Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die "Generalistische Pflegeausbildung" in Karlsruhe

Vorlage: 2020/0772
Art: Antrag
Datum: 22.06.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 28.07.2020

    TOP: 11

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: verwiesen in Fachausschuss

Zusätzliche Dateien

  • Antrag
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2020/0772 Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die "Generalistische Pflegeausbildung" in Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 28.07.2020 11 x 1. Die Verwaltung prüft, ob und in welcher Ausprägung bei der Stadt Karlsruhe in Zusammen- arbeit mit dem Landkreis eine kommunale Koordinierungsstelle für die praktischen Ausbil- dungsstellen der Generalistischen Pflegeausbildung sinnvoll ist und welche Ressourcen dafür notwendig sind. Ziel ist es, möglichst viele Träger dafür zu gewinnen, Pfleger*innen auszubil- den und für diese Ausbildungsplätze zu werben. Die Koordinierungsstelle sollte von der Stadt und dem Landkreis gemeinsam finanziert werden. 2. Die Koordinierungsstelle erstellt eine Übersicht über Einrichtungen, die Ausbildungsstellen anbieten und in welcher Anzahl diese angeboten werden. Dabei werden auch mittlere und kleine Einrichtungen, wie Ambulante Pflegedienste miteinbezogen. 3. Geprüft wird, ob eine Beratung mittlerer und kleiner Einrichtungen bei der Installierung der Generalistischen Pflegeausbildung zumindest vorübergehend sinnvoll ist. 4. Die Koordinierungsstelle lädt zu regelmäßigen Fachgesprächen aller beteiligen Seiten ein. 5. Die Koordinierungsstelle hat die Aufgabe, eine maximal mögliche Verteilungsgerechtigkeit über praktische Einsatzstellen herzustellen und damit, wenn möglich, die Anzahl der Ausbil- dungsplätze auch bei mittleren und kleinen Einrichtungen zu erhöhen. Begründung: Die neue “Generalistische Ausbildung" dauert drei Jahre und ersetzt die bisherigen Berufsausbildun- gen als Gesundheits- und Krankenpfleger*in, Kinderkrankenpfleger*in und Altenpfleger*in. Die In- halte der bisherigen verschiedenen Ausbildungen werden nun in der Generalistischen Pflegesausbil- dung zusammengefasst, sodass während und nach der Ausbildung unterschiedliche Einsatzmöglich- keiten bestehen. Diese Vielfalt in der Pflegeausbildung führt dazu, dass die Auszubildenden einen breiteren Einblick erhalten als bisher. Dadurch werden die Einsatzgebiete der nach dem neuen Sys- tem ausgebildeten Pflegekräfte deutlich flexibler. Durch eine Koordinierung aller zur Verfügung stehenden Ausbildungsmöglichkeiten ergäbe sich im Stadt- und Landkreis ein umfassendes Angebot, welches die Abdeckung aller Bereiche gewährleisten kann. Dies stellt eine Win-Win-Situation für Ausbildungsschulen und Praxisplätze dar. Das derzeitige Problem ist, dass die neue Generalistische Ausbildung gegenüber dem bisherigen Vorgehen organisatorisch insbesondere für kleine und mittlere Einrichtungen, z.B. kleine Pflegehei- me und mobile Pflegedienste, sehr kompliziert ist, da verschiedene Ausbildungsabschnitte in unter- schiedlichen Einrichtungen absolviert werden müssen. Schon zu Beginn des Ausbildungsvertrags muss durch den Ausbildungsbetrieb geklärt sein, wann die Auszubildenden ihre praktische Ausbil- dung in den nun vorgeschriebenen verschiedenen Bereichen absolvieren können, z.B. in der Psychi- Ergänzende Erläuterungen Seite 2 atrie, Kinderheilkunde, ambulanten und stationären Altenhilfe und im Krankenhaus. Für kleine und mittlere Anbieter ist es äußerst aufwändig, diese notwendigen Praxisplätze zu beschaffen. Insbeson- dere die Kinderheilkunde stellt hier ein Nadelöhr dar. Die Frage ist, wie hier eine gerechte, transpa- rente Verteilung der Praxisplätze erreicht werden kann. Angesichts des Pfleger*innenmangels, der sich gerade in der aktuellen Corona-Krise wieder beson- ders zeigt, muss es das Ziel sein, möglichst viele Ausbildungsplätze zu erhalten und neue zu schaffen, was durch eine Koordinierungsstelle besser zu leisten ist. Andere Kommunen können mit ihren be- reits bestehenden Koordinierungsstellen bzw. Servicestellen als Vorbild dienen. Die von der Landes- regierung installierte Strukturkommission zur Generalistischen Pflegeausbildung empfiehlt ebenfalls Koordinierungsstellen auf kommunaler Ebene. Unterzeichnet von: Verena Anlauf Christine Großmann Niko Riebel Aljoscha Löffler Michael Borner

  • Stellungnahme Generalistische Pflegeausbildung
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0772 Dez. 5 Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die “Generalistische Pflegeausbildung" in Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 28.07.2020 11 x Kurzfassung Die Verwaltung prüft, ob die Einrichtung einer gemeinsamen Koordinierungsstelle zielführend ist und geht auf den Landkreis zu. Zudem wird sie eine Erhebung durchführen, welche Ausbildungsangebote und Praxisplätze bereits bestehen und ob Ausbildungskapazitäten ggf. erweitert werden müssen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Verwaltung prüft, ob und in welcher Ausprägung bei der Stadt Karlsruhe in Zusammenar- beit mit dem Landkreis eine kommunale Koordinierungsstelle für die praktischen Ausbildungs- stellen der Generalistischen Pflegeausbildung sinnvoll ist und welche Ressourcen dafür not- wendig sind. Ziel ist es, möglichst viele Träger dafür zu gewinnen, Pfleger*innen auszubilden und für diese Ausbildungsplätze zu werben. Die Koordinierungsstelle sollte von der Stadt und dem Landkreis gemeinsam finanziert werden. Die Verwaltung prüft die Einrichtung einer gemeinsamen Koordinierungsstelle und geht auf den Landkreis zu. Eine ggf. notwendige Abschätzung von Personalressourcen erfolgt ebenfalls in die- sem Kontext. Über das Ergebnis wird im Sozialausschuss berichtet. Folgende Aspekte sind dabei zu berücksichtigen: Zum einen sind in die Gesamtüberlegungen die Eckpunkte des Ministeriums für Soziales und In- tegration Baden-Württemberg zur Förderung regionaler Koordinierungsstellen zur Umsetzung der Pflegeberufsreform (Übermittlung des Städtetags Baden-Württemberg, Rundschreiben 33323/2020 von 22. Juni 2020) einzubeziehen. Zum anderen sollte Einigkeit über die inhaltliche Ausgestaltung einer Koordinierungsstelle zwi- schen Stadt- und Landkreis Karlsruhe erzielt werden. Eine Koordinierungsstelle der Generalisti- schen Pflegeausbildung für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe kann nicht die Strukturierung und Planung aller Ausbildungspläne beziehungsweise aller praktischen Ausbildungseinsätze verant- worten. Vielmehr kann eine Koordinierungsstelle für Stadt- und Landkreis Karlsruhe übergeord- nete Koordinierungs- und Steuerungsaufgaben übernehmen wie auch bei der Vernetzung aller beteiligten Akteurinnen und Akteure unterstützend wirken. Weiterhin sollte das Aufgabenspektrum einer Koordinierungsstelle einen gezielten Anteil für die Pflegefachkräftegewinnung und -sicherung beinhalten. Dazu ist ebenso eine Wissensvermittlung bezüglich der Grundlagen der Ausbildung „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ mit aufzunehmen. Nach Informationen des Städtischen Klinikums Karlsruhe koordiniert die Koordinatorin für die Ausbildung im Landkreis Rastatt 97 Ausbildungsplätze. Weitergehende Informationen über die Besetzung von Koordinationsstellen für die Pflegeausbildung im Ortenaukreis lauten, dass dort insgesamt ein/e Hauptkoordinator/in und 4 Unterkoordinatoren/innen notwendig sind, um die vorhandenen Ausbildungsplätze zu planen und zu koordinieren. Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind derzeit ca. 800 Ausbildungsplätze in der Pflege zu koordi- nieren. 2. Die Koordinierungsstelle erstellt eine Übersicht über Einrichtungen, die Ausbildungsstellen an- bieten und in welcher Anzahl diese angeboten werden. Dabei werden auch mittlere und kleine Einrichtungen, wie Ambulante Pflegedienste miteinbezogen. Unabhängig von der Einrichtung einer Koordinierungsstelle wird die Verwaltung eine Erhebung durchführen, welche Ausbildungsangebote und Praxisplätze bereits bestehen und ob Ausbil- dungskapazitäten ggf. erweitert werden müssen. Auf dieser Grundlage wird eine entsprechende Übersicht erstellt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Fortschreibung dieser Übersicht kann bei der möglichen Schaffung einer Koordinierungsstelle als Stelleninhalt mit einbezogen werden. Damit wird die übergeordnete Funktion der Koordinie- rungsstelle unterstrichen. 3. Geprüft wird, ob eine Beratung mittlerer und kleiner Einrichtungen bei der Installierung der Generalistischen Pflegeausbildung zumindest vorübergehend sinnvoll ist. Die Prüfung, ob eine Beratung mittlerer und kleiner Einrichtungen bei der Installierung der Gene- ralistischen Pflegeausbildung zumindest vorübergehend sinnvoll ist, ist ausdrücklich zu begrüßen und wird daher – unabhängig von der Einrichtung einer koordinierenden Stelle – zugesagt. Vorteil eines entsprechenden Beratungsangebotes, insbesondere mit Blick auf die Fachkräftege- winnung und -bindung wäre, dass Stadt- und Landkreis eine Übersicht bekämen, in welchem Um- fang die Altenpflegeheime und Altenpflegeeinrichtungen tatsächlich Interesse haben bzw. in der Lage sind, eine nennenswerte Anzahl von Auszubildenden über die berufsbildenden Schulen, auch in der Praxis bzw. in den Kliniken auszubilden. 4. Die Koordinierungsstelle lädt zu regelmäßigen Fachgesprächen aller beteiligen Seiten ein. Bereits heute gibt es eine Zusammenkunft der zentralkoordinierenden Stellen Krankenpflege- schule, der ViDia-Kliniken Krankenpflegeschule, des Städtischen Klinikums, der berufsbildenden Schulen in Karlsruhe, der Kliniken des Landkreises Karlsruhe und zahlreicher weiterer Einrichtun- gen. Dieser Verteiler wird auf Wunsch des Landkreises erweitert. Die Treffen finden 4-mal jährlich bei den jeweils unterschiedlichen Trägereinrichtungen statt, zuletzt am 13. Juli 2020. Zum fachlichen Informationsaustausch ist diese Abstimmungsrunde aus Sicht der Stadtverwal- tung ausreichend. 5. Die Koordinierungsstelle hat die Aufgabe, eine maximal mögliche Verteilungsgerechtigkeit über praktische Einsatzstellen herzustellen und damit, wenn möglich, die Anzahl der Ausbildungs- plätze auch bei mittleren und kleinen Einrichtungen zu erhöhen. Bereits heute findet eine maximal mögliche gerechte Verteilung der praktischen Einsatzzeiten statt. Sollte ein zusätzlicher Bedarf bestehen, muss über die Erweiterung der Ausbildungskapazi- täten im Stadt- und Landkreis nachgedacht werden. Das Ergebnis der Bedarfserhebung ist daher abzuwarten (siehe Antwort Frage 2).

  • Protokoll GR TOP 11
    Extrahierter Text

    Niederschrift 13. Plenarsitzung des Gemeinderates 28. Juli 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 12. Punkt 11 der Tagesordnung: Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die „Generealistische Pflegeausbildung“ in Karlsruhe Antrag: GRÜNE Vorlage: 2020/0772 Beschluss: Verwiesen in den Fachausschuss Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkte 11 zur Behandlung auf. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Bei diesem etwas sperrigen Antrag, der vielleicht nicht gleich so verständlich ist, geht es schlicht darum, dass die Krankenhäuser und die Altenpflegeeinrichtun- gen auch in Zukunft ausreichend mit Pflegepersonal versorgt werden. Das ist der Hintergrund, und dabei geht es hier um den Baustein Ausbildung, weil sich die Ausbildung zu dieser genera- listischen Ausbildung geändert hat, die wir auch befürworten und die es auch in sich hat. Man muss sich mal vorstellen, dass jeder kleine ambulante Träger dafür sorgen muss, dass seine Azubis in fünf verschiedene Betriebe und Träger kommen, um dort ihrer Praxisausbildung nach- zugehen. Das ist natürlich ein irrsinnig hoher Aufwand, wo wir uns fragen, ob sich das jeder ambulante kleine Träger zutraut, dies anzupacken. Jetzt ist es so, dass es Koordinierungsstellen in verschiedenen Städten gibt, auch in verschiedenen Landkreisen, neutrale kommunale Koor- dinierungsstellen, die speziell dieses Thema aufgreifen. Es geht nicht darum, die ganze Ausbil- dung zu organisieren, das kann es auch gar nicht sein. Das Städtische Klinikum und andere sol- len sich weiterhin um Ihre Ausbildung kümmern und im Einzelnen organisieren, aber es geht darum, dass es noch eine Stelle gibt, eben diese Koordinierungsstelle, die sich vor allem um eine gerechtere Verteilung der Praxisplätze kümmert, dass nicht nur die großen und mittleren Betriebe versorgt werden. Es gibt bestimmte Bereiche, wo man schwer Praxisplätze bekommt, wie zum Beispiel in der Pädiatrie und Psychiatrie. Darum muss man sich kümmern. – 2 – Ziel ist es, natürlich die Ausbildungsplätze zu halten und möglichst zu erweitern, denn die AOK geht davon aus, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen im Seniorenbereich im Jahr um fünf Pro- zent steigen wird. Das ist wirklich enorm und gleichzeitig werden viele in Rente gehen, weil die Einrichtungen die geburtenstarken Jahrgänge haben. Es kommt so beides zusammen. Deswe- gen ist es sehr wichtig, dass die generalistische Ausbildung gut organisiert und unterstützt wird, aus diesem Grunde sind wir für diese Koordinierungsstelle. Aufgabe kann dann auch sein, sich überhaupt darum zu kümmern, dass möglichst viele Menschen gewonnen werden, in die Aus- bildung zu gehen, dass möglichst auch Träger beraten werden und man erhebt, wie denn die Situation ist, wie viele Menschen gibt es denn, die dieser Ausbildung nachgehen wollen, wie war die Situation in den letzten Jahren, wie ist die Tendenz, wie viele Betriebe gibt es da. Wir gehen davon aus, dass die Koordinierungsstelle neutral sein sollte, und denken, dass nicht das Städtische Klinikum diese Aufgabe übernehmen sollte, weil es dann zwei Hüte aufhätte und sich um zwei Themen gleichzeitig kümmern müsste. Vielen Dank an Herrn Hug, der diese Aufgabe bisher ganz wunderbar wahrgenommen hat. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Wir müssen viel tun, um genügend Pflegekräfte in den verschiedens- ten Bereichen zu bekommen und auszubauen und für die Ausbildung Sorge zu tragen. Die gene- ralistische Ausbildung hat viele Vorteile, hat aber auch einen Knackpunkt, und das ist der prak- tische Teil dieser Ausbildung, der, wie der Begriff schon sagt, in generalistischen Bereichen stattfinden muss, zum Beispiel, was in der Kinderheilkunde erwähnt wurde. Kinderkliniken in dem Umfang gibt es nicht so viele, Pflegeeinrichtungen, Altenheime und allgemeine Kliniken gibt es mehr. Man kann sich vorstellen, dass hier schon einmal ein Nadelöhr entsteht, wo alle durchmüssen. Für große Häuser gibt es sicherlich die Möglichkeit, durch gemeinsamen Aus- tausch Einiges zu erreichen, aber wir möchten auch, dass kleinere Altenpflegeeinrichtungen, ambulante Einrichtungen oder kleinere Krankenhäuser, weiterhin ausbilden, um genügend Pflegekräfte auf dem Markt zu haben. Deswegen erachte ich es als sinnvoll, hier eine Koordinie- rungsstelle einzurichten, die aber ganz sicher nur mit dem Land- und Stadtkreis Karlsruhe in Zusammenarbeit funktionieren kann, denn wir müssen die Region sehen und nicht nur die Stadt Karlsruhe. Wir sollten an dieses Thema gehen. Einige Sachen sind, wie beschrieben, schon passiert. Die sollten weitergeschrieben werden, und es sollte ein Konzept entwickelt werden zusammen mit dem Landkreis, das uns dann im Sozialausschuss vorgestellt wird. Stadträtin Melchien (SPD): Auch ich kann nahtlos an die beiden Vorreden anschließen. Die ge- neralistische Pflegeausbildung hat uns bereits weit vor ihrer Einführung zum 01.01.2020 be- schäftigt und auch Sorge bereitet, möchte ich sagen. Meine ehemalige Stadtratskollegin Gisela Fischer hat hier unter anderem durch Anfragen an die Verwaltung sehr früh die Herausforde- rung thematisiert, die jetzt auch angesprochen wurden, dass es tatsächlich auch schwierig wer- den wird, die Ausbildungsplätze zu halten und auch zu steigern. Wir müssen es auch steigern, daher steht auch meine Fraktion der Einrichtung einer Koordinierungsstelle sehr positiv gegen- über, insbesondere auch, wenn Verknüpfungen mit dem Landkreis bestehen, zumal es auch vom Land gefordert oder gefördert werden könnte. Daher kann ich mich dem Appell der Vorre- den auch nur anschließen. Wir freuen uns insgesamt, wenn wir über das Thema generalistische Pflege jetzt eben auch die ersten Erfahrungen mit dem Sozialausschuss austauschen und dann bei der Gelegenheit auch Zeit haben werden, uns intensiver miteinander auszutauschen. Sicher- lich ist es eine sehr wichtige Aufgabe, gemeinsam mit allen, die an der Pflegeausbildung betei- ligt sind, dafür Sorge zu tragen, dass wir genügend gut ausgebildetes Personal in unserer Stadt haben. – 3 – Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich bedanke mich für den Antrag, denn ich halte es für ein sehr wichtiges Thema. Ich würde mir wünschen, dass man das auch im Gesundheitsausschuss be- handelt, weil ich glaube wirklich, dass man beobachten muss, wie sich diese Ausbildung dann in der Praxis nachher gestaltet. Ich behaupte eines, Kinderklinken werden auf diese Ausbildung etwas aufsatteln müssen, weil ganz klar ist, jemand der in einer Kinderklinik im Einsatz ist, muss ganz andere Kompetenzen mitbringen und auch durch die Ausbildung auf Kinderheilkunde ein- gestellt sein. Das ist etwas anderes, das sind keine kleinen Erwachsene, das sind Individuen, die man ganz anders behandeln muss. Ich weiß nicht, ob das Thema Demenz nachher nicht auch dazu führt, dass noch mal aufgesat- telt werden muss. Es wäre mir wichtig, dass man tatsächlich dieses Projekt jetzt von Anfang an soweit begleitet und auch beobachtet, dass man relativ frühzeitig merkt, wo denn tatsächlich die Schwächen im System sind und darauf dann auch Einfluss nehmen kann, im Sinne unserer Pflegeeinrichtungen und Kliniken und dass man dann tatsächlich nach der Ausbildung die Men- schen dort im Betrieb einsetzen kann, wohlwissend, dass man vielleicht an der einen oder an- deren Stelle noch nachbessern muss. Davon gehe ich aus. Es geht mir vor allem darum, ich möchte keine Verschulung. Das, was wir jetzt als Studiengang statt der Ausbildung machen, halte ich für keinen guten Weg. Wir brauchen Praktikerinnen und Praktiker, weil die Pflege von Menschen muss man wirklich im Betrieb lernen und auch feststellen, ob man das kann. Ich glaube, ganz viele müssen es erst mal lernen, ob sie so mit Menschen umgehen können. Es wä- re mir wichtig, dass die Koordinierungsstelle tatsächlich auch ein Stück weit so eine Evaluation mitmacht, dass man auch darauf eingehen kann, das wäre mir wichtig. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Es macht sicher keinen Sinn, diese Frage in verschiedenen Aus- schüssen zu behandeln. Ich plädiere sehr dafür, dass das Thema in einen Ausschuss verwiesen und dort behandelt wird. Auch wenn es noch so viele interessante Aspekte gibt, die aber be- stimmt nicht in den Gemeinderat gehören, ob ein Studium besser ist oder eine praktische Aus- bildung, solche Dinge brauchen wir nicht in den Ausschüssen diskutieren. Wir wären einver- standen mit der Einrichtung dieser Koordinierungsstelle, wenn dabei auch darauf geachtet wird, dass damit dann auch tatsächlich Synergien realisiert werden, beispielsweise, wenn wir von städtischer Seite Personen für diese Koordinierungsstelle abstellen, dass dann nicht gleich- zeitig vom Klinikum auch noch jemand abgestellt wird, der dann praktisch eine Vollzeitbezah- lung für dieselbe Aufgabe erhält. Das wäre für uns, wenn es eine Evaluation geben sollte, Teil der Evaluation. Es muss gezeigt werden, dass damit Synergien realisiert werden, dass wir an anderer Stelle Einsparungen haben und dass diese Koordinierungsstelle effektiv arbeitet. Vor dem Hintergrund sind wir mit der Antwort der Verwaltung einverstanden. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Dieses Thema ist eigentlich leicht zu verstehen, aber es ist hoch kompliziert formuliert. Ich habe es im Laufe der Zeit kapiert, das Anliegen ist klar, vielen Dank dafür. Ich verstehe den Antrag so, darauf steht, dass die Verwaltung prüfen soll, das Wort prü- fen wird dreimal genannt. Das ist ein Prüfauftrag im Wesentlichen und deswegen bin ich dafür, dass wir das auch prüfen und wir dann im Sozialausschuss Nägel mit Köpfen machen. Der Vorsitzende: Mir ist das Prüfen auch ganz wichtig, weil bei allem, was ich gehört habe, kann ich zustimmen, aber nichts von dem ist eigentlich Aufgabe der Kommune. Wenn wir über Auf- gabenkritik reden und über schwindende Finanzen, das gilt für den nächsten Antrag genauso, dann müssen wir uns auch irgendwann einmal damit auseinandersetzten, warum wir laufend Aufgaben übernehmen, mit denen wir eigentlich gar nicht involviert sind. Ich bin gerne bereit, – 4 – dass wir hier eine solche Koordinierungsstelle organisatorisch betreuen, weil es irgendjemand machen muss. Wir müssen auch schauen, dass wir es gemeinsam mit dem Landkreis machen, das ist auch in Ordnung. Dann müssen wir aber überlegen, wer am Ende für die Finanzierung und die Verantwortlichkeit dieser Stelle zuständig ist. Es ist natürlich ein hehres Ansinnen, dass alle Schulen auf der einen Seite beziehungsweise alle Ausbildungsstätten von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser abstimmen, dass möglichst dann die kleinen Träger diese verschiedenen Module für die Ausbildung bekommen. Am Ende ist es ein freiwilliger Zusammenschluss und ein freiwilliges Commitment, und ich bin mir auch völlig sicher, dass Sie auch nie ausgleichen können, dass große Einrichtungen immer einen Standortvorteil haben, weil die vielleicht eine Kinderklinik haben und diese am Ende vielleicht lieber mit drei großen Einheiten zusammenarbeiten, um diese Ausbildungsplätze zu matchen, und nicht mit zwanzig Kleinsteinheiten. Das kann auch eine Koordinierungsstelle zumindest mal als steuernde Aufgabe nur dann umsetzen, wenn sie von allen dazu auch autorisiert wird. Das möchte ich einfach nur noch einmal ausführen. Meines Wissens gibt es keine gesetzliche Verankerung einer Koordinierungsstelle, der sich dann alle unterwerfen, sondern es ist am Ende eine freiwillige Absprache. Wir machen das, weil es eine ganz wichtige Aufgabe ist, und ich weiß im Moment auch gar nicht, wie das überhaupt lau- fen soll, möchte aber trotzdem deutlich machen, dass hier offensichtlich eine neue Ausbil- dungsverordnung und Ausbildungsstruktur vorgegeben wurde, die aber nicht ausreichend diese koordinierende und organisatorische Frage klärt. Ich fürchte auch wie Sie, Frau Stadträtin, dass am Ende die Kleinsteinrichtungen hinten herunterfallen und ob wir das aufgefangen bekom- men, das weiß ich nicht, wir bemühen uns, aber ich bitte, nicht zu große Erwartungen daran zu richten. Wenn es wirklich so ist, dass am Ende die Kinderklinik - und Kinderkliniken sind eher in der Bettenreduzierung seit Jahren und Jahrzehnten -, dass die am Ende die Nahtstelle wird, dann wird man sowieso in ein paar Jahren noch mal über eine andere Form von paralleler Or- ganisation einer solchen Ausbildung reden müssen, weil man das alles gar nicht bewältigen kann. Das ist jetzt meine Einschätzung an dieser Stelle. Wir werden im Sozialausschuss berichten, dazu ist auch immer das Dezernat 5 eingeladen. Inso- fern sitzt die Gesundheit mit am Tisch und dann kann man das dort gemeinsam gut diskutieren und versuchen, den städtischen Anteil der Verantwortlichkeit auch noch mal gemeinsam zu finden. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 18. September 2020