Konzept Jugendberufsagentur "Haus der kurzen Wege" - rechtskreisübergreifend
| Vorlage: | 2020/0610 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 19.05.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0610 Dez. 3 Konzept Jugendberufsagentur "Haus der kurzen Wege" - rechtskreisübergreifend Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 08.07.2020 3 x vorberaten Gemeinderat 21.07.2020 8 x Beschlussantrag 1. Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Jugendhilfeausschuss dem Projektauftrag: Errichtung einer Jugendberufsagentur Karlsruhe „Haus der kurzen Wege“ zu. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Absichtserklärung abzuschließen sowie die notwendigen Mittel für Planung und Entwicklung der Jugendberufsagentur Karlsruhe für die Phase II im Haushalt einzustellen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 60.000 € DHH 2022/23 35.000 € DHH 2022/23 25.000 € Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein x Ja Korridorthema: Soziale Stadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein x Ja abgestimmt mit AFB gGmbH Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Mit einem „Haus der kurzen Wege“ kann ein für junge Menschen gewinnbringendes, vielfältiges und rechtskreisübergreifendes Beratungsangebot „aus einer Hand“ entstehen, das in Kooperation zwischen Jobcenter Stadt Karlsruhe, Agentur für Arbeit, Sozial- und Jugendbehörde, Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH, Schul- und Sportamt und Stadtjugendausschuss e.V. getragen wird. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist nicht auf Anhieb erkennbar, welche Institutionen für ihre jeweiligen betreffenden Fragestellungen zuständig sind und wer ihnen Hilfen geben oder Unterstützung bewilligen kann. So sind die Zuständigkeiten für die Finanzierung des Lebensunterhalts und die Versorgung mit Wohnraum nicht immer eindeutig zuzuordnen. Die Klärung nimmt lange Zeiträume ein und kann zur Destabilisierung der jungen Menschen und einem verzögerten Einsetzen der Hilfeleistungen führen. Absprachen zwischen der Jugendhilfe, dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit fanden in der Vergangenheit nur im Einzelfall und weniger aufeinander abgestimmt statt. Häufig war den Akteuren nicht bekannt, welche jeweilige Stelle im Kontakt mit dem jungen Menschen steht. Die Terminvergaben der einzelnen Stellen waren in Summe mit längeren Warte- und Klärungszeiten verbunden. Junge Menschen müssen nacheinander eine ganze Reihe von Institutionen aufsuchen, und viele von Ihnen haben auf diesem Weg resigniert. Diese Jugendlichen gehen zwischen den Institutionen „verloren“ und sind nur noch sehr schwer für das Hilfesystem zu erreichen. Die bereits bestehende einzelfallbezogene Kooperation zwischen dem Bereich Kinder, Jugend und Familie, dem Jobcenter und der Berufsberatung ist nicht ausreichend, es fehlt an einer institutionalisierten abgestimmten Form der systemübergreifenden Zusammenarbeit. Um diese Situation zu verbessern, haben sich die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, das Job- center Stadt Karlsruhe, die Sozial- und Jugendbehörde, das Schul- und Sportamt, die Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH und der Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe auf ein wegweisendes Konzept einer lokalen Zusammenarbeit geeinigt und schreiben dieses verbindlich fest. Es soll die erste Jugendberufsagentur in Karlsruhe entstehen – ein „Haus der kurzen Wege“, in dem niedrigschwellig eine gute soziale und berufliche Orientierung, Beratung und Begleitung für alle Jugendlichen angeboten werden kann. Ziel ist es, an einem jugendgerechten Ort die Jugendlichen zu empfangen und sie zu den richtigen Angeboten der genannten Kooperationspartner zu lotsen. Angebote und Beratung erfolgen „aus einer Hand“. Die Kooperationspartner können ihre Leistungen optimal verzahnen und den Jugendlichen ganzheitliche Lösungen anbieten. Folgende Angebote und Leistungen der Partner können für die Jugendlichen schneller und zielorientierter bearbeitet werden: Stadt Karlsruhe – SJB, stja, AfB gGmbH Unterstützungs- und Beratungsdienstleistungen nach §13 SGB VIII, Jugendsozialarbeit, Jugendberatung, Jugendberufshilfe sowie Beratungsdienstleistungen nach §16 SGB VIII, Angebote zur sozialen und beruflichen Orientierung nach § 48 SGB III, Vermittlung von Hilfen zur Erziehung gem. § 27 ff. SGB VIII, Hilfe für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII. Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt Berufsberatung gem. §29 ff. SGB III, U25 Arbeitsvermittlung, Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Ersteingliederung Rehabilitand/-innen/Förderschüler/innen, Berufsberatung für Schüler/innen der Sekundarstufen I und II , Fachdienste: Ärztlicher Dienst und Berufspsychologischer Dienst (BPS), Berufsinformationszentrum (BIZ) mit seinen Dienstleistungen und Ausbildungsvermittlung durch den Arbeitgeberservice. Jobcenter Stadt Karlsruhe Leistungen zur Eingliederung in Arbeit nach §§16 – 16g SGB II, Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II, Kosten der Unterkunft, Beratung U25. Hierbei ersetzt die Jugendberufsagentur nicht die bestehenden Angebote der Kooperationspartner, sondern es findet ein gemeinsamer Clearingprozess hinsichtlich der Zuständigkeit und der Vermittlung in weitergehende Unterstützungsleistungen statt. Die Akteure kooperieren miteinander im Sinne der Klienten. Die Beratungs- und Unterstützungsangebote sind abgesprochen, aufeinander abgestimmt und damit effektiver. Diese sollen junge Menschen zu einer sozialen und beruflichen Integration befähigen und eine Lebensführung jenseits von Hilfesystemen ermöglichen. Durch den vorgelagerten Clearingprozess sollen Maßnahmenabbrüche vermieden werden. Der Clearingprozess soll im „Haus der kurzen Wege“ stattfinden. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen müssen nicht mehrere Institutionen an unterschiedlichen Orten aufsuchen, eine Terminvergabe kann vor Ort innerhalb weniger Tage erfolgen. Mit den Kooperationspartnern soll bis zum Doppelhaushalt 2022/2023 ein passgenaues Konzept für die Jugendberufsagentur „Haus der kurzen Wege“ mit der folgenden zeitlichen Perspektive entwickelt werden. Phase I 2019 – 2020 Seit 2019 arbeiten die Partner an der Grundkonzeption, die mit der Erarbeitung der gemeinsamen Absichtserklärung zur Schaffung einer Jugendberufsagentur „Haus der kurzen Wege“ abschließen soll. Phase II ab 2021 Im „Haus der kurzen Wege“ werden allen Kooperationspartner für ihren jeweiligen Arbeitsbereich Personal für Clearingprozesse zur Verfügung stellen. Jeder Partner stellt hierfür Ressourcen zur Verfügung und hat davon den Vorteil, dass die Jugendlichen schneller und effektiver begleitet werden können. Kurzum: das „Haus der kurzen Wege“ soll auch aus Trägersicht ein „Haus der wenigen Schritte“ werden. Nächste Schritte: - Geeignete Räumlichkeiten finden (Größenordnung 800 – 900 qm), - mit den zukünftigen Partnern des Hauses eine gemeinsame Konzeption zur rechtskreisübergreifenden Kooperation erstellen, - bestehenden Gremien- und Netzwerkstrukturen, wie Lenkungsausschuss, Planungsgruppe, koordinieren, - Internetplattform einrichten, - Öffentlichkeitsarbeit. Zur Entwicklung und Begleitung des Prozesses braucht es eine Koordinationsstelle. Der Stadtjugendausschuss e.V. konnte mit der „Servicestelle Übergang Schule Beruf“ fachliche Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Netzwerke aufbauen und beim Aufbau der Modellregion unterstützen. Die bisherigen Inhalte könnten synergetisch in die neu zu schaffende Jugendberufsagentur und in das „Haus der kurzen Wege“ einfließen. Durch die Übernahme der Koordination durch die Servicestelle entstehen somit keine zusätzlichen Personalkosten. Kosten insgesamt - 0,5 Koordinationsstelle, E 11 (bisher Servicestelle ÜSB) 35.000 Euro - Erstellung einer Internetplattform 15.000 Euro - Sachkosten 10.000 Euro 60.000 Euro Über den Fortgang des Projekts erhält der Gemeinderat einen jährlichen Bericht. Beschluss: Antrag an den Jugendhilfeausschuss und Gemeinderat 1. Der Gemeinderat nimmt das Konzept der Jugendberufsagentur Karlsruhe „Haus der kurzen Wege“ zur Kenntnis und beschließt den nächsten Planungsschritt. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, auf Grundlage des vorliegenden Konzeptes, eine Kooperationsvereinbarung sowie die Einstellung der notwendigen Ressourcen für Planung und Entwicklung der Jugendberufsagentur Karlsruhe für die Phase II im Haushalt einzustellen.
-
Extrahierter Text
Niederschrift 12. Plenarsitzung des Gemeinderates 21. Juli 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 10. Punkt 8 der Tagesordnung: Konzept Jugendberufsagentur „Haus der kurzen Weg“ - rechts- kreisübergreifend Vorlage: 2020/0610 Beschluss: 1. Der Gemeinderat nimmt das Konzept der Jugendberufsagentur Karlsruhe „Haus der kurzen Wege“ zur Kenntnis und beschließt den nächsten Planungsschritt. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, auf Grundlage des vorliegenden Konzeptes, eine Koopera- tionsvereinbarung sowie die Einstellung der notwendigen Ressourcen für Planung und Entwicklung der Jugendberufsagentur Karlsruhe für die Phase II im Haushalt einzustellen. Abstimmungsergebnis: einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 8 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Jugendhilfeausschuss. Stadtrat Bauer (GRÜNE): Alle Wege führen nach Rom. Das wissen auch schon Asterix und Obe- lix auf ihrem Weg durchs römische Reich. Wir machen kurz einen kleinen Geschichtsunterricht. Es gibt nur eine nötige Formalität, die ihnen fehlt. Das ist der Passierschein A38. Viele von Ihnen kennen ihn. Der Weg führt sie dann über verworrene Wege durch Ämter in das Dienstzimmer der Hafenkommandantur, vorbei am Infoschalter mit dem schwerhörigen Pförtner zum ver- zweifelten Präfekten. Die Bürokratie kostet dann am Schluss allen im wahrsten Sinne des Wor- tes den Verstand. Diese Anspielung auf die römische Verwaltung passt auch manchmal zu unserer germanischen Bürokratie. Wen Sie aus diesem Bild mimen oder auch nicht, dürfen Sie sich auf der Bürger- meisterbank selbst ausdenken. Aber wir haben auch in unserer Bürokratie Jugendliche, die auf der Suche nach Wohnungen oder auf der Suche nach einem Job zwischen den vielen Ämtern – 2 – und Ansprechpartnern durchs Netz fallen, die verloren gehen. Die dort wieder herauszuholen, erfordert einen immensen finanziellen und personellen Aufwand und einen langen Atem. Die Idee mit dem Haus der kurzen Wege, einem rechtsübergreifenden Beratungsangebot verschie- dener Anlaufstellen, alle in einem Haus, das ist eine sehr gute Idee. Denn sie nimmt die Struktu- ren, die wir bereits kennen und stellt sie einmal auf den Kopf. Die Hilfsangebote richten sich auf die Hilfssuchenden aus und nicht andersherum. Die Menschen, die Beratung und Hilfe suchen, stehen im Mittelpunkt. Das scheint uns ein neues Denken in der Verwaltung zu sein, das wir sehr begrüßen. Das ist ein hohes Maß an Zusammenarbeit, ein hohes Maß an Umorganisation, das auch sehr viel Brainpower kostet, um überhaupt dorthin zu kommen. Von Synergieeffekte, die dadurch entstehen, einmal ganz zu schweigen. Diesen neuen Trend der Serviceorientierung in der Verwaltung sehen wir auch bei unserem gestellten Antrag zu einem Willkommenshaus für Migrantinnen und Migranten. Das ist ein gu- ter Weg. Das ist ein gutes Umdenken. Beim Teutates, mehr davon. Wir stimmen diesem Antrag voll zu und danken allen Beteiligten, die das auf den Weg gebracht haben. Stadtrat Müller (CDU): Mit der heutigen Beschlussvorlage, von der ich ausgehe, dass sie eine einstimmige Zustimmung findet hier im Saal, schaffen wir eine Institution, das Haus der kurzen Wege, in der mehrere Behörden und andere Institutionen sich in einem Synergieeffekt zusam- menfinden, um dann jungen Erwachsenen und Jugendlichen einen Weg zu ermöglichen, dort all ihre Informationen und Hilfsangebote abrufen zu können. Jetzt gibt es noch - das ist der Weg, den wir mit dieser Beschlussvorlage abschließend entschei- den - eine spannende Geschichte dahingehend, wann geht es an den Start, wann beginnt die Phase 2, wann wird ein entsprechendes Objekt gefunden. Wir begrüßen es von Seiten der CDU- Fraktion, dass dieser Weg gegangen wird hin zu einem Haus, welches mehr oder weniger die notwendigen Institutionen vereint, an denen junge Menschen dann auch ihre Bedarfe und ihre Hilfsangebote decken können. Darüber hinaus kann ich es mir durchaus auch an anderen Orten oder bei anderen Thematiken vorstellen. Aber das sicherlich zu einer anderen Zeit. Stadträtin Moser (SPD): Die zukünftige Jugendberufsagentur, das Haus der kurze Wege, soll Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Ämterdschungel – ich bin nicht bei den Germanen, ich bin beim Dschungel, Herr Bauer – transparenter machen und dafür sorgen, dass sie eine Anlaufstelle haben, in der alle beteiligten Ämter untergebracht sind. Das ist eine sehr gute Initi- ative, denn es verhindert, dass die Jugendlichen frustriert von einem Amt zum anderen laufen müssen. Die Wartezeiten auf einen Termin tun ihr übriges. Dieser Zustand kann natürlich dann dazu führen, dass die Jugendlichen frustriert sind und zwischen den Ämtern zerrieben werden und nur schwer erreichbar sind. Die SPD-Fraktion findet die angedachte lokale Zusammenarbeit aller Akteure hervorragend. Eine möglichst niedrigschwellige jugendgerechte Anlaufstelle aufzubauen, die Unterstützung von Berufsorientierung über Lebensunterhalt bis zur Wohnungssuche vermittelt und von der alle profitieren, unterstützen wir gerne. Dass die Synergie in der Servicestelle Übergang Schule und Beruf miteinbezogen wird und dadurch keine zusätzlichen Personalkosten entstehen, ist sehr erfreulich. Dabei darf allerdings der Übergang Schule und Beruf nicht zu kurz kommen. Vielen Dank an alle Akteure, vor allem an den Stadtjugendausschuss und deren Bereitschaft, in – 3 – Zukunft noch stärker zusammenzuarbeiten, zum Wohle der jungen Menschen, die sonst mög- licherweise durchs System rutschen würden. Ich glaube, es war höchste Zeit, dass Karlsruhe sich auf den Weg gemacht hat. Stadträtin Fenrich (AfD): Das Haus der kurzen Wege ist eine gute Sache, auf den ersten Blick auf alle Fälle. Hier arbeiten verschiedene Institutionen zusammen, die Agentur für Arbeit, das Jobcenter Karlsruhe, die Sozial- und Jugendbehörde, das Schul- und Sportamt, die Arbeitsförde- rungsbetriebe und der Stadtjugendausschuss. Ich durfte in der Vorberatung dabei sein als Ver- treterin im Jugendhilfeausschuss. Ich möchte das, was ich dort gesagt habe, auch hier wieder- holen. Auf den ersten Blick ist es eine sehr gute Sache. Man macht es den jungen Leuten sehr einfach, alles unter einem Dach vorzufinden, und sie dann entsprechend an die einzelnen Stellen inner- halb eines Hauses verweisen zu können. Aber ich frage mich, wie haben junge Menschen das in früheren Zeiten eigentlich geschafft? Die konnten auch letztendlich dann einen Beruf ergreifen. Die mussten doch auch von Behörde zu Behörde, mehr oder weniger Wartezeiten in Kauf neh- men. Ich bin der Meinung, man sollte junge Leute nicht nur fördern und ihnen das Leben mög- lichst einfach machen, sondern man sollte auch etwas fordern. Ich bin mir jetzt nicht ganz dar- über im Klaren, muss ich ehrlicherweise sagen, was eine Forderung hinsichtlich dieser Jugend- berufsagentur sein könnte. Aber ich möchte diese kritische Anmerkung dennoch hier bekannt geben, weil es letztendlich auch eine Zeiterscheinung ist, dass man versucht, jedem und allen irgendetwas hinzutragen und keine Gegenleistung dafür zu verlangen. Ich glaube, das ist für junge Menschen, wie auch für alle Menschen, nicht besonders ergiebig, einfach nicht gut. Man gewöhnt sich an solche Einfachheiten, dass alles läuft, wie man sich das vorstellt. Man strengt sich einfach nicht mehr an. Das Gute daran ist, es kostet jetzt relativ wenig Geld. Man kann das wohl in ein Gebäude brin- gen. Die einzelnen Institutionen des Landes und der Stadt werden gut zusammenarbeiten. Ich habe meine kritische Anmerkung gemacht. Dennoch werden wir dieser Beschlussvorlage zu- stimmen. Stadtrat Bimmerle (DIE LINKE.): Ich setze das Beispiel von Herrn Bauer fort, von Asterix und Obelix, wenn er schon so kreativ war. Die Geschichte endet damit, dass Asterix und Obelix nach dem Passierschein A39 fragen in dem neuen Rundschreiben B59 und in der Verwaltung ein heil- loses Chaos ausbricht und niemand weiß, was er eigentlich zu tun hat. Ich glaube tatsächlich, dass es in diesem Fall nicht zutreffen wird. Ich glaube auch nicht, dass wir hier germanische Verhältnisse haben. Aber ich glaube dennoch, dass das Haus der kurzen Wege, auch wenn die Vorlage gar nicht so groß wirkt, ein entscheidender Baustein werden wird in der Zukunft. Es ist richtig angemerkt, dass wir diese Entwicklung in ganz vielen Bereichen sehen. Wir haben es zum Beispiel beim Thema Migration schon diskutiert. Wir erleben es als ganz konkretes Beispiel im IBZ, wie es hervorragend funktioniert, dass verschiedene Träger und verschiedene Beratungsstellen unter einem Dach sich wunderbar ergänzen können. Ich glaube, dass wir auch hier genau diesen Ef- fekt haben werden, und dass es genau für die Jugendlichen, die oftmals aus prekären Lebenssi- tuationen kommen und sich nicht in dieser sehr komplizierten Umgebung des Sozialgesetzbu- ches oder anderer Gesetzbücher zurechtfinden können, einfach eine sehr gute Hilfestellung geben können, dass wir auch in Zukunft keine einzige Person verlieren werden, weil sie bei dem – 4 – zweiten oder dritten Mal, wo sie nicht an der richtigen Stelle gelandet ist, abhandenkommt, sondern gleich direkt weitergeleitet wird. Wir haben ein großes Vertrauen in die Träger, dass sie dementsprechend wunderbar miteinander kooperieren können und freuen uns natürlich, dass so schnell die Vorlage entstanden ist und wir auch mit Meilenstiefel die nächsten Schritte zurücklegen werden. Vielen Dank für die Vorlage. Wir freuen uns auf die Umsetzung. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Könnte es sein, dass diese Vorlage ein Modell sein könnte für die große Verwaltung? Kundennah, zielorientiert und günstig. Wir brauchen keine zusätzliche Per- sonalstelle. Das ist Wahnsinn. Diese intelligente Umgestaltung, wir brauchen Räume wohlge- merkt, imponiert mir sehr. Deswegen sagen wir natürlich zu. Es ist eine sehr gute Möglichkeit, Dinge zusammenzubringen. Aber, wie gesagt, dieser Gedanke kam uns, ob es nicht ein Modell sein könnte für Kundefreundlichkeit für die ganze Verwaltung, das wir hier ausbauen. Der Vorsitzende: Wir kommen damit zur Abstimmung. Ich bitte um Ihr Kartenzeichen. – Ich sehe nur gelbe Karten, damit einstimmig angenommen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. August 2020