Trinkbrunnenkonzept

Vorlage: 2021/0724
Art: Beschlussvorlage
Datum: 11.06.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Tiefbauamt
Erwähnte Stadtteile: Beiertheim-Bulach, Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Grünwettersbach, Grünwinkel, Hagsfeld, Hohenwettersbach, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordweststadt, Oberreut, Oststadt, Palmbach, Rintheim, Rüppurr, Stupferich, Südstadt, Südweststadt, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt, Wolfartsweier

Beratungen

  • Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 24.06.2021

    TOP: 8

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • TOP 8 Vorlage Trinkbrunnenkonzept_AföE_24_06_2021
    Extrahierter Text

    Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Trinkbrunnenkonzept Vorlage Nr.: Nr. 72 Verantwortlich: Dez. 5 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 24.06.2021 8 ☒ ☐ ☐ ☐ ☐ ☐ Kurzfassung Das Gartenbauamt hat anlässlich eines Antrags der GRÜNE-Fraktion vom 24. September 2019 ein Konzept für die Versorgung des Karlsruher Stadtgebiets mit öffentlichen Trinkbrunnen erstellen lassen. Im Rahmen dieses Konzepts wurden zunächst die vorhandenen Brunnen im Stadtgebiet auf ihre Eignung als Trinkbrunnen untersucht. Aufbauend auf der Bestandsuntersuchung wurde ermittelt, an welchen Stellen zusätzliche öffentliche Trinkbrunnen sinnvoll sind. Für die Kenntlichmachung, Ertüchtigung und Unterhaltung der als geeignet festgestellten Bestandsbrunnen fallen Kosten an, die in zukünftigen Haushalten einzuplanen sind (siehe untenstehende Darstellung „Finanzielle Auswirkungen“). Für das laufende Haushaltsjahr können die Kosten noch aus dem Budget des Gartenbauamts getragen werden. Für die Unterhaltungskosten in den Folgejahren sind entsprechende Haushaltsmittel vorzusehen. Für die Erstellung und Unterhaltung neuer Trinkbrunnen wurde eine Kostenschätzung durchgeführt. Der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen nimmt den Verwaltungsvorschlag zur Umsetzung des Trinkbrunnenkonzepts zur Kenntnis. Die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 34.750 € --- 141.900 € Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☒ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema Grüne Stadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit Beschlussvorlage – 2 – Ergänzende Erläuterungen Karlsruhe hat eine große Tradition mit öffentlichen Brunnen im Stadtraum. Die Brunnen beleben das Stadtbild und tragen zur Abkühlung, insbesondere an Hitzetagen, bei. Da für die Stadt Karlsruhe eine Steigerung der Hitzetage und eine weitere Erwärmung prognostiziert werden, nehmen die Brunnenanlagen, und hier insbesondere die Trinkbrunnen, an Bedeutung zu. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 24.09.2019 dem Gartenbauamt den Auftrag zur Erstellung eines Trinkbrunnenkonzepts erteilt. Mit der Erarbeitung des Konzepts wurde ein externes Büro beauftragt, das entsprechende Erfahrung und Fachexpertise beim Thema „Brunnen in der Stadtplanung“ aufweist. Die Auftragssumme beläuft sich auf rund 12.000 €. Die nun vorliegende Konzeption (Anlage) hat zunächst die 54 Bestandsbrunnen hinsichtlich ihrer Eignung als Trinkwasserbrunnen untersucht und kam zu folgendem Ergebnis: Von den 54 Bestandsbrunnen mit Trinkwasserspeisung sind 11 nicht als Trinkbrunnen geeignet, 19 mit Einschränkung geeignet und 23 geeignet, jedoch müssen diese teilweise ertüchtigt bzw. gereinigt werden. Derzeit befindet sich der Trinkbrunnen am Berliner Platz im Bau, so dass mit Fertigstellung von 24 voll geeigneten Bestandsbrunnen ausgegangen werden kann. Von den 43 Bestandsbrunnen (Trinkbrunnen und eingeschränkt geeignete einschließlich Berliner Platz) stehen 18 Brunnen in den Kernstadtbezirken, 13 in Durlach und 12 in weiteren Stadtteilen, wobei nicht jeder Stadtteil einen Trinkbrunnen hat. Rund 10 dieser Bestandsbrunnen bedürfen einer Aufarbeitung beziehungsweise fachlich fundierten Reinigung, um bei der Bevölkerung auch ohne Vorbehalt als Trinkbrunnen wahr- und angenommen zu werden. Trinkbrunnen sollen folgende wesentliche bauliche Anforderungen erfüllen (Aufzählung nicht abschließend): - Die Wasserversorgung muss trinkwassergebunden sein - Das Wasserversorgungsnetz muss durch Systemtrenner gesichert sein - Es dürfen nur Materialien und Werkstoffe entsprechend der Trinkwasserverordnung verwendet werden - Es muss eine Entleerungsmöglichkeit im Winter gegeben sein - Es dürfen keine Tröge vorhanden sein, die zum Schöpfen des Wassers verleiten - Die Auslassstelle muss möglichst hoch sein, damit eine Verkeimung (zum Beispiel durch Hunde) verhindert wird - Die Auslassstelle sollte möglichst nicht mit dem Mund erreichbar sein - Die Möglichkeit von Schmutzablagerungen sollte vermieden werden (geneigte Flächen) Die Anforderungen, die an den Betrieb der Trinkbrunnen gestellt werden, sind ebenfalls sehr hoch. Grundlage dafür ist die Trinkwasserverordnung in der Fassung vom 19.6.2020, die die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch regelt. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden- Württemberg (MLR) hat in einem Schreiben aus dem Jahr 2020 an die Gesundheitsämter die Anforderungen an die Ausgestaltung von Trinkbrunnen und deren Betrieb formuliert. Danach sind die öffentlichen Trinkbrunnen mehrmals im Jahr auf die Einhaltung der Trinkwasserqualität zu untersuchen und während des Betriebs regelmäßig auf Sauberkeit/Funktionstüchtigkeit zu kontrollieren. Die regelmäßige Untersuchung auf Trinkwasserqualität war in Karlsruhe bisher in Abstimmung zwischen den Stadtwerken und dem Gesundheitsamt Karlsruhe nicht notwendig, da das Trinkwassernetz flächendeckend regelmäßig kontrolliert wird und die Trinkbrunnen wie ein gewöhnlicher privater Wasseranschluss angesehen wurden. Das Gesundheitsamt Karlsruhe hat jedoch mitgeteilt, dass es sich zukünftig an die empfohlene Regelung des Ministeriums halten wird, so dass das Gartenbauamt als Betreiberin der Brunnenanlagen die – 3 – notwendigen Beprobungen durchführen lassen muss. Dadurch werden die Kosten der Brunnenunterhaltung deutlich ansteigen. Die Kosten für die Trinkwasseruntersuchungen können für das laufende Jahr noch aus dem Brunnenbudget bestritten werden, da sich das Gartenbauamt mit dem Gesundheitsamt verständigt hat, dieses Jahr die Untersuchungen noch nicht im vom Ministerium geforderten Umfang einzufordern. Die Instandsetzungen sind in diesem Jahr noch über den Haushalt des Gartenbauamts finanziert. Dies betrifft auch die Kosten für zusätzlich notwendige Beprobungen und Reinigungen nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes. In zukünftigen Jahren werden derartige Aufwendungen regelmäßig in bestimmten Abständen notwendig, so dass die dann erforderlichen Mittel im jeweiligen Haushalt des Gartenbauamtes zusätzlich eingestellt werden müssen. Im vorliegenden Konzept wurde auch die fehlende Einheitlichkeit der Beschilderung festgestellt. Darüber hinaus ist die Darstellung im Internet lückenhaft und zu aktualisieren. Die Kosten für einheitliche neue Schilder werden mit 250 € pro Brunnen geschätzt. Dies wären bei den 43 Bestandsbrunnen (Trinkbrunnen und eingeschränkt geeignete einschließlich Berliner Platz) in Summe 10.750 €. Diese Kosten können ebenfalls noch mit den derzeitigen Haushaltsmitteln erbracht werden. Für Bestandsbrunnen gibt es von den Stadtwerken Karlsruhe gestiftete gegossene Messingschilder mit dem Schriftzug „Kein Trinkwasser“ und Piktogramm, die bisher Zug um Zug an den bestehenden Brunnen angebracht werden, gemäß geltender DIN-Regelung. Diese schon erstellten „Kein Trinkwasser“-Schilder werden weiterhin an den nicht als Trinkbrunnen geeigneten Brunnen angebracht. Bei den als Trinkbrunnen geeigneten Brunnen dagegen soll ein einheitliches neues Schild angebracht werden. Für die 43 Trinkbrunnen im Bestand fallen folgende geschätzte Kosten an: Kosten für Trinkwasser- untersuchungen [€/Jahr] Kosten für regelmäßige Kontrollen u. Technischer Betrieb [€/Jahr] Kosten für Instandsetzung + Beschilderung [€] 24 geeignete Bestandsbrunnen 1) 800*24=19.200 2.500*24=60.000 15.000+6.000 = 21.000 19 eingeschränkt geeignete Bestandsbrunnen 800*19=15.200 2.500*19=47.500 9.000+4.750=13.750 1) Hier ist der kommende Brunnen am Berliner Platz schon enthalten Neben dem Bestand an Brunnen wurde im Trinkbrunnenkonzept auch der zukünftige Bedarf an Trinkbrunnen untersucht. Der Bedarf an weiteren Trinkbrunnen ergibt sich aufgrund der Zunahme von Hitzetagen in dicht bebauten urbanen Quartieren der Stadt, die mit einem hohen Versiegelungsgrad einhergehen. Es besteht aber auch Bedarf in Bereichen intensiver Nutzungen und hoher Besucherfrequenzen, beispielsweise bei Spiel- und Sportanlagen und entlang von Hauptradverkehrsrouten, weil bereits jetzt davon auszugehen ist, dass diese zukünftig stärker genutzt werden. Für die Errichtung von zusätzlichen Trinkbrunnen wurden 40 Standorte ermittelt, über deren zeitliche und räumliche Umsetzung von den gemeinderätlichen Gremien zu entscheiden ist. Für die ersten zehn Brunnen erstellt das Gartenbauamt einen Priorisierungsvorschlag und legt ihn vorbehaltlich einer möglichen Finanzierung zur Beschlussfassung den zuständigen Gremien vor. Die neuen Trinkbrunnen sollen aus Gründen – 4 – der besseren Wiedererkennung einheitlich sein, wie dies in anderen Städten bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Zur Auswahl stehen grundsätzlich zwei Betriebsvarianten: 1. Brunnen mit kontinuierlichem Wasserfluss („Dauerläufer“) 2. Brunnen mit Wasserfluss nach Knopfdruck („Drücker“). Diese Betriebsvarianten unterscheiden sich in den Investitions- und Unterhaltungskosten. Bei Realisierung eines Brunnes pro Jahr ist von folgenden Kosten auszugehen: Aufwand für Trinkwasser- untersuchungen [€/Jahr] Aufwand für regelmäßige Kontrollen u. Technischer Betrieb [€/Jahr] Aufwand für Neubau [€] Neubau Trinkbrunnen Variante „Dauerläufer“ 800 2.500 5.500-6.500 Neubau Trinkbrunnen Variante „Drücker“ 800 3.825 10.200-14.200 Beide Betriebsvarianten haben Vor- und Nachteile: beim Modell „Dauerläufer“ könnte in bestimmten Situationen das ablaufende Wasser aufgefangen und, um Ressourcen zu sparen, zur (Baum-)Bewässerung verwendet werden. Im Zuge der Klimaanpassung und aufgrund des notwendigen sparsamen Umgangs mit Trinkwasser kann es jedoch in Zukunft geboten sein, sich für die Variante “Drücker“ zu entscheiden. Beschluss: Antrag an den Ausschuss für öffentliche Einrichtungen: Der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen nimmt den Verwaltungsvorschlag zur Umsetzung des Trinkbrunnenkonzepts zur Kenntnis. Die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.

  • TOP 8 Anlage Trinkbrunnenkonzept_AföE_24_06_2021
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    TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 2 Trinkbrunnen für Karlsruhe – Konzeption 15. Mai 2021 Auftraggeberin Stadt Karlsruhe - Gartenbauamt Abteilung Freianlagenmanagement - Flächenbezirke Lammstraße 7a 76124 Karlsruhe Auftragnehmerin Korth StadtRaumStrategien Dr. Katrin Korth Waldstraße 24 77839 Lichtenau TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 3 INHALT EINFÜHRUNG UND ZIELSTELLUNG Seite 4 VERWENDETE UNTERLAGEN Seite 5 ALLGEMEINE RAHMENBEDINGUNGEN Seite 6 Leitungswasser und Stadtraum Seite 6 Klimawandel und Stadtklima Seite 9 Zielgruppen und Bedarfe Seite 9 Stadtraum Seite 10 Trinkbrunnen oder Trinkwasserbrunnen - rechtlicher Rahmen Seite 10 Rechtliche Situation in Baden-Württemberg Seite 12 Funktionsweisen und Konstruktion Seite 14 Trinkbrunnenmodelle Seite 15 Anderswo Seite 16 KARLSRUHE – ANALYSE Seite 19 Ausgangssituation Seite 19 Trinkbrunnen und Trinkwasserbrunnen Seite 21 Denkmäler und Kunstwerke als Trinkbrunnen Seite 23 Untersuchte Brunnen Seite 24 Ergebnisse der Analyse Seite 25 Zusammenfassende Erkenntnisse Seite 28 KARLSRUHER TRINKBRUNNENKONZEPTION Seite 29 Leitbild Seite 29 Bedarfe und Verteilung Seite 30 Modelle Seite 34 Bestandsbrunnen und visuelle Darstellung Seite 37 Überwachung Trinkwasserqualität Seite 38 Betrieb und Betriebskonzept Seite 38 Vorschlag für das weitere Vorgehen Seite 38 Ergänzende Vorschläge Seite 39 Anlagen Seite 40 1 Bewertung der untersuchten Brunnen Seite 40 2 Fotodokumentation Seite 47 3 Quellen Seite 54 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 4 EINFÜHRUNG UND ZIELSTELLUNG Die vorindustrielle Stadt sicherte die Trinkwasserversorgung über öffentliche Brunnen im Stadtraum. Mit der Einführung der zentralen Wasserversorgung und dem schrittweisen Anschluss aller Wohnungen und Häuser vor ca. 100 Jahren verloren öffentliche Brunnen an Bedeutung für die Wasser- bzw. Trinkwasserversorgung der Bevölkerung. Dennoch gab es in den Jahren und Jahrzehnten danach immer noch öffentliche Trinkbrunnen - als kostenfreie Alternative für Brauchwasser und zur Erfrischung sowie auf wichtigen Plätzen vor allem im Zusammenhang mit Märkten. Bis in die 1970er Jahre waren Trinkbrunnen bzw. Trinkwasserspender Bestandteil des öffentlichen Stadtraums vieler Städte. In den folgenden Jahrzehnten verschwanden die meisten Trinkbrunnen. Gründe lagen einerseits in hohen Unterhaltungsaufwendungen oder hygienischen Problemen und andererseits im gesellschaftlichen Wandel hin zu einem stärker konsumorientierten Verhalten, infolgedessen der Kauf von in Flaschen abgefülltem Mineralwasser befördert wurde und die Bedeutung von Trinkwasser aus der Leitung als Lebensmittel in den Hintergrund gedrängt wurde. Mit dem steigenden Verbrauch an Mineralwasser ging ein steigender Aufwand für die Produktion und die Produktionskette einher. Die vielfach aus Kunststoff bestehenden Flaschen verursachen ein hohes Aufkommen an Plastikmüll. In der Summe verursacht der Mineralwasserverbrauch aus Flaschen hohe CO2-Emissionen im Lebenszyklus von Flaschenwasser, neben der Förderung und Aufbereitung insbesondere durch Transport und Kühlung für den Verkauf und bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Gleichzeitig steht mit Leitungswasser ein kostengünstiges und hochwertiges Lebensmittel flächendeckend zur Verfügung. Seit einigen Jahren gibt es in verschiedenen Städten Bestrebungen, wieder öffentlich zugängliche Trinkwasserspender oder Trinkwasserabfüllmöglichkeiten zu etablieren und damit eine Wasserwende einzuleiten. Die Gründe für diese Wende liegen im sich wandelnden Umweltbewusstsein einhergehend mit einem steigenden Bewusstsein für die gute Trinkwasserqualität. Dadurch sind auch die öffentlichen Trinkwasserbrunnen wieder in den Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerückt, zumal mit ihnen auch noch weitere positive Effekte verbunden sind. Wasser aus Trinkbrunnen dienen auch der Abkühlung, was sie bei den hohen Temperaturen des Sommers wertvoll macht. Nicht zuletzt deshalb sind öffentliche Trinkbrunnen häufig ein Baustein in Klimawandel- anpassungskonzepten. Damit stellt sich zunehmend die Frage nach geeigneten Standorten von Trinkbrunnen und ihrer Verteilung im Stadtraum, nach einer sicheren Funktion sowie den Kosten. Vor diesen Fragen steht auch die Stadt Karlsruhe. Karlsruhe ist eine Stadt der Brunnen mit einer außergewöhnlichen Tradition bei öffentlichen Brunnen- und Schmuckbrunnenanlagen. In der Stadt gibt es eine Reihe historischer oder auch künstlerisch aufwendig gestalteter Trinkbrunnen bzw. Schmuckbrunnen, die als Trinkbrunnen genutzt werden. Die Stadt engagiert sich zusammen mit ihren Partnern, den Stadtwerken Karlsruhe und der Europäischen Brunnengesellschaft, in der Kampagne „Wasserwende: Trinkwasser ist Klimaschutz“. Nicht zuletzt durch diese Initiative rückten die öffentlichen Trinkbrunnen wieder in einen besonderen Fokus. In der Klimaanpassungsstrategie für Karlsruhe werden öffentliche Trinkbrunnen empfohlen. Mit dem Korridorthema „Meine Grüne Stadt Karlsruhe“ werden die Themen Klima, Gesundheit und Natur als Schwerpunkt der künftigen Stadtpolitik gebündelt, um mit den daraus hervorgehenden Maßnahmen und Ideen die TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 5 Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und weiterzuentwickeln. Auch hier könnten Trinkbrunnen eine wichtige Rolle spielen. Die Stadt Karlsruhe, vertreten durch das Gartenbauamt, will deshalb die Bedeutung von Trinkbrunnen im öffentlichen Stadtraum einer Gesamtbetrachtung unterziehen. Grundlage hierfür sind insbesondere auch die Anträge der Bündnis 90/Die Grünen-Gemeinderatsfraktion 2019/0716 vom 24.09.2019 „Trinkbrunnen in der Stadt einrichten und sichtbar machen“ sowie der Antrag der FWV-OR-Fraktion Stupferich vom 18.09.2019 zur Errichtung eines Trinkbrunnes in Stupferich. Das Trinkbrunnenkonzept Karlsruhe liefert hierzu eine umfassende Betrachtung und Bewertung, macht einen Vorschlag für ein Zielbild und erarbeitet Vorschläge für die konkrete Umsetzung. Dabei werden allgemeine nutzungsspezifische, funktionale, stadträumliche und rechtliche Rahmenbedingungen für Trinkbrunnen dargestellt, darauf aufbauend auf die spezifische Situation in Karlsruhe eingegangen. Neben der Bewertung der vorhandenen Anlagen werden Vorschläge für ergänzende Standorte oder alternative Angebote gemacht, geeignete Modelle für neue Trinkbrunnen vorgeschlagen und die Kosten abgeschätzt. Das Gartenbauamt Karlsruhe hat Korth StadtRaumStrategien, Dr. Katrin Korth mit der Erarbeitung dieser Konzeption beauftragt. Besonderere Arbeitsschwerpunkte von Korth St adtRaumStrategien sind die integrierte Betrachtung von grünen und blauen Infrastrukturen sowie urbane Gestaltungen mit Wasser von der Konzeption und Planung bis hin zur Bewertung vorhandener Anlagen. VERWENDETE UNTERLAGEN Nachfolgend benannte Informationen und Unterlagen wurden für die Untersuchung verwendet: − Brunnenlexikon für die Stadt Karlsruhe, Europäische Brunnengesellschaft e.V., 2016 − Denkmäler - Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, 1987 − Katja Förster, Markus Gruber, Mathias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Info Verlag Karlsruhe 2011 − Informationen der Internetpräsenz der Stadt Karlsruhe, der Trinkwasser App der Stadtwerke und der Internetpräsenz meinKA − Tabelle der städtischen Brunnen beim Gartenbauamt, Stand 12.12.2019 − Klimaanpassungsstrategie für Karlsruhe, Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz, 2013 − Flyer: Trinken Sie genug, der Stadt Karlsruhe, abgerufen am 10.03.2021 unter: https:// www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/kli mawandel/klimaanpassung/anpassungsmass nahmen.de − Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Trinkwasserüberwachung; Anforderungen an öffentliche Trinkwasserbrunnen, E-Mail- Schreiben des Ministeriums vom 28.02.2020, Az.36-5476.00 − Gesundheitsamt Tübingen: Merkblatt Öffentliche Trinkbrunnen, Empfehlungen des Gesundheitsamtes Tübingen vom 10.03.2021 − Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG), zuletzt geändert 21.12.2020 − Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung - TrinkwV), zuletzt geändert 19.06.2020 (BGBl. I S. 1328) − EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 in der Novellierung vom 12.01.2021 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 6 RAHMENBEDINGUNGEN LEITUNGSWASSER IM STADTRAUM Als kostengünstiges, hochwertiges und permanent überwachtes Lebensmittel steht Trinkwasser aus dem Leitungsnetz in Deutschland zwar nahezu flächendeckend zur Verfügung, jedoch kaum im öffentlichen Stadtraum. Während in der historischen Stadt Trinkwasser komplett über öffentliche, im Stadtraum verteilte dezentrale Brunnen bezogen werden musste, wurde mit der Etablierung der zentralen Trinkwasserversorgung die Trinkwasserentnahme in den privaten Raum verschoben. Abbildung 1: öffentlicher Trinkbrunnen in Karlsruhe im späten 19. Jahrhundert, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8PBS oXIVb32 Dennoch blieb die Notwendigkeit für öffentliche Trinkbrunnen auch nach der Einführung der zentralen Trinkwasserversorgung, denn der Übergang von der dezentralen zur zentralen Trinkwasserversorgung mit Hausanschlüssen dauerte mehrere Jahrzehnte. Öffentliche Trinkwasserbrunnen waren in dieser Zwischenzeit wichtig zur Erhaltung der Versorgungssicherheit. Sie boten zudem eine kostenfreie Alternative für − 1 Siehe hierzu auch: Katja Förster, Markus Gruber, Mathias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Info Verlag Karlsruhe 2011 Brauchwasser, dienten der Erfrischung und lieferten Wasser auf wichtigen Plätzen vor allem im Zusammenhang mit Märkten. 1 Abbildung 2: Wasserentnahme aus einem öffentlichen Brunnen in Berlin 1945 - 1949, Quelle: wikipedia: Germany Under Allied Occupation CL3218 So blieben die öffentlichen Trinkbrunnen noch viele Jahre bestimmend im Stadtbild, nicht zuletzt auch in der Zeit nach 1945, als viele Gebäude und mit ihnen die Wasserleitungen zerstört waren. Die Situation änderte sich mit den 1960er und 1970er Jahren. Dabei fanden mehrere weitgehend parallel verlaufende Entwicklungen statt. Der Zeitgeist des Wiederaufbaus und der Wirtschaftswunderjahre wollte die harten entbehrungsreichen Nachkriegsjahre vergessen machen. Damit verbunden war eine starke Fixierung auf das eigene Heim und die Annehmlichkeiten darin sowie ein genereller gesellschaftlicher Wandel hin zu einem stärker konsumorientierten Verhalten, welches wiederum den Kauf von in Flaschen abgefülltem Mineralwasser förderte. Kostenfreies Leitungswasser aus öffentlichen Trinkbrunnen passte nicht in diese gesellschaftliche Entwicklung. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 7 Dazu kamen vergleichsweise hohe Unterhaltungskosten und teilweise auch hygienische Mängel an den verbliebenen öffentlichen Trinkbrunnen. Die beschriebene Situation war folgenreich. So hat sich der Flaschenwasserverkauf von den 1970er Jahren bis heute verzehnfacht 2 . Seinen Höchststand erreichte der Verbrauch an Mineralwasser und Mineralwassererfrischungs- getränken im Jahr 2018 mit 189,5 Litern pro Kopf. 3 Seit einigen Jahren wird die Bedeutung von Leitungswasser wieder stärker geschätzt. Leitungswasser zählt zu den am stärksten überwachten Lebensmitteln und hat einen hohen Hygienestandard. Es ist wesentlich kostengünstiger als Mineralwasser in Flaschen und zeichnet sich durch deutlich geringere CO 2 - Emissionen aus. In Flaschen abgefülltes Mineralwasser erfordert einen hohen Aufwand für die Produktion und die Entsorgung der meist aus Kunststoff bestehenden Flaschen. Dazu kommen die Lebenszykluskosten 2 Vgl. a tip: tap: Wasserwende, abgerufen unter https: //atiptap.org/projekte/wasserwende/ 3 Vgl. Statista: Pro Kopf Verbrauch von Mineralwasser, abgerufen 03.03.2021 unter https: //de.statista.com /statistik /daten /studie /208801 /umfrage /pro-kopf-verbrauch-von-mineralwasser/ des Wassers selbst: Produktionsaufwand für Förderung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung, Transport in Super- und Getränkemärkte sowie Kühlung und schließlich Transport und Kühlung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Der mittlere Gesamtemissionsfaktor von Mineralwasser beträgt aktuell 202,74 g CO 2 - Äquivalente pro Liter, der von Trinkwasser aus der Leitung 0,35 g CO 2 -Äquivalente pro Liter. 4 Bezogen auf den jährlichen Flaschenwasserkonsum und die Gesamtbevölkerung werden jährlich ca. drei Millionen Tonnen CO 2 emittiert, was ungefähr das 1,5 fache der Menge ist, die der innerdeutsche Flugverkehr verursacht. 5 Die Reduzierung des Mineralwasserverbrauchs und die Verwendung von Trinkwasser aus der Leitung ist damit ein Beitrag für den Klimaschutz. Leitungswasser ist kostengünstig, emittiert nur geringe Mengen CO 2 und verringert das Aufkommen an Plastikmüll. 4 Vgl. GUTcert: Vergleich des CO2-Fußabdrucks von Mineral- und Trinkwasser, abgerufen unter https: //atiptap.org/studie-vergleicht- co2-fussabdruck-von-flaschen-und-leitungswasser/ 5 Vgl. a tip: tap: CO2-Fußabdruck von Leitungswasser, abgerufen unter https: //atiptap.org/studie-vergleicht-co2-fussabdruck-von- flaschen-und-leitungswasser/ Abbildung 3: Leben draußen heute: Nebeneinander von konsumgeprägtem und konsumfreien Aufenthalt, Foto: Katrin Korth TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 8 Aktuell zeichnen sich zudem weitere gesellschaftliche Entwicklungen ab. Das private Leben findet heute viel stärker in der Öffentlichkeit statt. Die Mobilität der Menschen ist hoch. Reisen und touristische Ausflüge wie auch Freizeitsportaktivitäten außerhalb von Vereinen sind sehr beliebt. Der öffentliche Raum ist eine Art erweitertes Wohnzimmer geworden, begünstigt auch durch die klimatischen Änderungen infolge des Klimawandels. Damit steigt der Bedarf nach öffentlichen Trinkwasserspendern. Trotz des dichten Leitungswassernetzes ist kostenfreies Trinkwasser im öffentlichen Stadtraum heute jedoch nicht ohne Weiteres verfügbar. Hier setzen Initiativen wie beispielsweise Refill an. In mittlerweile bundesweit über 5.500 Stationen - zumeist Läden und Restaurants - ist es möglich, kostenfrei Leitungswasser in eine mitgebrachte Wasserflasche füllen zu lassen. 6 In Karlsruhe gibt es se it 2017 Refill-Stationen. 7 Dazu kommen Wasserspender in öffentlichen oder halböffentlichen Gebäuden (Rathäuser, Kaufhäuser, Bibliotheken, Servicestationen etc.). Anders als bei Wasserspendern in Gebäuden gibt es bei im öffentlichen Stadtraum situierten Trinkbrunnen keine Zugangsschwellen (sozial oder zeitlich/organisatorisch). Das unterscheidet sie von anderen Angeboten und macht sie zu einem wichtigen Baustein bei der kostenfreien Trinkwasserversorgung. Zudem spenden sie nicht nur Trinkwasser, sondern dienen auch der Abkühlung. Vor allem bei hohen sommerlichen Temperaturen, wenn regelmäßiges Trinken besonderes wichtig ist, können sie einen wichtigen Beitrag zum gesunden Leben leisten. Nicht zuletzt deshalb sind Vorschläge für Trinkbrunnen häufig Bestandteil von Stadtklimaanpassungskonzepten. Durch ihre Zugänglichkeit und Präsenz sind Trinkbrunnen anfällig gegenüber 6 Vgl. Refill Deutschland, abgerufen unter https://refill- deutschland.de/ Verschmutzungen oder Vandalismus. Demgegenüber steht zum einen der Schutz des Trinkwassernetzes. Schmutzeinträge und Verkeimungen durch unsachgemäße Handhabung oder aufgrund der Funktionsweise sind konstruktiv zu vermeiden. Gleichzeitig muss für die Benutzerinnen und Benutzer der Brunnen permanent Trinkwasserqualität gewährleistet werden. Das macht die Trinkbrunnen zu vergleichsweise aufwendigen Bauwerken – konstruktiv und monetär. In den letzten Jahren haben verschiedene Städte begonnen, Trinkbrunnen wieder stärker im öffentlichen Stadtraum zu etablieren. Beispielhaft stehen dafür Wien und Berlin, die das Thema mit großer Intensität vorantreiben. Beide Städte betrachten die Trinkbrunnen als Baustein öffentlicher Daseinsvorsorge. Abbildung 4: Trinkbrunnen in Wien: Trinkwasserspender und sommerliche Abkühlung in Wien, Foto: Katrin Korth 7 Florian Kaute: Refill in Karlsruhe. Flasche mitbringen und gratis Trinkwasser zapfen, in: Mein KA, 19.07.2020 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 9 KLIMAWANDEL UND STADTKLIMA Bereits heute zählt die Oberrheinregion zu den wärmsten Regionen Deutschlands - mit einer hohen Betroffenheit bei extremen Hitzeereignissen. Mit fortschreitendem Klimawandel wird für Karlsruhe ein weiterer Anstieg der heißen Sommer mit mehr heißen Tagen und Tropennächten sowie längeren und stärkeren Hitzeperioden vorhergesagt. Umgekehrt werden die Winter durchschnittlich milder und schneeär mer. Die hitzebedingten Belastungen sind innerhalb der bebauten und hochversiegelten Stadträume und hier vor allem in den Innenstädten besonders hoch. Intensive Sonneneinstrahlung in Verbindung mit hohen Strahlungstemperaturen der versiegelten Flächen und erhöhter Luftbelastung bewirken Belastungen bei vielen Menschen, vor allem bei älteren Menschen, chronisch Kranken, bei Kindern und Jugendlichen. Trinkbrunnen sind deshalb vor allem für hochverdichtete Innenlagen von Bedeutung, dort wo der urbane Hitzeinseleffekt besonders stark wirkt, die Belastungen besonders hoch und gleichzeitig die räumlich-funktionalen Anforderungen durch die Innenstadtfunktion besonders hoch sind. So empfiehlt das Stadtklimaanpassungskonzept für Karlsruhe als Maßnahme zur Förderung ausreichender Flüssigkeitsaufnahme an heißen Tagen die Installation von öffentlich zugänglichen Trinkwasserspendern. Verwiesen wird auf die Aktivitäten der Stadtwerke Karlsruhe und ihre Kooperationsprojekte für Wasserspender (Wasserbar) in öffentlichen Gebäuden, Gewerbeobjekten und Schulen sowie die Trinkwasser-App, die Trinkbrunnen und Trinkwasserspender im Stadtgebiet anzeigt. 8 Siehe Journal of Health Monitoring · 2021 6(S2)DOI 10.25646/7858.2Robert Koch-Institut, Berlin Alexander Rommel 1, Elena von der Lippe 1,Marina Treskova-Schwarzbach 2,Stefan Scholz 21Robert Koch-Institut, BerlinAbteilung für Epidemiolo: Bevölkerung ZIELGRUPPEN UND BEDARFE Die Motivation für eine stärkere Verwendung von Trinkwasser aus den Leitungsnetzen und damit auch für öffentliche Trinkbrunnen speist sich aus drei Quellen: Umweltschutz, Gesundheitsvorsorge und Stadtklimaanpassung. Unter Einbeziehung unserer Situation als hochentwickeltes Industrieland mit den damit verbundenen Lebensgewohnheiten und „Wohlstands- krankheiten“ gibt es verschiedene Zielgruppen, für die Trinkbrunnen im öffentlichen Raum bedeutend sind. Dies sind ältere und alte Menschen, chronisch kranke Menschen bzw. Menschen mit Vorerkrankungen oder erhöhtem Risiko. Die Corona-Pandemie hat die Diskussion um Risikogruppen deutlich ins Bewusstsein gebracht: So sind wegen ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen laut einer RKI-Studie mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland über 15 Jahre der Risikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe zuzurechnen. 8 Gesundheitsvorsorge, wozu ausreichend Trinken zählt, ist für diese Gruppen besonders wichtig. Abbildung 5: Trinkbrunnen zur Gesundheitsvorsorge, Berlin, Foto: Sybille A. Möller/Alamy Stock Dazu kommen Kinder und Jugendliche sowie generell Menschen, die sich längere Zeit in der Stadt und hier vor allem im Stadtraum aufhalten wollen oder müssen: für den Einkauf oder Besorgungen, auf dem Markt sowie in der Freizeit. mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Verläufe in Deutschland. Auswertungen der Studie GEDA 2019/2020-EHIS, Heft 6 2021, 24.02.2021 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 10 Eine weitere Zielgruppe bilden Touristen. Gerade sie sind in der Regel den gesamten Tag im Stadtraum unterwegs. Trinkbrunnen können hier ein Baustein für die Attraktivität einer Innenstadt sein. Besondere Bedarfe für öffentliche Zugänge zum Leitungswassernetz ergeben sich auch für den Freizeitsport, z.B. bei Radtouren sowie bei Großveranstaltungen (Konzerte, Stadtfest, Freiluftkino). Abbildung 6: Rastplatz mit Trinkbrunnen, Foto: A. Endermann in RP online STADTRAUM Anders als bei Wasserspendern in Gebäuden haben Trinkbrunnen im öffentlichen Stadtraum keine Zugangsschwellen. Zugangsschwellen sind zeitlich/organisatorisch denkbar z.B. aufgrund von Öffnungszeiten. Dazu kommen soziale Zugangsschwellen, denn für manche Menschen stellt der Zugang eines Gebäudes, auch wenn es sich um ein öffentliches Gebäude handelt, eine Schranke dar. Generell sind Trinkbrunnen dort sinnvoll, wo sich Menschen längere Zeit aufhalten, z.B. auf zentralen Stadtplätzen, zentralen Parkanlagen oder Zoologischen Gärten bzw. Tierparks, in 9 Vgl. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Trinkwasserüberwachung; Anforderungen an öffentliche Trinkwasserbrunnen, E-Mail-Schreiben des Ministeriums vom 28.02.2020, Az.36-5476.00 öffentlichen Sport- und Freizeitanlagen, auf zentralen Spielplätzen, an Rastplätzen von Wander- und Radwegen. Dazu kommen städtische Orte, die aufgrund ihrer Funktion eine große Zentralität haben, wie beispielsweise Bahnhöfe, Busbahnhöfe bzw. Knotenpunkte des Umweltverbundes und Fahrradparkhäuser. Für die konkrete Platzierung gibt es die Empfehlungen des Ministeriums für Ländlichen Raum, die bereits durch einige Gesundheitsämter konkretisiert wurden 9 10 : - wenn möglich, in Kombination mit öffentlichen Nutzungen wie öffentliche WC ́s, Cafés oder Ausleihstationen, - außerhalb von Wegeachsen und dennoch zentral bzw. gut sichtbar, - möglichst im Schatten und nicht unter Bäumen - mit kurzen Leitungslängen zwischen Hauptwasserleitung und Trinkbrunnen. Insbesondere die Empfehlung, Trinkbrunnen nicht unter Bäumen aufzustellen, ist nicht unproblematisch, bieten doch diese Standorte in der Regel Schatten. Die zugrunde liegende Sorge vor Verschmutzungen durch Vögel oder Blätter unter Bäumen ist gering und lässt sich auch konstruktiv verhindern. Ohnehin muss der konkrete Standort jeweils im Einzelfall abgewogen werden. TRINKBRUNNEN ODER TRINK- WASSERBRUNNEN – RECHTLICHER RAHMEN Maßgebend für den Umgang mit Trinkbrunnen ist die EU-Trinkwasserrichtlinie. Sie wurde letztmalig zum 12.01.2021 novelliert. 11 10 Vgl. Gesundheitsamt Tübingen: Merkblatt Öffentliche Trinkbrunnen, Empfehlungen des Gesundheitsamtes Tübingen vom 10.03.2021 11 Vgl.: EU-Trinkwasserrichtlinie: Richtlinie (EU) 2020/2184, Novellierung vom 21.01.2021 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 11 Wesentliche Inhalte der Richtlinie sind u.a. 12 : − verbesserter Gesundheitsschutz bei der Wasserversorgung, − bessere Überwachung der Wasserqualität, − höhere Qualitätsstandards, − stark erweiterte Informationspflichten für Betreibende. Die Trinkwasserrichtlinie verfolgt das Ziel, den Zugang zu sicherem Trinkwasser – insbesondere für vulnerable Gruppen – zu verbessern. Hierzu sollen verstärkt Wasserspender an öffentlichen Orten gebaut und Trinkwasser in öffentlichen Verwaltungen und Gebäuden bereitgestellt werden. Für Kunden von Restaurants, Kantinen und Verpflegungsdiensten soll die Abgabe von Wasser kostenlos oder gegen eine geringe Dienstleistungsgebühr möglich sein. Bessere Überwachung soll dafür sorgen, dass Trinkwasser europaweit sauberer und gesünder wird. Substanzen, bei denen potenzielles Gesundheitsrisiko vermutet wird, werden in eine europäische Beobachtungsliste aufgenommen. Die Grenzwerte für bestimmte Parameter (z.B. Blei und Chrom) wurden reduziert, für weitere Stoffe wurden neue Grenzwerte festgelegt (z.B. Bisphenol-A, PFAS, Chlorit, Chlorat, Halogenessigsäure, Microsystin-LR, Uran und Legionellen). 12 Vgl.: Weka Media GmbH: Neue Trinkwasserrichtlinie in Kraft getreten, 26.01.2021, abgerufen unter https://www.weka.de/umweltschutz/trinkwasserrichtlinie/ 13 Risikobasiert bedeutet dabei, dass ein Risiko als eine Auswirkung von Ungewissheit betrachtet wird, die zum Teil durch das Fehlen von Informationen im Hinblick auf das Verständnis vorhandener Festgelegt wurde ein risikobasierter 13 Ansatz für die Gewährleistung der Sicherheit in der Wasserversorgung, der entlang der gesamten Versorgungskette vom Einzugsgebiet über die Entnahme, Aufbereitung, Speicherung und Verteilung bis zur Hausinstallation gilt. Mindesthygieneanforderungen sollen sicherstellen, dass nur gesundheitlich unbedenkliche Materialien und Substanzen in Kontakt mit Trinkwasser kommen dürfen (z.B. bei Rohren oder Wasserhähnen). Am 12.01.2021 trat die neue Trinkwasserrichtlinie in Kraft. Die EU- Mitgliedsstaaten haben bis Januar 2023 Zeit, die Vorgaben der Novelle in nationales Recht umzusetzen. Für Deutschland maßgebend ist die Trinkwasserverordnung in der Fassung vom 19.06.2020. Sie regelt die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch. Gemäß §3 Abs. 2 c sind Trinkbrunnen Kleinanlagen zur Eigenversorgung, bei einer Entnahme von weniger als 10 m³ Trinkwasser am Tag. Zum Trinkbrunnen gehört die gesamte Trinkwasserinstallation ab Abzweig aus dem Hauptnetz mit Rohrleitungen, Armaturen etc. bis zum Punkt, an dem Nutzende das Wasser entnehmen (Trinkwasserverordnung §3 Abs. 3). Ein Trinkbrunnen ist öffentlich, wenn ein unbestimmter, wechselnder Personenkreis die Anlage nutzt (Trinkwasserverordnung §3, Abs. 11). Situationen zustande kommt. Mit einem wirkungsvollen Management von Risiken und Chancen über die Identifizierung von Risiken und ihrer Benennung als Grundlage zur Planung sowie der Integration in ein Qualitätsmanagementsystem wird diesem Ansatz Rechnung getragen. Gemäß Trinkwasserverordnung sind Trinkbrunnen Kleinanlagen zur Eigenversorgung mit Trinkwasser, mit einer Entnahme von maximal 10 m³ Trinkwasser am Tag. Gemäß der neuen EU-Trinkwasserrichtlinie sollen verstärkt Wasserspender an öffentlichen Orten gebaut und Trinkwasser in öffentlichen Verwaltungen und Gebäuden bereitgestellt werden. Gemäß Trinkwasserverordnung sind Trinkbrunnen öffentlich, wenn ein unbestimmter, wechselnder Personenkreis die Anlage nutzt. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 12 Die Trinkwasserverordnung regelt auch die technischen Anforderungen an Trinkbrunnen. So müssen gemäß §17 der Trinkwasserverordnung Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser mindestens nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik geplant, gebaut und betrieben werden, damit keine Veränderung von Geruch oder Geschmack des Wassers entsteht. Produkte und Verfahren erfüllen diese Vorgabe dann, wenn dies von einem für den Trinkwasserbereich akkreditierten Zertifizierer durch ein Zertifikat bestätigt wurde. Mögliche Zertifizierungen gibt es über den Deutschen Verein des Gas - und Wasserfaches (DVGW) oder das NSF International, Food and Water Safety und Quality in Europe. Aktuell gibt es noch keine verpflichtende Zertifizierung für Trinkbrunnen. Dennoch orientieren sich die Wasserversorger, mit denen die Aufstellung von Trinkbrunnen abgestimmt werden muss, in der Regel an den Vorgaben der DVGW. Zwar gibt es bei der DVGW keine Prüfgrundlage für Brunnen, jedoch für die darin verbauten Einzelteile. Um für einen Trinkbrunnen eine DVGW-Zulassung zu erhalten, muss in den Brunnen beispielsweise ein Spülmechanismus und ein Systemtrenner enthalten sein. Eine Reihe von Herstellern von Trinkbrunnen haben mittlerweile eine Zertifizierung. Es empfiehlt sich, bei neu zu planenden Brunnen generell zertifizierte Trinkbrunnenmodelle zu verwenden. Bei Bestandsanlagen ist vom Bestandsschutz auszugehen. Dennoch sollten Bestandsanlagen in einer Risikobetrachtung bewertet werden und für sie ein Betriebskonzept erarbeitet werden. Trinkbrunnen sind mit Trinkwasser zu betreiben. Dennoch macht allein der Betrieb mit Trinkwasser einen Brunnen nicht zum Trinkbrunnen. RECHTLICHE SITUATION IN BADEN- WÜRTTEMBERG Der Betrieb von Trinkbrunnen erfolgt in Baden- Württemberg nach den Empfehlungen für öffentliche Trinkbrunnen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Auf diese Empfehlung stützen sich wiederum die Gesundheitsämter. Die Empfehlungen gelten als Orientierungswerte. Es besteht die Pflicht, dem zuständigen Gesundheitsamt die Errichtung und Inbetriebnahme von öffentlichen Trinkbrunnen anzuzeigen sowie die betrieblichen Parameter für die Hygiene abzustimmen. Weitergehende technische Hinweise, ein Leitfaden durch das Umweltbundesamt oder eine Norm bzw. Vornorm liegen aktuell noch nicht vor, sind aber in Vorbereitung. Trinkbrunnen sollen demnach folgende wesentliche Anforderungen erfüllen: - Wasserversorgung trinkwassergebunden, - Trinkwasserversorgungsnetz gesichert durch Systemtrenner, - Materialien/Werkstoffe entsprechend Trinkwasserverordnung, - Bedienung möglichst mit berührungsfreiem Sensortaster, - automatisches Spülventil und Zwangsspülung mindestens aller 24 Stunden, - Entleerungsmöglichkeit der Stichleitung im Winter, - möglichst keine Tröge oder Becken, die zum Schöpfen des Wassers verleiten, - kein Umbau vorhandener Brunnen als Trinkbrunnen, - Auslassstelle möglichst hoch, damit Berührung mit Hunden vermieden wird, - Auslassstelle möglichst nicht mit dem Mund erreichbar, Trinken/Befüllen nicht direkt an der Auslassstelle, TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 13 - Auslassstelle nicht auf einer horizontalen oder gering geneigten Fläche zur Vermeidung von Schmutzablagerungen, - wöchentliche Sicht- und Funktionskontrolle sowie bedarfsgerechte Reinigung der Anlage, - Beprobung bei Inbetriebnahme, nochmals zwei Wochen später und dann zweimal jährlich, zusätzlich anlassbezogene Beprobungen. Die Empfehlungen zeigen verschiedene Problemlagen bzw. Unklarheiten für die Betreiber auf: - Die Empfehlung für eine automatische Zwangsspülung ist nur bei diskon- tinuierlich betriebenen Brunnen sinnvoll, nicht bei Dauerläufern. Die Empfehlungen suggerieren damit, dass nur diskontinuierlich laufende Brunnen möglich seien. - Die Vorgaben für die Auslassstellen sind funktional wie auch gestalterisch stark einengend und widersprechen sich. - Die Empfehlung, bei der Konstruktion generell auf Tröge oder Becken zu verzichten, würde nahezu alle historischen Trinkbrunnen und ebenso viele moderne Trinkbrunnen ausschließen, da diese in der Regel einen Trog haben. - Der pauschale Ansatz für eine Beprobung bei Inbetriebnahme, nochmals zwei Wochen später sowie zusätzlich zweimal jährlich im Regelbetrieb bedingt einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand, der spezifische Bedingungen des jeweiligen Netzes bzw. Netzbetriebs nicht berücksichtigt. - Wenn mehrere Trinkbrunnen betrieben werden, verursacht die pauschale Anwendung dieser Empfehlungen hohe Betriebskosten, die den Wunsch nach mehr Trinkbrunnen im öffentlichen Raum deutlich beschränken und nicht zwangsläufig zu höherer Betriebssicherheit führen. Der Betrieb öffentlicher Trinkbrunnen ist immer mit einem organisatorischen Aufwand verbunden. Die Entscheidung für eine bestimmte Konstruktion sollte immer auch die spezifischen örtlichen Bedingungen berücksichtigen. Daraus ergibt sich für die Betreiber die Empfehlung für eine Beurteilung und Abwägung ihrer konkreten Bedingungen und darauf aufbauend für ein spezifisches Hygienekonzept sowie eine Betriebsanweisung. - Trinkbrunnen im Sinne der vorliegenden Trinkwasserkonzeption für die Karlsruher Brunnen sind im öffentlichen Stadtraum aufgestellte Anlagen zur ergänzenden Eigenversorgung mit Trinkwasser. Empfehlung: auch wenn vorhandene Anlagen dem Bestandsschutz unterliegen, empfiehlt es sich, sie in einer Risikobetrachtung zu bewerten. Empfehlung: für den Betrieb der Trinkbrunnen sollte ein auf die konkreten örtlichen Bedingungen abgestimmtes Betriebs- und Hygienekonzept erstellt werden. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 14 FUNKTIONSWEISEN UND KONSTRUKTION Historische Brunnen waren immer Dauerläufer. Bis heute sind viele Brunnenanlagen Dauerläufer. Von der Zulaufleitung führt eine Steigleitung zum Brunnenauslass. Die Zulaufleitung konnte meist mit einem Absperrschieber stillgelegt werden. Die einfache Form des Dauerläufers gibt es bei den Trinkbrunnen bis heute. Von Vorteil ist die einfache Konstruktion, die geringe Anfälligkeit gegenüber Vandalismus, die berührungsfreie Bedienmöglichkeit und die hohe Sicherheit dieser Anlagen. Der Wasserverbrauch ist aufgrund des Dauerbetriebs vergleichsweise hoch. Auch wenn der Wasserverbrauch nur einen Teil der Betriebskosten ausmacht, sind Dauerläufer ökologisch meist schwerer vertretbar, da der öffentliche Fokus tendenziell stark auf der vermeintlichen Wasserverschwendung liegt. Eine Möglichkeit ist die Kombination des Ablaufs mit einer Bewässerung, z.B. für einen Baum. Eine weitere Möglichkeit sind diskontinuierlich laufende Trinkbrunnen, die Wasser nur auf Anforderung spenden. Schwachstellen dieser Anlagen sind die Steigrohre/Stichleitungen, in denen das Wasser je nach Benutzungsintensität längere Zeit stehen kann, weshalb die Möglichkeit einer Verkeimung besteht. Die Empfehlungen sehen deshalb mittlerweile für diskontinuierlich betriebene Trinkbrunnen eine Zwangsspülung vor, die automatisch oder manuell durchgeführt werden kann. Empfohlen wird eine Zwangsspülung mindestens alle 24 Stunden. Hohe Sicherheit bietet hierfür eine automatische Steuerung. Sie erfordert einen Stromanschluss oder alternativ einen Akku-Betrieb. Der Wasserverbrauch diskontinuierlich betriebener Trinkbrunnen ist gering. Öffentlich sind sie deshalb gut vertretbar. Demgegenüber ist ihre Investition deutlich höher. Zudem erfordern sie einen Stromanschluss oder eine Batterie. Alternativ kann die Spülung manuell über Personal durchgeführt werden. Abgesehen vom Personalaufwand gewährleisten manuell gespülte Anlagen keine komplette Sicherheit für den Betreiber. Die Bedienung diskontinuierlich laufender Brunnen erfolgt über einen Hahn, Schalter oder einen Sensor. Schalter sind mitunter anfällig gegenüber Vandalismus. Sensorschaltungen haben den Vorteil der berührungslosen Nutzbarkeit. Funktionsweise Dauerläufer Diskontinuierlich mit Zwangsspülung Diskontinuierlich mit manueller Spülung Konstruktion Einfache Konstruktion mit Steigleitung, Wasserauslauf und Ablauf, Absperrschieber und Systemtrenner Konstruktion mit Steigleitung, Wasserauslauf und Ablauf, Systemtrenner, Spülung der Steigleitung automatisiert und strombetrieben Konstruktion mit Steigleitung, Wasserauslauf und Ablauf, Systemtrenner, Spülung der Steigleitung manuell Aufwand und Sicherheit technischer Aufwand gering, hohe Sicherheit, berührungsfrei e Nutzung möglich technischer Aufwand höher, hohe Sicherheit, berührungsfreie Nutzung mit Sensor möglich technischer Aufwand gering, Sicherheit, sofern korrekte Spülung gewährleistet Wasserverbrauch Höher (500 bis 750 m³/Jahr bei 7 Monaten Betriebszeit) Gering (12-24 m³/Jahr bei 7 Monaten Betriebszeit) Gering (24-50 m³/Jahr bei 7 Monaten Betriebszeit) Vandalismus Geringe Anfälligkeit Gering bis mittel anfällig Gering bis mittel anfällig Ökologische Aspekte Öffentlich schwerer vertretbar aufgrund des permanenten Wasserverbrauchs Öffentlich gut vertretbar aufgrund des geringen Wasserverbrauchs, jedoch mit Stromverbrauch Öffentlich gut vertretbar aufgrund des geringen Wasserverbrauchs, jedoch mit Personalaufwand Tabelle 1: Konstruktionsprinzipien von Trinkbrunnen TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 15 TRINKBRUNNENMODELLE Denkbar sind verschiedene Modelle, die sich in der Art der Aufstellung – freistehend oder Wandmontage – und in der Anordnung des Wasserablaufes – oben liegend oder in den Boden integriert – unterscheiden. Neben einfachen, eher technischen Modellen, die sich durch eine große Wiedererkennbarkeit auszeichnen, sind genauso individuelle, künstlerisch gestaltete Anlagen möglich. Trinkbrunnen und vor allem der Wasserauslass sollten für Menschen im Rollstuhl gut zugänglich sein. Modell 1: Wasserauslass oben, Ablauf im Boden Modell 2: Wasserauslass oben, Ablauf oben Abbildung 8: diskontinuierlich betriebener Trinkbrunnen Der Wasserauslass sollte frei zugänglich sein, so dass das Wasser mit dem Mund, mit einem Gefäß (Wasserflasche) oder der Hand geschöpft werden kann. Der Wasserauslass sollte idealerweise in einer schrägen Fläche integriert sein, um Verschmutzungen zu vermeiden. Schalen und Becken mit stehendem Wasser im Ablauf sollten vermieden werden. Modell 3: Wandbrunnen Modell 4: Künstlerischer Brunnen Abbildung 8: kontinuierlich betriebener Trinkbrunnen mit oben liegendem Ablaufbecken Abbildung 7: kontinuierlich betriebener Trinkbrunnen TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 16 ANDERSWO In den letzten Jahren sind Trinkbrunnen in vielen Städten wieder in den Fokus gerückt. Wien Traditionell ist in Europa die Stadt Wien Vorreiterin sowohl bei den Trinkbrunnen als auch bei stadtklimatischen Anpassungskonzepten für den öffentlichen Raum, z.B. durch temporäre Wasserspiele, Nebelanlagen oder mobile Klimakammern. Abbildung 9: temporäre Wasserspiele in den hochverdichteten Quartieren in Wien, Foto: C. Fürthner aus Tech&Nature 19.05.2020 Abbildung 10: Nebelduschen bei Freiluft-Veranstaltungen in Wien, Foto: Rauch Luftbefeuchtung Österreich Es gibt in Wien ungefähr 1.000 Trinkbrunnen mit drei typischen, seit langem tradierten Modellen, die teils von Künstlern entwickelt wurden. Neben diskontinuierlich betriebenen Trinkbrunnen gibt es auch Dauerläufer. Bekanntestes Modell ist der Wiener Trinkbrunnen von Hans Muhr, der als Freundschaftsgeschenk auch außerhalb von Wien und Österreich Bekanntheit hat. Abbildung 11: Altstadttrinkbrunnen in Wien, diskontinuierlich betriebener Trinkbrunnen, Foto: wikipedia Abbildung 12: Wiener Trinkbrunnen von Hans Muhr, Dauerläufer, Foto: Katrin Korth Dazu kommt ein ergänzendes temporäres Modell, welches speziell für die Fußball- Europameisterschaft 2008 entwickelt wurde und im Sommer ergänzend an den touristischen und Nutzungs-Hotspots sowie zusätzlich bei Großveranstaltungen aufgestellt wird. Der Brunnen besteht aus einer kreisförmigen Säule aus glattem, halbmattem Blech. Der Brunnen hat eine TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 17 Einbuchtung mit Becken und Wasserspender und wird durch einen Drückknopf bedient. Besonderheit des mobilen Brunnens sind die Nebeldüsen, die knopfausgelöst eine Zeitlang einen feinen Sprühregen liefern, der Kopf und Körper befeuchtet, um sich mit Verdunstungskälte äußerlich kühlen zu können. Abbildung 13: Mobiler Trinkbrunnen mit Nebel in Wien, Foto: Katrin Korth Der mobile Trinkbrunnen wird per Kran über einen Hydranten gehoben. Sein Inneres ist zugänglich, um den Wasseranschluss per flexiblem Schlauch herzustellen und der Feuerwehr weiterhin rasch den Zugang zum Hydranten zu erlauben. Berlin Seit 30 Jahren gestaltet und erweitert die Stadt Berlin ihr Trinkbrunnennetz. Bis Ende 2021 sollen es 145 öffentliche Trinkbrunnen sein. Verantwortlich für die Durchführung sind die Berliner Wasserbetriebe, die Kosten stellt der Senat zur Verfügung. In Berlin werden zwei Modelle verwendet, beide als Dauerläufer. Aufgrund der klaren Modellzuweisungen ist die Wiedererkennbarkeit und Auffindbarkeit im Stadtraum hoch. Insbesondere der Berliner Trinkbrunnen, Modell Kaiserbrunnen, ist bekannt, da er auch in anderen Städten errichtet wird. In Karlsruhe gibt es dieses Modell an der Mensa auf dem Campus des KIT. Abbildung 14: Berliner Trinkbrunnen: Kaiserbrunnen, Dauerläufer, Foto: Berliner Wasserbetriebe Hervorzuheben ist der prägnante und ansprechende Internetauftritt durch die Berliner Wasserbetriebe. Es gibt in Berlin noch weitere historische Trinkbrunnen, die meist zusammen mit Schmuckbrunnen errichtet wurden und ursprünglich zur Netzspülung gedacht waren. Die Trinkbrunnen sind ein Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt geworden. Abbildung 15: Berliner Trinkbrunnen, Modell Botsch, Dauerläufer; Foto: Berliner Wasserbetriebe Auffällig ist die umfangreiche und aufwendige Unterhaltung und Überwachung der Brunnen. Die Trinkbrunnen werden alle zwei Wochen grundgereinigt, alle vier Wochen wird das Wasser beprobt. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 18 Darüber hinaus hat sich das Land Berlin zu den folgenden fünf Grundsätzen und Zielen der „Blue Community“ verpflichtet: − Anerkennung von Wasser und sanitärer Grundversorgung als Menschenrecht, − Erhalt des Wassers als öffentliches Gut, − Schutz der Qualität des städtischen Trinkwassers sowie der Berliner Flüsse und Seen, − Förderung von Berliner Leitungswasser gegenüber Flaschenwasser, − Pflege von internationalen Partnerschaften hinsichtlich der „Wasser- Ziele“. Dresden Die Stadt Dresden verfolgt seit einigen Jahren das Ziel, Trinkbrunnen im Stadtgebiet zu installieren, vorrangig auf zentralen Plätzen und in hochfrequentierten Parkanlagen. Dabei werden teilweise bestehende Brunnenanlagen umgerüstet, teilweise neue Brunnen errichtet. 2019 wurde das Ziel formuliert, zu den bereits vorhandenen 5 Trinkbrunnen weitere 20 neue Trinkbrunnen zu errichten, wobei auch auf Partnerschaften, z.B. am Bahnhof mit der Deutschen Bahn, gesetzt wird. Abbildung 16: Trinkbrunnen am Postplatz in Dresden, Foto: S. Füssel in TAG24 Abbildung 17: sanierter und als Trinkbrunnen genutzter Brunnen in der Prager Straße in Dresden, Foto: S. Füssel in TAG24 TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 19 KARLSRUHE - ANALYSE AUSGANGSSITUATION Karlsruhe hat eine große Tradition als Stadt der Brunnen. Zahlreiche historische und moderne Anlagen schmücken die öffentlichen Räume in Karlsruhe. Durch das Gartenbauamt werden aktuell 122 Brunnenanlagen und Wasserspiele betrieben. Aktuell in Planung befindet sich zudem ein neuer Trinkbrunnen für den Berliner Platz. Abbildung 18: Beispiel eines historischen Brunnens, der als Trinkbrunnen ausgewiesen ist: Lidellbrunnen auf dem Lidellplatz, Brunnen von Hermann Volz, 1876, Foto: Katrin Korth Abbildung 19: Beispiel eines zeitgenössischen Brunnens, der als Trinkbrunnen ausgewiesen ist: Herrenbrunnen in der Kaiserstraße, Brunnen von Jürgen Goertz, 1978, Foto: wikipdia 54 der Anlagen werden mit Trinkwasser betrieben. Hinzu kommen in den Höhenstadtteilen einige Quellfassungen. Neben den vom Gartenbauamt betriebenen Brunnen gibt es weitere Brunnen und 14 Vgl.: Brunnenlexikon für die Stadt Karlsruhe 15 Siehe TW-App der Stadtwerke Karlsruhe, Stand März 2021 Trinkbrunnen, die durch andere Ämter oder Einrichtungen der Stadtverwaltung (z.B. Friedhofsverwaltung, Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft), das Land (z.B. Universität, Klinikum) oder Firmen betrieben werden. 14 Es gibt in Karlsruhe mehrere Initiativen, die den Umgang mit Trinkwasser in den Fokus stellen. Wichtigster Akteur sind die Stadtwerke Karlsruhe, die das Trinkwassernetz betreiben. Die Stadtwerke unterstützen, beispielsweise mit der Kampagne „trinkfair“, den stärkeren Gebrauch ihres klimaneutral produzierten Wassers aus dem Hahn. In den Kundenzentren der Stadtwerke und in einigen städtischen Gebäuden/Einrichtungen werden Trinkwasserspender betrieben. Trinkwasserspender in Gebäuden Kundencenter Stadtwerke Daxlander Straße 72 Bürgerbüro Kaiserallee Bürgerbüro Steinhäuser Straße Rathaus Marktplatz Ständehaus/Stadtbibliothek Rathaus Durlach Rathaus Neureut Tabelle 2: Trinkwasserspender in Gebäuden 15 Trinkwasserspender finden sich auch in Schulen, teilweise im Freigelände und teilweise in den Gebäuden. Eine Initiative, die sich bundesweit für die stärkere Nutzung von Trinkwasser aus der Leitung einsetzt, ist die Refill-Initiative. Abbildung 20: Schild für eine Refill-Station, Foto: Refill Deutschland TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 20 Die Idee ist, dass in Geschäften oder Restaurants kostenfrei Trinkwasser in mitgebrachte Flaschen eingefüllt werden kann. Derzeit beteiligen sich in Karlsruhe ca. 50 Geschäfte, Restaurants und Firmen, die sich überwiegend in der Innenstadt befinden. 16 Ein weiterer bedeutender Akteur ist die Europäische Brunnengesellschaft, die sich u.a. für die Pflege und Erhaltung von Brunnen, für kulturelle Aktivitäten rund um Wasser und Brunnen, für Brunnengestaltung, Brunnen- geschichte, Brunnenkataster und Brunnen- datierung einsetzen. Die Europäische Brunnen- gesellschaft organisiert die Brunnenpatenschaften, bei denen Bürgerinnen und Bürger aktiv bei der Pflege und Erhaltung der Brunnen mitwirken. Abbildung 21: Europäische Brunnengesellschaft, Sektion Karlsruhe, wichtige Akteurin im Umgang mit Brunnen, Quelle: Europäische Brunnengesellschaft 16 siehe: Refill Deutschland, https://refill- deutschland.de/karlsruhe/, abgerufen 31.03.2021 17 Vgl.: meinKA: Trinkwasserbrunnen in Karlsruhe – der gratis Durstlöscher, Quelle: https://meinka.de/trinkwasserbrunnen-in - karlsruhe-der-gratis-durstloescher/#toc-1, abgerufen am 03.04.2021 Die Themen Trinkwasser und Trinkbrunnen werden in einer Reihe von städtischen Informationsbroschüren, Internetangeboten und Applikationen behandelt. Neben der Trinkwasser- App der Stadtwerke und weiterführenden Informationsangeboten auf der Internetseite der Stadtwerke, in der öffentliche Trinkbrunnen, Trinkwasserspender und Brunnen mit Trinkwasserbetrieb aufgeführt sind, gibt es Informationen auf der Seite meinKA. 17 Erläutert wird dort, was Trinkwasserbrunnen sind; weiterhin gibt es Hinweise zur Refill-Initiative und zur Trinkwasser-App, dazu eine Übersicht von Trinkwasserbrunnen. Eine Liste der im Stadtgebiet vorhandenen Brunnen und damit auch der Trinkbrunnen findet sich in der Internetpräsenz der Europäischen Brunnengesellschaft. Auf diese Auflistung verweist auch das Gartenbauamt der Stadtverwaltung. 18 In der städtischen Internetpräsenz findet sich in den Erläuterungen zur Klimaanpassungsstrategie und den Anpassungsmaßnahmen ein Flyer, der die Trinkwasserangebote in Karlsruhe beschreibt. 19 Abbildung 22: Flyer der Stadtverwaltung Karlsruhe, Quelle: https://www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/klimawandel/kli maanpassung/anpassungsmassnahmen.de 18 Vgl.: http://www.brunnengesellschaft- karlsruhe.de/index.php/brunnen-info 19 Vgl.: Stadt Karlsruhe, Natur- und Umweltschutz, Klimaanpassungsstrategie und Anpassungsmaßnahmen, TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 21 Die Stadt Karlsruhe ist Partnerin bei a tip: tap e.V., einem gemeinnützigen Verein, der sich für Leitungswasser, gegen Plastikmüll und für eine Wasserwende einsetzt. Im Rahmen der Vereinsaktivitäten wurde 2020 der Trinkbrunnen auf dem Lidellplatz durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit als Beitrag zur UN-Wasserdekade ausgezeichnet. Um eine Auszeichnung als UN-Wasserdekade- Brunnen zu erhalten, muss ein Trinkbrunnen folgende Bedingungen erfüllen: − der Trinkbrunnen ist öffentlich zugänglich, − der Trinkbrunnen befindet sich an einem Ort, an dem kostenlos und verpackungsfrei Leitungswasser aufgefüllt werden kann, ohne dass andere Getränke und deren Verpackung diskriminiert werden, − eine regelmäßige Wartung und Qualitätskontrolle muss gewährleistet sein. Abbildung 23: Lidellbrunnen mit Beschilderung als UN- Wasserdekadebrunnen TRINKBRUNNEN UND TRINKWASSERBRUNNEN In den verschiedenen Informationsangeboten der Stadt finden sich unterschiedliche Begrifflichkeiten für Brunnen, die Wasser zum Trinken bieten. So beschreibt der Beitrag Trinkwasserbrunnen in https://www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/klimawandel/kli maanpassung/anpassungsmassnahmen.de Karlsruhe – der gratis Durstlöscher auf meinKA.de: „Trinkwasserbrunnen sind seit der Antike her bekannt – auch heute noch können die städtischen und als Trinkbrunnen ausgewiesenen Brunnen ohne Bedenken genutzt werden. Auch Karlsruhe verfügt über eine Vielzahl der wichtigen kostenlosen Durstlöscher.“ und „Nicht jeder Brunnen ist auch ein Trinkwasserbrunnen. Für Trinkwasser gelten hohe Anforderungen an Qualität und Hygiene. Diese sind in der sogenannten Trinkwasserverordnung gesetzlich geregelt. Hier sind unter anderem auch strenge Grenzwerte für die wichtigsten Schadstoffe festgelegt. Trinkwasser muss zwar nicht direkt steril sein, aber es darf keine krankheitserregenden Keime und Bakterien enthalten. Deshalb ist es wichtig, nur aus Brunnen zu trinken, die explizit als Brunnen zum Trinken ausgewiesen sind. Allerdings verfügt Karlsruhe über eine nachgewiesen gute Trinkwasserqualität.“ Im Flyer der Stadtverwaltung heißt es: „In Deutschland gilt die Regel, dass grundsätzlich Trinkwasser aus der Leitung kommt und ein Hinweisschild „Kein Trinkwasser“ angebracht sein muss, wenn an einem Brunnen oder einem Wasserhahn keine Trinkwasserqualität gewährleistet ist. Allerdings ist damit keine Gewähr für die hygienischen Qualitäten der Zapfstelle gegeben. Bitte schätzen Sie beim Füllen Ihrer Flasche selber ab, ob der hygienische Zustand der Anlage ein unbeschwertes Trinken erlaubt.“ Die Beschreibungen zeigen Unklarheit im Umgang mit der Frage der Trinkwasserqualität. In Karlsruhe ist bisher Praxis, dass die Unterscheidung zwischen Trinkbrunnen und Trinkwasserbrunnen nicht trennscharf vollzogen wird. Brunnen werden dann als Trinkbrunnen und/oder Trinkwasserbrunnen bezeichnet, wenn sie mit Trinkwasser gespeist werden oder historisch als Trinkbrunnen genutzt werden. Die Wasserausläufe dieser Brunnen werden durch das Trinkwassernetz gespeist. Analyse: die Bezeichnung der Trinkbrunnen und der gebotenen Wasserqualität ist bisher in Karlsruhe nicht einheitlich geregelt. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 22 An den Brunnen selbst sind in der Regel Schilder installiert, die auf die Wasserqualität hinweisen. Abbildung 24: Beschilderung für einen mit Trinkwasser gespeisten Brunnen, hier Rappenbrunnen Durlach Abbildung 25: Beschilderung für einen mit Trinkwasser gespeisten Brunnen, hier Marktbrunnen Durlach Abbildung 26: Hinweisbeschilderung „Kein Trinkwasser“ Wenn ein Brunnen als Trinkbrunnen beurteilt wurde, wurde er in der Regel mit einem entsprechenden Schild (Abb. 14 oder 15) versehen. Brunnen, deren Wasser nicht zum Trinken geeignet sind (Quellbrunnen und Umwälzbrunnen oder Brunnen mit einem Wasserauslauf über eine Fontäne), haben in der Regel den Hinweis „kein Trinkwasser“. Abbildung 27: Hinweisbeschilderung „Kein Trinkwasser“, hier Brunnen am Gottesauer Platz Abbildung 28: Beschilderung für einen Trinkbrunnen der Stadtwerke Karlsruhe, hier Turmbergterrasse Abbildung 29: Trinkbrunnen-Hinweisschild, hier Lidellplatzbrunnen Trinkbrunnen, die durch die Stadtwerke gesponsert wurden, haben teils eigene Beschilderungen. Eine eigene und eindeutig identifizierbare bzw. wiederkehrbare Wortbildmarke für Trinkbrunnen gibt es bisher in Karlsruhe nicht. Analyse: die Wiedererkennbarkeit der Trinkbrunnen, z.B. über eine eindeutige Wortbildmarke, ist derzeit eingeschränkt. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 23 DENKMÄLER UND KUNSTWERKE ALS TRINKBRUNNEN Von den 122 Brunnen und Wasserspielen, die in den öffentlichen Räumen Karlsruhes aktuell durch das Gartenbauamt betrieben werden, haben 45 eine Denkmaleigenschaft. Die meisten dieser Brunnen waren ursprünglich Anlagen zur Trinkwasserversorgung. Beispiele dafür sind die Brunnen auf dem Marktplatz, dem Rondellplatz und dem Ludwigsplatz, die im Zusammenhang mit dem Bau der Quellwasserleitung von Durlach nach Karlsruhe nach 1822 entstanden sind. Üblicherweise wurden auf den Plätzen, auf denen Märkte durchgeführt wurden, Brunnen zur Brauch- und Trinkwasserversorgung errichtet. 20 Neben der wasserspendenden kam diesen Brunnen eine stadtplanerische und ästhetische Funktion zu. Sie wurden durch Künstler oder Architekten entworfen und sind von einem hohen kulturhistorischen Wert. Nach 1945 kamen weitere 20 Siehe: Förster, Gruber, Maier: Vergleiche Märkte und ihre Brunnen durch Künstlerinnen und Künstler erschaffene Brunnen hinzu. Die meisten Brunnen werden bis heute mit Trinkwasser gespeist und funktionieren als Dauerläufer. Sie überziehen insbesondere die Innenstadtbezirke mit einem dichten Netz. Bisher werden sie durch die Stadt überwiegend als Trinkbrunnen behandelt. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Brunnen, dessen Auslauf Trinkwasser speist und als Dauerläufer betrieben wird, ein Trinkbrunnen ist, weitgehend unabhängig von der sonstigen Konstruktion. Allerdings wären die meisten dieser Brunnen entsprechend der aktuellen Empfehlungen keine Trinkbrunnen. Als bestehende Anlagen unterliegen sie dem Bestandsschutz. Abbildung 30: Funktionsweise eines historischen Trinkbrunnen als Dauerläufer in Karlsruhe, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Signatur 8_Alben_14_43 Analyse: In der Regel werden in Karlsruhe bisher trinkwassergespeiste und dauer- laufende Brunnen als Trinkbrunnen bezeichnet. Viele dieser Brunnen sind Denkmäler oder Kunstwerke. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 24 UNTERSUCHTE BRUNNEN Im Rahmen der Bestandsanalyse für das Trinkbrunnenkonzept wurden 54 Brunnenanlagen erfasst (siehe Anlage 1), deren Auswahl nach den folgenden Kriterien erfolgte: − Gestaltung bzw. Konstruktionsweise in Anlehnung an historische Trinkbrunnen − Betrieb mit Trinkwasser als Dauerläufer oder diskontinuierlich mit Drücker − Nutzung oder Ausweisung als Trinkbrunnen − Benennung in der Trinkwasser App der Stadtwerke Nicht untersucht wurden Trinkbrunnen innerhalb von Schulen bzw. im Freigelände von Schulen sowie die Brunnenanlagen auf den Friedhöfen. Bei den Schulstandorten kann nicht von einer freien Zugänglichkeit ausgegangen werden. Friedhöfe sind zwar öffentlich zugänglich und bieten an den Wasserauslässen auch zumeist Trinkwasser. Gleichwohl wurden diese Brunnen nicht für die Konzeption berücksichtigt. 26 der Brunnen befinden sich in den Kernstadtteilen Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Südstadt, Südweststadt, Weststadt, Nordweststadt, Oststadt und Mühlburg. 14 der Anlagen befinden sich in Durlach und weitere 14 in Beiertheim, Weiherfeld/Dammerstock, Daxlanden, Grötzingen, Grünwettersbach, Knielingen, Neureut, Rüppurr und Wolfartsweier. In den Stadtteilen Hohenwettersbach, Palmbach, Rintheim und Stupferich befinden sich keine Brunnen entsprechend der beschriebenen Eingrenzung. Die Brunnenanlagen reichen von klassischen Marktbrunnen/Stockbrunnen mit Trog über dörflich/ländlich anmutende Trogbrunnen, künstlerisch gestaltete Brunnen bis hin zu tatsächlichen Trinkbrunnen (siehe Fotodokumentation Anlage 2). Von den untersuchten Brunnen laufen 36 im Dauerbetrieb, die anderen laufen diskontinuierlich auf Anforderung, in der Regel mit einem Drückknopf. 24 der Brunnen stehen unter Denkmalschutz. 3 Anlagen sind rückgebaut oder sanierungsbedürftig, eine Anlage ist in Planung. 48 der Brunnen werden durch das Gartenbauamt betrieben, 6 haben andere Betreiber. Die Anlagen wurden auf der Basis der Empfehlungen des Ministeriums für den Ländlichen Raum überprüft. Maßgebende Kriterien waren die Gestaltung und Höhe des Auslaufes sowie die Konstruktion mit einer Brunnenschale oder einem Brunnenbecken. Zugrunde gelegt wurde die in Karlsruhe bisher übliche Praxis, dass in der Regel alle Brunnen Trinkbrunnen sind, die mit Trinkwasser gespeist werden. Bei der Bewertung in der Bestandsuntersuchung wurde unterschieden nach: − als Trinkbrunnen geeignet (grün) − als Brunnen mit Trinkwasserspeisung mit Einschränkungen geeignet (gelb) − als Trinkbrunnen nicht geeignet (rot) Erfasst wurden die Art der Wasserspeisung, der Betriebszustand zum Zeitpunkt der Prüfung Anfang und Mitte April 2021, der baulich-konstruktive und äußerlich erkennbare Zustand, die stadträumliche Lage und die Erfassung in der Trinkwasser-App der Stadtwerke. Zu berücksichtigen ist, dass zum Zeitpunkt der Prüfung noch nicht alle Brunnen in Betrieb genommen waren. Berücksichtigt wurde der Bestandsschutz der vorhandenen Anlagen, jedoch wurde dennoch geprüft, ob von den Anlagen grundlegende Gefährdungen ausgehen könnten bzw. Sanierungsbedarf besteht. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 25 ERGEBNISSE DER ANALYSE Unter Zugrundelegung der Maßstäbe der aktuellen Empfehlungen für Installation und Betrieb von Trinkbrunnen ergibt sich folgendes Bild: − 23 Anlagen (+1 im Bau) sind Trinkbrunnen (Klassifizierung grün entsprechend der Auflistung in Anlage 1). − Weitere 19 Anlagen entsprechen nicht den Empfehlungen, da sie Brunnenschalen bzw. Brunnentröge haben und/oder einen Standort unter Bäumen. Die Konstruktion dieser Brunnen ist vor allem im Hinblick auf die Wasserauslässe und ihren Betrieb als Dauerläufer jedoch so eindeutig, dass ein Weiterbetrieb möglich scheint, sofern die Beschilderung entsprechend angepasst wird (Klassifizierung gelb entsprechend der Auflistung in Anlage 1). − 11 Brunnen sind nicht für einen Betrieb als Trinkbrunnen geeignet, davon sind 2 stillgelegt oder rückgebaut (Klassifizierung rot oder ohne Klassifizierung entsprechend der Auflistung in Anlage 1). Die Einstufung ist unabhängig davon, ob diese Anlagen tatsächlich mit Trinkwasser gespeist werden. Ihre Ausläufe sind entweder nicht gut zugänglich, so bodennah, dass eine Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden kann, oder sie sind aufgrund ihrer Formgebung ungeeignet, da sie nicht eindeutig als Trinkbrunnen erkennbar sind. Die meisten der Anlagen befinden sich in den Kernstadtbezirken. Historisch bedingt findet sich auch in Durlach eine große Zahl. Eine Systematik der konkreten Standortauswahl lässt sich abgesehen von den historischen Aspekten für Trinkbrunnenstandorte bedingt erkennen. Die historische Entwicklung führte dazu, dass Teile der Trinkbrunnen auf den wichtigen Stadtplätzen verortet und im Prinzip gut auffindbar sind (z.B. Marktplatz, Lidellplatz, Ludwigsplatz, Gutenbergplatz, Markplatz Durlach, Rathaus Neureut). Daneben gibt es Trinkbrunnen auf einigen zentralen Spielplätzen und Aufenthaltsplätzen für Sport und Bewegung Trinkbrunnen (z.B. Skateplatz Otto-Dullenkopf- Park, Spielplatz im Zoologischen Stadtgarten, Bolzplatz Beiertheim). Schließlich gibt es Standorte, die für Freizeit- oder touristische Nutzungen bedeutend sind (z.B. Turmberg und Zoologischer Stadtgarten). Gleichzeitig gibt es Standorte, die zwar für eine Brunnennutzung im Allgemeinen nachvollziehbar sind, unter Zugrundelegung der Rahmenbedingungen für Trinkbrunnen jedoch weniger bedeutend sind. Bestandssituation – Stadträumliche Verortung der 42 (+1 im Bau) geeigneten Anlagen 20 wichtige Stadtplätze und zentrale Orte 6 Tourismus/Freizeit 4 Spiel, Sport, Bewegung 1 Universität 3 im Zusammenhang mit Wasserwerken 9 ohne konkrete stadträumliche Zuweisung Bestandssituation - Anzahl 23 Trinkbrunnen + 1 Trinkbrunnen im Bau 19 mit Trinkwasser betriebene Anlagen und eindeutiger Konstruktion/Wasserspeisung, die eine Nutzung als Trinkbrunnen möglich machen 11 nicht als Trinkbrunnen geeignet oder stillgelegt Bestandssituation – Verteilung 18 Anlagen in Kernstadtbezirken 13 Anlagen in Durlach 12 Anlagen in Stadtteilen, wobei nicht jeder Stadtteil einen Trinkbrunnen hat TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 26 Bei den historischen Brunnen gibt es eine große Modellvielfalt, dennoch haben diese zumeist eine wiederkehrende Grundkonstruktion mit einem Brunnenstock, einem oder mehreren Auslässen und einem Trog bzw. einer Schale. Die Ausführung ist in der Regel aus Naturstein, zumeist Sandstein. Die Brunnen unterscheiden sich in der konkreten Ausgestaltung bei den Verzierungen und Inschriften, was ihren besonderen Wert für die Stadt ausmacht. Die meisten der historischen Anlagen stehen unter Denkmalschutz. Abbildung 31: Leopoldbrunnen auf dem Leopoldplatz, denkmalgeschützter Trinkbrunnen mit Brunnenstock und zwei Brunnenschalen, Dauerläufer, Foto: Katrin Korth Bei den neueren Modellen findet sich ein wiederkehrendes, funktionales und schlichtes Modell aus Granit mit Hahn und Drückergarnitur. Eine Zwangsspülung ist nicht vorhanden. Abbildung 32: Trinkbrunnenmodell aus Granit mit Hahn und Drückergarnitur für den kontinuierlichen Betrieb, Foto: Katrin Korth Die direkte Zugänglichkeit zu den Auslässen ist an den historischen Brunnen nicht immer ideal, insbesondere wenn sie großformatige Brunnentröge haben. Bei den neueren Brunnen ist die direkte Zugänglichkeit der Wasserauslässe meistens gut. 26 Brunnenanlagen werden als Dauerläufer betrieben, 16 diskontinuierlich über Drücker. Aufgrund der Modellvielfalt ist die Auffindbarkeit und Wiedererkennbarkeit an den unterschiedlichen Orten und Plätzen eingeschränkt, insbesondere da die Beschilderung zwar von grundlegend ästhetischem Wert, jedoch eher zurückhaltend und nicht durchgehend einheitlich und teilweise verblichen ist. Abbildung 33: Stephanplatz mit Stephaniebrunnen, Trinkbrunnen versteckt an der Mauer, Foto: Katrin Korth Abbildung 34: Trinkbrunnenschild am Brunnen vor der Friedrich- Realschule, Foto: Katrin Korth Bestandssituation Karlsruhe – Modelle und Wasserspeisung der 42 ( +1 im Bau) geeigneten Anlagen Große Modellvielfalt mit vielen historischen und künstlerisch gestalteten Anlagen und eingeschränkter Wiedererkennbarkeit 27 Betrieb als Dauerläufer 16 Diskontinuierlicher Betrieb mit Drücker TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 27 Der bauliche Zustand der Anlagen, abgesehen von den Brunnen auf dem Fliederplatz und an der Bernharduskirche, ist überwiegend gut. Auffallend sind häufige Kalkablagerungen und teilweise auch Schwarzfärbungen. Ein guter visueller Zustand ist für Trinkbrunnen wesentlich, insofern besteht hier Verbesserungsbedarf für die regelmäßige Reinigung. Bei den historischen Anlagen muss die Reinigung entsprechend denkmalfachlicher Vorgaben erfolgen. Die vorhandenen Anlagen unterliegen dem Bestandsschutz. Grundlegende bauliche Änderungen sollten deshalb nicht vorgenommen werden. Abbildung 35: Trinkbrunnen an der Skateanlage im Otto Dullenkopf- Park, Kalkablagerungen und Vermoosung an den Oberflächen, Foto: Katrin Korth Die Karlsruher Trinkbrunnen und mit Trinkwasser gespeisten Brunnen liefern Trinkwasser in einer hohen Qualität. Das System der Dauerläufer, die aufgrund der Wasserauslasskonstruktionen einen permanenten und gleichzeitig hinsichtlich des Wasserverbrauchs reduzierten Wasserstrahl erzeugen, stellt eine einfache Konstruktion mit einer hohen Sicherheit dar. Die in Karlsruhe verwendeten Modelle mit diskontinuierlicher Wasserspeisung zeichnen sich durch eine einfache und kostengünstige Konstruktion aus. Sie haben keine Zwangsspülung, mit der das stehende Wasser in der Zuleitung geregelt abgelassen werden kann. Neu errichtet wären sie nicht zulässig, als Bestandsanlagen sind sie gesichert. Eine berührungslose Bedienung ist nicht möglich. Bisher wurde das Wasser der als Trinkbrunnen genutzten Brunnen nicht expliziten Wasserbeprobungen und Analysen unterzogen, da das Gesamtnetz der Stadtwerke einer permanenten und umfangreichen Kontrolle unterliegt. Visuelle Kontrollen erfolgen im Rahmen der Grünflächenunterhaltung. Für den neu geplanten Brunnen am Berliner Platz wurde mit dem Gesundheitsamt eine Überwachung mit Beprobungen entsprechend der neuen Empfehlungen für Trinkwasserbrunnen vereinbart. Hinsichtlich der Gesamtzahl der Trinkbrunnen bzw. mit Trinkwasser betriebenen Brunnen scheint eine Übertragung dieses Turnus von 4 Beprobungen im Jahr sehr hoch und wäre mit sehr hohen Kosten verbunden. Die Informationen zu den Trinkbrunnen sind unterschiedlich, widersprechen sich teilweise oder sind nicht aktuell. So sind beispielsweise in der Trinkwasser App der Stadtwerke Trinkbrunnen aufgeführt, die nicht in Betrieb sind, manche Trinkbrunnen fehlen wiederum. Abbildung 36: Trinkbrunnen Grabener Allee Mitte April 2021, Foto: Katrin Korth Bestandssituation – Modelle und Richtlinien Große Modellvielfalt mit vielen historischen und künstlerisch gestalteten Anlagen sowie kostengünstigen modernen Trinkbrunnenmodellen Die bisher errichteten Anlagen unterliegen dem Bestandsschutz. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 28 Im Vergleich zu anderen Städten fällt auf, dass die visuelle Kommunikation zu den Trinkbrunnen deutlich verbesserungsbedürftig ist. Visuelle Kommunikation versteht dabei zum einen die Beschilderung und Wiedererkennbarkeit der Anlagen selbst als auch die Darstellung im Internet und den sozialen Medien. ZUSAMMENFASSENDE ERKENNTNISSE Karlsruhe hat, verglichen mit anderen Städten, bereits ein gutes Angebot an Trinkbrunnen. 23 (+1) Anlagen können als tatsächliche Trinkbrunnen gelten. 19 Anlagen werden mit Trinkwasser betrieben und könnten mit Einschränkung weiter als Trinkbrunnen betrieben werden. Aufgrund der historischen Entwicklung der Brunnen in Karlsruhe und der freiraumplanerischen Praxis der vergangenen Jahre ist die Situierung der überwiegenden Zahl dieser Brunnen stadträumlich und nutzungsspezifisch gut. Unter Berücksichtigung der Anforderungen an die urbanen Räume der Stadt Karlsruhe besteht dennoch ein deutlicher Ergänzungs- und Erweiterungsbedarf, um die wachsenden stadträumlichen, nutzungsspezifischen und stadtklimatischen Anforderungen erfüllen zu können. Die bisherigen Anlagen stehen unter Bestandsschutz. Für zukünftige Anlagen sind die Maßstäbe der Empfehlungen für den Bau und Betrieb von Trinkbrunnen zugrunde zu legen. Insbesondere bei der Unterhaltung und dem Betrieb sowie in der öffentlichen Darstellung der Trinkbrunnen gibt es Optimierungsmöglichkeiten. Mit der heutigen Beschilderung und Darstellung im Netz ist die Ausstrahlwirkung der Karlsruher Trinkbrunnen, damit die „Werbewirkung“ des Karlsruher Trinkwassers und schließlich die positive Botschaft für den Klimaschutz eingeschränkt und spiegelt die vielfältigen Bemühungen Karlsruhes nicht ausreichend wider. Bestandssituation – Informationen und visuelles Bild Viele, jedoch teilweise nicht ausreichend aufeinander abgestimmte Informationen zu den Trinkbrunnen Der Wiedererkennungswert und die Werbebotschaft sind eingeschränkt. Abbildung 37: Colanibrunnen im Zoologischen Garten, Kunstwerk und Trinkbrunnen, Foto: Stadt Karlsruhe TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 29 KARLSRUHE - TRINKBRUNNENKONZEPTION LEITBILD Das Trinkbrunnenkonzept für Karlsruhe basiert auf den neun Leitsätzen, nach denen die Versorgung mit öffentlichen Trinkbrunnen, mögliche Erweiterungen und Ergänzungen sowie der laufende Betrieb zukünftig erfolgen könnte. Karlsruher Trinkbrunnen als Beitrag zur Stadtklimaanpassung Karlsruhe hat eine hohe Betroffenheit durch den Klimawandel mit zunehmenden Auswirkungen auf die Nutzung der öffentlichen Räume. Trinkbrunnen sind ein Baustein in der Anpassung der Stadträume an den Klimawandel. Klimaneutrales Karlsruher Trinkwasser Die Stadtwerke Karlsruhe bieten eine ausgezeichnete Trinkwasserqualität und klimaneutrales Trinkwasser, in jedem Haushalt und im öffentlichen Stadtraum. Karlsruhe - Stadt der (Trink)Brunnen Karlsruhe hat eine große Tradition bei Brunnen im öffentlichen Stadtraum, die historisch immer auch der Versorgung mit Trinkwasser dienten. Mit weiteren öffentlichen Trinkbrunnen wird diese Tradition fortgeschrieben. Karlsruher Trinkbrunnen für noch mehr Lebensqualität Die Stadt Karlsruhe erhält und fördert die Lebens- quali tät für die Bürgerinnen und Bürger. Öffentliche Trinkbrunnen sind ein Baustein für "Meine Grüne Stadt Karlsruhe". Karlsruher Trinkbrunnen für Gesundheitsvorsorge und Klimaschutz Mit öffentlichen Trinkbrunnen leistet die Stadt Karlsruhe einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge, zum Klima- und Ressourcenschutz sowie zur Müllvermeidung. Die öffentlichen Trinkbrunnen ergänzen das Angebot an Refill-Stationen und Trinkwasserspendern in öffentlichen Gebäuden. Öffentliche Trinkbrunnen für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste Zielgruppen sind Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste. Standorte für Trinkbrunnen sind zentrale Plätze, belebte und zentrale Orte, wo sich Menschen gerne und lange aufhalten, sowie Orte, die aufgrund besonderer Nutzungen für den Tourismus, für Freizeitnutzungen oder die Stadtmobilität von Bedeutung sind. Karlsruher Trinkbrunnen als Gemeinschafts- aufgabe Trinkbrunnen werden als Gemeinschaftsaufgabe unterschiedlicher Akteure in der Stadt verstanden: Stadt Karlsruhe im Verbund mit den Stadtwerken und weiteren Institutionen wie Universität und Hochschulen, Land, Firmen und Vereinen sowie Bürgerinnen und Bürgern. Karlsruher Trinkbrunnen im Stadtbild und im Netz Die Trinkbrunnen sind über eine eigene Wortbildmarke deutlich erkennbar und wiedererkennbar. Die Trinkbrunnen werden gemeinsam beworben für eine gute öffentliche Wahrnehmung. Karlsruher Trinkbrunnen – sichere Finanzierung Für die schrittweise Ergänzung des Netzes werden jährlich Mittel bereitgestellt – für die Realisierung weiterer Anlagen und den sicheren Betrieb. Dabei wird auch auf Kooperationen mit PartnerInnen gesetzt. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 30 BEDARFE UND VERTEILUNG Für das Trinkbrunnenkonzept wurden unterschiedliche Raumkategorien und Randbedingungen zugrunde gelegt. Berücksichtigt wurden: − Stadtklimatische Betroffenheit mit Hitzehotspots − Versiegelungsgrad und Bebauungs- strukturen − Wichtige touristische Orte und Freizeitziele − Wichtige Parks und Grünanlagen − Bedeutende Orte (insbesondere Ortszentren, Plätze, Mobilitätsorte) − Radverkehrshauptrouten Abbildung 38: Stadtklimatische Betroffenheit und Hitzehotspots (a) Abbildung 39: Stadtklimatische Betroffenheit und Hitzehotspots (b) Abbildung 40: Versiegelungsgrad und Bebauungsstrukturen (a) Abbildung 41: Versiegelungsgrad und Bebauungsstrukturen (b) Abbildung 42: touristische Orte und Freizeitziele (a) Abbildung 43: touristische Orte und Freizeitziele (b) TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 31 Abbildung 44: Parks und Grünanlagen (a) Abbildung 45: Parks und Grünanlagen (b) Abbildung 46: wichtige Orte und Plätze (a) Abbildung 47: wichtige Orte und Plätze (b) Abbildung 48: bedeutende Radrouten (a) Abbildung 49: bedeutende Radrouten (b) Aus der Überlagerung der damit verbundenen Flächen ergeben sich die Schwerpunktorte für Trinkbrunnenstandorte. Als Schwerpunktorte ergeben sich demnach: − Zentrale Stadtplätze und Orte für den Aufenthalt, z.B. Schlossplatz, Friedrichsplatz, Waldstadtzentrum, − Innenstadtplätze, Quartiersplätze mit hohem Versiegelungsgrad, z.B. Platz an der Bernharduskirche, − Ortszentren, z.B. Ortsmitte Stupferich, − Mobilitätsorte, z.B. Bahnhof, zentrale Haltestellen, − Orte mit wichtigen Funktionen: Universität und Hochschulen, − zentrale Spielplätze und Bolzplätze bzw. Skateanlagen und Bewegungsanlagen, − touristische Orte, z.B. Museumsquartier am ZKM, Schloss, − Parks und zentrale Grünanlagen, z.B. Günther Klotz Anlage, Hildapromenade, − Ausflugs- und Freizeitziele, z.B. Rhein, − Radrouten und Zielpunkte von Radrouten. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 32 Abbildung 50: Trinkbrunnenkonzept: vorhandene und mögliche weitere Standorte für Trinkbrunnen (a) Abbildung 51: Trinkbrunnenkonzept: vorhandene und mögliche weitere Standorte für Trinkbrunnen (b) TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 33 Im Zusammenspiel mit den bereits vorhandenen 42 Standorten werden insgesamt 40 ergänzende Standorte vorgeschlagen, wobei von besonderer Wichtigkeit die Innenstadtplätze, Orte mit hoher Nutzungsintensität, wie die Hochschulen und der Bahnhof, sowie die zentralen Parkanlagen mit Ihren Spiel- und Bewegungsangeboten sind. Stadtplätze − Schlossplatz (Innenstadt) − Marktplatz (Kundenzentrum Stadtwerke) (Innenstadt) − Theaterplatz (Südstadt) − Platz an der Bernharduskirche (Oststadt) − Fliederplatz (Weststadt) − Friedrichsplatz (Innenstadt) − Kronenplatz (Innenstadt) − Kolpingplatz (Südweststadt) − Ostendorfplatz (Rüppurr) − Platz an der Europahalle (Südweststadt) − Weinbrennerplatz (Weststadt) − Waldstadtzentrum (Waldstadt) − Julius-Leber-Platz (Oberreut) Orte mit hoher Nutzungsintensität − Campus Hochschule Karlsruhe − Campus KIT Mobilitätsorte − Bahnhof Nord − Bahnhof Süd − Entenfang − Mühlburger Tor − Durlacher Tor − Albtal bahnhof Touristische Orte und Orte für Freizeit − Rheinstrandbad − Museumsquartier am ZKM − Rheinradweg am Hofgut Maxau Parkanlagen/ Orte für Spiel/Sport/Bewegung − Günther-Klotz-Anlage (Südweststadt) – als Ersatz zum bereits vorhandenen Trinkbrunnen mit zentraler Platzierung − Hildapromenade (Weststadt) − Sonntagplatz (Südweststadt) − Radweg/Spielplatz (Weiherfeld) − Spiel- und Sportanlage Lindenallee (Grünwinkel) − Spielplatz Schlossgarten − Spiel- und Bolzplatz im Grünzug Südstadt (Südstadt) − Calisthenic sanlage Veilchenstraße (Oststadt) − Aktiv Trail Waldstadt − Calisthenicspark Hagsfeld − Spiel- und Bolzbereich Weiherhof (Durlach) − Grünzug Oberreut (Oberreut) Ortszentren − Stupferich Heimatmuseum − Palmbach Ortsdurchfahrt − Grünwettersbach Ortsdurchfahrt − Hohenwettersbach Ortsdurchfahrt − Ortsmitte Knielingen Hinsichtlich der Priorisierung wird folgende Vorgehensweise empfohlen: Priorität 1: Innenstadtplätze und Stadtplätze, Bereiche für Spiel/Sport/Bewegung, Mobilitätsort Bahnhof, Hochschulen als Orte mit hoher Nutzungsintensität Priorität 2: touristische Orte und Orte für Freizeit, Ortszentren Die hier aufgeführten Vorschläge entspringen einer grundsätzlichen Bewertung. Weitere Standorte entsprechend der Kriterien und Rahmenbedingungen sind denkbar. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 34 MODELLE Für die zukünftigen Trinkbrunnen sind Dauerläufer oder diskontinuierlich und mit Zwangsspülung versehene Anlagen geeignet. Nachfolgend sind die Vor- und Nachteile und die Kosten für Investition und Unterhalt dargestellt. Dauerläufer DDDDD Mit 700 m³ Verbrauch bei 7 Betriebsmonaten Geringer Investitionsaufwand + Geringer Unterhaltungsaufwand + Hohe Betriebssicherheit + In Karlsruhe tradiertes Modell + Hoher Wasserverbrauch - Berührungsloser Betrieb + Funktion ohne Strom/Batterie + Investition (ca.) EUR brutto Brunnen Fundament Wasserauslass Trinkwasseranschluss Fracht Summe 2.000 – 3.000 800 500 2.000 200 5.500 – 6.500 Beschilderung/Werbung am Brunnen (ca.) EUR brutto 250 Unterhaltung (ca.) EUR brutto Wasser Abwasser Inbetriebnahme Unterhaltung wöchentlich Außerbetriebnahme Wartung und Reparaturen Summe Bei verringertem Verbrauch und Abwassernutzung 1.645 1.015 400 1.400 200 500 5.160 4.145 Zugrunde gelegt wurden 2,35 EUR/m³ für Wasser und 1,45 EUR/m³ für Abwasser sowie 700 m³ Wasserverbrauch, wobei dieser bei entsprechender Einstellung des Wasserauslasses eher bei 500 m³ liegen dürfte. Der Ablauf kann anstatt an den Kanal alternativ an ein Baumbeet angeschlossen werden und zur Bewässerung genutzt werden. Der Vorteil von Dauerläufern ist ihr geringer Investitionsaufwand. Nachteilig ist der permanente Wasserverbrauch, der über eine Kombination mit einer Baumbewässerung ausgeglichen werden kann. DD Diskontinuierlich betriebener Trinkbrunnen mit automatischer Zwangsspülung Mit 25 m³ Verbrauch bei 7 Betriebsmonaten hoher Investitionsaufwand + höherer Unterhaltungsaufwand - Hohe Betriebssicherheit + In Karlsruhe neues Modell - Geringer Wasserverbrauch + Berührungsloser Betrieb nur mit Sensor - Funktion mit Strom/Batterie - Investition (ca.) EUR brutto Brunnen Fundament Montage Trinkwasseranschluss Fracht Summe 6.000 – 10.000 1.000 1.000 2.000 200 10.200 – 14.200 Beschilderung/Werbung am Brunnen (ca.) EUR brutto 250 Unterhaltung (ca.) EUR brutto Wasser Abwasser Strom Inbetriebnahme Unterhaltung wöchentlich Außerbetriebnahme Wartung und Reparaturen Summe 65 40 20 800 2.000 200 700 3.825 Diskontinuierliche Trinkbrunnen haben einen geringen Wasserverbrauch, allerdings erfordern sie eine Batterie oder einen Stromanschluss, was sie bei der Investition aufwendiger macht. Die wöchentliche Unterhaltung ist etwas aufwendiger. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 35 Wenn das Abwasser kontinuierlich laufender Trinkbrunnen zur Bewässerung genutzt wird, sind die Betriebskosten beider Modelle vergleichbar. Für die zukünftigen Trinkbrunnen werden freistehende Modelle empfohlen. Diese sind zwar in der Herstellung aufwendiger als beispielsweise Wandbrunnen, dafür jedoch flexibel einsetzbar und besser auffindbar als Wandbrunnen. Das aktuell beim Berliner Platz verwendete Trinkbrunnenmodell (Berner Modell) ist grundsätzlich geeignet. Nachteilig ist die flache Wasserschale, die die Gefahr der Verschmutzung und Nutzung durch Vögel birgt. Ein Modell, welches ohne Brunnenschale funktioniert und dessen Ablauf in den Boden integriert ist, wäre vorteilhafter. Bei den diskontinuierlich betriebenen Modellen bieten sich Stahlkonstruktionen oder Steinkonstruktionen, beispielsweise der Firma Kalkmann Brunnenkunst an, deren Bauteile zertifiziert sind und die über große Erfahrungen mit Trinkbrunnen verfügen. Abbildung 52: Trinkbrunnen (Berner Modell) für den Berliner Platz, Foto: Stadt Karlsruhe Abbildung 53: Trinkbrunnenmodell für den diskontinuierlichen Betrieb, Material Stahl, pulverbeschichtet, Kosten Brunnenkorpus 5.800 EUR, Foto: Kalkmann Brunnenkunst Abbildung 54: Trinkbrunnenmodell für den diskontinuierlichen Betrieb, Material Granit, Kosten Brunnenkorpus 9.500 EUR, Foto: Kalkmann Brunnenkunst TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 36 Generell sollte zukünftig immer das gleiche Modell verwendet werden, um eine hohe Wiedererkennbarkeit zu gewährleisten. Aufgrund der in Karlsruhe tradierten Technik der Dauerläufer, ihrer hohen Betriebssicherheit und der in der Größenordnung ähnlichen Betriebskosten wird empfohlen, für neue Trinkbrunnen zukünftig Dauerläufer zu verwenden. Das abfließende Wasser sollte zur Baum- oder Beetbewässerung genutzt werden. Der Auslauf ist so zu konstruieren, dass keine Verschmutzungen in die Leitungen eingetragen werden können. Die Öffnung des Auslasses sollte einen Durchmesser von 0,5 bis max. 1 cm haben, so dass die herauslaufende Wassermenge möglichst gering ist. Der Auslauf sollte in eine geneigte Fläche integriert werden, so dass sich ein freier Wasserstrahl bildet. Der Ablauf kann als Gitterrost in den Boden in tegriert werden. Der Korpus sollte eine schlichte Optik haben, als Material wird Naturstein und idealerweise heller Granit vorgeschlagen. Abbildung 55: Vorschlag für das Karlsruher Trinkbrunnenmodell Die Oberflächen sollten nicht poliert, jedoch auch nicht zu grob ausgeführt werden. Empfohlen wird eine leichte Stockung der seitlichen Oberflächen, die geneigte Fläche sollte poliert werden. Deutlich sichtbar ist ein Trinkbrunnenschild anzubringen. Als Maße werden 1,20 m x 0,25 m x 0,25 m empfohlen. Systemtrenner und Absperrschieber in der Wasserzuleitung werden in einem kleinen Schacht vorgesehen. Ein konkretes Modell sollte mit einem Fachunternehmen entwickelt werden, um eine hohe Ausführungsqualität entsprechend der Empfehlungen für die Errichtung und den Betrieb von Trinkbrunnen mit entsprechender Zertifizierung zu erhalten. Karlsruher Trinkbrunnenmodell Dauerläufer mit Nutzung des abfließenden Wassers zur Baum- oder Beetbewässerung Schlichter Brunnenstock aus Naturstein, Höhe ca. 1,20 m, Breite 0,25 m, Tiefe 0,25 m Material heller Granit, Oberflächen gestockt Wasserauslass in geneigter, polierter Fläche Wasserablauf in den Boden integriert Wasserauslass Brunnenstock Wasserablauf mit Gitterrost Ablauf mit Anschluss an Baumbeet TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 37 UMGANG MIT BESTANDSBRUNNEN UND VISUELLE DARSTELLUNG Die bestehenden funktionalen Trinkbrunnen- modelle haben Bestandsschutz. Empfohlen wird, sie im Falle von Beschädigungen auszuwechseln und durch das ausgewählte neue Modell auszutauschen. Grundsätzlich erfordern alle der Bestandsbrunnen eine eindeutige und gut sichtbare Beschilderung. Die Brunnen der Kategorie Grün – Trinkbrunnen benötigen ein Trinkbrunnenschild. Für die Brunnen der Kategorie Gelb – trinkwassergespeister Brunnen – ist ein ergänzendes Schild erforderlich, welches darauf hinweist, dass nur der Auslass Trinkwasserqualität liefert. Die Brunnen der Kategorie Rot sind eindeutig zu kennzeichnen mit einer Beschilderung „Kein Trinkwasser“, auch wenn sie mit Trinkwasser gespeist werden. Der Brunnen an der altkatholischen Kirche sollte saniert, die Brunnen an der Berharduskirche und am Fliederplatz erneuert werden. Der Brunnen am Junker-und-Ruh-Weg in der Günther-Klotz-Anlage könnte stillgelegt werden, wenn an zentralerer Stelle im Park ein neuer Trinkbrunnen installiert wird. Es wird empfohlen, für die vorhandenen und künftigen Trinkbrunnen eine eigene Wortbildmarke mit hohem Wieder- erkennungswert zu entwickeln, welche die Brunnen eindeutig ausweist und die für alle Brunnen verwendet wird, unabhängig davon, durch wen sie installiert oder betrieben werden. Beispiel für eine Beschilderung der trinkwassergespeisten Brunnen: Dieser Brunnen wird mit Trinkwasser aus dem Trinkwassernetz der Stadt Karlsruhe gespeist. Das Wasser in den Becken bzw. im Brunnentrog ist kein Trinkwasser. Beispiel für eine Beschilderung der Trinkbrunnen: Karlsruher Trinkbrunnen – Ein Angebot der Stadt Karlsruhe und der Stadtwerke Karlsruhe oder Karlsruher Trinkbrunnen – kostbar, köstlich, klimaneutral Abbildung 56: Karlsruher Trinkwasser: kostbar, köstlich, klimaneutral TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 38 QUALITÄTSÜBERWACHUNG Entsprechend der aktuellen Empfehlungen ist das Wasser der Trinkbrunnen 4 x je Brunnensaison zu beproben und zu analysieren. Je Brunnen ist dafür mit 800 EUR jährlich zu rechnen. Allein für die 42 Brunnen wären dies 168 Beprobungen und Kosten in Höhe von 33.600 EUR jährlich. Würden die 40 zusätzlich vorgeschlagenen Standorte komplett umgesetzt, kämen weitere 32.000 EUR hinzu. Angesichts des gut überwachten Trinkwasser- netzes und der hohen Betriebssicherheit von Dauerläufern wird für das Trinkbrunnennetz in Karlsruhe ein davon abweichendes Überwachungskonzept vorgeschlagen: Innerhalb einer Saison werden drei Beprobungsläufe durchgeführt. 50 % der Trinkbrunnen werden bei Inbetriebnahme beprobt, 50 % der Trinkbrunnen werden nach weiteren 6 Wochen beprobt, 50 % der Trinkbrunnen nach 12 Wochen beprobt. Dabei ist eine Verteilung zu wählen, die sich netzartig über die gesamte Stadt erstreckt, um eine möglichst große Abdeckung zu erzielen. Das Messnetz ist mit den Stadtwerken und deren Beprobungsstellen im Trinkwassernetz abzugleichen und entsprechend zu dokumentieren. Die Reihenfolge der Beprobungen ist jährlich zu wechseln. Die Hauptbrunnen und Nutzungshotspots in der Innenstadt sind besonders zu berücksichtigen. Aus fachlicher Sicht bietet diese Vorgehensweise eine hohe Sicherheit bei gleichzeitiger finanzieller, organisatorischer und personeller Machbarkeit. Das Konzept ist noch mit dem Gesundheitsamt abzustimmen. BETRIEB UND BETRIEBSKONZEPT Alle Bestandsbrunnen sind im Rahmen der regulären Unterhaltung wöchentlich auf Verunreinigungen zu prüfen. Die diskontinuierlich laufenden Trinkbrunnen sind dabei immer gründlich zu spülen. Sofern es weitere Kontrollgänge gibt, z.B. beim Mülleimer leeren oder durch Paten, sollten die diskontinuierlich laufenden Trinkbrunnen in diesem Zuge immer gespült werden. Das Führen von Betriebsbüchern wird empfohlen. Wichtig ist, dass die Bestandsbrunnen mindestens jährlich und bei Erfordernis gründlich gereinigt werden, insbesondere hinsichtlich der Kalk- und Moosablagerungen. Trinkbrunnen werden dann angenommen und genutzt, wenn die Anlagen einladend gestaltet sind. Das betrifft auch das direkte Umfeld der Trinkbrunnen. Bei den denkmalgeschützten Anlagen muss eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde erfolgen. VORSCHLAG FÜR DAS WEITERE VORGEHEN UND KOSTEN Vorgeschlagen wird, dass das Netz der Trinkbrunnen in den nächsten Jahren schrittweise erweitert wird. Jährlich sollten 5 neue Trinkbrunnen installiert werden und dabei schrittweise auch die bestehenden rein funktionalen Trinkbrunnen ersetzt werden. Dabei könnte neben Standorten der Priorität 1 immer auch ein Standort in Priorität 2 realisiert werden. Auch wenn in den Ortsteilen die Notwendigkeit aus stadtklimatischen Gründen geringer ist, so wirken hier die Aspekte für Freizeit und Tourismus stärker. Die Investitionskosten für neue Trinkbrunnen als Dauerläufer werden auf jährlich 32.500 EUR geschätzt. Im Zuge von Freiraumplanungen sollte grundsätzlich geprüft werden, ob die Anlagen die hier beschriebenen Kriterien erfüllen und ein Trinkbrunnen integriert wird. Für die Brunnen ist eine Beschilderung zu entwickeln, um die Wiedererkennbarkeit zu erhöhen. Da nicht alle Beschilderungen auf den Brunnen angebracht werden können, vor allem bei den denkmalgeschützten Anlagen, sollte die Beschilderung so ausgeführt sein, dass sie alternativ auf dem Boden oder neben dem Brunnen installiert werden kann. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 39 Das ergänzende Hinweisschild, welches auf den Trinkbrunnen am Lidellplatz hinweist, ist gut geeignet, um auch an anderen Stellen im Stadtgebiet verwendet zu werden und auf Trinkbrunnenstandorte hinzuweisen. Für die Überarbeitung der Beschilderung an den vorhandenen Brunnen wird von einmaligen Kosten in Höhe von 10.750 EUR ausgegangen, die noch nicht die Kosten für die Entwicklung bzw. das Layout der Beschilderung enthalten. Als Mittel für die regelmäßige Kontrolle und die technische Unterhaltung sollte von durchschnittlich 2.500 EUR je Brunnen ausgegangen werden, Diese entspricht einer Summe von 107.500 EUR jährlich für die 42+1 Bestandsbrunnen. Weiterhin sind Mittel für die Instandsetzung von Brunnen erforderlich, wobei im Rahmen dieses Konzeptes keine Aussage zu den konkreten Kosten getroffen werden kann. Für die Beprobungen und Analysen sind bezogen auf die Bestandsbrunnen jährlich 34.400 EUR erforderlich. Unter Zugrundelegung des vorgeschlagenen alternativen Betriebs- und Beprobungskonzeptes würde sich dieser Betrag auf 15.000 EUR reduzieren. Die jährlichen Betriebskosten erhöhen sich, wenn weitere Trinkbrunnen in Betrieb genommen werden. Je zusätzlich installiertem Trinkbrunnen würden ca. 6.500 EUR Investitionskosten und 3.300 EUR Betriebskosten anfallen. ERGÄNZENDE VORSCHLÄGE Ergänzend zu den fest installierten Trinkbrunnen werden für Großveranstaltungen temporäre Installationen nach dem Beispiel der Stadt Wien empfohlen. Neben Vernebelungsanlagen zur Abkühlung sind auch temporäre Trinkbrunnen denkbar, die in Absprache mit der Feuerwehr auf die Löschwasserhydranten aufgesetzt werden. Mögliche Veranstaltungen wären die Schlosslichtspiele, der Kinosommer, das Stadtfest oder „Das Fest“. Empfohlen wird, dass die zentralen städtischen Spielplätze mit Wasserpumpen ausgestattet werden. Für den Aufenthalt von Kindern im Freien sind im Sommer Wasserelemente wichtige ergänzende Spiel- und Abkühlungselemente. TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 40 ANLAGE 1 – UNTERSUCHTE BRUNNEN Legende : Wasserzufuhr K = Kontinuierlich, Dauerläufer D = Diskontinuierlich mit Druck- oder Drehknopf Benannt in der TW- App der SWKA Ja/nein Betriebszustand (bei der Prüfung) B = in Betrieb AB = außer Betrieb S = stillgelegt, beschädigt P = in Planung Lage Stadträumlich Lage gut, stadträumlich Lage geeignet, stadträumlich Lage ungünstig Baulicher Zustand Sehr gut, gut, akzeptabel, verbesserungsbedürftig, sanierungsbedürftig Maßnahmen Benennung der Vorschläge Eignung als Trinkbrunnen Als Trinkbrunnen entsprechend geeignet Mit Einschränkungen als Trinkbrunnen geeignet Nicht als Trinkbrunnen geeignet In Planung Sanierungsbedarf Nr. Bezeichnung Bezirk/ Nr. Bau- jahr Denkm al/ Kunst Was- serzu fuhr Betriebs- zustand TW App Zuständig Lage/baulicher Zustand/Anmerkungen Eig- nung als TB Maß- nahmen 1 Lidellbrunnen, Lidellplatz 1, 0104 1872 §2 K B Ja GBA flache Wasserauffangschale ohne Wasser, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand sehr gut 2 Großherzog-Ludwig- Denkmal, Marktplatz 1, 0105 1822 §2 K B Nein GBA Trogbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand sehr gut neues Schild 3 Brunnen vor der kleinen Kirche, Kaiserstraße 131 1, 0106 1906 §2 K B Ja GBA Trogbrunnen, Wasser läuft durch Becken und kann nicht direkt am Auslass geschöpft werden, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut TW-Schild entfernen 4 Trinkbrunnen Berliner Platz 1, 01XX 2021 K P GBA In Planung 5 Herrenbrunnen, Kaiserstraße 2, 0201 1978 §2 K B Ja GBA Kunstwerk, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut 6 Waldbrunnen, Kaiserstraße 2, 0204 1984 §2 K B Ja GBA Kunstwerk, Wasserauslässe tief und für Hunde zugänglich, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut TW-Schild entfernen 7 Großherzog-Karl- Denkmal, Rondellplatz 2, 0206 1822 §2 K B Ja GBA Kleiner Trog, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut neues Schild 8 Brunnen auf dem Ludwigsplatz 2, 0207 1824 §2 K B Ja GBA Trogbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild 9 Großherzog- Leopold-Denkmal, Leopoldplatz 2, 0212 1888 §2 K B Nein GBA flache Brunnenschalen mit Wasser, stadträumliche Lage geeignet, Standort unter Bäumen, baulicher Zustand gut, als Trinkbrunnen mit Einschränkungen geeignet, wenn in Brunnenschalen kein Wasser steht, und regelmäßig auf Verunreinigungen kontrolliert wird Abläufe anpassen 10 Hahnenbrunnen Stephanplatz 2, 0219 2002 D AB Nein GBA Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut, Brunnen auf dem Platz eingeschränkt sichtbar, Oberflächen mit starken Kalkablagerungen, kein TW-Schild, baulicher Zustand verbesserungsbedürftig Grund- reinigung, TW-Schild, Umfeld aufwerten 11 Indianerbrunnen, Werderplatz 3, 0304 1924 §2 K B Nein GBA Trogbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild 12 Zwerg-Nase- Brunnen, Sonntagplatz 4, 0402 1930 §2 K ? Nein GBA Kunstwerk, flache Brunnenschale, Auslass tief und für Hunde zugänglich, stadträumliche Lage gut, Standort unter Bäumen, baulicher Zustand akzeptabel TW-Schild entfernen TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 41 13 Nancy-Brunnen, Delphinreiter, Bahnhofstraße/ Tiergartenbrücke 4, 0408 1962 §2 K AB Ja GBA Trogbrunnen, Wasserauslass nicht gefahrlos zugänglich, stadträumliche Lage ungünstig, Standort unter Bäumen und tendenziell versteckt, baulicher Zustand akzeptabel TW-Schild entfernen 14 Trinkbrunnen Großer Spielplatz Zool. Garten 4, 0421 1967/ 2003 D ? Nein GBA Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut, Baulicher Zustand ? 15 Colani Brunnen, Zool. Garten 4, 0431 2005 Kunst K ? Nein GBA Kunstwerk, stadträumliche Lage geeignet, Standort unter Bäumen, baulicher Zustand gut 16 Trinkbrunnen Günther-Klotz- Anlage, Nähe Junker- und Ruth-Str. 4, 04XX 2007 D AB Nein GBA Hahnbrunnen, Brunnen außer Betrieb, Oberflächen mit starken Kalk- und Schmutzablagerungen, kein TW-Schild, stadträumlich Lage grundsätzlich gut, konkreter Standort ungünstig abseits des Hauptweges, Gesamtzustand sanierungsbedürftig Grundrei- nigung, TW- Schild, Hinweis- schild, alternativ neuer Standort 17 Siegfried-Brunnen, Richard-Wagner- Platz 5, 0502 1909 §2 K B Nein GBA Trogbrunnen, Wasserauslässe direkt über dem Wasserspiegel, stadträumliche Lage geeignet, nicht als Trinkbrunnen erkennbar, baulicher Zustand gut TW-Schild entfernen 18 Brunnen an der Altkatholischen Kirche 5, 0503 1898 §2 K AB, S Ja GBA flache Brunnenschale, außer Betrieb, Konstruktion oxidiert, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand sanierungsbedürftig, als Trinkbrunnen geeignet, wenn kein Wasser in der Brunnenschale steht Ablauf anpassen 19 Pelikanbrunnen Gutenbergplatz 5, 0506 1908 §2 K AB Ja GBA Hahnbrunnen mit kleinem Trog, Oberflächen mit Kalkablagerungen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut, als Trinkbrunnen geeignet, wenn in Brunnenschale kein Wasser steht Ablauf anpassen, Grundrei- nigung 20 Trinkbrunnen Nottingham-Anlage 5, 0508 1993 D AB, S Nein GBA Hahnbrunnen, Druckknopf beschädigt, Oberflächen mit Kalkablagerungen, kein TW-Schild, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut Reparatur Druckknopf, Grundrei- nigung, TW- Schild 21 Trinkbrunnen Skateranlage, Otto- Dullenkopf-Park 7, 0737 2010 D B Ja GBA Hahnbrunnen, Oberflächen mit Kalkablagerungen und verschmutzt, kein TW-Schild, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut Grundrei- nigung, TW- Schild 22 Trinkbrunnen Ludwig-Wilhelm- Straße an der Bernharduskirche 7, 0701 1971 Kunst ? AB, S Ja GBA Kunstwerk, Hahnbrunnen, Anlage stillgelegt, nur noch der Korpus vorhanden, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand sanierungsbedürftig Neubau oder Sanierung 23 Trinkbrunnen am Alten Bahnhof, Fliederbrunnen 8, 0802 1991 ? ? Nein GBA stadträumlich Lage gut, Brunnen stillgelegt Neubau oder Sanierung 24 Trinkbrunnen am Kirchplatz Daxlanden 9, 0902 1993 Kunst D? AB, S Nein GBA Kunstwerk, Hahnbrunnen, Auslass offenbar beschädigt, kein TW-Schild, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut Reparatur Auslass, TW-Schild 25 Siemens Brunnen (Weltkugel), Knielingen 10, 1001 1974 Kunst K ? Nein GBA Kunstwerk, Auslass tief und für Hunde zugänglich, nicht als Trinkbrunnen erkennbar, stadt-räumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut TW-Schild entfernen 26 Trinkbrunnen Wartburgstraße (Bolzplatz Beiertheim) 13, 1304 1988 D B Ja GBA Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut, Oberflächen mit Kalk- und Schmutzablagerungen, Graffiti, Schild kaum erkennbar, baulicher Zustand gut Grundrei- nigung, TW- Schild 27 Rüppurer Brünnele, Lange Str. 79 15, 1503 1995 D B Ja GBA Trogbrunnen, kein TW-Schild, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut neues Schild 28 Marktbrunnen Pfinztalstraße 19, 1902 1862 §2 K B Ja GBA Trogbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild 29 Basler Tor Brunnen 19, 1903 1988 Kunst K B Ja GBA Kunstwerk mit hintereinander geschalteten, flachen Trögen, neues Schild TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 42 stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut 30 Rappenbrunnen 19, 1904 1991 Kunst K B Ja GBA Kunstwerk, mehrere hintereinander geschaltete, flache Becken, Oberflächen verschmutzt, stadträumliche Lage ungünstig, baulicher Zustand gut Grund- reinigung, neues Schild 31 Wasserwerkbrunnen Pfinztalstraße 19, 1905 1896 §2 K AB X GBA Wandbrunnen mit flacher Brunnenschale, Brunnen nicht in Betrieb, starke Kalkablagerungen, stadträumliche Lage ungünstig, baulicher Zustand akzeptabel Grundrei- nigung 32 Bäderbrünnele, Rebenstraße Durlach 19, 1906 1996 K AB X GBA Wandbrunnen mit flacher Brunnenschale, Brunnen nicht in Betrieb, starke Kalkablagerung, kein TW-Schild, stadträumliche Lage ungünstig, Auffindbarkeit im Stadtraum schlecht Grundrei- nigung, TW- Schild, Hinweis- schild 33 Brunnen an der Friedrich Realschule 19, 1908 1878 §2 K B X GBA flache Brunnenschale mit Wasser, Standort unter Bäumen, Wasserverschmutzungen, und teilweise Vogelbesatz, Kalkablagerungen und Verschmutzungen der Oberflächen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut, als Trinkbrunnen mit Einschränkungen geeignet, wenn in Brunnenschale kein Wasser steht und regelmäßig auf Verunreinigungen kontrolliert wird Ablauf anpassen, Grundrei- nigung, neues Schild 34 Hengstbrunnen Hengstplatz 19, 1909 1896 §2 K ? GBA Flache Brunnenschalen, Standort unter Bäumen, Stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut, als Trinkbrunnen mit Einschränkungen geeignet, wenn in Brunnenschale kein Wasser steht und regelmäßig auf Verunreinigungen kontrolliert wird Ablauf anpassen, neues Schild 35 Trinkbrunnen Reichardtstraße 19, 1911 1925 §2 K B X GBA Flacher Trog, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut 36 Trinkbrunnen am alten Schlachthaus 19, 1913 1989 K AB X GBA Trog, Brunnen nicht in Betrieb, stadträumliche Lage ungünstig, versteckte Lage auf Grundstück, baulicher Zustand akzeptabel, als Trinkbrunnen mit Einschränkungen geeignet neues Schild 37 Trinkbrunnen beim Burghof 19, 1914 1880 §2 K B X GBA Grottenartige Anlage im Fels, stadträumliche Lage geeignet, aber versteckte Lage, als Trinkbrunnen kaum erkennbar TW-Schild entfernen 38 Hotzerbrunnen Rittnertstraße 19, 1916 1990 D AB GBA Hahnbrunnen, Platz mit Reinigungs- und Instandsetzungsbedarf, stadträumliche Lage gut, als Trinkbrunnen geeignet Umfeld säubern, Instand- setzung 39 Brunnen an der Talstation 19, 1917 D AB Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut, möglicherweise Reparaturbedarf, Prüfen, ob in Betrieb Reparatur- bedarf prüfen 40 Trinkbrunnen vor der Karlsburg 19, 1918 2012 K? AB X GBA Hahnbrunnen, Oberflächen mit Kalkablagerungen, Brunnen außer Betrieb, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand akzeptabel, möglicherweise Reparaturbedarf Prüfen, ob in Betrieb Grund- reinigung, Reparatur- bedarf prüfen 41 Hottschek-Brunnen, Rathausplatz Grötzingen 20, 2001 1988 Kunst K ? GBA Kunstwerk mit flachem Trog, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild 42 Hirtenbub-Brunnen Niddaplatz Grötzingen 20, 2005 1964 K ? GBA Kunstwerk mit flachem Becken, Auslass tief, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand akzeptabel Ggfls. TW- Schild entfernen 43 Wolfsbrunnen, Rathausstraße Wolfartsweier 23, 2301 1864 §2 K ? X GBA Brunnenstock mit flachem Trog und Überlauf, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 43 44 Trogbrunnen Wolfartsweier, Wettersteinstraße 23, 2302 1898 §2 D ? GBA Brunnentrog, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand gut neues Schild 45 Lammplatz-Brunnen Grünwettersbach 24, 2402 1998 K B GBA Trogbrunnen mit flachem Brunnentrog, Schild „Kein TW“, Oberflächen mit Kalkablagerungen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand akzeptabel Grundrei- nigung, neues Schild 46 Spundenfresser- Brunnen, Neureuter Hauptstraße 26, 2603 1952 §2 K ? GBA Trogbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut neues Schild 47 Trogbrunnen Neureuter Hauptstraße 182 26, 2607 1990 D ? X GBA Brunnentrog, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand akzeptabel neues Schild 48 Trogbrunnen Neureuter Hauptstraße 282 26, 2608 1990 D ? GBA Brunnentrog, stadträumliche Lage geeignet, baulicher Zustand akzeptabel neues Schild 49 Trinkbrunnen an der Mensa, Universität 1, 0128 2000 K AB Ja Land Hahnbrunnen, Brunnen Berliner Modell, gesponsert von SWKA, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut 50 Neptunkopf, Ahaweg 2, 0237 1867 §2 K AB Nein SWKA Wandbrunnen, stadträumliche Lage akzeptabel, Brunnen liegt sehr versteckt, Hinweisschilder kaum erkennbar, baulicher Zustand akzeptabel, Umfeld instandsetzungsbedürftig Umfeldauf- wertung, TW-Schild 51 Grottenbrunnen, Wasserwerkstraße 3, 0321 1871 K ? X SWKA ? Wandbrunnen mit Brunnenschale, stadträumliche Lage akzeptabel, baulicher Zustand akzeptabel, als TW- Brunnen nicht erkennbar Ggfls. TW- Schild entfernen 52 Brunnen am Wasserweg, Weiherfeld- Dammerstock 14, 1413 1998 D ? X SWKA Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut im Oberwald, baulicher Zustand gut TW-Schild 53 Trinkbrunnen Grabener Allee, Wasserwerk 16, 1615 1997 D AB X SWKA Hahnbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand akzeptabel, Beschilderung und Hinweis verbesserungsbedürftig Hinweisbes childerung, TW- Beschilde- rung 54 Trinkbrunnen Turmbergterrasse 19, 19XX 2015 D AB X HGW Hahnbrunnen als Wandbrunnen, stadträumliche Lage gut, baulicher Zustand gut TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 44 Brunnen mit Trinkwasserbetrieb im Bestand (a) Brunnen mit Trinkwasserbetrieb im Bestand (b) Untersuchte Brunnen/Trinkbrunnenstandorte TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 45 Klassifizierung der Brunnen mit Trinkwasserspeisung (a) Klassifizierung der Brunnen mit Trinkwasserbetrieb (b) als Trinkbrunnen geeignet mit Einschränkung als Trinkbrunnen geeignet nicht als Trinkbrunnen geeignet TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 46 vorhandene und mögliche weitere Standorte für Trinkbrunnen (a) vorhandene und mögliche weitere Standorte für Trinkbrunnen (b) weitere ergänzende Trinkbrunnenstandorte TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 47 ANLAGE 2 – UNTERSUCHTE BRUNNEN, FOTODOKUMENTATION Lidellbrunnen, Kategorie grün Großherzog Karl Denkmal, Kategorie grün Waldbrunnen, Kategorie rot Trinkbrunnen Berliner Platz, in Planung Herrenbrunnen, Kategorie grün Großherzog Ludwig Denkmal, Kategorie gelb Brunnen vor der Kleinen Kirche, Kategorie rot TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 48 Brunnen auf dem Ludwigsplatz, Kategorie gelb Großherzog Leopold Denkmal, Kategorie gelb Hahnenbrunnen Stephansplatz, Kategorie grün Colanibrunnen, Kategorie grün Trinkbrunnen Spielplatz Zoo, Kategorie grün Nancybrunnen, Kategorie rot Zwerg Nase Brunnen, Kategorie rot Indianerbrunnen, Kategorie gelb TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 49 Fliederbrunnen, Kategorie braun Trinkbrunnen Ludwig-Wilhelm-Straße, Kategorie braun Trinkbrunnen Otto Dullenkopf Park, Kategorie grün Trinkbrunnen Nottinghamanlage, Kategorie grün Pelikanbrunnen, Kategorie grün Brunnen an der Altkath. Kirche, Kategorie grün Siegfriedbrunnen, Kategorie rot Trinkbrunnen Junker-und-Ruh-Weg, Kategorie grün TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 50 Trinkbrunnen Kirchplatz Daxlanden, Kategorie grün Wasserwerkbrunnen Durlach, Kategorie grün Rappenbrunnen Durlach, Kategorie gelb Basler Tor Brunnen, Kategorie gelb Marktbrunnen Durlach, Kategorie gelb Siemens Brunnen Knielingen, Kategorie rot Brunnen Lange Straße, Kategorie gelb Trinkbrunnen Bolzplatz Beiertheim, Kategorie grün TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 51 Bäderbrünnele Durlach, Kategorie grün Trinkbrunnen Talstation Durlach, Kategorie grün Trinkbrunnen Hotznerstrasse Durlach, Kategorie grün Brunnen am Burghof, Kategorie rot Brunnen am alten Schlachthau, Kategorie gelb Hengstbrunnen Durlach, Kategorie gelb Trinkbrunnen Reichardtstrasse Durlach, Kategorie grün Brunnen an der Friedrich Realschule, Kat. gelb TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 52 Trinkbrunnen Karlsburg, Kategorie grün Spundenfresser-Brunnen Neureut, Kategorie gelb Lammplatzbrunnen Grünwettersbach, Kategorie gelb Brunnen Wolfartsweier, Kategorie gelb Hottschek-Brunnen Grötzingen, Kategorie gelb Hirtenknaben-Brunnen Grötzingen, Kategorie rot Wolfsbrunnen Wolfartsweier, Kategorie gelb Trogbrunnen Neureut, Kategorie gelb TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 53 Trogbrunnen Neureut, Kategorie gelb Trinkbrunnen Mensa KIT, Kategorie grün Trinkbrunnen Turmbergterrasse, Kategorie grün Trinkbrunnen Wasserweg, Kategorie grün Trinkbrunnen Grabener Allee, Kategorie grün Grottenbrunnen Wasserwerk, Kategorie rot Neptunbrunnen Ahaweg, Kategorie grün TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE 54 ANLAGE 3 – QUELLEN Titelfoto: Quelle: Berliner Wasserbetriebe − Brunnenlexikon für die Stadt Karlsruhe, Europäische Brunnengesellschaft e.V., 2016 − Denkmäler - Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, 1987 − Katja Förster, Markus Gruber, Mathias Maier: Märkte und ihre Brunnen, Info Verlag Karlsruhe 2011 − Informationen der Internetpräsenz der Stadt Karlsruhe, der Trinkwasser App der Stadtwerke und der Internetpräsenz meinKA − Tabelle der städtischen Brunnen beim Gartenbauamt, Stand 12.12.2019 − Klimaanpassungsstrategie für Karlsruhe, Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz, 2013 − Flyer: Trinken Sie genug, der Stadt Karlsruhe, abgerufen am 10.03.2021 unter: https:// www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/klimawandel/klimaanpassung/anpassungsmassnahmen.de − Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Trinkwasserüberwachung; Anforderungen an öffentliche Trinkwasserbrunnen, E-Mail-Schreiben des Ministeriums vom 28.02.2020, Az.36-5476.00 − Gesundheitsamt Tübingen: Merkblatt Öffentliche Trinkbrunnen, Empfehlungen des Gesundheitsamtes Tübingen vom 10.03.2021 − Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG), zuletzt geändert 21.12.2020 − Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung - TrinkwV), zuletzt geändert 19.06.2020 (BGBl. I S. 1328) − EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 in der Novellierung vom 12.01.2021

  • TOP 8 Trinkbrunnenkonzept Anlage
    Extrahierter Text

    TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE TRINKBRUNNENKONZEPT KARLSRUHE, Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 24.06.2021 WARUM? In der historischen Stadt war Trinkwasserversorgung aus öffentlichen Brunnen der Standard MOTIVATION Umweltschutz MOTIVATION Gesundheitsvorsorge MOTIVATION Stadtklima MOTIVATION Bioklimatische Belastung in Karlsruhe MOTIVATION Leben im öffentlichen Stadtraum TRINKBRUNNEN Modellvielfalt 2 Funktionsprinzipien Dauerläufer:einfache Konstruktion, geringe Anfälligkeit gegenüber Vandalismus, berührungsloser Betrieb, vergl. hoher Wasserverbrauch, öffentlich schwerer vertretbar wegen des permanenten Wasserverbrauchs Diskontinuierlich laufender Trinkbrunnen: Zwangsspülung erforderlich, Konstruktion aufwendiger, berührungsloser Betrieb mit Sensorschaltung möglich, geringer Wasserverbrauch, geringe bis mittlere Anfälligkeit gegenüber Vandalismus, öffentlich gut vertretbar BEISPIELE Wien Berlin Wien: 1.100 Trinkbrunnen, im Wesentlichen 3 Modelle und Brunnhilde, der mobile Trinkbrunnen Berlin: 180 Trinkbrunnen, bekanntestes Modell ist der Kaiser-Brunnen RECHTSRAHMEN •EU-Trinkwasserrichtlinie, Januar 2021 •Trinkwasserverordnung •Empfehlungen für öffentliche Trinkbrunnen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden- Württemberg, Februar 2020 KARLSRUHE Karlsruhe als Stadt der Brunnen Antrag der GRÜNE- Gemeinderatsfraktion 2019/0716 vom 24.09.2019 „Trinkbrunnen in der Stadt einrichten und sichtbar machen“ ANALYSE Modelle und Anzahl Große Modellvielfalt Untersuchung umfasste 54 Brunnen, davon 23 Trinkbrunnen (+1 Trinkbrunnen im Bau) und 19 Brunnen, die mit Einschränkung als Trinkbrunnen geeignet sind, 11 Brunnen nicht geeignet 26 Dauerläufer, 16 diskontinuierlich laufende Brunnen ANALYSE Zustand und Sichtbarkeit Kalkablagerungen/Vermoosungen Eingeschränkte Wiedererkennbarkeit aufgrund Modellvielfalt Eingeschränkte Wiedererkennbarkeit aufgrund Beschilderung Informationen im Netz nicht durchgehend aufeinander abgestimmt BEDARFE Faktoren: •Stadtklimatische Betroffenheit mit Hitzehotspots •Versiegelungsgrad und Bebauungsstrukturen •touristische Orte und Freizeitziele •Parks und Grünanlagen •Bedeutende Orte (Ortszentren, Plätze, Mobilitätsorte) •Radverkehrshauptrouten BEDARFE Prioritäten: •Stadtplätze •Orte mit hoher Nutzungsintensität •Mobilitätsorte •Touristische Orte und Orte für Freizeit •Parkanlagen/ Spiel/Sport/Bewegung •Ortszentren Bedarf für insgesamt 40 zusätzliche Standorte Priorisierungsvorschlag für 10 Brunnen, Beschlussfassung durch zuständige Gremien unter Finanzierungsvorbehalt Modellvorschlag Karlsruher Trinkbrunnenmodell Dauerläufer mit Nutzung des abfließenden Wassers zur Baum-oder Beetbewässerung Schlichter Brunnenstock aus Naturstein, Höhe ca. 1,20 m, Breite 0,25 m, Tiefe 0,25 m Material heller Granit, Oberflächen gestockt Wasserauslass in geneigter, polierter Fläche Wasserablauf in den Boden integriert Vergleichsbetrachtung Kosten Dauerläufer Investition: 5.500 bis 6.500 EUR Betrieb und Unterhaltung (mit Wasser und Abwasser): 4.100 bis 5.200 EUR Wasserverbrauch 500 bis 700 m³ Investition vergleichsweise niedrig Hohe Betriebssicherheit Berührungsloser Betrieb möglich In Karlsruhe tradiertes Modell Diskontinuierlich laufender TB Investition: 10.000 bis 14.000 EUR Betrieb und Unterhaltung (mit Wasser und Abwasser): 3.800 EUR Wasserverbrauch 25 m³ Investition höher Hohe Betriebssicherheit Berührungsloser Betrieb möglich Funktion mit Strom Visuelle Darstellung Brunnenschilder zwingend Zusätzliche besondere Beschilderung optional Beschilderung der trinkwassergespeisten Brunnen: Dieser Brunnen wird mit Trinkwasser aus dem Trinkwassernetz der Stadt Karlsruhe gespeist. Das Wasser in den Becken bzw. im Brunnentrog ist kein Trinkwasser. Karlsruher Trinkbrunnen –Ein Angebot der Stadt Karlsruhe und der Stadtwerke Karlsruhe oder Karlsruher Trinkbrunnen –kostbar, köstlich, klimaneutral KOSTEN Kosten für die 42 +1 Bestandsbrunnen: Regelmäßige Kontrollen und technischer Betrieb: 107.500 EUR/Jahr Trinkwasseruntersuchungen:34.400 EUR/Jahr Instandsetzung und Beschilderung34.750 EUR/Jahr Jeder weitere Trinkbrunnen Investition: 6.500 EUR bis 14.000 EUR je nach Modell Betrieb und Unterhaltung3.300 EUR/Jahrbis 4.600 EUR/Jahr TRINKBRUNNEN KARLSRUHE: sichtbar machen und ergänzen