Qualitative Umfrage alleinerziehender Familien, die ALG II beziehen

Vorlage: 2021/0512
Art: Antrag
Datum: 20.04.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 18.05.2021

    TOP: 26

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Beratung im Fachgremium/Arbeitskreis

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 06.10.2021

    TOP: 5

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Antrag
    Extrahierter Text

    Interfraktioneller Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion SPD-Gemeinderatsfraktion Eingang: 20.04.2021 Vorlage Nr.: 2021/0512 Qualitative Umfrage alleinerziehender Familien, die ALG II beziehen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.05.2021 26 X Ausschuss 06.10.2021 x Die Verwaltung erstellt ein Konzept für eine qualitative Befragung (Direktinterviews) von alleinerziehenden Familien, die in prekären Verhältnissen leben a. über ihre Situation und die Möglichkeiten ihrer Teilhabe b. über Ideen zur Verbesserung ihrer Situation. Die Stadtverwaltung legt dem Sozialausschuss das Konzept zur Beratung vor und informiert über die damit verbundenen Kosten Begründung/Sachverhalt: Kinder von Alleinerziehenden sind am häufigsten von Kinderarmut betroffen. Der derzeitige Kenntnisstand über die Situation dieser Familien ist unzureichend. Rein quantitative Befragungsmethoden reichen nicht aus, um dicht genug an die Problemlage heranzukommen. Deshalb sind begleitend qualitative Befragungen notwendig, in denen auch individuelle Befindlichkeiten und Bedürfnisse angesprochen werden. In der „Familienumfrage 2017“ der Verwaltung heißt es unter „Fazit“: „Die variierenden Rückläufe dieser Befragung machen deutlich, dass flankierende Befragungsmethoden für bestimmte Zielgruppen sinnvoll sind, um gerade bei alleinerziehenden ............Familien noch tiefer und qualitativ in die Problemlagenanalyse zu gehen.“ In Tübingen beispielsweise waren Direktinterviews von Alleinerziehenden das Instrument, um besser verstehen zu können, was die alleinerziehenden Elternteile und ihre Kinder benötigen, und entsprechende kommunale Maßnahmen einrichten zu können. Unterzeichnet von: Verena Anlauf Niko Riebel Aljoscha Löffler Zoe Mayer Yvette Melchien Irene Moser

  • Protokoll GR 18.05.21 TOP 26
    Extrahierter Text

    Niederschrift 25. Plenarsitzung des Gemeinderates 18. Mai 2021, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 24. Punkt 26 der Tagesordnung: Qualitative Umfrage alleinerziehender Familien, die ALG II bezie- hen Interfraktioneller Antrag: GRÜNE, SPD Vorlage: 2021/0512 Beschluss: Behandlung im Sozialausschuss am 6. Oktober 2021 Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 26 auf und teilt mit, der Antrag werde ohne Ausspra- che in den Sozialausschuss verwiesen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 21. Mai 2021

  • StN TOP 5 Qualitative Umfrage alleinerziehender Familien, die ALG II beziehen
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zum Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion SPD-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Qualitative Umfrage alleinerziehender Familien, die ALG II beziehen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.05.2021 26 x Sozialausschuss 06.10.2021 5 x Kurzfassung Die Verwaltung befürwortet eine qualitative Befragung unter Alleinerziehenden in belasteten Lebens- situationen zur Weiterentwicklung der Angebotslandschaft für Familien in Belastungssituationen. Finanzielle Auswir- kungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnli- ches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzü- glich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ Ca. 10.000 € Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☒ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Ergänzende Erläuterungen Der interfraktionelle Antrag der GRÜNEN- und SPD-Gemeinderatsfraktion greift eine Anregung aus dem Fazit der Familienumfrage von 2017 auf. Aufgrund variierenden Rücklaufs bei spezifischen Ziel- gruppen wurde es als sinnvoll angesehen, alleinerziehende Familien, Familien mit Migrationshinter- grund und Familien in Armutslagen durch eine qualitative Analyse noch stärker in den Blick zu neh- men. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist eine qualitative Analyse der Situation von Alleinerziehenden geeignet, um diesem Erkenntnisinteresse gerecht zu werden. Die Erkenntnisse können dann in die all- gemeine Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur einfließen. Gleichzeitig liegen bereits diverse Erkenntnisse über die Situation von Alleinerziehenden in Karlsruhe vor. In Abwägung des möglichen Erkenntnispotentials einer qualitativen Analyse und den bereits vor- liegenden Daten wird die Durchführung einer zusätzlichen qualitativen Analyse als hilfreich angese- hen. In diese Abwägung ist auch der zeitliche Abstand zur Familienumfrage von 2017 eingeflossen. Datenanalyse auf Basis der Karlsruher Bürgerumfragen seit 2017 mit Fokus auf Alleinerzie- hende Derzeit sind im Karlsruher Stadtgebiet von den rund 26.500 Familienhaushalten mit Kindern unter 18 Jahren etwa ein Viertel alleinerziehend (rund 6.200). Im Zuge der Familienumfrage 2017 1 , die als Vollerhebung unter allen Familienhaushalten in Karlsruhe durchgeführt wurde, konnten die Fragebögen von 615 Alleinerziehenden ausgewertet werden. In den Bürgerumfragen, die seither durchgeführt wurden, ist die ungewichtete Anzahl Alleinerziehender deutlich geringer (Sicherheitsumfrage 2018 2 : 98, Umfrage zur Lebenszufriedenheit bzw. Urban Audit 2018 3 : 43, Kulturumfrage 2019 4 : 94, Umfrage zu Wohnen und Bauen 2020 5 : 147). Insgesamt zeich- nen sich die Alleinerziehenden in Karlsruhe in den (Bürger-)Umfragen als Befragtengruppe mit zahlrei- chen Unterstützungsbedarfen und im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung häufig geringeren Zufrie- denheitswerten aus. Sie zählen zu den Haushaltsgruppen mit den niedrigsten Rücklaufquoten. Aus der Familienumfrage lassen sich für Alleinerziehende eine verhältnismäßig hohe Nachfrage nach Ganztagsgrundschulen sowie ein relativ hoher Betreuungsbedarf bei weiterführenden Schulen ablei- ten. Überdurchschnittlich häufig wahrgenommene Betreuungsarten von Alleinerziehenden sind Mit- tagessen in der Schule (39,0 %, Paar-Familien: 24,3 %), Ganztagsschulen (34,3 %, Paar-Familien: 18,4 %), Verwandte/Freunde/Familien (33,8 %, Paar-Familien: 21,7 %) sowie Freizeitangebote in der Schule (26,2 %, Paar-Familien: 19,2 %). Der Anteil an Transferleistungsempfangenden ist mit 39,7 % unter Alleinerziehenden deutlich höher, als unter Paar-Familien (22,1 %). Wohngeld wird von 19,8 % der Alleinerziehenden bezogen (Paar-Familien: 7,3 %), Unterhaltsvorschuss von 28,5 % (Paar-Familien: 1,3 %) und ALG II von 46,5 % (Paar-Familien: 8,4 %). Folgerichtig und erfreulich ist die hohe Be- kanntheit und häufige Inanspruchnahme des Karlsruher Passes (23,9 %, Paar-Familien: 3,4 %) und des Kinderpasses (21,7 %, Paar-Familien: 3,5 %). Ein relativ geringes gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen der Alleinerziehenden geht mit, jüngst im Rah- men der Bürgerumfrage 2020 festgestellten, hohen Wohnkostenbelastungsquoten und 1 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2017): Familienumfrage 2017 – Lebenssituation, Einschätzungen und Kinderbetreuungsbedarf. 2 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2018): Sicherheitsempfinden der Bevölkerung – 4. Sachstandsbe- richt zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung 2018. 3 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2019): Stadtentwicklung aktuell – Lebensqualität in Karlsruhe im Stadtvergleich 2019. 4 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2020): Nutzung kultureller Einrichtungen und Angebote in Karls- ruhe 2019 – Ergebnisse der Bürgerumfrage und Regionsumfrage 2019. 5 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung (2021): Stadtentwicklungsstrategie 2035 – Wohnen und Bauen – 9. Sachstandsbericht an den Gemeinderat. – 3 – Versorgungschwierigkeiten am Karlsruher Wohnungsmarkt einher. Mit einem gewichteten Pro-Kopf- Einkommen von circa 1.400 Euro pro Monat liegen die Alleinerziehenden deutlich unter dem gesamt- städtischen Durchschnitt von 2.580 Euro. Dies deckt sich mit den Ergebnissen des Urban Audit 2018: Dort äußern sich knapp 70 Prozent der Alleinerziehenden unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation, und etwa ein Viertel berichtet von Schwierigkeiten beim Bezahlen von Rechnungen am Ende des Mo- nats (Karlsruhe: 10,7 %). Berechnungen im Rahmen der Bürgerumfrage 2020 zeigen, dass alleinerzie- hende Mieterhaushalte zu überdurchschnittlichen Anteilen (43,5 %) zu den durch Nettokaltmiete und Betriebskosten nach Definition des Statistischen Bundesamts überlasteten Mieterhaushalten zählen (Karlsruhe: 20,8 %). Gleichzeitig berichten in der Bürgerumfrage 2020 rund 30 Prozent der alleinerziehenden Mieterinnen und Mieter von Mängeln an der von ihnen bewohnten Wohnung beziehungsweise dem von ihnen be- wohnten Haus (Karlsruhe insgesamt: 22,5 %). Dementsprechend liegt der Anteil der mit der aktuellen Wohnsituation weniger oder nicht Zufriedenen mit einem Drittel unter den alleinerziehenden Mieterin- nen und Mietern deutlich über dem gesamtstädtischen Durchschnitt (18,9 %). Alleinerziehende be- richten auffallend häufig von Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. So hatten nahezu 90 Prozent der kürzlich Umgezogenen Probleme, eine Wohnung zu finden (Karlsruhe: 63,9 %). Gleichzeitig su- chen rund 30 Prozent der Alleinerziehenden aktiv nach einer neuen Wohnung. Hauptmotiv hierfür ist der Wunsch nach mehr Wohnfläche. Aufgrund sozialer Bindungen und Infrastrukturen begrenzen Al- leinerziehende ihren Suchradius besonders häufig auf das Karlsruher Stadtgebiet und sind seltener be- reit, in die Region zu ziehen. Trotz der sich abzeichnenden Problemlagen sind nahezu alle Alleinerziehenden nach Auswertungen des Urban Audit 2018 mit dem eigenen Leben sehr oder eher zufrieden und etwas über 90 Prozent bewerten Karlsruhe als guten Lebensort für junge Familien. Darüber hinaus äußern sich Alleinerzie- hende im Urban Audit 2018 überdurchschnittlich häufig sehr zufrieden mit öffentlichen Grünflächen und besuchen zu überdurchschnittlichen Anteilen die Kinder- und Jugendbibliothek (Kulturumfrage 2019). Weiteres Vorgehen Die Stadtverwaltung beauftragt gegebenenfalls ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut mit der Durchführung von ca. 30 qualitativen leitfadengestützten Interviews. Das Auftragsvolumen wird auf ca. 10.000 Euro geschätzt.