Jahrsbericht 2020 des Kulturamtes
| Vorlage: | 2021/0891 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 09.07.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grötzingen, Oberreut, Wolfartsweier |
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Jahresbericht 2020 des Kulturamtes Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Kulturausschuss 20.07.2021 1 X Information (Kurzfassung) Der Kulturausschuss nimmt den Jahresbericht 2020 des Kulturamtes (siehe Anlage) zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 –
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Jahresbericht 2020 Stadt Karlsruhe Kulturamt Kulturamt der Stadt Karlsruhe 2 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Inhalt Das Jahr im Überblick ............................................................................................. 4 Allgemeine Verwaltung/Zentrale Dienste ................................................................. 6 Karlsruhe ist UNESCO City of Media Arts ................................................................10 Kulturbüro ........................................................................................................... 14 Städtische Galerie ................................................................................................ 22 Stadtarchiv & Historische Museen ......................................................................... 24 Stadtbibliothek ..................................................................................................... 31 Impressum Herausgegeben von: Stadt Karlsruhe | Kulturamt Redaktion: Dr. Susanne Asche, Claus Temps Texte: Kulturamt: Dr. Susanne Asche Allgemeine Verwaltung/Zentrale Dienste: Jochen Schulz UNESCO City of Media Arts: Anastasia Ziegler Kulturbüro: Sonja von Droste, Dr. Rolf Fath, Claudia Lahn, Mathias Reich, Claus Temps, Charlotte Wegen Städtische Galerie: Sylvia Bieber, Christina Korzen, Martina Franke, Stefanie Fritsch, Stefanie Patruno Stadtarchiv & Historische Museen: Susanne Brenneisen, Dr. Katrin Dort, Dr. Ferdinand Leikam, Katja Schmalholz, Dr. Volker Steck, Eric Wychlacz Stadtbibliothek: Andrea Krieg Titelbild: Aram Bartholl, »Obsolete Presence«, 2020, Seasons of Media Arts. | © Aram Bartholl, Foto: Elias Siebert Layout: Presse- und Informationsamt, Undine Zimmermann Druck: Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand: Mai 2021 Kulturamt | 3 Von Schließungen und Neuanfängen – das Jahr 2020 im Überblick Das Jahr 2020 war für das Kulturamt mit seinen fünf Abteilungen ein eher bizarres Jahr, denn wir waren vor allem damit befasst, unsere Einrichtungen zu schließen, dann wieder unter Hygienebedingungen zu öffnen, um sie schlussendlich wieder zu schließen. Gleichzeitig war es ein Jahr der Abschiede und der Neuanfänge, ein Jahr des beginnenden Generationenwechsels auf der Führungsebene und ein Jahr der Medienkunst und internationalen Vernetzung. Die ersten beiden Monate des Jahres 2020 waren großartig: Ende Februar eröffneten wir im Stadtmuseum die sehr umfassende und vielseitige Ausstellung „Charleston und Gleichschritt – Karlsruhe in der Weimarer Republik“, zu der eine umfangreiche stadthistorische Publikation erschien. Nur eine Woche später erlebte die Städtische Galerie die Vernissage der Präsentation „(Un)endliche Ressourcen. Künstlerische Positionen seit 1980“, zu der ebenfalls ein Katalog erschien. Das Kulturbüro befand sich im Endspurt der Planungen der Europäischen Kulturtage 2020 (EKT:2020) zum Thema „Europa – ein Versprechen“. Alle Abteilungen des Kulturamtes waren damit befasst, das Kulturkonzept 2025 fortzuschreiben und um die Aspekte Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu erweitern. Mitte März kam dann der Lockdown, die Museen, das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek mit allen Außenstellen wurden geschlossen, ebenso alle anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen in Karlsruhe. Ende März entschieden wir kurz vor endgültiger Fertigstellung des Programmbuches gemeinsam mit dem Staatstheater, die EKT:2020 um genau ein Jahr zu verschieben und waren sehr froh, dass alle mitveranstaltenden Vereine, Institutionen oder freien Künstler*innengruppen diesen Entschluss mittrugen. Um der freien Kunstszene zu helfen, änderte das Kulturbüro kurzfristig die Fördervorgaben, so dass Honorare für Digitalproduktionen ausgegeben werden konnten. Das K 3 -Büro wurde zur zentralen Informationsstelle für die von Land, Bund und Stiftungen aufgelegten kulturellen Förderprogramme. Die Museen entwickelten Digitalformate, um ihre Präsentationen im Netz zeigen zu können, die Stadtbibliothek erweiterte die Onleihe und bot später einen umfassenden Abholservice. Die Fortschreibung des Kulturkonzeptes unterbrachen wir, da wir nicht wussten, wie sich die Kulturstadt Karlsruhe am Ende des Pandemiejahres darstellen würde. Dann kam die Zeit der vorsichtigen Öffnungen und der Hygienekonzepte, wir durchlebten alle ungeheure Lernkurven im Umgang mit der neuen Situation. Nach einer kurzen Phase im Sommer und Frühherbst kam der zweite Lockdown. Für die von der Stadt geförderten Kultureinrichtungen erschien die Lage immer bedrohlicher, so dass der Gemeinderat beschloss, einen Notlagenfonds aufzulegen, für dessen Vergabe aufwendige, mit Stadtkämmerei, Zentralem juristischen Dienst und Rechnungsprüfungsamt abgestimmte Rahmenbedingungen und Richtlinien erarbeitet wurden. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturämter im Städtetag Baden-Württemberg, dessen Vorsitz ich als Karlsruher Kulturamtsleiterin innehabe, brachte eine Baden- Württemberg weite Plakataktion auf den Weg, der sich auch Karlsruhe anschloss. Mit Beginn der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie empfahl die Stadt Karlsruhe als Arbeitgeberin die Nutzung der Möglichkeiten für Homeoffi ce. Dies wurde im Rahmen der verfügbaren technischen Ausstattung von zahlreichen Beschäftigten des Kulturamtes in Anspruch genommen, was von der Abteilung Allgemeine Verwaltung und unserer IT-Stelle große Anstrengungen verlangte. Im Einzelfall konnte – teils unter Abbau von Mehrarbeitsstunden – bei Beschäftigten auch die Betreuung von Kindern, denen der KiTa- und Schulbesuch verwehrt war, sichergestellt werden. Für die Mitarbeitenden, die ihre Arbeit nicht im Homeoffi ce Plakataktion des Städtetag Baden-Württemberg: Wir brauchen Kultur art Karlsruhe 2020, Foto: Kulturbüro 4 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 erledigen können wie die Kolleg*innen der Stadtbibliothek oder der Sekretariate, hieß es, sich damit abzufi nden, dass sie sich mehr als andere in die Gefahr einer möglichen Infektion begeben. Wir hatten aber das Glück, keine schweren Erkrankungen in unserem Kolleg*innenkreis erleben zu müssen. Das Jahr 2020 war aber auch das Jahr der Neuanfänge. Ende 2019 hatten wir erreicht, in das internationale UNESCO-Städtenetzwerk Creative Cities aufgenommen zu werden als einzige deutsche Stadt in der Sparte Medienkunst. 2020 wurde die Leitung der Geschäftsstelle für Karlsruhes Mitgliedschaft mit Anastasia Ziegler besetzt und sogleich wurden zahlreiche Projekte wie zum Beispiel „Seasons of Media Arts“ umgesetzt sowie internationale Vernetzungen geknüpft. Erstmals fi ndet sich folgerichtig in diesem Jahresbericht ein Kapitel zu City of Media Arts. Im Jahr 2020 begannen die Abschiede und Neuanfänge, die der Generationenwechsel im Kulturamt bedingt. Der neue Leiter des Stadtmuseums ist seit 1. April Dr. Ferdinand Leikam, der Dr. Peter Pretsch ablöste. Am 1. Juli übernahm Dr. Katrin Dort von Dr. Ernst Otto Bräunche die Leitung der Abteilung Stadtarchiv & Historische Museen. Zum Jahresende ging Dr. Brigitte Baumstark, die ihre letzte große Ausstellung über die jüdischen Karlsruher Künstler*innen nicht mehr eröffnen konnte, da diese vom Dezember 2020 in den Mai 2021 coronabedingt verlegt wurde. Seit 2021 leitet Stefanie Patruno die Städtische Galerie. Der Jahresbericht 2020 ist der letzte von mir verantwortete, da ich zum 31. August gehe. Der Rückblick auf dieses seltsame Jahr der Pandemie zeigt, wie gefährdet so viele als sicher geglaubte Gegebenheiten sein können. Mit dem Notlagenfonds bewies der Gemeinderat, dass er hinter der Kulturstadt Karlsruhe steht. Der Jahresbericht 2020 verdeutlicht, dass die Kulturstadt Karlsruhe und damit auch das Kulturamt mit allen seinen Mitarbeitenden viel Kraft, Mut und Energie aufgebracht haben, den Menschen die Begegnung mit Kunst, Kultur und Bildung trotz aller Schließungen und aller Hygiene- und Abstandsregeln zu ermöglichen. Dabei entwickelten wir neue Formate der digitalen Konversation, Begegnung und Präsentation, es entstanden neue Kooperationen und neue Strategien, die sicherlich über die Zeit der Pandemie hinaus tragfähig sein werden. So planten wir die EKT:2021 gleichzeitig als ein Festival, das analog, hybrid oder digital stattfi nden kann, es wurden rein digitale Kulturtage. Für die Fortschreibung des Kulturkonzeptes 2025 der Stadt Karlsruhe ist damit der Weg in die Digitalisierung im Jahr 2020 und auch 2021 schon sehr erfolgreich begonnen worden. Und das wird sicherlich nachhaltig sein. Dr. Susanne Asche Leiterin Kulturamt Kulturamt | 5 Allgemeine Verwaltung/Zentrale Dienste Die Abteilung erbringt als Querschnittseinheit zentrale Verwaltungsdienstleistungen für das gesamte Kulturamt. Dies geschieht in den Bereichen Personal, Organisation und Allgemeine Verwaltung, Finanzen und Controlling, Information und Kommunikation sowie durch organisationsübergreifende Servicedienste wie Buchbinderei und Aufsichtspool. Aufgabenschwerpunkte im Jahr 2020 Zu den Kernaufgaben der Abteilung zählen die Personal- und Organisationsplanung, die laufende Personalbewirtschaftung, die Themen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sowie die Klärung arbeits-, tarif- und dienstrechtlicher Fragen für alle Beschäftigten des Kulturamts. Das bereits seit einigen Jahren vermehrte Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem aktiven Dienst zeigt sich auch im Kulturamt. Um die vielfältigen Aufgaben weiterhin erfüllen zu können und den daraus, besonders in Bereichen mit Führungsverantwortung, resultierenden Wissensverlust so gering wie möglich zu halten, wurden freie Planstellen möglichst zeitnah wiederbesetzt. Insgesamt wurden im letzten Jahr 22 Stellenausschreibungsverfahren geplant, organisiert und durchgeführt, davon sieben mit Leitungsfunktion. Die tatsächliche Beschäftigtenzahl zum Jahresende im Kulturamt ist gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen. Vor allem vermehrte Teilzeitbesetzungen für Elternzeitvertretungen sowie die neu eingerichtete Projektstelle „Koordination UNESCO City of Media Arts“ sind ursächlich dafür. Nachfolgende Tabelle gibt die Entwicklung des Ist-Personalbestands jeweils zum Jahresende 2018 bis 2020 wieder. Anzahl der Mitarbeiter*innenVollzeitstellen Ist-Stellen zum31.12.201831.12.201931.12.202031.12.201831.12.201931.12.2020 Direktion inkl. UNESCO City of Media Arts 223*223* Verwaltung insgesamt, darunter Allgemeine Verwaltung Aufsichtspool Buchbinderei 48 7 37 4 47 7 36 4 44 7 33 4 32,55 5,26 23,62 3,67 32,88 6,07 23,14 3,67 30,53 6,07 20,79 3,67 Kulturbüro2022*23*18,0319,74*19,74* Städtische Galerie/ Kunstsammlungen 111112989 Stadtarchiv & Historische Museen 2222*23*20,5620,23*20,24* Stadtbibliothek**66666753,7655,9553,93 169170172135,90137,90136,44 * inkl. Projektstellen ** Haupt-, Jugend-, Amerikanische Bibliothek und Stadtteilbibliotheken Die folgende Grafik zeigt die Zusammensetzung aller Beschäftigten, inklusive Volontariate und Auszubildende. Zum 31. Dezember 2020 waren im Kulturamt insgesamt 183 Personen beschäftigt. Darüber hinaus wurden über das Jahr zehn studentische Praktika und auch zahlreiche kurzzeitige Betriebspraktika durchgeführt. 6 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Frauenanteil Kulturamt insgesamt und auf Leitungsebene von 2018 bis 2020 Der Frauenanteil im Kulturamt ist traditionell hoch. Im Zuge der Nachfolgebesetzungen ist es gelungen, das Verhältnis des Frauenanteils auf Leitungsebene dem Gesamtverhältnis anzupassen. Fehlzeitenquote Erfreulich ist der Rückgang der Krankheitsquote innerhalb der letzten drei Jahre bis auf 5,80 Prozent, sogar unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt (7,40 Prozent). Die ab März 2020 beginnende Corona-Pandemie führte dazu, dass der übliche Betriebsablauf in allen Abteilungen des Kulturamts auf den Kopf gestellt wurde. Auf die Verwaltungsabteilung kamen neben der alltäglichen Arbeit weitere Aufgaben zusätzlich hinzu: Beschaffung von pandemiebedingten Ausstattungsgegenständen (zum Beispiel Mund- und Nasenschutz-Masken, Desinfektionsmittel, Spuckschutz, Einmalhandschuhe und so weiter) Klärung, Beratung und Information der Führungskräfte und Mitarbeiter*innen des gesamten Amtes über die sich ständig verändernden Regelungen im Personal- und Finanzwesen (Corona- VO, Corona-Hilfsprogramme und so weiter) Klärung des Einsatzes von eigenem Personal während der Schließung der Museen und der Stadtbibliothek sowie des Einsatzes von Personal anderer Ämter der Stadt im Kulturamt Beschaffung von zusätzlicher IT-Hardware (Notebooks, Webcams, Videokonferenzsysteme unter anderem) im Zuge der Ausweitung des Homeoffice Ermittlung und Koordinierung der Mietstundungen für die direkt beim Kulturamt vereinnahmten Mieten Ausarbeitung und Entwicklung der Corona-Hilfen für städtische Kulturinstitutionen (Antragsformular, Richtlinien, Allgemeine Nebenbestimmungen) in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Kulturamt | 7 Bei den zentralen Diensten zeigten sich die Auswirkungen der Pandemie insbesondere beim Aufsichtspool, da aufgrund der Schließzeiten der Museen und der daraus resultierenden verkürzten Ausstellungszeiten der Bedarf an Aufsichtsstunden rapide zurückging. Aufgrund des Abbaus von Überstunden, von Urlaubsansprüchen sowie teilweisen Einsatzes in anderen Dienststellen der Stadt musste Kurzarbeitergeld noch nicht in Anspruch genommen werden. 201820192020 Anzahl der Ausstellungen171714 Bedarf an Aufsichtsstunden **** 35.77036.19820.894 **** inklusive Ausstellungseröffnungen, Konzerte, KAMUNA, Museumsfeste und sonstige Sonderveranstaltungen Verteilung der Aufträge der Buchbinderei von 2018 bis 2020 Die Buchbinderei war von den Auswirkungen der Pandemie nicht direkt betroffen, da die laufenden Restaurationsarbeiten für das Stadtarchiv sowie Buchbindearbeiten für die Stadtbibliothek weitgehend fortgeführt werden konnten. Durch den sich das ganze Jahr hinziehenden Umbau der Werkstatträume nach arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten sowie einen im Sommer auftretenden Wasserschaden im neu fertiggestellten Restaurationsraum kam es jedoch zu Verzögerungen im täglichen Betriebsablauf. Als Folge des reduzierten Personalbestands von ehemals sechs zu vier Personen verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt der Buchbinderei zunehmend auf Restaurationsarbeiten für die Abteilung Stadtarchiv & Historische Museen, wie nachfolgende Grafik zeigt. Entwicklung des Kulturetats von 2018 bis 2020 Im Finanzbereich stand besonders die Planung des Doppelhaushalts 2021/2022 beziehungsweise des Ein-Jahres-Haushalts 2021 – unter Corona-Bedingungen – im Vordergrund. Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Kulturetats. Neben den planmäßigen Aufwandssteigerungen beim Personal- und Versorgungsaufwand sowie beim Badischen Staatstheater, die auf die tariflichen Lohnerhöhungen zurückzuführen sind, zeigte sich 2020 auch ein coronabedingter Sondereffekt. Für die soziokulturellen Zentren (Tollhaus, Wirkstatt, KOHI, Mikado und andere) wurden Spenden in Höhe von knapp 200.000 Euro vereinnahmt, die als einmalige Projektzuschüsse in gleicher Höhe wieder an die Institutionen ausbezahlt wurden. 8 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Ordentliche Aufwendungen 2018 bis 2020 Des Weiteren wurde aus dem vom Gemeinderat im Sommer 2020 beschlossenen Corona- Hilfspaket in Höhe von 2,5 Millionen Euro am Jahresende bereits ein Betrag in Höhe von 170.000 Euro ausbezahlt. Die aus dem Zuschlag zur „UNESCO City of Media Arts“ und dem Aktionsplan resultierenden zusätzlichen Aufgaben und zu fördernden Medienprojekte (zum Beispiel Seasons of Media Arts und mehr) sind für den weiteren Aufwandsanstieg bei den Zuschüssen verantwortlich. Ausblick für das Jahr 2021 Folgende Aufgabenschwerpunkte oder Tätigkeiten werden für das Jahr 2021 erwartet: Unterstützung der Abteilungen während des Lockdowns und bei der Umsetzung weiterer Corona-Regelungen Abschluss der Sanierungsarbeiten im Restaurationsraum der Buchbinderei Erstellen eines Konzepts zur vorausschauenden Personalplanung 2027 Planung des Doppelhaushalts 2022/2023 Teilnahme als Pilotdienststelle am Projekt „Digitallotsen“ unter der Federführung des IT-Amts zur Erarbeitung einer stadtweiten Digitalisierungsstrategie Planung und Umsetzung der Einführung der e-Rechnung im Kulturamt Kulturamt | 9 Karlsruhe ist UNESCO City of Media Arts Im Oktober 2019 wurde Karlsruhe von der UNESCO als erste und bisher einzige Stadt in Deutschland mit dem Titel ‚City of Media Arts‘ [Stadt der Medienkunst] ausgezeichnet und in das weltweite Städtenetzwerk „Creative Cities“ aufgenommen. Im Rahmen der städtischen Bewerbung als UNESCO Creative City of Media Arts, die Bezug nahm auf das Kulturkonzept 2025 der Stadt Karlsruhe, hier insbesondere auf das Handlungsfeld 3 „Stärkung der Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Technologie“, wurde unter der Federführung des Kulturamts ein Aktionsplan für die Jahre 2020 bis 2023 entwickelt. Darin wurden sechs Handlungsfelder definiert: Initiierung und Ausstellung von Medienkunst im öffentlichen Stadtraum Förderung von innovativen, kooperativen und vernetzten Medienkunst-Projekten mit neuen kommunalen Mitteln Stadtentwicklung durch Kultur- und Kreativwirtschaft Ausbau des internationalen Kooperationsnetzwerks des ZKM und der Stadt Karlsruhe Intensivierung von internationaler Vernetzung, Austausch und Kooperation Kooperation und Austausch mit Partnern aus Ländern des Globalen Südens Für die Koordination der umfangreichen Gesamtaktivtäten wurde zum 1. August 2020 eine Stabsstelle UNESCO City of Media Arts bei der Amtsleitung des Kulturamts eingerichtet. Vielfältige Aktivitäten und besondere Herausforderungen 2020, das erste Jahr als UNESCO Medienkunststadt, wurde von der globalen Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben überschattet. Veranstaltungen wie das Lichtkunstfestival „Schlosslichtspiele“ konnten nicht in ihrer geplanten Form stattfinden. Dies stellte alle an den kulturellen und künstlerischen Projekten Beteiligten, insbesondere in Bezug auf die Planbarkeit, vor besondere Herausforderungen. Zu den Leuchtturmprojekten, die 2020 durchgeführt werden konnten, zählen das neue UNESCO-Projektförderprogramm für Medienkunst sowie das Medienkunstfestival „Seasons of Media Arts“. Auch erste Projekte in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Medienkunststädten wie das Online-Kooperationsprojekt „City to City“ wurden mit Erfolg realisiert. Insgesamt konnte die Wahrnehmung Karlsruhes als UNESCO City of Media Arts deutlich verstärkt werden. So ist der Titel ein wichtiger Themenschwerpunkt des touristischen Konzeptes der Karlsruher Tourismus GmbH geworden und Bestandteil der städtischen Kommunikation. Die Medienkunststadt war Thema zahlreicher Berichterstattungen in den Medien (SWR, arte, BNN, Badisches Tagesblatt, Badische Neusten Nachrichten, Shortfilm. de, MeinKA, Ka-news, Kulturnews) sowie in Beiträgen in den sozialen Netzwerken (Twitter, Instagram und Facebook). Ulf Langheinrich „OSC-K“, 2020, Seasons of Media Arts © Ulf Langheinrich, Foto: Elias Siebert 10 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Medienkunst im öffentlichen Raum Am 11. September 2020 wurde das gemeinsam vom Kulturamt und dem Zentrum für Kunst und Medien | ZKM durchgeführte Medienkunstfestival „Seasons of Media Arts“ mit einer Pressekonferenz eröffnet. Im Zeitraum vom 11. September bis 31. März 2021 präsentierte das Festival digitale und interaktive Medienkunstinstallationen im gesamten öffentlichen Stadtraum. Bei den ausgestellten Werken handelte es sich um Projekte, die durch eine Fachjury im Rahmen des UNESCO-Projektförderprogramm für Medienkunst ausgewählt wurden, sowie um Werke international renommierter Medienkünstler*innen, die durch das ZKM kuratiert wurden. Programmatisch befasste sich das Festival mit Fragen globaler Natur wie der Klimakrise, des technologischen Wandels oder der Demokratie im Zeitalter sozialer Medien. Ergänzend zu den öffentlichen Ausstellungen waren Veranstaltungen in und in Kooperation mit Initiativen und Kultureinrichtungen Karlsruhes Teil des Festivalprogramms. Zu den mitwirkenden Institutionen zählten: Independent Days | Internationale Filmfestspiele Karlsruhe des Filmboard Karlsruhe, Jazzclub Karlsruhe, jubez Stadtjugendausschuss Karlsruhe, Kulturzentrum Tempel und ZKM | Zentrum für Kunst und Medien. Mit der interaktiven Augmented Reality-Webseite „UrbanExplorAR“ von Christian Lölkes konnten alle Werke und Projekte der „Seasons of Media Arts“ mobil erkundet werden. Aufgrund der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen konnten nicht alle geplanten Veranstaltungen stattfinden. Die Ausstellung mit Medienkunstwerken im öffentlichen Raum wurde über das Jahr 2020 hinaus bis zum 31. März 2021 verlängert. So waren einige Werke länger zu sehen, andere Arbeiten, insbesondere Arbeiten, die eine direkte Interaktion zwischen den Besucher*innen erfordern, konnten nicht gezeigt werden. Im Zeitraum vom 11. September bis 27. Oktober organisierte das ZKM neun Fahrradtouren mit insgesamt 170 Teilnehmenden zu den verschiedenen Medienkunstwerken, die sehr positiv angenommen wurden. Das Festival wurde über die sozialen Netzwerke, die Internetseite des ZKM und die Internetseite UNESCO City of Media Arts, über Anzeigen, aber auch in der Stadt über Plakate an Litfaßsäulen und Postkarten beworben. Die „Seasons of Media Arts“ fanden im Jahr 2020 in einem kooperativen und zeitlichen Zusammenspiel mit dem beliebten Lichtkunstfestival „Schlosslichtspiele“ statt, welches vom Zentrum für Kunst und Medien I ZKM und der Karlsruhe Marketing und Event GmbH verantwortet wird. Unter dem Motto „Abbruch in der Realität - Aufbruch in die Virtualität“ wurden die „Schlosslichtspiele“ erstmalig als digitale Edition realisiert und ermöglichten so neue Formen der Partizipation. Im Zeitraum vom 15. August bis 13. September verfolgten geschätzt etwa 250.000 Menschen aus mehr als 120 Ländern weltweit die verschiedenen Shows im Online-Livestream. Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der „Seasons of Media Arts“ am 11. September 2020 in der Kinemathek Karlsruhe e. V. v. l. n. r.: Philipp Ziegler, ZKM; Prof. Michael Bielicky, Künstler; Prof. Peter Weibel, ZKM; Dr. Susanne Asche, Kulturamt; Dr. Albert Käuflein, Bürgermeister; Jonas Denzel, Künstler; Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister; Ulf Langheinrich, Künstler; Betty Rieckmann, Künstlerin, Foto: Roland Fränkle Kulturamt | 11 Die erfolgreiche Durchführung des Medienkunstfestivals „Seasons of Media Arts“ war eine der ersten großen Umsetzungsmaßnahmen des Aktionsplans 2020–2023 als UNESCO City of Media Arts. Veranstaltungen wie diese sind ein unverzichtbarer und integrierender Bestandteil einer nachhaltigen, modernen Stadtentwicklung und impulsgebend für die einzigartige, lebendige Stadtkultur Karlsruhes als internationale Medienkunststadt. Zeitgenössische Projektförderung Anlässlich der Verleihung des Titels zur UNESCO City of Media Arts hat die Stadt Karlsruhe ein neues Projektförderprogramm für Medienkunst und internationale Vernetzung mit einem jährlichen Volumen von 100.000 Euro aufgelegt. Im Januar 2020 wurde das Förderprogramm erstmalig ausgeschrieben und traf sofort den Nerv der Medienkunststadt: Insgesamt 60 Projektvorschläge von Karlsruher Kunst- und Medienschaffenden wurden bis zum 31. März 2020 eingereicht. Das Kulturamt unterstützte insgesamt zwölf Projekte mit Projektgesamtkosten in Höhe von 192.000 Euro, davon zehn lokale und zwei internationale Vernetzungsprojekte. Ausgewählt wurden die Projekte durch eine Fachjury. Digitale SCHLOSSLICHTSPIELE 2020 | Aufrufstandorte, Foto: Karlsruher Event und Marketing GmbH 12 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Internationale Vernetzung und Kooperation, sowie Gremienarbeit und interne Dienstleistungen Auch in der Netzwerkarbeit ging es beim Großprojekt UNESCO City of Media Arts im Jahr 2020 gut voran. Gemeinsam mit neun internationalen Medienkunststädten des Media Arts Cluster des UNESCO Creative Cities Network – Austin, Braga, Calí, Changsha, Guadalajara, Košice, Sapporo, Viborg und York - hat das Kulturamt am 8. September eine neue Ausschreibung gestartet und Medienkünstler*innen aus Karlsruhe eingeladen, sich mit künstlerischen Projektvorschlägen zu bewerben. Unter der Überschrift „City to City“ sollte ein Medienkunstwerk entstehen, das auf einer vierwöchigen kreativen Online-Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen aus zwei verschiedenen Medienkunststädten basiert und sich kritisch reflektierend mit dem Thema „Human Responsibility“ auseinandersetzt. Zehn internationale Künstler*innen wurden ausgewählt, um in fünf gemischten Teams jeweils ein Medienkunstwerk zu schaffen. Karlsruhe war als einzige der beteiligten Städte mit zwei Medienkünstler*innen (Sarah Degenhardt, Gerardo Nolasco-Rózsás) vertreten. Am 10. Dezember fand eine weltweite Online-Veranstaltung via Zoom und Facebook statt, bei der die fünf Medienkunstwerke der Öffentlichkeit präsentiert und eine virtuelle Ausstellung eröffnet wurde. Im Bereich der Netzwerkarbeit begleitete die Stabstelle UNESCO City of Media Arts im Jahr 2020 als Koordinator, Mitglied oder vorbereitend und fachlich beratend verschiedene Gremien. Dazu zählen: Kulturausschuss Executive Board der UNESCO City of Media Arts Advisory Board der UNESCO City of Media Arts UNESCO Creative Cities Network Media Arts Cluster Deutsches Netzwerk UNESCO Creative Cities Jury UNESCO-Projektförderprogramm für Medienkunst Weitere Schwerpunkte der Tätigkeiten der Stabsstelle UNESCO City of Media Arts lagen im Jahr 2020 unter anderem in folgenden Bereichen: Präsentation der UNESCO City of Media Arts auf der art.Karlsruhe 13. bis 16. Februar (Infostand, Imagefilm, Präsentation Medienkunstsonderschau des ZKM) Weiterentwicklung der Kommunikation- und Marketingmaßnahmen Erarbeitung von Präsentationen, Pressemitteilungen, Sitzungsvorlagen und redaktionellen Texten für die Dezernate und die Amtsleitung Redaktion der Internetseiten zu UNESCO City of Media Arts unter www.karlsruhe.de und www.cityofmediaarts.de Konzeption, Koordinierung Ausschreibung Redesign Internetseite www.cityofmediaarts.de Ausschreibung einer Stelle (100 Prozent) Sachbearbeitung für UNESCO City of Media Arts Jonas Denzel, beambike, 2020, Foto: Jonas Denzel Kulturamt | 13 Kulturbüro fördern und beraten planen und veranstalten Das Kulturbüro ist die Förderabteilung des Kulturamts. Es ist Ansprechpartner der Kultureinrichtungen und der Kunst-, Kultur- und Kreativschaffenden in Karlsruhe bei allen Anträgen zur institutionellen und projektbezogenen städtischen Kulturförderung. Zugleich berät und begleitet es die Kulturschaffenden bei ihren kulturellen, künstlerischen und kultur- und kreativwirtschaftlichen Vorhaben und Tätigkeiten. Dabei ist ihm die Vernetzung der kulturellen Aktivitäten und Akteure themenbezogen sowie in alle Bereiche der Stadtgesellschaft und der Öffentlichkeit ein wichtiges Anliegen. Bei Förderentscheidungen ist dem Kulturbüro das Kulturkonzept 2025 der Stadt Karlsruhe mit seinem weiten und offenen Kulturbegriff ein wesentlicher Orientierungsrahmen. Zur Umsetzung des Kulturkonzepts 2025 und zur Schärfung des Kulturprofils der Stadt initiiert und organisiert das Kulturbüro auch eigene Veranstaltungen, vorzugsweise in Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen, mit Kultur- und Kreativschaffenden sowie mit der Zivilgesellschaft in Karlsruhe. Die Arbeit des Kulturbüros wie aller Kulturschaffenden war im Jahr 2020 geprägt von den erstmals am 13. März 2020 in Kraft getretenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Sie führten zur Schließung der Kultureinrichtungen und Untersagung beziehungsweise Einschränkung öffentlicher Veranstaltungen. Nach einer begrenzten Öffnung während der Sommermonate mit eingeschränktem Veranstaltungsbetrieb erfolgte eine erneute Schließung im November 2020; ein regulärer Kunst- und Kulturbetrieb war ab Mitte März 2020 nicht mehr möglich. Dies hatte starke Auswirkungen auf die Kulturförderung wie auf die Planung und Durchführung von eigenen oder Kooperationsveranstaltungen. Gleichzeitig konzentrierte sich die Förder- und Beratungstätigkeit des Kulturbüros auf die Vermittlung, Bereitstellung und Finanzierung von Räumen oder Orten, die unter Coronabedingungen bespielt werden können, auf Ermöglichung und Finanzierung alternativer, vorwiegend digitaler Veranstaltungsformate, auf die Beratung in Bezug auf Hygienekonzepte sowie auf die finanzielle Absicherung der in ihrer Existenz gefährdeten Kultureinrichtungen. 1. Fördern und beraten Die finanzielle Förderung kultureller Aktivitäten in Karlsruhe erfolgt im Wege der institutionellen Förderung und der Projektförderung. 1.1. Institutionelle Förderung Institutionelle Förderung bedeutet die regelmäßige und verlässliche Bezuschussung eines Kulturträgers in Karlsruhe mit einem in den Haushalt aufgenommenen festen jährlichen Betrag auf der Grundlage einer gemeinderätlichen Entscheidung. Auch wenn die geförderten Kultureinrichtungen im Laufe des Berichtsjahres coronabedingt nur einen Bruchteil ihrer kulturellen und künstlerischen Aufträge erfüllen konnten, konnte sichergestellt werden, dass die Jahresbeträge der institutionellen Förderung in vollem Umfang ausgezahlt werden. Dem schloss sich hinsichtlich der Komplementärförderung auch das Land Baden-Württemberg an. Aufgrund der laufenden raum- und personalbezogenen Fixkosten und der fehlenden Einnahmen aus Kartenverkäufen gerieten einige Einrichtungen in Liquiditätsschwierigkeiten, die durch Bundes- und Landesmittel wie durch die Auflegung eines kommunalen Hilfsfonds aufgefangen werden mussten. 1.2. Projektförderung Unmittelbar gestaltend wirken das Kulturbüro und das K 3 -Büro im Wege der Projektförderung sowie der Beratung und der Gründungsförderung auf das kulturelle Leben in Karlsruhe ein. Grundlagen sind die Richtlinien Projektförderung, die Richtlinien zur Förderung von Kulturvereinen durch veranstaltungsbezogene Mietkostenzuschüsse, die Richtlinien für die Theaterarbeit für und mit Kindern und Jugendlichen, die Kriterien zur Förderung von kulturellen Veranstaltungen ausländischer Vereine und Organisationen in Karlsruhe sowie die Richtlinien der Stadt Karlsruhe für die Gewährung von Zuschüssen zur Förderung des Chorgesangs und der Vereinsmusik. 14 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Die Zuschüsse im Rahmen der Vereinsmusikförderung konnten trotz der Einstellung des Proben- und Konzertbetriebes der Musik- und Gesangsvereine ungeschmälert ausgezahlt werden. Da den ehrenamtlich arbeitenden Vereinen jedoch coronabedingt andere regelmäßige Einnahmemöglichkeiten zum Beispiel aus Konzerten, Theateraufführungen und Stadtteilfesten wegbrachen, verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation im Laufe des Jahres, ohne dass dies städtischerseits aufgefangen werden konnte. Kulturelle und künstlerische Projekte, über deren Bezuschussung bereits vor der ersten coronabedingten Schließung im März 2020 entschieden worden war und die wegen der Maßnahmen nicht stattfinden konnten, wurden in der Regel auf einen konkreten späteren Zeitpunkt verschoben. Im Übrigen wurden die Kunst- und Kulturschaffenden eingeladen, Projekte zu realisieren, die im Internet auf einer gemeinsamen Plattform der KTG Karlsruhe Tourismus GmbH präsentiert werden konnten. Bei den Projektförderanträgen konnten ausdrücklich auch eigene künstlerische Honorare eingesetzt werden. Diese Antragsmöglichkeiten wurden insbesondere von Jazzmusiker*innen, aber auch von klassischen Ensembles und von Schauspieler*innen wahrgenommen. Dies konnte jedoch das klassische Begegnungsformat nicht ersetzen. Ein Schwerpunkt der Projektförderung hatte die Ermöglichung vernetzter Aktivitäten im Auge. So konnte mit Mitteln der Projektförderung eine Bühne auf dem Alten Schlachthof mitfinanziert werden, die von den Mitgliedern des Kulturrings von Mitte Juli bis Mitte September 2020 gemeinsam bespielt wurde („Toujours Kultur“). Ebenso konnte die Infrastruktur für ein gemeinsames Filmangebot auf dem Alten Schlachthof ermöglicht werden („Piazza del Cinema“). Die Bemühungen der Privattheater um eine gemeinsame coronageeignete Spielstätte blieben hingegen mangels entsprechender Räume erfolglos. 2. Planen und veranstalten Auch die Planung und Durchführung eigener Veranstaltungen des Kulturbüros und des K 3 -Büros für Kultur- und Kreativwirtschaft und von Veranstaltungen in Kooperation mit Kulturschaffenden und Kultureinrichtungen in der Stadt litten in starkem Maße unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Mit folgenden Planungen und Veranstaltungen waren die Beschäftigten des Kulturbüros im Jahr 2020 befasst: Europäische Kulturtage Karlsruhe (EKT) 2020 „Europa, ein Versprechen“: Vorbereitung für den Zeitraum 5. bis 17. Mai 2020; coronabedingte Absage; Abwicklung der Absage; Vorbereitung der EKT:2021 (2. bis 16. Mai 2021) UNESCO City of Media Arts: Messestand auf der art Karlsruhe, 13. bis 16. Februar 2020; Planung, Vorbereitung, Unterstützung in der Durchführung der „Seasons of Media Arts“, Pressekonferenz in der Kinemathek und als Livestream im Internet Corona-Pandemie: Beratung der Kultureinrichtungen und Kunstschaffenden zu Rechtsfragen der Corona- Verordnung und zu Hygienekonzepten in Absprache mit dem Ordnungsamt; regelmäßige Informationen der Institutionen über Bundes- und Landeshilfen; Beratung und Information zu Finanzhilfen, Entwicklung coronatauglicher hybrider Festival- und Veranstaltungsformate; Suche nach coronatauglichen Hallen und Sälen; Koordination der Plakataktion „Kultur braucht uns – wir brauchen Kultur“ des Städtetages Baden-Württemberg für Karlsruhe Veranstaltungen des K 3 -Büros: Planung/Absage von Präsenzveranstaltungen und Verlagerung in den virtuellen Raum: Statt „KreativStart-Kongress“ zehn Web-Seminare von März bis Mai zu unterschiedlichen Themen mit über 100 Teilnehmer*innen; „Creative Weibs“ (Juli und Dezember) und „Kreatives Speeddating“ (Juli) virtuell, 7x7 (Oktober) hybrid mit 100 Besucher*innen vor Ort und vielen weiteren im Live-Stream, Bizplay (Oktober 2020) hybrid mit 60 Besucher*innen vor Ort und 260 im Live-Stream Theatertag 2020, Foto: Felix Grünschloß Kulturamt | 15 Förderung von digitalen Projekten als Ersatz für Präsenzveranstaltungen; Beratung und Unterstützung des Kulturrings und seiner Mitglieder bei Konzipierung, Standortsuche, Finanzierung, Zuschussbeantragung der Open-Air-Festivals „Toujours Kultur“ und „Piazza del Cinema“, Alter Schlachthof, Juli bis September 2020; Aufbau der Corona-Sonderseite auf dem K 3 -Internetportal mit Übersicht aller Corona- Hilfsmaßnahmen und -Programme (Bund, Land und Kommune); regelmäßige Social-Media-Postings und Sondernewsletter zu Finanzhilfen und Corona; Einrichtung der Sonderseite „Supportyourlocals“ mit Übersicht aller Crowdfunding- und Spendenaktionen; Umfragen des K 3 -Büros zur aktuellen Situation der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Corona- Krise (Mai und September 2020); Abwicklung der Corona-Spenden zugunsten der Soziokulturellen Zentren Weiterentwicklung des Kreativparks Alter Schlachthof mit Ausschreibung und Neuvergabe der Ateliers im Atelierhaus, Neuvermietungen in der Großmarkthalle, Konzeption und Ausbau Haus der Produktionen, Auswahlgespräche Nutzer*innen Perfekt Futur Alter Schlachthof: Jury-Mitwirkung beim Licht- und Medienkunstwettbewerb des Vereins ausgeschlachtet für EKT:2021; „Sommerakademie“ mit zahlreichen Kreativkursen der Akteurinnen und Akteure des Alten Schlachthofs (24. bis 30. August 2020), veranstaltet von ausgeschlachtet e. V. mit Unterstützung des Kulturbüros Absage und Umplanung zahlreicher Veranstaltungen, auch im Bereich der Städtepartnerschaften Bauliche Projekte: Begleitung und Förderung des Bauprojekts Kulturhaus Kaiserpassage; Begleitung und Förderung Sanierung Kulturzentrum Tempel Internationale Kulturprojekte: Fortschreibung des Internationalisierungsprojektes (Federführung: SAM) Kultur und Gesellschaft: Muslimische Kulturtage im Fächer des Deutschsprachigen Muslimkreises Karlsruhe (Oktober 2020) 21. Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung 2020 mit Freya Klier, ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin. Absage. Verschiebung auf 22. Juli 2021 9. KinderLiteraturtage Karlsruhe – KliK 2020: Planung von rund 120 Veranstaltungen an 30 Karlsruher Schulen, thematisch orientiert an EKT:2020 „Europa – ein Versprechen. Verschiebung pandemiebedingt auf 2021 11. Karlsruher Krimitage 2020: Planung und Vorbereitung für März 2021; pandemiebedingt kurzfristige und ersatzlose Absage Musik im Rathaus, November/Dezember 2020: Vollständige Planung und Organisation. Kurzfristige Absage Anfang November; weitgehende Verschiebung des Programms auf 2021 ZeitGenuss – Festival für Musik unserer Zeit (22. bis 25. Oktober 2020) in Kooperation mit der Hochschule für Musik Karlsruhe, kuratiert von Wolfgang Rihm, mit Musiker*innen und Ensembles der Hochschule, der Stadt und überregional; Veranstaltungsorte pandemiebedingt unter anderem Kirchenräume (Christuskirche, Stadtkirche, Lutherkirche) Ausstellungen im Kulturzentrum Orgelfabrik als Plattform für raumbezogene künstlerische Experimente, mit Künstler*innen aus Karlsruhe und der Region; Coronabedingte Absage, Verschiebung von vier Ausstellungen sowie zwei Performances auf 2021 3. Konzeptionelle Entwicklungen In konzeptioneller Hinsicht befasste sich das Kulturbüro insbesondere mit folgenden Vorhaben: Relaunch von karlsruhe.de im Bereich Kultur Redesign und konzeptionelle Weiterentwicklung des Internet-Veranstaltungskalenders (kalender.karlsruhe.de) Weiterentwicklung der Kulturwegweisung Ausbau der Standorte für Kulturringsäulen Umstellung der Förderformulare „Institutionelle Förderung“ und „Projektförderung“ auf Online-Formulare Digitalisierung und Weiterentwicklung des Verfahrens zur Bewerbung um Mietkostenzuschüsse für städtische Ateliers und zu deren Bewilligung Digitalisierung und Weiterentwicklung des Verfahrens zur Ausschreibung und Vergabe der Ateliers am Alten Schlachthof Einführung eines Newsletters für Ateliersuchende mit Informationen zu verfügbaren Atelierangeboten Entwicklung von Förderrichtlinien für eine Coronahilfe Kultur der Stadt Karlsruhe Entwicklung eines Online-Formulars zur Beantragung der Coronahilfe 16 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 4. Weitere Schwerpunktthemen des Kulturbüros Weitere Schwerpunkte des Kulturbüros lagen im Jahr 2020 – über die alltägliche Förder- und Beratungspraxis hinaus – unter anderem in folgenden Bereichen: Städtepartnerschaften: Nancy: 65-Jahre Städtepartnerschaft Karlsruhe-Nancy, unter anderem Deutsch-Französischer Aktionstag des CCFA mit Jugendlichen aus Nancy, Hip-Hop und Interkulturellen Workshop (6. Februar 2020); Ausstellungsprojekt BBK Karlsruhe „Adaption“ mit „Soeurs Macarons“ Nancy (6. September 2020); Tag der offenen Tür des CCFA „voyage à Nancy“ mit Band Kalifa Mougnou aus Nancy (18. September 2020); Lesung GEDOK Lesung mit Autorin aus Nancy (13. Oktober 2020); Online-Workshop mit Nancy zu Independent Days (22. Oktober 2020) Nottingham: Mehrere Online-Konzerte des Robin Hood Youth Orchestra Nottingham mit dem Jugendorchester Karlsruhe Halle: Veranstaltungsprogramm zu 30 Jahre Wiedervereinigung mit Ausstellung, Gespräch, musikalisch-szenischer Lesung (1. bis 3. Oktober 2020) Krasnodar: Online-Aktionen: Video-Konzert mit Trio Cordavento zum 227. Stadtgeburtstag in Krasnodar; gemeinsame Online-Ausstellung zu Corona-Zeiten mit Bürger*innen und Künstler*innen Rijeka: Teilnahme von Karlsruher Fastnachter*innen am Karneval in Rijeka zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahrs Rijeka 2020 am 23. Februar 2020 ZKM: Erneute Übernahme der Geschäftsstelle des Stiftungsrats durch Kulturbüro nach Neuwahl des Oberbürgermeisters zum Stiftungsratsvorsitzenden (Juli 2020) Schule und Kultur: Aufgrund der Schließung der Schulen ab März 2020 Abschluss der Projekte aus dem Schuljahr 2019/2020 in veränderter Form; Hoher Beratungs- und Betreuungsaufwand seitens des Kulturbüros Kunst am Bau/Kunst im öffentlichen Raum: Organisation Abbau und Neuverortung der Kunstwerke am Theatervorplatz; Suche geeigneter Standorte für Kunstwerke im Rahmen von Schenkungen/Erwerb/Leihgaben; digitale Erfassung von Kunstwerken im öffentlichen Raum und von Kunst am Bau Kunst im öffentlichen Raum: Pfl ege und Restaurierung von Kunstwerken, unter anderem Platz der Grundrechte; Eigentumsermittlung zu den Kunstwerken von Christoph Voll im Stadtgarten IQ-Projekt Bunte Stadt, Lernorte für kulturelle Vielfalt und Demokratie: Zunächst auf zwei Jahre ausgelegtes Projekt; seit Juni 2019 Begleitung des Stadtteilentwicklungsprozesses Oberreut (Amt für Stadtentwicklung); Ziele/Schwerpunkte: Stärkung und Aktivierung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Stadtteils durch Methoden aus Kunst und Kultur; enge Zusammenarbeit mit den Akteuren des Stadtteils mit sozialräumlichem Ansatz; Verlängerung des Projekts bis 30. Juni 2023 Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe, Tag der offenen Tür 2020, Foto: Elias Siebert Bürgerforum Oberreut Oktober 2019; Kindertanzgruppe der Landmannschaft der Deutschen aus Russland, Foto: Amt für Stadtentwicklung Karlsruhe Karneval in Rijeka, Foto: jowapress BBK, Austellung Adaption 2020, Podiumsdiskussion, Foto: Tanja Meißner Markus Lüpertz, Sonne und Mond, neuer Standort 2020, Foto: Kulturbüro Kulturamt | 17 5. Ausschreibungen und Auszeichnungen Ausschreibungen Interdisziplinärer Projektfördertopf „Kunst, Wissenschaft und Technologie“ mit 18 Bewerbungen und sechs ausgewählten Projekten; Juryentscheidung digital; Gesamtfördersumme: 25.000 Euro Schule und Kultur: Ausschreibung für das Schuljahr 2020/2021: Volumen 140.000 Euro für Kooperationsmaßnahmen zwischen Schulen und Kulturschaffenden; 69 Anträge über insgesamt 214.000 Euro; Auswahl von 50 Projekten; Juryentscheidung digital Wettbewerb Kulturzentrum Orgelfabrik für Ausstellungen/Performance in der Orgelhalle: 30 Bewerbungen, Auswahl: sieben Ausstellungsprojekte und zwei Performances 25. Karlsruher Künstlermesse: erstmals digitale Ausschreibung der Wettbewerbe zur Teilnahme an der Künstlermesse und am Plakatwettbewerb; Jurierung erfolgte Anfang 2021 Hanna-Nagel-Preis, Ausschreibung für zeitgenössische bildende Künstlerinnen ab 40 Jahren, die im Regierungsbezirk Karlsruhe leben: 50 Bewerbungen; Preisgeld: 3.000 Euro; Preisträgerin: Peco Kawashima (Preisverleihung und Ausstellung: Mai 2021) Ausschreibung der Ateliers auf dem Gelände des Kreativparks Alter Schlachthof, Durlacher Allee, für den Mietzeitraum von Juni 2021 bis Mai 2026. Die Ausschreibung richtete sich an freiberufliche Künstler*innen und Kunsthandwerker*innen. Auswahl durch Jury. 25 Einzel- und Gruppenbewerbungen. Die Atelierflächen wurden an 20 Kunstschaffende vergeben. Ausschreibung für zweijährig befristete Mietkostenzuschüsse in den 24 städtischen Ateliers und Atelierwohnungen Preisverleihungen Independent Days, coronabedingte Verschiebung auf 21. bis 25. Oktober 2020 mit hybrider Durchführung: KARLINA - Filmpreis der Stadt Karlsruhe (Preisgeld 1.500 Euro) an Alican Yücesoy für den Film „Stone / TAŞ“; „Female Award“ der Stadt Karlsruhe (Preisgeld 1.000 Euro) an Carmen Lidia Vidu für den Film „My Romanian Diary“ dokKa Dokumentarfestival, virtuell, 30. September bis 7.Oktober 2020: Preis der Stadt Karlsruhe (1.500 Euro) an Sabine Herpich für „Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ Beyond-Festival „Climate Change“, virtuell, 23. bis 26. Juli 2020: Filmpreise an Jared P. Scott, Christoph Hertel und Davide Marinho sowie den „Best Tought Award” des FUTURE DESIGN- Symposiums an Elizabeth Wanjiru Wathuti Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe im Rahmen der ARD Hörspieltage (4. bis 8. November, nur online) über 2.000 Euro; Jurierung durch eine Schulklasse als „Kinderjury“. Der Preis wurde geteilt und ging an Frauke Angel und Robert Schoen Karlsruher Kulturstipendium mit einer Gesamtsumme von 20.000 Euro: Johanna Wagner und Ulrich Okujeni, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe; hälftige Teilung der Stipendiensumme auf Anregung der Kunstakademie Karlsruher Hochschulpreise mit einer Gesamtsumme von 3.500 Euro: Yoerae Kim (Hochschule für Musik Karlsruhe), Alina Beskorovajnov (Hochschule Karlsruhe), Béla Meiers (Hochschule für Gestaltung); N.N. (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe) 6. Gremien- und Netzwerkarbeit sowie interne und externe Dienstleistungen des Kulturbüros im Jahr 2020 Das Kulturbüro begleitete im Jahr 2020 als Geschäftsstelle, Koordinator, Mitglied oder vorbereitend und fachlich beratend folgende Gremien mit externer Beteiligung: Kulturausschuss Kunstkommission EKT: Kuratorium und Netzwerktreffen EKT-Netzwerktreffen: Programmplanungsrunde Netzwerk Karlsruhe für die bundesweite Aktion „#HandinHand# – Rettungskette für Menschenrechte“ City of Media Arts: Marketingrunde Ibz: Vorstand und Mitgliederversammlung ZKM: Stiftungsrat ZKM und AG-Finanzen des Stiftungsrats Verwaltungsrat Badisches Staatstheater Karlsruhe 18 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Stiftungsrat Centre Culturel Franco-Allemand Stiftung Karpatendeutsches Kulturwerk Mechthilde-Meyer-Stiftung Bunte Stadt: Lenkungskreis, Bürgerforum Oberreut Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung Karlsruher Forum für Kultur, Recht und Technik Kulturkreis Karlsruhe Kulturring Karlsruhe AKÖ Arbeitskreis Kulturelle Öffentlichkeitsarbeit des Kulturkreises AG Kulturmarketing im Rahmen der Kulturmarketing-Kampagne „Kultur in Karlsruhe“ ECCAR: Steering Committee und Arbeitskreis deutschsprachige Mitgliedstädte, EUROCITIES Culture Forum Forum Kultur der Oberrheinkonferenz Forum KulturRegion Karlsruhe Dialogforum Kultur der PAMINA / Kulturnetzwerk PAMINA Alter Schlachthof: Jour fixe mit Verein „ausgeschlachtet“ und KFE, Nutzertreffen Alter Schlachthof, Klima-AG Alter Schlachthof, Aufsichtsrat Karlsruher Fächer GmbH, Ausschuss für Wirtschaftsförderung Arbeitskreis Karlsruher Bücherschau Arbeitskreis ARD-Hörspieltage Arbeitskreis Karlsruher Literaturtage KAMUNA-Arbeitsgruppe Arbeitskreis „Campus trifft Kultur“ Arbeitskreis Kunstfachwerk N6 Grötzingen Arbeitskreis Badisches Chorfest 2022 Kultur-Programmrunde Vollversammlung des Ökumenischen Weltkirchenrats Round Table Kulturelle Bildung 7. Interne Themen des Kulturbüros Erarbeitung von Reden, Grußworten, Stellungnahmen, Sitzungsvorlagen, Präsentationen und sonstigen Zusammenstellungen für den Oberbürgermeister, den Kulturdezernenten, die weiteren Dezernate sowie für die Amtsleitung Redaktion der Internetseiten zur Kultur unter www.karlsruhe.de und des Internet- Veranstaltungskalenders Koordination der Pressearbeit des Kulturamts mit dem Presse- und Informationsamt Koordination der internen Werbeträger des Kulturamtes wie Großflächenplakatierung, Kinowerbung „Die Kulturminute“ Redaktionelle Begleitung des Kulturmagazins CAN der Partnerstadt Nancy Regelmäßige Marketing-Runde mit KTG, SAM, ZKM, KME zu den Veranstaltungsschwerpunkten in Karlsruhe Koordination des Plakatversandes an städtische Dienststellen und der Citylight-Plakatierung auf den hinterleuchteten Säulen („Stadtseite“) AG Veranstaltungskalender mit IT-Amt und PIA IQ-Netzwerktreffen Beschäftigung von drei Auszubildenden und fünf Praktikant*innen 8. Haushaltszahlen des Kulturbüros 20192020 Institutionelle Förderung38.030.368 €39.279.787 € Projektförderung1.139.973 €1.127.207 € Sachmittel (Eigene Projekte)574.823 €428.424 € Kulturamt | 19 Städtische Galerie 2020 war ein herausforderndes Jahr für die Städtische Galerie Karlsruhe. Es war zudem das letzte Jahr unter der Leitung von Dr. Brigitte Baumstark. Das Museumsjahr war mehrfach durch die Corona-Pandemie geprägt. Trotz zweimaliger Museumsschließung konnten in reduzierter Form mehrere Ausstellungen und auch Veranstaltungen realisiert werden. Von den insgesamt sechs neuen Sonderausstellungen, die für das Jahr geplant waren, konnten pandemiebedingt drei öffnen, darunter der Werner- Stober-Preis mit skulpturalen Arbeiten von Florian Köhler, die große Sonderausstellung „(Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980“ im Erdgeschoss sowie die Grafikausstellung „Verrätselte Architekturen“ von Peter Ackermann. Die anderen geplanten Projekte werden nun erst im Jahr 2021 stattfinden. Die Tätigkeiten der Städtischen Galerie Karlsruhe sind dem Handlungsfeld 1 „Kulturelles Erbe“ und dem Handlungsfeld 2 „Kulturelle Bildung“ zuzuordnen. Sonderausstellungen 2020 zeigte die Städtische Galerie Karlsruhe Ausstellungen mit historischen Positionen und Werken aus der Gegenwartskunst. Zwei Ausstellungen, die bereits im Jahr zuvor eingerichtet wurden, endeten 2020. „Tradition und Aufbruch. Nachkriegskunst in Karlsruhe“ (bis 19. Januar 2020) umriss bereits im Titel das Spannungsfeld zwischen den damals bestimmenden Lagern in der bildenden Kunst. Zu sehen war außerdem die Schau „Erwin Gross. Arbeiten auf Papier“ (bis 13. April 2020). Die kleinen, stimmungsvollen Kunstwerke des Akademieprofessors überzeugten durch ihre Unmittelbarkeit, ihre differenzierte Struktur, ihre Offenheit und ihre zurückhaltende tonige Farbigkeit. Im Februar eröffnete die Ausstellung des Kunstpreises der Werner-Stober-Stiftung (6. Februar bis 12. Juli 2020). Der Preis wurde an Florian Köhler verliehen, der unter dem Titel „Tschau Agip“ Plastiken zeigte, die sich aus gefundenen Materialien zusammensetzen, die anschließend mit Bauschaum und Plastikfolie miteinander verbunden und in Beton gegossen wurden. Der Künstler weist den zuvor alltäglichen Objekten in ihrer Abstraktion eine neue Materialität und Funktionalität zu. Mit „(Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980“ (7. März bis 4. Oktober 2020) stellte die Städtische Galerie Karlsruhe Positionen der unmittelbaren Gegenwart vor. In so unterschiedlichen Medien wie Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation oder Video näherten sich rund 20 Künstler*innen dringlichen Themen der heutigen Konsumgesellschaft an. Die Künstler*innen nahmen das heutige Verhältnis zwischen Natur und Zivilisation ebenso in den Blick wie das vielgestaltige Phänomen des Abfalls. Auch natürliche Rohstoffe wie Wasser oder fossile Ressourcen waren Gegenstand der künstlerischen Betrachtung. Dem Maler und Grafiker Peter Ackermann war unter dem Titel „Verrätselte Architekturen“ (13. Mai bis 15. November 2020) erstmals eine Schau aus eigenen Beständen gewidmet. In seinen ausgestellten Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Radierungen setzte sich der Künstler vielfältig mit Architektur auseinander: von Gebäuden in Landschaft über bühnenartige Situationen zu ornamentalen bauplastischen Fragmenten. In seinen Arbeiten thematisierte der ehemalige Karlsruher Professor das Wechselspiel von Fläche und Raum, Masse und Linie, Ornament und freier malerischer Geste. In dieser Art der Sonderausstellung kommt dem Sammlungsbestand größte Aufmerksamkeit zu. Die wissenschaftliche, kuratorische und restauratorische Tätigkeit der Mitarbeiter*innen war in diesem Zusammenhang gänzlich auf die Kunstwerke fokussiert, die sich in den Depots der Städtischen Galerie Karlsruhe befinden, um sie im Sinne des kulturellen Erbes zu bewahren. Werke, die aus dem gewachsenen Bestand der städtischen Kunstsammlungen gezeigt werden, sind dem Handlungsfeld 1 „Kulturelles Erbe“ zuzuordnen. Als Lernort erfüllt die Galerie die Kriterien des Handlungsfeldes 2 „Kulturelle Bildung“. Coronabedingt in das Jahr 2021 verschoben werden mussten die Ausstellung des Förderkreises „Daniel Roth. Stac Lee“, die Grafikausstellung „Wilhelm Loth. Figuration 1949-1989“ sowie die zweite große Sonderausstellung im Lichthof „Verborgene Spuren. Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900-1950“. Peter Ackermann, Neubau aus nutzlosen Resten, 1974 Alicja Kwade, Kohle (Detail), 2006, Courtesy the artist and KÖNIG GALERIE (Berlin, London, Tokyo) Ausstellungsansicht (Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980, Foto: Peter Bastian 20 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Schenkungen, Neuerwerbungen Die Städtische Galerie Karlsruhe erhielt 2020 den künstlerischen Nachlass von Karl Hubbuch (1891 – 1979) übereignet. Dieser von Myriam Hubbuch, der Tochter des Künstlers, testamentarisch der Stadt vermachte Nachlass umfasst über 1.100 Arbeiten auf Papier sowie 18 Gemälde aus allen Schaffensphasen des bedeutenden Karlsruher Malers und Grafikers. Die Städtische Galerie besitzt somit die weltweit größte Sammlung an Hubbuch-Arbeiten. Eine weitere umfangreiche Schenkung erreichte 2020 die Städtische Galerie aus Karlsruher Privatbesitz: sechs Gemälde von Ludwig Dill, Hermann Goebel, Otto Laible und Paul von Ravenstein sowie etwa 180 Zeichnungen und Druckgrafiken von Otto Laible bereicherten die Städtischen Kunstsammlungen. Ebenfalls aus Karlsruher Privatbesitz erhielt die Galerie ein Gemälde von Peter Herkenrath und eine großformatige plastische Arbeit von Robert Schad geschenkweise überlassen. Unter den 2020 getätigten Neuankäufen waren Werke von Ulla von Brandenburg, Karl Hubbuch, Alice Trübner und Wladimir von Zabotin. Veranstaltungen Die Städtische Galerie Karlsruhe musste vom 14. März bis 5. Mai 2020 und ab 2. November 2020 coronabedingt schließen. Bis 30. Mai 2020 durften keine Führungen und Workshops durchgeführt werden. Veranstaltungen konnten deshalb nur eingeschränkt oder überhaupt nicht stattfinden. Lebhaftes Interesse fand am Anfang des Jahres noch der alljährliche „Tag der offenen Tür“ mit einem abwechslungsreichen Programm bei freiem Eintritt (6. Januar 2020, zusammen mit dem ZKM). Andere Großveranstaltungen wie die „Karlsruher Museumsnacht“ (1. August 2020) wurden abgesagt. Der „Internationale Museumstag“ (17. Mai 2020) lockte bei gerade wiedereröffnetem Museum viele Besucher*innen an; ein Programm konnte jedoch nicht angeboten werden. Andere Termine, wie die Veranstaltungsreihe „Mittwochs um 6“ oder Führungen im Rahmen der Präsentation „(Un)endliche Ressourcen“, konnten nur in reduziertem Umfang stattfinden (Beschränkung von Versammlungen). Museumspädagogik, Kunstvermittlung Auch das reguläre Vermittlungsprogramm mit Führungen und Workshops war 2020 aufgrund der Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Die beliebte „Kinderwerkstatt“ am Sonntag konnte lediglich in den Monaten Juni bis Oktober mit einer Obergrenze von vier Kindern stattfinden. Etablierte Kooperationen wie die mit Kindergärten, die Projektwoche „KUNST-PROFI“ mit dem Max-Planck-Gymnasium oder das VHS-Projekt „Kultur und Integration“ mussten vollständig abgesagt werden. Während der Schließzeiten der Museen hat die Städtische Galerie Karlsruhe ein digitales Angebot auf die Beine gestellt. Anlässlich der Sonderausstellung „(Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980“ wurden eine digitale Führung und mehrere kürzere Videoclips produziert, die über die museumseigene Website, IGTV (Instagram) und den YouTube-Kanal der Stadt Karlsruhe abrufbar waren. Um auch die Sammlung digital erfahrbar zu machen, hat die Kunstvermittlung gemeinsam mit freien Mitarbeiter*innen das „Kunstgezwitscher“ ins Leben gerufen. Im Dialog oder auch als Einzelbesprechungen wurden fortlaufend ausgewählte Kunstwerke im Audioformat vorgestellt. Die Kunstbetrachtungen sind über die Museumswebsite abrufbar. Insgesamt hat die Kunstvermittlung den Auftritt der Städtischen Galerie Karlsruhe in den sozialen Medien, insbesondere Instagram, stark ausgebaut und zahlreiche Follower erreicht. Das Handlungsfeld 2„Kulturelle und gesellschaftliche Bildung“ des Kulturkonzeptes 2015, an dem sich die museumspädagogischen Angebote und die Vermittlungsarbeit der Städtischen Galerie orientieren, war 2020 also eine besondere Herausforderung. Neue Wege mussten insbesondere im Digitalen eingeschlagen werden, um dem Anspruch auf kulturelle Teilhabe gerecht zu werden. Karl Hubbuch, Myriam im grünen Rock, 1953-54, Städtische Galerie Karlsruhe, © Karl-Hubbuch- Stiftung/Städtische Galerie Karlsruhe 2021 Ferienworkshop in der Städtischen Galerie Karlsruhe Kulturamt | 21 Beratung, Auskünfte Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Galerie sind regelmäßig beteiligt an der Auswahl der Bewerber*innen für die Orgelfabrik, für die Künstlermesse und den Hanna-Nagel-Preis. Hinzu kommen im Laufe des Jahres zahlreiche Anfragen von Kolleg*innen aus anderen Museen, von Institutionen und von Privatleuten, die um Auskünfte zu Kunstwerken und Künstler*innen bitten. Wie in den vorhergehenden Jahren unterstützte die Städtische Galerie auch im Jahr 2020 die Betreuung des Nachlasses Albert Schnellers, der sich in der Ortsverwaltung Wettersbach befi ndet. Diese aufwändige, in Amtshilfe erfolgende Fachberatung umfasst die maßgebliche Mitwirkung an den Ausschreibungen für Restaurierungsarbeiten und Bilderrahmung, Depoteinrichtung sowie die Inventarisierung der Kunstwerke. Leihverkehr Leihgaben aus der Sammlung der Städtischen Galerie wurden 2020 für das Kunsthaus Dresden, die Städtische Wessenberg-Galerie in Konstanz und das Kunstmuseum Bayreuth zur Verfügung gestellt. Zudem unterstützte die Städtische Galerie mit insgesamt acht Gemälden und zehn Papierarbeiten die große Sonderausstellung „Charleston und Gleichschritt – Karlsruhe in der Weimarer Republik“ im Stadtmuseum Karlsruhe. Aus der Sammlung Garnatz wurden insgesamt 176 fotografi sche Arbeiten, unter anderem von Bernd und Hilla Becher, Benjamin Katz, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Thomas Ruff und Thomas Struth, an die SK Stiftung Kultur in Köln für die Ausstellung „Von Becher bis Blume – Photographien aus der Sammlung Garnatz und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur im Dialog“ verliehen. Ausstellungsansicht (Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980, Foto: Peter Bastian 22 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Besucherzahlen Sonderausstellungen Die Städtische Galerie Karlsruhe musste vom 14. März bis 5. Mai 2020 und ab 2. November 2020 coronabedingt komplett schließen. Bis 30. Mai 2020 durften außerdem keine Führungen und Workshops durchgeführt werden. Bis zur zweiten Schließung am 2. November 2020 war nur ein eingeschränkter Betrieb mit Maskenpflicht, Abstandseinhaltung, reduziertem Besuchereinlass sowie begrenzten Veranstaltungsgrößen möglich. Tag der offenen Tür 6. Januar 2020 3.063 Tradition und Aufbruch Nachkriegskunst in Karlsruhe 1. Januar bis 19. Januar 2020 2.826 KAMUNA 2020 (coronabedingt ausgefallen) – umgehängt 2019: Facetten der Malerei 1960 – 2010 1. Januar bis 31. Dezember 2020 6.419 Erwin Gross. Auf Papier 2017 – 2019 1. Januar bis 13. April 2020 2.799 Florian Köhler. Tschau Agip Kunstpreis der Werner-Stober-Stiftung 2019 6. Februar bis 12. Juli 2020 2.334 (Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980 7. März bis 4. Oktober 2020 4.106 Peter Ackermann Verrätselte Architekturen 1965 – 1999 29. April bis 15. November 2020 3.620 Gesamtbesucherzahl:11.989 Besucherzahlen 201820192020 Dauerausstellung (ohne Sonderausstellungen) 10.18912.5316.419 Gesamtbesucherzahl 36.22938.81211.989 Führungen in der Städtischen Galerie Karlsruhe 201820192020 Öffentliche Führungen182180114 Gebuchte Führungen25304 Öffentliche Kinderkurse485634 Gebuchte Kinderkurse497023 Kulturamt | 23 Stadtarchiv & Historische Museen Die Abteilung Stadtarchiv & Historische Museen, zu der Stadtarchiv, Stadtmuseum, Pfinzgaumuseum und Erinnerungsstätte Ständehaus gehören, versteht sich als Kompetenzzentrum für die Karlsruher Stadtgeschichte. Die vier zugehörigen Einrichtungen ergänzen sich durch verschiedene Stärken und Funktionen. Im Zentrum der Arbeit stehen die Überlieferung, Bewahrung, Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte in all ihren Facetten (Handlungsfelder 1 und 2 des Kulturkonzepts 2025 der Stadt Karlsruhe). Die vier Einrichtungen leisten damit einen Beitrag zur Schaffung eines Geschichtsbewusstseins in der Stadtgesellschaft und eines historischen Verständnisses bei den Karlsruher Bürgerinnen und Bürgern. Das Jahr 2020 war in allen Einrichtungen vor allem durch die Bedingungen der Corona- Pandemie geprägt. Der Lesesaal des Stadtarchivs wie auch die Ausstellungen der Museen und der Erinnerungsstätte mussten Mitte März geschlossen werden. Die kurze und mit Einschränkungen versehene Wiedereröffnung der Einrichtungen in den Sommermonaten erforderte grundlegende Änderungen in der Arbeitsorganisation und die Erarbeitung von aufwändigen Schutz- und Hygienekonzepten. Zahlreiche Veranstaltungen und Führungen mussten entfallen. Darüber hinaus wurde eine Mitarbeiterin des Stadtarchivs für mehrere Monate zur Unterstützung bei der Kontaktnachverfolgung an das Gesundheitsamt abgeordnet. Die Tätigkeiten in allen anderen Bereichen wurden intensiv und erfolgreich weitergeführt. Sowohl das Stadtarchiv als auch die Historischen Museen konnten hochkarätige Sammlungszugänge verzeichnen. Mit der gemeinsamen Corona-Sammlung wurde zudem aktiv eine Gegenwartssammlung aufgebaut, für die eine Reihe von interessanten Objekten und Dokumenten akquiriert werden konnte. Die digitalen Angebote von Stadtarchiv & Historischen Museen wurden stark ausgeweitet und Online-Formate neu- oder weiterentwickelt. Das Stadtarchiv war zudem stark beansprucht durch das Eingehen zahlreicher schriftlicher Anfragen wie auch durch die laufenden Projekte in der Bestandserhaltung und der Digitalisierung. In Stadtmuseum und Pfinzgaumuseum wurde die intensive Arbeit an den aktuellen und bereits geplanten Ausstellungsprojekten fortgesetzt. In mehreren Kooperationen wurden zusätzliche Ausstellungsangebote erarbeitet. Auch im Jahr 2020 mussten in Archiv und Museen diverse bauliche Maßnahmen fachlich begleitet und technische Schwierigkeiten bewältigt werden. Im Prinz-Max-Palais wurden umfassende Bauplanungen für das dringend sanierungsbedürftige Gebäude in Angriff genommen. Im Pfinzgaumuseum waren weitere Bauarbeiten im Rahmen des Brandschutzes notwendig. Im Stadtarchiv konnten die Planungen zum Ausbau eines seit Jahren benötigten Anlieferungsraums beginnen. Außerdem gab es in der Abteilung tiefgreifende personelle Veränderungen. Die langjährigen Leiter sowohl des Stadtmuseums, Dr. Peter Pretsch, als auch des Stadtarchivs und der Gesamtabteilung, Dr. Ernst Otto Bräunche, wurden im Berichtsjahr am 31. März respektive am 30. Juni in den Ruhestand verabschiedet. Am 1. April übernahm Dr. Ferdinand Leikam die Leitung der Historischen Museen (Stadtmuseum und Pfinzgaumuseum) und am 1. Juli 2020 Dr. Katrin Dort die Leitung des Stadtarchivs und der Gesamtabteilung. Als neue Stellvertreterin im Stadtarchiv kam Susanne Brenneisen ins Team, während sich bei den Historischen Museen Dr. Alexandra Kaiser entschloss, die Abteilung zum Ende des Jahres zu verlassen. Auch in diesem Berichtsjahr engagierten sich Stadtarchiv & Historische Museen in der Ausbildung. Eine Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste im Archiv sowie eine Volontärin im Museum schlossen ihre Ausbildungen ab. Beide Ausbildungsstellen wurden neu besetzt. Weiter wurden vier Praktikantinnen und Praktikanten betreut, darunter ein Archivreferendar des Landesarchivs Baden-Württemberg, der im Stadtarchiv ein Praktikum im Rahmen seiner berufspraktischen Studien absolvierte. „Karle mit de Dasch“ eingepackt zum Schutz während der Bauarbeiten im Pfinzgaumuseum, Foto: Pfinzgaumuseum Industrieraum der Dauerausstellung im Pfinzgaumuseum eingerichtet und wegen Bauarbeiten ausgeräumt, Foto: ONUK, Pfinzgaumuseum 24 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 7.895 20.599 38.690 112.079 171.519 205.987 268.511 318.434 461.420 617.620 770.346 1.014.409 2.020.934 2.486.786 2.895.664 3.380.212 4.376.700 20042005200620072008200920102011201220132014201520162017201820192020 Stadtarchiv Das Stadtarchiv war trotz der zeitweiligen Schließung des Lesesaals und der sonstigen durch die Corona-Pandemie verursachten Einschränkungen sehr aktiv im Bereich seiner archivischen Fachaufgaben. Im Arbeitsfeld Überlieferung wurde nicht nur aktuell ausgesondertes amtliches Schriftgut übernommen, es wurde auch die Abgabe des 36 laufende Meter umfassenden Ortsarchivs von Wolfartsweier an das Stadtarchiv beschlossen. Darüber hinaus wurde interessantes Sammlungsgut akquiriert. Zu nennen sind hier insbesondere der Nachlass des jüdischen Fußball-Nationalspielers Julius Hirsch sowie die Gründung der gemeinsamen Corona-Sammlung von Stadtarchiv und Historischen Museen. Zur Dokumentation der Corona-Pandemie in Karlsruhe wurden aktiv Objekte und Fotos gesammelt, zum Beispiel durch Aufrufe an die Bevölkerung, Aufträge an professionelle Fotograf*innen sowie gezielte Anfragen. Im Zuge der Übernahme von amtlichen Unterlagen wurden wichtige Schritte in der Webarchivierung unternommen. So konnten in Zusammenarbeit mit dem Amt für Informationstechnik und Digitalisierung verschiedene städtische Webseiten übernommen und gesichert werden. Engagiert war das Stadtarchiv auch in Projekten im Zusammenhang mit der Einführung der E-Akte in der Stadtverwaltung, in die es seine Expertise in der Schriftgutverwaltung sowie die archivischen Anforderungen an die digitale Aktenführung einbrachte. Das Stadtarchiv begleitete das Personalamt bei der Einführung der elektronischen Personalakte und war im IQ-Leitprojekt „Geschäftsprozessmanagement – Schlanke Prozesse mit digitaler Unterstützung“ und hier insbesondere im agilen Teilprojekt „Dienstanweisung Dokumenten- und Vorgangsmanagement“ vertreten. Im Bereich der Nutzung und Bereitstellung von Archivgut waren die digitalen Angebote während der coronabedingten wochenlangen Schließung des Lesesaals eine zunehmend wichtige Alternative für die Nutzer*innen des Stadtarchivs. Dies schlägt sich auch in der im Vergleich zum Vorjahr erhöhten Anzahl der Zugriffe auf die Online-Findmittel des Stadtarchivs nieder – diese umfassten 2020 fast 20.000 mehr als im Vorjahr. Auch beantwortete das Stadtarchiv zahlreiche schriftliche Anfragen, für die aufgrund der fehlenden Möglichkeit des Lesesaalbesuchs häufig ausführlicher recherchiert wurde. Wichtige Grundlagen für den Nutzerservice sind die stete Fortführung der Erschließung sowie die Digitalisierung der Bestände. Auf diesen Gebieten konnte das Stadtarchiv im Berichtsjahr weitere Erfolge verzeichnen. So wurden 2020 über 7.000 Archivalieneinheiten mehr als im Vorjahr verzeichnet und mit fast einer Million doppelt so viele Digitalisate wie im Jahr zuvor angefertigt. Letzteres war auch durch die erneut erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln möglich. So wurden allein im Rahmen eines DFG-geförderten Gemeinschaftsprojekts des Stadtarchivs Karlsruhe und des MARCHIVUM Mannheim über eine halbe Million Einzeldigitalisate von älteren Karlsruher Amtsbüchern angefertigt. Auch aus dem für die Stadtgeschichte sehr bedeutenden Aktenbestand der Hauptregistratur entstanden im Berichtsjahr rund 270.000 Einzeldigitalisate. Digitalisierungsstatistik 2004-2020 – Gesamtzahl der Digitalisate Coronasammlung: Statue von Friedrich Kallmorgen vor der Stadtteilbibliothek in Grötzingen im November 2020, Foto: Jennifer Mayer Kulturamt | 25 Flur der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Stadtarchivgebäude während und nach dem Umbau, Fotos: Eric Wychlacz Auch bei der Einwerbung von Drittmitteln im Bereich der Bestandserhaltung ist das Stadtarchiv weiterhin sehr erfolgreich. So konnte im Jahr 2020, unterstützt durch Fördermittel der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes (KEK), die Entsäuerung von knapp 25.000 Akten aus den Beständen des Bezirksamts und des Wirtschaftskontrollamts durchgeführt werden. Darüber hinaus wurden im Rahmen des Projektes zur Rettung historischer Bauakten mehr als 1.200 beschädigte Pläne restauriert. Mit der Neuverpackung von Zeitungs- und Filmbeständen in extra angefertigten, passgenauen Spezial-Verpackungen wurde ein wichtiger Schritt im Bereich Prävention unternommen. Sehr bedeutend ist auch, dass nach dem Abschluss der Umbauarbeiten im 4. Stock und dem dadurch möglichen Umzug der Scanarbeitsplätze in einen neuen Raum mit dem Ausbau eines seit langem benötigten Anlieferungsraums im Erdgeschoss begonnen werden konnte. Zukünftig wird im Anlieferungsraum das vom Archiv übernommene Schriftgut vor der Einlagerung in die Magazine fünf Tage lang bei -20° C eingefroren und damit ein wichtiger Beitrag zur Schädlingsprävention geleistet. Die Vermittlung von Stadtgeschichte war der am stärksten durch die Corona-Einschränkungen betroffene Arbeitsbereich des Stadtarchivs. Führungen konnten nur sehr eingeschränkt angeboten werden: Im Januar fand eine Führung für die Volkshochschule statt; in den Sommermonaten empfing das Stadtarchiv die Archivreferendar*innen des Landesarchivs Baden-Württemberg, die im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung in Kleinstgruppen Einblicke in die Arbeit des Stadtarchivs erhielten. Kurz vor der ersten Schließung konnten jedoch noch zahlreiche Besucher*innen zum „Tag der Archive“ im Stadtarchiv begrüßt werden, an dem im Lesesaal eine kleine Ausstellung und ein Bücherbasar veranstaltet sowie in Führungen über die archivische Arbeit informiert wurde. Zu Beginn des Berichtsjahrs wurden darüber hinaus kleinere Ausstellungen im Foyer des Stadtarchivs gezeigt. Diese Präsentationen wurden jedoch aufgrund der Schließungen eingestellt und zum Teil in digitale Formate übertragen. Ausstellungen des Stadtarchivs „Zwischen Tradition und Moderne – Das Großherzogliche Hoftheater zu Karlsruhe in seiner Blütezeit“, Fotoausstellung im Foyer des Stadtarchivs Karlsruhe vom 7. Januar bis 26. März 2020 „Vor 50 Jahren ... Mit Horst Schlesiger durch das Jahr 1970“. Fotoausstellung im Foyer des Stadtarchivs Karlsruhe vom 6. April bis 24. September 2020. Die Ausstellung ist weiterhin als digitale Ausstellung verfügbar: www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/ausstellungen-digital „Das störende ‚Telefong‘ – Vom Alltag einer Karlsruher Buchhalterin“. Eine Vitrinenausstellung in der Reihe „Ausgestellt und Vorgestellt – Blick ins Archiv“ im Foyer des Stadtarchivs Karlsruhe. Texte und Bilder sind weiterhin online verfügbar: www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/stadtarchiv/objektdesmonats/beitraege Den coronabedingten Einschränkungen von Präzenzveranstaltungen trat das Stadtarchiv mit einer Erweiterung seiner Online-Angebote entgegen. So beteiligte es sich beispielsweise am „Tag des offenen Denkmals“ mit einem eigens produzierten Film über das Stadtarchiv und seine Aufgaben, der online verfügbar war, oder es etablierte das neue Format des „Quiz des Monats“ mit Fragen zur Stadtgeschichte im Intranet, das bei den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung sehr beliebt ist. 26 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Stadtarchiv & Historische Museen gaben mehrere Publikationen heraus. Für den Band „Aufbrüche und Krisen“ erarbeiteten mehrere Mitarbeitende eigene wissenschaftliche Beiträge, aber auch die redaktionelle und organisatorische Betreuung der übrigen Bände erforderte großen zeitlichen Einsatz. Publikationen des Stadtarchivs und der Historischen Museen Aufbrüche und Krisen. Karlsruhe 1918-1933. Karlsruhe 2020 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 35) Johannes Kaiser: Verfolgung der Sinti und Roma in Karlsruhe im Nationalsozialismus. Die städtische und kriminalpolizeiliche Praxis. Karlsruhe 2020 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte Band 18) Pascal Andresen: Leben am Rande im Zentrum der Macht? Religiöse Minderheiten in einer Plan- und Residenzstadt des 18./19. Jahrhundert am Beispiel Karlsruhes. Karlsruhe 2020 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte Band 19) Marco Wottge: „Arisierung“ in der Zeit des Nationalsozialismus in Karlsruhe. Karlsruhe 2020 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte Band 20) Gegen die Macht des Vergessens. Gedenkbuch für die Karlsruher Euthanasie-Opfer der Aktion T4. Herausgegeben von der DGSP-Gruppe Karlsruhe und dem Stadtarchiv Karlsruhe durch Maria Rave-Schwank, Karlsruhe 2020 Offener Lesesaal im Stadtarchiv zum Tag der Archive, Foto: Katja Schmalholz Kulturamt | 27 Erinnerungsstätte Ständehaus Für die Erinnerungsstätte Ständehaus brachte das Jahr 2020 extreme Einschränkungen mit sich. Auf eine Schließung wegen Sanierungsarbeiten in den ersten Januarwochen folgten von Mitte März bis Mitte August und von Anfang November bis Jahresende die pandemiebedingten Schließungen. So konnte im Berichtsjahr nur eine einzige Präsenzveranstaltung stattfinden. Dies war die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, an der fast 200 Besucher*innen teilnahmen. Das Thema waren die Karlsruher Euthanasie-Opfer. Insgesamt besuchten (geschätzt) 727 Personen die Erinnerungsstätte. Dies war ungefähr ein Siebtel der Besucherzahl von 2019. Zu diesen geringen Besuchszahlen trug neben den allgemeinen Schließungen auch wesentlich der Ausfall der Karlsruher Museumsnacht (KAMUNA) bei. Stadtmuseum Am 27. Februar 2020 wurde in den Räumen der im Vorjahr abgebauten Dauerausstellung die große Sonderausstellung „Charleston und Gleichschritt. Karlsruhe in der Weimarer Republik“ eröffnet. Die Präsentation befasste sich mit den von Aufbrüchen und Krisen geprägten Jahren zwischen 1918 und 1933, die zu den spannendsten und spannungsreichsten Zeiträumen der Stadtgeschichte gehören. Die Konzeption und Realisierung dieser Ausstellung war mit erheblichem zeitlichen und personellen Aufwand verbunden, weshalb nicht nur das gesamte Museumsteam, sondern auch mehrere Mitarbeitende des Stadtarchivs intensiv in das Projekt eingebunden waren. Aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie konnte die Ausstellung zunächst nur bis zum 13. März – also nur für zwei Wochen – gezeigt werden. Die Schließung der Museen bedeutete auch, dass die geplanten Führungen und Veranstaltungen entfallen mussten. Um während des Lockdowns den Kontakt mit den Besucher*innen aufrecht zu erhalten, vergrößerte und intensivierte das Museumsteam die digitalen Angebote. So entstanden zur Sonderausstellung „Charleston und Gleichschritt“ ein Online-Rundgang sowie Filme zu Themen und Inhalten der Ausstellung. Nach der Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie konnte das Museum auf Basis eines Hygiene- und Schutzkonzepts am 7. Mai wieder öffnen. Der Besucherzuspruch war zunächst sehr verhalten, allerdings stießen die angebotenen Kleingruppen-Führungen auf große Nachfrage. Aufgrund der weiter bestehenden Einschränkungen wurde die Karlsruher Museumsnacht (KAMUNA) abgesagt, die Planungen für das jährliche Hausfest im Prinz-Max-Palais wurden verworfen. Um den Besuch der Ausstellung „Charleston und Gleichschritt“ unter Corona-Bedingungen auch für Schulklassen attraktiv zu machen, ging das Stadtmuseum eine Kooperation mit dem Bismarck- und dem Dominikus-Gymnasium ein. Dabei erarbeiteten Schüler*innen museumspädagogische Begleitmaterialien, die zur aktiven Beschäftigung mit den Inhalten der Ausstellung anregen sollten. Aufgrund der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie musste das Stadtmuseum nach dem 1. November erneut schließen. Folglich wurde entschieden, die Ausstellung „Charleston und Gleichschritt“ bis ins Jahr 2021 zu verlängern. Dies geschah auch in der Hoffnung, die von Studierenden der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe erarbeitete Ausstellung in der Ausstellung „Kunst, Kultur und Politik – Weimar auf einen Blick“ nach Ende des Lockdowns noch öffentlich präsentieren zu können. Die inhaltlich von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz erarbeitete, von Stadtarchiv & Historische Museen um lokale Aspekte erweiterte Ausstellung „Gurs 1940. Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden“, deren Eröffnung für den 22. Oktober vorgesehen war, wurde in das Jahr 2021 verschoben. Aufgrund der Schließzeiten, der Absage von Veranstaltungen sowie der Begrenzung von Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen lag 2020 die Gesamtbesucherzahl mit 3.388 deutlich niedriger als in den Jahren zuvor (2019: 9.067). Der Sammlungsbestand hatte im Berichtsjahr zahlreiche Neuzugänge zu verzeichnen. Dabei gelang es, die bestehende Sammlung thematisch und zeitlich zu erweitern. Durch die bereits erwähnte Corona-Sammlung wurde die Sammlung zudem aktiv um Objekte aus der Gegenwart ergänzt. Blick in die Sonderausstellung „Charleston und Gleichschritt“ im Stadtmuseum, Foto: Gustai/Pixelgrün 28 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Renovierung Prinz-Max-Palais Im Auftrag des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft begann das Architekturbüro SPACE4 mit der detaillierten Planung für die Sanierung des Prinz-Max-Palais‘. Die Planungen, in die das Stadtmuseum ebenso wie die weiteren das Haus nutzenden Einrichtungen eingebunden wurden, schritten im Berichtsjahr voran. Der erhebliche und dringende Sanierungsbedarf des Hauses zeigte sich erneut an der Klimaanlage, die im Frühjahr des Berichtsjahres abermals ausfiel und aufwändig repariert werden musste. Einige besonders sensible Leihgaben für die Ausstellung „Charleston und Gleichschritt“ wurden zur Vermeidung von Schäden vorübergehend an den Leihgeber zurückgegeben. Darüber hinaus wurden im Dachgeschoss erhöhte Asbest-Werte festgestellt, worauf unmittelbar reagiert werden musste. Glücklicherweise waren die übrigen Geschosse nicht von einer Kontamination betroffen, jedoch zeigte dies einmal mehr, dass eine rasche Sanierung des Hauses notwendig ist. Pfinzgaumuseum Das Pfinzgaumuseum hatte für 2020 ein umfangreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm vorbereitet, das aber aufgrund der Corona-Pandemie nur bis Mitte März wie geplant realisiert werden konnte. Die Sonderausstellung „Durlach: Der Turmberg ruft!“, die sich der touristischen Erschließung und Nutzung des Durlacher Hausbergs widmete, wurde aufgrund der großen Besucherresonanz bis zum 1. März 2020 verlängert. Die Ausstellung war Teil einer unter dem Titel „Landpartien Nordschwarzwald“ firmierenden Kooperation des Pfinzgaumuseums mit dem Stadtmuseum Baden-Baden, dem Museum Ettlingen und dem Stadtmuseum Rastatt, die unter anderem gemeinschaftliche Werbung sowie die Erarbeitung einer gemeinsamen Begleitpublikation umfasste. Insgesamt zählte die Ausstellung knapp 3.300 Besucher*innen, davon rund 850 im Berichtsjahr. Am letzten Tag der Ausstellung veranstaltete das Pfinzgaumuseum sein jährliches Museumsfest, das ebenfalls sehr gut besucht war. Ab 14. März war das Pfinzgaumuseum im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen, alle geplanten Veranstaltungen wurden abgesagt. Nach Beendigung des ersten Lockdowns musste das Museum aufgrund von umfangreichen Baumaßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes in der Karlsburg weiterhin geschlossen bleiben. Die Baumaßnahmen banden auch das Museumspersonal, das die in der Dauerausstellung befindlichen Objekte für die Dauer der Bauarbeiten in die Magazine verbringen oder in den Ausstellungsräumen aufwändig sichern musste. Da sich die Bauarbeiten verzögerten, konnte das Museum erst am 19. September eingeschränkt wieder öffnen. Während der baubedingten Schließzeit in den Sommermonaten bot das Pfinzgaumuseum Stadtrundgänge an und veranstaltete in Kooperation mit dem Schwarzwaldverein sowie dem Forstamt der Stadt Karlsruhe die Wanderung „Der Turmberg – Natur und Geschichte“. Abgesagt wurde hingegen der für den 20. September geplante Kindertag, da die für Kinder erfahrungsgemäß attraktivsten Angebote unter Corona-Bedingungen nicht durchführbar waren. Am 8. Oktober wurde die Sonderausstellung „Durlacher Augenblicke. Fotografien von Günter Heiberger aus den 1980er und 1990er Jahren“ eröffnet. Die Ausstellung präsentiert Ausschnitte aus dem vielfältigen und umfangreichen fotografischen Werk Günter Heibergers, das dieser im Frühjahr 2020 dem Stadtarchiv Karlsruhe schenkte. Allerdings musste die Ausstellung, ebenso wie die Dauerausstellung, aufgrund der Bestimmungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nach dem 1. November wieder schließen. Alle weiteren Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter auch die beliebte, für die ersten drei Adventswochenenden geplante Modelleisenbahn-Vorführung. Zur Ausstellung „Durlacher Augenblicke“ entstanden zwei Filme, die Inhalte und Themen der Präsentation digital vermitteln. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sowie der Bauarbeiten in der Karlsburg war das Pfinzgaumuseum im Berichtsjahr nur vom 1. Januar bis 11. März sowie Deckenuntersuchung im Rahmen der Planungen zur Sanierung des Prinz-Max-Palais, Foto: Stadtmuseum Modell der alten Turmbergbahn in der Ausstellung „Durlach: Der Turmberg ruft“ im Pfinzgaumuseum, Foto: Gustai/Pixelgrün Plakat im Design der Museumskooperation „Landpartien Nordschwarzwald“ zur Sonderausstellung „Durlach: Der Turmberg ruft“ im Pfinzgaumuseum Eröffnung der Ausstellung „Durlacher Augenblicke“ im Pfinzgaumuseum mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Fotograf Günter Heiberger und Kuratorin Jacqueline Berl (v. r. n. l.), Foto: Gustai/Pixelgrün Kulturamt | 29 vom 19. September bis 1. November geöffnet. Insgesamt besuchten 2.412 Personen die Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums (Vorjahr: 11.918). Als Gründe für den starken Rückgang der Besucherzahlen sind vor allem die langen, sich auf rund acht Monate summierenden Schließzeiten sowie die Absage besucherstarker Veranstaltungen wie Kindertag und Modelleisenbahn-Vorführung zu nennen. Erfreulich war hingegen die Entwicklung des Sammlungsbestandes, der 2020 zahlreiche Neuzugänge verzeichnen konnte. Darunter sind als wertvollste Exponate Zeichnungen und Bilder mit Durlacher Motiven von Alfred Friedrich Siekiersky zu nennen. Statistische Zahlen Stadtarchiv & Historische Museen StadtarchivStadtmuseumPfinzgaumuseumErinnerungsstätteGesamtGesamt 2019202020192020201920202019202020192020 Ausstellungen23425321139 Besucher Benutzer, Besucher Dauer- und Wechselausstellung 2.2584579.0673.38811.9182.4124:917727 28.1606.984 Ausgehobene Archivalien 1.7397941.739794 Anfragen gesamt2.0862.0502.0862.050 davon Reden, Grußworte, Stellungnahmen 39323932 Foto- und Veröffentlichungsanfragen282390282390 Zugriffe auf digitale Angebote 1. Beständerecherche www.findbuch.net 60.81178.944 60.81178.944 2. Seitenanfragen auf www.karlsruhe.de/ stadtgeschichte 246.43855.392 246.43855.392 3. Seitenanfragen auf stadtlexikon.karlsruhe.de 101.82353.681 101.82353.681 Restaurierte Archivalien/ Objekte 11.98026.881111411.98026.886 Digitalisierte Archivalien476.653996.488476.653996.488 Neuzugänge durch Ablieferungen städtischer Ämter (Laufmeter/Stück/Dateien) 37 / 448 / 0 28,35 / 966 / 34471 37 / 448 / 0 28,35 / 966 / 34471 Neuzugänge durch Schenkungen (Laufmeter/Stück/ Dateien) 25,7 / 2.146 / 66 14,1 / 628 / 50 0 / 56 / 0 0 / 158 / 0 0 / 34 / 0 0 / 49 / 0 25,7 / 2.146 / 66 14,1 / 628 / 50 Neuzugänge durch Ankauf (Laufmeter/Stück/Dateien) 0 / 986 / 00 / 65 / 00 / 18 / 0 0 / 30 / 0 0 / 1 / 00 / 0 / 00 / 986 / 0 0 / 65 / 0 Erschlossene Archivalien/ Objekte 18.21025.7034516411611218.37125.979 Publikationen451165 30 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Stadtbibliothek Coronabedingt befand sich die Stadtbibliothek mit ihren acht Bibliotheken und dem Medienbus die meiste Zeit des Jahres im Ausnahmezustand. Lediglich in den ersten zehn Wochen des Jahres bis Mitte März war der gewohnt besucherstarke, lebhafte und vielfältig in Anspruch genommene Bibliotheksbetrieb möglich. Danach folgte die komplette Schließung der Bibliotheken über fünf Wochen bis zur sehr eingeschränkten Wiedereröffnung Ende April. Mit im Laufe des Jahres wechselnden, unterschiedlichen Auflagen und Einschränkungen war der öffentliche Betrieb der Stadtbibliothek bis zum 15. Dezember möglich, ab dann wurde die zweite komplette Schließung vor den Feiertagen angeordnet. Die Stadtbibliothek setzte die verschiedenen Landesverordnungen jeweils so um, dass die Bürger*innen ein Optimum an erlaubten Services erhielten und gleichzeitig für die Mitarbeitenden ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet war. In den Wochen des ersten Lockdowns mussten alle Bibliotheken, sowohl in der Stadtmitte als auch in den Stadtteilen, von stark frequentierten Lern- und Begegnungsorten zu reduzierten und mit Hygieneauflagen kontrollierten Betrieben umorganisiert werden. Wo bisher Aufenthaltsqualität und ein angenehmes Lernambiente für täglich mehr als tausend Nutzer*innen wichtige Merkmale der Bibliothek waren, mussten Publikumsbereiche durch Nachrüsten von Plexiglasscheiben, Anbringen von Abstandshaltern sowie Absperren von Sitzmöbeln und öffentlichen Arbeitsplätzen ins genaue Gegenteil umgebaut werden. Für die Beschäftigten war die Zeit ohne direkten Publikumsverkehr bestimmt von der Planung und Umsetzung des Notbetriebs, der Erstellung von Konzepten für kontaktlose Services und dem Ausbau der digitalen Angebote. Von Beginn an musste mit Blick auf die Kund*innen aller acht Bibliotheken und des Medienbusses eine situationsgerechte Kommunikationsstrategie umgesetzt werden, die zeitnah über die Regelungen bezüglich ausgeliehener Medien und weiterer Modalitäten informierte. Zum Zeitpunkt der ersten Betriebsschließung waren noch etwa 100.000 analoge Medien entliehen, was auf Seiten der Bürger*innen zu vielen Nachfragen führte. Neben einer ausführlichen Bekanntmachung auf der Website und über Social Media mussten mehrere Servicetelefone eingerichtet werden, da das Telefonaufkommen sehr hoch war. Ergänzend wurde eine schnelle E-Mail-Auskunft eingerichtet, so dass alle Ratsuchenden von morgens bis zum späten Nachmittag eine umfassende, individuelle Auskunft erhalten konnten. Dazu zählte auch die Beratung zu fachlichen Themen wie zum Beispiel zu Schülerhilfen, Ratgebern, Leseempfehlungen, Gebrauch von E-Book-Readern und digitalen Apps. Ende April 2020 wurde mit der Aufhebung des Lockdowns sukzessive wieder ein Bibliotheksbetrieb mit Publikum gestattet. Unter strengen Auflagen konnten Bürger*innen in begrenzter Anzahl die Bibliotheken betreten, um sich an den Bücher- und Medienregalen zu informieren und selbst zu entscheiden, was gebraucht wird und entliehen werden soll. Damit das Miteinander in den Bibliotheksräumen möglich werden konnte, mussten am Eingang die jeweiligen Personendaten erfasst werden mit dem Ziel, gegebenenfalls Infektionsketten nachvollziehen zu können. Für die Mitarbeitenden bedeuteten die Maßnahmen eine ungeahnte Zunahme an Kontrollaufgaben, die das bisherige Selbstverständnis eines partnerschaftlichen Miteinanders neu definierten. Bis Anfang Dezember 2020 waren so bei unterschiedlich strengen Regelungen der Corona-Verordnungen in sehr unterschiedlicher Weise Bibliotheksbesuche erlaubt. Auf Seiten der Stadtbibliothek wurden Serviceleistungen jeweils entsprechend erweitert oder begrenzt und umgesetzt. Alle Maßnahmen waren in der Durchführung mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Abgesehen von einigen Wochen nach den Schulsommerferien, die durch eine gelockerte Corona-Verordnung bestimmt waren, war die Bibliothek als Treffpunkt und gemeinsamer Lernort im Jahr 2020 kaum noch möglich. Obwohl die Nachfrage aus den Schulen in diesem Zeitraum sehr hoch war, konnten nur wenige Klassenführungen real durchgeführt werden. Ähnliches galt für analoge Veranstaltungen und Lesungen, deren Durchführung nur in einigen Wochen im Herbst erlaubt war und die unter großen Hygieneauflagen stattfanden. So weit es möglich war, wurden danach bereits geplante Veranstaltungen und Lesungen in digitaler Form konzipiert und durchgeführt. Der Oberbürgermeister begrüßt bei der Wiedereröffnung, Foto: Roland Fränkle Begrüßung vor der Bibliothek, Foto: Roland Fränkle Zum Abholen bereitgestellt (click & collect), Foto: Andrea Krieg Telefonservice nimmt Buchwünsche entgegen, Foto: Andrea Krieg Kulturamt | 31 Ab November (Lockdown light) blieb die Stadtbibliothek als Bildungseinrichtung unter sehr strengen Sicherheitslaufl agen für die Bürger*innen weiter offen. Die Zahl der Besuche war jedoch aufgrund der belastenden Gesamtsituation und Unsicherheit deutlich geringer als in den Vergleichsmonaten der Vorjahre, gleichzeitig wurden individuell pro Nutzung größere Mengen an Medien entliehen als sonst üblich. Um auch für vorsichtige Kund*innen den Zugang zu gedruckten Büchern offen zu halten, wurde ein nahezu kontaktloser Medienabholservice zusätzlich konzipiert und angeboten. Mit der Verordnung zum zweiten Lockdown vor Weihnachten war auch dies nicht mehr möglich. Damit den Menschen gerade über die Feiertage Bücher und Medien zur Verfügung standen, wurde sehr kurzfristig ein Lieferservice per Radkurier organisiert. In den sechs Tagen bis Heiligabend gingen eine Vielzahl von Medienbestellungen per Telefon und E-Mail ein, die durch die Mitarbeitenden bearbeitet und zur Abholung durch den Lieferdienst fertig gemacht wurden. In den Stadtteilbibliotheken nahmen die Mitarbeiterinnen die Zustellung aufgrund der kürzeren Wege teilweise persönlich vor. Dieser Lieferdienst löste auf Seite der Bürger*innen große Freude aus und wurde mit Begeisterung über „das tolle Angebot der Stadt“ sehr dankbar angenommen. Gespräch mit einer Nutzerin, Foto: Sabine Steffl er Abholung einer Bücherbestellung, Foto: Sabine Steffl er 32 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Tätigkeitsbericht in Zahlen 1. Jahresöffnungsstunden Infolge der angeordneten Schließungen war die Anzahl der Öffnungsstunden aller Einrichtungen der Stadtbibliothek um 10,5 Prozent geringer als im Vorjahr. 202020192018 Öffnungsstunden aller Einrich- tungen der Stadtbibliothek 8.492 9.4819.482 2. Entleihungen 2.1. Gesamtnutzung aller Medien Die Gesamtausleihe umfasst die Nutzung aller digitalen Medien und Printmedien (Belletristik, Sachliteratur, Zeitschriften, Kinder- und Jugendbücher) sowie alle DVDs und Blu-rays, Konsolenspiele, Brettspiele, Hörbücher, Musik-CDs. Ausleihe202020192018 Medien1.615.6771.712.7881.691.179 Die Zahlen zeigen, dass trotz der Schließungszeiten viele Medien entliehen wurden und der Rückgang der Medienausleihe nur etwa 6 Prozent beträgt. In den ersten Wochen des Jahres, noch vor dem Lockdown, waren die Medienangebote der Stadtbibliothek bereits so stark nachgefragt, dass die Nutzung über der der Vergleichsmonate im Jahr 2019 lag. Außerdem nahmen die Kundinnen und Kunden in den vielen Wochen der kontrollierten Öffnung der Bibliotheken pro Besuch eine größere Anzahl an Büchern und Medien mit nach Hause als sonst üblich. In der Gesamtzahl schlagen sich zudem die starken Ausleihzahlen von E-Books und E-Medien nieder. Etwas deutlicher fiel der Rückgang an Entleihungen von Non-Books auf. Hier bliebt zu vermuten, dass sich die Bürger*innen verstärkt über Streamingdienste versorgten. Ausleihe202020192018 Non-Books373.411440.570453.483 2.2. Nachfrage nach Kinder- und Jugendbüchern Die Nachfrage nach Kinderbüchern und infolge dessen auch die Zahl der Entleihungen blieb im Corona-Jahr ungebrochen hoch. Der Ausleihboom war sowohl in den Stadtteilbibliotheken als auch in der Kinder- und Jugendbibliothek sehr deutlich festzustellen. Aufgrund der Zugangsbeschränkungen kam es hier immer wieder zu Warteschlangen mit Abstand vor den Bibliotheken. Es zeigte sich jedoch auch, dass Kinder und Eltern das Angebot an Kindermedien gerade in der Zeit des „weniger tun Könnens“ außerordentlich zu schätzen wussten. Den zuständigen Bibliothekarinnen ist es dabei in bester Weise gelungen, auf den aktuellen Bedarf sehr zeitnah zu reagieren und Kundenwünsche zu erfüllen. Ausleihe202020192018 Kinder-/Jugend-Literatur430.327440.370423.241 3. Medienbestand Mit dem zur Verfügung stehenden Medienetat konnten die Verantwortlichen in der Stadtbibliothek im Berichtsjahr 37.981 Medien neu kaufen und mit sehr kurzen internen Bearbeitungszeiten zur Ausleihe zur Verfügung stellen. Parallel dazu wurden aufgrund von Verschleiß und inhaltlicher Veralterung circa 40.000 Bücher und Medien abgeschrieben. Kulturamt | 33 Das Gesamtangebot (ohne Digitalbestand) umfasste zum Ende des Jahres 333.199 Medieneinheiten. Die Erneuerungsquote lag somit ähnlich wie in den Vorjahren bei 11 Prozent. Damit konnte die hohe Nachfrage der Bürger*innen, insbesondere nach Neuerscheinungen und Trends in analoger und digitaler Form wiederum sehr zufriedenstellend bedient werden. Da in den sechs Wochen des strengen Lockdowns lediglich ein digitaler Zugang und eine elektronische Ausleihe möglich waren, musste das Angebot an digitalen Büchern und Medien deutlich aufgestockt werden. Der digitale Bestand betrug zum Jahresende insgesamt 38.573 E-Books, E-Papers, E-Audios und Datenbanken (Jahr 2019 = 35.235 digitale Medieneinheiten), was einem Plus von gut 8 Prozent entspricht. Der Anteil an fremdsprachigen Büchern und Medien liegt kontinuierlich bei etwa 15 Prozent des Gesamtangebots der Stadtbibliothek. Es wurde durch neue Bestseller und Sachliteratur in Englisch, Französisch, Arabisch, Spanisch, Russisch und anderen Sprachen ergänzt. Ebenso wurde Veraltetes aussortiert, so dass die Internationale Medienabteilung durchgängig attraktiv blieb. Um das Bestandsangebot insgesamt aktuell zu halten, mussten die zuständigen Lektor*innen im Corona-Jahr besonders flexibel auf Verschiebungen der Verlagslandschaft reagieren, Medienbudgets teilweise umschichten und neue Nachfragetrends bedienen. Neben der Verlagerung von analog zu digital entwickelten sich bisher wenig gefragte Themen zu sehr gesuchten und begehrten Medien im Lockdown: DIY (Do It Yourself – Anleitungen zum Selbermachen von Aquarellmalen über Basteln und technischem Handwerken, von Handarbeitsvorlagen bis zu Kochbüchern und Spieletipps) ebenso wie Gesundheitsratgeber und konkrete Lernprogramme (zum Beispiel EDV-Kurse, Wirtschaftskunde, Fremdsprachenlernen). Die Genre Krimis und spannende Unterhaltung blieben auf gewohnt hohem Niveau. Ein anderer Nachfrageschub trat nach der ersten Wiedereröffnung der Bibliotheken ein: Brett- und Gesellschaftsspiele wurden in einem Maße entliehen wie selten zuvor, so dass auch hier die Auswahl aufgestockt werden konnte. Die Mittel dafür wurden wiederum durch Verlagerungen innerhalb des Gesamtmedienbestands genommen, da zum Beispiel deutlich weniger Reiseführer auf dem Buchmarkt erschienen und diese auch selten nachgefragt wurden. 4. Besuche und Bibliotheksausweise Die Besucherzahlen weisen einen Einbruch von 35 Prozent auf. Die Zahl der Neuanmeldungen blieb um 37 Prozent hinter denen im Vorjahr deutlich zurück. 202020192018 Besuche insgesamt381.096582.215536.365 Digitale Schnupperausweise: Da die Nutzung digitaler Medien grundsätzlich nur mit einem gültigen Bibliotheksausweis möglich ist, wurde für Personen, die noch nicht Bibliothekskunden sind, in den verordneten Schließungszeiten der „digitale Schnupperausweis“ angeboten. Der digitale Schnupperausweis kann relativ unkompliziert telefonisch angefragt und per E-Mail ausgestellt werden. Der Ausweis ist auf die Zeit des Lockdowns begrenzt gültig und erlaubt den Zugriff ausschließlich auf digitale Medien, E-Learning und Datenbanken. 202020192018 Aktive Ausweise26.11028.97128.014 Neuanmeldungen3.537 *5.6495.113 *Davon etwa 100 digitale Schnupperausweise, die zu regulären Ausweisen erweitert wurden. 34 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 5. Digitale Transformation 202020192018 Entleihungen E-Medien268.827227.412196.131 Das bereits seit Jahren steigende Interesse an digitalen Medien erfuhr einen weiteren Schub. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden und Kindern wie Erwachsenen weiterhin die Teilhabe an Informationen und Wissen zu ermöglichen, sahen die Fachverantwortlichen in der Stadtbibliothek die Verpflichtung, das digitale Angebot deutlich auszuweiten und sehr schnell zur Verfügung zu stellen. Nach einer fachlich bewerteten Marktsichtung wurde unter anderem das englischsprachige E-Book-Portal „Overdrive“ in das Portfolio der Stadtbibliothek aufgenommen und damit die Nutzung englischer Medien verstärkt. Für Kinder wurde des weiteren eine Plattform von digitalen Kinderbüchern („Tigerbooks“) implementiert und zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung der neuen Angebote konnte durch Verschiebungen und neue Schwerpunktsetzungen aus anderen Bestandsgruppen vorgenommen werden. Als Beratungsangebot auf digitaler Basis wurde die Information und Unterstützung per Mailauskunft weiter ausgebaut. Expertinnen und Experten der Stadtbibliothek gaben allen Interessierten und Hilfesuchenden umfassend Auskunft zu individuellen Fragen einschließlich Weiterbildungs- und Leseberatung ebenso wie zu Fragen der Handhabung von E-Book-Readern und Apps auf Endgeräten . 6. Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten 202020192018 Bibliotheksunterricht, Klassenführungen, Kindergartenaktionen 76719693 Im Jahr 2020 gab es nur wenige Wochen, in denen es Klassen und Gruppen erlaubt war, gemeinsam andere Institutionen zu nutzen. Obwohl die Nachfrage nach realen Bibliotheksbesuchen insbesondere bei Schulklassen sehr groß war, konnte dieser nicht entsprochen werden. Nur etwa 10 Prozent der üblichen Führungen und Gruppenkurse konnten stattfinden. 7. Leseförderung analog und digital Zur Durchführung von Veranstaltungen für Kinder stand nur ein kleines Zeitfenster im Jahr zur Verfügung. Viele der gewohnten und seit Jahren etablierten Leselustmachaktionen für Kinder durften nicht stattfinden. Die in den Sommerferien sehr beliebten Büchereicontainer der Stadtbibliothek durften in den Freibädern nicht betrieben werden. Um für die Kinder im Freibad dennoch präsent zu sein, wurde im Rheinstrandbad Rappenwörth ersatzweise ein tägliches „Vorlesen unterm Baum“ mit Bibliothekspersonal und Aushilfskräften organisiert. Mit dieser täglichen Vorleserunde sollten Kinder so unkompliziert und sicher wie möglich angesprochen und für Geschichten und Sprache begeistert werden. In vier Wochen Sommerferien nahmen daran 214 Kinder daran teil. 202020192018 Anzahl Veranstaltungen und Leseaktionen für Kinder 80325261 Für einige der bisher üblichen, jetzt nicht mehr erlaubten analogen Veranstaltungen und Lesungen konnte die Stadtbibliothek einen Ersatz in digitaler Form konzipieren und anbieten: Die „Stories for Kids“ und „TeenTime“ wurden aus der Amerikanischen Bibliothek per Zoom durchgeführt. Über die Kinder- und Jugendbibliothek waren „Tinos magische Büchereigeschichten“ als Vorlesestunden abrufbar sowie dank der sehr guten Kooperation mit dem VDI Bezirksverband eine ganze Reihe von Online-Programmierkursen für Kinder. Für Erwachsene gab es einige Vorträge als Livestream, an weiteren Formaten wird derzeit noch gearbeitet. Kulturamt | 35 8. Veranstaltungen für Erwachsene Analoge Veranstaltungen konnten in einer kurzen Lockerungsphase durchgeführt werden. Sie beinhalteten den Zeitraum der Fairen Woche im Herbst sowie der landesweiten Woche der Bibliotheken, an denen sich die Stadtbibliothek mit Lesungen und Vorträgen beteiligte. 20202019 Veranstaltungen und Lesungen für Erwachsene 56144 Gesamtzahl der Teilnehmenden an Veranstaltungen, Führungen 3.26823.492 Entwicklung der Medienausleihe im Gesamtsystem der Stadtbibliothek Karlsruhe von 2010 bis 2020 Ausleihentwicklung der Zentral- und Jugendbibliothek 2010 bis 2020 36 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Ausleihentwicklung der Stadtteilbibliotheken 2010 bis 2020, Teil 1 Ausleihentwicklung der Stadtteilbibliotheken 2010 bis 2020, Teil 2 Ausleihentwicklung der Online Angebote 2010 bis 2020 Kulturamt | 37 Ein Mitarbeiter der Stadtbibliothek richtet Bücher zum Abholen (click & collect), Foto: Stadtbibliothek Aktive Ausweise nach Altersgruppen 2019 763 11.149 3.329 5.944 4.831 2.955 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 Institutionen und andere 0 bis 17 Jahre18 bis 29 Jahre30 bis 49 Jahre50 bis 64 Jahreüber 65 Jahre Altersgruppe 2,6 % 38,5 % 11,5 % 20,5 % 16,7 % 10,2 % 38 | Kulturamt der Stadt Karlsruhe – Jahresbericht 2020 Kulturamt | 39 Warteschlange, Foto: Roland Fränkle