IQ Korridorthema Innenstadtentwicklung: Leitprojekt "My City-My Place"
| Vorlage: | 2020/0786 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 25.06.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Innenstadt-Ost |
Beratungen
- Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 08.07.2020
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Keine Angabe
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 IQ Korridorthema Innenstadtentwicklung: Leitprojekt „My City-My Place“ Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 08.07.2020 2 x Beschlussantrag Der Jugendhilfeausschuss beschließt das Jugendbeteiligungsprojekt „MyCity-MyPlace“ als Teil des IQ Korridorthemas Innenstadtentwicklung. Die erforderlichen Personal- und Sachmittel wer- den dafür ab Januar 2021 zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme steht unter Finanzierungsvorbehalt, die abschließende Etatisierung im Doppel- haushalt 2021/2022 ist im Rahmen der Haushaltsberatungen zu beschließen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 46.750 Euro 46.750 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Entscheidung obliegt hinsichtlich der Etatisierung dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2021/2022 IQ-relevant Nein X Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Stärkung der Innenstadt als Lebens- und Sozialraum Jugendlicher – Neue Wege der Jugendarbeit und Jugendbeteiligung Zum Jahresbeginn 2018 startete der Stadtjugendausschuss mit Fördermitteln der Jugendstiftung Baden-Württemberg ein Projekt zur Weiterentwicklung der Offenen Jugendarbeit mit dem Fo- kus auf die Innenstadt als zunehmend bedeutender werdenden Lebensraum Jugendlicher. Im Rahmen dieses Projekts griff der Stadtjugendausschuss den bei der Jugendkonferenz im März 2018 vorgebrachten Wunsch Jugendlicher nach Beteiligung an der Entwicklung der Innenstadt auf und startete das neuartige Beteiligungsprojekt „MyCity-MyPlace“. Seit Herbst 2018 ist der Stadtjugendausschuss über dieses Projekt aktiv an der Lenkungsgruppe des IQ-Leitprojekts „In- nenstadtentwicklung“ beteiligt. Die Förderung durch die Jugendstiftung war auf 18 Monate begrenzt und endete im August 2019. Aktuell setzt der Stadtjugendausschuss das Beteiligungs- projekt „MyCity-MyPlace“ aus eigenen Mitteln fort. Ausgangslage Für Kinder und Jugendliche haben sich die Bedingungen des Aufwachsens in den vergangenen Jahren verändert. Die Gründe hierfür liegen vorwiegend in veränderten Familienstrukturen, Än- derungen im Bildungswesen und der Schullandschaft sowie den Entwicklungen in der digitalen Kommunikation. Der Stadtjugendausschuss hat sich in dem Projekt „MyCity-MyPlace“ insbesondere mit den Auswirkungen von Veränderungen in der Schullandschaft auseinandergesetzt. Weiterführende Schulen liegen oft außerhalb des Stadtteils, in dem die Schülerinnen und Schüler leben. Hier- durch verliert das Wohnumfeld als „Sozialraum“ der Jugendlichen an Bedeutung. Im Kontext dieser Veränderungen ist unverkennbar, dass vor allem die Innenstadt als „Sozial- und Lebensraum“ Jugendlicher immer bedeutender wird. Sie weist eine hohe Konzentration weiterführender Schulen auf. Darunter sind fünf Gymnasien, darunter zwei innenstadtnahe, eine Realschule sowie Berufsschulen. Insbesondere die Gymnasien haben einen sehr hohen Zu- lauf. Mit der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit nimmt der Anteil an Unterricht und Arbeits- gemeinschaften an Nachmittagen zu. Viele Schülerinnen und Schüler verbringen infolgedessen einen Großteil ihres Tages in der City. Hinzu kommt eine große Zahl junger Studierender, da das Eintrittsalter für KIT und die Hochschulen durch G8 und den Wegfall der Wehrpflicht sinkt. Qualität und zukünftige Perspektiven der Innenstadt sind insofern nicht vorwiegend nur aus dem Blickwinkel von Einzelhandel, Gastronomie, Käufern, Kunden und Dienstleistern zu be- trachten. Die Bedürfnisse und Interessen Jugendlicher spielen eine große Rolle. Hier setzt das Projekt „MyCity-MyPlace“ an. Es sorgt durch intensive Beteiligung Jugendlicher für die Wahr- nehmung ihrer Interessen und setzt gemeinsam mit ihnen Ideen aktiv um. Bisheriger Verlauf und erste Ergebnisse In der ersten Phase des Projekts wurden Jugendliche auf Plätzen in der Innenstadt, einer Online- befragung und einem Workshop im Karlsruher Schloss befragt. Um die Sichtweise Jugendlicher mit Behinderung kennenzulernen, fanden zwei Innenstadtbegehungen und ein Workshop mit Schülerinnen und Schülern der Albschule statt. Durch die differenzierte Herangehensweise wur- den viele Erkenntnisse gewonnen und Ideen entwickelt. Als erstes Resumée kann zusammengefasst werden, dass sich Jugendliche Räume wünschen, in denen man sich ohne Konsumzwang zu verschiedenen Anlässen aufhalten kann, zum Beispiel um gemeinsam zu lernen, zur Entspannung und für gemeinsame Aktivitäten. Sie wünschen sich konkrete Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in der Innenstadt, angefangen von Mülltrennung über mehr Fahrradparkplätze und regenerative Energiegewinnung. Ebenso ist die jugendgerech- te Gestaltung öffentlicher Plätze ein Thema, in das sie sich sowohl durch konkrete Mitsprache als auch durch eigene gestalterische und künstlerische Beiträge gerne einbringen würden. Bei der Planung von Veranstaltungen und Events erwarten Jugendliche ein größeres Augenmerk auf Jugendkultur. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Mit einigen ihrer Anliegen hatten Jugendliche bereits Erfolg, so wurden beispielweise mehr Fahrradplätze geschaffen. Zu vielen Themen wurden Gespräche mit der Verwaltung geführt. Perspektiven Die Neugestaltung der Innenstadt wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, weshalb die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Jugendlichen kontinuierlich fortgeführt wird. Mit der Fortsetzung des Beteiligungsprojekts „MyCity-MyPlace“ will der stja Jugendliche auch weiterhin unterstützen, aktiv mitwirken zu können. Die Mitwirkung erstreckt sich dabei sowohl auf die Gestaltung einzelner Innenstadtquartiere, derzeit konkret auf die Innenstadt-Ost, als auch auf grundsätzliche Themen wie beispielsweise die Gestaltung öffentlicher Räume, Kultur und Mobilität. Darüber hinaus werden durch „MyCi- ty-MyPlace“ bereits begonnene Projekte und Prozesse weitergeführt. Jugendliche werden bei der erfolgreichen Verwirklichung bereits bekannter und auch neuer Ideen unterstützt. Ziel ist es, die Vitalität der Innenstadt zu erhöhen und deren Aufenthaltsqualität als Sozial- und Lebens- raum im Allgemeinen und für Jugendliche im Besonderen zu verbessern. Im Sinne der bisher befragten Jugendlichen heißt das in erster Linie, Räume für unterschiedliche Bedarfe und Gruppen zu akquirieren und diese permanent oder temporär zugänglich zu ma- chen. In Frage kommen Räume öffentlicher Einrichtungen, von Initiativen sowie auch leerste- hende Ladengeschäfte. Dieses Vorhaben wird durch Vernetzung mit öffentlichen Einrichtungen, von Jugendverbänden und Jugendinitiativen erreicht. Erste Schritte wurden hierzu bereits mit der AWO und dem BDKJ gemacht. Weitere Partnerschaften neben der Anknüpfung an das jubez werden unter anderem mit dem Kultur- und Projektraum im Zentrum von Karlsruhe „Co- la, Taxi, Okay“, dem Badischen Landesmuseum (museum x) und anderen geknüpft. Die Ver- knüpfung verschiedener Akteure mit dem Ziel, eine lebendige und vielgestaltige Innenstadt ins- besondere für die junge Generation zu schaffen, bietet darüber hinaus eine große Chance, der Jugendarbeit gemeinsam neue Impulse zu geben. Darüber hinaus greift „MyCity-MyPlace“ aktuelle Trends und die Anregungen der Jugendlichen für mehr jugendkulturelle Events, für mehr Nachhaltigkeit und eine bessere Aufenthaltsqualität öffentlicher Plätze auf. Das Projekt „MyCity-MyPlace“ ist als Beteiligungsprojekt angelegt und so konzipiert, dass die permanente Veränderung durch die Mitwirkenden möglich ist. Die Prinzipien des Projekts sind aktive Beteiligung, Stärkung des Engagements, Schaffung von Freiräumen sowie Offenheit für Alle. „MyCity-MyPlace“ ist ein gemeinsames Projekt der „offenen“ und der „verbandlichen“ Ju- gendarbeit unter dem Dach des stja mit den Beteiligungsformaten der Jugendkonferenz (JUKO). Hier werden die enge Verknüpfung und der direkte Kontakt mit Stadtverwaltung und Politik hergestellt. Finanzielle Unterstützung Die Förderung des Projekts durch die Baden-Württemberg-Stiftung endete im August 2019. Zunächst konnte der stja seit Beginn 2020 aus Eigenmitteln eine befristete Teilzeitstelle schaf- fen. Dies ist allerdings nur bis Ende 2020 möglich. Um die begonnenen Prozesse fortzuführen und das neuartige Konzept weiterführen zu können, ist eine professionelle Begleitung und Steuerung unabdingbar. Hierfür benötigt der stja eine auf zunächst zwei Jahre befristete Teilzeitprojektstelle (50 Prozent in E10) und ausreichende Sach- mittel. Für die Projektstelle veranschlagt der stja 38.750 Euro jährlich. Für Sachmittel werden 8.000 Euro pro Jahr benötigt.