Antrag für die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der Drais-Gemeinschaftsschule
| Vorlage: | 2020/0578 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.05.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Schul- und Sportamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Mühlburg, Neureut, Rüppurr |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 30.06.2020
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0578 Dez. 3 Antrag für die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der Drais-Gemeinschaftsschule Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Schulbeirat 24.06.2020 1 X Gemeinderat 30.06.2020 5 X Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, auf Grundlage der durchgeführten regionalen Schulentwicklung die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais- GMS zum Schuljahr 2021/22 zu beantragen. . Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Ausgangslage Der Gemeinderat hat am 19. November 2019 nach Vorberatung im Schulbeirat am 15. November 2019 beschlossen, die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais- Gemeinschaftsschule (GMS) zum Schuljahr 2021/22 vorzubereiten und hat die Verwaltung beauftragt, die dafür erforderliche regionale Schulentwicklung durchzuführen. Im Rahmen der regionalen Schulentwicklung muss unter anderem vom Schulträger ein Gebiet, eine „Raumschaft“, auf das sich die regionale Schulentwicklung bezieht, benannt werden. Die Stadt Karlsruhe hat als Raumschaft das Stadtgebiet sowie die Gemeinden Eggenstein-Leopoldshafen und Weingarten festgelegt. Gründe hierfür sind, dass die Drais-GMS mit dem ÖPNV ohne Umsteigen direkt von Eggenstein-Leopoldshafen aus zu erreichen ist. Von Weingarten aus besteht ebenfalls eine gute Verbindung zur Drais-GMS. Die Bürgermeister beider Gemeinden haben keine Einwände erhoben. Die Schulleitungen der GMS in Eggenstein-Leopoldshafen und in Weingarten bewerten die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS positiv und sehen dies auch als Chance für die Entwicklung der eigenen Gemeinschaftsschule. Für die Schülerinnen und Schüler bietet sich die Chance, ihre Schullaufbahn an einer GMS mit dem Abitur erfolgreich abzuschließen. der Schulträger auch die privaten Träger von Schulen mit Sekundarstufe II beteiligen, die in der benannten Raumschaft liegen. Die insgesamt 12 tangierten Träger wurden angeschrieben und gebeten, sich zu äußern und gegebenenfalls Einwendungen zu erheben. Es wurden keine Einwände erhoben. Ziel der Stadt Karlsruhe ist es, realistische Schülerzahlen abzubilden, damit der Start und der weitere Ausbau der gymnasialen Oberstufe reibungslos erfolgen können. 2. Schülerzahlen – Allgemeines Grundlage der Berechnungen sind bei den GMS die Lernentwicklungsberichte aus dem ersten Halbjahr der Schülerinnen und Schüler, die bei Antragstellung in Klassenstufe 9 auf E- und M- Niveau lernen und somit zum Start der Oberstufe im SJ 2021/22 die 11. Klassen bilden. Bei den Realschulen (RS) werden die Schülerinnen und Schüler herangezogen, die bei Antragstellung in Klassenstufe 9 überwiegend auf M-Niveau lernen. Definitionen der Niveaustufen: E-Niveau = erweitertes Niveau (Gymnasialniveau) M-Niveau = mittleres Niveau (Realschulniveau) (G-Niveau = grundlegendes Niveau (Hauptschul-/Werkrealschulniveau) Ergänzende Erläuterungen Seite 3 - Antragstellung Vorgaben für die Berechnung der künftigen Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe. Tabelle 1 Standort-GMS, an der die Sekundarstufe II eingerichtet werden soll Anrechenbarer prozentualer Anteil Schülerschaft, die überwiegend auf E-Niveau lernt 85 – 95 % Schülerschaft, die überwiegend auf M-Niveau lernt 30 – 40 % Umliegende GMS, die keine gymnasiale Oberstufe haben Schülerschaft, die überwiegend auf E-Niveau lernt 60 – 80 % Schülerschaft, die überwiegend auf M-Niveau lernt 10 – 25 % Umliegende Realschulen Schülerschaft, die nach 2016 überwiegend auf M-Niveau lernt 5 – 15 % Prognosezahlen GMS Bei den GMS wurde bei der Berechnung - siehe Tabelle 1- immer der prozentuale Mittelwert angewendet. Tabelle 2 Für gymnasiale Oberstufe Klasse 9 (Halbjahr - SJ 19/20) Schülerzahl Standort der Oberstufe Drais-GMS - Gesamtschülerzahlen der 9. Klassen = 85 90 % aus E-Niveau von 13 Schüler*innen 35 % aus M-Niveau von 33 Schüler*innen 12 12 24 Umliegende GMS Anne-Frank-GMS - Gesamtschülerzahlen der 9. Klassen = 48 70 % aus E-Niveau von 3 Schüler*innen 17,5 % aus M-Niveau von 20 Schüler*innen 2 4 6 Augustenburg-GMS - Gesamtschülerzahlen der 9. Klassen = 38 70 % aus E-Niveau von 0 Schüler*innen 17,5 % aus M-Niveau von 17 Schüler*innen 0 3 3 Ernst-Reuter-GMS - Gesamtschülerzahlen der 9. Klassen = 52 70 % aus E-Niveau von 13 Schüler*innen 17,5 % aus M-Niveau von 9 Schüler*innen 9 2 Ergänzende Erläuterungen Seite 4 11 GMS Eggenstein - Gesamtschülerzahlen der 9. Klassen = 47 70 % aus E-Niveau von 6 Schüler*innen 17,5 % aus M-Niveau von 33 Schüler*innen 4 6 10 GMS Weingarten (Turmbergschule) - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 62 70 % aus E-Niveau von 0 Schüler*innen 17,5 % aus M-Niveau von 30 Schüler*innen 0 5 Gesamtschülerschaft aus den GMS 59 Prognosezahlen RS Bei den RS wurde bei der Berechnung - siehe Tabelle 1- zwischen zwei „Gruppen“ unterschieden, um möglichst realitätsnahe Prognosezahlen abbilden zu können. a) RS mit einem anrechenbaren Anteil von 10 %. Dieser Faktor wird als durchschnittlicher Wert bei den vier RS „Hebel-RS-, Nebenius-RS-, RS Neureut und Rennbuckel-RS“ angewendet. b) RS mit einem anrechenbaren Anteil von 5 %. Dieser Faktor wird bei den vier RS „Friedrich-Real-, RS Rüppurr, Sophie-Scholl-RS und Tulla-RS“ angewendet, da die Schülerschaft bei der Anfahrt mit dem ÖPNV auch an einem beruflichen Gymnasium vorbeikommt und dieses besuchen könnte. Tabelle 3 Für gymnasiale Oberstufe Klasse 9 (Halbjahr SJ - 19/20) Angerechneter Anteil 5 % Friedrich-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 84 5 % auf M-Niveau von 71 Schüler*innen 4 Realschule Rüppurr - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 59 5 % auf M-Niveau von 59 Schüler*innen 3 Sophie-Scholl-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 92 5 % auf M-Niveau von 75 Schüler*innen 4 Tulla-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 76 5 % auf M-Niveau von 59 Schüler*innen 3 Angerechneter Anteil 10 % Hebel-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 78 10 % auf M-Niveau von 74 Schüler*innen 7 Nebenius-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 77 10 % auf M-Niveau von 17 Schüler*innen 2 Realschule Neureut Ergänzende Erläuterungen Seite 5 - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 105 10 % auf M-Niveau von 98 Schüler*innen 10 Rennbuckel-Realschule - Gesamtschülerzahl der 9. Klassen = 61 10 % auf M-Niveau von 58 Schüler*innen 6 Gesamtschülerschaft der RS 39 + Gesamtschülerschaft der GMS 59 = Gesamtschülerschaft Oberstufe 98 – Schülerzahlenentwicklung Nach der Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS muss sichergestellt sein, dass auch in den Folgejahren eine stabile Schülerzahl erreicht wird. Die Entwicklung der potentiellen künftigen Schüler*innen für die gymnasiale Oberstufe an der Drais GMS wird nachstehend dargestellt. Dabei wurde ein Berechnungsmodus zugrunde gelegt, der eine belastbare Aussage ermöglicht. Ein solcher Berechungsmodus ist erforderlich, da es in der Klassenstufe 5 noch keine Differenzierungen nach Niveaus gibt und somit keine entsprechenden Schülerzahlen vorliegen. Des Weiteren kann sich von Klassenstufe 7 bis 9 die jeweilige Niveaustufe noch ändern. Die Schülerzahlen der aktuellen Klassenstufe 9 sind die Grundlagenbasis - siehe Tabellen 2 und 3. Davon ausgehend wird die Differenz zu den Schülerzahlen der Klassenstufen 7 und 5 sowie den Neuanmeldungen (Stand 13. März 2020) in Prozent umgerechnet und abgebildet. Diese Prozentzahlen werden dann im Folgenden generell von den errechneten Gesamtübergangszahlen der aktuellen 9. Klassen der E- und M-Niveaus - siehe Tabelle 4 - abgezogen. Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Tabelle 4 Schularten 9. Klässler 7. Klässler 5. Klässler Neuanmeldungen 4 GMS in Karlsruhe 223 213 168 175 >> - 4,4 % >> - 24,6 % >> - 21,5 % Errechnete Zahl E- und M-Niveau SJ 21/22 Ermittelte Übergänge 7. Klässler SJ 23/24 Ermittelte Übergänge 5. Klässler SJ 25/26 Ermittelte Übergänge kommende 5. Klässler SJ 26/27 44 42 33 35 GMS Eggenstein 47 38 45 40 >> - 19,1 % >> -4,2 % >> - 14,8 % Errechnete Zahl E- und M-Niveau SJ 21/22 Ermittelte Übergänge 7. Klässler SJ 23/24 Ermittelte Übergänge 5. Klässler SJ 25/26 Ermittelte Übergänge kommende 5. Klässler SJ 26/27 10 8 10 9 GMS Weingarten 62 40 50 31 >> - 35,4 % >> - 19,3 % >> - 50,0 % Errechnete Zahl E- und M-Niveau SJ 21/22 Ermittelte Übergänge 7. Klässler SJ 23/24 Ermittelte Übergänge 5. Klässler SJ 25/26 Ermittelte Übergänge Kommende 5. Klässler SJ 26/27 5 3 4 2 8 RS in Karlsruhe 623 531 448 446 >> - 14,7 % >> - 28,0 % >> - 28,4 % Errechnete Zahl E- und M-Niveau SJ 21/22 Ermittelte Übergänge 7. Klässler SJ 23/24 Ermittelte Übergänge 5. Klässler SJ 25/26 Ermittelte Übergänge kommende 5. Klässler SJ 26/27 39 33 28 28 Ergänzende Erläuterungen Seite 7 Gesamtschülerzahlen 98 86 75 74 3. Fazit Die Schülerzahlen, die auf E- und M-Niveau (Halbjahresbeurteilungen der jetzigen 9. Klassen) bei den GMS und auf M-Niveau bei den RS unterrichtet werden - siehe Tabellen 2 und 3 -, bilden ein solides Fundament, um den Einrichtungsantrag für eine gymnasiale Oberstufe zum Schuljahr 2021/22 zu stellen. Die vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg genannte langfristige Schülerzahlenprognose für die Klassenstufe 11 liegt bei 60 Schülerinnen und Schülern. Mit 98 Schülerinnen und Schülern zum Start des Schuljahrs 2021/22 wird der Mindestwert von 60 deutlich übertroffen. Die ermittelten Zahlen der potentiellen Schülerinnen und Schüler in den kommenden Schuljahren zeigen - siehe Tabelle 4 -, dass die beantragte Dreizügigkeit dauerhaft Bestand haben kann. Am Beispiel der Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2020/21 die fünften Klassen besuchen, zeigt die Berechnung, dass im Schuljahr 2026/27 75 dieser Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe II besuchen. Die Mindestschülerzahl von 60 ist somit stabil erfüllt. Neben den beiden in die Raumschaft aufgenommen GMS aus Eggenstein-Leopoldshafen und aus Weingarten könnten auch die beiden GMS in Karlsbad und in Malsch grundsätzlich zum erweiterten Einzugsgebiet gerechnet werden, da die Erreichbarkeit der Drais-GMS in einem zumutbaren Rahmen liegt. Diese beiden GMS wurden aber nicht berücksichtigt, um eine realistische Annäherung an die künftigen Zahlen zu erreichen. In der Realität könnten somit einerseits die Schülerzahlen durch die nicht berücksichtigten GMS ansteigen. Andererseits werden einige Schüler*innen der berücksichtigten GMS aber eine andere Schulart besuchen, so dass im Endeffekt die berechneten Schülerzahlen sehr wahrscheinlich in dem dargelegten Rahmen liegen werden. Durch unterschiedliche prozentuale Gewichtung der Schülerzahlen der Realschulen ist auch bei dieser Schulart von realistischen Zahlen auszugehen. Bei den aktuellen Anmeldungen zum kommenden Schuljahr ist zu beachten, dass sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht alle in Frage kommenden Schülerinnen und Schüler bei einer weiterführenden Schule angemeldet haben, so dass die aktuellen Anmeldezahlen noch ansteigen könnten. Die Schulleitungen der vier GMS in Karlsruhe sehen es als vordringlich an, möglichst schnell eine gymnasiale Oberstufe einzurichten. Dies bringt den Eltern die Sicherheit, dass ihre Kinder diese Schulart bis zum Abitur durchgehend besuchen und auf Grundlage des Konzepts der GMS lernen können. Den Wunsch nach dieser Sicherheit formulierten bereits die Eltern im Rahmen des Elternforums „Gymnasiale Oberstufe an einer GMS“ im März 2018. Mit Einführung der Oberstufe wird den Wünschen Rechnung getragen. Die Schulleitungen der in die Raumschaft aufgenommenen GMS sehen die Installierung einer Oberstufe in Karlsruhe als positives Signal für ihre Schüler- und Elternschaft. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Ergänzende Erläuterungen Seite 8 Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, auf Grundlage der durchgeführten regionalen Schulentwicklung die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais- GMS zum Schuljahr 2021/22 zu beantragen.
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Extrahierter Text
Niederschrift 11. Plenarsitzung des Gemeinderates 30. Juni 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 7. Punkt 5 der Tagesordnung: Antrag auf Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der Drais- Gemeinschaftsschule Vorlage: 2020/0578 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, auf Grundlage der durchgeführ- ten regionalen Schulentwicklung die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS zum Schuljahr 2021/22 zu beantragen. Abstimmungsergebnis: Mit 33 Ja-Stimmen mehrheitlich zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 5 zur Behandlung auf und verweist auf die Vorbera- tung im Schulbeirat. Bürgermeister Lenz: Im März 2018 sind wir gestartet, wie so oft üblich, aber das macht nicht nur mein Dezernat, lieber Kollege Dr. Käuflein, sondern Beteiligung ist ein Markenzeichen unse- rer Stadtpolitik insgesamt. Im März 2018 haben wir ein Elternforum stattfinden lassen. Die Fra- ge, die wir damals erörtert haben, hieß: Die Gemeinschaftsschule auf dem Weg zur Oberstufe? Genau diese Frage, verehrte Damen und Herren, können Sie heute mit ja beantworten, wenn Sie der Beschlussvorlage der Verwaltung folgen, einen Antrag in Stuttgart beim Kultusministeri- um zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe zu stellen. Ich sage Ihnen noch einmal die vier Argumente, die Gründe. Wir haben es im Schulbeirat nicht nur einmal diskutiert. Aber mit der heutigen Vorlage haben Sie auch die belastbaren Daten. 1. Die vier – das halte ich für sehr wichtig – Gemeinschaftsschulen wünschen sich alle diese Einführung, und zwar nicht nur die Rektorinnen und Rektoren, sondern die jeweiligen Schulgemeinschaften. – 2 – 2. Ausgangslage war unser Elternforum, also die Schülerinnen und Schüler. Die Eltern möch- ten es. 3. Wir konnten – Sie haben es mitbekommen – die baulichen Voraussetzungen an der Drais- Gemeinschaftsschule schaffen. 4. Das Allerwichtigste, die objektive Bedarfsprüfung hat realistische Schülerzahlen abgebildet, so dass der Antragstellung heute nichts entgegensteht. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wir GRÜNE freuen uns sehr, dass dieser Antrag vorliegt, dass beim Land nun die Genehmigung für die gymnasiale Oberstufe an der Drais-Schule bean- tragt werden soll. Für mich persönlich ist es noch eine ganz besondere Freude, da ich mich frü- her in meiner Landtagszeit 15 Jahre lang auch für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen engagiert habe. Die letzten 5 Jahre sogar noch mit einem Tandempartner, nämlich mit Ober- bürgermeister Dr. Frank Mentrup, der damals der bildungspolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion war. Wenn wir heute diesen Beschluss fassen über die Einführung der Oberstufe an der Drais- Gemeinschaftsschule, dann ist das eine Frage von Recht, von Gerechtigkeit und von Vertrauen. Recht, weil die Möglichkeit im Schulgesetz verankert ist, wenn die Voraussetzungen bestehen, dass dann eine Kommune einen Antrag auf Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe stellen kann. Gerechtigkeit, weil die Schüler und Schülerinnen an der Gemeinschaftsschule einen An- spruch darauf haben, dass sie an der Schule, an der sie gelernt und ein gymnasiales Niveau er- langt haben, am Ende auch das Abitur erwerben können. Und es ist eine Frage des Vertrauens, wenn die Eltern bei der Einschulung ihrer Kinder davon ausgehen können, wenn ihre Kinder auf gymnasialem Niveau gelernt haben, dass sie dann auch später die Möglichkeit haben werden, an einer Gemeinschaftsschule das Abitur zu machen. Klar ist natürlich, nicht unbedingt an ihrer eigenen Gemeinschaftsschule, aber an einer Gemeinschaftsschule in zumutbarer Entfernung. Das ist nun hier in Karlsruhe der Fall. Wir haben die Situation, dass wir nicht nur vier Gemein- schaftsschulen haben, sondern zwei sind auch noch in der regionalen Schulentwicklung mitbe- rücksichtigt. Wenn man sieht, dass auch noch in Langensteinbach und in Malsch Gemein- schaftsschulen bestehen, die auch noch in zumutbarer Entfernung liegen, dann ist es für alle diese acht Schulen eine wunderbare Entscheidung, dass die Schüler und Schülerinnen, die auf gymnasialem Niveau lernen, dann auch später an einer Gemeinschaftsschule das Abitur ma- chen können. Die Eltern sind sehr zufrieden mit der Gemeinschaftsschule. Die machen gute Arbeit. Die Lehr- kräfte an der Gemeinschaftsschule, die gymnasialen Lehrkräfte, haben dann auch die Möglich- keit, an der Oberstufe zu unterrichten. Das heißt also, für sie ist es auch noch einmal eine be- sonders ideale Situation. Schließlich, zum Schluss, es ist so, dass auch die gymnasiale Oberstufe ein wichtiges Angebot für die Stadt Karlsruhe ist. Die Stadt Karlsruhe profitiert davon, wenn wir alle Schularten mit allen Möglichkeiten anbieten. Dazu gehört auch eine Gemeinschaftsschule mit einer Oberstufe. Stadtrat Hofmann (CDU): Meiner Ansicht nach geht es nicht um Recht und Vertrauen, Frau Rastätter, sondern bei Bildung geht es auch um sinnvoll und zielführend. Das ist für mich viel – 3 – wichtiger. Warum muss jemand an einer Schule, an der er dann als weiterführende Schule ein- geschult wurde, seinen Abschluss machen? Einmal sagen Sie es so, aber andererseits sollen die aus Malsch oder aus Eggenstein dann auf diese Schule wechseln. Da geht es nicht um Recht und Vertrauen. Sie wissen es selbst. Es geht einfach um die Ideologie. Die Schule muss weiter ge- stärkt werden. Die Anmeldezahlen sind weiter am Sinken. Davon verspricht man sich jetzt, dass die Anmeldezahlen entsprechend wieder steigen. Das ist so. Man muss es anerkennen oder man muss es einfach nicht so wollen. Das ist der Punkt. Ich will gar nicht anfangen, über den Sinn oder die Einführung einer Gemeinschaftsschule zu reden. Die Schulart hat sich auf eine gewisse Art und Weise bewährt. Es geht um die Einführung einer gymnasialen Oberstufe, die mit Sicherheit irgendwo sinnvoll sein kann, aber nicht muss. Viel wichtiger ist es, dass die gymnasiale Oberstufe durchaus auch jetzt schon mit unserer Durchlässigkeit, mit dem Schulsystem, das es bisher gibt, für jeden erreichbar ist. Es ist nicht mehr so, wie vor 40 oder 50 Jahren, dass dies nicht machbar war. Wir haben ein Schulsystem, in dem es jedem ermöglicht wird, bereits jetzt ein Abitur zu machen. Ich glaube, das muss man auch bei so etwas berücksichtigen. Wir haben gerade auch ganz andere Probleme. Wenn uns Corona nicht gezeigt hat, dass wir Probleme im Bildungssystem haben, dann liegt es sicherlich nicht daran, dass wir jetzt eine gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule einführen müssen. Zu den Zahlen. Sie haben gesagt, es sind belastbare Zahlen. Die sind es nicht. Es wurde einfach alles zusammengezählt, von Malsch bis Eggenstein, bis Realschulniveau, nur um auf diese Zah- len zu kommen. Die bisherigen gymnasialen Oberstufen in Konstanz haben nur 50 Schüler ge- habt bei der Einschulung. In Tübingen waren es nur 35. Die 60 wurden nicht gereicht. Ich habe Ihnen angeboten zu sagen, wir stimmen dieser Einführung zu, dass wir aber, wenn wir die 60 nicht erreichen, sie auch nicht einführen. Dies wird aber nicht so sein. Leider wird es nicht so sein. Das Problem ist einfach, dass Sie durchaus jetzt mit dieser gymnasialen Oberstufe versu- chen, das weiter zu stärken. Ich glaube, wir sind hier völlig auf dem falschen Weg. Es geht nicht darum, jedem zu ermöglichen, ein Abitur zu machen. Irgendwo müssen wir auch versuchen, den Schülern zu ermöglichen, ihren Weg jeweils zu finden, und zwar ihren individuellen Weg zu finden. Ich kann im Sport auch nicht jeden zum Weltmeister machen. Das funktioniert nicht. Ich gebe jedem seinen Weg, wie er den braucht. Das ist mit dem bisherigen Schulsystem auch ent- sprechend machbar. Deswegen brauchen wir dies nicht. Stadträtin Uysal (SPD): Auch wir freuen uns heute, dass dieser Antrag auf Einrichtung der gym- nasialen Oberstufe an der Drais-Gemeinschaftsschule vor uns liegt. Wir freuen uns deshalb, weil dieser Antrag genau dem Konzept der Gemeinschaftsschule gerecht wird, nämlich, für alle Schüler und Schülerinnen alle Schulabschlüsse anzubieten. Lieber Herr Hofmann, ich wüsste nicht, wie man den Eltern und den Kindern, die an der Ge- meinschaftsschule sind, vermitteln soll, wenn alle Kriterien erfüllt sind, zu sagen, wir richten doch nicht die gymnasiale Oberstufe ein, obwohl es im Schulgesetz steht. Diese Beschlussvorla- ge zeigt uns, dass die Kriterien erfüllt sind. Deshalb werden wir zustimmen, dass die gymnasiale Oberstufe endlich auch bei uns vor Ort eingerichtet wird. Wir finden es etwas schade, dass die einzelnen Schulleitungen gegeneinander ausgespielt werden. Wir wissen, dass wir berufliche Gymnasien haben, die leisten eine tolle Arbeit, die machen vor Ort eine tolle Arbeit. Aber ge- nauso ist es wichtig, dass wir eine gymnasiale Oberstufe hier vor Ort haben. Denn das wird dem Elternwunsch, dem Schülerwunsch, aber auch den Lehrern, die normalerweise Gymnasiallehrer – 4 – sind, gerecht. Das wollen wir. Wir freuen uns, dass wir vor Ort ein breites und ein vielfältiges Angebot haben werden. Denn das ist auch ein Beweis, dass die Schullandschaft lebt und auch vielfältig ist. Deshalb: Die Kriterien liegen vor. Es gibt keinen Grund, dagegen zu sein. Volle Zustimmung! Stadtrat Jooß (FDP): Heute, und nicht nur heute, will der Großteil der Eltern für ihre Kinder das Abitur, um die Berufschancen für ihre Kinder zu verbessern. Das ist zu unterstützten und zu akzeptieren. Dass der Weg aber über die Gemeinschaftsschule gehen muss, sehen wir sehr kri- tisch. Die Anmeldezahlen machen das sehr deutlich. Zu Bedenken gibt uns, dass man so viele Schulen zusammentrommeln muss, um die geforderten Schülerzahlen zu erreichen. Das spricht nicht gerade für eine große und klare Akzeptanz in der Bevölkerung. Wir haben jetzt schon ein sehr differenziertes und durchlässiges Schulsystem, das jedem die Chance bietet, sich weiterzu- bilden und aufzusteigen. Es geht niemand verloren, auch ohne Abi. Es gibt viele Berufe, zum Beispiel Handel, Handwerk und Gewerbe, wo zwingend kein Abi erforderlich ist. Wir brauchen keine Abi-Wahn. Weil wir aber die Arbeit der Drais-Schule anerkennen und nicht zerstören wollen, stimmen wir heute trotz Bedenken der Vorlage zu. Stadtrat Schnell (AfD): Ich verdiene meine Brötchen seit über 25 Jahren mit Prognosen. Aus meiner Sicht sind die vorgelegten Prognosezahlen von den 98 Schülern als Potential für eine gymnasiale Oberstufe an der Drais-Schule viel zu optimistisch, ja geradezu an den Haaren her- beigezogen. Dies fängt bei den Annahmen zu Übergängen in die Oberstufe aus den Gemein- schaftsschulen selbst an. Hier werden je nach Lernniveau bis zu 95 % angesetzt, und wird auch bei Wechsel von bestehenden zum Teil auch weiter entfernt gelegenen Realschulen an die Oberstufe der Gemeinschaftsschule fortgeführt. Das ist völlig unrealistisch. Glauben Sie etwa im Ernst, dass auch nur ein Realschüler aus Neureut, der das Zeug für das Gymnasium hat, nach der 10. Klasse statt auf den Gymnasiumzweig des Neureuter Schulzentrums zu wechseln, künf- tig auf die Gemeinschaftsschule in Mühlburg geht? Dass die Prognosen völlig überholt sind, zeigt auch ein Blick in andere Städte. Der Kollege Hof- mann hat Tübingen genannt, 38 Anmeldungen. Die Prognose dort waren 70 Schüler für die Oberstufe an der Gemeinschaftsschule. In Konstanz war es nicht viel anders. In dem hier öfters in früheren Diskussionen genannten Wutöschingen sind es lediglich 45 Anmeldungen. Dort gibt es die Gemeinschaftsschule überhaupt nur deshalb, weil man der Gemeinde gedroht hat, die Werkrealschule zuzumachen, wenn aus der keine Gemeinschaftsschule wird. Der prognostizier- te Trend für Karlsruhe für künftige Jahre zeigt klar nach unten. Meine Damen und Herren, die gymnasiale Oberstufe an Gemeinschaftsschulen ist ein totes Pferd, von dem man absteigen sollte, statt partout zu versuchen, es zu reiten. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Der entscheidende Satz für mich bei dem Wortbeitrag des CDU-Vertreters, Herrn Hofmann, war: Nicht allen soll man das Abitur ermöglichen. Das ist eine Ideologie, die tragen wir nicht mit. Von daher ist es für uns klar, es gibt auch keinen Abi-Wahn, wie es die FDP postuliert. Wir sind froh, dass es die Gemeinschaftsschule gibt. Wir sind froh, dass es jetzt die gymnasiale Oberstufe gibt, mit der Möglichkeit, dort das Abitur zu machen. Von daher werden wir selbstverständlich dieser guten Vorlage heute zustimmen. – 5 – Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich muss auch sagen, ich bin froh, dass es heute diese Vorlage gibt, und dass wir endlich dieses Projekt auf den Weg bringen können. Ich möchte es deutlich sagen, eine gute Allgemeinbildung kann doch keinem Menschen schaden. Eine gute Allgemein- bildung ist die beste Voraussetzung für jede Art von weiterer Ausbildung und Beruf. Herr Jooß, ich freue mich deshalb, dass Sie und die FDP umgedacht haben, dass Sie tatsächlich dem Pro- jekt eine Chance geben. Ich habe nämlich manchmal das Gefühl, diese Gemeinschaftsschule soll einfach nur schlecht geredet werden, weil sie nicht ins Bild passt. Es passt nicht ins System. Ein System, das absolut leistungsbezogen, bereits in der Schule Kinder heranzieht, um sie nachher bestmöglich in dieser Verwertungsgesellschaft gebrauchen zu können. Ich finde, Schule soll das Lernen zum Leben ermöglichen. Da ist die Gemeinschaftsschule ein hervorragendes Modell. Ich kann Sie alle nur noch einmal bitten, schauen Sie sich an, wie Kinder in dieser Schule dazu er- muntert werden, selber aktiv zu werden, selber etwas in die Hand zu nehmen, sich selber etwas zu erarbeiten. All das sind Dinge, die braucht man nachher im Leben. Deshalb geht es nicht da- rum, Kindern ein Abitur aufzunötigen. Ich behaupte, gerade in diesen Gemeinschaftsschulen wird es einem Kind selber klar, ob es ein Abitur haben möchte, denn das ist die Voraussetzung, dass es auch funktionieren kann. Allein der Elternwille ist nicht das Entscheidende, sondern das, was das Kind will. Wenn das Kind im Laufe dieser Schule merkt, ich arbeiten lieber mit den Händen, dann ist das doch eine wunderbare Ausgangsbasis, um den richtigen Beruf zu finden. Deshalb setzen wir auf ein Schulmodell, das nicht nach dem Prinzip arbeitet, Auslesen, Aussor- tieren und das möglichst rasch, sondern tatsächlich die Kinder mitnimmt, so lange es geht, ge- meinsam mit unterschiedlichen Qualitäten, mit unterschiedlichen Leistungsniveaus. Denn da lernen Kinder gegenseitig voneinander. Das darf man nie unterschätzen. Deshalb, vielen Dank für die Vorlage. Wir stimmen selbstverständlich zu. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Ob wir einheitlich diesem Vorschlag zustimmen, kann ich im Au- genblick nicht sagen. Denn auch in unserer Gruppierung sind wir zweigeteilt. Ich persönlich werde dem Vorschlag zustimmen, auch wenn ich glaube, dass das Gesamtschulkonzept nicht mehr so bei den Bürgern und Schülern zieht, wie es einmal war. Dieses ganze System ist meiner Erfahrung nach und das, was ich von den Eltern und Schülern höre, auch nicht wesentlich bes- ser, als es in der Vergangenheit war. Aber wir wollen uns der Vorlage – wir werden sehen, wie wir nachher abstimmen – nicht im Ganzen verschließen. Ich sehe auch eine Chance. Aber letzt- endlich ist es nicht so gut, wie die Befürworter sagen. Es ist auch nicht so schlecht, wie die Geg- ner es sehen. Es ist eine Entwicklung, der man eine gewisse Chance geben sollte, die wir auch mit unserem Abstimmungsverhalten verdeutlichen werden. Stadtrat Bauer (GRÜNE): Lieber Kollege Hofmann, wir haben uns vor einem Monat von Ihnen anhören dürfen, dass wir landespolitische und bundespolitische Themen nicht in diesem Gre- mium besprechen sollten. Jetzt haben wir uns gerade drei Minuten lang diese Herablassung über die Gemeinschaftsschule von Ihnen anhören müssen, die schlicht und ergreifend landes- politischer Wahlkampf ist, den Sie für Ihre Kultusministerin im Endeffekt nach vorne ziehen. Es macht mich persönlich wirklich wütend, weil Sie damit die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern, die sich in diesem Bildungssystem, das Sie gerade so nach oben durchlässig benannt haben, nach oben gearbeitet haben, mit Füßen treten, mit dieser Herab- lassung. Das ist etwas, was ich ganz schwer ertragen kann, und von dem ich auch hoffe, dass die Öffentlichkeit das mitbekommen hat, wie Sie über diese Menschen denken. Das haben wir im Schulbeirat schon gehört, dass es eine Herabwürdigung des Abiturs sein soll, wenn Schülerin- – 6 – nen und Schüler an einer Gemeinschaftsschule diesen Bildungsabschluss erlangen. Das, glaube ich, sagt schon alles aus darüber, wie Sie dieses System sehen. Wenn Sie einmal anschauen, was an Gemeinschaftsschulen läuft an moderner Pädagogik, die Differenzierung erlaubt, die die Schülerinnen und Schüler mit ihren Begabungen da abholt, wo sie stehen, dann kommen Sie gerne einmal an ein klassisches Gymnasium, dann kommen Sie gerne einmal an eine Realschule. Da werden Sie genauso Lehrerinnen und Lehrer erleben, die diese gabengerechte Förderung hinbekommen in ihrem Unterricht. Aber nicht, weil diese Schularten das vorsehen, sondern obwohl diese Schularten das nicht vorsehen, bekommen die- se engagierten Lehrerinnen und Lehrer das hin. Die Gemeinschaftsschule macht das von Sys- temwegen. Und das in dieser Form hier so abzuwatschen, damit haben Sie sich selbst für Ihre Partei und für die Art und Weise, wie Sie unser Bildungssystem anschauen, einen Offenba- rungseid geleistet. Da muss man eigentlich nichts weiter dazu sagen. Stadtrat Hofmann (CDU): Vielleicht müssen wir alle noch einmal meinen Wortbeitrag anhören. Ich habe es anders gesagt, Herr Kollege Cramer. Ich habe nicht gesagt, dass jemand kein Abitur machen soll. Das habe ich nicht gesagt. Jeder kann ein Abitur machen. Aber er muss es nicht machen. Das habe ich gesagt. Es war auch in keinster Weise herablassend, Herr Kollege Bauer. Unsere Gemeinschaftsschulen, das habe ich immer gesagt, machen eine sehr gute Arbeit. Ich habe gesagt, sie haben auch eine Berechtigung. Es gibt viele Eltern und Schüler, die diese Schul- art wollen. Das ist mir schon klar. Es geht mir darum, ob wir eine gymnasiale Oberstufe einfüh- ren wollen. Daraus jetzt ein landespolitisches Thema zu machen, das hat damit nichts zu tun. Wir machen dies hier. Im Übrigen ist unsere Kultusministerin nicht gegen diese Gemeinschafts- schulen. Zumindest war mir das bisher nicht bekannt. Das tut mir leid. Was diese Polemik, die Sie gerade äußerten – eigentlich habe ich Sie bisher geschätzt -, sollte, da habe ich überhaupt kein Verständnis. Es war weder herablassend, es war auch überhaupt nicht abgewatscht. Die Gemeinschaftsschulen machen eine gute Arbeit. Es geht darum, ob wir hier eine gymnasiale Oberstufe brauchen. Da bin ich weiter der Meinung, dass wir das nicht unbedingt brauchen. Ich glaube, wir haben andere Probleme. Es geht darum, ob wir nicht andere Schularten haben, die es genauso abdecken können, und – wie es der eine oder andere vorhin gesagt hat – ob die Zahlen, die hier angenommen werden, auch wirklich der Realität entsprechen. Ich biete noch einmal an, wir stimmen mit, wenn diese 60 erreicht werden, dann führen wir sie ein. Wenn sie nicht erreicht werden, dann führen wir sie nicht ein. Das machen Sie nicht. Des- wegen seien Sie wenigstens ehrlich und gehen Sie nicht in einen Gegenangriff über und be- schimpfen mich. Denn ich habe nichts Negatives über Gemeinschaftsschulen, über die Schüler gesagt. Ich finde es hervorragend, wie die das machen. Ich habe auch betont, dass jeder nach seinen Bedingungen und nach seinen Voraussetzungen lernen soll. Das lasse ich mir nicht nach- sagen in diesem Bereich. Versuchen Sie einmal, die Realitäten anzusehen. Bisher hat es noch keine einzige Oberstufe geschafft, die geforderte Zahl zu erreichen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Ich bin schon entsetzt, wie hier mit einer anderen Meinung umge- gangen wird, wie Sie hier jemandem, der eine andere Meinung vertritt, Dinge unterstellen, die er wirklich nicht gesagt hat. Wenn Sie so mit Ihren Schülern umgehen, Herr Bauer, dann frage ich mich, was die dazu zu sagen haben. Sie haben wirklich Dinge gesagt, die er nicht gesagt hat. Überhaupt hat das, was von Links-Grün kam, wenig mit der Realität zu tun. Wir sind in Deutsch- land stolz auf unser einzigartig transparentes Schulsystem. Es gibt in Deutschland fast 50 ver- schiedene Möglichkeiten, zur Hochschulreife zu kommen. Da sind wir einzigartig und führend in – 7 – der Welt. Da muss man nicht so tun, als ob Schüler auf derselben Art Schule vom Anfang bis zum Abitur bleiben müssen. Gerade das ist bei uns schon lange nicht mehr so. Deswegen sind wir so erfolgreich. Marc Bernhard zum Beispiel, mein Kollege, der jetzt im Bundestag ist, hat in der Hauptschule angefangen, war auf der Realschule und später auf dem Gymnasium, hat Abi- tur gemacht und hat danach studiert. Das ist keine Ausnahme. Deswegen ist es bei uns nicht nötig, dass man auf derselben Schulart bleibt. Deswegen ist die Frage, ob man in einer Umge- bung, wo es bereits Gymnasien gibt mit gymnasialer Oberstufe, wirklich an dieser Schule auch noch eine gymnasiale Oberstufe braucht, durchaus berechtigt. Denn am Ende sollen die Schüler dasselbe zentral vergebene Abitur schreiben, auf das wir in Baden-Württemberg so stolz sind. Da bin ich gespannt, was dabei herauskommt, wenn wirklich so korrigiert wird, wie alle anderen Schüler auch korrigiert werden. Wenn Sie das jetzt einfüh- ren, dann ist es ein interessanter Versuch. Ich bin gespannt, was in vier Jahren darüber zu be- richten ist, wie die Ergebnisse sind. Denn das muss klar sein, es darf beim Abitur kein Messen mit zweierlei Maß geben. Denn sonst ist es kein echtes Abitur mehr. Dann hätten Sie dieser Schule wirklich einen schlechten Dienst getan, wenn man dort ein Abitur zweiter Klasse erwer- ben könnte. Der Vorsitzende: Ich möchte noch einmal auf folgendes hinweisen: Es gibt keine Verpflichtung von Eltern und Schülern, eine gymnasiale Oberstufe auf einer Gemeinschaftsschule zu machen, sondern es ist eine freie Entscheidung. Ich habe hier schon ganz viele Beiträge gehört, dass wir allen Eltern auch einen Hortplatz zur Verfügung stellen können, obwohl es darauf keinen Rechtsanspruch gibt und der Hort auch nicht als Standardmodell in irgendeinem Gesetz steht. An dieser Stelle scheint das aber etwas anders gesehen zu werden. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass das Abitur dasselbe ist, das an allen anderen Gymnasi- en auch gemacht wird. Auch da gibt es nichts, was man nicht aushalten und abwarten könnte. Ich möchte abschließend darauf hinweisen, dass auf der Beschlussvorlage „Antrag“ steht. Wenn es also Zweifel an den Zahlenerhebungen gibt, dann hängt das am Ende von der Landesregie- rung oder vom Kultusministerium ab, ob wir diesen Antrag genehmigt bekommen oder nicht. Von daher gibt es noch ganz viele andere Expertinnen und Experten, die sich mit diesen Zahlen beschäftigen. Ich möchte mich ausdrücklich auch für diese Konsensfindung bedanken, die jetzt zu diesem Vorschlag führt hat - es gab durchaus konkurrierende Standorte -, und auch die Konsensfin- dung, die es auf anderen Ebenen gegeben hat mit Eltern, mit vielen anderen Beteiligten. Wir kommen damit zur Abstimmung. Das sind 33 Zustimmungen, der Rest ist Ablehnung. Das ist eine deutliche Mehrheit. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – – 8 – 22. Juli 2020