Gräberfeld von Zwangsarbeiter*innen auf dem Hauptfriedhof historisch korrekt beschildern

Vorlage: 2020/1460
Art: Anfrage
Datum: 23.12.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 23.02.2021

    TOP: 27

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Eingang: 22.12.2020 Vorlage Nr.: 2020/1460 Gräberfeld von Zwangsarbeiter*innen auf dem Hauptfriedhof historisch korrekt beschildern Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 23.02.2021 27 x Wie neueren Quellen zu entnehmen ist (siehe Blick in die Geschichte, Dez. 2016, https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick113/blickpunkt.de:), entspricht die Inschrift der Gedenktafel für die verstorbenen/getöteten Zwangsarbeiter*innen nicht den historischen Gegebenheiten. 1. Ist die Stadtverwaltung daher bereit, dieses Hinweisschild auszutauschen bzw. gegen eine anderweitige Hinweismöglichkeit zu ersetzen bzw. zu ergänzen? 2. Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies erfolgen? 3. Welche Erkenntnisse liegen der Stadtverwaltung über die auf Karlsruher Gemarkung liegenden „Arbeitserziehungslager“ vor? Auf einem Gräberfeld im separierten Teil des jüdischen Friedhofes liegen die sterblichen Überreste von 94 sowjetischen (drei davon evtl. polnischen) Zwangsarbeiter*innen. 1954 gestaltete die Stadt die Grabstätten gemäß dem "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" von 1952 zu einem Ehrengräberfeld. Ein Jahr später wurde eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer angebracht mit der Inschrift "Hier ruhen Fliegeropfer russischer Nation 1939-1945". Mangels Quellen waren bis 2014 keine Details zu den 94 dort bestatteten Personen bekannt. Die Durchsicht neu zugänglicher Beerdigungslisten durch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) im Jahr 2014 brachten jedoch neue Erkenntnisse hervor. Entgegen der Information auf der Gedenktafel an der Friedhofsmauer handelt es sich nicht um Opfer von Bombardierungen, nur drei der 94 Personen waren eindeutig als Tote bei Luftangriffen registriert. Zu zwei Dritteln der Begrabenen fehlt die Angabe einer Todesursache, ihr Sterbedatum liegt jedoch – bei zwei Ausnahmen – nicht an Tagen oder in deren Nähe für die Luftangriffe auf Karlsruhe verzeichnet sind. Für 20 Personen ist hingegen vermerkt, dass sie im Arbeitserziehungslager Karlsruhe bei Fluchtversuchen oder in Folge von Krankheiten ums Leben gekommen sind. Es kann daher vermutet werden, dass dies auch für andere der hier Bestatteten gilt. Sachverhalt / Begründung: – 2 – Über das Arbeitserziehungslager in Karlsruhe ist bisher nur bekannt, dass es von Oktober 1942 bis Frühjahr 1944 in der Fautenbruchstraße/ Ecke Mittelbruchstraße bestand und dass die Häftlinge u.a. zu Arbeiten auf Bahnanlagen, beim Bunkerbau oder zu Aufräumarbeiten nach Luftangriffen eingesetzt wurden. Unterzeichnet von: Michael Borner Jorinda Fahringer Renate Rastätter Verena Anlauf

  • StN GRÜNE - Gräberfeld Zwangsarbeiter-innen
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2020/1460 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: FBA Gräberfeld von Zwangsarbeiter*innen auf dem Hauptfriedhof historisch korrekt beschildern Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 23.02.2021 27 X 1. Ist die Stadtverwaltung daher bereit, dieses Hinweisschild auszutauschen bzw. gegen eine anderweitige Hinweismöglichkeit zu ersetzen bzw. zu ergänzen? 2. Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies erfolgen? Das Ehrengräberfeld für verstorbene russische Kriegsopfer fällt unter das Gräbergesetz des Bundes und wurde, wie die Antragsteller schildern, 1952 eingerichtet. Die Beschriftung der Sandsteintafel erfolgte seinerzeit in Abstimmung mit dem Kulturbereich der Stadt. Die Steintafel wurde letztes Jahr durch das Friedhofs- und Bestattungsamt, mit Kostenbeteiligung des Regierungspräsidiums Stuttgart, renoviert. Die mittlerweile fast 70 Jahre alte Tafel ist ein Dokument der Geschichte dieses Ehrengräberfeldes und sollte deswegen erhalten bleiben. Da die Steintafel, die aus Rotsandstein gefertigt ist, nur eine sehr verkürzte Information zu den beerdigten Opfern darstellt, wird sie noch im laufenden Jahr durch eine Metallstele, analog der Stele auf dem Euthanasieopfergräberfeld B auf dem Karlsruher Hauptfriedhof, ergänzt. Auf der neuen Stele kann der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Ehrengräberfeld vermittelt werden. Solche Stelen sind auch für weitere Ehrengräberfelder auf dem Hauptfriedhof vorgesehen. 3. Welche Erkenntnisse liegen der Stadtverwaltung über die auf Karlsruher Gemarkung liegenden „Arbeitserziehungslager“ vor? Der Wissensstand über das Arbeitserziehungslager (AEL) in Karlsruhe ist in dem Beitrag, auf den sich die Anfrage bezieht, weitestgehend mitgeteilt. Es gibt auch beim Stadtarchiv, das sich damit beschäftigte, kein Detailwissen dazu. Akten zum Lager konnten nicht ausfindig gemacht werden. Der Wissensstand wurde auf einer Gedenkveranstaltung der VVN-BdA 2014 und in einem Beitrag aus dem Stadtarchiv in „Blick in die Geschichte“ Nr. 113 vom Dezember 2016 mitgeteilt. Dabei wird u.a. die AEL-Existenz vom Oktober 1942 bis Frühjahr 1944 genannt, der Standort war Ecke Fautenbruchstraße/Mittelbruchstraße. Das rudimentäre Wissen zur Existenz beruht auf dem großen Forschungs- und Publikationsprojekt „Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager“, herausgegeben in 9 Bänden von Wolfgang Benz und Barbara Distel zwischen 2002 und 2009. Dort ist im 9. Band von 2009 „Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager“ auch das AEL Karlsruhe aufgeführt, u.a. mit den in der Anfrage wiedergegebenen Arbeiten der Häftlinge. Das besondere System der AEL nach Beginn des Krieges, KZ-ähnliche (kleinere) Lager unter Gestapoverantwortung zu restriktiven „Erziehung“ von Zwangsarbeitern bis maximal zwei Monate und anschließender Rückführung in die Produktion, ist darin ebenfalls aufgeführt. Als Besonderheit geht aus dem genannten Band hervor, dass in Baden, im Vergleich zu den anderen Verwaltungseinheiten, im Deutschen Reich wenige AEL existierten, nämlich nur zwei; selbst in Württemberg waren es vier. Das zweite AEL in Baden befand sich bei Niederbühl (Rastatt), wohin die Häftlinge aus Karlsruhe nach Auflösung des hiesigen AEL kamen. Neue Erkenntnisse brachten die Auswertungen der Sterberegister, die den Tod und das Erschießen von Häftlingen im AEL Karlsruhe nachwiesen. Sie dienten als Grundlage der oben genannten Beiträge.

  • Anlage 1 Gräberfeld Gedenktafel B1
    Extrahierter Text

  • Anlage 2 Gräberfeld Gedenktafel - 2
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR TOP 27
    Extrahierter Text

    Niederschrift 20. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. Februar 2021, 15:30 Uhr öffentlich Kongresszentrum, Gartenhalle Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 26. Punkt 27 der Tagesordnung: Gräberfeld von Zwangsarbeiter*innen auf dem Hauptfriedhof historisch korrekt beschildern Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2020/1460 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 27 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellung- nahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmel- dung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 15. März 2021