Aufnahme der Grabstätten Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und Eduard Uibel, Hauptweg 21, 47 b in die Liste der erhaltenswerten Gräber
| Vorlage: | 2020/1025 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 04.09.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Friedhofs- und Bestattungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Oststadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 17.11.2020
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/1025 Dez. 5 Aufnahme der Grabstätten Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und Eduard Uibel, Haupt- weg 21, 47b in die Liste der erhaltenswerten Gräber Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 06.10.2020 2 x vorberaten Hauptausschuss 13.10.2020 13 x vorberaten Gemeinderat 17.11.2020 16 x Beschlussantrag Die Grabstätten von • Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und • Eduard Uibel, Hauptweg 21, Nr. 47 b, Hauptfriedhof werden aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst auf die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsrechts- gebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 5.640,00 5.640,00 0 Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant X Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Die Übernahme der Nutzungsrechtsgebühren und die gärtnerische Betreuung der Grabstätten von herausragenden Persönlichkeiten setzt voraus, dass diese in einem gemeinderätlichen Verfahren als erhaltungswürdig angesehen werden und das Grabnutzungsrecht von den Nutzungsberechtigten aufgegeben bzw. nicht mehr verlängert wird. Die nachfolgend genannten Verstorbenen haben sich bleibende Verdienste für die Stadt Karlsruhe erworben: Wilhelm Strieder Geboren: 27.01.1848 in Bretten Gestorben: 12.08.1913 in Karlsruhe Der Stadtbaurat Wilhelm Strieder hat deutliche Spuren in Karlsruhe hinterlassen. Am 27. Januar 1848 in Bretten geboren, studierte Strieder an der Technischen Hochschule in Karls- ruhe (heute: KIT) Architektur und war nach Studienaufhalten in Italien von 1879 bis 1883 Lehrer an der hiesigen Baugewerkeschule (heute: Hochschule für Technik und Wirtschaft). Als freier Architekt plante er anschließend einige Bauten für die Stadt, darunter die Gartenschule und begann 1884 mit dem projektierten Schlachthof an der Durlacher Allee. 1885 trat Strieder ganz in städtischen Dienst und leitete 26 Jahre lang, bis zu seinem Ruhestand 1911, das Hochbauamt. In dieser Zeit wuchs die Einwohnerzahl Karlsruhes von etwa 56.000 um mehr als das Doppelte auf rund 135.000. Wilhelm Strieder trug vor allem die bauliche Verantwortung für die dafür notwendige städtische Infrastruktur des zur Großstadt gewordenen Karlsruhes. Er plante im vorherrschenden Zeitgeist des historisti- schen Neorenaissance-Stils, verzichtete dabei auf andernorts häufig übliche prunkvolle Bauten und verband einen mehr funktionalen Baustil mit minimalistischer Formensprache. Damit waren keine aufsehenerregenden Bauten verbunden, die finanziellen Vorgaben wurden dabei immer eingehal- ten. Die Deutsche Bauzeitung schrieb im Nachruf, dass „in seinen Ausführungen die praktischen Ei- genschaften überwogen“. Fast alle seiner großen Bauwerke stehen heute noch und prägen das Stadtbild mit, wie z.B. • Gartenschule (1882/1883) • Schlacht- und Viehhof (1884–1887) • Leopoldschule (1887–1889) • Luisenhaus (1889/90) • Karl-Wilhelm-Schule (heute Heinrich-Meidinger-Schule, 1891/1892) • Friedrichschule (heute Helmholtz-Gymnasium, 1893–1895) • Lauterbergruine (1893) • Hildahaus (1895/96) • Schwimmhalle des Vierordtbads (1898/1899) • Gutenbergschule (1898–1900 und 1905-1907) • Rheinhafen: Direktionsgebäude, Werfthalle und Getreidespeicher • (zusammen mit August Stürzenacker und Hermann Walder, 1899–1901) • Nebeniusschule (1900–1903) • Städtisches Krankenhaus (Städtisches Klinikum, 1903–1907) • Pfandleihe (Stadtarchiv, 1905/06) • Hardtschule (1907-1909) • Südendschule (1909-1911) • Lessing-Gymnasium (zusammen mit Friedrich Beichel, 1909–1911) Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Hinzu kommen Bauten wie der Leopoldbrunnen (1888) und die Platzgestaltung für das Kaiser- Wilhelm-Denkmal (1888), daneben zahlreiche Turnhallen oder Dienstgebäude, Arbeiterwohnungen an der Bannwaldallee (1897/98), die Direktorenvilla („Zoovilla“, 1905/06) und weitere Bauten oder temporäre Konstruktionen für Großfeste in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Fast alle der aufge- führten Großbauten erfüllen modernisiert nach wie vor ihren eigentlichen Zweck. Das Areal des ehemaligen städtischen Schlachthofs wurde zum Kreativpark Alter Schlachthof umgebaut. Die Stadt Karlsruhe hat Wilhelm Strieder zu Anfang eines politischen wie auch bauarchitektonischen Umbruchs 1920 mit einem Straßennamen in der Oststadt geehrt. Eduard Uibel Geboren: 23.03.1846 in Villingen-Schwenningen Gestorben: 28.09.1925 in Karlsruhe 1874: Amtsrichter in Pforzheim 1879: Staatsanwalt beim Landgericht in Karlsruhe (Bad. Presse, 28. Sept. 1925) 1881: Staatsanwalt in Mannheim 1882-1890: Staatsanwalt in Karlsruhe 1890: Erster Staatsanwalt in Konstanz 1899: Landgerichtsdirektor in Freiburg 1899-1901: Landtagsabgeordneter für Konstanz 1901: Präsident des Landgerichts Mosbach 1904: Abgeordneter in der evangelischen Generalsynode für die kirchlich-liberale Partei 1904-1915: wieder in Freiburg 1911: Verleihung der Ehrendoktorwürde der juristisch/staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg 1914 Vom Landesbischof ernannt, zum Präsident und in den Synodalausschuss gewählt 1915-1920: Präsident des Oberkirchenrats in Karlsruhe. 1917: Verleihung der Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg 1920: Vorsitzender des Badischen Landesvereins für innere Mission Uibel verbrachte verschiedene Lebensphasen in Karlsruhe: Ein Jahr als Schüler des Karlsruher Gym- nasiums, dann1879/80 und 1882 bis 1890 als Staatsanwalt und 1915 bis 1920 als Präsident des Oberkirchenrats. Ab 1920 lebte er im Ruhestand bis zu seinem Tod 1925 weiter in Karlsruhe. In seiner Zeit als Staatsanwalt in Karlsruhe war er 1884-1890 Mitglied der Krankenversicherungs- kommission der Stadt. 1885 war er Mitbegründer des Deutschen Kolonialvereins in Karlsruhe, später auch Schriftführer; außerdem saß er im Vorstand des Schwarzwaldvereins, Sektion Karlsruhe (Quel- le: Presseartikel der Zeit). Hinsichtlich Uibels Funktion als Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats und damit als weltli- cher Leiter der Evangelischen Landeskirche in Baden empfiehlt die Verwaltung die Erhaltung seines Grabs. Es erinnert an die lange Tradition der Fächerstadt als Sitz der Leitung der Evangelischen Lan- deskirche in Baden, die bis heute hier angesiedelt ist. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Die Grabstätten von • Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und • Eduard Uibel, Hauptweg 21, Nr. 47 b, Hauptfriedhof werden aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst auf die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nutzungsrechts- gebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten.
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Niederschrift 17. Plenarsitzung des Gemeinderates 17. November 2020, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 18. Punkt 16 der Tagesordnung: Aufnahme der Grabstätten Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und Eduard Uibel, Hauptweg 21, 47 b in die Liste der erhaltenswerten Gräber Vorlage: 2020/1025 Beschluss: Die Grabstätten von • Wilhelm Strieder, Mauer 2, Nr. 70, Hauptfriedhof und • Eduard Uibel, Hauptweg 21, Nr. 47 b, Hauptfriedhof werden aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst auf die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die Nut- zungsrechtsgebühren und einfache gärtnerische Unterhaltung und Pflege der Grabstätten. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Hauptausschuss: Auch da bitte ich Sie um Ihr Votum. - Das ist einstimmig. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: – 2 – Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 17. Dezember 2020