus dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich oder bürger - schaftliche Akteur*innen beteiligt – obwohl der Prozess gezeigt hat, dass das Interesse an Natur- und Umweltthemen innerhalb der Bürgerschaft relativ groß ist. Hier besteht ein Potenzial, das im Prozess nicht genutzt werden konnte. Unabhän - gig vom STEK Oberreut können bürgerschaftli- che Aktivitäten in den Handlungsfeldern Klima, Gesundheit und Natur auch weiterhin in das IQ-Korridorthema „Meine Grüne Stadt Karlsruhe“ eingebracht und damit von der Stadtverwaltung unterstützt werden. 48 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 49 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. 5.2 Fazit – Gelungene Beteiligung? „Auch, wenn keine (anders als sonst) finanziel- len Mittel geflossen sind (man musste ja nichts sanieren, außer die Spielplätze), sind wir reicher geworden (haben doch gewonnen). Wenn wir Glück haben, wird es ein sozial-kulturelles Zentrum in Oberreut geben (da wird manche/r staunen) - dem Stadtteil wird es sicherlich helfen. Das sozial-kul - turelle Zentrum ist vielleicht die einzige Methode (effektiv) den Fortschritt in Oberreut zu „plakatie - ren“. Auch, wenn Corona viel verhindert hat, sehe ich den STEK-Prozess als Gewinn und Erfolg!“ Zitat einer am Prozess aktiv beteiligten Person (Bewohner*in oder Akteur*in) Der Weg in einem partizipativ angelegten Stadt- teilentwicklungsprozess ist ein langer – noch dazu, wenn er durch eine Pandemie in seinem Kernele - ment getroffen wird: Der persönlichen Begegnung und dem gemeinsamen Tun von Menschen vor Ort. In den zahlreichen Veranstaltungen und mit den direkten Ansprachen konnten in Oberreut viele Bürger*innen in den Prozess einbezogen werden. Daraus sind Projekte entstanden, die wiederum andere Menschen ansprechen und einbinden kön - nen. So sind „Dominoeffekte“ möglich, die weit in die Bevölkerung hineinwirken können. Die Men - schen, die mit einem Beteiligungsprozess erreicht werden, tauchen nicht unbedingt auf einer öffent - lichen Veranstaltung auf. In Oberreut erfolgte das Engagement der Bevöl- kerung zumeist projektbezogen. Es besteht das Risiko, dass Projekte und Maßnahmen, die von Bürger*innen aus dem Stadtteil initiiert wurden, möglicherweise daran scheitern, dass niemand gefunden wird, der bereit ist Verantwortung für zukünftige Betreuung, Pflege oder Betrieb zu über - nehmen. Verstärkt wird diese Problematik, wenn für die Projekte seitens der Stadt überhaupt kein Budget eingestellt wird. Deutlich wurde, dass es notwendig ist, sehr kon - kret an der Lebensrealität der Menschen und ihren daraus resultierenden Bedürfnislagen an - zusetzen. Die Themen Armut, Einsamkeit, Pers- pektivlosigkeit werden direkt oder indirekt von den Kirchen übernommen und wurden im Stadt - teilentwicklungskonzept nicht thematisiert. Die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge ist hilf - reich und wichtig, um die Menschen erreichen zu können. Der Kontakt zu stillen Gruppen lässt sich durch konkrete, an den Grundbedürfnissen der Menschen orientierten Angeboten wie Foodsharing oder Mittagstisch einfacher herstellen. Direkte Ansprache und Aufhebung der Anony - mität ist wichtig. In Zukunft könnte das Quar- tiersmanagement, als direkter Ansprechpartner vor Ort und Vermittler in Richtung Institutionen und Verwaltung sehr wertvolle Brücken schlagen. Die große Zahl von Besucher*innen bei den viel - versprechenden Ansätzen wie zum Beispiel das Lebensmittelteilen über Kühlschränke oder die Kontaktaufnahme über Pop-up-Cafés zeigen, wie Abholen funktionieren und Niederschwelligkeit von Angeboten aussehen kann. Es braucht Durchhaltevermögen, den Willen und die Bereitschaft aller Beteiligten Konflikte anzu - sprechen und Kompromisse auszuhandeln, um wirklich gute Lösungen finden zu können. Der Pro - zess rund um das Thema Unterstand für Jugendli- che und die Umsetzung der gefundenen Lösungen hat dies eindrücklich gezeigt. Bürgerschaftliches Engagement und die Übernah - me von Verantwortung kann nicht durch externe Begleitung geschaffen, sondern nur unterstützt werden. Der erfolgversprechendste Weg ist, dass es von innen heraus aus dem Stadtteil entsteht. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, der durch eine Haltung der Wertschätzung, Augenhöhe und Kooperation von Seiten der Stadt wirkungsvoll unterstützt werden kann. Ein positives Beispiel Erfolgreiche Beteiligung von Bürger*innen an konkreten Entwicklungsprozessen sind mit den Bürgerbeteiligungsprozessen im Rahmen der Sa - nierung von Spielplätzen gelungen. Sie wurden in den letzten beiden Jahrzehnten in ganz Karlsruhe erfolgreich etabliert. Auch in Oberreut werden in den nächsten Jahren bei Sanierungsprojekten von Kinderspielplätzen weiterhin die Beteiligungspro - zesse stattfinden. Es besteht eine große Notwendigkeit, die sozia- len wie multikulturellen Themen , Aktivitäten und Angebote vom Kinder- und Familienzentrum, dem Quartiersmanagement, dem Ökumenischen Gemeindezentrum und dem Jugend- und Gemein - schaftszentrum „Weiße Rose“ miteinander zu verknüpfen und zu bündeln. Eine Unterstützung von städtischer Seite wäre sehr wertvoll und wahr - scheinlich für ein langfristiges Gelingen unver- zichtbar. Die Stadtteilkoordination könnte dabei eine Schlüsselrolle übernehmen. 48 | Generationen. Dialog. Zukunft. | 49 Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. In diesem Sinne entwickelt sich das sozial-kultu- relle Zentrum . Es ist eine Initiative der Akteur*in- nen vor Ort, genießt breite Unterstützung in der Bevölkerung und eröffnet Möglichkeiten, nieder - schwellig und nah an den Bedürfnissen der Men- schen, das Miteinander im Stadtteil zu befördern. Hier besteht die Chance, dass langfristig tragfähige Strukturen im Bereich Soziales, Kultur und Mit - einander aufgebaut werden können. Die Chance der Verstetigung lange über den Prozess hinaus ist greifbar. Die Vernetzung und der Austausch der Akteur*in- nen innerhalb des Quartiers, wie auch zwischen den Akteuren im Quartier und der Verwaltung, konnten durch den Prozess deutlich verbessert werden. Diese positive Entwicklung wird aber nur Bestand haben, wenn sie von allen Seiten gepflegt wird. Orte der zwanglosen Begegnung, Gelegenheiten der formlosen Kommunikation und des Austausches fördern die Vernetzung effektiv. Quartiersmanagement und Stadtteilkoordination leisten diesbezüglich wesentliche Beiträge. Die Antwort auf die Frage, ob die Bürgerbeteili- gung in Oberreut gelungen ist oder nicht, fällt ambivalent aus. Sicher sind viele Menschen er - reicht worden, doch bei weitem nicht in dem Aus- maß, welches man sich erhofft hatte. Das allein ist jedoch nicht der Maßstab. Viele Projekte wurden angegangen und mit Ernst und Engagement nach Lösungen gesucht. Grund - sätzlich ist im Stadtteil vieles in Bewegung gekom- men, neue Netzwerke konnten geknüpft werden und die Akteur*innen sind enger zusammenge - rückt. Gelingt es hier nachhaltige Strukturen zu schaffen, hat der Prozess auf Jahre eine wichtige Grundlage für weitere spürbare positive Entwicklungen in Oberreut gelegt. Drei Problemfelder sind deutlich geworden, die sich negativ auf die Möglichkeiten der Bürgerbetei - ligung im Prozess ausgewirkt haben: • Bürgerprojekte sind auf engagierte Mitstrei- ter*innen und die Unterstützung durch Vereine/ Gemeinschaften oder Förderinstitutionen ange - wiesen. Sie benötigen Beratung und Unterstüt- zung durch die zuständigen städtischen Stellen. • Haftungsfragen und Finanzierungsmöglich- keiten brauchen Klarheit, damit auch Projekte in bürgerschaftlicher Verantwortung angegan - gen werden können. Ohne kleinere angemes- sene projektbezogene Budgets kommen viele Projekte zum Stillstand. • Lange Zeiträume bis zur Realisierung von Projekten erzeugen Unverständnis und erwei - sen sich in Teilen als schwerwiegende oder kaum zu überwindende Probleme für die Bür - gerschaft. Augenscheinlich besteht Handlungsbedarf für die weitere Entwicklung der Bürgerbeteiligung in Oberreut. Hier ist die Initiative der Stadt sehr wichtig. Dies könnten zum Beispiel wiederkehren - de Angebote zur Beteiligung sein. Wichtig ist, dass angebotene Projekte möglichst konkret sind, rela - tiv kurze Laufzeiten haben und den Bürger*innen einen attraktiven Gestaltungsspielraum bieten. Im Prozess zum Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut (STEK) haben sich einige Elemente bewährt, die leicht, in spezifischen Zyklen wieder - holt, nachhaltig die Bürgerbeteiligung befördern können. Diese sind insbesondere: • Runde Tische zu wichtigen Themen (zum Beispiel Ärztehaus, Soziales). • Quartiersspaziergänge zu unterschiedlichen Themen. • Quartiersbezogene Beteiligungsangebote aus übergeordneten städtischen Projekten wie beispielsweise dem IQ-Korridorthema „Grüne Stadt“ oder dem IQ-Leitprojekt „Bunte Stadt“. • Angebot von Bürgerbeteiligungsverfahren bei allen Entwicklungs- und Veränderungspro- zessen im Stadtteil, bei denen Bürger*innen Gestaltungsmöglichkeiten haben, die weit über informieren und Information bewerten hinaus - gehen. Würdigung Der STEK-Prozess Oberreut hat über zweieinhalb Jahren einen Rahmen geboten, in dem Platz war für die Bedarfe der Menschen, für Ideen, Ver - änderung und Verbesserung. Diese Möglichkeit wurden von vielen Menschen genutzt. Sie haben sich engagiert, haben viel Zeit investiert, Ideen, Erfahrungen, Gedanken eingebracht. Sie haben sich hartnäckig für Bedarfe der Oberreuter*innen und für notwendige Verbesserungen eingesetzt. Viele haben sich Themen angenommen und sie in die Bevölkerung getragen. Auch in der Verwal - tung gab es viele wichtige Akteur*innen, die sich mit Zeit, Energie und Herzblut dem STEK-Prozess gewidmet haben. Alle zusammen haben dazu beigetragen, dass etwas Neues entstehen kann, die Bürger*innen, die Institutionen vor Ort, wie auch die beteiligten Stellen in der Verwaltung, insbeson - dere das Büro für Mitwirkung und Engagement im Amt für Stadtentwicklung, das Gartenbauamt und das Kulturamt. Sie haben zusammen die Energie entstehen lassen, die Veränderungsprozesse und gute Lösungen möglich machen. Der Prozess lebt von diesem Engagement. Wir wünschen Ihnen für den weiteren Weg und die Entwicklung des Mitein - anders weiterhin viel Energie und gutes Gelingen. 50 | Generationen. Dialog. Zukunft. Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V.
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Extrahierter Text
Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/1031 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: AfSta Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut 2021 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Hauptausschuss 21.09.2021 2 x vorberaten Gemeinderat 28.09.2021 10 x Beschlussantrag (Kurzfassung) Der Gemeinderat beschließt das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut als Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung der Maßnahmen vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Finanzmitteln. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Grüne Stadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Karlsruhe 2020 (ISEK) benennt als ein zentrales Leitvorhaben die Stadtteilentwicklung. Nach Beschluss des Hauptausschusses vom 27. Januar 2015, sollen gemeinsam mit den Akteuren vor Ort sukzessive für alle Karlsruher Stadtteile Integrierte Stadtteilentwicklungskonzepte (STEK) als Rahmen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung erstellt werden. Durch die STEK-Prozesse wird die gesamtstädtische Perspektive konkretisiert und in den Stadtteilen kooperativ und alltagsnah umgesetzt. Wesentliches Element eines jeden STEK-Prozesses ist die Aktivierung und Mobilisierung des Erfahrungswissens, der Kenntnisse, der Problemsicht und der Einsatzbereitschaft der in den Stadtteilen lebenden und tätigen Bürgerinnen und Bürger. Die Selbstverwaltung und das bürgerschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort sollen über Prozesse der Bürgerbeteiligung gestärkt werden. STEK-Prozesse gab es in den letzten 20 Jahren in Karlsruhe in neun verschiedenen Stadtteilen: Oststadt (2001-2003), Südstadt (2002-2004), Innenstadt-West (2004-2006), City-West (2006-2008), Mühlburg (2007- 2010), Rintheim (2009-2012), Neureut (2013-2015), Knielingen (2015-2016). Aktuell wurde der Prozess im Stadtteil Oberreut (2018-2021) abgeschlossen. Der knapp dreijährige Bürgerbeteiligungsprozess in Oberreut wurde nach Beschluss des Gemeinderats am 23. Oktober 2018 eingeleitet. Schwerpunkte waren, aufgrund des hohen sozialen Handlungs- und Integrationsbedarfs in Oberreut, soziale Aspekte wie Bildung und Beschäftigung, die Förderung von Teilhabe, des sozialen Miteinanders und der Integration sowie die Stärkung von Dialog- und Engagementstrukturen. Im breit aufgesetzten Kooperationsprozess des STEK Oberreut wirkten Vereine, soziale Träger und engagierte Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil mit. Das Amt für Stadtentwicklung war für die Organisation und Durchführung des STEKs verantwortlich, die Projektleitung übernahm hierbei das Büro für Mitwirkung und Engagement. Der gemeinnützige Verein Generationen.Dialog.Zukunft – Netzwerk für demografiebewusste Entwicklung e. V. (G.D.Z.) wurde mit der Konzipierung, Steuerung und Durchführung des Beteiligungsverfahrens beauftragt. Durch ämterübergreifende Zusammenarbeit in Lenkungs- und Steuerungsgruppentreffen wurden Planungen der verschiedenen Ämter zusammengebracht und synchronisiert. Die Erarbeitung des Stadtteilentwicklungskonzeptes basiert so auf der IQ-Arbeitsweise der Stadtverwaltung. Insbesondere das IQ-Leitprojekt „Bunte Stadt“ aus dem IQ-Korridorthema „Soziale Stadt“ konnte eng mit dem Stadtteilentwicklungsprozess Oberreut verknüpft werden. Vier Phasen des Beteiligungsprozesses Die Beteiligungsformate des STEK-Prozesses zielten auf die Förderung von Kommunikation und Teilhabe im Stadtteil, die Stärkung des sozialen Miteinanders und der Integration sowie den Aufbau von Strukturen für Dialog und Engagement ab. Im ersten Prozessabschnitt (1. Halbjahr 2019) wurden Informationen eingeholt, gesichtet und nach Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) analysiert. Ein zweiter Schwerpunkt dieser Phase war es, mit den Akteurinnen und Akteuren sowie Bewohnerinnen und Bewohnern in Form von Gesprächen, Begegnungen und Befragungen vor Ort in den Dialog zu treten sowie begleitende Gremien zu etablieren und Auftakttreffen durchzuführen. Wichtige Formate in dieser Phase waren die Auftaktveranstaltung mit 57 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sowie das jeweils erste Lenkungs- und Steuerungsgruppentreffen. Zudem wurden eine Online-Beteiligung zur räumlichen Verortung von Stärken und Schwächen im Stadtteil über das städtische Beteiligungsportal und über 80 aktivierende Kurz-Interviews im Stadtteil durchgeführt. Im zweiten Prozessabschnitt (September - Oktober 2019) wurde das Vorgehen, mit dem Ziel mehr Bürgerinnen und Bürger zu motivieren sich einzubringen, angepasst. Die aufsuchende Beteiligung wurde intensiviert, mehr Präsenz im Stadtteil gezeigt und die Menschen direkt angesprochen. Als zentrale Veranstaltung dieser Phase fand im Oktober 2019 das Stadtteilforum „Oberreut gemeinsam gestalten“ mit Projektschmiede und Stadtteilspaziergängen zu den Themen Radverkehr, Sicherheit und – 3 – Spielflächenentwicklung mit circa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Zudem wurde bei verschiedenen im Stadtteil stattfindenden Treffen Werbung für den Prozess und die Beteiligungsmöglichkeiten gemacht und ein erster Runder Tisch zum Thema „Soziales Oberreut“ durchgeführt. Im dritten Prozessabschnitt (November 2019 - Februar 2021) wurden die verschiedenen identifizierten Handlungsfelder ausgehend von einem gemeinsamen Treffen mit circa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in selbständigen Projektgruppen durch engagierte Bürgerinnen und Bürger und Akteurinnen und Akteure weiterbearbeitet. Zudem fand ein Runder Tisch zum Thema „Ärzteversorgung in Oberreut“ statt und es gab Begehungen zu den Themen Sauberkeit, Sportanlage Anne-Frank-Schule, Radwege und Bolzplatz Albert-Braun-Straße. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona- Pandemie konnten ab April 2020 die Treffen und Veranstaltungen ausschließlich (mit Ausnahme der Begehungen) in digitaler Form stattfinden, was den Prozess erheblich verlangsamte. Deswegen wurde seitens der Verwaltung entschieden, den Prozess um sieben Monate bis Ende Juli 2021 zu verlängern. Online gab es weitere Veranstaltungen wie die Vorstellung des Spielplatzkonzeptes, mehrere Steuerungsgruppentreffen, ein Lenkungsgruppentreffen sowie Austauschtreffen zum Thema „sozial- kulturelles Zentrum“. Im abschließenden Prozessabschnitt (Frühjahr/Sommer 2021) wurden die Erkenntnisse aus dem Stadtteilentwicklungsprozess in Berichtform zusammengeführt. Gleichzeitig wurde die Verstetigung des Engagements durch die Weiterführung von stadtteilprägenden Projekten vor Ort, der Arbeit des Quartiersmanagement und der Stadtteilkoordination angestoßen. Führt man die Ergebnisse der verschiedenen Workshops und Veranstaltungen mit den Aktivitäten der Akteurinnen und Akteure vor Ort sowie den Resultaten der elf Projektgruppen zusammen, dann kristallisieren sich vier querschnittsorientierte Handlungsfelder für die Zukunft heraus. Die Bürgerinnen und Bürger haben in den Beteiligungsveranstaltungen folgende Ziele und notwendige Maßnahmen erarbeitet, die sukzessive in den nächsten Jahren durch die Fachämter in Begleitung des Büros für Mitwirkung und Engagement und je nach finanziellen Mitteln umgesetzt werden sollen. Sie bedürfen einer regelmäßigen Überprüfung, Weiterentwicklung und eventuell Neuformulierung. Handlungsfeld 1: Soziales, Image und Kultur Leitziel: Gutes Zusammenleben in einem lebendigen und aktiven Stadtteil mit eigener Identität. 1. Aufwertung des Stadtteils, Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität Maßnahmen: • Sauberkeit im Stadtteil unter anderem durch bessere Positionierung von Mülleimern beim Rondell fördern. • Entwicklung attraktiver Anziehungspunkte für Besucherinnen und Besucher in Form von Einrichtungen aus dem Bereich Sport und Freizeit. • Förderung und Stärkung des ehrenamtlichen Engagements und Verantwortungsübernahme vor Ort als wichtige Basis für die Realisierung von Maßnahmen sowie deren Instandhaltung und Pflege. • Förderung von kriminalpräventiven Maßnahmen. 2. Ausbau, Stärkung und Vernetzung der sozialen Strukturen für Begegnung und Austausch Maßnahmen: • Schaffung eines Treffpunktes zum zwanglosen Austausch (beispielsweise Grillplatz oder ein attraktiver Platz mit Brunnen). • Planung und Unterstützung von stadtteilbezogenen und -übergreifenden Festen. • Unterstützung von bürgerschaftlichen Aktivitäten zu Klima, Gesundheit und Natur (beispielsweise die Ernennung Oberreuts als Energiequartier). – 4 – 3. Entfaltung einer vielfältigen Stadtteilkultur Maßnahmen: • Aufbau eines sozial-kulturellen Zentrums mit viel Raum für Beteiligung, Begegnung, Kulturangebote und Unterstützungsleistungen. Hierzu gab es bereits mehrere Treffen mit interessierten Akteurinnen und Akteuren und das Vorhaben wird von dem Büro für Mitwirkung und Engagement und durch das Leitprojekt "Bunte Stadt“ eng begleitet. • Frei zugängliche kulturelle Aktionen fördern (beispielsweise eine mobile Bühne, die im Sommer auf Freiflächen im Quartier kleinere Musikevents ermöglicht). Das Musical „Jenny aus Oberreut“, das Projekt „Oberreut deluxe“ oder auch die Ausstellung „Alle nach Oberreut“, die in Kooperation mit dem Leitprojekt „Bunte Stadt“ stattgefunden haben oder stattfinden werden, zeigen die Vielfalt möglicher kultureller Aktionen auf. • Ausbau der Projekte mit Jugendlichen in Kooperation mit dem Stadtjugendausschuss. Handlungsfeld 2: Beteiligung, Engagement, Strukturen der Zusammenarbeit und Verstetigung Leitziel: Vertrauensvolle Kooperation zwischen den Beteiligten (Ämter der Stadtverwaltung und den Akteurinnen und Akteuren sowie Bürgerinnen und Bürgern vor Ort), um Oberreut positiv weiterzuentwickeln. 1. Bürgerschaftliches Engagement würdigen, weiterführen und unterstützen Maßnahme: • Förderung von bürgerschaftlichem Engagement durch Kooperationsprojekte zwischen Stadt und Bürgerschaft. Wenn vorhanden können Flächen für Freizeitanlagen von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, der Unterhalt wird bürgerschaftlich getragen. Dies könnte beispielsweise für eine Pump-Track-Anlage oder die Öffnung der Sportflächen an Schulen ein zukünftiger Weg sein. 2. Aktivierung von mehr Bewohnerinnen und Bewohnern, sich im Stadtteil einzubringen Maßnahme: • Stärkung niederschwelliger Kommunikationsstrukturen im Verbund des Jugend- und Gemeinschaftszentrums „Weißer Rose“, Ökumenischem Gemeindezentrum und Jugendgarten. 3. Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung sowie der Akteurinnen und Akteuren vor Ort verstetigen, pflegen und ausbauen Maßnahme: • Systematische Vernetzung der Akteurinnen und Akteure (Stadtteil und Verwaltung) begleitet durch die Stadtteilkoordination. Die Vernetzung fördert Informationsfluss, Transparenz sowie Kooperationen und dient damit der gesellschaftlichen Teilhabe der Menschen vor Ort. Die Stadtteilkoordination unterstützt die soziale Arbeit im Quartier und steht mit dem Quartiersmanagement bereits in engem Austausch. Handlungsfeld 3: Wohnumfeld, Freiraum, Rad- und Fußverkehr Leitziel: Oberreut als grüner Stadtteil mit vielfältigen und vernetzten Freizeit- und Freiraumangeboten. 1. Steigerung der Freizeit- und Naherholungsnutzung Maßnahmen: • Entwicklung des Waldes für die örtliche Naherholung (beispielsweise Trimm-Dich-Pfad). • Durchführung von waldpädagogischen Veranstaltungen für alle Schularten. • Regelmäßige Müllsammelaktionen, Umweltbildungsangebote und Informationsspaziergänge zu unterschiedlichen Themenbereichen. – 5 – • Der Wunsch nach einem überdachten Treffpunkt für Jugendliche wurde im Dezember 2020 in der Nähe des Jugendgartens realisiert. Der Unterhalt muss zukünftig verstärkt von den Nutzerinnen und Nutzern getragen werden. • Weiterer Ausbau der Radinfrastruktur im Stadtteil. Es wurde hierzu eine gemeinsame Begehung durchgeführt. Zahlreiche kleinere Mängel (wie Bordsteinabsenkungen oder das Versetzen von Pollern) konnten direkt behoben werden, einige größere Änderungsvorschläge der Bürgerinnen und Bürger befinden sich derzeit in der Prüfung durch die Verwaltung. 2. Bedarfsgerechte Erweiterung der Sportanlagen Maßnahmen: • Zur Aufwertung des Bolzplatzes an der Albert-Braun-Straße wurden bereits neue Bänke, Netze und Fahrradstellplätze realisiert. Die Umsetzung der Belagsänderung wird als Einzelprojekt für den nächsten städtischen Doppelhaushalt angemeldet. • Die Ergänzung der Calisthenics-Anlage auf dem Spielplatz Woerishofferstraße/ Kapellenweg wird als sinnvoll erachtet. Die gemeinsame Planung mit Akteurinnen und Akteuren aus Oberreut ist bereits abgeschlossen, nach der Projektfreigabe erfolgt die Umsetzung. • Prüfung der Öffnung der Sportplätze der Anne-Frank-Schule außerhalb der Schulzeiten in Zusammenhang mit der Sanierung der Sporthalle. 3. Attraktivitätssteigerung von öffentlichen Freiflächen, Grünflächen und Spielplätzen Maßnahmen: • Umsetzung der Entwicklungskonzeption für Spielplätze aus dem Jahr 2020 für eine attraktive Spielflächengestaltung in Oberreut. Der Kinderspielplatz Weiße-Rose-Weg wird als erstes saniert, der Spielplatz Graf-Galen-Straße wird in den nächsten beiden Jahren saniert. Die weiteren Maßnahmen sollen mittel- bis langfristig umgesetzt werden. • Einbeziehung der Bürgerschaft bei Maßnahmen zu öffentlichen Frei- und Grünflächen. • Aufwertung und Umgestaltung von öffentlichen Plätzen und Freiflächen mit geringer Aufenthaltsqualität zur Verbesserung des Stadtbildes (zum Beispiel „Oberreut Zentrum“, Julius-Leber-Platz). Handlungsfeld 4: Gesundheits- und Nahversorgung Leitziel: Gut versorgt in Oberreut – die Bewohnerinnen und Bewohner finden zeitgemäße, barrierefreie, ambulante gesundheitliche Angebote vor. 1. Sicherstellung, Verbesserung und Ausbau der medizinischen Versorgung Maßnahme • Begleitung beim Ausbau der medizinischen Versorgung in Oberreut. Es hat hierzu bereits ein Runder Tisch mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren aus Oberreut, interessierten Ärztinnen und Ärzten, der Verwaltung sowie der Kassenärztlichen Vereinigung stattgefunden. Ein weiterer Runder Tisch ist derzeit in Planung. 2. Verbesserte fußläufige Nahversorgung Maßnahme • Erweiterung des Wochenmarktsortiments mit neuen Ständen durch aktives Bewerben des Oberreuter Wochenmarktes bei Neubewerberinnen und -bewerbern. Weitere Umsetzung Die Vernetzung und der Austausch der Akteurinnen und Akteure innerhalb des Quartiers, wie auch zwischen Quartier und Verwaltung sollen auch nach Abschluss des STEK-Prozesses weiter bestehen. Es besteht eine große Notwendigkeit, die sozialen und multikulturellen Themen und Aktivitäten der unterschiedlichen Institutionen im Stadtteil miteinander zu verknüpfen und zu bündeln. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement können die Stadtteilkoordination und das Büro für Mitwirkung und – 6 – Engagement die Vernetzung und den Austausch im Stadtteil weiter fördern sowie das stadtteilbezogene Engagement unterstützen. Die Verstetigung des STEK-Prozesses erfolgt zudem durch die sukzessive Umsetzung der hier angeführten Maßnahmen in Begleitung des Büros für Mitwirkung und Engagement. Die Maßnahmen werden bereits im laufenden Haushalt der Fachämter je nach Möglichkeit mitberücksichtigt. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Hauptausschuss – Der Gemeinderat beschließt das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut als Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung der Maßnahmen vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Finanzmitteln.
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Niederschrift 22. Sitzung Hauptausschuss 21. September 2021, 16:30 Uhr öffentlich Bürgerssaal, Rathaus Marktplatz Vorsitz: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 3. Punkt 2 der Tagesordnung: Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut 2021 Vorlage: 2021/1031 Beschluss: Kenntnisnahme im Rahmen der Vorberatung für den Gemeinderat Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 2 zur Behandlung auf. Es handle sich um eine Vorbera- tung für den Gemeinderat. Er begrüßt Herrn Weinmann von G.D.Z. (Generationen.Dialog.Zukunft) und bittet ihn, in die The- matik einzuführen. Herr Weinmann erläutert anhand einer PowerPoint-Präsentation den aktuellen Sachstand. Der Vorsitzende bedankt sich bei Herrn Weinmann für den Vortrag. Die Debatte werde nächste Woche im Gemeinderat geführt. Stadtrat Honné (GRÜNE) bestätigt, es wurde schon viel erreicht in Oberreut. Dennoch habe er einige Fragen. Wie könne das Zentrum von Oberreut attraktiver gestaltet werden? Gebe es neue Erkenntnisse zur Kinderarztpraxis, die neue Räume benötige? Stadtrat Pfannkuch (CDU) meint, die Urentstehung von Oberreut sei eine städtebauliche Sünde gewesen. In der Zwischenzeit habe sich Erhebliches getan. Der Prozess sei auch noch in Bewe- gung. Fasziniert habe ihn an dem Vortrag die Klarheit. Die sehr überschaubaren Strukturen müsse man sich bewahren, weil sie ein Muster für andere Verhältnisse und die Voraussetzung für weitere Überlegungen in Oberreut darstellten. Man könne sich überlegen, welche Ressourcen man bisher für dieses dargestellte Quartiersmanagement verteilt habe. Könne man durch – 2 – Ressourcenumverteilung tatsächlich einen echten Gewinn und ein echtes Quartiersmanagement erreichen, das man sich leisten könne. In vielen Bereichen werde viel Gutes gemacht. Jetzt sei es die große Kunst, dies neu zu formatieren, eventuell auf der Grundlage der Rahmenüberlegungen. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI) regt an, sich an der Südstadt zu orientieren. Dort gebe es seit vielen Jahren ein regelmäßiges Treffen, welches offen sei, wo jeder hinkommen könne. Vielleicht könne man so etwas nach Oberreut transferieren. Man hätte ein Vorbild und könne davon profi- tieren. Der Vorsitzende geht auf die Fragen von Herrn Stadtrat Honné ein. Es betreffe die Volkswoh- nung, die an der Neue Mitte beteiligt sei. Man werde es schriftlich beantworten. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD) stellt fest, das Leben in Oberreut habe sich in den letzten Jahren ge- wandelt. Es sei ein großes Miteinander entstanden. Herr Weinmann bekennt, zur Kinderarztpraxis könne er keine Aussage machen. Es habe einen runden Tisch zusammen mit der Volkswohnung gegeben, an welchem er jedoch nicht beteiligt gewesen sei. Die gute Nachricht sei, dass man auf der Lösungssuche sei. Die Menschen lebten gerne in Oberreut. Es gebe ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl. Der Vorsitzende stellt, nachdem keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, die erfolgte Vorbera- tung fest. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 23. September 2021
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Niederschrift 28. Plenarsitzung des Gemeinderates 28. September 2021, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 11. Punkt 10 der Tagesordnung: Integriertes Stadtentwicklungskonzept Oberreut 2021 Vorlage: 2021/1031 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Oberreut als Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und beauftragt die Verwaltung mit der Um- setzung der Maßnahmen vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Finanzmitteln. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 10 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Hauptausschuss. Stadträtin Großmann (GRÜNE): Der Vorlage zum integrierten Stadtteilentwicklungskonzept für Oberreut stimmen wir gerne zu. Wir freuen uns mit den Bürger*innen von Oberreut auf die weitere Umsetzung der einzelnen Maßnahmen und auch an diesem Ort. Vielen Dank an alle, die sich in diesem Prozess eingebracht haben. Damit die genannten Handlungsfelder umgesetzt werden, muss die Bevölkerung weiterhin eingebunden und deren Bedürfnisse gehört werden. Im Bericht wird erwähnt, und das wissen wir hier alle, dass es in Oberreut mit seinen über 10.000 Einwohner*innen vielfältige Herausforderungen gibt. Die Gründe für viele bestehende Probleme liegen, wie wir auch wissen, unter anderem in der Stadtplanung, dem schnellen Wachstum von Oberreut und die daraus resultierenden Themen, wie zum Beispiel hohe Er- werbslosigkeit, Integrationsbedarf und Defizite im sozialen Miteinander. Da müssen nun Hand- lungen erfolgen, und das Bauen in Oberreut hat noch kein Ende. Wir GRÜNEN begrüßen die Schaffung der Stelle einer Quartiersmanagerin und einer Stadtteilkoordinatorin, die die zentra- len Gedanken des sozialen Miteinanders und der sozialen Teilhabe nun gezielt verfolgen kön- nen. Beide werden die Vernetzung der Strukturen des Stadtteils vorantreiben. Der Bürgerverein sollte dabei mit im Boot bleiben. – 2 – Einige Punkte, die bereits initiiert und geplant sind und wir GRÜNEN gespannt verfolgen, sind das Sozialkulturelle Zentrum, aber auch, dass die Wünsche und Forderungen, die vonseiten der Jugendlichen genannt wurden, ernst genommen werden, zum Beispiel die Öffnung des Schul- hofes der Anne-Frank-Schule und eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung. Das Pop-up-Café sollte nicht das einzige Café bleiben. Und apropos Grüne Stadt: Oberreut hat einen sehr breiten grünen Streifen. Aber es braucht im Wohnbereich neu zu gestaltende Zentren, mit Orten der Begegnung, mit Sitzbänken à la Marktplatz, mehr Grün rund um das Einkaufszentrum. Solche Plätze tragen zum Gelingen eines guten Zusammenlebens in einem Stadtteil bei, das wissen wir von der Quartiersarbeit in anderen Stadtteilen. Es sollten auch in Zukunft niederschwellige An- gebote für Menschen mit Migrationshintergrund, geringen Sprachkenntnissen oder Menschen mit Beeinträchtigung und alte Menschen geben. Zu guter Letzt ist die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung durch den weiteren Einbezug der Ärztinnen und Ärzte vor Ort und die Ausweitung des Angebots im Gesundheitswesen drin- gend angesagt, am besten mit einem Gesundheitszentrum, das gut erreichbar und barrierefrei ist. Die Quartiersarbeit in Oberreut muss weiter finanziert werden, um Teilhabechance zu schaffen und Brücken zwischen den Menschen und Institutionen zu bauen. Dazu braucht Ober- reut starke Partner. Das ist für uns GRÜNE ein wichtiges Anliegen, denn die Folgekosten für mangelnde Integration und Engagement bleiben nicht aus. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Ich will nicht ins Detail gehen, aber grundsätzlich für die CDU- Fraktion zum Ausdruck bringen, dass wir hinter diesem Quartierskonzept stehen. Das halten wir für eine in der Zukunft prägende und auch erfolgsversprechende Entwicklung in den einzelnen Stadtteilen, und es gilt jetzt für Oberreut, weil wir das auch sehr gut vorgestellt bekommen ha- ben im Hauptausschuss. Das muss ich unterstreichen. Diese Konzeption macht Sinn, die soll auch weiterverfolgt werden. Da sind wir voll dahinter. Es ist ein Orientierungsrahmen, den wir dort brauchen, aber nicht nur dort. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir dieses Konzept auch auf andere Bereiche, Stadtteile ausdehnen. Allerdings - und jetzt müssen wir auch Acht geben -, diese Grundüberlegungen, die in Oberreut gemacht werden, sind durchaus übertragbar. Das ist das eine. Und das andere ist, wir reden häufig von Quartierskonzepten aus verschiedenen Richtungen und mit verschiedenen Ideen und Zwecken. Was jetzt unsere hohe Kunst ist, die ganzen Projekte, die Ideen, die von ver- schiedenen Dezernaten zum Teil auch eingestreut werden, übereinander zu bringen und auch haushaltsmäßige Konsolidierungsprozesse damit zu verbinden, damit wir nicht Dinge doppelt regeln und verausgaben. Deshalb, die Idee ist super, es ist sehr transparent und klar dargestellt worden für Oberreut. Es ist ein Muster für andere Dinge. Aber jetzt müssen wir schauen, wie wir unsere Kräfte wieder bündeln. Dann haben wir auch stadtweit Erfolg. Stadträtin Melchien (SPD): Oerreut bietet Potenziale. Die Lebensqualität ist definitiv besser der in Teilen noch vorhandene Ruf und wandelt sich sehr zum Positiven. Dies zeigt sich in dieser heutigen Beschlussvorlage. Die bietet sicherlich einen guten Rahmen für die zukünftige Weiter- entwicklung Oberreuts. Wir möchten zunächst allen Beteiligten danken, selbstverständlich dem Amt für Stadtentwicklung, allen Ämtern, die sich daran beteiligt haben, es waren sehr viele, und vor allen Dingen den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Oberreut und damit – 3 – auch für die gesamte Stadtgesellschaft tatkräftig eingebracht haben, und das vor allem unter erschwerten Bedingungen. Es war mitten in der Pandemie. Vor allem möchten wir uns auch bedanken, dass viele weiterhin Bereitschaft zeigen für die weitere Umsetzung. Viele Projekte sind nur angestoßen, und zum Teil bestehen auch Befürchtungen, dass Projekte jetzt scheitern, weil sie einfach noch nicht verwirklicht werden konnten. Wir danken allen, die sich weiterhin für die Entwicklung in Oberreut engagieren, sowohl vonseiten der Bürgerschaft als auch Ver- waltung. Dieser Steckprozess ist jetzt abgeschlossen. Es ist aber wichtig, dass das Handeln wirklich nicht beendet ist. Es ist unser ausdrücklicher Wunsch, dass in irgendeiner Form regelmäßige Beteili- gung weitergeführt wird, dass aus diesem vielen Guten, das jetzt entstanden ist, das tatsächlich genutzt wird, nicht nur was die Projekte angeht, sondern auch diese aufgebauten Kommunika- tionsstrukturen, dass die jetzt tatsächlich nicht im Sande verlaufen. Hier setzen auch wir, wie meine Kollegin Großmann, sehr stark auf das Quartier und das Zusammenspiel zwischen Quar- tiersmanagement, Stadtteilkoordination und eben Verwaltung und Politik. Es wurde Zahlreiches erreicht. Auch ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Auch kleinere Aspekte sind für die Jugendlichen vor Ort dann besonders wichtig, wie beispiels- weise ein überdachter Treffpunkt oder Spielplätze, aber auch für die gesamte Stadt kulturelle Angebote, die jetzt schon durchgeführt wurden. Wir haben die Hoffnung, dass noch mehr mög- lich ist. Unser Fokus liegt auf dieser Idee eines sozial-kulturellen Zentrums, die sehr groß entwi- ckelt wurde. Auch die ärztliche Versorgung und das gesamte Thema Sport, um es jetzt wirklich zusammenzufassen, ist ganz zentral im Weiteren. Wir haben die Bitte, dass, weil selbstver- ständlich nicht alles umsetzbar sein wird und auch schon so beschrieben ist, auch das im Stadt- teil kommuniziert wird, und zwar nicht als eine Kenntnisnahme, es kann nicht umgesetzt wer- den aufgrund der Haushaltslage, aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten, aufgrund von was auch immer, sondern - wenn es möglich ist - das Ganze im Dialog, auch wenn eben Maßnah- men nicht umgesetzt werden können, zu vermitteln. Auf der anderen Seite bitten wir um eine weitere Beteiligung im Rahmen der Umsetzung, dass Verbesserungen, die auf diesen Prozess zurückzuführen sind, tatsächlich für alle erkennbar sind. Beteiligung ist wichtig, ist wertvoll, aber sie ist vor allem auch wirksam. Stadtrat Hock (FDP): Ich habe vor 50 Jahren einige Jahre gewohnt in Oberreut. Wenn ich mir heute Oberreut anschaue, dann muss man wirklich sagen, was aus diesem Ortsteil geworden ist, ist wirklich vorbildhaft. Wenn man sieht, dass man sich gemeinsames Handeln für das Oberreut von morgen auf die Fahne geschrieben und viele Handlungsfelder bearbeitet hat, im Zusammenspiel mit der Bevölkerung in Oberreut, hat man natürlich auch viele Dinge her- ausgedeutet, wo in Oberreut noch Nachholbedarf ist. Wir haben das in der Jugendkonferenz hier in diesem Rat schon gehabt. Es geht um Bolzplätze, es geht um Versorgung mit Ärzten. Das ist ein wichtiges Thema in Oberreut. Da sind wir aber auch auf einem guten Weg. Die Kollegin hat es gerade angesprochen, unter dem Hintergrund der Haushaltslage, die auf uns zukommt, wird vieles, was wir jetzt in dieses hervorragend ausgearbeitete Heft, in das integrierte Stadttei- lentwicklungskonzept hineingeschrieben haben, vielleicht dann doch nicht gleich in die Umset- zung gelangen können. Das müssen wir natürlich dann aber weiterverfolgen und dürfen nicht sagen, jetzt hat es halt nicht geklappt mit dem Geld. Das funktioniert nicht. Wir müssen daran weiterarbeiten und schauen, dass wir immer einen Haken mehr machen können, wie man es sich vielleicht dann irgendwann in Jahren gewünscht hat. Irgendwann müssen wir schauen, dass – 4 – wir das, was die Menschen dann auch für sich herausgedeutet haben, was für ihren Ortsteil wichtig ist, dann als Gemeinderat weiterhin unterstützen, auch in schwieriger Haushaltslage. Meine Fraktion arbeitet gerne daran weiter mit. Deshalb, es wird eine schwierige Haushaltslage kommen, aber wir müssen - das hat der Kollege Pfannkuch auch gesagt - natürlich auch die an- deren Ortsteile weiterhin im Blick haben. Dort werden auch Dinge herausgearbeitet, genauso forciert wie in Oberreut. Aber meine Fraktion arbeitet gerne weiter mit. Stadtrat Cramer (KAL/Die Partei): Für meine Fraktion ist der Beteiligungsprozess, der in Ober- reut stattgefunden hat, bemerkenswert. Gute zweieinhalb Jahre haben sich die Bürger und In- stitutionen in Oberreut getroffen und letztendlich das vorliegende Konzept erarbeitet. Für mei- ne Fraktion ist aber entscheidend, und ich denke, in Oberreut selbst ist auch entscheidend, wie geht es weiter. Wie werden die Bevölkerung und Leute, die sich engagieren wollen, weiter mit- einbezogen? Ich habe es im Hauptausschuss schon gesagt letzte Woche, wir sollten auf Forma- te schauen, die in der Stadt schon seit vielen Jahren passieren. Ich erwähne insbesondere die Bürgerbeteiligung in der Südstadt, wo sich ungefähr alle drei bis vier Monate alle, die im Stadt- teil arbeiten, die im Stadtteil wohnen und sich einbringen wollen, an einen Tisch setzen und unter Moderation der Stadtverwaltung alles auf den Tisch bringen und besprechen. Das wird dann auch immer schnell in die Ämter weitergeleitet, was aktuell anliegt. Ich denke, auch das muss jetzt in Oberreut passieren. Denn die größte Gefahr oder das Schlimmste wäre, wenn jetzt alles im Sand verläuft und die engagierten Bürger den Eindruck haben, wir haben uns jetzt zwei, zweieinhalb Jahre eingebracht, aber im Grunde genommen hat sich es damit erledigt, und wir werden nicht mehr gehört. Da sollten wir stark ansetzen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wir haben im Hauptausschuss im öffentlichen Teil eine gute Vor- stellung bekommen von diesem integrierten Stadtteilentwicklungskonzept und dem, was schon passiert ist. Ich kann mich Herrn Hock nur anschließen. Es wurde auch thematisiert, der Spruch von wegen, wer den Tod nicht scheut und so weiter, hat mit Oberreut heute nichts mehr zu tun. Ich bin oft in Oberreut. Das Oberreut von heute ist mit dem meiner Jugend im Hinblick Zu- sammenhalt und Gefühl, wenn man durch den Stadtteil geht, nicht mehr vergleichbar. Deswe- gen wundert uns als AfD-Fraktion die positiven Ansätze, die jetzt herausgearbeitet wurden, das große Interesse daran, den Stadtteil gemeinsam voranzubringen, nicht. Denn man hat es in den letzten Jahren schon gesehen, dass hier vieles besser geworden ist. Ich will mich aber auch dem Herrn Pfannkuch anschließen. Vor dem Hintergrund hat Oberreut aus unserer Sicht kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Es ist ein Stadtteil wie viele andere in Karlsruhe. Wir sind der Meinung, dass die Stadtteile auf die gleiche Art und Weise weiterentwi- ckelt werden sollten. Da auf der Vorlage steht „Finanzielle Auswirkungen Nein“, halten wir es jetzt, wo uns so viele Sparrunden bevorstehen, nicht für den richtigen Zeitpunkt, um speziell für einzelne Stadtteile neue Stellen zu schaffen. Wir glauben eher, dass die bestehenden Stellen, die vorhanden sind, bei den Ämtern genutzt werden sollen, um möglichst viele Stadtteile auf gleiche Art und Weise voranzubringen. Also mehr Effizienz darin, verschiedene Stadtteile, die sich von ihrer Lage her vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden, sozial, vom Sportange- bot und so weiter, gemeinsam voranzubringen. Das wäre unser Ansatz. Dennoch, weil im Gro- ßen und Ganzen aus unserer Sicht hier gute Arbeit geleistet wurde und gute Konzepte entwi- ckelt wurden, werden wir dem Vorschlag heute zustimmen. – 5 – Stadtrat Bimmerle (DIE LINKE.): Das teile ich absolut nicht, dass Oberreut ein Stadtteil wie je- der andere ist. Allein die Analyse der Sozialstruktur in der Vorlage macht deutlich, dass es dort spezielle Situationen gibt bezüglich der gesellschaftlichen Zusammensetzung, dass vermutlich spezielle andere Maßnahmen prioritärer wären als in jedem anderen Stadtteil. Ich glaube, dass dieser Blick auf die individuelle Stadtteilsituation der Richtige ist, auch wenn man natürlich sa- gen muss, dass vieles, was man jetzt in Oberreut identifiziert hat, was wichtig ist, eine sehr gute Blaupause wäre auch für andere Stadtteile, um zu beurteilen, wie groß oder wie stark die Le- bensfertigkeit in einem Stadtteil sind. Ich glaube, der Prozess war vor allem wichtig hinsichtlich der Detailtiefe, neben dem Beteiligungsprozess natürlich, weil wenn man sich die Forderung ansieht von Gemeinschaftsorten, sei es ein soziales-kulturelles Zentrum, von gemeinsamen Gärten, von Sportflächen, übergehend zu gemeinschaftlichen Aktivitäten, wo es um offene Mit- tagessen geht, Cafés als Anlaufpunkt und vielen anderen Themen mehr. Es ist natürlich schon ein Feld, was sehr entscheidend ist, wie sehr man sich mit einem Stadtteil identifizieren kann, wenn man sich möglichst viel mit seinen Nachbar*innen und den anderen Bewohner*innen des Stadtteils im Austausch befindet. Nur dann kann ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Nur dann kann auch ein Verantwortungsgefühl entstehen, das ich in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gestalten will und mich zivilgesellschaftlich organisieren will. Deshalb ist es, finde ich, großartig, wenn erste Maßnahmen schon angelaufen und umgesetzt sind. Ich glaube, das ist der richtige Weg, dass wir nach solchen Beteiligungsformaten auch Maßnahmen, die vielleicht nicht die 10.000 Euro erfordern, sondern wirklich auf einem kleinen Dienstweg gelöst werden können, umsetzen, damit wir den Bürger*innen zeigen, dass sich es lohnt, bei solchen Beteiligungsprozess mitzumachen. Ansonsten kann ich mich den Kollegen nur anschließen, dass wir, wenn wir darüber reden, das auch für andere Stadtteile zu machen, sehr früh darüber sprechen müssen, inwieweit wir sol- che Projekte berücksichtigen und inwieweit wir das bewerkstelligen können. Ich glaube, diese Diskussion in der Jugendkonferenz bezüglich einzelner Projekte, zeigt deutlich, wenn Bürgerin- nen sich in einem Projekt beteiligen, dann erwartet man nicht, dass in 10, 15, 20 Jahren eine Lösung kommt, sondern das Gefühl ist meistens, es ist am besten morgen da, was natürlich nicht realistisch ist. Aber irgendwo eine Perspektive ist, glaube ich, notwendig, auch damit Bür- ger*innen aktiv ermuntert werden, daran teilzunehmen. Aber danke an die Verwaltung, das ist wirklich ein sehr umfangreiches und eigentlich auch gutes Bild, wie wir Oberreut weiterhin toll entwickeln können. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Ich möchte bei dem, was der Herr Stadtrat Bimmerle gesagt hat, anknüpfen. Es gibt keinen größeren Frust für unseren Prozess, als wenn die Menschen etwas kreativ entwickeln und begeistert sind über das, was man zusammenträgt, und man setzt es nicht um. Das kann an zwei Dingen liegen, entweder an den Finanzen oder an der Zeit. Wenn die Dinge sich sehr lang verzögern, dann fragen die Leute, was wird denn aus dem, was wir hat- ten, was wir erarbeitet haben. Dann ist der Frust da. Auch, wenn man sagt, es ist kein Geld da. Deswegen mein Rat für die Zukunft, wir sollten wenigstens ein Minimalbudget für so einen Pro- zess festlegen - das wurde auch erwähnt bei dem Bericht -, wo die Ämter sagen können, das können wir umsetzen, da auch sofort ein Betrag dafür da ist, und in dem Rahmen können wir das gleich den Menschen zusagen. Das würde so schon mal eine Teilumsetzung garantieren. Deswegen ist die Motivation dann auch wieder gegeben. Deswegen, an dem Punkt würde ich bitten, diesen Prozess weiterzuentwickeln. Das ist bis jetzt unbefriedigend. Das kann tatsächlich – 6 – ein bisschen besser gemacht werden. Ansonsten stimme ich allem Positiven zu, was hier gesagt wurde. Der Vorsitzende: Vielen Dank, das war die letzte Wortmeldung. Dann kommen wir zur Abstim- mung. – Das ist einstimmig. Ich darf das noch einmal mit dem gemeinsamen Dank an alle Betei- ligten verbinden und bitte, das auch entsprechend weiterzugeben. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 18. Oktober 2021