Extensiv begrünte Flachdächer statt Plexiglas an Haltestellen

Vorlage: 2020/0742
Art: Antrag
Datum: 18.06.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Verkehrsbetriebe Karlsruhe
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 28.07.2020

    TOP: 16

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: erledigt durch Stellungnahme der Verwaltung

Zusätzliche Dateien

  • Antrag
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG SPD-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2020/0742 Extensiv begrünte Flachdächer statt Plexiglas an Haltestellen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 28.07.2020 16 x Die Stadtverwaltung prüft – gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben – ob die derzeitigen Plexiglasdä- cher an den Haltestellen durch Flachdächer ersetzt und extensiv begrünt werden können. Begründung: An den Haltestellen wäre dadurch eine Verbesserung des Mikroklimas möglich, denn die „Kleingär- ten“ wirken wie Klimaanlagen und sorgen für Abkühlung an heißen Sommertagen. Anstatt in der prallen Sonne könnte man im Schatten auf die nächste Bahn oder den Bus warten. Die Pflanzen bin- den zudem Kohlenstoffdioxid (CO2) und Feinstaub aus der Luft. Außerdem könnten die extensiv begrünten Dächer das Wasser speichern und abgeben. Das Stra- ßenbild wird so aufgewertet und Lebensräume für Blumen und Insekten geschaffen. Unterzeichnet von: Parsa Marvi Michael Zeh Anton Huber

  • Stellungnahme Begrünung Flachdächer
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag SPD-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0742 Dez. 1 Extensiv begrünte Flachdächer statt Plexiglas an Haltestellen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 28.07.2020 16 x Kurzfassung Die VBK haben dies geprüft. Ein Ersatz der Dächer ist nicht möglich. Der tatsächliche Nutzen wird als nicht existent bis marginal eingestuft. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Mit diesem Thema haben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe sich bereits mehrfach beschäftigt, zuletzt im Jahr 2019 durch die Pressemitteilungen aus Utrecht. Hierauf aufbauend wurden Gespräche mit den städt. Ämtern (Gartenbauamt, StPlA, TBA) im Oktober 2019 aufgenom- men. Im Ergebnis war man sich einig, dass eine Begrünung der Haltestellendächer aus tech- nischen und finanziellen Gründen wenig sinnvoll ist und deshalb nicht weiterverfolgt werden soll. 2. Aus fachlicher und technischer Einschätzung der VBK ist ein reiner „Ersatz“ des heutigen Da- ches der Wartehallen aus statischen Gründen nicht möglich. Die Folge hieraus wäre ein kompletter Abriss (vsl. einschließlich Fundament) und Neubau. Je Wartehalle müssen zwi- schen 20.000 € bis 40.000 € einkalkuliert werden. Zusätzlich ist betrieblich gesehen jede Pflege der Begrünung („Blumen“) zumindest bei Tram-Haltestellen aufgrund der erforderli- chen Sicherheitsvorkehrungen (Nähe zur Oberleitung) höchst aufwändig. Pflegeleicht wäre allenfalls eine Sedumbepflanzung, wobei sich hierbei das Stadtbild durch die Höhe von 2,50 m nicht ändern würde. 3. Ergänzend darf erwähnt werden, dass die VBK zur besseren Verschattung die vorhandenen Plexiglasabdeckungen testweise an einzelnen Haltestellen durch abgedunkelte Plexiglasab- deckung ersetzen wird.

  • Protokoll
    Extrahierter Text

    Niederschrift 13. Plenarsitzung des Gemeinderates 28. Juli 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 16. Punkt 16 der Tagesordnung: Extensiv begrünte Flachdächer statt Plexiglas an Haltestellen Antrag: SPD Vorlage: 2020/0742 Beschluss: Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf. Stadtrat Zeh (SPD): In Utrecht wurden 2019 die Bushaltestellen mit Blumendächer begrünt, um aktiv gegen das Insektensterben vorzugehen und die Luftqualität zu verbessern. Diese Bienen- stopps, wie sie im Volksmund heißen, sind eine einfache und geniale Idee, um mehr Grün in die Stadt zu bringen. Sie sehen nicht nur schöner aus, sie haben auch viele Vorteile. Erstens, die neuen Wartehäuschen dienen als Wasserspeicher und mussten deshalb auch weniger gegossen werden und kühlen die Umgebung an heißen Tagen ab. Zweitens, die Pflanzen filtern Feinstaub aus der Luft und sorgen für eine bessere Lebens- und Luftqualität. Drittens, sie bieten Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Viertens, unter dem Dach ist es schattiger als unter den derzeiti- gen Plexiglasdächern. Die Dachgewächse, in Deutschland vor allem als Mauer-, Pfeffer- und Fetthenne bekannt, filtern den Feinstaub und sie speichern auch Regenwasser. Sicher wäre auch eine Sedum-Bepflanzung möglich, insgesamt sind die Pflanzen als pflegeleicht zu bezeich- nen. Leider hat die Prüfung für die Karlsruher Wartehäuschen ergeben, dass die Statik nicht aus- reicht. Sie sind für die neuen Dächer nicht ausgelegt. Kosten in Höhe von über 20.000 Euro pro Haus können wir im Moment sicher nicht in die Hand nehmen, das sehen wir ein. Allerdings ist die Karlsruher Wartehäuschen-Variante schon viele Jahre im Einsatz, wenn das Design und die Stabilität verändert werden, sollte diese Idee aus Utrecht wieder aufgenommen werden. Viel- – 2 – leicht könnten die Verkehrsbetriebe in nächster Zeit ein solches grünes Wartehäuschen an ei- ner Haltestelle testen. Für heute betrachten wir diesen Prüfungsantrag als erledigt. Stadtrat Honné (GRÜNE): Die Verkehrsbetriebe haben ausgeführt, dass es bei dem jetzigen Bestand nicht geht, aber auch bei neuen Wartehäuschen sehen wir da nicht so den wirklichen Nutzen, weil die Fläche doch sehr klein ist auf diesem Dach und von unten eben auch nicht sichtbar ist, was sich oben befindet. Also, für das Aussehen bringt es auch nichts. Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit mit einem Antrag an Sedum in den Gleisen gedacht, das hätte eine we- sentlich größere Fläche. Das halten wir immer noch für die deutlich bessere Maßnahme, wo es um Begrünung geht, und würden auch noch mal darauf hinweisen, dass da noch näher unter- sucht werden sollte, ob das nicht doch möglich ist. Bei den Haltestellendächern ist unser Prob- lem, dass man darunter in der Sonne steht, das ist wahnsinnig heiß im Sommer. Deshalb finden wir die Idee der Verkehrsbetriebe genau richtig, dass sie anderes Glas zum Sonnenschutz an- bringen wollen. Man muss sehen, ob das ausreicht, um die Fahrgäste vor Sonne zu schützen. Wenn es um mich ginge, mir würde es genügen, wenn einfach etwas über die vorhandenen Dächer gesprüht werden würde, es müsste nicht flächendeckend dicht sein, sondern einfach nur irgendetwas darüber sprühen, damit es einfach und schnell umsetzbar ist und trotzdem sofort eine Wirkung hat und man im Schatten steht. Es ist ein großes Problem, weil es an vielen Haltestellen keinen Schatten gibt. Stadträtin Wiedemann (CDU): Der Antragsteller hat diesen Antrag als erledigt angesehen, und so sehen wir es auch. Ich möchte nur einen kleinen Tipp geben, wie man möglicherweise die Haltestellendächer bestücken könnte. Heute steht in den Badischen Neuesten Nachrichten ein Bericht aus dem KIT „Organisch in die Zukunft, das Zeitalter der organischen Solarzelle hat ge- rade erst begonnen“. Ich würde empfehlen, diesen Bericht mal durchzulesen, und gegebenen- falls können die Verkehrsbetriebe hier ihre Dächer damit bestücken. Stadtrat Høyem (FDP): Ich möchte nur Kollege Honné ein Kompliment machen, und das ist sehr selten, dass ich diese Möglichkeit habe. Der Weg, über den Sie gesprochen haben, dass die SPD nicht grüner als Sie werden kann, und dass Sie doch realistischer sind, das war ganz interessant zu hören. Ich fahre mit Freude in den Urlaub, mit Ihren Worten in meinen Ohren. Der Vorsitzende: Ich weiß nicht, ob Sie die Zeit bis 22:00 Uhr unbedingt ausreizen wollen, in- dem Sie jetzt auch noch gegenseitig kommentieren, wer was gesagt hat. Aber wir können das gerne machen. Stadträtin Lorenz (FW|FÜR): Eine witzige Idee, die Dächer der Wartehäuschen zu begrünen, und als großer Fan der Niederlande, kenne ich natürlich die Wartehäuschen in Utrecht. Aller- dings erschließt sich mir nicht so richtig, was da bei uns wachsen soll, denn man muss beden- ken, das Klima in den Niederlanden ist ein bisschen anders als bei uns, ein bisschen gemäßigter, und die Flächen auf den Dächern sind so klein, dass eine Speicherung von Wasser eigentlich nicht vorhanden ist. Bei uns würde wahrscheinlich, lieber Herr Kollege Zeh, auf diesen Dächern außer Kakteen und Unkraut nicht viel wachsen, außer das Gartenbauamt hat noch freie Kapazi- täten und könnte die Dächer regelmäßig bewässern. Meine Fraktion hatte sich zunächst auch überlegt, einen Ergänzungsantrag einzubringen und zu beantragen, dass auch die Dächer aller Vogelhäuschen in Karlsruhe mit Solarpanels versehen werden sollen. Davon haben wir aber aus wirtschaftlichen Gründen Abstand genommen. Liebe Kollegen der SPD, seien Sie nicht traurig, wenn wir den Antrag heute in der Form ablehnen, es gibt genügend Ausgleichsflächen im – 3 – Stadtgebiet. Einige Bürgersteige haben sich beispielsweise bereits in blühende Wiesen verwan- delt. Der Vorsitzende: Damit können wir den Tagesordnungspunkt abschließen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 8. September 2020