Jugend gestärkt in der Krise
| Vorlage: | 2021/0475 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 13.04.2021 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 18.05.2021
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Stellungnahme zur Kenntnis genommen
Zusätzliche Dateien
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Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Eingang: 13.04.2021 Vorlage Nr.: 2021/0475 Jugend gestärkt in der Krise Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.05.2021 18 x 1. Solange die Pandemie anhält, stellt die Stadtverwaltung sicher, dass bei wichtigen Entscheidungen auch die Perspektive von Jugendlichen Gehör findet, indem zentrale Akteur*innen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dies kann z.B. durch die direkte Einbeziehung in entscheidende Gremien oder in Form regelmäßiger runder Tische gesichert werden. 2. Die Stadtverwaltung unterstützt den stja bei Bedarf z.B. durch Schnelltests und die Bereitstellung von Räumlichkeiten oder digitaler Infrastruktur aktiv dabei, Formate der offenen Jugendarbeit und - beteiligung wie die Jugendkonferenz im Juli auch in Präsenz weitestgehend zu ermöglichen, sofern das Infektionsgeschehen dies erlaubt. 3. Die Stadt prüft gemeinsam mit dem stja ihr bisheriges Portfolio an Angeboten für Jugendliche dahingehend, welche Zielgruppen im Zuge der Pandemie nicht mehr erreicht werden und erarbeitet Strategien, um den Kontakt zu diesen Gruppen bei möglichen Öffnungen wieder aufzubauen. 4. Die Verwaltung überprüft, inwieweit sie ihre datenbasierte Sozialplanung in der Pandemie besser auf die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen abstimmen kann. Die Ergebnisse werden dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt. 5. Die Stadt erarbeitet eine Öffentlichkeits-Kampagne, um Jugendlichen die bestehenden Hilfe- und Beratungsstrukturen in Karlsruhe bekannt zu machen. Dabei werden die Schulen miteinbezogen. Kinder und Jugendliche gehören zu den gesellschaftlichen Gruppen, deren Lebenswelt durch die Pandemie am drastischsten eingeschränkt wird. Die dramatischen psychischen und sozialen Folgen dieser mittlerweile sehr lange anhaltenden Ausnahmesituation sind laufend Gegenstand medialer Berichterstattung. Eine besondere Herausforderung für Kommunen ist es daher, Bedarfe von Jugendlichen zielgruppen- und sozialraumspezifisch zu erkennen sowie Angebote zu ermöglichen, welche in der bestehenden Notlage der Pandemie-Situation tatsächlich Abhilfe leisten können. Ein zentraler Aspekt der Bedarfsermittlung ist das Grundprinzip, dass Betroffene gehört und bei zentralen Entscheidungen beteiligt werden. Jugendbeteiligung ist keine verzichtbare Einrichtung zum Zeitvertreib, sondern besonders in Krisenzeiten system- und perspektivisch sogar demokratierelevant. Daher kann es ein erster wichtiger Schritt sein, die Situation von Jugendlichen bei zentralen Entscheidungen der Pandemiebekämpfung nicht nur mitzudenken, sondern sie direkt daran zu beteiligen. Dafür können bestehende Strukturen wie der stja, der Arbeitskreis der Karlsruher Schülervertreter (AKS) oder gewählte Vertreter*innen der Jugendkonferenz einbezogen werden. Außerdem muss es ein zentrales Ziel kommunalen Handelns sein, Angebote der offenen Jugendarbeit sowie der Jugendbeteiligung soweit zu Begründung/Sachverhalt – 2 – ermöglichen, wie es die Infektionslage zulässt. Dabei können beispielsweise eine Schnellteststrategie für Präsenzveranstaltungen wie die Jugendkonferenz, die niedrigschwellige Bereitstellung von zusätzlichen Räumlichkeiten oder digitaler Infrastruktur wie Videokonferenzsystemen für die offene Jugendarbeit unterstützend wirken. Zudem kann eine an die Pandemiesituation angepasste, datenbasierte Sozialplanung Bedarfssituationen von Jugendlichen besser abbilden und so zu einem wertvollen Überblicks- und Planungs-Tool für Verwaltung und Gemeinderat ausgebaut werden. Durch die Verknüpfung von sozialräumlich untergliederten Daten wie zur Entwicklung häuslicher Gewalt, Betreuungsquoten vor Corona, zu SGB II- Quoten, Dichte von Wohngebieten, dem Anteil an Grünflächen in einem Quartier und weiteren Faktoren können so beispielsweise Social Heat Maps entstehen, die zielgerichtetere und passgenauere Angebote in der Krise ermöglichen. Immer mehr Jugendliche zeigen depressive Verstimmungen und psychische Auffälligkeiten; das Suizidrisiko bei Jugendlichen ist während der Pandemie deutlich angestiegen. Daher ist ein weiterer zentraler Aspekt der Pandemiebekämpfung der niedrigschwellige Zugang für Jugendliche zu bestehenden Beratungs- und Hilfsangeboten in der Stadt. Eine Öffentlichkeitskampagne mit Einbindung der Karlsruher Schulen kann dabei helfen, Bewusstsein für bestehende Unterstützungsangebote zu schaffen und Jugendliche diesen zuzuführen. Unterzeichnet von: Benjamin Bauer Jorinda Fahringer Renate Rastätter Michael Borner Verena Anlauf Dr. Iris Sardarabady Aljoscha Löffler
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Stellungnahme zum Antrag Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2021/0475 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: stja Jugend gestärkt in der Krise Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.05.2021 18 X Kurzfassung Die Auswirkungen und Einschränkungen durch die Pandemie treffen Jugendliche besonders hart. Um diesen Folgen wirkungsvoll zu begegnen, sind Stadtverwaltung und Stadtjugendausschuss e.V. (stja) mit vielfältigen Angeboten bemüht, Jugendliche zu erreichen und sie zu unterstützen. Ein besonderes Augenmerk des stja liegt auf der Beteiligung der Jugendlichen, um mit ihnen an Zukunftsfragen Karlsruhes, insbesondere der Bewältigung der Folgen der Pandemie, in einen Dialog zu treten. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☐ Nein ☒ Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: soziale Stadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Die Pandemie macht deutlich, wie wichtig für Kinder und Jugendliche Treffen mit Gleichaltrigen sind und wie sehr sie sich aus ihren alltäglichen Bezügen in Schule, Freizeit oder ihren Familien herausgerissen fühlen. Das wird auf verschiedenen Ebenen deutlich wahrgenommen. Sowohl die Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendhäuser, wie auch verschiedene Fachstellen und weitere Akteure schaffen „re- gelkonforme Angebote“, um Kinder und Jugendlichen Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und sie zu Wort kommen zu lassen. Der stja hat in seinen Einrichtungen die Angebotspalette für Kinder und Jugendliche verändert und umgestellt. Momentan wird vor allem auf der Grundlage von SGB VIII §13 gearbeitet, um individuelle Hilfen anbieten zu können. Beispiele sind Spaziergänge mit Sozialarbeiter*innen, 1:1 Treffen in den Kinder- und Jugendhäusern, vielfältige digitale Angebote und persönliche individuelle Kontaktaufnahmen. Wissenschaftliche Untersuchungen verweisen auf die besonders prekäre Lage von Kindern und Ju- gendlichen aus sozial benachteiligten Familien, wo eine größere Gefährdungslage bestehen kann (enge Wohnverhältnisse können das Ansteckungsrisiko verstärken, erschwerte Teilnahme an Online- Formaten für Unterricht, Beteiligung und soziale Teilhabe). Diese Kinder und Jugendlichen haben zwar ein Smartphone, aber keine geeigneten Endgeräte beispielsweise für online-Unterricht. Wissenschaftliche Erkenntnisse decken sich mit Erfahrungen in Karlsruhe. Aktuell haben dreißig Jugendliche in einem Videoprojekt im Rahmen der Europäischen Kulturtage ihre Sichtweise auf ihre Lebenssituation vorgestellt und es ist deutlich, wie sie unter dem Eindruck der Pan- demie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Aber sie können auch deutlich benennen, was ihnen in den vergangenen Monaten verloren gegangen ist. Um den Jugendlichen ihre Stimme in der Stadt zurückzugeben, wird der stja weiterhin an den Planungen festhalten und im Juli 2021 die Karlsruher Jugendkonferenz durchführen. Die Stärke der Jugendkonferenz ist der Dialog mit Verantwortlichen in der Stadt. Dieser Dialog soll nach Möglichkeit analog stattfinden können. Deshalb braucht es Räumlichkeiten und Flächen größerer Dimensionen wie die Gartenhalle, um die Abstandsregeln und Hygienevorschriften einhalten zu können. Weitere Möglichkeiten der strukturellen Beteiligung haben Jugendliche durch ihre Vertreter*innen des Arbeitskreises Karlsruher Schüler*innen (aks) im Schulbeirat und die Vertreter*innen stja/Jugendkonferenz im Jugendhilfeausschuss. Für Treff- und Bewegungsmöglichkeiten im Freien werden Konzepte erarbeitet, um mit Jugend- und Sportverbänden und weiteren Partnern Freiräume für Spiel, Sport und musische und kulturelle Treffs zu schaffen. Zudem plant der stja im Haus der Jugendverbände Anne Frank eine zentrale Ausgabe von kostenlosen Corona-Selbsttests für Ehrenamtliche und deren Arbeit in den Jugendverbänden. Trotz allen Bemühungen muss festgestellt werden, dass manche Jugendliche nicht erreicht werden können. Eine besondere Brisanz hat dieses Thema beim Übergang von der Schule in den Beruf, wo über Projekte, Trainings und digitale Kurse versucht wird, Kontakte aufrecht zu erhalten und die jungen Menschen sozial und digital zu unterstützen. Um die Auswirkungen der Pandemie zu analysieren, wird der stja in Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und dem Planungsteam der SJB die Datenlage auf Karlsruhe hin untersuchen und Handlungsempfehlungen besprechen. Vor Planung einer Kampagne zu Hilfsangeboten empfiehlt der stja, Jugendliche nach ihren Bedarfen zu befragen und sie einzubeziehen. In 2022 wird der stja das Karlsruher Beteiligungskonzept fortschreiben und im Jugendhilfeausschuss vorstellen. Auch dort werden Erkenntnisse, die sich aus den Auswirkungen der Pandemie ergeben haben, eingearbeitet.
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Niederschrift 25. Plenarsitzung des Gemeinderates 18. Mai 2021, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 17. Punkt 18 der Tagesordnung: Jugend gestärkt in der Krise Antrag: GRÜNE Vorlage: 2021/0475 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 18 zur Behandlung auf und verweist auf die vorlie- gende Stellungnahme der Verwaltung. Stadtrat Bauer (GRÜNE): „Die verlorene Generation“, titeln Tageszeitungen aktuell gerne, wenn sie über die Jugend in der Zeit Coronas sprechen oder schreiben. Dem muss man natür- lich in aller Klarheit widersprechen. Jugendliche sind anpassungsfähig. Das zeigen sie seit mehr als einem halben Jahr in einer beeindruckenden Resilienz. Sie zeigen großes Durchhaltevermö- gen, vor allem ein hohes Maß an Solidarität gegenüber den älteren Generationen. Dabei ist kaum eine Gruppe so sehr in ihrer Lebenswelt beschnitten, so fremdbestimmt wie Jugendliche in dieser Pandemie. Deshalb müssen ihre Anliegen nun endlich in den Vordergrund geraten. Für Kinder und Jugendliche gibt es bereits in Karlsruhe gute Beispiele für Initiativen, wie das erfolg- reiche Bewegungsprogramm „100 mal 5“, das wir in der Presse vernommen haben, der Stadt- verwaltung oder die große Flexibilität des Stadtjugendausschusses, bei den vielen individuellen Angeboten der Jugendsozialarbeit. Diesen kreativen und passionierten Einsatz möchten wir erst einmal ganz ausdrücklich loben und betrachten daher auch den dritten Antragspunkt als erle- digt. Die Stellungnahme zu unserem Antrag bleibt aber etwas unkonkret, so dass sich noch einige Fragen stellen, wie wir die Antwort zu werten haben. Die Beteiligungsmöglichkeiten für Jugend- liche in Karlsruhe sind schon vielfältig. Das Beteiligungskonzept für Jugendliche 2022 fortzu- – 2 – schreiben, ist richtig, verschafft aber in der jetzigen Situation, in der jetzt herrschenden Krise doch keinem einzigen Jugendlichen zusätzliches Gehör in Bezug auf die Pandemiebewältigung. Die Fachstellen sowie die Kinder- und Jugendhäuser arbeiten laut der Stellungnahme an Kon- zepten, um Jugendliche zu Wort kommen zu lassen. Was bedeutet das, was sind das für Kon- zepte, wann dürfen wir mit denen rechnen? Corona ist jetzt. Der Hinweis, dass der Stadtju- gendausschuss für die Durchführung der Jugendkonferenz größere Räumlichkeiten braucht, ist sinnvoll, aber auch nicht konkret. Steht die Gartenhalle denn am 10. Juli zur Verfügung? Braucht der Stadtjugendausschuss dafür das Geld? Sollen wir die Mietkosten außerplanmäßig übernehmen? Was ist mit den Tests, mit der digitalen Infrastruktur? All das haben wir in dem Antrag eigentlich gefordert, dazu bisher keine Antwort. Die Öffentlichkeitskampagne für die Bekanntmachung existierender Beratungs- und Hilfestrukturen ist vermutlich dringender als alles andere. In den Schulklassen häufen sich die Fälle von Jugendlichen mit psychischen Problemlagen und überforderten Eltern. Ausgerechnet hier wird jetzt vorgeschlagen, Jugendliche einzubeziehen, wobei doch gerade bei diesem Anliegen ein schnelles, niedrigschwelliges Informationsangebot in Form von Flyern, Plakaten oder Ähnlichem nötig wäre. Verwaltung, Stadtjugendausschuss haben eine breite Palette von Angeboten. Diese Generation ist sicher keine verlorene. Aber wir müssen einfach alle noch mehr dafür tun, dass sie nicht zu einer vernachlässigten Generation wird. Jugendliche in dieser Phase im besonderen Maße einzubinden und eine starke Stimme zu geben, ist Demokratie, sogar systemrelevant. Wir haben ein paar Vorschläge mit diesem Antrag gemacht und würden Sie alle einladen, ohne große Bürokratie oder langwierige Ausschussberatungen dem zuzustimmen oder andere kon- struktive Ideen beizutragen. Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Kollege Bauer hat für die Antragsteller jetzt sehr ausführ- lich eingeführt. Es ist natürlich absolut berechtigt, diese Punkte in dem Antrag aufzuführen. Denn die Jugend leidet extrem und die psychologischen und sozialen Folgen sind dramatisch. Jede Woche, die die Pandemie weitergeht und Einschränkungen für die Kinder und Jugendli- chen bedeutet, verschärft sich die Situation. Deswegen ist es natürlich absolut richtig, dass wir uns regelmäßig damit beschäftigen, was wir tun können, um unsere Einrichtungen zu unter- stützen, damit diese den Kindern und Jugendlichen helfen können. Deswegen ist es natürlich gut, dass die Jugendkonferenz nach Möglichkeit stattfinden kann. Da verlässt sich meine Fraktion auf die Verwaltung, wie denn die Situation dann im Juli aussieht. Wir sind uns sicher, wenn es möglich ist, diese in Präsenz durchzuführen, dass es dann auch gemacht wird, und dass es dann sicherlich nicht dran scheitert, dass die Finanzmittel für die Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stehen oder keine Schnelltestmöglichkeiten da sind. Da hat unsere Verwaltung doch auch gemeinsam mit dem Stadtjugendausschuss schon mehrfach ge- zeigt, dass geschaut wurde, was geht, wo man gerade diese stark belastete Gruppe unterstüt- zen kann. Auch das Sportangebot, das seit ein paar Wochen gemacht wird - 100 mal 5 -, ist schon angesprochen worden. Da ist unsere Verwaltung wirklich dabei zu schauen, was geht. Insofern unterstützen wir das. Wir finden es natürlich gut, dass die Pläne fortgeschrieben wer- den, dass wir dann im nächsten Jugendhilfeausschuss einen Zwischenbericht bekommen, wie sich die Situation entwickelt, wie es in unseren Jugendtreffs bis dahin aussieht, welche Mög- – 3 – lichkeiten wir haben. Wir wollen einfach unterstützen, dass wir den Kindern und Jugendlichen entgegenkommen können und ermöglichen, was machbar ist. Stadträtin Melchien (SPD): Beteiligung, insbesondere Jugendbeteiligung und Teilhabe ist si- cherlich kein Nice-to-have in unserer Stadt. Dank früher, mutiger und richtungsweisender Ent- scheidung des Stadtjugendausschusses, aber auch des Karlsruher Gemeinderats, ist sie fester Bestandteil der Jugendarbeit und spielt eine entscheidende Rolle bei verschiedenen kommu- nalpolitischen Entscheidungen, die Kinder und Jugendliche hier betreffen. Ich betone das so, weil diese Ausgangssituation Goldwert ist, wenn es jetzt um die Bewältigung der Pandemie und deren Folgen geht. Aktuell, das haben meine Vorredner angesprochen, sind Jugendliche in einer besonders schwie- rigen Situation. Daher ist auch an uns als Karlsruher Gemeinderat, die Stimme der Jugend und die Forderungen der Jugendlichen zu hören, wenn es jetzt an die Karlsruher Jugendkonferenz geht, von der wir natürlich alle hoffen, dass sie in Präsenz stattfinden kann. Ich lese auch die Stellungnahme der Stadtverwaltung sehr positiv und sehe hier, dass alle bemüht sind, im Rah- men der rechtlichen Möglichkeiten natürlich durchzuführen, was Jugendbeteiligung betrifft. Außerdem liegt es an uns, zu reagieren, wenn Mitarbeitende Bedarfe melden oder diese auch direkt zu befragen. Da arbeiten wir sehr eng und sehr gut mit dem Stadtjugendausschuss zu- sammen. Ich denke, dass trotz aller Bemühungen viele Probleme erst sichtbar werden, wenn Jugend wieder sichtbar ist, wenn sie wieder in die Jugendhäuser gehen können, sich wieder treffen können. Ich denke da an verschiedene Beratungsbedarfe, sei es psychologischer Art, aber auch was den ganz profanen Einstieg in den Beruf angeht. Hier ist so viel liegen geblieben, weil es einfach nicht möglich war. Ich glaube, da müssen wir sehr gut drauf reagieren. Gleichzeitig möchte ich die Chance dieser kurzen Beratung hier nutzen, allen zu danken, die im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten, die wirklich sehr eingeschränkt waren, den jungen Erwachsenen Angebote gemacht haben, innerhalb dieser wirklich sehr schwierigen Rahmenbe- dingungen. Ich glaube, das zeichnet auch unsere gute und sehr wichtige Jugendarbeit hier in Karlsruhe aus, dass sie sehr kurzfristig auf Bedarfe reagiert und ihre Angebote entsprechend anpasst. Von daher sehe ich unsere Zustimmung inhaltlich zu diesem Antrag verbunden mit einer Zustimmung zum Handeln des Stadtjugendausschusses, wie es derzeit läuft und wie es auch hier angekündigt ist. Stadtrat Høyem (FDP): Es ist bestimmt richtig, dass die Jugendlichen eine sehr schwierige Zeit gehabt haben. Es ist gut, dass wir so etwas wie eine Jugendkonferenz haben. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Das Wichtige ist, jeden Tag etwas zu tun. Da kann ich nur unsere Ver- waltung loben und auch den Stadtjugendausschuss. Das ist eine hervorragende tägliche Arbeit, die dort geleistet wird. Wir können lange diskutieren über die vielen Depressionen, die Jugend- liche gerade jetzt haben. Die Krankenhäuser mussten auch involviert werden, die Experten dort mussten involviert werden. Aber jetzt ist es genug zu sagen, dass wir dieses vollherzig unter- stützen, weil die Jugendlichen leiden. Der Lob gilt besonders dem Stadtjugendausschuss. Die sind professionell, die machen das gut, und die machen das täglich. Stadtrat Schnell (AfD): Herr Stadtrat Bauer hat Recht, Jugendliche leiden ganz besonders unter den COVID-Verordnungen. Machen wir es angesichts der vorgerückten Stunde kurz. Statt über irgendwelche pädagogischen, betreuenden und letztendlich die Kids nur bevormundenden Maßnahmen zu sinnieren, sollte sich die Stadt lieber in Stuttgart und Berlin dafür einsetzen, – 4 – insbesondere diejenigen Lockdown-Maßnahmen, die Jugendliche besonders beeinträchtigen, umgehend zu beenden. Wenn Sie bei der Stadt wirklich etwas für Jugendliche tun wollen, dann gehen Sie mit denen in Stuttgart vor den Landtag, der Villa Reitzenstein oder gleich in Berlin am Reichstag für ihre Freiheit protestieren. Das ist längst überfällig. Wenn wir einen Jugendge- meinderat hätten, wäre der bestimmt dafür. Aber den haben die GRÜNEN 2018 abgelehnt, während die AfD für dessen Einrichtung stimmte. Den Antrag lehnen wir ab. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Die Aufgabe, die vor uns steht, ist völlig klar, Herr Stadtrat Bauer hat es umschrieben. Ich möchte aber betonen, dass das, was ich bisher erlebe von der Verwal- tung und dem Jugendausschuss sehr vorbildlich ist. Ich möchte erinnern an diese „5 mal 100“ von Berlin. Fünf Kinder dürfen zusammen eine Trainingsgruppe bilden und innerhalb von kurzer Zeit haben wir 100 und mehr. Ich glaube, es sind mittlerweile 200 Gruppen, die in diesem Kon- text sozusagen zusammenkamen. Das ist hervorragend. Tom Høyem hat es gesagt, wir müssen die Verwaltung loben und den Stadtjugendausschuss. Was hier in kürzester Zeit aufgestellt wird, ist vorbildlich. Sie sind gut unterwegs. Aber um was wir uns Gedanken machen müssen: Wenn die Corona-Krise vorbei ist, sind die Kinder oder Ju- gendliche zum Teil immer noch mit ihren Problemen beschäftigt. Deswegen müssen wir uns langfristig Gedanken machen. Aber aktuell kann ich nicht sehen, dass wir ein Defizit haben. Der Antrag zeigt natürlich das Herz, euer Herz für die Jugend. Das ist auch gut so. Aber ich glau- be nicht, dass wir durch mehr Aktivität jetzt im Moment so viel mehr tun können. Vielen Dank für Ihr Engagement. Stadtrat Bimmerle (DIE LINKE.): Wir bedanken uns herzlich bei den GRÜNEN für den Antrag und unterstützen natürlich den Vorschlag der Verwaltung. An der Stelle auch nochmals ein Dank an die vielen Aktivitäten, die gemacht werden. Ich glaube, Corona verschärft viele soziale Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und verstärkt sie noch zunehmend, was wir nur bedingt als Kommune lösen können. Aber das, was jetzt gerade im sozialen Jugendhilfebereich angebo- ten wurde, ist sehr vorbildlich, um alles zu versuchen, um die Jugendlichen einzubinden. Noch einmal einen ganz großen Dank an die Jugendlichen, die sich so verantwortlich unter den Corona-Regeln verhalten. Also, es ist sehr schwierig, gerade wenn man in der Pubertät ist oder darüber hinaus, so die letzten anderthalb Jahre durchzustehen. Ich glaube, da ist an der Stelle von allen ein Lob angesagt. Da ist es genau der falsche Weg, wie es manche hier vorschlagen, irgendwelche kruden Demos zu machen, die ihrer Verantwortung für die Gesellschaft nicht nachkommen. Stattdessen sollte man langfristig diese weiteren Maßnahmen machen, um alle Jugendlichen auch zukünftig noch stärker zu unterstützen als bisher. Bürgermeister Lenz: Herr Stadtrat Bauer, Sie haben schon Recht. Es kommt vielleicht nicht so ambitioniert rüber in diesem kurzen Schriftsatz. Deswegen vielen Dank, auch für die Anerken- nung. Unser Stadtjugendausschuss ist seit über einem Jahr am Start. Ich glaube, es ist eine Ana- logie zu dem Verhalten von Ihnen, von der Bereitschaft. Da beginnt eigentlich das Engagement hier im Gemeinderat, was Kinder- und Jugendpolitik anbelangt. Ich erinnere nur an die Kita- Beiträge etc. Da muss ich Sie einladen, einfach ein Jahr zurückzugehen. Der Stadtjugendaus- schuss war bundesweit eine Zugmaschine in der ersten Pandemiewelle. Er hat spektakulär, das sollte man sozial nicht unbedingt so zutrauen, eine Urlaubssperre verhängt über die Sommerfe- rien, wenn Sie sich erinnern, und hat aus dem Stand Karlopolis ersetzt durch dezentrale Maß- nahmen. Nicht mit viel Feuerwerk und Bewusstsein für die Öffentlichkeit, sondern vor allem – 5 – Angebote für die Kinder und Jugendliche in den Stadtteilen. Das Gleiche findet jetzt auch au- ßerhalb der Ferien, jetzt gerade unterjährig statt. Was geht nach Corona-Verordnung - Frau Stadträtin Melchien, Sie haben es angedeutet -, findet statt. Deswegen auch ganz konkret, wir hängen an der JuKo. Die soll tatsächlich stattfinden, weil es eben den Raum braucht. Deswegen haben wir das auch planungssicher, ich kann es Ihnen jetzt sagen, Anfang Juli, festgezurrt, der Samstag in der ersten Juliwoche. Die Öffentlichkeitsarbeit ist in der Tat jetzt nicht unser größtes Problem, weil wir an die Jugendlichen rankommen über diesen Verbund mit den Schulen, stadt- teilorientiert. Zur Zugmaschine Stadtjugendausschuss gehören natürlich unsere Bäder. Dass allein die Bäder am Samstag starten werden und auch Schwimmkurse starten werden, Stand heute mit 100 Kindern, tragen wir nicht immer zum Markt. Es ist auch nicht unser Hauptanlie- gen. Aber da sehen Sie, dass wir wirklich auch dank Ihrer Unterstützung in Karlsruhe immer alles am Start halten können. Sobald geöffnet wird durch die Verordnungen, geben wir auch Gas. Die Verlorenen, Übergang Schule/Beruf, sind die besonders betroffenen Jugendlichen. Da be- kommen wir über den ESF, also Europäische Sozialfond, 400.000 Euro, haben einen Wettbe- werb ausgeschrieben, haben mehr Bewerbungen der bekannten Wohlfahrtspflege und Träger. Also auch an der Kante sind wir unterwegs. Deswegen würde ich Ihre Bitte des Berichtes im Jugendhilfeausschuss gerne Folge leisten. Aber hauptsächlich ist mir die Anerkennung von Ihnen für den Stadtjugendausschuss wichtig, der an der Stelle Gutes tut, aber nicht so viel drüber redet. Insofern glaube ich, dass wir Ihrem Antrag schon entsprechen werden, aber für die Transparenz dann auch über den Jugendhilfeausschuss, folgen werden. Der Vorsitzende: Ich würde dann noch den Vorschlag aufgreifen, ich habe ihn so indirekt ge- hört, dass man im Jugendhilfeausschuss berichtet, was im Einzelnen jetzt zu den einzelnen Punkten läuft. So würden wir dann damit umgehen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. Juni 2021