Herausforderungen in der sozialen Unterstützungsstruktur während und nach Corona
| Vorlage: | 2021/0584 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 04.05.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
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Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Eingang: 04.05.2021 Vorlage Nr.: 2021/0584 Herausforderungen in der sozialen Unterstützungsstruktur während und nach Corona Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 22.06.2021 25 X Sozialausschuss 06.10.2021 X 1. Die Stadtverwaltung stellt dem Gemeinderat evtl. als Zwischenbericht dar, welche besonderen Herausforderungen sie in der sozialen Unterstützungsstruktur unserer Stadt während der Bewältigung der Pandemie sieht und welche Lehren sie nach Überwindung der Coronakrise daraus ziehen will. 2. Die Stadtverwaltung stellt dem Gemeinderat dar, wie sie diese Herausforderungen bewältigen und wie sie in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden die vorhandenen Strukturen anpassen bzw. ausbauen will. 3. Die Stadtverwaltung stellt diese Ergebnisse spätestens in der September-Sozialkonferenz dieses Jahres vor. Sachverhalt / Begründung Die Pandemie mit ihren vielfältigen Folgen trifft uns alle, einige aber besonders hart. Gerade für die sozialen Unterstützungsstrukturen in Karlsruhe ist es eine besondere Herausforderung; denn die Menschen, die in prekären oder sonstigen schwierigen sozialen Situationen leben, leiden besonders unter den veränderten Rahmenbedingungen. Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt auch für die Zukunft zu sichern, ist es wichtig, die sozialen Unterstützungsleistungen besonders in den Blick zu nehmen und für die Zeit nach der Pandemie weiter zu entwickeln. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden ist hierbei eine tragende Säule. Auch wenn die Corona-Krise voraussichtlich im September zumindest noch nicht vollständig überwunden sein wird, setzen wir uns für einen Zwischenbericht sowie Ausblick auf die Zukunft ein, damit gewonnene Erkenntnisse nach dem langen Zeitraum von bis dahin 1,5 Jahren Pandemie garantiert nicht verloren gehen. Dabei geht es uns um wesentlich Erkenntnisse, die in Zukunft berücksichtigt werden sollten und nicht um ins Detail gehende Berichte. – 2 – Die Corona-Krise macht deutlich, an welchen Stellen unsere sozialen Systeme gut funktionieren und wo nachgebessert werden muss. Unterzeichnet von: Verena Anlauf Michael Borner Aljoscha Löffler Dr. Iris Sardarabady Benjamin Bauer Niko Riebel Renate Rastätter
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Niederschrift 26. Plenarsitzung des Gemeinderates 22. Juni 2021, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 24. Punkt 25 der Tagesordnung: Herausforderungen in der sozialen Unterstützungsstruktur wäh- rend und nach Corona Antrag: GRÜNE Vorlage: 2021/0584 Beschluss: Behandlung im Sozialausschuss am 6. Oktober 2021 Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 25 auf und teilt mit, der Antrag werde ohne Ausspra- che in den Sozialausschuss verwiesen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 29. Juni 2021
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Stellungnahme zum Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Herausforderungen in der sozialen Unterstützungsstruktur während und nach Corona Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 22.06.2021 25 X Sozialausschuss 06.10.2021 1 X Kurzfassung Corona hat in allen gesellschaftlichen Systemen zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Kontaktbe- schränkungen und fehlende Begegnungsmöglichkeiten haben das soziale Miteinander beeinträchtigt und zum Teil Gefühle der Isolation hervorgerufen oder verstärkt. Auch soziale Angebote mussten zeit- weise eingestellt, reduziert oder umgestellt werden. Dabei haben sich die in Karlsruhe vorhandenen Vernetzungsstrukturen als entscheidend erwiesen, um die Entwicklungen während der Pandemie in- tensiv zu beobachten und entsprechend zu reagieren oder Anpassungen vorzunehmen. Künftig ist die Weiterentwicklung digitaler Zugangswege wichtig sowie die Stärkung niederschwelliger sozialräumli- cher Angebote und Vernetzungsstrukturen. Die Verwaltung wird die Entwicklungen weiter beobach- ten und bei Bedarf nachsteuern. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzü- glich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen 1. Die Stadtverwaltung stellt dem Gemeinderat evtl. als Zwischenbericht dar, welche be- sonderen Herausforderungen sie in der sozialen Unterstützungsstruktur unserer Stadt während der Bewältigung der Pandemie sieht und welche Lehren sie nach Überwindung der Coronakrise daraus ziehen will. Die Frage nach den Herausforderungen von Corona in der sozialen Unterstützungsstruktur ist zu- nächst sehr umfassend. Ergänzend hat die GRÜNE-Fraktion Schwerpunkte benannt, die ihr in diesem Zusammenhang besonders wichtig sind. Diese wurden in den folgenden Ausführungen berücksichtigt. Themenübergreifend ist festzustellen, dass Corona in allen gesellschaftlichen Systemen und bei Men- schen aller Altersgruppen zu tiefgreifenden Veränderungen im beruflichen, privaten und Freizeitbe- reich geführt hat. Kontaktbeschränkungen und fehlende Begegnungsmöglichkeiten haben das soziale Miteinander beeinträchtigt und zum Teil Gefühle der Isolation hervorgerufen oder verstärkt. Auch die soziale Unterstützungsstruktur war gezwungen, Angebote zeitweise einzustellen, zu reduzieren oder umzustellen. In Zusammenarbeit der Stadtverwaltung, freier Träger und zivilgesellschaftlicher Akteu- rinnen und Akteure in Karlsruhe ist es gelungen, viele Angebote aufrecht zu erhalten und entstandene Bedarfe zu versorgen. Corona-Auswirkungen sind in aktuellen Berichten, wie beispielsweise dem Gesamtkonzept Woh- nungslosenhilfe, dem Gesamtkonzept Sozialer Arbeitsmarkt, dem Jahresbericht des Beirates für Men- schen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten sowie des Jobcenters oder dem Bericht zum Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) berücksichtigt, auf die an dieser Stelle ver- wiesen wird. Nun ist es wichtig, bei der Wiederaufnahme der umfassenderen Angebote nach dem Lockdown auf- merksam für eventuell veränderte Bedarfe der Menschen zu sein, um entsprechend reagieren zu kön- nen. Grundsätzlich sind die sozialen Unterstützungssysteme in Karlsruhe dafür gut aufgestellt. Gewaltschutz /Frauenberatungsstellen Die in Karlsruhe etablierte interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche im Koor- dinationskreis „Häusliche Gewalt überwinden“ (Fachberatungsstellen, Polizei, Ordnungsamt, Familien- gerichte, Allgemeiner Sozialer Dienst) unter der Federführung der Gleichstellungsbeauftragten bietet einen geeigneten Rahmen, um Entwicklungen zu beobachten, fachlich zu bewerten und insbesondere im Hinblick auf eine systemübergreifende Zusammenarbeit und eine funktionierende Interventions- kette zum Schutz und zur Unterstützung der Betroffenen unbürokratisch zu justieren. Das regelmä- ßige Bilanzgespräch des Koordinationskreises im April 2021 hat verdeutlicht, dass keine signifikanten Veränderungen (Zu- oder Abnahme von Fallzahlen) erkennbar waren. Die Schwankungen der Fallzah- len bewegen sich im statistisch normalen Bereich und lassen keine Veränderungen in Bezug auf die Pandemie erkennen. Die Karlsruher Fachkreise beobachten jedoch mit einer hohen Sensibilität die Situ- ation, um mögliche negative Entwicklungen durch Corona erkennen, darauf reagieren und Zugänge ins Hilfesystem erleichtern zu können. Die neben der Frauenhausunterbringung vorhandene Notunterbringung wurde durch einen Ablauf- plan für die Unterbringung im Fall von Erkältungssymptomen oder Verdacht einer Corona-Erkrankung ergänzt, so dass der Schutz der Betroffenen in angepasster Form gewährleistet war. Darüber hinaus wurden, wie in allen Bereichen, digitale Beratungsmöglichkeiten erweitert. Im Hinblick auf eine Weiterentwicklung des Hilfesystems kommt darüber hinaus der Bestands- und Be- darfsanalyse sowie der Konzeptentwicklung im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Karlsruhe eine wichtige Funktion zu. Dabei werden Entwicklungen und Erfahrungen aus den allgemei- nen und spezialisierten Hilfen berücksichtigt. – 3 – Wohnungslosenhilfe Alle Angebote der Wohnungslosenhilfe konnten in angepasster Form weiter angeboten werden. Die präventiven Hilfen zum Wohnungserhalt fanden überwiegend in Form schriftlicher und telefonischer Kontakte statt und wurden im bisherigen Umfang fortgesetzt. Für die Unterbringung Wohnungsloser war die Sozial- und Jugendbehörde durchgängig geöffnet. Auch die Versorgung mit Wohnungen über das Programm Wohnraumakquise konnte aufrechterhalten werden. Ebenso wurden alle Beratungsangebote, sowohl städtische als auch bei den freien Trägern, fortge- setzt. Bei der Beratung gab es einen erhöhten Bedarf an technischer Unterstützung für digitale An- tragstellungen, insbesondere bei Personen ohne technische Ausstattung, mit geringer Kompetenz im Bereich der digitalen Medien und/oder mit Sprachbarrieren. In den niederschwelligen Angeboten der Wohnungslosenhilfe (TafF und TÜR) wurden coronabedingt vorrangig obdachlose Personen versorgt; Menschen mit eigenem Wohnraum konnten daher aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht in vollem Umfang an der Möglichkeit der Ansprache und an den Kontaktangeboten teilnehmen. Jedoch war die Vesperkirche in den Wintermonaten geöffnet, um ein soziales Miteinander unter den entsprechenden Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Die Lebensmittelversorgung und Basisversorgung war zu jedem Zeitpunkt gegeben, aber die Ange- bote, die darüber hinaus einer Vereinsamung entgegenwirken oder Kontaktmöglichkeiten schaffen, waren aufgrund der Kontaktbeschränkungen eingeschränkt. Die Zusammenarbeit mit dem Trägernetzwerk wurde intensiviert. Es fanden regelmäßige Treffen der Sozial- und Jugendbehörde mit den Trägern statt, um sich über Fragen bezüglich Corona auszutau- schen und das Hilfesystem gezielt anzupassen. Ergänzend zu den bestehenden Angeboten gab es viele Essensangebote von den langjährigen Trägern der Wohnungslosenhilfe. Es kamen zudem weitere An- gebote von neuen Anbietern und von ehrenamtlich Engagierten hinzu. Um die Angebote besser zu vernetzen und die Ehrenamtlichen mit den professionellen Strukturen bekannt zu machen, bildete sich ein regelmäßiger Informationsaustausch. Anlaufstellen für beratende und unterstützende Tätigkeiten Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hat die Sozial- und Jugendbehörde eine interne Umfrage zum Thema Auswirkungen der Corona-Krise innerhalb der Abteilungen und Teams durchge- führt, um frühzeitig Versorgungslücken und Handlungsbedarfe zu erkennen. Hierbei wurde deutlich, dass die städtischen Beratungsstellen trotz der Corona-Krise ihre Arbeit aufrechterhalten konnten und dauerhaft für die Bürgerinnen und Bürger erreichbar waren, so dass deren Anliegen auch während des Lockdowns bearbeitet werden konnten. Diese Situation hat sich im Verlauf der Pandemie und des er- neuten Lockdowns nicht verändert. Insgesamt hat die Bedeutung von alternativen Kommunikationsstrukturen deutlich zugenommen, so- dass vermehrt telefonische und videogestützte Beratung stattgefunden hat und nach wie vor stattfin- det. Auch in Zukunft wird die digitale Beratung eine wichtige Rolle spielen, fordert aber auch von der Bürgerschaft ein hohes Maß an digitaler Teilhabe. Der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe musste zwar seine offene Sprechstunde einstellen, war aber telefonisch und per E-Mail durchgehend erreichbar und konnte seine alltägliche Arbeit trotz der Corona-Pandemie jederzeit leisten. Durch Schutzausrüstung und sonstige Vorsichtsmaßnahmen (AHA-Regeln) wurden auch während der Lockdowns Hausbesuche und persönliche Gespräche verein- bart, wenn dies notwendig war. Hierdurch konnten Kinderschutzfälle durchgehend nach gleichen qualitativen Standards bearbeitet werden. Während des ersten Lockdowns hat der Allgemeine Soziale Dienst eine eigene Notbetreuungsgruppe für Kinder aus sozialen Notlagen eingerichtet, da die – 4 – Notbetreuungsgruppen an Schulen nur Kindern von Eltern aus systemrelevanten Berufsfeldern vorbe- halten waren. Auch Beratungsstellen der freien Träger, wie die Allgemeine Sozialberatung der Diakonie, konnten ihr Beratungs- und Unterstützungsangebot aufrechterhalten. Die Pandemie erforderte allerdings ein ho- hes Maß an Flexibilität sowie eine schnelle Planung und Umstrukturierung der alltäglichen Arbeit. Die Angebote wurden ebenfalls vermehrt digital angeboten. Zudem wurden gute Schutzmaßnahmen er- stellt, wodurch in dringenden Fällen auch persönliche Kontakte stattfinden konnten. Kinder und Jugendliche In Bezug auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen verweist die Stadtverwaltung zum einen auf die Stellungnahme im Gemeinderat vom 18. Mai 2021 zum Antrag der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 13. April 2021 „Jugend gestärkt in der Krise“. Hier wurde bereits auf die aktuellen Entwicklun- gen und Anforderungen für Jugendliche während des Abklingens der Pandemie eingegangen. Derzeit gibt es keine neuen Entwicklungen. Insgesamt können die psychosozialen Auswirkungen der Krise auf Kinder und Jugendliche noch nicht abgeschätzt werden. Es muss damit gerechnet werden, dass es im Rahmen der Jugendhilfe langfristig zu einem erhöhten Fallaufkommen kommen wird, da anderweitige Unterstützungssysteme nicht alle Kinder und Jugendliche auffangen können. Gerade bei sozial benachteiligten Kindern könnten die Lerndefizite, die Auswirkungen von häuslichen Problemlagen, fehlende berufliche Perspektiven und Ähnliches zu steigenden Fallzahlen und längerer Hilfedauer führen. Im schulischen Setting erschweren fehlende Praktika die Zugänge auf den Arbeitsmarkt, insbesondere für junge Menschen mit Migrati- onshintergrund beziehungsweise unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer (UMAs). Der in der Presse überregional thematisierte Anstieg von häuslicher Gewalt und sexueller Gewalt war in den Beratungsstellen in Karlsruhe nicht feststellbar. Während des Lockdowns gab es Angebote für Kinder und Jugendliche, wie die Stadtteilspaziergänge vom Stadtjugendausschuss sowie Osterbastelangebote oder Überraschungstüten von Kitas und Hor- ten. Das Kinderbüro hat eine Beteiligungsaktion durchgeführt. Die Ergebnisse wurden als Plakataus- stellung im öffentlichen Raum präsentiert. Träger der freien Jugendhilfe waren durch die vorgegebenen Hygiene- und Quarantänemaßnahmen zusätzlich belastet und hatten einen Mehrbedarf an Personal und Hygieneausrüstungen. Für Jugend- hilfeeinrichtungen mit teilstationären und stationären Angeboten haben die Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns zu zusätzlichen Herausforderungen in der Betreuung der Kinder und Ju- gendlichen geführt. Während der Schulschließungen waren die Kinder und Jugendlichen auch am Vormittag in der Einrichtung und mussten dementsprechend betreut und versorgt werden. Hierfür wurde nachträglich auf Landeseben eine Finanzierungsmöglichkeit der Vormittagsbetreuung einge- richtet, damit die Einrichtungen die zusätzlich benötigten Ressourcen auch finanziell abrechnen kön- nen. Um die Situation gut im Blick zu behalten und Familien bei Bedarf schnell an die entsprechenden Hilfe- systeme anbinden zu können, ist eine enge Kooperation der Systeme Schulsozialarbeit, Kita, Allgemei- ner Sozialer Dienst und offene Jugendarbeit sowie eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachäm- ter erforderlich. LSBTTIQ* Kontaktmöglichkeiten innerhalb der Community waren in der Pandemie stark eingeschränkt und ver- stärkten Einsamkeitsthemen. Ebenso wie bei anderen Gruppen mit Beratungsbedarf wurden in Bera- tungsstellen Möglichkeiten zur Telefon- oder Videoberatung geschaffen und haben sich als relevant – 5 – erwiesen. Während der Pandemie wurden vorhandene Angebotsformen angepasst und weiterentwi- ckelt. So konnte im La Vie das wöchentliche Beratungsangebot aufrechterhalten werden. Darüber hin- aus wurde mehrmals pro Woche das „digitale Jugendhaus“ als Treffpunkt geöffnet, und es wurde ein neues Angebot geschaffen, das den direkten Kontakt zwischen einzelnen Jugendlichen und den Mit- arbeitenden ermöglichte. Die Einrichtungen werden nunmehr diese in der Coronapandemie vorgenommenen Anpassungen im Hinblick auf ihre Eignung und Bedarfsgerechtigkeit bewerten und gegebenenfalls dauerhaft in ihr An- gebotsspektrum integrieren. Die angestrebte stärkere Sichtbarmachung der Community in der Stadt Karlsruhe und eine Unterstützung ihrer Vernetzung von Seiten der Stadt kann dazu beitragen, dass Kontakte zu (Beratungs-)Angeboten und Ansprechpersonen leichter gefunden werden. Jobcenter Das Jobcenter Stadt Karlsruhe war in der Pandemie nicht geschlossen. Vielmehr waren die Zugangska- näle verlagert auf telefonischen, schriftlichen und elektronischen Kontakt. Hierzu wurden die telefoni- schen sowie die Online-Kontaktkanäle massiv ausgebaut und beworben. Die Erreichbarkeit des Job- centers war jederzeit gewährleistet. Persönliche Vorsprachen waren aufgrund der Maßnahmen des In- fektionsschutzes zwar begrenzt, für Notfälle war es jedoch durchgehend möglich, auch persönlich in den Eingangszonen vorzusprechen. Beratungs- und Vermittlungsgespräche fanden überwiegend nach vorheriger Terminvereinbarung telefonisch statt. Der Unterricht bei Bildungsträgern wurde teilweise in hybrider Form oder komplett im Onlinemodus durchgeführt. Zur Weiterführung der Arbeitsgelegenheiten wurden von den Einsatzstellen überwiegend Hygienekon- zepte umgesetzt. Lediglich vereinzelt konnten pandemiebedingt wenige Stellen nicht besetzt werden. Einsatzstellen, die aufgrund der landesweiten Verordnung schließen mussten, waren ab dem 1. April 2020 ausgesetzt. Mit Weisung vom 23. April 2020 war es dann grundsätzlich wieder möglich, dass Arbeitsgelegenheiten durchgeführt werden, sofern die Einhaltung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzrege- lungen der Bundesregierung vom 16. April 2020 sowie die Regelungen des Landes beziehungsweise der Kommune eingehalten wurden und die Teilnahme freiwillig erfolgt ist. Im Jahr 2020 standen circa 300 Plätze zur Verfügung; 361 Frauen und Männer haben im Jahresverlauf mit einer Arbeitsgelegen- heit begonnen. Für das von der Stadt finanzierte kommunale Beschäftigungsprogramm standen durchgehend mehr als 150 Plätze zur Verfügung. Ältere Menschen Während alle Altersgruppen ihre Kontakte coronabedingt einschränken mussten, so galt dies in be- sonderem Maße für die als vulnerabel eingestufte Gruppe der älteren Menschen. Gleichzeitig führen Kontaktarmut und Einsamkeit bei älteren Menschen nicht selten zu einer Verschlechterung des allge- meinen gesundheitlichen Zustands. In stationären Einrichtungen mussten Besuche von Freunden und Angehörigen, Dienstleistungen ex- terner Anbieter (z.B. Frisöre) und ehrenamtliche Angebote eingestellt werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Einrichtungen waren daher von umfangreichen Kontakteinschränkungen betroffen. Die Pflegeheime wurden ämterübergreifend bei der Bewältigung der Pandemie unterstützt (Umset- zung der Corona-Verordnungen, Lieferung von Schutzkleidungen, Bedarfsabfragen, Vernetzung). Auch durch trägerübergreifende Kooperationen konnten personelle Engpässe aufgefangen und die stationäre Versorgung gewährleistet werden. Durch den enormen kreativen Einsatz aller pflegerisch Tätigen und Verantwortlichen war es möglich, beispielsweise durch „Balkonkonzerte“ gemeinschaftli- che Momente zu schaffen und der Isolation entgegen zu wirken. Die sozialen Unterstützungssysteme für Seniorinnen und Senioren standen insbesondere in der An- fangszeit der Pandemie 2020 vor der Herausforderung, die betreffenden Personen in ihrem teilweise – 6 – freiwillig, teilweise nicht freiwillig gewählten Rückzug zu erreichen. Die klassischen face-to-face Zu- gangswege durften über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden. Auch mit zunehmenden Lo- ckerungen wurden Kontaktangebote zunächst wenig nachgefragt. Die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren musste „neu“ erreicht werden. Hierbei wurde deutlich, dass wohnortnahe Angebots- strukturen mit einem hohen Grad an Vernetzung, Vertrautheit und Bekanntheit im Quartier ihre Zu- gänge weiterhin sehr gut nutzen konnten. Andere Angebote nutzten vermehrt telefonische und digi- tale Zugangswege, was sehr gut angenommen wurde. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass einige ältere Menschen nicht in der Lage sind, diese Kanäle zu nutzen oder dabei Unterstützung benötigen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen gilt es künftig, den sozialen Nahraum über quartiersbezo- gene Ansätze zu stärken sowie ambulante und ehrenamtliche Unterstützungsangebote weiterzuentwi- ckeln. Menschen mit Behinderungen Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörige waren ebenfalls in besonderem Maße von coronabedingten Einschränkungen betroffen: Besuchsbeschränkungen in stationären Einrichtungen, die Schließung von Werkstätten sowie Förder- und Betreuungsgruppen bedeuteten starke Einschrän- kungen aufgrund wegbrechender Alltagsstrukturen. Infolge der Schließung tagesstrukturierender An- gebote bestand ein höherer Betreuungs- und somit Personalbedarf im Bereich der besonderen Wohn- formen, der durch verfügbares Personal aus anderen Bereichen kompensiert werden konnte. Eine Be- treuung durch die Anbieter wurde, soweit es möglich war, eingerichtet und durchgeführt. Alternativ wurden andere Angebote in Anspruch genommen. Es kam allerdings auch zur Versorgung durch An- gehörige im häuslichen Bereich, wenn keine alternativen Angebote wahrgenommen werden durften. Schulbegleitung wurde auch im Homeschooling weiter geleistet. Digitale Strukturen wie Homeschoo- ling für Kinder mit Behinderung setzen den Ausbau der Barrierefreiheit voraus, um die Soziale Teilhabe nicht zu beeinträchtigen. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind die Pandemiesituation und die entsprechenden Hygienemaßnahmen nur schwer vermittelbar. Corona-Maßnahmen führten zu Einschnitten in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen (zum Beispiel durch eingeschränkten Zugang zu Therapien) und zu einer wegbrechenden Alltagsstruktur mit einhergehend reduzierten sozialen Kontakten sowie tagesstrukturierenden Beschäftigungs- und Frei- zeitmöglichkeiten. Andererseits wurden Angebote kreativ coronakonform umgestaltet, wie beispiels- weise telefonische Beratung, digitale Freizeitangebote oder Angebote mit begrenzter Teilnehmerzahl. Infolge von sozialer Isolation und wegbrechenden Tagesstrukturen ist eine Zunahme psychischer Er- krankungen zu befürchten. Die niederschwelligen Präventions- und Beratungsangebote in Karlsruhe können hier frühzeitig Unterstützung bieten. Künftig ist ein verstärktes Augenmerk auf digitale Teil- habe und digitale Barrierefreiheit zu legen. 2. Die Stadtverwaltung stellt dem Gemeinderat dar, wie sie diese Herausforderungen be- wältigen und wie sie in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden die vorhande- nen Strukturen anpassen bzw. ausbauen will. Soweit wie möglich wurden Angebote pandemiekonform aufrechterhalten oder weiterentwickelt. Da- bei spielten telefonische und digitale Kontakte eine wichtige Rolle. Bei der künftig notwendigen Wei- terentwicklung digitaler Angebote sind die unterschiedlichen digitalen Teilhabemöglichkeiten der Ziel- gruppen zu beachten und zu fördern. Neben der Digitalisierung spielen niederschwellige und aufsuchende Angebote sowie die Stärkung so- zialer Netze im Nahraum eine wichtige Rolle, um die Teilhabe besonders vulnerabler Gruppen zu för- dern und durch eine gute Einbindung die Resilienz der Menschen zu stärken. Trotz der Weiterführung vieler Angebote in reduzierter oder modifizierter Form können die sozialen Unterstützungsstrukturen erst mit den jüngsten Lockerungen wieder vollständig hochgefahren – 7 – werden. Einige Auswirkungen der Pandemie auf unterschiedliche Zielgruppen werden möglicherweise erst im Zuge des „Normalbetriebs“ deutlich werden. Daher gilt es, diese Auswirkungen weiter zu be- obachten und bei Bedarf entsprechend zu reagieren. Dies erfolgt im bewährten Zusammenspiel von Stadtverwaltung, Institutionen, Trägern sozialer Arbeit und Zivilgesellschaft. Fördermöglichkeiten wie das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ werden dabei einbezo- gen. Seit Anfang April trifft sich regelmäßig die Arbeitsgruppe „Öffnungsstrategie für Kinder, Jugend, Fa- milie und Sport“ für eine verwaltungsinterne Abstimmung. Beteiligt sind die Sozial- und Jugendbe- hörde, das Kinderbüro, das Schul- und Sportamt, der Stadtjugendausschuss, das Gesundheitsamt und das Stadtamt Durlach. In der Arbeitsgruppe werden die aktuellen Entwicklungen reflektiert und ge- meinsam Strategien zur Öffnung besprochen. 3. Die Stadtverwaltung stellt diese Ergebnisse spätestens in der September-Sozialkonfe- renz dieses Jahres vor. Im Gemeinderat am 22. Juni 2021 wurde vereinbart, den Antrag in den Sozialausschuss am 6. Okto- ber 2021 zu verweisen. – 8 – Anhang Stellungnahme der Kommunalen Behindertenbeauftragten; Sozialausschuss 6. Oktober 2021, TOP 1: Herausforderungen in der sozialen Unterstützungsstruktur während und nach Corona Die Kommunale Behindertenbeauftragte trägt die Vorlage mit. Die Kommunale Behindertenbeauftragte hat zu der Vorlage wie folgt Stellung genommen: Der Ausbau von digitalen Angeboten ist gut und wichtig. Hier ist jedoch immer ein besonderes Au- genmerk auf die barrierefreie Gestaltung dieser Angebote zu legen. Eine Alternative in Form von tele- fonischen oder persönlichen Kontaktmöglichkeiten darf dabei auf keinen Fall außer Acht gelassen werden.