Stadtweite Voruntersuchung Soziale Erhaltungssatzung

Vorlage: 2020/1217
Art: Antrag
Datum: 27.10.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtamt Durlach
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Hagsfeld, Innenstadt-Ost, Neureut, Nordstadt, Südstadt, Waldstadt

Beratungen

  • Ortschaftsrat Durlach (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 04.11.2020

    TOP: 5

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • TOP 5 ANTRAG Stadtweite Voruntersuchung Soziale Erhaltungssatzung
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Stadtamt Durlach ANTRAG B ́90/DIE GRÜNEN-OR-Fraktion vom: 22.09.2020 eingegangen am: 22.09.2020 Gremium: Termin: TOP: Verantwortlich: Ortschaftsrat Durlach 04.11.2020 5 öffentlich Stpla / Dez. 6 Stadtweite Voruntersuchung Soziale Erhaltungssatzung – Ergebnisse für Durlach Die Verwaltung hat in der Gemeinderatssitzung am 30.06.2020, anlässlich eines interfraktionellen Antrags zum Thema „Erhaltungssatzung zum Milieuschutz für die Karlsruher Südstadt“, eine Voruntersuchung zur Identifikation potenzieller Erhaltungsgebiete auf kleinräumiger Basis für die Gesamtstadt angekündigt. Hierbei werden Indikatorensets zum Verdrängungsdruck, Verdrängungspotenzial und zur städtebaulichen Struktur angewendet, um potenzielle Erhaltungsgebiete zu identifizieren. Die Ergebnisse dieser stadtweiten Voruntersuchung sollen Ende des Jahres 2020 den politischen Gremien vorgestellt werden. Antrag Die Verwaltung berichtet über die Ergebnisse aus dieser Voruntersuchung bezogen auf Durlach und ihre daraus resultierenden Empfehlungen. unterzeichnet von: Martin Pötzsche und die Fraktion B90/Die Grünen im OR Durlach

  • TOP 5 STELLUNGNAHME Stadtweite VU Soziale Erhaltungssatzung - Ergebnisse für Durlach
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Stadtamt Durlach STELLUNGNAHME zum Antrag B ́90/DIE GRÜNEN-OR-Fraktion eingegangen am: 22.09.2020 Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/1217 Stpla / Dez. 6 Stadtweite Voruntersuchung Soziale Erhaltungssatzung – Ergebnisse für Durlach Gremium Termin TOP ö nö Ortschaftsrat Durlach 04.11.2020 5 X Kurzfassung Zusammenfassend ergibt sich für Durlach nach Durchführung der stadtweiten Voruntersuchung zur Sozialen Erhaltungssatzung mit dem Stadtviertel Durlach – Lohn-Lissen ein Suchgebiet. Dort ist der Verdrängungsdruck mit einem Wert von 0,6 erhöht und das Verdrängungspotential mit einem Wert von 1,4 deutlich erhöht. Besonders auffällig ist im Stadtviertel der hohe Anteil von Ausländern, die seit mehr als zehn Jahren dort ansässig sind, der hohe Anteil von Deutschen mit Migrationshinter- grund und von Alleinerziehenden. Das bauliche Aufwertungspotential ist in Lohn-Lissen aber ver- gleichsweise gering, da im Stadtviertel überdurchschnittliche Anteile genossenschaftlichen Wohn- raums vorhanden sind. Somit existieren aktuell in Durlach keine Beobachtungsgebiete und keine Ver- dachtsgebiete. Die stadtweite Voruntersuchung zur Sozialen Erhaltungssatzung identifiziert für den Stadtteil Durlach das Suchgebiet Lohn-Lissen, in dem der Verdrängungsdruck erhöht und das Verdrän- gungspotential deutlich erhöht ist. Das bauliche Aufwertungspotential ist in Lohn-Lissen jedoch gering. In Durlach existieren daher keine Beobachtungsgebiete und keine Verdachtsgebiete. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folge- erträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein x Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 I. Methodenbeschreibung der städtischen Voruntersuchung zur Sozialen Erhal- tungssatzung Die stadtweite Voruntersuchung zum Thema Soziale Erhaltungssatzung analysiert vorhandene statistische Daten in drei Dimensionen und zeigt kleinräumige Unterschiede in Karlsruhe auf Ebene der 70 Stadtviertel auf. Diese drei Bewertungsdimensionen sind Verdrängungsdruck, Verdrängungspotential und Bauliches Aufwertungspotential: 1. Die Bewertungsdimension Verdrängungsdruck setzt sich aus Indikatoren zusammen, die die Entwicklung verdrängungsgefährdeter Bevölkerungsgruppen in den letzten vier Jahren (2016 bis 2019) darstellt. Zusätzlich werden Indikatoren hinzugezogen, die Hin- weise auf Zuzüge jüngerer Einpersonenhaushalte als Akteure von Gentrifizierungspro- zessen geben, sowie Indikatoren, welche die wohnungsmarktrelevanten Entwicklungen der letzten Jahre abbilden: a.) Entwicklung verdrängungsgefährdeter Bevölkerungsgruppen: - Entwicklung des Einwohneranteils ab 65 Jahren und älter, - Entwicklung des Einwohneranteils im SGB II Bezug (Bezieher von Arbeitslosengeld II), - Entwicklung des Einwohneranteils im SGB XII Bezug (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung), - Entwicklung des Einwohneranteils mit ausländischer Staatsangehörigkeit, - Entwicklung des Einwohneranteils der Deutschen mit Migrationshintergrund, - Entwicklung des Anteils der Wohngeldempfängerinnen und -empfänger, - Entwicklung des Anteils der Haushalte mit Kindern, - Entwicklung des Anteils der alleinerziehenden Haushalte. b.) Hinweise auf Zuzüge jüngerer Einpersonenhaushalte: - Entwicklung des Anteils der Einwohner im Alter von 18 bis 45 Jahre, - Entwicklung des Anteils von Einpersonenhaushalten. c.) Wohnungsmarktrelevante Entwicklungen: - Prozentualer Anteil der Erstverkäufe von umgewandelten Wohnungen am Wohnungs- bestand, - Anteil der Kauffälle von Mehrfamilienhäusern am Bestand der Mehrfamilienhäuser, - Genehmigte Baumaßnahmen im Bestand in Gebäuden mit Wohnraum an bewohnten Gebäuden zum Jahresende 2019, - Entwicklung der Angebotsmieten pro Quadratmeter. 2. Die Bewertungsdimension Verdrängungspotential umfasst Indikatoren, die potenziell verdrängungsgefährdete Bevölkerungsgruppen im Berichtsjahr 2019 betrachtet und In- dikatoren, die Hinweise für stabile Milieus sind: a.) Potentiell verdrängungsgefährdete Gruppen: - Einwohneranteil ab 65 Jahren und älter, - Einwohneranteil mit ausländischer Staatsangehörigkeit, - Einwohneranteil der Deutschen mit Migrationshintergrund, - Einwohneranteil im SGB II Bezug (Bezieher von Arbeitslosengeld II), - Einwohneranteil im SGB XII Bezug (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminde- rung), - Anteil der Wohngeldempfängerinnen und -empfänger, - Mittelwert des gewichteten Pro-Kopf-Einkommens Ergänzende Erläuterungen Seite 3 - Anteil der Haushalte mit Kindern, - Anteil der alleinerziehenden Haushalte, - Anteil der Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 60 % des Nettoäquivalenz- einkommens (trotz Erwerbstätigkeit -> Working Poor). b.) Hinweise auf stabile Milieus: - Anteil der Ausländer mit einer Wohndauer von mehr als 10 Jahren, - Anteil der Deutschen mit einer Wohndauer von mehr als 10 Jahren. 3. Die Bewertungsdimension Bauliches Aufwertungspotential liefert Hinweise auf mög- liche oder erwartbare bauliche Aufwertungen im betrachteten Gebiet. Einzelne Indikato- ren bilden folgende strukturelle Gegebenheiten ab: - Anteil von selbst genutztem Eigentum, - Anteil von Wohnungen der Volkswohnung, - Anteil von Gebäuden, die im Eigentum von Akteuren im Bereich des preisgedämpften Wohnens sind, - Anteil bewohnter Gebäude, die bis 1918 errichtet wurden, - Anteil der Mehrfamilienhäuser an bewohnten Gebäuden, - Wohnungsanzahl je bewohntem Gebäude, - Modernisierungsgrad der Wohnungen. Nach anerkanntem wissenschaftlichen Standard werden die Indikatoren der beiden Dimensio- nen Verdrängungsdruck und Verdrängungspotential auf eine einheitliche Spanne standardisiert und vergleichbar gemacht. Diese Standardisierung erfolgt durch Anwendung der z-Transforma- tion, die Abweichungen vom städtischen Durchschnitt skalenunabhängig ermittelt (Formel: z i = (x i – x)/s mit x=Mittelwert und s=Standardabweichung). Hierbei fließen je Dimension alle Indika- toren gleichwertig ein und werden je nach Wirkrichtung des Indikators mit 1 oder -1 multipli- ziert. Innerhalb der Dimensionen werden die einzelnen z-transformierten Indikatoren aggregiert und nochmals z-transformiert, um die Dimensionen Verdrängungsdruck und Verdrängungspo- tential vergleichbar zu machen. Den z-transformierten Indikatoren werden folgende Wertebereiche zugeteilt: 1,0 und größer -> deutlich erhöht 0,5 bis unter 1,0 -> erhöht 0,0 bis unter 0,5 -> durchschnittlich [im positiven Bereich] -0,5 bis unter 0,0 -> durchschnittlich [im negativen Bereich] -1,0 bis unter -0,5-> gering -1,0 und kleiner -> sehr gering Auf Basis der ermittelten z-Werte für die Dimensionen Verdrängungsdruck und Verdrängungs- potential werden Suchgebiete identifiziert. Die Klassifikation als Suchgebiet erfolgt, wenn der Verdrängungsdruck erhöht oder deutlich erhöht ist (was für eine überdurchschnittliche Dynamik in den letzten vier Jahren spricht) und wenn gleichzeitig das Verdrängungspotential im positiven Bereich durchschnittlich, erhöht oder deutlich erhöht ist als Hinweis auf höhere Anteile verdrän- gungsgefährdeter Bevölkerungsgruppen. Für so identifizierte Suchgebiete wird in einem weiteren Schritt das Bauliche Aufwertungspoten- tial deskriptiv ausgewertet und auf Auffälligkeiten hin untersucht. Bei auffälligen Werten wird ein Gebiet als Beobachtungsgebiet oder sogar als Verdachtsgebiet eingestuft. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 II. Ergebnisse der Voruntersuchung zur Sozialen Erhaltungssatzung für Durlach Der Stadtteil Durlach ist für statistische Analysen in sieben Stadtviertel unterteilt: Alt-Durlach, Dornwald-Untermühl, Hanggebiet, Bergwald, Aue, Lohn-Lissen und Killisfeld (Abbildung 1). Abbildung 1 Abgrenzungen der sieben Stadtviertel von Durlach Als Ergebnis der Voruntersuchung zur Sozialen Erhaltungssatzung ergeben sich für die Stadt- viertel Durlachs die in Tabelle 1 aufgelisteten Werte, die jeweils den Verdrängungsdruck und das Verdrängungspotential zusammenfassen. Insgesamt werden stadtweit sieben der 70 Stadt- viertel als Suchgebiete klassifiziert. In Durlach kann das Stadtviertel Lohn-Lissen als Suchgebiet identifiziert werden. Dort ist der Verdrängungsdruck mit einem Wert von 0,6 erhöht und das Verdrängungspotential mit einem Wert von 1,4 deutlich erhöht. Auch in Killisfeld ist der Ver- drängungsdruck mit einem Wert von 0,9 erhöht, aber das Verdrängungspotential ist im negati- ven Bereich durchschnittlich. Im Stadtviertel Dornwald-Untermühl ist das Verdrängungspotential mit 1,1 zwar ebenso deutlich erhöht, der Verdrängungsdruck mit 0,3 aber nur durchschnittlich. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Tabelle 1 Verdrängungspotential und Verdrängungsdruck in den Durlacher Stadtvierteln Die für Suchgebiete im Rahmen der stadtweiten Voruntersuchung durchgeführte Analyse des baulichen Aufwertungspotentials ist in Tabelle 2 enthalten. Stadtweit erhält nur die Südstadt – Südlicher Teil den Status Verdachtsgebiet (mit sechs von sieben auffälligen Werten) und die In- nenstadt-Ost – Südwestlicher Teil den Status Beobachtungsgebiet (mit fünf von sieben auffälli- gen Werten). Für das Suchgebiet Lohn-Lissen sind lediglich zwei der sieben untersuchten Indika- toren auffällig: Der Anteil der Mehrfamilienhäuser liegt mit 81,7 % an den bewohnten Gebäu- den doppelt so hoch wie im städtischen Durchschnitt (39,5 %) und die durchschnittliche Anzahl der Wohnungen je bewohntem Gebäude ist mit 7,4 ebenso deutlich erhöht (Karlsruhe: 3,8). Die überdurchschnittlichen Anteile von Wohnungen der Volkswohnung an allen Wohnungen (Lohn- Lissen: 33,0 %, Karlsruhe: 8,4 %) und von Wohngebäuden im Eigentum von Akteuren im Be- reich des preisgedämpften Wohnens (Lohn-Lissen: 23,7 %, Karlsruhe: 11,7 %) mindern das bauliche Aufwertungspotential. Tabelle 2 Bauliches Aufwertungspotential in den identifizierten Suchgebieten Zusammenfassend ergibt sich für Durlach nach Durchführung der stadtweiten Voruntersu- chung zur Sozialen Erhaltungssatzung mit dem Stadtviertel Durlach – Lohn-Lissen ein Suchge- biet. Dort ist der Verdrängungsdruck mit einem Wert von 0,6 erhöht und das Verdrängungspo- tential mit einem Wert von 1,4 deutlich erhöht. Besonders auffällig ist im Stadtviertel der hohe Anteil von Ausländern, die seit mehr als zehn Jahren dort ansässig sind, der hohe Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund und von Alleinerziehenden. Das bauliche Aufwertungspo- tential ist in Lohn-Lissen aber vergleichsweise gering. Somit existieren aktuell in Durlach keine Beobachtungsgebiete und keine Verdachtsgebiete. Stadtviertel 0197 Durlach - Killisfeld0,9erhöht-0,5durchschn. neg. 0196 Durlach - Lohn-Lissen0,6erhöht1,4deutlich erhöht 0193 Durlach - Hanggebiet0,4durchschn. pos.-0,2durchschn. neg. 0192 Durlach - Dornwald-Untermühl0,3durchschn. pos.1,1deutlich erhöht 0191 Durlach - Alt-Durlach0,1durchschn. pos.-0,2durchschn. neg. 0195 Durlach - Aue0,1durchschn. pos.0,3durchschn. pos. 0194 Durlach - Bergwald-1,8sehr gering0,8erhöht VerdrängungsdruckVerdrängungspotential Eigentümerquote Wohnungen [2011] Wohngebäude im Eigentum von Akteuren im Bereich des preisgedämpften Wohnens [2011] Anteil VoWo- Wohnungen an allen Wohnungen [2019] Anteil bewohnter Gebäude bis 1918 errichtet [2019] Anteil Mehrfamilien- häuser an bewohnten Gebäuden [2019] Anteil Bewohner in Gebäuden mit teilweise ersten oder beträchtlichen Mängeln [Bürgerumfrage 2020] Durchschnittliche Anzahl Wohnungen je bewohntem Gebäude [2019] Anzahl Innenstadt-Ost - Südwestl. Teil 14,926,323,539,588,624,89,35 Südstadt - Südlicher Teil 8,228,51,139,395,822,79,06 Waldstadt - Waldlage 30,713,728,60,131,715,64,00 Hagsfeld - Alt-Hagsfeld 40,81,60,614,027,814,62,02 Durlach - Lohn-Lissen 21,923,733,09,981,717,37,42 Neureut - Nördlicher Teil 45,81,01,111,928,620,83,03 Nordstadt - Amerikanersiedlung 25,023,538,70,251,710,76,30 Karlsruhe insgesamt 28,611,78,413,339,517,23,8 Kennzahlen zum Baulichen Aufwertungspotential in den Stadtvierteln Suchgebiet Auffällige Werte (max. 7) in Prozent