Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe

Vorlage: 2020/0581
Art: Beschlussvorlage
Datum: 18.05.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Forstamt
Erwähnte Stadtteile: Oberreut

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 30.06.2020

    TOP: 7

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Anlage1_Konzept zur Klimaanpassung
    Extrahierter Text

    I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 1 Anlage 1 Konzept zur Klimaanpassung fü r den Stadtwald Karlsruhe ENTWURF Stand 21.04.2020 Inhalt 1 Ausgangslage ....................................................................................................... 3 1.1 Schadensanalyse ............................................................................................. 5 1.2 Betriebliche Rahmenbedingungen: .................................................................. 6 2 Beurteilung der Baumarteneignung für die Waldverjüngung .................................. 8 3 Grundsätze der Klimaanpassung bei der Waldverjüngung ................................... 10 3.1 Baumarten .................................................................................................... 10 3.1.1 Einschätzung der Anbau-Eignung einiger im Stadtwald bereits vorkommender, nicht-heimischer Baumarten ...................................................... 11 3.1.2 Einschätzung der Anbau-Eignung von im Stadtwald bisher nicht vorkommender, nicht-heimischer Baumarten ...................................................... 12 3.3 Naturverjüngung .............................................................................................. 13 3.4 Pflanzung ......................................................................................................... 13 3.5 Naturschutzrechtliche Vorgaben und ökologische Aspekte ................................ 13 3.6 Wildschutz und Jagd ........................................................................................ 14 3.7 Förderung ........................................................................................................ 14 4 Grundsätze der Klimaanpassung für die Pflege und Entwicklung vorhandener Waldbestände ............................................................................................................ 15 5 Differenzierte Betrachtung der Landschaftsräume ............................................... 15 5.1 Rheinauewald (545,2 Hektar = 24,2 % Flächenanteil Stadtwald) ................... 15 5.1.1 Leitbild ................................................................................................... 15 5.1.2 Ausgangslage ......................................................................................... 15 5.1.3 Ökologie ................................................................................................ 16 5.1.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel ................. 17 5.1.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hinblick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität .................................... 17 5.1.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 außerhalb der Überflutungsgebiete ............................................................ 18 5.1.7 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 innerhalb der Überflutungsgebiete ............................................................. 18 5.2 Hardtwald (218,0 Hektar = 9,7 % Flächenanteil Stadtwald) .......................... 19 I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 2 5.2.1 Leitbild ................................................................................................... 19 5.2.2 Ausgangslage ......................................................................................... 19 5.2.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Hardtwaldes (nur Stadtwald) 20 5.2.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel ................. 20 5.2.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hinblick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität .................................... 21 5.2.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 ................................................................................................21 5.3 Flussauewald (Kinzig-Murg-Rinne) (833,6 Hektar = 37,1 % Flächenanteil Stadtwald) .............................................................................................................. 22 5.3.1 Leitbild ................................................................................................... 22 5.3.2 Ausgangslage ......................................................................................... 22 5.3.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Flussauewaldes.................... 23 5.3.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel ................. 23 5.3.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hinblick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität .................................... 24 5.3.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100................................................................................................................ 25 5.4 Bergwald (652,4 Hektar = 29,0 % Flächenanteil Stadtwald) .......................... 25 5.4.1 Leitbild ................................................................................................... 25 5.4.2 Ausgangslage ......................................................................................... 25 5.4.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Bergwaldes: ........................ 26 5.4.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel ................. 26 5.4.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hinblick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität .................................... 26 5.4.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 ................................................................................................27 6 Zu erwartende Auswirkungen der Klimaanpassung des Stadtwaldes Karlsruhe für die Stadt Karlsruhe als Waldbesitzerin ........................................................................ 28 6.1 Bereich Ökologie: .......................................................................................... 28 6.2 Bereich soziale Waldfunktionen:.................................................................... 28 6.3 Bereich Ökonomie: ....................................................................................... 29 7 Quellen ............................................................................................................... 29 I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 3 1 Ausgangslage Seit 2018 sind auch im Stadtwald durch Hitze, Dürre, Pilze, Insekten und Sturm erhebliche Baum- und Waldschäden entstanden. Betroffen sind Einzelbäume bis hin zu ganzen Waldbe- ständen. Aufgrund des projizierten Klimawandels ist davon auszugehen, dass weitere Schäden hinzukommen werden. Intensität und Frequenz der Witterungsextreme drohen die Resilienz des Stadtwaldes zu überfordern. Zentrale Aufgabe in den nächsten Jahren ist es, die durch Waldschäden entstandenen, verjün- gungsnotwendigen Flächen zielgerichtet wieder in Bestockung zu bringen. Im Vergleich zu früheren Schadensereignissen ergeben sich dabei besondere Herausforderungen aus der Aufga- be, die Waldverjüngung vor dem Hintergrund des Klimawandels zu realisieren. Ziel sind stabile, standortsgerechte und klimaanpassungsfähige Mischwälder, die die standortspezifische Arten- vielfalt einbeziehen, ein waldtypisches Bestandesinnenklima bilden, die Kohlenstoffspeicherung durch Holzzuwachs weiter gewährleisten und die insbesondere den erwarteten gesellschaftli- chen Nutzen leisten können. Die Klimaanpassung des Stadtwaldes wird ein dauerhafter, komplexer und einem ständigen Wandel unterliegender Prozess sein. Einfache Lösungen sind dabei nicht zu erwarten. Tragfähige Entscheidungen bedürfen einer strukturierten Bewertung der jeweiligen Situation sowie einer darauf abgestimmten differenzierten Planung. Anpassungen müssen je nach Klimaentwicklung möglich sein. Das Konzept geht von unveränderten Grundsätzen und Zielsetzungen der Waldwirtschaft im Stadtwald aus. Diese wurden vor der letzten Forsteinrichtung vom Gemeinderat am 13.12.2016 beschlossen. Im Fokus stehen dabei die sozialen und ökologischen Aufgaben des Stadtwaldes (Gemeinwohl-Aufgaben). Ebenso bildet das vom Gemeinderat am 19. Juni 2018 beschlossene Forsteinrichtungswerk 2018 – 2027 weiterhin die fachliche Grundlage für das Waldmanage- ment. Aufgrund des Klimawandels und der Klimaanpassung erforderliche grundlegende Ände- rungen bedürfen der Fortschreibung im Zuge der sogenannten Zwischenprüfung nach der Hälfte des 10-jährigen Planungszeitraumes (2022 oder 2023) sowie im Zuge der alle 10 Jahre stattfin- denden Forsteinrichtung. Stichtag für die nächste Forsteinrichtung ist der 1. Januar 2028. Das Konzept geht weiter von einem aktiven Waldökosystem-Management im Stadtwald aus. Eine natürliche Waldentwicklung ohne jegliche menschliche Eingriffe gewährleistet per se nicht, dass die gesellschaftlichen Ansprüche an den Stadtwald hinreichend erfüllt werden können. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, des aktuellen Waldzustandes und den vielfältigen Ökosys- temdienstleistungen des Stadtwaldes wird ein großflächiger Prozessschutz deshalb nicht als ge- eignetes Instrument betrachtet. Kleinere Prozessschutzflächen und extensiv genutzte Waldflä- chen sind jedoch integrativer Bestandteil des Waldnaturschutzes im Stadtwald. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 4 Zunächst noch folgende Erläuterung: im Konzept wird unterschieden zwischen standort- heimischen Baumarten und nicht standort-heimischen Baumarten. In Fachkreisen wird der Be- griff „heimisch“ unterschiedlich definiert. Die genetische Diversität der Baumarten und Bäume in den Wäldern ist bisher nicht untersucht. Auch die Herkünfte der als heimisch bezeichneten Baumarten ist letztendlich in vielen Fällen offen. Hilfsweise wird die vom Zertifizierungssystem FSC veröffentlichte Liste „Übersicht über die hei- mischen Baumarten in Deutschland“ für die Definition der standort-heimischen Baumarten un- terstellt. Im Glossar des FSC-Standards wird die „Heimische Baumart“ definiert als „Baumarten der natürlichen, nacheiszeitlichen Waldentwicklung in Deutschland“. Abgeleitet von den bisherigen Grundsätzen und Zielsetzungen sollen für das Konzept zur Klima- anpassung im Stadtwald folgende Grundsätze gelten: - Die Walderhaltung hat höchste Priorität. Waldinanspruchnahmen sollen im Stadtgebiet flächengleich kompensiert werden. - Das naturnahe Waldmanagement wird fortgesetzt. Sie dient auch der Stützung der Resilienz des Waldes. - Ziel ist die Entwicklung und Pflege von Mischbeständen mit verschiedenen Baumarten. - Naturverjüngung wird grundsätzlich vor Saat oder Pflanzung bevorzugt. - Die Vielfalt standort-heimischer Baumarten wird genutzt, alternative Herkünfte heimscher Baumarten werden geprüft und falls möglich und zulässig integriert - Nicht-standortheimische Baumarten mit bewährten Anbauerfahrungen, die nicht oder nur gering und aus waldbaulicher Sicht beherrschbar invasiv sind, werden in definiertem Umfang gepflanzt oder über Naturverjüngung beteiligt. - Nicht-standortheimische Baumarten ohne Anbauerfahrung werden – auch ver- suchsweise - nicht flächig angepflanzt. Bei zu erwartender Invasivität unterblei- ben auch einzelne Anbauten/Pflanzungen. - Wenn keine oder keine zukunftsfähige Naturverjüngung vorhanden ist, werden Bäume gepflanzt, insbesondere Mischbaumarten und konkurrenzschwache Baumarten. Möglichkeiten der Saat werden geprüft. - Auf den Einsatz von Bioziden wird im Wald grundsätzlich verzichtet. Alternative Verfahren wie beispielsweise Holzentrindung oder Umlagerung von Holz kom- men zur Anwendung. - Im Hinblick auf die Kohlenstoffspeicherung werden auch zuwachskräftige Baumarten beigemischt. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 5 - Die sogenannten zufälligen Nutzungen (das sind die aufgearbeiteten Bäume, die wegen der Waldschäden eingeschlagen werden mussten) werden auf den nachhaltigen „Hiebssatz“ angerechnet. Das bedeutet: je mehr zufällige Nutzun- gen anfallen, desto geringer ist die normale, planmäßige Holzerntemenge. - Die Zielsetzung resilienter Mischwälder duldet keine Entmischung als Folge von Wildverbiss. Dem zielgerichteten Wildmanagement kommt eine Schlüsselrolle zu. Die Bejagungsstrategien sind insbesondere beim Rehwild auf eine wirksame Wildbestandsregulierung auszurichten. Wildschäden dürfen die Maßnahmen zur Klimaanpassung des Stadtwaldes nicht gefährden. - Soweit möglich, soll auf forstliche Fördermaßnahmen zurückgegriffen werden (finanzielle Förderung). Hinweis: Dieses Konzept gilt ausdrücklich nur für den Stadtwald, nicht für den Staatswald auf Karlsruher Gemarkung. 1.1 Schadensanalyse Eine exakte Darstellung der Schadenssituation für den Stadtwald ist derzeit nicht möglich. Dazu müsste eine aufwändige Waldschadensinventur durchgeführt werden. Eine revierweise Scha- densanalyse auf Schätzbasis wird noch erarbeitet. Indizien für das Schadensausmaß sind die verbuchten Holzmengen, die nicht als Ergebnis von geplanten forstlichen Maßnahmen angefallen sind, sondern wegen verschiedener Schadensursa- chen „zufällig“ genutzt werden mussten. Nicht verbucht sind jedoch die Holzmengen von Bäu- men, die in unterschiedlichem Ausmaß Schäden aufweisen oder bereits abgestorben sind, die aber aus ökologischen Gründen im Wald verbleiben. Geschädigte oder bereits abgestorbene Bäume werden vor allem dort gefällt und deren Holzmenge verbucht, wo es die Verkehrssicher- heit erfordert oder wenn das Holz noch sinnvoll und wirtschaftlich vermarktet werden kann. Die nachstehende Tabelle zeigt die Entwicklung der Menge der sogenannten zufälligen Nutzun- gen in den letzten Jahren: Jahr Anteil zufällige Nutzungen an gesamter genutzter Holzmenge 2008 4 % = 550 Kubikmeter 2010 1 % = 177 Kubikmeter 2015 1 % = 126 Kubikmeter 2016 2 % = 210 Kubikmeter 2017 13 % = 1.630 Kubikmeter 2018 9 % = 1.155 Kubikmeter 2019 31 % = 3.010 Kubikmeter I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 6 Von den Schadensereignissen sind nahezu alle Haupt-Baumarten betroffen. Nachfolgend eine Übersicht mit den wesentlichen Schadensursachen: Baumart Schadensursache(n) Kiefer Trockenheit, Pilzbefall (Diplodia-Pilz), Mistelbesatz Fichte Fichten-Borkenkäfer Lärche Lärchen-Borkenkäfer, Prachtkäfer Tanne Trockenheit Douglasie Trockenheit, Schütte-Pilz, Diplodia-Pilz Buche Trockenheit, Pilze, Buchen-Borkenkäfer Esche Eschentriebsterben (Pilz) Bergahorn Rußrindenkrankheit (Pilz) Eiche Prachtkäfer, Eichen-Heldbock, Raupen verschiede- ner Schmetterlingsarten Erle Phytophtora (Pilz) 1.2 Betriebliche Rahmenbedingungen: Die nachfolgende Grafik zeigt die aktuelle Baumartenzusammensetzung im Stadtwald zum Stichtag 1. Januar 2018. Bemerkenswert ist die geschichtliche Entwicklung der Baumartenanteile im Stadtwald. Die nach- folgende Tabelle zeigt nur die Entwicklung der letzten 30 Jahre. Es ist abzuleiten, dass die Um- Rotbuche 18% Roteiche 6% Eiche (unbestimmt) 8% Bergahorn 10% Spitzahorn 3% Gemeine Esche 9% Roterle 7% Schwarzpappel- hybrid 5% Hainbuche 5% Linde (unbestimmt) 4% Sonstige Laubbäume 13% Fichte 2% Douglasie 3% Waldkiefer 3% Europäische Lärche 2% Sonstige Nadelbäume 1% Baumartenanteile (%) Rotbuche Roteiche Eiche (unbestimmt) Bergahorn Spitzahorn Gemeine Esche Roterle Schwarzpappelhybrid Hainbuche Linde (unbestimmt) Sonstige Laubbäume Fichte I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 7 stellung auf eine naturnahe Waldbewirtschaftung seit dem Ende der 1980-iger Jahre und die vorrangige ökologische Waldfunktion direkte Folgen auf die Baumartenzusammensetzung hatte. Besonders deutlich wird dies an den rückläufigen Anteilen der Nadelbäume sowie der Pappel. Baumart Anteil in % 1987 1997 2008 2018 Ziel laut Forsteinrichtung 2018 Fichte 5 4 2 2 1 Kiefer 13 10 7 5 4 Douglasie 5 6 4 3 5 Sonstige Nadelbäume 0 0 0 1 0 Buche 13 16 16 18 20 Eiche 8 9 7 8 11 Ahorn 10 11 13 13 15 Esche 8 9 13 9 2 Pappel 18 16 12 6 6 Sonstige Laubbäume 20 19 24 33 36 Derzeit überwiegen im Stadtwald bei weitem naturnahe Laubbaum-Mischbestände mit einem vielfältigen Baumarten-Spektrum. Die Wälder liegen in Landschaftsschutzgebieten (77 %), in Naturschutzgebieten (17 %), in Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH, 55 %) und in Vogelschutz- gebieten (20 %). Zudem sind Waldbiotope kartiert (13 %) und es sind Schonwälder (14 %) sowie ein kleiner Bannwald ausgewiesen. Knapp 40 % des Stadtwaldes sind gesetzlicher Erho- lungswald mit besonders hoher Bedeutung für die Naherholung der Menschen. Der Stadtwald ist zudem von besonderer Bedeutung für den allgemeinen und speziellen Artenschutz. Das be- stehende Alt- und Totholzkonzept zeigt mit einem aktuellen Vorrat an stehendem und liegen- dem Totholz von 44 Kubikmeter je Hektar Waldfläche nachweisbare Erfolge. Bei diesem Konzept zur Klimaanpassung des Stadtwaldes sind die forst- und naturschutz- rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten. Konkrete waldbauliche Maßnahmen sind in FFH- Gebieten kompatibel zu den kartierten Waldlebensraumtypen zu gestalten. Lebensstätten von Natura 2000-Arten dürfen nicht beeinträchtigt werden. Die Waldentwicklung wird zeigen, ob kartierte Waldlebensraumtypen vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels noch zukunftsfähig sind. Betroffen ist hier insbesondere der Wald-Lebensraumtyp der Hainsimsen-Buchenwälder (LRT 9110) auf der Hardt. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 8 Zu berücksichtigen sind ferner die Vorgaben der PEFC-Waldzertifizierung (PEFC = Programme for the Endorsement of Forest Certification, Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbe- wirtschaftung), da der Stadtwald nach den PEFC-Kriterien zertifiziert ist. Um auch anderen Zerti- fizierungssystemen bei Bedarf Rechnung tragen zu können, werden ergänzend und auf freiwilli- ger Basis auch die wesentlichen Kriterien der FSC-Waldzertifizierung zugrunde gelegt (FSC = Forest Stewardship Council, Zertifizierungssystem für nachhaltigere Waldwirtschaft). Von erheblich zunehmender Bedeutung für den Forstbetrieb sind die sehr hohen Ansprüche an die Verkehrssicherheit aufgrund der langen Waldrandlinien an Bebauungen, öffentlichen Ver- kehrseinrichtungen, Hochwasserdämmen oder an Erholungseinrichtungen. Laufende Absterbe- prozesse von Bäumen erfordern immer häufigere Regelkontrollen und Maßnahmen zur Beseiti- gung kritischer Gefahrenpunkte. 2 Beurteilung der Baumarteneignung für die Waldverjüngung Bei der Verjüngungsplanung werden für die Beurteilung der Baumarteneignung möglicher Mischbaumarten in standortskartierten Wäldern vorhandene Baumarteneignungstabellen sowie für die vier quantitativ modellierten Baumarten Fichte, Tanne, Buche und Traubeneiche die Baumarten-Klimakarten 2.0 der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden- Württemberg (FVA) in ihrer aktualisierten Form für das „worst-case“-Szenario RCP 8.5 2100 (Ende des 21. Jahrhunderts) herangezogen. Diese Karten sind für kreisweise unter folgendem Link abrufbar: https://www.fva-bw.de/daten-und-tools/geodaten/klimakarten/klimakarten-20. Die Projektionen bis 2050 haben für eine Verjüngungsplanung keinen ausreichend langen Pro- jektionszeitraum, weshalb von der FVA ausschließlich die 2100er-Varianten verwendet werden. Zur weiteren Orientierung hinsichtlich der Baumarteneignung steht eine wärmeklimatische Eig- nungsbewertung weiterer Baumarten zur Verfügung. Die Tabelle umfasst Baumarten, die über eine ausreichende Anpassungsfähigkeit an die unter dem RCP 8.5 Szenario zum Ende des 21. Jahrhunderts erwarteten klimatischen Verhältnisse verfügen. Die wärmeklimatische Eignung ist darin nach möglichen Mischungsanteilen und nach klimatischen Höhenstufen differenziert an- gegeben. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 9 Erläuterung RCP 8.5: Für den 5. Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, zwischen- staatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet), der 2013/14 erschienen ist, wurden sogenannte „Repräsentative Konzentrationspfade“ (Re- presentative Concentration Pathways - RCPs) entwickelt, die Szenarien ersetzen. Diese neuen Szenarien wurden nicht vom IPCC, sondern von frei arbeitenden Wissenschaftlern erarbeitet und stützen sich auf Ergebnisse der wissenschaftlichen Literatur. Die RCP-Szenarien legen bestimmte Szenarien von Treibhausgaskonzentrationen fest. Daraus berechnen Klimamodelle einerseits die Klimaänderung und andererseits die Emissionen (ein- schließlich aller Rückkopplungen des Kohlenstoffkreislaufs), die erforderlich sind, um diese Kon- zentrationen hervorzurufen. Daher werden diese neuen Szenarien auch nach der Änderung des Strahlungsantriebs bis 2100 gegenüber dem vorindustriellen Antrieb benannt. Das „worst-case“ Szenario RCP8.5 steht für einen Strahlungsantrieb durch anthropogene Treibhausgase von 8,5 W/m 2 im Jahre 2100 im Vergleich zu 1850. Davon abzuziehen ist der negative anthropogene Antrieb durch Aerosole und Landnutzungsänderungen, so dass der Nettoantrieb des Szenarios RCP8.5 bei ca. 8,1 W/m 2 liegt. Die nach dem Strahlungsantrieb berechneten sozio-ökonomischen Szenarien berücksichtigen die Bevölkerungszunahme, das Bruttosozialprodukt, den Energieverbrauch und andere Faktoren. So wird eine Zunahme der Weltbevölkerung auf 12 Milliarden Menschen bis 2100 das Szenario RCP8.5 wahrscheinlich machen, und der Primärenergieverbrauch müsste dreimal so hoch wie heute sein. Unterschiede bestehen auch im Energiemix, z.B. mit einem sehr hohen Anteil von fast 50 % von Kohle bei RCP8.5. Die Kohlendioxidemissionen werden nach RCP8.5 von fast 10 GtC/Jahr in der Gegenwart auf fast 30 GtC/Jahr am Ende des Jahrhunderts steigen. Ergebnisse bei dem Szenario RCP8.5 (vereinfacht): - Temperatur: der Anstieg der globalen Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 etwa 4,8 °C im Vergleich mit dem vorindustriellen Zustand bzw. 4 °C gegenüber 1986-2005. - Niederschläge: Deutschland muss mit bis zu 25 % geringerem Sommer-Niederschlag rechnen. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 10 3 Grundsätze der Klimaanpassung bei der Waldverjüngung 3.1 Baumarten Bei der Waldverjüngung soll das gesamte, vom Standort her mögliche Spektrum standort- heimischer Baumarten über Naturverjüngung, Saat oder Pflanzung genutzt werden. Möglichkei- ten der Verwendung alternativer Herkünfte dieser Baumarten werden geprüft, die Verwendung solcher Herkünfte muss jedoch rechtlich zulässig und ökologisch verträglich sein. Ebenso wird die verstärkte Einbringung bisher untergeordneter heimischer Mischbaumarten mit hoher Tro- ckenheits- und Hitzetoleranz in Betracht gezogen. So könnten sich bisherige „Nebenbaumar- ten“ wie z.B. Hainbuche, Sandbirke und Elsbeere an manchen Standorten zu führenden Baum- arten weiterentwickeln. Baumartenmischungen werden bei Bedarf durch Pflegemaßnahmen stabilisiert und möglichst dauerhaft erhalten. Dabei ist zu beachten, dass zahlreiche heimische Baumarten durch den Kli- mawandel sowie durch biotische und abiotische Schadensfaktoren starke Verluste erlitten ha- ben. Beispiele hierfür sind die Esche, die (Rot-)Buche, der Bergahorn, die Kiefer und die Ulme. Vermutlich werden diese Baumarten nicht komplett aus den Wäldern verschwinden, aber Vitali- tät und Konkurrenzkraft nehmen ab, die Wuchsleistung (und damit das CO 2 -Speicherpotential) lassen nach und der Anteil der Baumart wird vermutlich zurückgehen. Zudem ist zu erwarten, dass diese Baumarten nicht mehr die bisherige Lebenserwartung erreichen werden. Die angestrebte Klimastabilität aufgrund der projizierten Klimaveränderung, die gesellschaftli- chen Erwartungen an den Wald, die sozialen Aufgaben des Waldes (Erholung/Freizeit) und die Erhaltung von nachhaltigen Nutzungsoptionen für kommende Generationen erfordern ergän- zend die Beteiligung von standortgerechten, nicht-heimischen Baumarten mit langjähriger, posi- tiver Anbauerfahrung und mit beherrschbarer Invasivität am Aufbau der Waldbestände. Diese Baumarten sind bereits heute am Waldaufbau beteiligt (siehe Grafik Nr. 1.2). Ein Verzicht auf diese Baumarten würde die Klimaresilienz der Wälder reduzieren und damit die nachhaltige Si- cherung aller Waldfunktionen zumindest ortsweise gefährden. Im Hinblick auf die prioritären Zielsetzungen von Ökologie und Biodiversität wird vorgeschlagen, für den gesamten Stadtwald auf Betriebsebene den Anteil nicht-heimischer Baumarten auf 20 Prozent zu begrenzen. Diesen Anteil akzeptieren auch die Zertifizierungssysteme für nachhalti- gere Waldwirtschaft PEFC und FSC in ihren Standards. Im Einzelbestand kann der Anteil stand- ortgerechter, nicht-heimischer Baumarten höher liegen. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 11 3.1.1 Einschätzung der Anbau-Eignung einiger im Stadtwald bereits vorkom- mender, nicht-heimischer Baumarten Aufgrund der bekannten Invasivität werden folgende Baumarten nicht aktiv eingebracht und auch nicht gefördert. Wo möglich werden sie zugunsten heimischer Vegetation zurückgedrängt. • Robinie (Robinia pseudoacacia) • Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) • Götterbaum (Ailanthus altissima) • Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) • Eschenahorn (Acer negundo) Die genannten Baumarten sind deshalb in der folgenden Tabelle nicht aufgeführt. Die Einschätzung der Kriterien in der folgenden Tabelle basiert auf einer Untersuchung der Forst- lichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) sowie auf Erfahrungen mit den genannten Baumarten. Auf Basis der genannten Untersuchung wurde eine multikriterielle Analyse ange- wendet, um unter Betrachtung verschiedener Szenarien und Gewichtungen die Eignung der Baumarten hinsichtlich des Klimawandels zu beurteilen. Das Ergebnis dieser Analyse ist in der Spalte Klimaresilienz vereinfacht dargestellt. Baumarten, die in der Untersuchung der FVA nicht genannt werden, wurden aufgrund weiterer Literaturstudien und Erfahrungswerte beurteilt. Hinweis: ++ = sehr gut/sehr hoch, + = gut/hoch, - schlecht/gering, -- = sehr schlecht/sehr gering Baumart Anbau- erfahrung Vitalität Invasivität Eignung Einbringung Restriktions- flächen Klima- resilienz Hybridpappel (Schwarzpappel x Kanadapap- pel) ++ ++ -- ++ gut was- ser- versorgte Standorte Pflanzung Wald-LRT + Roteiche ++ ++ + beherrschbar ++ trockene Standorte Natur- verjüngung, Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope + Schwarznuss + + (auf guten Standor- ten) + beherrschbar ++ gute Standorte Pflanzung, Saat NSG, Wald-LRT, Waldbiotope + Hybridnuss (Walnuss x Schwarznuss) + + (auf guten Standor- ten) + beherrschbar ++ gute Standorte Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope + Tulpenbaum + ++ - beherrschbar ++ gute Standorte Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Edelkastanie + + - + Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 12 Platane + + + + gute Standorte Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Baumhasel - + - + trockene Standorte Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Douglasie ++ + + nur auf sauren Standorten + Natur- verjüngung, Pflanzung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope + Große Küsten- tanne + + - beherrschbar +/- Natur- verjüngung NSG, Wald-LRT, Waldbiotope + Schwarzkiefer + +/- - - - Gesamter Wald ++ 3.1.2 Einschätzung der Anbau-Eignung von im Stadtwald bisher nicht vorkom- mender, nicht-heimischer Baumarten Baumart Anbau- erfahrung Vitalität Invasivität Eignung Einbringung Restriktions- flächen Klima- resilienz Flaumeiche -- + - + trockene Standorte Pflanzung Einzel- exemplare NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Zerreiche -- + +(+) + trockene Standorte Keine Pflanzung Gesamter Wald ++ Ungarische Eiche -- + + + trockene Standorte Keine Pflanzung Gesamter Wald ++ Steineiche -- + + + trockene Standorte Keine Pflanzung Gesamter Wald ++ Atlaszeder -- + - + trockene Standorte Pflanzung Einzel- exemplare NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Libanonzeder -- + - + trockene Standorte Pflanzung Einzel- exemplare NSG, Wald-LRT, Waldbiotope ++ Mit den aufgeführten Baumarten sollen keine Anpflanzungen vorgenommen werden. Auf ext- rem trockenen Standorten kann die Pflanzung der Flaumeiche in Einzelexemplaren in Frage kommen, wo die heimische Eiche (Traubeneiche) an ihre Grenzen kommt und die Walderhal- tung im Vordergrund steht. Dies gilt auch für die beiden Zedernarten, deren Habitus sich deut- lich von dem anderer Baumarten unterscheidet. Die übrigen Baumarten scheiden aus heutiger Sicht aus unterschiedlichen Gründen aus. Verwiesen wird ergänzend auf die beigefügte Zusammenstellung des Invasivitätspotenzials der nicht-standortheimischen Baumarten (Anlage 2) I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 13 3.2 Mischung Angestrebt wird grundsätzlich eine einzel- bis horstweise (Horst = Durchmesser 30 – 60 m) Baumartenmischung zur Förderung der Biodiversität und der Risikoverteilung. Je nach den Licht- ansprüchen werden Mischbaumarten auf Kleinflächen ab 0,1 Hektar aktiv gepflanzt. Lichtbe- dürftige Baumarten wie die Eiche und seltene Baumarten wie Nuss, Wildobst oder Elsbeere wer- den auf dafür geeigneten Standorten beteiligt. Bei der Waldverjüngung auf Freiflächen über 0,5 Hektar wird eine kleinflächige Mischung angestrebt. 3.3 Naturverjüngung Der natürlichen Verjüngung von geschädigten Waldflächen wird Vorrang vor aktiver Pflanzung eingeräumt, soweit die Baumarten standortsgerecht und klimaanpassungsfähig sind. Es wird vermutet, dass das von Anfang an ungestörte Wurzelwachstum der Bäume für eine höhere Klimaresilienz sorgt. Für den Fall, dass sich invasive Neophyten flächig verjüngen oder rasch mit verdämmender Konkurrenzvegetation zu rechnen ist, wird eine Pflanzung von klimaanpassungs- fähigen Baumarten durchgeführt. Pionier- und Lichtbaumarten wie Birke, Vogelbeere, Salweide, Zitter- und andere heimische Pap- peln, Erle o.a. werden als ökologisch wertvolle Zeitmischungen genutzt. 3.4 Pflanzung Zur Förderung der Baumartenvielfalt werden vor allem konkurrenzschwächere Baumarten und seltene Baumarten, die sich nicht oder nur sehr eingeschränkt natürlich verjüngen, über Pflan- zung eingebracht. Auf größeren Pflanzflächen werden vorhandene Bäume aus dem Vorbestand nach Möglichkeit erhalten. Eine für die Pflanzung erforderliche Reisigräumung erfolgt von vor- handenen Rückegassen aus. Gesetzliche und fachliche Vorgaben zum Beispiel nach dem Forstvermehrungsgutgesetz werden beachtet. Soweit verfügbar, wird zertifiziertes Vermehrungsgut verwendet. 3.5 Naturschutzrechtliche Vorgaben und ökologische Aspekte Vorgaben, die sich aus einem gesetzlichen Schutzstatus, wie beispielsweise Naturschutzgebiet, Waldschutzgebiet, Waldbiotop, Natura 2000 ergeben, werden bei aktiven Wiederbewaldungs- maßnahmen beachtet. Falls eine natürliche Verjüngung den naturschutzrechtlichen Vorgaben oder ökologischen Zielen nicht entspricht, werden in Abstimmung mit der Naturschutzverwal- tung Steuerungs- oder Pflegemaßnahmen ergriffen. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 14 Belange des speziellen Artenschutzes werden in Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung in die Umsetzung der Waldanpassung integriert. Dies betrifft insbesondere licht- und wärmelie- bende Arten. Das Alt- und Totholzkonzept wird fortgeführt. Alt- und Habitatbäume bleiben erhalten, wenn dies aus Sicht der Verkehrssicherungspflicht möglich ist. Extensiv genutzte Wälder bleiben weit- gehend sich selbst überlassen, forstliche Eingriffe erfolgen nur aus Gründen der Verkehrssicher- heit, aus naturschutzfachlichen Gründen oder nach Schadensereignissen. Sie dienen als langfris- tige Beobachtungsflächen und Naturwaldzellen. Ökologisch wertvolle Sonderstrukturen werden erhalten und falls möglich weiterentwickelt (gegebenenfalls als Ausgleichsmaßnahmen). 3.6 Wildschutz und Jagd Die Zielsetzung resilienter Mischwälder duldet keine Entmischung als Folge von Wildverbiss. Dem zielgerichteten Wildmanagement kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu. Die Bejagungsstrategien sind insbesondere beim Rehwild auf eine wirksame Wildbestandsregulierung auf der Grundlage des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG) auszurichten. Wildschäden dürfen die Maßnahmen zur Klimaanpassung des Stadtwaldes nicht gefährden. Bei seltenen Baumarten oder bei Einschränkungen für das Wildmanagement zum Beispiel durch intensive Erholungsnutzung werden ortsweise dennoch Verbiss- und Fegeschutzmaßnahmen erforderlich. 3.7 Förderung Finanzielle Fördermöglichkeiten gemäß der Verwaltungsvorschrift zur Förderrichtlinie Nachhalti- ge Waldwirtschaft oder weitergehende Fördermöglichkeiten werden genutzt. In den Förderricht- linien wird aufgrund negativer Anbauerfahrungen (Invasivität, hohes Ausfall-, Schad- oder Krankheitsrisiko) vom Anbau folgender Baumarten dringend abgeraten: Küstentanne, Wey- mouths-Kiefer, Spätblühende Traubenkirsche, Robinie, Essigbaum, Paulownie, Götterbaum, Ro- tesche. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 15 4 Grundsätze der Klimaanpassung für die Pflege und Entwicklung vorhandener Waldbestände • Kontinuierliche Pflege mit häufigen, aber mäßigen Eingriffen formt den Waldbestand weiter. Vitalität ist dabei das wichtigste Kriterium, daneben Förderung der Baumartenmischung und Qualität. Das Waldinnenklima soll erhalten bleiben. Die Kronenentwicklung und die Einzel- baumstabilität werden gefördert. Konkurrenzschwächere und seltene Baumarten werden als Mischbaumarten begünstigt. • Dauerwaldartige Strukturen werden wo möglich angestrebt. • Ökologische Optionen wie Seltenheit, Habitate, Grenzlinien, Sonderstandorte, Alt- und Tot- holz werden erkannt und integriert. • Eher kleinflächiges, einzelbaumbezogenes und situationsgeleitetes Handeln (Heterogenisie- rung des Waldes) • Extensiv genutzte Wälder werden als Beobachtungsflächen und Naturwaldzellen integriert. • Aktive Förderung von Waldrandstrukturen (Förderung der Biodiversität) • Die technischen Voraussetzungen werden geschaffen bzw. erhalten (zum Beispiel: dauerhaf- te Feinerschließung, Holzlagerplätze, angepasste Arbeitsverfahren, waldverträglicher Ma- schineneinsatz). Grundlage bildet das seit 2013 vorhandene Bodenschutzkonzept, das in Kürze fortgeschrieben werden soll. Dabei werden Einsatzmöglichkeiten von leichten Forst- raupen und Rückepferden integriert. Ein wesentlicher teil dieser Grundsätze sind abgeleitet von den waldbaulichen Grundsätzen der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft e.V. (ANW). 5 Differenzierte Betrachtung der Landschaftsräume 5.1 Rheinauewald (545,2 Hektar = 24,2 % Flächenanteil Stadtwald) 5.1.1 Leitbild Laubbaum-Mischbestände mit intensiver Strauchschicht auf unterschiedlichen Boden, Wasser und Nährstoffverhältnissen von extrem nass bis extrem trocken (Brennen). Weitere Differenzie- rung nach intakter Aue mit Überflutungsdynamik und Alt-Aue (nicht mehr überflutet). 5.1.2 Ausgangslage Waldentwicklung: Kulturwälder in vom Menschen durch Hochwasserschutz-Maßnahmen mehr- fach veränderter Rheinauelandschaft. Reste historischer Bewirtschaftungsweisen sind erkennbar (Mittelwald). Intensiv genutzter Erholungsraum. In der Vergangenheit entstanden erhebliche I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 16 Waldflächenverluste durch Industrieansiedlungen (zum Beispiel durch die Ölraffinerie etwa 700 Hektar!). Besonderheit: durch das Integrierte Rheinprogramm (IRP), Polder Bellenkopf-Rappenwört wer- den die Überflutungsflächen voraussichtlich erheblich erweitert. Die Planung umfasst ein speziel- les Waldumbau-Programm innerhalb des Polders, das bisher jedoch weder auf die Aspekte des Klimawandels noch des Eschentriebsterbens angepasst ist. 5.1.3 Ökologie Die Kulturwälder besitzen eine sehr hohe ökologische Bedeutung: große Artenvielfalt, Wälder i.d.R. Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet, flächendeckend Natura 2000 (Flora-Fauna- Habitat-Gebiet, Vogelschutzgebiet). Die hohe Bedeutung für den Artenschutz ist dokumentiert durch Natura 2000 Erhebungen und vorhabensbezogene ökologische Untersuchungen. Leitar- ten sind der Eichen-Heldbock, Amphibien, Spechte und Fledermäuse. Im Bereich Pflanzen unter anderem das Grüne Besenmoos. Die Wuchsdynamik der Baumarten ist durch die sehr differenzierten Standortsverhältnisse ext- rem unterschiedlich. Die Wälder sind eng verzahnt mit Industrie, Gewerbe, Hochwasserschutz-Einrichtungen, Offen- land/ Landwirtschaft. Dadurch sind sehr viele Waldrandlinien vorhanden (Zunehmender Auf- wand für Verkehrssicherungspflicht). Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Rheinauewaldes (Stand 2018) I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 17 5.1.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel Hinweis: Die im folgenden beschriebenen Auswirkungen des Klimawandels können nach dem Bau und der Inbetriebnahme des Polders Bellenkopf-Rappenwört (IRP) überlagert werden durch Baum- und Waldschäden aufgrund der grundlegenden Änderungen des Wasser-Haushaltes. • Trockene Standorte werden noch trockener, Hochwasserdynamik verändert sich (Zu- nahme von Hochwasser-Ereignissen, veränderte Hochwasser-Zeiträume, veränderte Hochwasser-Amplituden, lange Trockenphasen bei Niedrigwasser, ...) • Zunahme biotischer Schadfaktoren, v.a. Pilzerkrankungen wie das Eschentriebsterben • Verlust der Baumart Esche als Folge des Eschentriebsterbens • Grenz-Standorte werden noch trockener, Resilienz der Baumarten wird überfordert • Absterben der (teilweise autochtonen) Kiefer • Silberweiden: leiden unter Trockenphasen • Starke Beeinflussung durch Wasserregime, Wasserqualität, Sauerstoffgehalt (stehend, fließend) • Betroffenheiten außerhalb des Klimawandels: Schwarzpappel mit Dotichiza-Pilz, Ulme mit Ulmensterben und Ulmensplintkäfer 5.1.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hin- blick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität • Breitestes Baumarten-Spektrum in Abhängigkeit von Standort und Wasserverhältnissen, Pflanzung seltener Baumarten mit geringer Konkurrenzkraft (zum Beispiel Wildobst, Schwarzpappel, ...), insbesondere Förderung von Stieleichen durch Pflanzung in Trupps oder Gruppen von maximal 0,5 Hektar (Saat ist zu aufwändig) • Verjüngung von Pappel-Beständen durch Umformung auf vorhandene Laubbaumarten wie Linde oder Ahorn oder durch Kahlschläge bis maximal 0,8 Hektar Fläche. Dabei wer- den Habitatbäume, Habitatbaumgruppen erhalten. Bäume im Zwischenstand (zum Bei- spiel Feldahorn, Hainbuche, Eiche) bleiben so weit wie möglich erhalten. • Teilweise Ersatz der Wirtschaftspappel durch Stieleiche, Weide und andere Baumarten, jedoch kein grundsätzlicher Verzicht auf den Anbau von Wirtschaftspappeln (hohes CO 2 - Speicherpotential, schnelle Verfügbarkeit von Habitatstrukturen); Hinweis: der Anteil der Wirtschaftspappel ist im Stadtwald aufgrund der ökologischen Vorrangfunktion von 18 % im Jahr 1987 auf 5 % im Jahr 2018 zurückgegangen. • Schutz, Erhaltung und Förderung seltener Baumarten in Naturverjüngungen durch Pfle- gemaßnahmen I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 18 • Nadelbaumarten werden mit Ausnahme der Waldkiefer auf trockenen Kiesrücken nicht aktiv eingebracht (autochtone Kiefer) • Vorhandene Waldbestände werden mittels Durchforstung mit gezielter Förderung von Misch-Baumarten gepflegt und damit stabilisiert (Entwicklung großer Baumkronen) • Aktive Förderung von Waldrandstrukturen (Förderung der Biodiversität) Hinweis: Verjüngungs- und Pflegemaßnahmen sind in der Rheinaue durch intensive Konkurrenz- vegetation und Schlinggewächse sehr zeit- und kostenaufwändig! 5.1.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 außerhalb der Überflutungsgebiete (Quelle: Forstliche Versuchs- und For- schungsanstalt Baden-Württemberg - FVA: Alternative Baumarten im Kli- mawandel: Artensteckbriefe 2018) a) Heimische Baumarten: Als führende Baumart möglich: Bergahorn Als Misch-Baumarten möglich: Stieleiche, Hainbuche, Birke, Spitzahorn, Linde, Vogelkirsche, Schwarzpappel, Feldahorn, Wildobst, Silberweide, Flatterulme, Esche b) Nicht-heimische Baumarten mit Anbauerfahrung: Als führende Baumart möglich: Wirtschaftspappel Als Misch-Baumarten möglich: Schwarznuss, Hybridnuss (Mischung Wald- mit Schwarznuss), Tulpenbaum Für einzelne, experimentelle Testanbauten werden als möglich erachtet: Flaumeiche (Quercus pubescens), Platane (Platanus acerifolia) 5.1.7 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 innerhalb der Überflutungsgebiete (Quelle: FVA: Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe 2018) a) Heimische Baumarten: Als führende Baumarten möglich: Silberweide, Pappel Als Misch-Baumarten möglich: Stieleiche, Schwarzpappel, Feldahorn, Wildobst, Flatterulme b) Nicht-heimische Baumarten mit Anbauerfahrung: I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 19 Als führende Baumart möglich: Wirtschaftspappel Als Misch-Baumarten möglich: Schwarznuss 5.2 Hardtwald (218,0 Hektar = 9,7 % Flächenanteil Stadtwald) 5.2.1 Leitbild Mischbestände mit verschiedenen Laubbaumarten, die möglichst geringe Wasseransprüche ha- ben und hitzeertragend sind. Geringe Anteile von Nadelbaumarten sind möglich. Aufgrund der äußerst schwierigen Standortsverhältnisse wird ein maximal möglicher Anteil von bekannten, bewährten, nicht heimischen Baumarten mit keinem oder nur geringem (beherrschbaren) Invasi- vitäts-Potential zur Erhöhung der Resilienz, der Erhaltung eines Waldinnenklimas und der Risi- kominderung beigemischt. 5.2.2 Ausgangslage Waldentwicklung: Von Natur aus sehr schlechte und nur gering differenzierte Standortsverhält- nisse (Sand, Kies, geringe Wasserhaltefähigkeit, trocken); über Jahrhunderte intensiv genutzte Kulturwälder, Grundwasser-Absenkung durch die erfolgte Tiefen-Erosion des Rheins, momentan noch höchste Anteile an Nadelbäumen im Stadtwald wegen der Baumart Kiefer. Der Hardtwald wurde bereits durch den Orkan Lothar am 26.12.1999 extrem stark geschädigt. Die Folge war eine starke Verlichtung mit nachfolgender massiver Ausbreitung von Neophyten, vor allem von Spätblühender Traubenkirsche (Prunus serotina), Robinie und Kermesbeere. Erschwerend für die Bäume sind die bestehenden hohen bis sehr hohen Dichten von Engerlingen im Waldboden (Wurzelfraß). Der Hardtwald ist am stärksten durch den Klimawandel betroffen. Hauptursachen sind die san- dig-kiesigen Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität, die schlechten Nährstoffverhältnisse in diesen Böden, der fehlende Grundwasseranschluss, Vorschädigungen durch Sturm (Orkan Lothar) und Engerlinge im Boden. Die Hauptschäden sind an Kiefern und Buchen festzustellen. Diese Baumarten sterben in Beständen über 80 Jahren bereits seit dem Trockenjahr 2003, ver- mehrt aber nach den Trockenjahren 2018 und 2019 dramatisch ab. Ökologie: Auch der Hardtwald besitzt als Kulturwald eine hohe ökologische Bedeutung. Sein Bestandesinnenklima ist lokal im Hinblick auf die Abmilderung von Klimaextremen extrem wich- tig. Er liegt innerhalb der Natura 2000 Schutzgebietskulisse (Flora-Fauna-Habitat-Gebiet). Eine starke Beeinträchtigung besteht durch den hohen und tendenziell weiter zunehmenden Anteil von Neophyten! Geschützten Leittierarten sind: Eichen-Heldbock, Hirschkäfer, Fledermäuse. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 20 Örtliche Lage: durch die unmittelbare Nähe zur Wohnbebauung extrem hohe Bedeutung als Erholungsraum, Klima- und Immissionsschutzwald . Sehr hohe und permanent zunehmende Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht. 5.2.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Hardtwaldes (nur Stadtwald) 5.2.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel • Massive Trockenschäden bei Kiefer und Buche, aber auch Ausfälle bei Douglasie • Sehr starker Besatz mit Misteln bei der Kiefer als weitere Wasserkonkurrenz • Vitalität der Waldbäume ist stark reduziert • Schnelle und weitere Verlichtung mit der Folge der schnellen und flächigen Ausbreitung von Neophyten mit negativen Auswirkungen auf Waldökosystem (Spätblühende Trau- benkirsche, Robinie, Kermesbeere) • Im Vergleich höchste Anteile zufälliger Nutzungen • Massive Ausfälle in Naturverjüngung (Buche) und in Jungkulturen, verstärkt durch Enger- lingsfraß an den Baumwurzeln I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 21 • Natura 2000: Fragestellung, ob der Buchen-Waldlebensraumtypen 9110 „Hainsimsen- Buchenwälder“ noch zukunftsfähig ist • Bei weiterer Erwärmung und der Zunahme extremer Wetterereignisse ist die Resilienz des Waldes überfordert und der Wald existentiell bedroht; Entwicklung in Richtung Grenzstandorte. Damit ist die Erfüllung aller bisheriger Waldfunktionen gefährdet (zum Beispiel Grundwasser-Neubildung) 5.2.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hin- blick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität • Walderhaltung und Erhaltung der Ökosystemdienstleistungen sind übergeordnete Ziele! • Kein flächiger Prozessschutz, da sonst Entwicklung zum „Neophytenwald“. Das bedeu- tet aktives Waldmanagement trotz hohem Risikopotential! • Management von Neophyten als Waldpflege- sowie Erhaltungs- und Entwicklungsmaß- nahmen. Dabei kommen ausschließlich bekannte mechanische Verfahren wie abschnei- den oder herausreißen zum Einsatz. Im Einzelfall kommt in Abstimmung mit der Natur- schutzverwaltung auch Beweidung in Frage. • Geschlossene Bestände möglichst geschlossen halten (Waldinnenklima erhalten), Pflege- Eingriffe nur moderat und eher häufiger • Die Waldpflege zielt auf die Förderung der Vitalität von Einzelbäumen (z.B. Eichen). We- nige Bäume, die aber möglichst gut bekront (über Pflege) und vital sein sollen • Fokus der Waldpflege ausgerichtet auf Vitalität (große Kronen), Stabilität, Ökologie, Er- holung und Waldästhetik • Naturverjüngung ist im Hardtwald bisher wenig erfolgreich, da sich ganz überwiegend Neophyten wie Robinie, Spätblühende Traubenkirsche oder Kermesbeere verbreiten • Pflanzung von möglichst Trockenheit-ertragenden Baumarten einschließlich bewährten, nicht-heimischen Baumarten • Nadelbaumarten als Misch-Baumarten (Douglasie, Kiefer) • Versuchsweise und in Einzelexemplaren Pflanzung von nicht-heimischen Baumarten oh- ne Anbauerfahrung insbesondere aus dem europäischen Raum (wenn keine Invasivität bekannt ist) 5.2.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 (Quelle: FVA: Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe 2018) a) Heimische Baumarten: Als führende Baumart möglich: Hainbuche I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 22 Als Misch-Baumarten möglich: Traubeneiche, Winterlinde, Feldahorn, Kirsche, Edelkastanie b) Nicht-heimische Baumarten mit Anbauerfahrung: Als führende Baumarten möglich: Roteiche (potentiell invasiv), Schwarzkiefer (geringe Invasivität) Als Misch-Baumarten möglich: Robinie (starke Invasivität: keine Pflanzung, aber Übernahme aus Naturverjüngung, nur falls keine andere waldbauliche Option für die Walderhaltung mehr vor- handen ist; Douglasie, Baumhasel c) Nicht-heimische Baumarten ohne Anbauerfahrung: Für experimentelle einzelne Testanbauten werden als möglich erachtet: Flaumeiche (Quercus pubescens), Platane (Platanus acerifolia), Atlaszeder (Cedrus atlantica), Libanonzeder (Cedrus libani), Pinie (Pinus pinea). Hinweis: Der Hardtwald erfordert einen extrem hohen Zeit- und Kostenaufwand für die Wald- pflege (Neophyten-Management) und für Pflanzungen; die Rahmenbedingungen für Neupflan- zungen sind sehr schwierig. Es bestehen zusätzliche Risiken durch Engerlinge im Waldboden. Stark zunehmendes Waldbrandrisiko! 5.3 Flussauewald (Kinzig-Murg-Rinne) (833,6 Hektar = 37,1 % Flächenanteil Stadtwald) 5.3.1 Leitbild Laubbaum-Mischbestände mit intensiver Strauchschicht auf unterschiedlichen Boden- und Was- serverhältnissen von extrem (stau-)nass bis trocken. Differenzierung nach der Lage zum Grund- wasser. Anteile von Wirtschaftspappeln sind in die Laubbaum-Mischbestände integriert (nicht auf staunassen Böden). 5.3.2 Ausgangslage Waldentwicklung: Reine Laubmischwälder bestimmen die Wälder mit Anteilen von Pappel- Flächen aus Nachkriegs-Aufforstungen, teilweise mit zukunftsfähigem Laubbaum Zwischen- stand. Ab den 1990-iger Jahren im Zuge der naturnahen Waldwirtschaft auf die Baumart Esche umgewandelte ehemalige Pappel-Reinbestände fallen wegen des Eschentriebsterbens zuneh- mend aus. Teilweise sind typische Erlenbruchwälder (Waldlebensraumtyp im FFH-Gebiet) mit flächiger, lang anhaltender Überstauung vorhanden. Aktuell besteht hier die höchste Gefähr- dung der Esche durch das Eschentriebsterben. Ökologie: Die Wälder besitzen eine sehr hohe Bedeutung für den Natur- und Artenschutz; Leit- arten sind der Eichen-Heldbock, Amphibien, Spechte und Fledermäuse. Sie sind als Landschafts- I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 23 schutzgebiet, Naturschutzgebiet, Natura 2000-Gebiet ausgewiesen und enthalten viele Waldbio- tope. Zahlreiche Biotope sind „aus zweiter Hand“ im Kulturwald entstanden (Seen, Wassergrä- ben, Bombentrichter, ...). Vor allem Bahnlinie und Autobahn führen zu permanenten Problemen und hohen Aufwendungen durch die Verkehrssicherungspflicht! Der Flussauewald in der Kinzig-Murg-Rinne hat eine sehr hohe Bedeutung für Erholung und Freizeit. Beispiele sind die Wälder im Bereich des Grötzinger Baggersees oder im Oberwald. Standort-Spektrum: ebenso wie in der Rheinaue sind die Standorte sehr kleinflächig differen- ziert. Im Gegensatz zur Rheinaue befindet sich kein Kalk im Boden, was für höheren Anteil der Baumart Erle in der Flussaue von Bedeutung ist. 5.3.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Flussauewaldes 5.3.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel • Zunahme biotischer Schadfaktoren, vor allem Pilzerkrankungen wie Eschentriebsterben, Rußrindenkrankheit beim Ahorn, Phytophtora-Pilz bei der Erle; aber auch Insekten spie- len zunehmend eine Rolle (Eschenbastkäfer, Bockkäfer, Prachtkäfer...) • Absinken der Grundwasser-Stände, Ausbleiben von temporären Überstauungen I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 24 • Austrocknungsphasen • Feinwurzelverluste korrelieren mit dem Kronenzustand und der Vitalität • Vitalitätsverluste, zum Beispiel bei Eiche mit der Gefahr, dass die Schwächung das Ab- sterben der Bäume beschleunigt • Fraßgesellschaften verschiedener Insekten bzw. deren Raupen an Eiche führen ebenfalls zur Schwächung der Eichen (Forstspanner, Eichenwickler, Schwammspinner, ...) 5.3.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hin- blick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität • Kronendach der Bestände soll möglichst geschlossen bleiben • Baumarten-angepasste, dauerwaldartige, kleinflächige Pflege mit dem Ziel der Förderung zugunsten Vitalität und Stabilität von Einzelbäumen • Förderung der Eiche durch Pflanzung • Räumung und Umbau von Flächen mit Eschentriebsterben durch Naturverjüngung und Pflanzung • Förderung von Mischbaumarten bei allen Waldpflegemaßnahmen • Erhalt der Wirtschaftspappel, jedoch nicht als Reinbestand (Mischung): siehe FE-Werk, auch in bestimmten Umfang in Naturschutzgebieten aufgrund der Habitatbaumqualitä- ten • Erhaltung und Förderung von Erlenbruchwäldern • Sondermaßnahmen für lichte Wälder sind auf trockenen Standorten möglich, aber sehr aufwändig wegen des Risikos von Neophyten. Die Auswirkungen der starken Einstrah- lung für parkartige und lichte Waldstrukturen und der Verlust eines Waldinnenklimas sind kritisch zu prüfen. • Breites Baumarten-Spektrum in Abhängigkeit von Standort und Wasserverhältnissen, Pflanzung seltener Baumarten mit geringer Konkurrenzkraft; insbesondere Förderung von Stieleichen durch Pflanzung in Trupps oder Gruppen von maximal 0,5 Hektar (Saat zu aufwändig) • Pappel-Verjüngung durch Umformung auf vorhandene Laubbaumarten wie Linde oder Ahorn oder durch Kahlschläge bis maximal 0,8 Hektar Fläche. Dabei werden Habitat- bäume und Habitatbaumgruppen sowie Zwischenstand so weit wie möglich erhalten (zum Beispiel Feldahorn, Hainbuche, Eiche) • Teilweise Ersatz der Wirtschaftspappel durch Stieleiche, Weide und andere Baumarten, jedoch erfolgt kein grundsätzlicher Verzicht auf den Anbau von Wirtschaftspappeln we- gen des hohen CO 2 -Speicherpotentials und schneller Verfügbarkeit von Habitatstruktu- ren. Hinweis: der Anteil der Wirtschaftspappel ist im Stadtwald aufgrund der ökologi- schen Vorrangfunktion von 18 % im Jahr 1987 auf 5 % im Jahr 2018 zurückgegangen. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 25 • Aktive Förderung von Waldrandstrukturen (Förderung der Biodiversität) Hinweis: Pflegemaßnahmen sind zeit- und kostenaufwändig durch die intensive und sehr dichte Begleitvegetation. 5.3.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 (Quelle: FVA: Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe 2018) a) Heimische Baumarten: Als führende Baumarten möglich: Hainbuche, Erle Als Misch-Baumarten möglich: Stieleiche, Winterlinde, Feldahorn, Kirsche, Elsbeere (und andere Sorbus-Arten), Wildobst, Edelkastanie b) Nicht-heimische Baumarten mit Anbauerfahrung: Als führende Baumart möglich: Roteiche (aber: Gefahr Invasivität hoch; keine weitere Pflanzung, Naturverjüngung zulassen, falls notwendig steuernd eingreifen) Als Misch-Baumarten möglich: Wirtschaftspappel, Schwarznuss, Hybridnuss, Tulpenbaum, Robi- nie (starke Invasivität: kein aktiver Anbau, aber Übernahme aus NV, falls keine andere Option), Douglasie (geringe Invasivität) c) Nicht-heimische Baumarten ohne Anbauerfahrung: Für experimentelle einzelne Testanbauten werden als möglich erachtet: Flaumeiche (Quercus pubescens), Platane (Platanus acerifolia) 5.4 Bergwald (652,4 Hektar = 29,0 % Flächenanteil Stadtwald) 5.4.1 Leitbild Strukturreicher Buchen-Dauerwald, in Mischung mit anderen Laubbaumarten und geringen Na- delbaum-Anteilen. 5.4.2 Ausgangslage Waldentwicklung: Häufig autochthone, naturnahe, überwiegend aus großflächiger Naturverjün- gung entstandene Buchen-Wälder mit recht geringen Anteilen an Mischbaumarten aus Pflan- zung oder außerhalb des Konkurrenzoptimums der Buche (Frage des Standorts). Standortspektrum: Meist auf nährstoffreichen, tiefgründigen (Löß-)Lehmböden mit guter Was- serspeicherkapazität, aber auch flachgründige Lagen im Bereich von Kuppen und Bergrücken; dort trockener mit Austrocknungsphasen. I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 26 Ökologie: Es handelt sich um sehr naturnahe Wälder mit hoher Biodiversität; Landschaftsschutz- gebiet, zahlreiche Waldbiotope; nur geringe Flächenanteile liegen innerhalb der Natura 2000 – Gebietskulisse. Geschützten Leittierarten sind: Eichen-Heldbock, Fledermäuse, Vögel (Schwarz- specht) 5.4.3 Aktuelle Baumarten-Zusammensetzung des Bergwaldes: 5.4.4 Aktuelle und mögliche Betroffenheit durch den Klimawandel • Ausfall von Fichte, Lärche und Weißtanne, vor allem durch Borkenkäfer und Trockenheit • Vitalitätsverluste bei der Buche bis hin zum Absterben vor allem auf flachgründigen Bö- den (Kuppenlagen) • Vitalitätsverluste bis zum Absterben von Douglasie vor allem auf flachgründigen Böden (Kuppenlagen) • Vitalitätsverluste bei Eichen (Heldbock-Besiedelung) • Ausfall von Weißtannen-Naturverjüngung 5.4.5 Waldbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Risikominimierung im Hin- blick auf den Klimawandel und der Erhöhung der Biodiversität • Buchen-dominierte Waldbestände als Dauerwald entwickeln und pflegen • Geschlossene Bestände möglichst geschlossen halten, Pflege-Eingriffe nur moderat und eher häufiger I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 27 • So weit wie möglich Naturverjüngung nutzen, über Pflegeeingriffe werden auch konkur- renz-schwächere Mischbaumarten gefördert • Förderung von Traubeneichen und anderen Misch-Baumarten durch Pflanzung in Trupps oder Gruppen (mindestens 0,2, maximal 0,5 Hektar) • Einzelbaumvitalität durch Pflegemaßnahmen steigern (große Baumkronen) • Auf geeigneten Standorten konsequente Förderung konkurrenzschwächerer Baumarten wie Elsbeere, Wildobst, Mehlbeere, Kirsche • Nadelbaumarten als Mischbaumarten 5.4.6 Künftige Baumarten-Eignung auf Basis IPCC-Szenario RCP 8.5, 2071 – 2100 (Quelle: FVA: Alternative Baumarten im Klimawandel: Artensteckbriefe 2018) a) Heimische Baumarten: Als führende Baumart möglich: Buche (laut Klimakarte aber nur noch möglich bis wenig geeig- net) Als Misch-Baumarten möglich: Traubeneiche, Hainbuche, Spitzahorn, Feldahorn, Winterlinde, Kirsche, Elsbeere (und andere Sorbus-Arten), Walnuss, Wildobst, Edelkastanie b) Nicht-heimische Baumarten mit Anbauerfahrung: Als führende Baumart möglich: Roteiche (aber: Gefahr Invasivität geringer; Pflanzung, Naturver- jüngung zulassen, falls notwendig steuernd eingreifen), Als Misch-Baumarten möglich: Tulpenbaum, Schwarznuss, Hybridnuss, ,Douglasie (geringe Inva- sivität, einzige Nadelbaumart, die gewisse Klimastabilität hat, Anbau weiter kleinflächig in Trupps bis Gruppen, entlang von Wegen), Küstentanne (gering invasiv, kein aktiver Anbau, aber ggf. Übernahme von NV), Mammutbaum (nicht flächig, einzeln aus Landschafts-Gründen), Weg- ränder c) Nicht-heimische Baumarten ohne Anbauerfahrung: Für experimentelle Testanbauten werden als möglich erachtet: Flaumeiche (Quercus pubescens), Platane (Platanus acerifolia), Atlaszeder (Cedrus atlantica), Libanonzeder (Cedrus libani) I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 28 6 Zu erwartende Auswirkungen der Klimaanpassung des Stadtwal- des Karlsruhe für die Stadt Karlsruhe als Waldbesitzerin Die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels und der erforderlichen Waldanpassung werden im Folgenden nur stichpunktartig für die verschiedenen Funktionsbereiche umrissen. Im Vordergrund steht als Ziel die Erhaltung eines Stadtwaldes als wesentlichem Teil der „grünen Stadt“ und als Garant für ein lebenswertes Umfeld. Er soll auch den kommenden Generationen unter dem Einfluss des Klimawandels einen höchstmöglichen Gesamtnutzen bringen und ein „Fenster offen lassen“ für künftige gesellschaftliche Ansprüche an den Wald (umfassende Nachhaltigkeit). Damit wird auch der im Landeswaldgesetz verankerte gesetzliche Auftrag (§ 12) einer nach anerkannten forstlichen Grundsätzen nachhaltigen (§ 13), pfleglichen (§§ 14 – 19), planmäßigen (§ 20) und sachkundigen (§ 21) Bewirtschaftung unter Berücksichtigung der Be- lange der Umweltvorsorge (§ 22)durch den Waldbesitzer umgesetzt. Zur Erhaltung und Anpassung des Stadtwaldes an die Herausforderungen des Klimawandels wird die Stadt erhebliche Aufwendungen leisten müssen und es bedarf entsprechender perso- neller und finanzieller Ressourcen, die höher liegen werden als in der Vergangenheit und derzeit. Die Erträge aus dem Wald (vor allem Holz) werden wie bereits heute die Aufwendungen nicht decken können. Eine positive Verzinsung des Anlagekapitals Wald ist in den kommenden Jahr- zehnten nicht zu erwarten. Insofern empfiehlt das Forstamt für die Zukunft die Bewertung der Ökosystemleistungen des Stadtwaldes, um den Gesamtnutzen und die Gemeinwohleffekte des Stadtwaldes für die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger noch besser herauszustellen. 6.1 Bereich Ökologie: • Zunahme der Biodiversität, gegebenenfalls Verschiebung des Artenspektrums • Zunahme von Sonder- und Extremstandorten • Einwanderung nicht standortheimischer, möglicherweise invasiver Baumarten • Ortsweise lichtere Waldstrukturen • ... 6.2 Bereich soziale Waldfunktionen: • Diskussion um Priorisierung der Ziele • Veränderung/Verlust gewohnter Waldbilder • Diskussion um Art und Weise der Waldbehandlung I:\Klimaschutz\Konzept_Waldanpassung_Klimawandel\ENTWURF Konzept zur Klimaanpassung Stand 21_04_endgueltig.docx 29 • Wald als wichtiger Rückzugsort in heißer werdendem Klima, verstärkte Bedeutung des Waldinnenklimas, lokale Klimaausgleichsfunktion • Zunehmende Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung • Weiter zunehmende Bedeutung als Sport-, Erholungs- und Freizeitraum • ... 6.3 Bereich Ökonomie: • Sinkende Ertragsfähigkeit des Waldes • Sinkendes Holzproduktions-Potential • Zurückgehende Holzerlöse • Mehraufwendungen (nur zum sehr geringen Teil über Förderung kompensierbar) • Hohe Risiken für die Investitionen in Walderhaltung, Waldpflege und Waldanpassung • Option: In Wert setzen von Ökosystemdienstleistungen • Verzicht auf Verzinsung des Anlagevermögens Wald • (Teil-)Finanzierung über „Drittmittel“ (Ausgleichsmaßnahmen, Entwicklungs- maßnahmen...) • ... 7 Quellen Forstliche Versuchsanstalt Freiburg (FVA): Alternative Baumarten im Klimawandel Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung www.waldwissen.de www.wikipedia.de Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff, 2006: Enzyklopädie der Laubbäume, ecomed Medi- zin Verlagsruppe Hütig Jehle Rehm GmbH. Landsberg/Lech Albrecht, De Avila: Ein Vorschlag zur literaturbasierten Ermittlung möglicher Alternativbaumarten im Klimawandel am Beispiel der Artensteckbriefe in Baden-Württemberg (aus: Allg. Forst- und J.-Ztg., 189. Jg., 7/8) Gez. Ulrich Kienzler

  • Anlage2_Invasivitätspotenzial von Baumarten
    Extrahierter Text

    1 Anlage 2 Invasivitä tspotenzial von Baumarten – Anlage zum Waldanpassungskonzept Inhalt 1 Einleitung .............................................................................................................. 2 2 Ausschluss ............................................................................................................. 2 3 Kriterienkatalog ..................................................................................................... 2 4 Im Stadtwald etablierte, nicht-heimische Baumarten .............................................. 4 4.1 Roteiche (Quercus rubra) ................................................................................. 4 4.2 Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) ............................................................... 5 4.3 Baumhasel (Corylus corluna) ........................................................................... 6 4.4 Douglasie (Pseudotsuga menziesii) .................................................................. 6 4.5 Schwarzkiefer (Pinus nigra) ............................................................................. 7 4.6 Schwarznuss (Juglans nigra) ............................................................................ 8 4.7 Hybridnuss (Juglans nigra x Juglans regia und Juglans major x Juglans regia) .... 8 5 Im Stadtwald bislang nicht vorkommende, nicht-heimische Baumarten ....................... 9 5.1 Ahornblättrige Platane (Platanus acerifolia) ...................................................... 9 5.2 Orientbuche (Fagus orientalis) ......................................................................... 9 5.3 Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) ................................................................. 10 5.4 Pinie (Pinus pinea) ......................................................................................... 10 5.5 Zerreiche (Quercus cerris) .............................................................................. 11 5.6 Ungarische Eiche (Quercus frainetto) ............................................................. 11 5.7 Flaumeiche (Quercus pubescens) ................................................................... 12 5.8 Steineiche (Quercus ilex) ............................................................................... 13 5.9 Atlaszeder (Cedrus Atlantica) ........................................................................ 13 5.10 Libanonzeder (Cedrus libani) ...................................................................... 14 5.11 Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) ............................................ 15 5.12 Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) ................................... 15 5.13 Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides)................................ 16 5.14 Riesenlebensbaum (Thuja plicata) ............................................................... 17 6 Quellen ............................................................................................................... 18 2 1 Einleitung Durch den fortschreitenden Klimawandel kommen heimische Baumarten vermehrt an ihre ökologischen Grenzen. Es besteht die Gefahr, dass sich aktuell bewaldete Flächen teilweise zu Grenzstandorten entwickeln, auf denen Waldwachstum nur noch eingeschränkt möglich ist. Das Forstamt hat stellvertretend für den Waldbesitzer die gesetzliche Aufgabe (Landeswaldgesetz §§ 12 ff) und versteht es als seine Verantwortung, die Funktionenvielfalt des Waldes (Schutz-, Erholungs- und Nutzfunktion) mit allen Aspekten nachhaltig und dauerhaft für kommende Generationen zu sichern. Dazu gehören nicht nur ökologische Belange wie die der Biodiversität, sondern auch die Sicherstellung zukünftiger Nutzungspotenziale, waldbauliche Belange oder eben die Anpassung der Wälder vor dem Hintergrund des Klimawandels. Aus diesem Grund erarbeitet das Forstamt für die Stadt als Waldbesitzerin ein Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald. Darin wird empfohlen, wie bisher in begrenztem Umfang nicht-heimische Baumarten am Waldaufbau zu beteiligen. Dabei werden gesetzliche Vorgaben, die Standards der beiden Wald-Zertifizierungssysteme PEFC und FSC ebenso wie die Grundsätze und Zielsetzungen des Waldbesitzers aus der letzten Forsteinrichtung eingehalten. Diese Ausarbeitung wurde als ergänzende Anlage zu diesem Konzepterstellt und soll als Entscheidungshilfe dienen, welche Baumarten am Baumartenspektrum beteiligt werden könnten. Diese Zusammenstellung stellt den aktuellen forstlichen Informationsstand dar. Sie muss in regelmäßigen Abständen überprüft und aktualisiert werden. 2 Ausschluss Aufgrund der bereits bekannten Invasivität werden folgende Baumarten nicht aktiv eingebracht und auch nicht gefördert. Wo möglich werden sie zugunsten heimischer Vegetation zurückgedrängt. • Robinie (Robinia pseudoacacia) • Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) • Götterbaum (Ailanthus altissima) • Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) • Eschenahorn (Acer negundo) Die genannten Baumarten werden im Folgenden deshalb nicht weiter behandelt. 3 Kriterienkatalog Die für die Invasivität relevanten Kriterien wurden anhand von Literatur und Erfahrungswerten festgelegt. Eine Beurteilung des Invasivitätspotenzials kann nur unter Betrachtung aller aufgeführten Kriterien erfolgen. Im Folgenden die Erläuterungen zu den einzelnen Kriterien: 3 • Samenverbreitung: Samenverbreitung durch Wind und Wasser ist schnell und weit und erhöht damit das Potenzial der Invasivität. Tierverbreitung erfolgt eher vereinzelt und damit langsamer. • Wurzelbrut: Die Möglichkeit, Wurzelbrut auszubilden, birgt die Gefahr von hohem Invasivitätspotenzial (siehe Spätblühende Traubenkirsche). Wird das Kriterium mit „ja“ beantwortet, führt das zum Ausschluss der Baumart. • Stockausschlagsfähigkeit: Ist diese extrem hoch, führt das ebenfalls zum Ausschluss der Baumart. Problem bei Wurzelbrut und Stockausschlag ist, dass die Bäume nach der Entfernung wieder austreiben und eine Eindämmung des Wachstums nur durch aufwändiges Ausreißen mit der gesamten Wurzel möglich ist. • Naturverjüngung: Hier erfolgte Recherche, ob Naturverjüngung im Stadtwald oder auf vergleichbaren Standorten bisher beobachtet wurde und unter welchen Bedingungen Naturverjüngung stattfindet. Sehr dichte und großflächige Naturverjüngung kann auf ein erhöhtes Invasivitätspotenzial hinweisen. • Lichtbedürfnis: Ist das Lichtbedürfnis hoch, kann die Baumart über forstliche Maßnahmen gesteuert werden. Das Invasivitätspotenzial sinkt tendenziell bei hohem Lichtbedürfnis. Problematisch kann allerdings die Besiedlung von Freiflächen werden. Um Aussagen treffen zu können, sind die oben genannten Kriterien zu prüfen. Bei geringem Lichtbedürfnis besteht die Möglichkeit, dass die Baumart dichte Wälder unterwandert. • Klimatische Kennziffern und Trockentoleranz beziehen sich auf die grundsätzliche Eignung im Hinblick auf den Klimawandel. • Allelopathie: Es gibt Pflanzen, die durch die Abgabe chemischer Stoffe andere Pflanzen verdrängen (z.B. Walnuss, Spätblühende Traubenkirsche). Solche Pflanzen sind kritisch zu prüfen. • Konkurrenzwirkung: Verhält sich die Baumart konkurrenzstark und neigt dazu, in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet Reinbestände zu bilden, muss sie kritisch geprüft werden. • Erfahrungswerte: Anbauerfahrungen im Stadtwald und/oder Literaturrecherche. • Invasivitätspotenzial: Anbauerfahrungen im Stadtwald und/oder Literaturrecherche. • Steuerungsmöglichkeiten: Beeinflussung der Baumart durch forstliche Pflegemaßnahmen (Ausdunkeln, Lichtwuchsdurchforstung, ...) • Ökosystemanpassung: Erfahrungswerte und Studien zur Anpassung der Baumart in andere Ökosysteme 4 4 Im Stadtwald etablierte, nicht-heimische Baumarten 4.1 Roteiche (Quercus rubra) Herkunft: Nordamerika (Osten der USA und Südosten von Kanada) Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung sehr gut möglich Lichtbedürfnis relativ hoch Klimatische Kennziffern 760 bis 2030 mm Niederschlag Jahresmittel 4° bis 16°C Trockentoleranz hoch, insbesondere bei Westprovenienzen Allelopathie nicht bekannt Konkurrenzwirkung gegenüber heimischer Eiche hoch Erfahrungswerte bislang sehr stabile, wenig krankheitsanfällige Baumart Invasivitätspotenzial kein erhebliches Invasivitätspotenzial Steuerungsmöglichkeiten steuerbar über die Lichtzufuhr oder über mechanische Entfernung Ökosystemanpassung Früchte werden von allen Tierarten angenommen, die auch heimische Eicheln verzehren, Streuzersetzung ist schlecht, kaum bodenverbessernde Wirkung Nutzungspotenzial hoch (wertvolles Stammholz) Fazit: Die Roteiche hat sich in Karlsruhe bereits seit vielen Jahrzehnten etabliert. Bereits 1891 wird in einem dem Forstamt vorliegenden Exkursionsführer zum Großherzoglichen Hardtwald erwähnt, dass im Schlossgarten die „starken Stämme von Quercus robur (Roteiche) aus dem früheren Waldbestande stammen, in welchen die ersten Anlagen (für den Schlossgarten) hineingehauen wurden“. Die bisherigen Erfahrungswerte aus forstlicher Sicht sind sehr positiv. Im Hardtwald findet eine natürliche Verbreitung nur in geringem Umfang statt, es gibt dort bisher keine ausgedehnten Naturverjüngungsflächen. Die heutigen Bestände sind häufig aus Saat entstanden. Künstliche Einbringung durch Pflanzung (oder Saat) wird von forstlicher Seite dort weiterhin empfohlen. Begründung: Erhalt des Ökosystems Wald auf trockenen und heißen Standorten, konkurrenzfähige Baumart gegenüber problematischen Neophyten, mangelnde Alternativen unter den heimischen Baumarten. Auf schlechten, sandigen Böden eine der wenigen wertschaffenden Baumarten für den Waldbesitzer. Im Oberwald kommt es zu einer starken natürlichen Verbreitung mit z.T. flächiger Naturverjüngung. Hier wird geraten, von einer künstlichen Einbringung durch Pflanzung in Zukunft abzusehen. Vorhandene Naturverjüngung wird in Teilen übernommen, bei Bedarf gegenüber der heimischen Eiche zurückgedrängt. Im Bergwald wird sie in geringem Umfang als problemlose Mischbaumart an den Beständen beteiligt. In der Rheinaue hat die Roteiche keine Bedeutung (nicht überflutungstolerant). 5 4.2 Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) Herkunft: östliches Nordamerika, Schwerpunkt Appalachen Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Windverbreitung bis zu 60 Meter Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung unter lichtem Schirm in Bestandeslücken möglich, moderat Lichtbedürfnis Lichtbaumart Klimatische Kennziffern 760 bis 2030 mm Niederschlag Trockentoleranz hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung Die Baumart ist sehr schnellwüchsig und wird deshalb oft mit der Pappel verglichen. In unteren Schwarzwaldlagen können naturverjüngte Pflanzen dem Bergahorn vorauswachsen. Der Tulpenbaum ist eine Lichtbaumart und gut in Mischbestände integrierbar, er ist anderen Baumarten gegenüber tolerant im Wuchsverhalten. Erfahrungswerte In Karlsruhe gibt es bereits einige sehr schöne und alte Exemplare, sowohl im Wald als auch als Allee- und Parkbaum (zum Beispiel entlang Ahaweg) Invasivitätspotenzial geringes Invasivitätspotenzial, noch wenige Beobachtungen Steuerungsmöglichkeiten da Lichtbaumart, Steuerung möglich Ökosystemanpasssung Einwanderung über Samenflug in heimische Waldgesellschaften möglich, bisher sehr mischungstolerant. Dies gilt auch für die sporadisch auftretenden Stockausschläge. Nutzungspotenzial mittel-hoch (wertvolles Stammholz) Mischung gut in reinen Bergahorn-Naturverjüngungen, Mischung mit Eiche und Birke Standort toleriert zeitweise Überflutungen, keine Staunässe, tiefgründige, gut wasserversorgte und gut durchlüftete Böden Sonstiges Zulassung badischer Sonderherkunft Baden-Baden; sehr schöne Blütenbildung Fazit: Dokumentierte Versuchsanbauten als Mischbaumart in geringem Umfang möglich. 6 4.3 Baumhasel (Corylus corluna) Herkunft: Südosteuropa bis Kleinasien, einschließl. Kaukasus und Westhimalaya Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nicht bekannt Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung möglich, in Deutschland nur wenige keimfähige Samen Lichtbedürfnis Halbschatt- bis Lichtbaumart Klimatische Kennziffern 200 m bis 2000 m, 540 bis 1500 mm Niederschlag, Hitzetoleranz bis 40°C Trockentoleranz hoch Allelopathie nicht bekannt Konkurrenzwirkung gering, bildet keine Reinbestände Erfahrungswerte Einzelne Versuchsflächen in Baden-Württemberg und Bayern Invasivitätspotenzial gering Steuerungsmöglichkeiten da Lichtbaumart, gut steuerbar Ökosystemanpassung keine dauerhaften negativen Auswirkungen auf Ökosysteme auch bei 100 jährigen Anbauten, Früchte werden von den meisten Tieren angenommen, die sich auch von Haselnüssen ernähren Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Mischung Buche, Eiche, Ahorn, Esche Standort geringe Ansprüche an den Boden, breite Standortsamplitude Sonstiges Schwarzmeerherkünfte empfohlen Fazit: Dokumentierte Versuchsanbauten als Mischbaumart in geringem Umfang möglich. 4.4 Douglasie (Pseudotsuga menziesii) Herkunft: Nordamerika Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung ja, auf sauren und silikatischen Böden, Naturverjüngung in Karlsruhe bisher kaum beobachtet Lichtbedürfnis hoch Klimatische Kennziffern Mexiko bis Kanada (Herkunft wichtig!) Trockentoleranz mäßig, in der Jugend eher schlecht Allelopathie nein Konkurrenzwirkung nur auf sauren Standorten hoch 7 Erfahrungswerte bislang im Stadtwald nirgendwo invasiv Invasivitätspotenzial nur auf sauren Standorten Steuerungsmöglichkeiten sehr gut steuerbar Ökosystemanpassung Vor allem in älteren Beständen gut als Mischbaumart, gute Streuzersetzung Nutzungspotenzial sehr hoch (wertvolles Holz für den Außenbereich) Fazit: Die Douglasie hat sich im Karlsruher Stadtwald etabliert. Sie kommt aber nur in geringen Anteilen vor. Sehr gute Erfahrungen mit der Douglasie gibt es in der Vorbergzone, dort steht sie in Mischung mit Buche und Lärche. Im Hardtwald gibt es ebenfalls mittelalte Douglasienbestände. Die Erfahrungen hier sind nicht immer überzeugend. Ausfälle durch Sturm (Orkan Lothar), Befall mit Schüttepilz, Trockenschäden legen nahe, nicht großflächig auf die Douglasie zu setzen. Auch weil die Trockentoleranz der Douglasie in der Jugend gering ist, soll sie zukünftig nur in geringem Umfang und mindestens auf mäßig trockenen Standorten als Mischbaumart eingebracht werden. 4.5 Schwarzkiefer (Pinus nigra) Herkunft: Südeuropa, Kleinasien, Nordwestafrika Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung in Karlsruhe nicht bekannt Lichtbedürfnis hoch, Pionierbaumart Klimatische Kennziffern 400 bis 1300 mm Niederschlag, 3 bis 16° C Jahresmitteltemperatur Trockentoleranz sehr hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung gering Erfahrungswerte geringer Zuwachs, geringe Verwendungsmöglichkeiten Invasivitätspotenzial sehr gering bis gering Steuerungsmöglichkeiten gut Ökosystemanpasssung unbekannt Nutzungspotenzial gering Fazit: Die im Stadtwald und im umliegenden Landkreis vorhandenen Schwarzkiefernbestände haben nur geringen Zuwachs und eine schlechte Wuchsform. Das Holz findet kaum Abnehmer. 8 4.6 Schwarznuss (Juglans nigra) Herkunft: östliches Nordamerika Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung ja Lichtbedürfnis hoch Klimatische Kennziffern weites klimatisches Standortspektrum Trockentoleranz mäßig Allelopathie ja (Juglon) Konkurrenzwirkung gering, bildet keine Reinbestände im natürlichen Verbreitungsgebiet Erfahrungswerte sehr gut auf sehr guten Standorten Invasivitätspotenzial gering Steuerungsmöglichkeiten gut, da Lichtbaumart Ökosystemanpassung Passt sich als Mischbaumart in Einzelmischung gut in Laubbaumbestände ein Nutzungspotenzial sehr hoch, sehr wertvolles Stammholz Fazit: Verbreitet sich vereinzelt durch Tiere, zeigt bisher keine Verdrängungswirkung gegenüber anderen Baumarten. Es besteht kaum die Gefahr einer flächendeckenden Verbreitung, da die Baumart sehr hohe Ansprüche an Standort und Licht hat. Auf guten Standorten mögliche „Ersatz-Baumart“ für die durch das Eschentriebsterben ausfallende Esche. 4.7 Hybridnuss (Juglans nigra x Juglans regia und Juglans major x Juglans regia) Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung nein Lichtbedürfnis hoch Klimatische Kennziffern Weinbauklima (ähnlich Walnuss) Trockentoleranz hoch Allelopathie ja (Juglon) Konkurrenzwirkung mäßig Erfahrungswerte hohe Standortansprüche Invasivitätspotenzial gering Steuerungsmöglichkeiten gut, da Lichtbaumart Ökosystemanpassung Passt sich als Mischbaumart in Einzelmischung gut in Laubbaumbestände ein Nutzungspotenzial sehr hoch, sehr wertvolles Stammholz 9 5 Im Stadtwald bislang nicht vorkommende, nicht- heimischeBaumarten 5.1 Ahornblättrige Platane (Platanus acerifolia) Herkunft: südlicher Balkan und Vorderasien Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind/Wasser Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung ja, im (nicht mehr überfluteten) Auewald möglich Lichtbedürfnis Pionierbaumart Klimatische Kennziffern 350 bis 2340 mm Niederschlag, 9 bis 19° C Jahresmitteltemperatur Trockentoleranz hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung in der Jugend hoch (raschwüchsig), später gering Erfahrungswerte wenig Erfahrungswerte im Wald (kleiner, 70 jähriger Bestand im Landkreis Karlsruhe) Invasivitätspotenzial mittel-hoch Steuerungsmöglichkeiten da sie zum Keimen sehr viel Licht benötigt gut Ökosystemanpassung gering; hohes Ausfall-Risiko durch Massaria-Pilz Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Fazit: Die Platane eignet sich aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Konkurrenz im Alter nicht als Mischbaumart. Hinzu kommen die hoch eingestufte Invasivität und das Risiko durch den Massaria-Pilz. Aus den beiden genannten Gründen wird geraten, von einem flächigen Anbau der Platane im Wald abzusehen. 5.2 Orientbuche (Fagus orientalis) Herkunft: südöstlicher Balkan, Kleinasien, Nordpersien und Kaukasus, die europäischen Vorkommen liegen an der bulgarischen Schwarzmeerküste (isolierte Vorposten bis nach Rumänien) und im Nordosten Griechenlands, sie schließen ostwärts an das geschlossene Verbreitungsgebiet der heimischen Rotbuche (Fagus sylvatica) an. Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit gering Naturverjüngung ja Lichtbedürfnis gering Klimatische Kennziffern vergleichbar Rotbuche Trockentoleranz höher als bei der Rotbuche 10 Allelopathie nein Konkurrenzwirkung vergleichbar Rotbuche, Schattbaumart Erfahrungswerte Altbestand im nördlichen Hardtwald bei Blankenloch Invasivitätspotenzial Hybridisierung mit Rotbuche Steuerungsmöglichkeiten Ökosystemanpassung vermutlich gut Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Fazit: Aus Sicht der Klimaanpassung aufgrund der Hitze- und Trockentoleranz sehr interessante Baumart, die vermutlich über Süd- und Südost-Europa einwandern wird. Es ist zu vermuten, dass es auch im Stadtkreis bereits Exemplare oder Hybride von Fagus orientalis gibt. Okular nur sehr schwer von der Rotbuche zu unterscheiden. 5.3 Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) Herkunft: Mittel- und Südeuropa, Kaukasus, Balkan, Westasien Keine wesentlichen Vorteile gegenüber der Hainbuche, sehr Pilzanfällig, Anbau wird daher nicht empfohlen. 5.4 Pinie (Pinus pinea) Herkunft: nördlicher Mittelmeerraum Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung nicht bekannt Lichtbedürfnis hoch Klimatische Kennziffern 400 bis 800 mm Niederschlag, erträgt 2 bis 6 Monate Sommertrockenheit, Temperaturgrenzen 0° bis 30° C, tiefe Temperaturen in Kombination mit hoher Luftfeuchte problematisch Trockentoleranz sehr hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung starke Wurzelentwicklung Erfahrungswerte keine Invasivitätspotenzial nicht zu beurteilen Steuerungsmöglichkeiten Ökosystemanpassung vermutlich eher schlecht Nutzungspotenzial mittel (ähnlich Kiefer) Fazit: Es sind kaum Informationen zur forstlichen Nutzung der Pinie in Mitteleuropa zu finden. 11 Ein Grund dafür, dass sie bislang in unseren Breiten nicht vorkommt, könnte die geringe Winterhärte sein. Ein versuchsweiser Anbau wird für möglich erachtet. Hybridisiert nicht mit anderen Pinienarten. Es ist zu vermuten, dass der Anbau nicht sehr erfolgversprechend ist und sie daher auch noch nicht in Erscheinung getreten ist. Mit hohem Invasivitätspotenzial ist voraussichtlich nicht zu rechnen. Sehr hohes Waldbrand- Risiko. 5.5 Zerreiche (Quercus cerris) Herkunft: Südosteuropa und Kleinasien Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut möglich Stockausschlagsfähigkeit sehr hoch Naturverjüngung - Lichtbedürfnis hoch, Pionierbaumart Klimatische Kennziffern 400 bis 1300 mm Niederschlag, 6 bis 15°C Jahresmitteltemperatur Trockentoleranz sehr hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung auf sandigen Böden hoch Erfahrungswerte nicht in Deutschland, in der Heimat oft im sogenannten Niederwaldbetrieb über Stockausschläge Invasivitätspotenzial potenziell invasiv Steuerungsmöglichkeiten aufgrund der hohen Stockausschlagsfähigkeit nur bedingt Ökosystemanpasssung keine Erfahrungswerte Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Mischung dominant in mediterranen Wäldern, Mischung mit anderen Eichenarten, Buche, Esskastanie, Tanne, Schwarzkiefer Standort bevorzugt frisch und tiefgründig, mäßig frisch bis trocken möglich Sonstiges unterliegt dem Forstvermehrungsgutgesetz Fazit: Aufgrund der hohen Konkurrenzwirkung besonders auf sandigen Böden und der intensiven Stockausschlagsfähigkeit wird kein Anbau empfohlen. Das Invasivitätsrisiko ist bei der Zerreiche zu groß. 5.6 Ungarische Eiche (Quercus frainetto) Herkunft: Südeuropa und Nordwesten Kleinasiens Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut möglich 12 Stockausschlagsfähigkeit hoch Naturverjüngung - Lichtbedürfnis Lichtbaumart Klimatische Kennziffern 400 bis 1000 mm Niederschlag, 7 bis 16°C Jahresmitteltemperatur Trockentoleranz sehr hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung sehr gering Erfahrungswerte nicht in Deutschland, in der Heimat oft im sogenannten Niederwaldbetrieb über Stockausschläge Invasivitätspotenzial hybridisiert sehr leicht mit anderen Eichenarten Steuerungsmöglichkeiten aufgrund der hohen Stockausschlagsfähigkeit nur bedingt Ökosystemanpasssung keine Erfahrungswerte Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Mischung Mischung mit anderen Eichenarten, Buche, Esskastanie, Hopfenbuche Standort anspruchslos Fazit: Aufgrund der leichten Hybridisierung mit anderen Eichenarten und der hohen Stockausschlagsfähigkeit wird kein Anbau im Stadtwald empfohlen. 5.7 Flaumeiche (Quercus pubescens) Herkunft: Mittel- und Südeuropa Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Tiere Wurzelbrut möglich Stockausschlagsfähigkeit gering Naturverjüngung - Lichtbedürfnis Lichtbaumart Klimatische Kennziffern 400 bis 1400 mm Niederschlag, 5 bis 16°C Jahresmitteltemperatur Trockentoleranz sehr hoch Allelopathie nein Konkurrenzwirkung sehr gering Erfahrungswerte Versuchsanbauten in Hessen, authochtones Vorkommen im Süden von Baden-Württemberg (Kaiserstuhl) Invasivitätspotenzial gering Steuerungsmöglichkeiten gut, da konkurrenzschwache Lichtbaumart Ökosystemanpasssung keine Erfahrungswerte Nutzungspotenzial gering Mischung Mischung mit anderen Eichenarten, Kiefer, Ahorn, Hopfenbuche, Orientalische Hainbuche, auch Feldahorn Atlaszeder, Speierling, Französischem Ahorn Standort anspruchslos, trocken bis sehr trocken 13 Fazit: Die Einbringung der Flaumeiche kann an extrem trockenen Standorten als Versuch in Erwägung gezogen werden. Dort wo die heimischen Eichen an ihre Grenzen kommen und das Ziel der Walderhaltung im Vordergrund steht. Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist die Baumart wenig interessant, da sie nur sehr langsam wächst und kein Wertholz erzeugt werden kann. Heimische Alternativen/Ergänzungen zur Flaumeiche sind Feldahorn, Hainbuche, Elsbeere und Speierling. 5.8 Steineiche (Quercus ilex) Nicht winterhart, hohes Stockausschlagspotenzial und Wurzelbrut. Einbringung der Steineiche wird nicht empfohlen. 5.9 Atlaszeder (Cedrus Atlantica) Herkunft: Atlasgebirge in Marokko und Algerien Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit gering Naturverjüngung in kleinen Lücken und an Bestandesrändern gut möglich, bis zu 60 Meter um Altbäume (im Herkunftsgebiet) Lichtbedürfnis Pionierbaumart, Halbschattbaumart, kann in der Jugend Schatten ertragen Klimatische Kennziffern 499 bis 1786 mm, 7,5° bis15°C, Hitzetoleranz 40°C Trockentoleranz hoch Allelopathie nicht bekannt Konkurrenzwirkung Durch ihre geringe Konkurrenzkraft als Halbschattbaumart stellt die Atlaszeder dauerhaft keine Gefährdung anderer Baumarten dar. Erfahrungswerte kleiner Bestand im Exotenwald Weinheim, Alter 116 Jahre, 36 m Oberhöhe, Brusthöhendurchmesser 45 cm Invasivitätspotenzial bislang nicht als invasiv bekannt Steuerungsmöglichkeiten da Lichtbaumart, gut steuerbar Ökosystemanpassung die bisherigen Anbauten der Atlaszeder in Mitteleuropa (z.B. Frankreich, Italien, Portugal und Bulgarien) zeigen keine negativen Folgen auf die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie den Standort. Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Mischung häufig vergesellschaftet mit Steineiche (Quercus ilex), in Frankreich mit Flaumeiche (Quercus pubescens) Standort keine Staunässe, kalkhaltig bis silikatreich, meidet saure Böden Sonstiges unterliegt dem Forstvermehrungsgutgesetz 14 Fazit: Dokumentierte Versuchsanbauten von Einzelbäumen in geringem Umfang sind möglich. Aber für unsere Region ungewohnter Habitus als Waldbaum. 5.10 Libanonzeder (Cedrus libani) Herkunft: Türkei (westliches und mittleres Taurusgebirge), Libanon, Syrien Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nicht bekannt Stockausschlagsfähigkeit gering Naturverjüngung in Deutschland bisher nicht bekannt Lichtbedürfnis Pionierbaumart, Halbschattbaumart, kann in der Jugend Schatten ertragen Klimatische Kennziffern 600 bis 1200 mm Niederschlag, 500 bis 2400 m, 6° bis 12° C, Hitzetoleranz >30° C Trockentoleranz hält sowohl kalte Winter als auch trockene Sommer aus, im Herkunftsgebiet treten Temperaturen mit Extremen von -35°C und +30°C auf. Über die Anfälligkeit bei Spätfrösten ist nichts bekannt. Allelopathie nicht bekannt Konkurrenzwirkung gering Erfahrungswerte Versuchsflächen in Baden-Württemberg seit 2014, in Bayern seit den 1990-iger Jahren, Türkische Herkünfte bisher am erfolgversprechendsten Invasivitätspotenzial aufgrund der geringen Vorkommen in Mitteleuropa ist zur Invasivität bislang noch nichts bekannt, allerdings wird vermutet, dass die Libanonzeder durch ihre geringe Konkurrenzkraft kein invasives Potenzial hat. Steuerungsmöglichkeiten da Lichtbaumart, gut steuerbar Ökosystemanpassung keine Erfahrungswerte Nutzungspotenzial noch wenig bekannt Mischung Kiefer, Eichen, Tannen Standort sonniger Standort und kalkhaltige Böden Sonstiges unterliegt dem Forstvermehrungsgutgesetz Fazit: Dokumentierte Versuchsanbauten von Einzelbäumen in geringem Umfang sind möglich. Aber für unsere Region ungewohnter Habitus als Waldbaum. 15 5.11 Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) Herkunft: Küstengebieten Nordkaliforniens und im Süden Oregons Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut ja Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung kaum vorhanden, in unseren Breiten sind die meisten Samen nicht keimfähig Lichtbedürfnis chattenertragend Klimatische Kennziffern Jahrestemperatur zwischen 10 und 16 °C, die Extreme liegen bei −9 °C und +38 °C, 640 und 3100 mm, vielfach um 2500 mm Trockentoleranz mittel Allelopathie nein Konkurrenzwirkung als Einzelbaum durchsetzungsstark Erfahrungswerte altbestände sind in Raum Karlsruhe vorhanden Invasivitätspotenzial sehr gering, geringe Samenverbreitung und Keimfähigkeit Steuerungsmöglichkeiten gut Ökosystemanpasssung Nutzungspotenzial vermutlich hoch Mischung mit Douglasie möglich Standort durchlässiger Boden, sandiger Lehm Sonstiges Flachwurzler, sturmanfällig 5.12 Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) Herkunft: Westhänge der Sierra Nevada in Kalifornien in Höhenlagen zwischen 1350 und 2500 Meter Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut ja Stockausschlagsfähigkeit ja Naturverjüngung nein, nur auf Asche nach Waldbrand Lichtbedürfnis sehr hoch Klimatische Kennziffern 450 bis 1520 Millimeter, Temperaturen von bis zu −30 °C. Trockentoleranz mittel Allelopathie nein Konkurrenzwirkung als Einzelbaum konkurrenzstark Erfahrungswerte Altbestände sind im Raum Karlsruhe vorhanden Invasivitätspotenzial nein Steuerungsmöglichkeiten gut aufgrund des hohen Lichtbedarfs Ökosystemanpasssung Nutzungspotenzial hoch 16 Mischung Douglasie, Riesenlebensbaum Standort gut durchlüftete Böden, so dass staunasse Standorte gemieden werden Fazit: Beide Sequoia-Arten können versuchsweise als Einzelbäume oder Kleingruppen angebaut werden. Es gibt im Raum Karlsruhe bereits schöne Einzelbäume und vereinzelte Gruppen und auch Kleinbestände (zum Beispiel im Bereich von ehemaligen Waldlehrpfaden). Eine Gefahr der Invasivität besteht nicht. Die Baumart ist für Verjüngung auf Feuer angewiesen. Bisher ist ausgehend von den Altbeständen keine natürliche Verjüngung bekannt. 5.13 Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) Herkunft: kleine Reliktpopulationen im Bezirk Shizhu im östlichen Sichuan, im Bezirk Lichuan im westlichen Hubei sowie im Bezirk Longshan und im Bezirk Sangzhi im nordwestlichen Hunan in China Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung nein, nur in seltenen Einzelfällen Lichtbedürfnis hoch, erträgt keine Überschattung Klimatische Kennziffern 750 -1500 m ü NN, mind. 400 mm Niederschlag bis -32°C Trockentoleranz gering Allelopathie nicht bekannt Konkurrenzwirkung keine Erfahrungswerte Invasivitätspotenzial Steuerungsmöglichkeiten Ökosystemanpasssung Nutzungspotenzial gering Mischung Standort hauptsächlich an Fluss- und Bachufern und in feuchten Schluchten zu finden, besiedelt leicht saure bis neutrale Sandstein-Verwitterungsböden. Sonstiges Kurztriebe fallen mit Nadeln ab Fazit: Aufgrund der geringen Trockentoleranz eher uninteressant. 17 5.14 Riesenlebensbaum (Thuja plicata) Herkunft: westliches Nordamerika Kriterium Ausprägung Samenverbreitung Wind Wurzelbrut nein Stockausschlagsfähigkeit nein Naturverjüngung möglich Lichtbedürfnis gering Klimatische Kennziffern bis 2.290 m ü. NN mit ozeanischem Klima (kühle Sommer, milde Winter) und jährlichen Niederschlagssummen von 500 bis 5.550 mm Trockentoleranz gute Wasserversorgung (über 600 mm Niederschlag/Jahr) und hohe Luftfeuchtigkeit ist für das Wachstum wichtiger als die Nährstoffversorgung. Allelopathie nein Konkurrenzwirkung gering Erfahrungswerte Vorkommen und Anbaugebiete in Mitteleuropa: In den meisten Ländern Mitteleuropas (z. B. Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Polen, Deutschland) wurde Thuja plicata in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeführt, zunächst nur als Garten- und Parkbaum. Forstliche Anbauten gibt es in Deutschland seit etwa 1890. Invasivitätspotenzial Bislang wird der Riesenlebensbaum in Deutschland nicht auf Listen invasiver Pflanzenarten geführt. Unter günstigen Bedingungen kann sich die schattentolerante Art aber auch außerhalb der Mutterbestände etablieren. Steuerungsmöglichkeiten Unerwünschte Naturverjüngung kann jedoch einfach mechanisch (Freischneider, Motorsäge) beseitigt werden. Ökosystemanpasssung Nutzungspotenzial gering Fazit: Aufgrund der geringen Trockentoleranz eher uninteressant. 18 6 Quellen Forstliche Versuchsanstalt Freiburg (FVA): Alternative Baumarten im Klimawandel Artensteckbriefe – eine Stoffsammlung www.waldwissen.de www.wikipedia.de Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff, 2006: Enzyklopädie der Laubbäume, ecomed Medizin Verlagsruppe Hütig Jehle Rehm GmbH. Landsberg/Lech Albrecht, De Avila: Ein Vorschlag zur literaturbasierten Ermittlung möglicher Alternativbaumarten im Klimawandel am Beispiel der Artensteckbriefe in Baden- Württemberg (aus: Allg. Forst- und J.-Ztg., 189. Jg., 7/8)

  • Anlage3_Synopse Rückmeldungen Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald
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    Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Anlage 3 Synopse zu den eingegangenen Stellungnahmen zum Kon zeptentwurf, Stand 26.02.2020 Diskussionspunkte Naturschutzbund (NABU) Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet (BUZO) Naturschutz - beauftragte (Dr. Trusch, T. Bittner) Amt für Umwelt - und Arbeitsschutz (UA) Stellungnahme des Forstamtes Die Anpflanzung von nicht-heimischen Baumarten widerspricht der ökologischen Vorrangfunktion des Stadtwaldes. Ableh nung der nicht - heimischen Baumarten aufgrund fehlender Langzeiterfahrung und Gefahr der Invasivität Anbau nicht - heimischer Baumarten widerspricht dem Fokus auf ökologische Vorrangfunktion Nicht - heimische Baumarten stehen in Konkurrenz zu den heimischen Arten und führen zu einem Rückgang der Biodiversität Aus ökologischen Gründen ist die Einbringung nicht-heimischer Baumarten nicht notwendig und gefährdet die heimische Artenvielfalt Die Einbringung nicht - heimischer Arten ist aus Sicht des Forstamts notwendig, um die Stabilität und den Fortbestand des Stadtwaldes nachhaltig zu sichern. Aufgrund der durch den Klimawandel zunehmenden Trockenheit und Hitze gibt es bereits jetzt Standorte, die sich ohne menschliches Handeln zu Buschland mit hohen Anteilen von invasiven Neophyten entwickeln. Dort ist die Funktionenvielfalt des Waldes nicht mehr nachhaltig gesichert Die Einbringung nicht - heimischer Baumarten erfolgt aus rein ökonomischen Gründen. Ökologische Degradierung des Waldes zu reiner Holzproduktionsfläche Einbringung nicht - heimischer Baumarten erfolgt aufgrund Förderung der Produktivität des Waldes oder allgemeinen Das Ziel des Fors tamtes ist es, der Generationenverpflichtung des Waldes und der Nachhaltigkeit in allen Belangen gerecht zu werden. Es ist daher langfristig nicht verantwortbar, zukünftigen Generationen die forstwirtschaftlichen Interessen Möglichkeit der Holznutzung zu nehmen und ausschließlich ökologische Belange zu berücksichtigen. Dies wäre auch ein Verstoß gegen die im Landeswaldgesetz definierten Grundpflichten des Waldbesitzers und andere gesetzliche Vorgaben (§ 12 Grundpflichten, § 13 Nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes, § 21 Sachkundige Bewirtschaftung des Waldes) Nicht - heimische Arten haben das Risiko invasiv zu werden. NABU rät dringend davon ab, nicht-heimische Baumarten ohne belastbare Anbauerfahrungen anzupflanzen Immense unvorhersehbare Effekte sind zu befürchten, Risiko der unkontrollierten Ausbreitung in für den Naturschutz hochwertige Bereiche Gefahr für heimische Artenvielfalt, zahlreiche negative Beispiele aus der Vergangenheit (z.B. Robinie, Spätblühende Traubenkirsche) Das Forstamt wägt die Risiken ab und hat alle in Frage kommenden Baumarten genau geprüft, Literatur ausgewertet und Erfahrungen abgefragt. Ergebnis ist, dass nur die Anpflanzung von Baumarten empfohlen wird für die es langjährige positive Erfahrungswerte gibt (z.B. Roteiche und Douglasie) oder deren Invasivitätspotenzial derzeit nachweislich als gering eingestuft werden kann und bei denen auch zukünftig aufgrund der natürlichen Eigenschaften keine unbeherrschbare Ausbreitungstendenz zu erwarten ist. Anpflanzung von Nadelbäumen, Nadelbaumanteil Anteil der Nadelbaumarten ist zu verringern. Es sollen keine weiteren Nadelbaumarten (z.B. Douglasie) angebaut werden Waldkiefer ist auf den sandigen Hardtplatten heimisch, standortgerecht und Biodiversitäts- bereichernd und daher förderns- und erhaltenswert. Douglasie und Fichte sind nicht standortsgerecht Naturschutzfachlich ist auf die Waldkiefer auf den trockenen Kiesrücken (Brennen auf keinen Fall zu verzichten (autochthone Vorkommen in der Rheinaue). Auf weitere Nadelgehölze, z.B. die Douglasie ist zu verzichten Der Nadelholzanteil ist im Stadtwald Karlsruhe seit 1987 von 23 % auf zuletzt 11 % Anteil zurückgegangen und damit schon sehr gering. Es sprechen einige Gründe gegen die weitere Reduktion oder den Verzicht auf die Beteiligung von Nadelbäumen in Mischbeständen: Nadelbäume haben ganzjährig eine hohe Filterwirkung bezüglich Luftschadstoffen. Sie liefern in überschaubaren Zeiträumen wertvolles Nutzholz. Es kann in vielen baulichen Verwendungsbereichen aufgrund seiner Eigenschaften derzeit noch nicht durch Laubholz ersetzt werden. Nadelbäume spielen v. a. im Winter hinsichtlich der Waldästhetik eine wichtige Rolle. Sie bieten zudem ganzjährig Deckung und im Winter Nahrung für zapfenfressende Vögel und andere Tiere. Lichtwaldkonzept, Durchführung von Kahlschlägen Kahlschläge, auch < 0,8 Hektar werden abgelehnt, Begründung: Flächige Befahrung Kahlschläge sollten vermieden werden. Begründung: Probleme mit Neophyten verstärken Kahlschläge auch auf größeren Flächen werden befürwortet, Begründung: Erhöhung der Kahlschläge werden befürwortet, Begründung: Förderung lichtliebender Arten Da bedingt durch Klimaerwärmung und Pilzerkrankungen mehrere Baumarten und ganze Waldbestände erheblich sich durch die Kahlschläge Artenvielfalt durch künstliche Dynamik geschädigt sind oder absterben, werden auf natürliche Weise zahlreiche lichte Waldbereiche und Freiflächen entstehen. Diese werden, wo sinnvoll und möglich, der natürlichen Dynamik überlassen. Aus diesem Grund erfolgen im Stadtwald aktuell keine aktiven Maßnahmen oder sogar Kahlschläge mit dem Ziel der Lichtwaldförderung. Eine flächige Befahrung mit schwerem Gerät findet auch bei Kahlschlägen nicht statt, vorhandene Erschließungslinien werden genutzt. Gez. Stephanie Bauer, Ulrich Kienzler

  • Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe
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    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0581 Dez. 5 Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 06.05.2020 5 x vorberaten Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 16.06.2020 4 x vorberaten Gemeinderat 30.06.2020 7 x Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt das vorgelegte Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe. Es dient künftig ergänzend zum Beschluss Forsteinrichtung als Grundlage für die Jahresplanungen für den Stadtwald. Eine Evaluierung und Anpassung finden spätestens mit der nächsten Forsteinrichtung (Stichtag 1. Januar 2028) statt. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein X Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 In der Sitzung des Gemeinderats vom 24.09.2019 wurde der Antrag der GRÜNEN- Gemeinderatsfraktion „Masterplan für den Waldumbau und den Erhalt der Straßenbäume“ (Vorlage Nr. 2019/0794) sowie der Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion „Maßnahmen zum Erhalt der Bäume im Waldgebiet Karlsruhe“ (Vorlage Nr.: 2019/0755) behandelt. Dabei wurde zugesagt, dass die Stadtverwaltung ein Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe erarbeitet. Dieses Konzept liegt nun vor (siehe Anlage 1). Es geht von Grundsätzen und Zielsetzungen der naturgemäßen Waldwirtschaft im Stadtwald aus, wie sie vor der letzten sogenannten Forsteinrichtung vom Gemeinderat am 13.12.2016 beschlossen wurden. Ergänzend zum Konzept wurde eine forstfachliche Bewertung des Invasivitätspotenzials von nicht- heimschen Baumarten vorgenommen (siehe Anlage 2). Die Klimaanpassung des Stadtwaldes wird ein dauerhafter, komplexer und einem ständigen Wandel unterliegender Prozess sein. Deshalb muss das Konzept laufend überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Eine Evaluierung und Anpassung soll im Rahmen der künftigen, alle 10 Jahre stattfindenden Forsteinrichtungen erfolgen. Die nächste Forsteinrichtung steht planmäßig zum Stichtag 1. Januar 2028 an. Im Zuge der Konzepterarbeitung fanden zwei Informations- und Austauschtreffen mit Umweltverbänden, der Naturschutzverwaltung sowie weiteren Expertinnen und Experten statt. Ein drittes Treffen konnte wegen der Corona-Pandemie nicht mehr erfolgen. Deshalb wurde der Konzeptentwurf an die Teilnehmenden mit der Bitte um Stellungnahme verschickt. Eine Synopse der eingegangenen Stellungnahme ist beigefügt (siehe Anlage 3). Die Hauptdiskussionspunkte sind: Die Beteiligung nicht-standortheimischer Baumarten: Aus der Sicht der Ökologie wird vorgebracht, dass nicht-standortheimische Baumarten künftig am Waldaufbau nicht erforderlich sind. Auch über viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte bereits am Waldaufbau beteiligte und bewährte, nicht-standortheimische Baumarten (Beispiele: Douglasie, Roteiche seit Mitte des 18. Jahrhunderts) werden aus ökologischen Gründen und aus der Perspektive der Biodiversität abgelehnt. Das Konzept greift diese Forderung nicht auf. Der Anteil nicht-standortheimischer Baumarten mit dem Ziel der Erhöhung der Klimastabilität des Waldes soll sich jedoch auf bereits bekannte und auch im Stadtwald bewährte Arten beschränken und im gesamten Stadtwald einen Anteil von maximal 20 % einnehmen. Dies entspricht in etwa dem bereits heute vorhandenen Anteil. Dieser Anteil nicht-standortheimischer Baumarten wird auch von den beiden bekanntesten Wald-Zertifizierungssystemen PEFC und FSC akzeptiert. In Schutzgebieten durch Gesetze, Rechtsverordnungen oder Managementpläne festgelegte Vorgaben bezüglich der Baumarten werden beachtet. Somit ist davon auszugehen, dass keine negativen Auswirkungen auf den Waldboden, die Biodiversität oder andere ökologischen Faktoren entstehen. Die Beteiligung von Nadelbaumarten: Ein Naturschutzverband fordert den völligen Verzicht auf Nadelbäume. Aus naturschutzfachli-cher Sicht soll aber auf trockenen Standorten (Kiesrücken der Rheinniederung, Hardt, Kiesrü-cken der Kinzig-Murg-Rinne) die Kiefer (Pinius sylvetsris) erhalten und gefördert werden. Auch andere Nadelgehölze können in begrenztem Umfang verwendet werden, sofern sichergestellt ist, dass diese den ökologischen Zielsetzungen, insbesondere denen der Schutzgebiete unterschiedlicher Kategorien und des Artenschutzes nicht zuwiderlaufen. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Im Zuge der naturnahen Waldwirtschaft und der zunehmenden ökologischen Ausrichtung, aber auch aufgrund des Klimawandels (Borkenkäferproblematik) ist der Anteil der Nadelbäume im Stadtwald in den letzten 30 Jahren bereits von 23 % (1987) auf 12 % (2018) zurückgegangen. Aufgrund der Planungen der aktuellen Forsteinrichtung wird der Nadelbaumanteil eher weiter abnehmen. Die Verwaltung lehnt daher einen grundsätzlichen Verzicht auf Nadelbäume, wie beispielsweise die Douglasie, ab. Bei dem geringen Nadelbaumanteil wird kein Widerspruch zur Vorrangfunktion von Ökologie und Sozialem im Stadtwald gesehen. Die Berücksichtigung der ökologischen Vorrangfunktion: Die Anpassung des Stadtwaldes an den Klimawandel ist eine langfristige Aufgabe mit dem grundsätzlichen Ziel, Wälder für die künftigen Generationen zu erhalten. Aus heutiger Sicht und im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit müssen deshalb „Fenster geöffnet bleiben“, damit künftige Generationen den Wald nach ihren Anforderungen „nutzen“ können. Neben den sozialen Funktionen des Waldes als Erholungs- und Freizeitraum sind zumindest in geringem Umfang auch Nutzungsaspekte zu berücksichtigen. Nachhaltige, umweltfreundliche und regional produzierte Rohstoffe wie Holz spielen möglicherweise für künftige Generationen wieder eine wichtigere Rolle, beispielsweise im Bereich der Bioökonomie. Es ist daher aus Sicht der Stadtverwaltung unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht sinnvoll, den Nutzungsaspekt komplett auszublenden. Dass die ökologische Vorrangfunktion im Stadtwald umgesetzt wird, zeigen die im Zuge der letzten Forsteinrichtung erhobenen und dem Gemeinderat vorgelegten ökologischen und forstlichen Parameter. Zu nennen ist beispielsweise die Zunahme von Totholz von 20 Kubikmetern je Hektar im Jahr 2008 auf 44 Kubikmeter je Hektar im Jahr 2018. Weitere Indikatoren sind der Rückgang der Anteile von Nadelbäumen und Wirtschaftspappeln in den letzten 30 Jahren, der mehr als doppelt so hohe Anteil von Waldbiotopflächen im Vergleich zum Landesdurchschnitt oder die sehr hohe Zahl von Lebensstätten seltener Arten. Auch das Alt- und Totholzkonzept wird erfolgreich umgesetzt. Maschineneinsatz und Befahrung: Der Einsatz von Großmaschinen und die Befahrung von Waldböden wird kritisiert. Diese Kritik ist zunächst nachvollziehbar. Der Einsatz von Großmaschinen ist jedoch aus der Sicht des Bodenschutzes teilweise pfleglicher, weil der Bodendruck je Flächeneinheit geringer ist und weil die Zahl der Fahrbewegungen reduziert wird. So konnte beispielsweise die typische Gleisbildung durch den Einsatz von Rückemaschinen mit 6- oder 8-Radantrieb nahezu vollständig reduziert werden. Die Maschinen sind auch für die Beseitigung von umgestürzten, geschädigten oder abgestorbenen Bäumen unverzichtbar. Die Anlage von sogenannten Rückegassen für die Maschinen vermeidet das flächige Befahren der Waldböden. Abweichungen von diesem Grundprinzip kommen im Alltagsbetrieb gelegentlich vor. Insbesondere für die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers entlang der vielen Randlinien an Straßen, Bebauungen, Kleingartenanlagen und die stark zunehmenden Baumschäden lassen sich diese nicht immer vermeiden. Zudem ist unter dem Aspekt des Artbeitsschutzes und der Arbeitssicherheit in geschädigten Wäldern der Maschineneinsatz zum Schutz der Beschäftigten unvermeidbar. Das Forstamt wird bezüglich der Befahrungsthematik das 2013 erstellte Bodenschutzkonzept spätestens im kommenden Jahr fortschreiben. Dabei wird auch der Einsatz kleiner Forstmaschinen (sogenannte Forstraupen) und von Rückepferden betrachtet. Ein Versuchseinsatz von Pferden hat in Oberreut stattgefunden. Der vorliegende Konzeptentwurf ist somit ein Kompromiss zwischen unterschiedlichen Zielen und Interessen. Damit wird auch § 13 des Landeswaldgesetzes Rechnung getragen. Danach ist „der Wald so zu bewirtschaften, dass die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes unter Berücksichtigung der langfristigen Erzeugungszeiträume stetig und auf Dauer erbracht werden (Nachhaltigkeit)“. Der Wegfall einer der drei Säulen im Dreiklang der Nachhaltigkeit widerspricht Ergänzende Erläuterungen Seite 4 der gesetzlichen Vorgabe. Die Säulen der Schutz- und Erholungsfunktionen bleiben dabei die tragenden Säulen der Nachhaltigkeit. Sowohl bei der Waldverjüngung als Folge klimabedingter Waldschäden als auch bei der Pflege und Entwicklung vorhandener Waldbestände werden bestehende waldbauliche Verfahren beibehalten oder modifiziert. Sie orientieren sich stark an den waldbaulichen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft (ANW). Experimente mit dem Anbau von neuen, nicht-standortheimischen Baumarten, die als klimastabil gelten, sind aufgrund der ökologischen Schwerpunktsetzung nicht geplant. Die Pflanzung von wenigen Einzelbäumen zu Testzwecken ist möglich, sofern sichergestellt ist, dass diese den ökologischen Zielsetzungen, insbesondere denen der Schutzgebiete unterschiedlicher Kategorien und des Artenschutzes, nicht zuwiderlaufen. Insofern ist das Konzept eher als konservativ zu bezeichnen. Ob die Maßnahmen ausreichen, um den Stadtwald klimastabil anzupassen, wird die Zukunft zeigen. Eine laufende Evaluierung und gegebenenfalls eine Anpassung sind deshalb zwingend. Das Konzept hat zunächst keine direkten finanziellen Auswirkungen. Die Umsetzung erfolgt in den jeweiligen Jahresplanungen für den Stadtwald. Erst dabei können die finanziellen Auswirkungen beziffert werden. Das Konzept kommt zusammenfassend jedoch zum Ergebnis, dass in der Tendenz die Ertragsfähigkeit sinkt und Mehraufwendungen gegenüber einer planmäßigen Waldbehandlung ohne den Einfluss von Klimaveränderungen entstehen werden. Die zwangsläufig sehr kleinflächige Arbeitsweise in den Waldbeständen und die Abkehr von einer planmäßigen Waldbewirtschaftung erfordern weiterhin mindestens die bisherige Personalausstattung im Forst. Sollten die Baum- und Waldschäden weiter zunehmen, erfordert dies möglicherweise zusätzliche Personal- und Finanzmittel, zum Beispiel für die Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht. Bei der Umsetzung des Konzeptes setzt die Stadtverwaltung weiterhin auf Beteiligungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit. Diese finden vor allem Im Bereich von Pflanz- und Waldpflegeaktionen statt. Mehrere für das Frühjahr 2020 terminierte Aktionen mussten aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt werden. Dem steht gerade im Hinblick auf den Klimawandel die vermutlich weiter zunehmende Bedeutung aller Ökosystemleistungen des Waldes gegenüber. Das Konzept schlägt deshalb eine Bewertung dieser Ökosystemleistungen des Stadtwaldes vor. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat | Ausschuss Der Gemeinderat beschließt das von der Stadtverwaltung vorgelegte Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe. Es dient künftig ergänzend zum Beschluss Forsteinrichtung als Grundlage für die Jahresplanungen für den Stadtwald. Eine Evaluierung und Anpassung findet spätestens mit der nächsten Forsteinrichtung (Stichtag 1. Januar 2028) statt.

  • Protokoll TOP 7
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    Niederschrift 11. Plenarsitzung des Gemeinderates 30. Juni 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 10. Punkt 7 der Tagesordnung: Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald Karlsruhe Vorlage: 2020/0581 dazu: Ergänzungsantrag: GRÜNE Vorlage: 2020/0818 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt das von der Stadtverwaltung vorgelegte Konzept zur Klimaanpas- sung für den Stadtwald Karlsruhe. Es dient künftig ergänzend zum Beschluss Forsteinrichtung als Grundlage für die Jahresplanungen für den Stadtwald. Eine Evaluierung und Anpassung fin- det spätestens mit der nächsten Forsteinrichtung (Stichtag 1. Januar 2028) statt. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 7 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Ausschuss für Umwelt und Ge- sundheit. Bürgermeisterin Lisbach: Der Wald ist für die Menschen in unserer Stadt ein ganz wichtiges Stück Lebensqualität. Das hat gerade die Corona-Krise besonders gezeigt, wie viele Menschen sich im Wald aufgehalten haben. Sie suchen im Wald Erholung. Sie genießen das gute Klima, gerade an Hitzetagen. Sie schätzen den Wald auch als Teil der grünen Stadt, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Und nicht zu vergessen: Aus dem Wald gewinnen wir natürlich auch den nachhaltigen und klimaneutralen Rohstoff Holz. An all diesen Funktionen und Anforderungen an unseren Wald orientiert sich das jetzt vorlie- gende Konzept zur Klimaanpassung. Dabei ist es übergeordnetes Ziel, den Wald unter den be- sonderen Herausforderungen des Klimawandels bei uns dauerhaft zu erhalten. Da waren die – 2 – verschiedenen Belange, Anforderungen an den Wald angemessen ausgewogen zu berücksichti- gen. Seit einigen Jahren sind wir – Sie wissen das – zunehmend mit massiven Trockenschäden, mit Krankheiten und Schädlingen an unseren Waldbäumen, aber natürlich auch an andern Stadtbäumen konfrontiert. Aktuell ist die Lage etwas entspannt durch den Regen, den wir jetzt hatten. Aber dennoch, der Klimawandel und die neuartigen Waldschäden bleiben natürlich ein Thema, das uns dauerhaft und auch ganz intensiv beschäftigen wird. Bei dem jetzt vorliegenden Konzept zur Klimaanpassung bleibt die naturgemäße Waldwirtschaft ein ganz wichtiger Grundpfeiler der Bewirtschaftung. Es werden maximal 20 % nichtheimische Baumarten zugelassen. Das entspricht in etwa dem heutigen Anteil, denn der Anteil an nicht- heimischen Baumarten wurde in den letzten Jahren stetig reduziert. Das entspricht auch den gängigen Standards für den Wald, PEFC und FSC. Insofern sind diese 20 % eine Größenordnung, mit der man ganz gut arbeiten kann. Der Anteil an nichtheimischen Baumarten soll also auf die- sem relativ niedrigen Niveau maximal gehalten werden. Insgesamt geht es darum, durch eine hohe Baumartenvielfalt die Klimastabilität unserer Wälder zu stärken. Bei der Baumartenwahl wird auf bewerte, bisher schon am Waldaufbau beteiligte Arten gesetzt. Die Zusammensetzung der Bestände wird sich aber sukzessive verschieben, hin zu klimaresistenten Arten. Da spielt zum Beispiel die Traubeneiche eine ganz wichtige Rolle, denn die kommt besser mit den klima- tischen Verhältnissen zurecht als die Buche. Es wird auch trockenresistente andere Baumarten geben, die heute eher eine geringere Rolle spielen wie Hainbuche oder Elsbeere, die dann zu- künftig auch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Auch der Naturschutz bleibt ein ganz wichtiges Ziel in unserem Stadtwald. Die Weiterentwick- lung von Waldbiotopflächen ist vorgesehen oder auch die weitere Umsetzung unseres Alt- und Totholzkonzepts, an dem festgehalten wird. Bei der Verjüngung setzen wir weiter vor allem auf die Naturverjüngung, wo immer dies möglich ist. Sie wird weiter die zentrale Rolle spielen. Wo nötig, kommen dann ergänzende Pflanzungen hinzu. Dem Ihnen heute vorliegenden Konzept ging – Sie wissen es – ein längerer Abstimmungspro- zess voraus. Corona-bedingt waren manche Treffen nicht möglich. Deswegen ist auch manches schriftlich erfolgt. Aber es waren die Umweltverbände miteinbezogen. Es war die Naturschutz- verwaltung einbezogen. Es waren Experten und Expertinnen zum Thema Wald miteinbezogen und konnten ihre Vorstellungen einbringen. Da gibt es – auch das ist in der Vorlage dargestellt – durchaus divergierende Interessen. Deswegen konnte auch nicht alles in vollem Umfang in die- sem Konzept berücksichtigt werden. Aber unser Anspruch ist, vor allem die Funktionsanforde- rung jeweils ausgewogen zu berücksichtigen. Ich denke, diesen Anforderungen wird das Kon- zept sehr gut gerecht. Der Prozess des klimagerechten Waldumbaus ist ein langfristiger, ist auf Dauer angelegt. Das Konzept zeigt die Zielrichtung für die Klimaanpassung aus heutiger Perspektive auf. Das heißt aber auch, wir werden dieses Konzept immer anpassen müssen, je nachdem, wie sich das Klima entwickelt und je nachdem, welche Erfahrungen wir im Wald mit diesem Konzept sammeln. Es wird eine ständige Evaluation geben. Das Konzept wird auch entsprechend angepasst werden. Ich möchte mich ganz herzlich bedanken beim Forstamt, bei Ihnen, Herrn Kienzler, und Ihrem Team. Sie haben mit ganz viel Engagement, mit Expertise, auch mit Dialogbereitschaft ein wirk- lich gutes Konzept auf den Weg gebracht. Ich denke, wir kommen damit mit der Klimaanpas- sung unserer Stadt einen guten Schritt voran. Ganz herzlichen Dank. – 3 – Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wie Frau Bürgermeisterin Lisbach gesagt hat, sind unsere Wäl- der tatsächlich das wichtigste Ökosystem in unserer Stadt und auch der wichtigste Bereich für die Naherholung. Die Biodiversität, die Vielfalt ist in unserem Wald jetzt schon besonders stark ausgeprägt. Wir sind in den vergangenen Jahren schon auf einem guten Weg gewesen, den Wald klimagerecht weiterzuentwickeln. Ich möchte mich auch sehr herzlich bei Forstamtsleiter Kienzler und dem Team bedanken. Wir begrüßen das Konzept der Klimaanpassung des Stadtwalds und sehen die Chancen, dass wir mit diesen Möglichkeiten, mit diesen Zielen, die formuliert werden, es schaffen, den Wald so zu erhalten. Man muss aber dazu sagen, der menschengemachte Klimawandel setzt dem Wald derart massiv zu, dass die großen Sorgen, wie es mit dem Wald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergehen kann, wirklich sehr berechtigt sind. Das Wichtigste ist natürlich die Stärkung der Biodiversität. Deshalb setzen wir uns auch, wie die Umweltverbände das im Um- weltausschuss schon formuliert haben, dafür ein, dass auf die Neupflanzung von nichtheimi- schen Baumarten verzichtet wird, beziehungsweise, wo immer möglich noch weiter verringert wird. Das ist eine Bitte, die wir jetzt noch für die Weiterentwicklung des Konzeptes miteinbrin- gen möchten. Das Zweite ist, das wird teilweise schon praktiziert, dass der Holzeinschlag verringert wird, zu- mal sehr viele Bäume, die abgestorben und schwer geschädigt sind, gefällt werden müssen. Aber wir möchten auch, dass geprüft wird, inwieweit diese wirtschaftliche Nutzung noch weiter reduziert werden kann. Denn sehr wichtig ist ein geschlossenes Kronendach für die Bäume, damit der Boden nicht austrocknet. Das ist insbesondere im Hardtwald extrem wichtig, und dass damit auch die Neophyten eingedämmt werden können. Schließlich, Frau Bürgermeisterin hat es schon gesagt, die natürliche Naturverjüngung. Diese Bäume sind stabiler, sind robuster gegenüber den Neupflanzungen. Auch hier bitten wir darum, dass überall da, wo es möglich ist, die Chancen genutzt werden. Wir möchten uns sehr herzlich noch einmal bei Forstamtsleiter Kienzler bedanken. Viele Maßnahmen unterstützen wir. Pferde werden vermehrt eingesetzt. Es werden auch kleinere Maschinen angeschafft, um die schwe- ren Maschinen nicht dauerhaft zu nutzen, und dass die Biodiversität mit Nebenbaumpflanzen und Pionierbaumarten verstärkt wird, auch das findet unsere Zustimmung. Insofern vielen herz- lichen Dank. Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Die Karlsruher lieben ihren Wald, und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Aber gerade in den Wochen unserer aktuellen Krise hat sich gezeigt, wie wichtig unser Wald für unsere Bürgerinnen und Bürger ist als Naherholungsgebiet. Die Men- schen haben dort Ruhe und Ausgleich gesucht, aber auch die Möglichkeit, sich bewegen zu können, was an anderer Stelle nicht möglich war. Viele Familien mit Kindern haben diese Mög- lichkeiten genutzt. Leider haben die Wetterextreme der letzten Jahre unserem Wald schwer zugesetzt. Es ist be- kannt, die extreme Trockenheit, zu geringer Niederschlag, starke Stürme haben doch sehr gro- ße Schäden angerichtet. Schäden, die man beim Gang durch den Wald auch mit dem bloßen Auge erkennen kann. Hinzu kommt die Belastung durch die Schädlinge. Der Borkenkäfer ist in aller Munde, richtet große Schäden an. Deswegen ist es folgerichtig, dass wir uns heute mit dem Konzept der Waldanpassung an den Klimawandel beschäftigen. Unsere Fachleute aus dem Forst, unter der Leitung von Herrn Kienzler, haben dieses Konzept erstellt, haben ihre Erfahrun- – 4 – gen aus der täglichen Arbeit einfließen lassen, ebenso wie wissenschaftliche Erkenntnisse und auch Forschungsergebnisse. Die CDU-Fraktion trägt dieses Konzept voll und ganz, wie es uns vorgelegt wurde, mit. Nationa- listische Scheuklappen wie die GRÜNE-Fraktion haben wir nicht. Denn wieso sollten wir die An- zahl nichtheimischer Baumarten reduzieren, wenn wir diese doch heute schon in unserem Wald haben? Nichtheimische Baumarten, wie die Roteiche oder die Douglasie, gehören zu unserem Wald dazu, und das schon seit über 100 Jahren. Die vorgeschlagenen 20 % im Konzept entspre- chen somit dem aktuellen Status Quo. Durch diesen Anteil entstehen auch keine signifikanten ökologischen Nachteile. Die GRÜNEN gehen auf die Bewirtschaftung ein. Hier sehen wir ebenso, dass die Bewirtschaftung unseres Waldes sich nicht nur auf das Schad- und das Sturmholz be- ziehen kann. Denn wir brauchen die Bewirtschaftung des Waldes, um den Wald in dem Zustand zu erhalten, wie er für unsere Naherholung da ist. Das hat natürlich finanzielle Gründe, um die- sen hohen Naherholungswert zu erhalten. Wir stimmen somit dem vorliegenden Konzept zu. Den Ergänzungsantrag der GRÜNEN lehnen wir ab. Ich möchte im Namen meiner Fraktion Herrn Kienzler und seinem Team ganz herzlich danken für die tägliche Arbeit für und in unserem Wald und für die Erarbeitung dieses Konzep- tes. Stadtrat Huber (SPD): Ich sage es jetzt zum dritten Mal, aber ich möchte es trotzdem sagen. Zu Karlsruhe gehört der Wald. Das ist wichtig. Schon allein historisch gesehen, ist der Wald ein Teil, der nicht wegzudenken ist in unserer Stadt. Umso schmerzlicher ist es zu sehen, was in den letzten beiden Jahren passiert ist in den trockenen Sommern. Mir geht es auch so, dass ich mich mittlerweile fast schon freue, wenn es nach langer Trockenzeit wieder regnet, weil ich natürlich weiß, welche Schwierigkeiten wir in den letzten Jahren hatten. Ich spreche im Prinzip über fast dieselben Dinge, wie meine Vorredner auch. Ich möchte aber einen Aspekt noch bei dem Dank an die Verwaltung anhängen und auf die Geschwindigkeit hinweisen, die bei der Bearbeitung dieses Konzepts an den Tag gelegt wurde. Letztes Jahr im September haben wir darüber gesprochen. Heute liegt das Konzept auf. Dazwischen lag noch Corona. Es ist wirklich bemerkenswert und deswegen auch ein ganz besonderer Dank an all die, die beteiligt waren. Das betrifft nicht nur die Stadtverwaltung, sondern vor allem auch die Um- weltverbände, die aktiv mitbeteiligt waren. Vielleicht noch zum Schluss ein paar Worte zum Ergänzungsantrag, der leider kurzfristig kam und deswegen vielleicht auch die eine oder andere genaue Prüfung nicht vorlag. Ich denke, dass wir vielen Punkten davon folgen können, auch ohne das jetzt noch einmal im Detail zu be- sprechen. Ich sehe aber beim Holzeinschlag auch den Grund, dass man noch einmal darüber diskutieren könnte. Wir sehen es übrigens mit den Pflanzenarten aus den anderen Ländern nicht als nationalistisch - ich bin fast erschrocken, als ich den Begriff gehört habe -, sondern wir sehen es bei den Experten ganz richtig, die uns sagen, welche Auswirkung das auf unsere Bio- diversität vor Ort hat, wenn wir hier fremde Arten einbringen. Da sind wir sicherlich auch auf der Seite der GRÜNEN. Aber gerade noch einmal wegen dem Holzeinschlag ist das etwas, was man vielleicht noch einmal im Ausschuss besprechen kann. Aber das ändert am Grundkonzept nicht allzu viel. – 5 – Stadtrat Hock (FDP): Man muss eines sehen zum Thema Stadtwald, unserem Wald, wir haben alle zusammen ein Ziel, dass wir der nächsten Generation einen Wald übergeben, der noch ein Wald ist. In der Corona-Zeit gehen viele von uns viel öfter in den Wald und kommen dann her- aus und sagen, komisch, so viele abgestorbene Bäume. Das hört man immer öfter in der Bevöl- kerung. Dann muss man sich schon die Frage stellen, wie reagieren wir als Stadtverwaltung, als Forstamt auf solche Dinge, die jetzt da sind und mit denen wir umgehen müssen die nächsten Jahre, Jahrzehnte. Wenn man die Augen verschließt vor Sonneneinstrahlungen im Sommer, die die letzten drei Jahre da waren, dann wird man irgendwann feststellen, dass der Wald, wie er jetzt noch in Teilen aussieht, nicht mehr der Wald sein kann für die nächsten Jahre und Jahr- zehnte. Deshalb müssen wir darauf reagieren. Das, was Kollegin Rastätter sagt, dass man jetzt auch noch diese 20 % der nichtheimischen Baumarten verringern soll, ist das Gegenteil von dem, was eigentlich das Ziel sein muss. Wir brauchen ein Wald, Sie haben es selber gesagt, mit einem großflächigen Walddach. Das werden Sie aber nur mit Bäumen erreichen, die auch so groß werden können. Wenn Sie sagen, dass Sie das alles anders sehen und dass Sie 20 % noch verringern wollen, dann sage ich Ihnen heute schon voraus, dass Sie dieses Ziel niemals erreichen können mit Ihrem tollen Wald, den Sie uns vorhin vorgestellt und angepriesen haben. In Ihrem Ergänzungsantrag unter Punkt 2 habe ich mich schon gewundert, dass der Holzein- schlag künftig zu reduzieren wäre und man solle sich auf abgestorbene und schwer geschädigte Bäume konzentrieren. Wie ist es jetzt? Sie sollten irgendwann einmal sagen, was Sie haben möchten. Die ganzen Jahre haben Sie uns gesagt, dass wir die Bäume dort liegenlassen sollen. Es ist alles toll und wunderbar. Jetzt wollen Sie die in die Vermarktung bringen. Irgendwann sollten Sie sich einmal auf eine Linie festlegen und wissen, was Sie wollen. Im Moment wissen Sie das nämlich nicht. Sie sehen in der Synopse Gegensätzlichkeiten zu den Umweltverbänden. Ich hoffe, dass wir das auflösen können. Ich bin überzeugt, dass die Fachleute vom Forstamt die Richtung richtig vorgeben. Frau Bürgermeisterin, ich kann Sie nur dabei unterstützen. Bleiben Sie bei der Linie. Unterstützen Sie das Forstamt und gehen Sie nicht auf das ein, was hier gefor- dert wird. Denn dann liegen Sie falsch. Stadtrat Haug (KAL/Die PARTEI): Nachdem 2018 die Forsteinrichtung als Grundlage für die Entwicklung unseres Waldes für die nächsten 10 Jahre verabschiedet wurde, liegt nun ergän- zend dazu das Konzept zur Klimaanpassung des Stadtwaldes vor. Dass diese Erarbeitung drin- gend erforderlich war, zeigen nicht zuletzt die trockenen Jahre 2018 und 2019. Die Schäden, die diese beiden Jahre hinterlassen haben, sind nicht zu übersehen. Dem soll das vorliegende Kon- zept zur Klimaanpassung des Stadtwaldes begegnen. Das Konzept ist gut und findet unsere vol- le Zustimmung. Vielen Dank an Herrn Kienzler und sein Team dafür. Insbesondere gefällt uns die Schwerpunktsetzung auf die Schutz- und Erholungsfunktion des Stadtwaldes. Denn die Menschen lieben diesen Wald und genießen vor allem an heißen Sommertagen die erfrischen- de Kühle in unserem Stadtwald. Selbstverständlich muss das Personal für die Betreuung des Stadtwaldes gehalten und wenn nötig verstärkt werden, um die Aufgaben im Rahmen eines Klimawandels stemmen zu können. Stadtrat Schnell (AfD): Den Dankesworten von Frau Bürgermeisterin Lisbach schließt sich die AfD-Fraktion an. Wir begrüßen das vorgelegte Konzept zur Klimaanpassung für den Stadtwald. Insbesondere halten wir es für wichtig, dass zur Sicherung des Waldbestandes auch nichtstan- – 6 – dardheimische, wohlgemerkt nichtinvasive Baumarten, die mit veränderten Klimabedingungen besonders gut zurechtkommen, berücksichtigt werden. Deren 20 % sehen wir sogar eher als notwendiges Minimum an. Denn dies verbessert die Klimastabilität des Stadtwaldes dauerhaft. Die Kritik daran von denjenigen, die sonst keine Skrupel haben, invasive Zuwanderungen in an- deren Bereichen zu bejubeln, können wir nicht nachvollziehen. (Unruhe) Den Ergänzungsantrag der GRÜNEN lehnen wir daher ab. Uns ist eine Libanonzeder im Stadt- wald, die auch mit heißen, trockenen Sommern gut zurechtkommt, definitiv lieber, als ein liba- nesischer Kriminellenclan in der Stadt. Stadtrat Kalmbach (FW|FÜR): Die Aufgabe ist in der Tat gigantisch. Die Aufgabe ist genauso gigantisch, aus so vielen Meinungen ein Konzept zu schmieden, das tatsächlich tragfähig ist. Die einen wollen, dass sich der Wald sich völlig selber überlässt. Die anderen wollen keine Nadel- bäume mehr. Und die dritten wollen keine nichtheimischen oder nur noch einen gewissen Pro- zentsatz nichtheimischer Baumarten. Es gibt noch viele weitere Facetten. Dieses Wunder, dass wir ein Konzept haben, über das wir uns einigen können, finde ich feiernswert. Ich finde es großartig, dass wir hier zusammenkommen. Gleichzeitig möchte ich ein paar Bemerkungen ma- chen zu den GRÜNEN. Prüfen sollte man das auf jeden Fall. Einen Prüfauftrag können wir an- nehmen. Aber ich glaube, die Nutzung des Waldes ist nicht böse. Die Nutzung des Waldes ist sogar wichtig, damit der Wald sich auf natürliche Weise verjüngt und immer wieder nach- wächst. Man kann den Wald nicht nur sich selbst überlassen. Aus diesem Grund ist eine Bewirt- schaftung des Waldes in einem gewissen Rahmen wichtig. Genauso möchten wir noch einmal betonen, dass das Forstamt sagt, dass nur nichtinvasive Baumarten in Frage kommen. Nichtinvasiv heißt, die nehmen den anderen nicht den Raum weg. Aus dem Grund hätte ich keine Ängste, dass man die 20 % überschreitet, wenn es denn nötig wäre. Es kann in der Tat im Laufe der Zeit sein, dass der Klimawandel uns so zu schaffen macht, dass manche heimische Baumart nicht mehr haltbar ist. Dann brauchen wir nichtheimi- sche. Deswegen sind 20 % für uns nicht das letzte Wort, sondern wir müssen flexibel bleiben. Deswegen, flexibel, prozessartig das Ganze betrachten, dann ist es eine wunderbare Sache. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich mache es ganz kurz. Es wurde schon viel Richtiges gesagt, auch manches Unrichtige oder Falsches. Aber ich möchte es nicht wiederholen. Deshalb: Wir stimmen der Vorlage der Stadtverwaltung zu, weil wir die für sinnvoll erachten. Wir werden auch den Prüfauftrag der GRÜNEN unterstützen. Der Vorsitzende: Zum Ergänzungsantrag der GRÜNEN schlage ich Ihnen vor, dass wir schriftlich zu den drei Prüfaufträgen Stellung nehmen. Sollte es dann zu Veränderungen in der ursprüngli- chen Konzeption kommen, müssten die noch einmal die Gremien passieren. Bürgermeisterin Lisbach: Eigentlich ging schon eine Antwort raus. Es wundert mich, dass die jetzt noch nicht auf dem Tisch liegt. Wir haben die Prüfaufträge zugesagt. Wir werden dann im Ausschuss noch einmal berichten. Man kann natürlich über die eine oder andere Frage sicher noch einmal sprechen und das eine oder andere prüfen. Das haben wir schon so zugesagt in der Antwort. Es tut mir Leid, dass die nicht auf dem Tisch liegt. Das war mir nicht klar, sonst hätte ich vorhin schon Stellung genommen. – 7 – Der Vorsitzende: Dann würden wir heute Vorlage und Ergänzungsfragen trennen. Die Ergän- zungsfragen werden noch einmal im Ausschuss aufgerufen. Dann können wir heute nur die Be- schlussvorlage zur Abstimmung stellen. Die Antragsteller sind einverstanden. Dann stelle ich jetzt die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zur Abstimmung und bitte um das Votum. – Vie- len herzlichen Dank, Einstimmigkeit bei einem so emotionalen und auch durchaus verschieden perspektivisch angegangenen Thema, ist für unser Forstamt ein super Rückenwind. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 27. Juli 2020