Abmilderung der Corona-Folgen im Bildungsbereich durch Maßnahmen der Durchgängigen Sprachbildung im Rahmen von Multiplikatorenschulungen
| Vorlage: | 2021/0812 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 28.06.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Dezernat 3 |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB-BfI Abmilderung der Corona-Folgen im Bildungsbereich durch Maßnahmen der Durchgängigen Sprachbildung im Rahmen von Multiplikatorenschulungen Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Migrationsbeirat 30.06.2021 5 x Beschlussantrag Der Migrationsbeirat nimmt die Vorlage zur Abmilderung der Corona-Folgen im Bildungsbereich durch Maßnahmen der Durchgängigen Sprachbildung im Rahmen von Multiplikatorenschulungen zustimmend zur Kenntnis. Die finanzielle Förderung vom 1.Juli 2021 bis zum 31.August 2022 des Projekts „Multiplikatorenschulungen“ wird befürwortet. In 2021 stehen Mittel im Integrations- und Flüchtlingsfonds zur Verfügung. In 2022 erfolgt die Finanzierung über den Fonds vorbehaltlich der Bereitstellung der Mittel im Haushalt. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 18.600 Euro 18.600 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☒ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Durchgängige Sprachbildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Einleitung: Durch die Bildungskoordination für Neuzugewanderte wurde im Rahmen der coronabedingten Schulschließungen eine Abfrage bei Lehrkräften der Vorbereitungsklassen u.a. bezüglich der Erreichbarkeit von Schüler*innen und deren Eltern durchgeführt. Die Rückmeldungen ergaben, dass Schüler*innen über die von den Schulen genutzten Lernplattformen nicht erreicht werden konnten, dem Onlineunterricht fernblieben und teilweise gänzlich „abtauchten“. Auch die Erreichbarkeit der Eltern über diese Plattformen und/oder per Email gestaltete sich schwierig. Auch wurde deutlich, dass viele Schüler*innen der Vorbereitungsklassen und deren Eltern den Umgang mit der jeweiligen digitalen Lernplattform nicht beherrschen und auch keinerlei Einführung in diese erfolgte. Dabei bleibt anzumerken, dass jede Karlsruher Schule die Lernplattform, mit der sie arbeitet, eigenständig bestimmen darf. Somit sehen wir uns mit einer Vielzahl digitaler Plattformen, wie z.B. Moodle, Zoom, MS Teams, etc. konfrontiert. Um diesem Umstand entgegenzuwirken und zu verhindern, dass Schüler*innen der Vorbereitungsklassen und deren Eltern den schulischen Anschluss gänzlich verlieren, sollen zeitnah Multiplikatorenschulungen zu „Methoden zur Beratung und Begleitung von Familien beim digitalen Lernen und der Pandemiebewältigung“ durchgeführt werden. Das Angebot wurde von Sandra Stolz und Inga Klas entwickelt. Sandra Stolz ist als Erziehungswissenschaftlerin und Ethnologin seit 1997 im Bereich der Erwachsenenbildung und der systemischen und interkulturellen Beratung tätig. Sie führt seit zehn Jahren Elterninfokurse für neu zugewanderte Familien in Kooperation mit dem Büro für Integration, dem Kinderbüro und Karlsruher Schulen durch und begleitet als systemische Familientherapeutin, Traumapädagogin und Coach für Neue Autorität Familien im Kontext der Jugendhilfe. Als Weiterbildnerin von „Chancen-gleich! Kulturelle Vielfalt als Ressource in frühkindlichen Bildungsprozessen“ des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung Freiburg leitet sie Fortbildungen für Kindergärten u.a. zu den Themen „Bildungspartnerschaft mit Eltern“ und „Kultursensible Elternarbeit“ und berät Institutionen bei der Durchführung von interkulturellen Projekten. Inga Klas arbeitet seit 25 Jahren in der IT-Branche im Bereich Web- und Softwaredesign und führt seit 2019 Schulungen im Bereich Medienkompetenz für Familien durch, u.a. als Referentin für das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Karlsruhe. Ehrenamtlich engagiert sie sich seit 2015 in der Arbeit mit geflüchteten Menschen und ist seit 2018 Mitglied des Leitungsteams des Arbeitskreis Asyl Ettlingen. Im Rahmen ihres Engagements beim Medienkompetenz Team e.V. führte sie bereits zahlreiche Schulungen für Eltern der Zielgruppe durch. Im Rahmen des Erasmus+-geförderten EU-Projekts Cumila (www.cumila.eu) arbeitet Inga Klas aktuell an der Erstellung einer Lehrplaneinheit für die Erwachsenenbildung zum Thema „Familien und digitale Medien“. Die Multiplikatorenschulung vermittelt hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften in der Familienbegleitung grundlegende Kompetenzen in der Nutzung digitaler Medien und in der Begleitung von Familien bei der Bewältigung der Pandemieauswirkungen. Multiplikatoren sind in den Familien eine wichtige erste Ansprechperson, die bei Fragen und Problemen unterstützen und die Familien an Unterstützungsangebote weiterleiten können. Bei der Vermittlung der Beratungskompetenz wird Wert auf eine Elternbegleitung auf Augenhöhe gelegt, die die eigene Haltung reflektiert und ressourcenorientiert an Lösungen interessiert ist. Die Schulung berücksichtigt insbesondere die Bedürfnisse von Familien, die erst seit Kurzem in Deutschland leben oder aus anderen Gründen mit der deutschen Sprache noch nicht gut vertraut sind. Dabei werden städtische Netzwerke, wie Elternmentoren, Dolmetscherpool, Elterncafé etc. genutzt und gestärkt und die Familien in soziale Netzwerke integriert. Darüber hinaus befähigt die Schulung die Mitarbeitenden dieser Netzwerke ihre Arbeit auch digital durchzuführen, beispielsweise digitale Elterntreffen zu organisieren oder digital zu dolmetschen. Das Projekt von Frau Stolz und Frau Klas umfasst die Erstellung eines Trainingskonzepts, Schulungsunterlagen in Form einer Internetseite, sowie die Durchführung der Schulungen in Präsenz- oder – 3 – Digitalformaten mit begleitender Evaluation. Im Anschluss an die Schulung stehen die Trainerinnen den Teilnehmenden weiterhin für Fragen, die in der Beratungspraxis auftreten, zur Verfügung. Bausteine des Projekts 1. Konzeption der Trainingsinhalte Für folgende Themen werden Schulungsbausteine erstellt, die eine Vielzahl praktischer Bausteine enthalten: Inhalte digitale Mediennutzung a. Grundlagen digitaler Kommunikation: • Einrichtung und Nutzung von E-Mails, Chatprogramme,... • Funktionsweise von Videokonferenzen: Geräte, Anforderungen an Internetzugang, Funktionstests b. Ausrüstung für den digitalen Unterricht: • Technische Endgeräte für die Bildung: notwendige und geeignete Ausstattung, Bezugsquellen, Einrichtung,... • Funktionsweisen von digitalen Bildungsangeboten: Funktionsweise von Lernplattformen, Lernsoftware, Lernangebote im Netz c. Digitale Medien kompetent nutzen: • Grundlagen Datenschutz: Datenschutz in der Familienbegleitung. Warum ist es wichtig, persönliche Daten zu schützen? Wie schützt man Daten? • Mediennutzung steuern: Familienvereinbarungen zur Nutzung finden, Apps zur Begrenzung von Mediennutzung, Prävention Sucht Inhalte Beratungskompetenz d. Grundlagen lösungsfokussierter Beratung: • Systemisches Verstehen • Prinzip der elterlichen Präsenz e. Auftragsklärung, Rahmen der Beratung und Rolle des Beraters: • Welchen Auftrag hört /fühlt der Berater und wofür ist er verantwortlich? • Grenzen der Beratung und Verweisberatung f. Gesprächsführung und Bündnisgestaltung: • Wie läuft es in der Familie mit dem Fernunterricht: Ressourcen und Problemlagen in der Familie • Zusammenarbeit mit der Schule: Klären von Erwartungen und Kontakt • Vorannahmen und Werte • Haltungen und Handlung g. Konzept der wachsamen Sorge: • Wer oder was braucht Schutz: Umgang mit Konflikten • Wer oder was eskaliert: De-Eskalationsstrategien • Gesten der Beziehung h. Unterstützung und Netzwerke: – 4 – • Vernetzung und Netzwerkarbeit • Bildung und Nutzen von Unterstützungssystemen Begleitend zu den Schulungen wird die Internetseite erstellt, die die Inhalte der Schulung zum Nachlesen, sowie weiterführende Informationen und Hilfsangebote beinhaltet. Da sich die Inhalte digitaler Themen schnell verändern, wird auf Schulungsmaterialien in ausgedruckter Form verzichtet. Die Inhalte der Internetseite können laufend angepasst werden und bleiben somit aktuell. 2. Durchführung der Schulungen Die Schulungen können online oder Vorort durchgeführt werden. Zu den Schulungen wird es das Angebot einer regelmäßigen Feedbackrunde für die Multiplikatoren geben, in denen Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden können. Zur Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit der Schulung stehen die Trainerinnen den Teilnehmenden auch nach der Schulung weiterhin für Fragen zur Verfügung. Der Kurs umfasst 8 Blöcke à 90 Minuten. Pro Woche werden 2 Blöcke durchgeführt, so dass der Kurs innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen werden kann. Der Kurs ist auf eine maximale Teilnehmendenzahl von 10 Personen ausgelegt. Geplant sind vier Schulungen inklusive die im Sockelbetrag enthaltene Pilotschulung mit jeweils 10 Teilnehmenden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf insgesamt 18.600 Euro. Dieser Betrag beinhaltet einen sogenannten Sockelbetrag über 10.500 Euro, welcher einmalig zu entrichten ist und bei nachfolgenden Schulungen entfällt. Dieser Sockelbetrag beinhaltet die Erstellung der grundlegenden Schulungsinhalte und -Materialien in Form einer Website und eine Pilotschulung. Jede nachfolgende Schulung kostet in digitaler Form 2.700 Euro. Dieses Angebot ist für die Stadt Karlsruhe gültig bis Ende des Schuljahres 2021/22, unabhängig von der Anzahl der gebuchten Schulungen. Zu diesen ersten Schulungen sollen neben den teilnehmenden Dolmetschern, Interkulturellen Elternmentor*innen und Leitungen der Elterncafes Schulsozialarbeiter*innen der Karlsruher Schulen eingeladen werden, um die Schulung kennenzulernen und diese im Idealfall in einem zweiten Schritt für ihre jeweilige Schule buchen zu können, um so möglichst viele Multiplikator*innen zu schulen und Eltern zu erreichen. Jede nachfolgende Schulung kostet in digitaler Form 2.700 Euro, vor Ort 3.100 Euro. Mit der Organisation und Umsetzung der Schulungen soll zum 01.07.2021 begonnen werden. Das Büro für Integration befürwortet die Förderung der Multiplikatorenschulungen. Die Finanzierung in Höhe von insgesamt 18.600 Euro erfolgt aus dem Integrations- und Flüchtlingsfonds 2021.