Kinder- und Jugendschutz in und nach der Corona-Krise
| Vorlage: | 2020/0650 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 27.05.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 30.06.2020
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2020/0650 Kinder- und Jugendschutz in und nach der Corona-Krise Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 30.06.2020 48 x 1. Welche Entwicklung verzeichnet die Verwaltung bei Hinweisen zu häuslicher sowie sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen seit Beginn der Schließungen von Kitas und Schulen und sonstiger Einschränkung der sozialen Kontakte? 2. Sollte sich die Fallzahl äquivalent zur Entwicklung der allgemeinen Fälle häuslicher Gewalt in Karlsruhe nicht merklich verändert haben: Wie erklärt die Verwaltung das Fehlen entsprechender Hinweise in Hinblick darauf, dass in anderen Städten wie Heidelberg die Zahl der entsprechenden Fälle dramatisch zugenommen hat? 3. Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um während der Schließung von Kindertageseinrichtungen und Schulen zu ermöglichen, dass innerfamiliäre Gewalttaten bemerkt werden und das Jugendamt Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen kann? 4. Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um nach den Schließungen möglicherweise zwischenzeitlich erlebte Gewalterfahrungen bei Kindern und Jugendlichen aufzuarbeiten? 5. Welche allgemeinen Unterstützungsmaßnahmen werden von der Stadt nach der Öffnung zur psychischen Aufarbeitung der erlebten Krisensituation für betroffene Kinder und Jugendliche, insbesondere aus sozial benachteiligten Familien, angeboten Begründung Auf die Anfragen der SPD-Fraktion (Vorlage 2020/0446) und der FDP-Fraktion (Vorlage 2020/0447) hin hat die Verwaltung in Bezug auf häusliche Gewalt gegenüber Frauen in Karlsruhe keine Veränderung der Fallzahlen seit dem Beginn der Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise feststellen können. Auf die Entwicklung von Fällen sexueller wie häuslicher Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Speziellen wurde in beiden Antworten nicht explizit Stellung bezogen. Die Berichterstattung aus den BNN vom 5. Mai 2020 1 legt jedoch nahe, dass zumindest in der nahegelegenen Großstadt Heidelberg in beiden Bereichen eine dramatische Zunahme der Fallzahlen dokumentiert wurde. So geht die Leitung der dortigen Gewaltambulanz von einer Verdreifachung der Gewaltdelikte gegenüber Kindern sowie von einer Verdopplung der Fälle häuslicher Gewalt gegenüber Frauen aus. Vor diesem Hintergrund ist das Gleichbleiben der Fallzahlen in Karlsruhe aus Sicht der Grünen Fraktion zumindest erklärungsbedürftig. Aufgrund der Schließung von Kindertageseinrichtungen und Schulen besteht die Gefahr, dass Fälle von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen unentdeckt bleiben, da Betreuungspersonen und Lehrkräfte kaum mehr die Möglichkeit haben, diese zu erkennen. In dieser Hinsicht bedarf es für die Dauer der Teilschließungen eines Konzeptes zur Erkennung von Kindesmissbrauchsfällen sowie einer Perspektive für alle Kinder in Karlsruhe, in absehbarer Zeit wieder an Kitas und Schulen zurückkehren zu können. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Manche Fälle von Gewalt und Traumatisierung werden, wenn überhaupt, erst nach dem Ende der Corona-bedingten Einschränkungen ans Licht treten. Zudem ist vorstellbar, dass auch die Krise und die damit verbundenen Einschränkungen und Veränderungen im Alltag für Kinder und Jugendliche sehr belastend waren und einige hierbei keinerlei Unterstützung für deren Verarbeitung hatten. Daher interessiert uns, was die städtischen Ämter und Jugendeinrichtungen zu diesem Thema in weiterer Folge nach der Corona-Krise geplant haben. Unterzeichnet von: Benjamin Bauer Jorinda Fahringer Renate Rastätter Dr. Iris Sardarabady Verena Anlauf Zoe Mayer
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0650 Dez. 3 Kinder- und Jugendschutz in und nach der Corona-Krise Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 30.06.2020 48 x Von Beginn der Schließzeit an hat die gesamte Stadtverwaltung unter enger Kooperation der beteiligten Stellen und unter Einbezug externer Kooperationspartner ein besonderes Augenmerk auf den Schutz und die Unterstützung der Karlsruher Kinder und Jugendlichen gelegt. Weder in Karlsruhe noch in anderen nordbadischen Städten haben die Meldungen von häuslicher oder sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zugenommen. Die Stadt Karlsruhe bietet verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote, die dem individuellen Hilfebedarf der jeweiligen Familie beziehungsweise dem Kind und Jugendlichen in der aktuellen Krise gerecht werden. 1. Welche Entwicklung verzeichnet die Verwaltung bei Hinweisen zu häuslicher sowie sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen seit Beginn der Schließungen von Kitas und Schulen und sonstiger Einschränkung der sozialen Kontakte? Es gibt weder beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) noch bei den Fachberatungsstellen in Karlsruhe erhöhte Meldungen zu häuslicher sowie sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen und auch keine verstärkte Nachfrage bei den bestehenden Beratungsangeboten. Die wichtigsten Meldesysteme, die Gefährdungen zu einem frühen Zeitpunkt wahrnehmen und darauf reagieren wie Schulen, Kitas und Horte waren geschlossen und sind aktuell nur eingeschränkt im Einsatz. Es kann somit zum jetzigen Zeitpunkt keine valide Aussage darüber gemacht werden, ob die Fälle von häuslicher und sexueller Gewalt während des „Lockdowns“ zugenommen haben. Der städtischen Fachberatungsstelle AllerleiRauh wurden nur wenige, besonders schwere Fälle von sexueller Gewalt gemeldet. Anfragen von Fachleuten zu möglichen ersten Anzeichen und Gefährdungslagen blieben aus. Sowohl in den Fachberatungsstellen als auch punktuell beim ASD tauchen allerdings verstärkt eher ältere beziehungsweise schon abgeschlossene Fälle wieder auf. Dieses könnte darin begründet sein, dass vorhandene Problematiken und Störungsbilder durch die Corona-Krise verstärkt wurden und sich die Menschen noch einmal an das bekannte Hilfesystem wenden. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 2. Sollte sich die Fallzahl äquivalent zur Entwicklung der allgemeinen Fälle häuslicher Gewalt in Karlsruhe nicht merklich verändert haben: Wie erklärt die Verwaltung das Fehlen entsprechender Hinweise in Hinblick darauf, dass in anderen Städten wie Heidelberg die Zahl der entsprechenden Fälle dramatisch zugenommen hat? Aus der Kommunikation der Jugendämter gehen in keiner Stadt in Nordbaden dramatische Zunahmen der Meldungen entsprechender Fälle hervor. In Heidelberg ist aktuell eher ein leichter Rückgang der Meldungen zu verzeichnen. Das Jugendamt der Stadt Heidelberg hat keine Erklärung für den Fallanstieg der Gewaltambulanz, und die Leiterin der Gewaltambulanz konnte diese in einer angefragten Stellungnahme auch nicht näher erläutern beziehungsweise erklären. Die Gewaltambulanz hat ein sehr großes Einzugsgebiet und übernahm auch in der Vergangenheit schon immer Fälle von weiter entfernten Städten, wenn in anderen Ambulanzen keine Kapazitäten vorhanden sind. Die Gewaltambulanz Heidelberg hat in den letzten Wochen keine Meldung an das Jugendamt Karlsruhe bezüglich eines Falles im Stadtgebiet weitergegeben. 3. Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um während der Schließung von Kindertageseinrichtungen und Schulen zu ermöglichen, dass innerfamiliäre Gewalttaten bemerkt werden und das Jugendamt Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen kann? Von Beginn der Schließzeit an hat die Stadtverwaltung unter enger Kooperation der beteiligten Stellen und unter Einbezug externer Kooperationspartner ein besonderes Augenmerk auf den Schutz und die Unterstützung der Karlsruher Kinder und Jugendlichen gelegt. Um den vermuteten Überlastungen von Familien entgegenzuwirken, wurde unmittelbar zu Beginn der Kita- und Schulschließungen eine Kinderschutzgruppe im Fachbereich Jugendhilfe und Soziale Dienste mit eigenen Ressourcen installiert. So konnte schnell und unbürokratisch Entlastung in akuten Krisensituationen geschaffen werden und trotz der Schließungen ein sicherer Betreuungsplatz für die Kinder angeboten werden. Der ASD ist in die Vergabe der Plätze der Notbetreuung mit einbezogen, es wurde eine Hotline der Schulsozialarbeit eingerichtet, die Fachkräfte des ASD und der Fachberatungsstellen sind in regelmäßigem Kontakt zu den von ihnen betreuten Familien, es gab intensive Beratungsangebote für Fachkräfte und es wurden Webinare für verschiedene Zielgruppen angeboten. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sowohl die Stadt Karlsruhe als auch die von ihr beauftragten freien Träger mit großem Engagement den Kontakt nicht nur gehalten, sondern auch oft erweitert haben unter Nutzung aller zur Verfügung stehender Möglichkeiten. 4. Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um nach den Schließungen möglicherweise zwischenzeitlich erlebte Gewalterfahrungen bei Kindern und Jugendlichen aufzuarbeiten? Die Sozial- und Jugendbehörde hat unter enger Vernetzung aller betroffenen Fachbereiche Konzepte erarbeitet, um nach dem Ende der Schließungen Bedarfe bei Kindern- und Jugendlichen zu identifizieren und sie mit einem umfangreichen, niedrigschwelligen und dennoch verbindlichen Beratungsangebot zu unterstützen. Hierbei sind die verschiedenen Angebote, zum Beispiel der Schulsozialarbeit, des ASD und des Psychosozialen Dienstes eng aufeinander abgestimmt, und es findet vermehrt aufsuchende Arbeit beziehungsweise Arbeit vor Ort in den Einrichtungen statt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Schulsozialarbeit bedient bis zu den Sommerferien jede Schulen, auch wenn durch Krankheitsausfälle oder unbesetzte Stellen verschiedene Schulen gerade keine Fachkraft vor Ort hätten um für alle Schülerinnen und Schüler eine Kontaktmöglichkeit zum Hilfesystem vor Ort zu gewährleisten. Parallel dazu läuft die Hotline der Schulsozialarbeit weiter, um die Erreichbarkeit zu erweitern. Weitere wichtige Angebote sind die Beratung der Fachkräfte und Eltern sowie Präventionsprojekte, die für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen in Planung sind. 5. Welche allgemeinen Unterstützungsmaßnahmen werden von der Stadt nach der Öffnung zur psychischen Aufarbeitung der erlebten Krisensituation für betroffene Kinder und Jugendliche, insbesondere aus sozial benachteiligten Familien, angeboten? Die Stadt Karlsruhe verfügt über eine sehr gute soziale Infrastruktur, die auch in der Zeit der Schließung zumindest telefonisch für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stand. Diese Angebote stehen nach der Öffnung wieder vollumfänglich zur Verfügung und sollten mögliche zusätzliche Bedarfe abdecken können. Um einen Einblick in das Erleben von Kindern und Jugendlichen während des „Lockdowns“ zu bekommen wurde vom Kinderbüro in Kooperation mit der Schulsozialarbeit und dem Stadtjugendausschuss e.V. die Beteiligungsaktion „Deine Stadt – Deine Rechte: Corona aus Sicht von Kindern und Jugendlichen“ initiiert.
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Niederschrift 11. Plenarsitzung des Gemeinderates 30. Juni 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 29. Punkt 48 der Tagesordnung: Kinder- und Jugendschutz in und nach der Corona-Krise Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2020/0650 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 48 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellung- nahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmel- dung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. Juli 2020