Konzept für ein Modellprojekt "Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren"

Vorlage: 2021/0162
Art: Beschlussvorlage
Datum: 15.02.2021
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Daxlanden, Grünwinkel, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 23.03.2021

    TOP: 16

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt

  • Gemeinderat - HH-Beratungen (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 07.12.2021

    TOP: 6.1

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Anlage Konzept Hausbesuche GR 23.03.21
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial und Jugendbehörde Modellprojekt Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren Konzept Teilhabe und selbständige Lebensführung im Alter fördern durch frühzeitige Information und Beratung. Modellprojekt Präventive Hausbesuche 2 | Einführung Der Gemeinderat hat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Konzepts für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren“ beauftragt (Gemeinderatssitzung am 21. Januar 2020, TOP 24). Für Karlsruhe wird eine Umsetzung als geeignet erachtet, die sich an den Hausbesuchen für ältere Menschen der Stadt Köln orientiert, die Träger der Wohlfahrtspflege sozialraumbezogen mit der Umsetzung beauftragt. Dar- über hinaus wurden die aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Präsenz, Prävention für Senioren Zuhau- se“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung im Auftrag des Ministeriums für Soziales und In- tegration entwickelten Handreichungen für Kommunen herangezogen 1 . Ergänzend dazu konnte auf praktische Erfahrungen der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe im Kooperationsprojekt mit der Baugenossenschaft Hardt- waldsiedlung zurückgegriffen werden, die präventive Hausbesuche in der Hardtwaldsiedlung durchführen. Ziele und Zielgruppe Als proaktiver Ansatz zielen präventive Hausbesuche auf niederschwellige Information und Beratung von Senio- rinnen und Senioren in ihrer häuslichen Umgebung. Diese werden zu ihrem 75. Geburtstag durch die Stadtver- waltung angeschrieben und erhalten das Angebot eines Hausbesuchs durch eine Fachkraft. Durch Informatio- nen, Beratung und Vermittlung zu weiterführenden Angeboten werden Teilhabechancen verbessert und die selbstständige Lebensführung und der Verbleib in der eigenen Wohnung unterstützt. Im Gegensatz zum beste- henden Angebot der Pflegeberatung, das auf einen bereits vorhandenen Unterstützungsbedarf reagiert und ein Pflegearrangement mit den Betroffenen entwickelt, richtet sich der präventive Hausbesuch mit dem aufsuchen- den Ansatz an eine Zielgruppe im Vorfeld von Pflegebedarf und zielt auf die Stärkung der Selbst- managementkompetenzen der älteren Menschen. Zentrale Herausforderung sowohl für das aktive und gesunde Leben von älteren Menschen als auch für die künftige Tragfähigkeit des Gesundheitssystems ist die Risikofrüher- kennung. Wie durch die Umfrage „Generation 55Plus in Karlsruhe 2015“ erhoben werden konnte, wird eine Versorgung im eigenen Haushalt auch bei Pflegebedürftigkeit am meisten gewünscht. Dieser Wunsch korres- pondiert mit dem Ansatz „ambulant vor stationär” gemäß § 43 Abs. 1 SGB XI. Mit dem aufsuchenden Ansatz verbunden ist auch das Ziel, zurückgezogen lebende Menschen und Personengruppen zu erreichen, die schwerer Zugang zum gesundheitlichen und sozialen Unterstützungssystem finden, belastet oder in ihrer Mobilität einge- schränkt sind. Grundlegend für die Auswahl von Seniorinnen und Senioren bereits im Alter von 75 Jahren ist dabei eine frühzeitige Ansprache als zentrales Merkmal präventiver Arbeit. Mit höherem Alter steigt die Wahr- scheinlichkeit gesundheitlicher Einschränkungen und damit verbundener Hilfe- und Unterstützungsbedarfe. Ins- besondere Alleinlebende können und sollen frühzeitig sensibilisiert werden, um für ihre persönliche Situation vorausschauende Regelungen zur Absicherung zu treffen. Die aufsuchende Fachkraft kann über Angebote im Stadtteil und in der Gesamtstadt sowie über Rechte und Leistungen informieren. In bis zu zwei Folgebesuchen kann sie Anregungen und konkrete Hilfestellungen geben und bei Bedarf an geeignete Stellen weitervermitteln. Die Beratung muss personen- und situationsbezogen durchgeführt werden. Sie bietet den Menschen Raum, ihre Lebenssituation und ihr Lebensumfeld zu be- schreiben. Die Fachkraft kann Zugangsbarrieren zu Angeboten und Hilfen erkennen und diese möglichst abbau- en. Wie in der Handreichung zum Modellprojekt PräSenz empfohlen, soll ein Gesprächsleitfaden zu Grunde ge- legt werden, um verschiedene Themen aufgreifen zu können. Die Ausarbeitung und Weiterentwicklung muss prozessorientiert erfolgen und liegt in der Verantwortung des Trägers. Das Themenspektrum umfasst folgende Schwerpunkte:  Unterstützungs- und Pflegebedarf (bestehend und ggf. zukünftig),  Finanzielle Situation und Leistungsansprüche,  Bildung, Aktivitäten und Einsamkeit,  Wohnberatung/Wohnraumanpassung,  Gesundheitskompetenz. 1 https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/PräSenZ-DIP-Projektbericht_Endfassung_Druckversion_final.pdf, https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/PräSenZ-Handreichung-DIP-final_1.pdf Sozial und Jugendbehörde | 3 Ablauf Der Geburtstag ist der Anlass zur Kontaktaufnahme durch ein Gratulationsschreiben des Bürgermeisters (siehe Muster, Seite 5). Es enthält einen Beratungsgutschein/eine Rückantwortkarte für einen Hausbesuch. Um die Si- cherheit der Seniorinnen und Senioren zu erhöhen, soll dabei möglichst nicht nur der beauftragte Träger son- dern auch bereits die durchführende Fachkraft namentlich benannt werden. Eine Zusage kann telefonisch, per Mail oder über die Rückantwortkarte beim durchführenden Träger erfolgen. Die Terminkoordination liegt bei diesem. Eine rechtskonforme Durchführung, insbesondere unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Belan- ge, ist zu gewährleisten. Der Besuch ist mit der Übergabe eines kleinen Geschenks und einer Informationsmap- pe/Tasche verbunden. Grundsätzlich ist der Geburtstag ein positiver Anlass zur Kontaktaufnahme. Das Schreiben betont die hohe Wer- tigkeit, sich als Stadt gemeinsam mit Trägern für ein gutes Leben im Alter und den Verbleib in der eigenen Häus- lichkeit einzusetzen. Der positive Kontext entschärft eine zu enge Fokussierung auf die Verknüpfung von Alter und Pflegebedürftigkeit. Mit dem Besuch durch eine Fachkraft ist für die Seniorinnen und Senioren die Möglich- keit gegeben, die eigene Lebenssituation - auch auf die Zukunft projiziert - zu reflektieren. Aufgaben und Umsetzung Die für Karlsruhe empfohlene Umsetzung des Modellprojekts umfasst die  geregelte und rechtskonforme Vergabe der Durchführung an freie Träger,  Durchführung auf der Grundlage des vorliegenden Konzepts und einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Karlsruhe,  Durchführung in einem von der Stadt Karlsruhe vorgegebenen Gebiet,  Qualifikation der Fachkräfte (Soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation),  Fokussierung auf die Altersgruppe der 75-Jährigen,  Erarbeitung und Weiterentwicklung von Informationsmaterial. Die Vergabe an einen Träger erfolgt nach Ausschreibung. Das Angebot soll aus einer Hand erbracht werden, es kann daher nur ein Träger gefördert werden. Bewerben können sich die auf Bundesebene zusammenge- schlossenen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und ihre Mitglieder als anerkannte Träger der freien Wohl- fahrtspflege (§ 5 Abs. 1 SGB XII) und die sonst als Träger der freien Wohlfahrtspflege öffentlich anerkannten Verbände. Die Bewerbung umfasst die Vorlage eines Kurzkonzepts, das die fachliche Einbindung der präventiven Hausbesuche beim Träger und die eigene Ausrichtung auf die Themenschwerpunkte darlegt sowie Erfahrungen im Bereich der Altenhilfe und in der Netzwerkarbeit darstellt. Das Kurzkonzept dient der Bewertung der fach- lichen Eignung. Bei gleicher Eignung von Bewerbern entscheidet das Los. Die Förderung erfolgt im Rahmen der freiwilligen Leistungen. Die Verwendung der Mittel ist ordnungsgemäß nachzuweisen. Der Verwendungsnach- weis besteht aus einem sachlichen Bericht und einem zahlenmäßigen Nachweis. Aufgaben des Trägers sind  die Terminkoordination,  die Durchführung des ersten Hausbesuchs und von bis zu zwei Folgebesuchen pro Person,  die neutrale und trägerunabhängige Beratung,  einzelfallbezogene und übergreifende Kooperationstätigkeiten, insbesondere mit Seniorenbüro und Pflege- stützpunkt,  die Erarbeitung von Informationsmaterial in Zusammenarbeit mit Seniorenbüro und Pflegestützpunkt sowie unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner,  die statistische Erfassung der Hausbesuche (Anzahl, Erst- und Folgebesuche, Dauer der Gespräche),  die systematische Erfassung von Beratungsschwerpunkten und Vermittlungstätigkeiten, Darstellung der in der Durchführung gewonnenen Erfahrungen, gemeinsame Auswertung mit der Stadt Karlsruhe Aufgaben der Stadt Karlsruhe sind (wahrgenommen von Seniorenbüro und Pflegestützpunkt)  das Adressmanagement,  der Versand der Geburtstagsbriefe,  der Druck des Informationsmaterials,  die Beschaffung der Präsente, Modellprojekt Präventive Hausbesuche 4 |  die fachliche Begleitung,  die Auswertung des Projekts und Darstellung der Ergebnisse (wahrgenommen von Seniorenbüro und Pflege- stützpunkt und Sozialplanung). Die Gesamtlaufzeit des Projekts umfasst 1,5 Jahre und wird in eine sechsmonatige Aufbauphase und eine einjäh- rige Anwendungsphase unterteilt. Aufbauphase In der Aufbauphase werden die notwendigen Vernetzungsstrukturen und Kooperationen mit den relevanten Fachberatungen und Einrichtungen stadtteilübergreifend und stadtteilbezogen aufgebaut. Zuständigkeiten, Schnittstellen und Übergänge werden geklärt, Formen der Zusammenarbeit werden geregelt. Weitere Aufgabe in der Aufbauphase ist es, in enger Zusammenarbeit von Seniorenbüro und Pflegestützpunkt und dem beauf- tragten Träger sowie unter Einbeziehung der Kooperationspartner geeignetes Informationsmaterial zu er- arbeiten, das ansprechend, übersichtlich und barrierefrei Schlüsselinformationen bündelt. Eine besondere Chan- ce wird darin gesehen, hier nicht verschiedene einzelne Flyer und konkurrierende Angebote nebenein- anderzustellen. Vielmehr sollte das Informationsmaterial den Bürgerinnen und Bürgern signalisieren, dass Träger, Zivilgesellschaft und Kommune sich als „Sorgende Gemeinschaft“ Hand in Hand für ein gutes Leben im Alter einsetzen. Dieses greift eine in der Sozialkonferenz 2020 dargelegte Anregung und Forderung der Liga nach gebündelten und vereinfachten Informationsmaterialien auf, in denen verschiedene Träger und Akteure gemein- sam unter einem Label auftreten. Gute Beispiele für eine themenbezogene Kooperation und Vernetzung sind der Ratgeber Demenz und das Demenznetzwerk oder der Stadtplan für Senioren. Um die notwendige Qualität und Barrierefreiheit des Informationsmaterials zu erreichen, ist es empfehlenswert, im Entwicklungsprozess speziali- sierte Beratungsdienstleister hinzuzuziehen, da hier verschiedenartige Themen und Angebote gebündelt werden sollen. Von städtischer Seite sind neben Seniorenbüro und Pflegestützpunkt als weitere wichtige Kooperationspartner insbesondere der Allgemeine Soziale Dienst (ASD), der Fachbereich Soziales und Teilhabe (SoTei) sowie das Ju- gendfreizeit- und Bildungswerk (jfbw) zu nennen. Der Pflegestützpunkt berät neutral und umfassend zu allen Themen rund um Pflege und Unterstützung im Alltag. Der ASD berät zum Anspruch auf sonstige Sozialleist- ungen, bei finanziellen sowie persönlichen Schwierigkeiten und vermittelt weitere Kontakte zu anderen Be- hörden oder Institutionen. Bei Bedarf werden Hausbesuche durchgeführt. Im Fachbereich SoTei werden unter anderem Leistungen der Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege erbracht. Der über das jfbw erhältliche Karlsruher Pass 60+ ist Teil der Karlsruher Strategie zur Armutsbekämpfung und ermöglicht soziale und kulturelle Teilhabe im Alter mit Gutscheinen im Wert von insgesamt 120 Euro. Darüber hinaus bieten die im Rahmen der Sozialen Quartiersentwicklung geschaffenen Strukturen mit Stadtteilnetzwerken und Stadtteilkoordination (der- zeit noch nicht flächendeckend vorhanden) Anknüpfungspunkte der stadtteilbezogenen Vernetzung. Neben den hier genannten städtischen Stellen ist eine Vernetzung und Kooperation mit anderen freien Trägern erforderlich. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Einbeziehung von Akteuren und Angeboten zu richten, die unterstützt von bürgerschaftlichem Engagement Hilfsdienste für Seniorinnen und Senioren anbieten. Diese leis- ten oft quartiersbezogen einen wichtigen Beitrag für das Leben in der eigenen Häuslichkeit. Einige Angebote, wie beispielsweise Lotsenprojekte werden mit Mitteln der Gertrud-Maria-Doll-Stiftung unterstützt. Es liegt so- wohl im Interesse der Stiftung als auch der Stadt Karlsruhe, die Angebote und das Engagement einzubinden, um bedarfsgerechte, passgenaue Angebote für ältere Menschen sowie insbesondere Menschen mit geringeren Res- sourcen oder mit Einschränkungen zu erreichen. Die Umsetzung der Präventiven Hausbesuche bietet einen ge- eigneten Anlass zur gemeinsamen Weiterentwicklung und Abstimmung notwendiger Ergänzungen in der Ange- botsstruktur. Wichtig ist es, darüber hinaus Bildungsangebote zum Thema Digitalisierung einzubeziehen. Diese finden beispielsweise in Seniorenbegegnungsstätten, Bürgerzentren und Quartiersprojekten statt und bieten konkrete Unterstützung an. Damit werden die Empfehlungen des 8. Altersberichts der Bundesregierung aufge- griffen, die den Zusammenhang von Digitalisierung und Teilhabe im Alter darlegen. Anwendungsphase In der Anwendungsphase werden die Präventiven Hausbesuche und bis zu zwei Folgebesuche von einer Fach- kraft des beauftragten Trägers durchgeführt. Im Einzelfall werden bei Bedarf und nach Einwilligung der besuch- ten Person weiterführende Angebote vermittelt. Dafür wird auf die Vernetzungsstrukturen und Kooperationen zurückgegriffen. Die Folgetermine bieten die Möglichkeit, neben einer Vertiefung der Beratungen weiterführen- de Hilfen anzubahnen und beispielsweise Seniorinnen und Senioren zu Angeboten zu begleiten. Neben den fallbezogenen Kooperationen gehört eine Weiterführung der Vernetzungstätigkeit zu den Aufgaben. Diese stellt Sozial und Jugendbehörde | 5 zum einen sicher, dass die im Prozess auftauchenden Bedarfe Berücksichtigung finden, zum anderen werden fachlicher Austausch und qualitative Weiterentwicklung der Zusammenarbeit sichergestellt. Projektstart und Modellgebiet Begonnen werden kann mit dem Projekt, vorbehaltlich einer Bereitstellung der Mittel im Haushalt, im Jahr 2022. Für das Modellprojekt wird vorgeschlagen, mit den Planungsgebieten West (Mühlburg, Daxlanden, Grünwinkel, Oberreut) und Nord (Nordweststadt, Knielingen, Neureut, Nordstadt) zu beginnen. Mit dem Angebot sollen Menschen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten angesprochen werden. Daher wurden Stadtteile ausgewählt, die eine große Vielfalt in Bezug auf ihre Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur aufweisen. Die für das Modell- projekt gewählten Planungsgebiete West und Nord umfassen rund 890 Menschen im Alter von 75 Jahren und wurden unter der Annahme gewählt, dass bis zu 30 Prozent der angeschriebenen Personen einen Besuch wün- schen. Mit einer halben Vollzeitstelle pro Jahr können somit etwa 250 bis 300 Besuche durchgeführt werden. Sollten die Erfahrungen zeigen, dass weniger Menschen das Angebot annehmen, kann das Angebot während der Projektlaufzeit auf andere Stadtteile bzw. Planungsgebiete erweitert werden. Ausblick Durch die begleitende Evaluation des Modellprojekts werden Einschätzungen über den tatsächlichen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcenbedarf, über die Akzeptanz des Angebots und die Zielerreichung mög- lich. Damit wird eine valide Bewertungsgrundlage im Hinblick auf eine mögliche Fortführung nach Abschluss der Projektdauer geschaffen, die Fragen der Qualitätsentwicklung und der Bedarfsgerechtigkeit einbezieht. Durch die Auswertung in Zusammenarbeit von Träger und Stadt werden Themen und Bedarfe der Altersgruppe deut- lich. Dadurch können sie nicht nur individuell auf der Beratungsebene bearbeitet, sondern als qualitative Aspekte planerisch berücksichtigt werden. Das Angebot wirkt damit auf der personenbezogenen Ebene (Verhaltensprä- vention), nimmt aber auch Einfluss auf die Gestaltung des Lebensumfelds im Stadtteil und der Stadt (bedarfsge- rechte Gestaltung von Rahmenbedingungen und Strukturen, Verhältnisprävention). Durch eine Festlegung von Zielvorgaben und Kennzahlen können bei einer zukünftigen Weiterführung Erfolge messbar werden und die Weiterentwicklung der Angebotslandschaft gesteuert werden. So kann die Akzeptanz des Angebots zum Beispiel durch den Vergleich zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Teilnahme ermit- telt werden. Weitere Kennzahlen, um die Effekte der Teilhabeförderung erkennbar zu machen, können sich auf die Weitervermittlung in andere Angebote beziehen oder darauf, dass Leistungsberechtigte, die bisher keine Ansprüche gestellt haben, an die zuständigen Stellen vermittelt werden. Muster eines möglichen Anschreibens des Bürgermeisters Sehr geehrte/r, zu Ihrem 75. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Ihnen Glück und Gesundheit. Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung zu leben und aktiv sein zu können, auch dann, wenn es im Alter persönliche Veränderungen und gesundheitliche Einschränkungen gibt. Wir würden gerne mit Ihnen über Ihre Lebenssituation und das Älterwerden ins Gespräch kommen und Sie, wenn Sie es wünschen, dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen zu können. Dabei können auch Fragen der Vorsorge wichtig sein. Deshalb gibt es in Karlsruhe die Präventiven Hausbesuche, die von TRÄGER durchgeführt werden. Bei Interesse wird HERR/FRAU XXX Sie besuchen und Ihnen ein kleines Geschenk sowie gerne auch Informationsmaterial überreichen. Das Angebot ist natürlich absolut freiwillig und für Sie kostenlos. Für die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger gibt es eine Vielzahl von Angeboten und Dienstleistungen, über die wir Sie gerne informieren möchten. Diese können im Alltag unterstützend sein und dabei helfen, Probleme zu überwinden. Es werden auch viele Möglichkeiten gebo- ten, um Menschen zu treffen, aktiv zu sein oder sich zu engagieren. Nutzen Sie den Beratungsgutschein und setzen Sie sich telefonisch, per E-Mail oder mit der Rückantwortkarte mit dem TRÄGER in Verbindung. Frau/Herr XY freut sich darauf, Sie kennzulernen. Mit freundlichen Grüßen Martin Lenz Bürgermeister

  • Präventive Hausbesuche GR 23.03.21
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/0162 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Konzept für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren“ Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 03.03.2021 5 x vorberaten Gemeinderat 23.03.2021 16 x Beschlussantrag Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss dem Konzept inhaltlich zu und nimmt die finanziellen Mehraufwendungen zur Kenntnis. Die zusätzlichen Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung ist im Haushalt 2022/2023 zu beschließen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 2022: 46.400 Euro 2023: 23.400 Euro 2022: 25.000 2023: 15.000 2022: 21.400 Euro 2023: 8.400 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☒ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☐ negativ ☒ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Konzeptauftrag Der Gemeinderat hat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Konzepts für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren“ beauftragt (Gemeinderatssitzung am 21. Januar 2020, TOP 24). Als proaktiver Ansatz zielen präventive Hausbesuche auf niederschwellige Information und Beratung von Seniorinnen und Senioren in ihrer häuslichen Umgebung ab. Diese werden zu ihrem 75. Geburts-tag durch die Stadt angeschrieben und erhalten das Angebot eines Hausbesuchs durch eine Fachkraft eines freien Trägers. Auf Grundlage einer Weiterrechnung der Anzahl der 72-Jährigen am 31. Dezem-ber 2019 (Wohnberechtigte Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Karlsruhe ohne LEA) ist davon auszu-gehen, dass 2022 gesamtstädtisch etwa 2.450 Personen das 75. Lebensjahr vollendet haben werden. Durch Informationen, Beratung und Vermittlung zu weiterführenden Angeboten werden Teilhabe-chancen verbessert und die selbstständige Lebensführung und der Verbleib in der eigenen Wohnung unterstützt. Mit dem aufsuchenden Ansatz verbunden ist das Ziel, zurückgezogen lebende Menschen und Personengruppen zu erreichen, die schwerer Zugang zum gesundheitlichen und sozialen Unter- stützungssystem finden, belastet oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Grundlegend für die Aus-wahl von Seniorinnen und Senioren bereits im Alter von 75 Jahren ist dabei eine frühzeitige Ansprache als zentrales Merkmal präventiver Arbeit. Mit höherem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheit-licher Einschränkungen und damit verbundener Hilfe- und Unterstützungsbedarfe. Das Themen-spektrum der Beratung umfasst: ▪ Unterstützungs- und Pflegebedarf (bestehend und gegebenenfalls zukünftig), ▪ Finanzielle Situation und Leistungsansprüche, ▪ Bildung, Aktivitäten und Einsamkeit, ▪ Wohnberatung/Wohnraumanpassung, ▪ Gesundheitskompetenz. Umsetzung Die für Karlsruhe empfohlene Umsetzung des Modellprojekts umfasst die ▪ geregelte und rechtskonforme Vergabe der Durchführung an freie Träger, ▪ Durchführung auf der Grundlage des vorliegenden Konzepts und einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Karlsruhe, ▪ Durchführung in einem von der Stadt Karlsruhe vorgegebenen Gebiet, ▪ Qualifikation der Fachkräfte (Soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation), ▪ Fokussierung auf die Altersgruppe der 75-Jährigen, ▪ Erarbeitung und Weiterentwicklung von Informationsmaterial. Die Vergabe an einen Träger erfolgt nach Ausschreibung. Das Angebot soll aus einer Hand erbracht werden, es kann daher nur ein Träger gefördert werden. Bewerben können sich die auf Bundesebene zusammengeschlossenen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und ihre Mitglieder als anerkannte Träger der freien Wohlfahrtspflege (§ 5 Abs. 1 SGB XII) sowie die sonst als Träger der freien Wohl-fahrtspflege öffentlich anerkannten Verbände. Die Bewerbung umfasst die Vorlage eines Kurzkon-zeptes, das die fachliche Einbindung der präventiven Hausbesuche beim Träger und die eigene Aus-richtung auf die Themenschwerpunkte darlegt sowie Erfahrungen im Bereich der Altenhilfe und in der Netzwerkarbeit darstellt. Das Kurzkonzept dient der Bewertung der fachlichen Eignung. Bei gleicher Eignung von Bewerbenden entscheidet das Los. Die Förderung erfolgt im Rahmen der freiwilligen Leistungen. Die Verwendung der Mittel ist ordnungsgemäß nachzuweisen. Der Verwendungsnachweis besteht aus einem sachlichen Bericht und einem zahlenmäßigen Nachweis. Für das Modellprojekt wird vorgeschlagen, mit den Planungsgebieten West (Mühlburg, Daxlanden, Grünwinkel, Oberreut) und Nord (Nordweststadt, Knielingen, Neureut, Nordstadt) zu beginnen. Mit dem Angebot sollen Menschen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten angesprochen werden. Daher wurden – 3 – Stadtteile ausgewählt, die eine große Vielfalt in Bezug auf ihre Bevölkerungs- und Siedlungs-struktur aufweisen. Die für das Modellprojekt gewählten Planungsgebiete West und Nord umfassen rund 890 Menschen im Alter von 75 Jahren und wurden unter der Annahme gewählt, dass bis zu 30 Prozent der angeschriebenen Personen einen Besuch wünschen. Mit einer halben Vollzeitstelle pro Jahr können somit etwa 250 bis 300 Besuche durchgeführt werden. Sollten die Erfahrungen zeigen, dass weniger Menschen das Angebot annehmen, kann das Angebot während der Projektlaufzeit auf andere Stadtteile bzw. Planungsgebiete erweitert werden. Die Umsetzung wird in zwei Phasen empfohlen: 1) Eine sechsmonatige Aufbauphase zur Vernetzung, Klärung von Schnittstellen, Anbahnung weiterer Kooperationen und Erarbeitung von Informationsmaterial. 2) Eine einjährige Anwendungsphase, in welcher die Besuche durchgeführt und Erfahrungen dokumentiert werden. Somit umfasst die Gesamtlaufzeit des Projekts 1,5 Jahre. Begonnen werden könnte mit dem Projekt, vorbehaltlich einer Bereitstellung der Mittel im Haushalt, im Jahr 2022. Das Konzept richtet ein besonderes Augenmerk auf die notwendige Vernetzung und Kooperation, nicht nur mit kommunalen Fachstellen, sondern auch mit Angeboten anderer freier Träger. Dieser Arbeit ist als Grundlegung ausreichend Zeit einzuräumen, da dadurch tragfähige Kooperationen entstehen. Für die älteren Menschen ist es wichtig, übersichtliche Informationen zu erhalten, die die vorhandene große Träger- und Angebotsvielfalt ansprechend und barrierefrei darstellen sowie Schlüsselinformationen bündeln. Für die Zielgruppe „junge Familien“ werden mit den Elternbriefen und den Begrüßungsmappen der frühen Prävention bereits ähnliche Ansätze erfolgreich umgesetzt. Um die notwendige Qualität des Informationsmaterials zu erreichen, empfiehlt die Verwaltung, im Entwicklungsprozess spezialisierte Beratungsdienstleister hinzuzuziehen, auch im Hinblick auf Material in Leichter Sprache, um Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz anzusprechen. Finanzielle Auswirkungen Betriebskostenzuschuss für den Träger: Für die Finanzierung des Modellprojekts werden im Rahmen der freiwilligen Leistungen folgende Zuschüsse befristet auf 1,5 Jahre gewährt: Jahr Betrag Bezeichnung Kontierung 2022 42.000 Euro Förderung von Trägern freie Wohlfahrtspflege PSP: 1.500.31.80.08.04 Plansachkonto: 43000000 2023 21.000 Euro Förderung von Trägern freie Wohlfahrtspflege PSP: 1.500.31.80.08.04 Plansachkonto: 43000000 Die Stadt Karlsruhe gewährt als Betriebskostenzuschuss bis zu 42.000 Euro pro Jahr für „Präventive Hausbesuche“. Dieser Zuschuss setzt sich zusammen aus den maximal bis zur Höhe der tatsächlich entstandenen Arbeitgeberbruttoaufwendungen von bis zu 50 Prozent einer Vollzeitstelle (angelehnt an Entgeltgruppe S12 TVöD-SuE) und einem Sachkostenzuschuss in Höhe von bis zu 4.000 Euro der tatsächlich entstandenen Sachkosten. Für die anfallenden administrativen Aufgaben (Versand der Briefe, Beschaffung von Präsenten, Terminkoordination) ist außerdem eine Erhöhung des Sachmittelbudgets beim Seniorenbüro und Pflegestützpunkt erforderlich: – 4 – Jahr Betrag Bezeichnung Kontierung 2022 4.400 Euro Seniorenbüro und Pflegestützpunkt KST: 50206500 Plansachkonto: 44300000 2023 2.400 Euro Seniorenbüro und Pflegestützpunkt KST: 50206500 Plansachkonto: 44300000 Im Jahr 2022 setzt sich dieses zusammen aus den einmaligen Kosten der Beratungsdienstleistung in der Aufbauphase in Höhe von 2.000 Euro und den sonstigen Sachkosten anteilig auf zwei Jahre gerechnet (Anschreiben mit Portokosten 800 Euro, Informationsmaterialien und Präsent in Höhe von 4.000 Euro: anteilig pro Jahr 2.400 Euro). Im Folgejahr fallen damit noch 2.400 Euro sonstige Sachkosten an. Es ist für 2022 zu erwarten, dass für Kommunen Fördergelder für gruppenspezifische Interventionen der Gesundheitsförderung in Lebenswelten des GKV-Bündnisses (Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen) für Gesundheit ausgeschrieben werden. Es wird angestrebt, sich mit dem Projekt „Präventive Hausbesuche“ darauf zu bewerben. Vorbehaltlich einer Förderzusage könnten damit als Finanzierung für 2022 voraussichtlich 25.000 Euro und für das Jahr 2023 15.000 Euro herangezogen werden. Ausblick Durch das Modellprojekt und die Auswertung der praktischen Erkenntnisse werden Einschätzungen über den tatsächlichen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcenbedarf, über die Akzeptanz des Angebots, die Zielerreichung und den Bedarf der Zielgruppe möglich. Damit wird eine valide Bewertungsgrundlage im Hinblick auf eine mögliche Fortführung nach Abschluss der Projektdauer geschaffen, die Fragen der Qualitätsentwicklung und der Bedarfsgerechtigkeit einbezieht und über die die Weiterentwicklung der Angebotslandschaft gesteuert werden kann. CO 2 -Relevanz Durch die Hausbesuche sind je nach Verkehrsmittelwahl zusätzliche CO 2 -Emmisionen in geringem Umfang möglich. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss dem Konzept inhaltlich zu und nimmt die finanziellen Mehraufwendungen zur Kenntnis. Die zusätzlichen Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung ist im Haushalt 2022/2023 zu beschließen.

  • Abstimmungsergebnis_top16 GR 23.03.2021
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR 23.03.2021b TOP 16
    Extrahierter Text

    Niederschrift 22. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. März 2021, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 13. Punkt 16 der Tagesordnung: Konzept für ein Modellprojekt "Präventive Hausbesuche für Se- niorinnen und Senioren" Vorlage: 2021/0162 Beschluss: Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss dem Konzept inhaltlich zu und nimmt die finanziellen Mehraufwendungen zur Kenntnis. Die zusätzlichen Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung ist im Haushalt 2022/2023 zu be- schließen. Abstimmungsergebnis: Bei 36 Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung mehrheitlich zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Sozialausschuss. Stadtrat Høyem (FDP): Alt zu werden, ist wahrlich nichts für Feiglinge, aber alt bedeutet nicht, pauschal und generell krank und hilflos zu sein. Diese Beschlussvorlage ist bestimmt gut ge- meint, aber es ist auch eine Beleidigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe gegenüber. Noch nie waren alte Menschen so leistungsfähig wie heute. Die Beschlussvorlage ist Ausdruck für eine unglaubliche und unwürdige Primitivierung und Auffassung von Alter, eine Altersprimitivierung. Jung oder alt zu sein, ist eine individuelle biologische Realität. Jung zu sein oder alt zu sein, ist aber keine Qualifikation. Es ist traurig, dass man gerade hier in der Bundesrepublik, wo Konrad Adenauer als 87-Jähriger Bundeskanzler war, noch nicht vom Altersklischee in unserer Realität 2021 angekommen ist. Hier diskutieren wir mit Sturheit das Rentenalter. In meinem Heimat- land Dänemark haben wir kein gezwungenes Rentenalter. Man kann als 65-Jähriger wählen, in Rente zu gehen. Aber falls man auf dem Arbeitsmarkt bleibt, steigt die Rente um 10 Prozent pro Jahr. Bleibt man bis 75, wird die Rente verdoppelt. – 2 – Wir haben auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik nicht zu viele ältere Menschen, sondern re- präsentativ zu wenige. Die Stadt und die öffentliche Verwaltung sollen selbstverständlich hel- fen, wo ein Bedarf ist. Aber wir haben auch in Deutschland oft genug erlebt, was es bedeutet, wenn sich der Staat mit präventivem Hausbesuch in das Privatleben der Bürger als Vormund einmischt. Diesen Brief sollten wir also an unsere Ehrenbürger*innen, Frau Gerlinde Hämmerle, Herrn Dr. Seiler und Herrn Fenrich, schicken und selbstverständlich dem Ministerpräsident Kre- tschmann, Herrn Wolfgang Schäuble und Präsident Joe Biden, auch in dieser Zielgruppe. Der Brief ist von unserem netten und freundlichen Bürgermeister Lenz unterschrieben. Aber stellen Sie sich vor, dass der Brief von den Zeugen Jehovas oder Scientology an Sie geschrieben wäre. Dann erkennen Sie, wie aufdringlich und anmaßend es ist. Wir würden gerne mit Ihnen über Ihre Lebenssituation und das Älterwerden ins Gespräch kommen und Sie, wenn Sie es wün- schen, dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen zu können. Gut gemeint, aber totaler Vormund einer Bevölkerungsgruppe gegenüber. Man untergräbt das Mit- einander der Generationen. Wir Älteren haben einen fantastischen Vorteil den Jüngeren gegenüber. Wir wissen, wie es ist, jung zu sein, weil wir das selber erlebt haben. Die Jungen wissen nicht, wie es ist, alt zu sein, aber sie erfahren es hoffentlich, keine Angst, es ist keine Krankheit. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Ursprünglich wollten wir dazu nicht reden, aber jetzt natürlich dann doch. Herr Høyem, auch in Deutschland kann man freiwillig länger arbeiten. Das mache ich gerade und bekomme tatsächlich 6 Prozent mehr Rente im Jahr, nur zur Information. Das Ziel des Pilotprojekts präventiver Hausbesuche ist, dass Senior*innen länger selbstständig und zu Hause wohnen bleiben können oder in eine barrierefreie Wohnung umziehen. Das natürlich freiwillige Beratungsangebot vermittelt bei Bedarf spezifische Berater*innen, wie zum Beispiel technische Beratung für einen Treppenlift. Man kann die Augen ideologisch vor den Realitäten zumachen oder sich den Fakten stellen. Hier einmal fünf Fakten. Fakt 1: 75 Prozent aller Frauen gehen im Laufe ihres Lebens in ein Pflegeheim - das ist einfach ein Fakt - und rund 60 Prozent aller Männer. Fakt 2: Wir haben diese Plätze für die geburtenstarken Jahrgänge nicht. Wir können die soge- nannten 24-Stunden-Pflegekräfte aus Osteuropa, 3.000 ungefähr in Karlsruhe, natürlich noch mal erhöhen und dann schön weiter weggucken, wie Sie das offensichtlich machen. Also das macht mich auch wirklich wütend, muss ich sagen. Zum großen Teil sind es mittlerweile Ukrai- nerinnen, die illegal hier sind. Wie es diesen Frauen in der Pandemie jetzt geht, die dann auch nicht geimpft werden können, die teilweise - ich hatte gerade ein Gespräch mit der Frau Zetsch- mann, die sich da auskennt - zu Hause quasi eingesperrt werden, weil die Leute nicht wollen, dass sie rausgehen wegen der Pandemie und so weiter. Da kann man dann gucken und diese Anzahl erhöhen, das ist der Fakt 2. Fakt 3: Wissenschaftliche Untersuchungen besagen, dass drei Viertel aller Älteren keine gute Gesundheitskompetenz haben. Das ist auch ein Fakt, und dies hat natürlich viel mit mangeln- dem Vertrauen zu Trägern und Angeboten zu tun. Wem kann ich vertrauen? Auf jeden Fall der Stadt. Es ist gut, wenn die eine Erstberatung macht. – 3 – Fakt 4: In Evaluationen über präventive Hausbesuche, die es schon lange in Köln, Stuttgart und Ulm gibt, wird deutlich, Zitat aus der Evaluation Ulm, „aktive Information und Beratung wird von den Senior*innen als positiv erlebt, dass die Kommune sich um ihre Belange kümmert“. Themen sind dann so einfache Dinge wie, eine Einkaufshilfe organisieren, Essen auf Rädern und so weiter. Wir GRÜNE waren uns auch nicht sicher, als wir das erste Mal von diesen Hausbesuchen hör- ten, ob das Angebot angenommen wird. Aber wir haben uns die Fakten angeguckt. Der fünfte Fakt ist noch, dass die Stadt durchaus einiges an Geld sparen kann, weil die Men- schen später ins Pflegeheim kommen. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Recht kurz dazu, viele unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbür- ger haben sehr wohl die Fähigkeit, sich selbst zu informieren. Es ist heute auch im digitalen Zeit- alter bei vielen schon sehr ausgeprägt. Auch in dieser Pandemiesituation haben wir erlebt, wie viele der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger sich plötzlich doch mit dem PC und mit ande- ren Sachen Informationen verschafft haben. Entscheidend ist für uns, dass es jetzt keine aufsuchenden Hausbesuche gibt, so dass man hier vor der Tür steht. Wenn man ein Pilotprojekt macht, muss dieses auf absolute Freiwilligkeit der Beratung bestehen. Man kann hinweisen, aber da dies auch ein Kostenfaktor ist, sollte man die- sen Antrag in die Haushaltsberatung verweisen. Stadträtin Melchien (SPD): Als SPD-Fraktion werden wir diesem Konzept heute sehr gerne zu- stimmen. Wir haben es im Vorfeld begleitet und werden sicherlich, wie mein Kollege gerade ausgeführt hat, abschließend im Haushalt beraten müssen. Herr Høyem, ich bin wirklich irritiert von Ihrem Wortbeitrag. Es geht nicht nur mir so, sondern sehr vielen, wie ich gerade gemerkt habe. Sie sprechen von einer Beleidigung der Älteren. Wenn man das jetzt vergleicht, im Be- reich der frühen Hilfen würden Sie doch niemals sagen, dass wir hier Familien diskreditieren, weil wir Angebote schaffen. Das macht doch unsere soziale Stadt aus. Zumindest bisher be- stand da auch ein Konsens. Ich sehe dieses Konzept viel mehr als ein Teil eines wirklich großen Netzes, zu dem vor allem die Quartiersentwicklung zählt, zu dem auch beispielsweise das Pro- jekt innovative Pflege zählt, bei dem wir vielversprechende erste Erfahrungen gesammelt ha- ben und vieles mehr. Inhaltlich ist meine Kollegin Anlauf jetzt sehr ausführlich darauf eingegangen, weshalb es wirk- lich ein gutes und berechtigtes Konzept ist, das wir hier beraten, das wir hier entwickelt haben. Dem möchte ich mich so anschließen. Gerade ihre Ausführung zum Thema Gesundheitskompe- tenz und der Ausprägung bei uns hierzulande, was sich in verschiedenen Studien zeigt, offen- bart wirklich einen Unterstützungsbedarf, was die Angebote angeht, und um nichts weiter dreht es sich hier. Auch die positiven Erfahrungen in anderen Städten bestärken mich darin, die mit ähnlichen Konzepten sehr gute Erfahrungen gesammelt haben, dass eben durch Kontakte kompetenter Träger mit der Stadt als Vertrauensstifterin - Sie reden hier von sehr negativen Beispielen - dem Bürgermeister, der darstellt, welche Hilfen es gibt, und dass diese dann statis- tisch gesehen viel stärker in Anspruch genommen werden, auf diesem Wege zumindest das An- gebot ausgesprochen wird. Es bringt positive Effekte für alle, die diese Hilfe nehmen wollen. – 4 – Deswegen stimmen wir heute zu. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten. Ich glaube nicht, dass Sie heute für alle Älteren gesprochen haben, werter Kollege. Ich finde es sehr schade, welchen engen Blick Ihr Wortbeitrag auf die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zeigt. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Das sehe ich jetzt gar nicht so wie Sie, Frau Melchien, dass das eng gesehen wird. Der Herr Kollege Høyem hat das in seiner Art, die man kennt, die sicher oft nicht sehr einfach ist, muss ich gestehen, auch für mich nicht, im Grunde genommen im Kern schon richtig ausgeführt. Es geht einfach auch darum - ich möchte jetzt nicht Alt und Jung gegeneinander ausspielen -, dass es natürlich nicht so einfach ist, wenn man weißhaarig ist wie ich und der Herr Høyem und beide schon ordentlich über 70 Jahre alt. Aber was ich nicht möchte, ist, dass ich einen Brief nach Hause bekomme, wo mir irgendwelche Angebote ge- macht werden. Ich denke, darum ging es auch dem Herrn Høyem. Wenn ich den Herrn Kollegen Dr. Müller richtig verstanden habe, hat er auch gesagt, dass man praktisch vor der Haustür steht. Ich weiß nicht, ob das so geplant ist, aber das geht in die Richtung. Das wird eben kritisch gesehen. Angebote zu machen, damit habe ich und hat meine Fraktion kein Problem, aber es entsteht der Eindruck - da bitte ich vielleicht auch den Herrn Bürgermeister, noch einmal klä- rende Worte zu sagen -, dass Leute, die zwar vom Alter her Senioren sind, ich weiß gar nicht, wo Senior anfängt, fängt es bei 50, 60, 70 oder 80 an, in eine Situation gedrängt werden, die mit ihrem normalen Alltag und ihrem Leben überhaupt nichts zu tun hat. Ich denke, da muss man vielleicht noch einmal nachschärfen und das präzisieren. Wenn es so ist, dass praktisch un- gesehen ab einem bestimmtem Alter Briefe verschickt werden oder Hausbesuche gemacht wer- den, dann kann das meine Fraktion so nicht mittragen. Stadträtin Fenrich (AfD): Wir hatten uns im Januar 2021 schon einmal mit der Sache befasst. Wir von der AfD hatten einen Änderungsantrag dazu gestellt, der darauf zielte, nur ein An- schreiben zu machen, auch einen Hausbesuch, wenn es gewünscht ist, wenn also der Senior mit einer Antwort kommt und sagt, ja, ich möchte einen Hausbesuch. Ich kann mich eigentlich sehr meinem Vorredner, Herrn Høyem von der FDP, anschließen. Er hat es ein bisschen soziologisch- psychologisch, auch emotional, aufgebaut. Ich sehe das Konzept, das uns vorgelegt wurde, von einer ganz anderen Seite. Ich frage mich erstens - da hat mir eine Information gefehlt -, wir haben doch für unsere älteren Bürger bislang schon was getan. Davon gehe ich doch berechtigterweise hoffentlich aus. Wir erfinden doch hier nicht ein Rad neu, dass jetzt für die Älteren was gemacht werden muss, weil wir vorher nichts gemacht hätten. Nein, die Stadt hat für die ältere Generation etwas gemacht. Dazu, wie gesagt, fehlen mir ein paar Angaben, was das an Kosten ausmacht. Jetzt möchte ich ein bisschen in die Details gehen. Die Stadt hat vor, das auszuschreiben und einem Träger den Zuschlag zu erteilen. Ich sehe das kritisch, wenn ich zum Beispiel katholisch oder evangelisch bin und es kommt jemand, der freireligiös ist. Da haben vielleicht manche Äl- tere ein Problem damit. Also einen Träger sehen wir als Fraktion als kritisch an. Dann geht es auch um die Zahlen. Sie gehen von 890 Personen aus in den zwei Stadtgebieten, die Sie als Pro- jekt beginnen wollen. Sie gehen davon aus, dass 30 Prozent über 75 Jahre einen Besuch haben wollen. 30 Prozent sind 267 Personen. Wenn Sie, wie Sie im Konzept sagen, von höchstens zwei Folgebesuche, insgesamt also drei Besuchen, ausgehen, dann sind es 267 Personen, multipli- ziert mit drei wären 801 Besuche im Worst Case. Gibt es nur zwei Besuche, sind es 534 Perso- nen. Sie gehen aber von einer halben Vollzeitstelle aus, die im Jahr nur 250 bis 300 Besuche durchführen kann. Also bitte schön, liebe Stadtverwaltung, ich glaube, da stimmt irgendwas – 5 – nicht. Übrigens fehlen mir dann auch noch Angaben zu den Kosten, was das Seniorenbüro und den Pflegestützpunkt angeht. Weiterhin erhoffen Sie sich Zuschüsse von GKV, also vom Spitzen- verband der gesetzlichen Krankenversicherung. Ich glaube, das ist ein Wunsch. Ob das so kommt, da hätte ich meine Zweifel. Dann lassen Sie mich vielleicht zum Abschluss noch was sagen. Wenn ich auf der Seite 2 des Konzeptes lese - nur ein Beispiel jetzt -, es kommt jemand vor meine Tür, Wohnraumberatung, Wohnraumanpassung, klingt das mir sehr nach Sozialismus. Das lehnen wir ab. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Das war jetzt gerade das richtige Stichwort. Um Himmels Willen, was glauben denn die Kolleginnen und Kollegen hier im Raum, um was es hier geht? Es geht um eine freiwillige Leistung, die kann ich in Anspruch nehmen, muss aber nicht. Das Angebot kommt von der Stadtverwaltung, von einer Stelle, die definitiv frei ist von irgendwelchen Ver- dächtigungen, wie eben Zeugen Jehovas oder anderen, was weiß ich, Trickbetrügern usw. Die Stadt schickt einen Glückwunschbrief zum 75. Geburtstag und bietet bei der Gelegenheit eine Beratung an oder all das, was vielleicht in dem Alter langsam relevant werden könnte. Dieses Angebot kann ich annehmen, muss aber nicht. Das ist schon mal das Erste. Das andere, wo ich wirklich darum bitte, schauen Sie es sich einmal von anderer Seite an. Volks- wirtschaftlich gerechnet wird auf die Jahre gesehen wahrscheinlich vieles günstiger für die Ge- sellschaft, wenn wir Menschen in einem gewissen Alter ermöglichen, in ihrer Wohnung zu blei- ben, weil sie es geschafft haben, ihr Umfeld mithilfe dieses Angebots so zu organisieren, dass ein Verbleib in der Wohnung möglich ist. Ich sage es jetzt einfach einmal, nicht alle Menschen über 75 sind wie Lüppo Cramer oder wie Herr Høyem in der Lage, mit dem Tablet umzugehen usw. Da gibt es ganz viele, die haben keinen Zugang zum Internet und all dem, was ich mir da an Infos holen kann. Für diese Menschen ist dieser Besuch wichtig, weil sie über diesen Besuch erfahren können, in meiner Umgebung gibt es eine Nachbarschaftshilfe, die bietet mir an, mich beim Einkaufen zu begleiten. Schwindelgefühle und andere Sachen verhindern oftmals, dass Menschen sich in einem gewissen Alter noch selbstständig im Straßenraum bewegen. All solche Dinge können organisiert werden mithilfe dieser Beratung. Um nichts anderes geht es. Wenn ich den Menschen auch in fortgeschrittenem Alter dann ermögliche, ihr eigenes Leben noch sel- ber zu gestalten, dann habe ich doch ganz viel gewonnen. Für diese Menschen ist tatsächlich dieses Leben im Alter ein bisschen attraktiver, als wenn sie nur eingesperrt in ihren vier Wän- den sitzen müssen. Darum geht es. Ich glaube wirklich, die Gesellschaft profitiert davon und die Stadtkasse auch, weil es Heimunterbringungen entlastet. Es entlastet all das, was dann mit be- treutem Wohnen zu tun hätte. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Wir müssen in der Frage schon ein bisschen locker bleiben. Was hier für Geschütze aufgefahren werden, ist unglaublich. Da geht es um einen schlichten Brief des Herrn Oberbürgermeisters. Der schreibt, Sie haben die Möglichkeit für eine Beratung. Wenn Sie kein Interesse haben, schmeißen Sie es in die Ablage P. Der Vorteil dieser Geschichte ist, dass die Leute, solange sie noch fit sind, eine Beratung in Anspruch nehmen können und da- mit auch ihre Weichen für das Älter werden stellen können. Das ist der Vorteil. Man kommt nicht erst, wenn es akut und wenn es präsent ist. Der zweite Vorteil war für mich das überzeugende Kriterium. Menschen sind oft sehr allein, ge- rade ältere Menschen in dem Alter. Deswegen wird die Verknüpfung mit dem Quartier an der Stelle ganz spannend. Der Berater, der vielleicht eingeladen wird zu einer Beratung, kann – 6 – darauf hinweisen, was für Möglichkeiten es für ältere Menschen im Quartier, auch generatio- nenübergreifend, gibt. Das ist ein großer Vorteil, wenn man Menschen ins Quartier hinein ver- binden kann. Das ist eine mächtige Chance. Deswegen sage ich ja, lasst es uns probieren. Wenn es nichts wird, dann können wir es wieder einstampfen. Aber zunächst ist es eine ganz tolle Sa- che. Das ist keine Beleidigung. Wie gesagt, wir sind freie Menschen, wir können alles weg- schmeißen, was wir erhalten, wir müssen es nicht nehmen. Der Vorsitzende: Ich möchte einfach noch mal an das Haus appellieren, das Thema Vorbera- tung im Fachausschuss ernst zu nehmen. Viele der Beiträge und auch vor allem die Fragestel- lungen erwecken den Eindruck, dass Sie heute diese Vorlage zum ersten Mal sehen und zum ersten Mal mit dieser Idee überhaupt konfrontiert werden. Ich möchte einfach dran erinnern, das war ein Antrag hier aus dem Gemeinderat. Der ist damals schon kontrovers diskutiert wor- den, und jetzt schlägt die Verwaltung eine Umsetzung vor. Sie können die jetzt fachlich richtig finden oder fachlich falsch. Aber die fachliche Beratung sollte im Sozialausschuss stattfinden, und wir uns jetzt nicht hier in irgendwelchen Details verheddern. Deswegen beantworte ich jetzt auch keine Frage, sondern wir stimmen einfach ab, ob das Ihrer Vorstellung entspricht o- der nicht. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Herr Oberbürgermeister, bitte beachten Sie aber, dass der Kollege Dr. Müller beantragt hat, dass das erst einmal in der Haushaltsdebatte beraten wird, bevor wir es heute beschließen. Sie müssten uns sagen, wie Sie damit umgehen. Der Vorsitzende: Es geht heute darum, ob Sie dem Konzept zustimmen. Es wird im Haushalt noch einmal aufgerufen, weil dann die Finanzierung geklärt wird. Es gibt jetzt durchaus kritische Stimmen zum Konzept. Insofern wüsste ich jetzt schon gerne, ob das Konzept okay ist oder nicht. Denn sonst müssten wir es noch einmal überarbeiten. Darüber stimmen wir jetzt ab. - Das ist eine mehrheitliche Zustimmung. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 22. April 2021

  • NEU: Vorlage Präventive Hausbesuche GR 07.-08.12.2021
    Extrahierter Text

    Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2021/0162 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Konzept für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren“ Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 03.03.2021 5 x vorberaten Gemeinderat 23.03.2021 16 x vorberaten Sozialausschuss 01.12.2021 2 x vorberaten Gemeinderat 07./08.12.2021 6.1 x Beschlussantrag Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss dem Konzept inhaltlich zu und nimmt die finanziellen Mehraufwendungen zur Kenntnis. Die zusätzlichen Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung ist im Haushalt 2022/2023 zu beschließen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen | Erträge (Zuschüsse und Ähnliches) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja ☒ Nein ☐ 2022: 46.400 Euro 2023: 23.400 Euro 2022: 25.000 2023: 15.000 2022: 21.400 Euro 2023: 8.400 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja ☐ Nein ☒ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: ☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) ☒ Umschichtungen innerhalb des Dezernates ☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☐ negativ ☒ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein ☒ Ja ☐ durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Konzeptauftrag Der Gemeinderat hat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Konzepts für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren“ beauftragt (Gemeinderatssitzung am 21. Januar 2020, TOP 24). Als proaktiver Ansatz zielen präventive Hausbesuche auf niederschwellige Information und Beratung von Seniorinnen und Senioren in ihrer häuslichen Umgebung ab. Diese werden zu ihrem 75. Geburts-tag durch die Stadt angeschrieben und erhalten das Angebot eines Hausbesuchs durch eine Fachkraft eines freien Trägers. Auf Grundlage einer Weiterrechnung der Anzahl der 72-Jährigen am 31. Dezem-ber 2019 (Wohnberechtigte Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Karlsruhe ohne LEA) ist davon auszu-gehen, dass 2022 gesamtstädtisch etwa 2.450 Personen das 75. Lebensjahr vollendet haben werden. Durch Informationen, Beratung und Vermittlung zu weiterführenden Angeboten werden Teilhabe-chancen verbessert und die selbstständige Lebensführung und der Verbleib in der eigenen Wohnung unterstützt. Mit dem aufsuchenden Ansatz verbunden ist das Ziel, zurückgezogen lebende Menschen und Personengruppen zu erreichen, die schwerer Zugang zum gesundheitlichen und sozialen Unter- stützungssystem finden, belastet oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Grundlegend für die Aus-wahl von Seniorinnen und Senioren bereits im Alter von 75 Jahren ist dabei eine frühzeitige Ansprache als zentrales Merkmal präventiver Arbeit. Mit höherem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheit-licher Einschränkungen und damit verbundener Hilfe- und Unterstützungsbedarfe. Das Themen-spektrum der Beratung umfasst: ▪ Unterstützungs- und Pflegebedarf (bestehend und gegebenenfalls zukünftig), ▪ Finanzielle Situation und Leistungsansprüche, ▪ Bildung, Aktivitäten und Einsamkeit, ▪ Wohnberatung/Wohnraumanpassung, ▪ Gesundheitskompetenz. Umsetzung Die für Karlsruhe empfohlene Umsetzung des Modellprojekts umfasst die ▪ geregelte und rechtskonforme Vergabe der Durchführung an freie Träger, ▪ Durchführung auf der Grundlage des vorliegenden Konzepts und einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Karlsruhe, ▪ Durchführung in einem von der Stadt Karlsruhe vorgegebenen Gebiet, ▪ Qualifikation der Fachkräfte (Soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation), ▪ Fokussierung auf die Altersgruppe der 75-Jährigen, ▪ Erarbeitung und Weiterentwicklung von Informationsmaterial. Die Vergabe an einen Träger erfolgt nach Ausschreibung. Das Angebot soll aus einer Hand erbracht werden, es kann daher nur ein Träger gefördert werden. Bewerben können sich die auf Bundesebene zusammengeschlossenen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und ihre Mitglieder als anerkannte Träger der freien Wohlfahrtspflege (§ 5 Abs. 1 SGB XII) sowie die sonst als Träger der freien Wohl-fahrtspflege öffentlich anerkannten Verbände. Die Bewerbung umfasst die Vorlage eines Kurzkon-zeptes, das die fachliche Einbindung der präventiven Hausbesuche beim Träger und die eigene Aus-richtung auf die Themenschwerpunkte darlegt sowie Erfahrungen im Bereich der Altenhilfe und in der Netzwerkarbeit darstellt. Das Kurzkonzept dient der Bewertung der fachlichen Eignung. Bei gleicher Eignung von Bewerbenden entscheidet das Los. Die Förderung erfolgt im Rahmen der freiwilligen Leistungen. Die Verwendung der Mittel ist ordnungsgemäß nachzuweisen. Der Verwendungsnachweis besteht aus einem sachlichen Bericht und einem zahlenmäßigen Nachweis. Für das Modellprojekt wird vorgeschlagen, mit den Planungsgebieten West (Mühlburg, Daxlanden, Grünwinkel, Oberreut) und Nord (Nordweststadt, Knielingen, Neureut, Nordstadt) zu beginnen. Mit dem Angebot sollen Menschen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten angesprochen werden. Daher wurden Stadtteile ausgewählt, die eine große Vielfalt in Bezug auf ihre Bevölkerungs- und Siedlungs-struktur aufweisen. – 3 – Die für das Modellprojekt gewählten Planungsgebiete West und Nord umfassen rund 890 Menschen im Alter von 75 Jahren und wurden unter der Annahme gewählt, dass bis zu 30 Prozent der angeschriebenen Personen einen Besuch wünschen. Mit einer halben Vollzeitstelle pro Jahr können somit etwa 250 bis 300 Besuche durchgeführt werden. Sollten die Erfahrungen zeigen, dass weniger Menschen das Angebot annehmen, kann das Angebot während der Projektlaufzeit auf andere Stadtteile bzw. Planungsgebiete erweitert werden. Die Umsetzung wird in zwei Phasen empfohlen: 1) Eine sechsmonatige Aufbauphase zur Vernetzung, Klärung von Schnittstellen, Anbahnung weiterer Kooperationen und Erarbeitung von Informationsmaterial. 2) Eine einjährige Anwendungsphase, in welcher die Besuche durchgeführt und Erfahrungen dokumentiert werden. Somit umfasst die Gesamtlaufzeit des Projekts 1,5 Jahre. Begonnen werden könnte mit dem Projekt, vorbehaltlich einer Bereitstellung der Mittel im Haushalt, im Jahr 2022. Das Konzept richtet ein besonderes Augenmerk auf die notwendige Vernetzung und Kooperation, nicht nur mit kommunalen Fachstellen sondern auch mit Angeboten anderer freier Träger. Dieser Arbeit ist als Grundlegung ausreichend Zeit einzuräumen, da dadurch tragfähige Kooperationen entstehen. Für die älteren Menschen ist es wichtig, übersichtliche Informationen zu erhalten, die die vorhandene große Träger- und Angebotsvielfalt ansprechend und barrierefrei darstellen sowie Schlüsselinformationen bündeln. Für die Zielgruppe „junge Familien“ werden mit den Elternbriefen und den Begrüßungsmappen der frühen Prävention bereits ähnliche Ansätze erfolgreich umgesetzt. Um die notwendige Qualität des Informationsmaterials zu erreichen, empfiehlt die Verwaltung, im Entwicklungsprozess spezialisierte Beratungsdienstleister hinzuzuziehen, auch im Hinblick auf Material in Leichter Sprache, um Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz anzusprechen. Finanzielle Auswirkungen Betriebskostenzuschuss für den Träger: Für die Finanzierung des Modellprojekts werden im Rahmen der freiwilligen Leistungen folgende Zuschüsse befristet auf 1,5 Jahre gewährt: Jahr Betrag Bezeichnung Kontierung 2022 42.000 Euro Förderung von Trägern freie Wohlfahrtspflege PSP: 1.500.31.80.08.04 Plansachkonto: 43000000 2023 21.000 Euro Förderung von Trägern freie Wohlfahrtspflege PSP: 1.500.31.80.08.04 Plansachkonto: 43000000 Die Stadt Karlsruhe gewährt als Betriebskostenzuschuss bis zu 42.000 Euro pro Jahr für „Präventive Hausbesuche“. Dieser Zuschuss setzt sich zusammen aus den maximal bis zur Höhe der tatsächlich entstandenen Arbeitgeberbruttoaufwendungen von bis zu 50 Prozent einer Vollzeitstelle (angelehnt an Entgeltgruppe S12 TVöD-SuE) und einem Sachkostenzuschuss in Höhe von bis zu 4.000 Euro der tatsächlich entstandenen Sachkosten. Für die anfallenden administrativen Aufgaben (Versand der Briefe, Beschaffung von Präsenten, Terminkoordination) ist außerdem eine Erhöhung des Sachmittelbudgets beim Seniorenbüro und Pflegestützpunkt erforderlich: Jahr Betrag Bezeichnung Kontierung 2022 4.400 Euro Seniorenbüro und Pflegestützpunkt KST: 50206500 Plansachkonto: 44300000 2023 2.400 Euro Seniorenbüro und Pflegestützpunkt KST: 50206500 – 4 – Plansachkonto: 44300000 Im Jahr 2022 setzt sich dieses zusammen aus den einmaligen Kosten der Beratungsdienstleistung in der Aufbauphase in Höhe von 2.000 Euro und den sonstigen Sachkosten anteilig auf zwei Jahre gerechnet (Anschreiben mit Portokosten 800 Euro, Informationsmaterialien und Präsent in Höhe von 4.000 Euro: anteilig pro Jahr 2.400 Euro). Im Folgejahr fallen damit noch 2.400 Euro sonstige Sachkosten an. Es ist für 2022 zu erwarten, dass für Kommunen Fördergelder für gruppenspezifische Interventionen der Gesundheitsförderung in Lebenswelten des GKV-Bündnisses (Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen) für Gesundheit ausgeschrieben werden. Es wird angestrebt, sich mit dem Projekt „Präventive Hausbesuche“ darauf zu bewerben. Vorbehaltlich einer Förderzusage könnten damit als Finanzierung für 2022 voraussichtlich 25.000 Euro und für das Jahr 2023 15.000 Euro herangezogen werden. Ausblick Durch das Modellprojekt und die Auswertung der praktischen Erkenntnisse werden Einschätzungen über den tatsächlichen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcenbedarf, über die Akzeptanz des Angebots, die Zielerreichung und den Bedarf der Zielgruppe möglich. Damit wird eine valide Bewertungsgrundlage im Hinblick auf eine mögliche Fortführung nach Abschluss der Projektdauer geschaffen, die Fragen der Qualitätsentwicklung und der Bedarfsgerechtigkeit einbezieht und über die die Weiterentwicklung der Angebotslandschaft gesteuert werden kann. CO 2 -Relevanz Durch die Hausbesuche sind je nach Verkehrsmittelwahl zusätzliche CO 2 -Emmisionen in geringem Umfang möglich. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Sozialausschuss dem Konzept inhaltlich zu und nimmt die finanziellen Mehraufwendungen zur Kenntnis. Die zusätzlichen Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung ist im Haushalt 2022/2023 zu beschließen.

  • Anlage Präventive Hausbesuche GR 07.-08.12.2021
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial und Jugendbehörde Modellprojekt Präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren Konzept Teilhabe und selbständige Lebensführung im Alter fördern durch frühzeitige Information und Beratung. Modellprojekt Präventive Hausbesuche 2 | Einführung Der Gemeinderat hat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Konzepts für ein Modellprojekt „Präventive Haus- besuche für Seniorinnen und Senioren“ beauftragt (Gemeinderatssitzung am 21. Januar 2020, TOP 24). Für Karlsruhe wird eine Umsetzung als geeignet erachtet, die sich an den Hausbesuchen für ältere Menschen der Stadt Köln orientiert, die Träger der Wohlfahrtspflege sozialraumbezogen mit der Umsetzung beauftragt. Dar- über hinaus wurden die aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Präsenz, Prävention für Senioren Zu- hause“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration entwickelten Handreichungen für Kommunen herangezogen 1 . Ergänzend dazu konnte auf praktische Erfahrungen der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe im Kooperationsprojekt mit der Baugenossenschaft Hardt- waldsiedlung zurückgegriffen werden, die präventive Hausbesuche in der Hardtwaldsiedlung durchführen. Ziele und Zielgruppe Als proaktiver Ansatz zielen präventive Hausbesuche auf niederschwellige Information und Beratung von Senio- rinnen und Senioren in ihrer häuslichen Umgebung. Diese werden zu ihrem 75. Geburtstag durch die Stadtver- waltung angeschrieben und erhalten das Angebot eines Hausbesuchs durch eine Fachkraft. Durch Informatio- nen, Beratung und Vermittlung zu weiterführenden Angeboten werden Teilhabechancen verbessert und die selbstständige Lebensführung und der Verbleib in der eigenen Wohnung unterstützt. Im Gegensatz zum beste- henden Angebot der Pflegeberatung, das auf einen bereits vorhandenen Unterstützungsbedarf reagiert und ein Pflegearrangement mit den Betroffenen entwickelt, richtet sich der präventive Hausbesuch mit dem aufsuchen- den Ansatz an eine Zielgruppe im Vorfeld von Pflegebedarf und zielt auf die Stärkung der Selbst-management- kompetenzen der älteren Menschen. Zentrale Herausforderung sowohl für das aktive und gesunde Leben von älteren Menschen als auch für die künftige Tragfähigkeit des Gesundheitssystems ist die Risikofrüherkennung. Wie durch die Umfrage „Generation 55Plus in Karlsruhe 2015“ erhoben werden konnte, wird eine Versorgung im eigenen Haushalt auch bei Pflegebedürftigkeit am meisten gewünscht. Dieser Wunsch korrespondiert mit dem Ansatz „ambulant vor stationär” gemäß § 43 Abs. 1 SGB XI. Mit dem aufsuchenden Ansatz verbunden ist auch das Ziel, zurückgezogen lebende Menschen und Personengruppen zu erreichen, die schwerer Zugang zum gesundheitlichen und sozialen Unterstützungssystem finden, belastet oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Grundlegend für die Auswahl von Seniorinnen und Senioren bereits im Alter von 75 Jahren ist dabei eine früh- zeitige Ansprache als zentrales Merkmal präventiver Arbeit. Mit höherem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit ge- sundheitlicher Einschränkungen und damit verbundener Hilfe- und Unterstützungsbedarfe. Insbesondere Allein- lebende können und sollen frühzeitig sensibilisiert werden, um für ihre persönliche Situation vorausschauende Regelungen zur Absicherung zu treffen. Die aufsuchende Fachkraft kann über Angebote im Stadtteil und in der Gesamtstadt sowie über Rechte und Leis- tungen informieren. In bis zu zwei Folgebesuchen kann sie Anregungen und konkrete Hilfestellungen geben und bei Bedarf an geeignete Stellen weitervermitteln. Die Beratung muss personen- und situationsbezogen durchge- führt werden. Sie bietet den Menschen Raum, ihre Lebenssituation und ihr Lebensumfeld zu be-schreiben. Die Fachkraft kann Zugangsbarrieren zu Angeboten und Hilfen erkennen und diese möglichst abbauen. Wie in der Handreichung zum Modellprojekt PräSenz empfohlen, soll ein Gesprächsleitfaden zu Grunde gelegt werden, um verschiedene Themen aufgreifen zu können. Die Ausarbeitung und Weiterentwicklung muss prozessorientiert erfolgen und liegt in der Verantwortung des Trägers. Das Themenspektrum umfasst folgende Schwerpunkte: ▪ Unterstützungs- und Pflegebedarf (bestehend und ggf. zukünftig), ▪ Finanzielle Situation und Leistungsansprüche, ▪ Bildung, Aktivitäten und Einsamkeit, ▪ Wohnberatung/Wohnraumanpassung, ▪ Gesundheitskompetenz. 1 https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/PräSenZ-DIP-Projektbericht_Endfassung_Druckversion_final.pdf, https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/PräSenZ-Handreichung-DIP-final_1.pdf Sozial und Jugendbehörde | 3 Ablauf Der Geburtstag ist der Anlass zur Kontaktaufnahme durch ein Gratulationsschreiben des Bürgermeisters (siehe Muster, Seite 5). Es enthält einen Beratungsgutschein/eine Rückantwortkarte für einen Hausbesuch. Um die Si- cherheit der Seniorinnen und Senioren zu erhöhen, soll dabei möglichst nicht nur der beauftragte Träger son- dern auch bereits die durchführende Fachkraft namentlich benannt werden. Eine Zusage kann telefonisch, per Mail oder über die Rückantwortkarte beim durchführenden Träger erfolgen. Die Terminkoordination liegt bei diesem. Eine rechtskonforme Durchführung, insbesondere unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Be- lange, ist zu gewährleisten. Der Besuch ist mit der Übergabe eines kleinen Geschenks und einer Informations- mappe/Tasche verbunden. Grundsätzlich ist der Geburtstag ein positiver Anlass zur Kontaktaufnahme. Das Schreiben betont die hohe Wer- tigkeit, sich als Stadt gemeinsam mit Trägern für ein gutes Leben im Alter und den Verbleib in der eigenen Häus- lichkeit einzusetzen. Der positive Kontext entschärft eine zu enge Fokussierung auf die Verknüpfung von Alter und Pflegebedürftigkeit. Mit dem Besuch durch eine Fachkraft ist für die Seniorinnen und Senioren die Möglich- keit gegeben, die eigene Lebenssituation - auch auf die Zukunft projiziert - zu reflektieren. Aufgaben und Umsetzung Die für Karlsruhe empfohlene Umsetzung des Modellprojekts umfasst die ▪ geregelte und rechtskonforme Vergabe der Durchführung an freie Träger, ▪ Durchführung auf der Grundlage des vorliegenden Konzepts und einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Karlsruhe, ▪ Durchführung in einem von der Stadt Karlsruhe vorgegebenen Gebiet, ▪ Qualifikation der Fachkräfte (Soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation), ▪ Fokussierung auf die Altersgruppe der 75-Jährigen, ▪ Erarbeitung und Weiterentwicklung von Informationsmaterial. Die Vergabe an einen Träger erfolgt nach Ausschreibung. Das Angebot soll aus einer Hand erbracht werden, es kann daher nur ein Träger gefördert werden. Bewerben können sich die auf Bundesebene zusammenge-schlos- senen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und ihre Mitglieder als anerkannte Träger der freien Wohl-fahrts- pflege (§ 5 Abs. 1 SGB XII) und die sonst als Träger der freien Wohlfahrtspflege öffentlich anerkannten Ver- bände. Die Bewerbung umfasst die Vorlage eines Kurzkonzepts, das die fachliche Einbindung der präventiven Hausbesuche beim Träger und die eigene Ausrichtung auf die Themenschwerpunkte darlegt sowie Erfahrungen im Bereich der Altenhilfe und in der Netzwerkarbeit darstellt. Das Kurzkonzept dient der Bewertung der fach- lichen Eignung. Bei gleicher Eignung von Bewerbern entscheidet das Los. Die Förderung erfolgt im Rahmen der freiwilligen Leistungen. Die Verwendung der Mittel ist ordnungsgemäß nachzuweisen. Der Verwendungsnach- weis besteht aus einem sachlichen Bericht und einem zahlenmäßigen Nachweis. Aufgaben des Trägers sind ▪ die Terminkoordination, ▪ die Durchführung des ersten Hausbesuchs und von bis zu zwei Folgebesuchen pro Person, ▪ die neutrale und trägerunabhängige Beratung, ▪ einzelfallbezogene und übergreifende Kooperationstätigkeiten, insbesondere mit Seniorenbüro und Pflege- stützpunkt, ▪ die Erarbeitung von Informationsmaterial in Zusammenarbeit mit Seniorenbüro und Pflegestützpunkt sowie unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner, ▪ die statistische Erfassung der Hausbesuche (Anzahl, Erst- und Folgebesuche, Dauer der Gespräche), ▪ die systematische Erfassung von Beratungsschwerpunkten und Vermittlungstätigkeiten, Darstellung der in der Durchführung gewonnenen Erfahrungen, gemeinsame Auswertung mit der Stadt Karlsruhe Aufgaben der Stadt Karlsruhe sind (wahrgenommen von Seniorenbüro und Pflegestützpunkt) ▪ das Adressmanagement, ▪ der Versand der Geburtstagsbriefe, ▪ der Druck des Informationsmaterials, ▪ die Beschaffung der Präsente, Modellprojekt Präventive Hausbesuche 4 | ▪ die fachliche Begleitung, ▪ die Auswertung des Projekts und Darstellung der Ergebnisse (wahrgenommen von Seniorenbüro und Pflege- stützpunkt und Sozialplanung). Die Gesamtlaufzeit des Projekts umfasst 1,5 Jahre und wird in eine sechsmonatige Aufbauphase und eine einjäh- rige Anwendungsphase unterteilt. Aufbauphase In der Aufbauphase werden die notwendigen Vernetzungsstrukturen und Kooperationen mit den relevanten Fachberatungen und Einrichtungen stadtteilübergreifend und stadtteilbezogen aufgebaut. Zuständigkeiten, Schnittstellen und Übergänge werden geklärt, Formen der Zusammenarbeit werden geregelt. Weitere Aufgabe in der Aufbauphase ist es, in enger Zusammenarbeit von Seniorenbüro und Pflegestützpunkt und dem beauf- tragten Träger sowie unter Einbeziehung der Kooperationspartner geeignetes Informationsmaterial zu er-arbei- ten, das ansprechend, übersichtlich und barrierefrei Schlüsselinformationen bündelt. Eine besondere Chance wird darin gesehen, hier nicht verschiedene einzelne Flyer und konkurrierende Angebote nebenein-anderzustel- len. Vielmehr sollte das Informationsmaterial den Bürgerinnen und Bürgern signalisieren, dass Träger, Zivilgesell- schaft und Kommune sich als „Sorgende Gemeinschaft“ Hand in Hand für ein gutes Leben im Alter einsetzen. Dieses greift eine in der Sozialkonferenz 2020 dargelegte Anregung und Forderung der Liga nach gebündelten und vereinfachten Informationsmaterialien auf, in denen verschiedene Träger und Akteure gemeinsam unter ei- nem Label auftreten. Gute Beispiele für eine themenbezogene Kooperation und Vernetzung sind der Ratgeber Demenz und das Demenznetzwerk oder der Stadtplan für Senioren. Um die notwendige Qualität und Barriere- freiheit des Informationsmaterials zu erreichen, ist es empfehlenswert, im Entwicklungsprozess spezialisierte Be- ratungsdienstleister hinzuzuziehen, da hier verschiedenartige Themen und Angebote gebündelt werden sollen. Von städtischer Seite sind neben Seniorenbüro und Pflegestützpunkt als weitere wichtige Kooperationspartner insbesondere der Allgemeine Soziale Dienst (ASD), der Fachbereich Soziales und Teilhabe (SoTei) sowie das Ju- gendfreizeit- und Bildungswerk (jfbw) zu nennen. Der Pflegestützpunkt berät neutral und umfassend zu allen Themen rund um Pflege und Unterstützung im Alltag. Der ASD berät zum Anspruch auf sonstige Sozialleist-un- gen, bei finanziellen sowie persönlichen Schwierigkeiten und vermittelt weitere Kontakte zu anderen Be-hörden oder Institutionen. Bei Bedarf werden Hausbesuche durchgeführt. Im Fachbereich SoTei werden unter anderem Leistungen der Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege erbracht. Der über das jfbw erhältliche Karlsruher Pass 60+ ist Teil der Karlsruher Strategie zur Armutsbekämpfung und ermöglicht soziale und kulturelle Teilhabe im Alter mit Gutscheinen im Wert von insgesamt 120 Euro. Darüber hinaus bieten die im Rahmen der Sozialen Quartiersentwicklung geschaffenen Strukturen mit Stadtteilnetzwerken und Stadtteilkoordination (derzeit noch nicht flächendeckend vorhanden) Anknüpfungspunkte der stadtteilbezogenen Vernetzung. Neben den hier genannten städtischen Stellen ist eine Vernetzung und Kooperation mit anderen freien Trägern erforderlich. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Einbeziehung von Akteuren und Angeboten zu richten, die unterstützt von bürgerschaftlichem Engagement Hilfsdienste für Seniorinnen und Senioren anbieten. Diese leis- ten oft quartiersbezogen einen wichtigen Beitrag für das Leben in der eigenen Häuslichkeit. Einige Angebote, wie beispielsweise Lotsenprojekte werden mit Mitteln der Gertrud-Maria-Doll-Stiftung unterstützt. Es liegt so- wohl im Interesse der Stiftung als auch der Stadt Karlsruhe, die Angebote und das Engagement einzubinden, um bedarfsgerechte, passgenaue Angebote für ältere Menschen sowie insbesondere Menschen mit geringeren Res- sourcen oder mit Einschränkungen zu erreichen. Die Umsetzung der Präventiven Hausbesuche bietet einen ge- eigneten Anlass zur gemeinsamen Weiterentwicklung und Abstimmung notwendiger Ergänzungen in der Ange- botsstruktur. Wichtig ist es, darüber hinaus Bildungsangebote zum Thema Digitalisierung einzubeziehen. Diese finden beispielsweise in Seniorenbegegnungsstätten, Bürgerzentren und Quartiersprojekten statt und bieten konkrete Unterstützung an. Damit werden die Empfehlungen des 8. Altersberichts der Bundesregierung aufge- griffen, die den Zusammenhang von Digitalisierung und Teilhabe im Alter darlegen. Anwendungsphase In der Anwendungsphase werden die Präventiven Hausbesuche und bis zu zwei Folgebesuche von einer Fach- kraft des beauftragten Trägers durchgeführt. Im Einzelfall werden bei Bedarf und nach Einwilligung der besuch- ten Person weiterführende Angebote vermittelt. Dafür wird auf die Vernetzungsstrukturen und Kooperationen zurückgegriffen. Die Folgetermine bieten die Möglichkeit, neben einer Vertiefung der Beratungen weiterfüh- rende Hilfen anzubahnen und beispielsweise Seniorinnen und Senioren zu Angeboten zu begleiten. Neben den fallbezogenen Kooperationen gehört eine Weiterführung der Vernetzungstätigkeit zu den Aufgaben. Diese stellt Sozial und Jugendbehörde | 5 zum einen sicher, dass die im Prozess auftauchenden Bedarfe Berücksichtigung finden, zum anderen werden fachlicher Austausch und qualitative Weiterentwicklung der Zusammenarbeit sichergestellt. Projektstart und Modellgebiet Begonnen werden kann mit dem Projekt, vorbehaltlich einer Bereitstellung der Mittel im Haushalt, im Jahr 2022. Für das Modellprojekt wird vorgeschlagen, mit den Planungsgebieten West (Mühlburg, Daxlanden, Grünwinkel, Oberreut) und Nord (Nordweststadt, Knielingen, Neureut, Nordstadt) zu beginnen. Mit dem Angebot sollen Menschen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten angesprochen werden. Daher wurden Stadtteile ausgewählt, die eine große Vielfalt in Bezug auf ihre Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur aufweisen. Die für das Modell-pro- jekt gewählten Planungsgebiete West und Nord umfassen rund 890 Menschen im Alter von 75 Jahren und wur- den unter der Annahme gewählt, dass bis zu 30 Prozent der angeschriebenen Personen einen Besuch wünschen. Mit einer halben Vollzeitstelle pro Jahr können somit etwa 250 bis 300 Besuche durchgeführt werden. Sollten die Erfahrungen zeigen, dass weniger Menschen das Angebot annehmen, kann das Angebot während der Pro- jektlaufzeit auf andere Stadtteile bzw. Planungsgebiete erweitert werden. Ausblick Durch die begleitende Evaluation des Modellprojekts werden Einschätzungen über den tatsächlichen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcenbedarf, über die Akzeptanz des Angebots und die Zielerreichung mög- lich. Damit wird eine valide Bewertungsgrundlage im Hinblick auf eine mögliche Fortführung nach Abschluss der Projektdauer geschaffen, die Fragen der Qualitätsentwicklung und der Bedarfsgerechtigkeit einbezieht. Durch die Auswertung in Zusammenarbeit von Träger und Stadt werden Themen und Bedarfe der Altersgruppe deut- lich. Dadurch können sie nicht nur individuell auf der Beratungsebene bearbeitet, sondern als qualitative Aspekte planerisch berücksichtigt werden. Das Angebot wirkt damit auf der personenbezogenen Ebene (Verhaltensprä- vention), nimmt aber auch Einfluss auf die Gestaltung des Lebensumfelds im Stadtteil und der Stadt (bedarfsge- rechte Gestaltung von Rahmenbedingungen und Strukturen, Verhältnisprävention). Durch eine Festlegung von Zielvorgaben und Kennzahlen können bei einer zukünftigen Weiterführung Erfolge messbar werden und die Weiterentwicklung der Angebotslandschaft gesteuert werden. So kann die Akzeptanz des Angebots zum Beispiel durch den Vergleich zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Teilnahme ermit- telt werden. Weitere Kennzahlen, um die Effekte der Teilhabeförderung erkennbar zu machen, können sich auf die Weitervermittlung in andere Angebote beziehen oder darauf, dass Leistungsberechtigte, die bisher keine An- sprüche gestellt haben, an die zuständigen Stellen vermittelt werden. Muster eines möglichen Anschreibens des Bürgermeisters Sehr geehrte/r, zu Ihrem 75. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Ihnen Glück und Gesundheit. Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung zu leben und aktiv sein zu können, auch dann, wenn es im Alter persönliche Veränderungen und gesundheitliche Einschränkungen gibt. Wir würden gerne mit Ihnen über Ihre Lebenssituation und das Älterwerden ins Gespräch kommen und Sie, wenn Sie es wünschen, dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen zu können. Dabei können auch Fragen der Vorsorge wichtig sein. Deshalb gibt es in Karlsruhe die Präventiven Hausbesuche, die von TRÄGER durchgeführt werden. Bei Interesse wird HERR/FRAU XXX Sie besuchen und Ihnen ein kleines Geschenk sowie gerne auch Informationsmaterial überreichen. Das Angebot ist natürlich absolut freiwillig und für Sie kostenlos. Für die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger gibt es eine Vielzahl von Angeboten und Dienstleistungen, über die wir Sie gerne informieren möchten. Diese können im Alltag unterstützend sein und dabei helfen, Probleme zu überwinden. Es werden auch viele Möglichkeiten gebo- ten, um Menschen zu treffen, aktiv zu sein oder sich zu engagieren. Nutzen Sie den Beratungsgutschein und setzen Sie sich telefonisch, per E-Mail oder mit der Rückantwortkarte mit dem TRÄGER in Verbindung. Frau/Herr XY freut sich darauf, Sie kennzulernen. Mit freundlichen Grüßen Martin Lenz Bürgermeister

  • Abstimmungsergebnis TOP 6_1
    Extrahierter Text

  • Auszug Protokoll HH-Beratungen TOP 6.1
    Extrahierter Text

    Haushaltsplanberatungen 07./08.12.2021 Auszug aus dem Protokoll Tagesordnungspunkt 6.1: Konzept für ein Modellprojekt „Präventive Hausbesuche für Se- niorinnen und Senioren“ Vorlage: 2021/0162 Der Vorsitzende: Das passt gut zu unserem TOP 6.1 der Beschlussvorlage Konzept für ein Modellprojekt präventive Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren, vorberaten unter Finanzierungsvorbehalt im Jugendhilfesozialausschuss. Hier gibt es ein Austauschblatt. Wir schlagen Ihnen vor, dass wir das umsetzen und dass wir hier dann durch Mittelumschichtung versuchen, das auf den Weg zu bringen. Das sind keine großen Beträge. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Noch kurz zur AfD, Sozialabbau im Migrationsbereich ist auch Sozialabbau. (Vereinzelter Beifall) Und zu dem Antrag präventive Hausbesuche, dieser interfraktionelle Antrag mit SPD und LINKEN hat das Ziel, durch die Hausbesuche zu erreichen, dass Senior*innen möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben können und erst zu einem eventuell oder auch nicht späteren Zeitpunkt pflegebedürftig werden oder in ein Pflegeheim ziehen müssen. Der Grund ist ein- fach. Wir haben schon jetzt nicht genügend Pfleger*innen. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Uns liegt das Konzept des Modellprojektes vor. Dem kann man so zustimmen. Wichtig erscheint für uns der Satz mit dem Ausblick, dass wir versuchen müssen, das sehr gut zu evaluieren, wie es dann letztendlich ankommt, wie weit es gebraucht wird, welche Anzahl von Menschen wir dadurch erreichen. Durch die Umschichtung können wir dem Programm zustimmen. Stadtrat Høyem (FDP): Alter ist eine biologische Realität, aber das ist keine Qualität, und das ist keine Krankheit. Jung zu sein ist keine Qualität. Alt zu sein ist auch keine Qualität, und die biologische Realität, alt zu werden, ist unglaublich individuell. Es ist in allen Verhältnissen schlecht, wenn man eine ganze Gruppe pauschal-generalistisch behandelt. Das ist es auch hier. Es ist in der demografischen Entwicklung, nicht nur in Deutschland, aber in Europa so, dass man mehr und mehr eine Bevölkerung kriegt, wo viele, viele ältere Menschen aktiv und fit und überhaupt nicht in einer besonderen Krankheitsgruppe isoliert werden sollen. Ich finde, dass eine pauschale Behandlung einer Gruppe, egal welche Gruppe, eine Beleidung dieser Gruppe gegenüber ist. Wenn man dann den Staat als einen Vormund für alles, was passieren soll, betrachtet, dann muss man also auch für die individuelle Entwicklung für die Gruppe, die in diesem Alter sind. Selbstverständlich diskutiert man in verschiedenen Beru- fen, wie lange Leute in diesem Beruf bleiben können. Generell haben wir zu wenige alte Menschen aktiv. Besonders in der Politik haben wir zu wenige Alte repräsentiert, statistisch vergleichbar mit der Zusammensetzung unserer Gesellschaft. Ich finde also, dass diese Be- handlung einer bestimmten Gruppe pauschal-generalisiert ganz einfach sowohl eine Belei- dung dieser Gruppe ist, aber auch ein wirkliches Missverständnis davon, was eine gesell- schaftliche Entwicklung ist. Stadträtin Moser (SPD): Herr Høyem, das haben Sie schon mal gesagt und ich habe den Ein- druck gehabt, dass Sie sehr betroffen waren, aber das müssen Sie meiner Meinung nach überhaupt nicht sein. Wenn Sie so einen Brief bekommen, weil Sie 75 sind, lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich, freuen Sie sich, dass es Sie nicht betrifft und denken, wie schön, dass es mir gutgeht, aber vielleicht gibt es da draußen noch genügend Menschen, die sich genauso freuen, dass sie angeschrieben werden und auf die Möglichkeit der Hilfe aufmerk- sam gemacht werden. Stadtrat Høyem (FDP): Ich will die Debatte nicht verlängern, nur sagen, Frau Moser, was Sie gerade gemacht haben, ist in Ihrer Ideologie, wo Sie sagen, gerade wie ich mich verhalten soll, falls ich einen Brief bekomme, das ist der ganze Vormund eines Staats. Sie denken, dass ich nicht selber entscheiden kann, ich muss einen Brief haben, und mit diesem Brief geben Sie mir dann den Rat, wie ich diesen Brief behandeln soll. Entschuldigung, wir sind unglaub- lich weit zwischen Ihrer Ideologie, was der Staat in einer George Orwell-Gesellschaft als Vormund für alles machen müsste und was eine individuelle Entwicklung ist. Also, Sie brau- chen sich nicht über Herrn Biden und Sie brauchen sich nicht über Herrn Schäuble und Sie brauchen sich nicht über Herrn Kretschmann, und Sie brauchen sich auch nicht um mich kümmern. Der Vorsitzende: Das diskutieren wir jetzt bitte nicht aus. Wir gehen jetzt zur Beschlussvor- lage der Verwaltung. Da ist ja das Antragsbegehren aufgenommen, und ich bitte Sie jetzt um Ihr Votum. – Das ist eine mehrheitliche Zustimmung.