Jahresbericht 2020 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten
| Vorlage: | 2021/0568 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 30.04.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Innenstadt-West, Neureut, Oststadt, Südstadt, Südweststadt, Weiherfeld-Dammerstock |
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Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Jahresbericht 2020 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten 2 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Impressum Copyright Stadt Karlsruhe Beirat für Menschen mit Behinderungen, Kommunale Behindertenbeauftragte Redaktion ▪ Kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Karlsruhe Ulrike Wernert ▪ Vorstand: des Beirats für Menschen mit Behinderungen Artur Budnik (Vorsitzender), Beate von Malottki (stellvertretende Vorsitzende), Sven Schipper (stellvertretender Vorsitzender) Layout Pruß Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand März 2021 Sozial- und Jugendbehörde | 3 Inhaltsverzeichnis Jahresbericht des Beirats für Menschen mit Behinderungen der Stadt Karlsruhe 2020 .............................................. 4 Trotz Corona bleibt der Beirat für Menschen mit Behinderungen aktiv ................................................................. 4 Auswirkungen der Corona-Pandemie für Menschen mit Behinderungen ......................................................... 4 Der Vorstand wird neu formiert ...................................................................................................................... 4 Gäste im Beirat für Menschen mit Behinderungen .......................................................................................... 5 Beteiligung des Beirates in städtischen Ausschüssen und in anderen Gremien ...................................................... 5 Jugendhilfeausschuss ...................................................................................................................................... 5 Aus dem Planungsausschuss ........................................................................................................................... 6 Sozialausschuss ............................................................................................................................................... 6 Aus dem Fahrgastbeirat des KVV .................................................................................................................... 7 Mobilität und Barrierefreiheit in Karlsruhe ............................................................................................................ 7 Blindenleitsystem auf dem Marktplatz ............................................................................................................. 7 Mehr Mobilität ermöglichen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ................................................... 8 Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen mit Taxi und Fahrdienst ................................................................................................................................... 8 Handlaufbeschriftung am Hauptbahnhof Karlsruhe ......................................................................................... 9 Zusammenarbeit mit der KASIG ...................................................................................................................... 9 Besichtigung der Haltestelle Lammstraße ..................................................................................................... 9 Vor-Ort-Termin mit KASIG zum Thema Visualisierung der Beschriftung der Aufzugsmundhäuser, am Beispiel des Mundhauses Haltestelle Lammstraße .................................................................................... 10 Verbesserung von Mobilität und Aufenthaltsqualität in Karlsruhe: Die Projekte BYPAD-Verfahren und ÖRMI ..................................................................................................... 11 E-Roller behindern die Mobilität von Menschen mit Behinderungen .............................................................. 12 Weitere Aspekte der Barrierefreiheit ................................................................................................................... 13 Barrierefreiheit im Neubau des Städtischen Klinikums ................................................................................... 13 Begehung des barrierefreien Bürgerbüros Kaiserallee 8 ................................................................................. 14 Barrierefreie Gestaltung des Hauptfriedhofs Karlsruhe .................................................................................. 14 Begleitung der Arbeiten am Stadionneubau im Wildpark .............................................................................. 14 Schlussworte ...................................................................................................................................................... 16 Danksagung.................................................................................................................................................. 16 Tätigkeitsbericht der Kommunalen Behindertenbeauftragten .................................................................................. 17 Corona – das beherrschende Thema 2020 .................................................................................................... 17 Informationen zu Corona anfänglich nur wenig barrierefrei .......................................................................... 17 Ausnahmen von der Maskenpflicht führten zu Diskriminierungen ................................................................. 17 Corona wirkt sich auch auf die alltägliche Arbeit aus .................................................................................... 17 Ausbau Netzwerk und Kooperationen .......................................................................................................... 18 Vernetzung mit Beauftragten in der Stadt – Runder Tisch Vielfalt ............................................................... 18 Gründung Landesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen Behindertenbeauftragten.................................... 18 Austausch im Sprengel Nordbaden intensiviert .......................................................................................... 19 Austausch mit EUTB-Stellen ....................................................................................................................... 19 Begleitung Prozess Straßenschilder für Sehbehinderte ................................................................................... 19 Barrierefrei bauen ......................................................................................................................................... 20 Kinder mit Diabetes verlieren ihren KITA-Platz ............................................................................................... 20 Beratung von Einzelpersonen ........................................................................................................................ 21 Unterstützung von Dienststellen .................................................................................................................... 21 Einbindung in Stadtentwicklungsprozesse ..................................................................................................... 21 Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen .............................................................. 22 Leichte Sprache in der Stadtverwaltung ........................................................................................................ 22 4 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Jahresbericht des Beirats für Menschen mit Behinde- rungen der Stadt Karlsruhe 2020 Trotz Corona bleibt der Beirat für Menschen mit Behinderungen aktiv Die Corona-Pandemie wirkte sich wie auf alle gesellschaftlichen Bereiche auch auf die Arbeit des Beirates für Menschen mit Behinderungen (BMB) im Jahr 2020 aus. Dennoch kamen die Mitglieder zu fünf Sitzungen im Plenum zusammen. Die Sitzung im März musste entfallen. Und die anschließenden drei Beiratssitzungen fanden mit Abstand und mit Mund-Nasen-Bedeckung im Bürgersaal des Rathauses statt. Die letzte Sitzung im Dezember wurde sogar digital auf der Plattform Alfaview durchgeführt. Nebenbei bemerkt empfanden sowohl die Mitglieder als auch die Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen den Platzgewinn im Bürgersaal als angenehm. Der kleine Sitzungssaal ist für das Gremium tat- sächlich eng geworden. Leider konnten sich die verschiedenen Arbeitsgruppen des Behindertenbeirates Corona-be- dingt 2020 nicht treffen. Viele Mitglieder nahmen aber an Begehungen und Veranstaltungen teil und brachten so ihre Kompetenzen ein. Auswirkungen der Corona-Pandemie für Menschen mit Behinderungen Das Thema Corona hat auch den Beirat für Menschen mit Behinderungen im Jahr 2020 inten- siv beschäftigt. Die Präsenzsitzung des Beirats am 8. Mai 2020 war deshalb der Corona-The- matik gewidmet. Insbesondere die zahlreichen Einschränkungen, die Menschen mit Behinde- rungen in Kauf nehmen mussten, haben wir mit Sorge betrachtet. Eltern, die keine Unterstützung bei der Betreuung ihrer behinderten Kinder erhalten haben; Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, die nicht beschult wurden; Freizeitveranstaltun- gen, die nur online und über komplizierte Anmeldeformulare gebucht werden konnten. Dies waren nur einige Beispiele, die unsere Mitglieder nannten. Grundsätzlich ließ sich eine Befürchtung bei den Mitgliedern zusammenfassend feststellen: Am Ende der Pandemie werden Menschen mit Behinderungen noch weniger Rechte haben, als vor Beginn der Pandemie. Der Beirat wird in der nahen Zukunft genau diese Entwicklung kritisch verfolgen. Der Vorstand wird neu formiert In der Beiratssitzung am 7. Februar kam es zu Veränderungen im Vorstand des Beirates für Menschen mit Behinderungen. Josefine Schelenz verließ zum Jahresende 2019 wegen Um- zugs aus Karlsruhe den BMB und stellte ihr Amt als Vorsitzende zur Verfügung. Wir danken Frau Schelenz herzlich für ihren engagierten Einsatz für die Belange von Menschen mit Behin- derungen. Zum neuen Vorsitzenden wurde Artur Budnik gewählt. Zum zweiten Stellvertreter wählte das Gremium Sven Schipper. Sozial- und Jugendbehörde | 5 Gäste im Beirat für Menschen mit Behinderungen In der Sitzung am 24. Juli war der Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Karlsruhe-Ettlingen Herr Auen zu Gast. Er stellte uns die Strukturen und Geschäftsbereiche der Lebenshilfe vor. Am Ende gab es einen Austausch über die Auswirkungen der Corona-Pandemie für behin- derte Menschen. In der Sitzung am 16. Oktober konnten wir die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe Frau Meister begrüßen. Sie berichtete über ihre vielfältige Arbeit und über die Umsetzung der Istanbul-Konvention. Beteiligung des Beirates in städtischen Ausschüssen und in anderen Gremien Auch im Jahr 2020 nahmen die Vertreterinnen und Vertreter des Beirates für Menschen mit Behinderungen an den Sitzungen der städtischen Ausschüsse und anderer Gremien teil, so- fern diese corona-bedingt stattfanden. Jugendhilfeausschuss Manuela Grimm vertritt den Behindertenbeirat im Jugendhilfeausschuss, Stellvertreterin ist Christine Toussaint. Für den Beirat von Relevanz war die inhaltliche Weiterentwicklung der Inklusion in Kinderta- geseinrichtungen. Diese besteht aus verschiedenen Bausteinen, wie zum Beispiel die Auswei- tung des heilpädagogischen Fachdienstes, die Ausdehnung der Kooperation von Kindertages- einrichtungen und dem Allgemeinen Sozialen Dienst und einer Anhebung der Fallpauschale für pädagogische und begleitende Hilfen, um somit ein Absinken des Leistungsumfanges durch Personalkostensteigerungen künftig zu vermeiden. Auch eine Inklusionspauschale anstelle eines Personalzuschlages soll zur flächendeckenden Umsetzung von Inklusion in Kindertageseinrichtungen beitragen. All diese Bausteine sind ein wichtiger Schritt zur Inklusion in Kindertageseinrichtungen. Daran anknüpfend wird auch ein Rahmenkonzept Inklusion zwischen den Trägern von Kindertages- einrichtungen und Vertretern der Fachdienste erarbeitet. Somit wird eine Grundlage geschaf- fen, damit jedes Kind im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention seinen individuellen Be- dürfnissen entsprechend gefördert werden kann. Weitere Themen wurden im Berichtsjahr 2020 umfassend durch den Jugendhilfeausschuss beraten und beschlossen. Diese haben den Beirat von Menschen mit Behinderungen jedoch nicht direkt betroffen. 6 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Aus dem Planungsausschuss Ende 2019 wurde für die Dauer einer Testphase beschlossen, dass die Beiratsvertretung sowie alle anderen Sachkundigen Bürger künftig nicht mehr den Planungsausschuss-Sitzungen bei- wohnen dürfen. Sie sollen nur noch nach Sachlage hinzugeladen werden. Der Beirat hat er- folgreich Widerspruch eingelegt und diese auch durch Briefe an alle Fraktionen des Ausschus- ses untermauert. Seit Mitte 2020 sind wir wieder als ständiges beratendes Mitglied im Pla- nungsausschuss vertreten. So können wir nun wieder selbst und unabhängig bestimmen, zu welchen Themenbereichen wir unsere Sachkunde einbringen können, damit Inklusion im Karlsruher Stadtbild umgesetzt werden kann. Dr. Ulrike Schneider vertritt den Behindertenbeirat im Planungsausschuss, der als beschließen- der Ausschuss zuständig für die Aufstellung von Bebauungsplänen und für die Festlegung der Art und Weise der vorgezogenen Bürgerbeteiligung ist. Er ist verantwortlich für die Angele- genheiten der Stadtplanung einschließlich Verkehrsplanung und die meisten Themen werden in nicht öffentlichen Sitzungen behandelt. Es werden viele Angelegenheiten diskutiert, die auch Menschen mit Behinderungen betreffen. Vor allem die Neugestaltung des öffentlichen Raums der Stadt ist hier zu nennen, die auch Grundlage vieler Diskussionen unter den Fraktio- nen war. Unter anderen wurden folgende Themen diskutiert, durch Sachverständige vorgestellt und begutachtet. Über diese Themen wurde später auch in der Presse ausführlicher berichtet: ▪ Die Bebauungen in den Bereichen Innenstadt-West, Südweststadt, Neureut und Dammerstock. ▪ Der geplante Bebauungsplan Durlach-Aue „Oberer Säuterich“ und der Markgrafen-, Kreuz-, Kriegs- und Karl-Friedrich-Straße in Karlsruhe-Innenstadt. ▪ Das Städtebauliche Entwicklungskonzept Ettlinger Tor mit dem Umbau des Theaterplat- zes/Postbank- und des Landratsamthochhauses. ▪ Die Überquerung Kriegsstraße und der Knotenpunkt am Karlstor. ▪ Die Südstadt als Milieuschutz ▪ Die Straßen- und Wegeplanung mit Diskussionen von Fahrradabstellanlagen und Popup- Radwegen während der Corona-Pandemie. Sozialausschuss Dr. Elke Wagner vertritt den Beirat für Menschen mit Behinderungen im Sozialausschuss, ihr Stellvertreter ist Sven Schipper. Die Sitzungen des Sozialausschusses fanden am 19. Feb- ruar, 20. Mai, 3. Juli und 9. Dezember 2020 statt. Es handelt sich grundsätzlich um nicht öf- fentliche Sitzungen. Folgende Themenpunkte aus den Sitzungen waren für die Arbeit des Beirates relevant: ▪ Mehr Mobilität ermöglichen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ▪ Jobcenter Stadt Karlsruhe Jahresbilanz 2019 ▪ Vorstellung des Jahresberichtes 2019 des Beirates für Menschen mit Behinderungen ▪ Vorstellung der Umstrukturierung der Sozial- und Jugendbehörde – hier im Besonderen Vorstellung des Fachbereichs Soziales und Teilhabe ▪ Kurzzeitpflege in Karlsruhe – Zwischenbericht und Kommunikationskonzept ▪ Generalistische Pflegeausbildung und Pflegebündnis Sozial- und Jugendbehörde | 7 In der Sozialkonferenz am 3. Juli 2020 wurde eine sehr intensive Diskussion über Vorhaben, Maßnahmen und Projekte geführt, die relevant für die Haushaltsabstimmungen im Dezember 2020 waren. Auch bot die Sozialklausur den neuen Stadträtinnen und Stadträten einen guten Einblick in den umfangreichen Teilhaushalt 5000 mit seiner Darstellung des Ist- Zustandes im Bereich der freiwilligen Leistungen, mit den Themengebieten der Planungsabtei- lungen der Sozial- und Jugendbehörde, mit Rückmeldungen zur Dynamisierung für Mietkos- ten- und Personalkostensteigerungen sowie weiteren haushaltsrelevanten Entwicklungsthe- men der Verwaltung. Darüber hinaus wurden im Sozialausschuss viele weitere Themen umfassend diskutiert und beraten. Diese waren aber für die Arbeit des Beirates für Menschen mit Behinderungen nicht direkt relevant. Aus dem Fahrgastbeirat des KVV Andrea Bröker vertritt den Behindertenbeirat im Fahrgastbeirat. Die Sitzungen des Fahrgastbeirates fanden 2020 alle zwei Monate statt, zu Beginn des Jahres noch in Präsenz mit Abstandsregeln, im Verlauf des Jahres dann als Online-Meetings. Ein für den Behindertenbeirat relevantes Thema war in den Sitzungen auch immer wieder die Umset- zung der Barrierefreiheit an Haltestellen und in den Bahnen. Auch fand unter dem Titel „Walk&Talk“ im Juli wieder ein Vor-Ort-Termin des Fahrgastbeirates statt. Der Fokus dieser circa zweistündigen Tour lag bei Informationen zu geplanten kurzfristigen und langfristigen Umleitungsverkehren am Beispiel der Großbaustelle Kombilösung in der Kriegsstraße. Ein besonders wichtiges Thema war im Jahr 2020 die Sicherheit für die Fahrgäste hinsichtlich Corona. Dabei ging es vor allem um die Umsetzung von Hygienemaßnahmen in den Bahnen, Bussen und an Haltestellen. Dies wurde zusätzlich auch in einem ad-hoc-Team bearbeitet, wobei der Fahrgastbeirat des KVV auch an einer Online-Konferenz mit den Fahrgastvertretun- gen anderer Verkehrsverbünde Deutschlands teilnahm. Mobilität und Barrierefreiheit in Karlsruhe Dieser umfangreiche und vielfältige Themenkomplex beschäftigte den Beirat für Menschen mit Behinderungen auch im Jahr 2020. Sowohl in den Beiratssitzungen als auch in einzelnen Begehungen im Sommer oder in Abstimmungen per E-Mail konnten wir die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen einbringen. Blindenleitsystem auf dem Marktplatz Mit großer Freude nahmen insbesondere die beiden Vertreterinnen der blinden und sehbehin- derten Menschen zur Kenntnis, dass 2020 ein DIN-konformes Blindenleitsystem auf dem Marktplatz verlegt worden ist. Damit wurde eine langjährige Forderung umgesetzt. Nun kön- nen blinde und sehbehinderte Bürgerinnen und Bürger diesen zentralen Platz zumindest teil- weise barrierefrei nutzen. 8 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Mehr Mobilität ermöglichen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen Zu diesem Thema (Antrag der GRÜNEN) gab es am 22. Januar 2020 einen ersten Vor-Ort-Ter- min mit einer im letzten Jahresbericht schon erwähnten Testgruppe. Es galt herauszufinden, welche Probleme Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Alltag mit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs haben und welche Problemlösungen möglich sind. Dazu hat die Ar- beitsgruppe drei Personen aus den Hagsfelder Werkstätten und eine Teilnehmerin, die weder gut deutsch spricht noch versteht, zu einem Praxistest eingeladen. Gemeinsam mit den Teil- nehmenden der Arbeitsgruppe bestehend aus einem Vertreter der KVV, der GRÜNEN, der Le- benshilfe, der kommunalen Behindertenbeauftragten und der Sprecherin der Gruppe ÖPNV aus dem Beirat für Menschen mit Behinderungen, hat die Testgruppe die Aufgabe umgesetzt, eine bestimmte Strecke mit der Straßenbahn mit mehreren Haltepunkten zu bewältigen. Menschen mit kognitiven Einschränkungen erlernen – ähnlich wie Menschen mit Sehbehinde- rungen – die Streckenführungen, die sie brauchen und regelmäßig nutzen. Schwierig wird es jedoch bei unbekannten Strecken. Als Lösungsansatz hat die Arbeitsgruppe beispielsweise über die Nutzung von Farben für die unterschiedlichen Strecken diskutiert. Diese Idee wurde jedoch schnell verworfen, da die heutigen Straßenbahnen leider keine Möglichkeit einer farb- lichen Kennzeichnung mehr bieten. Menschen, die nicht bzw. nicht gut lesen können, finden die Idee einer Sprachausgabe bzw. Sprachbegleitung als akustische Fahrgastinformation sehr gut. Die Möglichkeit eine Art „Alexa“ zu haben, die gesteuert durch eine App oder ein End- gerät zu Informationen angefragt werden kann, wurde von den Teilnehmenden der Test- gruppe sehr positiv aufgenommen. Im Oktober gab es die Rückmeldung der KVV, dass nach einem runden Tisch im Haus nach Möglichkeiten einer Umsetzung für eine solche akustische Sprachausgabe gesucht wird. Allerdings handelt es sich hier um einen laufenden Prozess, der sicherlich noch viel Zeit benötigt, insbesondere weil die Menschen mit ihren Einschränkungen so unterschiedlich sind und die Bedürfnisse und Lösungen damit auch sehr umfangreich sein werden. Der Beirat muss mit Hilfe der Politik an diesem Thema dranbleiben und durch ge- zielte Arbeit ein solches Projekt vorantreiben. Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen mit Taxi und Fahrdienst In der Beiratssitzung im Februar 2020 brachte die Gruppe ÖPNV das Thema Fahrdienst und Einfahrt in die Kaiserstraße ein. Fahrdienste und Taxis hatten durch das Ordnungsamt ver- mehrt Strafandrohungen erhalten und sogar Strafen zahlen müssen, wenn sie mobilitätsein- geschränkte Menschen nach 11 Uhr in der Kaiserstraße unmittelbar am Zielort absetzen woll- ten. Dies führte dazu, dass Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ihre Planung mit Ärztinnen/Ärzten aber auch für andere Erledigungen wie Einkäufe, Café- und Restaurant- besuche und so weiter in der Kaiserstraße nur noch vor 11 Uhr umsetzen konnten. Ein Aus- und Einstieg direkt am Zielort in der Kaiserstraße nach 11 Uhr wurde vom Ordnungsamt ge- ahndet, da es nicht erlaubt war. Ein unzumutbarer Zustand. Hieraus ergab sich dann eine in- tensive Diskussion in der Beiratssitzung, die zu einem interfraktionellen Austausch im Gemein- derat führte. Zunächst wurde ein überparteilicher Brief an die Verwaltung verfasst. Hieraus ergab sich dann ein interfraktioneller Antrag im Gemeinderat. Sozial- und Jugendbehörde | 9 Am 21. Juli 2020 beschloss der Gemeinderat einstimmig, dass mobilitätseingeschränkte Men- schen per Taxi oder Fahrdienst auch nach 11 Uhr zu Arztpraxen in der Kaiserstraße gebracht oder abgeholt werden dürfen. Wir hätten uns eine weiterführende Lösung gewünscht, welche auch Fahrten für Einkäufe o- der soziale Kontakte in Cafés und Restaurants nach 11 Uhr ermöglicht hätte. An dieser Stelle möchten wir dennoch unseren Dank für die überparteiliche Unterstützung al- ler Fraktionen bei diesem sehr schwierigen Thema zum Ausdruck bringen. Handlaufbeschriftung am Hauptbahnhof Karlsruhe Ein weiteres Thema ist und bleibt der Hauptbahnhof Karlsruhe. Bei einem Vor-Ort-Termin am 20. August 2020 wurde die bereits 2018 zugesagte Markierung der Treppenstufen zu den Bahngleisen zur Verbesserung der Barrierefreiheit für Menschen mit Seheinschränkungen nochmals angesprochen und zugesagt. Im Frühjahr 2021 soll sie umgesetzt sein. Schwerpunkt dieses Treffens war aber die Handlaufbeschriftung mit Blindenschrift und erha- bener Profilschrift. Beate von Malottki, Herr Dr. Wolff vom Badischen Blinden- und Sehbehin- dertenverein sowie Frau Dr. Wagner als Sprecherin der Arbeitsgruppe ÖPNV und Herr Han- sert-Berger aus dem Bereich Vertrieb Montage Wegeleitsysteme für den Hauptbahnhof plan- ten an diversen Treppenaufgängen und -abgängen am Hauptbahnhof die Anbringung und den Inhalt der Handlaufbeschriftung. Da hierzu entsprechende DIN-Vorschriften vorliegen, war dieser Termin sehr konstruktiv. Feinheiten in Bezug auf den genauen Ort der Anbringung am Handlauf und auf den genauen Wortlaut der Informationen standen im Mittelpunkt. Im Anschluss an dieses Treffen gab es einen regen Mailverkehr mit sehr vielen Anhängen, bei dem die detaillierten Beschriftungen für jeden Handlauf der Treppen nochmals gemeinsam geklärt wurden. Die Umsetzung dieses Projektes wurde tatsächlich in 2020 noch beendet. Zusammenarbeit mit der KASIG Grundsätzlich ist auch in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit der KASIG, KVV und VBK sehr gut gelaufen. Durch stetigen Mailkontakt, Telefonate und sogar einige Vor-Ort-Termine konn- ten viele Fragen auch in der „Corona-Zeit“ gut gelöst werden. Besichtigung der Haltestelle Lammstraße Am 14. Oktober 2020 fand ein Vor-Ort-Termin in der U-Bahn-Haltestelle Lammstraße Ritter- straße statt. Neben Vertreterinnen und Vertretern der KASIG, KVV, VBK fanden sich Frau Mül- ler für das Studienzentrum für Sehgeschädigte vom KIT, zwei Vertreterinnen des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereines sowie Frau von Malottki und Frau Dr. Wagner für den Beirat ein. Gemeinsam wurde die Haltestelle auf ihre Barrierefreiheit begutachtet. Schwer- punkt war die Beleuchtungssituation in der Haltestelle. Aber auch die Leitlinien für blinde Menschen, die Notrufsäule und der Zugang zu den Aufzügen sowie weitere Kontrastierungs- und Markierungsthemen für Menschen mit Seheinschränkungen auf dem Boden, an den Wänden etc. wurden begutachtet. Teilweise war die Begehung noch nicht ganz möglich, da sich die Haltestelle immer noch im Bau befindet. So waren die Leitlinien immer noch abge- deckt und nicht alle Beleuchtungskonzepte zum Beispiel auf der Verteilerebene wirklich zu er- kennen. Ein erstes Fazit fiel sehr positiv aus. Dies soll 2021 (sobald die Corona-Situation es 10 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte erlaubt) bei einer weiteren Begehung am Durlacher Tor alles einsehbar und ertastbar gemacht werden, so dass ein vollständiger Eindruck entstehen kann. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Haltestelle Durlacher Tor soweit fertiggestellt sein, dass auf der Verteilerebene die Beleuch- tung endmontiert und angeschlossen und die Fußböden mit dem Blindenleitsystem final ver- legt sind. Alle für den Beirat für Menschen mit Behinderungen relevanten Punkte wurden an- gesprochen, geklärt und gegebenenfalls zur Umsetzung ins Protokoll aufgenommen. Des Weiteren wurde zu diesem Termin auch ein Probestück zur Handlaufbeschriftung in den U-Bahn-Haltestellen mitgebracht. Hier gab es im Vorfeld intensiven Mailverkehr zu den DIN- Normen und den Infos die auf einer Handlaufbeschriftung stehen sollten (zum Beispiel An- bringen der Handlaufbeschriftung immer am rechten Handlauf gemäß der Gehrichtung, im- mer Brailleschrift und Profilschrift, klare Richtungsinformationen und so weiter). Vor-Ort-Termin mit KASIG zum Thema Visualisierung der Beschrif- tung der Aufzugsmundhäuser, am Beispiel des Mundhauses Halte- stelle Lammstraße Zu Beginn des Jahres wurde die Beschilderung neben der oberirdischen Aufzugtür des Mund- hauses Haltestelle Lammstraße in Augenschein genommen. Zu diesem Termin trafen sich die kommunale Behindertenbeauftragte Ulrike Wernert, Frau Dr. Wagner für den Beirat und Ver- treter der KASIG. Auf dem gläsernen Mundhaus werden sehr weit oben in entsprechend gro- ßer Schrift jeweils der Name der Haltestelle und die Hauptrichtungen mit Angabe der zuge- hörenden Gleise zu sehen sein. Dies ist für Menschen mit Sehbehinderung nicht wahrzuneh- men. Ein Hinweisschild in Lesehöhe neben der Aufzugtür soll angebracht werden. Erste Vor- schläge bei diesem Termin waren nicht kontrastreich genug, wären zu hoch angebracht wor- den und erhielten keine Profilschrift. Die Vertreter der KASIG nahmen die Beanstandungen auf und am 11. November gab es einen weiteren Termin mit der KASIG am Mundhaus Lammstraße, um die Änderungsvorschläge aus dem letzten Treffen zur Beschriftung auf ei- nem Muster vor Ort zu betrachten. Ein Textfeld in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund wird an allen Mundhäusern in lesbarer und tastbarer Höhe angebracht werden, sodass die In- formationen, die weit oben an den Mundhäusern zu sehen sind, auch für Menschen mit Abbildung 1: Besichtigung Lammstraße Blindenleitsystem1 Abbildung 2: Haltestelle Lammstraße von oben Abbildung 3: Handlaufbeschriftung Sozial- und Jugendbehörde | 11 Sehbeeinträchtigungen in Blindenschrift und großer, kontrastreicher Profilschrift zu erkennen sind. Verbesserung von Mobilität und Aufenthaltsqualität in Karlsruhe: Die Projekte BYPAD-Verfahren und ÖRMI Das zweite BYPAD-Verfahren (Bicycle Policy Audit) hat neben dem schon länger geförderten Radverkehr nun auch die Verbesserung des Fußverkehrs in Karlsruhe zum Ziel. Herr Schipper und Frau von Malottki nahmen für den Beirat am Stadtbauforum „Neue Wege für Fuß und Rad“ am 5. März und an einem Workshop der BYPAD-Gruppe am 25. Juni teil. Dabei konnte auf die besonderen Interessen und Bedarfe von behinderten Menschen hingewiesen werden. In einer Stellungnahme des BMB zum „30-Punkte-Programm Aktive Mobilität“ wurden die Hinweise bekräftigt: ▪ Kinder, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen haben einen be- sonderen Sicherheitsbedarf in allen Verkehrsbereichen. ▪ Barrierefreiheit und die Bedarfe von behinderten Menschen müssen daher bei allen Ver- kehrsplanungen von vornherein mitgedacht werden. ▪ Eine Trennung der Verkehrsarten Fußweg, Radweg und Fahrbahn sind für die Mobilität von Menschen mit Behinderungen eine große Hilfe. ▪ Gehwege müssen von Möblierung, Werbeaufstellern und E-Rollern/Fahrrädern freigehal- ten werden. ▪ Die Verlängerung von Grünphasen an signalisierten Knotenpunkten für den Fußverkehr und Radfahrende trägt auch zur Sicherheit behinderter Menschen bei der Straßenquerung bei. ▪ Durch gezielte Aktivitäten und Kampagnen sollte die gegenseitige Rücksichtnahme ge- stärkt werden. Zum Beispiel könnte darauf hingewiesen werden, dass blinde und sehbe- hinderte Menschen Fahrräder nicht rechtzeitig hören können. An der Auftaktveranstaltung zum IQ-Leitprojekt „Öffentlicher Raum und Mobilität Innen- stadt“ (ÖRMI) am 24. September nahmen für den Behindertenbeirat Herr Budnik und Frau von Malottki sowie die Kommunale Behindertenbeauftragte Frau Wernert teil. Die Vertreterin- nen und Vertreter des Beirates forderten ihre Beteiligung an der Ausgestaltung der Karlsruher Innenstadt nach der Fertigstellung der Kombilösung ein. Oberbürgermeister Herr Dr. Mentrup sicherte zu, dass über geeignete Beteiligungsformen für Menschen mit Behinderungen nach- gedacht würde. 12 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte E-Roller behindern die Mobilität von Menschen mit Behinderungen Das Thema E-Scooter/E-Roller-Verleih und die damit verbundene Abstellmöglichkeit nach der Nutzung sorgen für viel Ärger in Karlsruhe. Das sogenannte free floating, das Abstellen der E-Scooter wie und wo man möchte, ärgern die einen, sind für Menschen mit Behinderungen jedoch gefährlich und können beim Übersehen zu Stürzen und Verletzungen führen. Im Jahr 2020 standen wir mit mehreren Fraktionen in Austausch zu diesem Thema. Mit der SPD haben wir sogar einen Antrag formuliert, der folgende Begründung enthielt: „Das Abstellen der E-Scooter auf Gehwegen beeinträchtigt insbesondere Menschen mit Be- hinderungen, aber auch ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen werden in ihrer Mobilität eingeschränkt. Wenn E-Scooter vor Einfahrten und Eingängen geparkt werden, dann sind wir alle zumindest aufgebracht oder verärgert. E-Scooter stehen quer auf dem Gehweg, werden dann beispielsweise von Menschen mit Se- heinschränkungen als Hindernis nicht wahrgenommen. Als Folge können Menschen stürzen und sich dabei schwer verletzen, wie zuletzt in Bremen geschehen. Rollstuhlfahrerinnen und - fahrer sind nicht in der Lage an E-Scootern vorbeizukommen und müssen Umwege in Kauf nehmen. E-Scooter wiegen bis zu 30 Kilogramm, nur kräftige Menschen sind in der Lage, ei- nen E-Scooter umzustellen. Das Schieben eines E-Scooters ist nicht möglich, da beim Ab- schließen, die Bremsen automatisch angezogen werden, es bedarf viel Kraft, das Fahrzeug trotzdem zu verschieben. Damit sind gerade die ,schwächsten’ Verkehrsteilnehmenden am härtesten vom Chaos beim Parken der E-Scooter betroffen. Da durch das Abstellen der E-Scooter auf Gehwegen und Straßen besonders Menschen mit Behinderungen in ihrer Mobilität eingeschränkt werden, wird der Antrag vom Beirat für Men- schen mit Behinderungen und der kommunalen Behindertenbeauftragten unterstützt.“ Der Beirat für Menschen mit Behinderungen wird das Thema E-Scooter auch 2021 weiterver- folgen und die Reaktionen der Verwaltung kritisch begleiten. Abbildung 4: Amalienstraße/Ecke Karlstraße Abbildung 5: Karlstraße/Amalienst- raße Sozial- und Jugendbehörde | 13 Weitere Aspekte der Barrierefreiheit Neben dem großen Thema Mobilität befasste sich der Beirat für Menschen mit Behinderungen mit weiteren Aspekten der Barrierefreiheit in Karlsruhe. Barrierefreiheit im Neubau des Städtischen Klinikums Bereits 2019 hatten Mitglieder der AG Gesundheitswesen über die Maßnahmen zur Barriere- freiheit im Neubau des Städtischen Klinikums im Behindertenbeirat berichtet und auf Mängel aufmerksam gemacht (vgl. Jahresbericht 2019). An der erneuten Besichtigung im Betten- und Funktionshaus M und eines Patientenzimmers im Haus H am 4. März 2020 nahm der gesamte Vorstand und die Kommunale Behindertenbeauftragte teil. Leider wurden die Mängel bestä- tigt. Daraufhin wurde die Problematik in der Beiratssitzung im Mai diskutiert und die Vertreterin- nen und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen um Unterstützung gebeten. Darüber hinaus schrieb der Vorstand einen Brief an Bürgermeisterin Frau Lisbach mit der Bitte um ein Ge- spräch. Dieses fand am 15. Juli 2020 statt. Neben Frau Lisbach nahmen ihre Mitarbeiterin Frau Baumann, der Architekt Herr Altmann, der kaufmännische Geschäftsführer Herr Heming und eine weitere Mitarbeiterin des Städtischen Klinikums teil. Von Seiten des BMB war der gesamte Vorstand, Frau Warnken als Sprecherin der AG Gesundheitswesen, Frau Breunig als Sprecherin der AG Barrierefreiheit und Wohnen sowie Frau Wernert als Kommunale Behinder- tenbeauftragte vertreten. Zunächst stellte Herr Altmann ausführlich alle Maßnahmen zur Bar- rierefreiheit im Neubau vor. In der anschließenden Diskussion wurde von uns unterstrichen, dass es völlig unverständlich ist, dass im Neubau die Barrierefreiheit unzulänglich umgesetzt wurde. Wir wiederholten unsere Kritikpunkte und unsere Hauptforderung: Mindestens ein Pa- tientenzimmer plus Bad je Station muss für Menschen im Rollstuhl barrierefrei nutzbar sein. Am 27. Oktober 2020 fand ein zweites Gespräch mit anschließender Begehung im Neubau statt. Neben Frau Lisbach und ihrer Mitarbeiterin waren von Seiten des Klinikums der medizi- nische Geschäftsführer Prof. Dr. Geißler, der kaufmännische Geschäftsführer Herr Heming, eine weitere Mitarbeiterin sowie der Architekt Herr Altmann anwesend. Für den Beirat nah- men dieselben Personen teil, die am Gespräch im Juli beteiligt waren. Herr Altmann berichtete zunächst, dass ein barrierefreier Weg von der Haltestelle Moltkestraße bis Haus M erreicht werden konnte, indem ein Durchbruch in der Mauer des Klinikumgeländes erfolgt ist. In der anschließenden Begehung wurde uns ein Einzel-Patientenzimmer samt Bad gezeigt, das für Menschen mit Behinderungen weitgehend geeignet ist. Um die Beweglichkeit mit einem klei- nen Rollstuhl oder einem Duschstuhl zu gewährleisten wurde im Badezimmer die Glaswand entfernt. Die Ausstattung ist rollstuhlgerecht. Im Haus M wird es in der Nordspange je Etage zwei sol- che Zimmer geben, welche von Menschen mit Behinderungen bevorzugt genutzt werden können (insgesamt also vier Zimmer). Außerdem ist auf beiden Bettenebenen je ein Patienten- bad vorhanden, welches zum Duschen von pflegebedürftigen Personen in Liegeposition ge- nutzt werden kann. Ein Hinweis auf die Behinderung ist bei der Anmeldung im Klinikum not- wendig. Diese Kompromisslösung ist ein Schritt zur Barrierefreiheit im Neubau. Sie muss sich in der Praxis noch bewähren. Wir danken allen Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit. 14 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Als Fazit bleibt festzuhalten: Es muss politisch erwirkt werden, dass in so wichtigen Einrichtun- gen wie Krankenhäusern oder Reha-Kliniken eine feste Anzahl von Patientenzimmern barrie- refrei/rollstuhlgerecht gebaut werden müssen. Begehung des barrierefreien Bürgerbüros Kaiserallee 8 Nachdem das ehemals barrierefreie Bürgerbüro im Rathaus am Marktplatz zu einem digitalen Bürgerbüro umfunktioniert worden war, wurde das Bürgerbüro in der Kaiserallee 8 barriere- frei umgestaltet. Am 5. März ließen sich der gesamte Vorstand, Frau Breunig und Frau Dr. Wagner sowie die Behindertenbeauftragte Frau Wernert das Bürgerbüro von der Abteilungs- leiterin Bürgerangelegenheiten Frau Heck zeigen. Neben dem barrierefreien Zugang über ei- nen Aufzug im Innenhof ist ein Serviceplatz barrierefrei gestaltet. Das Personal wurde für eine gute Kommunikation mit behinderten Menschen geschult. Und es gibt die Möglichkeit für eine persönliche Unterstützung bei behördlichen Erledigungen, wenn man diese Hilfe bei der Terminvereinbarung anfordert. Im Nachgang zu diesem positiven Begehungstermin schrieb der Vorstand eine E-Mail an Frau Heck mit der Bitte, die barrierefreien Angebote im Internet auf der Seite des Bürgerbüros zu veröffentlichen. Barrierefreie Gestaltung des Hauptfriedhofs Karlsruhe Am 3. September 2020 fand ein Vororttermin mit Herrn Vogel (Leiter Friedhofs- und Bestat- tungsamt) im Hauptfriedhof in der Oststadt statt. Teilnehmende waren neben Herrn Vogel die Kommunale Behindertenbeauftragte Ulrike Wernert sowie Beate von Malottki und Dr. Elke Wagner als Vertreterinnen des Beirates. Schwerpunkt der Begehung und des Austausches war das Thema: Leitsystem, Verbesserung der Orientierung auf den Hauptfriedhof und Barriere- freiheit für Menschen mit einer Körperbehinderung sowie Menschen mit einer Seheinschrän- kung. Sehr schnell war allen Teilnehmenden klar, dass durch die Größe des Friedhofes aber auch aufgrund der umfangreichen Angebote nicht alles barrierefrei gemacht werden kann. Herr Vogel bekam von uns Vorschläge und Umsetzungsideen von diversen anderen Einrich- tungen in der Stadt beziehungsweise aus anderen Städten, die sich mit dem Thema bereits beschäftigt haben. Herr Vogel wird sich mit Modellvorschlägen aus existierenden Projekten zu Themen wie taktile Pläne, Info Tafeln und Info Broschüren in leichter Sprache, in Großdruck beziehungsweise Blindenschrift sowie dem Einsatz von Apps und so weiter auseinanderset- zen. Zu gegebener Zeit wird er wieder auf uns zukommen, um dies zu diskutieren, um für den Hauptfriedhof geeignete Lösungen zu entwickeln. Begleitung der Arbeiten am Stadionneubau im Wildpark Der Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Karlsruhe wurde bereits im Juli 2019 in die Planung der neuen Heimatstätte des KSC eingebunden. Im August 2020 konnten wir dann auch die ersten Ergebnisse der Umsetzung mit einigen un- serer Mitglieder auf der Baustelle begutachten. Besonders interessant war für uns der Zugang zu den Plätzen für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer und deren Begleitpersonen. Man kann be- haupten, dass die Rollstuhlfahrerinnen/-fahrer in der Zukunft über genügend Platz im Stadion verfügen werden. Es wird sogar einige Plätze geben, die mit Ladestationen für elektrische Rollstühle ausgestattet sein werden. Sozial- und Jugendbehörde | 15 Für Blinde und Sehbehinderte wird es auf der Tribüne oberhalb Plätze geben, von denen aus die Spiele per Live-Audiodeskription mit Kopfhörern verfolgt werden können. Wir haben mit der KASIG vereinbart, dass wir über die Baufortschritte auf dem Laufenden ge- halten werden. Der Behindertenbeirat wird sich im nächsten Jahr erneut, dann vor Abschluss der Bauarbeiten an der Osttribüne, vor Ort für Menschen mit Behinderungen kundig machen. Dann werden wir auch die Behindertentoiletten und das Blindenleitsystem begutachten kön- nen. Abbildung 5: Hier entstehen die Plätze für Rollstuhlfahrerinnen/-fahrer und deren Begleitpersonen Abbildung 6: Wildparkstadion Abbildung 7: Besuch der Baustelle Wildparkstadion Sven Schipper, Artur Budnik, Joachim Gutmann 16 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Schlussworte Wie der Jahresbericht aufzeigt ist die Thematik Barrierefreiheit in ihren vielfältigen Ausprägun- gen weiterhin wichtig für Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe. Wieder einmal hat es sich als gut und richtig erwiesen, dass der Beirat für Menschen mit Be- hinderungen frühzeitig und fortlaufend in neue Projekte einbezogen wird (zum Beispiel U- Bahn-Bau, Neubau KSC-Stadion, BYPAD-Verfahren). Deshalb ist es für den BMB ein großer Erfolg, dass mit Unterstützung der Gemeinderatsfraktionen der Verbleib der BMB-Vertreterin mit beratender Stimme im Planungsausschuss erreicht wurde. Die für unsere Arbeit notwen- dige Unterstützung in Politik und Verwaltung wurde insbesondere im Zusammenhang mit dem Neubau des Städtischen Klinikums sichtbar. Dieser Fall zeigt zugleich, dass es nach wie vor mangelhafte Baubestimmungen für die Umsetzung von Barrierefreiheit in Gebäuden gibt. Es ist sehr gut, dass wir trotz der Corona-Pandemie den Ausbau der Barrierefreiheit aktiv be- gleiten und somit die Rechte und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe bestärken konnten. Danksagung Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitautorinnen des Jahresberichtes: Andrea Bröker, Manu- ela Grimm, Dr. Ulrike Schneider und Dr. Elke Wagner. Sozial- und Jugendbehörde | 17 Tätigkeitsbericht der Kommunalen Behindertenbeauf- tragten Corona – das beherrschende Thema 2020 Für die meisten Menschen waren die wochenlangen Einschränkungen, die Reduzierung von sozialen Kontakten und die Beschränkungen eine große Herausforderung. Menschen mit Be- hinderungen konnte es dabei besonders schwer treffen. Informationen zu Corona anfänglich nur wenig barrierefrei Zu Beginn der Pandemie wurde immer wieder festgestellt, dass die Informationen, die auf un- terschiedlichen Portalen zur Verfügung gestellt wurden, nicht barrierefrei aufbereitet waren. Es fehlten Veröffentlichungen in Leichter Sprache und auch in Gebärdensprache. Mein Bemühen war, die vorhandenen Informationen zu sammeln und über mein Netzwerk weiter zu geben. Ausnahmen von der Maskenpflicht führten zu Diskriminierungen Die Ende April eingeführte Maskenpflicht und die formulierten Ausnahmen zogen das ge- samte Jahr über viele Beschwerden und grundsätzliche Diskussionen nach sich. Die Pflicht gilt nicht, wenn dies aus medizinischen oder sonstigen zwingenden Gründen unzu- mutbar ist oder wenn es behinderungsbedingt nicht möglich ist. Leider wurden immer wieder Vorfälle an mich herangetragen, in denen Menschen mit Behin- derungen, die berechtigterweise ohne Maske unterwegs waren, beschimpft oder der Ge- schäfte verwiesen werden. Sie mussten sich wegen der fehlenden Maske vor Personal, aber auch gegenüber Mitbürgerinnen und Mitbürgern rechtfertigen und wurden dabei in diskrimi- nierender Art und Weise vor anderen Kundinnen und Kunden bloßgestellt. Auch die Antidiskriminierungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe sah hier einen Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz. In einem gemeinsamen Brief an Unternehmen in Karlsruhe forderten wir Arbeitgeberinnen und -geber auf, geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung zu treffen und so für einen wertschätzenden und angemessenen Umgang den Menschen mit Behinderungen ge- genüber zu sorgen. Nahezu unmöglich war es, Einfluss auf das Verhalten der Bevölkerung gegenüber Mitmenschen ohne Maske zu nehmen. Immer wieder kam es hier zu unschönen Anfeindungen und Beleidi- gungen, trotz einem Nachweis über die Befreiung von der Maskenpflicht. Corona wirkt sich auch auf die alltägliche Arbeit aus Zu Beginn der Pandemie leerte sich mein schon im Februar prall gefüllter Kalender für das erste Halbjahr schlagartig. Die Zahl der Anfragen und Beratungen ging drastisch zurück, 18 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Projekte wurden auf Eis gelegt oder ganz abgesagt. Hatten doch viele im Frühjahr noch die Hoffnung auf einen absehbaren Wandel der Situation. Doch es zeichnete sich bald ab, dass alle lernen mussten, mit den Auswirkungen der Pande- mie umzugehen und es stellte sich schon bald eine gewisse Routine im Umgang mit den ver- ordneten Maßnahmen ein. In kurzer Zeit war ich für einen adäquaten Homeoffice Arbeitsplatz ausgestattet und es stellte sich heraus, dass die Lage meines Büros wenig Bedeutung für meine Arbeit hatte. Wenige Präsenztermine und die vermehrte Nutzung von Videokonferenzen mit verschiedenen Pro- grammen trugen dazu bei, meinen Arbeitsalltag wieder ein Stück weit zur Routine werden zu lassen. Ausbau Netzwerk und Kooperationen Vernetzung mit Beauftragten in der Stadt – Runder Tisch Vielfalt Anfang des Jahres fand ein erstes Treffen mit der Gleichstellungsbeauftragten, der Antidiskri- minierungsbeauftragten und der Integrationsbeauftragten statt. Ziel der Vernetzung ist es, gemeinsame Schnittstellen zu erarbeiten. Oft decken sich Zielgruppen und dann kann eine übergreifende Zusammenarbeit sinnvoll werden. Gemeinsame Aktivitäten und ein regelmäßiger Austausch sind weiterhin geplant. Gründung Landesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen Behindertenbeauftragten Am 30. Oktober wurde nach fast zweijähriger Vorbereitungszeit die Landesarbeitsgemein- schaft der Kommunalen Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg (LAG KBB) unter dem Dach des Städtetags Ba- den-Württemberg gegründet. Zweck der LAG ▪ (Erfahrungs-)Austausch und Schaffung eines Netzwerks auf Landesebene ▪ Fachliche Weiterentwicklung ▪ Ausbau der Kommunikation zwischen weiteren relevanten Akteuren: ▪ Landes-Behindertenbeauftragte ▪ Landes-Behindertenbeirat ▪ Kommunale Behindertenbeauftragte ▪ Zusammenarbeit mit dem Städte-, Landkreis- und Gemeindetag Inhalte und Themen der AG ▪ Veranstaltung von Tagungen, zum Beispiel halbjährige Landestreffen ▪ Profilbildung und Professionalisierung ▪ Vertretung der Interessen der KBB ▪ Möglichkeit der Bildung von Unterarbeitsgemeinschaften zur Bearbeitung relevanter Themen ▪ Administration der Internetplattform zum Informationsaustausch Sozial- und Jugendbehörde | 19 Austausch im Sprengel Nordbaden intensiviert In verschiedenen digitalen Treffen wurde Aktuelles aus den Stadt- und Landkreisen ausge- tauscht. Es wurde beispielsweise darüber diskutiert wie Corona-VO und Arbeitsschutz zusammen ge- hen oder wie die Unterstützung von jungen Menschen mit Behinderungen durch WfbMs (Werkstatt für behinderte Menschen) und Qualifizierungsträger aussehen kann. Weitere Themen waren die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung und natürlich die Arbeitsweise der neu gegründeten LAG der Kommunalen Behindertenbeauftragten. Austausch mit EUTB-Stellen (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) Gemeinsam mit dem Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen aus dem Landkreis wurde der Austausch mit den EUTB-Stellen in Karlsruhe fortgesetzt. Begleitung Prozess Straßenschilder für Sehbehinderte Für Menschen mit einer Sehbehinderung mit einem geringen Sehrest sind die konventionellen Straßennamenschilder in 2,5 Meter Höhe nicht lesbar. Die Gemeinderatsfraktion FW/FÜR beantragte Anfang des Jahres, dass in einem Testversuch rund um das Durlacher Tor ertastbare Straßenschilder – ähnlich wie in der Stadt Wedel − ein- geführt werden. Die Testphase soll ein Jahr dauern. Danach soll ausgewertet werden, wie die Schilder angenommen werden, um diese eventuell weiter im Stadtgebiet zu verbreiten. Eine Arbeitsgruppe aus Betroffenen, Tiefbauamt (TBA), KIT und Mobilitätstrainer befasst sich 2020 mit der Thematik. Es steht die Frage nach der Auffindbarkeit. Die Einbindung in ein Leitsystem ist nicht realis- tisch. Letztendlich muss man es einfach wissen, dass es diese Schilder gibt. Können mobile Anwendungen über das Smartphone eine Alternative sein? Der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer von Smartphones und den entsprechenden Apps wird in Zukunft zunehmen. Auch außerhalb von Corona werden die Tastschilder von einigen Betroffenen zudem als sehr unhygienisch wahrgenommen und das Material im Winter als zu kalt empfunden. Das TBA kann sich vorstellen, dass Straßennamen an signalisierten Kreuzungen über LOC-ID (auf Bluetooth basierende Verkehrstechnik) angesagt werden. Bisher kann zum Beispiel beim Annähern an einen Ampelmast automatisch das akustische Auffindesignal angefordert wer- den. Mit Sprache ist das System bisher allerdings noch nicht im Einsatz. Das TBA ist bereit, sich dazu mit den Fachleuten zusammen zu setzen und ein Pilotprojekt zu entwickeln. Ein Teil der Befragten – insbesondere Vertretungen aus den Nutzergruppen – wünscht sich dennoch einen Test. Da dies am Durlacher Tor eher unrealistisch ist, wäre denkbar, an ande- rer Stelle eine Möglichkeit für einen Test zu schaffen. 20 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Barrierefrei bauen Einige Anfragen gab es 2020 zum Thema barrierefreies Bauen. Gleich zwei Konzepte zur Barrierefreiheit wurden mir zu großen Bauvorhaben in Karlsruhe vorgestellt. ▪ Neubau des Badischen Staatstheaters Karlsruhe ▪ Neubau und Umstrukturierung Staatliche Kunsthalle Karlsruhe In beiden Fällen wurde in Gesprächen mit verschiedenen Akteuren (Bauplanung, Bauträger, Vertretung der Nutzergruppen) die Gegebenheiten und Planungen zur barrierefreien Gestal- tung vorgestellt und besprochen. Problematische Punkte wurden erörtert und mögliche Lö- sungsvorschläge erarbeitet. Ich kann feststellen, dass bei den Bauvorhaben, auch aufgrund der strengeren Vorschriften in der Landesbauordnung, Barrierefreiheit ein zentraler Punkt bei den Planungen der Gebäude darstellt und von allen Verantwortlichen sehr ernst genommen wird. Neben den großen Bauvorhaben kommen auch Planungs-/Architektenbüros für private Pro- jekte im Stadtgebiet Karlsruhe auf mich zu, um Fragen zur Gestaltung der Barrierefreiheit zu klären. Hier geht es weniger um die Frage nach Vorgaben oder gesetzlichen Regelungen, als um die Frage nach Lösungsmöglichkeiten, wenn die DIN nicht vollständig eingehalten werden kann oder nach Möglichkeiten, der Zugänglichkeit über das notwendige Maß hinaus zu ver- bessern. Bauen und Wohnen bleibt auch 2020 ein großes Thema. Der Mangel an barrierefreiem Wohn- raum ist nach wie vor klar erkennbar. Immer wieder erhalte ich Anfragen von Betroffenen, die kurzfristig eine barrierefreie Wohnung suchen. Ich kann leider nicht mehr tun, als die Personen an die kommunalen oder die privaten Wohnungsbaugesellschaften zu verweisen. Kinder mit Diabetes verlieren ihren Kita-Platz Auf Einladung des Diabetes–Teams fand im Oktober ein Termin in der Kinderklinik statt. Es kommt immer wieder vor, dass Kinder, die während ihrer Kita-Zeit an Diabetes erkranken, ihren Platz in der Kita verlieren. Der Platz wird nicht direkt vom Träger gekündigt. Man setzt die Eltern vielmehr massiv unter Druck, so dass diese von ihrer Seite aus kündigen. Die Kinder- tageseinrichtungen fordern für die Diabetes Kinder Begleitungen, da sie sich selbst nicht in der Lage sehen, mit den Bedürfnissen der Kinder entsprechend umzugehen. Allerdings dauert die Genehmigung der Begleitung, die in der Regel über Pflegedienste er- folgt, viel zu lange. Das führt dazu, dass Eltern ihre Kinder zu Hause betreuen müssen. Eine Konsequenz kann dabei sein, dass die Eltern ihrer beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen können und somit ihre Einkünfte verlieren. Diese Umstände erhöhen den ohnehin großen Druck auf die betroffenen Familien, die mit dem Umgang und der Akzeptanz der Krankheit ihrer Kinder einhergehen. Da die Kinderklinik Karlsruhe einen großen Einzugsbereich über die Stadtgrenzen hinaus hat, stellt sich das Problem auch auf Landkreis- und Landesebene. Der Anteil der an Diabetes er- krankten jüngeren Kinder steigt. Sozial- und Jugendbehörde | 21 Schulungsangebote für Personal in Kita‘s und Grundschulen sind wichtig und müssen ausge- baut und gegenfinanziert werden. Das Diabetes-Team führt immer wieder Schulungen durch, die allerdings nicht gegenfinanziert sind. Erste Idee: Runder Tisch Diabetes mit den am Prozess beteiligten Akteuren wie die Vertretung des Diabetes-Teams der Kinderklink Karlsruhe, Kostenträger (Krankenkassen und Eingliede- rungshilfe), Eltern betroffener Kinder, Kita-Träger, Beratungsstellen (EUTB). Erste Schritte sollen im Jahr 2021 folgen. Beratung von Einzelpersonen Auch weiterhin kommen Personen auf mich zu, die in persönlichen Angelegenheiten um Hilfe und Unterstützung bitten. Nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie die Anfragen zurück gingen ist die Zahl der Kontakte schnell wieder gestiegen. Die Inhalte bewegen sich wie im- mer quer durch alle Lebensbereiche. Die Zahl der persönlichen Beratungen liegt bei rund 350 für das Jahr 2020. Unterstützung von Dienststellen Vielfältig sind die Themen, die Dienststellen an mich herantragen und um Informationen oder Stellungnahmen bitten. So stehe ich zum Beispiel mit dem Tiefbauamt, dem Ordnungsamt, den Bäderbetrieben, dem Schul- und Sportamt, der HGW, dem Stadtplanungsamt, dem Friedhofs- und Bestattungsamt in Kontakt. Besonders freue ich mich darüber, dass ich innerhalb der Sozial- und Jugendbehörde in mehrere Prozesse eingebunden wurde (Umsetzung BTHG, Umzug in die Ernst-Frey-Straße, Strategiekonzept, Web-Auftritt). Bei Bedarf kann ich Themen und Fragen direkt in einem Jour fix bei der Direktion der SJB einbringen. Viele Kontakte resultieren zum Teil aus Anfragen oder Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern oder aus eigener Initiative der Dienststellen mit Fragestellungen oder Informati- onsbedarf. Ein wichtiger Partner über das gesamte Jahr ist der KVV. Zentrales Thema ist der barrierefreie Ausbau des Liniennetzes (Bus und Bahn) Feste Ansprechpartner gewährleisten einen zuverläs- sigen Informationsaustausch. Auch mit den Dezernaten trete ich immer wieder in Kontakt, wenn es um die Klärung von Be- schwerden oder Anfragen geht. Besonders relevante Themen nehme ich weiterhin mit in Rücksprachen mit dem Dezernat 3 oder in den Jour fix mit dem Herrn Oberbürgermeister. Einbindung in Stadtentwicklungsprozesse Um die Belange von Menschen mit Behinderungen in der Stadtentwicklung sicher zu stellen, laden mich die Verantwortlichen – oft gemeinsam mit dem Beirat für Menschen mit Behinde- rungen – zu Treffen ein: ▪ Öffentlicher Raum u. Mobilität Innenstadt (ÖRMI) ▪ Jour fix Neugestaltung Kaiserstraße ▪ BYPAD Verfahren (Fuß- und Radwegekonzept) 22 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen Viele Themen haben wir 2020 gemeinsam bearbeitet und Termine wahrgenommen. In einem engen Informationsaustausch und gemeinsamen Überlegungen zu strategischem Vorgehen konnten wir inklusive Entwicklungen weiter vorantreiben. Hier ging es beispielsweise um den Neubau im Städtischen Klinikum (Gestaltung von barriere- freien Patientenzimmern) oder um die Einfahrtsberechtigung von Fahrdiensten in die Kaiser- straße. In Gesprächen mit Fraktionen hatten wir die Gelegenheit, aktuelle Probleme anzuspre- chen und die Suche nach Lösungen anzustoßen. Inhaltliche Informationen über die Zusam- menarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen sind in dessen Bericht ausführlich beschrieben. Die Arbeit mit dem aktiven und engagierten Vorstand des Beirats für Menschen mit Behinde- rungen ist sehr vertrauensvoll und konstruktiv. Leichte Sprache in der Stadtverwaltung Seit langer Zeit setze ich mich intensiv für die Verbreitung von Leichter Sprache in der Stadt- verwaltung ein. Das Netzwerk Leichte Sprache ist dabei ein kompetentes Gremium mit vielen Ansprechpartnerinnen und -partnern aus verschiedenen Organisationen und Einrichtungen. Mein Vorschlag, für Veröffentlichungen in Leichter Sprache einheitliche textergänzende Bilder zu nutzen wurde aufgegriffen. Die Stadt Karlsruhe und der Landkreis Karlsruhe haben einen Lizenzvertrag zur Nutzung von textergänzenden Bildern abgeschlossen. Die Vorteile sind da- bei ein einheitlicher guter Qualitätsstandard und ein hoher Wiedererkennungswert für die Nutzerinnen und Nutzer über die Stadtgrenzen hinaus. Sozial- und Jugendbehörde | 23 24 | Jahresbericht 2020 − Behindertenbeirat/Kommunale Behindertenbeauftragte
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/0568 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Jahresbericht 2020 des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 17.06.2021 6 x Gemeinderat 22.06.2021 12 x Beschluss: Der Gemeinderat nimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss den vorgelegten Bericht des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragen für das Jahr 2020 zur Kenntnis und dankt den Mitgliedern des Beirates und der Behindertenbeauftragten für ihre engagierte Arbeit. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit
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Niederschrift 26. Plenarsitzung des Gemeinderates 22. Juni 2021, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 14. Punkt 12 der Tagesordnung: Jahresbericht 2020 des Beirates für Menschen mit Behinderun- gen und der Kommunalen Behindertenbeauftragten Vorlage: 2021/0568 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss den vorgelegten Bericht des Beirates für Menschen mit Behinderungen und der Kommunalen Behindertenbeauftragen für das Jahr 2020 zur Kenntnis und dankt den Mitgliedern des Beirates und der Behindertenbeauf- tragten für ihre engagierte Arbeit. Abstimmungsergebnis: Bei 48 Ja-Stimmen einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 12 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Sozialausschuss. Stadtrat Riebel (GRÜNE): Zuerst möchte ich dem Beirat für Menschen mit Behinderung für sei- ne wichtige Arbeit danken. Gerade das Beispiel des städtischen Klinikums zeigt, wie bedeutend deren Arbeit ist. Dank dem wachen Auge und der Aktivität des Beirates ist es gelungen, wenigs- tens einige Zimmer rollstuhlgerecht zu gestalten. Auch der Bürgermeisterin für Gesundheit, Bettina Lisbach, sei hier für ihr besonderes Engagement gedankt. Der Beirat war, wie man im Bericht erkennen kann, nicht nur trotz Corona, sondern gerade auch in Bezug auf Corona, aktiv. Gerade das Thema der barrierefreien Digitalisierung spielt hier eine wichtige Rolle. Auch teile ich die von Kollegin Karin Wiedemann im Sozialausschuss bereits erwähnte Sorge über die im Bericht beschriebene Problematik, für Kinder mit Diabetes einen Kindertagesstättenplatz zu erhalten bzw. zu behalten. So sollten wir hier auch gemeinsam aktiv werden und unterstützen die Idee eines Runden Tisches ausdrücklich. Auch der Beauftragten für Menschen mit Behinde- rung, Frau Wernert, möchte ich hiermit sehr danken. In ihrem Bericht erwähnte sie den Runden – 2 – Tisch Vielfalt in der Stadtverwaltung. Dieser wurde vom Büro für Gleichstellung auf unseren GRÜNEN-Antrag Vielfalt@KA initiiert. Unsere vergangenen Anträge, Vielfalt@KA sowie Antirassismus voranbringen, wollen auch die Mehrfachdiskriminierung und die verschiedenen Formen von Diskriminierung in den Fokus nehmen. Hier wollen wir weiter aktiv bleiben. Auch Menschen mit Behinderung gehören für uns in eine vielfältige Stadt und unterliegen leider noch immer Diskriminierung. Es ist diskrimi- nierend, Menschen einfach den Zugang und die Unterstützung abzusprechen, weil sie nicht so viele sind. Barrierefreiheit ist keine Frage der Masse, sondern eine Frage der Teilhabe eines jeden einzelnen Menschen und somit auch der Menschenwürde. Das möchte ich hier noch einmal klarstellen. Und auch der pure Egoismus bringt uns nicht weiter. Es mag zwar für die einzelnen Personen bequem sein, einfach den E-Roller an Ort und Stelle fallen zu lassen, aber das sind unüberwindbare Hindernisse für Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl und extrem gefährliche Stolperfallen für Menschen mit Seheinschränkung. Daher rufe ich uns alle hier in Karlsruhe als Stadtgesellschaft dazu auf, verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll zu handeln. Stadträtin Wiedemann (CDU): Auch von uns, von der CDU-Fraktion, ein herzliches Dankeschön an den Beirat für Menschen mit Behinderungen. Erfreulich ist, dass meine Anregung, die Sit- zung des Beirats im Bürgersaal des Rathauses abzuhalten, problemlos umgesetzt werden konn- te, und ebenso ist es positiv zu bemerken, dass der Beirat sich auch in der präsenzlosen Zeit nicht davon abhalten ließ, per Alfaview Sitzungen abzuhalten. Der neue Vorstand und die Mit- glieder des Beirates brachten und bringen sich engagiert, kritisch, motiviert in allen Bereichen und Ausschüssen ein. Erfreulich ist ebenfalls, dass vieles umgesetzt werden konnte, was die Jahre zuvor nicht immer in den Berichten zu berichten war, so zum Beispiel die Handlaufbe- schriftung der Treppen am Hauptbahnhof, die sogar schon abgeschlossen ist - das ist ein großes Wunder -, Einfahrt in die Kaiserstraße für mobilitätseingeschränkte Menschen. Wie wichtig es ist, dass der Beirat sich in Verfahren und Projekte miteinbringt, zeigt auch der Erfolg beim Neu- bau des städtischen Klinikums im Bezug zur Barrierefreiheit. Bürgerbüro Kaiserallee 8, barriere- freie Gestaltung des Hauptfriedhofs, Stadionneubau im Wildpark und positive Zusammenarbeit mit der KASIG sei nur hier am Rande erwähnt. Die Problematik der im öffentlichen Raum abge- stellten E-Roller ist allen Fraktionen bekannt. Der Städtetag hat sich dieses Themas auch ange- nommen. Auch die CDU-Fraktion und die anderen Fraktionen hier im Haus werden sich dieses Themas annehmen und weiterverfolgen. Es stimmt mich aber traurig, dass bei den Mitgliedern die Befürchtung festzustellen ist, dass am Ende der Pandemie Menschen mit Behinderungen noch weniger Rechte haben werden, als vor der Pandemie. Die gemeinderätlichen Mitglieder im Beirat setzen sich alle, egal welche Frakti- on, für ihre Rechte, die auch unsere Rechte sind, ein. Anmerkung zum Bericht der kommunalen Behindertenbeauftragten Ulrike Wernert, der wir einen erholsamen Urlaub wünschen: Wir müssen uns ganz dringend mit der Situation der Kinder mit Diabetes in Kitas auseinandersetzen und eine schnelle Lösung finden. Stadträtin Moser (SPD): Für die SPD-Fraktion möchte ich mich gleich zu Beginn für das überaus große ehrenamtliche Engagement des Beirats für Menschen mit Behinderungen bedanken, denn dies ist keine Selbstverständlichkeit. Wie wir bereits im Sozialausschuss vernommen ha- ben, war das Jahr 2020 für den Beirat ein Jahr voller Herausforderungen, wie für uns alle auch. Auch die Sitzungen des Beirats fanden in Online-Meetings statt, nachdem zu Beginn der Pan- demie im Bürgersaal getagt wurde und die letzte Sitzung auch im Bürgersaal stattgefunden hat. – 3 – Das sollten wir unbedingt beibehalten. Die SPD-Fraktion bedankt sich bei allen Engagierten und bei der kommunalen Behindertenbeauftragten, Frau Wernert, für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Barrierefreiheit im Neubau des Hauses M am Städtischen Klinikum wurde in vielen Sitzun- gen thematisiert, Gespräche mit den Verantwortlichen geführt und letztendlich ein Kompro- miss gefunden. Das freut mich sehr, denn bei einem Vororttermin, an dem Sie auch teilge- nommen haben, Herr Oberbürgermeister, hat sich die SPD-Fraktion 2020 ein Bild machen kön- nen. Einen großen Schritt weitergekommen sind wir gemeinsam auch in Sachen Einfahrt in die Kaiserstraße nach 11:00 Uhr. Die E-Scooter machen uns allerdings weiterhin Kopfschmerzen. Wir hoffen sehr, dass es bald für alle Beteiligten, auch für die E-Scooter-Fahrer, eine verträgli- che Lösung gibt. Wir warten noch, ich glaube, ich habe zu diesem Punkt schon vor zwei Mona- ten gesprochen, auf eine Entscheidung bzw. Lösung. Dies sind nur einige Beispiele der Aktivitäten des Beirats für Menschen mit Behinderungen. Die Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit, nicht Aufgeben und immer wieder Gespräche suchen, führen dann doch oft zu einer guten und akzeptablen Lösung. Als ich den Bericht gelesen habe, habe ich mich sehr gefreut, dass sehr viele positive Rückmeldungen gekommen sind. Bei den meisten Themen war die kommunale Behindertenbeauftragte, Frau Wernert, miteingebunden. Daran sieht man die vertrauensvolle und konstruktive, gemeinsame Arbeit. Der SPD-Fraktion ist sehr daran gelegen, dass die leichte Sprache in der Stadtverwaltung umgesetzt wird. Wir möchten Frau Wernert darin unterstützen, weiter daran zu arbeiten. Kinder, die aufgrund einer Erkrankung ihren Kita-Platz verlieren, das muss in einem Runden Tisch, wie es in der Vorlage schon erwähnt wird, zu einer verträglichen und guten Lösung für alle Beteiligten, auch für die Kita, kommen. Denn Inklusion bedeutet auch, kranke Menschen, in diesem Fall Kinder, einzugliedern. Vielen Dank nochmals stellvertretend an Arthur Rudnick für den Beirat für Menschen mit Behinderungen und Frau Wernert, die kommunale Behinderten- beauftragte Stadträtin Böringer (FDP): Ich darf auch in diesem Jahr wieder mit einem Dank beginnen. Die Arbeit des Beirats und der Beauftragten verdeutlicht, wie wichtig Teilhabe ist, also teilnehmen zu können am Alltag. Alle, für die das problemlos möglich ist, haben oft die Probleme anderer nicht im Blick. Aber Sie legen stets ein Augenmerk auf die Probleme der Behinderten und dafür sind wir Ihnen, dem Beirat und auch der Beauftragten, Frau Wernert, dankbar. Die Corona-Pandemie hat leider eine ganz schwierige Situation zutage gebracht. Karin Wiede- mann hat es schon erwähnt, denn bedauerlicherweise sind die Rechte der Schwächeren in un- serer Gesellschaft besonders eingeschränkt und auch zum Teil noch gar nicht zurückgegeben. Das macht der Bericht an vielen Stellen ganz deutlich. Es betrifft Eltern von behinderten Kin- dern und Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen. Der Schutz dieser vulnerablen Grup- pen, wie es immer so heißt, darf nicht als Vorwand für die Einschränkungen der Freiheitsrechte herhalten. Die müssen jetzt in vollem Umfang auch für diese Gruppe, so nenne ich es mal, zu- rückgegeben werden. Denn die gleichberechtigte Teilhabe muss uneingeschränkt in unserer Gesellschaft ihren Platz finden. Hierfür stehen die Liberalen an der Seite des Beirats und auch der Beauftragten. – 4 – Stadträtin Ansin (KAL/Die PARTEI): Ein dünnes Blättchen ist der Jahresbericht in diesem Jahr, wohl Corona-bedingt und trotzdem offenbart er, dass Menschen mit Behinderung immer noch nicht in unsere Stadtgesellschaft ganz selbstverständlich eingebunden sind. Die Ausnahmesitua- tion Pandemie hat deutlich offenbart, dass Inklusion nicht selbstverständlich ist. So muss erst darauf hingewiesen werden, dass wichtige Informationen zur Corona-Lage und zu Regeln und Empfehlungen auch barrierefrei zugänglich sein müssen. Deutlich offenbart sich, dass Familien mit behinderten Kindern in einer für Familien sowieso belasteten Zeit noch mehr Einschränkun- gen erfahren, dass ihre Bedürfnisse, ihre Kinder nicht mitgedacht werden. Es zeigt sich, dass die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung auch im öffentlichen Leben und sogar im Ein- zelhandel traurige Wahrheit und Wirklichkeit ist. Umso erschreckender ist es, dass selbst bei großen öffentlichen Bauvorhaben, wie dem Bettenhaus des Klinikums, Inklusion eingefordert werden muss, dass gerade ein Klinikum nicht durchgehend barrierefrei plant und die Vielfalt zukünftiger Patientinnen einplant, lässt uns ratlos zurück. Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. Vielen herzlichen Dank an die Mitglieder des Beirats und an die Behindertenbeauftragte, dass sie bereit sind, uns immer wieder selbstverständliche Notwendigkeiten vor Augen zu führen. Stadträtin Fenrich (AfD): Der vorliegende Jahresbericht 2020 ist auch für uns Stadträte eine wichtige Infoquelle für Dinge, die bereits gut laufen und Dinge, die angegangen werden muss- ten. An dieser Stelle dankt die AfD-Gemeinderatsfraktion ganz herzlich dem Beirat für Men- schen mit Behinderung und der kommunalen Behindertenbeauftragte für ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit, Probleme behinderter Menschen aufzuzeigen. Lassen Sie mich auf wenige Punkte aus dem Bericht eingehen. Der Behindertenbeirat befürch- tet, dass am Ende der Pandemie behinderte Menschen noch weniger Rechte haben als vor Be- ginn der Pandemie, Seite 4 des Berichtes. Diese Aussage muss uns alle sehr betroffen machen, will doch gerade die Stadtverwaltung, und dazu gehört auch der Gemeinderat, jegliche Diskri- minierung entgegenwirken. Ich hoffe daher sehr, dass sich diese Aussage des Behindertenbei- rats nicht bewahrheiten wird. Angesprochen werden vom Behindertenbeirat auch Wünsche der Behinderten nach einer Verbesserung bezüglich der Mobilität und Aufenthaltsqualität in der Stadt. Kinder, Senioren und behinderte Menschen haben einen besonderen Sicherheitsbedarf in allen Verkehrsbereichen. Das unterschreiben wir uneingeschränkt. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die Anfragen und Anträge unserer Fraktion, zum Beispiel zum oft ungezügel- ten und unkontrollierten Rad- und E-Scooter-Verkehr. Karlsruhe hat ihr Ziel, Fahrradhauptstadt zu werden, erreicht, aber zu welchem Preis? Da ist verwaltungsseitig einiges geradezurücken. Sonntagsreden und Appelle helfen nicht. Zum Parken von E-Scootern hoffen wir auf einen Fin- gerzeig des Verwaltungsgerichts Münster. Vielleicht ist es der Stadt dann möglich, hier regelnd einzugreifen. Aus dem Bericht der kommunalen Behindertenbeauftragten, Frau Wernert, geht hervor, dass an Diabetes erkrankte Kinder ihren Kita-Platz verlieren. Auch diese erkrankten Kinder haben aber einen Anspruch auf einen Kita-Platz. So hören wir dankbar von der Idee von Frau Wernert, einen Runden Tisch einzurichten. Da hier ein Zusammenwirken mehrerer Akteure, nämlich Stadt, Klinik, Krankenkasse, vermutlich auch das Land, vielleicht der Bund, je nachdem, erfor- derlich ist, sind wir auf das Prozedere und das Ergebnis sehr gespannt. – 5 – Jetzt ein Letztes, leichte Sprache in der Stadtverwaltung. Meine Frage an Sie alle hier im Ge- meinderat, haben wir es hier nicht übertrieben mit der Einführung einer Sprache nach Gusto, ohne dass wir überhaupt hierzu eine Regelungsbefugnis gehabt hätten? Eine Sprache nach Gus- to, das bedeutet, jede Gemeinde, jede Verwaltung, Stadt, Land, Bund, schreibt, wie es möchte. Auch hier sind die Schwächsten der Gesellschaft betroffen, Kinder, Senioren und Behinderte. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich kann mich den Dankesworten all meiner Vorrednerinnen und Vorredner anschließen. Ich möchte vielleicht auf zwei, drei Dinge noch eingehen. Der Be- richt zeigt sehr eindrücklich, wie vielfältig die Einschränkungen und die Behinderungen von Menschen mit Handicaps sind. Sie werden behindert von einer Gesellschaft, die schlichtweg keinen Blick und kein Empfinden dafür hat, wie schwierig es Menschen haben können, die eben nicht, wie sagt man, ihre komplette Bewegungsfähigkeit haben oder vielleicht auch Sprachprob- leme oder Ähnliches. Ich denke, die Kreativität, die notwendig ist für diese Menschen, für diese Gruppen in unserer Gesellschaft, um ihren Alltag zu meistern, um einen Verkehr zu überstehen, so, wie wir es jetzt heute schon gehört haben, ist enorm. Ich habe großen Respekt davor. Ich glaube, das, was diese Menschen zum Teil leisten müssen, geht weit über das hinaus, was jeder von uns in seinem normalen Alltag absolviert und deshalb großen Respekt. Ich finde wirklich, man muss tatsächlich noch mehr Kreativität entwickeln von unserer Seite. Das Beispiel Klinikum ist angesprochen worden. Ich denke, wir haben noch mehr Bauvorhaben vor uns, wo wir wirklich von vornerein mit daran denken müssen, dass es Menschen gibt, die nicht eine normale Treppenstufe überwinden können. Allein solche Dinge sind wichtig. Aber da muss man immer wieder darauf aufmerksam machen und bei denen darauf hinweisen, die an- sonsten solche Probleme nicht zu bewältigen haben. Deshalb vielen, vielen Dank an alle dieje- nigen, die sich hier aktiv betätigen und sich einbringen. Stadträtin Lorenz (FW|FÜR): Ich muss ganz ehrlich sagen, ohne dass ich jemandem zu nahetre- ten möchte, die Stunden im Behindertenbeirat sind eigentlich für mich mit die schönsten in meiner Arbeit als Stadträtin. Der Behindertenbeirat macht seine Arbeit mit so viel Enthusiasmus und Herzblut. Ich bewundere oft die Menschen, die da drin sind, die unterschiedliche Behinde- rungen haben und die trotz ihrem Schicksal bereit sind, sich für ihre Stadt einzusetzen, natürlich auch für ihre Belange zu kämpfen. Es ist wichtig. Oftmals denke ich selbst, das Problem ist, dass Menschen mit Behinderung eine zu schwache Lobby haben. Wenn man bedenkt, dass im Prin- zip nur, in Anführungsstrichen, 1,2 Millionen Menschen in Deutschland im Rollstuhl sitzen und wenn ich mit meiner Cousine, die durch einen Schicksalsschlag im Rollstuhl sitzt, unterwegs bin, dann frage ich mich oft, warum hat man noch nicht die Regenschirmfunktion für den Rollstuhl erfunden oder andere praktische Dinge, die im täglichen Leben eigentlich notwendig werden. Aber wahrscheinlich ist der Markt zu klein. Das ist die Problematik. Ich möchte mich für unsere Fraktion auch bedanken bei dieser wertvollen Arbeit, die dort im Beirat geleistet wird. Ganz besonders ist mir in diesem Jahr im Gedächtnis geblieben, dass wir im Gemeinderat einstimmig oder fast einstimmig den Konsens gefunden haben, dass die Mobi- litätseingeschränkten und Behinderten in der Kaiserstraße vor die Arztpraxis oder vor den Phy- siotherapeut fahren dürfen mit ihrem Taxi. Ganz besonders möchte ich mich bei den Akteuren im Vorstand und bei der Frau Wernert bedanken. Ich mache diese Arbeit im Behindertenbeirat auch im kommenden Jahr mit Herzblut weiter. – 6 – Der Vorsitzende: Jetzt steht zwar Informationsvorlage darüber, es gibt aber einen Be- schlusstext. Deswegen stimmen wir jetzt ab. Dann machen wir eine kleine Pause. – Das ist ein- stimmig. Wir haben gesagt, wir machen so alle anderthalb, zwei Stunden wieder eine Pause. Ich würde vorschlagen, dass wir die jetzt verkürzen auf eine Viertelstunde. Dann können Sie sich kurz be- dienen, und dann machen wir weiter. (Unterbrechung der Sitzung von 19:20 bis 19:35 Uhr) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 15. Juli 2021